Inhalt der Tafel vor Ort
Die Tafel zeigt verschiedene Hilfen für Menschen mit Behinderungen im öffentlichen Raum:
- Leitlinien am Boden zeigen den Weg und helfen bei der Orientierung. Bei Schutzwegen markieren Leit- und Stopplinien die Stelle, wo Personen sicher über die Straße gehen können.
- Ein barrierefreier Eingang mit automatischer Tür ermöglicht einen einfachen Zugang zu Gebäuden.
- Brailleschrift auf Tasten, Schildern oder Geräten hilft blinden Personen und Menschen mit Sehbehinderung.
- Leitlinien am Boden führen direkt zum Bedienfeld vom Lift. Die Tasten sind mit Brailleschrift versehen und können ertastet werden.
- Eine Rollstuhlrampe ermöglicht das Überwinden von Höhenunterschieden.
- Aufmerksamkeitsfelder an Haltestellen zeigen, wo Menschen mit Sehbehinderung und Blindheit auf Bus und Straßenbahn warten können. Hier halten Fahrer:innen an und rufen ihre Linie und Fahrtrichtung zu.
- Ein Smart-Board bei Haltestellen kann Abfahrtszeiten und Informationen vorlesen.
- Ein Ampeltaster gibt akustische und fühlbare Signale für eine sichere Straßenquerung.
- Quergestreifte Leitlinien markieren bei einem Schutzweg die Stelle zum sicheren Warten und Überqueren der Straße.
- Die Leitlinien müssen frei bleiben und dürfen nicht durch Personen, Fahrräder, E-Scooter oder andere Gegenstände blockiert werden.
Weitere Infos - Brailleschrift
Warum gibt es die Brailleschrift?
Die Erfindung der Schriftzeichen vor etwa 5.000 Jahren gehört zu den bedeutendsten kulturhistorischen Leistungen des Menschen. Viele Jahrtausende lang waren die Kulturtechniken des Lesens und Schreibens das Privileg einer kleinen Minderheit. Das änderte sich mit der Erfindung des Buchdrucks, der die Verbreitung von Büchern und Zeitschriften enorm förderte, und die Entwicklung der Volksbildung in der Zeit der Aufklärung.
Blinde Menschen waren bis dahin von diesen Kulturtechniken ausgeschlossen. Es gab keine Schrift, die für blinde Menschen gut lesbar war, obwohl sich die Lehrer:innen in den frühen Blindenschulen bemühten, Buchstaben reliefartig tastbar zu machen und so den Schüler:innen die Schrift zu vermitteln. Aber alle diese Versuche waren wenig oder gar nicht erfolgreich.

Dank der Brailleschrift können Menschen mit Blindheit oder Sehbehinderung lesen. © Stadt Innsbruck/W. Grünzweig
Wer erfand die Brailleschrift und wie funktioniert sie?
Diesen Notstand beendete der 16-jährige Louis Braille. Im Jahre 1825 präsentierte er eine aus 6 Punkten bestehende Buchstabenschrift. Die 6 Punkte sind angeordnet wie die 6 auf dem Würfel. Genau dieses 6-Punktefeld eignet sich ideal für die Fingerkuppe zum Ertasten und damit zum Lesen. Aus den Kombinationen der 6 Punkte lassen sich alle Buchstaben des Alphabets, alle Satzzeichen, Akzentbuchstaben und Lautzeichen wie au, ei, ch und sch abbilden.
Zunächst wurde die Punktschrift, wie sie auch genannt wird, von den damaligen Pädagog:innen abgelehnt, weil sie zu sehr von der Schrift der Sehenden abweicht. In der Praxis hat sich die Schrift aber durchgesetzt und heute wird die Brailleschrift weltweit verwendet – sogar für das Chinesische und Japanische gibt es Braillesysteme.
Die Brailleschrift ist auch so flexibel, dass man Musiknoten, Mathematik-, Physik- und Chemiezeichen darstellen kann und vor allem auch viele Akzentzeichen in Fremdsprachen.
Wird die Brailleschrift auch digital eingesetzt?
Ja. Seit etwa 50 Jahren ist die Brailleschrift für den Computereinsatz angepasst. Allerdings musste man das 6-Punktfeld auf 8 Punkte erweitern, um die vielen zusätzlichen Zeichen darstellen zu können. Heute ist der Computer auch für blinde Menschen am Arbeitsplatz und für den täglichen Bedarf nicht mehr wegzudenken.

Mit der Braillezeile ist es möglich, die Brailleschrift auch am Computer zu verwenden. © AdobeStock_111988841
Wie hilft Braille im öffentlichen Bereich?
Die Brailleschrift wird im öffentlichen Bereich angewendet, um blinden Menschen bei der Orientierung zu helfen oder barrierefreien Zugang zu Informationen zu erleichtern. So gibt es zum Beispiel am Bahnhof Innsbruck auf den Zugängen zu den Bahnsteigen Braillebeschriftungen. Viele Aufzüge in öffentlichen Gebäuden sind mit Braille gekennzeichnet. Es gibt Restaurants, die Speisekarten in Braille anbieten, Hotels, die ihre Zimmertüren in Braille beschriften, oder auch viele Museen und botanische Gärten mit Tafeln, auf denen Infos in Braille abgebildet sind. Die Stadt Innsbruck hat den Wanderweg entlang der Sill wieder neu gestaltet und dabei die Informationstafeln erneuert. Auf jeder Tafel ist ein Relief gut tastbar und eine dazugehörige Kurzinfo in Braille.
Text: Dipl. Päd. Klaus Guggenberger, ehem. Obmann des Blinden- und Sehbehindertenverbands Tirol, angepasst und ergänzt durch Web-Redaktion
Orientierung

Eine Person orientiert sich mit einem Langstock auf gefrästen Leitlinien. © Stadt Innsbruck/W. Grünzweig
Woran orientieren sich Personen mit Blindheit oder Sehbehinderung?
Blinde oder sehbehinderte Menschen nutzen im öffentlichen Raum sehr oft Leitlinien, um ihren Weg zu finden. Diese können sehr vielfältig sein wie Hauswände, Gehsteigkanten, Rigole, also Abwasserrinnen mit Gittern, Rasenkanten oder der Unterschied zwischen einem befestigten Weg und der danebenliegenden Grasfläche. Eines haben diese Elemente gemeinsam, sie müssen eindeutig erkennbar und frei von Hindernissen sein, damit sie gefahrlos verwendet werden können.
Wozu dienen Rillen und Noppen auf den Wegen?
Gibt es keine Leitlinien oder sind diese nicht benutzbar, werden taktile Bodeninformationen aus Rillen oder Noppen angebracht. In Gehrichtung weisen die Rillen den blinden oder stark sehbeeinträchtigten Menschen den sicheren Weg zwischen Hindernissen hindurch.
Quer zur Gehrichtung zeigen sie als Auffanglinie zum Beispiel Fußgängerübergänge oder den vordersten Punkt von Bushaltestellen an. Fußgängerübergänge werden zusätzlich mit Rillen quer zum Übergang markiert damit man mit dem Langstock spürt, ob man sich noch im sicheren Bereich des Gehweges befindet oder schon auf der Fahrbahn oder dem Radweg steht. Haltestellen werden zusätzlich mit einem großen Feld aus Noppen markiert. Steht eine mit Langstock und/oder Blindenschleife gekennzeichnete Person dort, so sagt der:die Fahrer:in des Fahrzeuges die Linie und Fahrtrichtung an, auf der er:sie unterwegs ist.
Wie wird der Weg mit einem Langstock erspürt?
Der Langstock wird auch Weißer Stock genannt. Mit ihm kann man verschiedene Böden ertasten. Die meisten Langstöcke haben an der Spitze eine kleine, abgerundete Rolle. Damit gleitet oder rollt der Langstock beim Gehen über den Boden. Beim Überqueren von Rillen, Noppen oder anderen Strukturen im Boden entstehen unterschiedliche Widerstände. Der Stock überträgt diese in die Hand. Auf unterschiedlichen Böden ändert sich auch das Roll- oder Tastgeräusch. So können blinde und sehbehinderte Menschen Leitlinien spüren und sogar hören. Sie erkennen, wenn sich die Richtung ändert und können sich sicherer orientieren.
Damit man einen Langstock richtig und sicher verwenden kann, muss man viel üben. Bei Orientierung- und Mobilitätstrainings (O&M) zeigt der BSVT wichtige Techniken für den Umgang mit dem Langstock. Menschen mit Blinheit oder Sehbehinderung sensibilisieren dabei alle Sinne. Sie lernen sich im Wohngebiet besser zu orientieren, Bus und Bahn zu nutzen und auch ihren eigenen Körper zu schützen. Mehr Infos zum Training finden Sie beim Blinden- und Sehbehindertenverband Tirol:
Was erschwert Menschen mit Blindheit oder Sehbehinderung den Weg?
Oft sind Räder oder Scooter auf dem Leitsystem abgestellt. Der Langstock verfängt sich und das Rad fällt auf die Person mit Blindheit oder Sehbehinderung.
Im Video wird gezeigt, wie eine Person mit Langstock einen Weg entlang geht. Kurz bevor diese an die Leitlinien gelangt, fährt eine haarige Figur namens Wuschl vor die Person und stellt einen Scooter direkt auf der Leitlinie ab. Die Person hebt die Hand und Comic-Zeichen zeigen an, dass sie sich ärgert. Wuschl blinkt rot. Die Szene wird zurückgespult und erneut abgespielt. Dieses Mal parkt Wuschl den Scooter nicht auf der Leitlinie und die Person kann ohne Hindernisse weitergehen. Wuschl blinkt grün. Man sieht die Person einen Kuss zuwerfen und rote Herzen fliegen durch die Luft. Beendet wird das Video mit einer großgedruckten Schrift "Innsbruck sagt Danke", an der Wuschl mit Scooter vorbeifährt.
Hindernisse an Ampeln
Falsch abgestellte Scooter, Fahrräder, Mülltonnen oder andere Hindernisse sind auch bei Ampeln ein Problem. Sie können zum Beispiel den Weg zu Ampelauslösern versperren. Diese sind übrigens nur zu hören, wenn sie Menschen mit Blindheit oder Sehbehinderung mit einem Handsender für Lichtsignalanlagen aktivieren.

Hält man seine Hand an die Ampelsignal-Anlage, vibriert diese bei grünem Licht. Drückt ein Mensch mit Blindheit oder Sehbehinderung außerdem auf den blauen Knopf eines Anforderungstasters wie links unten im Bild, ertönen zusätzlich akustische Signale.© Stadt Innsbruck/W, Grünzweig
Hindernisse an Hauswänden und Gehsteigkanten
Personen mit Sehbehinderung orientieren sich auch an Hauswänden, Gehsteigkanten und anderen leicht unterscheidbaren Oberflächen. Alle Gegenstände, die solche Orientierungslinien unterbrechen oder versperren, können die Barrierefreiheit einschränken.
Im Video wird gezeigt, wie eine Person mit einem Rollstuhl zur Ampel fährt. Kurz bevor sie zum gelben Ampelmelder gelangt, fährt eine haarige Figur namens Wuschl vor die Person und stellt ihren Scooter direkt vor den Ampelmelder ab. Die Person kann den Ampelmelder nicht mehr betätigen, hebt beide Hände in einer fragenden Geste und Comic-Zeichen zeigen an, dass sie sich ärgert. Wuschl blinkt rot.
Die Szene wird zurückgespult und erneut abgespielt. Dieses Mal parkt Wuschl auf einem vorgesehenen Abstellplatz und die Person gelangt ohne Hindernisse zur Ampel. Wuschl blinkt grün. Man sieht die Person einen Kuss zuwerfen und rote Herzen fliegen durch die Luft. Beendet wird das Video mit einer großgedruckten Schrift "Innsbruck sagt Danke", an der Wuschl mit Scooter vorbeifährt.
Text: Michael Berger, stellvertretender Vorsitzender des Behindertenbeirats Innsbruck, angepasst und ergänzt durch Lea Stoll (BSVT) und die Web-Redaktion.







