Lesen. Tasten. Gehen.

Wie orientieren sich blinde und sehbehinderte Menschen im Alltag? Und wie funktioniert Brailleschrift? Einblicke in selbstständige Wege.

Warum gibt es die Brailleschrift?

Die Erfindung der Schriftzeichen vor etwa 5.000 Jahren gehört zu den bedeutendsten kulturhistorischen Leistungen des Menschen. Viele Jahrtausende lang waren die Kulturtechniken des Lesens und Schreibens das Privileg einer kleinen Minderheit. Das änderte sich mit der Erfindung des Buchdrucks, der die Verbreitung von Büchern und Zeitschriften enorm förderte und die Entwicklung der Volksbildung in der Zeit der Aufklärung.

Blinde Menschen waren bis dahin von diesen Kulturtechniken ausgeschlossen. Es gab keine Schrift, die für blinde Menschen gut lesbar war, obwohl sich die Lehrer:innen in den frühen Blindenschulen bemühten, Buchstaben reliefartig tastbar zu machen und so den Schüler:innen die Schrift zu vermitteln. Aber alle diese Versuche waren wenig oder gar nicht erfolgreich.

Wer erfand die Brailleschrift und wie funktioniert sie?

Diesen Notstand beendete der 16-jährige Louis Braille. Im Jahre 1825 präsentierte er eine aus 6 Punkten bestehende Buchstabenschrift. Die 6 Punkte sind angeordnet wie die 6 auf dem Würfel. Genau dieses 6-Punktefeld eignet sich ideal für die Fingerkuppe zum Ertasten und damit zum Lesen. Aus den Kombinationen der 6 Punkte lassen sich alle Buchstaben des Alphabets, alle Satzzeichen, Akzentbuchstaben und Lautzeichen wie au, ei, ch und sch abbilden.

Zunächst wurde die Punktschrift, wie sie auch genannt wird, von den damaligen Pädagog:innen abgelehnt, weil sie zu sehr von der Schrift der Sehenden abweicht. In der Praxis hat sich die Schrift aber durchgesetzt und heute wird die Brailleschrift weltweit verwendet – sogar für das Chinesische und Japanische gibt es Braillesysteme.

Die Brailleschrift ist auch so flexibel, dass man Musiknoten, Mathematik-, Physik- und Chemiezeichen darstellen kann und vor allem auch viele Akzentzeichen in Fremdsprachen.

Wird die Brailleschrift auch digital eingesetzt?

Ja. Seit etwa 50 Jahren ist die Brailleschrift für den Computereinsatz angepasst. Allerdings musste man das 6-Punktfeld auf 8 Punkte erweitern, um die vielen zusätzlichen Zeichen darstellen zu können. Heute ist der Computer auch für blinde Menschen am Arbeitsplatz und für den täglichen Bedarf nicht mehr wegzudenken.

Ein Ausschnitt einer Tastatur mit Braillzeile, auf der mit 4 Fingern gefühlt wird.

Mit der Braillezeile ist es möglich, die Brailleschrift auch am Computer zu verwenden. © AdobeStock_111988841

Wie hilft Braille im öffentlichen Bereich? 

Die Brailleschrift wird im öffentlichen Bereich angewendet, um blinden Menschen bei der Orientierung zu helfen oder barrierefreien Zugang zu Informationen zu erleichtern. So gibt es zum Beispiel am Bahnhof Innsbruck auf den Zugängen zu den Bahnsteigen Braillebeschriftungen. Viele Aufzüge in öffentlichen Gebäuden sind mit Braille gekennzeichnet. Es gibt Restaurants, die Speisekarten in Braille anbieten, Hotels, die ihre Zimmertüren in Braille beschriften, oder auch viele Museen und botanische Gärten mit Tafeln, auf den Infos in Braille abgebildet sind. Die Stadt Innsbruck hat den Wanderweg entlang der Sill wieder neu gestaltet und dabei die Informationstafeln erneuert. Auf jeder Tafel ist ein Relief gut tastbar und eine dazugehörige Kurzinfo in Braille. 

Woran orientieren sich blinde und sehbehinderte Menschen?

Blinde Menschen nutzen im öffentlichen Raum sehr oft Leitlinien, um ihren Weg zu finden. Diese können sehr vielfältig sein wie Hauswände, Gehsteigkanten, Rigole, Rasenkanten oder der Unterschied zwischen einem befestigten Weg und der danebenliegenden Grasfläche. Eines haben diese Elemente gemeinsam, sie müssen eindeutig erkennbar und frei von Hindernissen sein, damit sie gefahrlos verwendet werden können.

Wozu dienen Rillen und Noppen auf den Wegen?

Gibt es keine Leitlinien oder sind diese nicht benutzbar, werden taktile Bodeninformationen aus Rillen oder Noppen angebracht.  In Gehrichtung weisen die Rillen den blinden oder stark sehbeeinträchtigten Menschen den sicheren Weg zwischen Hindernissen hindurch.

Quer zur Gehrichtung zeigen sie als Auffanglinie zum Beispiel Fußgängerübergänge oder den vordersten Punkt von Bushaltestellen an. Fußgängerübergänge werden zusätzlich mit Rillen quer zum Übergang markiert damit man mit dem Langstock spürt, ob man sich noch im sicheren Bereich des Gehweges befindet oder schon auf der Fahrbahn oder dem Radweg steht. Haltestellen werden zusätzlich mit einem großen Feld aus Noppen markiert. Steht eine mit Langstock und/oder Blindenschleife gekennzeichnete Person dort, so sagt der:die Fahrer:in des Fahrzeuges die Linie und Fahrtrichtung an, auf der er:sie unterwegs ist. 

Ein Leitsystem mit Rillen vor der Universitäts- und Landesbibliothek Tirol

Gibt es keine natürlichen Leitlinien, orientieren sich Personen mit Sehbehinderungen an Rillen und Noppen eines Leitsystems. © Haller, Grünzweig

Wie wird der Weg mit einem Langstock erspürt? 

Inputs für Text von Sehen. Hören. Fühlen

  • Input von Lea: Erklären, wie durch die feinen Vibrationen unterschiedliche Bodenbeschaffenheiten ertastet werden? präzisere Beschreibung 
  • Erklären, warum es wichtig ist, die Leitlinien (egal ob natürlich oder extra angelegt) freizuhalten. Wie sich die Personen hier verletzen und darstellen, dass es keine Mglkeit für Betroffene gibt, ein Rad, offene Kofferräume oder Laderampen zu erkennen, bevor man reinläuft.
  • Erklären wie der Hörsinn hilft.
  • Vielleicht auch Signale bei Zebrastreifen erklären. Warum hört man sie nicht immer? Wie orientiert sich hier ein:e Betroffene:r?