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50 Jahre Olympische Winterspiele 1976

Ab 5. Jänner 2026 finden Sie beim Audiokanal „Stadtstimmen“ die Sondersendung 50 Jahre Olympische Winterspiele 1976“. Jede Woche erscheint eine neue Folge.

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Stadtarchiv Innsbruck

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Transkript

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[Fanfare mit Stadionansage: 50 Jahre Olympische Winterspiele 1976]

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Tobias: Vor 50 Jahren rückten die Olympischen Winterspiele 1976 Innsbruck erneut in den Mittelpunkt der Weltöffentlichkeit. Anlässlich dieses Jubiläums blicken wir nicht nur zurück – sondern hören vor allem zu.

Gemeinsam mit unseren Gästen erinnern wir an legendäre Momente, sprechen über den Spirit dieser „einfachen Spiele“ und werfen einen Blick darauf, wie Innsbruck und die Region bis heute von diesem Großereignis geprägt sind. Im Mittelpunkt der Sondersendung stehen die persönlichen Erlebnisse ehemaliger Athletinnen und Athleten, ergänzt durch Gespräche mit weiteren Beteiligten und spannenden Hintergrundinhalten.

Die erste Folge wird am Montag, dem 5. Jänner 2026, veröffentlicht; die folgenden dreizehn Episoden erscheinen im wöchentlichen Rhythmus. Und so viel darf schon verraten werden: Unser erster Gesprächspartner ist Hansi Hinterseer.

Zeitzeug:innen, Anekdoten, Hintergrundgeschichten – all das erwartet euch in dieser speziellen Sondersendung des Kulturamts der Stadt Innsbruck über die Olympischen Winterspiele 1976. Abonniert die Sendung am besten jetzt schon, damit ihr keine der Folgen ab Jänner verpasst!

[01:27:00]

Hansi Hinterseer

Hansi Hinterseer

Stadtarchiv Innsbruck

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Transkript

Fanfare mit Lautsprecherdurchsage: 50 Jahre Olympische Winterspiele 1976. #00:00:13‑4#

Hanna: #00:00:21‑4# (...) Hallo und herzlich willkommen zur ersten Folge der Podcast Sendung 50 Jahre Olympische Winterspiele 1976. Zum Auftakt sprechen wir mit Hansi Hinterseer über seine Teilnahme an den Olympischen Spielen in Innsbruck. Vor allem jüngeren Generationen wird Hansi nicht mehr als Skifahrer bekannt sein. Bevor er jedoch als Entertainer und Sänger begeisterte, trat er in die Fußstapfen seines Vaters und machte sich als erfolgreicher Slalomfahrer einen Namen. Seine Teilnahme an den Olympischen Spielen in Innsbruck verlief jedoch nicht wie erhofft. Aber das lassen wir Hansi selbst erzählen. Wir freuen uns, dass Sie unseren Podcast eingeschaltet haben. Nach einem Ausschnitt aus dem Jubiläumsmarsch, gespielt von der Stadtmusikkapelle Wilton, geht es auch schon los. #00:01:09‑8#

Tobias: #00:01:21‑9# (Musik) Lieber Hansi, danke, dass du uns hier in Kitzbühel empfängst und mit uns über die Olympischen Winterspiele 1976 in Innsbruck sprichst. Ich weiß, das ist ein paar Jahre her. Ist vielleicht nicht das angenehmste Thema für dich zum Sprechen. Dazu kommen wir aber noch. Wenn wir von den Olympischen Winterspielen 1976 in Innsbruck sprechen, was ist denn da das Erste, was dir durch den Kopf geht, wenn du zurückdenkst? #00:01:46‑5#

Hansi Hinterseer: #00:01:47‑9# Ja, da muss ich grade mal nachdenken. Nein, es ist so, dass natürlich als junger Mensch, wenn du die Chance hast, bei den Olympischen Spielen dabei zu sein, das ist schon was bäriges gewesen. Also das ist schon, die Freiheit, und, Olympia. Die ganzen Geschichten, was du vorher gehört hast. Daheim auch noch. Die Erwartungen waren natürlich schon riesig groß und alles andere, was noch passiert ist in meiner Abteilung war natürlich nicht so lustig. #00:02:16‑6#

Tobias: #00:02:16‑8# Da können wir mal, ich komm da noch drauf. Ich fange mal ein bisschen davor an, weil es war ja gar nicht so lange klar, dass Innsbruck 76 Olympia Austragungsort wird. Es ist erst 73, wenn ich das richtig im Kopf habe, die Entscheidung dann gefallen, nachdem der vorherige Austragende zurückgezogen hat. Es hat die Entscheidung gegeben oder die Entscheidung ist dann auf Innsbruck gefallen, weil halt die Infrastruktur schon vorhanden war. Zu dem Zeitpunkt 73, 74 warst du natürlich schon aktiv. Du warst sportlich, es war deine Hochzeit. Wie hast du das erfahren oder hast du davon erfahren, relativ gleich, die Spiele kommen jetzt nach Innsbruck? Gibt es da noch Wahrnehmungen zu der Vorbereitungszeit? #00:02:59‑9#

Hansi: #00:03:00‑3# Eigentlich nicht mehr. Natürlich hat man sich irrsinnig gefreut als Athlet, dass man daheim die Spiele hat. Diese Problematiken der ganzen IOCs, Probleme und Rechenschaften und Verträge etc. das hat uns eigentlich überhaupt nicht interessiert. Wir haben die Spiele vorher natürlich beobachtet und so und dass man nachher das Go bekommt, dass man die Spiele daheim hat in Innsbruck Ja, wir haben uns gefreut darauf. Also wir haben uns eigentlich gar nicht so gekümmert. #00:03:27‑5#

Tobias: #00:03:27‑9# Geht man da anders heran, wenn die Spiele im eigenen Land, du als Tiroler natürlich, in Innsbruck sind? Baut es schon vorab Druck auf? Ist das schon für dich so ein „Da muss ich liefern“ sozusagen? #00:03:38‑7#

Hansi: #00:03:39‑4# Nein, das war damals nicht so! Wir sind ja 72 in Sapporo gewesen, wo der Schranz eigentlich der Favorit gewesen ist und wo nachher der sogenannte Mister Avery Brundage den Karl disqualifiziert hat, wegen einer lächerlichen 20.000 Schilling damals, vielleicht auch viel Geld gewesen damals, aber für so eine Trikotwerbung haben sie den Verstoß des Amateurstatus und von den Spielen eliminiert. Muss man sich mal vorstellen. Und der Karl war damals wirklich derjenige, der die Rennen vorher gewonnen hat und absoluter Topfavorit war. Und in Japan haben sie ihn noch Heim geschickt. Der alte Herr Mister Brundage, der ist schon 87 Jahre gewesen ist oder noch älter. Und das haben wir mitgekriegt, natürlich. Aber so die Vorbereitung auf Innsbruck, das ist aber ein eigenes Thema, wo wir reden können. Aber wir waren Worldcup Rennen, Gesamtworldcup, Weltmeisterschaft, St. Moritz Das war unser Ziel. Innsbruck war natürlich da, aber das ist noch weit weg. #00:04:37‑8#

Tobias: #00:04:38‑5# Weil du ja 72 angesprochen hast, Da hättest du ja gerne mitfahren wollen. Aber du warst noch zu, oder das war der Grund, oder sie haben es als Grund angegeben, dass du zu jung wärst, oder? #00:04:50‑3#

Hansi: #00:04:50‑9# Ja, ich muss dazu sagen, dass ich mit den Frauen in meinem Leben eigentlich immer gut gefahren bin. Habe ich aber Glück gehabt, muss ich sagen. Aber Olympia hat mich nicht mögen. Die hat mich einfach nicht mögen. Und das ist so in 72, da bin ich zweimal bester Österreicher gewesen. Mit 17 Jahren war wirklich gut in Form und mich haben sie nicht mitgenommen. Zu mir haben sie gesagt Hansi du bist noch so jung, du hast noch so viel vor dir. Aber momentan passt es nicht. Du darfst nicht mitfahren. Und das war damals richtige Watschen für mich, weil ich wirklich heiß gewesen drauf war. Ich bin gut gefahren. Und wenn man zweimal bester Österreicher ist in der ersten Zeit, wo wirklich Österreich Nummer eins war, da hast du schon als Bub Hoffnung, dass da dabei sein kannst. Und Japan sowieso. Japan nochmal voll bärig.

Und dann haben sie mich beim letzten Rennen, weiß ich noch der Hoppichler, der war damals der Chef, mit mir also ein vier Augen Gespräch gehabt. Da hat er gesagt „Hansi, du bist gut und deine Zukunft kommt noch, aber für Japan bist du ein bisschen zu jung dafür.“ Das hat weh getan. #00:05:51‑4#

Tobias: #00:05:51‑9# Hast du dann auch das als Motivation genommen, dass du nicht mitfahren hast oder dass die nicht mitgenommen haben, um zu zeigen für die nächste oder im Hinblick auf die nächsten Spiele. #00:06:00‑3#

Hansi: #00:06:00‑3# Nein, das hat es nicht gegeben zu der Zeit. Es war einfach, du bist ein junger Athlet, du bist ein junger, aufstrebender, talentierter Bursche. Das ist einfach passiert und du freust dich natürlich auf jedes Rennen und dass Olympia nicht funktioniert hat, natürlich hat es mich geärgert, das ist ganz klar. Aber das war vorbei. Das ist okay gewesen. Und jetzt fahre ich richtig gut und können sich nicht mehr rausnehmen. #00:06:20‑3#

Tobias: #00:06:20‑9# Im 74. Hahnenkamm. #00:06:22‑6#

Hansi: #00:06:23‑1# Und Weltmeisterschaft. #00:06:23‑9#

Tobias: #00:06:24‑0# Und Weltmeisterschaft. Also wie gesagt, vor die Spiele. #00:06:26‑8#

Hansi: #00:06:27‑2# Vorher Gesamtweltcup. #00:06:29‑0#

Tobias: #00:06:29‑2# Du warst top. Auch noch im 75er Jahr, also Start der Saison. Ich glaube, Schladming war noch vor die Spiele kurz davor. Ja, genau. #00:06:40‑5#

Hansi: #00:06:41‑0# Na ja, da kommt eine zwischen Saison dazu und zwar da kommt jetzt wieder der Schranz ins Spiel. Die Spiele Innsbruck 76. Wir haben 72 total neue Führung gekriegt. Präsidenten, Vizepräsidenten, Sportdirektor Sailer, Toni. Der Vater war ein Slalom Trainer, Riesenslalom Trainer. Das ist kein Abfahrtsrennen. Also komplett umgebuddelt worden. Alles zusammen. Und wir sind der sensationelle gute Weltmeisterschaft von 74 wirklich gut gefahren. Was machen die wahnsinnig nach 74, nach der Weltmeisterschaft? Eine Umsteigsperre haben sie uns auferlegt, den Athleten. Wo wir jetzt nachher fahren wir vielleicht ein bisserl zum Verderben. Wir haben damals gut verdient, muss man dazu sagen. Aber trotzdem Wenn du eine gute Weltmeisterschaft hast, dann hast du natürlich vertragsmäßig ganz anders auftreten. So, jetzt haben die die Idee gehabt, weil der Karl Schranz 72 disqualifiziert worden ist. Da uns das nicht noch einmal passiert wegen Verträge, wegem Amateurstatus weist du ja, machen wir eine Umsteigsperre. Noch dazu haben sie uns den besten Skischuhe damals, das war der lange Skischuhe, der war einfach der Schuh, den du haben hast müssen. Das ist einfach ein anderer Schuh gewesen. Mit dem hast du fahren können. Und damals die Entwicklung materialmäßig ist uns von Jahr zu Jahr besser geworden. Da schmeißen die uns den Schuh raus. Und das ist natürlich in meinem Metier total katastrophal gewesen, weil ich bin seit 69 die lange Schuhe gefahren und  ich habe mich einfach wohlgefühlt. Das ist für mich, Ich bin eingestiegen und es hat gepasst. Und wenn man das jetzt erklären kann, vielleicht für jemand der sich nicht so auskennt. Der Schuh ist ja eigentlich das wichtigste Teil der Ausrüstung. Das ist zwischen Ski und Mensch eigentlich das Bindeglied. Und wenn das nicht funktioniert, wenn dir der Schuh drückt oder wenn du weißt, das passt mir nicht. Da kannst du keine Leistung bringen. Jetzt ist das natürlich passiert, dass die den Schuh rausgeschmissen haben. Und noch dazu haben sie uns Skischuh österreichisches Material Köflach, Dynafit, Kastinger. Und die Schuhe waren gut. Aber zu der damaligen Zeit war das eine Katastrophe. Das wäre, wenn es mit den Bergschuhe einfach Skifahren gegangen bist. Und das hat mich brutal getroffen. In der Zeit noch nach 74 und wir haben da, das kannst du dir überhaupt nicht vorstellen, zu basteln angefangen mit Material, das der Schuh steifer geworden ist, dass er Grip hat und so also alles haben wir probiert, aber es ist einfach nicht gegangen. Das hat Jahre gebraucht, bis wir es wirklich in den Griff gekriegt haben. Und das ist genau in der Zeit eingefallen, auf Olympia hin. 75 kann ich mir irgendwie rumgebracht, habe gute Resultate gefahren, bin auch dabei gewesen. Ich habe gewonnen. Zweiter, Dritter und bin gesamt Vierter geworden. Im Worldcup war ich dabei und dann ist Olympia gekommen und da hab ich mich eigentlich ein bissel eingestellt gehabt aber, wie gesagt, dann ist Olympia gekommen, die Freundin, die hat mich einfach nicht mögen. #00:09:33‑4#

Tobias: #00:09:34‑6# Wie ist die Strecke generell gelegen? Weil das war ja Axamer Lizum. Bist du die davor schon, also die ist ja davor gar nicht. Weil die war ja davor nicht Teil vom quasi während dem Jahr, quasi während der Rennen. #00:09:53‑7#

Hansi: #00:09:53‑8# Richtig. Und das kann man ja eigentlich heutzutage in die Vorbereitungen gar nicht mehr vorstellen. Wir haben gewusst seit drei Jahren, dass Olympische Spiele in Innsbruck sind. In der Axamer Lizum und unser Skiverband hat das nicht zuwege gebracht, dass man wenigstens einmal einen Tag gefahren waren, dass man den Kurs, einmal den Hang fahren, dass man den Hang kennenlernt. Schattenseiten, Sonnenseiten, steil, flach, was immer. Dass man einfach eine lässige Vorbereitung haben. Dass man das wirklich einstellen können auf den Hang. Die Italiener haben gemacht, die haben versucht, irgendwo einen Hang zu finden. Die Schweizer haben das gemacht, die Österreicher aber nicht einmal eine Sekunde, dass wir gefahren waren. Im Nachhinein, ich bin damals auch vielleicht zu blöd gewesen, sonst wäre ich sie vielleicht einmal selber gefahren. Aber man hat noch nie so denkt, sondern wir sind einfach hingefahren und sind gefahre. #00:10:42‑6#

Tobias: #00:10:42‑6# Für das war ja der Skiverband da. #00:10:44‑4#

Hansi: #00:10:44‑7# Also normalerweise ja. #00:10:45‑4#

Tobias: #00:10:46‑0# Der soll ja die besten Voraussetzungen liefern, dass der eigene Sportverein. #00:10:48‑7#

Hansi: #00:10:49‑0# Im eigenen Land. #00:10:49‑3#

Tobias: #00:10:49‑3# Im eigenen Land. #00:10:50‑6#

Hansi: #00:10:51‑2# Die Vorfreude ist so bärig gewesen. Wirklich! Wir haben uns so gefreut auf die Spiele und der Franzi war sensationell, fantastisch, wunderbar. Aber wir Techniker sind wirklich am Arsch gewesen, wirklich am Arsch gewesen. #00:11:03‑0#

Tobias: #00:11:04‑0# Wenn man jetzt schon bei der Spieler sind, vielleicht auch noch, bevor man dann aufs Rennen oder auf die zwei Rennen eingehen. Warst du im olympischen Dorf untergebracht? #00:11:11‑6#

Hansi: #00:11:11‑8# Ich habe mich geweigert, ich habe mich geweigert. Ich muss dazu sagen, die Techniker waren natürlich für die Rennabläufe die letzte Woche geplant. Also dann Freitag, Donnerstag, Sonntag. #00:11:25‑9#

Tobias: #00:11:25‑9# Ja, genau. Ich glaube aber mit der Woche dazwischen glaube ich. #00:11:28‑4#

Hansi: #00:11:28‑5# Erster Bewerb war die Abfahrt. #00:11:30‑5#

Tobias: #00:11:30‑7# Genau. #00:11:31‑0#

Hansi: #00:11:31‑9# Und das hat der Franz sensationell gemacht. Der hat genau so einen Druck gehabt. Aber irgendwo, wenn du eine Spiel Eröffnung hast und hast die Eröffnung, du läufst mit der Fahne, so wie ers gemacht hat, da muss ja dazu sagen. Wir haben eine Einkleidung gekriegt, also das ist eigentlich gegenüber die anderen Athleten, mit so einer Ausrüstung einzumarschieren ist so eine Frechheit gewesen mit Gold und Schwarz. Also quasi was will sie eigentlich, die anderen? Und die haben uns eigentlich allein schon den Druck, was die uns auferlegt haben. Und das sind wir mit Gold schwarz einmarschiert und wir haben so geschämt, ich weiß noch wie man da das Olympiastadion einmarschiert sind, freut und klatscht und so und auf der einen Seite „Buhh wie kommt denn die daher“ und so, also so was von daneben. Nichts Positives. Also gleich weiß ich noch wir waren echt drüber und wir Athleten sind eigentlich die Armen gewesen. Wir haben es zeigen müssen und Gott sei Dank hat der Franz gewonnen. Der hat natürlich den Druck weggenommen, oder auf der einen Seite hat es nur mehr Druck gegeben, weil ich bin ja eigentlich Ende der letzten Woche dran gekommen und da sind die Berichterstattungen natürlich brutal gewesen. Also von einer Goldmedaille zur anderen Goldmedaille vor einer Sitzung und das musst du als junger Bursche zuerst einmal miterleben. #00:12:47‑9#

Tobias: #00:12:48‑0# Und ich wollte gerade sagen, weil Franz hat die goldene geholte. Dann dauert es ein paar Tage und bis dahin war der Druck aufgebaut. Also für einen jungen Menschen ist das enorm sein. #00:12:59‑1#

Hansi: #00:13:00‑0# Franz, Was du sagst der olympische Dorf. Ich habe ja nicht gewohnt. Ich bin daheim gewesen, habe versucht, den ganzen Trubel auch daheim irgendwie wegzubringen, was auch gut gelungen ist, weil du hast einiges einstecken können. Jeder hat eigentlich schon die Goldene umgehängt, mehr oder weniger. Und ich weiß noch, wie Franz gratuliert hat, bin ich auch auf sein Zimmerchen bin ich gleich zu ihm hin, da sagt er: Hansi schau. So schaut's aus. Du kannst auch zwei holen, hat er gesagt. Das werde ich nie vergessen. Und natürlich, ich habe mich wohlgefühlt. Ich bin. Ich bin super in Form gewesen, aber ich war damals einfach nicht reif genug. Ich war viele Fehler gemacht. Selber muss ich sagen, ich habe den Druck einfach von Tag zu Tag nicht mehr gehändelt, obwohl ich gut gewesen bin. Aber der Clou bei der ganzen Vorbereitung war des… Ja, das ist eine eigene Geschichte. #00:13:47‑0#

Tobias: #00:13:48‑0# Bitte, gern. Gern. #00:13:49‑0#

Hansi: #00:13:49‑3# Wir haben, musst du einmal vorstellen, bis zum Hahnenkammrennen, das war das letzte Rennen. Nie eine richtige Vorbereitung gehabt. Weder Axamer Lizum noch irgendwo. Wir haben einfach Rennen zu Rennen gefahren. Und dann stehe ich oben auf der Hausbergkante beim Abfahrtslauf. Und der Toni steht neben bei. Da sag ich: Du Toni wo trainieren wir eigentlich auf Innsbruck? Dann schaut er mich an. Ja, da hast du die Hausbergkante. Oben links hängend und mit der Schrägfahrt und Innsbruck ist gerade oben gegangen, rechts hängend. Also genau das Gegenteil. Ja gut, dann sage ich ja, wer sperrt da die Piste ab? Ich weiß noch, der Windprächtinger hat er geheißen oder nein Pfeiffauf Gust hat er geheißen, der war oben auf der Hausbergkante und der Toni schreit ihm hinüber: du, sperren wir ab danach. Und damals war wirklich noch einen letzten Läufer Haben Sie die Touristen oben haben können. #00:14:43‑8#

Tobias: #00:14:44‑0# Stimmt, das war sie auch noch. #00:14:44‑9#

Hansi: #00:14:45‑2# Da ist dann Sodom und Gomorrha. Aber das ist eigentlich brutal. Also da hat der ein Seil gespannt, abgesperrt und dann sind wir natürlich über Seil drüber gehüpft, unter Seil durch die Pisten und ausschaut und da haben wir trainiert. Das musst du dir vorstellen, wir haben ein Rennen gehabt  in Zwiesel am Montag und sind zurückgekommen zum Trainieren. Und haben uns angeschaut die Buckelpisten. Und es war unsere Vorbereitung. So okay, das war das erste Mal nachher. Riesenslalom ist total daneben gegangen. Ich war im ersten Lauf hinter Ingemar Sechster. Er war Fünfter. Ich war hinter Ingemar 2/100 oder sowas. Und ein zweiter Lauf geht so, Das geht nicht. #00:15:29‑4#

Tobias: #00:15:29‑5# Vor allem der zweite Lauf war am Tag danach, wenn ich es richtig gelesen. #00:15:32‑3#

Hansi: #00:15:32‑3# Ja die haben es auf zwei Tage aufgeteilt. Ist auch so eine Schnapsidee gewesen. #00:15:34‑5#

Tobias: #00:15:35‑2# Also ich habe das am Anfang gar nicht auf dem Schirm gehabt und habe gesehen, es ist am nächsten Tag erst. Was ist denn das für ein Schmarrn?  #00:15:41‑9#

Hansi: #00:15:42‑9# Ja, man kann es so sehen. Viele, viele Leute sagen okay, der Lauf ist nicht gut gegangen. Am nächsten Tag, da bin ich gut beieinander. Und manchmal schauts gut aus manchmal siehts schlecht aus. Auf alle Fälle war das damals so und ich war eigentlich immer einer, der für den zweiten Lauf scharf gewesen bin. Da habe ich mir viel geholt. Und genauso war meine Einstellung. Entweder Kuh tot und Kalb auch. Einen Hang perfekt für mich steil. Also wirklich besser geht es eigentlich nicht. Und ich fuhr weg vom Start. Entweder es geht oder es geht nicht. Dann bin ich die ersten 19 Sekunden, sage und schreibe zweieinhalb Sekunden hinten. Und ich weiß nicht, ich war nicht hinausgeflogen und ich habe einen Fehler nach dem anderen gemacht. Und ich bin mit einem Magnetband gefahren. Aber ich bin nicht ausgekugelt und ich war sechs Sekunden hinten. Das, was mein Leben noch nicht passiert ist. Also für mich ist alles zusammengerukelt. Ich habe nicht gewusst, warum der Ingemar ist Dritter geworden. Und ich bin ferner Licht hinten gewesen. Und dann ist es losgegangen. Die Medien. #00:16:37‑1#

Tobias: #00:16:38‑2# Warst du im Zielhang auch schon? Oder war da, die quasi die Fans rundum waren die dann auch schon relativ? #00:16:46‑2#

Hansi: #00:16:46‑3# Ja, ja, sicher. Ja klar, Du bist die Hoffnung. Und weißt du, von einer Medaille zu anderen geerugelt, dann hauts dich rein. Und der Weg von oben vom Ziel relativ lange zur Sache gewesen, dass bis du zum Auto gekommen bist, bis zum Serviceauto. Durch die ganzen Leute hast du gehen müssen. Ich möchte, dass kein Sportler keinem Menschen gönnen, was da passiert ist, was da zusammengebrochen ist eigentlich für den jungen Athleten. Und wie gesagt, ich war einfach nicht reif. Ich bin ein junger Bursche von 20 Jahren. Keine Ahnung, was da passiert. Auf einmal denkst du, Hey, was ist denn los? Ich habe keinem Menschen wehtun. Okay, das war das. Dann bin ich nachher heim gefahren wieder. Erledigt. Hab gar nicht geschaut, was sie schreiben, was Medienberichterstattung ist, sondern bin einfach Daheim, hab mich abgekapselt und ich habe versucht, auf dem Slalom, da wo ich gut war und wo ich führenden war mit Ingemar im Gesamtweltcup und machte einen letzten Trainingslauf. Muss ja dazu sagen Trainingslauf, Slalomvorbereitung, Olympische Spiele, Zielschuss. Kannst du das vorstellen? Vom Zielschuss haben wir Slalom trainiert. Wir sind oben quer und da war der Start auf der steilsten Stelle oben wo sie springen, und da sind wir gefahren. Slalom. So haben wir uns vorbereitet. Also im Nachhinein muss ich sagen, haben die alle einen Vogel gehabt. Das gibt es überhaupt nicht, eine Mannschaft so vorzubereiten. Und wir als junge Athleten, wo sollen wir sagen. #00:18:13‑6#

Tobias: #00:18:15‑6# Was. #00:18:15‑7#

Hansi: #00:18:16‑0# Jetzt kommt, einen Lauf mach ich noch, weil ich mich richtig gut gefühlt habe. Und Hackl vielleicht drei, vier Tore, vorm Ziel bin ich mit dem Spitz auf die Stange gefahren und schmerzt mir so voll auf die Schulter und habe einen Kapselriss und eine Schulterprellung am Tag vor dem Slalom. So, jetzt geht's aber los. Ärzte Verpflegung war damals eigentlich, die einen waren in Innsbruck oben und ich bin da gewesen, bin da hin und her telefonieren, was tun wir und ich habe wirklich von Minute zu Minute meinen Arm nicht mehr aufgebracht. Das ist so eine Verletzung Schulter, wer das einmal gehabt hat der kann sich vorstellen, was da passiert. Also wirklich weh gehabt und habe meinen Arm nicht mehr aufgebracht. Ich bin am nächsten Tag der Servicemann oder der Masseur damals hat gesagt, machen wir Therapie oder früher Klinik. Ich hab mich in den Jacuzzi gehockt vorm Skirennen. Da hab ich mich rein gehockt, ein bisschen aufwärmen, dann hat er mit dem massieren angefangen sehr bestreuen angefangen und so ja, es hat zwar ein bisschen besser getan, aber richtig weh hab ich schon gehabt. Okay, auch von Besichtigung. Das Wetter war grausig, Regen, Schnee. Was ist mit der Kombination. Besichtigung und auch nicht gut gefüllte und Weh tun. Dann ist der Primar Dr. Race damals unser Chef Dr. gewesen, haut der mir drei Spritzen rein, vor dem Start. Und ich bin sowieso. Wenn ich eine Spritze gesehen habe, dann bin ich schon krank gewesen. In meiner Not habe ich gesagt Ja gut, okay, ich probiere es. Haut mir der drei Spritzen rein so. Schneesturm. Spritzen lässt aus und ich bin beim Start oben. Nur dazu, der Doktor hat mir drei Spritzen gegeben, der ist aber schon wieder runtergerutscht, der ist unten im Ziel gewesen und ich bin am Start oben. Und eine halbe Stunde Verspätung wegen Schneesturm. Und die Spritzen lasst aus. Ich hab nicht mehr gewusst, wo ich hinschauen soll. Ich habe Weh gehabt mehr, noch mehr natürlich. Ich habe es echt probiert, aber ich habe wirklich vorm Rennen, mir sind die Tropfen gekommen, weil ich einfach Weh gehabt hab. Es gibt es ja nicht, genau in der Situation. Und versucht auch zu fahren, aber kannst sicher vorstellen, das funktioniert nicht. Also die Beanspruchung, wenn der Arm nicht ausruht und du sollst dir keine Satz machen und kämpfen und das funktioniert nicht. Bin am vierten oder fünften Tor bin ich geradeaus gefahren, einfach ohne Sturz. Ich habe es nicht ausgehalten, so weh hab ich gehabt. Aber dann ist es losgegangen. Dann ist eine Lawine gekommen. Also, das war wirklich. Du bist dir vorgekommen wie ein Schwerverbrecher. Du hast Österreich verraten. Du hast Österreich nicht präsentiert. Du bist. Was bist du eigentlich für ein Mensch? Was soll das? Hin und Her, und so. #00:21:05‑8#

Tobias: #00:21:06‑3# Unbeschreiblich, eigentlich. #00:21:06‑9#

Hansi: #00:21:07‑1# Angespuckt haben sie mich. Beschimpfungen also wirklich. Und. Und der Weg von da oben, vom fünften Tor. Oben, vom Start. Ein Rutschen. Boah, das hab ich. Das bleibt da hängen, das sage ich. Jedenfalls ja, es ist passiert. Olympia war gegen mich. Hat es nicht wollen. Und auf der einen Seite muss ich sagen, wie man so schön sagt im Sport, wenn man verliert, gewinnt man. Es ist ein Sprichwort, das stimmt. Aber es tut halt in dem Moment, wo es dich wirklich erwischt. Du denkst, das kann wirklich nicht sein. Ja, so ist es gewesen. #00:21:43‑5#

Tobias: #00:21:44‑5# Wie ist es denn? Ich habe das jetzt auch von anderen Sportlern schon im Gespräch erfragt. Es ist eigentlich wenig. Also wenn man es jetzt vor allem vergleicht mit heutzutage, wenn die Sportler unten sind, die sind ja relativ abgeschirmt, sag ich jetzt mal von die Zuschauer. Da ist natürlich die Presse natürlich gleich da und die Absperrungen. Das war ja damals gar nicht. #00:22:06‑9#

Hansi: #00:22:07‑3# Wir waren bei den Fans. Ja, was schön gewesen ist. Also die haben uns gekannt. Heutzutage haben sie alle die Sturzhelme auf, die kennt ja keiner mehr, dann hast du einen Pressemann und hast den Manager und den Trainer und hast nur einen Trainer. Also die Buben sind eigentlich arm in der Beziehung, weil sie selber nicht präsentieren können, was sehr wichtig ist für den Sport. Das Skifahren ist so ein schöner Sport, so bärig, wo so Emotionen bringt, wo Leute mitfiebern. Und das war in unserer Zeit, ist schon bärig gewesen. Schweizer Fans mit den Kuhglocken nach wie vor sind. Aber es war anders. Es war irgendwie ehrlicher. Jetzt sind halt die ganzen durch Sponsoren gesponserten Partys Ist das wichtiger, dass nimmt die Oberhand. #00:22:48‑8#

Tobias: #00:22:48‑8# Das Sportliche rutscht ein bisschen weiter zurück und andere Sachen kommen mehr im Vordergrund. Es ist eigentlich schade, weil er. #00:22:56‑0#

 

Hansi: #00:22:57‑1# Und der Journalist, muss man dazu sagen, hat sich sehr geändert. Alles andere wichtiger wird. Die wissen ja, wer unsere Leute sind ja. Wir haben ein paar Journalisten gehabt, wo man gewusst haben, mit dem möchte man nichts zu tun haben. Aber der ist ja nicht so weit gekommen. Aber der, was wir gehabt haben. Da haben wir gewusst, die steht zu uns und wir wissen davon was sie schreiben, weil die sind selber mal rübergerutscht. Heutzutage, wenn du ins Mediencenter gehst, die hocken hinter ihren Computern. Dann nur schauen, aber die wissen gar nicht am Start wies runter geht oder wie die Pisten ist, wie die eisig ist, dass wissen die gar nicht. Und da ist natürlich die Berichterstattung nicht so, wie es sein sollte. #00:23:36‑1#

Tobias: #00:23:36‑9# Zum Thema Berichterstattung es waren natürlich für Intern sehr.. #00:23:40-1#

Hansi: #00:23:40-1# Es gibt Ausnahmen. Da muss ich sagen Nein. #00:23:41‑4#

Tobias: #00:23:41‑8# Wir wollen jetzt, da keinen verurteilen. #00:23:42‑7#

Hansi: #00:23:43‑2# Überhaupt nicht. #00:23:43‑3#

Tobias: #00:23:43‑5# Aber es war ja relativ starke internationale Berichterstattung vor Ort. Ja, hast du ausschließlich mit nationale, also österreichische Medien gesprochen oder sind wirklich, was weiß ich, „ABC“ oder Interviews geben? #00:24:01‑1#

Hansi: #00:24:01‑1# Ja haben wir auch versucht, ein bisschen englisch zu reden. Nein, nein, waren schon da und Olympische Spiele ist natürlich ein anderer Stellenwert, überhaupt kein Thema. Und von der Vergangenheit, von österreichischen Historie her, ist der Skisport in Österreich Nummer eins, gibt es ja nichts zu sagen. Und das Interesse der Journalisten war da. Der Medien war da. Und dieser Kampf Schweiz gegen Österreich sowieso extrem. Die Deutschen waren da dabei, Franzosen natürlich. #00:24:31‑0#

Tobias: #00:24:31‑7# Italiener waren recht stark. #00:24:32‑3#

Hansi: #00:24:33‑3# Ja waren auch gut dabei. #00:24:34‑4#

Tobias: #00:24:34‑9# Waren gut dabei. #00:24:35‑2#

Hansi: #00:24:35‑2# Aber europäisch natürlich. Japan war das Interesse irrsinnig groß, aber die haben keinen gehabt, damals zu der Zeit. Amerikaner waren da auch gut, muss ich auch sagen. Phil und Steve Mahre. Die waren da auch gut dabei. #00:24:47-8#

Tobias: #00:24:48-4#Kanadien war Ken Reed. #00:24:51-3#

Hansi: #00:24:51-4# Kanada war schon eine gute Truppe da. Spanier mit den Ochoa. #00:24:55‑8#

Tobias: #00:24:56‑1# Und der Willi Frommelt für die Liechtensteiner. #00:24:58‑1#

Hansi: #00:24:58‑8# Liechtensteiner sowieso, Willi Frommelt. #00:24:59‑2#

Tobias: #00:25:00‑4# Und natürlich bei den Frauen die Rosi Mittermaier. #00:25:02‑8#

Hansi: #00:25:03‑3# Ja die sowieso. Die Goldene Rose und der Christian. Super. Ja, ja. #00:25:07‑8#

Tobias: #00:25:08‑4# Du hast gesagt, du hast lieber daheim gewohnt, das O-Dorf gemieden. #00:25:11‑5#

Hansi: #00:25:12‑0# Wegen dem olympischen Dorf. #00:25:13‑0#

Tobias: #00:25:13‑6# Ähm. #00:25:14‑0#

Hansi: #00:25:14‑9# Nein, weil ich bin schon Heim gewesen bei der wo sie da die Zimmer eingeteilt haben. Aber es ist sehr spartanisch dahergekommen. Da hab ich mir gedacht, wenn ich da jetzt 14 Tage bleib, da bin ich da, das ist keine gute Vorbereitung. #00:25:27‑2#

Tobias: #00:25:27‑5# Der nächste negative Einfluss quasi für die Vorbereitung. #00:25:30‑4#

Hansi: #00:25:30‑8# Du musst dich irgendwie wohlfühlen, wenn du gute Leistung bringen willst. Ich meine, wieso sollte ich mich in einem Zimmer einsperren, wo ich mich nicht wohlfühle? Da kann ich meine Leistung nicht bringen. Sicher bist mit den anderen Athleten beieinander, aber damals ist es auch so gewesen, dass du bis zu einer gewissen Zeit hast ausgehen dürfen, dann hast Heim gehen müssen. Ich meine, wo sind wir denn? Das sind erwachsene Leute gewesen. #00:25:51‑8#

Tobias: #00:25:52‑2# Und es waren ja... #00:25:52‑8#

Hansi: #00:25:53‑2# Weltklasse Sportler. #00:25:53‑7#

Tobias: #00:25:53‑8# …zu der Zeit ja relativ strikte Kontrollen. #00:25:56‑7#

Hansi: #00:25:56‑9# Du hast mit Olympischen mit den Terroristen von 72 haben die natürlich mit Maschinengewehren aufgepasst. Unten, wo das für uns auch irgendwo ein Fremdkörper war. Das hat nicht gepasst. Man hat sich gefreut, mit den Athleten zusammen zu sein, sich auszutauschen, einfach miteinander. Das ist ja eine große Familie. Und auf einmal steht da einer mit Maschinengewehr da. Da darfst nicht hingehen. Da darfst nicht hineingehen. #00:26:18‑5#

Tobias: #00:26:18‑6# Und vor allem nicht, wenn du keinen Ausweis dabei hast. #00:26:20‑4#

Hansi: #00:26:20‑6# Ja, nachher bist du sowieso der Zweite gewesen. Haben sie dich gleich verhaftet? Nein. #00:26:23‑5#

Tobias: #00:26:24‑5# Das habe ich im Rahmen also, das habe ich jetzt bei einem anderen Interview auch gefragt. Das ist schon präsent gewesen. Ja, die vermehrte Kontrolle.  #00:26:29‑9#

Hansi: #00:26:30‑2# Natürlich ist auf der einen Seite die Angst dagewesen, weil die Bilder von 72, also das vergisst man ja nicht, wie der da eingebrochen sind und wie der dort erschossen haben, brutal. Und da hofft man natürlich, dass das nicht passiert ist Klar, dass die da sind und aufpassen auf die. Aber sie haben es übertrieben. Sie wollten es gut machen. Aber du bist eigentlich ja wie im Gefangenenhaus gewesen und das habe ich versucht zu vermeiden. Ich bin lieber auf der Seite gewesen, da hab ich mehr Ruhe gehabt. Fernsehprogramme hat es auch nur zwei gegeben zu der Zeit damals, also wunderbar. #00:27:03-9#

Hansi: #00:27:05-7# Aber eins möchte ich noch dazu sagen zu Olympia. Also wie gesagt, da ist für mich einfach die Welt zusammengebrochen. Es ist einfach ja selber ein junger Bursche, hat nicht begriffen, was da jetzt passiert, eigentlich alles ist eingestürzt auf dich. Und nachher ist etwas passiert, wo ich eigentlich im Nachhinein sogar stolz auf mich selber, dass ich es gemacht habe. Und zwar Katastrophe Ergebnis. Und auf die Nacht war die Abschlussfeier in der Olympiahalle. Und ich glaube, das können Sie sich vorstellen, wenn man, wenn man so einen beschissenen Tag gehabt hat oder eine beschissene Olympiade gehabt hat, dass du nicht gerne zur Abschiedsfeier gehst. Grad wo es einbricht, wo jeder sagt: Was willst du da? Schau, dass du weiterkommst! Schleich dich, Putz dich, Weg mit dir! Da hab ich gedenkt, so. Und da jetzt nur zu Fleiß mit der Verletzung. Geh zur Abschiedsfeier. Und bin hingegangen zur Abschiedsfeier. Bin mit der Mannschaft einmarschiert mit die, was noch dagewesen sind. Und im Nachhinein muss ich sagen, Gott sei Dank habe ich es gemacht. War für mich selber verdammt schwer. Es war brutal schwer. Es war einfach, was da daherkommt ist, links, rechts, von überall her grausig. Aber wie gesagt, nein. Ich verabschiede mich von Olympia mit dem, dass ich dorthin gehe und sag Pfiat di und vielleicht sehen wir uns noch einmal. Und das hat mir gut tun. Und es hat lange gedauert, bis ich wirklich mit Innsbruck einen Frieden geschlossen habe. Und das war interessanterweise beim Singen. Habe ich die Tournee gehabt. Und der letzte Tag vor der Tournee war Innsbruck in der Olympiahalle. Ja, genau da, wo ich hin marschiert bin, und habe so ein super schönes Abschiedskonzert gehabt mit meinen Männern, mit die Tiroler Echo von der Europatournee und wo ich nachher das letzte Lied gesungen hab, habe ich einen richtigen Frieden in mir gespürt und gesagt Ja, jetzt habe ich meine Ruhe. Das war schön. #00:28:55‑6#

Tobias: #00:28:56‑2# Das hast Du bist jetzt wieder gern in Innsbruck unterwegs. #00:28:59‑4#

Hansi: #00:28:59‑5# Ich bin immer gerne in Innsbruck unterwegs, aber es war. #00:29:00‑8#

Tobias: #00:29:00‑8# Aber es ist halt immer die. #00:29:02‑1#

Hansi: #00:29:02‑3# Ja klar, das hängt irgendwo nach. #00:29:04‑4#

Tobias: #00:29:04‑9# Nach die Spiele. Ist ja nur geringe Zeit gewesen, bis es ja wieder im normalen Skizirkus sozusagen weitergegangen ist. Wie? Ich glaube, es waren ja nur wenige Wochen, wenn überhaupt. Wie geht man da, weil man muss das Ganze ja verdauen Irgendwie. Oder dann verspätet. Hast du es dann in diesen zwei Wochen quasi schlucken können oder hat es dann gedauert bis nach der Saison? #00:29:27‑9#

Hansi: #00:29:29‑3# Es war so, dass ich im Gesamtweltcup Zweiter war, vor die Spiele. Dann ist das passiert mit der Verletzung und dann habe ich gesagt zum Primar Rass unsren Doktor damals gesagt Du, ich halte es daheim nicht aus, was soll ich da. Sagt er das Beste war, wenn es irgendwo weggefahren ans Meer, Wasser, Salzwasser, warmes Wetter. Jetzt haben wir 14 Tage frei und da sind die letzten Rennen in Amerika. Sag ich ja ist eine gute Idee. Das mache ich. Und da bin ich mit meiner damaligen Frau gesagt komm, zisch ma weg! Sind wir nach Gran Canaria geflogen. Keine Journalisten, nichts, frei. Und mir hat es gut tun. Mir hats wirklich gut tun. Das Meerwasser, Salzwasser und Therapien gemacht und so. Also, ich hab gemerkt, es wird besser. Dann komme ich zurück. 14 Tage später. Und da haben wir die Österreichische Mannschaftsmeisterschaften gehabt. Und da kam ich zurück, ließ in Paris umgestiegen sind im Flughafen Kronenzeitung „Hinterseer verschollen“ Titelseiten. Das Erste, was ich gesehen habe „Hinterseer verschollen“. Also, was ist jetzt wieder los? Ich komme heim. Rufe an den Toni. Scheißt mich der Toni zusammen, was bildest du dir eigentlich ein? Willst du nicht? Warum bist du einfach dahin. Ja was, der Arzt hats gewusst der Primar. Der hat gesagt er sagst euch. Hat es natürlich nicht gesagt. Und ich? Ich bin nicht mehr da gewesen. Jeder hat mich gesucht. Und da bin ich verschollen gewesen. Zu viel da, die ganzen Mander an und komm aus 14 Tage Gran Canaria, hab mich wirklich besser gefühlt wieder. Kam Heim und von gut telefonieren, scheißen sie mir alle zusammen. Komm sofort her zur Meisterschaft. Also nicht, dass ich da jetzt nicht schonen kannst, sondern du fährst jetzt da mit. Und wenn es nicht gut fahrst, fahrst gar nicht nach Amerika mit. Mit der Aussage, obwohl ich Zweiter war im Gesamtworldcup. Da sag ich, dass kann jetzt auch nicht sein. Damals war der Leitner Hias der Spartentrainer für Slalom Riesenslalom. Ruf den Hias an und sag, los mich aus, ich komme rüber. Und fahr den nächsten Tagen in der Früh hinüber zur Meisterschaft in Radstadt und gewinn mit zweieinhalb Sekunden Vorsprung. Und jetzt ist natürlich die Situation ganz anders gewesen und ich weiß nicht, da bin ich, weil es waren gewisse Reibereien da zwischen der Chefitäten und mein Vater war nicht mehr Trainer es war der Hias damals. Mein Vater der hat auch Streit gehabt mit mir, also es ist alles. Jedenfalls voll demonstrativ als junger Revoluzzer natürlich mit dem Sieg genussvoll hinauf auf den Start und schwing oben aber bleibt beim Hias stehen. Und weiter Ein bisschen weiter unten, 20 Meter weiter unten ist der Toni gestanden und steh ich so demonstrativ da. Ich sehe es noch heute. So, jetzt. Was ist jetzt? Und dann schreit der Toni hinauf: Am Montag oder? Und ich schrei hinunter, ein Haufen Leute sind da gewesen. Was ist am Montag? Ja, du weißt schon? Na, so genau weiß ich nicht. Ja, am Flughafen Amerika rüberfahren. Aber es hat keiner geredet mit mir. Musst du dir vorstellen. Es war so ein Zerwürfnis. Sicher habe ich auch viele Fehler gemacht. Ich bin ein sturer Hund gewesen und habe meine Sache durchgezogen, was nicht immer richtig war. Aber als Sportler sollst du deinen Weg gehen, kannst nicht mit der Mannschaft mitschwimmen. Du musst deinen Weg gehen. Du bist allein auf dem Startturm, du musst deine Leistung bringen. Und wenn es noch so ein kleiner, sturer Teufel bist oder Revoluzzer, der versucht hat, meinen Weg zu gehen. Obwohl ich gemerkt habe, der Hinterseer Bub, Sohn von Olympiasieger der muss auch so gut werden. Da war immer die Rivalität, immer der Neid da. Und ich habe gemerkt, die Harmonie bei den Training, das passt einfach nicht mehr. Und das war halt eine genussvolle Aktion, habe ich gesagt, da meinte er also wir treffen uns am Montag. Ja, super. Und das ist halt dann leider eskaliert nach Amerika, wo es überhaupt nicht mehr ging gegangen hat. Und im Endeffekt habe ich nachher mehr oder weniger den Geist aufgegeben. Ich wollte eigentlich nicht mehr. #00:33:36‑8#

Tobias #00:33:37‑8# Im Nachhinein gesehen war es ja nicht so. Natürlich wer weiß, was passiert wäre, wenn du weitergefahren wärst. Aber es hat sich eigentlich zum Guten gewandelt, weil du hast ja noch quasi zwei Karrieren hinter dir oder hingelegt. #00:33:49‑4#

Hansi: #00:33:50‑0# Ja, wie ich gesagt habe, wo eine Tür  aufgeht oder zugeht geht, eine andere auf wieder, ist ganz klar. Aber im Endeffekt musst du entscheiden, traust dich über das drüber oder sagst gleich nein, das ist nichts für mich. Und ich habe ja gesagt, ich war vielleicht damals noch nicht reif genug, das alles selber positiv oder aufzuarbeiten, um die bessere Situation draus zu machen. Es ist einfach viel zusammengefallen. Der Vater Streit, die Scheidung, der Großvater ist gestorben, das Material hat nicht mehr gepasst. Es sind alles so, die heile Welt ist irgendwie zusammengebrochen. Und ich habe mir gedacht, ihr könnt mich gern haben, ich gehe nach Amerika Und das war eigentlich eine super Sache, weil in der Zeit, als junger Mensch Amerika das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Super! Gehen wir! Fetz ma. Und der Andre war schon da, war Weltmeister und der hat mir erzählt, ist bärig und so und ja, da bin ich da mit und das hat mir richtig gut. Es war richtig bärig. #00:34:48‑6#

Tobias: #00:34:48‑9# Das heißt, es war irgendwie befreiend. Oder einfach der der Weg nach Amerika. Also schon viel Ballast da lassen können und drüben neu anfangen. Aber halt doch wieder so ein Neustart irgendwie ein bisschen oder. #00:35:01‑6#

Hansi: #00:35:01‑6# Absolut. Und vor allen Dingen. Was soll ich sagen? Du. Du bist für diesen wohlbehüteten Apparat ÖSV, wo alles organisiert wird, wo es Mittagsschlaf machst. Und du wirst sogar geweckt, dass du Nachmittags ja nicht zu spät zum Training kommst. Du hast keine Selbstständigkeit mehr, sondern du bist irgendwo eine Nummer, wo du einfach das Programm machen musst und dann kommst du nach Amerika und da musst du auf einmal alles selber machen. Flüge, Auto reservieren, du musst das Service organisieren, du musst dies und das und das organisieren. Du hast Verpflichtungen, dass du bei den Partys anwesend bist. Du musst gehen. Was natürlich super ist, weil du lernst fesche Weiberle kennen. Die Versuchung ist da, dass es vielleicht ein bisschen später erst Heim kommst. Aber mit dem musst du selber umgehen. Du musst mit der Versuchung einfach sagen Hey, Mann, ich habe morgen ein Rennen. Es nützt mir nichts, wenn ich jetzt mit der nachher vielleicht noch irgendwo etwas mache, weil das geht auf meine Substanz. Ich muss heim, ich muss trainieren, Ich muss, Ich muss da sein. Aber das alles selber zu managen, das war schon interessant von diesen wohlbehüteten Apparate ÖSV. Auf einmal selbstständig werden. Als junger Mensch und Amerika ist natürlich das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Und das war, muss ich sagen, ein guter Schritt für mich, dass ich das gemacht habe. #00:36:16‑5#

Tobi: #00:36:18‑1# Gehen wir noch mal zum Abschluss ganz kurz zu Olympia zurück. Bevor wir uns quasi ganz weit verlieren. Wenn du jetzt, wo wir jetzt quasi 50 Jahre weg sind, wieder bereust du die Teilnahme an die Spiele? #00:36:32‑2#

Hansi: #00:36:32‑3# Nein, überhaupt nicht. Überhaupt, das war ein Erlebnis für mich als junger Mensch. #00:36:35‑8#

Tobias: #00:36:35‑9# Trotzdem wissen, was man jetzt über den Ausgang natürlich. #00:36:39‑4#

Hansi: #00:36:39‑4# Das war herrlich. Wenn man einfach diese wissen Olympia, du bist bei der Mannschaft dabei, Du bist unten in Wien, beim Bundespräsidenten, bei der Angelobung, mit einem Anzug, mit den Wappen um die österreichische Nationalmannschaft. Also das war schon, das ist schon wert gewesen. Toll. Haben Sie sich gefreut als junger Mensch. Eine super Mannschaft zusammen gewesen. Mit Annemarie, Mit Franz, Mit Werner mit Alle zusammen. Toll. Einfach eine bärige Mannschaft gewesen. Der Toni Innauer, Habersatter wie sie geheißen haben die die Totschnig Gitti. Wir sind eine Mannschaft bärige gewesen. Wir haben uns richtig gefreut darauf. Und das Einzige, wo es losgegangen ist mit dieser depperten Einkleidung. Also wenn man sich vorstellt, einen Plastikanzug zu kriegen mit Gold Schwarz, ist das schon mal nicht in Ordnung. Aber dass dieser Plastikanzug, sagt der Name schon,  keine Luft durchlässt. Du bist noch eine Minute sauerstoffmäßig mit dem Muskel fertig gewesen. Also so eine Schnapsidee zu haben. Und da freuen Sie sich mit seinem gelben Anzug. Wenn man sich noch erinnern kann. Und Ich habe leider keinen an gehabt. Aber ist ja wurscht. Aber wenn man da einmarschiert sind als letzte Mannschaft der Olympischen Spiele Wir sind im Tunnel, haben wir warten müssen. Wir sind Gott sei Dank die letzte Mannschaft. Wir haben außerhalb warten können, vom Tunnel beim Einmarsch. Und alle anderen Mannschaften sind im Tunnel gewesen. Im Dreck, bei der Luft. Und die warten müssen das Einmarschieren haben dürfen. Und da sind wir lang gestanden, bis die Herrschaften, die Funktionäre, die Politiker kommen. Und was die Eröffnungsfeier. #00:38:15‑9#

Tobias: #00:38:16‑2# Technische Fehler waren. Also technischer Defekt. Dass das Mikro nicht funktioniert, hat am Anfang. #00:38:20‑5#

Hansi: #00:38:21‑3# Das hat auch schon nicht funktioniert. Und ich kann euch nur sagen der, der der Fußmarsch vom Tunnel, wo jetzt der Tunnel ist wo du mit dem Auto durchfährst bis zu der bis zum Stadion und über die Treppenaufgang ist mit der ganzen Mannschaft. Also das ist Erlebnis gewesen, muss man echt sagen. Aber ein Traum, wenn man da einmarschiert, sind die Haufen Tausenden verleiht den Stadion. Das ist schon beeindruckend gewesen. Ja, super. #00:38:47‑8#

Tobias: #00:38:48‑6# Hast es noch. Hast du Erinnerungsstücke an die Spiele von Olympia? #00:38:52‑4#

Hansi: #00:38:52‑5# Na ja, es ist immer so, dass man ich sag jetzt mal die Bekleidungsstücke, die an sich Rennanzug oder was immer, am Ende der Spiele oder der Weltmeisterschaften mit den Kollegen tauschen wird. Kein einziger hat uns gefragt, ob wir den depperten goldenen Anzug weitergeben, kein einziger. #00:39:08‑0#

Tobias: #00:39:11‑2# Das habe ich ganz vergessen zu fragen. Hast du dann andere Wettbewerbe verfolgt? Von Die Spiele hast du im Fernsehen. #00:39:16‑8#

Hansi: #00:39:16‑9# Das ist ja das Schöne. Die Spiele glaub ich Sportlerfamilie, große Familie. Und da kommen Typen daher, die man heute vielleicht vom Fernsehen durch die Berichterstattungen gesehen hat. Bewundert hat auch, was die für Leistungen bringen. Eislaufen zum Beispiel. Skispringen war damals bei uns noch nicht so, obwohl der Toni oder der Schnabel gewesen. Super bärig und alles zusammen. Aber es war noch nie zu diesem Hype, was jetzt ist. Aber Eislaufen, das war schon irgendwo interessant, oder andere Sportler. #00:39:46‑8#

Tobias: #00:39:46‑9# Eishockey? #00:39:47‑4#

Hansi: #00:39:47‑7# Eishockey natürlich sowieso. Eishockey, Die Russen und die Amerikaner, Die Kanadier, das war schon was, das für Typen sind, wenn man nachher im olympischen Dorf die Möglichkeit hat mit den allen beisammen sein. War schon bärig. #00:40:00‑7#

Tobias: #00:40:01‑2# Hast du mit? Also das heißt im olympischen Dorf hast du wirklich den Kontakt gesucht mit die anderen also. #00:40:06‑3#

Hansi: #00:40:07‑4# Einen Tag bin ich noch da gewesen und da sind wir in die Disco gegangen, weil es auch nicht geben, wo halt die Sportler hingehen und wo man halt einen Kontakt versucht hat, ein bisschen kennen zu lernen. Und ich kann mich noch erinnern, da war das die Olga Pall gewesen, damals eine Olympiasiegerin 68. #00:40:26‑1#

Tobias: #00:40:26‑3# Haben wir auch schon interviewt dazu. #00:40:29‑0#

Hansi: #00:40:29‑4# Und Olga war mit uns unterwegs in der Disco und der Klammer Franz und ich. Und dann sind wir in der Disco einander gelegen, ein bisschen tanzt, dann ist schon wieder am nächsten Tag die Vorbereitung für Hinterseer schauen anders aus. Weißt schon, immer diese Negativschüsse hinein. Also habe ich mir gedacht, da fahr ich lieber wieder heim. Brutal. Ja. #00:40:49‑6#

Tobias: #00:40:49‑9# Warst du in ein lokales? #00:40:51‑3#

Hansi: #00:40:51‑4# Das war in meinem Dorf. Das war. #00:40:53‑0#

Tobias: #00:40:53‑7# Achso im Dorf selber. #00:40:54‑1#

Hansi: #00:40:55‑2# Wo nur Sportler waren. #00:40:56‑6#

Tobias: #00:40:57‑2# Aha. Interessant. #00:40:57‑8#

Hansi: #00:40:57‑8# Ja, da hat es Restaurants gegeben, wo man hingeht. Frühstücken oder Abendessen. Spartanisch eigentlich. Und hat so einen Unterhaltungsraum gegeben. Damals sogenannten Anführungszeichen Disco. Platten aufgelegt hat und da sind wir beieinander gehockt ein bisschen tanzt und. Und wie gesagt, da waren wir beieinander, sind wir nebeneinander gelegen und da hat einer ein Foto gemacht und da ist das schon drinnen gestanden. Die Vorbereitung schaut so aus, fürn Hinterseer. #00:41:25‑2#

Tobias: #00:41:25‑7# Aber ich glaube, das hat sich bis heute auch noch nicht wirklich verbessert. #00:41:28‑5#

Hansi: #00:41:30‑0# Je nachdem, wo ein Journalist auf deiner Seite ist oder auch nicht. #00:41:33‑2#

Tobias: #00:41:34‑4# Hats durch die Spiele noch mit Sportlern Freundschaften geknüpft, die was über die Spiele hinaus. Die was davor vielleicht gar nicht so tief oder verbunden waren die was dann darüber hinaus irgendwie über die Zeiten überstanden sind. #00:41:47‑5#

Hansi: #00:41:48‑5# Also mit dem Skifahrer auf alle Fälle. Auf alle Fälle. Nach wie vor haben wir einen super Draht, wenn wir ihn sehen. Wir telefonieren miteinander oft. Bernhard Zum Beispiel Franz oder Christian. Und da gibt es genug. Franzosen zum Beispiel. Wirklich gut. Die Russen, die Eishockeyspieler waren unantastbar. Die sind irgendwie weg gewesen. Also das ist man gar nicht dazu gekommen. Aber wie ich schon gesagt habe, ich bin ein Tag da gewesen und es war für mich erledigt. #00:42:17‑3#

Tobias: #00:42:18‑3# Hat man was vergessen? Was da jetzt während des Gesprächs vielleicht wieder in den Kopf gekommen ist, was man von den Spielern noch berichten kann? 76. #00:42:27‑5#

Hansi: #00:42:29‑3# Die Euphorie der Menschen war großartig, war toll. Sehr fordernd natürlich für uns Athleten. Aber allein die Bereitschaft, die Hilfsbereitschaft der Freiwilligen, was da geholfen haben, ist ja auch nicht selbstverständlich. Du brauchst ja die Leute, die das Event ermöglichen, und die sind dabei gewesen. Olympische Spiele daheim in Tirol bärig Super. Und das ist eigentlich noch in Erinnerung geblieben. Und natürlich bekommen es mir als Sportler mit, Wir müssen gewinnen, wenn wir schon da sind euch zu helfen, dann müssen wir auch gewinnen. Nur das spielt sich auch nicht so leicht. Aber summa summarum war es schon eine wunderbare Erfahrung in mein Leben, was ich nicht missen möchte. Weil wer kommt wirklich schon zu Olympischen Spiele dazu mit der Leistung, dass er dabei ist? Und Sport ist einfach eine wunderbare Gabe, wenn man das Talent hat, im Sport groß zu werden. Da sollte jeder Junge versuchen, ob ers macht oder nicht. Oder aufgibt oder nicht. Aber er ist dabei und der Sport ist so prägend. Der Sport schult dein Leben. Wie in keiner Universität, weil du einfach als junger Mensch noch nicht geformt bist. Du hast Erfolg und Niederlage innerhalb kurzer Zeit und mit dem musst du umgehen. Und du bist allein. Da hilft dir keiner. Und deswegen sage ich auch immer wieder für die jungen Leute probiert. Es ist ganz egal. Macht es einen Sport dazu. Das ist so bärig. Und man trifft Leute. Man lernt Leute kennen. Durch Sport, durch den Erfolg, was du normalerweise nie hin kommst. Und das war eben mein Leben. Im Nachhinein muss ich sagen, da sind die Türen aufgegangen. Und wenn es noch die Gabe dazu hast, dass du halbwegs normal bist, dass dich normal verhaltest mit die Leute. Dass du nicht glaubst du fliegst daher ,fliegen geht sowieso nicht. Dann. Dann funktioniert es. #00:44:19‑7#

Tobias: #00:44:20‑4# Ich finde, es war eine wahnsinnig gute, abschließende Worte. Ich sage nochmal Danke Hansi für die Zeit. #00:44:26‑2#

Hansi: #00:44:26‑6# Ja, ich danke auch. Und im Grunde genommen ist für mich auch nett gewesen. Ein bisschen so das ja aufräumen. #00:44:34‑6#

Hanna: #00:44:38‑7# (...) Das war unsere Folge mit Hansi Hinterseer. Hören Sie auch nächste Woche wieder rein, wenn wir mit Toni Innauer sprechen. #00:44:45‑4#

Toni Innauer

Toni Innauer

Stadtarchiv Innsbruck

Laden
Transkript

Fanfare mit Lautsprecherdurchsage: 50 Jahre Olympische Winterspiele 1976. #00:00:12‑4#

 

Hanna: #00:00:20‑3# (...) Hallo und herzlich willkommen zur zweiten Folge der Podcast Sendung 50 Jahre Olympische Winterspiele 1976. Unser heutiger Gesprächspartner ist Toni Innauer, der damals erst 17-jährige Skispringer. Spricht mit uns über seine Erinnerungen an die Olympischen Spiele in Innsbruck und vor allem darüber, wie er als junger Sportler damit umging, statt einer Gold unter Anführungszeichen nur eine Silbermedaille gewonnen zu haben. Nach einer kurzen Einspielung geht es auch schon direkt zur Folge. #00:00:52‑3#

 

Tobias: #00:01:03‑8# (Musik) Lieber Herr Innauer, danke, dass Sie sich die Zeit genommen haben und heute mit uns über Ihre Erinnerungen an die Olympischen Winterspiele 1976 zu sprechen. #00:01:14‑8#

Toni Innauer: #00:01:16‑1# Sehr gerne. Danke für die Einladung. #00:01:17‑8#

Tobias: #00:01:18‑1# Gerne. Ich würde eine Frage stellen zu Beginn, die ich gerne allen Sportler:innen stellen möchte und werde, ist. Was ist denn das Erste, wenn Sie zurückdenken an die Olympischen Spiele 1976 in Innsbruck, was Ihnen sozusagen am prägnantesten sofort wieder in den Vordergrund im Gedächtnis kommt? #00:01:37‑1#  

Toni Innauer: #00:01:38‑1# Das erste ist immer das, was da liegt. Da liegen die Bücher. Und das erste Bild war Was ich im Buch gesehen habe, war von Karl Schnabl ein Sprung. Und natürlich ist es ist es diese eigentlich der Abschluss ist bei mir das Erste, was mir einfällt. Das ist eine verkehrte Welt des Skispringens. Das erste ist der Schlussbewerb am Bergisel, wo wir gesprungen sind. #00:02:03‑1#  

Tobias: #00:02:04‑1# Dann würde ich aber in dem Fall jetzt doch ein bisschen chronologisch für den feinen Rest sozusagen abgehen. Die Spiele finden in Innsbruck statt. Es ist ja für sie quasi fast ein Heimspiel, wenn ich das so sagen darf. Also wer den Lebenslauf nicht kennt in Stams Die Skischule am Skigymnasium und sind zwar gebürtiger Vorarlberger, das ist auch in Ordnung, aber natürlich sehr stark in Tirol verwurzelt. Auch ist es für sie, wenn sie gehört haben, dass die Spiele wieder in Innsbruck stattfinden, Bietet das gewisse oder motiviert das umso mehr? Erstens einmal daran teilzunehmen, im Idealfall natürlich dann auch positiv teilzunehmen, im Sinne von wirklich auch Medaillen zu machen. Und wann können Sie sich noch erinnern, wann Sie das erste Mal davon mitbekommen haben, dass Sie wieder da in Innsbruck stattfinden. #00:02:58‑9#  

 

Toni: #00:03:00‑9# Ich weiß gar nicht, wann das genau entschieden worden ist. Das Denver war der ursprüngliche Ausrichter, den die Amerikaner haben dann den Ladenhüter Olympische Spiele zurückgegeben, weil kein Geld zu verdienen war. Und ich schätze, dass das ein paar Jahre vorher war. Und da war ich noch so jung. Ich war ja in Innsbruck bei den Olympischen Spielen erst 17. Dass ich, als diese Entscheidung ruchbar geworden ist, eigentlich gar nicht damit gerechnet habe, dass ich dabei sein werde. Vermutlich war ich erst 14, und da habe ich noch nicht mit Olympischen Spielen gerechnet. In der. In der kurzen Zeit. #00:03:30‑9#    

 

Tobias: #00:03:31‑1# Weil sie eben gerade das Alter angesprochen haben. Sie waren davor ja auch länger als Skifahrer oder trainiert als Skifahrer. Und dann ja erst mal knapp fünf Jahre davor war es, wenn ich es recht im Kopf habe, wo sie dann ja auf Skisprung gewechselt haben. Ist nur so für mich. Zum Verständnis ist es ist die Entscheidung dann von selber kommen eigentlich oder ist die ist die. Aus von außen kommen. #00:03:59‑1#    

 

Toni: #00:03:59‑6# Skispringen hat mich immer fasziniert. Aber es gab zwar eine Sprungschanze in Bezau, aber keinen funktionierenden Klub. Und es hat dem Skifahrer gegeben, und die haben mich mitgenommen. Und da bin ich im Landeskader gewesen, zwei Jahre lang im Vorarlberger Skiverband. Und zufällig hat dann doch ein paar Klassenkollegen sich mit Skispringen beschäftigt. Und. Und. Ja, am Anfang ganz interessante Erfolge auf Landesebene gemacht. Und da habe ich das Gefühl gehabt, das kann ich mindestens so gut, weil ich das ja vom freien Skifahren gekannt habe und bin dann, es wäre eine längere Geschichte. Auf alle Fälle bin ich nicht nominiert worden als Jahrgangs jüngerer für eine österreichische Meisterschaft im Skifahren und habe das freie Wochenende genützt, wutentbrannt zum Skispringen zu fahren und bin dort Landesmeister. Auf Anhieb Skispringen mit zweimal Schanzenrekord und in der nächsthöheren Jugendklasse geworden auf der größten Schanze. Und alles nur mit Alpin Ski, mit Strolz, Skischuhe und Tiroler Fersenautomatik Bindung. Es war ein komischer außergewöhnlicher Einstieg, aber schon sehr faszinierend für mich, was gefunden zu haben, dass ich auf Anhieb sehr gut konnte und gar nicht gewusst habe, warum eigentlich. #00:05:09‑7#    

 

Tobias: #00:05:10‑1# Und vor allem die sportliche Leistung dann immer als noch sehr junger Springer. Die Vierschanzentournee war ja gerade davor, quasi vor den Olympischen Spielen 75, 76, da haben Sie auch schon drei Springen gewonnen. Außer in Innsbruck, wo es ja wetterbedingt Probleme gegeben hat, war das schon irgendwie auch dann so ein Vorlauf, so Aufwärmrunde oder ein Vortraining sozusagen auch für die Spiele dann, weil es ja doch dann die. Also zumindest in Innsbruck dieselbe Schanze Seefeld war ja nicht dabei, natürlich, aber. #00:05:43‑9#    

 

Toni: #00:05:44‑1# Genau die hatten ein bisschen anders ausgeschaut damals die Schanze und war die schwierigste Schanze der ganzen Vierschanzentournee, auch von den Windbedingungen her. Das war auch bei dieser besagten Vierschanzentournee, wo ich als junger Bursche wirklich drei Springen mit Schanzenrekord gewonnen habe und wahrscheinlich mit Abstand der stärkste Springer dieser Saison war. Aber in Innsbruck hat mich hat mir regelrecht meine Nerven. Einerseits, weil mir vorher schon so aufgeregt habe über den Föhn und das fehlende Windnetz und es gab ja keine Windkompensation, eine rechnerische wie heutzutage. Und es kam, wie es kommen musste. Ich war nach dem ersten Durchgang 76, glaube ich, weil ich im Vorbau gesprungen bin, mit mehrfachem Abrudern gerade auf die Füße. Und dann war es so der Blickwinkel und Perspektive. Innsbruck habe ich mir dann so im Kopf ausgemalt. Da könnte das Quartett dann vollmachen. Dann hätte ich eigentlich, wenn ich dort gewinnen würde, hätte alle Viere in einer Saison gewonnen. Es kam aber anders. #00:06:41‑1#    

 

Tobias: #00:06:41‑7# Es kam leider anders. Ja, ich glaube, es ist der erste Durchgang in Innsbruck ja sogar wiederholt worden. Da habe ich das richtig gelesen. #00:06:48‑7#    

 

Toni: #00:06:49‑1# Aber das weiß ich nicht. Damals sind viele Durchgänge immer wieder wiederholt worden, weil das Reglement ein Verkürzen und Weiterfahren mit rechnerischem Abzug nicht möglich gemacht hat. Und ich weiß nur, dass ich nach dem ersten Durchgang mit einem ziemlichen Vorsprung in Führung war. #00:07:07‑7#    

 

Tobias: #00:07:08-1# Gehen wir vielleicht wirklich jetzt zu den Spielen oder zum Vorfeld der Spiele, waren Sie in Innsbruck einquartiert? In einem Hotel? #00:07:16-1#  

 

Toni: #00:07:17-1# Nein. Es gab ja ein olympisches Dorf in Innsbruck. Auch dort waren wir nicht. Unser Trainer, der Baldur Preiml, hat gesagt, Wir gehen weg von dem ganzen Rummel. Und wir haben uns in Seefeld, wo ja die zweite olympische Sportstätte für uns Skispringer, die Olympiaschanze, nach wie vor steht. Dort waren wir im Hotel. Marte hieß das, waren wir einquartiert und haben dort oben privatisiert. Was wir nicht wussten. Auch vom österreichischen Geheimdienst bewacht, weil es Terrordrohungen gegeben hat Zu der Zeit. #00:07:46-1#  

 

Tobias: #00:07:47-1# Zu dem ich, da komme ich dann noch mal separat drauf. #00:07:50-1#  

 

Toni: #00:07:511-1# Was mir alles einfällt. #00:07:52-9#  

 

Tobias: #00:07:53-1# Weil das Thema ist immer ganz spannend. Das Thema Sicherheit. Das heißt aber die Die komplette SkispringerMannschaft war oben einquartiert oder #00:08:01-1#  

 

Toni: #00:08:02-1# Es waren alle Skispringer oben einquartiert. Ja genau, mit Betreuern usw. nur die Österreicher. Das war das erste quasi Privatquartier mit Willi Dungl. Auch heute eine Größe noch. Der war unser Masseur und ein Tausendsassa. Gekocht hat er und alle für alles zuständig. #00:08:24-1#  

 

Tobias: #00:08:25-1# Ja, wie war denn die Stimmung oben im Hotel, im Trainerteam, mit den Kollegen? War man sehr, hat man schon sehr darauf hingefiebert, dass jetzt dann die Spiele starten und dass die, die springen, starten? Weil Seefeld war ja der erste, also relativ am Anfang und Innsbruck ja dann erst gegen Ende. #00:08:43-1#  

 

Toni: #00:08:43-2# Genau. #00:08:43-4#  

 

Tobias: #00:08:43-4# Ist man sehr nervös gewesen vor den vor den Springen. #00:08:49-1#  

 

Toni: #00:08:49-7# Ja, also. Wie gesagt, ich war doch sehr, sehr jung und war Favorit, weil ich da bei der Vierschanzentournee so dominieren habe können und. Wir haben ja damals keinen Medien Sprecher gehabt, der das alles koordiniert hätte. Sie muss sich das vorstellen. Es ist zugegangen wie unkontrolliert, und die Journalisten sind aufgetaucht und der Trainer hat versucht, sie wegzuschicken und, und es war alles in dieser Aufbruchszeit. Skispringen ist explodiert von vom Bekanntheitsgrad her. Das Interesse war riesengroß, die Strukturen dafür waren überhaupt nicht vorhanden. Wir waren ein bisschen Beiwagerl im Österreichischen Skiverband. Da wurde erst erst später dann wahrgenommen, dass man den Sport wirklich besser betreuen muss. So ähnlich wie im Alpinbereich, wo man das schon eher gewöhnt war. Und wir sind halt eigentlich immer geschwommen und sind durch ein durch Olympische Spiele im eigenen Land, wo das Ganze noch verschärft ist, weil das Interesse viel, viel größer ist. Und dann ist noch dazu gekommen, dass mein Bruder noch unmittelbar vor dem Vorfall in Seefeld losgegangen ist, an Gelbsucht erkrankt ist und man überlegt hat, ob man mich in Quarantäne schicken muss und den ersten Bewerb streichen muss. Also es hat Stress gegeben von A bis Z. Eine Verkühlung habe ich noch gehabt. Spritzen habe ich auch gekriegt. Also dass ich dann beim Training auslassen musste, weil ich beim Telemark immer auf Seiten eingeknickt bin wegen der Spritzen. Also es ist eigentlich eine wilde, wilde Zeit gewesen. #00:10:23-1#    

 

Tobias: #00:10:25-1#  Weil sich die mediale Präsenz angesprochen haben von den Journalisten als noch junger Mann mit 17 Jahren. Und ich glaube, die Spieler 76 waren doch um einiges Medien präsenter als vielleicht die Spiele 64, Der Rummel. Wie geht man damit um? Ein Zeitungsreporter aus aller Welt sind ja dann da. Vor allem dann nachher den geglückten dann bewerben. #00:10:49-1#    

 

Toni: #00:10:50-1# Ja, das Blöde war, dass das für mich auch neu war. Ich habe ja keine Erfahrung gehabt als populäre Persönlichkeit. Gut, ich bin schon ein, zwei Jahre ganz gut gesprungen und auffällig geworden, aber damit habe ich nicht gerechnet. Was Olympische Spiele dann noch einmal mit uns allen machen und wie das im Fokus der gesamten Gesellschaft rückt. Und dass man plötzlich überall erkannt werden und und dass das, das ist die Routine dafür und damit umzugehen nicht gehabt habe. Und unser Team hat das eigentlich natürlich auch noch keine Strukturen entwickelt, wie man heutzutage einfach auch die Sportler natürlich schützt davor und schaut. Heute am Bergisel, wenn sie springen, siehts ganz anders aus. Die kommen nie in Kontakt, wenn sie nicht wollen mit den Zuschauern. Wir sind durch damals, wie man ja mittlerweile weiß, ein bisschen mehr Zuschauer als wie heutzutage sind wir mit den Ski am Buckel durch alle durchspaziert und jeder hat auf die Schulter klopfen können. Und das ist einfach kaum zu bewältigen. #00:11:51-1#    

 

Tobias: #00:11:51-4# Glaubt man vor allem, wenn man das Menschen oder Sportlerdenkmal sagt. Aber ich glaube, die würden sie denken. Wie geht es? Allein vom Sicherheitskonzept? Das wäre eigentlich #00:12:03-1#    

 

Toni: #00:12:04-1# Ja die Einsicht des Sicherheitskonzepts. Wer war schon interessant anzuschauen. #00:12:09-1#    

 

Tobias: #00:12:10-1# Ich habe auch gelesen im Vorfeld bei der Recherche, dass es wohl bei der Eröffnungsfeier, zu der möchte ich auch noch kurz kommen, dass es. Oder macht man zuerst die Eröffnungsfeier bei der Eröffnungsfeier werden Sie, schätze ich war natürlich dabei. #00:12:24-1#    

 

Toni: #00:12:25-1# Nein da war ich nicht dabei. #00:12:26-1#    

 

Tobias: #00:12:26-2# Nein? #00:12:26-4#    

 

Toni: #00:12:26-5# Da waren wir schon, wie soll ich sagen, waren Preiml und Dungl, die gesagt haben, es müssen nicht alle hingehen, Ein paar gehen. Die, die, die, die springen und die Favoriten sind, die lassen wir zu Hause. Es wird zwar das Publikum ein bisschen jammern, aber Sie haben auch recht gehabt. Man steht sich die Füße im Bauch und weiß nicht, wann man fertig wird. Und ich weiß nur von denen, die unten waren, dass es. Dass man ewig lang auf irgendeinen Politiker aus Wien gewartet hat. Glaube ich. Und das haben sie uns Gott sei Dank erspart. #00:12:55-1#    

 

Tobias: #00:12:55-8# Aber den die offizielle Ausrüstung haben wir auch schon gekriegt. Diesen goldenen Anzug. #00:13:01-1#    

 

Toni: #00:13:02-1# Ja, der hängt mittlerweile im neu gegründeten Museum in Wien nach einer unglaublichen Odyssee. Ich habe den Anzug nämlich am Ende der Saison in Amerika für 1.000 $ verkauft. War ein Riesenpreis damals und auf Umwegen. Und zwar vor vier, fünf Jahren ist, ruft mich plötzlich ein Mensch an und sagt Er hat meinen Sprung, meinen Wärmeanzug, den goldenen Robin, wieder haben wollen. Sage ich Das glaube ich nicht. Der muss in Amerika sein, der ist nicht in Amerika, sondern er war drüben Schauspieler, und da hat er statt Gage haben sie den Anzug geschenkt. Dann sagt er, müsst Ihr Autogramm drauf stehen. Das steht am Kragen. Ist meine Unterschrift. Ich kann ihn wieder haben. Oder er kommt in ein Museum und hat gesagt in grad des, ein neues Museum der Republik in Wien gegründet. #00:13:53-1#    

 

Tobias: #00:13:53-4# Im Haus der Geschichte? #00:13:53-9#    

 

Toni: #00:13:54-1# Haus der Geschichte. Ja, die haben mir gerade zufällig angerufen, ob ich noch was haben und die haben nicht mehr viel gehabt. Und dann kam das. Du kannst den, Du kannst den goldenen Anzug einhängen, wenn die haben damit eine Freude gehabt mit Kapelle, mit allem. #00:14:06-1#    

 

Tobias: #00:14:07-8# Das heißt, Sie waren nicht bei der Eröffnungsfeier dabei? Dann hat sich das Thema eh erledigt. Also weil ich habe nämlich gelesen, dass in der Zeitung, es hätte Tumulte gegeben bei der Eröffnungsfeier. Mir wäre da nichts davon bekannt gewesen. Hätte man zumindest. Ich weiß nicht, Hätten Sie was mitgekriegt, dass es da. #00:14:24-1#    

 

Toni: #00:14:24-9# Also, ich habe nichts erinnerlich. #00:14:26-1#    

 

Tobias: #00:14:28-1# Der erste Wettbewerb war auf der Normalschanze in Seefeld. Der Wettbewerb ist für Sie ja wahrscheinlich nicht wie geplant ausgegangen. Wird jetzt einmal ganz. #00:14:41-1#    

 

Toni: #00:14:42-8#  Richtig. Ja. Man plant ja keine Skispringer. Kann man überhaupt nichts planen. Aber nicht wunschgemäß, sicher. So, und ich glaube, bin siebter geworden. Begonnen hat der Hans Georg Aschenbach vor Danneberg und Karl Schnabel. #00:14:59-9#    

 

Tobias: #00:15:00-1#  Ist Seefeld die Schanze auch sehr oder noch recht unbekannt für Sie gewesen? Nicht so? Ist Ihnen nicht so gelegen? #00:15:10-1#    

 

Toni: #00:15:11-1#  Eigentlich. Eigentlich bin ich da sehr gern, sehr gern gesprungen auf der Schanze. Aber ich war zeitlebens ein Springer, der. Wenn Rückenwind war, dann habe ich mir ein bisschen schwerer tun. Und dann war genau an dem Tag ziemlich starker Rückenwind. Und dann habe ich schon gewusst, das wird jetzt, das wird jetzt schwierig für mich. Gründe könnte man jetzt technische erwähnen. Hängt mit Sprunggelenk, Winkel usw alles zusammen. Jedenfalls haben uns da die die DDR Sportler ziemlich abrasiert. Die haben eine bessere, bessere Anzüge entwickelt gehabt speziell dafür. Wir haben mehr für schnellere Geschwindigkeiten aus dem Bergisel bewährt hat, an sich gehabt, und Karl Schnabel hat durch seinen starken Absprung eine Medaille gemacht. In Erinnerung ist mir noch, dass der Bubi Bradl, der es war damals eine Skisprunglegende, der erste Österreicher, der über 100 Meter weit gesprungen ist. Der war bekannt für seine, für seine markanten Auftritte. Und der da kam unmittelbar nach dem Springen. Wir waren gerade beim Zusammenpacken und alles da hat die Kronen Zeitung schon eine Sondernummer austeilt, paketweise dort oben unter den Zuschauern. Und da ist oben gestanden auf der Titelseite nur Bronze und der Bubi als richtiger Anhänger des österreichischen Skispringens und Verteidiger hat sich zwei so Pakete gekauft und hat sich dort öffentlich anzündet. Sauerei, Das ist ja nur Bronze. Immerhin eine Medaille. Gewonnen. #00:16:42-1#      

 

Tobias: #00:16:43-1# Ja, ja, wirklich. Also. Aber ich glaube, die Presse ist immer am kritischsten war das. Man sieht es ja. Also ich finde, man hat in Deutschland auch beim Fußball. Ich glaube, es gibt keinen größeren Feind der deutschen Nationalmannschaft wie die deutsche Presse. #00:16:56-1#      

 

Toni: #00:16:57-1#  Also es ist klar, die Medien leben natürlich und auch damals schon, Das darf man nicht unterschätzen, So schlau waren sie damals schon, dass Emotionen verkaufen und dass man und dass man das natürlich vorher aufgeschaukelt hat, dass wir jetzt alles gewinnen sollten. Dass das sehr schwer sein wird, haben wir zumindest gewusst. Und wenn es dann nicht eintritt, dann muss man natürlich wieder, muss man wieder eine Tragödie draus machen. Und klarerweise wurde das gemacht. Ja. #00:17:22-1#      

 

Tobias:  #00:17:25-1#   Kommen wir mal sozusagen zum Hauptbewerb, dem Springen am Bergisel, was ja gerade, wie gesagt ein paar Monate vorher ja nicht glücklich ausgegangen ist. War das auch ein bisschen eine Motivation, dann einen besseren Sprung dann zusätzlich noch für Olympia hinzulegen? #00:17:41-1#      

 

Tobi: #00:17:42-1#  Das einzige, was ich gehofft habe, dass das kein Wind ist, das ist es halbwegs stabil sein wird und. Und dann waren wir noch gute zehn Tage Olympische Spiele und dann waren wir schon vom Nervenkostüm her. Also ich war ja in Seefeld. Ich bin noch nicht so in Schwung gekommen. Diese berühmte Form, von der man redet, dass es dann leicht von der Hand geht. Aber dann gemerkt am Bergisel im letzten Training und jetzt fängt es an zu laufen. Das Material stimmt und. Und jetzt habe ich wirklich Chancen, dass ich da ganz vorne mitmischen werde. Und war dann auch guter Dinge, dass es. Dass es mir gelingen könnte und dass man ein bisschen Glück braucht, weil mir damals schon klar. Aber es war jetzt nicht Revanche, sondern das war für die Vierschanzentournee, das war ein Einzelereignis. Auch, dass ich versucht habe, mich zu konzentrieren. Und Olympische Spiele an sich haben genug Bedeutung, dass ich nicht noch zusätzliches Aufladen braucht. #00:18:41-1#      

 

Tobias: #00:18:42-1# Zusätzliche Motivation braucht. Jetzt war es natürlich so Im ersten Durchgang in Innsbruck war zwischen Platzierung Nummer eins im zweiten. Sie haben schon vorher kurz erwähnt, ist der Karl Schnabl ja dann noch sozusagen ein  auch wenn es der Teamkollege ist. #00:19:03-1#      

 

Tobias: #00:19:03-9# Ja vielleicht noch dazu, dass ich, dass ich wirklich auch auf diese Führungsrolle nach dem ersten Durchgang, obwohl ich das von der Tournee gekannt habe. Aber in der Bedeutungsträchtigkeit war ich eigentlich nicht darauf vorbereitet. Und das hat mich schon ein bisschen übermannt. Das hat damit die vielen Zuschauer und wir haben ja damals in einem Zelt, wo man alles gehört hat, nur da oben und provisorisch versucht abzuschotten. Und die Trainer waren auch ein bisschen überfordert mit der Situation, dass das jetzt was werden könnte mit dem Olympiasieg, mit dem ersten für einen Österreicher. Und es hat die Luft richtig geflackert. Mir war das eigentlich zu viel. Ich habe dann einfach gemerkt, dass sie das mir ein bisschen, dass der Fokus davon rennt, die eigentlich nur noch an die Medaille und an die Folgewirkungen gedacht haben und dabei eigentlich das habe ich später erst richtig aufarbeiten können, so die Lust vergessen habe, die Lust auf einen nächsten Sprung aufzubauen, sondern das Ganze nur in trockene Tücher bringen wollte. Und das ist der falsche Zugang. Psychologisch gesehen, und das ist mir passiert und in einer bestimmten Phase habe ich sogar gehofft, Sie könnten vielleicht den zweiten Durchgang absagen. Dass man die Medaille so überreichen und im Nachgang betrachtet, merkt man, dass ich, dass ich da aus der Spur geraten bin. Und ich konnte das aber nicht gleich am nächsten Tag sehen, sondern es hat Monate gedauert, bis sie das Erkennen haben können, wo ich dann meinen Beitrag zu diesem zu dieser Silbermedaille geliefert habe. Und eigentlich habe ich nur Glück gehabt, dass ich die Silberne gewonnen habe, weil der zweite Durchgang war. Dann war dann wirklich kein vitaler Sprung, sondern den habe ich einfach so absolviert, in der Hoffnung, dass es endlich vorbei ist und hoffentlich gut für mich ausgeht. Und das ist kein. Das ist keine Einstellung und das ist natürlich ein schlechter. Schlechte Disposition, wenn man eine starke Leistung bringen will. Der Schnabel hat es viel besser gemacht. Der war hoch fokussiert und war auch gut. Er hat auch fleißiger als ich Mentaltraining gemacht und hat es gut im Griff gehabt. Hat einen günstigen Moment abgewartet. Das konnte man damals noch. Damals gab es keine Ampel zum Wegfahren und er ist minutenlang oben gestanden und hat andererseits wahrscheinlich ein bisschen auf den Wind geschaut und andererseits auch gespürt, dass es in Richtung passt für den Sprung. Und die hat mir, sobald da der Trainer oder unten der, der die Fahne weggezogen hat. Am Schanzentisch bin ich gleich reingestürzt, weil es hinter mich bringen wollte. #00:21:28-1#      

 

Tobias: #00:21:29-1# Ich verstehe es ja. #00:21:30-1#      

 

Toni: #00:21:31-1# So viel zum sportpsychologischen Background. #00:21:33-1#      

 

Tobias: #00:21:34-1# Es hat dann vier Jahre später Gott sei Dank mit einer Goldmedaille in Lake Placid sozusagen. Ja, dann sage ich jetzt mal. #00:21:41-1#      

 

Toni: #00:21:42-1# Aber vielleicht noch zu Innsbruck weil. Weil sie mich gefragt haben, ob es dann einfach ein erfreulicher Doppelsieg war. Usw. Und das war sicher für die meisten und für gesamte Österreich. Außer für deklarierte Fans von mir und für mich selber natürlich. Lieber Erster als Zweiter. Vor allem, wenn man, wenn man von hinten kommt. Wenn ich von hinten gekommen wäre und vom dritten Platz auf den zweiten gesprungen, hätte mich das gefreut. Aber wenn man den ersten Platz mit neun Punkten Vorsprung kommt, das ist sehr viel im Skispringen. Damals war es noch mehr als heute. Und dann war das halt doch eine Enttäuschung. Das Gefühl Ich habe jetzt den großen Titel verspielt. Man weiß nicht, was in vier Jahren ist. Und es war dann auch so bei der Siegerehrung, dass man mir natürlich ans Herz gelegt hat, ja gute Miene zu machen. Und ich habe im Nachgang dann irgendwann gehofft, dass ich doch gratuliert habe dem da oben und war mir eigentlich nicht sicher. Aus meiner damaligen Stimmung aus. Aber siehe da, es gibt einen Beweis auf einem Fernsehbild, dass ich dem Kerl doch gratuliert habe, wie es sich gehört. #00:22:49-1#      

 

Tobias: #00:22:51-1# Die Spiele sind ja dann relativ schnell vorbei gewesen. Eigentlich noch den den letzten Siegerehrungen. Es ist ja dann alles relativ, so wie ich das nachvollziehen kann. Relativ schnell zusammen gepackt worden und eigentlich wieder alles abgereist. Sind Sie dann noch eine zeitlang in Innsbruck blieben oder war schon wieder die Saison noch im Laufen? #00:23:10-1#

 

Toni: #00:23:11-1# Nein, Nein, es war schon noch Saison im Lauf. Es sind dann keine. Ich bin dann gleich mal nach Oberstdorf. Da war die bekannte Skiflugwoche in Oberstdorf, wo ich war, ich dann eben mir ein bisschen schadlos halten können und da zweimal Weltrekord geflogen bin und als erster in unserer Sportart diese fünf mal 20 von den Sprungrichtern erhalten habe. Das war dann eigentlich fast nahtlos. Ja, das erste war sogar weil ich noch bei den Junioren war, Junioren Europameisterschaft in Tschechien, in Liberec, Tschechoslowakei seinerzeit noch. Und dann habe ich gewonnen. Und dann war diese Schieflage Geschichte. In Oberstdorf. Weltcup gab es noch keinen. Auch das kann man jetzt historisch dazu blickt. Für den Weltcup hat es dann immerhin noch fünf Jahre dauert in der Saison oder vier Jahre. 79, 80 ist sind die ersten Weltcups im Skispringen zur Austragung gekommen. #00:24:08-1#  

 

Tobias: #00:24:09-1# Das heißt, man hatte eigentlich dazwischen gar nicht groß Zeit gehabt, auch irgendwie die Spiele noch mal zu verdauen, irgendwie zu sagen. #00:24:17-1#

 

Toni: #00:24:18-1# Also es gab keine Krisenintervention für traurige Silbermedaillenlisten und man hat ein bisschen selber damit umgehen müssen. Bremen hat ganz cool gesagt Ist gut, dass du das nicht gewonnen hast. Du bist viel zu jung dafür. Das ist gut, dass du noch Ziele hast. Nicht ganz Unrecht gehabt damit. Und ich habe dann selber schauen müssen, dass ich damit zurande komme. Es standen dann noch die größeren Springern in Skandinavien an, am Holmenkollen in Lahti und die ganze Tournee da oben. #00:24:50-1#

 

Tobias: #00:24:51-1# Wir haben es ganz relativ früh am Anfang ja schon erwähnt und jetzt würde ich da ganz gerne drauf eingehen auf diese Sicherheitsmaßnahmen. #00:24:59-1#

 

Toni: #00:25:00-1# Was noch ganz lustig ist übrigens was man nicht unterschätzen darf, ist an Olympischen Spielen im eigenen Land. Und da merke ich schon einen großen Unterschied zu den Spielen, die dann später in in Lake Placid erlebt habe. In Amerika. Das ist ja fast. Die ersten Fernsehspiele waren natürlich nicht annähernd so viele Zuschauer wie im Skispringen, waren zwar einige 1000 als wir in Innsbruck und Aber es gibt so viele Nachläufer von so Spielen zu Hause. Ich treffe so viele Menschen immer wieder, wurscht wo, auf einem, auf einem Fußballplatz oder bei einer Veranstaltung, die sagen Hey, wir waren gemeinsam, ich war Zuschauer, Der andere war beim TretKommando vom Militär oder oder Sprungrichter. Und alle waren sie bei diesem Ereignis dabei, und zwar live. Und das ist so schön, das begleitet mich ein Leben lang. Während in Amerika außer den Sportlern treff ich niemanden. Gut, jetzt hat mir der Koch von drüben geschrieben, dass er da einen Sonderstempel von mir unterschrieben haben wollte. Aber sonst gibt es da nichts. Aber Innsbruck, das ist ein ein lebenslanges, gemeinsames, großartiges Erlebnis, das ich mit vielen, vielen Österreichern und 60.000 waren ja live Teile und das ist eigentlich das Besondere zum Beispiel auch, dass ich jetzt die Dame habe ich schon zweimal getroffen, das war nämlich dasjenige Mädchen, das mir bei der Siegerehrung die Medaillen überreicht hat und die trifft man und die dem Amerika das gegeben hat die trifft man nie. #00:26:25-1#

 

Tobias: #00:26:26-1# Haben sie kürzlich erst wiedergetroffen? #00:25:28-1#

 

Toni: #00:26:29-1# Es dürfte, es dürfte schon wieder sechs, sieben Jahre her sein oder so, aber sie hat dann gesagt Du kennst mich ja, ich weiß ich nicht mehr. Ich hab dich schon mal getroffen. Ich war nur damals erst 15 oder so witzig. Ja, das ist. Das wird. Wenn man älter wird, werden diese Dinge dann schöner, weil man merkt, man hat gemeinsame Erlebnishorizont#00:26:49-1#

 

Tobias: #00:26:49-7#  Ich habe für die letzte Staffel von Die Podcasts mit vielen Zeitzeug:innen einigen älteren Zeitzeug:innen gesprochen und da ist eben 76, für die Spiele hat man sich auf den ersten Fernseher gekauft. Das ist dann damit, wenn man es nicht vor Ort zuschauen kann, dass man es zumindest übers Fernsehen wirklich. Es waren eigentlich in Innsbruck sehr oder in Tirol, also nicht nur in Innsbruck, sondern in ganz Tirol und Österreich sehr Farbfernseher. #00:27:14-1#

 

Toni: #00:27:14-7#  Farbfernseher waren der Unterschied. Damals musste man dazu sagen, das war kein unwesentlicher Unterschied. Wir haben, glaube ich, ein Gasthaus daheim gehabt. Wir haben ein bisschen früher gekriegt. Anlässlich einer Fußballweltmeisterschaft hat der Vater dort einen Farbfernseher mit sehr fragwürdigen Farbwiedergabe gekauft. Ja. #00:27:35‑6#

 

Tobias: #00:27:38‑1# Gibt es denn etwas von den, von den Springern, von Wettbewerben, was man, was vielleicht noch interessant wäre oder was sie jetzt vielleicht auch nicht nachgefragt haben oder was ihnen noch ad hoc einfällt. #00:27:47‑1#

 

Toni: #00:27:47‑5# Weil eben viele beteiligt waren. Unter anderem gab es auch Vorspringer logischerweise, die gibt es natürlich überall, aber da waren das so berühmte Menschen, die später berühmt worden sind wie der Armin Kogler oder der Hubert Neuper, die später Weltcupsieger, Tourneesieger Weltmeister geworden sind. Und das waren junge Burschen mit 15, 16 Kollegen von mir. Und Armin Kogler ist gestürzt nach dem ersten Durchgang und schwere. Was hat er denn gehabt? Knöchelbruch oder irgendwas? Also schwere Verletzung an der Schulter hat er sich gebrochen, genau. Also am Vorbau oben eingeschlagen und wurde operiert und ist ins Koma verabschiedet worden mit dem Gedanken, dass sein Kollege und Teamkollege Innauer jetzt die olympischen Goldmedaille gewinnen wird, weil er neun Punkte Vorsprung auf und hat dann, wo er aufgewacht ist, haben sie gesagt, Tony hat nicht gewonnen. Das war ein Schmäh gehalten. Er hat. Und er hat berechtigterweise das Gefühl gehabt, das kann man gar nicht mehr verlieren. Und so wie ich den Toni kenne, Aber ich habe, ich habe ihn leider sagen müssen Es stimmt ja, es ist so. Und der Hubert Neuper ist dann. Der war dann auch drinnen, wo ich den zweiten Sprung gemacht hat hatte oder die Silbermedaille gekriegt habe. Und da war ich im Umkleideraum da oben, wo jetzt diese Springerstüberl ist, und ich bin da rein und habe gleich vor lauter Wut die Tasche geschmissen und er meinte ich habe einen Freudesausdruck ist das und dann erst gemerkt, dass ich mich ärgern. Er hat es nicht ganz verstanden. Das ist eine seiner Lieblingsgeschichten, die er erzählt. Ja. #00:29:18‑9#

 

Tobias: #00:29:19‑8# Ich denke immer, da gibt es wahrscheinlich immer wieder so, wenn man sie trifft, Anekdoten. Was dann Jahre, Jahrzehnte später einmal. #00:29:25‑1#

 

Toni : #00:29:26‑1# Wenn der Hubert das erzählt, klingt es noch viel besser. Wer denkt, jetzt kommt da einer vor lauter Jubel schmeißt sogar die Taschen, Dann merkt er, dass ich geflucht habe. #00:29:33‑4#

 

Tobias: #00:29:36‑7# Dann würde gern eben noch auf die auf die Sicherheitsmaßnahmen zu sprechen kommen, weil es dann glaube ich, schon ziemlich durch. Weil sie es angesprochen haben. Das war nämlich auch für mich die Frage dann für alle Sportlerinnen und Sportler. München war ja erst kurze Zeit davor mit den. Mit den Attentaten. 74 ist natürlich ein dunkles Kapitel in der olympischen Geschichte. In Innsbruck war man sicherlich sehr, sehr dahinter, dass es zu keinen ähnlichen Ereignissen kommt. Und Sie haben schon erwähnt, die nicht bespitzelt, sondern es waren die Bewachung oder Beschattung durch die Polizei oder durch die es waren. #00:30:23‑8#

 

Toni: #00:30:23‑8# Es waren also Undercoverbeamte, die oben waren. Die haben wir nicht wahrgenommen, ehrlich gesagt. Und aufgekommen ist das auch durch eine lustige Geschichte, weil mein Zimmerkollege, der nie zum Einsatz gekommen ist, der Alois Lipburger, leider nicht mehr lebt, der lebenslustiger Mensch immer war, der hat gemerkt, er hat keine Nominierung und ist am Abend immer ausgegangen. Ich bin brav schlafen gegangen und er hat in Seefeld ein bisserl das olympische Flair erkundet und ist dann ins Casino gegangen. Und an einem Abend hat er, glaube ich, 5000 Schilling Schilling gewonnen und hat mir das dann. Ich habe mich dann um 2:00 in der Nacht aufgeweckt und gesagt Weißt du, was mir passiert ist? Ich komme um die Ecke und will da hinten rein. Auf einmal steht er vor mir und hat die Pistolen rausgeholt. Und dann habe ich ihm zuerst erklären müssen, wer ich bin und was. Und dann hat er mir erst reinlassen. Weißt du, dass wir von der Geheimpolizei bewacht werden? Dann haben wir das am nächsten Tag natürlich dann im Baldur und denen gesagt. Und Willi dann gleich gesagt Na klar, das haben wir schon gewusst, dass wir. Dass wir bewacht werden. Es gab offenbar auch eine. Irgendeine Entführungsandrohung. Ob die ernst gemeint war oder nicht, da Kolportierter Weise waren da der Engel aus Dänemark und meine Wenigkeit hat mal genannt, dass man die unter Umständen entführen könnte. #00:31:41‑2#

 

Tobias: #00:31:42‑8# Ob man das ist, ist das dann im Hinterkopf während. #00:31:45‑5#

 

Toni: #00:31:45‑5# Wir haben es erst hinterher gesehen, dass da irgendwas war. #00:31:49‑3#

 

Tobias: #00:31:50‑3# Aber ist man dann als Sportler auch wirklich stark, Ob man das Kontrollen stark gemerkt, wenn es zum zum Reisen oder bei Hotels oder bei. #00:31:58‑4#

 

Toni: #00:31:58‑4# Nein, überhaupt nicht. Ich meine, da bin ich später ganz andere Dimensionen mit anderen Dimensionen konfrontiert worden. In Amerika nach 9/11. Das waren natürlich Maßnahmen. Oder jetzt in China, das ist ja unvorstellbar im Ausmaß. Also damals hätte man das. Wir sind da eine und aus spaziert überall und es hat rein ums Hotel. Wahrscheinlich hat es etwas gegeben. Vielleicht ist einer mitgefahren, ohne dass mir ist also nicht in unserem Bus. Aber hinterher, Das haben wir gar nicht wahrgenommen. Ja. #00:32:32‑6#

 

Tobias: #00:32:33‑5# Gibt es nur Erinnerungen an die Verpflegung. Ganz blöde Frage. #00:32:36‑5#

 

Toni: #00:32:37‑6# Ja, die war im Hotel. Aber die Verpflegung, Das einzige, was Verpflegung einfällt, ist der Kuchen, den der Konditor dort gebacken hat, in Form einer Sprungschanze mit Schoko überzogen. Nachdem wir eben diese zwei Medaillen gewonnen gehabt haben. Den Kuchen hat es gegeben und ich weiß aber nicht mehr, wie er geschmeckt hat oder was es wirklich war. #00:32:59‑6#

 

Tobias: #00:32:59‑9# Und und hat. Man abseits von. #00:33:02‑0#

 

Toni: #00:33:02‑1# Verpflegung ist natürlich immer. Ich war damals schon in der Hinsicht sehr, sehr innovativ und und sehr weit vorn. Wir haben halt Vollwertkost, der hat also immer eher und dunkel, die sind ja beide berühmt geworden, dann da, damit haben wir den Speiseplan immer schon vorher mit den Köchen und Köchinnen abgestimmt und was wir Salat zum Essen kriegen sollen und Körndlfresser. #00:33:27‑0#

 

Tobias #00:33:29‑3# Hat man während der Spiele abseits von Training und Vorbereitung hat man dann irgendwelche Veranstaltungen teilgenommen. Da werden natürlich Stichwort Olympia Ball, ich glaube, den hat es auch in Seefeld ergeben und in Innsbruck. #00:33:42‑3#

 

Toni: #00:33:43‑2# Also ich habe sicher an nichts teilgenommen. Und gerade in Seefeld, glaube ich, sind wir mal rausgegangen, habe ich mal kurz eine kurze nordische Kombination oder dann Langlauf mal angeschaut, aber nie lang, Skispringer brauchen viele Pausen, damit sie dann richtig explosiv wegspringen können. #00:34:04‑1#

 

Tobias: #00:34:04‑1# Und Prominente, die sie besuchen wollten oder gratulieren wollten, weil die sich dann aufgedrängt haben, um den um den Zweitplatzierten und den oder dann einmal zu. #00:34:14‑2#

 

Toni: #00:34:14‑7# Das ist aber dann schon so, dass das natürlich die die olympischen Würdenträger gekommen sind zum Gratulieren und dass er da nicht andere Politiker aufgetaucht sind. Deutlicher kann ich mich da noch an Amerika erinnern, wo Sinowatz ganz erstaunt war, dass ich als Stamms schüler doch ganz brauchbares Englisch gesprochen habe und die Amerikaner damals Freude gehabt haben mit mir und das gar nicht fassen können, dass da dass da einer aus aus Österreich. #00:34:44‑6#

 

Tobias: #00:34:45‑6# Vorbeikommt und so glänzt. #00:34:46‑9#

 

Toni: #00:34:46‑9# Ein verständliches Englisch kann ja. #00:34:49‑2#

 

Tobias: #00:34:52‑1# Ich glaube, vielen, die was zumindest zugeschaut haben, ist natürlich Eishockey irgendwie ganz groß in Erinnerung gewesen. In Innsbruck ist das für Sie so am Rande passiert, aber oder hat man das gar nicht so mitgekriegt mit weil die USA. #00:35:03‑9#

 

Toni: #00:35:04‑8# Auch wieder da in Innsbruck. Ich glaube, dass man einmal 1/3 angeschaut haben. Aber das Interessante war, dass ich in Amerika eben auch wieder dort bei einem dieser legendären Matches von der amerikanischen Mannschaft gegen Russland dabei gewesen bin. Zufällig haben wir da Karten gekriegt und Als Athleten hast du eher eine Chance gehabt und das kann ich mich gut erinnern. Ist ja weniger lange her als Innsbruck. Ja, das. #00:35:38‑9#

 

Tobias #00:35:39‑2# Ist natürlich, kommt erschwerend hinzu. (...) Rückblickend jetzt fast 50 Jahre zurück. Sind die Spiele für Sie positiv in Erinnerung, im Allgemeinen negativ oder ambivalent sozusagen? Was? Was sind sie jetzt? Wenn man jetzt, wie gesagt, oft ist es Zeit ein Faktor, der was dann wieder anders an die Spiele zurückdenken lässt als wie, natürlich jetzt haben es jetzt schon gehört. Natürlich war der Frust da, dass es vom ersten auf den zweiten gegangen ist. Aber wie denkt man dann wieder 50 Jahre später daran zurück? #00:36:15‑6#

 

Toni: #00:36:15‑8# Also ich hätte die Frage im März 76 völlig anders beantwortet als jetzt. Da hätte ich geschimpft wie ein Rohrspatz, was ich, was alles schuld war, dass ich da nicht gewonnen habe und der Kerl besseren Wind gehabt hat usw Und. heute sage ich es war ein. Es war ein wunderbares Erlebnis gewesen. Es war genau passend für das Alter und ich war glücklich, dass ich eine Silbermedaille. Aus heutiger Sicht bin ich glücklich, dass ich die Silbermedaille gewonnen habe. Und es ist, es ist auch so ein bisschen das Gefühl wie bei einer Narbe, die einmal sehr wehtun hat. Und wenn man die aber gut verheilt ist und die man wirklich gut verarbeiten habe können, natürlich auch mit dem Olympiasieg vier Jahre später in Amerika. Und dann ist es einfach ein tolles Ereignis. Und ich habe auch das Glück gehabt, in meinem Leben als zum Beispiel als Vortragender so oft auch über diese Dinge reden zu dürfen, weil es eine interessante Konstellation war und die Menschen das einfach auch gerne hören. Und weil es Gleichnis für vieles sein kann. Also für mich war das ein Schwerpunkt meines Lebens, ohne den das völlig anders ausschauen würde. Es hat mich zum Beispiel dazu gebracht, dass sie später auch in meinem Lehramtsstudium Psychologie dazu genommen habe, weil mich diese psychologischen Dinge, einfach weil ich gemerkt habe, was, was da alles im Kopf eines Sportlers überhaupt spielen kann und was ich dann versucht habe, besser zu machen. Und das hat also meine berufliche Laufbahn als Trainer. Ich habe das hat mir Empathie beschert dafür, was Menschen, was so Großereignisse mit Menschen machen können, wie dieser Druck sich auf die Psyche auswirken kann, wie man den vielleicht dagegen steuern kann. All das hat Innsbruck, diese seinerzeit sehr bittere Erfahrung, die aber gut aufarbeiten können für mich als Sukkus und als Essenz dann irgendwann gebracht. Ja. #00:38:06‑1#

 

Tobias: #00:38:06‑4# Und weil Sie das ansprechen, denken Sie, es ist aus heutiger Sicht oder für Sportler heute schwieriger? Bei Spielen also der. Der psychologische Aspekt ist für Sportler heutzutage schwieriger, weil Social Media, Zeitung ist natürlich sehr präsent. Ist es. Das sind ja alles, ich nenne es jetzt einmal Störfaktoren in Anführungszeichen. Denken Sie, dass Sie, wenn Sie jetzt junger Sportler wären, wieder. Das ist eine sehr hypothetische Frage, ist mir klar. Aber ob Sie mit dem Blick jetzt von damals, von dem Wissen von damals, Wenn Sie jetzt heute noch mal springen würden mit den Umständen, die wir haben, ist das, wäre das wesentlich schwieriger zu händeln, zu bewältigen mit diesem ganzen Trubel, der ja mittlerweile bei diese sportlichen Ereignisse ja zwangsmäßig ja fast mit dranhängt. #00:39:00‑8#

 

Toni: #00:39:02‑1# Ich glaube, dass es leichter ist heute. Es gibt zwar mehr Trubel, der ist aber viel besser kanalisiert und abgefangen und aufgeteilt und strukturiert und wird bewältigt von Heinzelmännchen rundherum, so dass zum Sportler, wenn der halbwegs bei Sinnen ist, eigentlich eh nicht so viel durchdringt. Und deshalb glaube ich, dass diese Generation eigentlich viel wilder, viel abenteuerlicher und viel selber gestrickt an die ganzen Sachen herangehen müssen. Und das ist und ist viel mehr noch vom Sportler, von seiner Pufferfähigkeit, von seiner Resilienz eigentlich abhängt. Dass wir heute sind. Gibt es wirklich engmaschige Systeme rund um Sportlerinnen und Sportler, die es, wenn einer coachbar ist, schon sehr viel erleichtern. Aber man muss halt davon ausgehen, diese Systeme haben andere auch und deshalb hat man da keinen großen Vorteil. Aber man tritt halt gegen Gleiche an, hat aber Arbeitsbedingungen, die klarer sind als wir, als wie das damals waren. #00:40:03‑1#

 

Tobias: #00:40:04‑5# Ich sage vielen, vielen Dank für die Anteilnahme an den Erinnerungen für die Zeit und ich wünsche weiterhin alles Gute. #00:40:13‑0#

 

Toni: #00:40:13‑2# Danke sehr! Auch alles Gute! #00:40:14‑7#

 

Hanna: #00:40:17‑3# Das war unsere Folge mit Toni Innauer. Hören Sie auch nächste Woche wieder rein, wenn wir Gudrun Obitzhofer als Gast begrüßen dürfen. #00:40:25‑1#

Gudrun Obitzhofer

Gudrun Obitzhofer

Stadtarchiv Innsbruck

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Transkript

Fanfare mit Lautsprecherdurchsage: 50 Jahre Olympische Winterspiele 1976. #00:00:13‑4#

 

Hanna: #00:00:21‑1# Hallo und herzlich willkommen zur dritten Folge der Podcastsendung 50 Jahre Olympische Winterspiele 1976. In der heutigen Folge hören Sie ein Gespräch mit Gudrun Obitzhofer. Gudrun war Teil des Organisationskomitees der Olympischen Spiele in Innsbruck. Gemeinsam sprechen wir über ihre Tätigkeiten und den Arbeitsalltag im Komitee. Durch ihre Arbeit hatte Gudrun auch Kontakt zu Silvia Sommerlath, der späteren Königin von Schweden, weshalb wir selbstverständlich auch ein paar Storys aus erster Hand hören wollten. Wie üblich geht es nach einer kurzen Einspielung zur Folge. #00:01:00‑8#

 

Tobias: #00:01:13‑0# (Musik) Gudrun, danke, dass du dir die Zeit genommen hast, mit mir ein bisschen über die Olympischen Winterspiele zu 76 zu sprechen. Und es startete gleich so, weil. Also mir ist es so herangetragen worden, dass du als Sekretärin vom Karl-Heinz Klee im Organisationskomitee für die Spiele 76 tätig warst. Ist das schon? #00:01:34‑0#

 

Gudrun Obitzhofer: #00:01:34‑0# Das stimmt. Ich war im Generalsekretariat, da war der Dr. Klee. Da war also die Galen Elisabeth und ich. Und dann war noch die Frau Doktor Schwabe. So haben wir angefangen. Die Frau Doktor Schwabe, die 72 auch in München war, bei den Hostessen. Und ganz ein großer Punkt bei der Vorbereitung der Olympischen Spiele war das, dass wir einfache Spiele sein. Und zwar deswegen. Erstens einmal sind wir eingesprungen für Amerika und zweitens haben wir nur drei Jahre Vorbereitungszeit. Und dieser Wahnsinn, was auch damals schon öfters war nicht so ganz schlimm wie heute. Aber damals ist auch schon die Eröffnungsspielfeier und die Schlussfeier auch schon ein bisschen ausgeartet. Und da hat er gesagt das käme bei uns überhaupt nicht in Frage. Und wir brauchen also für die Abteilungen einen Geschäftsführer. Das waren die mehreren bereits eh schon Landesangestellte oder Stadtangestellte. #00:02:30‑3#

 

Tobias: #00:02:30‑8# Das heißt aber Moment. #00:02:31‑9#

 

Gudrun: #00:02:32‑4# Also Finanzausschuss, Sportausschuss, äh, Ausschuss, Verkehrsausschuss Fragen wir nicht, was noch? Protokoll Ausschuss nicht zu vergessen. #00:02:43‑8#

 

Tobias: #00:02:44‑6# Und darüber ist sozusagen der Karlheinz Klee gestanden. #00:02:46‑8#

 

Gudrun: #00:02:47‑0# Er war der Generalsekretär und dann ist der Generalsekretär Stellvertreter gekommen. Der war auch, aber der war deswegen, weil der eine war schwarz und der andere war rot und hat auch was zu sagen gehabt. Also darf man es nicht sein. Und dann war die Frau Doktor Schwabe. Die war natürlich verantwortlich für die Hostessen und die haben sie auch genommen, weil sie gewusst haben, dass das funktioniert. Also da hat sich kein Mensch schämen müssen. Das war von Anfang an hat das passt. Und das andere war eben so, dass von Land und Stadt angeregt wurde Nehmt bitte an Leute von unseren Dingen, weil es billiger kommt, wenn die von da geholt werden, als wir von dort geholt werden. Und da war zum Beispiel auch der, der es weiß nicht wo dieser Dr. Niescher, der war der Vater von dem. #00:03:36‑7#

 

Tobias: #00:03:37‑5# Der Lugger selber hat, aber nicht kein, also über den Bürgermeister hinaus keine separate Zeremonienmeister ist. #00:03:45‑3#

 

Gudrun: #00:03:45‑3# Aber der Zeremonienmeister war vom Land. #00:03:47‑3#

 

Tobias: #00:03:47‑8# Ah ja. #00:03:48‑1#

 

Gudrun: #00:03:48‑3# Ja, der gewisse. Und es waren auch der Bauausschuss, glaube ich, war der vom Land. Ich weiß nur so genau weiß ich das nicht. Das interessiert ja nicht. Eigentlich, wenn du arbeitest, Du bist. Du denkst, du bist jetzt da, mitten im Geschehen und du musst das und das machen. Und wo die herkommen, ist eigentlich wurscht. Nur von gewisse, was man sollte. Dr. Girardi war für den Sport zuständig, zum Beispiel. Der war also so ein feiner Mensch und der Finanzausschuss der DR. Wir haben uns dann von der Raiffeisenbank, die hat uns also die war sozusagen Großsponsor und war auf allem oben, was gegeben hat, auf allen Druckwerken und Prints und allem und hat uns den vierten Stock in der Adamgassen damals gegeben. Da war natürlich noch gähnende Leere. Also es ist jedes Mal dann ein anderes Büro dann besetzt worden und ganz oben, da war so ein Turm, da war unser Sitzungssaal. Das muss ich deswegen erwähnen, weil da hab ich die Königin versteckt. #00:04:43‑0#

 

Tobias: #00:04:44‑5# Da käme man dann noch drauf zu sprechen. Das macht, dann macht man einen eigenen Part dann. Aber ich finde aber interessant, dass unter Anführungszeichen das Komitee so ausgesiedelt worden ist und nicht näher an der Stadt oder. #00:04:55‑7#

 

Gudrun: #00:04:56‑1# Ist in der Stadt. #00:04:56‑7#

 

Tobias: #00:04:57‑0# Also näher am Rathaus. Meine damit eigentlich. #00:04:59‑2#

 

Gudrun: #00:04:59‑8# Das ist also wo hatten sie uns hintun sollen und da hat es das große Rathaus noch nie gegeben. Das war ein neu gebautes Raiffeisen und unten ein haben wir die Garage gehabt und oben war die Büros. Aber es ist so, dass das schon super war. Nicht weil du hast wirklich von vornherein Platz gehabt und wir haben ja keinen. Am Anfang haben wir so viele Taschen, am Anfang. Und das darf man eines nicht vergessen die ganze Infrastruktur, die jetzt elektrisch war. Es hat gegeben, ein Faxgerät, natürlich eine Telefonanlage, da hat es gegeben ein, Email. #00:05:31‑7#

 

Tobias: #00:05:34‑3# Hats gegeben Kopierer, Drucker. #00:05:36‑5#

 

Gudrun: #00:05:36‑9# Kopierer, Drucker. Das haben wir schon gehabt. Aber ich glaube, es hat nur ein Fax gegeben. Email war damals noch nicht, Weil. #00:05:42‑9#

 

Tobias: #00:05:42‑9# Bei uns noch nicht glaub ich #00:05:43‑5#

 

Gudrun: #00:05:43‑7# Weil wir, aber auch Amerika schreiben haben müssen, haben wir einen Lochstreifen geschrieben. Mit der Maschine, mit der Schreibmaschine. Und dann haben wir noch durchlassen, damit es schnell geht, damit es nicht zu viel kostet. Einfache Spiele. #00:05:53‑9#

 

Tobias: #00:05:53‑9# Habt ihr also. Die Korrespondenzen waren weltweit. #00:05:59‑6#

 

Gudrun: #00:06:00‑4# Mit allem verbunden. #00:06:01‑2#

 

Tobias: #00:06:01‑3# Ist nicht über den IOC, also an den IOC und der hat weiter, sondern. #00:06:04‑7#

 

Gudrun: #00:06:05‑7# Das waren natürlich über IOC auch, aber gewisse Sachen wollten diese wie heißen Sie denn, was war jetzt der Pepeunig war gewesen beim Rodeln? Wie sagt man denn da? #00:06:14‑7#

 

Tobias: #00:06:14‑9# Äh. #00:06:15‑3#

 

Gudrun: #00:06:15‑9# Betreuer, Betreuer? Ich das nicht. Gibt Sicherheit auch noch, aber mehr als wir waren. Also wir haben. Wenn jetzt in Sportausschuss hernimmt, war der Chef der Dr. Girardi und dann war der Pepeunig, der war für die Rodler zuständig. Nachher war einer, der war für die Skifahrer zuständig, nachher war einer, der war. Für Langlaufen. Verstehe du mich? Also die Sparten waren schon irgendwie aufgeteilt. #00:06:38‑2#

 

Tobias: #00:06:38‑2# Und weil es mir gerade einfällt, weil du sagst, das war in Innsbruck, in Seefeld war keiner stationiert. #00:06:44‑2#

 

Gudrun: #00:06:44‑5# Anfänglich nicht, anfänglich nicht. Und in Seefeld war es so, dass da eigentlich erst im Herbst vor die Winterspiele oder vielleicht im Sommer im Jahr davor halt haben sie nachher die Starterkitteln gemacht und die ganzen Häuseln, wo die Leute hingehen müssen. Und das war eine ganz super Idee. Die waren alle gleich. Das waren vier Seiten quadratisch, vier Seiten und eine Seiten mit Fensterseiten, eine mit der Tür und zwei Seiten ohne was. Und du hast die danach als Garten verkaufen. Also das sind einfache Spiele, gell? #00:07:19‑5#

 

Tobias: #00:07:20‑1# Und die sind verkauft worden? #00:07:21‑2#

 

Gudrun: #00:07:21‑7# Wir haben einen gekauft für unseren Garten. #00:07:22‑7#

 

Tobias: #00:07:23‑4# Und die steht noch. #00:07:23‑8#

 

Gudrun: #00:07:24‑0# Die stehen Heute noch. #00:07:24‑4#

 

Tobias: #00:07:25‑0# Ja dann ist ja für eh fast für die Ewigkeit. #00:07:26‑7#

 

Gudrun: #00:07:27‑2# Ja, also ich muss sagen, das ist echt. Das muss ich sagen, Das hast du ja alles nicht so denkt nicht. #00:07:32‑1#

 

Tobias: #00:07:32‑4# Also ist es sozusagen, wie soll man sagen oberstes Prinzip also, dass das überall, also auf gut Deutsch, über. #00:07:41‑0#

 

Gudrun: #00:07:41‑4# Überall sparen, ja. Es war ja zum Beispiel jetzt der BMW, war unser Auto Sponsor und die haben halt nachher angefragt, also der Dr. Doktor kreigt jetzt gleich schon am Anfang, da waren die anderen noch nicht. Jetzt hat er das Auto gekriegt, hat das eine Farbe gehabt grün blaue und keine Ahnung, weiß ich nicht. Und dann, nach 10.000 Kilometer, muss er es aber zurückgeben, weil dann ist es als Vorführwagen verkauft worden. Dann hat er das nächste Mal eine andere Farbe kriegen. Und da hat er gewohnt. Unten in Rum unten und wie er nachher wieder hat er müssen das Auto zurück gegeben, hat er gesagt Gebt mir nur mehr ein Auto derselben Farbe, weil die Leute meinen alle bei mir ist der Reichtum ausgebrochen, Wenn ich alle. Verstehst mich? Das ist so! Wir haben wohl das Wappen angehabt Olympische Winterspiele 76. Aber das ist ja von jedem angeblickt nachher und, und, und. Ich muss sagen, ich finde es einfach normal, wenn nicht jeder meint wer ist der Größte und Beste und nur mal etwas drüber und eine Krone und einem Diamanten in der Kronen fahren. #00:08:38‑5#

 

Tobias: #00:08:39‑8# Was jetzt gar nicht gefragt habe, weil es für mich schon so klar war, dass du beim Karl-Heinz Klee im Sekretariat. Was hast du? Warst du davor bei der. Oder bist du bei der Stadt angestellt gewesen? Bist du. #00:08:49‑5#

 

Gudrun: #00:08:49‑7# Ich war Suchende und habe gefunden. Ich war vorher im Wirthaus Wifi. #00:08:57‑6#

 

Tobias: #00:08:57‑8# Ja. #00:08:58‑0#

 

Gudrun: #00:08:58‑7# Und da ist es nicht mehr gegangen mit welchen ich da hab müssen zusammenarbeiten, hab ich gesagt. Entweder er oder ich. Und das haben die Männer bevorzugt. Dann bin ich gegangen und das hat ihm sehr, sehr leid getan. Nach drei Monaten sagt er jetzt tut im der Magen weh, sag ich selber Schuld. #00:09:12‑9#

 

Tobias: #00:09:13‑9# Und du bist dann direkt zum. #00:09:15‑7#

 

Gudrun: #00:09:16‑0# Ja, da hab ich dann gefragt. Also ich war sowieso gegangen bei denen Und dann hab ich gefragt mit den Olympischen Winterspielen, da geht's gleich hin. Ja. #00:09:23‑7#

 

Tobias: #00:09:24‑4# Aber du hast den Karl-Heinz Klee jetzt nicht persönlich kennen. #00:09:27‑9#

 

Gudrun: #00:09:28‑0# Es war keinerlei Vitamin B, Ich habe mich beworben, ganz offiziell. Der Dr. Knoll war der Personalchef. Jetzt wissen wir, dass der Personalchef und das ist ganz genau. Waren ja. Englisch, Französisch, Deutsch. #00:09:40‑2#

 

Tobias: #00:09:41‑6# Und wollte es dann nur. Also warst du dann nur für die. Also nur für das Organisationskomitee, für die Spiele, weil da Karl-Heinz Klee war, Ja. #00:09:48‑3#

 

Gudrun: #00:09:48‑8# Der war ja Rechtsanwalt, der hatte nebenbei noch gearbeitet hatte eigentlich, glaube ich, nur zeitweise. Wenn es wirklich heftig worden ist, hat er mal eine Woche nichts dann. Aber sonst hat er immer gearbeitet. Ich war nur dort. Ich habe sonst nichts getan. Das hat mir gelangt. Wir haben nicht einmal mehr Sonntag frei gehabt. #00:10:01‑8#

 

Tobias: #00:10:02‑6# Ja. #00:10:02‑8#

 

Gudrun: #00:10:05‑2# Das war ich im letzten Winter. #00:10:06‑4#

 

Tobias: #00:10:06‑7# Ja. Okay. Das heißt aber, deine hast du zugewiesen, oder irgendeine Zuständigkeit? #00:10:15‑0#

 

Gudrun: #00:10:15‑0# Ja ich war fürs Protokoll verantwortlich, wenn eine Sitzung war. Dann war ich verantwortlich für die Schriftverkehr mit den Sommer geteilt gehabt. Egal. Nun die. Und am Anfang waren wir auch Telefonist und Fernschreiber und alles waren wir, weil wir waren ja nur zwei Leute. Tut mir leid. #00:10:31‑3#

 

Tobias: #00:10:32‑2# Chauffeurin. Aber nein. #00:10:33‑4#

 

Gudrun: #00:10:33‑9# Nein, nein. Chauffeur ist gleich, der Doktor gleich selber gefahren. Und dann hat es geheißen Also, das geht jetzt insofern nicht mehr, weil er einfach nicht kann. Wenn er nach Wien fährt, muss er das Zeug anschauen können. Und da ist der Chauffer gekommen. #00:10:44‑4#

 

Tobias: #00:10:44‑7# Ist er dafür unterwegs gewesen? #00:10:46‑0#

 

Gudrun: #00:10:48‑2# Er war schon ziemlich am Weg wollen und hat dann gesagt jetzt, teilt mich anders ein, weil irgendwie müssen wir das zusammenlegen oder wie auch immer. Aber da hat er ja er war viel am Schluss überhaupt noch. #00:10:59‑1#

 

Tobias: #00:10:59‑5# Und du hast aber nie mitreisen müssen. #00:11:00‑9#

 

Gudrun: #00:11:01‑3# Die Protokolle in Wien habe ich müssen schreiben. Ja, ja. Weit gereist. #00:11:05‑6#

 

Tobias: #00:11:06‑6# Weil ich mein das ist ja doch immer also. #00:11:09‑2#

 

Gudrun: #00:11:09‑5# Nicht jetzt das Protokoll, wenn man sich aufführt, sondern das Geschriebene. #00:11:12‑5#

 

Tobias: #00:11:13‑7# Also nachdem ich selbst da Erfahrung habe im Protokoll schreiben, das ist ganz schön aufwendig. #00:11:18‑4#

 

Gudrun: #00:11:18‑6# Das ist aufwendig, jawohl. #00:11:20‑0#

 

Tobias: #00:11:20‑5# Aber hast eben aus Interesse hast du dann mit einem, mit einem Tonbandgerät oder mit was? #00:11:25‑4#

 

Gudrun: #00:11:25‑5# Zuerst habe ich mitgeschrieben und nachher haben Sie gesagt Nein, das wollen Sie so nicht. Ich soll doch ein Tonband nehmen. Dann habe ich ein Tonband gehabt, also das Tonbandl, gell? Ja. #00:11:33‑8#

 

Tobias: #00:11:34‑5# Eine Koffer, eine Kiste. #00:11:35‑4#

 

Gudrun: #00:11:36‑4# Ein Tonbandl. Und dann habe ich mit von dem mitgeschrieben. Trotzdem, und von dem hat nachgeschaut, und es wurde mir viel ausgestrichen, weil ich Dinge, die mir eigentlich angetippt haben, dass es so kommen ist und dass sie das einfach so blöd gefunden habe und dass es sich nicht einigen geschrieben habe. Und dann haben sie gesagt Nein, das kann man , Ja bitte schön, hab ich gesagt dann streicht es aus. #00:11:56‑3#

 

Tobias: #00:11:56‑8# Aber das heißt natürlich, du bist bei viele Sitzungen, Sitzungen. #00:11:59‑9#

 

Gudrun: #00:12:00‑0# Ja, wenn der Rodelausschuss war, zum Beispiel war ich oben auf dem Rodel Ding, war schee beim Tee Kaffee da und da war dann einmal so der Sturm war sie noch gut, da waren, Ami waren auch dabei. Ja klar, wenn alle seien sie da gewesen und da ist der Wind gegangen, aber schon so verrückt. Und dann hat man gesagt, dann haben sie die Baum an nacheinander. Also wenn das gesehen hast, hats dir auch gelangt , wenn du nicht da bist. #00:12:22‑7#

 

Tobias: #00:12:23‑7# Aber das heißt, da werden ja einige, ist es. Das ist vielleicht ein bisschen fiese Frage, aber ist es bei dir, bei dir, bei den Sitzungen immer recht zivilisiert zugegangen oder ist das dann schon? #00:12:34‑5#

 

Gudrun: #00:12:34‑5# Darum hab ich darf nicht alles schreiben. #00:12:36‑1#

 

Tobias: #00:12:37‑1# Aber das heißt es sind wirklich hitzige Diskussionen entstanden also. #00:12:40‑8#

 

Gudrun: #00:12:42‑2# Es sind schon Diskussionen entstanden. Es hat jetzt, wenn es jetzt ums Rodeln gegangen ist, hat er einen Vorschlag gehabt und den haben wir alle schon gehabt. Und dann seien sie mit dem gekommen und es wurde ja da auch diese neue Bobbahn gebaut und da haben sie halt nachher sehr manche sich sehr dagegen haben gesagt das kannst nicht machen und da haben sie ja sind dagegen und sie haben sich geeinigt. Also anders geht es nicht, wenn alle einstimmig sein, das muss sein, weil sonst fahrt ja keiner. Das heißt, sonst geht das nicht. #00:13:08‑7#

 

Tobias: #00:13:08‑9# War bei die Sitzungen dann immer auch wer vom Öoc oder vom IOC dabei oder ist es. #00:13:13‑3#

 

Gudrun: #00:13:13‑7# Na gut jetzt beim Rodelverband ist der österreichische Rodelverband, der war da natürlich. Die Wiener lassen sich das nicht nehmen, dass sie da ins Spiel kommen, wie sie Baum ausreißt, das müssen sie sehen. Und bei den Skifahrern für die Füße. Und die alle sind also alle da, bist du alle, da. #00:13:30‑2#

 

Tobias: #00:13:31‑0# Hast du mit Vertretern, also von den Ländern selber, wann hat es denn dann wirklich, also im Zuge vom Staat. #00:13:39‑5#

 

Gudrun: #00:13:39‑5# Also ich verstehe, was du meinst. Also der deutsche Sportverband. Ja, Ja. Und die sind aber auch mit den Untergruppen gekommen. Ja, weil jetzt der Dachverband. Was soll der da? Und der kann ja nicht alles wissen, nicht? Und da hat er noch, da sei noch der Deutsche Rodelverband, der Deutsche Eislaufverband, der Deutsche Langlaufverband. Als wie sie alle heißen, sind alle da gewesen. Und von weiß der Kuckuck wo, die wenigsten oder wenigsten was gekommen war, da war der Rodler ist der ein Japaner mitgehüpft oder nicht? Das weiß ich jetzt gar nicht. #00:14:08‑3#

 

Tobias: #00:14:08‑8# Müsste ich jetzt ehrlich gesagt nachschauen. #00:14:09‑8#

 

Gudrun: #00:14:10‑1# Das muss ich sagen, habe ich jetzt wirklich keine Ahnung mehr. Aber ich glaube, bei den Rodler und so, das waren mehr als Europäer und Ami. #00:14:18‑1#

 

Tobias: #00:14:18‑1# Kanadier wahrscheinlich glaube ich. #00:14:18‑7#

 

Gudrun: #00:14:19‑0# Ja, ja der von drüben. Ja. #00:14:20‑2#

 

Tobias: #00:14:20‑7# Das heißt aber die Reisekosten werden Sie selber wahrscheinlich, oder ist das? #00:14:23‑3#

 

Gudrun: #00:14:23‑8# Müssen die selber zahlen. Nein. Also wir waren einfache Spiele. Wir haben unser Zeug gezahlt und sie müssen ihr Zeug zahlen. Sie haben ein Auto bekommen, als wenn sie uns gebraucht hätten. Die Außerirdischen hat gesagt, die überseeischen. Dann haben sie von BMW ein Auto gekriegt. kriegt. Und das haben Sie sich müssen auch teilen. Und ja. #00:14:41‑2#

 

Tobias: #00:14:43‑5# Es ist ich glaub 73 ist es glaub. #00:14:46‑5#

 

Gudrun: #00:14:46‑7# 73, 73 Im März hat es angefangen. #00:14:49‑1#

 

Tobias: #00:14:49‑3# Ich wollte gerade sagen, das war auch für die dann der Startschuss. #00:14:51‑7#

 

Gudrun: #00:14:52‑3# Sie haben mir 14 Tage vorher mir das Büro aufgesperrt. Also ich war die dritte. Vierte Keine Ahnung. Dr. Schwabe war, die Galen, der Klee Ja, ja. #00:14:59‑0#

 

Tobias: #00:15:00‑2# Und hat man da von die Spiele 64 sozusagen Akten angefordert, Also Schriftgut, Akten, Protokolle oder irgendwas angefordert, an dem man sie dann angelehnt hat oder? #00:15:10‑4#

 

Gudrun: #00:15:10‑4# Es ist so der klar hat der Doktor Klee sich das alles angeschaut und mehrere und und und hat es ja noch Wochenschauen gegeben oder überhaupt einen Film, das weiß ich jetzt gar nicht und es ist schon wieder gesagt. Und das war auch damals hat es geheißen, ein normales Event, wo man nicht jetzt die Berg niederreißt und andere ausstellt, wenn man eine haben. Und da hat er gesagt, Wir machen das also möglichst simpel und einfach anders können sie uns gernhaben. Also es hat er denen vorher schon alles gesagt, also vermute ich, dass sie diese dieses Wissen von 64, die sich vorher schon angeeignet haben, also bei mir. #00:15:44‑3#

 

Tobias: #00:15:44‑9# Bevor man quasi sieht. #00:15:45‑8#

 

Gudrun: #00:15:45‑8# Ja bevor man überhaupt gesagt hat, wir machen es. Ich bin nie da irgendwo gewesen, dass man das uns angeschaut hat. Nie und ja und die Simplekeit hat dann angefangen damit eben, dass man gesagt hat, jetzt heißt es sind zwei Mädel da, jetzt tut ihr dort abwechselnd Telefon hoch und jetzt haben wir auf unserem Schreibtisch am Anfang gehabt, und dann hatte ich auf einmal die Gerätschaften kommen, so ein Riesenteil, wo sie für was das gut war. Ja, und Telefon und eben wie gesagt einen einen Lochstreifen für die Übersee Faxe. Und es war auch zum Beispiel der Arbeits Mitarbeiterausweis. Das haben wir müssen wohin gehen, fotografieren und nachher ist es gemacht worden und ist es in die Hülle eingeschweißt worden. Also das war alles nicht so wie heute, heute hockst du vorne hin und hast du schon deinen Seniorenausweis. #00:16:34‑1#

 

Tobias: #00:16:35‑8# Na, das ist viel mehr Schritte, viel mehr Wege, was eigentlich. #00:16:38‑5#

 

Gudrun: #00:16:39‑3# Sehr viel zum tun wirklich wahr. #00:16:40‑9#

 

Tobias: #00:16:41‑4# War. Für die der Arbeitsaufwand. Bis zu also wenn es du schaust war der die die Arbeit bis zum Beginn der Spiele mehr. Also war der Arbeitsaufwand einfach wahnsinnig viel bis zu den Spiele. #00:16:54‑6#

 

Gudrun: #00:16:54‑6# Es ist genau wie bei einem Theater. Vorher hast du gearbeitet und nachher gespielt. Wenn du dann noch eine Arbeit hast, dann hast du was falsch gemacht. #00:17:02‑3#

 

Tobias: #00:17:03‑4# Das heißt, du hast also auf. Das möchte ich zum. #00:17:06‑4#

 

Gudrun: #00:17:06‑4# Bis zum Letzten Ding ist noch gemacht worden und dann haben wir alle noch gebetet, dass es nicht schneit wenn dann der Bergisel die Eröffnung ist weil da hat die Königin gemeint, wir legen Nylon über die Sessel und tun das nachher mit einem Hubschrauber weg. Aber das war nicht so, also es hat Gott sei Dank nicht viel geschneit und es war wunderbar bei der Eröffnung und wir haben einen neuen Schnee gebraucht, also es war eigentlich hat der Ding gesagt immer, der Doktor Gerardi, gerade wenn man weniger Schnee hat ist es viel gescheiter. Wir können uns holen den Schnee, als wenn wir so viel Schnee haben, dass wir nicht mehr wissen, wohin damit. Das war also das war, das war die letzten Winter ist noch so, aber es hat überhaupt nichts geschneit. Im Winter nicht. #00:17:45‑6#

 

Tobias: #00:17:47‑1# Jetzt muss ich natürlich fragen Immer. Du kannst auch die Aussage verweigern. Natürlich. Als Mitglied des Organisationskomitees hast du dann Freikarten für Veranstaltungen. Bist du irgendwas gegangen? #00:17:57‑3#

 

Gudrun: #00:17:57‑6# Ich habe meinen Umfang, mein Ding gehabt und ich habe für diese Veranstaltung da einen Anzug gekriegen, einen gelben wie alle anderen mit Orden. #00:18:05‑8#

 

Tobias: #00:18:05‑9# Also den, diesen, den, also diesen goldenen. #00:18:08‑4#

 

Gudrun: #00:18:08‑7# Nein, das waren die Skifahrer. #00:18:09‑7#

 

Tobias: #00:18:09‑7# Ja eben. #00:18:10‑1#

 

Gudrun: #00:18:10‑2# Die Organisation hat einen gelben Anzug fürs kalte, wir waren noch gekleidet in Blau mit Hut. #00:18:17‑5#

 

Tobias: #00:18:17‑5# Da ist das. Ist es der Blazer, Wenn der Blaue. #00:18:19‑6#

 

Gudrun: #00:18:20‑4# Einen blauen Blazer, einen blauen Mantel, einen blauen Rock und weiße Blusen und einen schwarzen Hut. Mit rotweiß rote Bandel noch. #00:18:26‑7#

 

Tobias: #00:18:27‑1# Ich glaube, ich habe die Fotos vor meine Augen. #00:18:28‑6#

 

Gudrun: #00:18:28‑6# Ja, ja. Und Sie haben das recht gut nachgemacht bei dem Klammerspiel beim Film. Und wir haben dann auf einmal kommt die Dr. Schwabe Ich werde nie vergessen, das war am Sonntag. Da, dieses Abschlussspringen. Ob das jetzt das letzte war? Das letzte war doch der Klammer. Nein, das war nicht der. #00:18:43‑5#

 

Tobias: #00:18:43‑5# Nein der war gleich am Anfang. #00:18:44‑3#

 

Gudrun: #00:18:44‑9# Der war gleich am Anfang. Also dann war es das Abschlussspringen mit sehr vielen geladenen Gästen. Und die Dr. Schwabe kommt mit einem Anzug. Schau, hat sie gesagt, der wird dir passen. Den ziehst du dir an und gehst morgen am Bergisel hinauf. Und tust mir die Ehrengäste einweisen. Ja, nur da ist sie bei mir bei der richtigen gewesen. Nicht? Da sind noch Sitze, ja dann nachrücken. Ja, so geht das nachher bei mir nicht, weil das geht anders nicht. Die meinen alle weil Sie jetzt einen Nerz anhaben, brauchen Sie drei Sitze. Das geht nicht. Tut mir leid. Andere ist noch ganz blöd gekommen und hat gesagt Ja, also ich sag ja, wie viel Personen sind denn? Ja, zwei. Ja, sage ich, Aber Zahlen haben sie nichts, oder? Nein, ja dann sage ich dann rücken sie doch ganz einfach nach. #00:19:23‑4#

 

Tobias: #00:19:23‑6# Die wollen wahrscheinlich sogar eher sogar wahrscheinlich schon baff von deiner Umgangsart. Und haben sie dann gar nichts mehr? #00:19:27‑8#

 

Gudrun: #00:19:27‑8# Du mir war das alles so Wurst. Ich glaube jeder ist ein Mensch, oder? #00:19:31‑3#

 

Tobias: #00:19:31‑6# Ja, bin ich bei dir?  Aus organisatorischer Veranstaltungsicht. Gibt es da irgendwelche Storys, was du jetzt denkst, Das war nicht unspannend, oder? Das ist so ein Paradebeispiel für wie es abgelaufen ist, oder? #00:19:46‑3#

 

Gudrun: #00:19:48‑0# Also mit dem MIT die Veranstaltungen an sich, also mit diesen Spiele werden die Spiele dann waren, haben wir überhaupt nichts zu tun gehabt, außer dass sie da müssen anreisen, weil das haben die müssen ja vorher im Vorfeld, da waren da die Hostessen und die waren verantwortlich, da haben wir vom Büro also wirklich nix zu tun gehabt. #00:20:06‑9#

 

Tobias: #00:20:07‑4# Das heißt, ihr habt eigentlich nur. #00:20:08‑6#

 

Gudrun: #00:20:09‑1# Und der Untergeneralsekretär, der Geschäftsführer mit seinen Mannen und Weiberleut und die haben das müssen schauen, dass es kümmert und die waren alle wirklich sehr gut. Weil wir haben überhaupt keine Beschwerden gehabt. Das ist wirklich gut angelaufen. #00:20:22‑8#

 

Tobias: #00:20:22‑8# Nein, nein. #00:20:23‑1#

 

Gudrun: #00:20:23‑2# Und das hat ja jeder gewusst. Wenn wir das jetzt nicht gescheit machen, ist eh vorbei. Nicht? #00:20:26‑7#

 

Tobias: #00:20:27‑4# Das heißt, ich habe es eigentlich, wenn man es jetzt ganz banal. Ich habe es vorbereitet und dann die Durchführung von Sport, also von. #00:20:35‑2#

 

Gudrun: #00:20:35‑2# Sportsachen haben die Sportverbände nachher müssen schauen, dass das funktioniert. Also wir haben nur vorbereitet und wir haben jetzt, wenn es jetzt gegangen ist, schon um banal zu sagen, ob da jetzt wirklich spritzt, wenn es Spritzen ist, das haben die sich gemessen. #00:20:48‑8#

 

Tobias: #00:20:49‑3# Okay. Sicherheit. Thema Sicherheit. #00:20:51‑5#

 

Gudrun: #00:20:51‑5# Sicherheit war auch ein Geschäft. Ein Geschäftsführer für die Sicherheit, Das war der Dr. Platzgummer. Kann das sein? Ich glaub schon. Der war für das verantwortlich. Der war auch ein netter Mensch mit der Sicherheit, weil. Da haben Sie. Sie haben angefangen. Ich war einmal im Olympischen Dorf. Haben wir mal, sind wir mal zu einer Firstfeier, glaube ich. Und da seien ja die Zäune gewesen, die Bauzäune nicht. Und da stehen beim Eingang die Soldaten mit dem Gewehr. Irgendwann. Mich trifft der Schlag. #00:21:20‑0#

 

Tobias: #00:21:20‑2# Das habe ich nämlich auch schon. Das ein oder andere. #00:21:21‑6#

 

Gudrun: #00:21:22‑9# Bist du bedeppert, hab ich mir gedacht. Wie weit haben wir's gebracht? Eigentlich, und das ist jetzt aber 50 Jahre her. #00:21:26‑7#

 

Tobias: #00:21:27‑6# Aber das war halt München. #00:21:28‑5#

 

Gudrun: #00:21:28‑5# Das war wegen München. Und bei uns war es so, da hat man mir gefragt ob wir Personenschutz brauchen. Und was dann? Das haben Sie schon gefragt, Wenn wir nicht großartig aufeinander schreien, wer wir sein und wo wir hingehen brauchen wir sie ja nicht. Ich wollte. #00:21:39‑0#

 

Tobias: #00:21:39‑1# Ich wollte gerade sagen, ihr seid jetzt auf der Straße, Also da kommt die Story mit dem Reporter. Aber die waren ja wahrscheinlich sowieso mehr hinter dem Karl. Also der Karl-Heinz Klee war ja nicht ganz unbekannt, das muss man schon sagen. #00:21:52‑4#

 

Gudrun: #00:21:53‑0# Hinter dem war keiner her. Hinter den war keiner her. Wirklich nicht. Und wenn der Brand Mensch sagt, ist der Brand war? Ich weiß es gar nicht. Und es war für, wie soll ich sagen, für mich war das wirklich ein Schock. Diese Soldaten da, mit dem Gewehr im Anschlag. Wer mir Da Kommen sie. Haben Sie gewusst, dass wir kommen? #00:22:13‑7#

 

Tobias: #00:22:13‑8# Ja. #00:22:14‑0#

 

Gudrun: #00:22:14‑4# Verstehst du mich? Was ist denn da, wenn wer anders kommt bitte? #00:22:17‑1#

 

Tobias: #00:22:17‑4# Ich habe schon Geschichten gehört. Da sind sie wirklich sehr streng gewesen. Mit den Kontrollen und mit Ausweiskontrolle. Und. #00:22:23‑0#

 

Gudrun: #00:22:23‑0# Wobei? Auf der einen Seite finde ich es richtig. Es ist abschreckend. Aber wenn einer wirklich rein will, der kommt rein. Das hat man ja gesehen, nicht? Da braucht man ja gar nicht reden. Ah ja. #00:22:31‑3#

 

Tobias: #00:22:31‑7# Springen wir jetzt also während der Zeit der Spiele. Sagen wir also, bei der, ich schätze mal, wahrscheinlich recht nervös vor der Eröffnungsfeier, oder ist man der eh schon recht gelassen gegenüber? #00:22:43‑1#

 

Gudrun: #00:22:43‑3# Das ist. Ja, das war sie jetzt nicht. Ich weiß. Mir persönlich ist das eigentlich, wie soll ich sagen, nervös war ich überhaupt nicht, weil ich ja von daheim aus irgendwie gewöhnt war, mit Leut zu tun. Also das war, was will man denn tun wenn man händeringend umher läuft. Und wir haben im Grunde genommen gar nicht so viel tun müssen. Bei der Eröffnungsfeier haben wir mehr als 90 Mal einmarschiert. Wir haben da so einen Platz gehabt mit unseren Dingen. Und da, also da waren wir in der blauen Uniform und da haben wir nichts zu tun gehabt. Na, nervös? Ja, der Dr. Klee schon, Vielleicht ein bisschen, aber es war eigentlich durch das, dass das alles so normal war, ist es überhaupt jetzt nicht so weiß Gott wie da. #00:23:28‑7#

 

Tobias: #00:23:29‑0# Das war jetzt nicht das große Trara. #00:23:30‑5#

 

Gudrun: #00:23:30‑9# Sondern es ist die Musik gekommen und es waren ein paar Zagler, manche waren auch nicht. #00:23:34‑7#

 

Tobias: #00:23:35‑3# Ja, ja, ja. #00:23:35‑9#

 

Gudrun: #00:23:36‑1# Und und. #00:23:37‑7#

 

Tobias: #00:23:38‑0# Die Sportlerinnen und. #00:23:39‑1#

 

Gudrun: #00:23:39‑1# Sportler natürlich noch in Gold. Die unsrigen. #00:23:41‑6#

 

Tobias: #00:23:42‑6# Auch. Gibt es auch so und so, die die Meinungen darüber. #00:23:46‑2#

 

Gudrun: #00:23:46‑2# Das ist natürlich. Wie gesagt, ich habe einen frischen goldenen Bravo und ja, und dann hat der Kirchschläger die Spiele eröffnet. #00:23:53‑1#

 

Tobias: #00:23:55‑4# Interessieren würde mich auch noch, ob du. Ich bin mir fast sicher, dass die Antwort nein sein wird. Aber ob du während der Spiele Zeit gefunden hast, Zeit gehabt hast, auch Sportarten zu verfolgen, also zum Beispiel zu einem Eishockeyspiel zu gehen, zum Bergiselspringende gehen oder vielleicht zum Patscherkofel für dich. #00:24:14‑5#

 

Gudrun: #00:24:14‑5# Also ich war bei der Eröffnungsfeier, da haben wir müssen schauen, dass wir haben schon im Büro zu tun gehabt, dass wir haben Urlaubssperre und Freizeitsperre und Allessperren gegangen sein. Und das erste, was ich gesehen habe, war das Abfahrtslauf vom Patscherkofel. Und da bin ich gegangen, weil den Klammer den habe ich nicht schauen können, das weiß ich noch. Und erst wenn sie gebrüllt haben im Zimmer, da bin ich eingegangen. Und ich habe mir das natürlich schon angeschaut. Nur später nicht. Aber ich hatte nicht kennen, Ich hat nicht kennen. Das ist doch so blöd bin ich nicht. Aber mir ist ganz anders geworden. Und sonst? Ich war einmal ein Eishockeyspiel, aber ich weiß nicht, ob das während der Spiele war. Ich war kein Langlauf rennen, ich war kein Skispringen. Also am Schluss springen, das war notgedrungen. Eiskunstlauf. Obwohl einmal bin ich gewesen, weil da war eine Veranstaltung und vorher war die preiswert, also die Siegerehrung und da habe ich einmal eine Siegerehrung live gesehen, Also muss ich bei irgendeinem Anlass etwas gewesen sein. Also keine Ahnung. Aber da war meine Schwester. Übrigens Siegerehrung So ist es. #00:25:21‑2#

 

Tobias: #00:25:21‑4# Ach so. #00:25:21‑8#

 

Gudrun: #00:25:21‑9# Wir sind ja die ganze Familie eingeteilt. #00:25:23‑0#

 

Tobias: #00:25:23‑2# Ich wollte gerade sagen. #00:25:24‑0#

 

Gudrun: #00:25:24‑9# Und? Ja. #00:25:27‑0#

 

Tobias: #00:25:27‑7# Hätte dich was noch interessiert zum Anschauen oder was? #00:25:29‑9#

 

Gudrun: #00:25:30‑0# Na, du bist noch so froh wenn du Schlafengehen kannst. #00:25:32‑6#

 

Tobias: #00:25:33‑3# Schon oder. Denkt man sich. Hast dann den besten Schlaf deines Lebens gehabt, nachdem die Spiele vorbei waren. #00:25:38‑0#

 

Gudrun: #00:25:38‑6# Na, du weißt schon. Du bist ja noch weiter ins Büro gegangen. Aber zu normale Zeiten nachher. #00:25:42‑8#

 

Tobias: #00:25:43‑3# Hat es dann aber nicht. #00:25:45‑5#

 

Gudrun: #00:25:45‑5# Und hat man gewisse Sachen so machen und gewisse Sachen andere gewisse Sachen schon mal schmeckte, brauchst du immer die Sahne? Ja, aber es war doch einfach ein normales Büro. Und ich bin noch gewesen, glaube ich. Bis Ende April oder Mai. Ich weiß es gar nicht mehr. #00:25:58‑7#

 

Tobias: #00:25:59‑0# So schnell sind da mit, zum Abschluss. #00:26:02‑5#

 

Gudrun: #00:26:02-6# Ja, billige Spiele. #00:26:04-4#

 

Tobias: #00:26:04‑9# Weil die Abschlussberichte hat der IOC geschrieben oder habt ihr geschrieben diese Abschlussberichte, die was ja dann rausgekommen sind. #00:26:12‑1#

 

Gudrun: #00:26:12‑5# Na das haben müssen die Sport-ding schreiben. Ja, weil unsere Verwaltung ist ja wurscht gewesen eigentlich. Das hat allein müssen funktionieren nicht. Das ist ja niemanden etwas angegangen. Im Grunde genommen. Außer uns. #00:26:22‑2#

 

Tobias: #00:26:22‑3# Aber kann man sich das so vorstellen? Sage ich jetzt mal? Ende der Spiele. Abschluss der Spiele. Nächster Tag oder nächster Werktag? Quasi 0815. Wieder ins Büro und Akten abarbeiten und eigentlich, so sagt. #00:26:34‑4#

 

Gudrun: #00:26:34‑4# Man business as usual. Ich glaube, den Montag habe ich. Das bin immer. Ich glaube schon. Und wir sind nachher schon ins Büro gegangen und dann sind wir in der Mittagspause Skifahren gegangen und so, also das haben wir schon, gell? Also das hat es ja vorher nicht tragen, aber das war nachher schon. Die drei Stunden Mittagspause haben wir halt genommen, von 12 bis 3 im Büro. Das haben wir schon getan. #00:26:55‑2#

 

Tobias: #00:26:55‑5# Das würde mich interessieren. So nach Ende hat es da so eine Art gemeinsames Essen gegeben. #00:27:01‑1#

 

Gudrun: #00:27:01‑6# Nein, es ist irgendeine Lehre, die du hast nacher. Es ist das, was verschwindet. Oder noch besser, so wie sie zuerst gekommen seien, sind Sie wieder verschwunden. Wobei die Ausschüsse ja jetzt im Finanzausschuss und es hat schon mehr als ein Allemann noch da sein. Aber das war noch wie gesagt, der Chef und der war in sein Büro, da wo er gearbeitet, wo er angestellt war. Und da müssen fragen wahrscheinlich, wenn die nicht so interessiert haben, weil bei uns war nachher war schon irgendwo tote Hose. Ja. #00:27:31‑5#

 

Tobias: #00:27:34‑1# Okay sollen wir das große Thema angehen. Das macht man. Das machen wir jetzt das letzte groß den großen Hurra machen jetzt. Es ist ja allgemein bekannt, also das Thema mit Königin damals noch Silvia Sommerlath Ja, das war ja auch in der Presse, also ich habe es zumindest gesehen ein die Zeitungsberichte von Olympia ist das ja. #00:27:57‑3#

 

Gudrun: #00:27:57‑9# Dass da haben sie sich alle aufgehängt auf das ja. #00:28:00‑7#

 

Tobias: #00:28:00‑7# Also es wurde gemunkelt und es ist ja also sie war in München, glaube ich auch Hostess schon. #00:28:05‑7#

 

Gudrun: #00:28:06‑0# Sie war in München Chefhostess mit der Frau Doktor Schwabe. Also die Frau Doktor Schwabe war auch in München die Chefin und sie war sozusagen die Chefhostess und hat die anderen eingeschult. #00:28:14‑7#

 

Tobias: #00:28:14‑7# In Innsbruck auch. #00:28:15‑5#

 

Gudrun: #00:28:16‑0# Und in München. In München. Und die Dr. Schwabe hat gesagt, sie würde sehr gerne die Sommerlath. Wir haben nur das war, bevor ich angefangen haben, das ist alles schon vorher ausgeheckt worden und sie hat dann angefangen, glaube ich, wenn mich nicht alles täuscht. Jänner wäre 74. #00:28:31‑8#

 

Tobias: #00:28:32‑1# So früh schon. #00:28:32‑7#

 

Gudrun: #00:28:33‑4# Ich glaub Jänner 74, Februar 74. Ich glaube schon, Ja. Ja. #00:28:38‑3#

 

Tobias: #00:28:38‑7# Auf jeden Fall. Vor 76. #00:28:40‑5#

 

Gudrun: #00:28:40‑9# Auf jeden Fall vor 76 und eineinhalb Jahr. Mindestens vor 76. Ja, und dann hat es geheißen, Die, die die Telefone wir sind gar nicht mehr hingegangen, wenn es geläutet hat, haben sie gesagt Wann kommt denn bitte die Frau Sommerlath und wann ist da der Vertrag zu unterschreiben? Und wann möchten Sie die Fotos machen? Wir wissen es nicht und auch aufgelegt, weil du möchtest nicht mit dene reden. #00:28:59‑8#

 

Tobias: #00:28:59‑9# Aber. Aber war das da schon, ich meine ich bin ja wie gesagt kein Zeitzeuge, aber ist es doch schon klar gewesen, dass Sie die Königin, Die Zukünftige? #00:29:06‑9#

 

Gudrun: #00:29:07‑0# Nein, nein, sie hat ja. In München hat ist sie dem Gustav aufgefallen, und der Gustav hat sie umworben. Und der Gustav wird Sie denken, wenn ich die nicht nehm dann bin ich deppert. Weil erstens hat sie viele Fremdsprachen können, ist wirklich die geborene Königin. Es muss jetzt sagen, ganz so! So muss man das sagen. Daher hat er sie also nicht, hat er sie nicht mehr fallen lassen, sondern hat also diese Frau geschaut, dass er sie irgendwie gekriegt, wie sie gekommen ist, Hat sie aber gar nichts dergleichen tun vom König. Nur sie hat gesagt, sie braucht also eine Wohnung in Innsbruck und ich habe bei mir unten eine Garconniere,  sehr nett mit grünem Garten gehalten, also wirklich Spitzweg oder wie der heißt, der Maler, und es würde ihr narrisch gut gefallen, und auf einmal sagt sie aber dann, dass sie leider die Wohnung nicht nehmen kann. Sie wohnt jetzt im IKB Haus in dem Hochhaus, wo sie damals gewohnt haben. Ich weiß nicht in welchen Stock und darüber ist die schwedische Botschaft nur das hab ich ja gar nicht gewusst. Hab ich erst nach außer Frage, dass dort ist, weil ich bin ja sehr harmlos, was das anbelangt, weil wie gesagt ja und dann hat sie diese Wohnung gehabt, ist mit einem hellblauen VW's SS Nummer hinten oben gekommen. Jeder wusste, dass sie kommt und die Reporter haben uns ja wirklich belagert. Also ich meine, es war Februar oder so, die haben uns belagert. Unten auf der anderen an der wie heißt die Straße. #00:30:26‑2#

 

Tobias: #00:30:26‑9# Adamgasse. #00:30:27‑2#

 

Gudrun: #00:30:27‑4# Adamgasse, da wars schon gar nicht mehr ins Büro gkommen. Es war. #00:30:31‑4#

 

Tobias: #00:30:31‑7# Wirklich so! Ja. #00:30:32‑9#

 

Gudrun: #00:30:33‑7# Und? Und und. Da haben wir so Türen gehabt. Die so selber  Auf sie zugegangen sein und auf uns zu. Ich glaube, wenn die wirklich kommt, dann nicht mehr. Gut. Nachher ist sie aber in die Garage gefahren. Weil irgendwann hat sie das. Mein Mann hat ihr vorgefahren ist oder was? Das weiß ich jetzt gar nicht mehr. Da sind die Garage reinkommt. [nicht verständliches flüstern]. Aber das glaubs nicht. Und, na ja, da haben wir jetzt ja jetzt auch gefahren. Im vierten Stock und ich hab dann, und die haben gesagt, da kommt keiner mehr rein, raus, aus. Na, das ist Ihr Büro. Ja, und er war recht lustig und nett, aber ich meine, was haben denn die ganzen Leute, die Geld verdienen, die ihr Geld mit dem. Aber es ist also davor gehe ich lieber Straßenkehren bevor ich so tun muss da seien sie mit solcher Objektive am gegenüberliegenden Dach gestanden, weil da war das Kurt Kleine Dach. Das ist jetzt alles nicht mehr, zwischen dem Haus, was da steht, und da, wo die Garage hingegangen ist, und da sind sie drin gestanden, Sie kommen in unser Büro, bitte. Wir haben nur so kleine Seitenteile gehabt für die Vorhänge. Dichte. Gebt uns die. Gebt mir die Vorhänge. Sie musste alle zu hängen. Die ganzen Vorhänge vom ganzen Büro, haben wir zu ihr rübergehängt. Ja fürchterlich. Und. Ja, und da habe ich uns rausgegangen zu  Mittag. Und wo ist die Sommerlath? Ja keine Ahnung wo die Sommerlath ist, sag ich.. Ja. Was machen Sie jetzt? Ja ich gehe raus wenn ich darf? Ja, Was willst du denn die Frau Sommerlath. Hab gesagt, Das weiß ich nicht. Was die Frau Sommerlath will Ich gehe die Außen für mich. Ja. Bitte. Entschuldige. Na ja, ich. Ja, ganz gehen sie mit wenn es Ihnen nicht zu blöd ist. Ich gehe da zum Zach. Da bin ich da zum Zach gegangen. Was ist denn heute? Ja, sage ich. Die möchten, dass die Frau Sommerlath ein Fleischkäsesemmel kauft, jetzt kauf ichs aber. Und dann seien Sie wieder mit um mich. Und ich sage Ja, Entschuldigung, aber ich sage ist ja wohl blöd oder. #00:32:25‑8#

 

Tobias: #00:32:25‑8# Oder ich sage mal Frühjahr 74 bis durch sind die immer. Also ist das Konstante? Nein. #00:32:32‑8#

 

Gudrun: #00:32:32‑8# Okay, also die sind kommen wenn Sie kommen ist, kann man nicht sagen. Es war jetzt zwei, 74. Da waren die ersten 14 Tage eine Katastrophe. Wirklich. Weil die seien ja noch nicht einmal alleine gekommen und hab ich gesagt Silvia was machen wir jetzt, sagt sie Ich weiß nicht. #00:32:48‑7#

 

Tobias: #00:32:48‑8# Seit sie per Du gewesen. #00:32:49‑6#

 

Gudrun: #00:32:50‑2# Nein. #00:32:50‑5#

 

Tobias: #00:32:52‑1# Nein. #00:32:52‑4#

 

Gudrun: #00:32:53‑1# Damals war schon nicht vergleichbar mit meinem Mann. War sie jetzt per Du der hat sie ein paar Mal nach München fahren müssen, aber mit mir nicht und noch nicht gesagt hat was da jetzt gesagt. Wissen Sie was? Jetzt packen Sie den Krempel zusammen dann fahren wir in den neunten Stock höher und da weiß kein Mensch wo sie hingehen. Und da sollen, dachte ich, dann, was Sie wollen. Das ist eine gute Idee. Nur habe ich sie aus dem neunten Stock in unser Sitzungszimmer Und. Und die haben können tun da unten was sie wollen. Es ist widerlich. Wirklich widerlich. Und die Telefone sind heiß gelaufen nur wegen dem. #00:33:19‑8#

 

Tobias: #00:33:20‑4# Kann man gut und schlecht unterscheiden. Was jetzt? Wer? #00:33:22‑8#

 

Gudrun: #00:33:23‑2# Du hast kein Telefon gehabt, wo du siehst, das ist jetzt der. Du hast ja müssen anheben. Wenn das der IOC ist und du hebst nicht ab, ja Danke schön, nicht? Und ja, keine Auskunft, haben wir gesagt. Wir sind auch einmal hinein gefahren in die Axamer Lizum. Siehst du, jetzt kommen mir diese Dinge.  Da sind wir einmal hinein gefahren. Ob sie das jetzt gemacht haben wegen der Silvia oder ob wir hätten anders hinein fahren hätten dürfen, das weiß ich nicht, aber es war mir egal. Aber es waren quasi wir Damen vom Büro. Ja, die Telefonistin glaube ich nicht. Also es war noch im Herbst, bevor die Spiele angefangen haben. Da sind wir hineingefahren und da war sie mit, das weiß ich noch. Und natürlich viel rummel. #00:34:00‑2#

 

Tobias: #00:34:00‑4# Und natürlich hat sie Personenschutz gehabt. #00:34:03‑9#

 

Gudrun: #00:34:04‑5# Bei uns im Büro, also bei uns nicht. #00:34:06‑3#

 

Tobias: #00:34:06‑8# Ob sie also ob sie dann also im Büro nicht genau, aber wahrscheinlich. Na egal. #00:34:11‑5#

 

Gudrun: #00:34:11‑9# Es ist ja so, sie war ja damals immer noch das Fräulein Silvia Sommerlath. Sie war ja nicht nur mit dem König liiert. Und nichts. #00:34:18‑4#

 

Tobias: #00:34:18‑5# Offiziell. #00:34:19‑0#

 

Gudrun: #00:34:19‑2# Offiziell nix liiert und nix ging. Und dann haben wir alle Urlaubssperre gehabt. Das war dann von November weg bis über die Spiele, hat es geheißen, da ist jetzt Urlaubssperre. Und die Silvia Sommerlath hat über Weihnachten darfen wegfahren. So haben wir gesagt Also es gibt doch alle sind gleich, aber manche sind gleicher als andere, gell? Ich wieder. Und nachher, wie sie dann zurückgekommen ist, hat es geheißen Sie haben sich jetzt verlobt. Das war da. Du kannst dir vorstellen, was da los war. Und dann waren nur die Spiele. Die Spiele hat sie als Verlobte des Königs überstanden. Und nachher. #00:34:59‑8#

 

Tobias: #00:35:00‑4# Ist er. Er war schon da, glaube ich. Bei die Spiele. #00:35:02‑5#

 

Gudrun: #00:35:02‑5# Ja. #00:35:02‑7#

 

Tobias: #00:35:03‑3# Habt ihr viel Kontakt gehabt. Also ich meine jetzt. #00:35:06‑5#

 

Gudrun: #00:35:06‑7# Über die Arbeit. Täglich. Fast kann ich sagen. #00:35:08‑7#

 

Tobias: #00:35:08‑9# Aber sonst? Oder war das dann nur immer die Gespräche beruflich? Seid ihr da? #00:35:13‑5#

 

Gudrun: #00:35:13‑5# Also wir haben privat. Also das liegt mir. Das ist auch schon das Letzte. Ich bin kein Ausquetscherin Erstens, wenn sie selber etwas erzählt hat. Sie hat mir erzählt, da waren sie irgendwo in der Südsee. Das hat sie nicht von sich aus erzählt. Ich weiß aber nicht mehr, wo sie war. Weil im Grunde genommen war es mir eh wurscht. Aber ich habe mir denkt Ja, gut, soll sie. Und da sind wir doch gehockt. Da haben wir Orangen gegessen. Alle zusammen. 4, 4, 5 und, ähm. Ja. #00:35:39‑7#

 

Tobias: #00:35:40‑1# Und man hat halt wie immer. Halt. Also, das war jetzt. Sie war nicht abgehoben in dem Sinne. #00:35:43‑9#

 

Gudrun: #00:35:44‑4# Nein, also, sie war wirklich. Es ist wirklich ein ganz normaler Mensch gewesen. Wirklich immer. Wer will den so ein kandiertes Weiberleit? Da sollen die Reporter dann, was sie wollen. Also, das ist mir wurscht. Aber sie hat mir irgendwie leid getan eigentlich. schon irgendwie und vor allem als sie gekommen ist wegen den Vorhängen. Na, das musst du allein. #00:36:00‑7#

 

Tobias: #00:36:01‑5# Das heißt, das ist dann eigentlich auch nicht darüber hinaus. Ich glaube, sie war dann danach später einmal wieder. #00:36:06‑6#

 

Gudrun: #00:36:07‑2# Da und jedes Mal haben wir uns jedes Mal getroffen. Hat sie eingeladen. Ja, da sind wir dann gewesen im Hotel Europa. Und der Fischer, der Maler hat. Wir hatten den großen Franz Fischer hat er nicht, aber Fischer, der war ja auch so und der Luca war so verliebt in die Königin. Na ja, und? Und der hat ja auf Seide, hat er gemalt auf Stoffbahnen, und da hat sie sich ein Kleid machen lassen, und mit denen ist er gekommen, wo sie ihn eingeladen hat. Also. #00:36:35‑5#

 

Tobias: #00:36:36‑1# Sie war schon natürlich. #00:36:38‑1#

 

Gudrun: #00:36:38‑5# Verstehst du? Es ist drum. Sag ich ja. Die war eine geborene Königin. Es hat ja der Papa schon Schneewittchen gesagt. Hat sie uns erzählt. Und dann wirst du die Königin. Und es war überhaupt nie ein Ding. Es hat geheißen, ihr Mädel ist um zwei Jahre älter wie mein Mädel. Und sie war dann schwanger, weil ich schwanger war. Dann haben sie gesagt, Jetzt haben wir einen Prinzen gekriegt. Das war. Also, das war ja so nett, mein Prinz. Jetzt hat sie einen Prinzen gekriegt. Ja, Gott sei Dank. Und es war schon alles irgendwie normal. Wir haben uns auch getroffen, wenn der Feier war. Aber die Frau Doktor Schwabe hat Geburtstag gehabt. Aber da waren wir noch bei der Frau Doktor Schwabe. Da waren wir nicht hochoffiziell. Aber diese zwei, drei Mal. Wo Sie da hat sie eigentlich eingeladen ins Hotel Europa, zu einem gemütlichen Abend. Und das war recht nett, muss ich sagen. Das war zweimal oder dreimal war sie dort. Einmal. Dieses Kleid hat mein Herr Fischer. Fischer, hat er geheißen. Irgendwann. Der flippt aus. Den trifft jetzt gleich der Schlag. Ist ja logisch, oder? #00:37:41‑5#

 

Tobias: #00:37:41‑5# Na bitte, Das ist doch eine Wertschätzung. #00:37:43‑4#

 

Gudrun: #00:37:43‑8# Das ist wohl. Und es war so lustig, wie sie dort angekommen ist. Also nach Innsbruck das erste Mal. Weil dann hat sie gesagt, sie kommt überhaupt nicht aus und hat gesagt Wissen Sie, was hab ich gesagt? Dann fahre wir auf die Seegrube hinauf. Ich habe eine kleine Nichte, die nehmen wir mit als Tarnung. Und sie hat sich eine Mütze aufgesetzt. Eine Kurze. Kein Mensch hat uns gesehen.  

 

Tobias: #00:38:04-1# Inkognito unterwegs. #00:38:05-9#

 

Gudrun: #00:38:06-1# Sind wir alle gefahren, auf die die Kleine gespielt. Meine Nichte. Und wir haben gerade den Liegestuhl. Ist unsere erste und einzige Mal im Liegestuhl gehockt auf der See. #00:38:13‑5#

 

Tobias: #00:38:15‑0# Und das in bester Begleitung. #00:38:16‑3#

 

Gudrun: #00:38:16‑9# Supergut. Ja, gut, sie war ja da noch nicht Königin. #00:38:19‑5#

 

Tobias: #00:38:19‑9# Aber trotzdem. Trotzdem ist die Begleitung gut gewesen. #00:38:22‑5#

 

Gudrun: #00:38:22‑5# Ja, ja, ja, ja. #00:38:23‑9#

 

Tobias: #00:38:25‑8# Gudrun, ich bedanke mich ganz herzlich für deine Ausführungen. Ich glaube, es ist nicht schlecht, einmal ein bissel. Also nicht nur die Sportler. Wir haben auch relativ viele Sportler, aber bislang jemand, der was einfach den Blick hinter der Kulisse gehabt und natürlich für die für die schwedischen Einblicke sozusagen. Danke für die Zeit und danke für deine Infos. #00:38:44‑2#

 

Gudrun: #00:38:44‑4# Ja, bitte. Gern geschehen. Gern geschehen. #00:38:46‑3#

 

Hanna: #00:38:49‑4# (...) Das war unsere Folge mit Gudrun Obitzhofer. Nächste Woche hören wir mit Brigitte Habersatter Totschnig von der ersten Sportlerin in unserer Sendung. #00:38:58‑8#

Brigitte Totschnig

Brigitte Totschnig

Stadtarchiv Innsbruck

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Transkript

Fanfare mit Lautsprecherdurchsage: 50 Jahre Olympische Winterspiele 1976. #00:00:13‑4#

 

Hanna: #00:00:20‑9# (Musik) Hallo und herzlich willkommen zur vierten Folge der Podcastsendung 50 Jahre Olympische Winterspiele 1976. Für unser heutiges Gespräch haben wir uns nach Filzmoos in Salzburg begeben. Die circa 1500 Einwohner starke Gemeinde ist Heimat mehrerer erfolgreicher Wintersportler:innen. Zu ihnen zählt unser heutiger Gast Brigitte Totschnig, die bei den Olympischen Winterspielen 1976 die Silbermedaille in der Abfahrt gewonnen hat. Gemeinsam sprechen wir über ihre Erinnerungen an die Spiele und auch, wie sie mit persönlichen Herausforderungen umgegangen ist. Nach einer kurzen Einspielung geht es auch schon direkt zur Folge. #00:01:01‑1#

 

Tobias: #00:01:13‑0# (...) Liebe Gitti, danke für die Einladung nach Filzmoos. Ich habe zu Beginn unserer Folgen stelle immer gern die eine eine Einstiegsfrage und zwar was ist das erste? Gibt es oder gibt es einen prägnanten, eine prägnante Erinnerung? Wenn ich jetzt sagt Olympische Winterspiele 1976 in Innsbruck? Schießt dir da irgendetwas sofort in den Kopf, wenn ich das Stichwort sage? #00:01:36‑7#

 

Brigitte Totschnig: #00:01:37‑5# Ja, es gibt eigentlich ganz viele Eindrücke, aber am meisten eben meine Nervosität. Der Gedanke Ich kann Olympiasiegerin werden. Und das ist einfach. Ich habe nicht mehr schlafen können. Ich habe nicht mehr lachen können. Und eigentlich fing es an ein Jahr vorher Ja. #00:02:00‑8#

 

Tobias #00:02:01‑4# Gern. Starten wir doch. #00:02:02‑3#

 

Brigitte: #00:02:02‑9# In die Saison 74 75. Da bin ich so schlecht gefahren, dass ich fast aus dem Kader geflogen war. Mit 20 Jahren oder 20 Jahren? #00:02:15‑3#

 

Tobias: #00:02:15‑7# Ja, weil ich beide Spiele 21, 22 war. #00:02:18‑5#

 

Brigitte: #00:02:19‑0# Ja, und dass ich fast ans Aufhören denkt habe. Und dann habe ich mir die Fixpunkte bei den letzten Rennen tun oder geholt und die Vorbereitungszeit im Sommer, besser gesagt im Herbst bei die Trainings. Gerade in der Abfahrt. Ich war eigentlich eine Abfahrtspezialistin, da bin ich schon ganz gut gefahren. Und dann habe ich ja in der Saison, also im Dezember 75, gleich das erste Weltcuprennen gewonnen. Irgendwie überraschend und für die Trainingsergebnisse her doch nicht so überraschend. Und dann habe ich ihm vor der Olympiade zwei Abfahrtsrennen Abfahrt Siege gehabt und somit war ich für alle und für mich selber auch Favoriten. #00:03:13‑2#

 

Tobias: #00:03:13‑8# Das war ja zu dem Zeitpunkt schon klar, dass Innsbruck ja die Spiele austrägt. Ich glaube, wenn ich mich nicht täusche, war das 74 dann die Entscheidung, dass es. Ja, es wäre ja eigentlich in die USA in Denver geplant gewesen war ja eigentlich die Entscheidung. Anfangs ist es auch zusätzlicher Druck, wenn man denkt Oh, jetzt sind die Spiele, die Winterspiele in Österreich, in Tirol nicht weit weg von Salzburg, also vom Bundesland Salzburg, nicht von der Stadt Salzburg ist das A, hat das ein bisschen mit eingespielt auf heimischem Boden. Die Spiele, für die. #00:03:44‑8#

 

Brigitte: #00:03:45‑0# Ich glaube, das war, hat keine Rolle gespielt. Das hat sogar beflügelt, weil da sind ein paar Fans auch dabeigewesen. Jetzt muss man kann es mit heute nicht mehr vergleichen, Aber so zehn, 15 Fans sind da dabeigewesen. #00:04:05‑4#

 

Tobias: #00:04:06‑0# Auch auf Einladung Familie wahrscheinlich auch. #00:04:07‑8#

 

Brigitte #00:04:07‑9# Oder genauer Familie, Onkel und dann ein paar Kinder. Waren dabei. #00:04:15‑9#

 

Tobias: #00:04:16‑3# Wenn jetzt du bist der eigentlich, dann. Also wie du ja gesagt hast, bist du dann als auch für dich selber als als Favoritin? Ja zu den Spielen dann angereist. Training war. Wo waren die Rennen davor? Auch irgendwo das Training schon für die Olympischen Spiele. Oder da ist dann separat auch nochmal große Trainingseinheiten gewesen für euch. Kannst du dich noch erinnern? #00:04:41‑2#

 

Brigitte: #00:04:41‑7# Ja, bei der Olympiade selber, da haben wir glaube ich vier oder fünf Trainingsläufe gehabt. #00:04:47‑9#

 

Tobias: #00:04:48‑2# Schon auf den Strecken oder auf der Strecke. Auf der Strecke. #00:04:51‑7#

 

Brigitte: #00:04:51‑7# Ja, ja, in der Lizum. #00:04:53‑6#

 

Tobias: #00:04:53‑7# Ist die Strecke grundsätzlich als angenehm, oder wie man so schön sagt, Gelegen die Strecke, oder hast du dich schwer mit der Strecke? #00:05:02‑0#

 

Brigitte: #00:05:02‑4# Nein, hab ich mir eigentlich nicht schwer getan, aber wenn es gut in Form bist, dann passt. #00:05:08‑1#

 

Tobias: #00:05:08‑5# Dann geht sowieso. #00:05:09‑4#

 

Brigitte: #00:05:09‑8# Jede Strecken. Und ich glaube, ich habe auch für die vier oder fünf Trainingsläufe. Bis auf einmal, wo es mich aufgestellt hat, habe ich auch Bestzeit gefahren und bin auch wenn ich aufrecht die letzten paar 100 Meter aufrecht gefahren bin, habe ich auch noch Bestzeit gehabt. Und dann denkst du schon. Dann der Gedanke du kannst Olympiasiegerin werden und dann hat sie aber haben sich die Gedanken vermischt Du kannst Olympiasiegerin werden, aber du kannst auch rausfliegen, so wie du den Sturz gehabt hast. Und darum sind meine Gedanken alleweil hin und her. Und dann waren meine Gedanken einmal bei der Kurven, einmal bei der Kurven. #00:05:53‑9#

 

Tobias: #00:05:56‑7# Hat es da Betreuung geben? Mentale also wie soll ich sagen, hätte damals einen Psychologen oder einen im Team, bei einem Ärzteteam vielleicht jemanden, der da nachgeholfen hat. #00:06:11‑3#

 

Brigitte: #00:06:11‑5# Wir haben einen Psychologen dabei gehabt und da haben wir so eine Art Lügendetektor, waren wir angeschlossen und da sind wir. Oder bin ich den Lauf vom Start bis zum Ziel durchgefahren und der hat halt dann die Sprünge oder die Kurven, wo es mir aufgestylt hat, einfach viel mehr ausgeschlagen. Und das war eigentlich nicht das Problem. Ich bin schon. Bis auf ein, zwei Sekunden bin ich allweil dabeigewesen bei der bei dem mentalen Training. #00:06:51‑3#

 

Tobias: #00:06:51‑7# Weil du gesagt hast, mit diesem Lügendetektor, also diesem quasi Lügendetektor, das heißt, ich habe den um den Körper gelegt und dann die Strecke gefahren. Das ist stört es beim beim oder ist merkt man. #00:07:03‑3#

 

Brigitte: #00:07:03‑3# Das hast ich kann mich noch erinnern. Also wenn du gestartet bist, hast du einfach ein Handzeichen gegeben und dann hat er gewusst so, jetzt bist du so weit und wenn es dem Ziel warst, dann auch wieder ein Handzeichen geben. Aber ich habe auch autogenes Training gemacht, also dass ich total abschalten kann. Und das habe ich da so einen Tag vor dem Lauf nicht mehr zusammengebracht. #00:07:30‑0#

 

Tobias: #00:07:30‑4# Weil die Nervosität einfach zu groß war. #00:07:32‑3#

 

Brigitte: #00:07:32‑3# Nervosität zu groß war. Und ich kann mich noch an das kann ich mich noch gut erinnern. Da sind wir mit einem Shuttlebus von oben von Olympischen Dorf gefahren, in die Lizum um und der Trainer der wollte halt Witze machen oder hat Witze gemacht und ich habe nicht einmal mehr lachen können. Ich war einfach allweil angespannt. Angespannt bei dem Lauf. Und das waren eigentlich die Erinnerungen, die negativen Erinnerungen. Und dann eben, dass ich nur zweite geworden bin, weil die Rosi Mittermaier, die war eigentlich gar nicht so auf Sieg programmiert, aber die ist einfach gleich vom Start weg besser gefahren, als wie ich. Die hatte einfach bis zum Ersten Tor. Also die hat glaube ich sieben acht Stockschübe gemacht und ich vier oder fünf und nicht nur ich, wir alle anderen. Und bei der ersten Zwischenzeit war sie dann schon 8/10 vorn. Ich habe Nummer sieben gehabt, sie hat Nummer neun gehabt und dann ist mir die Kinnlade gleich mal abgehängt. Weil an und für sich bin ich ja nicht schlecht gefahren. Ich bin ohne Fehler gefahren. Und Dann zweite Zwischenzeit ist der Vorsprung weniger geworden und dritte Zwischenzeit noch weniger. Aber sie war im Ziel. War sie vorn. #00:09:08‑4#

 

Tobias: #00:09:08‑9# Das schmerzt natürlich im ersten Moment. #00:09:11‑2#

 

Brigitte: #00:09:11‑2# Und das war eine riesen Enttäuschung im ersten Moment. Ich bin so heulend am Boden gesessen. Aber es war so, für eine Goldmedaille war das einfach zu wenig. Ich war zwar dann wieder 8/10 vor der dritten, also da habe ich mir nichts vorwerfen können. Sie ist einfach besser gefahren als wie ich. #00:09:32‑3#

 

Tobias: #00:09:33‑0# Habt ihr oder du und die Rosi vorab schon für Überschneidung, also Kontaktpunkte gehabt? Wart ihr besser befreundet oder wart ihr euch fremd? Natürlich nicht, ist schon klar, aber. Aber habt ihr auch privat auch öfters gesehen getroffen? #00:09:49‑4#

 

Brigitte: #00:09:49‑6# Also vorher haben wir uns na na. #00:09:53‑2#

 

Tobias: #00:09:53‑5# Na danach mehr oder durch Also weil es mit mit Olympia verbindet. #00:09:58‑5#

 

Brigitte: #00:09:59‑3# In der Nacht der Saison hat sie aufgehört und da haben wir uns dann ein paar Mal gesehen. Da war eine Oldtimer Rallye, die ist von Salzburg bis Schloss Pichl in die Steiermark gegangen und die ist auch zum Filzmoos gegangen. Und in Filzmoos ist ein Kreisverkehr. Und da sind sie und der Christian und noch ein paar Sportjournalisten, die sind da in ein extra Auto gefahren. Da haben sie dann umdreht und haben mich besucht. Also das hat mich total überrascht und hat mich irrsinnig gefreut, dass sie da die Zeit in Kauf nehmen und mich besuchen. #00:10:39‑9#

 

Tobias: #00:10:41‑6# Ich möchte noch mal einhaken. Du hast gesagt, die die Reise ja vom vom O-Dorf zur Axamer Lizum das heißt, ihr wart alle im O-Dorf. Also die komplette österreichische, also die Damenmannschaft war komplett im O-Dorf einquartiert, das Set also. Habe ich das richtig verstanden? Ja. #00:10:56‑9#

 

Brigitte: #00:10:57‑2# Wir waren im Olympischen Dorf und da haben wir so Wohnungen gehabt und da haben wir uns wohlgefühlt. #00:11:04‑2#

 

Tobias: #00:11:04‑8# Habt ihr Einzelzimmer gehabt oder wart ihr zu zweit? #00:11:07‑7#

 

Brigitte: #00:11:08‑6# Wir waren zu viert, zu. #00:11:09‑6#

 

Tobias: #00:11:09‑6# Viert, zu. #00:11:10‑0#

 

Brigitte: #00:11:10‑0# Fünft in einer Wohnung. #00:11:11‑2#

 

Tobias: #00:11:11‑2# Ah Okay. #00:11:11‑5#

 

Brigitte: #00:11:11‑8# Ja größere Wohnungen. Und wir waren im Frauenhaus. Da haben  keine Männer rein dürfen. Außer der Arzt und der Psychologe oder der Masseur. #00:11:22‑4#

 

Tobias: #00:11:23‑3# Das heißt du warst mit fünf deiner in dem Fall vier deiner Kolleginnen im Zimmer. Und das hat gut funktioniert? #00:11:29‑9#

 

Brigitte: #00:11:30‑5# Ja, Weil wir haben uns ja eigentlich alle gut verstanden. Wenn es 8 bis 10 Monate im Jahr beieinander bist, dann musst du dich verstehe. #00:11:42‑1#

 

Tobias: #00:11:43‑4#Im O-Dorf. Das ist ja wieder eine ganz fiese, blöde Frage von mir. Gibt es noch Erinnerungen an die Verpflegung, was da zum Essen gegeben hat? #00:11:51‑0#

 

Brigitte: #00:11:51‑2# Ja, also ich war da oder wir waren da schon zufrieden. Da war ein großer Saal, wo es alles Frühstück und Abendessen alles gekriegt hast. Und du hast dann andere Sportler von anderen Sportarten getroffen und das war. #00:12:09‑6#

 

Tobias: #00:12:10‑1# Hat es da einen Austausch gegeben? Kontakt dann in diesem Speisesaal, Ja, ist man nicht quasi so in die Grüppchen, wie man sich dann denkt Ah, da sitzen die Österreicher, da sitzen die Deutschen. Ist schon ein bisschen durchwachsen. #00:12:21‑6#

 

Brigitte: #00:12:22‑0# Ja. #00:12:22‑3#

 

Tobias: #00:12:23‑5# Gibt es da noch irgendwen, wo du dich erinnern kannst? Wirst du ganz überrascht warst oder wo du, sag ich mal, irgendwas in Erinnerung hast, mit wem du dich da unterhalten hast, oder? #00:12:35‑4#

 

Brigitte: #00:12:35‑8# Nein, an die an Innsbruck nicht. Aber ich war ja vorher 72 schon bei der Olympiade in Sapporo dabei und da haben wir uns mit die Eisschnellläufer, mit den Mit, die Holländer, Schenk und Vermok oder Verkerk oder wie die heißen. Und Innsbruck kann ich mich eigentlich gar nicht so erinnern. Aber wir waren da zufrieden. Weil, wenn du nicht zufrieden bist, Das bleibt sicher in Erinnerung. #00:13:03‑5#

 

Tobias: #00:13:04‑7# Die Eröffnungsfeier. Warst du bei der Eröffnungsfeier dabei? Am Bergisel Stadion oder warst du nicht dabei? #00:13:10‑9#

 

Brigitte: #00:13:11‑2# Ja, War ich dabei. Und das war, was in Erinnerung bleibt. Im Bergisel Stadion. Der Einmarsch für alle Nationen. Wir Österreicher in einem goldenen Anzug. Der war zwar nicht so schön, aber wir sind aufgefallen. #00:13:29‑8#

 

Tobias: #00:13:30‑2# Dass auf jeden Fall. #00:13:31‑1#

 

Brigitte: #00:13:32‑0# Und das war schon ein Highlight die Eröffnungsfeier. #00:13:37‑0#

 

Tobias: #00:13:37‑9# Hast du eine Funktion gehabt? Ich glaube, da. Klammer Franz hat die Fahne getragen. #00:13:42‑4#

 

Brigitte: #00:13:42‑5# Ja. Nein, ich habe keine Funktion gehabt. #00:13:44‑3#

 

Tobias: #00:13:44‑4# Gibt es denn andere? Hast du den Anzug nur länger auf? #00:13:47‑6#

 

Brigitte: #00:13:47‑6# Nein, habe ich nicht mehr. Ich habe nur einen Sturzhelm. Habe ich noch. Und einen Anzug. Ich weiß nicht. Habe ich den hergeschenkt oder Ich weiß nicht genau, wo ich den habe. #00:13:59‑1#

 

Tobias: #00:14:02‑2# (...) Du hast ja schon gesagt, du warst wahnsinnig nervös vor Die Rennen auch. Je weiter es dann zum Rennen gegangen ist, umso nervöser. Und das autogene Training war dann schon nimmer hilfreich oder hat au nemme den oder war zwecklos. Sozusagen ist es dann auch beim Start der Gedanken sind gesprungen oder ist es dann schon wieder fast eine Erlösung, wenn wir dann wirklich Du aus dem Zielhaus hinaus bist. #00:14:29‑0#

 

Brigitte: #00:14:30‑2# Also direkt am Start, so 20 Minuten vor dem Start habe ich dann noch einmal autogenes Training gemacht und da habe ich dann schon abschalten können und also die restlichen Minuten, die da war ich dann nicht mehr nervös. Was Ich weiß. #00:14:45‑0#

 

Tobias: #00:14:45‑4# Du hast schon gesagt, im Ziel Lauf dauert nicht lang, dass die Rose sozusagen dir vorfährt. Ist es dann das restliche Rennen? Hofft man, dass der zweite Platz bleibt. Auch, oder? Oder denken Sie bitte jetzt so quasi nicht noch weiter zurück. Ist es dann auch noch etwas, was man dann im Zielhang denkt? #00:15:04‑1#

 

Brigitte: #00:15:04‑2# Wäre ich sicher ja denkt haben ja, aber wie gesagt, wenn ich dann mein Lauf durchgegangen bin, ich bin ja nicht schlecht gefahren, ich bin ja ohne Fehler gefahren eigentlich. #00:15:16‑9#

 

Tobias: #00:15:18‑3# Die Siegerehrung war dann direkt im Anschluss. #00:15:20‑7#

 

Brigitte: #00:15:22‑3# Na na. Die Siegerehrung war dann im Olympiastadion. Da wo sie Eishockeyspielen. #00:15:31‑2#

 

Tobias: #00:15:31‑8# War, Das dann zu dem Zeitpunkt immer nur unter Anführungszeichen. Bitter, oder? Ist dann. #00:15:39‑1#

 

Brigitte: #00:15:39‑4# Schon ein bisschen. Ja, ja oder es war nachher. Nach dem Rennen war Pressekonferenz, also da war ich schon, da war ich schon niedergeschlagen. #00:15:47‑6#

 

Tobias: #00:15:48‑3# Hats Rückhalt gegeben aus dem Team, von den Kolleginnen, von den Trainern, die, was dann auch noch gut zugeredet haben, was gesagt haben. Das ist immer noch, dass das ein Spitzenergebnis ist, dass du ein super Rennen gefahren bist. #00:16:01‑1#

 

Brigitte: #00:16:01‑3# Ja, also es hat sich für die Trainer oder für die Kolleginnen hat sich da nie was anmerken lassen, dass die Silbermedaille nix ist. Aber in der Zeitung ist schon gestanden nur Silber und das prägt da ein bisserl. #00:16:19‑4#

 

Tobias: #00:16:19‑4# Ich wollte gerade fragen, das wäre auch noch eine Frage. Auch ja im Vorzug zu dem, zu den Spielen oder auch währenddessen. Es war natürlich schon recht starke mediale Berichterstattung. Lokal wie international spielt es auch ein bisschen mit in die Nervosität rein, dass da bisschen Trubel ist. Vielleicht bist du während der Spiele auch vielleicht von Reportern für Interviews gefragt worden oder zu Interviews gefragt worden. #00:16:47‑0#

 

Brigitte: #00:16:47‑6# Na eigentlich. Wenn ich so nachdenke, war das damals noch nicht so, dass man da so viele Interviews gehabt hat. Man kann das gar nicht mehr vergleichen mit heute. #00:16:58‑8#

 

Tobias: #00:17:00‑4# Ist aber die die Präsenz der Medien spürbar gewesen für die. Oder ist das eigentlich alles, was so quasi in eurer Blase quasi im O-Dorf war, als außerhalb schon ein bisserl mit Abstand gewesen? #00:17:12‑5#

 

Brigitte: #00:17:12‑7# Ja, war schon. Also ich kann mich nicht erinnern, dass ich da weiß Gott wie viele Interviews gegeben habe müssen. An das Deutsche Sportstudio kann ich mich noch erinnern, da war ich aber und ich hab auch nur auf Deutsch antworten müssen, weil heutzutage muss auf Englisch schauen und also war das nicht so viel Sportstudios, die wo ich gefragt war, weil ich bin ja nicht nochmal ein Jahr vorher, fliege ich fast aus dem Kader und dann auf einmal bist du Favoriten. Ich hab das wahrscheinlich nicht verarbeitet. Der Franz, der Klammer Franz hat das gut verarbeiten können und ich habe den Winter, das erste Weltcuprennen, gewonnen. Vorher nie. Ich war zwar auf dem Podest, aber gewonnen habe ich nie. Und dann auf einmal gewinnst Weltcuprennen. Und auf einmal bist du Favoritin. #00:18:11‑9#

 

Tobias: #00:18:12‑7# Das ist schon eine ganz andere Welt, gell? #00:18:15‑8#

 

Brigitte: #00:18:16‑7# Ja, schon. Und Olympische Spiele sind einfach das Highlight. #00:18:22‑4#

 

Tobias: #00:18:23‑3# Einer sportlichen Karriere. Vor allem immer. Du hast ja auch ja recht jung begonnen. #00:18:27‑2#

 

Brigitte: #00:18:27‑2# Mit 14 Jahren bin ich. Dann habe ich das erste Weltcuprennen fahren dürfen. Ja. #00:18:33‑5#

 

Tobias: #00:18:34‑3# Ich habe auch deine Schwestern. Meines Wissens sind ja auch Skirennläuferinnen, oder? Oder waren Skirennläuferinnen. Hat es da auch ein bisserl sozusagen familiär Neid gegeben, dass du die Spiele gar nicht oder? #00:18:46‑5#

 

Brigitte: #00:18:46‑5# Überhaupt nicht. Gar nicht. Die waren ja jünger. Ich bin die Älteste gewesen. Aber gerade die mittlere Schwester, die ist auch zum Teil Weltcup Rennen gefahren und das Rennen vor der Olympiade war in Bad Gastein. Und das war ein verrücktes Rennen. Die Rosi Mittermaier, ist letzte geworden. #00:19:05‑8#

 

Tobias: #00:19:07‑7# Da glaubt man fast nicht. #00:19:08‑5#

 

Brigitte: #00:19:08‑9# Glaubt man fast nicht. Aber da sind die Vorläufer gefahren. Und eine Viertelstunde war Pause, da hat sie geschneit wie verrückt. Dann war 10 bis 15 Zentimeter Neuschnee und viele Flachstücke drinnen, und die Rosi war 35 Sekunden hinten, und ich war sicher 25 Sekunden hinten. Und meine Schwester, die nie besser war wie ich, die ist da vorne gewesen. Aber das war die Generalprobe. #00:19:39‑6#

 

Tobias: #00:19:41‑3# Da waren ja dann, wenn man nach der geht, hat sich ja quasi wie gespiegelt. #00:19:45‑7#

 

Brigitte: #00:19:46‑3# Genau. #00:19:47‑0#

 

Tobias: #00:19:47‑4# Was vielleicht ja heute nicht mehr ganz so im Blick ist Die Spiele 76 in Innsbruck war ja für viele oder mehrere Disziplinen gleichzeitig auch der Weltcup oder der Weltcup, die Weltmeisterschaft. Das heißt quasi in deinem Fall jetzt. Zweite in der Abfahrt heißt auch zweite im Gesamtweltcup. #00:20:11‑2#

 

Brigitte: #00:20:12‑4# Nein. Mit dem Weltcup hat das nichts, Weltmeisterschaft ist das. Also ich bin Vizeweltmeisterin geworden. #00:20:19‑1#

 

Tobias: #00:20:19‑2# Und deswegen ja auch quasi, also die Hörerinnen und Hörer sehens nicht. Aber hinter mir an der Wand ist ja die Silbermedaille und auch die Silbermedaille für den Weltcup. #00:20:30‑2#

 

Brigitte: #00:20:30‑6# Für die Weltmeisterschaft. #00:20:31‑8#

 

Tobias: #00:20:31‑9# Ah, für die Weltmeisterschaft. #00:20:32‑9#

 

Brigitte: #00:20:33‑2# Genau, der Weltcup. Also ich bin dann Weltcupsieger in Gesamtweltcupsiegerin. In der Abfahrt bin ich dann geworden, nachdem ich eben in dem Jahr noch in Aspen war. Dann ist Finale, und da habe ich gewonnen. Und da habe ich dann den Abfahrtsweltcup gewonnen. #00:20:51‑8#

 

Tobias: #00:20:52‑5# Und im selben Jahr bist du dann auch noch österreichische Sportlerin des Jahres geworden. Ist jetzt ein bisschen abseits von Olympia, aber gibt es dann auch noch eine Erinnerung an. #00:21:02‑8#

 

Brigitte: #00:21:04‑0# Ja da hab ich so eine große Trophy gekriegt, eine Art Urkunden der besten Sportlerin Österreichs. Ich glaube, ich habe sie da im Haus irgendwo hängen. Und da war dann die Übergabe in der Pause von einer Weltmeisterschaft oder Europameisterschaft Anwärter. Ja, im Ernst Happel Stadion in Wien, wo man das dann der Franz bei die Männer und ich bei die Frauen überreicht bekommen. Ein Qualifikationsspiel war das glaube ich. Schweden, Ich weiß nicht mehr genau. #00:21:44‑0#

 

Tobias: #00:21:44‑4# Ist. #00:21:44‑7#

 

Brigitte: #00:21:44‑7# 76? Ja. Ja, Ja. #00:21:46‑5#

 

Tobias: #00:21:47‑8# Ist das für dich. Also, natürlich ist es eine große Ehrung. Ist das aber gleichzusetzen wie mit Olympischen ist sowas für die Wertigkeit? Es ist immer schwierig zu sagen, wie man was wertschätzt, aber ist es für die eine eine große Wertschätzung für deine Leistung in diesem Jahr? #00:22:03‑8#

 

Brigitte: #00:22:04‑4# Es war eine große Wertschätzung, ja. Aber die Olympiade oder der Weltcup Sieg, der Gesamtweltcup Sieg in der Abfahrt schätze ich höher ein. #00:22:16‑4#

 

Tobias: #00:22:19‑5# (...) Während der Spiele hast du dann trotz deiner auch Nervosität noch andere Disziplinen selbst verfolgt, sei es Eishockey oder, oder? Ich weiß gar nicht. Skispringen auch. #00:22:31‑8#

 

Brigitte: #00:22:32‑5# Dabei war ich nirgends, weil ich bin alle drei Disziplinen gefahren, also Riesenslalom und Slalom. Ja, und da haben wir trainieren müssen. Und die Tage waren eigentlich alle voll ausgefüllt mit Training oder mit Ruhepausen. Im Fernsehen haben wir dann viel verfolgt, Da. #00:22:57‑2#

 

Tobias: #00:22:57‑4# Hat es da im Zimmer einen Fernseher gehabt oder war es da? #00:23:01‑2#

 

Brigitte: #00:23:01‑7# Ja. #00:23:02‑1#

 

Tobias: #00:23:02‑8# Und andere Veranstaltungen Abseits Also das könnten jetzt Abendveranstaltungen. Ich schmeiß nur das Stichwort Olympia Ball in den Raum Ist der bei dir irgendwie? #00:23:13‑1#

 

Brigitte: #00:23:13‑9# Der ist überhaupt nicht mehr präsent. Ich glaube, da sind wir gar nicht gewesen. #00:23:18‑0#

 

Tobias: #00:23:18‑5# Interessant. Ja. Andere Veranstaltungen, sei es Abendveranstaltungen, vielleicht irgendwelche Konzerte, sind doch relativ viel veranstaltet worden. #00:23:27‑9#

 

Brigitte: #00:23:27‑9# Oder gar nichts. Gar nichts überhaupt. #00:23:29‑8#

 

Tobias: #00:23:30‑3# Das ist eigentlich der Sport im Fokus gewesen. #00:23:32‑3#

 

Brigitte: #00:23:32‑3# Und auf jeden Fall. Ja, und man hat auch nicht so präsent sein müssen von der Presse her. #00:23:40‑1#

 

Tobias: #00:23:41‑4# Vom ÖSV, oder? Wahrscheinlich hat es keine Auflagen gegeben. #00:23:44‑2#

 

Brigitte: #00:23:44‑6# Überhaupt nicht. #00:23:45‑2#

 

Tobias: #00:23:45‑5# Das wäre ja jetzt natürlich, wenn man jetzt wieder auf heute spiegelt, ja, ganz genau wieder das Gegenteil. #00:23:50‑1#

 

Brigitte: #00:23:50‑5# Ja. #00:23:50‑7#

 

Tobias: #00:23:51‑2# Ja. Denkst du, das war für die Sportler von Vorteil, dass man eigentlich sie so sehr. #00:23:58‑3#

 

Brigitte: #00:23:58‑7# Ich glaube schon, dass das früher gemütlicher war, dass man nicht so präsent sein hat müssen. #00:24:07‑1#

 

Tobias: #00:24:09‑6# Hast du während deiner Zeit, sei es bei den Rennen oder auch im Hotel in Auf Transfer Wert wahrscheinlich nicht so der Fall gewesen sein. Aber hast du da Erinnerungen, dass von den Sicherheitsmaßnahmen recht streng kontrolliert worden sind? Die Sportler:innen auch? Ist das für die Sportlerin auch im Hinterkopf, dass es natürlich ein großes Event da kann was passieren, ist so was dann? Denkt man sowas als Sportlerin zu dem Zeitpunkt? #00:24:38‑4#

 

Brigitte: #00:24:38‑6# Nein. Also. Was ich mich erinnern kann Wir sind. Es war ein Schranken da im olympischen Dorf, also mit der Akkreditierung, die hast schon mit haben müssen, Sonst bist du gar nicht reingekommen. Und nicht nur da bist du kontrolliert worden, sondern auch da im Frauenhaus, beim Eingang und ins Restaurant und eben bei die Skilifte. Und dann, was ich mich erinnern kann, zum Beispiel beim Klammer Franz. Da war ein einfacher Zaun nur ein einfacher. Und heutzutage sind drei oder vier Zäune, bevor die Fans oder die Zuschauer stehen und den haben sie ja fast zerdrückt den Klammern Franz. Was man jetzt so sieht. Das ist extrem gewesen. Bei uns Damen war das nicht so, wir sind abgeschirmt worden. Aber du bist mit dem Zuschauer ja, Mann an Mann fast gestanden, und heutzutage 5 Meter weg. Die Zuschauer. #00:25:53‑8#

 

Tobias: #00:25:54‑0# Plus Security. Wahrscheinlich nur die, was auch noch dazwischen steht. Also heute. Damals Ja. #00:25:58‑7#

 

Brigitte: #00:25:59‑0# Schon, aber das war. #00:26:00‑9#

 

Tobias: #00:26:02‑9# Man hat sich aber nicht unsicher gefühlt. #00:26:03‑8#

 

Brigitte: #00:26:04‑1# Ein Zaun war. #00:26:04‑3#

 

Tobias: #00:26:05‑6# Hat sie aber nicht unsicher gefühlt deswegen. #00:26:07‑7#

 

Brigitte: #00:26:08‑1# Nein, gar nicht. #00:26:08‑9#

 

Tobias: #00:26:09‑3# Und waren bei diese Kontrollen sind sie eher. Sie haben sich darüber geärgert oder haben gedacht das muss halt sein, oder? Oder. #00:26:17‑1#

 

Brigitte: #00:26:17‑3# Ja, das hat einfach sein müssen, weil ich war in Sapporo auch dabei und da waren die Kontrollen viel ärger als wie in Innsbruck. #00:26:28‑3#

 

Tobias: #00:26:30‑8# Jetzt, sozusagen 50 Jahre danach. Das Zurückdenken mehrheitlich positiv. Auch negative Aspekte dabei. Wie denkst du denn heute wieder über über dich selber, aber auch über die Spiele selber zurück? #00:26:46‑2#

 

Brigitte: #00:26:46‑4# Ja, heutzutage sag ich mir, ich bin froh, dass ich zumindest ein Silbermedaillen gewonnen habe. Weil es gibt so viele Sportler, die vorne dabei sind beim Wettkämpfe und gerade bei der Olympiade keine olympische Medaillen erreichen können dürfen. Und ich kann sagen, ich habe zumindest eine Silbermedaille und. #00:27:10‑2#

 

Tobias: #00:27:12‑4# Die kann man dir nicht nehmen. #00:27:13‑3#

 

Brigitte: #00:27:13‑6# Genau, man kann, die kann man mir nicht nehmen. Und vielleicht war das Leben mit der Goldenen ein bisschen anders verlaufen. Ich bin eher ein ruhiger, zurückgezogener Typ. Ich bin gern in der Natur und ich brauche den Rummel nicht. #00:27:33‑9#

 

Tobias: #00:27:34‑6# Das ist ja schon schlimm genug, dass ich da her aus Innsbruck herreis. Wie ist es denn auch dann direkt im Anschluss dann an die Spiele? Ist ja, sind ja dann weitere Weltcup Rennen angestanden. Hat man da ein bisschen Zeit gehabt, irgendwie die Spiele zu verdauen? Oder ist dann gleich wieder sozusagen der Schalter umgelegt worden in ähm, es geht weiter, nächste Rennen steht bevor. Hat man dann vielleicht auch erst später. Dann diese ganzen Olympischen Spiele, ich sag jetzt mal Revue passieren lassen können ist das. Kannst du dich noch erinnern oder hast du da noch was zu berichten dazu? #00:28:14‑4#

 

Brigitte: #00:28:14‑6# Also ich glaub ich weiß aber nicht mehr genau das dann, weil der Weltcup ist ja bisher weitergegangen und da konzentrierst dich ja dann du wieder aufs nächste Rennen und du lässt die Olympiade schon öfters Revue passieren. Aber dass das direkt. Man nimmt es so wie jedes Weltcup Rennen im Nachhinein. #00:28:40‑7#

 

Tobias: #00:28:41‑3# Mit seinen Höhen und Tiefen. #00:28:42‑8#

 

Brigitte: #00:28:42‑9# Mit Höhen und Tiefen. Genau. Ja. #00:28:45‑5#

 

Tobias: #00:28:47‑0# Gibt es noch was? Was, Was dir jetzt noch während unserem Gespräch noch in den Hinterkopf geschossen ist, was wir ganz vergessen haben zu besprechen. Nein? #00:28:55‑1#

 

Brigitte: #00:28:58‑1# Nein, eigentlich nicht. Oder warum ich zum Skifahren gekommen bin. Das ist, äh. Mein Vater war so ehrgeizig und hat eben mit mir viel trainiert. Wenn ich daheim war und da war einmal, äh, vom Fernsehen ein Team da, die unsere Familie da gefilmt hat. Und da hat mein Vater gesagt: Ja, das Ziel wäre ein Olympiasieg von mir. Aber da war ich, glaube ich, zwölf Jahre. #00:29:32‑5#

 

Tobias: #00:29:33‑6# Und dann. #00:29:34‑1#

 

Brigitte: #00:29:34‑1# Ein halber Olympiasieg ist es ja geworden. Ja. #00:29:36‑4#

 

Tobias: #00:29:37‑4# Darf ich ganz? Also der Vater hat die Silbermedaille erlebt. #00:29:41‑6#

 

Brigitte: #00:29:42‑0# Hat er erlebt. Ja. #00:29:43‑5#

 

Tobias: #00:29:44‑2# War wahrscheinlich. #00:29:44‑9#

 

Brigitte: #00:29:44‑9# Aber er hat es nicht gesagt, dass er nicht zufrieden ist. #00:29:47‑3#

 

Tobias: #00:29:47‑9# Hat er das dann einmal zugegeben? Dass er. Dass er nicht zufrieden wäre.

Brigitte: #00:29:49‑1# Nein hat er nicht. #00:29:50‑1#

Tobias: #00:29:50‑1#Ich glaube, dass das schon die Teilnahme allein wahrscheinlich schon auch eine sehr große Genugtuung oder eine sehr große Freude war. Wahrscheinlich für die Eltern, oder? Ich könnte mir vorstellen. #00:30:02‑5#

 

Brigitte: #00:30:03‑0# Ja, aber weil ich eben vorher schon ein paar Weltcup Rennen gewonnen habe. Jetzt war der Druck. #00:30:09‑1#

Tobias: #00:30:09‑1# War schon das Ziel höher. #00:30:09‑9#

 

Brigitte: #00:30:10‑1# Ja, tut er. #00:30:11‑6#

 

Tobias: #00:30:17‑5# (...) Die Memorabilia haben wir ja, haben wir an der Wand gehabt. Sehr schön übrigens. Die sind daneben sein. Sind das vom Weltcup? Ja, interessant. Und auch die Glaskugeln natürlich, die sind schon relativ lang. Die Glaskugeln dann. #00:30:35‑8#

 

Brigitte: #00:30:35‑8# Ja, schon. #00:30:36‑1#

 

Tobias: #00:30:36‑2# Weil sie sind ja, ich glaube immer noch relativ unverändert oder von der Form. #00:30:40‑8#

 

Brigitte: #00:30:41‑0# Der Gesamtweltcup ist größer. #00:30:42‑8#

 

Tobias: #00:30:43‑0# Größer. #00:30:43‑5#

 

Brigitte: #00:30:44‑2# Ja, und das ist so, so lustig. Ich habe drei Enkelkinder. Ja, Und der Schwiegersohn sagt so, die Buben sinds, sinds drei Buben. Und der Mittlere war fünf, und der älteste war sieben. Sagt der, die Oma hat auch olympische Medaillen. Und dann sagt der Kleine Hast du die gekauft? (...) Und dann sagt der Schwiegersohn Na, die hat gewonnen. Na, wo? Wo ist die? Und ich hab alles im Keller aufbewahrt gehabt, weil ich ja vom Hotel da in das Haus gezogen bin, ins Elternhaus wieder gezogen bin. Ja, das wollen Sie sehen. Jetzt haben wir einen Keller in Schachteln verstaut gewesen, und dann hat sie jeder eine Medaille umgehängt und einer die Weltmeisterschaftsmedaillen, einer olympische Medaille. Und dann sind wir raufgegangen. Und sie sind ganz stolz gewesen, dass sie olympische Medaillen umhängen. #00:31:54‑8#

 

Tobias: #00:31:55‑3# Das ist doch nett. Ja, ist doch schön, wenn das die Enkel dann so wertschätzen. #00:31:58‑9#

 

Brigitte: #00:31:59‑2# Ja. #00:31:59‑5#

 

Tobias: #00:32:02‑5# (...) Auch dann noch die Spiele nach der Silbermedaille, wo man dann. Du hast ja immer in Filzmoos gewohnt. Oder war es zumindest immer in Filzmoos daheim. So war das dann auch, diese Silbermedaille im Ort. War das dann irgendwie was? Du immer noch die gleiche sozusagen? Oder hat man dich dann schon ein bisschen emporgehoben, wenn du verstehst, wie ich mein also. #00:32:22‑0#

 

Brigitte: #00:32:22‑6# Also die Gemeinde und der Tourismusverband haben einen Riesenempfang gemacht. Das war so schön in Eben, das ist der Vorort von Filzmoos, die haben schon angefangen, da wurde ich vom Bürgermeister schon einen Blumenstrauß gekriegt und dann sind wir nach Filzmoos gefahren und ich glaube, mit der Kutschen, da haben sie ein Podium aufgebaut gehabt vor dem Freizeitzentrum. Und da haben sie mir dann. #00:32:52‑2#

 

Tobias: #00:32:52‑9# Einen Blumenstrauß, wahrscheinlich. #00:32:53‑9#

 

Brigitte: #00:32:53‑9# Ja einen Blumenstrauß. Und ich habe sogar von der Gemeinde ein Grundstück gekriegt für die Silbermedaillen. #00:32:59‑4#

 

Tobias: #00:33:00‑3# Das ist ein sehr guter Preis. #00:33:01‑6#

 

Brigitte: #00:33:01‑6# Ja, auf jeden Fall. Das gibt es heutzutage, glaube ich, nicht mehr. Und da waren es über 1000 Leute. Wir waren da in dem Feld, und. #00:33:10‑6#

 

Tobias: #00:33:10‑7# Das ist schon sehr mächtig. #00:33:13‑2#

 

Brigitte: #00:33:13‑5# Ja, das hat mich schon riesig gefreut. #00:33:17‑2#

 

Tobias: #00:33:17‑7# Ich habe jetzt schon deine Zeit sehr beansprucht. Abschließend will ich mich noch mal ganz herzlich für deine Zeit bedanken, dass du mich auch zu dir nach Hause einlädst für das Interview, für die Aufzeichnung und sag nochmal Gitti ganz vielen Dank. #00:33:31‑3#

 

Brigitte: #00:33:32‑1# Ich sage auch Danke, dass du gekommen bist und dass ich da ein Teil sein darf. #00:33:38‑2#

 

Hanna: #00:33:40‑0# Das war unsere Folge mit Brigitte Habersatter Totschnig. Nächste Woche sprechen wir mit Olga Pall, eine der Fackelträgerinnen bei den Spielen in Innsbruck. #00:33:49‑5#

Olga Pall

Olga Pall

Stadtarchiv Innsbruck

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Transkript

Fanfare mit Lautsprecherdurchsage: 50 Jahre Olympische Winterspiele 1976. #00:00:13‑4#

 

Hanna: #00:00:20‑7#  Hallo und herzlich willkommen zur fünften Folge der Podcastsendung 50 Jahre Olympische Winterspiele 1976. Mit Olga Pall sprechen wir heute mit einer Goldmedaillengewinnerin bei den Olympischen Spielen 1968 in Grenoble. Bei den Spielen 1976 in Innsbruck hatte sie zwar ihre aktive Karriere bereits beendet, jedoch war Olga in verschiedenen Funktionen bei den Innsbrucker Spielen dabei. Welche das sind, lassen wir sie selbst erzählen. Wie üblich geht es nach einer kurzen Einspielung los. #00:00:54‑0#

 

Tobias: #00:01:05‑7# (Musik) Liebe Olga, vielen herzlichen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, mit mir zu sprechen. Anlässlich des Jubiläums 50 Jahre Olympische Winterspiele in Innsbruck. Wenn ich jetzt sage Olympische Winterspiele in Innsbruck 1976, was ist denn da das erste, was dir in den Kopf schießt? Hast du irgendetwas Prägnantes, was dir sofort in den ins Gedächtnis hüpft? #00:01:28‑6#

 

Olga Pall: #00:01:28‑8# Ja, ist eh klar. Da fällt dann der Franz Klammer ein. #00:01:30‑6#

 

Tobias: #00:01:30‑6# Gehen wir vielleicht noch mal einen Schritt zurück. Du warst ja 76 nicht mehr aktiv. Du hast 1970, glaube ich, deine Karriere beendet, hast Gold in Grenoble gewonnen. In der Abfahrt hast du. Du warst zu dem Zeitpunkt, also zu dem Zeitpunkt der Spiele in Innsbruck 1976 noch, ich würde sagen, schon jung mit 29 oder 28? Hast du da irgendwie noch mehr Gedanken gehabt? Irgendwie wäre ich schon gerne dabei gewesen. Es ist ja für dich ja fast ein Heimspiel gewesen. #00:02:11‑0#

 

Olga: #00:02:11‑7# Dass eigentlich überhaupt nicht. Ich war eingeteilt vom Olympischen Komitee aus als „Chef de Mission der Dame“ hat es geheißen, das war eine Funktion, wo ich integriert war, und ich war bei Sitzungen dabei und war auch im Damenhaus im Olympischen Dorf. Da waren ja nur Damen und Herren getrennt. Da habe ich dann so eine Art Betreuungsfunktion, was eh nicht mehr so genau hergegangen ist. Aber es war eine wahnsinnig tolle Zeit. Olympia von einer ganz anderen Seite zu sehen, nämlich Sportler, wo man gesehen hat, die kämpfen jetzt so lange für den Tag X. Das ist mir da erst richtig bewusst geworden. Wenn du selber Rennfahrer bist, bist du eigentlich nur mit dir selber beschäftigt. Und das war das Wunderschöne, das Gesamte ,das Gefühl die haben alle für den Tag X literweise Schweiß vergossen. Und unter einem Sieg und die Niederlage so nahe beieinander, dass kriegt man da alles so richtig mit, wenn man nicht mehr als Aktiver dabei ist. #00:03:16‑7#

 

Tobias: #00:03:17‑0# Wie bist du zu der Rolle gekommen? Also zu deiner Funktion gekommen? Weil ich frage deswegen, weil ich habe gelesen, du hast ja dann eine Ausbildung zur Physiotherapeutin gemacht. War das noch quasi parallel mit dieser Ausbildung? Diese also die Funktion bei den Spielen oder? #00:03:33‑5#

 

Olga: #00:03:34‑2# Ich war neu, ich war kurz im österreichischen Skiverband als Physiotherapeutin angestellt, den ganzen Winter lang. Da ist ein Physiotherapeut ausgefallen und ich habe die Ausbildung fertig gehabt und von da aus kenne ich schon, da habe ich den Skizirkus schon noch sehr nahe erlebt. Und ja, bin irgendwie vom Olympischen Komitee gefragt worden, ob ich das mache. Das hat früher eine andere Sportlerin gemacht und gesagt Ja, eigentlich, warum nicht? Ich bin da daheim und es ist toll und hat mir gut gefallen. Ich habe das auch später noch, sogar in Sarajevo auch noch einmal das Gleiche gemacht. #00:04:15‑1#

 

Tobias: #00:04:15‑8# Hast du dann zu Hause übernachtet oder hast du dann mit den Sportlerinnen im O-Dorf übernachtet? #00:04:20‑9#

 

Olga: #00:04:20‑9# Da habe ich zu Hause übernachtet. Da bin ich dann heute in der Früh gekommen oder mal beim Rennen in der Nähe gewesen oder so Mädchen für alles, wenn was gebraucht wird. Und so habe ich mich ein bisschen engagiert. #00:04:32‑6#

 

Tobias: #00:04:33‑4# Du warst dann wie kann man dann deine Rolle oder kannst du vielleicht deine Tätigkeit während der Spiele vielleicht kurz beschreiben, was du. Du hast gesagt die Betreuung von den Sportlerinnen auch als Physiotherapeutin, oder? #00:04:47‑5#

 

Olga: #00:04:48‑5# Also bei Olympia war ich nicht als Physiotherapeutin dabei, sondern als Ex-Sportlerin für dieses Komitee. Das hat es dann danach nicht mehr gegeben. Das war früher so streng halten Männer und Frauen getrennt. Da waren wir sozusagen der Koordinator zwischen Administration, zwischen Teamleitung und so. Da hat man in das Damenhaus hatte kein Mann reindürfen und irgendjemand hat sie mit Kopftuch verkleidet und so, das hat überhaupt rein. Es war ja mittelalterlich, fast. Aber es war ein netter Job und es hat, mir hat es Spaß gemacht und ich habe keine großen Unkosten dazu gehabt. Und dann war es auch nett. #00:05:28‑5#

 

Tobias: #00:05:28‑6# Hast du dann auch das mit den Medien kommuniziert oder Medientermine arrangiert? Für die für die Sportlerinnen. #00:05:37‑8#

 

Olga: #00:05:37‑9# Eigentlich weniger, aber ich bin zu Veranstaltungen mitgegangen und habe dann geschaut, wo Not am Mann ist und habe halt da mitgeholfen. Sei es im Startbereich gewesen oder in irgendwo auf der Strecke oder in der Früh, bevor die Mannschaft gestartet ist und irgendwie mit Bus, mit Bus Shuttle und so habe ich geschaut, dass das funktioniert, dass niemand leer dasteht und nicht dorthin kommt, wo er hin will. Das ist ja auch immer ein Problem. #00:06:06‑8#

 

Tobias: #00:06:07‑2# Die Logistik ist nicht ganz einfach, sei es mit Ausrüstung und Personal. #00:06:10‑5#

 

Olga: #00:06:10‑9# Ja, Handy hat es auch noch nicht gegeben. #00:06:13‑1#

 

Tobias: #00:06:14‑6# Du hast ja noch eine kleine Rolle oder Funktion, oder? Kannst du uns dann sagen, ob das doch größer war für dich, als vielleicht ich das jetzt so klingen lasse? Du hast ja auch das olympische Feuer eines der olympischen. Es waren zwei waren ja meines Wissens auf dem Weg von Wien nach Innsbruck unterwegs. Also über Athen ist der Flieger nach Wien und von Wien über zwei Strecken nach Innsbruck. Einmal für die, für die das Feuer von 64 nochmal zum Entzünden und dann für die neue Schale dann von 76. Du durftest gemeinsam mit der Trixi Schuba eine der Fackeln oder eine der Flammen. Ja, dann zum goldenen Dachl bringen. Habe ich das richtig gelesen? War das vom Bahnhof? #00:07:05‑4#

 

Olga: #00:07:06‑5# Nein, da habe ich, in der Nähe von der Klinik sind wir gestartet. Da hat man uns dann dort die Fackel übergeben und dann durch die Theresienstraße. Durch die durch Richtung goldenes Dachl. Es war irrsinnig aufregend. Ich war selber vorher so nervös, habe das zuerst so ein bisschen belächelt, dass ich das mache, aber es war dann schon ein mords Erlebnis und die vielen Leute und ich bin selber immer noch ein Fan von diesen Fackelläufen und verfolgt das immer. Wo kommt die Fackel hin, wo ist sie gerade? Und ich war immer sogar in Olympia. Ich habe gesehen, wie das entzündet wird. Also olympisches Feuer ist für mich was Besonderes. #00:07:45‑3#

 

Tobias: #00:07:45‑9# Und was waren so die Ängste? Dass man die Fackel fallen lässt oder? #00:07:49‑0#

 

Olga: #00:07:49‑8# Das sie eher ausgeht. Aber da hat es schon gesagt, also wenn es ganz ist, wir haben so, so, so wie dass das Licht wird. Das Friedenslicht ist doch nur eine kleine Laterne gewesen. Du kannst vom Friedenslicht mit. Mit einem Helfer kannst du die Fackel wieder neu entzünden. Das war da nicht. Und dass man die Kondition ausgeht, das hab ich nicht geglaubt. Es war ja nicht so weit. #00:08:12‑7#

 

Tobias: #00:08:13‑1# Viel los auf der Straße. Und dann, vor dem goldenen Dachl, hat sich dann der Bürgermeister entgegen. Oder dann ist er verwahrt worden. So wie ich das gelesen habe. Eine Zeit lang, bis die Spiele dann begonnen haben. #00:08:24‑0#

 

Olga: #00:08:24‑3# Das kann ich gar nicht so sagen, weil ich war so erlöst, dass ich es geschafft hab. Und dass alles gut gegangen ist. Also wie das dann weitergegangen ist, das kann ich jetzt ehrlich gesagt auch nicht mehr sagen. #00:08:34‑1#

 

Tobias: #00:08:34‑2# Passt gut. Gehen wir vielleicht ein bisschen auf die, auf die Spiele, auf die Bewerbe ein. Du hast wahrscheinlich dann sehr viel bei den Damen vermutlich verfolgt bei dem Bewerbe. Wie sehr nervös ist man da für die? Für die anderen Sportlerinnen? Also für die, die Was jetzt dann Die die Fahrten vor sich haben. #00:08:50‑9#

 

Olga: #00:08:51‑5# Es ist einem gar nicht klar, wenn man selber sofort wie aufregend es eigentlich ist, wenn man nicht fährt. Und wie sehr. Was da alles passieren kann, bis man dann am Start ist. Und dann kommt ja noch irgendwas, bevor du wegfährst, kann irgendwas brechen, reißen selber oder die Gondel bleibt stehen und fährt nicht mehr. So was kann so viel passieren, dass man sagt, man hat so ein Glück gehabt. Und ich hab Glück gehabt, dass alles an dem Tag X gut gepasst hat. Da wird man viel dankbarer. #00:09:19‑5#

 

Tobias: #00:09:20‑9# Und die Leistungen wurden ja, wie ich finde, äußerst positiv. Also sowohl bei den Herren als auch bei den Damen, also sowohl bei den alpinen Bewerbe eigentlich. Generell finde ich, wenn es erfolgreiche, würd ich sagen erfolgreiche Spiele für Österreich. In den Medien ist es ja zum Teil nicht so wiedergegeben worden. Wenn gerade bei der Brigitte Totschnig, die als erste im Ziel und dann ja durch die Rosi Mittermaier ja noch geschlagen wurde, die war ja dann relativ. Am Boden zerstört ist vielleicht ein bisschen zu arg, aber hast du dann auch versucht, die Leistungen der Sportlerinnen anzuerkennen, die sozusagen aufzupäppeln und als da du ja selber schon in ähnlichen Schuhen gesteckt bist? #00:10:08‑8#

 

Olga: #00:10:09‑4# Ja, also man muss schon sagen, es klingt natürlich blöd, wenn man hintennach fährt und zweite wird sagt man Gott sei Dank bin ich noch Zweiter. Aber wenn da vorher jemand was wegschnappt, dann muss man im Nachhinein sagen, ich habe nicht Gold verloren, ich habe Silber gewonnen und so muss man das sehen. Und der Silbermedaille ist eine Silbermedaille und ist auch nicht wegzudenken. #00:10:32‑0#

 

Tobias: #00:10:32‑8# Hast du noch vom O-Dorf Erinnerungen? Auch was Sicherheit betrifft? Sicherheitskontrollen, sei es Probleme oder die erhöhte Polizeipräsenz. Ist dir da noch was hängen geblieben? #00:10:44‑9#

 

Olga: #00:10:45‑2# Ja, das kann ich mich noch gut erinnern. Ich bin natürlich Heimschläfer gewesen. Ich hab in Hall gewohnt und bin dann jeden Tag in der Früh. Natürlich rein. Und ist die Sicherheits Check. Das hat sie ja fünf, vier Jahre davor noch gar nicht so gegeben. Sicher hat man aufgepasst, dass niemand reinkommt. Aber so mit richtig mit Schleuse und Rucksack hinlegen und Rucksack wieder hinten rausholen. Das hat damals schon angefangen und das war schon sehr aufregend irgendwie, dass man da jeden Tag, so in ein geschlossenes Dorf reingekommen ist. #00:11:20‑2#

 

Tobias: #00:11:20‑9# Hast du dich deswegen unsicherer gefühlt oder war es dann? Hast du das dann ein bisschen ausgeblendet, oder, Oder? #00:11:27‑3#

 

Olga: #00:11:27‑4# Nein, da war ich noch zu jung. #00:11:28‑5#

 

Tobias: #00:11:30‑2# Das heißt, es ist zwar, man hat es gemerkt, aber es ist nicht schlimm. #00:11:33‑2#

 

Olga: #00:11:33‑5# Das ist gar nicht. Dann ist mir gar nicht so nahe gegangen, weil das gar nicht so richtig gedacht habe. Und man steckt das bisschen weg. Das war Hauptsache Sport und das Drumherum. Aber das denkt man gar nicht so, also als junger Mensch heute vielleicht mehr als eine andere Zeit. #00:11:52‑9#

 

Tobias: #00:11:53‑6# Hast du noch andere sportliche Events abseits der Ski Alpin Rennen angeschaut? Sei es Eishockey oder Bob oder. #00:12:04‑1#

 

Olga: #00:12:05‑0# Ich war beim Bobbewerb und ich war bei der Nordischen im Seefeld. Das habe ich mir angeschaut. Also so ein 30 Kilometer Lauf, das war schon ganz interessant, dass man halt den Bewerb auch sieht, weil man das sonst die Gelegenheit ja nicht so hat. #00:12:22‑4#

 

Tobias: #00:12:23‑0# Und hast du noch Kontakt gehabt außerhalb der österreichischen oder österreichischen Sportler und Sportlerinnen? Hast du da vielleicht auch alte Bekannte getroffen, während der Spiele wieder aus deiner vielleicht noch Skizeit? #00:12:35‑7#

 

Olga: #00:12:36‑2# Es ist schon ein bisschen so, es waren so ein paar Veranstaltungen, wo man sich wo man eingeladen wurde. Ich bin zum Beispiel beim Olympiaball eingeladen worden, das war ja was Besonderes. #00:12:48‑7#

 

Tobias: #00:12:48‑8# Da müsste man dann separat drüber reden. Ja. #00:12:50‑9#

 

Olga: #00:12:52‑6# Und da war ich natürlich schon stolz als Olympiasiegerin beim Olympiaball. Es war was Besonderes. #00:12:59‑4#

 

Tobias: #00:12:59‑7# Gehen wir über zum Olympiaball. Der ist aber, kannst du mich aufklären? Du warst live dabei. Den hat es in Seefeld gegeben. Und einmal in Innsbruck. #00:13:09‑0#

 

Olga: #00:13:09‑4# Im Kongress. #00:13:10‑1#

 

Tobias: #00:13:10‑4# Im Kongress? Ja, und Der ist ja so, Ich kann es ja nur nachlesen über die Zeitung. Der ist ja sehr. Heute würde man sagen, gehyped worden und jeden Tag ist gestanden diese Stars kommen und diese Stars kommen und von Politik bis wirkliche internationale Stars soll kommen. Kannst du uns ein bisschen sozusagen jetzt. #00:13:31‑0#

 

Olga: #00:13:31‑2# Die Stars habe ich gar nicht so mitgekriegt. Ich selber kann mich erinnern, ich habe mir extra ein langes Dirndl schneidern lassen auf Empfehlungen von meinen Eltern, glaube ich. Und da bin ich am besten angezogen. Und ich bin traditionell angezogen und habe heute statt einem Abendkleid ein langes Dirndl. Das war wipptaler Tracht. Die habe ich mir von einer Schneiderin machen lassen. Und dann kommen wir rein. Bei der Tür Und da haben die Hostessen alle lange Dirndl angehabt. Das war schon ein bisschen, habe ich mir gedacht, Hoppala. Und ich habe mich schon so streng angeschaut, weil ich da in der Mitte gehe und so mit Leuten rede, statt irgendwie also auf der Seite stehe und Grüß Gott sage und nicke und nicht lächle und so, und ich habe das auch den ganzen Abend ein bisschen lustig gemacht, und er hat mir in die Bar gesetzt mit meinem langen Dirndl, habe wieder strafende Blicke gekriegt. Dann hat mich einer gefragt, wo das Klo ist. Das habe ich gesagt, weil es war was für die Auskunftsperson. Ich habe das nicht. Es war eine nette Unterhaltung. #00:14:31‑2#

 

Tobias: #00:14:31‑9# War dann da bei den Hostessen eigentlich auch die, also die heutige Silvia von. #00:14:37‑3#

 

Olga: #00:14:37‑5# Ich habe sie kennengelernt. Ich bin ihr vorgestellt worden und da war ich. Ich kann mich erinnern, die Traudl Hecher aber auch. Und dann sind wir miteinander reingegangen und dann sind wir beide vorgestellt worden. #00:14:48‑6#

 

Tobias: #00:14:48‑9# Aber die war. Zu dem Zeitpunkt war ja noch nicht klar, dass sie Liiert waren. #00:14:52‑3#

 

Olga: #00:14:52‑7# Darum war sie schon so berühmt. Das hat da glaube ich da begonnen.  #00:14:56‑2#

 

Tobias: #00:14:56‑6# Ja, eben. Das heißt aber, du hast von den Prominenten sonst Prominenz jetzt wenig mitgekriegt? #00:15:04‑3#

 

Olga: #00:15:05‑2# Nein, da war ich eigentlich zu viel als Solist unterwegs. Ich habe so Bekannte getroffen, kann das aber gar nicht. Da kann ich mich gar nicht mehr so erinnern. #00:15:13‑6#

 

Tobias: #00:15:13‑8# Und sonstige Veranstaltungen abseits vom Olympiaball. Hast du da noch irgendwie sei es bei Interviews geben, vielleicht auch sonst mit Presse, also Pressetermine, nichts. #00:15:27‑7#

 

Olga: #00:15:28‑0# Das kann ich nicht mehr sagen, Kann ich nicht mehr sagen. Das ist wahrscheinlich, was mir nicht so wichtig. #00:15:33‑7#

 

Tobias: #00:15:34‑9# Oder du warst. Es waren so viele, dass du schon. #00:15:37‑6#

 

Olga: #00:15:38‑2# Das ich mir schon gedacht hab, heut schon wieder einer, das kann auch sein, kann ich immer sagen. #00:15:41‑8#

 

Tobias: #00:15:42‑1# Was gäbe es noch? Was du jetzt noch so während unserem Gespräch eingefallen ist. Was vielleicht noch von dem Spieler übrig geblieben ist für dich oder was du noch erinnern kannst. was vielleicht noch recht einprägsam war für die. #00:15:54‑5#

 

Olga: #00:15:55‑1# Na, es war eigentlich vom Schnee besser als die 64 Spiele. Es war richtiger Winter und nicht so Schnee, wo man sich nur mit den Schnee von irgendwo mit Schaufeln herholen müssen. #00:16:09‑4#

 

Tobias: #00:16:10‑4# Das hast. #00:16:10‑8#

 

Olga: #00:16:10‑8# Du. #00:16:10‑9#

 

Tobias: #00:16:11‑6# Weil du ja 64 angesprochen hast. Hast du die Spiele 64 in Innsbruck auch noch recht Recht. #00:16:17‑3#

 

Olga: #00:16:17‑5# Ich habe den nur erlebt, weil ich als 14-jähriger natürlich, voll mit den Russen, die da mit ihre Pelzjacken gegangen sind und die Kanadier haben alle so gestreifte Mäntel angehabt. Also wir haben das nur Leut geschaut, es war ja so eine Sensation. Also für mich war das was Besonderes. #00:16:37‑4#

 

Tobias: #00:16:37‑5# Du warst du zu dem Zeitpunkt schon. #00:16:39‑4#

 

Olga: #00:16:41‑4# In der Jugendkader. #00:16:42‑3#

 

Tobias: #00:16:43‑6# Das heißt, das war das dann für dich schon so? Das will ich auch mal machen. #00:16:47‑5#

 

Olga: #00:16:47‑5# So möchte ich einmal werden. Ja, so möchte ich mal so gut ich kann mich erinnern. 64 war die Marille Goitschel und die Christine Goitschel. Die sind damals erste und zweite geworden und waren in der Bunten Illustrierte auf der Titelseite. Dann habe ich mir gedacht, das muss das Tollste auf der Welt sein. Da ist auf der Titelseite von der Bunten, und das habe ich dann tatsächlich acht Jahre später selber geschafft. Da war ich, bin heute noch stolz auf mein Bild. #00:17:13‑5#

 

Tobias: #00:17:14‑0# Wo, wo hängt die Goldmedaille? Bei dir zu Hause. #00:17:17‑3#

 

Olga: #00:17:17‑3# Im Wohnzimmer, im so einen kleinen antiken hölzernen Kasten hinter Glas kann man aufmachen und angreifen. #00:17:25‑2#

 

Tobias: #00:17:25‑6# Und die Enkel sind hat man, sind die Enkel. #00:17:29‑6#

 

Olga: #00:17:29‑8# Die sind eingeweiht. Und sie sind jetzt natürlich, das sind jetzt der Jüngste ist acht und der Älteste ist 17. Das, sagt die 17-jährige, hat mich einmal in der Schule für ein Referat schon mitgenommen und war sehr stolz. Und dass die Lehrerin mich kennt, da hat sie erst so richtig mitgekriegt, was die Oma so können hat und gelernt hat. Und es war sehr nett eigentlich. Das Aha Erlebnis. #00:17:56‑0#

 

Tobias: #00:17:56‑1# Das denk ich mir. Ich habe jetzt noch ganz vergessen, ich wollte noch was fragen. Die warst du bei der Eröffnungsfeier am Bergisel Stadion, was du da vor Ort oder hast du da die sozusagen gesparrtt? #00:18:09‑4#

 

Olga: #00:18:10‑7# Ich war auf der ganz auf der Seite, auf einem Platz und habe mir den Einmarsch so angeschaut. Es war nicht so leicht. Es hat geheißen, wer nicht unbedingt will, muss nicht rein und wer nicht filmt. Aber ich bin dann. Ich bin gar nicht so geschickt gewesen. Ich habe keine Karten gehabt. Ich bin aber trotzdem irgendwie reingeschwindelt und habe mir das angeschaut. Das war. Ich bin heute nicht ganz begeistert, dass man da als Gastgeber mit dem goldenen Anzug einmarschiert. Das war ein bisschen dick aufgetragen. Ja, es hat dann geklappt. Gott sei Dank. Aber so war es ein Erlebnis. Also Eröffnungen sind immer ein Erlebnis. #00:18:50‑8#

 

Tobias: #00:18:51‑4# Hast du die die Ausfälle? Es war ja ein technischer Defekt mit den Mikros. Und ist das noch so hängengeblieben oder ist das, vergisst man sowas. #00:19:00‑4#

 

Olga: #00:19:00‑5# Ich glaube der Sprecher, hat den olympischen Aid sprechen sollen und dann ist das Mikrofon nicht agegangen oder so. #00:19:05‑2#

 

Tobias: #00:19:05‑6# Irgendwie sowas. #00:19:06‑3#

 

Olga: #00:19:06‑6# Ja. Wie hat er geheißen? #00:19:08‑6#

 

Tobias: #00:19:09‑2# Wer? Der das einsprechen hat sollen? War das nicht der Bundeskanzler? #00:19:15‑3#

 

Olga: #00:19:18‑5# Nein. Ein österreichischer Sportler. Er hat sogar Scheiße gesagt. Weil es nicht gegangen ist. Ich weiß nicht. Nein, ich weiß es nicht. #00:19:27‑2#

 

Tobias: #00:19:27‑4# Nein, ich weiß es nicht. Nein, war das nicht der Karl Schnabl? #00:19:29‑5#

 

Olga: #00:19:30‑3# Na, ein Innsbruck. Rodler, Der Bobfahrer. #00:19:34‑7#

 

Tobias: #00:19:34‑7# Ah der Delle Karth wars. #00:19:35‑4#

 

Olga: #00:19:35‑4# Delle Karth, ja der Delle Karth. #00:19:38‑4#

 

Tobias: #00:19:38‑4# Das habe ich, Stimmt. #00:19:39‑4#

 

Olga: #00:19:40‑6# Das war eigentlich die Geschichte. Der hat jetzt nicht mehr weiterreden können. Was ist? Er hat gemerkt, alle haben nur. #00:19:48‑3#

 

Tobias: #00:19:51‑1# Es ist natürlich bitter und vor allem muss man schnell reagieren können. #00:19:55‑9#

 

Olga: #00:19:56‑3# Vor allem gerade bei Olympia war es gut, wenn alles klappt. #00:19:59‑3#

 

Tobias: #00:19:59‑8# Ja, ich glaube, sie haben es dann mit Humor genommen, weil und ich glaube eben und der Bundeskanzler ist. Er ist ja zu spät gekommen, der hat Verspätung gehabt oder so was. #00:20:07‑7#

 

Olga: #00:20:08‑2# Im Stau war er wahrscheinlich, wegen Olympia ist er in Stau gekommen. #00:20:11‑3#

 

Tobias: #00:20:11‑8# Aber das ist auch ein gutes Stichwort. Du bist ja schon Hallerin gewesen. Also für die, die es nicht wissen Du bist in Niederösterreich geboren, in Göstling an der Ybbs, bist dann aber schon relativ früh noch nach Tirol übersiedelt. Also zuerst Bischofshofen. #00:20:24‑6#

 

Olga: #00:20:24‑8# Ja, zuerst Bischofshofen. #00:20:25‑9#

 

Tobias: #00:20:26‑5# Dann Tirol. Hast du von deiner direkten, von deinem direkten Umfeld noch mitgekriegt, wie man dann mit die Spiele umgegangen ist? Hast du gemerkt, da ist Freude da, da ist Euphorie. Da die Spiele jetzt 76 wieder in Innsbruck sind oder hast du auch von Bekannten von dir gehört, jetzt ist er schon wieder da. So quasi. #00:20:46‑7#

 

Olga: #00:20:48‑1# Das habe ich nicht so empfunden. Da war ich dann doch zu viel im Sport integriert, dass ich diese Kritiken gar nicht so mitgekriegt habe, weil es ist ja doch Tourismuswerbung hat. Damals hat ja keiner gewusst, was das überhaupt ist. Aber dass das Tourismuswerbung ist, das muss man im Nachhinein ja auch sagen. Und es ist den Leuten dann schon bewusst geworden, dass wenn wir da Innsbruck Mittelpunkt Du kommst irgendwo hin, ich bin von Tirol, ich bin von Innsbruck. Ah, Olympia. Das war schon sehr lange bekannt. #00:21:24‑3#

 

Tobias: #00:21:24‑4# Und ich habe auch gelesen, dass die Zuschauerzahlen trotz der Liveübertragung ich glaube, das waren die ersten live übertragenen Winterspiele, die Zuschauerzahlen nicht gesunken sind, sondern gerade im Gegenteil sehr hohe Zuschauerzahlen. Also live, also live im Stadion und bei den Bewerben sehr hoch waren. #00:21:44‑9#

 

Olga: #00:21:45‑5# Es ist ja, wenn Olympia irgendwo machbar ist, zu erreichen. Und wenn man gern bei so was zuschaut, ist schon das Erlebnis, eine Veranstaltung wirklich live gesehen zu haben. Dabei sein mitten im Geschehen, das ist schon was Besonderes. Und dann ist halt Olympia doch noch was anderes. #00:22:04‑3#

 

Tobias: #00:22:04‑7# Hast du noch Gegenstände von den Spielen von 1976? Hast du in deiner Funktion auch irgendwelche Memorabilia? Irgendwas, was Geschenke erhalten für deine Tätigkeit sei das eine. Ich weiß gar nicht das Maskottchen oder eine Anstecknadel oder. #00:22:22‑8#

 

Olga: #00:22:23‑0# So, es hat so eine Plakette gegeben als Ehrenplakette mit Dank und Anerkennung für die Mitarbeit bei den Olympischen Spielen. Da hat man so eine Plakette bekommen. Wo ich die gekriegt habe, weiß ich nicht mehr. Aber ich habe sie, ich habe die. Und ja, direkt in dem Sinn, eigentlich. #00:22:41‑3#

 

Tobias: #00:22:42‑2# Hat dich deine Tätigkeit während der Spiele dann auch in der weiteren Laufbahn, also in deiner Tätigkeit für den den ÖSV, weil du warst ja dann lange Zeit auch Vizepräsidentin beim ÖSV, hat das irgendwo dann auch deinen Weg geebnet. Also dass das irgendwo auch dass ich sag jetzt mal, der Start war für diese weitere ÖSV Tätigkeit oder denkst du das ist oder ist das so oder so kommen? #00:23:08‑1#

 

Olga: #00:23:08‑8# Ja, das war dann doch ein bisschen später. Ich bin ja erst viel später Vizepräsidentin geworden und das hat sich ein bisschen ergeben. Mein jetziger Mann, der war Präsident vom Tiroler Skiverband und es wurde eine Vize, ein Vizepräsident gesucht. Und dann hat es geheißen Warum nicht eine Vizepräsidentin? Und ich bin gefragt worden. Zuerst habe ich schon ein bisschen überrascht, dass überhaupt gefragt, weil ich kann mich noch gut erinnern. Und dann hab ich mir gedacht na ja, mit Unterstützung von meinem Mann kann ich das ja machen, kann meinen Teil dazu beitragen, meine Connections zu den Aktiven noch ein bisserl ausnützen. Ich bin akzeptiert geworden, aber mehr als Ex-Sportlerin als als Vizepräsidentin. Aber ich habe mich ja im Behindertensport engagiert, da und ja, auch in Jugend und Nachwuchs. #00:24:00‑6#

 

Tobias: #00:24:00‑9# Du hast also, du bist jetzt nicht mehr aktiv, mehr tätig, aber kriegst du noch recht viel mit? Oder involvierst du dich noch aus eigenem Interesse? Noch sehr viel. #00:24:11‑2#

 

Olga: #00:24:11‑5# Ja, Sport. Skisport ist Pflicht. Also es gibt keine Sendungen. Und ich habe. Beim Mittagstisch haben wir einen Fernseher laufen. Und wenn dann einmal das alles aus ist, dann bin ich direkt traurig, dass man mal kein Bewerb. Deshalb bin das so gewohnt und ich mag das. Mich interessiert das. #00:24:29‑0#

 

Tobias: #00:24:29‑3# Ich habe noch was Interessantes gelesen, das wollte dir nämlich auch noch fragen. Du hast einmal in einem Interview gesagt, dass deine aktive Karriere ja oder damals die aktive Karriere nicht so gewinnbringend war von Gehalt usw, wie das ja jetzt bei aktuell wäre. Du hast aber vom Landeshauptmann Wallnöfer hast du einen Skipass auf Lebenszeit erhalten? Den hast du vermutlich immer noch. Stimmt das? #00:24:55‑3#

 

Olga: #00:24:55‑8# Das ist ein damals eine Idee gewesen von Landeshauptmann. Von den Mitarbeitern, dass man das auf Freikarten für so Olympiasieger, das wär was Tolles, hat er mir sozusagen verliehen. Aber eigentlich das Geschenk der Seilbahnen. Also im Nachhinein haben das dann die Seilbahnen weitergeführt. Und da hat es geheißen Erster, Zweiter und Dritter, beim Skilaufen bekommt eine auf Lebzeit den Schneekristall. Also das ist der Ausweis und ich kann so einen Lift hingehen und sagen, ich habe den Ausweis und bekommt dann ein Tagesticket dafür gratis steht mir zu. Also das ist Alle Seilbahnmitglieder haben dann zugestimmt und haben gesagt Ja, wir sind dafür und wir freuen uns. Sicher komme ich nicht alleine, nehm ich zwei mit die zahlen, aber es ist eigentlich etwas Tolles. Ich sage immer, wenn ich kein Geld habe, gehe ich Skifahren. Es war eigentlich. Für mich war es ein bisschen ein Orden. Ich habe es so gesehen und ich war stolz drauf. Und wenn einer gesagt hat Was hast du? Da habe ich es immer sehr gerne gehabt und habe gesagt Ja, das habe ich mir verdient. Ich habe sogar ich weiß sogar, dass es nicht Tiroler, die auch in Tirol leben, gar nicht bekommen den Ausweis, weil das habe ich nur bekommen, weil ich für das Land Tirol etwas bewirkt habe. #00:26:20‑9#

 

Tobias: #00:26:21‑1# Und ich glaube, du hast ja auch die Verdienstmedaille des Landes Tirol erhalten, oder habe ich das jetzt falsch im Kopf? Die Verdienstmedaille des Landes hast du ja auch erhalten. Ja, also das sei ja lobenswert oder erwähnenswert, dass du dich für den Skisport so wahnsinnig eingesetzt hast und immer noch tust. Ja, irgendwo. Vielleicht ein passiver Weise, aber ja. #00:26:41‑2#

 

Olga: #00:26:41‑7# Ja, ja, ja. #00:26:42‑7#

 

Tobias: #00:26:42‑9# Gut, dann haben wir noch was, Was man. Worüber man sprechen wollen. #00:26:47‑3#

 

Olga: #00:26:48‑0# Dass man junge Leute Olympia so rüberbringt, dass es eine völkerverbindende Sache ist und nicht nur Angst vor Attentaten ist. Es ist hoffentlich. Kann mich erinnern, ich habe mich damals bei der Bewerbung für die nächsten Spiele war ich dann engagiert und ich habe dann so viel Kritik von Menschen, von Einheimischen bekommen, für was ich mich da einsetze, ob ich nicht weiß, wie gefährlich das ist. Aber ich habe es in so schöner Erinnerung. Gott sei Dank. Und ich hoffe, dass wenn es noch einmal die Frage kommt, dass man sich schon engagieren könnte. #00:27:27‑3#

 

Tobias: #00:27:27‑8# Olga, das waren sehr schöne, abschließende Worte, wie ich finde. Und danke für die Teilnahme. #00:27:33‑8#

 

Olga: #00:27:34‑3# Danke. #00:27:34‑6#

 

Hanna: #00:27:36‑6# Das war unsere Folge mit Olga Pall. Kommende Woche sprechen wir mit den Herausgebern der neuen Veröffentlichung des Innsbrucker Stadtarchivs zu den Olympischen Spielen in Innsbruck. #00:27:46‑6#

Publikation "50 Jahre Olympische Winterspiele 1976"

Publikation "50 Jahre Olympische Winterspiele 1976"

Stadtarchiv Innsbruck

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Transkript

Person 1: 50 Jahre Olympische Winterspiele 1976. #00:00:13‑4#

 

Hanna: #00:00:20‑9# (...) Hallo und herzlich willkommen zur sechsten Folge der Podcastsendung 50 Jahre Olympische Winterspiele 1976. Heute widmen wir uns der vor kurzem erschienenen Veröffentlichung des Innsbrucker Stadtarchivs mit dem Titel Olympische Winterspiele in Innsbruck. Vorgeschichten. Bedeutungen. Nachwirkungen. Gemeinsam mit Matthias Ecker und Joachim Burgschwendner, zwei der drei Herausgeber des Sammelbandes, sprechen wir ganz generell über den neuen wissenschaftlichen Band. Dabei thematisieren wir unter anderem, wie das Buch zustande gekommen ist. Welche Impulse man damit setzen will und was es darüber hinaus noch zu erforschen gäbe. Als Preview können wir Ihnen bereits an dieser Stelle verraten, dass im Rahmen dieser Podcastreihe noch zwei weitere Folgen zu Themen der Publikation kommen werden. Nun aber zu unserer Folge mit Joachim und Matthias. #00:01:20‑7#

 

Tobias: #00:01:33‑2# (...) Lieber Matthias, lieber Joachim, danke, dass ihr euch die Zeit genommen habt, mit mir heute niederzusitzen und zu sprechen. Es gibt nämlich eine neue Publikation, eine neue Veröffentlichung des Stadtarchivs Nummer. #00:01:47‑8#

 

Person 2: #00:01:48‑4# 82. #00:01:49‑1#

 

Tobias: #00:01:49‑2# 82. Genau. Heute leider nicht. Dabei ist der Wolfgang Meixner Mitherausgeber des Bandes, der aus terminlichen Gründen verhindert ist. vier wird vielleicht so starten Matthias und Joachim. Es geht natürlich um die Olympischen Winterspiele 1976. Aber nicht nur. 1976. Könnt ihr mir mal erzählen, was denn der Hintergrund zu der Publikation war? #00:02:12‑1#

 

Matthias: #00:02:12‑9# Es hat schon vor gut zwei Jahren begonnen. Man hat gesehen, das Jubiläum kommt also. 2026 haben wir jetzt 50 Jahre Olympische Winterspiele, und das hatte auch schon in der Vergangenheit Feierlichkeiten zu Jubiläen der Spiele gegeben, zum Beispiel 1989. Da ist eine Festschrift erschienen, 25 Jahre nach den Spielen von 64 und eben vor gut zwei Jahren hat es dann auch die politische Entscheidung gegeben, dass man dieses Jubiläum wiederum begehen will mit einer ganzen Palette an Veranstaltungen, Maßnahmen und auch Vermittlungsangeboten. Und ein Aspekt war eben, dass man gesagt hat, man möchte gerne auch eine wissenschaftliche Publikation zu den Spielen machen. Und dann hat sich schnell herausgestellt, dass auf der Universität der Wolfgang Meixner auch zu Sportgeschichte bereits geforscht hat, dass da Interesse da ist, dass es auch in anderen Bereichen auf der Uni, zum Beispiel bei der Ethnologie, die Silke Maier Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gibt, die sich mit Facetten des Sportes im weitesten Sinne befassen. Und dann habe ich gesagt, Da bietet sich an, dass wir kooperieren. Gemeinsam hat es dann zwei Tagungen gegeben im Vorfeld, wo man einmal so Innsbruck als Sportstadt beleuchtet hat und dann wirklich vor jetzt eineinhalb Jahren eine international besetzte Tagung zu den Spielen von 76, die sind im Mittelpunkt gestanden, und das war auch der Startschuss fürs Buch, dass man mögliche Autoren und Autorinnen zusammenbringt, dass uns als Herausgebern das Konzept klarer wird, weil die Tagung hat natürlich auch noch dazu geführt, dass uns bewusst worden ist zum Beispiel Musik ist auch ein großes Thema bei den Spielen. Die Eröffnungsfeiern sind bekannt, aber es gibt natürlich mehr als wir jetzt. Musikkapellen und Brauchtumsgruppen Bei den Spielen gerade 64 hat ein wirklich hochkarätiges musikalisches Rahmenprogramm mit Wiener Philharmoniker mit Liederabend von Elisabeth Schwarzkopf gegeben, das so nicht präsent ist. Und das war zum Beispiel ein Erkenntnis der Tagung. Das ist ein Thema, das wir nicht abgebildet haben, und haben dann den Franz Krattel gewinnen können, dass er eben diesen Aspekt bearbeitet. Vielleicht. Jetzt bin ich sehr ausschweifend, schon grundsätzlich. Der Band heißt ja Olympische Winterspiele in Innsbruck. Vorgeschichten, Bedeutungen, Nachwirkungen. Und genau das sind eigentlich diese drei Felder, die uns wichtig waren zu beleuchten. Also es gibt Großveranstaltungen vor den Spielen, die Wettkämpfe in den dreißiger Jahren. Aber man kann natürlich auch die Frage stellen, inwieweit die großen Schützen und Turnfeste im 19. und frühen 20. Jahrhundert schon Vorläufer waren. Und genauso gibt es natürlich die Nachwirkungen baulicher Form, natürlich Olympiabrücke, olympische Dörfer, Bergiselschanze usw, ein Stadion. #00:05:11‑8#

 

Tobias: #00:05:11‑8# Bei. #00:05:11‑9#

 

Matthias: #00:05:12‑5# Olympia, Welt eben. Also es gibt auch diese Nachwirkungen und eben uns war es wichtig, wirklich einen breiten Blick auf diese, dieses Ereignis der Olympischen Spiele zu richten und auch ein bisschen kritische. Es gibt auch eine umweltgeschichtlichen Beitrag, dass man das auch ein bisschen kritisch beleuchtet, das Ganze und nicht nur sagt ja eh alles super und eh alles toll. #00:05:33‑9#

 

Tobias: #00:05:34‑3# Das heißt, de facto waren es jetzt mehr oder weniger, also PI mal Daumen zwei Jahre Vorlaufzeit bis zur Veröffentlichung. Kann man so sagen. Ja, der Matthias hat schon erwähnt, wir haben mit der Uni eine recht enge Zusammenarbeit für dieses Buch gehabt, also vor allem mit dem Wolfgang Meixner. Es hat auch noch weitere Verbindungen gegeben, auch bei einer der Tagungen, wo du Federführend warst. Joachim. Kannst du uns da vielleicht noch auch diesen Weg zur zur Uni sozusagen ein bisschen näher bringen? #00:06:00‑9#

 

Joachim: #00:06:01‑9# Na ja, wir versuchen eben, wie du schon gesagt hast, mit der Uni gute Zusammenarbeit zu haben, auf unsere Bestände aufmerksam zu machen. Einfach zu versuchen, Forschung bei uns auch zu fördern. Und innerhalb der Geisteswissenschaften war es vor paar Jahren auch so, dass man versucht hat, Vernetzung zu fördern, weil universitäre Forschung halt sehr viel auch Einzelkämpfertum ist. Und da haben Sie Historikerinnen und Historiker und die Kulturwissenschaftlerinnen zusammengefunden und haben auch ausgelotet, was sind eigentlich Themen, wo man zusammenarbeiten könnte, wo mehrere Leute Interesse daran haben. Und da hat sich der Sport als eines der Themen herauskristallisiert. Aktualisiert. Ich war damals auch eingeladen und wir haben dann überlegt, wie man da weiter zusammenarbeiten können. Und es waren dann zum Beispiel zwei Lehrveranstaltungen zur Sportgeschichte, die jeweils dann auch im Stadtarchiv recherchiert haben, wo man also zusammen geschaut haben, was gäbe es denn bei uns für Bestände, an denen Studierende arbeiten können? #00:07:15‑4#

 

Tobias: #00:07:16‑3# Es gibt ja auch mehrere Projekte, die jetzt für das Jubiläum geplant wurden und da durchgeführt wurden. Einerseits hören sich natürlich unsere, die unsere lieben Zuhörer den Podcast gerade, andererseits ist das die Publikation, was jetzt quasi erschienen ist. Dann gibt es noch eine virtuelle Karte, es gibt noch eine Olympia Rallye und auch die Uni hat ja meines Wissens mehrere Projekte gestartet und da gibt es ja auch eine Ausstellung hat es noch gegeben, wo ja auch wieder die Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv war. Eben Archiv für BaukunstGeschichte, glaube ich, heißt es. Ganz genau. Auf jeden Fall im alten Adambräu also klappt. Die Zusammenarbeit zwischen Uni und und der Stadt ist in der Hinsicht auch für Olympia glaube ich wieder recht gut gelungen. Würde jetzt mal sagen, außer ich würde mir da widersprechen. #00:08:03‑1#

 

Matthias: #00:08:03‑2# Nein, würden wir nicht. Ich glaube, dass das auch ganz wichtig ist. Also einerseits wir als Archiv, wir haben eben die Bestände, wie der Joachim gesagt hat. Aber wir haben nicht die Ressourcen, die Stadtgeschichte im Alleingang zu betreiben. Und umgekehrt ist es natürlich auch für die Universität wichtig, einerseits in der Community, sozusagen in wissenschaftlichen Kreisen präsent zu sein. Aber gerade so mit diesen Angeboten, die wir haben, die du jetzt auch erwähnt hast, Ausstellungen oder die Publikation Auch darüber hinaus haben historisch interessierte Menschen zu erreichen, die breitere Bevölkerung anzusprechen. Und genau das haben wir ja mit dem Buch versucht. Also es ist wissenschaftlich recherchiert. Alles was geschrieben ist, ist belegt. Aber es ist jetzt kein Hochwissenschaftliches Werk vom Stil her. Es ist reich illustriert und richtet sich, wie gesagt, eben an jeden und jede, die sich für dieses Thema Olympische Winterspiele im weitesten Sinne interessiert. #00:09:01‑6#

 

Tobias: #00:09:01‑6# Wir haben ja heute schon darüber geredet, dass du das Buch herzeigt hast und dann doch viele Bilder wieder Erinnerungen gleich wieder wachrütteln, sozusagen bei den Leserinnen und Lesern. #00:09:12‑6#

 

Matthias: #00:09:13‑5# Genau. Ja, also wir haben mal geschaut. Wir haben ja jede Menge Bildmaterial zu den Spielen. Ich glaube, da haben natürlich viele fotografiert. Wobei ganz interessant bei den privaten Fotos. Also ich weiß nicht, wie viele Fotos des olympischen Feuers wir haben. Gefühlt ist das also das Fotomotiv schlechthin für die Amateurknipser. Aber es hat natürlich sehr viele professionelle Fotografen bei beiden Spielen gegeben. Richard Frisch hat Friedl Murauer, aber auch Adolf Blumenthal, der in Garmisch sein Atelier gehabt hat, der zum Beispiel für die 64 Spiele Zahlreiche Farbphotographien hinterlassen hat, die über das Marktarchiv Garmisch zu uns gelangt sind und jetzt erstmals auch digitalisiert worden sind und zugänglich sind. Und es gibt das Ikonische Einerseits Es gibt einen Beitrag von Martin Kofler, der ja das Dub, also das Tiroler Archiv Photographie leitet, zu der zu den ikonischen Bildern und auch zu Neuentdeckungen rund um die Spiele. Ganz klar, mein Ziel ist ein so ein ikonisches Bild. Aber es gibt natürlich auch viel, was eben neu aufgetaucht ist, was man vielleicht so nicht am Schirm gehabt hat oder wo sich die Menschen dann erinnern können. Also es gibt einen Beitrag, wo ein Foto drin ist, wo man in der Wiener Rathaushalle, in der Volkshochschule, glaube ich, es ist in Wien. Da müssen wir nachschauen. Es gibt ein Foto, wo die Menschen dem Klammerzuschauen, sozusagen vor dem Fernseher, wie er da hinunter heißt. Und dann sind da die Menschen fotografiert, und da können sich natürlich viele wiederfinden. Also entweder haben sie es am Radio verfolgt, oder Es war das erste Mal, dass man vor dem Fernseher zusammen gekommen ist mit den Nachbarn im größeren Kreis. Wer einen Fernseher gehabt hat, das waren ja die Straßen praktisch leergefegt. #00:10:57‑2#

 

Tobias: #00:10:58‑5# Entschuldige, wenn jetzt dazwischen. Aber ich kann mich erinnern, dass es. Beim ORF gibt es auch noch Aufzeichnungen. Ich glaube, ich habe das. Ich habe das bei Ihnen. Ich glaube, das haben Sie Originalaufnahmen gleich beim Film verwendet, wo in Wien quasi die Straßen leer gefegt sind, weil da an dem Tag das Abfahrtsrennen war. Also das ist natürlich für ein Buch im Buch kann man das nicht nur schlecht wiedergeben. Filmszenen, aber das ist ja, also es würde ja wieder auf das sprechen, was du sagst, damit die Fotoaufnahmen aus den Klassenzimmern, da wo die vorm Fernseher sitzen. #00:11:28‑7#

 

Matthias: #00:11:29‑0# Genau. Also da ist in der Volkshalle des Wiener Rathauses, da hat man 18 Farbfernseher aufgestellt. Und eben das ist ein Foto, das eben Erinnerungen sofort weckt, ohne dass es jetzt irgendwie an Sportler zeigt, sondern eben die Menschen, die die Spiele miterlebt haben, anspricht. #00:11:46‑3#

 

Joachim: #00:11:47‑0# Und trotzdem ist es aus meiner Sicht so, dass es halt sehr viel an Pressefotographie gibt. Aber die Zahl der Privatfotos, die ich bei uns im Archiv gelandet sind, tendenziell eher gering ist. Also dass doch, gerade wenn, wenn man sich überlegt, es waren sehr viele Freiwillige im Einsatz. Von denen gibt es nur sehr wenige Fotos. #00:12:10‑4#

 

Tobias: #00:12:10‑5# Vor allem jetzt also 76, jetzt, vor allem bei 64 war ich, glaube ich, noch gar nicht so viel was. Privatfotografie also schon natürlich auch mehr, aber ich glaube, 76 wäre da wahrscheinlich noch mehr an privater Fotografie gewesen, oder? #00:12:23‑3#

 

Matthias: #00:12:24‑1# Na ja, ich meine, einerseits darf man nicht vergessen, man sieht es ja auch bei den Fotografien im Buch. Also viel ist noch Schwarz weiß Fotografie. Es war teuer, die Pressefotografen. Deswegen habe ich zuerst in Blumenthal so erwähnt, weil das wirklich was Außergewöhnliches, dass er so viel in Farbe gemacht hat. Weil die Pressefotografen in der Regel schwarz weiß fotografiert haben. #00:12:43‑3#

 

Tobias: #00:12:43‑3# Weil die Zeitung. #00:12:44‑3#

 

Matthias: #00:12:44‑7# Genau. Und mein Eindruck ist nur, dass man einiges am Braten Fotobeständen haben. Aber das ist dann halt meistens die Mama oder die Oma oben vor der Feuerschale am Bergisel im Stadion und im Hintergrund die. #00:12:58‑2#

 

Tobias: #00:12:59‑6# Privatfotos von meinem Mann. Also ich kann mich jetzt erinnern, weil die habe ich jetzt mal ausgegraben von meinem Urgroßvater war das glaube ich gibt es auch diese, wie du sagst, die klassischen Fotos der Familie von den Feuerschauen? #00:13:11‑6#

 

Matthias: #00:13:11‑9# Genau. Also das dürfte schon, wenn man es geschafft hat, irgendwo dabei zu sein, das zu fotografieren. Oder wir haben einen Bestand bekommen von der Familie Altenburger, die das bis jetzt vor 64, aber da sieht man dann halt auch die Personen, die hinströmen zu den Veranstaltungen. Aber dass man jetzt die Sportler selber fotografiert ist glaube ich da also wahrscheinlich. Also genau, die Technik war nicht, Foto war teuer. Also ich kann mich noch erinnern, so alt bin ich noch nicht. Aber dass wir um 2000, wenn wir im Urlaub waren, wenn man da noch ein, zwei Fotos selber mit der Kamera machen müssen, wenn die 36 Fotos gegeben hat. Das war einfach was Besonderes. Das ist noch nicht so lange her, dass man einfach Fotos so viel produzieren kann, wie man will. Mit Handy oder. #00:13:54‑0#

 

Tobias: #00:13:55‑1# Wenn es was Gescheites sein soll. #00:13:56‑2#

 

Matthias: #00:13:56‑3# Genau. Und ja. Oder man drückt halt zehn mal ab und meist nur weg, weil das auch nicht passt. Also das war bei beiden Spielen noch nicht der Fall und ich glaube, das dürfte auch ein Grund sein, wieso so statische Aufnahmen wie die Familie vor der Feuerschale eher gemacht worden sind. Oder bei der Eröffnungsfeier. Da gibt es einiges. Als wir jetzt wirklich von den Sportlerinnen und Sportlern selber in Aktion. #00:14:18‑1#

 

Tobias: #00:14:18‑6# Das heißt, wir können aber vielleicht jetzt sagen, dass das mit den Fotos jetzt auch nochmal auf den Punkt zu bringen. Es sind für das Buch dann doch noch einiges an, oder es ist einiges an Bildmaterial dann wieder zu uns gekommen ins Stadtarchiv. #00:14:33‑7#

 

Joachim: #00:14:34‑9# Einerseits sind neue Fotos zu uns gekommen, vor allem aus dem Bestand vom Richard Frischauf, die wir erworben haben Und andererseits waren die Olympischen Spiele natürlich und das Buch ein Anlass, auch näher auf unsere eigenen Bestände hinzuschauen. Und da war es so, dass einerseits den Überresten des Olympiamuseums Fotobestände waren und auch in den großen Aktenbeständen der Olympischen Winterspiele ein oder zwei Kartons vorrangig mit noch unbearbeiteten Fotomaterial waren. #00:15:09‑8#

 

Tobias: #00:15:10‑8# Bei den Olympiaakten, weil das ist ja schon angesprochen hast. Wir haben ja bei unserem oder in unserem Außenbau in der Feldstraße große Mengen an Papierakten, sowohl Spiele 64 als auch 76. Es ist eine fiese Frage, aber wie gut sind denn die überhaupt erarbeitet gewesen im Vorfeld zur Publikation? #00:15:34‑9#

 

Joachim: #00:15:36‑0# Das ist eine gemeine Frage, weil die könntest du wahrscheinlich am besten bearbeiten. (...) Dieser Bestand von den Olympischen Spielen umfasst in etwa 400 Aktenkartons. Und die sind eigentlich ohne Findmittel zu uns gekommen. Es gibt einen Band, der bisschen was erschließt, aber für lange Zeit sind die Kartons eigentlich in den Regalen geschlummert, ohne dass man jetzt gezielt suchen hat können. Vor mittlerweile 18 Jahren her sind sie mal in den Ferien von sehr fleißigen Praktikantinnen und Praktikanten mal rudimentär erschlossen worden, so dass man jetzt zumindest für die Faszikel, die sich drinnen befinden, einmal suchen kann. Aber sie sind rudimentär erschlossen worden und gerade die schon erwähnte Ausstellung zu den Bauten für Olympia hat gezeigt, wie viel man in diesen Karton eigentlich nur entdecken kann, wenn man da recherchiert. #00:16:43‑9#

 

Tobias: #00:16:44‑2# Also mit beide Spiele knapp 400 Kartons. Das ist eine wahnsinnige Menge an Papier. Wobei ja, man muss ja sagen, da ist natürlich alles, also alles. Aber ich kann mich schon erinnern, da ist ja von Rechnungen, von Angebotseinholungen, da muss man natürlich dann, also das ist nicht alles wahrscheinlich mehr hochinteressant, vor allem für also vor allem, wenn man für einzelne Themen ja wirklich spezifisch sucht, ist es natürlich schon noch immer noch viel Arbeit. Sich dann durch die einzelnen Sachen durchzuwälzen. #00:17:11‑8#

 

Matthias: #00:17:11‑9# Ist vielleicht auch noch ein Punkt, den man ansprechen kann, wenn ein Einer eine unter den Zuhörerinnen Zuhörern sagt Das ist ein Thema, das mich interessiert. Also es ist lange noch nicht ausgeforscht. Eben diese, diese Fülle an Material und das taucht ja auch immer Neues noch auf, also bei der Landespolizeidirektion, die ja auch ein historisches Archiv haben, da sind zum Beispiel die ganzen Unterlagen für 64 und 76 zu den Sicherheitskonzepten sKonzepten aufgetaucht. Also die haben sich komplett erhalten, sind ein paar Laufmeter Akten und das ist gar nicht. Also wir nach Nine Eleven usw. Klar, dass Terror und Schutz davor und Anschläge ein Thema sind, aber das war ja in die 60er Jahre schon mitunter dem. Also 64 sind wir mehr oder weniger Am Höhepunkt des Südtirolkonflikts 76 ist nach München 72. #00:18:04‑0#

 

Joachim: #00:18:04‑8# Nach dem OPEC. #00:18:05‑6#

 

Matthias: #00:18:06‑3# Und nach OPEC Anschlag. Genau. Also auch da hat es schon Bedrohungslagen gegeben, auf die natürlich die Exekutive und das Organisationskomitee versucht hat, bestmöglich zu reagieren. Vielleicht in Erinnerung ist noch der Zaun, der rund ums Dorf aufgestellt worden ist, das auch Bundesheer Soldaten mit Maschinenpistolen da patrouilliert haben. Aber das sind Aspekte, die ja so in der populären Wahrnehmung der Spiele nicht präsent sind, weil eben da sind die Sportler, da ist das Fest. Aber es gibt eben auch diese Seite, die einfach Großveranstaltungen mit sich bringen. #00:18:40‑4#

 

Tobias: #00:18:40‑6# Und vor allem Planungen, also Sicherheitsplanungen. Es heißt ja nicht, dass man die dann immer sieht. Also weil manches, also wie. #00:18:46‑7#

 

Matthias: #00:18:46‑7# Soll der Bürger ja nicht sehen oder. #00:18:48‑3#

 

Tobias: #00:18:49‑2# Aber vor allem auch die Planungen, also was dann wirklich passiert. Also es ist ja dann Gott sei Dank nichts gröberes passiert bei die Spiele. Aber geplant ist natürlich für gröbere Sachen, dass das nicht zur Umsetzung gekommen ist. Die Aspekte ist sehr spannend, hochspannend. #00:19:05‑0#

 

Matthias: #00:19:05‑0# Genau. Aber da gibt es noch Themen und Themenfelder, die sicher Beachtung verdienen, wo man auch tiefer schürfen kann. Vielleicht noch mal zurück zum Buch. Es ist nicht die Geschichte der Olympischen Winterspiele in Innsbruck, sondern es ist eine Geschichte, die versucht, möglichst breites Thema zu fassen. Aber damit ist es nicht erschöpft und erledigt jetzt, sondern im Gegenteil. Wir hoffen, damit Impulse zu setzen, dass die Auseinandersetzung sich noch intensiviert, dass man eben diese verschiedensten Zugänge zu diesem Thema Olympische Winterspiele in Innsbruck zieht und aufspringt. Vielleicht der eine oder andere und sagt Ja, das ist ein Thema, da möchte ich tiefer graben. Und da gibt es dann bei uns in der Feldstraße, aber eben auch bei anderen Institutionen sicher noch Quellen, die erst zu heben sein werden und die auch neue Erkenntnisse versprechen. #00:19:52‑5#

 

Joachim: #00:19:53‑6# Ein Beispiel für so Impulse ist für mich zum Beispiel auch der Beitrag von Silke Mayer, die sich mit den Erinnerungen von Freiwilligen beschäftigt und anhand von Interviews auswertet. Und gerade wenn man mit Menschen über die Olympischen Spiele spricht, dann wird deutlich, wie viele da als Freiwillige dabei waren und wie viele von so Erinnerungen sich in der Stadt noch geben muss. Und das wäre zum Beispiel ein Thema, wo ich mir denke, da ist noch unglaublich viel Potenzial drinnen mit Menschen zu reden. Und da dieser Blick hinter die Kulissen der damaligen Freiwilligen. #00:20:34‑2#

 

Matthias: #00:20:34‑4# Ja, also wenn man bei den Impulsen bleiben, würde ich weiter zurückspringen. Aber was ich grundsätzlich spannend finde, ist auch diese Frage, inwieweit eben diese erwähnten Schützenfeste und Turnfeste im 19. und frühen 20. Jahrhundert Sport eigentlich sind. Darüber kann man sicher noch intensiver forschen und diskutieren. Und gerade wenn man sich die Schützenfeste anschaut, da kommen ja wirklich 102030 und mehr 1000 Leute nach Innsbruck. Also was heißt das logistisch für eine Stadt, die Mitte des 19. Jahrhunderts 10.000 12.000 Einwohner hat, wo es vielleicht noch gar keine Eisenbahn gibt? Also wir haben eine Abbildung drinnen, wo die Schützen aus dem Oberental mit dem Floß kommen. Kann natürlich auch nur eine romantisierte Darstellung sein, aber ausgeschlossen wäre es jetzt nicht, dass ich oben auf ein Floß setzen und dann beim Landeshauptschießstand in Mariahilf sozusagen anlegen und ankommen. Es ist auch diese Facette des Schützenwesens, das man hat, ist immer für Gott, Kaiser und Vaterland. Das ist militärisch organisiert. Es geht um Landesverteidigung in Kriegsfällen. 1848 495966, 1915. Aber dass diese Schützen zumindest Lokalhelden, teilweise sogar über das Lokale hinaus waren, die da, die, die diese schießen gewonnen haben. Dass es da wirklich um hohe Preisgelder gegangen ist, das ist eigentlich eine Facette, die weniger präsent ist in der populären Wahrnehmung oder in der breiten Wahrnehmung. Und das finde ich schon auch etwas, was eben das Buch aufwirft, anreißt. Aber was man natürlich jetzt eben als Impuls zu verstehen hat und wo man noch mal genauer hinschauen könnte. Was heißt es? Und dasselbe Beim Turnen hat man ja auch eine Wandlung. Also damals sind es Massenvorführungen, möglichst im Gleichklang. Wir haben ja auch einige Fotos drinnen. Das ist natürlich eine Turnvorstellung, die man heute vielleicht noch irgendwie im Kunstturnen bis zu einem gewissen Grad hat, aber nicht, was wir jetzt landläufig mit Turnen verbinden würden. Und da hat natürlich die politische Dimension sowohl beim Turnen im 19. und frühen 20. Jahrhundert als auch bei den Schützen drinnen also schon ein spannendes Themenfeld, was man wirklich, also was da jetzt mal aufgerissen worden ist, aufgeworfen die Frage Und was. #00:22:45‑6#

 

Tobias: #00:22:46‑3# Wenn man mal vielleicht auch so grob abstecken, was jetzt? Mein Buch? Also ich glaube, es sind ja politische Themen, also grundsätzlich, wie Politik irgendwie Einfluss hat auf auf die Spiele. Es ist ja zu einem gewissen Grad abbildet das Umweltthema haben wir schon gehabt. Populär in dem Sinne von den, wie du gesagt hast, Joachim, mit den Freiwilligen, die ja in großer Zahl vorhanden waren, was die Silke abbildet, haben wir noch was drin. Was? Vielleicht wollte man nicht. #00:23:12‑8#

 

Matthias: #00:23:13‑0# Es geht auch um die Erinnerungskultur. Natürlich eben also diese Nachwirkungen. Da haben die Hanna, Fritz, der Joachim und ich einen Beitrag zum Olympiamuseum geschrieben, das Olympiamuseum. Denn genau das war eine Frage, die man recht oft gehört haben. Also es ist wirklich erstaunlich. Das Museum hat es hat gute zwölf Jahre gegeben, im goldenen Dachlgebäude, mitten im Herzen von Innsbruck. Und das ist irgendwie auch aus der Erinnerung, aus der Wahrnehmung verschwunden. Also viele Innsbruckerinnen und Innsbrucker will man, wenn man mit ihnen redet, sagen was, Das hat es auch gegeben, oder Das habe ich nicht gewusst. Oder wo war denn das? Und das ist ja doch auch eine Facette der Erinnerung Eben. Dass dieses Museum letztendlich gescheitert ist, hat verschiedene Gründe. #00:23:58‑2#

 

Tobias: #00:23:58‑2# Das können Sie dann nachlesen. #00:23:59‑7#

 

Matthias: #00:24:00‑0# Genau das kann man dann nachlesen. Aber es ist eben auch so eine Facette. Es gibt ja verschiedene Olympiamuseen in Lausanne ist das bekannteste. Aber es gibt auch an Austragungsorten, in denen zum Beispiel Museen und in Innsbruck hat man das auch versucht und es hat eben nicht funktioniert. Und ja. #00:24:16‑5#

 

Joachim: #00:24:17‑1# Das ist schon spannend eigentlich, dass Olympia so ein präsentes Thema ist, aber es keinen wirklichen musealen Erinnerungsort daran gibt. #00:24:27‑0#

 

Tobias: #00:24:27‑1# Weil ja doch immer und das haben wir ja noch gar nicht erwähnt, weil wir haben jetzt zwar die Winterspiele 64 und 76 erwähnt, aber es waren ja auch die Olympic Games. Es waren die, ähm. Ich glaube, zweimal waren es die. Die Paralympics waren in Innsbruck. Es soll ja die eigenen Deaflympics gibt es ja dann für nächstes Jahr. Wer das verfolgt hat in den in den Nachrichten der letzten Wochen. Also es ist ja nicht nur Winterspiele. Also Olympia ist ja in Innsbruck doch durch die Jahre oder Jahrzehnte eigentlich immer wieder präsent gewesen. #00:24:58‑0#

 

Matthias: #00:24:58‑4# Das ist es. Und gleichzeitig, das ist der letzte Beitrag im Band von Martin Schnitzer, der beleuchtet Ja, es hat ja auch Bestrebungen gegeben, nach 76 noch einmal Spiele nach Innsbruck zu holen, in unterschiedlichen Konstellationen. Aber die Bevölkerung ist eigentlich mehrheitlich dagegen gegen diese Veranstaltung. Und das ist ja auch irgendwie so ein einerseits und andererseits tragt man das nach außen so gern vor sich her. Olympiastadt Innsbruck oder eben Sportstadt Innsbruck. Aber es gibt da offenbar eben auch das Das Gefühl oder Desinteresse, vielleicht auch Skepsis. Und vielleicht ist ja auch bis zu einem gewissen Grad berechtigt, weil natürlich die Spiele auch mit Kosten verbunden waren. Auch die 76 Spiele, die ja unter diesem Schlagwort einfach die einfachen Spiele propagiert worden sind, letzten Endes natürlich trotzdem sehr viel Geld gekostet haben und auch zu einer Verschuldung der Stadt geführt haben. Man kann da immer wahrscheinlich trefflich streiten und wird zu keinem wirklich haltbaren Ergebnis kommen. Sind diese Maßnahmen Stichwort Olympia, Brücken usw Maßnahmen, die die Stadt sowieso gesetzt oder setzen hätte müssen, weil eben die Stadt sich entwickelt. Und Olympia ist da nur der Katalysator dafür, dass das passiert. #00:26:14‑1#

 

Tobias: #00:26:14‑7# Oder dass es schneller passiert. #00:26:15‑7#

 

Matthias: #00:26:15‑7# Oder dass es eben schneller passiert. Oder wer hätte sich die Stadt anders entwickelt? Ich meine, im Inntal ist da der Raum begrenzt. Es geht nur Richtung West und Ost. Im Prinzip, dass sich Innsbruck ausdehnt, weil sonst sind recht schnell die steilen Hänge da. Ja, also das sind so Fragen, die kann man nicht. Da gibt es kein schwarz weiß, sondern da kann man trefflich streiten. Aber das hat natürlich zu einer gewissen Skepsis beigetragen, die ja nicht nur auf Olympia ist. Also Fußballweltmeisterschaften. #00:26:47‑9#

 

Tobias: #00:26:48‑6# Song Contest. #00:26:49‑2#

 

Matthias: #00:26:49‑4# Song Contest oder so. Also es gibt offenbar eine Skepsis in der Bevölkerung und die bis zu einem gewissen Grad sicher auch ihre Berechtigung hat, dass man sagt Bringt das wirklich was, Wenn die Gesellschaft als Ganzes so viel Geld investiert? Ist dann die Mehrweg oder die Umwegrentabilität, die dann immer heißt ja, das kommt durch Touristen, durch Werbeeffekte usw eben wieder allen zugute. Ist das tatsächlich so oder nicht? Und wie lange dauert es, bis sich das amortisiert? Das sind natürlich Fragen, die man stellen kann soll und die die Bevölkerung zumindest in der Vergangenheit recht eindeutig mit einem Nein zu Olympia. Nein, Olympia nein. Aber eben, Es ist ja auch kein Phänomen, das nur bei uns gibt. Das ist ja tendenziell ja. #00:27:35‑0#

 

Tobias: #00:27:35‑1# Es war ja auch, also da könnte man ja, das ist ja genau wieder das Thema, wie in Innsbruck 76 zu den Spielen gekommen ist. Genau. Weil dann hat ja auch also die Bevölkerung, hat dann die Bevölkerung gesagt nein, das ist zu teuer, das wollen wir nicht. Und dann also so ist Innsbruck auch schon mal zu spielen gekommen. #00:27:49‑9#

 

Matthias: #00:27:50‑0# Und es gibt ja mittlerweile auch andere Modelle. Also man sieht es ja jetzt bei den aktuellen Spielen, dass also im Cortina Mailand und dann gibt es verschiedene Stätten. Man hat bei Fußball Europameisterschaften schon gehabt, dass es jetzt nicht ein Land oder Ort oder eine Stadt oder sonst was ist, dass jetzt dann die Hauptlast trägt, sondern dass man das aufteilt. Und vielleicht ist das auch ein Zugang, wie man so was in der Zukunft dann auch wieder umsetzen kann. #00:28:13‑6#

 

Tobias: #00:28:14‑0# Was wünschen wir uns jetzt? Zum Schluss natürlich, dass das Buch hoffentlich gern gelesen wird, dass Interesse geweckt haben. #00:28:20‑5#

 

Matthias: #00:28:20‑8# Vielleicht kann man schon sagen. Also noch zum Abschluss was man was wir versucht haben und was wir hoffen, dass es uns gelungen ist. Dass es ein Buch ist, das man gern zur Hand nimmt, ist eben auch entsprechend illustriert ist, das Erinnerungen zurückbringt, das aber auch Neugierde weckt bei der jüngeren Generation, das vielleicht auch Anstoß liefert, sich eingehender einem Thema zu widmen. Und das einzige, was man jetzt vielleicht nicht so sehr drinnen findet, finden wird, weil da gibt es eben schon die Bücher dazu sind die Daten Fakten zu den Wettbewerben. Also es hat ja sehr viele populäre Publikationen rund um die Spiele gegeben. Annemarie Moserpröll hat ein Buch gemacht. Ich glaube, der Karl Schranz hat ein Buch gemacht. Da stehen dann alle drinnen mit ihren Zeiten mit. Wie die Wettbewerbe im Einzelnen abgelaufen sind, wie sich die Sportlerinnen und Sportler geschlagen haben. Um das geht es uns weniger bei dem. Das ist vielleicht das Einzige, was man dazu sagen sollte, dass keiner enttäuscht ist, dass jetzt nicht die die Zeiten vom Abfahrtslauf am Patscherkofel im Detail drinsteht und wo Bernhard Russi die entscheidenden Zehntel liegen hat lassen oder Klammer rausgeholt hat. Sondern es geht uns wirklich um den Rahmen der Spiele. #00:29:31‑3#

 

Tobias: #00:29:31‑5# Und wenn Sie diese Fragen aber trotzdem interessieren im Stadtarchiv, wenn Sie kommen und das Buch sich zu holen zum Beispiel, also das gibt es bei uns im Webshop, das gibt es bei uns im Stadtarchiv an, da an der Kassa zu holen. Aber bei uns gibt es ja auch die Möglichkeit, eben in den offiziellen Berichten zu schmökern, sich die Publikationen aus der Zeit durchzusehen. Also das würde dann den Besuch quasi könnte man bei einem Besuch verbinden, dann bei uns im Stadtarchiv bleibt mir eigentlich nur mehr zu sagen Danke Matthias, Danke Joachim für die Zeit. #00:30:02‑8#

 

Joachim: #00:30:02‑8# Danke für. #00:30:03‑5#

 

Tobias: #00:30:03‑5# Die Einladung und ich freue mich schon auch selbst noch mehr im Detail das Buch durchzulesen. #00:30:08‑3#

 

Hanna: #00:30:10‑6# Das war unsere Folge mit den Herausgebern des Olympiabuchs. Nächste Woche sprechen wir mit der ersten Person des legendären Duells am Patscherkofel, dem Schweizer Bernhard Russi. #00:30:22‑5#

 Bernhard Russi

Bernhard Russi

Stadtarchiv Innsbruck

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Transkript

Fanfare mit Lautsprecherdurchsage: 50 Jahre Olympische Winterspiele 1976. #00:00:13‑4#

 

Hanna: #00:00:21‑5# (...) Hallo und herzlich willkommen zur siebten Folge der Podcastsendung 50 Jahre Olympische Winterspiele 1976. Bei den Spielen in Innsbruck gab es ein Duell, das wie kein anderes polarisierte. Gemeint ist natürlich das Abfahrtsrennen zwischen Bernhard Russi und Franz Klammer am Patscherkofel. In dieser Folge blicken wir zuerst aus der Sicht des Schweizers auf das Rennen und die Spiele ganz allgemein. Dabei gibt uns Bernhard Russi zum Beispiel auch Einblicke über seine penible Vorbereitung und welchen Stellenwert die Spiele in Innsbruck für ihn einnehmen. Nach einer kurzen Einspielung geht es gleich los. #00:00:59‑7#

 

Tobias: #00:01:11‑6# (Musik) Lieber Herr Russi, ich bedanke mich sehr herzlich, dass Sie heute den Weg nach Innsbruck gefunden haben, um mit mir über die Olympischen Winterspiele von 1976 zu sprechen. #00:01:20-7#  

 

Bernhard Russi: #00:01:20-8#  Ist mir eine Ehre. #00:01:21-8#

 

Tobias: #00:01:22-1# Das ist zu viel der lobenden Worte. Nun sind wir noch nicht durch. Ich frage immer ganz gern am Anfang, was denn die prägendste Erinnerung oder das erste ist, was von den Spielen im Hinterkopf bleibt. Ich glaube, bei Ihnen ist die Frage wahrscheinlich sehr offensichtlich, dass das das Rennen sein wird. Aber ich überlasse es Ihnen trotzdem einmal. #00:01:43-9#

 

Bernhard: #00:01:44-1# Es ist ganz klar, Sie sind es. Ich sage jetzt einmal die letzte halbe Minute der Fahrt von Franz Klammer, weil klar, ich habe hier meine Fahrt auch mitbekommen, aber die Fahrt vom Franz. Die ist natürlich schon gestochen scharf, in meinem Gedächtnis, weil sie halt Match entscheidend war, weil es sehr wahrscheinlich die spannendste sportliche Erinnerung ist, die ich je erlebt habe. Und auch der spannendste Moment und für mich Klar habe ich auch Gold gewonnen vorher. Aber ich muss sagen, dieses Rennen 76, das hat alle Grenzen geschlagen. Also in jeder Beziehung, von der Spannung her, von den Zuschauern, von den, von der Dramaturgie, von der Regie. Man kann es nicht besser beschreiben. #00:02:42-8#

 

Tobias: #00:02:43-1# Ich will dann gesondert auf das Rennen eingehen. Ich würde aber gerne noch ein paar andere Sachen eben vorab nur darüber sprechen. Sie haben es schon angesprochen Sapporo Gold 72, Da hat natürlich Österreich auch wieder seine Erinnerungen an Sapporo. Das können wir jetzt lassen wir außen vor. Mit der Nichtzulassung. Was, glaube ich, zwar nicht ganz unwichtig war, dann für 76 auch ich glaube für viele Menschen glaube ich schon im Hinterkopf war diese also quasi Ausschließung vom Schranz. Aber nachdem man schon Gold hatte, ist es nimmt das ein bisschen den Druck weg, bei weiteren Spielen zu performen. Wissen Sie, wie ich mein. #00:03:26-1#

 

Bernhard: #00:03:26-9# Ja, ich glaube, wenn man eine Karriere hat und an der Spitze mitfährt und für Olympische Spiele Favorit ist und es dann nicht gelingt, dann kann das zur Belastung werden bei weiteren Spielen. In dem Sinne kann ich sagen Ja, ich glaube schon. Wenn man eine zu Hause hat, dann  ist es einfacher, dann wird es wirklich zu einem Spiel und das sind dann die Details. Aber was man nicht vergessen darf Zwischen 72 und 76 sind vier Jahre. Das sind. Das sind Welten. Da geschehen. Das geht. Das gibt Enttäuschungen. Das gibt schöne Momente. Es gibt Erfolge, es gibt Misserfolge. Das ist nicht so nahe beisammen, wie man immer glaubt. Also am Morgen des der Olympischen Spiele hier in Innsbruck 76, da war Sapporo kein Thema. Auch nicht im Kopf. Auch nicht in den Gedanken, weil da waren halt die Rennen zuvor und die Jahre zuvor und die Entwicklung. Und da kam dann auf einmal dieser Klammer und. Und dann steht man Ja. Dann ist es ein Rennen. Ein wichtiges, ein sehr. Ein verdammt wichtiges Rennen. Wie? Wie andere Rennen auch.#00:04:50-1#

 

Tobias: #00:04:51-1#  Es war ja zwischenzeitlich ja auch in diesen vier Jahren dazwischen auch nicht von Anfang an klar, dass es Innsbruck ist. Es wäre ja Denver eigentlich Austragungsort gewesen. #00:05:00-1#

 

Bernhard: #00:05:01-1# Habe ich komischerweise gar nicht auf meinem Radar. #00:05:04-1#  

 

Tobias: #00:05:04-4# Das wäre eben meine Frage gewesen. Ist das für deine Vorbereitung?  #00:05:07-7#

 

Bernhard: #00:05:08-1# Nein. Also ich meine, ich habe das klar man liest das und man bekommt das mit. Das einzige, was, was bei mir ganz, ganz wichtig war. Ich habe 1974 so einen Karriereschnitt gehabt, also da, wo ich auf einmal so ein bisschen ein Tief gehabt habe und gedacht, es muss sich was ändern. Und das war natürlich schon Fokus Innsbruck 76, also 74, und ich habe, ich weiß nicht, die Geschichte kennt man eigentlich nur ganz knapp. Ich habe gesagt okay, was mache ich? Ich ändere mein Umfeld. Ich wechsle den Ski. Das ist ja das Wichtigste beim Skifahren. Und dann kam für mich die Frage Wechseln? Ja, etwas Neues. Wohin? Was? Dann habe ich mir gesagt, ich muss ins Tirol. Ich gehe nach Kufstein. Kneissl wird alles daran setzen, dass wir in Innsbruck den besten Ski haben. Und ob man es glaubt oder nicht ich habe zu Kneissl gewechselt, ohne eine Kurve mit den Ski zuvor gemacht hab. Ich habe die Ski nicht getestet. Ich war. Ich war überzeugt. Gut, Ich habe natürlich die Resultate gesehen der Jahre zuvor. Und Kneissl war damals immer vorne dabei mit bei den schnellsten Abfahrtski. Und das war für mich eigentlich genug. Ich war mit der Sache so sicher. Dann, wenn man mit einem Herrn Kneissl, Franz Kneissl zu tun hat, dann kann man am Ende am Ende gar nicht anders. Es geht nicht anders. Aber zurück zu Olympia 76. Ja. Nein war woanders. Das, das habe ich eigentlich nur aus den in der Geschichte nachlesen können. Ich glaube nicht, dass ich den Moment erkannt habe, wo Innsbruck die Spiele zugeteilt bekommen hat. Das kann ich mich nicht erinnern. #00:07:11-1#

 

Tobias: #00:07:12-1# Ich kann mir aber vorstellen, dass ja die Entscheidung oder die Austragung Innsbruck sicherlich positiv aufgenommen worden ist, weil man natürlich zur Schweiz Die Fans können kommen, Familie kann leichter anreisen, wie wahrscheinlich dann die USA. #00:07:26-8#

 

Bernhard: #00:07:27-1# Für mich persönlich war es natürlich. Ich meine, Ich habe natürlich die 64 Spiele ganz nah mitverfolgt. Natürlich als. Als Fan, als Fan der Schweizer selbstverständlich. Und ich war ein bisschen Franzosenfan. Warum weiss ich immer noch nicht. Aber egal. Also waren diese Spiele waren schon sehr nahe für mich und deshalb war es natürlich nur ein Copy Paste für mich. Wir gehen wieder nach Innsbruck. Die Spiele waren schwierig, sehr schwer, Schneemangel usw aber waren fantastisch. #00:08:04-1#

 

Tobias: #00:08:05-1#Und noch ein paar Fragen, vielleicht zur Vorbereitung in Innsbruck. Also Sie waren mit der Mannschaft einquartiert im olympischen Dorf. Gibt es da noch mit? Haben Sie. Mit wem haben Sie denn das Zimmer geteilt? Wissen Sie das noch? Oder gab es sogar ein Einzelzimmer? #00:08:19-8#

 

Bernhard: #00:08:22-1# Gute Frage. Das ist doch nicht. Es ist doch nicht alles so präsent, wie man immer meint. Aber die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass ich das Zimmer mit dem Walter Tresch geteilt habe. Ich glaube, mit Walter Tresch habe ich das Zimmer geteilt. Wir waren immer zusammen. Ich glaube nicht, dass wir den Luxus auf Einzelzimmer hatten. Ich will sagen, ich gehe sogar so weit. Man wollte gar nicht alleine sein. Das war kein Wunsch. Wenn du alleine im Zimmer bist, dann grübelst du. Und dann? Dann. Das ist. Das ist nicht gut. Ich glaube, die Doppelzimmerbelegung ist eine. Eine richtig gute Sache. Kumpelmäßig. Vorausgesetzt, dass der andere nicht so schnarcht die ganze Nacht, dass du nicht schlafen kannst. Aber ich würde es einmal mit 99 Prozentiger Sicherheit sagen. Ich habe mit Walter das Zimmer geteilt. Im olympischen Dorf. Auch ein Punkt. Ich glaube, es war schon damals die Überlegung, ob wir irgendwo sonst wohnen würden, außerhalb des Dorfes. Nebst den finanziellen Belastung für den nationalen Verband wäre gekommen, dass man. Man hat sich mehr Ruhe erwartet und so und wir wollten nicht. Also ich. Ich finde, ich habe zwei Spiele gemacht und da war das olympische Dorf mit dabei. Und ein ganz wichtiger Punkt für den Olympischen Gedanken. Nicht unbedingt aber für das Erlebnis Olympia. Ich meine, wenn du im gleichgroßen im riesen Speisesaal neben den Eishockeyspielern, den Bobfahrern, zwischen der Eiskunstläuferin und was auch immer das ist schon faszinierend. Für einen jungen Sportler ist das wirklich faszinierend. #00:10:07-8#

 

Tobias: #00:10:08-1# Das wäre schon einleitend meine nächste Frage, wie da der Kontakt war. Ich habe mit mehrere schon gesprochen. Im Speisesaal, im großen Speisesaal ist natürlich da gibt es Schnittpunkte, Kontaktpunkte. Das denke ich. Als Sportler hat man ja doch sehr gefeiert, oder? Oder auch nutzen können, oder? Oder war man dann doch wieder stückweise in seine Grüppchen sozusagen? Oder hat man zumindest mit der eigenen Nation unter Anführungszeichen? #00:10:37-7#

 

Bernhard: #00:10:37-9# Ja, also es war schon. Die Gruppe war schon also man Mann ist natürlich auch miteinander essen gegangen. Das Mittagessen war eh nach dem Training oder usw, aber Nachtessen war dann halt um 7:00 Uhr und dann war man dort. Aber spätestens bei der Nachspeise hat man dann Platz gewechselt und hat sich mit den anderen ein bisschen vermischt. Also das war schon gut. #00:10:59-9#

 

Tobias: #00:11:00-1# Ja, Gibt es noch sonst Erinnerungen an die? An die, an die Unterkunft, oder. #00:11:04-8#

 

Bernhard: #00:11:05-1# Nein, nein, nein. Nicht. Es gab einen. Also, ich. Komisch, wenn ich an die Unterkunft denke, dann sehe ich mich in meinem Zimmer Fernseh schauen. Die Eröffnung der Olympischen Spiele. Die Eröffnung. Ich habe die Eröffnung vier Jahre zuvor miterlebt. Ein ganz, ganz wichtiger Punkt. Ein Höhepunkt in einem Sportlerleben und wurde dann als Fahnenträger der Schweiz auserkoren für Innsbruck und wir hatten ja genau am nächsten Tag. Am nächsten Tag war die Abfahrt. #00:11:45-1#  

 

Tobias: #00:11:46-1# 5. Februar, Ja. #00:11:46-9#  

 

Bernhard: #00:11:47-1#   Also als erste Disziplin und gleich danach. Und ich. Ich bin sehr emotional bei solchen Sachen und ich habe mir einfach gedacht, wenn ich da noch Fahnenträger mache, dann sind die Emotionen so stark, da geht mir Energie verloren und habe mich dann bedankt für das und habe mich dann im Zimmer vor den Fernseher gesetzt und da kommt der Klamme rein mit der Fahne. Ich habe geglaubt, das gibt es nicht, dass das gibt. Das ist ja nicht möglich. Der spinnt, oder? Jetzt habe ich mir gedacht, weshalb tut er sich das an? Ich weiß im Nachhinein, dass es für ihn genau das Gegenteil war. Aber kann ich gut erklären, weil es waren für ihn die ersten Olympischen Spiele und das war das gleiche wie für mich in Sapporo vier Jahre zuvor. Ich nehme ihm das ab, dass er durch das wirklich Energie geladen hat. Ich. Ich konnte es nicht glauben, dass er das war. In diesem Moment. Das habe ich. Ich spüre noch diese. Diese, diese. Dieser Druck in diesem Zimmer. Das war ein bisschen dunkel, weil es war ja vielleicht gegen Abend, oder Ich weiß auch nicht, Ende Nachmittag. Ah ja, Das ist eigentlich das einzige Erlebnis. Ich kann mich nicht an den Speisesaal erinnern.Das Essen war anscheinend nicht so wichtig. #00:13:05-9#

 

Tobias: #00:13:06-1# Es hat zumindest nicht negativ in Erinnerung. #00:13:09-1#

 

Bernhard: #00:13:09-1# Nein, nein, nein, nein, nein. Es war. Es war. Es war alles perfekt. #00:13:12-1#

 

Tobias: #00:13:13-1# Bevor wir dann jetzt dann auch schon bald zum Rennen übergehen, Haben Sie noch andere Sportarten verfolgt? Nach Möglichkeit. Nachdem die Abfahrt. Ja. Relativ. Also mehr oder weniger mit die erste Disziplin war, hat man dann den Rest der Spiele auch die Zeit genutzt noch. Ich sage jetzt mal, Eishockey ist immer recht beliebt gewesen zu der Zeit Auch die also andere Kumpanen quasi zu verfolgen bei deren Disziplinen. #00:13:42-1#

 

Bernhard: #00.13:42:-3# Ich habe Eishockey zwei, drei Spiele gesehen. Was ich immer sehen wollte, ist Eisschnelllauf. Ich fand Eisschnelllauf immer so spektakulär. So, dieser Kampf in dieser Ruhe. Dieses Gleiten über das Eis. Und dann fand ich immer sehr spannend. Was habe ich gesehen? Ja klar. Ich war dann natürlich beim Riesenslalom war ich oben. Ja. #00:14:09-1#

 

Tobias: #00:14:10-1# Das haben Sie aber dann immer live vor Ort verfolgt. #00:14:12-1#

 

Bernhard: #00:14:13-1# Ja, klar, klar. Klar. #00:14:14-1#

 

Tobias: #00:14:15-1# Sollen wir schon zur Abfahrt schreiten? #00:14:16-9#

 

Bernhard: #00:14:17-1# Ja, klar. #00:14:17-9#

 

Tobias: #00:14:18-1# Wir kommen fast nicht vorbei. Wie fühlt man sie denn? Also, das ist eine blöde Frage. Wie fühlt man sich Minuten vor dem Rennen? Natürlich angespannt, ist eh klar. Aber wie geht man denn auch geistig damit um? Es ist der Druck natürlich enorm. Man geht als Favorit ins Rennen. Wie findet man dann sich selber? Oder wie kommt man dann? Oder wie kann man sich konzentrieren, um einen guten Lauf zu finden? #00:14:46-9#

 

Bernhard: #00:14:47-1# Was wichtig ist, ist der Weg dahin. Wie wird man über. Wie kommt man überhaupt in die Situation, dass man am Tag X am Start steht und von den anderen als Favorit angeschaut wird? Und dann noch wichtiger, dass man sich selbst zutraut, zu den Favoriten zu gehören. Und der Weg dahin. Ich meine, man kennt die Geschichte. Der Franz hat diese Disziplin dominiert, Jahre zuvor. #00:15:19-1#

 

Tobias: #00:15:20-1# Sie selber ja auch. Also Sie selber haben ja auch sehr gute Erfolge in den Anfang der 70er gehabt. Also ich will jetzt gar nicht.  #00:15:26-8#

 

Bernhard: #00:15:27-1# Ja, klar. Also es ist eine. Es ist eine andere Ausgangslage. Nur einen kleinen Sprung zurück. Sapporo. Da war ich Welt Nummer eins. In der Weltrangliste war ich Welt Nummer eins. Da hat es für mich. Ich habe es nie gesagt, aber er hat für mich nur den Sieg gegeben. Er hat nur den Sieg. Hat für mich gezählt. Ich habe alles getan. Da könnte ich ein Buch schreiben, was ich alles gemacht habe und nicht gemacht habe für dieses Sapporo. Aber Innsbruck zurück. Du hast im Vorfeld ein, zwei Jahre zuvor, hat sich diese diese Dominanz von einem vom besten Abfahrer , den es je gegeben hat. Die hat die, die hat sich ganz klar herausgestellt. Ich war ja schon ein Jahr zuvor auf dieser Piste Zweiter. Also die vorolympischen, wenn man so will, ganz knapp. Aber ja, wiederhalt  Zweiter hinter ihm und dann kommt der ganze Winter wieder verläuft also mal dieser usw und dann kommt Wengen und dann kommt Kitzbühel. Und so weiter und so fort. Und das steigert sich das. Und ich würde sagen, auf der Anreise hier nach Innsbruck. Ich war Realist. Ich wusste, gewinnen kann man immer. Kommt darauf an, wie schnell die anderen fahren. Wenn die ein bisschen Fehler machen, dann bist du dabei. Aber ich habe mich jetzt auf der Anreise nicht als Topfavorit gefühlt. Ich habe gewusst, es ist möglich, eine Medaille und ein gutes Resultat zu fahren. Aber die Trainings haben dann was auf einmal was anderes gebracht und und auf einmal habe ich gespürt, Verdammt noch mal, es geht. Das liegt mir, das liegt mir wirklich. Die Piste ist sehr schwer, die war brutal schwer und ich habe gewusst, das Rennen wird noch schwerer, weil es ist kalt geworden in der Nacht. Es war ein Eisfeld war. Ein Eisfeld ist zu zahm gesagt ist es ja, Es war Rock'n'Roll. Es war Rodeo und alles zusammen. Und dann kommst du auf einmal in die Situation. Jetzt geht es um alles und es ist alles möglich. Und da hatte ich schon meine gewissen Erfahrungen in dem Sinn, dass ich wusste, es gibt verschiedene Punkte, die wichtig sind. Die Vorbereitung muss stimmen. Du musst am Start sein und dir selbst sagen können Ich habe nichts ausgelassen, um bereit zu sein. Das konnte ich. Und dann kommt der zweite wichtige Punkt. 100 % reichen nicht. Du musst irgendwo was finden, weil alle fahren 100 %. Und zwei, drei denen gelingt es. Und wenn du nicht über dieses Limit gehst, dann kannst du nicht Olympiasieger werden. Das habe ich in Sapporo gewusst. Und ich habe das auch hier in Innsbruck gewusst. Und so, jetzt vielleicht zum Druck. Das lernt man natürlich schon. Also ich meine, wenn du in Kitzbühel runter musst, dann der Druck auch da. Der Druck ist angenehmer, wenn du Favorit bist, als wenn du nicht Favorit bist. Wenn du nicht Favorit bist, dann ist der Druck der Verletzung die Angst, der Verletzung. Die ist dann, die hat dann Oberhand. Das ist schlimmer als Angst vor dem Verlieren, oder? #00:19:04-1#

 

Tobias: #00:19:04-7# Ja, okay. #00:19:05-1#

 

Bernhard: #00:19:06-1# Und Angst vorm Verlieren hatte ich in dem Sinn eigentlich nicht. Wie gesagt, es ist einfacher, an den Start zu gehen, wenn du zu Hause schon eine in der Schachtel hast. #00:19:14-1#

 

Tobias: #00:19:15-1# Ist es auch einfacher, wenn man weiß, man hat eigentlich gegeben, was geht und man ist versucht sein Limit auszugrenzen und es hat aber nicht gereicht, ist es dann eben auch nicht so schlimm, weil man weiß, man hat alles versucht. Spielt es auch mit rein oder. Oder ist es dann weniger? Oder wenn man weiß, man hat sich vorbereitet. #00:19:40-1#

 

Bernhard: #00:19:40-7# Aber das gehört, das wäre dann die Analyse. Okay, nach dem Rennen, was denkt man nach dem Rennen? Ich meine, wenn du. Wenn du Zweiter bist. Ich habe dann immer gesagt, Ich habe. Ich habe hier nicht die Goldmedaille verloren. Ich habe die Silbermedaille gewonnen. Und es gibt einen ganz, ganz wichtigen und klaren Grund, warum es so rausgekommen ist. Ich bin Zweitbester. Ich bin zwar Zweitschnellster, aber irgendeiner hat halt auf den letzten 30 Sekunden noch etwas ausgepackt. Dass das nicht verantwortbar. Hätte bestraft werden müssen? Nein. Aber am Schluss Schluss, Schluss. Logisch. Und. Und diesbezüglich glaube ich nicht, dass man jetzt hergehen kann und analysieren könnte und sagen Boah, ich habe da was falsch gemacht oder ich hätte was anders machen. Ich hätte die Kurve besser fahren müssen. Meine Güte, Aber ich habe andere Kurven weiter oben auch nicht perfekt gehabt und war schneller als der Franz. Also nein, das nicht. Ich glaube wichtig ist das, dass man in so einem Moment so in einem labilen Gleichgewicht dahinschwebt, dass die halbe Stunde vor dem Rennen, Stunden vor dem Rennen. Dann geht es näher und näher und näher. Und das ist so ein labiles Gleichgewicht, das ist so ab und auf und ab oder wieder mutig und dann wieder. Und dann sieht man wieder irgendeine Stelle, denkt Wie soll ich das denn heute? Aber das ist, das ist, das ist auch ein bisschen Routine. Was ganz, ganz wichtig war an diesem Rennen, hat es vorher nie gegeben, nachher auch nie. Ich hatte Nummer drei, dann gehst du mit der Nummer drei wenn die Rufen Nummer eins an den Start, dann gehst du auch. Das war so ein Zelt, oder? Dann gehst du auch ins Zelt. Die Nummer eins ist weg und ich bin schon bereit. Also, der Servicemann hat mir schon die Ski an die. Ich bin schon in die Ski eingestiegen und war gerade dabei, die die Schnallen zuzumachen. Dann kommt der Franz herangebraust. Ohne Ski. Einfach so. Er hatte die 15. Kommt auf mich zu, Schaut mit seinem, er hat so  diese Starre, der starre Blick hat er. Und schaut mich an, zieht den Handschuh aus und gibt mir die Hand und sagt: Viel Glück. Und ich meine, das ist schon. Das ist schon etwas, was unglaublich ist. Das war Intuition von ihm. Das hat er. Da war kein Plan vorhanden. Und ich würde sagen, mit dem hat er. Mit dieser Aktion hat er mir noch etwa 5 % mitgegeben, Zusätzlich. #00:22:21-1#

 

Tobias: #00:22:21-9# Zusätzlich? Ich wollte gerade fragen ist es dann mehr? #00:22:24-1#

 

Bernhard: #00:22:25-1#  Schon. Also auf der einen Seite, das Gute ist, das gibt dann etwas in diesem Moment, in diesem spannenden Moment, wo du sowieso ein bisschen mit dem Gleichen, mit dem, mit diesem labilen Gleichgewicht kämpfst und eigentlich lieber raus möchtest als jetzt noch warten, noch eine Minute warten. Aber das mit dem hat er diesen Prozess ganz kurz unterbrochen und das war gut. Ich finde es. Ich finde es war gut. #00:22:54-1#

 

Tobias: #00:22:54-4#   Jetzt meine Nachfrage zu dem, weil es gibt ja dann natürlich das markante Foto im Zielhang dann wo sie dann dem Franz natürlich im Gegenzug gratulieren hat dass das auch irgendwo schon beflügelt. Oder ist das dann? Es war dann schon in Interviews haben Sie dann gesagt, Sie sind unten dann schon an Franz Klammer Fan gewesen, wie er quasi, also natürlich mit einem weinenden Auge schon immer noch, weil. lange Zeit ja noch Erster, dann zum Schluss hinaus vielleicht, dass man auch darüber noch mal kurz sprechen. #00:23:24-1#

 

Bernhard: #00:23:25-1# Erstens einmal das Rennen. Wenn du dann unten bist, dann gibt es schon eine gewisse Selbstanalyse und du siehst dort und da und da bin ich weg von der Linie. Aber auch da die Erfahrung. Ich hatte bereits die Erfahrung, dass wenn du schnell sein willst, musst du einige Fehler gemacht haben, sonst bist du nicht schnell. Wenn du übers Limit gehen willst, dann geht das nicht anders. Und ich bin wirklich. Ich habe die Intuition spielen lassen. Ich hatte zwar einen Plan, wie ich alle Kurven fahre und die Sprünge und so, aber weit gefehlt. Ich meine, du musst fähig sein, mit offenen Augen das Gefühl haben für das Tempo, das Gefühl haben für die Situation. Und wenn du ein Loch siehst, eine kleine Abkürzung irgendwo. Wenn das nur ein halber Meter oder 1 Meter ist, früher, dann musst du sie nehmen. Mit dem Resultat, dass du bei der nächsten Kurve zu spät bist oder zu weit rechts oder zu weit springst und so und diese Analyse habe ich schon sofort gemacht. Aber mit der Nummer drei Bestzeit heißt natürlich gar nichts, oder? Aber die Zeit, die Zeit war schneller als alle Trainingsläufe während der ganzen Woche. Und das hat schon auch was ausgedrückt. Und da kam dann einer nach dem anderen. Dann kommen die. #00:24:46-1#  

 

Tobias: #00:24:47-1#   Und alle weiter hinten. #00:24:48-1#  

 

Bernhard: #00:24:48-2# Da kommen die, wie sie alle heißen. Der Roux von unserer Mannschaft. Berthod, Tresch und das gab mir dann schon so ein bisschen ein Gefühl Wo stehe ich? Weil ich weiß, dass ich gegenüber weiß nicht. In der Vergangenheit wusste ich, dass ich gegenüber dem René Berthod eine Sekunde schneller sein muss, wenn ich eine Chance haben will. Und so ging es halt vorwärts bis und dann. Dann beginnst du auf einmal zu rechnen. Da könnte ich eine Medaille geben. Oder es sind noch drei oben. Oder noch zwei. Dann habe ich vielleicht eine Medaille. Und dann kommt der Franz als Letzter der ersten Gruppe. Eigentlich. Und damals war es schon so, dass die ersten 15 machten in der Regel einen Sieg unter sich aus. Und dann ist er bei der ersten Zwischenzeit hinten, zweiten hinten, dritten hinten. Und diese 60.000 Zuschauer, der Berg hat gezittert hat gefiebert. Und ich saß unten. Und ich bin. Es ist schwer zu erklären. Ich wurde eine gespaltene Persönlichkeit. #00:25:52-1#

 

Tobias: #00:25:52-2# Bis zum heutigen Tag. #00:25:53-5#

Bernhard: #00:25:53-6# Ja, ich will. Ich meine, klar wäre das wunderschön, wenn du das nochmals machen kannst, aber auf der anderen Seite habe ich realisiert der Franz darf nicht verlieren. Ich wollte gewinnen, aber der Franz darf nicht verlieren. Und so gesehen. Also bei der letzten Zwischenzeit nach hinten war. Ja, dann. Ich wusste nicht so richtig. Soll ich mich jetzt freuen oder soll ich? Also ich. #00:26:20-1#

 

Tobias: #00:26:21-1# Ich kann mir schon ein bisschen reinversetzen, weil ja das ganze Ambiente. Also wir sind auf österreichischem Boden. Die Fans schreien natürlich. Da geht es rund. Er ist ja, also er ist ja Favorit gewesen, er war ja Weltranglistenerster zu der Zeit. #00:26:36-9#

 

Bernhard: #00:26:37-1# Ja, ja unangefochten klar. #00:26:39-1#

 

Tobias: #00:26:40-1# Und die Hoffnung war einfach, die Hoffnung einfach in der Bevölkerung ist einfach so hoch. Das nimmt man dann lokal, so blöd es klingt #00:26:46-1#

Bernhard: #00:26:47-1# In Österreich die ganz klare Goldmedaillenhoffnung am ersten Tag, am ersten Wettkampftag. Ich meine, der Druck kann nicht größer sein und der Berg hat gezittert. Wirklich. Der Berg hat gezittert und wenn es ab und zu auch so, sagen wir physikalisch oder so, könnte man sich überlegen, wenn 60.000 Menschen den gleichen Wunsch haben. Das gibt eine magische Kraft, oder? Und ich kann mir schon vorstellen, wenn mir das jemand beweisen könnte, würde ich ihm das sofort abnehmen, dass es gar nicht anders geht. #00:27:27-1#

 

Tobias: #00:27:27-8# Ich könnte mir vorstellen, dass das bei anderen Rennen so ist, wo es um viel geht. Wenn jetzt gerade an Kitzbühel denkt, wo ja auch die Emotionen immer sehr hoch sind. Ich könnte mir vorstellen, wenn man da jetzt Sportler oder Gewinner von Kitzbühel auch fragt, wie sehr das wirkt. Ich glaube, da macht es auch sehr viel aus, weil man bei manchen Rennen, kann ich mir vorstellen, macht es so viel aus. #00:27:47-1#

 

Bernhard: #00:27:49-1#  Nur schnell, wenn natürlich dann der Favorit durchs Ziel kommt und eine neue Bestzeit aufstellen. Du weißt, er hat das Rennen gewonnen. Dann musst du nicht lang. Du musst nicht lang überlegen. Du hast dich ja im Unterbewusstsein mit dem schon befasst, dass es sein könnte. Also ist. In so einem Moment ist es ganz, ganz logisch, dass man sofort den Kontakt zu ihm sucht. Das ist ja auch durch den Kontakt zum anderen suchen. Kannst du dich selbst fast ein bisschen trösten, weil wir gehören dann zusammen. Also wir sind dann nahe beieinander. Da geht es nicht um Fotos oder Film oder Fernsehen. Überhaupt nicht. Es geht nicht um das, sondern es tut. Du möchtest in die Nähe gehen und. Und du möchtest ihn anfassen und das gleiche bekommst du dann von ihm auch so gesehen. Es war. Ich habe es jetzt schon ein paarmal gesagt, aber es war für mich sportlich das größte Drama, was ich miterleben durfte. #00:28:54-1#

 

Tobias: #00:28:55-1# Und ja auch eine lebenslange Freundschaft daraus entstanden ist, glaube ich. #00:28:58-9#

 

Bernhard: #00:28:59-1# Ich glaube, dass das Ganze, der Handshake, das Drama, wie es entstanden ist, der Ablauf aber dann auch nachher. Ich meine, der Franz hat nie jemandem das Gefühl gegeben Hey, ich bin der Beste. Nie, das hat man von ihm nie gespürt. Er war immer einer von uns und hat mitgelitten und war klar, er war relativ. Er war sehr, sehr stark über eine lange, lange Zeit. #00:29:31-1#  

 

Tobias: #00:29:32-3# Die Spiele sind dann ja sozusagen für sie vorbei. Es geht ja dann weiter. Die Ski-Saison ist noch nicht zu Ende. Hat man da überhaupt dann auch Zeit, so ein doch emotional starkes Ereignis zeitnah noch zu verdauen? Oder hat es dann wirklich ein bisschen länger gedauert, um darüber zu reflektieren? Vielleicht, dass man manche Sachen dann erst vielleicht ein Jahr später oder so was draufkommt oder. #00:30:01-1#    

 

Bernhard: #00:30:02-1#  Viele, viele Sachen Realisiert man schon erst viele Jahre später. Also erstens einmal man realisiert, dass man eigentlich schon ein Glückspilz ist, wenn man das alles erleben darf, weil 30, 40, 50 Jahre später ist es nicht mehr so klar, dass man etwas gut konnte, dass man ja gut Ski fahren konnte, sondern es ist vielmehr so eine, eine Glückssache. Was? Ich war dabei, Scheiße, das ist unglaublich. Also dass. Also bei mir ist es so, ich muss mich ab und zu schon zwicken und sagen Du bist schon ein Glückspilz, dass du das miterleben durftest. #00:30:43-3#  

 

Tobias: #00:30:43-7#  Gibt es da auch dann so Impulse? So wie heute die Anfahrt nach Innsbruck? Gibt es da so optische Impulse auch, wo man wo wieder. #00:30:51-1#  

 

Bernhard: #00:30:51-8# Ich fahre ja viel, ich fahre viel in Innsbruck vorbei und und ich meine dieser Blick da rechts hinauf. Da hört der wird nie aufhören, oder? Ja, und er ist sehr intensiv. Das schon. Also diese Erinnerung ist sehr stark an diesem Berg. #00:31:09-1#  

 

Tobias: #00:31:09-9# Gibt es denn was, was wir jetzt in unserem Gespräch vielleicht nicht aufgefasst haben, Aber wo Ihnen jetzt, vielleicht auch noch während unserem Gespräch noch irgendwas eingefallen ist oder dass man was erwähnt haben, was vielleicht für Sie noch ganz wichtig ist von den Spielen. #00:31:21-1#  

 

Bernhard: #00:31:22-1#   Das Einzige, was ich, was ich ab und zu höre, von jüngeren Spitzensportlern und so, dass sie probieren, die Olympischen Spiele ins Normale zu übertragen. Also so ein Selbstschutz zu machen sind zwar Olympische Spiele, aber das sind Rennen sind die gleichen Konkurrenten, die gleichen Ski, die gleiche Disziplin. Es sind Rennen wie andere auch. Die haben schon verloren. Das stimmt eben nicht. Olympische Spiele ist etwas, wenn du regelmäßig die Zähne putzt. Am Morgen vor einem Rennen am Tag der Olympischen Spiele kannst du das nicht mehr machen, weil. es wird dir dann auf einmal bewusst, egal ob du Mit Favorit oder Co oder Top Favorit bist. Es ist alles das gleiche. Ich habe das. Beim ersten Mal ist es so und ich habe das gewusst für Sapporo und habe dementsprechend mich auch eingestellt. Ich habe Sapporo peinlichst geplant, durchgezogen mit ganz, ganz kleinen verrückten Details und die Details sind zum Beispiel. Ich habe dann den medizinischen Facharzt bei uns gefragt Du, wenn ich in Hochform bin im Februar 72, was kann geschehen? Da hat er gesagt Ja, eigentlich ein Unfall. Ja, okay, das weiß ich. Aber so Krankheiten sagen? Ja, weißt du, die. Die Mandeln und die Weisheitszähne, das sind schon heikle Herde für Entzündungen, für Angina, für was auch immer. Ja, was soll das heißen? Da habe ich von mir selbst gesagt, Wenn das gefährliche Zonen sind, dann müssen die weg. Und habe im Sommer vor den Olympischen Spielen, die die Mandeln rausnehmen lassen, ohne Probleme. Habe, und das ist schon einen Schritt weiter. Habe die Weisheitszähne als Olympia Test gemacht. Wie viel ertrage ich an Schmerz? Ich habe die Weisheitszähne ohne Spritzen rausgezogen. Alles rausnehmen lassen. #00:33:35-1#  

 

Tobias: #00:33:36-1# Ja, das also nachdem ich weiß,  ich habe auch schon Weisheitszähne entfernen lassen. #00:33:41-1#  

 

Bernhard: #00:33:42-1#  Und die waren quer hinein. Es mussten gesägt werden. Es hat einen Hintergrund. Der Zahnarzt war damals unser. Heute würde man sagen Mentaltrainer. Er hat uns das autogene Training beigebracht. Ich war eigentlich sehr ansprechbar für das, habe dann aber selbst mich wieder distanziert. Ich wollte wieder normal werden. Mich nicht da in einer, weiß nicht. Ich habe das Gefühl gehabt, ich bin in eine Sekte oder Das wollte ich nicht. Aber er hat gesagt Schau, wir können das autogene Training machen miteinander, also totale Entspannung. Und dann probieren wir. Willst du das? Habe ich gesagt. Ja, ich will. Ich will schauen, ob ich das durchstehe. Und ich habe nur an Olympia gedacht. Ich habe gesagt, ich mache es wegen Olympia. Im Stuhl gesessen, geschwitzt und Schmerzen gehabt. Und da hat er immer wieder gesagt Wenn es zu viel ist, musst du sagen, dann spritzen wir. Ich sagte Nein, das ziehen wir durch. Also solche Sachen. Ich habe dann das sind so kleine Details, die sind bei der ersten Spielen natürlich extrem extremer als bei den zweiten. Ich habe dann Trainingsmäßig habe ich das. Ich habe den Entschluss gesagt 100 plus eins. Das heißt mit anderen Worten, alle habe ich schon mal gesagt, alle machen 100 %. Wenn alle 100 % machen, dann kannst du das gar nicht mehr beeinflussen, denn dann gewinnt halt irgendeiner von den Hunderten, 100 % hat für mich geheißen, ich habe angefangen überall, egal was wir gemacht haben, immer eins mehr. Also 50 Liegestütze, alle zusammen. Ich habe 51 gemacht, hat niemand gemerkt. Ich habe. Ich habe dort eine Gewohnheit gehabt, dass ich die Treppen nie nur gelaufen bin. Ich bin sie immer gehüpft. Jeder Schritt, jede Treppe ist gehüpft, in der Regel von unten nach oben. Und als ich mit eins mit 100 plus eins angefangen habe, habe ich oben noch einen Zusatzsprung gemacht. Das bringt ja physisch nichts, aber psychisch bringt das was. Es sind so viele kleine Sachen. #00:36:00-1#  

 

Tobias: #00:36:01-1# Das finde ich äußerst interessant. Und ich glaube. #00:36:03-1#    

Bernhard: #00:36:04-1# Und der absolute Höhepunkt. Ist sehr wahrscheinlich. Ja, ich bin kein Leser. Ich. Ich habe nie Bücher gelesen und da hat mir einer der Edy Bruggmann, der war dann in Sapporo auch Zweiter im Riesenslalom. Aber das war so unser Mentor, Unser Erfahrender hatte schon Spiele in Grenoble gehabt, und da hat er mir gesagt, ich bin mit ihm im Zimmer gewesen. Er hat gesagt Du hast keine Ahnung, was auf dich zukommt, Du hast keine Ahnung, Du kannst Nummer eins sein von der Welt. Er hat mir gesagt, dass ich die Zähne nicht mehr putzen kann. Und du musst dir. Du musst dir irgendwie ein Korsett besorgen, das einen regelmäßigen Ablauf gibt. Jeden Tag das Gleiche. Und vor allem am Abend, dass du normal einschlafen kannst, weil der Schlaf ist wichtig. Und dann habe ich mir gesagt Das kann ich machen. Und gedacht okay, ich sollte eigentlich 100 Tage zuvor anfangen, ein Buch zu lesen und immer vor dem Einschlafen drei Seiten lesen, oder? Und dann bin ich nach Zürich gegangen und am letzten Abend die letzten drei Seiten. Damit das Buch fertig ist, bin ich nach Zürich in eine Buchhandlung und habe gesagt Ich brauche ein dickes Buch. Ja, um was soll es dann gehen? Egal, ich Ist mir absolut egal. Dann ist sie zurückgekommen und hat ein Buch in der Hand gehabt. Wir haben nur eines. Das hat irgendwie, glaube ich, 700 oder irgendetwas Seiten. Dann habe ich bezahlt, bin weggegangen, habe nicht einmal geschaut. Titel Nichts geschaut, nichts. Und erst zu Hause habe ich. Dann habe ich den Titel gelesen hat, geheißen Vom Winde verweht ist ein fantastischer Titel für Olympische Spiele, oder? #00:37:57-1#  

 

Tobias: #00:37:58-1#   Allerdings. #00:37:59-1#  

 

Bernhard: #00:38:00-1# Also ich habe es. Habe es dann fertig gebracht. Habe dann angefangen, mühsam zu lesen und habe am letzten Abend in Sapporo im Zimmer die letzten drei Seiten gelesen. Und das Verrückte ist, ich habe das fertig gelesen gehabt, hatte keine Ahnung um was es ging. Keine Ahnung. #00:38:18-1#  

 

Tobias: #00:38:19-1# Weil es nicht eigentlich nicht da, das war ja gar nicht Ziel und Zweck. Wahrscheinlich. Also natürlich den Inhalt zu lesen. Aber die Übung. #00:38:26-1#  

 

Bernhardt: #00:38:27-1# Einfach drei Seiten lang Buchstaben fressen oder? #00:38:31-1#

 

Tobias: #00:38:31-3# Ablenken? #00:38:32-8#

 

Bernhard: #00:38:32-9#  Genau. Und dann habe ich. Okay, ich habe dann nachher gesagt, jetzt muss ich das Buch nochmals lesen. Ich habe es nochmals gelesen und bin eigentlich überrascht, dass mich das nicht mehr bewegt hat. Aber das ist der große Unterschied zwischen ersten Olympischen Spielen und zweiten. Ja, sonst gibt es eigentlich wobei ich will, ich will die Vorbereitung für die zweiten nicht mindern. Also ich habe, aber ich konnte nicht mehr das Gleiche machen. In dieser Runde plus eins okay, klar habe ich. Ich habe trainiert wie ein Wilder und habe natürlich auch zu Hause oder im Versteckten oder wenn nicht mit der Mannschaft zusammen waren, habe ich natürlich immer noch einen draufgesetzt. Das machen alle. Ja, ja, das machen alle. #00:39:20-1#

 

Tobias: #00:39:20-1# Ja, es war äußerst lehrreich, äußerst spannend. Wir sind von der Zeit eh schon drüber. Eigentlich auch. Ich bedanke mich recht herzlich für das angenehme Gespräch. #00:39:31-1#

Bernhard: #00:39:32-1# Ich danke für die Einladung. #00:39:33-1#

Tobias: #00:39:34-1#Gerne.Und dann schauen wir mal, wie es weitergeht. Ja, danke.  #00:39:35-1#

Bernhard: #00:39:36-1# Danke. #00:39:37‑9#

 

Hanna: #00:39:40‑2# Das war unsere Folge mit Bernhard Russi nächste Woche. Wie sollte es auch anders sein, Sprechen wir mit Franz Klammer. #00:39:47‑0#

Franz Klammer

Franz Klammer

Stadtarchiv Innsbruck

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Transkript

Fanfare mit Lautsprecherdurchsage: 50 Jahre Olympische Winterspiele 1976. #00:00:13‑4#

 

Hanna: #00:00:21‑2# Hallo und herzlich willkommen zur achten Folge der Podcastsendung 50 Jahre Olympische Winterspiele 1976. Nachdem wir in der Woche zuvor über das Abfahrtsrennen aus Schweizer Sicht gehört haben, folgt in dieser Folge der österreichische Blick. Dazu haben wir Franz Klammer in Wien besucht, um seine Erlebnisse und Erinnerungen einzufangen. Mit uns spricht Franz natürlich über das Rennen, das sein weiteres Leben maßgeblich beeinflusst hat. Abseits davon sprechen wir auch über die Eröffnungsfeier und was er während der Spiele sonst noch erlebt hat. Nach dem kurzen Musik Intro geht es auch schon los. #00:00:59‑9#

 

Tobias: #00:01:12‑3# (Musik) Lieber Franz, danke, dass du mich eingeladen hast. Zu dir nach Hause, nach Wien, um mit mir über die oder deine Erinnerungen von den Olympischen Winterspielen 1976 in Innsbruck zu sprechen. Ist ja doch schon wieder ein Zeitl her. Wobei eigentlich gar nicht für dich. Wahrscheinlich gar nicht so lang, Weil wenn ich jetzt gerade denke, es ist ja gar nicht so lange her, dass der Film herauskommen der „Klammer- Chasing the Line“. Da sind ja wahrscheinlich die Erinnerungen relativ präsent. Wieder oder durch die, durch die, durch die Filmaufnahmen. #00:01:42‑8#

 

Franz Klammer: #00:01:42‑8# Da Innsbruck doch das wichtigste Rennen war, das ich jemals gefahren bin. Und egal wo ich hinfahre, in Amerika oder oder wo ich bin und wo ich öffentlich auftritt, werde natürlich mein Film gezeigt. der Lauf von Innsbruck und dadurch war eigentlich die ganze Zeit mit meinem Innsbruck Lauf verbunden und mit Innsbruck insofern verbunden. #00:02:11‑6#

 

Tobias: #00:02:12‑0# Ich habe immer jetzt bei meinen vorigen Interviews gefragt, auch was die prägendste Erinnerung ist. Ich spare mir die Frage jetzt, weil wir wissen beide, was das ist. Es ist der Lauf und die Goldmedaille, oder? Außer ich würde was falsch annehmen, dass es nicht das Rennen selber ist. #00:02:27‑4#

 

Franz: #00:02:28‑6# Da sind so viele, so viele Faktoren, die da drauf einbrechen. Einmal die die ganze Zeit auf Olympia hin, weil 75 hab ich doch alle Rennen gewonnen bis auf eins, da ist mir die Bindung aufgegangen, sonst hätte ich das mit größter Wahrscheinlichkeit auch gewonnen. Aber ist ja egal. 76 hat die Saison ein bisserl durchwachsen angefangen, aber dann habe ich Kitzbühel gewonnen und ich bin praktisch als der Favorit dahingefahren und dadurch waren die Eindrücke natürlich in Innsbruck schon enorm. Dass egal was passiert ist, wir ankommen, bin ich eingezogen, bin ins Olympische Dorf und wo überall wo ich hingegangen bin, war das alles so derartig präsent. Das Rennen präsent und für alle Leute hab ich eh schon gewonnen gehabt, das war ja eh schon klar. #00:03:19‑2#

 

Tobias: #00:03:19‑7# Aber weil du es gerade angesprochen hast und ich würde mich wirklich gerne chronologisch starten, wir gehen natürlich aufs Rennen, auch ein, ist keine Frage, aber eben die Vorbereitung, weil das angesprochen hast. Es war ja auch schon 75 ein Rennen am Patscherkofel. Da war ja auch schon klar, dass die Spiele 76, also im Jahr drauf dann in Innsbruck stattfinden. War das für dich oder auch das ganze Team eigentlich muss man sagen, schon eine indirekte oder direkte Vorbereitung, dann auch für das nächste Jahr. #00:03:47‑4#

 

Franz: #00:03:48‑0# Natürlich. Deshalb hat man ja Rennen, damit man die Strecken kennenlernt. Sie war ja vorher. Ist fast immer ein vorolympischer Lauf und da waren die Strecken extrem ruppig und unruhig und eng und alles mögliche. Und das hat man. Also mir hat die Strecke von Haus aus getaugt. Also von daher gesehen hat es eigentlich eh nix gegeben, da sie das an und für sich die Fähigkeit hab auf dieser Strecken. Weil es war nicht zum Gleiten oder es war bissl zum gleiten. Es waren Kurven, es war Sprünge, es war alles gewisse Sachen zum riskieren. Das ich also die Fähigkeit habe das Rennen einfach zu gewinnen. #00:04:27‑1#

 

Tobias: #00:04:27‑5# Es war ja eigentlich von Anfang an, also es war nicht immer klar, dass es ja Innsbruck wird. Es wäre ja eigentlich Denver im Spiel gewesen oder eigentlich ja schon ausgewählt und dann war ja dann Denver hat zurückgezogen, Innsbruck ist zum Zug kommen. Ist es für die. Oder kannst du dich erinnern, wann du erfahren hast, dass Innsbruck die Spiele geben wird? Wieder. #00:04:47‑1#

 

Franz: #00:04:47‑4# Ich hab keine Ahnung. Ich kann mich nicht erinnern. Für mich war immer Ich hab gar nicht gewusst, dass es in Denver war, sondern das war wahrscheinlich schon drei Jahre vorher. Genau da war für mich Olympia gar kein Thema. Da hab ich gerade erst angefangen, im Weltcup Rennen zu fahren, und das war es an mir vorübergegangen. Und dann war die WM in St. Moritz, wo ich Zweiter geworden bin, in der Abfahrt Kombination gewonnen habe und von dort weg ist, wurde ich eigentlich so aufgebaut, was ja interessant ist, weil ABC hat ja die Rechte gekauft für Innsbruck und die haben wir in Innsbruck das erste Mal den Lauf von oben bis unten gezeigt. Das hat es bis dato nicht gegeben. Und was danach gemacht haben, die haben aus jeder Sportart einen Sportler gefeatured für zwei Jahre lang und im Skifahren war das ich, weil das halt mal mein Stil oder irgendwas. Denen gefallen hat. Abfahrt, die sowieso interessant für Amerika und für die nächsten zwei Jahre haben die Amerikaner immer den Franz. Klammer präsentiert gekriegt. #00:05:51‑8#

 

Tobias: #00:05:52‑4# Das heißt aber also von 76 bis 78. #00:05:55‑1#

 

Franz: #00:05:55‑7# Von 74 bis 76 immer wieder den Franz Klammer präsentiert, mit Homestories, mit allem Drum und dran und was macht er jetzt? Und wie geht's? Und so weiter. Und deshalb war es in Amerika eigentlich die größere Sensation, dass ich das Rennen gewonnen habe. Im ersten Moment noch mal zurückkommen. Denver, Innsbruck. Es war natürlich schon ein Druck da und ich habe das eigentlich gar nicht so, so derartig realisiert. Aber im Nachhinein war das enorm wichtig, dass das in Innsbruck war. Also nicht nur wegen der Rennen. Wenn ich es gewonnen hätte, wenn ich es in Denver gewonnen hätte, wär ich halt Olympiasieger geworden. Aber so ist es halt. War es halt so derartig ein Homesoul, letzte Nummer, also die ganze Dramaturgie war ja schon besonders zugeschrieben. Also besser kann es eigentlich gar nicht sein. Im Moment hat mit der Nummer 15, ich hab ja so einen Schleim gehabt, Nummer 15? Das gibt es ja nicht. Ich brauche Nummer zwei oder Nummer drei, damit ich dene zeig, wo Gott wohnt. Und noch einen. Wir haben die anderen zum Knabbern. Aber so hab ich knabbern müssen am Start. #00:06:59‑8#

 

Tobias: #00:07:00‑1# Also ich bin ja jetzt kein Profisportler, aber ich könnte mir vorstellen, natürlich, mehr Druck bringt da mehr. Also bei manchen Sportlern mehr Leistung hervor. Also das ist jetzt nur so dahin gestellt. Aber wenn es vielleicht in Denver gewesen wäre, wäre vielleicht einfach da die Motivation. Die Motivation will ich nicht sagen, aber das hätte vielleicht nicht diese nötigen Prozente, was man braucht, um das dann wirklich den Berg hinunter zu bringen, vielleicht gar nicht gegeben. #00:07:24‑9#

 

Franz: #00:07:24‑9# Aber ja, wahrscheinlich hätte ich in Denver, gar nicht einmal so eine gute Abfahrt. Für mich persönlich eine gute Abfahrt gehabt. Aber eins muss ich sagen, dass ich unter Druck eigentlich immer gut funktioniert habe. Je wichtiger, je größer das Rennen war, desto besser habe ich mich konzentrieren können und und war auch immer sehr Risikobereit, für solche Bewerbe. Also ich habe keine Angst vor der Niederlage gehabt. Und da man bei solchen Bewerb Eintagesrennen darf man keine Angst vor der Niederlage haben. Das ist das Wichtigste überhaupt und da muss man einfach riskieren und fahren, was man kann. Man versucht das noch besser zu machen wie normal. Aber das Wichtigste, für mich war das Wichtigste, dass sie wirklich meine normale Routine beibehalten habe. Also genau, was ich beim Weltcuprennen gemacht habe usw. Also da einfach die Situation dann doch ergeben, dass es etwas mehr Druck aufgebaut worden ist, weil es ist nicht eines von zehn Rennen, was ich im Winter haben oder neun, sondern das ist das Rennen und das muss ich gewinnen. Und Gott sei Dank haben die Verhältnisse gepasst. Das Wetter war in Ordnung, es war eigentlich alles vorbereitet. Jetzt habe ich nur noch müssen performen. #00:08:39‑2#

 

Tobias: #00:08:41‑8# Das ist nicht immer so einfach. Ich habe ja mit Russi schon gesprochen, und der war ja ganz baff, sage ich jetzt einmal, dass du ja noch am Tag davor bei der offiziellen Einweihungsfeier oder Eröffnungsfeier. #00:08:56‑8#

 

Franz: #00:08:57‑0# Eröffnungsfeier. #00:08:57‑5#

 

Tobias: #00:08:57‑7# Noch als Flaggenträger, also als Fahnenträger, nicht Flaggenträger, Fahnenträger voran, da die österreichische Mannschaft sozusagen oder mit der österreichischen Mannschaft eingezogen wirst. Ich zitiere Ich glaube, er hat gesagt, ob er geisteskrank ist, war glaube ich die Frage, weil das und der Bernhard hat es dann eh ja gesagt. Bei seine ersten Spiele hat er das, aber da war er dabei, aber bei der zweiten gesagt, er hätte es nicht können und er hat es nicht verstanden, wie das mit der Franz machen kann. Er kann es auch nur so erklären, dass es die ersten Spiele sind. Und dann? Dann muss man dabei sein. #00:09:26‑4#

 

Franz: #00:09:27‑2# Nein, es ist nicht, weil ich dabei sein wollte, sondern es war für mich eine willkommene Abwechslung, Weil wenn man jetzt darüber brütet, über das ganze Training, über die ganzen Zeiten, über die ganzen, alles Mögliche und das Training ist eigentlich nicht so nach Wunsch verlaufen, wie es eigentlich sein hätte sollen. Ich bin nie Bestzeit gefahren. Es war immer, irgendetwas. Und ich habe gewisse Kurven gehabt, mit denen ich nicht glücklich war, mit denen ich nicht zurechtkam. Am Tag davor sind. Scheiß drauf. Jetzt mach ich mal ganz was anderes. Und. Und das war für mich so willkommen. Dann habe ich mal 1, 2, 3 Stunden nicht an das Rennen gedacht, sondern war ganz woanders. Mit den Gedanken habe ich das genossen. Diese Eröffnung und das war natürlich eine große Ehre für mich, die Fahne zu tragen, das ist eh ganz klar, weil das ist ein Stolz, das eigene Land zu vertreten und speziell auch die Fahne einzutragen. Das ist schon ein spezielles Gefühl. #00:10:22‑8#

 

Tobias: #00:10:23‑3# Hat man dich auch gefragt, ob du den olympischen Eid sprechen willst? #00:10:26‑9#

 

Franz: #00:10:27‑3# Nein, es war eigentlich immer nur die Fahne. #00:10:28‑8#

 

Tobias: #00:10:31‑4# Das heißt, nachdem nach der Eröffnungsfeier ist man dann wieder ins O-Dorf zurückkommen, oder? #00:10:36‑5#

 

Franz: #00:10:36‑8# Ja, ich bin nicht ins O-Dorf zurück direkt, sondern ich wurde zum Fischer zitiert. #00:10:41‑1#

 

Tobias: #00:10:41‑2# Ach. #00:10:43‑8#

 

Franz: #00:10:44‑1# Da ist ja diese berühmte Skigeschichte. Und da hat er mich noch gezwungen, das eben mit den Loch-Ski fahren muss und das. Und dann ist die Startnummern Verlosung gekommen. Ich war mitten im Meeting. Da ist der Ingenieur, der den Ski erfunden hat, ist dann ausgegangen und kommt wieder zurück. Startnummer Verlosung ist vorbei. Dann sage ich Ja. Und wie ist es? Super, sage ich. Habe ich Nummer drei? Weil das war meine Lieblingsnummer. Mit der habe ich viele Rennen gewonnen und das war so ideal. Früh fahren und und den anderen sagen, dass sie was unternehmen müssen. So genau 15. Ich fallte wohl aus allen Wolken. Das ist ja wahnsinnig. Nummer 15 ist ist das Schlimmste, was du kriegen kannst. Aber ich war so ein Schleimkopf ich habe gesagt okay, ich stehe jetzt auf und ich gehe. Ihr könnt machen, was ihr wollte. Das Meeting ist beendet. Ich gehe jetzt zurück ins Olympische Dorf. Ja. #00:11:35‑0#

 

Tobias: #00:11:36‑3# Ich gehe jetzt auf die. Das Ski-Thema ist eh schon öfters diskutiert. Ich gehe jetzt gar nicht großartig drauf ein. Also mich interessieren, wie wie spontan die Entscheidung dann war, wieder auf den C4 zu wechseln. Ist es. Ist es weil ich habe nicht als Vorbereitung den Film angeschaut, weil mich interessiert hat erstens, wie er gemacht worden ist und dann natürlich ist. #00:11:56‑4#

 

Franz: #00:11:56‑4# Er ist für mich sehr, sehr akkurat. Also haben sehr gut recherchiert. Muss ich, muss ich ganz ehrlich sagen. Ja, das war sicher ein guter Ski, ist überhaupt keine Frage. Aber ich hab einen Ski gehabt, mit denen habe ich fast alle meine Rennen gewonnen und du kannst nicht irgendeinen Unsicherheitsfaktor einbauen bei so einem wichtigen Rennen. Jetzt muss alles passen. Es muss der Ski, der passt der Verhältnisse hat genau gepasst und deshalb bin ich den Lochschiene nicht gefahren. Das hat überhaupt nichts, keine Invasion gegen den Loch-Ski gefahren, sondern ich wollte einfach nur nicht, dass der. Never change a winning team. Genau. #00:12:32‑6#

 

Tobias: #00:12:32‑7# Ja. Und vor allem eben, wenn man. Wenn man es dann nicht schaffen würde, Dann wird keiner hergehen und sagen der Ski war Schuld, sondern der Franz war schuld. #00:12:39‑1#

 

Franz: #00:12:39‑2# Ja, natürlich ist es immer der Fahrer schuld. Nicht immer natürlich. #00:12:43‑3#

 

Tobias: #00:12:43‑8# Wenn es Streckenführung vielleicht. #00:12:46‑2#

 

Franz: #00:12:46‑3# Ein paar Jahr später war. Relativ einfache Streckenführung und von der nicht Schiene geht, kannst du nichts machen. Aber dort war es. Das war eben kein Skirennen, sondern ein Skifahrerrennen. #00:12:55‑4#

 

Tobias: #00:12:57‑0# Ich glaube, der Anzug war ja auch ein Thema, weil der war ja zu eng, glaube ich. #00:13:00‑9#

 

Franz: #00:13:01‑3# Der war schlecht geschnitten, er hat nicht gepasst. Also ich habe nicht gescheit in die Hocke gehen können. Dann bin ich mit dem Anzug gefahren. Nach den heutigen Verhältnissen vollkommen idiotisch. Die wechseln, glaube ich, nach jedem Rennen einen Anzug. Und ich bin zwei Jahre lang mit dem Gleichen gefahren, der hat keine Funktion mehr. Also es wäre gescheiter gewesen, ich hätte einen Neuen genommen. #00:13:21‑5#

 

Tobias: #00:13:22‑2# Mir hat ja auch die Hanni Wenzel hat erzählt, dass es ja bei den Damen zumindest auch nur die haben auch die Anzüge, die haben gerade recht frisch gewechselt gehabt. Das waren recht Plastikanzüge, und da hat man so geschwitzt drunter, dass manche vorher überlegt haben? Oder haben sie dann sogar ohne Unterwäsche zu fahren, wo man dann denkt okay. #00:13:37‑9#

 

Franz: #00:13:38‑5# Ja, wir sind eine Zeit lang auch ohne Unterwäsche gefahren, weil damit das schneller ist, anscheinend. Also was macht man nicht? #00:13:44‑9#

 

Tobias: #00:13:45‑0# Doch, man versucht alles rauszuholen, was geht. #00:13:48‑2#

 

Franz: #00:13:48‑5# Jetzt? Jetzt. Hundertstel muss es rausholen. #00:13:50‑4#

 

Tobias: #00:13:52‑2# Anderes Thema werden ja nur die Goldanzüge, die man ja beim Einlauf sozusagen am Bergisel Stadion Einmarsch. Wie bist denn du diesen goldenen Anzügen entgegenstanden? #00:14:01‑7#

 

Franz: #00:14:01‑9# Es war peinlich. Die Farben, das ganze Gewand, was wir gekriegt haben, war eigentlich. Das einzig wirklich gute war das Sakko. Was ich auch getragen hab. #00:14:10‑3#

 

Tobias: #00:14:10‑7# Das blaue oder? #00:14:13‑7#

 

Franz: #00:14:14‑0# Nein Weiß war es. Schwarze Hose. Das war vollkommen okay. Es hat schon ein paar gute Sachen gegeben, bei der Einkleidung dabei waren. Aber. Aber dieses Outfit, das war natürlich schon. #00:14:25‑0#

 

Tobias: #00:14:27‑1# Gehen wir wirklich zum Rennen. Weil es ja doch ein großer Teil davon ist? Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Nacht vom. Vierte auf den fünfte, ja, vom vierte auf den 5. Februar wahnsinnig gut war. Wie ist denn oder wie sind denn deine letzten Stunden, Minuten, Sekunden vor dem Rennen? #00:14:45‑4#

 

Franz: #00:14:45‑8# Ich muss ein bisschen ausholen. Ich habe ja irgendwie gehört und auch gelesen, dass der Jean-Claude Killy vor den Spielen oder heute so irgendwie sich komplett abgeschottet hat. Der ist irgendwo auf Alpenhütten und war komplett weg, weil er war auch ein Favorit in Grenoble und hat heute sogar dreimal Olympia gewonnen und hat sich total von der Öffentlichkeit abgeschottet. Und genau das gleiche hab ich auch gemacht. Ich habe keine Zeitung gelesen, ich habe kein gar nichts. Ich war eigentlich irgendwie so im olympischen Dorf. Das war sehr angenehm. Und unter den anderen Sportler. Wir haben uns ausgetauscht. Aber von der Außenwelt habe ich überhaupt nichts mitgekriegt, weil es war lustig. Der Bernhard und ich, wir waren in Innsbruck im Archiv, und da haben wir die ganzen Zeitungsartikel gelesen. Da sagt er, er hat von denen nie was gehört. Ich habe überhaupt nichts mitgekriegt, was da rundum alles passiert ist. Ich war so fokussiert in der ganzen Geschichte. Und das olympische Dorf war einfach herrlich, da drinnen zu sein. Und dann habe ich nochmal was gelesen hat Jacques. Nicolas hat gesagt, man soll sich bei so wichtigen Sachen am Vortag oder man soll sich nach Möglichkeit nicht mit negativen Menschen umgeben, denn nur mit positiven Menschen, die was. So am Vortag bin ich mit Masseur bin ich in ein Gasthaus gegangen und habe ein Bier getrunken. #00:16:05‑0#

 

Tobias: #00:16:06‑2# Recht so! #00:16:06‑8#

 

Franz: #00:16:07‑1# Ja, so ganz gemütlich. Jetzt weiß ich gar nicht mehr in welchem Gasthaus. Weiß nicht, dass da in Rum ist das wahrscheinlich ja. #00:16:15‑5#

 

Tobias: #00:16:15‑7# Ja, genau. Also genau Neu-Rum. Also. #00:16:18‑4#

 

Franz: #00:16:18‑6# Ja, ja, ja. Und ich habe herrlich geschlafen. Ich habe mir allerdings meine Ski wirklich meine Ski mitgenommen. Ist ins Zimmer, habe ich gesagt. Zum Service Man du gib mir meine Sky mit, weil ich weiß nicht was passieren kann, damit ich sie den nächsten Tag habe. Und das war eigentlich alles, was ich gemacht habe. Ich habe wunderbar geschlafen. Ich habe mich ganz normal vorbereitet, wie halt immer. #00:16:39‑7#

 

Tobias: #00:16:39‑8# War da eigentlich im Trainerteam oder von Seiten des ÖSV auch sagen ich möchte jetzt nicht noch einen Psychologen oder sowas, aber irgendwann einen Mentalcoach oder sowas. #00:16:51‑6#

 

Franz: #00:16:52‑3# Nein, da haben wir nicht gebraucht. Ja okay, also aber es war so, ich habe da sowieso nicht gebraucht und für mich war der der richtige Vertrauensperson war eben der Jakob Klocker, unser Masseur. Der war einfach für alles da und mit den Zusammen hat man kommen können. Und der am Start, der war ruhig, der hat ja positiv ausgestrahlt die ganze Zeit und so und mit dem bin ich eben ein Bier trinken gewesen. Und da haben wir einen netten Abend, haben wir geplaudert über alles Mögliche, nur nicht übers Skifahren, weil ich habe schon genug geschaut und keine Zehntel gefunden oder so irgendetwas. Ja und ja. Und dann bin ich am nächsten Tag dann Aufweg gefahren. Komischerweise bei der Mittelstation, bei der Rondel, hab ich mein Vater getroffen ist. Der war noch nie bei einem Rennen. Was tust du da? Sagt er, ja zuschauen. Hat er gefragt, wie es mir geht? Geht schon, Passt schon. #00:17:42‑5#

 

Tobias: #00:17:42‑9# Startnummer 15 muss man ja wahrscheinlich auch relativ lang. Also, du hörst ja wahrscheinlich, was die anderen Sportler oder Fahrer den Berg hinunterbringen. Von der Zeit macht es dann nur doch die Minuten davor, bevor es dann wirklich losgeht. Pusht das nochmal oder macht das nervös? Oder ist man dann schon so quasi in seinem, in seinem Lauf dann irgendwo drin, dass man das eigentlich gut ausblendet? #00:18:10‑0#

 

Franz: #00:18:11‑4# Das haben wir eigentlich bei keinem Rennen vorher gehabt, außer in Innsbruck. Oben war ein Lautsprecher und wir haben natürlich den Lautsprecher gehört. Und der hat direkt im Ziel gestanden. So hat der das eine Geräte und wir haben das auch nicht ändern können. Aber ich wollte überhaupt nie irgendeine Information haben von Kein Trainer, von mein Trainer nicht, von gar niemanden. Und ganz am Anfang meiner Karriere bin ich hingegangen zum Start und habe alle Nationen gefragt, von den einigen, könnt ihr das Funkgerät ausschalten, damit ich nichts höre. Ich will nichts wissen. Sehe ich eh, wenn ich hinkomme, sehe ich, was ich tun muss. Und dann werde ich irgendwas unternehmen. Und ich will nicht wissen, ob man am Start, welche Kurven ist das jetzt genau? Wo, Man sollte aufpassen oder irgendetwas. Und wenn einer fliegt, das bin ja nicht ich, ist ja er wahrscheinlich hat einen Fehler gemacht. Also man tut schon am Schutzschild aufbauen und tut sich selber so abschirmen irgendwie. Und das war aber in Innsbruck leider nicht möglich und der hat da so eine sensationelle Fahrt. Zweiter Platz eineinhalb Sekunden hinter den Russi. Ich bin also durch ein Wellental Berg und Talfahrt gegangen. Emotional geworden. Das kann ich nie schaffen. Dann im nächsten Moment. Das kann ich schaffen. Dann ist wieder ein Hin und Her. Also ich habe da diese 15 Minuten, da habe ich extrem gelitten da oben am Start. Das muss ich schon sagen. #00:19:35‑7#

 

Tobias: #00:19:36‑3# Was ich aber jetzt natürlich durch ein Interview schon Vorwissen gehabt hat, was im Film nicht vorkommt, dass du ja, jetzt kannst du sagen, Du kannst mir widersprechen, dass du den Bernhard Russi noch bevor, Also wie er schon beim Ski anlegen war nun hin gestartet bist und ihm du den Handschuh auszog. Also du dir den Handschuh ausgezogen hast und ihm nur alles Gute wünschen wünschen. #00:19:58‑9#

 

Franz: #00:19:59‑1# Ja, das könnte sein. Aber ich kann mich nicht. Ich habe das nicht. So, so, der Bernhard hat am Schirm, aber ich nicht so, so sehr. #00:20:07‑5#

 

Tobias: #00:20:07‑6# Also er hat zu mir gesagt, das sind nochmal 5 % gewesen, die du ihm mitgeben hast, die 5 % mehr Leistung. #00:20:14‑2#

 

Franz: #00:20:14‑2# Das war eigentlich nicht geplant. #00:20:15‑4#

 

Tobias: #00:20:16‑5# Ich habe mir dann gedacht, man hätte es ja anders überlegen können, aber. #00:20:20‑0#

 

Franz: #00:20:20‑9# Ja, aber. Ja, aber ich habe echt gelitten. Und dann kommt endlich einmal der Herbert Plank, der war aber noch 5/10 hinten. Denk ich mir, Na ja, es wird doch gehen. Aber Gott sei Dank wie ich dann am Server zum Start gekommen bin, war ich dann in einen richtigen einen Hoch und die Stecken drüber getan habe, habe ich gewusst ich gewinne das Rennen. Ich wusste aber, du musst natürlich dementsprechend fahren. Und da habe ich riskiert riskiert entweder auszufliegen oder gewinnen, einen Sturz ist zu akzeptieren. Zweiter Platz ist nicht zu akzeptieren, weil ich mich nicht getraut, weil ich wollte nicht den nächsten Tag im Spiegel schauen und sagen Ich war zu feig, alles zu riskieren. #00:21:02‑2#

 

Tobias: #00:21:02‑6# Die Medaille fahsrt du für dich selber in erster Linie. #00:21:05‑2#

 

Franz: #00:21:05‑6# Natürlich musst du sie für mich gewinnen. Ist natürlich schön für Österreich, das ist klar. Und das macht dann auch sehr, sehr stolz. Und ich glaube, ganz Österreich ist stolz, dass es Sportler gibt, dass sollte. Wir sind ja dazu da, um das Land zu repräsentieren, und das haben wir eigentlich ganz gut gemacht. Aber die Medaille habe ich schon für mich gewinnen müssen im Ziel. #00:21:31‑0#

 

Tobias: #00:21:31‑1# Da stürmen ja die Menschen ja schon fast auf die dann zu. Hast du das als unangenehm empfunden oder? Oder ist das hast du da überhaupt noch gewusst, wer wo was ist? Oder warst du? Hast du erst nur überhaupt das Ergebnis verarbeiten müssen, dass du jetzt gewonnen hast? #00:21:48‑1#

 

Franz: #00:21:48‑1# Nein, ich habe mich nicht verarbeiten müssen. Ich habe darauf geschaut und ich habe. Das war so ein Lärm. Ich habe gar nichts gehört. Dort habe ich einen Platzlautsprecher. Eben nichts gehört. Erst wie ich gesehen habe, dass oben diese Tafel so schön langsam umkippt, dass ich dann vorm Russi bin, dann habe ich ja zeitverzögert die Hände aufgerissen. Ganz kurz. Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen. Ich war so erleichtert. Und was da unten passiert ist, war mir alles wurscht. Jetzt habe ich da zwei Jahre lang. Oder sagen wir eineinhalb Jahre lang ist das Road to Innsbruck eben gewesen. Und dann hat das noch funktioniert, auch noch. Das ist natürlich wie ein wie ein Märchen, das ist gar keine Frage. Und das Einzige, was ich wirklich mitgekriegt habe, ist, wie der Bernhard zu mir her ist, wie geheißen hat und hat gesagt Na ja, gratuliere. Und das war so eine ehrliche Gratulation. Sowas habe ich vorher nicht erlebt. Ich meine er hätte die Chance gehabt, wirklich Geschichte zu schreiben, das erste Abfahrt #00:22:47‑6#

 

Tobias: #00:22:48‑1# Doppelt. #00:22:48‑5#

 

Franz: #00:22:48‑7#  zu Verteidigen. Ja, und dann komm ich her. Und der Bernhard. Seine Geschichte kennen wir ja. Also, das war ein tolles Gefühl, muss ich sagen. #00:22:59‑2#

 

Tobias: #00:23:00‑4# Ich glaube, ganz Österreich hat er deshalb natürlich entsprechend gedankt. Aber für mich, also in der Vorbereitung, haben wir gedacht, jetzt ist das mit seinem zweiten Tag der Spiele und für die sind dann die Spiele ja unter Anführungszeichen, ich sage jetzt mal Anführungszeichen, eben vorbei. Das Rennen ist vorbei. Die. Die Abfahrt ist gewonnen. Die Spiele dauern ja noch an. Was macht der Franz Klammer,  Nachdem Also die Siegerehrung ist ja dann erst noch. Aber was hast denn du in der Zwischenzeit? Was du dann noch in Innsbruck schon wahrscheinlich. Äh. #00:23:31‑5#

 

Franz: #00:23:31‑8# Nein. Ich bin bin dann von Innsbruck weggefahren und ich habe dann ich war dann richtig drei vier Tage krank. Also ich wahrscheinlich war der Druck, den ich so nicht so gespürt habe, doch so enorm und das ist alles abgefallen von mir und der Körper hat halt dann aufgegeben. Das war dann. Dann war ich war bettlägerig. Dann bin ich dann noch den Riesenslalom gefahren und bin ich leider in der Mittendrin ist ausgefallen. Das war ein schwieriger Lauf steil, eisig. Hemmi hat gewonnen. Und dann habe ich leider nicht ins Ziel gebracht. Da war ich schon ein bisschen geschwächt, aber es hat mich komplett zusammengepackt. Und dann bin ich noch zur Abschlussfeier und zur Siegerehrung habe, die ist erst später gewesen, nicht am gleichen Tag. Und dann bin ich noch zum Abschlussball oder sowas. #00:24:20‑1#

 

Tobias: #00:24:20‑7# Der Olympia Ball vielleicht sogar der Olympia Ball. Im Kongress. Gibt es dann den Erinnerungen an den oder wen getroffen? Den man den man. #00:24:31‑3#

 

Franz: #00:24:33‑8# Keine Ahnung. Ich habe einfach gebadet in der Menge. Eher wie die Zeitgenossen. Das war. #00:24:39‑5#

 

Tobias: #00:24:39‑9# Recht so, ja. Hast du andere? Also trotz Bettlägerigkeit hast du dann vielleicht im Fernsehen andere Events noch verfolgt oder andere, sei es jetzt von die Alpinen von die Eishockey wie gesagt ist ist. #00:24:53‑2#

 

Franz: #00:24:53‑5# Alles, ist ja alles. Ich habe alles angeschaut, ich schau ja nach wie vor alles, sei es Langlaufen, sei es Skispringen, sei es Bobfahren, sei es Rodeln, egal welche Sportart, Es interessiert mir jede Sportart und weil alle Sportler müssen ein bisschen anders zu der Sache zu zurückgehen, weil. Weil es andere Anforderungen sind. Die Skifahrer haben diese Anforderung. Die Skispringer haben vollkommen andere Anforderungen und trotzdem muss das irgendwie performen. Und das ist eigentlich das Schöne. Und deshalb schaue ich mir alle Rennen an, dass sehe ich wie die das machen. #00:25:24‑7#

 

Tobias: #00:25:24‑9# Präferiert live vor Ort oder doch übers Fernsehen? #00:25:27‑9#

 

Franz: #00:25:28‑1# Meistens. Meistens über Fernsehen. Ja. #00:25:30‑1#

 

Tobias: #00:25:32‑1# Aufs O-Dorf wollte ich nochmal zurückkommen. Konnte, mit wem du im Zimmer warst, weil das zwei Zimmer wahrscheinlich. #00:25:37‑8#

 

Franz: #00:25:38‑1# Nein, nein, das war war, war Apartment. Waren wir alle Abfahrer. Der, Der war ich. Walcher, Sepp, der Grissemann Werner, der Eberhart, Klaus, der Jimmy Steiner. Und ja. #00:25:47‑7#

 

Tobias: #00:25:48‑4# Du hast aber auch schon erwähnt, dass ihr im O-Dorf den Kontakt zu den Sportlern gesucht habt oder ihr Austausch mit anderen Sportlern Austausch habt. #00:25:56‑2#

 

Franz: #00:25:56‑2# Das hab ich sehr genossen, dass er eben zum Frühstück gehen und dass man gemeinsam sitzt und plaudert und mit den Eishockeyspieler. Weil ich die viele Jahre gekannt habe, also sehr viele Spieler dabei gewesen will unter anderem die Rodler oder irgendwelche Leute, was ich bewundert habe und noch nie gesehen habe, Ausländer, Jetzt wollte man gerade keinen Namen nennen, aber dieses Flair im Olympischen Dorf, das hat man eigentlich schon sehr viel gegeben. Das hat mir irgendwie war das so ein Teil von diesen Spielen zu sein, das war schon ein besonderes Gefühl und irgendwo Spezielles. #00:26:32‑5#

 

Tobias: #00:26:32‑9# Die Zimmer sind mir immer gesagt worden, waren recht spartanisch eingerichtet, aber ich glaube, das ist ja dann für ist ja eigentlich egal. #00:26:40‑2#

 

Franz: #00:26:40‑7# Das ist vollkommen egal. Also ich habe mich wohlgefühlt und ich finde nicht im O-Dorf zu wohnen, da geht irgendetwas ab, da kriegt man den ganzen, den ganzen Hype oder die ganze Geschichte, das ganze Flair der Olympischen Spiele nicht ganz mit. Weil dann bin ich halt wieder irgendwo in irgendein Hotel, weil wie beim Weltcup rennen und das ist nicht das Gleiche. #00:27:01‑8#

 

Tobias: #00:27:04‑0# Was aber auch die Spiele generell beschäftigt hat. Auch die Sportlerinnen waren doch recht hohe Sicherheitskontrollen oder scharfe Sicherheitsvorkehrungen. Hast du dich als Sportler jemals? Erstens einmal unsicher gefühlt und zweitens sind dir diese, diese erhöhte Polizeipräsenz oder auch die erhöhte Polizeipräsenz. Ist dir das aufgefallen? Als Sportler mit, auch mit Akkreditierung und nirgends hin ohne Akkreditierung? #00:27:33‑0#

 

Franz: #00:27:33‑8# Nein, ist mir nicht so aufgefallen, aber. Aber es ist eigentlich vollkommen normal noch nach diesem Drama in München 72, dass man natürlich. Das alles verschärft hat und geschaut hat, dass da nichts passieren kann. Also ich habe mir die ganze Zeit sicher gefühlt. Ja, du brauchst immer eine Akkreditierung und mit Akkreditierung bis die locker reingekommenund und die Kontrollen waren nicht so rigoros, die haben wir nicht gefilzt und so. Du bist halt durchgegangen. Es war eigentlich an und für sich schon ein sehr gemütlicher und freundliche Atmosphäre im olympischen Dorf. #00:28:06‑9#

 

Tobias: #00:28:07‑1# Wie viele Autogramme hat man geben müssen bei den Kontrolleuren? Als Franz Klammer, weil er als Held der Nation. #00:28:13‑1#

 

Franz: #00:28:13‑5# Ja, ich weiß, das hört sich schon ein Held,  Aber natürlich wollen Sie ja. Gott sei Dank hat es noch keine Selfie gegeben. #00:28:20‑2#

 

Tobias: #00:28:20‑2# Ja. Ist das der Zeitpunkt, wo ich sage, ich bräuchte auch noch ein Beweisfoto, dass ich da war? Wenn du jetzt, sei es bei der Durchreise oder sogar wirklich in Innsbruck bist, ist der Berg immer noch wahrscheinlich sehr dominant in deiner Wahrnehmung, oder? #00:28:40‑3#

 

Franz: #00:28:40‑4# Es ist immer eine Freude, darauf zu schauen. Und in Wahrheit hat dieser Berg oder diese Woche mein Leben drastisch verändert. Und wenn ich so zurückblicke, die letzten 50 Jahre sehr, sehr positiv. Und dieses Ereignis, dieses Erlebnis hat mir ein Leben ermöglicht, jenseits von jeglicher Vorstellung. Das ist gar keine Frage. Und einfach ist schön, wenn ich so sauber vorraus schau auf den Kofel. Was schön ist, wenn er von oben drauf schau auf den Kofel auf dem Kofel laufen oder wie sagt man? Ja, und das ist natürlich kommen da die Erinnerungen jedes Mal. Es ist einfach ein schönes Gefühl. #00:29:29‑2#

 

Tobias: #00:29:29‑9# Bist du dann, ich sage jetzt mal nach deiner aktiven Sportlerkarriere noch zum Skifahren am Kofel hingefahren oder ist das dann abgeschlossen? Sozusagen der Berg, in dem also von vornherein. #00:29:41‑6#

 

Franz: #00:29:41‑6# War mal später dort. Mit Amerikaner bin ich Skifahren gewesen, aber leider ist ja, findest du die Abfahrt fast nimmer, weil es ist ja alles so breit und alles. Also man kann sich gar nicht vorstellen, dass man damals in einen Schluff gefahren sind, der nicht einmal 10 Meter breit war und teilweise Und ja, es ist nicht wirklich vorstellbar. Aber Gott, das hat es interessant gemacht. Das war ja das Prickelnde. Jetzt haben wir es so weit offen ist, denkt man, was soll denn da sein? Da kann ja nichts nichts passieren. Und der untere Teil von Berneck oben ja Johannesweg. Das war schon ziemlich happig. Und da hast müssen genauer Fingerspitzengefühl haben und riskieren. Bumm, hat es sich ausgekaut. Zu wenig trainieren, zu wenig riskieren und du warst weg. Ja. Also, da war, hast es genau erwischen müssen, Ja. #00:30:36‑9#

 

Tobias: #00:30:40‑1# Also, der Medienrummel war ja in Innsbruck, würde ich sagen schon relativ stark. Sei es von der Presse, aber eben auch vom Fernsehen. Du warst ein junger Sportler mit, also verhältnismäßig junger Sportler mit 23 damals oder 22 22? Tschuldigung, ist man von den Medien stärker als sonst. Ich sage jetzt mal belagert worden. #00:31:02‑7#

 

Franz: #00:31:04‑3# Ohne Presse, ohne Fernsehen, ohne Medien hilft nichts, das mir schnell gefahren, wenn es die Welt nicht erfährt. Es mein kein Unterschied und deshalb muss man, wenn man A sagt, muss auch B sagen und das gehört dazu. Pressetermine gehören dazu. Ich muss sagen, ich wurde von der Presse eigentlich sehr, sehr wohlwollend behandelt. Ich habe ihnen ein bisschen Geschichten geliefert. Das sind am Zeil unten gestanden und habe halt ein bisschen was erzählt und und und. War eigentlich ein sehr, sehr gutes Verhältnis. #00:31:35‑7#

 

Tobias: #00:31:35‑9# Mit dem Heinz Prüller warst du recht gut befreundet. #00:31:38‑2#

 

Franz: #00:31:38‑3# Mit Heinz Prüller. Sehr, sehr gut befreundet. Der ist leider manchmal eine gute Geschichte eingefallen, weil ich habe es ihnen erzählt und Heinz, das ist privat, sag ich ja. Er hat sie nicht geschrieben, aber irgendwie drei, vier Wochen später ist es durchgesickert und hat sehr wer anders geschrieben. Und der hat versprochen, dass er das nicht schreibt. Also und Social Media hat es nicht gegeben. Die Sportjournalisten haben über den Sport geschrieben und nicht, was neben dem Sport passiert ist. Heutzutage gibt es fast 2/3 Medien, die schreiben, was passiert. Neben der Strecke. #00:32:11‑2#

 

Tobias: #00:32:11‑9# Das ist auch so ein Grundtenor, den ich schon durchgehört habe, dass das mittlerweile der Sport, also bei den Spielen oftmals der Sport gar nicht so im Vordergrund steht, sondern mehr. Dann das nebenbei. #00:32:21‑4#

 

Franz: #00:32:21‑5# Ja, das ist in Kitzbühel genauso. Das sind die allerbesten nebenbei und so. #00:32:28‑5#

 

Tobias: #00:32:28‑5# Und die Möchtegern dabei. #00:32:29‑7#

 

Franz: #00:32:30‑1# Was alles so rundum passiert, ist den Medien mittlerweile wichtiger wie der eigentliche Sport. Ist wahrscheinlich nicht ganz richtig. #00:32:39‑7#

 

Tobias: #00:32:40‑2# Ist jetzt sehr allgemein gehalten. #00:32:41‑6#

 

Franz: #00:32:41‑7# Sehr allgemein gehalten. Für einen Sportjournalisten ist nach wie vor das Wichtigste das Ergebnis und die sportliche Leistung. Das ist gar keine Frage. #00:32:48‑2#

 

Tobias: #00:32:48‑9# Vielleicht auch noch abschließend eine letzte Frage, gibt es denn noch Erinnerungen, die dir jetzt vielleicht bei unserem gemeinsamen Gespräch wieder hervorgekommen sind, Die, die du schon verdrängt hast zu den Spielen. Oder hast du vielleicht noch eine letzte Anekdote zu den Spielen, die du uns gerne erzählen möchtest? #00:33:06‑7#

 

Franz: #00:33:07‑7# Ja, ich bin beim Berneck oben gefahren und ich war. Mit dem oberen Lauf war ich nicht zufrieden, weil ich halt oft zu gradzügig gefahren bin und irgendwelche Fehler gemacht hat. Da schau ich zu den Leuten draußen. Das habe ich schon oft erzählt. Ich denke mir, jetzt muss ich was machen, weil sonst gewinnt das Rennen nicht. Aber ich bin nicht gegen Russi gefahren. Das habe ich vorher schon einmal gelernt, dass man nur gegen die Pisten fährt und die Pisten so gut wie möglich zu bewältigen hat. Und dann macht, jetzt muss ich was ändern, dann bin ich da drübergesprungen bei Zwischenzeit. Und dann habe ich einfach entschieden, dass ich ganz offen fahre zum Zaun. Da war ich nie. Ich habe nicht einmal besichtigt. Ich bin so gleich zum Zaun zurückgefahren. Und da habe ich einen Frauenschrei gehört. So richtig laut. Macht Um Gottes willen! Jetzt habe ich sie mit den Skistöcken getroffen. Weil das war so ein Aufschrei, weil das war wahrscheinlich meine beste Kurven, die ich jemals gefahren bin. Wahrscheinlich hat mich das motiviert. Ich weiß es nicht. Auf alle Fälle war ich da. Das ist mir irgendwie aufgefallen, weil sonst habe ich natürlich alles den ganzen Lauf in Erinnerung. Ist klar, das ist eingebrannt in der Festplatte. Es ist ja ganz logisch. So was vergisst man nicht. Ich habe viele Rennen vergessen, aber natürlich Kitzbühel, Innsbruck und solche Sachen. Das sind die im Kopf drinnen. Als ob es gestern gewesen war. Ja. #00:34:30‑6#

 

Tobias: #00:34:30‑8# Ja, das denke ich mir. Gut. Ich habe schon viel zu viel deiner Zeit in Anspruch genommen. #00:34:36‑8#

 

Franz: #00:34:36‑8# Es hat mich sehr gefreut. #00:34:38‑0#

 

Tobias: #00:34:38‑1# Ich sage Danke, Franz, für das Gespräch und vielleicht sehen wir uns mal wieder. #00:34:41‑5#

 

Hanna: #00:34:44‑3# Das war unsere Folge mit Franz Klammer. In unserer nächsten Folge können Sie sich auf ein Gespräch mit Hanni Weirather-Wenzel freuen. #00:34:51‑7#

Hanni Wenzel

Hanni Wenzel

Stadtarchiv Innsbruck

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Transkript

Fanfare mit Lautsprecherdurchsage: 50 Jahre Olympische Winterspiele 1976. #00:00:13‑4#

 

Hanna: #00:00:21‑2# Hallo und herzlich willkommen zur neunten Folge der Podcastsendung 50 Jahre Olympische Winterspiele 1976. Heute ist die ehemalige Liechtensteiner Skirennläuferin Hanni Wenzel zu Gast. Mit der Bronzemedaillengewinnerin im Slalom in Innsbruck sprechen wir über persönliche Eindrücke, aber auch über Herausforderungen, mit denen kleine Nationalmannschaften bei den Olympischen Spielen konfrontiert sind. Wie üblich geht es nach einer kurzen Einspielung los. #00:00:49‑6#

 

Tobias: #00:01:01‑4# (Musik) Liebe Hanni, ich bin sehr froh, dass du heute den Weg zu uns gefunden hast und mit uns über deine Erinnerungen an die Olympischen Winterspiele von 1976 in Innsbruck sprichst. Zu Beginn würde ich gerne von dir wissen, ob es eine Erinnerung gibt, die du ganz stark mit den Spielen von 1976 verbindest. Oder vielleicht auch ein Foto ein Einen Moment. Was würde dir da als erstes in den Kopf schießen? #00:01:32‑8#

 

Hanni Wenzel: #00:01:32‑9# Ja, da fällt mir natürlich direkt die Axamer Lizum ein, weil das war schon ein spezieller Ort. War sehr versteckt. Man hat sie ja nicht gesehen und so, wo müssen wir jetzt da hin? Und es war sehr harmonisch da hinten. Man hat, man hat sich wohlgefühlt, es war sehr nett, dort zu sein. #00:01:55‑3#

 

Tobias: #00:01:55‑6# Dann würde ich sagen, rollen wir die Spiele nochmal ein bisschen chronologisch auf. Wer dich nicht kennt. Du bist ja in Bayern geboren und bist auch dann noch in den ersten Jahren nach Liechtenstein gezogen. #00:02:08‑9#

 

Hanni: #00:02:09‑0# Mein Vater ist durch Zufall, weil ihm das Radl kaputt gegangen ist, in Liechtenstein gelandet und hat da arbeiten müssen, dass er überhaupt weiterfahren konnte. Und dann haben sie ihn gefragt, ob er, er hat Forstwirtschaft studiert in München und konnte dann in Liechtenstein seine sein Praktikum machen. Und nach dem Praktikum haben sie ihn auch gefragt, ob er da arbeiten würde. Und mein Vater war der erste Ausländer, der als Beamter in Liechtenstein angestellt wurde. Und er war sein Leben lang nachher auf diesem Forstingenieur, Lawinenverbauung usw. hat er in Liechtenstein gemacht und so sind wir nach Liechtenstein gekommen. Also nicht durch irgendwelche anderen Ideen von Steuerfreiheit oder irgendwelche anderen Gedanken, sondern weil sie ihm einfach da gefallen hat. Von den Bergen und so her. Und ja. #00:03:03‑8#

 

Tobias: #00:03:04‑6# Du bist bereits seit 70, 71 im Weltcup gefahren. 74 die jüngste Weltmeisterin im Slalom geworden. 74 war dann schon bekannt, dass ihr die Spiele, nachdem sie ja eigentlich in den USA stattgefunden hätten, sind sie ja dann kurzfristig dann Innsbruck zugeteilt worden. Hast du noch Erinnerungen daran, wann du die Info bekommen hast, dass die Winterspiele erstens in Innsbruck sind und dass du an den Spielen teilnehmen wirst? #00:03:37‑9#

 

Hanni: #00:03:38‑9# Ja, die Spiele in Innsbruck sind für mich natürlich ein wichtiger Teil gewesen, weil in Sapporo war ich noch Deutsche und die haben mich zwar qualifiziert für die Deutschen, aber wenn ich da mit den Deutschen an den Start gegangen wäre, hätte ich nie mehr können für Liechtenstein starten. Und das wollte ich nicht. Wir haben ja in Liechtenstein gelebt, also wollten wir auch alles nutzen, was in Liechtenstein gibt oder auch nicht gibt. Es hat ja damals noch gar nichts gegeben und darum waren natürlich die Spiele nach Sapporo waren für mich schon sehr wichtig. Aber ich war im ersten Moment ein bisschen enttäuscht, weil Spiele im eigenen Land oder so nah ist immer eine sehr große Nervenbelastung und man wird viel mehr angeredet. Und viele, viel mehr Menschen kommen natürlich aus deinem Umfeld, die man natürlich auch beachten möchte und alles, aber es trägt nicht wirklich zum guten Resultat bei und man muss sich da einfach fokussieren. Und darum ist es oft besser, wenn diese Spiele dann irgendwo sind, wo, wo man praktisch für sich alleine sein kann und um die Konzentration aufrechtzuerhalten. #00:05:00‑1#

 

Tobias: #00:05:00‑4# Ohne jetzt da vorzugreifen aber du hast ja in Innsbruck dann die Bronzemedaille gemacht und dann ja in Sapporo, in Lake Placid 1980 ist es ja, dann ist ja der Goldregen dann eingetreten, sozusagen. Aber zu dem kommen wir wahrscheinlich eh dann noch ein bisschen gesondert, das heißt Vorbereitungen auf die Spiele bzw ihr wart. Du warst ja, es gab ja von den Liechtensteinerinnen und Liechtensteiner Skifahrer natürlich. Wie waren denn da die Vorbereitungen vom Team? Waren die an einem speziellen Ort? Hast du da noch. Kannst du dich noch erinnern, wo das war? Und und was man wo oder wie man sich darauf vorbereitet hat generell? #00:05:41‑0#

 

Hanni: #00:05:41‑0# Also die Vorbereitung passiert natürlich über längere Zeit, über den ganzen Sommer usw. und ich bin ja von Anfang an bei der Schweizer Mannschaft mit eingebunden gewesen. Melli war ja eigentlich erst alleine. Nachher ist dann die Ursula Konzett dazugekommen und meine Schwester. Und für Ein Mann Team kann man natürlich nicht irgendein Training organisieren, wo man dann konkurrenzfähig ist. Also war das eine tolle Lösung für mich. In der Schweiz und kurzfristig haben wir uns dann hier bei Innsbruck vorbereitet. Ich weiß nicht, einen ganz steilen Slalom war des und da hat es ja noch extrem viel Schnee gegeben. Ich glaube Keller, Kellerjoch oder so. #00:06:28‑3#

 

Tobias: #00:06:28‑5# Könnte es sein. #00:06:29‑0#

 

Hanni: #00:06:29‑1# Und da habe ich noch die Vorbereitung, dass man da wirklich mit mit der Steilheit, in der Axamer Lizum war es ja auch so steil, gekämpft haben, und mit dem Neuschnee. Also die Verhältnisse waren eine Herausforderung. Man hat nicht dieselben Maschinen und alles gehabt, wie man das heute gehabt hat. Und das war wirklich eine schwierige Situation von der Wetterverhältnisse auch. #00:06:53‑1#

 

Tobias: #00:06:53‑3# Darf ich noch eine kurze Zwischenfrage einschieben? Dein Bruder ist auch Skifahrer. #00:06:59‑0#

 

Hanni: #00:06:59‑3# Genau. #00:06:59‑7#

 

Tobias: #00:06:59‑7# War der wurde bei den 76 auch dabei?  #00:07:03‑7#

 

Hanni: #00:07:04‑4# Ja der war aber da noch bei den ganz Jungen dabei. In Lake Placid war er dann Silbermedaillen Gewinner im Riesentorlauf hinter Ingemar Stenmark. Das war ja der Ingemar Stenmark, der Gustav Thöni und Franz Klammer Natürlich. #00:07:19‑6#

 

Tobias: #00:07:19‑8# Dann gehen wir schon ein bisschen näher an die Spiele heran. Unmittelbar davor wart ihr als Team untergebracht im Olympischen Dorf. Oder habt ihr separat Übernächtigung? #00:07:33‑9#

 

Hanni: #00:07:33‑9# Nein, nein, Wir waren da im Olympischen Dorf, das war sehr sympathisch. Das waren so Wohnungen, wo man nachher glaub, als Sozialwohnungen genutzt hat. #00:07:45‑2#

 

Tobias: #00:07:45‑2# Genau. #00:07:45‑5#

 

Hanni: #00:07:47‑7# Und da haben sie auch immer noch dazu gebaut und so und da waren wir in dem Olympischen Dorf untergebracht, da war das noch nicht so, dass man dann näher am Skigebiet wohnen usw. und so fort. Es war da noch nicht das Thema. #00:08:03‑0#

 

Tobias: #00:08:03‑6# War eher ein Zweierzimmer. Dann gehabt mit mit. Ja. #00:08:07‑8#

 

Hanni: #00:08:08‑2# Wir waren. #00:08:08‑7#

 

Tobias: #00:08:08‑9# Im Frauenhaus. Wahrscheinlich. Ich schätze mal ganz wie die anderen. Habt ihr Kontakt gehabt mit anderen Läuferinnen von anderen Nationen oder. #00:08:17‑1#

 

Hanni: #00:08:17‑1# Ja, man ist natürlich, was Olympia anbelangt. Das ist ja das Schöne, dass man da auch andere Sportarten trifft und dass man andere Spitzensportler auch ein bisschen kennenlernen kann. Allerdings nur von der Weite, weil man ist ja selber fokussiert auf seine Sachen, wo man zu tun hat. Und so ein Tagesablauf und Tagesprogramm ist natürlich voll mit den ganzen Dingen, die man abarbeiten muss, dass man eben die Spitzenleistung dann bringen kann an dem Tag. #00:08:48‑1#

 

Tobias: #00:08:48‑1# Plus Ja, dann der Transfer. Hin und retour zum Skigebiet. Es muss ja was geplant werden mit Essen. #00:08:53‑3#

 

Hanni: #00:08:53‑6# Und dann die mit dem Servicemann. Der Kontakt, wie man die Ski vorbereiten muss usw. und so fort. #00:09:01‑2#

 

Tobias: #00:09:01‑7# Du hast dann im Slalom die Bronzemedaille gewonnen. Du bist aber alle Disziplinen gefahren. Ist für die die Vorbereitung? Oder ist es schwierig, wenn man sie für alle Disziplinen vorbereiten muss? Vor allem bei einer Strecke wie drinnen in der Axamer Lizum, die ja doch jetzt nicht, wie du schon gesagt hast, nicht ganz so einfach war. Die Schneelage war ja auch gewöhnungsbedürftig. Wie geht man oder wie bist du persönlich an die an die Rennen dann direkt herangegangen? Sei es körperlich wie mental? Ist ja ein starker Faktor. #00:09:33‑5#

 

Hanni: #00:09:33‑8# Ja, man muss sich natürlich dann auf ein oder zwei Disziplinen ein bisschen mehr konzentrieren. Wir hatten zur damaligen Zeit bei der Firma Völkl noch große Probleme mit Abfahrtsski. Die sind einmal gelaufen und einmal nicht und niemand hat das so genau rausgefunden, wo wo der Hund begraben ist. Sagen wir mal so und da war natürlich mein Fokus auf Riesentorlauf und Slalom, also hauptsächlich eigentlich Riesentorlauf. Aber ich habe mich im Riesentorlauf im Slalom eigentlich in beiden relativ gleich wohlgefühlt. Zu der Zeit, obwohl ich da sehr gekämpft habe, dass ich regelmässig meine Resultate bringe und vor allem auch Spitzenresultate. Ich war immer in den ersten zehn Medaillen in allen Disziplinen, war auch in der ersten Gruppe, in allen Disziplinen, wo das damals auch nur sehr wenige Leute gegeben hat. Und ja, ich war so ein konstanter Läufer, aber ich war kein Siegläufer. Und die zwei Jahre nach der Weltmeisterschaft in St.Moritz habe ich kämpft darum, dass ich eben auch einen Siegläufer werde. Und das war eine schwierige. Also das hat auch geheißen, dass ich mich technisch natürlich weiterentwickeln muss. Da sind wir dann in die große Umsteigetechnik kommen, wo man vielleicht noch in Erinnerung hat mit dem Ingemar Stenmark. Der hat das wunderbar vor gefahren sozusagen. Und man musste eben technisch extrem viel arbeiten, aber auch mental, dass man eine Siegerpersönlichkeit wird. Und das geht natürlich nicht von heute auf morgen, sondern da muss man über Jahre dranbleiben. Und das ist bei mir so zweieinhalb Jahre gegangen, bis es dann soweit war, dass sie regelmäßig gewonnen habe. #00:11:29‑2#

 

Tobias: #00:11:29‑6# Das habe ich schon aus meinen Gesprächen, aus meinen vorherigen oder vor unserem vorhergegangenen Gesprächen durch gehört, dass der mentale Aspekt doch einfach sehr, sehr viel ausmacht, was man dann auch für eine Zeit Quasi im Ziel. Dann macht. #00:11:47‑2#

 

Hanni: #00:11:47‑8# Das ist nach wie vor so und darum sind natürlich die Leute, die jetzt nicht so im Wohlstand aufgewachsen ist, sondern die aufgewachsen sind, um wirklich etwas zu erreichen, nicht jetzt nur im Sport, sondern generell im Leben, dass es einem besser geht. Die haben da mehr Chancen, als wie dene, die eigentlich schon in einem sehr guten Umfeld aufwachsen. Da ist ein größerer Wille, größerer Ehrgeiz, mehr Disziplin und mehr den Biss, da dranzubleiben. Ist natürlich bei den Menschen mehr gegeben, die sich verändern wollen im Leben. #00:12:27‑9#

 

Tobias: #00:12:28‑3# Sprechen wir aber vielleicht kurz noch über den Riesentorlauf, Also Riesenslalom, Riesentorlauf. Der ist ja weniger gut geglückt für die, wenn das so sagen darf. Ja. Hast du noch was? Und dann? Ohne da jetzt nicht in den Wunden reiben zu wollen. Aber weißt du noch was? Was für die da schiefgegangen ist? Oder wo? #00:12:48‑0#

 

Hanni: #00:12:48‑6# Der Riesentorlauf? Ich habe einfach. Ich bin in den Rhythmus nicht reingekommen. Den ganzen Winter habe ich da umeinander gekämpft. Darum ist der Rhythmus im Slalom ist mir leichter gefallen. Darum hab ich natürlich da auch die Medaille gemacht. Und im Riesentorlauf ist es einfach. Da braucht es das Rhythmusgefühl, die Ruhe und die richtigen, das richtige Material. Und wie gesagt, wir haben da extrem gekämpft mit dem. Mit dem vielen Schnee. Und alle die Leute, die vorne Startnummern haben, die waren dann auch vorne und die, die hinten Startnummer gezogen haben, die waren dann halt nicht dabei. Aber das ist halt Olympia, Weltmeisterschaft, das stört niemand an einem Weltcuprennen. Aber an einer Olympiade bleibt einem das natürlich in Erinnerung. Und da muss man zu sich auch ehrlich sein. Das kann immer passieren. Darum kann man jetzt auch nicht auf so was hinarbeiten, weil solche Konstellationen, die gibt es einfach und da muss man dann das Beste draus machen. Weil wenn ich jetzt einen Riesentorlauf da irgendwie traurig gewesen wäre oder das nicht abhaken können, hätte im Slalom auch keine Medaille gemacht. Das ist ja immer das Wichtige, dass man immer nach vorne schaut, dass man schaut, was ist schief gelaufen, was habe ich falsch gemacht, was kann man verbessern, wie kann man weitergehen? Und dass man es dann abhakt und nach vorne schaut. #00:14:18‑8#

 

Tobias: #00:14:18‑9# Das erinnert mich, wenn ich das noch einwerfen darf, an andere Sportarten, wo dann immer die Rede ist. Die besten Sportler haben das schlechteste Gedächtnis sozusagen, weil die vorbei, die Sachen vorbei sind. Die sind sofort egal ob positiv wie negativ sind sofort gelöscht, damit man da gar nicht zu lange Zeit hat und ihn quasi in der Erinnerung zu schwelgen und da hab ich nicht, bin ich nicht gut gefahren und so. #00:14:40‑3#

 

Hanni: #00:14:40‑8# Das ist ein bisschen so, das lernt man glaub da auch im Sport und ich hab das heute noch. Also irgendwie so schlechte Erlebnisse oder wenn mir jemand irgendwas tut oder nicht klarkommt mit jemand ich vergiss das eigentlich gleich wieder. Ich bin überhaupt nicht nachtragend und gar nicht. Aber das kommt aus dem Sport, aus der Welt, da der Fokus natürlich immer nach vorne geht. #00:15:06‑5#

 

Tobias: #00:15:06‑9# Ich hoffe zumindest, dass vielleicht das Interview dann nicht sofort in Vergessenheit geht mit mir heute, sondern dass das noch ein bisschen in Erinnerung bleibt. Vielleicht. Der Slalom war ja dann schon natürlich positiv mit der Bronzemedaille, aber wenn man dann im Ziel steht und oder halt am Ende des Rennens ich nenne es jetzt wirklich vorsichtig nur Dritter, ist es dann im Moment bitter oder hast warst du dann zufrieden? #00:15:39‑9#

 

Hanni: #00:15:40‑9# Da wirklich nichts erwartet an diesen Olympischen Spielen. Ich dachte ich gehe da hin. Versuche das Beste, wenn was rauskommt, ist okay. Ich war noch nie in die ersten drei diesen Winter. Also musst du auch akzeptieren, dass es das eben keine Medaille habe. Und ich habe da auch nicht wirklich drüber nachgedacht, sondern die haben mich wirklich mit allem Fokus versucht bestens vorzubereiten. Es ist ja dann ein dritter Platz in der Kombination worden oder zweiter, glaub sogar. Aber da hat es keine Medaillen gegeben bei Olympia. Darum ist mir das auch immer so ein Ding. Aber für mich war es toll. Ich war auch nur ganz knapp Dritter. Die Danièle war nur ein paar Hundertstel hinter mir und ich war glücklich, dass ich eine Medaille hatte. #00:16:26‑6#

 

Tobias: #00:16:26‑9# Und vor allem die Skiweltmeisterschaft war ja parallel eine Medaille, die muss man ja dazu sagen. #00:16:32‑8#

 

Hanni: #00:16:32‑9# Das ist dann eine Weltmeisterschaftsmedaille. Kriegt man in der Kombination Genau. #00:16:36‑8#

 

Tobias: #00:16:38‑8# Mir würden noch ein paar andere Sachen interessieren, auch wenn ich fragen darf. Hast du abseits deiner eigenen Disziplinen, die du gefahren bist, ist klar, noch andere sportliche Disziplinen verfolgt oder versucht zu verfolgen, weil es dich interessiert hat, sei es über im Fernsehen. Ich weiß nicht, ob sie auf die Zimmer Fernseher gehabt oder in. #00:16:58‑5#

 

Hanni: #00:16:59‑4# Nein, das haben wir keinen Fernseher auf dem Zimmer gehabt. Nein, nein, nein. So verfolgt haben wir natürlich nichts. Mann ist nur dorthin gegangen, wo die Möglichkeit war, dass man was anschauen kann. Es war natürlich. Damals war der Fokus natürlich auf das Herrenduell. Russi war natürlich da in der Zeitung auch immer gross aufgemacht, obwohl man die Zeitung ja auch möglichst wenig anschaut, dass man nicht irgendwie und Dinge denkt, die man nicht denken braucht. Und bei Olympia ist immer das Eiskunstlaufen auch eine ganz tolle Sache. Und Skispringen hat mich sehr interessiert. #00:17:42‑3#

 

Tobias: #00:17:43‑0# Weil du gerade eben auch die Zeitung angesprochen hast. Die mediale Berichterstattung war ja 76 in Innsbruck schon, ich würde mal sagen sehr hoch. Fernsehen war live Übertragungen war für die sei das Zeitungen wie Fernsehen. Hast du da vielleicht auch viele Anfragen für Interviews oder weist du das noch? #00:18:06‑1#

 

Hanni: #00:18:06‑2# Ja schon. Ich hatte auch immer das Gefühl, ich war ein guter Interviewpartner. Und die Leute, die da natürlich dahinter war der Heinz Prüller und wie sie damals alle hießen, waren extrem tolle Leute und total involviert im Sport und haben sich bis ins Detail auskennt. Und das war ganz toll, wenn man Interviews geben konnte. #00:18:29‑9#

 

Tobias: #00:18:30‑8# Hast du auch, weil es jetzt komplett vergessen habe zu fragen, was du bei der Eröffnung der Olympischen Spiele am Bergisel warst du beim Einzug der Spieler wahrscheinlich dabei? #00:18:42‑7#

 

Hanni: #00:18:43‑1# Ich war dabei, war der Fahnenträger und es war im Sprungstadion oben und es war also sehr tolle Erfahrung, herzerwärmend, ergreifend. War sehr schön und es war eben auch nicht so aufgeblasen, wie nachher dann alles war, also nach Lake Placid war auch noch normale Olympische Spiele, würde ich mal sagen. Dann Sarajevo glaub sowieso. Da durfte ich dann nicht mehr starten wegen meiner B-Lizenz und nachher ist es dann immer kritischer geworden. Die Eröffnungsfeier und so, die sind dann so opulent, dass die Fahrer die meisten gar nicht mehr hingehen, wer nicht hingehen musste der ist nicht hingegangen, weil erstens ist viel zu lang gegangen, oft ist es auch extrem kalt und so und wenn man sich auf ein Rennen vorbereitet, kann man da nicht vier fünf Stunden in dem Stadion oder bei der Eröffnungsfeier stehen. Das ist unmöglich. Und darum hat es ein bisschen für mich aus der von der sportlichen Seite hat das ein bisschen verloren. Die Leute, die zuschauen. Das mag ja lustig sein, wenn ein Feuerwerk und Tod und Teufel alles ist. Aber für die Sportler, die war das andere viel tollere Atmosphäre und wirklich eine Einstimmung auf das, was bevorsteht. #00:20:08‑6#

 

Tobias: #00:20:09‑4# Ich verstehe ja, das ist ganz interessant zu hören, Vor allem jetzt, wenn ich jetzt gerade wieder dran denke an die letzten Spiele. Das ist ja wirklich ein, also ein Spektakel. #00:20:19‑3#

 

Hanni: #00:20:19‑3# Das sind zwei Stunden bis zum Hinfahren kommt, bis die alle ausgestiegen sind und in der Reihe stehen und dann. Und ja, es ist unmöglich heute. Aber das sagen alle und die wenigsten sind ja nur noch offizielle Leute, die da mitlaufen und irgendwelche, die erst im 14 Tag dann ihren Auftritt haben und so und alle anderen gehen dann immer hin und das ist schade. #00:20:43‑2#

 

Tobias: #00:20:45‑0# Während der Spiele waren in Innsbruck natürlich auch Stars Promis und es gab verschiedenste Veranstaltungen. Ich vermute, die Antwort wird Nein sein, aber ich frage die Frage dennoch. Hast du während der Spiele auch noch irgendwelche Veranstaltungen besucht wie einen Olympia Ball? Eine? Ich weiß grad… Nichts oder? #00:21:02‑9#

 

Hanni: #00:21:03‑2# Na also, Das ist damals noch nicht gegangen und es geht heute auch nicht, weil viele Dinge sind natürlich auch heutzutage mit vielen Sponsoring Sachen verbunden, wo der Sportler dann weiß, ich haben mich verpflichtet, ich muss da hin. Der hat dann auch die Einstellung, das zu tun. Aber wenn man das nicht muss, macht man das ganz sicher nicht, weil da ist. #00:21:25‑0#

 

Tobias: #00:21:25‑5# Der Kopf ja schon wieder ganz woanders. #00:21:27‑0#

 

Hanni: #00:21:27‑6# Ist man fokussiert auf das, was zu ist. #00:21:30‑5#

 

Tobias: #00:21:31‑6# Ein Thema, das ich auch ganz gern anspreche. Zu den Olympischen Spielen von 1976 sind die Sicherheitsbestimmungen. Wir sind wenige Jahre nach den Attentaten in München bei den Sommerspielen. Oder die Geiselnahme. Was vonstattengegangen ist. Für Innsbruck im Vergleich zu den Spielen von 64, sehr hohe Polizeipräsenz oder generell Sicherheitspräsenz. Ist dir diese oder diese verschärften und erhöhten Sicherheitsmaßnahmen? Gibt es da noch neue Erfahrungen? #00:22:02‑4#

 

Hanni: #00:22:02‑8# Das hat man schon gemerkt, dass da viel mehr Sicherheit jetzt im Hintergrund war. Aber auch die Akkreditierung, die man da hatte. Ohne der ist überhaupt nichts gegangen, weder Toilettengang noch irgendwie zur Tür rausgehen. Da ist man nimmer zurückgekommen. Also man hat die Akkreditierung für alles gebraucht. Das war dann nachher in Lake Placid auch ganz krass. Die hat man wirklich in der Früh über den Kopf getan und konnte den ganzen Tag nicht mehr ausziehen, weil man ist nirgends hingekommen. Ohne diese Akkreditierung. #00:22:39‑4#

 

Tobias: #00:22:40‑2# Gibt es von den Spielen, sei das jetzt der der Skianzug oder sonstiges. Natürlich, die Medaille wird es noch immer geben, Aber hast du Memorabilia von den Spielen in Innsbruck noch, sei es zu Hause oder sonst irgendwo aufbewahrt? #00:22:55‑4#

 

Hanni: #00:22:55‑7# Nein, das habe ins Museum gegeben. Und leider ist der Museumsinhaber ist in Liechtenstein leider verstorben und jetzt sind die Sachen sind sehr viele weggekommen und niemand weiß so genau, wo die wo die Museumssachen von Liechtenstein sind. Man vermutet, sie sind in Kitzbühel, aber da finden sie auch niemand. Also keine Ahnung, der hat wirklich sehr viel. Aus der Zeit hat er gesammelt und das habe ich eigentlich alles dem gebracht, dass er das darstellen kann hat. Über Jahre hinweg hat der Museum ihn Vaduz gehabt und hat die Sachen ausgestellt. #00:23:36‑4#

 

Tobias: #00:23:37‑4# Schade eigentlich, dass die jetzt nicht. #00:23:38‑9#

 

Hanni: #00:23:38‑9# Ja, schade, ich kann mir nur vom Material her erinnern. Da hat man ja umeinandergetan mit den plastifizierten Anzüge. Und dann waren einmal Außenplastik und dann hat man es innen getan und dann hat sie welche Rennläufer geben, die darunter nichts angezogen haben, dass man noch ein paar Hundertstel schneller. #00:23:58‑3#

 

Tobias: #00:23:58‑6# Ja. #00:23:58‑9#

 

Hanni: #00:23:59‑5# Und ich bin auch, vor Lake Placid bin ich dann auch in Bad Gastein ohne Unterwäsche gefahren und habe gedacht, ich muss das einmal testen. Wenn ich das dann in Lake Placid, wo es dann wirklich auf die Hundertstel darauf ankommt, muss ich gerüstet sein. Jetzt bin ich in Bad Gastein, bin ich losgefahren und da ist er. War oben, ewig lange Flachstück. Und da oben beim Flachstück habe ich gedacht Na, das mach ich nimmer, Da muss ich die ganze Zeit nur dran denken wie ich friere und kann mich gar nicht drauf konzentrieren, was ich eigentlich zu tun habe. #00:24:31‑6#

 

Tobias: #00:24:31‑6# Interessant. #00:24:32‑1#

 

Hanni: #00:24:32‑2# Also ich bin in Lake Placid, war dann auch 25 Grad minus, als wäre dann sowieso keine Diskussion gewesen für mich. Bin dann mit Unterwäsche gefahren. Aber die bei den Männer, mein Mann, der Harti, der hat erzählt, die sind alle ohne Unterwäsche gefahren. #00:24:52‑0#

 

Tobias: #00:24:52‑3# Achso? Interessant. #00:24:53‑0#

 

Hanni: #00:24:53‑6# Und wo das Plastifiziert dann innen war, wo sie dann geschwitzt haben und so haben sich dann richtig die Eisstacheln dran gehabt. Also das war vom gesundheitlichen her sicher nicht vom Vorteil. #00:25:05‑6#

 

Tobias: #00:25:05‑9# Das glaube ich auch nicht. Muss ich vielleicht dann bei den zukünftigen Interviews auch noch fragen, ob mit oder ohne Unterhose? Ich weiß nicht, ob ich das bei allen . #00:25:13‑9#

 

Hanni: #00:25:15‑2# Dem Franz fragen. Ich glaube, da war die Plastifizierung noch außen. #00:25:20‑2#

 

Tobias: #00:25:21‑0# Vom Franz haben wir ja den goldenen, Also den der österreichischen. #00:25:25‑4#

 

Hanni: #00:25:25‑4# Er ward in Gold gekleidet. Genau. Nochmal Druck gemacht. #00:25:29‑1#

 

Tobias: #00:25:29‑3# Ja. #00:25:29‑7#

 

Hanni: #00:25:30‑0# Ja, das war zu wenig Druck. Und dann hat man noch goldene Kleider angehabt. Dann war der Druck noch ein bisschen größer für die Sportler. #00:25:36‑7#

 

Tobias: #00:25:38‑6# Nachdem man ja jetzt 50 Jahre weg sind von den Spielen. Rückblickend nach dieser langen Zeit, hast du die Spiele positiv in Erinnerung. Negativ denkst du anders über die Spiele jetzt, als wie du vielleicht damals noch gedacht hast. #00:25:53‑2#

 

Hanni: #00:25:53‑3# Na also, die Die Winterspiele in Innsbruck habe ich sehr positiv in Erinnerung, eben weil das eine bestimmte Einfachheit Natürlichkeit gehabt hat. Und wo sie jetzt darüber reden, dass sie das alles aufteilen in verschiedene Länder und Städte und so, da geht vielleicht der Grundgedanke geht ein bisschen verloren, aber wenn man eher zurückgeht auf ganz einfache Spiele das nutzen, was vorhanden ist. Und wenn man was nicht hat, dann fährt man halt die 50 Kilometer und geht da auf andere Sprungschanze oder auf ein anderes Eisfeld. Keine Ahnung, was man dann braucht. Das wäre die bessere Lösung. Aber das dezentralisierte glaub ich auch nicht unbedingt die Lösung. Ich glaube, man sollte zusammenbleiben, aber das was vorhanden ist, nutzen eben auch die alten Stätten die wissen wie es geht. Das sie das wieder austragen können als wie immer neue von Grund auf neue Dinge aufbauen wie Sotschi und so das ist ja völliger Blödsinn sowas. Also aus meiner Sicht, ich kann da nicht oder das was da passiert ist in Südkorea und so, also ich sehe da keinen Mehrwert an einer Olympiade, aber da gehen die Ansichten auseinander und jeder darf diese haben. #00:27:23‑9#

 

Tobias: #00:27:24‑1# Jeder ist so seine eigene Meinung haben möchte, darf dazu stehen. Das sehe ich ganz genauso. Vielleicht. Das ist natürlich jetzt nicht mehr ganz die Spiele in Innsbruck, aber wir haben es schon angesprochen. Du hast in Lake Placid hast du den Goldregen sozusagen eingefahren, Waren für die. Wenn du jetzt zurückblickst die Spiele 76 in Innsbruck auch irgendwo ein. Nicht nur als reinen Trainingseifer ein. Das war die erste Teilnahme, wo es für die dann auch schon irgendwie. Einfach die erste Möglichkeit, Erfahrungen bei Olympischen Spielen zu sammeln und auch vielleicht die Erfahrungen, wo es gut gegangen ist, was negativ gegangen ist, sei es in Vorbereitung usw, dass dann für die nächsten Spiele umzusetzen. #00:28:08‑5#

 

Hanni: #00:28:09‑1# Die Erfahrungen, die waren extrem wichtig. Auch die Weltmeisterschaft in Garmisch, wo ich als Favoritin in zwei Disziplinen hingekommen sind und dann wird das Material überhaupt nicht mitgespielt hat. Wie man mit diesen Dingen umgeht. Und dasselbe ist man dann auch eigentlich in Lake Placid in der Abfahrt passiert, wo dann auch das Material nicht wirklich schnell gewesen ist. Und so habe ich die Abfahrt gleich abgehakt, habe gesagt Konzentriere dich auf Slalom, Riesentorlauf und mach jetzt keinen Aufstand mehr. Was ich eben gemacht habe in Garmisch. Doch das ist natürlich dann ein Riesentorlauf und Slalom auch schiefgegangen. Und das Lernen mit den ganzen Olympiaden, Weltmeisterschaften, das bringt natürlich schon sehr viel. #00:28:55‑9#

 

Tobias: #00:28:56‑8# Noch eine kurze Frage Hast du noch Kontakt zu Sportlerinnen aus deiner Zeit oder trifft man sich öfters noch und spricht auch über Erfahrungen von sei es Innsbruck, sei es andere Spiele oder von Weltmeisterschaften oder von anderen Rennen? #00:29:12‑4#

 

Hanni: #00:29:12‑9# Ja, man trifft schon immer wieder. Also die Maria Walliser wohnt ganz in meiner Nähe, die treffe trifft relativ oft die Rosi habe ich relativ oft gesehen, weil wir bei Veranstaltungen waren. Und die Rosi war ja mein großes Vorbild, schon seit ich 13 Jahre alt war. Die habe ich auch in Schruns zum Ersten Mal gesehen. Da habe ich zu meinem Papa gesagt So gut will ich auch mal werden. Da war die Rosi aber nicht wirklich ganz vorne. Aber sie hat mich beeindruckt. Mit ihrer Persönlichkeit, mit ihrem, mit ihrer Fahrweise. Und dann ist sie, hat sie ja die tollen Olympischen Spiele. #00:29:52‑7#

 

Tobias: #00:29:53‑2# Hingelegt in Innsbruck zweimal Gold. #00:29:55‑2#

 

Hanni: #00:29:55‑2# Konnte sie da extrem tolle Resultate einfahren und ich habe dann vier Jahre später genau dasselbe Resultat eingefahren, das eigentlich auch noch nie gegeben hat eine Silber und zwei Goldmedaillen. Und so ist der Gedanke an die Rosi und die Vorbild und Leitfigur immer ein bisschen da geblieben und habe dann am Ende dieselben Resultate eingefahren. #00:30:21‑1#

 

Tobias: #00:30:21‑7# Hast du ihr diese Geschichte erzählt von der Vorbildfunktion? #00:30:25‑7#

 

Hanni: #00:30:26‑6# Nein, nicht wirklich. Ich bin ja nicht so der Erzähler, und darum. #00:30:30‑6#

 

Tobias: #00:30:31‑2# Könnte ich jetzt gar nicht so sagen. #00:30:32‑7#

 

Hanni: #00:30:33‑9# Es fällt mir immer wieder mal eine Geschichte dazu ein, aber ich erzähle eigentlich auch nicht viel von die von die damaligen Zeiten. Das ist irgendwie für mich wie vorbei. Und wir hatten ja das Glück, dass wir eine neue Karriere starten durften, nachdem wir das Vermarktung und die Sportvermarktung extrem interessiert haben. Darum haben wir damals einen B Lizenz gelöst. Als einzige Frau und auch der Firma gegründet und wollte ein kleines IMG aufbauen. Und das ist uns glücklicherweise jetzt die letzten 35 Jahre gelungen und durch das hat man da die Probleme oder die Geschichten, die jeden Tag passieren und denkt eigentlich selten mehr zurück an die an die alten Geschichten sozusagen. #00:31:30‑1#

 

Tobias: #00:31:30‑1# Hat es für Olympia Medaillen, Gewinnerinnen und Gewinner von Liechtenstein aus irgendwelchen Boni gegeben. Also seit es da so einen Empfang schätz ich mal sowieso. #00:31:45‑7#

 

Hanni: #00:31:45‑9# Wir sind natürlich geehrt worden im Fürstenhaus und die im 80er Jahre Gang oder 78 haben ja dann sehr schnell mal den Gesamtweltcup gewonnen. Das sind dann die Fürstin und der Fürst gekommen und haben gratuliert und die Medaillen überreicht und so, aber wir haben keine Bonis vom Land bekommen. #00:32:04‑3#

 

Tobias: #00:32:04‑7# Und ich glaube, das wäre wichtig, auch noch an dieser Stelle zu erwähnen, dass du ja noch immer die einzige Skifahrerin bist aus Liechtenstein, die Medaillen gemacht hat bei Olympischen Winterspielen. #00:32:16‑9#

 

Hanni: #00:32:17‑4# Ja, die Tina hat ja, die Tina war in Südkorea. Aber war sie dritte. #00:32:23‑7#

 

Tobias: #00:32:23‑8# Dann bleibst du also Siegerin? #00:32:26‑1#

 

Hanni: #00:32:26‑1# Bin ich die. #00:32:26‑6#

 

Tobias: #00:32:26‑7# Siegerin? Ja, genau. Also Goldmedaille ist. #00:32:29‑2#

 

Hanni: #00:32:29‑4# Die erste und bis jetzt die Letzte. #00:32:30‑6#

 

Tobias: #00:32:30‑6# Aber was nicht ist, kann ja noch werden. #00:32:34‑0#

 

Hanni: #00:32:34‑2# Ja, ja. Schwierig in so einem kleinen Land. Wir haben ja dann im Verhältnis Pro Pro Einwohner Auf 6000 Einwohner hatten wir eine Medaille und waren natürlich mit Abstand die größten Medaillengewinner von der ganzen Welt. #00:32:52‑0#

 

Tobias: #00:32:53‑9# In dem Fall Hanni nochmal ganz herzlichen Dank für die für die Aufnahme. Und vielleicht sehen wir uns einmal wieder. #00:33:01‑3#

 

Hanni: #00:33:01‑6# Danke schön. #00:33:02‑2#

 

Hanna: #00:33:04‑8# Das war unsere Folge mit Hanni Weirather-Wenzel hören Sie auch nächste Woche wieder rein, wenn wir zur Abwechslung mit Werner Delle Karth über den Bobsport sprechen. #00:33:13‑5#

Werner Delle Karth

Werner Delle Karth

Stadtarchiv Innsbruck

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Transkript

Person 1: 50 Jahre Olympische Winterspiele 1976. #00:00:13‑4#

 

Person 2: #00:00:21‑4# (...) Hallo und herzlich willkommen zur zehnten Folge der Podcastsendung 50 Jahre Olympische Winterspiele 1976. Für die heutige Folge haben wir uns mit Werner Delle Karth zum Gespräch getroffen. Bei den Olympischen Winterspielen 1976 war Werner Teil der Viererbobmannschaft für Österreich. Ein Medaillenerfolg blieb aber leider aus. Dennoch fiel ihm als Sprecher des olympischen Eides eine besondere Rolle zu. Interessante Einblicke über diese Rolle und über den Bobsport im Allgemeinen erwarten Sie in unserer Folge. Nach der Einspielung geht es auch schon los. #00:01:00‑7#

 

Person 1: #00:01:13‑3# (...) Danke, lieber Werner, dass du mich heute eingeladen hast und mich beherbergt bei Dir zu Hause und wir gemeinsam über deine Erinnerungen an die Olympischen Winterspiele von 1976 sprechen. Ich fange immer gerne so an und frage, was denn das Prägnanteste oder was das Erste ist, woran du gedacht hast. Wie ich gesagt habe, ich komme und wir sprechen über die Spiele 76.. #00:01:36‑3#

 

Person 3: #00:01:37‑2# Ja, eigentlich natürlich. Hauptsächlich habe ich die Verbindung zu die zu 76, dass ich in Olympischen Eid gesprochen habe. #00:01:44‑2#

 

Person 1: #00:01:44‑7# Das wollte ich ganz gezielt ansprechen. Ich fange aber nochmal chronologisch an Die Spiele kann man ja 76 nach Innsbruck. Nachdem es anfänglich ja gar nicht klar war, dass Innsbruck wird, weil es war ja eigentlich USA. #00:01:57‑6#

 

Person 3: #00:01:57‑7# Hat ja übernommen. #00:01:58‑7#

 

Person 1: #00:01:59‑5# Du hast schon Spiele. Bist du schon gefahren? Davor? #00:02:02‑3#

 

Person 3: #00:02:03‑0# Ich bin 72 in Sapporo gewesen. #00:02:05‑8#

 

Person 1: #00:02:05‑9# Sapporo? Ja. Da hast du teilgenommen? Ja. Wie du gehört hast, dass jetzt die Spiele in Innsbruck stattfinden. Kannst du dich daran erinnern? War das für dich irgendwie so? Spiele in Innsbruck? #00:02:16‑8#

 

Person 3: #00:02:17‑2# Ja, das war natürlich ganz außergewöhnlich. Also für uns war das eine tolle Geschichte. Nicht, weil Innsbruck hat ja eigentlich schon damals eine tolle Band gehabt, nicht? Auf der habe ich angefangen. Bobfahren natürlich. Dass ich danach alles neu gebaut habe, das war natürlich im ersten Gespräch oder bei den ersten Gesprächen nicht sicher. Aber da waren ja noch verschiedene Pläne, wo sie die Bahn bauen wollen. #00:02:43‑0#

 

Person 1: #00:02:43‑6# Was du da involviert? In die. In die. #00:02:46‑0#

 

Person 3: #00:02:46‑1# Also sie haben leider uns wenig gefragt, weil es ist ja eigentlich ein paar Sachen haben wir damals schon angerissen. Also wo sie uns wo wir gesprochen haben oder wo es geheißen hat, dass das eine Kunsteisbahn wird. Weil er hat es ja auch noch andere Pläne gegeben, dass zum Beispiel die Bahn ins Kühtai gebaut wird. Da wären also entlang dieser Straße, wo sie das Kraftwerk aufgebaut haben. Das war einmal sehr im Gespräch, dass man gesagt hat, man geht in Innsbruck, wo immer föhnanfällig, dass man geht auf 2000 Meter, dass die das Eis nicht so schnell davon rinnt. Aber wo es dann geheißen hat, da ist ein Kunsteis, wo man natürlich überrascht über die Pläne, weil es dann geheißen hat, da hat es neue Regeln gegeben, die Bahnen werden kürzer, und das war dann mit Konkurrenz, mit Rodeln, weil Rodeln war noch vorher eigene Bahnen. Da hat man gesagt, Rodeln kann auf einer Bobbahn nicht fahren und Bobfahren nicht auf der Rodelbahn. Und das war dann. Es hat dann vorher einen Versuch in Königssee gegeben, das, wo man eine Kombination bauen gehabt hat, wo Rodel und Bobold nur Zweierbob. Damals und in Innsbruck hat man dann also eine verkürzte Strecke. Die waren ja nur 1000. Irgendwas wo wir. Die ursprüngliche Regel war Eine Bobbahn soll 1.500 Meter haben, mindestens oder eine Meile. Und das war natürlich ein bisserl negativ. Da waren wir nicht so positiv eingestellt. #00:04:23‑3#

 

Person 1: #00:04:23‑6# Haben da die die Fahrer selber sozusagen versucht zu ich sage jetzt nicht intervenieren, aber ist das der Verein? Wenn der Rodel, also der Bob und Rodelverein. #00:04:32‑2#

 

Person 3: #00:04:32‑5# Der Bobverband. #00:04:33‑3#

 

Person 1: #00:04:33‑4# Bobverband, der. #00:04:34‑2#

 

Person 3: #00:04:34‑2# Bobverband, also mir? Also ja, wir haben schon Kritik geübt. Und der Bobverband, der war natürlich so enthusiastisch, dass ich in Innsbruck eine neue Bahn gebaut wird, dass endlich das Dilemma aufhört, dass Veranstaltungen nicht stattfinden, weil eben ein Föhneinbruch ist Und der hat eigentlich mehr oder weniger hat der Vorstand des Verbandes alles akzeptiert, was da vor sich gegangen ist. Wir als Fahrer, wir haben natürlich schon Kritik geäußert, und damals hat es auch geheißen also jede Bahn jetzt das Neueste ist ein Kreisel. Wir brauchen einen Kreisel und die damalige Kurve, die, was da oben heute steht, also da war, wo der Hexenkessel war, eben der Kreisel, der war ja viel tollere Kurven, als wäre der Kreisel jemals hergegeben hat und dann und dann Der Auslauf war damals schon ein Problem und das haben wir schon kritisiert. Und wir haben dann vom Verband ein sozusagen Interviewverbot gekriegt, dass wir alles, wir dürfen alles nichts sagen, alle keine Kritik äußern. Wir müssen froh sein, dass die Bahn gebaut wird. Und wir haben zu schweigen, weil wir haben schon gesehen, dass der Auslauf ein Murks war, weil damals schon der Auslauf weg von der Bank gegangen ist, anstatt in die Bahn hinein. Aber da hat es doch angeblich so Grundstücks Streitereien gegeben. Und so weiter und so fort. Dann ist dieser halt dieser Auslauf gebaut worden. Wie sich jetzt nach 50 Jahren oder noch länger. Jetzt hat man das endlich gelöst und es hat 50 Jahre gedauert. #00:06:19‑6#

 

Person 1: #00:06:20‑2# Manchmal dauert es halt doch ein bisschen länger. #00:06:22‑2#

 

Person 3: #00:06:23‑6# Oder noch länger oder. #00:06:24‑7#

 

Person 1: #00:06:24‑7# Noch. #00:06:24‑9#

 

Person 3: #00:06:24‑9# Länger. Die Bahn ist gebaut worden. Drei aus 74. #00:06:28‑7#

 

Person 1: #00:06:28‑9# 73 ist der Spatenstich gewesen. #00:06:30‑8#

 

Person 3: #00:06:31‑2# 73. Gefahren sind 75. Ja, ja, 50, 55. Ja. #00:06:37‑6#

 

Person 1: #00:06:38‑2# Ich gebe es ja offen ehrlich zu. Ich komme im Bobsport relativ wenig aus. Habe ich nie gemacht. Ich denke mir nur, wenn man für Olympische Spiele eine komplett neue Bahn baut, die man dann ja entsprechend wenig befahren kann. Vorab Wir kommen als Sportler da gescheit vorbereiten, überhaupt aufzubauen, wenn man eigentlich nie eine große Truppe, also Live Trainings machen kann. #00:06:59‑4#

 

Person 3: #00:06:59‑8# Der Bobsport ist sowieso ein eigenartiger Sport in der Hinsicht, weil der Bobfahrer selber, der trainiert am Trockenen, was man sie von 365 Tage im Jahr 360. Ja, das ist jetzt übertrieben, aber wir fahren dort fünf Tage. Wenn man alles zusammenrechnet, weil, ja, wo ich angefangen habe, Bobfahren war die Bobsaison, die ist gegangen, maximal zwei Monate. Und wo sie dann angefangen haben mit Kunsteisbahnen, hat man dann im November schon angefangen, die Bahnen zu vereisen. Also da ist man viel öfter Bob gefahren, weil ja, wenn man das zusammenrechnet, wie lange man bobfährt. Wenn ich Früher hab ich 40 Fahrten gemacht in der Saison a einer Minute. Nicht Grob geschätzt und nach oben nach waren es nicht einmal drei Minuten. Was wir gefahren sind, nicht 53 sind wir aber gefahren. Also jetzt muss man sich vorstellen, wie oft ich da fahren muss, damit ich überhaupt eine Zeit zusammenbringe. Als Bobfahrer Und trainiert haben wir praktisch. Jeden Tag mehr oder weniger nicht, weil wir ja Kraft trainiert haben. Laufen haben wir trainiert. Wir haben schon damals gesehen also der Start wird immer wichtiger. Speziell auf einer kurzen Bahn in Innsbruck, wo der Start schon für uns sowieso gleich das Thema Nummer eins Wer kann, wer ist schnell. Und ich persönlich habe da sowieso einen Nachteil gehabt, weil ich war eigentlich als Bobfahrer zu klein. #00:08:37‑2#

 

Person 1: #00:08:37‑5# Okay, also es ist da wenn wenn quasi dem wegen der Fußlänge oder oder. #00:08:43‑0#

 

Person 3: #00:08:43‑0# Nein, nein, nein, nein. Ich habe jetzt ein kleiner Mensch hat nicht so viel Kraft wie 1 Meter 90 ist nicht, oder? Und? Und der war so ein richtiger Athletisch. Wir haben damals die Sportler ausgesucht oder gesucht, und zwar unter anderem bei den GewichtHebern. Ich habe den großen Erfolg. Was ich gehabt habe, der war hinter mir, der hat 110 Kilo gehabt. Zwar stehen wir nicht, wo wir haben. Ich habe nur Stempel drauf gehabt auf dem Schlitten. Andere wieder, Die haben Leichtathleten drauf gehabt. #00:09:13‑8#

 

Person 1: #00:09:14‑9# Jetzt muss ich aber fragen, weil der Bruder ist Ja. #00:09:17‑2#

 

Person 3: #00:09:18‑1# Zwei Brüder sind. #00:09:19‑0#

 

Person 1: #00:09:19‑4# Zwei. Vater. Einer war der Gewichtheber, oder? #00:09:23‑5#

 

Person 3: #00:09:23‑8# Nein, nein, nein, nein, nein, nein. Das war ja noch so, dass ich gesehen habe, dass da einer von meine Brüder ist. Ja, bei mir rumgesessen. Also, angefangen haben wir, sind wir sogar zu dritt auf einem Boot gehockt, und da habe ich gesehen, er hat zu wenig Athletik. Dann muss er, muss er weg. Aus diesem Grund hat er dann selber angefangen zu fahren und als Lenker hat sich das noch ein bisschen. aus. Der war aber auch schon. Meine Brüder sind alle beide einen Kopf größer. Wie? Die haben auch eine gewisse Athletik. Kann man sich antrainieren. Schnelligkeit ist ein Problem, aber Athletik kann man trainieren. Und wenn die trainiert haben, haben die natürlich bessere Werte gehabt. #00:10:03‑4#

 

Person 1: #00:10:03‑4# Wie hat es mehr Vorteile, dass man verbrüdert ist im Pub oder ist es kann es auch zu sehr? Also ich würde jetzt gar nicht großartig darauf eingehen, aber für mich persönlich finde ich es spannend, weil weil ich mit meinem Bruder auch gut aus aber. Aber ich weiß nicht, weil das sind ja doch Personen. Gerade bei solchen Veranstaltungen, da gehen die Emotionen hoch. Oder kann man das unterscheiden? #00:10:25‑9#

 

Person 3: #00:10:26‑0# Das war nicht so gemeint. Mein Bruder hat das nicht gefallen, dass ich ihn aber dann habe, nicht. #00:10:30‑9#

 

Person 1: #00:10:31‑1# Klar. #00:10:31‑3#

 

Person 3: #00:10:31‑3# Und aber. Aber das war halt damals notwendig. Aber wir waren alle bei einem Verein, also das war aus. Nach außen hin kein Konkurrenzkampf. Beim Bobfahren, was er so schneller gefahren ist, der hat sich qualifiziert. oder nicht? Und natürlich, wie soll ich sagen, je mehr du. Früher waren ja wirklich viel mehr Bobfahrer als wir heute. Jetzt hat es immer, immer schon Qualifikationen gegeben, weil bei den Rennen ja meistens nur zwei Mitfahren haben dürfen, bei den Olympischen Spielen zwei nicht. Also es war, wie soll ich sagen, vom ersten Tag weg, wenn wenn aber gefahren bist, wenn die Bahn aufgegangen ist, hast du müssen. Entweder du warst dabei oder du warst nicht dabei und und dann ist eine Ausscheidung kommen irgendwann und dann und dann noch eine nicht. Also das war wie die Olympischen Spiele haben wir nicht acht Rennen im Vierer und auch dem Zweier gehabt, um sich zu qualifizieren. #00:11:32‑5#

 

Person 1: #00:11:32‑9# Und die hat dann der Verband veranstaltet. #00:11:35‑8#

 

Person 3: #00:11:36‑1# Ja, ja, das ganze Jahr. Also wir haben nichts getan. Also wir waren nur Sportler, nicht? Und das Organisatorische hat der Bobverband gemacht. #00:11:44‑7#

 

Person 1: #00:11:47‑3# Gehen wir vielleicht auf den Anfang der Spiele ein, weil du schon erwähnt hast, ganz am Anfang, dass du den den Eid gesprochen hast. Demnach warst du natürlich bei der Eröffnungsfeier dabei. Hast du von da, Bevor man dann noch weiter eingehen, sonst von der Eröffnungsfeier noch irgendwelche großen Erinnerungen? Wie stehst du auch zu den, ich sage jetzt mal zu den Gästen, die sie euch eingekleidet haben? #00:12:12‑6#

 

Person 3: #00:12:13‑6# Na ja, also das ist natürlich immer, dass man solche Geschichten eigentlich noch einmal sollte erzählen. Also das mit dem olympischen Eid, das ist ja relativ kurzfristig gegangen. Also da war ich sicher nicht die erste Wahl. Das weiß ich ja. Nein, nein, da war ich eh klar. Ich glaube, dass damals die erste Wahl der Klammer war, nicht Aber bei der Klammer hat ja das erste Rennen bei den Spielen gehabt. Und letztendlich hat uns ja der Klimafonds, wie soll ich sagen, erst die Berechtigung gegeben, unsere Anzüge zu tragen. Wir haben. Wir haben uns. Ja, wir haben uns. Ja, Mann. Wie soll ich sagen? Wie sagt man da? Fremdgeschämt. Weil. Wir sind ja mit den goldenen Anzügen einmarschiert. Und jeder hat. Sie hat gesagt. Mir ist total irre. Für goldene Anzüge, goldene Kappen. Und wir haben müssen alle das anziehen. Natürlich beim Einmarsch und. Aber der Klammer hat letztendlich, dass die Sensation eben zusammengebracht, dass er die Goldmedaille gewinnt. Am ersten Tag. Und dann hat man wenigstens gesagt. Ja, gut, jetzt haben wir einen goldenen Anzug anhaben. #00:13:24‑8#

 

Person 1: #00:13:24‑8# Nicht zum alten noch. Kurze Frage während des Eides. Ist da das Mikro ausgefallen? #00:13:30‑5#

 

Person 3: #00:13:30‑7# Ja, Ja, Da ist alles ausgefallen. Nein, nein. Im Vorfeld. Im Vorfeld hat es natürlich alle möglichen Sachen gegeben. Da war erstens einmal der Öoc Präsident war ja der Hella damals, der hat gesagt ich, ich muss alles im Dialekt sprechen. Ich darf nicht Hochdeutsch sprechen. #00:13:48‑9#

 

Person 1: #00:13:49‑2# Beim Eid, beim Eid. #00:13:50‑5#

 

Person 3: #00:13:50‑6# Der hat gesagt, ich muss Dialekt sprechen, so gut war das. Eine War für mich auch kein Problem, weil Hochdeutsch war eh so eher das Problem. Und dann ist ja so eine blöde Drohung irgendwas in der Luft hängt und zwar da war der Manfred Gabriele, das war der Oberreporter von vom ORF damals, der war ja da praktisch die Olympischen Spiele hauptsächlich, da der Obermacher war, mit denen hab ich ein bisserl einen Krieg gehabt, und der hat gesagt, wenn ich die, Wenn du dich versprichst, bei dem, bei dem Eid, dann lässt er mich Tag und Nacht laufen. Das war so eine Drohung, was irgendwie im Raum gestanden ist, dann mit dem Mikrofon, was er sagt. Es ist die ganze Lautsprecheranlage, beim wo der Sinowatz angefangen hat, Reden ausgefallen im Stadion und ich bin dann dran kommen zum Sprechen. Denn diesen Eid zehn Minuten vorher habe ich nicht mehr gewusst von dem Eid. Jedenfalls ist das klar, eigentlich klaglos gegangen. Ich habe mich nicht versprochen. Aber wenn du in ein Mikrofon redest, dann wartest du auf einen Widerhall und der Widerhall ist nicht gekommen. Das heißt, ich habe zu laut, Ich habe mehr oder weniger laut oder viel zu laut. Ich muss ganz ehrlich sagen, wenn ich mich da höre, ich kann mich nicht hören. Aber jedenfalls war es zu laut, weil im Fernsehen sind natürlich die Mikrofone gegangen, sondern nur in der Arena ist das Mikrofon gegangen. #00:15:22‑5#

 

Person 1: #00:15:25‑2# Ich weiß, ich habe jetzt nicht nachgeschaut, aber ich muss ehrlich gesagt sagen, wenn die Rennen von die von die Bobfahrer, wo die relativ waren, die relativ knapp noch die noch. #00:15:34‑2#

 

Person 3: #00:15:34‑9# Wir haben ja schon davor trainiert ja weil weil weil du normalerweise fünf Tage Training hast und und dann zwei Tage rennen. Also ich meine, wie soll ich denn sagen. Es hat für mich natürlich schon eine gewisse. Die ganze Geschichte mit dem Tod war für mich ein Nachteil, weil es hat ja vorher schon gesagt, habe vorher Qualifikationen gegeben. Ich war im Zweier und im Vierer qualifiziert und der Verband war die Aussage. Und es war sogar damals schriftlich, dass es während den Spielen keine Qualifikation mehr gibt, sondern die, wo sich davor qualifiziert haben, die fahren. So war es ja so, dass natürlich jetzt Ja, du hast den Eid du könntest du dir vorstellen, dass du auf den Zweierbob verzichtest und dann ist noch dazu Das war im Vierer mein Konkurrent, der Sperling Fritz. Der ist während die im 1. 02., dritten Training jeden Tag Bestzeit gefahren. So, jetzt haben Sie erst recht zu mir gekommen und haben gesagt Der Trainer war damals der Reinhold und er und der Präsident oder der los hat. Ich soll halt. Der Sperling war so gut und ich soll verzichten auf den. Auf meinen Startplatz. Sie wissen, dass Sie das versprochen haben. Ich habe halt dann immer denkt Ja, gut, es stimmt, mein Platz war vielleicht im Zweierbob, wenn ich ganz super gefahren wäre. 5/6, weil einfach vom Start ich zu langsam war. Aber ich bin ja kein Fantast, das weiß ich ja und habe den Sperling fahren lassen. Aber der Verband hat das insofern mir nicht sehr gut. Wie soll ich denn sagen gut gerechnet? Weil ich das haben Sie nirgends verlautbart, dass der Delle Karth sich freiwillig verzichtet auf den Startplatz, sondern da hat es einfach aus. Wir stellen jetzt den Sperling auf, weil da haben wir eine Chance für eine Goldmedaille oder für Medaille. Und der Delle Karth, der ist jetzt einfach durch den Rost gefallen. #00:17:40‑4#

 

Person 1: #00:17:41‑0# Ist das gut? #00:17:41‑9#

 

Person 3: #00:17:43‑2# Ist das wahr? #00:17:44‑0#

 

Person 1: #00:17:44‑1# Auf gut Deutsch. #00:17:44‑7#

 

Person 3: #00:17:46‑3# Weil Sie hätten ja keinen Fall. Da wäre natürlich verzichtet aufgrund des olympischen Eides auf seinen Startplatz, Weil er an sich qualifiziert wäre. #00:17:55‑8#

 

Person 1: #00:17:56‑3# Das ist. #00:17:56‑9#

 

Person 3: #00:17:57‑1# Ja. Das war Linke. Und der Sperling hat ja noch glatt beide Spiele am ersten Tag geführt und dann ist er letztendlich Vierter geworden. Ich habe natürlich schon im Viererbob gesetzt, weil da bin ich davor schon gut gefahren und ich bin ja Zweiter gewesen. Nach dem ersten Lauf. Und dann ist er mir eingeflogen und da waren wir alle futsch. Nicht, weil die Medaille war in Reichweite. #00:18:22‑1#

 

Person 1: #00:18:22‑5# Ärgert es umso mehr, wenn man schon vorab, also wenn man im ersten Durchgang schon so damit rechnet. Und dann passiert es halt, dass man ausgerutscht. #00:18:31‑6#

 

Person 3: #00:18:33‑0# Ausgerutscht bin ich nicht eingeflogen. Da haben natürlich verschiedene verschiedene Sachen eingewirkt und ich weiß nicht, das ist nichts für für irgendwelche Geschichten, weil das ist natürlich auch eine persönliche Meinung, die natürlich allgemein verständlich ist. Weiß man nicht, aber ich meine, das ist ja reines Pech. Der war halt übermotiviert. #00:19:03‑0#

 

Person 1: #00:19:03‑3# Ja. #00:19:03‑5#

 

Person 3: #00:19:04‑4# Der wollte das Beste geben. Und ja. #00:19:07‑0#

 

Person 1: #00:19:07‑4# Manchmal funktioniert es und manchmal nicht. #00:19:08‑8#

 

Person 3: #00:19:09‑0# Ja, ja und ja. Ich bin nachher noch gut gefahren. Also ich bin trotzdem noch schneller gefahren wie der Sperling. Weil ich. Ja. Da hab ich mir mal bis Kurve drei gebraucht, bis dass der Bremser den Mann gezogen hat. Der hat sich ja Schlüsselbein und Schulterblatt gebrochen bei meinen Flügen. #00:19:28‑2#

 

Person 1: #00:19:28‑9# Das ist auch eine Gaudi. #00:19:29‑9#

 

Person 3: #00:19:30‑3# Nein, nein, das war. Und das merkst du nicht als Pilot. Ich habe nur gemerkt, hinter mir ist was los. Und die Zeit stimmt nicht. Im Ziel war. #00:19:38‑5#

 

Person 1: #00:19:39‑1# Nachdem es ja dann nichts geworden ist, also nicht nichts geworden. Aber du warst mir keine Medaille geworden ist. Ja, wir wollten die Reaktionen von von Familie von. #00:19:48‑3#

 

Person 3: #00:19:48‑9# NATO in die Familie. Was? Soll ich sagen, Natürlich waren wir alle enttäuscht, nicht aber was früher in der Zeit. Da hat es das öfters gegeben, dass einer gestürzt ist oder ausgeschieden oder irgendwie gestürzt, war ja normal auf der. Auf die alten Bobbahnen ist man einfach gestürzt und hat das da. War das nicht so eine Tragik, dass man mal fliegt? Heutzutage gibt es das nicht mehr nicht. Aber wir waren mit dem schon, wie soll ich sagen, immer konfrontiert, dass man fliegen kann. Und jetzt ist halt einer eingeflogen. Ja. #00:20:33‑4#

 

Person 1: #00:20:34‑4# Passiert. #00:20:34‑7#

 

Person 3: #00:20:35‑4# Ist passiert. #00:20:36‑1#

 

Person 1: #00:20:38‑8# Während der Spiele hast du aber in Innsbruck gewohnt, oder? #00:20:40‑9#

 

Person 3: #00:20:41‑0# Wir haben im Olympischen Dorf gewohnt. #00:20:42‑7#

 

Person 1: #00:20:42‑8# Hast du im Olympischen Dorf gewohnt? #00:20:44‑0#

 

Person 3: #00:20:44‑4# Im Olympischen Dorf gewohnt? #00:20:45‑6#

 

Person 1: #00:20:45‑7# Das hast du nicht. Gar nicht privat versucht hast du zu der Zeit, aber. Aber in Innsbruck eine Wohnung gehabt? Ja, ja. Aber das war nicht gewünscht. #00:20:54‑1#

 

Person 3: #00:20:54‑1# Quasi die Wohnung. #00:20:55‑2#

 

Person 1: #00:20:55‑4# Ja, aber das war nicht gewünscht. Quasi, dass du schon verheiratet. Aber war das gar nicht möglich, dass du sozusagen oder wolltest nicht gewünscht haben? #00:21:03‑1#

 

Person 3: #00:21:05‑5# Wir haben einen Plan, mir mal im olympischen Dorf zu schlafen. #00:21:07‑8#

 

Person 1: #00:21:08‑0# Und wie hast du dir die Zeit im olympischen Dorf? #00:21:10‑5#

 

Person 3: #00:21:10‑5# Das war einfach toll. #00:21:11‑8#

 

Person 1: #00:21:12‑0# Ja, bist du. Zwei Zimmer. Warst du. Mit wem? Okay. #00:21:16‑0#

 

Person 3: #00:21:17‑1# Mit wem ich geschlafen habe, weiß ich nicht mehr. #00:21:18‑7#

 

Person 1: #00:21:19‑2# Und war da viel Austausch mit andere Sportler? Was? Du oder du? #00:21:24‑9#

 

Person 3: #00:21:25‑0# Ein bisschen doof. Na ja, wir haben alle gekannt. Also mit anderen Bobfahrer haben wir sicher einen Austausch gehabt. Aber Dass ich mich jetzt gerade an irgendwelche Begebenheiten erinnere? Eher nicht. #00:21:38‑2#

 

Person 1: #00:21:38‑5# Und mit die mit die eigenen, also mit die österreichischen Sportler anderer Disziplinen ist, hat man das so unter mir ist wenig Austausch gewesen. #00:21:45‑1#

 

Person 3: #00:21:45‑5# Das ist aber normal, weil ja, mir sind in der Früh nachher mit dem Bus gefahren auf die Bobbahn. Wir haben hier oben die Bob gehabt, da oben hat man die Bob hergerichtet. Dann war meistens dann irgendwann einmal ein Trainingslauf, nicht und wir waren ja schon davor immer kaserniert. Wir waren da oben in den Sistrans im Karpfenhof, da war ich ganz das ganze Team alleweil so 14 tägig. Wenn man Ausscheidungen gehabt hat, wo man da oben kaserniert. #00:22:12‑2#

 

Person 1: #00:22:13‑5# Und hast du bei den Spielen bzw. Hast du während der Spiele Zeit gehabt andere Sportarten zu verfolgen? Also andere Rennen, andere Spiele? #00:22:26‑5#

 

Person 3: #00:22:26‑5# Ich kann mich noch erinnern, dass ich ein paar Mal Eishockeyzuschauer geworden. #00:22:29‑7#

 

Person 1: #00:22:31‑5# Verpflegung im Olympischen Dorf ist wahrscheinlich alles normal. Alles normal? #00:22:36‑2#

 

Person 3: #00:22:36‑2# Ja, ja, ich meine, das ist. Ja. Wie soll ich denn sagen, die Olympischen Spiele, Die haben sich ja total verändert, nicht? Also es ist ja nicht mehr so und natürlich haben wir angefangen, haben die Sportarten, die wichtigen nicht die Skifahrer zum Beispiel. Die haben dann immer gesagt Ja, wir brauchen eigene, ein eigenes olympisches Dorf, wir brauchen eigene Unterkünfte, weil unsere Sportler sind so hoch leistungsorientiert, dass sie müssen ihre eigenen Unterkünfte haben. Und das hat sich dann immer mehr. Ich war ja bei bei sechs Olympischen Spielen nicht sechs oder sieben war ich also zwei, wo ich selber gefahren bin. Aber nachher als Trainer nicht. Und der Sportler ist halt eine Figur, die wird eingesetzt und danach wird er wieder hinter ihm zugesperrt und er darf mit keinem mehr reden. So ist das halt. Das hat damals angefangen. #00:23:32‑9#

 

Person 1: #00:23:33‑4# Ich wollte gerade sagen, weil die Medienpräsenz auch Fernsehen, ausländisches Fernsehen war ja da in Innsbruck an und für sich. #00:23:38‑6#

 

Person 3: #00:23:38‑9# Ja gut, das haben wir nicht gemerkt, weil wir sind ja. Wir waren ja nicht die eine maßgebliche Sportart, nicht die, was jetzt die Medaillen bringen soll. #00:23:49‑8#

 

Person 1: #00:23:50‑8# Also du machst jetzt aus österreichischer Sicht. #00:23:53‑0#

 

Person 3: #00:23:53‑3# Also österreichischer Sicht, nicht. #00:23:54‑6#

 

Person 1: #00:23:55‑3# Ein Thema, was ja immer gerne anspricht, weil es ja 76 doch recht, ich sage jetzt einmal brisant war, ist das Thema Sicherheit, weil ja doch relativ viel kontrolliert worden ist. In den ORF hat man ja nur mit dem richtigen Akkreditierungen. War das für die jemals unangenehm oder war das störend oder wieso? #00:24:16‑1#

 

Person 3: #00:24:16‑1# Das haben wir schon gekannt. Ich war davor in Japan, da war das gleiche. Ja, in Japan. Ich weiß nicht, Da unten waren waren, da war ich überhaupt alles zusammen. In Japan waren ja wir mit, die mit die Skifahrerin in einem Haus mit Mädchen und Burschen. #00:24:34‑8#

 

Person 1: #00:24:34‑9# Ach so. #00:24:35‑3#

 

Person 3: #00:24:35‑5# Ja. #00:24:35‑9#

 

Person 1: #00:24:37‑8# Gibt es oftmals noch ein Treffen mit ehemaligen Sportler oder vielleicht auch später in der Trainerkarriere, wo man mit Sportlern zusammentrifft, die 76 dabei waren, mit denen man dann noch, ich sage jetzt mal, dann auch schon zehn Jahre oder noch fünf Jahre oder noch mehr über die Spiele spricht während so nebenbei. #00:24:56‑7#

 

Person 3: #00:24:57‑1# Also wo ich aktiv war, hat das mit den Deutschen gegeben, weil die natürlich alle von Bayern waren, großteils. Und da haben wir Fußballspiele im Sommer gemacht. Da waren ein paar Initiativen, da sich die Sportler treffen nicht, aber das ist, wie soll ich sagen, eigentlich Abkommen nicht. Und wo ich dann Trainer war, da haben wir so einen Missionare. Cup haben wir gemacht, die Trainer, die für andere Nationen trainiert haben und da haben wir uns öfters getroffen und wir haben also hauptsächlich, solange ich Trainer war, weil ich war ja auch am Anfang bei den Kanadiern, da haben wir jedes Jahr irgendwo ein riesiges mit alle Trainer Essen veranstaltet. Das habe hauptsächlich ich gemacht und um eben ein bisschen eine, eine Gemeinschaft zu kreieren. Das hat sich aber alles aufgehört, nicht? Also heute geht es nur mehr um die wichtigste Sache ist die Medaille. Und wenn die Medaille nicht gemacht wird, wird der Trainer rausgeschmissen. #00:25:57‑4#

 

Person 1: #00:25:59‑6# Jetzt, 50 Jahre entfernt ihn natürlich. Das ist eine lange Zeit. Aber denkst du, wenn du jetzt zurückdenkst an die Spiele? Mehrheitlich positiv, die Innsbrucker Spiele, gemischte Gefühle sozusagen, oder, oder denkst oder hättest du jemals bereut, daran teilzunehmen? An die Spiele? #00:26:15‑8#

 

Person 3: #00:26:16‑2# Nein, überhaupt nicht. Es war damals eine super Veranstaltung und die hätte sicher noch zweimal eine super Veranstaltung werden können, wenn sich. Wenn sie damals die Politik gemeint hat. Sie muss die Bevölkerung fragen, weil das wäre in späterer Zeit sicher ein Riesenevent geworden und es hätte Innsbruck sicher toll gemacht. Aber da will man natürlich leider ein bisserl negativ belegt. Die anderen Spiele, die stattgefunden haben, mit allen möglichen Schulden usw, aber man müsse eigentlich nur das Positive sehen. Und das war der größte Fehler, was Innsbruck gemacht hat, dass es nicht noch einmal gemacht haben. #00:26:55‑9#

 

Person 1: #00:26:58‑3# Ich glaube oder ich weiß nicht, aber ich glaube, man kriegt ja relativ wenig mit. Aber das kriege ich sowieso wenig mit. Mit sagt die Jugend Begeistern für den. #00:27:07‑3#

 

Person 3: #00:27:07‑5# Sport und alle, alle Verbände tun was mit der Jugend. Nur beim Bobfahren ist natürlich so ein Jugendlicher kann nicht bobfahren, weil er das Gerät wiegt. 200 Kilo. Was soll ich mit 200 Kilogramm rumlaufen? Also früher war es ja so, dass man gesagt hat ja gut, wenn einer anfängt, hört man mit mit Rodeln nicht oder mit dem Skeleton nicht. Nur ist das eigentlich dann auch nie passiert, weil ja die, die die einzelnen Verbände beim Rodeln ist ja eigener Verband, Skeleton Bob zusammen. Da wird geschaut, dass der ja tot bleibt. Da wird nicht einer. Na, du gehst jetzt gescheiter bobfahren oder was probiert aus Bobfahren, was natürlich auch schon passiert ist. Und viele machen das aber dann eher aus eigener Initiative. Sind Sie zum Bobfahren gegangen? Weil ja der Bobsport natürlich schon einen gravierenden Fehler hat? Das Gerät ist zu teuer. #00:28:04‑1#

 

Person 1: #00:28:04‑5# Ja. #00:28:04‑8#

 

Person 3: #00:28:05‑9# Das Gerät ist zu teuer. #00:28:07‑2#

 

Person 1: #00:28:07‑3# Aber muss das. #00:28:08‑0#

 

Person 3: #00:28:08‑2# 400.000 €? #00:28:10‑1#

 

Person 1: #00:28:10‑1# Aber muss das der Sportler selber? #00:28:11‑6#

 

Person 3: #00:28:11‑9# Ja, wenn der Verband Geld genug hat. Das hat aber keiner gehört. Ich meine, mein Gerät hat auch zu 80 %. Mir gehört damals schon nicht. Und die Besten haben meistens dann ein Gerät, was der Verband bezahlt. Aber das sind die Bobfahrer. Seine. Ja, das ist auch noch ein Kriterium. Bastler Die basteln um den Bot so lang, bis der schnell ist. #00:28:39‑9#

 

Person 1: #00:28:41‑0# Es ist ja schon fast eine. #00:28:43‑1#

 

Person 3: #00:28:44‑2# Gute Stunde Rodeln. Natürlich nicht. Aber bei Rodeln ist das einfacher. Das Gerät kann ich angreifen, das lupfe ich selber rauf und und und trage es irgendwohin. Ein Boot brauch ich schon. Vier Leute. #00:28:56‑4#

 

Person 1: #00:28:58‑3# Oder sowas. #00:28:58‑8#

 

Person 3: #00:28:59‑1# Ja, ja, alles das. Da hat der Bob Skeleton Geht auch noch nicht. Aber beim Bob, Das sind alles Bastler. Wir haben in Tirol einen Super, sozusagen die besten. Bob hat. Der Tiroler baut derweilen unten in Fritzens in Fulda. Er hat für die Russen und überholte Bob gebaut und war neben die Deutschen die Besten. #00:29:25‑1#

 

Person 1: #00:29:25‑9# Interessant. #00:29:26‑4#

 

Person 3: #00:29:27‑0# Und der heutige? Da, wo sie jetzt Trainer ist, Der Stampfer, Der hat ja bei mir angefangen. Der baut sein Buch selber nicht. #00:29:35‑2#

 

Person 1: #00:29:35‑8# Aber wie ist es dann für die Wettkämpfe? Muss der dann zugelassen werden? #00:29:39‑8#

 

Person 3: #00:29:40‑1# Das ist ganz genau dem Reglement entsprechend nicht. #00:29:42‑7#

 

Person 1: #00:29:43‑4# Das finde ich auch spannend. Also ich finde es wahnsinnig spannend. #00:29:45‑8#

 

Person 3: #00:29:45‑8# Das macht viel aus. Wir haben eine italienische Bub gehabt, damals, wo ich selber gefahren bin. Und dann hat man eben, nachdem die DDR ihn, wie soll ich sagen, die DDR aufgehört hat, hat die DDR dann ihr Know how verkauft, probiert zu verkaufen und dann hat man eben viel DDR gehabt. #00:30:04‑9#

 

Person 1: #00:30:04‑9# Nicht, dass das Know how verkaufen, also so quasi, wie ihr seht. #00:30:10‑0#

 

Person 3: #00:30:10‑4# Es hat eine Zeit gegeben, wo die, wo die Regeln relativ großzügig waren und da hat die DDR zum Beispiel wie soll ich denn sagen, die DDR hat die Bahn gebaut in Oberhof, da sind die schon im August gefahren. Die DDR hat ja, wenn wir 100 vor 150 fahren, 50 geworden haben, die 500 gehabt, weil das war staatlich und die haben auch in einer Flugzeugwerft die Bob gebaut in Dresden. Ja, ja, die sind im Flugzeugwerft. Sonst haben sie ja nichts zusammengebaut aus einem Trabi aber und unsere Bob waren damals von einem Schlosser gemacht, der Italiener, der Botta oder der KPs, Das waren Schlosser. Das ist alles eine Schlosserarbeit gewesen. Und jetzt? Natürlich ist, wo die DDR hat, hat die die Federung was gehabt hat, die haben sie dann verboten, weil es hat keiner nachgebaut und dann hat man eben ist übergegangen auf auf die neuen Materialien nicht und deswegen kostet eine Puppe ist eine reine Handarbeit, kostet eine Lawine und dann haben sie mit den Kufen getan. Es war immer so ein Theater, nicht? Also etwas Geld Haben Sie Einheitskaufen gemacht? Aber die waren ja doch nicht einheitlich. Und ja, da hat es halt wie immer beim Skispringen. Ist jetzt gerade ähnlich. Nicht der Adel dazu. Nachher ist er, fliegt er weiter als jeder andere. Und beim Bobfahren war genau das gleiche. Toni hat auch Kufen gehabt, ist aber nur so aus meiner Erinnerung. Ich habe mal einen Satz Kufen gehabt, den habe ich auch montiert und ich war vorne ja ganz wurscht, ob es geregnet oder geschnitten hat oder was ich war. Ich war schnell. Dann habe ich den Bob mitsamt den Kufen verkauft habe, bin ich nicht mehr schnell gewesen. Das war so und das ist heute nicht viel anders. #00:32:08‑1#

 

Person 2: #00:32:12‑2# (...) Das war unsere Folge mit Werner Delle Karth. Hören Sie auch nächste Woche wieder rein, wenn wir mit Andreas Praha über den Ost West Konflikt bei den Spielen sprechen. #00:32:20‑8#

Andreas Praher

Andreas Praher

Stadtarchiv Innsbruck

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Transkript

[Fanfare]

Sprecher: 50 Jahre Olympische Winterspiele 1976. #00:00:13‑4#

 

Hanna Fritz: #00:00:21‑9# (...) Hallo und herzlich willkommen zur elften Folge der Podcastsendung 50 Jahre Olympische Winterspiele 1976. Diese Folge widmet sich einem einzelnen Beitrag der Publikation zu den Olympischen Winterspielen in Innsbruck, die wir in Folge sechs dieses Podcasts zum Thema hatten. Mit Andreas Praher sprechen wir über seinen Beitrag Geteilte Welt im Schnee, die Olympischen Winterspiele in Innsbruck vor dem Hintergrund des Ost West Konfliktes und der deutsch deutschen Sportbeziehungen. Aus organisatorischen Gründen haben wir das heutige Gespräch online aufgezeichnet. Wie immer geht es nach dem Jubiläumsmarsch gleich los. #00:01:02‑5#

[kurzer Ausschnitt des Jubiläumsmarsch]

Tobias Rettenbacher: #00:01:15‑1# (...) Lieber Andreas, danke, dass du dir Zeit genommen hast heute mir über Deinen Beitrag aus unserem Olympiabuch Olympische Winterspiele in Innsbruck Vorgeschichten, Bedeutungen, Nachwirkungen zu sprechen. In dem Buch hast du einen Beitrag geschrieben mit dem Titel Geteilte Welt im Schnee Die Olympischen Winterspiele in Innsbruck vor dem Hintergrund des Ost West Konfliktes und der deutsch deutschen Sportbeziehungen. Jetzt werden wahrscheinlich die meisten oder viele Zuhörer und Zuhörerinnen mit deiner Person nicht ganz vertraut sein. Darf ich Sie vielleicht bitten, dass du dich in ein paar Sätzen einmal kurz vorstellst und was du beruflich machst? #00:01:54‑4#

 

Andreas Praher: #00:01:55‑4# Ja, mein Name ist Andreas Praher. Ich bin Zeithistoriker Historiker und Sporthistoriker beschäftige ich mich seit Jahren sehr intensiv auch mit der österreichischen Sportgeschichte in nationalen oder internationalen und globalen Kontexten und insbesondere mit Fußball, aber eben auch Skisport und Wintersport und habe sehr viele Forschungen betrieben und auch eine Studie geschrieben über den österreichischen Skisport im Kontext des Nationalsozialismus, wobei da sehr stark auch die Vorgeschichte und die Nachgeschichte mit einfließt. So wie es eigentlich dazu gekommen ist und wie der Umgang im Sport im Skisport dann war. Nach 45, was den Nationalsozialismus betrifft und die nationalsozialistische Vergangenheit und bin momentan tätig und arbeite als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Museum Arbeitswelt, in Steyr, als Ausstellungskurator und Kulturvermittler. Und ja, das ist einmal so weit zu meiner Person. #00:02:56‑6#

 

Tobias: #00:02:57‑3# Du betrachtest ja die Spiele von 64 und 76, Da sind wir ja dann schon natürlich in der Nachkriegszeit, aber dann auch schon in der Zeit des Kalten Krieges und des Ost West Konfliktes. Wie war denn die Herangehensweise? Sind unsere Herausgeber an dich herangetreten mit dem Themenwunsch? Oder wurde es dann doch irgendwo auch ein Thema, was du schon so am Rande ein bisschen betrachtet hast, aber noch nicht in die weiter in die Tiefe gegangen bist? #00:03:23‑1#

 

Andreas: #00:03:24‑7# Die Idee ist entstanden eigentlich vor ein paar Jahren, wie es diese Tagung gab zur Sportstadt Innsbruck. In Innsbruck, wo auch die Herausgeber dieses Bandes dazu eingeladen haben. Und wir haben uns dort getroffen und ich habe zu meinem Thema referiert, also das Sportthema im Nationalsozialismus. Wir haben uns dann aber gleich in weiterer Folge über diesen geplanten Olympiaband unterhalten zu den Olympischen Winterspielen in Innsbruck. Und ich habe gesagt, da gäbe es ja auch sozusagen noch Themen, die da in diesem Kontext wenig beleuchtet worden sind und wenig behandelt worden sind. Und ich habe dann vorgeschlagen, auch das Thema des Ost West Konfliktes bzw des Kalten Krieges damit aufzunehmen und auch dieser Geschichte der DDR und der innerdeutschen Beziehungen zwischen DDR und BRD und sich das mal anzuschauen. Und welche Rolle da eigentlich auch Österreich oder Innsbruck gespielt hat in diesem Kontext. Weil das eigentlich kaum beleuchtet worden ist bisher. Und ich habe dann sozusagen dem Herausgeberteam den Vorschlag gemacht, ich könnte dieses Thema übernehmen und bearbeiten. Und für mich ist es so, dass Historiker das eigentlich die europäische Nachkriegsordnung sozusagen nicht zu erklären ist, weil man sich nicht die Vorgeschichte anschaut. Also sprich sozusagen, dann kommen wir wieder auf das Thema Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg usw und das hat sozusagen dann seine Fortsetzung in dieser europäischen Nachkriegsordnung nach 45, was sozusagen dann die Trennung in diese beiden deutschen Staaten betrifft, also DDR und BRD und natürlich auch die Teilung der Welt in Ost und West. Vielleicht noch ein Punkt, was ich erwähnen kann Ich habe mich in der Vergangenheit auch schon mit dem Thema auch beschäftigt. In universitären Kontexten, bei Lehrveranstaltungen, die an der Universität Salzburg abgehalten haben, mit Studierenden, sprich in Seminaren, wo wir das Thema sozusagen auch des DDR Sports aufgegriffen haben und auch behandelt haben, auch in Seminararbeiten. Und dem wollte ich nachgehen, weil es sozusagen schon interessant ist, dass eben auch gerade im österreichischen Sport dieses Thema sozusagen eine Rolle spielt, aber eigentlich kaum behandelt wird. #00:05:43‑2#

 

Tobias: #00:05:43‑4# So erschließt sich natürlich für mich die Frage noch an wie ist denn generell die Quellenlage, sei das jetzt BRD oder DDR? Was sind denn da die Archive oder die Quellen überhaupt zugänglich geworden? #00:05:54‑3#

 

Andreas: #00:05:54‑8# Grundsätzlich kann man sagen, dass die Quellenlage Mittlerweile schon viel besseres als noch vor 30 Jahren, sag ich mal kurz nachdem sozusagen auch die Mauer gefallen ist und die deutsche Wiedervereinigung stattgefunden hat. Da war es natürlich noch sehr, sehr schwierig, sozusagen an zuverlässige Quellen zu kommen und an Dokumente, die die Staatssicherheit betreffen. Also Stasi Akten jetzt im Detail, aber eben auch Akten der SED Führung der DDR. Die waren zu diesem Zeitpunkt natürlich noch geschlossen, die mussten sozusagen auch noch gesichtet werden. Mittlerweile hat sich da sehr, sehr viel getan, weil auch im Bundesarchiv in Berlin beispielsweise diese Akten auch zum Großteil mittlerweile zugänglich sind. Eben nicht nur physisch sozusagen. Also gewisse Bestände sind mittlerweile auch digital verfügbar. Das heißt, sie sind online auffindbar. Es sind manche Dokumente auch online freigeschalten oder freigegeben. Das heißt, man hat da wirklich auch von anderen Orten Zugriff auf diese Akten, zumindest auf die Digitalisate, was natürlich wirklich die großen Bestände betrifft. Und wenn man nur in die Tiefe gehen will, muss man schon sozusagen vor Ort recherchieren, auch im Bundesarchiv. Aber da hat sich natürlich schon einiges getan. Das heißt, das sind einfach Archive geöffnet worden, die vorher eben in der DDR oder in Ostdeutschland waren. Und es gibt auch mittlerweile sehr viel Forschung in dem Bereich, gerade in Deutschland. Also da ist gerade die sporthistorische Forschung hat da sehr viel aufgearbeitet in den letzten 20, 30 Jahren kann man sagen. Es ist schon so, dass glaube ich, vieles noch nicht aufgearbeitet worden ist. Was interessant wäre, wären eben gerade so Vergleiche auch zu anderen europäischen Ländern und was da diese Sportbeziehungen betrifft. Also ich sage jetzt einmal DDR, Österreich beispielsweise oder BRD, Österreich, DDR in diesem Beziehungsgeflecht oder Dreieck, da braucht es natürlich schon Untersuchungen und auch von österreichischer Seite her ist da wenig passiert oder gemacht worden. In dem Bereich. #00:08:03‑3#

 

Tobias: #00:08:03‑7# Jetzt haben wir natürlich schon ein bisschen vorgegriffen auf das Thema BRD DDR. Ich würde gerne in einem ersten Schritt vorher auch noch einmal zu sprechen kommen, also den größeren Blick sozusagen auf Ost West und eigentlich die Rolle Österreichs sozusagen als Gastgeber. Vielleicht kannst du uns einen Einblick geben, wie sie Österreich dargestellt hat oder oder versucht hat darzustellen als Gastgeber oder die Situation gehandelt hat. Mit diesem Konflikt ist natürlich eine schwierige große Frage. Es ist eine. #00:08:33‑1#

 

Andreas: #00:08:33‑1# Sehr. #00:08:33‑3#

 

Tobias: #00:08:33‑3# Schwierige. #00:08:33‑8#

 

Andreas: #00:08:34‑1# Frage und ich kann es wahrscheinlich auch nur sozusagen in einem kleineren Teil beantworten oder nicht zur Gänze, weil da fehlt natürlich auch die Zeit dazu. Also man muss sich ja die Nachkriegspolitik und die Nachkriegsordnung anschauen, in Europa und speziell in Österreich. Also man sieht ja, dass sich Österreich da sehr früh und sehr stark bemüht, sich als neutrales Land innerhalb der Staatengemeinschaft, also innerhalb der internationalen Staatengemeinschaft, zu positionieren und im Prinzip eine Art Vermittlerrolle zwischen Ost und West, also zwischen diesen beiden Blöcken, die da entstehen und so eine Art Brückenkopf bildet. Ja, das kann man schon sagen, nicht nur im Sport, sondern überhaupt auf anderen Ebenen und in anderen Bereichen international gesehen. Man sieht es ja an Wien sehr, sehr schön an dem Standort, wo dann internationale Organisationen entstehen, die sozusagen auch im Prinzip das gemeinschaftliche Leben auf staatlicher Ebene eigentlich gestalten sollen und aushandeln sollen. Und da sieht sich Österreich sozusagen in seiner neutralen Position, das wird ja immer wieder betont, auch von den von der Politik sozusagen in dieser Vermittlerrolle, ja, in dieser neutralen Rolle, wo man schauen, wie dass man diese Balance findet und unterhält. Ja, und Österreich hat natürlich da diesen Vorteil, dass sich die Zweite Republik ja nach 45 zunächst einmal auf diesen Opfermythos beruft. Ja, und aufgrund dieser Moskauer Deklaration sozusagen als Opfer des Nationalsozialismus begreift, was ja sozusagen auf gewisse Art und Weise anerkannt wird, international zunächst ja, und sich damit sozusagen mehr oder weniger freispricht von dieser nationalsozialistischen Vergangenheit und jetzt aus diesem Kontext heraus oder aus diesem Zusammenhang heraus gelingt sozusagen Österreich, dort diese neutrale Position einzunehmen. Also hat Österreich eine andere Ausgangsposition als beispielsweise die BRD als Nachfolgestaat von Nazideutschland. Sofort natürlich als der Hauptaggressor und natürlich der Täter gesehen wird und da sozusagen auch diese Verantwortung und diese Hauptlast übernimmt und auch zu tragen hat und tragen muss. Ja, was die NS Vergangenheit betrifft, das ist bei Österreich anders. Das sieht man auch daran, dass Österreich sehr schnell wieder auf sportlicher Ebene diese internationale Reputation bekommt, der früh eben auch internationalen Bewerben teilnehmen darf und kann und dort akzeptiert wird. Im Gegenteil zu Deutschland beispielsweise und der BRD, die erst viel später starten darf bei internationalen Bewerben. Österreich nimmt beispielsweise 1948 an den Olympischen Sommer und Winterspielen teil. Es ist auch eine Art Anerkennung. Und diese Rolle, diese Rolle nutzt Österreich auch sehr gut und sehr stark auch sportpolitische Ebene. Und das lässt sie dann sozusagen auch beobachten in Hinblick auf die nächsten oder kommenden Olympischen Spiele. Auch jene, die dann in Innsbruck stattfinden. 64 und dann 76. #00:11:57‑4#

 

Tobias: #00:11:58‑1# Also 64, würdest du sagen, ist auch die Vermittlerrolle noch recht stark? Gibt es dann einen Paradigmenwechsel? Wahrscheinlich nicht, aber aber doch eine gewisse Veränderung, wie man dann als Gastgeber auftritt, zwischen 64 und 76? #00:12:11‑3#

 

Andreas: #00:12:11‑8# Ja, es hat sich, hat sich auf jeden Fall verändert. Also ich sage jetzt einmal geopolitische Situation hat sich deutlich verändert von den 60er zu den 70er Jahren. Wirtschaftspolitisch hat sich quasi in diesem Kontext natürlich auch einiges verändert und auch anders entwickelt. Und auf nationaler Ebene. Also es war natürlich so, wenn man sich die 60er Jahre anschaut, die kann man sozusagen schon als Konsolidierungsjahre sozusagen sehen. In Österreich, in der Zweiten Republik. Also natürlich geht es schon in den 50er Jahren sehr stark los und dann mit Ende der Besatzung 1955, wo sozusagen dann wirklich diese Unabhängigkeit kommt und dann sozusagen festigt sich eigentlich erst so richtig diese diese zweite Republik in Österreich. Und das wird natürlich auch ganz stark sozusagen politisch und sportpolitisch auch betrieben. Und man sieht es zum Beispiel auch an dem Dreifachsieg vom Toni Sailer ganz schön. Also 56, das war wirklich so ein markantes Jahr und das folgt im Prinzip ja ein Jahr nach dem Staatsvertrag. Mehr oder weniger, kann man sagen. Und damit wird sozusagen auch die die Zweite Republik so richtig einzementiert. Und dann geht sozusagen mehr oder weniger schon bergauf in den Wohlstand rein, in den beginnenden Wohlstand. Und da spielen natürlich dann 64 die Olympischen Spiele in Innsbruck sehr, sehr tragende Rolle, weil man da erstmals sich wirklich als fortschrittliches, modernes Land präsentieren kann. Der internationalen Staatengemeinschaft im Sport eben auch. Und über den Sport Ja, und das ist was, was man natürlich auch mit verkaufen will und auch mittransportiert, also medial. Das sieht man sozusagen auch an der Berichterstattung. Sieht man natürlich an dem ganzen Marketing und der Werbung, wie die wie die Spiele nach außen getragen werden und gleichzeitig sozusagen schaut man sich als freundliches Gastgeberland zu positionieren ja, in den 60er Jahren da. Und was natürlich, da war man jetzt wieder auf die DDR und die BRD eingehen. Die Situation ist ist die natürlich der Mauerbau kommt einerseits, also 1961 wird die Berliner Mauer gebaut oder geht es los, sozusagen mit dem Mauerbau. Aber in den 60er Jahren startet DDR und BRD noch gemeinsam. Es gibt sozusagen eine gesamtdeutsche Mannschaft und die international sozusagen auch gemeinsam auftritt oder auftreten soll. Sagen wir so Es gibt schon gewisse Spannungen und da versucht natürlich Österreich, Auch wenn man sich nach Westen orientiert und sozusagen sich als demokratisches Land dem Kapitalismus öffnet, dem US amerikanischen, versucht man sich beiden Ländern, sowohl der DDR wie der BRD auf sportlicher Ebene zu begegnen und die relativ gleich zu behandeln. Und in den 70er Jahren, also dann bei den zweiten Olympischen Spielen in Innsbruck, ändert sich das schon sehr stark, weil die Stimmung ist eine ganz andere. Die Stimmung ist von internationalen Konflikten geprägt, in Europa, aber generell auf der Welt. Das drückt sich auch sportpolitisch aus bei internationalen Veranstaltungen, bei Olympischen Spielen. Also wir reden da von diesen kriegerischen Auseinandersetzungen in Vietnam, Jom Kippur Krieg, aber eben auch dann 72 das Attentat, der Terroranschlag, der palästinensische auf die israelische Mannschaft, also die Geiselnahme, die ja zu mehreren Toten führt. Das führt natürlich zu einer Veränderung. 72 Olympische Sommerspiele in München. Das sind zunächst einmal sehr freundliche, friedliche Spiele. Man versucht da wirklich, diese internationale Völkergemeinschaft im Sport hoch zu leben. Und dann passiert dieses Ereignis. Und das ist natürlich sehr tiefgreifend. Und es wirkt sich auch auf die Olympischen Winterspiele in Innsbruck aus. Das führt dazu, dass Sie diese Veranstaltung oder das Organisationskomitee irgendwie noch viel stärker bemüht, sozusagen das als Friedensspiele irgendwie über die Bühne zu bringen, wo man natürlich auch dementsprechend die Sicherheitsvorkehrungen im Vorfeld verschärft und schaut, dass da ja nichts passieren kann. Das ändert sich natürlich wirklich radikal, weil das ist 64 eigentlich kaum ein Thema, kann man sagen. Das ist natürlich da ganz anders. Also dann wirklich rigoroser Beamte im Einsatz, auf nationaler oder internationaler Ebene, wo Experten, Expertinnen dazugeholt werden und wo man schaut, dass eben da nichts vorkommt. #00:17:00‑6#

 

Tobias: #00:17:01‑4# Bei meinem Gespräch mit den Herausgebern haben wir da auch drüber gesprochen und ich glaube, da wäre wahrscheinlich dann ganz wichtig, weil es ja noch die Akten gibt bei der Polizei mit dem Sicherheitskonzepten von 64 und 76, wir haben es damals schon mal erwähnt, da wäre natürlich noch Potenzial für die Forschung, sich damit wirklich auseinanderzusetzen und auch schauen vergleichend, wie 64 und 76 der ganze Apparat sie verändert. Wäre sicherlich wahnsinnig interessant. #00:17:27‑0#

 

Andreas: #00:17:27‑6# Also ich glaube auch, dass es da neue Erkenntnisse oder es könnte zu neuen Erkenntnissen kommen, wenn man bei den Akten, was das Innenministerium betreffen beispielsweise in dieser Zeit, also 60er, 70er Jahre, die da wirklich die enorme Nähe und im Detail anschaut, was da eben für Sicherheitskonzepte gegeben hat und wie da umgegangen worden ist, sozusagen auf nationaler und internationaler Ebene, um Ebene vorzubeugen. Und da kann man sicherlich nur auf vergleichender Ebene einiges herausfinden. Da müsste man noch tiefer graben. #00:18:00‑9#

 

Tobias: #00:18:01‑2# Eigentlich bleiben wir vielleicht wirklich jetzt gleich bei der DDR und BRD, wie den Artikel gelesen habe oder den Beitrag gelesen habe. Es liest sich ja schon ein bisschen wie Spionage Roman von Ian Fleming, so wie er sozusagen das Miteinander, was ja dann eigentlich also 76 muss jetzt dazu sagen 76 natürlich das war schon ein unser System gegen euer System. Kannst du uns vielleicht einfach auszugsweise ein paar Beispiele geben, wie sowas dann wirklich in Realität dann auch niedergeschlagen hat? Dieser Konflikt, der innerdeutsche. #00:18:35‑9#

 

Andreas: #00:18:36‑4# Ja, also wie du schon sagst, das ist tatsächlich eigentlich liest sich manchmal wie ein Thriller oder Spionageroman oder Krimi und es sind wirklich zwei Welten eigentlich aufeinander geprallt bei diesen Olympischen Spielen zwei Sportsysteme, die sehr unterschiedlich waren von ihrer Ausgestaltung, aber auch von ihrer Ideologie und ihren Hintergründen, wobei sie sozusagen gemeinsame Wurzeln haben und gemeinsame Sporttradition, was ja total spannend ist, wenn man sich die BRD und die DDR ansieht. Also sie greifen ja sozusagen auf dieselbe Sporttradition zurück. Aber nach 45 geht es in unterschiedliche Richtungen. Also einerseits Richtung Westen, andererseits zum Osten, wenn man das jetzt mal ganz vereinfacht so sagen will. Ja, die DDR begreift eigentlich schon sehr früh als dieses Sportwunderland und sozusagen als Sportwunderland verkaufen und vermarkten und natürlich auch so die Bedeutung und die Überlegenheit des Sozialismus demonstrieren in Wahrheit. Natürlich hat das sehr stark auf einer Ausbeutung der Menschen und Dementsprechend hat der Körper, wenn man sich das einmal ansieht, dieses dieses Sportsystem. Und da kommen wir eben zu dem Punkt, was du angesprochen hast, du da gesagt hast, die DDR hat wirklich versucht, im Zuge dessen, dass sie sich da wirklich als dieses Sportwunderland verkaufen wollte, das System wirklich auf perfide Art und Weise auf die Spitze zu treiben. Und was die Verwissenschaftlichung betrifft, ja. Das heißt, man hat da wirklich mehr oder weniger keine Kosten und Mühen gescheut, den Sport natürlich unter staatliche Kontrolle zu bringen, aber damit auch gleichzeitig dieses Sportsystem massiv auszubauen. Das heißt, es ist sehr viel Geld da reingeflossen, um das zu Verwissenschaftlichen, um die Sportmedizin auf den höchsten Stand der Dinge zu bringen. Und damit verbunden war natürlich alles Doping. Also man weiß das heute mittlerweile, dass in der DDR unter staatlicher Kontrolle es immer wieder zu Doping gekommen ist. Im Spitzen und Leistungssport. Und das war eben das präferierte Feld, wo der DDR Staat eingegriffen hat. Und da sind wirklich systematisch Sportlerinnen und Athletinnen gedopt worden bzw unter Einfluss von Medikamenten gestellt worden eigentlich. Was natürlich auch zu Langzeitfolgen geführt hat. Ja, nicht nur individuell gesehen, sondern halt sozusagen gesamtgesellschaftlich. Und da ist dieser Punkt sozusagen, wo das DDR System massiv eingegriffen hat. Ja, das hat natürlich auch dazu geführt, dass man im Spitzenleistungssport eben diese Leistungen erbringen konnte. Und das war dann auch der Punkt, wo andere Staaten immer wiederum auf die DDR geblickt haben und geschaut haben, was ist da eigentlich los, Wie kann es das geben, dass die so, so gut sind? In einem gewissen Bereich. #00:21:42‑7#

 

Tobias: #00:21:43‑4# Vor allem in dem Medaillenspiegel, waren sie ja dann also in Innsbruck waren sie nicht voran, weil die UdSSR EUdSSR. Aber ich glaube dann, in weitere Spiele werde die DDR immer höchst erfolgreich und unter den Top Nationen während der Spiele vom Medaillenspiegel. Ja. #00:21:58‑3#

 

Andreas: #00:21:59‑3# Die waren da. Genau, sie waren da waren wir sozusagen. Man sieht zum Beispiel im Vergleich mit anderen sozialistischen Staaten Osteuropas immer, immer vorne oder relativ weit vorne und an der Spitze. Das hat natürlich auch zu Konflikten mit der Parteiführung in Moskau geführt. Teilweise ja. Also da sieht man auch, dass das sozusagen noch eine Nebengeschichte hat, die ganze Sache. Also das war nicht immer ganz konfliktfrei und friktionsfrei. Also die Beziehung der DDR Führung in der DDR selbst, aber dann eben auch gegenüber Moskau. Also da musste man sich auch deklarieren, aber da ist die DDR sehr, sehr konsequent und sehr stark einen eigenen Weg gegangen. Das ist auch recht spannend. Auf jeden Fall. Also diese Ausbeutung der Sportlerinnen und Sportler war eine Sache oder ein Bereich, der in der DDR wirklich massivst und systematisch betrieben worden ist. Das sieht man und das ist von der Kindheit an weggegangen, also wirklich in der Kindheit und Jugend dieser, dieser Sportlerinnen und Athletinnen, die sozusagen ihren Weg im Leistungssport oder Spitzensport gesucht haben, auch unter Zwang und auch unter Druck. Auch was die Familien betrifft. Also man hat da keine Mühen gescheut, auch die Familien dann unter Druck zu setzen. Dementsprechend. Und man muss schon sagen, zu einem gewissen Teil waren ganze Familien in den in den Fängen der Sportführung der DDR Sportführung und in diesen Zwängen und auch diese Sportlerinnen und Athletinnen selbst natürlich. Das war eine Sache. Und was dann sozusagen dazukommt, ist diese Kontrolle der Sportlerinnen und Sportler und Athleten und Athletinnen nicht nur auf nationaler Ebene, sondern auch auf internationaler Ebene. Das heißt, diese Menschen sind von der Stasi überwacht worden. Da waren gewisse Agenten und Beamte eingesetzt, die sozusagen auch mitgefahren sind, die immer wieder geschaut haben. Mit wem treffen sich diese Sportler und Sportlerinnen? Mit wem haben sie Kontakt? Nicht nur auf sportlicher Ebene, sondern selbst im privaten Bereich. Das ist eigentlich das gesamte Leben durchleuchtet worden. Man muss sagen wie mit einem Röntgenapparat. #00:24:04‑2#

 

Tobias: #00:24:04‑4# Wir sprechen heute natürlich nur oberflächlich darüber. Aber es ist nicht mehr ein Buch oder nur ein Buch. Es ist ja nicht nur die DDR, was sozusagen Spionage betreibt, sondern ja auch die BRD. Was natürlich insofern Gegenspionage, wenn man das so nennen will, betreibt. Siehst du das so als ein Geben und Nehmen oder ist es schon sehr DDR lastig? #00:24:23‑2#

 

Andreas: #00:24:24‑5# Ja, das ist natürlich ein spannendes Kapitel, das es auch auf der Gegenseite, wenn man so will, unter Anführungszeichen auch zu einer gewissen Spionage gekommen ist. Also auch von Seiten der BRD. Also auch dort war der Geheimdienst eingeschalten und hat sich natürlich Gedanken gemacht, wie können wir sozusagen diese Angriffe abwehren? Wurden natürlich auch immer wieder als Angriffe bezeichnet, auf beiden Seiten, sowohl bei der DDR wie auch bei der BRD. Und da ging es natürlich schon auch darum, den größtmöglichen Nutzen zu ziehen und zu schauen, wie kann man eventuell auch jemanden abwerben und vielleicht für sich gewinnen. Und das ist was, was die BRD zum Beispiel sehr stark forciert hat. Das sieht man ja dann eigentlich ab 50er, 60er Jahre, dann speziell, wo man dann versucht hat, DDR Sportlerinnen, Athletinnen, aber auch Trainer für sich zu bekommen, für sich zu gewinnen, für die BRD, für das westliche Sportsystem und dem auch ganz stark nachgegangen ist und auch Beobachtungen angestellt hat. Das heißt, da waren auch Personen in der DDR eingeschleust, die haben natürlich auch diese Trainer, ja, ich sage jetzt mal im Visier gehabt. Ja, das darf man jetzt nicht falsch verstehen, aber die haben diese Trainer sich angeschaut und sie überlegt, wer der eventuell geeignet. Könnte man den nach Westdeutschland holen? Könnte man den einsetzen für das Nationalteam oder für Nationalmannschaft? Könnte sich der ideologisch oder der ideologisch auch geeignet? #00:25:59‑7#

 

Tobias: #00:26:00‑1# Die haben. #00:26:00‑3#

 

Andreas: #00:26:00‑3# Sozusagen. #00:26:00‑7#

 

Tobias: #00:26:01‑1# Ein Profiling gemacht, von den. #00:26:02‑8#

 

Andreas: #00:26:03‑2# Profiling gemacht, genau so, wie es die CIA macht oder andere Geheimdienste. Ja. Das waren eigene Agenten, die so Art Profiler waren und die waren eingesetzt und haben sich natürlich nicht nur Sportlerinnen und Sportler angeschaut, sondern auch die die Trainer der DDR. Und wir wissen ja, dass etliche dann geflohen sind und den Weg in Richtung Westen gesucht haben und dann auch für die für die BRD zum Einsatz gekommen sind bzw in das westdeutsche System übergelaufen sind, wenn man so will. #00:26:32‑1#

 

Tobias: #00:26:32‑6# Im Beitrag hast du auch ein Beispiel eines DDR Sportlers genannt. Vielleicht hat man ja nur wirklich nur kurz umrissen, weil die Leute sonst dann immer nachlesen. Er könnte natürlich bei viele Innsbrucker und Innsbruckerinnen bekannt sein. Da dann in seiner weiteren Tätigkeit der in Innsbruck im Einsatz war. Magst du vielleicht ganz kurz umreißen? Seine. Seine Story, wie er nach Innsbruck gekommen ist? #00:26:56‑0#

 

Andreas: #00:26:56‑7# Ja, also der Klaus Tuchscherer war ein nordischer Kombinierer und wenn man sich seine Biografie anschaut, ist er ja sehr klassisch. Eigentlich aufgewachsen als Sohn eines Spitzensportlers, der einerseits Fußballer und Wintersportler war. Und er stammt aus diesem Erzgebirge eigentlich und hat sich sehr früh den Skisport begeistern können und vor allem sozusagen für diese nordische Kombination. Und der Klaus Tuchscherer war eigentlich schon relativ früh. Zumindest hatte er Kontakte auch zu westdeutschen Sportlern. Und das geht aus diesen Akten der Stasi hervor. Er hat es selber dann erzählt. Er ist einer jener DDR Spitzensportler, die sozusagen diesen Dopingsystem, diesen massiven Dopingsystem ausgesetzt waren. Das ist was sozusagen ein Punkt, der immer wieder schildert und das natürlich an die Substanz gegangen ist. Das darf man nicht vergessen. Nicht nur körperlich, sondern auch psychisch. Und er ist einer von jenen Sportlerinnen, Athleten gewesen, die auch mit dem westdeutschen Sportsystem oder dem westeuropäischen Sportsystem, wenn man so will, geliebäugelt hat. Er hat dann eine Österreicherin kennengelernt aus der Steiermark und nutzt eigentlich die Olympischen Spiele 1976 in Innsbruck für die Flucht und kann sich da absetzen. Interessant ist, dass er sofort in der DDR dann als Sport verräter abgestempelt wird in der öffentlichen Wahrnehmung und offiziell gesehen. Die DDR aber versucht oder das DDR Sportsystem, ihn zurückzugewinnen. Das heißt man sieht auch bei ihm, was eben die Regel war bei geflüchteten Sportlern aus der DDR. Wie stark diese ganze Stasi Sicherheitsapparat Richtung Ausland operiert. Die haben wirklich versucht, ihn weiter zu verfolgen, das heißt zu schauen, was macht er eigentlich jetzt im Ausland? Er ist ja dann nach Österreich und hat dort die Staatsbürgerschaft beantragt und bekommen schlussendlich. Und man sieht aus den Akten, dass die DDR zwar gehen lässt offiziell und seiner Ausbürgerung und Einbürgerung in Österreich sozusagen stattgibt, aber die Stasi verfolgt ihn weiter. Also das heißt, die schauen schon ganz genau, was macht er jetzt eigentlich in Österreich, im Westen? Mit wem trifft er sie? Betreibt er da eine Art von Spionage? Gibt er da irgendwas weiter von der DDR in Richtung Westen oder nicht? Ja, und das ist sehr, sehr spannend. Und das sieht man immer wieder. Und bei ihm geht es ja sehr glücklich aus. Im Endeffekt bleibt er dann. In Österreich startet auch für Österreich. Bei manch anderen weiß man ja auch, es kommt zu Todesfällen, auch zum Teil, wo man nicht ganz weiß. Stecken dahinter vielleicht sogar politische Morde? Also das sind Sachen, die nach wie vor ungeklärt sind, weil die Aktenlage dementsprechend dünn ist und es da Widersprüche. Aber man weiß sozusagen, dass dieses DDR Sportsystem und natürlich der Geheimdienst die Stasi sozusagen einen langen Arm hatte bis ins Ausland. #00:30:18‑3#

 

Tobias: #00:30:19‑6# Vielen Dank Andreas. Wir sind zeitgleich schon wieder sehr weit fortgeschritten. #00:30:23‑4#

 

Andreas: #00:30:23‑8# Okay. #00:30:24‑2#

 

Tobias: #00:30:24‑5# Wir empfehlen jedem und jeder, den Band zu holen. Andreas Artikel zu lesen und die anderen auch. Und ich bedanke mich ganz herzlich. #00:30:32‑9#

 

Andreas: #00:30:32‑9# Ja, super, Danke Tobias, Vielen Dank! #00:30:35‑9#

 

Hanna: #00:30:38‑2# Das war unsere Folge. Mit Andreas Praher hören Sie auch nächste Woche wieder rein, wenn wir mit Dr. Peter Baumgartl sprechen. #00:30:45‑6#

Dr. Peter Baumgartl

Dr. Peter Baumgartl

Stadtarchiv Innsbruck

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Transkript

[Fanfare]

Sprecher: 50 Jahre Olympische Winterspiele 1976. #00:00:13‑4#

 

Hanna Fitz: #00:00:22‑0# (...) Hallo und herzlich willkommen zur zwölften Folge der Podcastsendung 50 Jahre Olympische Winterspiele 1976. In unserer heutigen Folge kommen wir auf die medizinische Seite von Olympischen Spielen zu sprechen. Dafür haben wir Dr. Peter Baumgartl besucht. Bei den Winterspielen 1976 war er Mannschaftsarzt der nordischen Herren in Seefeld, und auch bei weiteren Winterspielen war er als Betreuer im Einsatz. Im Fokus unseres Gesprächs liegt selbstverständlich der medizinische Faktor sowie das Thema Doping. Abseits davon sprechen wir auch generell über seine Eindrücke von den Spielen. Nach der kurzen Musikeinspielung geht es los. #00:01:05‑1#

[Ausschnitt aus dem Jubiläumsmarsch]

 

Tobias Rettenbacher: #00:01:17‑9# (...) Lieber Herr Doktor Baumgartl, danke, dass Sie mich zu Ihnen nach Hause eingeladen haben, um über die Olympischen Winterspiele von 1976 in Innsbruck zu sprechen. Zum Start frage ich gerne auch die Sportlerinnen und Sportler, was denn das erste ist, was in Erinnerung kommt, wenn man das Stichwort Olympische Winterspiele 1976 in Innsbruck hört. #00:01:41‑3#

 

Peter Baumgartl: #00:01:42‑1# Zunächst einmal Danke, dass ich zu dem Thema etwas sagen darf. Ist immerhin schon sehr lange her. Und natürlich sind nicht mehr alle Erinnerungen vorhanden. Aber was mir damals, sagen wir mal, als erstes imponiert hat. Ich bin erst das zweite Jahr bei den Nordischen vom Österreichischen Skiverband als Arzt tätig gewesen. War eigentlich die Eröffnungsfeier, wie wir uns da getroffen haben, alle in unseren Goldanzügen beim Wildenauer Tunnel und dann hinaufmarschiert sind ins Bergiselstadion, und da waren 60.000 Zuschauer. Das war eigentlich so der erste große Eindruck für mich, und es waren ja letztendlich auch meine ersten Olympischen Winterspiele. Ich habe danach noch acht Olympische Winterspiele mit betreuen dürfen, medizinisch. Also wie gesagt, die Eröffnungsfeier, das war ein sehr ist ein sehr bleibender Eindruck. #00:02:44‑4#

 

Tobias: #00:02:44‑7# Jetzt hänge ich gleich oder hake gleich ein. Die ersten Winterspiele auch recht frisch beim ÖSV als Mannschaftsarzt dabei. Du warst davor schon als Sportmediziner tätig, oder bist du relativ frisch, sozusagen als unter Anführungszeichen fertige Mediziner dabei gewesen oder zum ÖSV gekommen. #00:03:03‑7#

 

Peter: #00:03:03‑8# Es ist so Ich habe im Laufe meiner Ausbildung zum Internisten an der Universitätsklinik in Innsbruck zweieinhalb Jahre am Institut für Sport und Kreislaufmedizin unter dem damaligen Dozenten, späteren Hofrat Professor Raas, arbeiten dürfen und habe da natürlich sehr viele sportmedizinische Erfahrungen machen können. Wobei mir eigentlich immer schon vorgeschwebt ist, dass man die internistische Seite der Sportmedizin mehr fördern soll. Und ich bin ja auch dann bald nach dem ich meine Ausbildung in Innsbruck fertig gemacht habe, nach St. Johann ins Bezirkskrankenhaus gekommen. Da war noch keine Sportmedizin damals, aber ich konnte diese dann langsam aufbauen und das ist dann eigentlich ein sehr Bekanntes und vielbesuchtes Institut auch für Herz, Kreislauf und Sportmedizin geworden. Wo mir, das sage ich mich dann schon ein bisschen stolz. Sportler und Sportlerinnen gehabt haben, die insgesamt mehr als 100 Medaillen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spiele sammeln konnten. #00:04:16‑6#

 

Tobias: #00:04:17‑4# Wie ist dann dies oder zueinanderfinden mit dem ÖSV vor sich gegangen? War das auf Empfehlung von Dr. Raas? War das, dass der ÖSV angeklopft hat? Wir hätten Interesse oder hätten eine freie Stelle für die Nordischen. Wie? Wie ist denn da die? Oder kannst du uns vielleicht kurz erklären, wie wie sowas zustande kommt? Einmal generell. #00:04:38‑4#

 

Peter: #00:04:38‑9# Es war interessanterweise mein Bruder, der Unfallchirurg in Oberndorf bei Salzburg war, der die Nordischen betreut hat und der hat das dann durch auch wegen einer gewissen Arbeitsüberlastung mir übergeben. Und ich war damals schon in Sankt Johann, Aber wie gesagt, zuvor in der Ausbildung in Innsbruck hat mich Professor Raas schon öfter, damals Assistent und später Oberarzt bei verschiedenen sportmedizinischen Veranstaltungen eingesetzt. Ich bin dann auch mit den Alpinen schon unterwegs gewesen, aber es waren auch andere Sportarten. Und wie gesagt, also im Jahr 75 habe ich dann endgültig auch von Professor Raas, der das Referat im ÖSV geführt hat, die Betreuung der Nordischen und später auch der Biathleten, die waren ja damals noch nicht bei mir. SV aber später dann schon übernommen und habe das bis vor, kann man sagen drei Jahren ausgeübt und konnte das dann meinen. Wir haben da einige Mitarbeiter gehabt, das haben wir gut übergeben. #00:05:48‑2#

 

Tobias: #00:05:48‑4# Jetzt 75 ist schon sehr nah an den Spielen von 76, Wenn man jetzt 75 als Arzt hinzustößt, muss man dann schon entsprechend planen für die Spiele 76, was die ärztliche Betreuung betrifft? Oder ist man sowieso noch im laufenden Geschäft unter Anführungszeichen für die laufenden Bewerbe noch? #00:06:10‑9#

 

Peter: #00:06:11‑4# Na wie gesagt, also 75 bin ich dazu gekommen und bin dann schon immer wieder bei Wettkämpfen, Weltcups und anderen Veranstaltungen dabei gewesen. Auch bei Trainingskursen haben wir Untersuchungen schon gemacht. Und die Situation war ja für mich relativ einfach, denn die medizinische Organisation der Versorgung lag in den Händen von Professor Raas und der war ja ursprünglich mein Chef. Später waren wir dann auch natürlich sehr befreundet und haben viel zusammen gearbeitet. Und der hat natürlich sofort gesagt Peter, die Nordischen bei den Olympischen Spielen. Da werde ich veranlassen, dass du das bekommst. Beim IOC hat er vorgesprochen und die waren einverstanden. Und so bin ich dazu gekommen. #00:07:04‑6#

 

Tobias: #00:07:05‑2# Hast du vorab mit den Sportlern von den Nordischen schon Kontakt gehabt oder bist du erst, wie das dann dir zugeschlagen wurde, wirklich in engeren Kontakt mit dem Sportler gekommen? #00:07:17‑6#

 

Peter: #00:07:18‑4# Na es war ja so die. Nachdem ich also wie gesagt, zweieinhalb Jahre als Assistent und dann Oberarzt in Innsbruck am Institut tätig war, sind ja die nordischen Sportler auch hingekommen. Neben den Alpinen, die immer eigentlich schon und später dann auch noch bei diesem Institut in Innsbruck untersucht und betreut wurden. Und da habe ich sie natürlich schon gekannt, alle, das war klar. Und es hat mir auch schon während dieser Tätigkeit in der Ausbildung Professor Raas immer gesagt Du, schaust du auf die Nordischen. Mein Hauptgebiet sind die Alpinen und ich bin froh, dass du es mit mir als meinen Mitarbeiter das machen kannst. Und so bin ich eigentlich schon sehr, sehr gut vorbereitet gewesen und habe die Sportler alle gekannt. Es war ja ursprünglich so, dass die ÖSV Sportler alle dreimal im Jahr untersucht wurden am Institut mit umfassende Untersuchungen, ergo Spirometrie und alles ist gemacht worden. Und das ist dann eigentlich im Jahr 75 sind die Nordischen, nachdem ich in Sankt Johannes Sportmedizin aufgebaut hatte, nach Sankt Johann gekommen und auch die Biathleten damals. #00:08:37‑0#

 

Tobias: #00:08:37‑2# Das heißt, die Alpinen waren aber weiterhin in Innsbruck Innsbruck? #00:08:40‑4#

 

Peter: #00:08:40‑4# Ja, und das ist nach wie vor so, auch mein Nachfolger ist jetzt schon der zweite Nachfolger in Sankt Johann, betreibt die Sportmedizin weiter und weiterhin kommen sehr, sehr viele nordische Sportler, um sich hier untersuchen und betreuen zu lassen. Medizinisch. #00:08:57‑9#

 

Tobias: #00:08:58‑2# Bei meinem Interview mit dem Bernhard Russi hat mir der erklärt, dass er gemeinsam mit einem Trainer oder mit seinem Arzt oder von der Mannschaft, dem Arzt Haben Sie im Vorfeld nur geschaut was muss erledigt werden von den Spielern, dass mögliche Komplikationen, mögliche Auftreten der Sachen abgeklärt werden? Ich glaube, Blinddarm war ein Thema, dass man frühzeitig schon den Blinddarm rausnimmt, dass er ja während den Spielen nichts passieren kann. Hat so eine Überlegungen. Waren das Überlegungen auch, was die Ärzte unternommen haben oder ist es dann sehr von den Spieler ausgegangen, auch sowas zu berücksichtigen? Von den Spielern, von den, von den Sportlern? #00:09:38‑0#

 

Peter: #00:09:38‑8# Das ist eigentlich vom ÖOC ausgegangen. Das Österreichische Olympische Komitee ist dafür verantwortlich, dass die Sportler gesund zu den Spielen kommen und deswegen wurden auch bestimmte Pamphlete ausgesandt an die Ärzte, die ja so vorgesehen waren. Für die Olympischen Spiele war es zu tun ist eben eine Zahnuntersuchung, Augenuntersuchung, allgemeine Gesundenuntersuchung. Und das war bei uns natürlich ganz einfach, weil wir die Sportler sowieso schon am Institut gehabt haben und wie gesagt, dreimal im Jahr eine ausführliche Untersuchung gemacht haben und auch Konditionstests entsprechende. So war das eigentlich ganz einfach für uns. Aber die Vorgaben sind vom IOC gekommen. #00:10:26‑1#

 

Tobias: #00:10:26‑3# Hat es in ich sage jetzt mal, ein paar Monate vor den Spielen passieren müssen? Oder wurde es auch möglich, einfach im Rahmen eines Jahres das zu tun? #00:10:35‑7#

 

Peter: #00:10:35‑8# Das ist dann meistens im Sommer ausgesandt worden, was vorgesehen ist. Und dann hat man dann genügend Zeit gehabt bis zu Beginn der Wintersaison. Das war in der Vorbereitungsperiode, dass man diese vorbeugenden medizinischen Maßnahmen getroffen hat. #00:10:49‑8#

 

Tobias: #00:10:50‑4# Jetzt waren ja nun auch nicht die Spiele in Innsbruck und natürlich die Klinik ist natürlich auch in Innsbruck ist es für ärztliche Betreuer ein Heimspiel. Auch weil man die Versorgung kennt. Man kennt wahrscheinlich auch natürlich die umliegende Ärztepraxen. Wenn irgendwas dringendes wäre, hat man wahrscheinlich bessere Beziehungen, sag ich jetzt mal, ist es unter Anführungszeichen einfacher, das zu managen, als wie dann, wenn man im Ausland ist. #00:11:17‑6#

 

Peter: #00:11:18‑8# Das war wesentlich einfacher zu managen, weil ich ja zuvor schon auf der Universitätsklinik nicht nur bei Raas, sondern später auch auf der internen Abteilung tätig war. Alle Ärzte natürlich gekannt habe. Andererseits eben mein ehemaliger Chef, der Cheforganisator medizinisch war. Und so war es für mich ganz leicht. Wenn irgendetwas Gott sei Dank haben wir ja keine Verletzungen gehabt und keine ernsthaften Erkrankungen. Aber es wäre für mich ganz leicht gewesen, da natürlich diese Verbindung herzustellen. #00:11:51‑0#

 

Tobias: #00:11:51‑3# Und während der Spiele die Nordischen waren ja in Seefeld stationiert oder einquartiert. War das Ärzteteam auch dann in Seefeld einquartiert oder waren die in Innsbruck? #00:12:01‑2#

 

Peter: #00:12:02‑0# Nein, ich war immer da. Der Arzt für die Nordischen, wie gesagt in Seefeld, der einzige für Österreich. Aber es war natürlich auch von den anderen nordischen Nationen, die in Seefeld droben waren. Teilweise waren sie nur droben, manche waren doch im Olympischen Komitee, wenn ich mich recht erinnere. Aber, aber für unsere Mannschaft war ich der einzige Arzt in Seefeld droben. #00:12:22‑4#

 

Tobias: #00:12:22‑9# Und weil du gerade angesprochen hast, andere Ärzte von anderen Mannschaften, ist da ein Austausch zwischen dir? Also man könnte schon fast überspitzt sagen, das ist ja dann auch irgendwo ein Ärztekongress, der was ja stattfindet, weil ja doch von vielen Nationen die Mannschaftsärzte da sind. Ist da dann auch auf fachlicher Ebene ein besserer Austausch oder ist das Wetter gar nicht zu viel untereinander besprochen? #00:12:45‑8#

 

Peter: #00:12:46‑3# Da war ein reger Austausch eigentlich. Es wurden dann auch immer wieder Sitzungen einberufen der Mannschaftsärzte. Es war damals der Chef der Medizinischen Kommission im IOC, der Prince de Merode, ein belgischer Prinz, nicht Mediziner. Aber wie gesagt, er hat diese Sitzungen einberufen. Ich kann da vielleicht sogar vielleicht einmal zur Aufheiterung etwas erzählen. Die DDR Springer war natürlich die Konkurrenz für die österreichischen damalige sogenannte Wunderteam der Skispringer in Österreich. Und ich habe den DDR Arzt schon von früher gekannt und er ist dann zu mir gekommen und hat gesagt Du Peter, ich kann dir schnell was sagen, solange nicht der Politkommissar hinter mir mich zurechtweist. Schau mich an, sagt er, je lächerlich in Goldmännlein, ich werde euer blaues Wunder erleben, weil die haben immer ihre blauen Anzüge angehabt. Ja, hat er lachen müssen. Ich hab lachen müssen. Und genauso war es dann auch beim Skispringen. Es war dieser Länderkampf praktisch damalige DDR gegen Österreich. #00:13:58‑5#

 

Tobias: #00:14:00‑0# Du hast schon erwähnt, Gott sei Dank keine Verletzungen. Wie verfolgt man dann als Arzt die springen? Achtet man da auf andere Dinge wie jetzt der Zuschauer? Sei das vom Ursprung her, von der Landung oder von, ähm. Oder auch von der Vorbereitung? Sind da die letzten Gespräche dann noch nur physischer Natur oder auch von psychischer Natur? Wie ist denn dann vor dem Springen und vielleicht auch während dem Springen da dein Zugang? #00:14:29‑1#

 

Peter: #00:14:30‑0# Man muss sich vorstellen, dass Skispringen auf der Normalschanze und auf der Großschanze ist. Für die Athleten und Athletinnen das hat es ja damals noch nicht gegeben, eigentlich eine Routinesache. Schwieriger wird es dann, wenn ihr ein bisschen abweichen darf beim Skifliegen, wo Doch wenn man es zum Ersten Mal zum Skifliegen kommt, haben die doch öfter mal Angst gehabt, waren irgendwie aufgeregt, konnten nicht schlafen. Und da muss man dann natürlich oder kann man als Arzt beruhigend einwirken? Und es ist ja so, dass man versucht, zu den einzelnen Athleten ein amikales Verhältnis aufzubauen. Und ich muss sagen, nach wie vor bin ich mit den Sportlern von damals im engen Kontakt. Wir haben erst vor kurzem haben wir zusammen Golf gespielt. Innauer Toni, der Kogler, der Neuper und ich. Und vielleicht ist es auch ganz nett zu wissen, dass die damalige Konkurrenz, die DDR Sportler, die ja ausgepfiffen wurden, am Bergisel, jetzt eigentlich die engsten Freunde unserer damaligen Athleten sind. Und es hat im Sommer ein sogenanntes Legendentreffen auf der Tauplitz stattgefunden, wo die ganzen oder sehr viele von den damaligen DDR Springern dabei waren. Großes, freundliches Treffen. Wir haben so kleine Wettbewerbe gemacht und es ist ganz interessant, dass eigentlich aus ursprünglich Kontrahenten gute Freunde geworden sind. #00:16:05‑6#

 

Tobias: #00:16:05‑6# Ich glaube, ein gutes Beispiel ist da natürlich auch Klammer und Russi, die ja starke Konkurrenten waren und die Besten dann auch beste Freunde geworden sind. #00:16:13‑5#

 

Peter: #00:16:13‑7# Und weil ich eben gefragt wurde, wie ich das als Arzt sehe Offensichtlich ist es mir gelungen, eine Vertrauensbasis aufzubauen, weil ich war natürlich bei diesem Legendentreffen auch mit dabei und die alten Geschichten aufgewärmt, unter anderem auch natürlich 76. Innsbruck Der Jochen Danneberg war da im Sommer jetzt auch dabei, den sie damals ausgepfiffen haben. Das hat ihm schon weh getan. Aber das sind Sachen von gestern. #00:16:40‑5#

 

Tobias: #00:16:41‑2# Weil du ja gerade erzählt hast, wenn man sich trifft, das heißt, Innsbruck ist dann schon. Also bei so einem Legendentreffen kommt es dann häufig wirklich häufig vor, dass man nur über Ereignisse spricht, die den Klassiker konstituieren. In Innsbruck wird es wärmer. Und dass so alte Geschichten sozusagen aufflammen. #00:17:00‑3#

 

Peter: #00:17:02‑1# Natürlich, natürlich. Ich muss sagen, ich konnte beobachten, dass jetzt eben auf der Tauplitz wir waren da in so einer kleinen Hütte der Karl Schnabel mit dem Jochen Danneberg bis 5:00 in der Früh diskutiert hat. Natürlich nicht nur über, über, über, über die damaligen Ereignisse. Aber, aber natürlich haben sie darüber gesprochen und und wie das Ganze abgelaufen ist. Und es ist ja auch bekannt, dass der Toni Innauer und der Karl Schnabel, da brauche ich, glaube ich, nicht drüber reden, dass da zunächst einmal nicht gerade das beste Einvernehmen war. Aber die sind natürlich jetzt auch sehr, sehr gute Freunde. Also wenn er mal über etwas Gras gewachsen ist, dann ist vor allem bei den Sportlern wohl eigentlich der Freundschaftaspekt der wichtigste. #00:17:53‑1#

 

Tobias: #00:17:55‑2# Wenn man jetzt gerade bei der Eröffnungsfeier sind die Stimmung war ja 60.000 Menschen. Du hast schon erwähnt, der Einzug mit den goldenen Anzügen und dann hat es ja auch technische Gebrechen gegeben. Aber abgesehen davon, wenn dann nach der Eröffnungsfeier ist dann. Das habe ich noch gar nicht gefragt. Aber nach dieser Feier, das ist ja mit großem Pomp und Ansprachen wie zerbröselt denn dann eigentlich so eine Feier? Gehen dann alle schon in den Modus Operandi über und die gehen in die Vollen nach Seefeld. Die anderen gehen ins olympische Dorf, bereiten sich schon vor, weil es geht ja dann eigentlich schon los. #00:18:31‑1#

 

Peter: #00:18:31‑5# Ja, es ist genauso, wie du gesagt hast. Also die Wir sind gleich nach Seefeld hinauf gefahren und die anderen, mit denen wir Kontakt hatten, die Alpinen etc. ins Olympische Dorf. #00:18:42‑7#

 

Tobias: #00:18:43‑1# Und während der Spiele der Austausch oder der Kontakt auch mit den anderen österreichischen Sportlern. Die räumliche Distanz ist natürlich da. Mit Seefeld hat es aber immer wieder so ich sage gesamtmannschaftliche Veranstaltungen gegeben. #00:18:57‑0#

 

Peter: #00:18:57‑3# Ja, das nehme ich schon an! Ich kann mich noch erinnern, das war ein bisserl getrennt, immer Seefeld und Olympisches Dorf. Es ist an einem Abend zu uns nach Seefeld der Landeshauptmann gekommen. Wallnöfer Und damals mit dem Minister Taus. Und wie gesagt, es war so, die sind extra nach Seefeld gefahren und waren auch im Olympischen Dorf. Aber das war irgendwie zweigeteilt und wir haben eigentlich keinen Kontakt gehabt zum Olympischen Dorf. Es waren auch die Dopingkontrollen in Seefeld für die Nordischen, damals im Tennisstadion oder Tennishalle in Seefeld. Also wir haben sehr wenig Kontakt gehabt. #00:19:35‑5#

 

Tobias: #00:19:35‑5# Du hast jetzt schon angesprochen, deswegen mache ich gleich eine Überleitung zu den Doping Tests. Das war ja wahrscheinlich. Also die sind ja vom IOC, nehme ich an, durchgeführt worden. Die Dopingtests? #00:19:46‑2#

 

Peter: #00:19:46‑3# Nein, nein. Das war auch Aufgabe der Organisationsform. RAS Und ein Oberarzt von ihm, der Professor Knapp, Der hat die Dopingagenten gemacht. Er war der Chef der Dopingkommission, und die haben natürlich auch sehr gut gekannt, weil wir zuvor ja im Institut zusammengearbeitet haben. Und darum habe ich da immer wieder Kontakt gehabt. Und er hat mir erzählt, wie das Ganze abläuft. War ja ganz interessant. Es war so, ich weiß nicht, ob das bekannt ist. Es wurden die ersten vier nach einem Wettbewerb und zwei ausgeloste dopingmäßig untersucht. Es wurden damals nur eine Harnuntersuchung gemacht und es waren natürlich viele Substanzen, die jetzt untersucht werden. Wurden damals noch nicht geprüft, aber trotzdem hat es Dopingfälle gegeben. Wie gesagt, ich war insofern sehr gut informiert, weil eben dieser Kollege von mir Die Dopingagenten über hatte und ich weiß nicht, ob das bekannt ist, aber es waren. Also meiner Ansicht nach waren vor allem zwei eine Sportlerin, eine russische, die hat ein Medikament eingenommen Epilepticum, das Koramin damals, das also anregend wirkt, das früher eigentlich das Hauptdopingmittel war. Auch bei den Radfahrern hat man das ja alles gehabt. Und ein tschechoslowakischer Eishockeyspieler, der hat Codein genommen gehabt mit einem Hustensaft. Und übrigens, das Codein ist dann später von der Dopingliste gestrichen worden. Also das wäre damals gar nicht passiert. Aber es war nur so, dass damals die tschechoslowakische Mannschaft nur für dieses Spiel praktisch die Wertung verloren hat, aber weiter mitspielen durfte. Und sie haben die Silbermedaille gewonnen. Aber eines ist Das kann ich auch erzählen, weil es ja dann auch irgendwie publik wurde. Eine russische Sportlerin war in der Anprobe. Man macht also zuerst. Immer sind also zwei Proben die Probe, War sie positiv auf ein Doping auf der Dopingliste stehendes Medikament geprüft? Diese Probe wurde im Olympischen Dorf in Innsbruck durchgeführt, die Probe dann allerdings in Köln beim Professor Donike. Und der Ablauf ist kompliziert. Das möchte ich jetzt nicht im Einzelnen besprechen, aber die Dopingfläschchen waren versiegelt und die sind in einem Eisschrank im olympischen Dorf gestanden. Und in der Früh waren die aufgebrochen, Ist jemand eingestiegen und hat von dieser russischen Athletin das aufgebrochen. Und damit konnte keine Probe gemacht werden. Und damit war sie auch nicht unter Anführungszeichen tatsächlich gedopt. #00:22:41‑4#

 

Tobias: #00:22:42‑1# Das ist aber schon interessant, weil immer. Das ist ja dann auch ein Aspekt, auf den ich eingehen wollte. Aber die Sicherheitsvorkehrungen grundsätzlich während der kompletten Spiele war ja doch sehr hoch. #00:22:51‑5#

 

Peter: #00:22:51‑6# Ja, es war. Natürlich war da sehr viel Neuland dabei und es hat dann Professor Knapp hat Dann kann ich noch erzählen, im Olympischen Dorf war damals eine Filiale einer Bank und die war natürlich neu eingerichtet. Da war ein Tresor, der leer war. Diesen Tresor hat er dann gemietet und hat dann die Sachen da hineingegeben und dann hat das nicht mehr passieren können. #00:23:14‑2#

 

Tobias: #00:23:14‑6# Interessant. Danke für die Einblicke aus medizinischer Sicht, weil ich mich natürlich in dem Bereich recht schlecht auskenne. Wer legt denn fest, was als Dopingmittel gezählt wird und was nicht? #00:23:28‑3#

 

Peter: #00:23:28‑7# Wie gesagt, es war damals schon gut organisiert, aber hat sich dann später professionalisiert, kann man sagen. Es gibt ja die WADA, die Welt Anti Doping Agentur, und in jedem Land gibt es eine nationale Anti Doping Agentur Nada ist also bekannt in Wien. Es hat ein Labor gegeben in Seibersdorf, wo die Dopingproben untersucht wurden. Damals war es, wie gesagt, so, dass der Professor Huber bei einem neu angeschafften Gaschromatographen das im Olympischen Dorf gemacht hat und wie gesagt, an die Probe wurde, aber bewusst in einem anderen Land, eben in Köln bei Professor Donike gemacht. Und es hat aber damals auch schon natürlich Listen gegeben, welche Medikamente und Substanzen auf der Dopingliste stehen. Später ist es dann natürlich viel komplizierter geworden. Da kamen dann ja diese Blutuntersuchungen dazu und und und alles mögliche. Es ist jetzt sehr, sehr noch einmal gesagt professionalisiert. Das war damals aber auch gut organisiert und die Substanzen, die auf der Dopingliste gestanden sind, konnten alle exakt geprüft werden können. #00:24:42‑6#

 

Tobias: #00:24:43‑2# Dopingmittel gerade bei Sportarten wie bei den nordischen, auch bei den Alpinen. Wie schätzt das Ergebnis überhaupt beeinflussen kann den Sportler überhaupt unterstützen, pushen können? Wird das ein bisschen überschätzt oder Oder ist oder wird das unterschätzt? #00:24:59‑3#

 

Peter: #00:24:59‑7# Also im Spitzensport wird es sicher für die Laien unterschätzt. Natürlich kann man. Man muss unterscheiden zwischen Ausdauersportarten, wo man praktisch die Ausdauer verbessern kann mit verschiedenen Medikamenten. Später war das dann auch das Erythropoietin zum Beispiel. Ja, wo. Wo vermehrt rote Blutkörperchen gebildet wurden. Damit konnte mehr Sauerstoff transportiert werden und konnte die Leistung, die Ausdauerleistungsfähigkeit deutlich verbessert werden. Andererseits auch bei Kraftsportarten natürlich. Wenn man die Muskulatur mit Anabolika aufbaut, ist eine Leistungssteigerung vorhanden. Es war aber, dann wurden auch Versuche gemacht, natürlich auf psychologischer Ebene mit Hypnose und auch unterschiedlichen Medikamenten Versuche gemacht wurden. Und wie gesagt, da war natürlich, wie soll ich jetzt sagen, muss man vorsichtig sein. Aber es ist ja bekannt, dass die DDR da richtige große Laboratorien gehabt hat, wo sie das alles geprüft haben, und die waren uns dann natürlich unter Anführungszeichen weit voraus. #00:26:05‑4#

 

Tobias: #00:26:06‑2# Ich wollte auch noch auf einen anderen Aspekt eingehen das Thema Sicherheit. Es waren ja starke Kontrollen. Wie hast du die Präsenz mitbekommen? #00:26:16‑3#

 

Peter: #00:26:17‑1# Da habe ich damals sehr wenig mitbekommen. Wir wurden kaum kontrolliert, haben natürlich unsere Pässe gehabt, wo man überall durchfahren darf, wo man, dass man die Wettkampfstätten kommt, auch in den Wettkampfstätten, dann bis in einen bestimmten Bereich. Aber das wurde eigentlich kaum kontrolliert damals, das war später bei anderen Olympischen Spielen viel, viel strenger. #00:26:40‑4#

 

Tobias: #00:26:41‑5# Und abseits der eigenen Disziplinen. Also wo du als Mannschaftsarzt zuständig warst, hast du andere Sportarten verfolgt? Hast du irgendetwas vielleicht auch live dir angesehen? Zum Beispiel Eishockey? Oder. Oder hat es Interessen gegeben, dass du nur irgendwas anschaust? #00:26:59‑4#

 

Peter: #00:27:00‑0# Naja, da kommen wir gleich auf das Hauptthema damals das Abfahrtsrennen von Franz Klammer. Das hat uns natürlich auch alle unheimlich interessiert und wir haben dann fast, glaube ich, wenn ich mich recht erinnere, wir haben da einen Trainingstag gehabt, haben das Training unterbrochen, haben geschaut, wo ein Fernseher steht und haben dann natürlich mitgejubelt. Er war einfach auch unser Hero, der Franz und ein Eishockeyspiel, weil du gesagt hast, ich habe Japan gegen Österreich, habe ich sehen dürfen. Wir haben also vom Österreichischen Olympischen Komitee hat man Anfragen stellen können für Karten, für andere Events in einem sehr beschränkten Rahmen, aber eben immer das Eishockeyspiel angeschaut. Ja. #00:27:39‑5#

 

Tobias: #00:27:40‑3# Aber das bleibt natürlich sowieso noch besser in Erinnerung. Ist dir noch was während unseres Gesprächs eingefallen, was jetzt weder ich gefragt habe oder was du noch gern erzählen würdest über die Spiele? #00:27:53‑7#

 

Peter: #00:27:54‑4# Das ist jetzt für mich relativ schwierig, weil wir auf einem Außenposten waren. Wir haben kaum Kontakt mit anderen Nationen gehabt. Das war dann später natürlich immer so, wenn man im Olympischen Dorf waren. Das war auch ein Teilaspekt, dass man sich trifft, dass man sich unterhaltet, verschiedene Nationen, verschiedene Sportarten kennenlernt. Es war da leider nicht der Fall, aber wir waren dann später auch in Nagano, wo man auch außerhalb. Auch in Turin war man außerhalb, die nordischen immer. Aber manchmal waren wir auch in Wien. Ich glaube, in Kanada. In Calgary waren wir im Olympischen Dorf. Das hat man damals schon ein bisschen gefehlt. Der Kontakt, weil das ist eigentlich, dass man sagt ja, Olympische Spiele ist ein Treffen der Jugend. International soll auch den Frieden fördern. Die Idee der Olympischen Spiele der Neuen Olympischen Spiele geht in diese Richtung. Dann ist natürlich ein bisschen nicht enttäuschend. Aber man würde sich wünschen, dass man vielleicht dann doch auch mit den anderen Nationen in anderen Sportarten besser in Kontakt kommt. #00:29:03‑8#

 

Tobias: #00:29:05‑1# Ich finde, das waren ganz schöne Schlussworte. Ich bedanke mich noch einmal ganz herzlich für die Zeit und für das Gespräch. #00:29:12‑4#

 

Peter: #00:29:13‑1# Gern. Ich bedanke mich auch. Ich bin froh, dass ein bisschen was beitragen kann und bitte jetzt gleich um Verzeihung, dass ich mich nicht mehr an alles genau erinnern kann. Ist ja schließlich 50 Jahre her. Aber noch einmal danke. Es war ein sehr nettes Gespräch. #00:29:27‑1#

 

Person 2: #00:29:29‑2# Das war unsere Folge mit Dr. Peter Baumgartl. In der kommenden Woche sprechen wir mit Christof Grassmayer über seine Verbindung zu den Olympischen Spielen in Innsbruck. #00:29:39‑0#

Christof Grassmayr

Christof Grassmayr

Stadtarchiv Innsbruck

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Transkript

[Fanfare]

Sprecher: 50 Jahre Olympische Winterspiele 1976. #00:00:13‑4#

 

Hanna Fritz: #00:00:21‑8# (...) Hallo und herzlich willkommen zur 13. Folge der Podcastsendung 50 Jahre Olympische Winterspiele 1976. Unser heutiger Gast ist Christof Grassmayr. Der Senior Geschäftsführer der Grassmayr Glockengießerei hier in Wilten, beide in Innsbruck ausgetragenen Winterspiele, also jene von 1964 und 1976, sind für ihn privat wie beruflich noch in guter Erinnerung.  In der gemeinsamen Unterhaltung kommen wir auf seine unterschiedlichen Aktivitäten im Rahmen beider Spiele zu sprechen. Wie üblich geht es nach einer kurzen Einspielung gleich los. #00:01:07‑2#

[Ausschnitt aus dem Jubiläumsmarsch]

Tobias Rettenbacher: #00:01:19‑7# (...) Du kommst ja aus einer. Traditionsreichen oder mit Innsbruck stark verwurzelten Familie. Wenn man mit dem Namen Grassmayr natürlich auf. Oder auf die Welt kommt. Du bist seit 1962. Hast du. Bist du in der Firma? Soweit ich das gesehen habe. Und dass ich auch später 63. Hast du dann auch die Leitung übernommen? Ja, da bin ich richtig. Und 64 sind ja dann schon die ersten Olympischen Winterspiele in Innsbruck. Wir haben im Vorgespräch darüber gesprochen, dass vor allem 64 die Spiele für dich oder für die Firma? Ja einschlägigen in Erinnerung geblieben sind. Kannst du uns erläutern, was damit gemeint ist, oder. #00:02:07‑8#

 

Christof Grassmayr: #00:02:08‑0# Ja, also die Olympischen Spiele haben mich sehr geprägt. Wobei natürlich die Olympischen Spiele 1964 markanter waren, wie die Olympischen Spiele 1976. Und beide Olympischen Spiele verdanken wir dem Bürgermeister Lueger. Der war auch großartig. Er hat natürlich auch nicht das Volk fragen müssen. Das hat er entschieden mit dem Gemeinderat. Und ich sage immer Die Olympischen Spiele 1964 war sozusagen das Ende des furchtbaren Zweiten Weltkriegs und des Wiederaufbaus. Und 64 hat Innsbruck einen großen Sprung gemacht, zum Beispiel für die alpinen Bewerbe. Abgesehen vom Abfahrtslauf Herren Abfahrtslauf hat man ja die Olympischen Spiele, die Axamer Lizum erschlossen. Das war ja ein unglaublicher Fortschritt. Und da hat es einen langen Streit gegeben zwischen dem Viggartal und der Axamer Lizum. Igls war damals noch für den Tourismus in Innsbruck sehr prägend und die Obmänner des Tourismusverbands sind immer als Igls gekommen. Und die wollten natürlich, dass die Ski-Bewerbe im Viggartal sind. Und die anderen, die mit Igls keinen Kontakt gehabt haben, haben erkannt, dass die Axamer Lizum geradezu prädestiniert ist. Und das war ein langer Kampf. Und dass die Funktionäre haben wir kein Talk geworben. Aber es war sicher die Entscheidung richtig in die Assimilation, weil im Tal geht ja sehr viel davon und in der Axamer Lizum nicht. Also das waren die Spiele 1964 und da hat sich Innsbruck ganz wesentlich verändert. Es ist damals auch für die Olympischen Spiele die Olympiabrücke gebaut worden. Damit ist auch die Kreuzung Leopoldstraße errichtet worden. Die hat man früher genannt, die Olympiakreuzung. Dann ist dort das Forum Kaufhaus gebaut worden. Da hat man dann dazu gesagt die Kreuzung beim Forum Kaufhaus. Und jetzt, seit ein paar Jahrzehnte nennt man sie die Grassmayr Kreuzung, was ja für uns kein Nachteil ist. #00:04:57‑7#

 

Tobias: #00:04:57‑8# Ich wollte gerade sagen, ist. #00:04:58‑8#

 

Christof: #00:04:59‑3# Diese Grassmayrkreuzung ist errichtet worden und da hat man gleich gesagt, es wird so eine starke Kreuzung werden, dass das mit Ampeln nicht geht. Und da ist dann in der Mitte drinnen gestanden ein Polizist, der den Verkehr geregelt hat. Und da hat man mit Innsbrucker Polizisten genommen, sondern Wiener Polizisten, weil es geheißen hat, die Innsbrucker Polizisten können diesen gewaltigen Verkehr mit den Händen nicht so leicht wie die Wiener Polizisten. Jetzt waren wir natürlich verärgert. Die Polizei, vor allem, aber auch wir. Innsbruck, haben wir gesagt, das hat unsere Polizei schon auch zusammengebracht. #00:05:41‑7#

 

Tobias: #00:05:41‑9# Ja, das glaube ich auch. #00:05:42‑8#

 

Christof: #00:05:43‑4# Und ja, und jetzt heißt sie halt die Grassmayrkreuzung. Sie hat keinen offiziellen Namen und braucht es auch nicht, nett, was? Ja. #00:05:54‑8#

 

Tobias: #00:05:56‑1# Darf ich nur fragen? War die Firma Grassmayr? Also. Waren Sie persönlich beteiligt? Auch an den Spielen? Beziehungsweise die Firma hat da. #00:06:05‑0#

 

Christof: #00:06:05‑6# Ja. Zum Beispiel. Wir durften für den Bergisel droben die Bronze Tafeln der Sieger gießen. Gold, Silber, Bronze. Diese Bronze dürfen sie immer noch droben werden. Sehr gern angeschaut. Und natürlich durften wir dann für die zweiten Olympischen Spiele 1976 auch die Bronze Tafeln gießen. Und wir haben die Listen bekommen, wer gewonnen hat beim Abfahrtslauf, wer gewonnen hat, beim 30 Kilometer Langlauf und bei den Olympischen Spielen 1976 haben wir die Liste gekriegt, dass im 50 Kilometer Langlauf der Norweger sowieso die Goldmedaille gewonnen hat. Wir haben diese Tafel montiert gehabt und schon war Beschwerden der Schweden. Das war kein Norweger, sondern ein Schwede. Das wäre so ähnlich, wenn beim Franz. Klammer gestanden wäre. Deutschland. Also das war sofort und wir haben ober es kann sich ja jeder anschauen man kann. Oben steht Olympische Spiele 1976 in Innsbruck und da haben wir den Schreibfehler gemacht und haben das B ausgelassen und es ist nur gestanden in Innsruck. Jahrzehnte ist das niemandem aufgefallen, bis es dann dem tollen Journalisten Herbert Butcher aufgefallen ist, dass da das B fehlt. #00:07:47‑8#

 

Tobias: #00:07:48‑3# Ob man das dann ausbessert? #00:07:49‑4#

 

Christof: #00:07:50‑3# Die Tafeln gegossen. Mir hat der Skisport schon sehr interessiert. Deswegen bin ich auch früh zum Ski Club gegangen. Zum Innsbrucker Skiläuferverein. Und wie es dann geheißen hat. Wir bekommen die Olympischen Spiele, hat man natürlich Funktionäre gebraucht. Und da hat man natürlich auch die Mitglieder der Skiclubs in Innsbruck verwendet. Wir mussten dann eine schwere Prüfung machen. Ob sie schwer war, weiß ich jetzt gar nicht mehr, aber für mich war sie halt schwer. Und wenn man die Prüfung gemacht hat, konnte man die Kampfrichterkurse noch durchführen. Und ich habe diese glückliche Rolle gehabt, dass ich sowohl bei den Olympischen Spielen 1964 wie 1976 beim Abfahrtslauf in Igls bei der Hauptzeitnehmung war und bei den Olympischen Spielen. Wir sind alle eingekleidet worden. Das war damals eine Sensation. Da haben wir unsere Anoraks und ordentliche Skihosen gekriegt, die ich noch lange dann nach den Olympischen Spielen getragen hat, weil es eine gute Qualität war und so fesch war. Und ich durfte bei der Eröffnung am Bergisel droben auch als Funktionär dienen. Da kommen ja dann die Fahnenträger herein und die Fahnenträger müssen sich in einer Reihe. Aufstellen. Und ich durfte die Fahnenträger hereinführen und habe Halt gab. Albanien war das erste Land, das geht ja nach dem Alphabet, die aufstellen und durfte dann die Fahnenträger in die Nähe des Bodens führen, wo der Fleck ist. Also für mich eine tolle Geschichte. Meine Frau war weit oben als Zuschauerin und hat kaum die, die die Spieler und die Fahnenträger kannten. Ich durfte daneben stehen. #00:09:56‑1#

 

Tobias: #00:09:58‑2# Ich habe in einem Artikel, wo es um die Fackel von 1964 gegangen ist, gelesen, dass die Firma Grassmayr; wohl auch. Ich weiß nicht in welcher Größe Fackeln gegossen hat, aber. Also nicht die offizielle Fackel, aber Imitate sozusagen, was Besucher oder oder halt Besucher Gäste dann auch kaufen haben können und mitnehmen haben können. #00:10:24‑0#

 

Christof: #00:10:24‑0# Jawohl. Jawohl. Wir haben bei den ersten Olympischen Spielen die Fackel nicht gegossen, bei den zweiten Olympischen Spiele schon, Aber wir haben dann vielleicht. Das war schon ein bisschen mein Einfluss die Fackel nachgegossen. Das kann man. In der Gießerei. Kann man ja, wenn man das Modell hat, nachgießen. Da kennt man dann keinen Kein Unterschied. Und da hat es dann Hotels gegeben, die sich die Fackel bei uns gekauft hat. #00:10:51‑8#

 

Tobias: #00:10:53‑2# Und du hast jetzt gesagt 76 Habt ihr die offizielle Fackel gegossen? Ist Ja, ist. Wie ist man da an euch herangetreten? War das über die. Über den? Oder kannst du dich überhaupt noch erinnern? #00:11:05‑3#

 

Christof: #00:11:06‑0# Da war der bei den ersten Olympischen Spielen. War der Generalsekretär, fällt mir noch ein. Und bei der zweiten war es der Karlheinz Kley, diese bekannte Innsbrucker Rechtsanwalt und Funktionär. Und der hat mich angerufen, Da können Sie das gießen, hab ich gesagt. Ja. #00:11:26‑3#

 

Tobias: #00:11:27‑0# Und über die Gold, also die Medaillen selber ist nie. #00:11:30‑6#

 

Christof: #00:11:30‑7# Das ist ja nicht Aufgabe eines Glockengießer, das ist immer sehr Graveur machen oder Bildhauer machen. Da haben wir nichts gemacht. #00:11:40‑0#

 

Tobias: #00:11:42‑4# Gibt es jetzt ein bisschen spezifischer noch auf 1976 gibt es dann noch private persönliche Eindrücke, die stark hängen geblieben sind. Hast du auch Wettkämpfe verfolgt? Live vor Ort noch in deiner Funktion? Vielleicht auch Bzw vielleicht aber auch nur dann privat? Gibt es da noch mehr? #00:12:04‑1#

 

Christof: #00:12:04‑1# Wir durften ja, wir durften ja sowohl 64 als 76, die eingekleideten Funktionäre durften alle Veranstaltung besuchen und ich habe eigentlich fast alles besucht. Wir waren natürlich auch in Seefeld droben und diese 64 habe ich den ersten Langläufer gesehen. Vorher hat man es Langlaufen nicht gekannt. Jetzt wird natürlich einer sagen wollen Ich habe schon, aber es hat das Langlaufen nicht gegeben. Und mit den Olympischen Spielen 1964 und 76 ist dann der Langlauf auch populär wurden. Man hat natürlich auch Loipen errichtet und ich war selbstverständlich auch bei einigen Bewerben in Seefeld droben und habe mich für den Langlaufsport interessiert. Leider haben wir nie angefangen. Langlaufen. Meine Frau und ich, weil wir uns aufs Alpine konzentriert haben. Und wenn man zwei Sachen macht, weiß man nie Was sollen wir am Sonntag machen? Das war das eine. Deswegen sind wir beim Alpinen geblieben und auch unsere drei Kinder. #00:13:15‑0#

 

Tobias: #00:13:17‑2# Hast du Kontakt gehabt mit den Sport und den Sportlern oder Austausch mit anderen Funktionären und unterhalten über die Spieleserver, über das Prozedere oder so was? #00:13:30‑6#

 

Christof: #00:13:30‑7# Wir sind bewusst eingeladen und gebeten worden, bei der Schlussfeier im Eisstadion dabei zu sein. Und da sind dann die Sportler in der Eishalle gewesen. Die Funktionäre wahrscheinlich auch Gönner und Förderer. Und da sind wir natürlich hautnah mit den Sportlern zusammengekommen. Sonst war der Abfahrtslauf Patscherkofel. Ich musste schon zwei Stunden vorher bei dem Zielhaus sein, das ja heute noch gibt, dass alles in Ordnung ist. Abgezählt worden sind wir alle da. Dann haben wir auch Gespräche gehabt mit den Zeitnehmungsfirmen. Das waren immer Schweizer Firmen. Unter der Klammer war ja oben am Berg ist am Patscherkofel droben. Da haben wir eigentlich keine Kontakte gehabt. Und bei der Schlussfeier ganz wesentlich. Und ich war so begeistert von den Spielen, dass sie halt mit mehreren Sportlern gerne gesprochen haben. #00:14:34‑8#

 

Tobias: #00:14:35‑7# Hat es eigentlich von den Sportlern Rückmeldungen geben zu diesen Tafeln? Was? Was? Von der Firma. #00:14:42‑4#

 

Christof: #00:14:42‑6# Die Taufen sind erst später angefertigt worden. #00:14:44‑6#

 

Tobias: #00:14:44‑6# Aber. Aber dass sie vielleicht dann im Laufe der Zeit, die noch einmal vorbeigekommen sind an die Städte. Und dann hat man nicht mal irgendwie an sie. #00:14:53‑3#

 

Christof: #00:14:54‑0# Ich weiß nicht, ob die so oft kommen. Ich meine, sie werden natürlich bei jedem Mal beim Bergislspringen. Ist stehen die Tafeln wiederum im Mittelpunkt. Und vielleicht eine Geschichte aus 1976. Man hat ja die Sieger Silbermedaille und Bronzemedaille, aber auch die Funktionäre. Wir mussten eine Bronzetafel machen, wo die Funktionäre drauf sind, sind großteils Wiener drauf und einer ist bei uns kommen. Wir müssen ja vorher diese Bronze Tafeln mit Wachsbuchstaben wo man die setzen und der sieht seinen Namen Und hat dann seinen Namen. Es war kurzer Namen, die Buchstaben ein bisschen auseinander und dass der Name besser auffällt. Wie er dann weg war, haben wir es wieder zurück. Dann aber auch. Ja, das sind so kleine Erinnerungen. Aber für mich war schon dieses Weltoffene, das die ganze Welt uns besucht, die ganze Welt. Die Fernseher sind ja dort aufgekommen, das in die Welt hinausliefern. Und bei den ersten Olympischen Spielen haben wir ja keinen Schnee gehabt. Und ich habe damals noch in der Leopoldstraße gewohnt. Jedes Mal, wenn wir aufgewacht sind im Jänner, Dezember, Jänner, haben wir hinausgeschaut und immer strahlendes Wetter. Und das hat uns so leid getan. Aber man hat damals wirklich aus dem Schmierental enorm viel Schnee geholt, hat den Schnee auf dem Patscherkofel hinaufgebracht. Also das war schon sehr spannend. Aber es konnten alle Bewerbe stattfinden. Bei den ersten Olympischen Spielen war auf der Universität des Rechenzentrums und da sind mir die Funktionäre eingeladen worden, dieses Rechenzentrum anzuschauen. Und das hat mich auch interessiert. Und dann haben die für uns gemacht. Ich musste ihm sagen Ich bin am 4. März, also 38, auf die Welt gekommen. Das haben Sie eingeben und Sekunden später ist dann gestanden, wie viele Tage ich alt bin. Wenn ich das heute unseren Enkeln erzählen, sagen Ja, jetzt ist der Papa Opa doch dement. Wir waren begeistert, dass dieser Computer ausgerechnet hat, wie viele Tage ich alt bin. Wir haben es dann aufgeschrieben habe das nachzählt und sagt Stimmt. #00:17:39‑1#

 

Tobias: #00:17:40‑4# Ja, Kontrolle ist besser. #00:17:41‑8#

 

Christof: #00:17:42‑3# 64 1976 war das nicht alles weiter, Aber es war, das haben die Schweizer in der Hand gehabt. Und die vielen Stunden, die wir vor dem Start im Zielhaus waren, habe ich immer mit diesen Schweizer sehr französisch sprechenden Schweizer. Da konnte ich nicht mithalten. Aber im Schweizerdeutsch waren auch ein paar Zeitnehmer und die haben uns das alles erklärt. #00:18:10‑6#

 

Tobias: #00:18:13‑3# Ich hätte da noch eine Frage zu deiner Tätigkeit, vor allem jetzt aber 1976, wenn du als Zeitmesser ja am Bergisel warst. Ist die also das Thema Sicherheit ist bist du sehr stark ist oder ist dir aufgefallen, dass du sehr stark kontrolliert worden bist von Behörden? Von der Polizei? Weil ich frage ja auch. Ich habe ja einen Hintergedanken. Es ist ja 74747272. Ja und in Innsbruck waren wir 76 natürlich dann extra vorsichtig. #00:18:51‑9#

 

Christof: #00:18:53‑2# Es ist 72, war ja in München draußen und das war furchtbar, weil die Olympischen Spiele sind ja auch Friedensspiele. Und zufällig war ich gerade an diesem Tag in München. Ich musste dann weiterfahren, zur WM, ausgestellt auf der Frankfurter Messe. Souvenirs. Ich bin 2000 eingestiegen. Mit meiner Frau sind wir dann mit dem Schlafwagen bis Frankfurt gefahren. Mit einer Begeisterung sind wir von München weggefahren, und oben in Frankfurt kommen uns schon die Kolporteure Batterien gegen Terror in München. Und das hat mich so hart getroffen, weil ich den Friedenstag noch miterlebt habe. Da war. Wir waren deswegen draußen, weil er war Hochspringerin. Die hat für Österreich die Bronzemedaille gewonnen. Das war Niederösterreicherin. Mir fällt der Name noch ein, aber es ist ja nicht so wichtig. Und das hat mich wild getroffen. Und das war dann 76, natürlich ein ganz großes Thema. Ich kenne auch manche Freunde, wo die Frauen sagten, die Kinder dürfen nicht zur Eröffnung gehen, weil zum Schluss gibt es da wieder irgendein Problem. Also die Kontrolle war 1976 ganz stark, ganz stark. Wir sind nicht so kontrolliert worden, weil man halt die Olympiakleidung angeschaut haben. #00:20:28‑9#

 

Tobias: #00:20:29‑6# War das sehr störend. Hat man oder hat man das verstanden, dass es ist schwierig. #00:20:35‑5#

 

Christof: #00:20:35‑8# Die Leute waren manchmal froh. Ja, das kann man sagen. Das waren doch vier Jahre her. Aber dieser Terror in München war so furchtbar. Und da sind ja, ich weiß nicht genau, die Zahl. Aber israelische Sportler ermordet worden. Und das hat Innsbruck noch geprägt. Bei der Sicherheit? Ich meine, es ist halt es war ja immer bei jedem Eingang war ja immer ein oder zwei Leute dort die Karten anzuschauen und da waren halt noch zwei Leute mehr da. #00:21:11‑1#

 

Tobias: #00:21:14‑2# (...) Jetzt habe ich ja den den Fall, was ich nicht oft haben werde, dass sie eine Person gegenüber haben, die sowohl 64 als auch 76 anwesend beteiligt war. Gibt es markante für die markante Unterschiede zwischen den Spielen? Sei es von wie die das Ausland. Da war also die die Menge der ausländischen Vertreter sei es. Mir fällt jetzt gar nicht ein die die das Stadtleben dass sie das zum Beispiel. Ich sage jetzt nur Ich weiß es eben nicht, ob 64 mehr Trubel war in der Stadt als 76, weil vielleicht 76 schon viel mehr Leute verreisen haben können. Kann man so was überhaupt feststellen als Einzelperson? #00:22:01‑3#

 

Christof: #00:22:01‑3# Eines war markant 1964 war die Begeisterung der Innsbrucker viel größer als 1976, und 1964 war man glücklich, wenn man da teilnehmen hat dürfen. Vom Taschengeld war gar nicht die Rede. 1976 war das dann schon. Ja, wenn er Geld kriegt, dann mach ich das. Also das war für mich eklatant der Unterschied? #00:22:30‑9#

 

Tobias: #00:22:33‑8# Noch zu den Nachwehen von Olympia 1976 ist, dass dann alles relativ ruckartig abgezogen. Aus Innsbruck ist es dann, so kann man sich das vorstellen. So Spiele sind vorbei, Abschlussfeier und zwei Tage später war Innsbruck wieder unter Anführungszeichen menschenleer. #00:22:51‑5#

 

Christof: #00:22:52‑2# Ja, ja, mein Gott, das ist so wie heute in Kitzbühel. Ja, jetzt war ich aber Kitzbühel. Nur drei Tage oder vier Tage. Und die Olympischen Spiele, das muss man sich vorstellen. Kitzbühel hat ja nur zwei Bewerbe gegeben Abfahrtslauf und Slalom. Und bei die Olympischen Spiele gibt es ja viele Bewerbe. Es ist ja nicht zu vergleichen. Und freilich waren auch aufgeklärt worden und die Plakate sind weggeräumt worden. Und es hat ja überall Schilder gegeben, mehrsprachig dann. Überall sind Fahnen gehangen. Das hat man alles aufgeregt. Ich würde sagen, das ist zu erklären wie heute in Kitzbühel. #00:23:31‑6#

 

Tobias: #00:23:31‑9# Und hat man im privaten Rahmen oder im privaten Raum oder wenn man so vernetzt ist, in Wilten sozusagen. Bzw. Hast du da schon in Mühlau gewohnt? Dann 76, warst du noch in Wilten. #00:23:42‑2#

 

Christof: #00:23:42‑7# Wir haben 62 bis 72 sechste Die zweite im Spiel war ich schon im Müller. #00:23:47‑6#

 

Tobias: #00:23:47‑7# Haben wir da im Nachbarschaftskreis dann noch darüber geredet, so quasi, wo ich alles schön oder oder das war und das brauchen die nimmer bei Olympia oder das so ein bisschen im so Aufarbeitung quasi danach gegeben hat. #00:24:01‑9#

 

Christof: #00:24:01‑9# 64 nicht 76 schon haben wir noch mehr Verkehr gehabt und noch weniger Parkplätze bekommen. 76 schon, was dann auch nicht mehr so und. Es waren ja die Slalomläufe, waren ja in der Axamer Lizum 1964 die Funktionäre wie der letzte Läufer herunten ist, durfte der, der dort steht, bei der Stange. Ob das ordentlich gefahren ist? Herunterfahren. Und 1976 haben die dann diese Funktionäre. Einer wird angefangen haben, die anderen haben es nachgemacht. Die Fahnen auf den Stangen mitgenommen, aber gerissen und mitgenommen. Und das hat mich sehr, sehr. Geärgert. Aber was? Sehr gewundert. 64 war das alles noch so ehrlich und 76, der wollte halt ein Souvenir mitnehmen. #00:25:04‑9#

 

Tobias: #00:25:05‑9# Derweil hätte es ja genug andere Souvenirs gegeben. #00:25:08‑1#

 

Christof: #00:25:08‑1# Ja, ja. #00:25:08‑4#

 

Tobias: #00:25:09‑2# Ich weiß, viele, die die Eintrittskarten haben sie sich oft aufbehalten und. #00:25:13‑4#

 

Christof: #00:25:13‑9# Wir haben ja auch für beide Olympische Spiele. Also es gibt die Glocke und dann gibt es den Glückstopf, drei Fuß Topf. Die haben wir natürlich gleich einmal mit den olympischen Ringen gegossen und haben die gekauft. Und da hat er sich auch ein Souvenir bei uns kaufen können. Aber es waren 64 waren. Wir waren wesentlich mehr. Glücklich sind auch alle Innsbrucker dageblieben und 76 sind dann schon aus unserem Bekanntenkreis ein paar auf Urlaub gefahren. Sagen Sie, tun Sie den den. #00:25:48‑1#

 

Tobias: #00:25:48‑4# Zirkus nicht an! #00:25:49‑2#

 

Christof: #00:25:52‑8# (...) Und vielleicht noch etwas. Vor jedem Olympischen Spielen muss ein Jahr vorher ProbeBewerbe sein. Und die waren auch in Innsbruck. Und da war ich ein bisschen auch Funktionär und war für die, wo man die Spieler unterbringen. Und die waren natürlich dann alle nicht zufrieden, die ein kleines Hotel und die anderen haben gesagt, Ich weiß, die deutsche Delegation habe ich beim Dollinger in der Hallerstraße untergebracht, die wären lieber in der Dresdner Straße gewesen. Aber es war schwierig. Und weil die vorolympischen Spiele ist auch gekommen, eine Delegation aus Bulgarien, die dann mit mir kontakt aufgenommen, wo ich sie untergebracht habe und haben mir gleich gesagt, sie haben überhaupt kein Devisen mit. Sie haben keine Devisen bekommen. Sie haben aber den Kofferraum der drei Autos voll gefüllt mit Anisschnaps. Und jetzt war für mich die Aufgabe ich habe sie untergebracht in der Hütte in ein Hotel, habe ihnen auch gesagt, Die haben kein Geld. Ich werde mich aber bemühen, dass wir den Anisschnaps verkaufen können, der vier Schilling kriegen. Und dann das Hotel zahlen. Und am ersten Abend haben sie uns eingeladen, den Anisschnaps zu probieren. Und ja, ich habe zu viel getrunken, weil Ich bin mit Taxi heimgefahren und bin dann betrunken heimgekommen. Meine Frau. Wir waren jung verheiratet. Hat nicht gewusst. Was tut man mit einem Mann? Mit einem betrunkenen Mann. Und dann hat sie mir unter die Badewanne gestellt. Und mit der Brause über den Kopf drüber. Und ich habe dann gesagt. Nicht Elisabeth und nicht Lisi. Ich stirb. #00:27:50‑6#

 

Tobias: #00:27:51‑7# So viel zu wissen. #00:27:52‑7#

 

Christof: #00:27:53‑0# Alles haben wir getrunken. Aber ich habe doch die Aufgabe gehabt. Dann haben wir geschaut, dass ich ein bisschen Taschengeld kriege. Sie konnten nicht einen Schilling oder eine Mark oder Dollar in Bulgarien. Sogar die Mannschaft, die bei den Olympischen Spielen teilnimmt. #00:28:11‑5#

 

Hanna: #00:28:14‑3# Das war unsere Folge mit Christof Grassmayr;. In der kommenden Woche sprechen wir mit Martin Kofler über Ikonisches zu den Olympischen Winterspielen in Innsbruck. #00:28:23‑4#

Martin Kofler

Martin Kofler

Stadtarchiv Innsbruck

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Transkript

[Fanfare]

Sprecher: 50 Jahre Olympische Winterspiele 1976. #00:00:13‑4#

 

Hanna Fritz: #00:00:22‑5# (...) Hallo und herzlich willkommen zur 14. Folge der Podcastsendung 50 Jahre Olympische Winterspiele 1976. In dieser Folge widmen wir uns einem weiteren Beitrag aus dem Olympiaband. Unser heutiger Gesprächspartner ist Martin Kofler, der Leiter des Tiroler Archivs für Fotografische Dokumentation und Kunst. Gemeinsam sprechen wir über seinen Beitrag mit dem Titel Ikonisches, Ungewöhnliches, Neues. Eine Fotogeschichte der Olympischen Spiele in Innsbruck 1964 und 1976. Vorher gibt es aber wie gewohnt eine kleine musikalische Überleitung. Aus organisatorischen Gründen haben wir das heutige Gespräch online aufgezeichnet. #00:01:06‑9#

 

Tobias Rettenbacher: #00:01:19‑6# (...) Lieber Martin, danke, dass du dir die Zeit genommen hast, mit uns heute über Deinen Beitrag aus dem Olympia Band Olympische Winterspiele in Innsbruck Vorgeschichten, Bedeutungen, Nachwirkungen zu sprechen. Bevor wir jetzt aber dann eh schon auf deinen Beitrag eingehen, darf ich dich zu Beginn bitten, dass du dich in ein paar Sätzen kurz vorstellst und was du dann auch beruflich machst. #00:01:45‑3#

 

Martin Kofler: #00:01:46‑6# Das ist ja das erste Mal. Danke. Danke für die Einladung von mir zu erzählen und vor allem für mein Tiroler Fotoarchiv und dann auch über meinen Beitrag im olympischen Spieleband. Also ich bin 1971 in Lienz geboren, habe, dann in Innsbruck und in New Orleans Geschichte studiert, war dann beim Studienverlag in Innsbruck. Das Wichtigste aber, um auf die Gegenwart zu kommen. Seit 2011 bin ich dann Leiter des neu gegründeten Tiroler Fotoarchivs. Das ist eine neue Institution. Gibt es jetzt seit über 15 Jahren. Wir sammeln historische Fotos, Schwerpunkt Tirol, Südtirol, Trentino von den 1860er Jahren bis zur Gegenwart herauf. Und da hat es mich natürlich gefreut, dass ich eingeladen worden bin, zuerst einmal einen Vortrag zu halten im Rahmen der vorbereitenden Tagung auf dieses jetzige Jubiläum. Und dann eben auch, dass dieser Vortrag dementsprechend umgearbeitet, im Sammelband dann Aufnahme gefunden hat. #00:02:39‑1#

 

Tobias: #00:02:39‑8# Das ist dann hängen wir doch uns doch gleich ein. Dein Beitrag hat den Titel Ikonisches Ungewöhnliches Neues. Eine Fotogeschichte der Olympischen Spiele in Innsbruck 1964 und 1976. Du behandelst also in deinem Artikel ja die Die Fotogeschichte der Olympischen Spiele. Da gibt es ja, wie man sich vorstellen kann, eine breite Masse an Fotos, an Aufnahmen, sei es in Zeitungen oder für Zeitungen, für Bildbände, für Offizielles, für natürlich Private. Wie trifft man denn da überhaupt die Auswahl, was man in ein In dem Fall ja doch recht. Ich sage jetzt nicht kurz, aber knapper Artikel überhaupt behandeln kann. Wie, wie geht man denn da vor? Aus deiner aus deiner Sicht? #00:03:22‑2#

 

Martin: #00:03:23‑2# Ja, das war natürlich die große Herausforderung, weil das Thema ist natürlich reizvoll, aber halt ein ein Tanker, sage ich mal, weil dermaßen viel Material gibt. Grundsätzlich ist natürlich die Frage, wo ist das Material abgedruckt, wo ist es zu finden? Und wenn man dann einmal mehr hineintaucht, wie kann eine Ordnung oder eine Auswahl erfolgen? Ja, ich habe mich so angenähert, dass ich zunächst einmal mir gedacht habe Hm, ich habe keine Zeit, so und so viele Fotoarchive aufzusuchen weltweit. Das geht sich alles aus. Aber ein erster Angelpunkt war für mich die Literatur, und zwar nicht nur unbedingt die klassische Sachbuchliteratur. Es gibt ja ganz, ganz viele schöne Bände, Bildbände auch über die Winterspiele von 64 und 76, sondern eigentlich waren für mich da die Tirol entziehen, das heißt Bücher, die sich mit der Geschichte Tirols beschäftigt haben, etwa auch von Michael Forcher usw usw mit der Landesgeschichte und habe dann geschaut, was sind denn da überhaupt für Fotos abgebildet, die Olympischen Spiele betreffend. Da ist es überaus erstaunlich, dass es gar keine Fotos gibt in diesen Überblick spenden oder dass es immer die identischen Fotos sind. Das heißt, um ein Beispiel zu bringen Eröffnung 1964 kommt immer, immer wieder und war auch schon damals natürlich ein Foto von Richard Frischauf aus Innsbruck und wurde etwa in verschiedenen Neuauflagen, etwa der Geschichte Tirols von Michael Forcher immer wieder abgedruckt und immer wieder verwendet. Ja, dann habe ich mich erinnert, dass der Michael mir mal gesagt hat, das ist von ihm natürlich eine klassische Absicht, also um ein Foto im Gedächtnis. Sagen wir mal im visuellen Gedächtnis der Bevölkerung zu verankern. Immer das gleiche Foto her. Ja, da waren jetzt nicht mehr die, die Foto Rechtsgründe oder oder Kostengründe, sondern wirklich das ikonische Foto. Wenn es dementsprechend eine tolle Aufnahme ist, die wiederholt man. Und dann sickerte vielleicht ein bisschen ein bisschen herunter. #00:05:17‑3#

 

Tobias: #00:05:17‑6# Das habe ich nämlich. Jetzt, wo du es ausgeführt hast, haben wir dachten ja immer einfacher Grund wäre ja fotorechte Photo Credits muss man ja bezahlen für jede Publikation, für jedes Buch wieder etwas Neues. Wäre ja einfach, gell? #00:05:30‑2#

 

Martin: #00:05:31‑1# Ja, ja, aber wenn es dann dementsprechend brillante Aufnahme ist, die so aussagekräftig ist, dass er richtig zeigt, diese unglaubliche Prominenz. Also auch Innsbruck stolz auf der auf der sportlichen Weltkarte da. Das zu wiederholen macht sicher sehr Sinn. Wer durch die verschiedensten Literatur Berge, die dann durchgeschaut habe, haben sich dann natürlich verschiedenste Themen heraus filtern lassen, weil sich natürlich die Sujets, also die die Inhalte der Fotos auch oft wiederholen. Das ist das, was ich dann unter Ikonisches versucht habe zu fassen. Dann gibt es aber quer durch immer wieder einzelne wenige Fotos, die so gar nicht reinpassen. Ja, das habe ich unter Merkwürdiges oder besonderes. #00:06:17‑2#

 

Tobias: #00:06:17‑4# Ungewöhnliches. #00:06:18‑1#

 

Martin: #00:06:18‑7# Mitzunehmen. Ja, und dann? Natürlich geht es um Neues. Das heißt, ich wollte mich nicht wiederholen. Und immer die gleiche, immer die gleichen Fotos. Und wir kennen ja alle, das ist ja auch nicht so spannend und dementsprechend dann auch habe ich dann unsere gesamten Bestände im Fotoarchiv einmal durchgeschaut, aber auch bei euch im Stadtarchiv tollerweise neue Bestände auch während der ganzen Vorbereitungen aufgetaucht sind und dann auch im Stadtarchiv Stadtmuseum Innsbruck an Land gezogen wurden. #00:06:46‑4#

 

Tobias: #00:06:46‑7# Inwiefern hast du auch Zeitungen oder Zeitschriften noch? Also zusätzlich zu den Publikationen noch hinzugezogen, weil immer Ja, ja. #00:06:54‑4#

 

Martin: #00:06:55‑0# Na klar, weil du hast schon recht. Weil natürlich die Vermutung nahe liegt. Die hat sich dann auch bestätigt, wenn man regionale Zeitungen etwa durchschaut. Es sind ja doch auch immer die identischen Motive, also die klassischen Siegerposen, Fotos oder oder, oder. Skisprungaufnahmen. Zu dem können wir vielleicht noch, was da ganz zentral ist 64 und 76, würde ich mal sagen. Der Blick hinunter von der Bergiselschanze, wo einer springt und sich diese Masse an Leute und natürlich dahinter den Pradler Friedhof, wo man nicht landet. Aber das ist so quasi die eine Ikone sicher, die sich immer wieder durchzieht, die auch immer wieder das ist ja auch Methode. Bei allen möglichen Gedenktagen, Jubiläen und Sonstiges werden ja dann oft auch diese besonderen Aufnahmen hervorgeholt und wieder und wieder präsentiert. So ist es dann auch in den Zeitungen von damals gewesen, gell? Unterschiedlich. Also ich hab dann selber geschaut, jetzt sage ich mal platt. Aber das ist durchaus legitim. Was gibt es auf Ebay oder sonstwo? Oder will haben, was man dann vielleicht um eine geringe Summe erwerben kann. Und da sind teilweise Konvolute von verschiedensten VolldampfFlyern, Übersichtsheftchen, Büchlein, Zeitungen usw dann dabei und da kann man dann schon einen ganz guten Einblick bringen und auch querlegen mit den mit den sonstigen Annahmen oder das, was sonst man da in der Literatur in den Büchern gefunden hat. Stimmt es auch in der Tagespresse überein? Ja, das, was bei mir persönlich dann natürlich schon nicht einfach war ist. Da kann man vielleicht noch extra drauf sind das Thema Fotorechte und Abdruckgenehmigungen, weil das schönste Foto, das man haben will, aus einer Publikation des Burda Verlags funktioniert, aus verschiedenen Gründen nicht. Erstens steht da gar nicht dabei, weil der Fotograf ist Der Graf. Einen habe ich nirgends gefunden, nirgends genannt. Aber oft gibt es ja keinen Bildnachweis und es gibt gar nichts. Und dann müssen wir mal rausfinden. So, wer hat denn eigentlich die Rechte zu dieser Publikation von 1964 oder 76 heute? Und dann kann es sehr teuer werden. Und das will man ja schlecht als Herausgeber nicht antun. #00:08:59‑6#

 

Tobias: #00:08:59‑8# Es ist ja auch die Menge an Zeit, was man in die Hand nehmen muss, um überhaupt mal zu recherchieren, ob es überhaupt noch einen Rechtsnachfolger gibt. Das ist oftmals schon mühselig. Und dann, wenn man am Ende dann eher der Vorstellung genau gleich viel. Was wir am Anfang der Recherche dann. #00:09:15‑0#

 

Martin: #00:09:15‑9# Da gibt es natürlich dementsprechende Auswege als es bei einem Bild probiert gehabt. Ein Buch des Molden Verlags gehört zur Styria. Dann habe ich mich wohl noch mal schlau gemacht und angerufen. Als erstes Mal war da waren sie dort vor Ort einmal irritiert, geschweige denn, dass ich echt andere Sorgen, als da irgendwie ein Foto von 1976 da abzuklären, geschweige denn vielleicht ein Angebot zu legen. Wie viel würde das kosten in einen wissenschaftlichen Sammelband. Und da war das schon sehr hilfreich. Und gut, dass ich eben im Stadtarchiv da eben den, den, den frisch auf bestand. ja auch dementsprechend. Neu. Neu an Land gezogen. Der Matthias. Der Mitherausgeber hat mich auf den Blumenthal Garmisch Partenkirchen bestand aufmerksam gemacht. Das habe ich dann alles einmal sehr, sehr genau durchgeschaut. Sind ja keine kleinen Bestände. Also wirklich toll plus, muss man sagen. Das deckt sich ja auch mit den Fotografien, die sonst in diesem, in dieser Fachliteratur drin sind. Von wem sie auch immer stammen mögen, vielleicht von einem westdeutschen Fotografen etc. etc. aber da waren die Hiesigen etwa vom Frischauf um nichts schlechter. Und natürlich rechtemäßig wunderbar verwertbar. #00:10:22‑1#

 

Tobias: #00:10:22‑4# Das ist natürlich immer fein. Habe ich das noch richtig im Kopf, dass du auch zum Teil diese Onlinearchive wie das Was ist das? Die Stockfotos? Na, die Alamy. #00:10:35‑7#

 

Martin: #00:10:35‑8# Ja, genau. #00:10:36‑4#

 

Tobias: #00:10:37‑2# Genau. Genau. Genau. Getty Images. War es so? #00:10:39‑3#

 

Martin: #00:10:39‑3# Tschuldige, Getty Images habe ich auch durchgeschaut. Jetzt natürlich weniger, dass man da eins bestellt. seine 200 € aufwärts abwärts. Aber das sind doch sehr große internationale Fotoarchive. Bildagenturen. Und da deckt sich das dann auch sehr gut, dass da auch wieder ganz klassisch. Jetzt nehmen wir mal, nehmen wir mal beim Namen. 76 natürlich Franz Klammer oder Karl Schnabel oder Rosi Mittermaier usw. Also die gängigen wichtigen, sagen wir mal mittel und westeuropäischen Medaillensieger, die kämen da groß vor. Ja, ganz andere Geschichte wäre ja etwa. Also das, was ich nicht habe, ist etwa sowjetische Literatur oder ehemalige sowjetische Literatur. Aber DDR Publikationen habe ich sehr wohl auch mit berücksichtigt. Und auch im Tiroler Landesmuseum für Dumm haben Sie glatt eine polnische Publikation, also kommunistische polnische Publikation. Wobei ich natürlich nicht. Also haben die überhaupt eine Medaille gewonnen? Haben Sie nicht. Also ich sage mal interessant, Was bringen die Polen für Fotos auf der einen Seite ganz klassisch im Klammer Mittermeier, Schnabel usw, aber natürlich auch ihre unter Anführungszeichen kommunistischen Brüder. Das heißt die Erfolge der DDR und natürlich der Sowjetunion kommen da natürlich groß vor. Das ist bei uns läuft mit aber natürlich nicht so vordergründig. Ich denke mal, da ist halt einfach da der jeweilige Nationalpatriotismus zentral. Weil das habe ich mir angeschaut bei jedem Buch, wo ist es erschienen? Also sprich in welchem Land, bei welchem Verlag, wer ist mitunter der Herausgeber? Also sprich für die Publikation von Teddy Podgorski etwa da über Österreich, wo manchmal dann über den ORF man andere Zugänge vielleicht hat oder leichter dieses und jenes Foto mitnehmen kann. Also das ist natürlich dann schon schon ganz zentral, ganz, ganz abseits. Welche gibt es immer die identischen Siegerposen Aufnahmen, wenn man es auf die Spitze treiben würde? Also es ist fast wie bei einem Daumenkino. Du hast zehn Publikationen. Du hast dann vielleicht Bestände von Frisch auf oder von Blumenthal bei euch. Du hast, sagen wir, den Dreifachsieg der Österreicherinnen 64 in der Abfahrt und dann siehst du richtig. Da ist der eine Fotograf gestanden und dann nach einem halben Meter der Nachbar, und dann war da der andere und das ist oder die Siegerin oder die Drittplatzierte dreht den Kopf und Aber es ist alles. Die waren alle auf einem Buckel. #00:13:08‑7#

 

Tobias: #00:13:09‑0# Na klar. #00:13:09‑4#

 

Martin: #00:13:09‑6# Alle natürlich erhöht gestanden. Und jeder hat abgedrückt. Abgedrückt, abgedrückt. Jetzt auf die heute am Smartphone natürlich, aber schon auch sehr professionell. Es kommt bei mir ein bisschen vor, oder zumindest ansatzweise. War unglaublich. Es ist das beste Foto der besten Fotos und das, was zumindest im Text erwähnt habe. Also es gab natürlich auch damals Paparazzi. Es gab auch damals schon, etwa auch in westdeutschen Zeitschriften oder Büchern dann Hinweise darauf. Die wurden ja regelrecht verfolgt. Manche siegerinnen und besiegst du am Foto auch wieder bedrängt worden sein, ob durch die Fotografen oder ob durch diese unglaubliche Fangemeinde. Ja, ja, also kein Sonnenschein ohne Schatten. #00:13:52‑5#

 

Tobias: #00:13:52‑7# Was mir jetzt natürlich auch, weil ich das Gespräch gehabt habe mit der Gudrun Oberhofer, die ja mit der Silvia von Schweden, also damals noch Silvia Sommerlath ja sozusagen Kolleginnen waren, die ja auch erzählt hat, wie die die Paparazzi und die Reporter, die ja belagert haben. Und das würde ja wieder dann auch zusammenpassen. Also das ist schon, dieser Medienrummel ist dann 76 natürlich enorm. #00:14:13‑5#

 

Martin: #00:14:13‑8# Also der war sicher noch weitaus größer als 64 und es trifft beide Fälle. Es trifft die Sportlerinnen und Sportler mit ihren Medaillenerfolgen und dann trifft es die Prominenten vor Ort, gell? Und dementsprechend stürzt sich halt einer auf den Schah von Persien und die Farah Dibah 1964. Aber dann ist es 76, ist doch noch interessanter. Dann noch mehr Prominente bzw späteres Königshaus auch sonst aus, aus der Musik oder oder aus der Gesellschaft. Wenn der eine oder andere dabei ist, kommt er nicht aus. Es gab ja auch dementsprechende Empfänge und nicht nur die Politiker waren da dabei, was ja mitunter illustrer ist, wenn man da einen Wallnöfer oder Kreisky mitten im Getümmel sieht. Das eine Foto, das ist nicht drin. Also Bürgermeister ist Lugger und Unterrichtsminister Fred Sinowatz im Bob ist einfach gewaltig. #00:15:05‑7#

 

Tobias: #00:15:05‑9# Ja, ja, aber ich glaube das. Aber nur davor. Ich glaube, das war für die Einweihung von der Bobbahn, glaube ich. Das war vor 64 oder 76. Ja, ja, ja. Für den Umbau, für die Neubauten. #00:15:19‑2#

 

Martin: #00:15:19‑4# Wieder eingestiegen sein und dann irgendwie, also vor der Fahrt noch vergnügt. Danach ist kaputt gegangen. #00:15:24‑8#

 

Tobias: #00:15:24‑9# Ja. Weil man jetzt eh schon ein bisschen drüber gesprochen haben oder ein paar Beispiele genannt haben. Vor 64 und 76 gibt es denn oder kann man breit irgendwie so Unterschiede von Fotografie 64 oder Aufnahmen 64 und 76 nennen oder ausmachen? Oder ist das relativ ident? Sogar mit. Also vom Stil her oder von den Motiven? #00:15:49‑6#

 

Martin: #00:15:49‑6# Vordergründig würde ich sagen, vordergründig würde ich sagen relativ identisch. Ist ja dann auch nur zwölf Jahre auseinander. Das, was mir schon sehr aufgefallen ist, dass 64 schwarzweiß viel dominanter war. Es gab schon Farben, aber 76 war wirklich vorne ganz groß. Und das, was mir ehrlich gesagt auch bei den Publikationen aufgefallen ist, 76 noch viel mehr. Auch Details, also dass man näher an der Sportlerin oder am Sportler dran war, ist sicher. Ich würde mal vermuten, die Bilderflut größer, weil einfach dann alles zugenommen hat. Also das Pipapo mit mit natürlich den den Filmübertragungen, der Technikaufwand der Technik. Wahnsinn. Also so viel zum Thema einfache Spiele. Also Wobei natürlich der Bürgermeister Luca in Bezug auf die Finanzen der Stadt oder die Belastung der Finanzen der Stadt gemeint hat. Aber Insgesamt denke ich schon um einiges. Größer ist schon geworden innerhalb dieser zwölf Jahre. Ja, das was wir zum Beispiel im Fotoarchiv, wenn ich das noch erzählen darf, da massiv haben, sind ja Fotos vom Pepi Stiegler. Der ist gebürtiger Linzer und hat dann 64 die Goldmedaille gemacht. Und da haben wir den den Vorlass da. Also er wird nächstes Jahr 90 und ist nur noch feinfein zu besuchen und und erinnert sich an vieles sehr gut und da ist schon interessant, wie auch sagen wir mal ein Schießda dann kreiert wird, obwohl er ja sehr bescheiden war und lieber im Hintergrund war. Also ganz im Gegenteil, was ich gelesen habe und erzählt bekommen hat. Toni Sailer und Karl Schranz, der Pepi Stiegler, der Bescheidene. Gar nicht so Aufhebens drum. Und dann, aber dann, zum Glück hat er doch fahren dürfen, weil das war noch die Frage, gab es ja auch ein Protest aus Osttirol oder von der von der Tiroler Tageszeitung, damals 64 und da macht er wirklich die Goldene. Und dann wird er dann durch Lienz im offenen Porsche geführt, über den Linzer Hauptplatz. Also das ist dann natürlich schon auch eine spannende Geschichte. Was mich natürlich interessiert hat, ob es dann quasi eben in diesen Aufnahmen etwas Neues gibt. Also quasi das Abseits von von diesen bekannten Aufnahmen während des Slalom und Riesenslalom von 64, Ob es da irgendwelche andere persönlichen Aufnahmen gibt? Und da ist nicht weniges da, natürlich als innerhalb eines Familienbestandes ist da schon. Oder auch Privatbestände sind ja total lohnend. Hat ja nicht weniges bekommen, weil einfach die Privatpersonen ganz andere Fotos machen. #00:18:09‑5#

 

Tobias: #00:18:09‑8# Und vor allem ich glaube auch, da ist wahrscheinlich 64 und 76, also ein quantitativer Sprung, was Privataufnahmen betrifft. #00:18:17‑2#

 

Martin: #00:18:18‑1# Ja, weil viel mehr Leute mit dabei sein wollten plus sich dann eine Kamera geleistet haben und dementsprechend dann vieles abgelichtet haben. Ja, also ich denke auch, ich würde vermuten, dass dann schon noch einiges zu Hause schlummert im Fotoalbum oder oder im ungeordneten Karton. #00:18:33‑7#

 

Tobias: #00:18:33‑7# Ich wollte gerade sagen, im Karton. Am Dachboden. Der Klassiker. #00:18:37‑6#

 

Martin: #00:18:37‑9# Ja, ja, ja, ja. Aber wenn natürlich, dann ist dementsprechend ein Jubiläum gibt so wie jetzt, dann ist gut. Dann, wenn das wieder aufs Tapet kommt. Und der Klassiker ist immer, man macht eine Ausstellungseröffnung oder eine Buchpräsentation und am jeden Tag kommt jemand vorbei und sagt ich hätte auch noch was kommen. Dann sagt man am besten Ja, dann bring es morgen vorbei, weil es ist nie ein Ende der Vorstellung. #00:19:00‑8#

 

Tobias: #00:19:01‑3# Zum Glück. #00:19:01‑9#

 

Martin: #00:19:01‑9# Aber ja, natürlich. Ja, und wenn dann jemand so wie soll ich sagen, angestupst wird, dass er dann so was sich so in positivem Sinne outet, dass er was daheim hat, dann bitte nur mitbringen, Anschauen gern. #00:19:14‑8#

 

Tobias: #00:19:14‑8# Und wenn es nur zum Scannen ist und uns die Scans überlassen ist. Das ist ja. Man muss nicht immer nur abgeben, man kann auch mal einfach zur Verwendung bringen. Das ist. #00:19:22‑7#

 

Martin: #00:19:23‑3# Aber es ist wichtig, ist richtig. Es ist wichtig ist, dass man, was bereit ist zu teilen und dementsprechend zum Scannen wenigstens hergibt. Wenn sich dann ergibt, dass das dann wieder in der Schachtel landet und wieder im feuchten Keller oder im Dachboden, könnte man vielleicht überlegen, wenn ich es als Leihgabe. #00:19:40‑0#

 

Tobias: #00:19:41‑0# Weiß, wo es ist, dann ist es nicht mehr unbekannt. Das ist ja das Große. #00:19:45‑1#

 

Martin: #00:19:45‑4# Richtig. #00:19:45‑9#

 

Tobias: #00:19:46‑4# Du hast jetzt vorhin zwar gesagt zwölf Jahre ist ja nicht viel Zeit in der Fotowelt. Du als Experte wird da wahrscheinlich doch ein bisserl was passiert sein zwischen 64 und 76? Oder ist es gar nicht? Oder wie soll man. #00:19:59‑7#

 

Martin: #00:19:59‑7# Das. #00:19:59‑9#

 

Tobias: #00:20:00‑7# Einordnen? #00:20:01‑5#

 

Martin: #00:20:02‑1# Ja, also ich habe das schon angeschaut Bzw man sieht ja auch, wie die Fotografen fotografieren. Das interessante sind ja die Fotos, auf denen man Fotografen sieht und da hat sich dann schon manches getan in Bezug auf die Kameratechnik. Ich würde es eher vor allem dahin kaprizieren, dass es da so gigantomanische Zooms schon gegeben hat. 76 64 habe das, habe das nicht gesehen, sondern weite Aufnahmen. Oder ich muss nah dran sein, um eine Nahaufnahme zu machen. Aber 76 ist es dann schon eine andere. Ein anderer Punkt als die Rede von den professionellen Fotografen. Es wird den ein oder andere Amateur gegeben haben mit einer Mordsausrüstung. Aber da sind es eher mal sage ich mal schon sehr gute Kameras, die man sich dann auch leisten konnte und wollte. Die Frage ist natürlich der der erfahrene Fotograf. Macht er immer noch schwarz weiß, weil es einfach von der Brillanz und von der Schärfe und von den Konturen her besser ist, weil es vor Foto mitunter, dann sage ich mal, ein bisschen zerfließt. Kommt drauf an, es gibt schon sehr gute Farbfotos, auch damals. Das kann man an den Publikationen sehr gut ablesen, Dass manches vielleicht besser nicht so groß abgedruckt worden wäre, aber das offenbar so verführerisch war, ist die Frage. Ja, hat er doch im Band vom von Podgorski oder von anderen dann einen Platz gefunden. #00:21:18‑2#

 

Tobias: #00:21:18‑5# Macht es für dich eigentlich einen Unterschied, ob das Foto schwarz, weiß oder Farbe ist im Sinne von der Wirkung, also ob das dann zu einer Fotoikone werden kann oder zu einem ikonischen Bild. Macht es einen großen Unterschied aus deiner Sicht, ob das Farbe oder schwarz weiß ist? #00:21:34‑5#

 

Martin: #00:21:35‑7# Die Frage ist, ob man da die die, die die Aufnahme ja oder Datum betrachtet oder dann die spätere Interpretation. Ich meine das so wenn du sagst der Franz Klammer mit diesem gelben Anzug, das ist ja dann wirklich ikonisch geworden aufgrund des gelben Anzugs. Das ist natürlich dann die Farbfotografie ganz zentral. Auf der anderen Seite, wenn es um die um die Schärfe geht, wenn man dann das Original hat und das dann das kennt, gut kennt, um andere Details zu erkennen, dann ist das schwarz weiß schon erheblich besser. Da kann man im hintersten Winkel das eine oder andere noch erkennen. Ich habe zum Beispiel auch habe ich ganz vergessen, den tollen Fotobestand im Tiroler Landesarchiv mit berücksichtigen können. Fotosammlung Landeshauptmann Wallnöfer. #00:22:18‑4#

 

Tobias: #00:22:18‑9# Oh ja, spannend. #00:22:19‑7#

 

Martin: #00:22:19‑9# Wallnöfer war ja 1964 gerade erst ein Jahr Landeshauptmann. Und da gibt es etwa von Wolfgang Pfaundler. Unglaublich gute Aufnahmen. Totale, präzise Nahaufnahmen von Wallnöfer. Wir sitzen mit Landtagspräsident Obermoser in Bergiselstadion. Ganz nah gibt es eine Serie, wo sie immer unterschiedlich dreinschauen und der Wally blendet. Und der Wally streicht sich die Haare aus der Stirn und der Wally zum Obermoser. Und da, das sind. Das ist ein quadratisches Format, 6x6. Und das ist wirklich unglaublich gut, weil es einfach ein sehr guter Fotograf war. Und ich habe dann extra nochmal geschaut, weil der Nachlass ist ja schon im Landesmuseum Ferdinandeum, Aber da gibt es an und für sich auch nur diese 64 Aufnahmen, weil ich mir gedacht, vielleicht war der 76 auch mit dabei. Habe jetzt nichts gefunden oder taucht vielleicht noch auf, aber die Aufnahmen von 64 sind ganz anders, weil da geht es einmal darum, wie kann man einen Politiker möglichst authentisch ablichten oder einfach vielleicht in einer natürlichen Umgebung, der sich wohlfühlt, mit der mit tausenden Leuten um sich herum. #00:23:25‑5#

 

Tobias: #00:23:25‑8# Und vor allem, wo sie ja eigentlich nicht um ihn geht. Also er ist ja auch als Besucher da. #00:23:30‑7#

 

Martin: #00:23:32‑0# Ist genauso genauso Staffage sicher ein Ehrengast, natürlich, aber daneben. Daneben sitzt aber nicht unbedingt der nächste Ehrengast, sondern sitzt da einfach als Zuschauer. #00:23:41‑3#

 

Tobias: #00:23:41‑9# Gehen wir vielleicht auch nur, weil man jetzt eigentlich schon recht viel über das Ikonische geredet haben, auch noch ein bisschen vielleicht auf das Ungewöhnliche ein. Das Neue haben wir ja irgendwo schon abgebildet. Jetzt sticht bei dir, wenn du jetzt noch mal zurück in das Jahr, schon wieder ein bisschen her, wo du den Beitrag gemacht hast, was denn so Ungewöhnliches war, was da irgendwie doch noch sozusagen auf der Festplatte eingebrannt hat. Was du denkst, dass das spannend oder eben weil es so ungewöhnlich war, gibt es da noch ein paar Fotos, Was du vielleicht noch mal kurz erzählen willst, warum du das so ungewöhnlich gefunden hast. #00:24:14‑1#

 

Martin: #00:24:15‑2# Ein Foto, das mir für 1964 einfällt. Das habe ich auch bei meinem Vortrag damals präsentiert. Man sagt ja manches auch um die Reaktion im Publikum, um zu erfahren, ob das wirklich so ungewöhnlich ist, wie man selber meint. Und das war eine Aufnahme aus einem Buch heraus. Das war dann halt rechtemäßig nicht einfach. Deswegen ist es ja nicht im jetzigen Buch. Das macht aber nichts, das siehst du, Leute. Sicher Einheimische. Eine Gruppe, die sitzt auf Sommerstühlen im Pradler Friedhof und schaut mit dem Fernglas auf die Bergiselschanze. Das heißt, du hast den Gegenschuss, dass er nicht oben im Bergiselstadion oder nicht der Blick quasi herunter von der Schanze in die Stadt, sondern umgekehrt. Also entweder haben die kein Ticket kaufen oder sich keines leisten wollen, sondern haben sich da unten dann breit gemacht und haben dann mit dem Fernglas rauf geschaut und haben wahrscheinlich dann erkannt, wer da gerade springt. Und da hab ich mir gedacht, das passt einfach gut mit dieser alten Anekdote, dass man sagt ja, wenn man oben am Schanzentisch oder weiter oben ist, dass man dann eben sieht, dass man da fast in den Friedhof springt. Aber in der Reihe sitzen da unten die, die Zuschauerinnen und Zuschauer schauen, schauen von unten rauf mit dem Fernglas. #00:25:25‑0#

 

Tobias: #00:25:25‑2# Vielleicht wollten sie einfach einen ruhigen Platz haben zum Zuschauen. Und das war doch der ruhigste. #00:25:29‑3#

 

Martin: #00:25:30‑7# Gemütlich haben genug Platz um sie herum, der nicht in der Masse von Leute. Ich habe nichts dagegen, dass sie was zum Essen, zum Trinken mitgehabt haben. Das sieht man doch nicht. Aber das ist zum Beispiel schon. Das war für mich sehr augenöffnende, weil das ist eine ganz andere Sicht. Ungewöhnliches, schräges Foto von 64 76. Das, was an der Sache ist, dass Sie diesen Rückwärtssalto von dem US Amerikaner geben beim Interview und der das erste Mal überhaupt jemals einen Rückwärtssalto gemacht. Das hat mich eher Punkte gekostet und später hat man diesen Rückwärtssalto ja dann wieder aus dem Programm genommen, dass das nicht erlaubt ist. Aber dass damals durch alle Medien gegangen, quasi in jeder Publikation vor und jetzt bei den jetzigen Olympischen Winterspielen in Mailand hat es wieder einen geben, der den Rückwärtssalto gemacht hat. Also offenbar hat man das jetzt wieder erlaubt. Da dreht sich. Da schließt sich der Kreis, weil ihr das überhaupt nicht auf dem Schirm gehabt. So wie man ja extrem vorgeprägt ist mit Franz Klammer Alpin oder Skispringen als Österreicher. Aber ja, Eisschnelllauf also. Oder Langlauf, also mit Russland oder Sowjetunion oder skandinavische Länder, das ist ja ganz andere Liga. Ich hatte die Sowjetunion die meisten Medaillen gemacht, und Österreich ist nicht so gut ausgeschieden. 176. Also zum Glück dann schon. Ja, die Skispringer hams noch gerettet. Ja, Wobei? Ich habe gesehen. Du hast ja mit Toni Innauer ein Interview geführt. Ja, vorhergehenden Podcast. Und es gibt natürlich auch diese Rivalität mit Schnabel und Innauer Und wer hat dann die Welche Siegerpose oder wie schaut der Toni innauer drein? Er hat es ja vielfach dann später sehr gut aufgearbeitet, hat eine Zeit gebraucht, hat ja selber gesagt, aber da gibt es schon auch verschiedenste Aufnahmen, die nicht immer nur die Siegerehrung zeigen, sagen dann quasi Das ist ja das Besondere dieser dieser Hundertstelsekunde Aufnahme. Wenn der eine die Augen niederschlägt und dann den Kopf nach unten und der andere den Kopf nach oben natürlich. Und dann, wie man es kennt, arm hochgestreckt. Wie auch immer. Also da kann man viel, viel vergleichen. Manches ist fast ident, aber manches ist doch quasi was. Nicht eine halbe Sekunde Sekunde später. Und da sieht man dann, dass hoch und tief, ganz gleich. #00:27:47‑8#

 

Tobias: #00:27:48‑6# Was doch auffällig war, ist, dass vom Helm der. Was? Die Rodler. Nein, nicht die Rodler. #00:27:54‑6#

 

Martin: #00:27:55‑1# Die Eierköpfe. #00:27:55‑7#

 

Tobias: #00:27:55‑8# Die Eierköpfe. Ja. #00:27:56‑7#

 

Martin: #00:27:57‑4# Ja, die westdeutschen Eierköpfe. #00:27:59‑3#

 

Tobias: #00:28:00‑3# Ja, sogar die Rodler. Ja, mir waren die nicht so am Schirm. Mehr als vier Mal so? Wie soll man es denn beschreiben? Ja, fast alienhaft. #00:28:07‑3#

 

Martin: #00:28:07‑6# Ja, ja, total alienartig. Und dann interessanterweise. Ich habe dann ja gesagt, Ja, aber haben die jetzt deswegen was gewonnen oder nicht? Und die eine hat nichts gewonnen? Ist ein Helm kaputt und die anderen schon. Also ich hab da jetzt vielleicht nicht so gewesen sein doch besser besser gerodelt als die andere, aber das ist schon sehr ungewöhnlich. Was anderes, was auch schräg war für mich, das habe ich auch schon gekannt. Aber grundsätzlich, da gibt es ja das sehr gute Buch von Klaus Zeyringer über die Olympischen Spiele bei Rowohlt. Der hat ein Buch gemacht, der Literaturwissenschaftler Klaus Zeyringer, ein Buch, ein dickes Buch nur über die Olympischen Winterspiele und ein Buch nur über Olympische Sommerspiele. Jetzt habe ich mir gedacht der Wie passt denn er da auf fünf Seiten von Innsbruck 1964 zusammen? Und da ist ein großes Thema der Schneemangel. #00:28:56‑6#

 

Tobias: #00:28:57‑3# Stimmt. #00:28:57‑6#

 

Martin: #00:28:57‑9# Das ist das ist auch so eine ikonische Schneise. Das betrifft natürlich die Olympischen Spiele damals überhaupt, aber auch natürlich Tirol und Innsbruck. Fatal. Und dann die große Hilfe vom Bundesheer. Aber das, was jetzt im Kopf habe, ist, dass man ja die Bobbahn in Igls mit Tüchern abgedeckt hat, damit der Schnee nicht wegschmilzt. Und das ist schon unglaublich. #00:29:21‑2#

 

Tobias: #00:29:21‑2# Und vor allem, wenn es jetzt wieder. Also das ist ja immer noch machen. Macht man ja immer noch zum Teil. #00:29:26‑0#

 

Martin: #00:29:27‑1# Wahrscheinlich war's damals das erste Mal. #00:29:28‑5#

 

Tobias: #00:29:31‑3# Ich hoffe, du erlaubst mir. Nur eine abschließende Frage Gibt es denn ein Bild oder mehrere Bilder, die du wahnsinnig gerne abdruckt Hättest im Band, aber vielleicht eben durch rechtliche Sachen oder wegen Bildrechte dann zu unsicher war, dass man es hineingibt. #00:29:48‑9#

 

Martin: #00:29:49‑7# Das, was man vielleicht noch mehr zeigen hätte können sollen, ist halt die Bevölkerung, die Bevölkerungsmassen. Ja, es gibt dann auch Fotos 64 und 76, dass die Leute, da stellt man sich sehr vor, um die beste Sicht zu haben, auf dem Baum kraxeln. Aber nicht nur einer. Dann hängen die da oben in den Bäumen drin, um den besten Blick auf die Langlaufleute zu haben oder was auch immer. Und also, dass das Engagement Von den Besucherinnen und Besuchern. Das ist sicher ganz markant. Das was er vorgibt im jetzigen Band ist ja die die Beteiligung mit den mit den Hostessen oder die die Geschichte allgemein was sie architektonisch und Olympisches Dorf etc. aber um es ober zu brechen auf die gemeinen Leute ja und darf ich sagen, also quasi die die Besucherinnen und Besucher selber hat sicher nachfolgend Potenzial, weil ja da oder dort erst recht die Privaten daheim schauen und dann kommt vielleicht was zu euch ins Stadtarchiv oder zu uns ins DAB und da ist dann ganz normale Leute. #00:30:50‑0#

 

Tobias: #00:30:50‑8# Ich finde, das mit dem kann man eigentlich ganz gut beenden. Martin Ich sage noch einmal herzlichen Dank für deine Zeit und alles Gute weiterhin. #00:30:59‑2#

 

Martin: #00:30:59‑5# Gleichfalls. Danke für die. #00:31:00‑8#

 

Hanna: #00:31:03‑4# Das war unsere Folge mit Martin Kofler kommende Woche. In der planmäßig letzten Folge der Serie sprechen wir mit dem ehemaligen deutschen Eishockeyspieler Alois Schloder. #00:31:13‑4#

Alois Schloder

Alois Schloder

Stadtarchiv Innsbruck

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Transkript

[Fanfare]

Sprecher: 50 Jahre Olympische Winterspiele 1976. #00:00:13‑4#

 

Hanna Fritz: #00:00:21‑8# (...) Hallo und herzlich willkommen zur 15. Folge der Podcastsendung 50 Jahre Olympische Winterspiele 1976. Unsere vorläufig letzte Folge war bis Anfang des Jahres 2026 eigentlich gar nicht geplant. Aus der niederbayerischen Stadt Landshut wurden uns anlässlich des Jubiläums der Spiele einige Unterlagen zugesandt. Der Absender war Alois Schloder, langjähriger Sportamtsleiter von Landshut und ehemaliger Teamkapitän der deutschen Eishockeymannschaft, eben auch bei den Winterspielen in Innsbruck 1976. Daraufhin haben wir Alois Schloder in Landshut besucht, um mit ihm über die Spiele und die gewonnene Bronzemedaille zu sprechen. Nach einer kurzen Einspielung geht es direkt ins Gespräch. #00:01:10‑1#

 

Tobias Rettenbacher: #00:01:23‑2# (...) Lieber Alois, danke für die Einladung nach Landshut zu Dir nach Hause. Dass man gemeinsam über die Olympischen Spiele von 1976 sprechen können. Und zwar bist du mit der deutschen Eishockeymannschaft bei den Spielen 1976 in Innsbruck dabei gewesen. Du warst aber vielleicht fangen wir so an, Das waren ja für dich nicht die ersten Olympischen Spiele, wenn ich das richtig gelesen habe, sondern eher eigentlich schon die dritten. Glaube, du warst in Lake Placid und. #00:01:50‑6#

 

Alois Schloder: #00:01:50‑8# Auch das Grenoble 72, Sapporo und 76 dann Innsbruck. #00:01:56‑6#

 

Tobias: #00:01:57‑0# Reden wir mal vielleicht über den Austragungsort Für die? Natürlich. Du weißt schon. Also, du bist ja Vereinsspieler. Langjährig in Landshut gewesen beim Eishockeyclub. Ist für die dann eine Austragung der Spiele in, ich sag jetzt mal im Nachbarland und der Bayern und Tirol ist jetzt sehr befreundet, ist das für die schon fast wie ein Heimspiel. Wenn dann in Innsbruck, dann für die Spiele. #00:02:20‑2#

 

Alois: #00:02:20‑5# Das ist ja so, dass ja, was viele nicht wissen die Spiele Innsbruck 76 eigentlich ja in Denver stattfinden sollten. Und Innsbruck ist dann kurzfristig oder zwar ja vorher eingesprungen, weil natürlich gewisse Infrastruktur vorhanden war. Und natürlich muss ich sagen, ist Innsbruck war natürlich für uns ein Heimspiel. Deutschland war In den fünf Spielen waren im Stadion fast 40.000 Zuschauer. Wir waren Publikumsmagnet, war mehr und es waren natürlich viele Bayern da. Also das war für uns ein Heimspiel und das war natürlich super. #00:02:54‑8#

 

Tobias: #00:02:55‑5# Habt ihr davor in Innsbruck gespielt? Ich habe während der Weltmeisterschaft, oder. Oder war es das eigentlich? Das erste Mal, dass ihr wirklich in der Halle in Innsbruck gespielt habt? #00:03:03‑7#

 

Alois: #00:03:03‑9# Nein, bei uns war es ja so, dass der EV Landshut natürlich auch immer regelmäßig in den Sommermonaten Vorbereitungsspiele in Innsbruck gespielt hat. War immer ein heißes Spiel, weil er immer auch in Innsbruck kanadische Spieler waren. Denke ich an den Greg Holz zum Beispiel. Also da ist es immer hoch her gegangen. Also man hat das Stadion schon kennt natürlich, aber es war natürlich eine besondere Erfahrung. #00:03:24‑0#

 

Tobias: #00:03:24‑2# Man muss ja dazu sagen, bei der Nationalmannschaft waren ja vorwiegend Spieler aus bayerischen Mannschaften, aus dem EV Landshut natürlich ein Haufen Spieler. Teamkollegen. Bei dir sind da die Vorbereitungen auf die Spiele. Sind die dann eigentlich mehr in die, wenn man das so sagen kann in die Vereine bei die Verein Spiele oder ist da schon wirklich, dass man dann so zwei Jahre vorher mit der Nationalmannschaft irgendwo noch Testspiele hat oder weil wie bereitet man sich denn als Eishockeymannschaft überhaupt auf die Spiele vor? #00:03:54‑3#

 

Alois: #00:03:54‑5# Ja, es ist so, dass man natürlich die Weltmeisterschaft 75 war. Wir waren mit der B. Gruppen war in Sapporo. Wir waren da Zweiter und haben uns dort qualifiziert gehabt. Also das heißt, man hat natürlich schon Vorbereitungsspiele gehabt, aber die Saison 75, 76 war insofern stressig, weil wir. Aber erstens waren wir Amateure und zweitens haben wir praktisch von September. Am 12. September haben wir die Saison gestartet und haben die Saison am 14. Januar beendet. Meister war damals in Deutschland Berlin, Der Ev. Landshut war Vizemeister und am 14. war Schluss. Und die Spitzenspieler natürlich. Also bei uns war der Erich Kühnhackl und der Klaus Auhuber und meine Person war natürlich entsprechend auch im Einsatz. Und das heißt, wir haben genau zehn Tage Zeit gehabt. Wir haben praktisch 14. beendet und am vier und 20. Januar haben wir das erste Vorbereitungsspiel schon wieder gehabt. Das heißt also, man muss sich das vorstellen Der Akku ist eigentlich leer. Und genauso war es dann auch. Wir haben dann das erste Spiel gegen Rumänien gehabt. Das haben wir knapp gewonnen. Normal haben wir dann an der Westentaschen mittragen die Kameraden. Aber dann war es so, dass man dann zwei Spiele gehabt haben gegen Polen und dann haben wir verloren. Und dann waren da natürlich die Medien natürlich da. Was wollen Sie den überhaupt bei Olympia usw. Also keiner hat es mitgekriegt, dass einfach die Erholungsphase zu kurz war und auf einmal waren wir dann in Innsbruck und mussten uns dann qualifizieren für die A. Gruppe, haben dann ein Qualifikationsspiel gehabt. #00:05:26‑4#

 

Tobias: #00:05:26‑7# Wie ihr nach Innsbruck kommen seid. Ihr habt wahrscheinlich im O-Dorf geschlafen. #00:05:30‑4#

 

Alois: #00:05:30‑4# Jeder von uns alle im Olympischen Dorf. Das waren Wohnungen. Genau. Und sind dann hin und her gefahren. Genau. #00:05:35‑4#

 

Tobias: #00:05:35‑5# Gibt es noch Erinnerungen als olympische Dorf? Vielleicht An die Zimmer. An die? An die Unterbringung, ans Essen, An was weiß ich was? #00:05:42‑1#

 

Alois: #00:05:42‑1# Nein. Also wie gesagt, nochmal Erinnerung gibt es jetzt an das olympische Dorf nicht mehr. Es war natürlich für uns ein Gefühl. Olympia. Man sagt immer, es trifft sich die Jugend der Welt. Und bei uns war es natürlich so In dem olympischen Dorf war natürlich die Mensa. Wir haben in der Früh gefrühstückt mit denen, mit denen, mit die Russen mit die Tschechen mit, die Skifahrer, alle miteinander. Also das war das olympische Feeling, so wie man sich das vorstellt. Und wenn ich wie gesagt, Erinnerungen an Innsbruck ist, wenn ich natürlich mein Domizil ist am Gardasee und wenn ich natürlich Richtung Innsbruck fahren schaue, links am Bergisel, und dann schaue ich rechts abbiegen. Ja, und dann? Dann sage ich Ja, ja, das war's. Und Olympia? Ja. Und wenn man Medaillen gewinnt, Verändert Erleben, Das muss man ganz klar sagen. #00:06:27‑2#

 

Tobias: #00:06:27‑4# Und ich glaube, das merkt man an der Stelle wahrscheinlich noch mehr sagen, weil das wird viele nicht auf dem Schirm haben, dass natürlich bis 76 bei den Spielen, wo ja die deutsche Mannschaft ja eigentlich ja auch unerwartet wie es ja, so habe ich es zumindest gelesen immer bitte gerne korrigieren, aber ja eigentlich unerwartet die Bronzemedaille gewonnen hat und war ja bis dahin die einzige Medaille, oder? Es war dann die erste Medaille, was die deutsche Mannschaft beim Eishockey gewonnen hat. Bis dann 2018 die Silbermedaille gefolgt ist. #00:06:54‑3#

 

Alois: #00:06:54‑3# Aber, und das ist richtig, es ist aber so, das haben viele natürlich nicht auf dem Schirm. Die erste Medaille im Eishockey für Deutschland hat es 1932 in Lake Placid gegeben. Und da war es noch so, dass andere mit sechs oder sieben Spieler haben das selber finanziert sind, mit dem Schiff rüber, haben drüben noch Vorbereitungsspiele gemacht und haben dann damals, das waren glaube ich, vier oder fünf Mannschaften, weil es natürlich finanziell schwierig war und haben dann damals die Bronzemedaille, also 32, war der erste Medaillengewinner im deutschen Eishockey und dann ist 40 Jahre später, ist dann über 40, ist dann 76 und 2018 wieder eine schöne Zeit. Die Silbermedaille ist der die größte, der größte Erfolg im deutschen Eishockey. #00:07:35‑7#

 

Tobias: #00:07:38‑0# Redet man vielleicht ein bisschen auch über diese? Heute würde man sagen diese Underdog-Rolle, der die Mannschaft gehabt hat. Es waren jetzt keine schlechten Spieler dabei, aber es waren, wie du ja gesagt hast. Nicht die Profis, die ja dann sei das jetzt Russland, USA, Tschechien war ja glaube ich zudem Tschechoslowakei, glaube ich noch. Ja, Tschechoslowakei war ja wahnsinnig stark. Aber es sind Erfolge. Ich glaube, es war ja gegen die USA auch ein gewonnenes Spiel, glaube ich. #00:08:01‑7#

 

Alois: #00:08:02‑0# Ja, es war so, dass bei dieser Weltmeisterschaft oder andersrum Kanada wurde ja bis 1977 über die Weltmeisterschaft in Wien war immer von der besten Amateurmannschaft vertreten. Erst 77 sind die Profis gekommen. Schweden. Ich weiß nicht, was da war, die waren nicht dabei. Aber Fakt war, dass die Medaillen eigentlich vergeben war. Waren die Russen, die Tschechen, dann die Finnen und die Amerikaner? Die Amerikaner haben ein Collegeteam gehabt, die haben ganze Saison, haben die zusammengespielt. Und dann war eigentlich klar, dass also wir werden wahrscheinlich Vierter oder Fünfter, was natürlich ein super Ergebnis gewesen wäre. Ja, und dann spielst du die Qualifikation und gewinnst gegen die Schweiz. Und dann gewinnst du gegen die Polen und dann geht es weiter und dann hast du gegen die Russen sieben zu drei verloren und dann gegen die Tschechen, sieben zu vier und gegen die Finnen knapp verloren. Und auf einmal steht das letzte Spiel an und auf einmal siehst du, die Mannschaften sind punktgleich und auf einmal wird das Rechnen angefangen und dann kriegst du mehr oder weniger Ansage vom Trainer gegen die USA. Wenn wir einen Sieg mit mehr als vier Tore Unterschied haben, dann haben wir die Bronzemedaille. Also Wow, der war gut. Okay, dann gehst du in das Spiel rein und dann läuft das Ganze. Ja, und dann hat sich das so entwickelt. #00:09:26‑9#

 

Tobias: #00:09:27‑7# Wenn du jetzt im Rückblick das analysierst, kann man das dann wirklich dann noch groß sagen, ob das, ob das taktisch war, ob das einfach mit mehr Einsatz war, weil man in USA ist. #00:09:36‑4#

 

Alois: #00:09:36‑4# Trotzdem USA ist trotzdem USA, aber bei uns hat sich aufgrund der des Turniers. So wie das gelaufen ist, hat sich eine Einheit zusammengeschweißt, muss er fast schon sagen. Einer für den anderen. Ja, und natürlich brauchst du das Glück mit dazu. Aber wir haben einen unglaublichen Teamgeist gehabt. Einer für den anderen und alles draußen lassen. Und das war der entscheidende Faktor. Und die Amis waren natürlich unter Druck. Wenn ich mich ein ganzes Jahr vorbereite auf dieses Turnier und bin dann im Finale, sage ich im Finalspiel und muss das ja gewinnen, dann war es natürlich schwierig. Und bei uns? Wir haben gesagt null, null und dann auf einmal ist das losgegangen und dann passiert das halt. Dann ist halt vier eins, dann hast du Drei Tore Unterschied, dann geht es die letzten Minuten aus, dann drängen wir. Der Lorenz Funk und ich haben den von uns dann gedrängt, haben gesagt durch den Torwart raus, durch den Torwart raus Hat er nicht gemacht. Gott sei Dank, muss ich sagen. Im Nachhinein hätte er den Torwart raus. Hätten der mir das zweite geschossen, wäre es vorbei gewesen. Und so war es auch vorbei, weil wir haben Abpfiff. Ich habe noch eine Chance gehabt. Ich habe dann den Schläger habe ich dermaßen zertrümmert auf dem Eis. Das sieht man auch noch in den Aufzeichnungen, dass ich vier Wochen später, wir waren dann in Vorbereitung zur Weltmeisterschaft in Polen, in Kattowitz unterwegs, in Kanada vier Wochen der Finger wehtut. Aber es war dann ein angenehmer Schmerz, muss ich dazu sagen. Und dann gehst du in die Kabine? Ja. Hast du für uns gegen die Amis gewonnen? Aber Bronze verloren. So, ich sitze drin. Der Erich Kühnhackl neben mir das Handtuch drüber, linker Kopf hängen lassen. Die Waren sind zum Duschen gegangen und auf einmal geht die Tür auf. Macht die Tür einen Spalt auf und schreit Nein, wir haben Bronze. Mucksmäuschen still. (...) Da und a bisserl geht wieder die Tür auf. Wir haben Bronze. Und zwar war das der Miro Schubert, Das war ein Funktionär von der IHF, ein Prager. Und da haben wir gewusst, der kennt sich aus. Also eigentlich undenkbar. Und dann war das. Ich habe gesagt Gott sei Dank, dass nichts passiert ist, weil ich habe mir, wenn ich Schlittschuhe gehabt, unter anderem mit Schlittschuhen, dauernd barfuß, dauernd halb nackt, ganz, ganz nackt. Und dann war das ein Freudentanz in der Kabine. Und ich habe immer gesagt Ich glaube das erst, wenn die Medaille um den Hals hängt, und ich habe mir den Lorenz Funk, war ich der Erste, der die Medaille gekriegt habe. Und es gibt ein Foto, wo ich dann die Medaille um den Hals habe. Und dann schaust du, Du sagst Leck mich fett. Jetzt haben wir es wirklich. Und das war's dann. #00:12:15‑3#

 

Tobias: #00:12:15‑8# Ja. Das heißt, nachdem die Saison vorbei war, hat man das dann wirklich auskosten können. #00:12:21‑0#

 

Alois: #00:12:21‑0# Oder eben nicht? Eben nicht. Weil natürlich sage ich jetzt einmal. #00:12:25‑1#

 

Tobias: #00:12:25‑5# Die Vorbereitung. #00:12:26‑1#

 

Alois: #00:12:26‑3# Die Vorbereitung. Es war ja so, dass man natürlich, wir haben diese, natürlich hat man ein bisserl gefeiert, aber in Deutschland war das war der Wahnsinn. Erstens einmal die Siegerehrung, da gibt es Filmbeiträge, auch bei dem 0,041, das der BR gemacht hat. Dieses Eishockeywunder von Innsbruck. Wo? Wo? Da herrscht nur beim dritten Platz Neben uns stehen die Russen und die Tschechen. Die Halle hat nur Deutschland. Deutschland. Also das war der Wahnsinn. Also ein Heimspiel haben wir gehabt. Und dann war es ja so, dass natürlich in Deutschland, in den Kaufhäusern. Es gab keine Schläger, Schlittschuhe ausverkauft und bei uns war es dann so, dass wir sagen 14 Tage später sind wir schon wieder Vorbereitung für die Weltmeisterschaft in Kattowitz. Wir waren 14 Tage in Amerika unterwegs und in Kanada und haben da Vorbereitungsspiele gehabt. Und wir haben natürlich einen Rucksack gehabt, weil wir waren Bronzemedaillengewinner, fast auf die Weltmeisterschaft. Und dann passiert dann folgendes Dass die Russen, die damals unschlagbar waren, verlieren gegen den Gastgeber Polen. Und damit waren die Punkte die, mit denen wir nicht gerechnet haben. Und wir haben dann im letzten Spiel vor 10.000 Zuschauern in Kattowitz haben wir das Spiel gegen Polen zwei zu eins gewonnen und das ungefähr 16 Sekunden vor Schluss war Situation, wo die Scheibe aufs Tor schießt und dann wird ihnen abgefälscht. Der Philipp hat den abgefälscht, dann war die Scheibe im Tor und dann waren wir in der A Gruppe. Jetzt muss man sich vorstellen, wir gewinnen die Bronzemedaille und verlieren die Polen und sind in der Gruppe. Ja, also das war dann also zum Erholen war dann später Zeit. Also Olympia und Weltmeisterschaft haben wir dann gut rüber gebracht. #00:13:59‑4#

 

Tobias: #00:14:02‑1# Meine Kollegin und ich haben ja bei der Herfahrt uns gedacht oder überlegt, weil natürlich heutzutage der Eishockeysport doch recht kontaktfreudiger Sport ist. #00:14:10‑3#

 

Alois: #00:14:11‑2# Körperbetont Eishockey Eishockey ist. Man spielt mit Körper. #00:14:14‑5#

 

Tobias: #00:14:14‑9# Das war also weil wir haben natürlich. Also ich habe natürlich als Zeitzeuge sagen aber das war quasi auch schon in den 70er 60er auch schon so stark vom Einsatz quasi. #00:14:23‑6#

 

Alois: #00:14:23‑8# Das war das war. #00:14:24‑8#

 

Tobias: #00:14:24‑8# Oder schlimmer sogar. #00:14:25‑7#

 

Alois: #00:14:25‑8# Das war nicht stark, das war so hart war das. Weil Weil natürlich das Niveau natürlich nicht so war, wie es jetzt ist. Die Spieler waren ja nicht so ausgebildet. Wir waren Amateure. Dann es geht mit der Ausrüstung. Das war Leder, das war der Schweiß, das war Gewicht. Dann Schläger aus Holz. Heute haben sie Carbonschläger. Ich mache nun seit einiger Zeit Stadionführung bei uns in Landshut in der Fairbank Arena. Und da ist natürlich ein Thema das Stadion und die Ausrüstung. Wenn ich denen dann einen Schläger gibt von 1970 und einen Schläger, jetzt mit Carbon vom Gewicht, der die Schlittschuhe. Also das hat sich enorm verändert. Und die Spieler natürlich, die waren natürlich technisch nicht so versiert. Und wenn du ein schneller Spieler warst und ich war ganz gut drauf, also du hast schon einiges einstecken müssen, weil wenn sie nicht laufen können, dann haben sie dich mit dem Schläger bearbeitet und das war natürlich. Und auch die Bodychecks sind damals brutaler gefahren worden. Also wir haben in Bayern, da gibt es die Derbys Landshut, Rosenheim, Landshut, Kaufbeuren, Landshut, Landshut, Bad Tölz, also das waren Schlachten und wenn heute gestern war zum Beispiel bei uns Landshut, Bayern, mein Gott, da ist auf dem Papier oder bei den Fans, bei den Ultras, da ist wichtig Derby. Aber die Spieler selber. Und Gott sei Dank ist es so, dass die Schiedsrichter was Checks gegen den Kopf. Früher hast du einen Scheck gekriegt. Da hat es die Abteilung bist du hast weitergespielt heute? Gott sei Dank haben wir untersucht und genauestens nachgeschaut, weil die Nachfolgeschäden sind doch enorm. Also, es hat sich alles zum Besseren gewendet, muss man sagen. #00:15:54‑3#

 

Tobias: #00:15:54‑7# Das heißt bei dir, bei den Spielern 76 auch einige Checks dabei, wenn die an die Substanz gegangen sind? #00:16:00‑6#

 

Alois: #00:16:01‑1# Ja, ist doch klar. Also ich meine, ich sage jetzt einmal wenn du. Ich war immer ein Spieler, der austeilt, der, der ich sag immer dem dem Gegner in die Augen schauen, Also nicht zwinkern, auffangen und zurückziehen, sondern du musst wirklich dranbleiben. Du musst. Von Anfang an musst du denen zeigen, wer Herr im Hause ist. Und nur so Ich habe 23 Jahre erste Liga gespielt. Ich habe über 13.300 Spiele gemacht, mit allem zusammen, sage ich jetzt mal und habe keinen einzigen Zahn verloren. Ja, also. Man braucht also auch. #00:16:31‑3#

 

Tobias: #00:16:31‑3# Das wäre meine nächste Frage gewesen. #00:16:33‑2#

 

Alois: #00:16:33‑2# Man braucht eben auch Glück, weil man mittlerweile also wenn jetzt schon damals bei Geschwindigkeitsmessungen hat man beim Eishockey, wenn man den Puck geschossen hat, war man bei 110 120 Stundenkilometer. Jetzt, mit diesen Carbonschlägern werden Geschwindigkeiten zwischen 160 und 170 Stundenkilometer gemessen. Und wenn du Pech hast und du stehst vor dem Tor und der Schläger ist die Schlägerschaufel, ist ein bisschen schräg, dann geht der Puck hoch und geht ins Gesicht. Wir haben früher ohne Kopfschutz gespielt. #00:17:01‑0#

 

Tobias: #00:17:01‑2# Und die Helme, die so Lederhelme waren, die waren ja ohne Visier oder. #00:17:04‑4#

 

Alois: #00:17:05‑8# Ohne Helm. Dann hat es diese Kopfschutz von der Pop Artikel Und Hinter Pop Artikel Und das war's dann. Dann sind die Leute gekommen mit mit einer Maske und erst später daheim, also mittlerweile. Und dann, wie gesagt, ist dieses Flex gekommen und Gott sei Dank da hat sich auch im Ausrüstungssektor hat sich enorm verändert. Gott sei Dank. #00:17:24‑9#

 

Tobias: #00:17:27‑8# Habt ihr bei Die Spiele 76 in Innsbruck andere Sportarten verfolgt? Sei das jetzt am Fernseher, im Dorf oder dann doch live vor Ort. Heute zum Beispiel war es nett. Oder eben Kollegen von der von der deutschen Mannschaft, die ihr nur versucht habt anzufeuern. Oder war man so quasi in seinem Sport drin, dass man dann gar nicht groß den Kopf gehabt hat, noch andere Sachen zu versuchen? #00:17:50‑4#

 

Alois: #00:17:51‑2# Das erste ist natürlich, wenn du zu Olympia fährst oder zur Weltmeisterschaft oder bei Olympia hauptsächlich klar, dann ist es so, dass du natürlich primär für den Sport da ist. Da ist alles ausgerichtet auf deine Sportart, auf das Training, auf das Spiel usw und man hat natürlich ein oder zwei Tage frei. Und wir haben das Glück gehabt, dass wir tatsächlich an dem Tag, wo der franz. Klammer runter ist, waren wir im Ziel Und natürlich hat jeder dann seinen Club gehabt, der klein klein ist. Ja klar. Und ich habe noch Fotos und dann auch im olympischen Dorf mit dem kleinen Franz, wo man dann Autogramme gibt und dann ist das natürlich super. Also als Aktiver sollte man versuchen, dass man einfach auch andere Sportarten sehen kann. Ich habe das Glück gehabt, dass ich dann bei vier Olympischen Spielen dabei war. 88982 1002, 2006 als FernsehEishockeyexperte beim ZDF. Und das war natürlich für mich ein Gemeindewiesen, weil ich natürlich, dann habe ich wirklich alles genossen. Ich habe gewusst, wann ich die Spiele übertragen habe. Und dann war ich beim Skispringen, beim Eisschnelllauf, beim Skifahren, beim beim Maier draußen in Sanaa, in Nagano. Ich war live vor Ort, beim Hackl Schorsch, auf der auf der Rodelbahn. Das war natürlich der Wahnsinn. Wenn du auf der anderen Seite als Aktiver mal dabei warst und dann auf der anderen Seite bist. Das ist ein Traum. #00:19:10‑9#

 

Tobias: #00:19:11‑1# Vor allem ist es dann doch mehr genießen kannst und den Stress. #00:19:13‑4#

 

Alois: #00:19:13‑5# Auf alle Fälle. Auf alle Fälle. Also da hast du keinen Stress. Und dann? Dann sagst du das auf. Also das muss man wirklich sagen, das ist dann Olympia. Und wenn ich jetzt heute die Spiele anschaue, wie es da in Italien ja was ganz lustig ist, dass man. Man weiß, die Spiele sind in Italien, die Spiele sind in Mailand, in Cortina, das weiß man vorher. Man weiß die Austragungsorte. Aber dann, 14 Tage vorher auf einmal, springen sie alle in den Medien und sagen Ja, um Gottes willen, aber 400 Kilometer und 300 Kilometer Da ich Ja, das weiß man vorher. Für mich, muss ich dazusagen, waren das sieben Weltcups oder sieben Weltmeisterschaften in verschiedenen Disziplinen. Es muss doch möglich sein, sag ich jetzt mal, dass man auch an den Sportler denkt, dass ich sage heute leider holt sie die Goldmedaille, dann steh ich da drum in Cortina an der Bobbahn, dahinter schwarze Nacht und Podest irgendwo im Gelände. Da brauch ich ein Mädel. Blaser Da brauch ich eine Bühne, wo die Athleten mehr oder weniger präsentieren kann, wo ich die Leute mitnehme. Ja. Also das ist mir wirklich abgegangen und das sollte man unbedingt beibehalten. #00:20:15‑4#

 

Tobias: #00:20:15‑5# Ja, also das war generell so ein Tenor, was ich schon bei manchen anderen Interviews, dass der Sport sozusagen gar nicht mehr der Fokus ist, sondern das ganze Drumherum. Und so einfach nicht ablöst, aber aber zumindest den gleichen Stellenwert einnimmt. Dass die sportliche Leistung zwar gut und wichtig ist und gefeiert wird, aber das Ganze nebenbei ist genauso wichtig, wenn nicht wichtiger. #00:20:35‑3#

 

Alois: #00:20:35‑4# Manchmal ja. Das eine ist, dass man das Back to the roots Zurück zu den Wurzeln, sag ich jetzt einmal. Wenn ich jetzt sage, das Vorhandene ja, das ist eigentlich in der Kommunal, in der Sportpolitik sage ich jetzt mal das Vorhandene nutzen. Ja. Ich muss nicht immer alles neu bauen, sondern wenn ich das da habe. Ich sage, ich schaue jetzt Bayern an, also wir haben Weltcup in Ruhpolding mit Biathlon, wir haben Eisschnelllauf, wir haben Berchtesgaden, Rodeln, Oberstdorf usw das muss doch möglich sein, dass ich sage, das war doch eine Bewerbung gewesen. Ich sage jetzt einmal für Olympia. Die Franzosen haben es uns vorgemacht. Wo ich sage Jeder, der Olympia im Sommer. Ist natürlich eine andere Baustelle. Aber das waren Spiele, wo man auch die Zuschauer mitgenommen. Ich als Aktiver sage natürlich, Wenn ich jetzt zum Beispiel einmarschieren ins Stadion, wenn da der Fahnenträger vor Ort uns und dann geht die Kamera drauf und du siehst den und den Sportler usw Das ist schon super, wenn du natürlich fast 50.000 einmarschiert. Aber wenn jetzt Paris sagt, die Waren auf dem Schiff ja gesagt hat was. Aber wie gesagt, wenn ich dann nachgeschaut habe ans Ufer, da waren die Leute, da haben die die Leute mitgenommen und die, die wo nicht für Olympia waren, die waren dann nachher auch für Olympia, also die Bevölkerung mitnehmen. Das ist so wichtig, muss ich dazu sagen. Ja und und Also das sind Dinge und und Aber wie gesagt, Olympia, also wichtig ist das IOC Und ich frage mich, muss ich jetzt auch dazusagen, vielleicht bin ich da ein bisschen altmodisch, Ich habe einen anderen olympischen Geist, aber tut mir leid, wenn ich heute bergsteigen. Ja, früher hat es Kunstwettbewerbe gegeben. Ja, also da hat es wirklich Künstler gegeben in früheren Zeiten, da sind die Gold und Silber Medaillen vergeben worden für Kunst ist in Ordnung. Aber wenn ich heute sage, da muss ich mit dem Bergwandern bergsteigen und wenn ich etwas brauche. Als Olympia. Tut mir leid. Das ist für mich nicht Olympia. Man muss mit der Jugend mitgehen. Wenn wir. Wie in Frankreich. Wenn ihr sagt, dass Basketball zu dritt dann prägt. Da gibt es sicherlich Dinge, wo die Jugend mitnehmen muss. Du darfst nicht irgendwo altmodisch bleiben. Aber da muss ich sagen, man sollte schon genau überlegen, was man macht. Und ein ganz wichtiger Punkt ist für mich, wenn ich sage einmal Olympia, immer Olympia. Jeder Olympionike müsste einmal nach Griechenland. Ich habe das Glück gehabt, ich war zwei Mal dort. Ich bin in der olympischen Arena drin gewesen, wo das olympische Feuer entzündet wird. Wenn man in das alte Stadion reingeht, wo dann 2004 diese Olympia Wettkämpfe war. Das ist ein Traum. Das müsste Pflichtaufgabe sein für jeden Olympioniken. #00:23:04‑1#

 

Tobias: #00:23:04‑2# Eigentlich fast wie eine Geschichtsbildung, wenn man bei Olympia. Weil dann spürt man einfach, was von Tradition und was eigentlich dahinter steckt, glaube ich mehr. #00:23:12‑2#

 

Alois: #00:23:12‑4# Ja, ja, das. #00:23:13‑1#

 

Tobias: #00:23:13‑1# Ist. #00:23:13‑3#

 

Alois: #00:23:13‑3# Schon. #00:23:13‑6#

 

Tobias: #00:23:14‑7# Eine Überlegung wert. #00:23:15‑6#

 

Alois: #00:23:15‑8# Wenn du da in dem Stadium bist und bist dann da. In der anderen starrst einen verstehst du etwas sagst. Mein lieber Mann, wer ist denn da schon nicht. Es ist ein Wahnsinn. Und dann dieses Feuer und dann den Zugang allein usw. Also, das ist ein Traum. Das wäre normal. Pflichtprogramm. #00:23:31‑3#

 

Tobias: #00:23:31‑6# Gutes Stichwort. Aber das Stadion, Da will ich mich jetzt mal kurz einhaken. Bei der Eröffnungsfeier in Innsbruck am Bergiselstadion wart ihr Teil der deutschen Mannschaft und beim Einzug der Mannschaft dabei. Oben am Stadion. Kannst du dich erinnern? #00:23:45‑6#

 

Alois: #00:23:45‑7# Ja, selbstverständlich, selbstverständlich. Wir haben zum Beispiel jetzt bei unserer Feier 50 Jahre Bronze. In Innsbruck habe ich natürlich einen Beitrag gemacht. Erstens einmal, wenn ich sage Innsbruck, dann ist das nicht Eishockey in Deutschland, sondern das ist, das sind die Spiele, die die Rosi Mittermaier hat, mehr oder weniger, also ihren größten Erfolg gehabt. Und dann sind wir natürlich einmarschiert. Wir waren ja die Schornsteinfeger, wir haben die Bogenverkleidung gehabt, wir waren schwarz und die Damen waren in weiß. Und der Harry Valerien, der hat das kommentiert, diesen Einmarsch, da hat es noch die DDR gegeben und. #00:24:20‑3#

 

Tobias: #00:24:20‑3# Da wurde dann auch noch mal kurz drauf sprechen kommen, aber. #00:24:22‑4#

 

Alois: #00:24:22‑7# Die DDR gegeben und das war ganz lustig. Da marschiert die DDR und da sagt das ist unsere Mannschaft, unsere DDR. Also er hat gerade den Bogen erwischt und dann hat er eben gesagt, dass er, der zuständige Mann, der diese Eröffnungsfeier eben begleitet hat, der hat verboten, dass man die Mannschaft mischt. Also eigentlich sollten die Schwarz und Weiß ineinandergehen, aber wir waren ganz getrennt. Aber auch dann mit Gleichschritt sind wir einmarschiert, gell? Also man war natürlich eine große Geschichte und ich habe das Glück gehabt, ich war bei jeder Feier mit dabei bei der Eröffnungsfeier, weil wir natürlich vom Spielplan her eben am anderen Tag frei gehabt haben. Und wie gesagt, wenn du einen Wettkampf hast am anderen Tag, dann ist das normal. Schon ein Stress, weil es einfach Du musst stehen. Und so weiter. Aber wie gesagt, ich habe das Glück gehabt. Ich war dreimal dabei als Aktiver und war dreimal bei der Eröffnungsfeier dabei und anschließend beim ZDF war ich fast dreimal bei der Abschlussfeier mit dabei. Das ist ein Erlebnis, das in Erinnerung. Ich denke da zum Beispiel auch das ESC da war. Der Charles de Gaulle war als französischer Präsident mit dabei. Und der Kalmar, das war ein Eisläufer. Und dann haben sie den mehr oder weniger ein Gerüst aufgebaut und oben war das olympische Feuer und dann ist der mit Mikro ist der diese Treppe rauf mit dem Feuer. Und dann hat das so, da bumm, bumm, bumm, bumm, bumm, bumm, bumm. #00:25:47‑2#

 

Person 4: #00:25:47‑3# Bumm, bumm, bumm, bumm, bumm, bumm, bumm, bumm, bumm. #00:25:49‑4#

 

Alois: #00:25:49‑5# Und dann war er oben. Und dann ist das Feuer entzündet worden. Und dann war der Himmel schwarz. Und dann sind die Kommen mit dem Hubschrauber und haben Papier, Duftrosen abgeworfen. Also, dann ist das Parfüm von oben runter. Und das war ein Riesenerlebnis. Und ich habe werde ich auch nie vergessen. Ich war daneben gestanden. Das war ein Riesenlautsprecher und das war diese schwere griechische alte Musik. Und wir haben dann keine Ohrstöpsel gehabt. Wir waren halb taub und dann nehmen wir auch noch die DDR neben uns gestanden. Also es war rundum ein riesen Erlebnis. #00:26:23‑1#

 

Tobias: #00:26:27‑6# (...) Weil das ist bei den österreichischen Sportlern natürlich in Innsbruck 76 immer groß in der Kritik gestanden, weil die Sportler selber die Anzüge, mit denen ja die Österreicher eingelaufen sind. #00:26:36‑5#

 

Alois: #00:26:37‑0# Ja, ja. #00:26:37‑8#

 

Tobias: #00:26:39‑0# Wie hat man denn das damals als, als als quasi nicht österreichischer Sportler hat man sich da pikiert gefühlt, dass die da mit dem Gold daherlaufen, oder? #00:26:49‑1#

 

Alois: #00:26:49‑5# Nein, überhaupt nicht. Das war ein Blickfang, sag ich jetzt mal, ich hab das nicht irgendwie kalt und so, also mein Gott, das war der der Ausrichter, sag ich jetzt mal, die da eingesprungen sind. Zweimal olympisches Feuer in Innsbruck, da habe ich überhaupt kein Problem gehabt. Das hat gut ausgeschaut, sag ich jetzt einmal. Ich kann mich nur noch erinnern an den olympischen Eid. Das hat irgendein Rodler hat den olympischen Eid. Und der hat. Dann ist das Mikro gegangen. Also, wenn man sich die Bilder anschaut. Und da denke ich an die Rose, wo die runter ist. Und dann sind diese Fangzäune, wo die Zuschauer, wo die dann schreien Rosi, Rosi noch einmal da! Jetzt fällt der Zaun um. Undenkbar. Heute undenkbar. Also was? Also, es hat sich wahnsinnig viel verändert. Gott sei Dank. #00:27:34‑9#

 

Tobias: #00:27:35‑6# Wir haben es schon ganz kurz angerissen, oder? Du hast schon ganz kurz angerissen gehabt mit der DDR. Ja, das ist ja auch ein Spannungsfeld BRD Sportler, DDR Sportler. Wie ist denn für euch das gewesen? Hat man überhaupt mit die DDR Sportler groß sprechen können? Wollte man das überhaupt? Wie kannst du die die damalige Situation schildern? #00:27:55‑2#

 

Alois: #00:27:55‑4# Also ich habe meine Karriere in der Nationalmannschaft ist von 66 bis 78 gegangen und man hat sich natürlich immer wieder getroffen mit der DDR und das war so, dass die natürlich immer. Die haben immer eine Kommissarin dabei gehabt und sofort abgeschottet. Also ich habe sie erlebt als junger Spieler. Das glaube ich, war war 69, ich glaube, bei einer Weltmeisterschaft. Da haben wir uns mir bei der Hymne umgedreht. Also als junger Spieler, die Alten haben gesagt, umdrehen und beim Eishockey gibt es die Mittellinie. Und da haben die gesagt, wenn einer von der DDR über die Mittellinie fährt, dann muss scheppern. Also dann haben wir die zusammengefahren, da hat der einen Bodycheck gekriegt, also undenkbar. Und dann hat es noch einen Trainer gegeben, der hat geheißen, Joachim Ziesche, ein super Spieler damals, der war Major bei Dynamo, das war die Polizei, und da war der war dann Trainer bei der Nationalmannschaft. Und wenn unser Trainer sagt, Auf geht's. Komm und pack zu, dann hat der geschrien Feuer, Jungs, Feuer! Feuer, Jungs! Also das ist mir so in Erinnerung geblieben. Und das hat dann immer Spieler gegeben, zum Beispiel ein reiner Budzinski und Frank Braun, die dann nach den Spielen. Wir waren dann immer im selben Hotel bei den Weltmeisterschaften. Dann war der, der klopft und baut ja, bei uns am Zimmer. Das sagt alles. Hast du noch einen Trainingsanzug? Hast du das? Und das? Aber schreib mir nicht, schreib mir ja nicht usw und man hat immer Kontakt gehabt. Also es hat immer zwei drei Spieler gegeben, die immer regelmäßig Kontakt. Ich war so eine Geschichte mal, das war immer so in Wien, da waren wir dann anschließend beim Heurigen draußen Und was natürlich dazukommt. Die DDR war natürlich folgendes Das waren zwei Mannschaften Dynamo Weißwasser, Dynamo Berlin. Die haben 20 Spiele gehabt in der Saison. Wer die meisten Spiele gewonnen hat, war DDR Meister. Und die andere Zeit waren die in der Nationalmannschaft unterwegs. Das heißt, wenn die dann zur Weltmeisterschaft gefahren sind, haben die mindestens 20 oder 25 Länderspiele als Vorbereitung gehabt. Also das heißt, wir haben in der Regel, wir haben gewonnen, wir haben natürlich auch verloren und das war natürlich ganz schwierig. Und was natürlich dazugekommen ist, wie dann die Wiedervereinigung, war der Rainer Baginski, der ist in Berlin Hohenschönhausen, lebt bei mir im Rathaus. Das Telefon. Rainer Barczynski. Rainer, Was ist denn alles? Wir sind jetzt Kollegen. Wir sind jetzt in Wien. Ich bin jetzt in Hohenschönhausen im Sportforum angestellt. Also wenn was ist und wenn es das auch noch erlebst. Ja, also du bist vorm Fernseher gehockt und hast die Wiedervereinigung und hast deine Tränen in die Augen gehabt. Sagt, das gibt es nicht. Ich war einen Tag später mit Sat1. Noch war ich in Berlin. Wir haben in Berlin Jaffestraße übertragen. Ich bin in der Früh mit der Penny nach Berlin geflogen. Da war der der Kudamm, da war alles vernebelt, weil die ganzen Trabis da drüben waren. Und dann bist du dann in die Straße, da sind die auf die Lust alles Mensch, alles Luder und und. Also das war unglaublich, muss ich dazu sagen. Also, und wenn man das noch erleben kann, dass man sagt, das ist Zeitgeschichte und man war mit dabei und hat den Sport und und dann hat der Deutsche Eishockeyverband auch diese beiden Mannschaften in die Liga integriert. Und heute? die Eisbären Berlin. Die sind sauer. Dynamo. Das sind alles von drüben, sage ich jetzt mal, Und ja, das war natürlich damals am Anfang natürlich ein Kampf. Bruderkampf ist klar. Und mein Nachbar, der Erich Kühnhackl, hat sich dann öfter mal provozieren lassen. Also es sind dann schon auf dem Eis verbal, also wenn der andere nicht hart war und die Jungs waren alle politisch geschult. Also die haben alle. Dann hast du den innerdeutschen Sportverkehr gegeben. Das heißt, wir haben zum Beispiel in Berlin gespielt, bei Dynamo Berlin. Und dann sind die nach Landshut gekommen. Aber fast kein Kontakt. Also das war immer ganz, also in der Regel. #00:31:38‑9#

 

Tobias: #00:31:39‑1# Hast du jemals gefragt, weil das haben Sie gerade erwähnt gehabt, aber 76 bei den Spielen in Innsbruck war die DDR nicht dabei oder hat nicht teilgenommen hat Ja, mit Schweden hast du gesagt und ich glaube, Norwegen war, da bin ich mir sicher. Hast du jemals gefragt, warum die nicht teilgenommen haben? #00:31:55‑3#

 

Alois: #00:31:55‑9# Die waren nicht förderungswürdig. Also da hat der Verband gesagt, wir haben keine Medaillenchance usw und dann fallen die unter dem Raster, so wie ich es damals gesagt habe. Eishockey wird konzentriert auf zwei Standorte. Also alles was Eishockey spielen können, war entweder in Weißwasser oder in der Hauptstadt bei Dynamo und alles andere war platt. Also da ist nichts passiert, weder Crimmitschau noch Weißwasser. Also war nicht so und wenn die Medaillenchance gehabt haben, na dann, was ist? Dann waren die halt nicht dabei. #00:32:24‑4#

 

Tobias: #00:32:24‑5# Spannend, interessant. Nachdem ich zeitlich recht fortgeschritten sind, will ich aber auf einen Punkt eingehen, was auch recht spannend ist, weil eigentlich das Thema, wie wir uns überhaupt jetzt kennengelernt haben oder wie wir den Kontakt zueinander gefunden haben, ist ja ganz spannend, weil wir haben im Kulturamt bzw im Sportamt haben wir ja aus heiterem Himmel sozusagen Anfang des Jahres haben wir die Nachricht gekriegt, eben von einem gewissen Herrn Alois Schloder, bei uns natürlich noch relativ unbekannt gewesen. Kann ich auch dazu sagen, das ist ja kein Geheimnis. Und auch mit den Infomaterialien und mit den Blättern über die 50 Jahr Feier, was ja auch in Landshut stattgefunden hat, anlässlich der Bronzemedaille. Kannst du uns vielleicht ein bisschen erzählen, Den Stellenwert, den diese Bronzemedaille gehabt hat und wie oft auch dort dieses Wunder von Innsbruck, wie du gesagt hast, schon gefeiert worden ist. #00:33:13‑7#

 

Alois: #00:33:15‑1# Ja, ich sage, es gibt keine Bronzemedaille, über die mehr geschrieben worden ist, wie die über das deutsche Eishockey, also über diesen Erfolg in Innsbruck. Ja, weil wie gesagt, ein Goldmedaillengewinner. Gut, den hast du irgendwo auf der Platte. Silbermedaille. Bronze. Vergiss es. Und aufgrund dieser ganzen Dramatik mit dem Torquotienten. Ja. Also, wo ich gesagt habe, was ist jetzt das Torquotient? Ich habe dann eben immer das auch zelebriert. Das heißt also, ich habe 1986 mein Abschiedsspiel von der aktiven Karriere gemacht und habe damals die Bronzemedaille Mannschaft eingeladen. Und dann habe ich immer wieder zu Jubiläen eben diese Mannschaft zusammengehalten. Ich habe dann 89 eine Traditionsmannschaft gegründet. Wir haben dann mehr oder weniger. Bei Stadioneröffnung usw habe ich diese Bronzemannschaft immer beieinander gehabt, habe die Kosten, das haben die Sponsoren Druck und das, was wir eingenommen haben, das ist beim Verband bleiben und wir sind dann gemeinsam mit den Familien, mit den Frauen und Kindern in den Urlaub gefahren. Wir waren in der Türkei, wir waren in Marokko, wir waren in Italien und das schweißt zusammen. Und dann ist dieser Film gekommen. Werde ich nie vergessen. Ich war in Kitzbühel beim Skifahren und du hast dein Handy auf dem Ding und dann läuft das Handy. Kurz zum Schluss war der Bernd Schmelzer vom BR und dann sage ich Bernd, um was geht's? Ich bin gerade beim AB. Bei der Abfahrt sage ich Du ruf mich oft nachts an, dann reden wir drüber. Und dann ruft er mich auf. Da sagt er Du alles. Wir wollen über Eishockey und und, und. 40 Jahre war Bernd jetzt ich. Wir waren 18 Spieler, vier ist gestorben, zwei kommen. Nicht nur zwei Fans, sage ich jetzt einmal für. Nein, sie wollen das machen. Dann habe ich gesagt Gut, wenn Sie es machen willst, dann kommst du zu mir. Ich habe einen Leitz-Ordner. Da ist alles drin. Und dann kannst du das machen. So. Gott sei Dank hat er das gemacht, weil das war dann wirklich eine Sendung, wo ich sage, einen Film, wo ich sage Ja, dann ist alles wieder rauf gekommen und wir waren dann in Innsbruck am Bergisel, haben die ganzen Stätten angeschaut, es war wunderbar. Und dann war eigentlich klar, dass ich sage zum 50. Da lassen wir es noch mal krachen. Und wir wollten eigentlich nach Mailand. Ich habe gesagt, ich organisiere mich mit den Frauen am Wochenende zu den deutschen Spielen. Aber dann war das Erste, wenn ich den ersten angerufen habe. Ja, wenn ich. So lange kann ich nicht mehr sitzen. Und du? Aber da tut man die Hüften weh. Und da habe ich gesagt, du willst so was. Dann machen wir es ganz einfach. Wir machen eine Veranstaltung in Landshut, aber wir lassen diese Silbermedaille. Wir feiern mit den Silberhelden zusammen mit der. Mit der. Mit dem größten Erfolg. So, und dann haben wir das abgehakt. Und dann habe ich praktisch über ein Jahr. Also ich habe im November 24 habe ich mehr oder weniger angefangen. Location usw und so fort. Sponsoring und habe das dann über die Bühne gezogen und was mir wichtig war und das war eben auch bei der Veranstaltung, es war wie ein Klassentreffen und dann war es so, dass ich den. Ich habe den Marcel Koch, der der Kapitän von der 26 18 der Mannschaft, den Christian Ehrhoff und den Patrick Reimer. Wir haben uns zum Schluss unterhalten, habe ich gesagt, Jetzt habe ich gesehen, jetzt habe ich gesehen, was das ist, diese Gemeinschaft, diese 50 Jahre, dass das so lange gehalten hat. Und jetzt seid ihr dran. Ich habe 20281 Zehnjähriges, und das war jetzt der Steilpass. Das war jetzt die Vorlage für euch. Ihr wisst gar nicht, welchen Wert ihr habt. Diese Silbermedaille. Der größte Erfolg in der Geschichte des Deutschen Eishockeys, sage ich, den müsst ihr zelebrieren. Und das war heute ein Startschuss. Ihr müsst da dranbleiben. Bleiben. Es muss aber einer anpacken, habe ich gesagt, und das ist wichtig. Und das war eine Riesenveranstaltung. Was noch dazukommt. Wir haben. Am 2. Mai ist in Garmisch ein Länderspiel Deutschland gegen Österreich. Vorbereitung für die Weltmeisterschaft in in der Schweiz. Und ich habe. Aus dem Erlös dieser Veranstaltung kriegt der DFB Nachwuchs einen Scheck über 2.000 € für eine gewisse Nachwuchsmaßnahme, die er machen kann. Und dann ist das Ganze erledigt. Wunderbar. #00:37:18‑0#

 

Tobias: #00:37:19‑2# Ich finde, das war eine ganz tolle, abschließende Worte. Mir bleibt gar nicht mehr zu ergänzen, außer, dass ich noch mehr sagen darf. Danke für die Einladung, Danke für das Gespräch. #00:37:27‑2#

 

Alois: #00:37:27‑2# Ja, Tobias war wunderbar. Also der Bogen schließt sich, sage ich. Innsbruck war immer eine Reise wert. #00:37:32‑5#

 

Person 2: #00:37:35‑6# (...) Das war unsere Folge mit Alois Schloder, bevor vorläufig keine weiteren Folgen mehr kommen. Gibt es nächste Woche noch eine Bonusfolge mit Dieter Winkler, der 1976 als Telefontechniker in Innsbruck tätig war? #00:37:49‑6#

Archivwürdig

In der Podcast-Sendung des Innsbrucker Stadtarchivs spricht Tobias Rettenbacher, Mitarbeiter des Stadtarchivs Innsbruck, mit Gästen über verschiedene, stadtgeschichtliche Themen.

3. Staffel:

Für die dritte Staffel wurde die bevorstehende Neugestaltung des Gedenkorts Reichenau als Anlass genommen, um vor allem über zwei Themenbereiche zu sprechen. Zum einen über verschiedene Aspekte des ehemaligen Arbeitserziehungslagers Reichenau, wie etwa dessen Entstehung und Nachnutzung oder archäologische Grabungen zum Lager. Zum anderen wird etwas allgemeiner auf die zugrundeliegende Thematik von Erinnerungskultur und Erinnerungsorten eingegangen.

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Stadtarchiv Innsbruck

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Transkript

[Intro-Musik] Tobias: Hallo liebe Hörerinnen von Archivwürdig! Nach längerer Pause melde ich mich heute mit erfreulichen Nachrichten zur bevorstehenden dritten Staffel unseres Podcast. Das Wichtigste gleich vorneweg Die neue Staffel startet nächste Woche Donnerstag, den 28. November. Und neue Folgen erscheinen ausnahmsweise im wöchentlichen Rhythmus. Was erwartet Sie in der dritten Staffel von Archivwürdig? Wie Sie, liebe Hörerinnen, vielleicht den Medien entnommen haben, gab es einen internationalen Wettbewerb für einen zeitgemäßen Gedenkort in der Reichenau. Die bevorstehende Neugestaltung haben wir zum Anlass genommen, um zum einen über das ehemalige Arbeitserziehungslager Reichenau zu sprechen. Zum anderen wollen wir, anknüpfend daran auch auf die darüberstehende Thematik von Erinnerungskultur und Erinnerungsorten eingehen. Abschließend möchte ich den Hinweis geben, dass der Großteil der Folgen noch während des laufenden Wettbewerbs für den Gedenkort aufgezeichnet wurden. Sollten Sie Fragen, Wünsche oder Anregungen zu den einzelnen Folgen haben, dann erreichen Sie uns via Email unter podcast@innsbruck.gv.at. Wie gesagt, nächste Woche geht es los und es würde uns wie immer ausgesprochen freuen, wenn Sie fleißig reinhören. [Outro-Musik] Tobias: Archivwürdig ist eine Produktion des Stadtarchiv Innsbruck und Teil der Stadtstimmen, dem Audiokanal der Stadt Innsbruck. #00:02:04‑8#

Reichenau: Lager und Zwangsarbeit

Reichenau: Lager und Zwangsarbeit

Stadtarchiv Innsbruck

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Transkript

[00:00:00]  Tobias: Hallo und herzlich willkommen zur ersten Folge unserer dritten Staffel von Archivwürdig,

[00:00:06]  dem Podcast des Innsbrucker Stadtarchivs.

[00:00:10]  Zu Beginn unserer Staffel habe ich Sabine Pitscheider zum Gespräch eingeladen.

[00:00:15]  Sabine forscht seit vielen Jahren über die NS-Zeit in Tirol und war Teil der Expert:innenkommission

[00:00:21]  für die neue Gedenkstätte sowie Mitautorin einer Studie zum Arbeitserziehungslager Reichenau.

[00:00:28]  Gemeinsam sprechen wir vor allem über das Arbeitserziehungslager Reichenau,

[00:00:31]  aber auch ganz generell über die Lager- und Lagerarbeit in Tirol.

[00:00:36]  [Intro-Musik] Tobias: Liebe Sabine, danke, dass du heute mit mir über das Arbeitserziehungslager Reichenau sprichst.

[00:00:57]  Was auch ja, ich sage jetzt mal, das übergeordnete Thema der Staffel ist.

[00:01:01]  Und fangen wir vielleicht einfach wirklich ganz an der Basis an zum Arbeitserziehungslager Reichenau.

[00:01:08]  Seit wann gibt es denn das Arbeitserziehungslager Reichenau?

[00:01:11]  Sabine: Seit dem Winter 1941/42.

[00:01:14]  Und ursprünglich war daran gedacht, ein Auffanglager für italienische Arbeitskräfte zu errichten.

[00:01:20]  Weil das war genau die Zeit, als italienische Arbeitskräfte massenhaft aus dem deutschen Reich wieder Richtung Heimat wollten.

[00:01:26]  Und viele wurden am Brenner aufgegriffen.

[00:01:28]  Und das deutsche Reich wollte keine Arbeitskräfte verlieren.

[00:01:31]  Und daher war daran gedacht, die irgendwo zu sammeln und weiter zu verteilen, also nach einer Bestrafung.

[00:01:36]  Weil das war ja Arbeitsflucht und war verboten.

[00:01:39]  Und als die italienische Regierung davon erfuhr, waren sie nicht begeistert,

[00:01:43]  weil offiziell war Italien ja ein Verbündeter des deutschen Reiches

[00:01:46]  und mit Freunden geht man ja normalerweise so nicht um.

[00:01:49]  Und dann war eben die Weisung, ja gut, wenn das kein Auffanglager ist,

[00:01:52]  dann machen wir ein Arbeitserziehungslager

[00:01:54]  und Arbeitserziehungslager gab es über das ganze Reich verteilt, über 100.

[00:01:58]  Und die waren zur Disziplinierung vorgesehen.

[00:02:01]  Für jede Arbeitskraft, egal welche Staatsbürgerschaft.

[00:02:04]  Und dort sollten die Menschen diszipliniert zur Arbeit erzogen unter Anführungszeichen zu sehen, bitte.

[00:02:11]  Erzogen werden und nach einer gewissen Zeit der äußerst schlechten Behandlung wieder zurück an ihre alte Arbeitsstelle kommen

[00:02:17]  und dort weiter erzählen, wie schlecht es ihnen gegangen ist, damit die anderen nicht auch auf die Idee kommen, sich zu widersetzen.

[00:02:23]  Tobias: Die Wahl des Standortes, das ist ja nicht ganz willkürlich.

[00:02:27]  Sabine: Es war nicht willkürlich, wie du sagst.

[00:02:29]  Das NS-Regime hat dringend Lager gebraucht, um die vielen Arbeitskräfte unterzubringen,

[00:02:32]  egal ob jetzt Kriegsgefangene, freiwillige Zivilarbeiter oder Zwangsarbeiter.

[00:02:36]  Und haben meistens an Stadträndern oder Ortsrändern versucht, diese Infrastruktur zu schaffen.

[00:02:43]  Und das erste Lager in der Reichenau in diesem Gebiet, wo dann das AEL stand, war das Kriegsgefangenenlager der Stadt Innsbruck.

[00:02:50]  Und gleich anschließend war dann ein Zivilarbeiterlager der Stadt Innsbruck, im Laufe der Jahre

[00:02:54] kam noch ein Lager der Reichspost und ein Lager der Reichsbahn.

[00:02:57]  Und der Standort war insofern günstig gewählt aus NS-Sicht

[00:03:01]  Mit der Nordbrücke konnte man auf die andere Innseite

[00:03:05]  und dort war eine Straßenbahnhaltestelle.

[00:03:07]  Und zugleich lagen diese Lager fußläufig entfernt von den großen Baustellen der Stadt Innsbruck in Pradl.

[00:03:14]  Und damit zu Fuß auch erreichbar.

[00:03:17]  Tobias: Du hast nämlich jetzt eh schon angesprochen, die anderen Lager, was es ja noch auf städtischem Gebiet gab.

[00:03:22]  Wie ist denn auch das Arbeitserziehungslager jetzt von der Größe her einzuordnen auf Innsbruckerboden oder auch von der Wichtigkeit des Lagers?

[00:03:31]  Im Gegensatz vielleicht zu den Innsbrucker-Lagern noch oder weiteren Lagern.

[00:03:35]  Und vielleicht auch, wenn wir ein bisschen schauen, auf Tirol ein bisschen im Verhältnis sozusagen.

[00:03:41] Sabine: Innsbruck selber hat, also normalerweise hat jede größere Gemeinde ein eigenes Lager gehabt.

[00:03:46]  Die haben normalerweise die örtlichen Gewerbebetriebe ihr Personal eingemietet und dafür bezahlt.

[00:03:52]  Das heißt, das war im Prinzip wie ein Wirtschaftsunternehmen.

[00:03:54]  Genauso war das für die Stadt Innsbruck.

[00:03:56]  Und in den Lagern der Stadt Innsbruck in den beiden kamen theoretisch 750 Menschen unter.

[00:04:01]  Also es gab 750 Schlafstellen.

[00:04:03]  In Notfällen waren es oft mehr.

[00:04:06]  Und dann gab es eben die Lager von Firmen.

[00:04:10]  Das heißt, einige Unternehmen, vor allem Baufirmen, hatten eigene Firmenlager.

[00:04:14]  Die waren meistens klein, 100/150 Männer und wurden dann wieder verlegt, wenn die Baustelle fertig war.

[00:04:20]  Das heißt, das waren wirklich so Wanderlager.

[00:04:23]  Und das heißt, in Innsbruck selbst haben wir eben die Lager der Stadt Innsbruck mit an die 750 Personen.

[00:04:31]  Die kleineren Firmenlager oder größeren.

[00:04:34]  Und das AEL war mit 800 möglichen Unterbringungsplätzen gehörte zu den Großlagern von Innsbruck.

[00:04:43]  Die größten Lager in Tirol hatten aber die Lager der Kraftwerksbauten.

[00:04:47]  Also die TIWAG im Unterinntal und die Westtiroler Kraftwerke in West Tirol.

[00:04:53]  Und das waren, entschuldige ganz kurz, das waren Lager so mit 1.000, 1.500, 2.000.

[00:04:58]  Tobias: Das sind dann, so blöd das jetzt klingt, aber auch Häftlinge oder Inhaftierte von den Lagern,

[00:05:05]  also Tirol weit auch ausgetauscht worden, also dass sie für Arbeitseinsätze dann zum Beispiel ins Unterinntal gekommen sind.

[00:05:13]  Dort da dann für eine Zeit geblieben sind und dann wieder zurückgekehrt ins Arbeitslager kommen sind?

[00:05:17]  Sabine: Das war ganz üblich.

[00:05:18]  Das heißt, normalerweise eine Arbeitskraft, egal ob jetzt Zivil-, Kriegsgefangener oder zwangsverpflichtet,

[00:05:24]  konnte sich den Arbeitsplatz nicht aussuchen.

[00:05:26]  Zugeteilt hat das das Arbeitsamt nach wirtschaftlichen Überlegungen.

[00:05:30]  Das heißt, es war ganz üblich, dass jemand, der vielleicht zuerst beim Lager der Baufirma Retter auf der Ulfiswiese war,

[00:05:37]  kam dann ins Ötztal oder dann zu den Illwerken und im Winter vielleicht wieder zurück in die Stadt.

[00:05:42]  Das heißt, wir haben es zwar immer mit sehr vielen Menschen zur selben Zeit zu tun, die aber nicht immer die gleichen Menschen waren.

[00:05:48]  Tobias: Weil wir ja auch schon das Thema kurz angeschnitten haben.

[00:05:52]  Arbeitseinsätze sind an einer Baustelle, an ein Bauvorhaben gekommen.

[00:05:58]  Wie ist denn der formale Ablauf, wie man als Firma zum Beispiel an eine Arbeitskraft,

[00:06:05]  nennen das jetzt Arbeitskraft, das sind ja zwangsverpflichtete,

[00:06:08]  kommt, ist das ein formeller Akt, ein Schreiben, was man abschickt und dann bekommt man die Person?

[00:06:15]  Sabine: Es war komplizierter. [beide lachen]

[00:06:18]  Sabine: Also zuständig war einzig und allein das Arbeitsamt.

[00:06:21]  Das heißt, wenn eine Firma eine Arbeitskraft brauchte, männlich, weiblich, alt, jung, egal,

[00:06:25]  musste ein Ansuchen an das Arbeitsamt gestellt werden.

[00:06:28]  Und dann musste man beweisen, dass man die Arbeitskraft auch unterbringen konnte.

[00:06:32]  Deshalb gab es ja diese vielen Firmenlager und Gemeindelager.

[00:06:35]  Und erst wenn das gesichert war, ging das Arbeitsamt daran, so eine Person zu suchen.

[00:06:40]  Es gab mit befreundeten Staaten, hatte das NS-Regime Anwerbeabkommen,

[00:06:44]  mit Italien, Bulgarien, Ungarn und so weiter.

[00:06:47]  Und das heißt, in diesen Ländern gab es Anwerbebüros, wo sich Menschen bewerben konnten,

[00:06:52]  um eine Arbeit im Deutschen Reich, wenn sie gesund und arbeitsfähig waren

[00:06:55]  und nicht feindlich eingestellt, kamen sie ins Deutsche Reich zur Arbeit.

[00:06:58]  Das waren die Freiwilligen.

[00:07:00]  Wobei die Freiwilligkeit sich sehr relativiert, weil wenn sie im Deutschen Reich,

[00:07:03]  wenn ihnen die Arbeit nicht gefiel und sie wollten gehen, ging das nicht mehr.

[00:07:06]  Und ab dann war das eher eine Zwangsarbeit.

[00:07:10]  Und das Arbeitsamt hat dann eben bei diesen Anwerbebüros angefragt

[00:07:14]  und es kamen immer wieder... entweder die Leute kamen einzeln ins Reich oder mit Transporten.

[00:07:19]  Und mit Transporten kamen sie vor allem aus den besetzten westlichen Gebieten der Sowjetunion,

[00:07:26]  heute Ukraine und Weißrussland, die unterlagen besonderen strengen Bestimmungen.

[00:07:32]  Sie mussten ein eigenes Kennzeichen tragen, damit jeder sofort wusste,

[00:07:35]  dass er es mit unter Anführungszeichen "Untermenschen" zu tun hatte.

[00:07:39]  Und mit diesen Deportationszügen kamen sie gesammelt ins Reich

[00:07:43]  und wurden dann an die Arbeitsämter verteilt und die Arbeitsämter verteilten sie dann wieder auf die einzelnen Firmen.

[00:07:48]  Wann die Arbeitskraft einlangte, konnte niemand sagen, weder das Arbeitsamt noch sonst wer,

[00:07:53] das heißt im Prinzip haben die Firmen, die wirklich Arbeitskräfte brauchten,

[00:07:57]  eine enorme Ausdauer gebraucht, bis sie überhaupt jemanden bekommen.

[00:08:02]  Sie durften nicht jemanden einstellen, der sich frei bei ihnen beworben hatte, das war nicht möglich.

[00:08:06]  Es kam zwar vor, aber theoretisch war das nicht möglich.

[00:08:09]  Einzig zuständig, das Arbeitsamt.

[00:08:11]  Tobias: Wäre es auch möglich gewesen, dass die Arbeitskraft auch einfach gar nicht gefunden worden ist

[00:08:15]  und dann sozusagen es nie zur Überstellung einer Arbeitskraft gekommen ist?

[00:08:20]  Sabine: Ja, das ist durchaus vorkommen.

[00:08:22]  Das Arbeitsamt, da hat einfach die Meldung lapidar gelautet, derzeit nicht möglich.

[00:08:26]  [Drehgeräusch] Tobias: Gehen wir vielleicht wieder nur den Schritt zurück zum Arbeitserziehungslager in der Reichenau.

[00:08:34]  Du hast ja schon gesagt, die werden registriert, an und für sich,

[00:08:38]  kommen herein, die kommen jetzt aus dem Osten, verschiedene Standorte,

[00:08:42]  die treffen in dem Lager ein,

[00:08:44]  werden die dann.. oder wie penibel werden die auch registriert, die Ankommenden?

[00:08:50]  Sabine: Das war davon abhängig, ob es Kriegsgefangene oder Zivilarbeiter waren.

[00:08:54]  Kriegsgefangene wurden in den Kriegsgefangenenstammlagern,

[00:08:58]  die meisten, die nach Tirol kamen, kamen aus Markt Pongau, heute St. Johann im Pongau.

[00:09:03]  Die hatten eine Nummer und der ganze Schriftverkehr lief zwischen der Leitung des Stammlagers und dem Arbeitsamt.

[00:09:10]  Das Unternehmen selbst hatte damit nichts zu tun.

[00:09:12]  Das mietete nur die Arbeitskraft dieser Männer.

[00:09:15]  Und wöchentlich musste das Kriegsgefangenenlager dem Bürgermeister des Ortes, wo das Lager lag,

[00:09:20]  melden, wer in diesem Lager momentan interniert war, inhaftiert war

[00:09:26]  und welcher Firma diese Leute zugeteilt waren.

[00:09:29]  Diese Listen gibt es großteils nicht mehr.

[00:09:31]  Bei Zivilarbeitern war das so, das lief unter dem Ausländerbeschäftigungsgesetz,

[00:09:35]  so wie heute. Es gab bei jeder Bezirkshauptmannschaft eine Ausländerbehörde,

[00:09:39]  da gab es dann eine befristete Aufenthaltsbewilligung, die Menschen, wurden sozial versichert,

[00:09:44] und bekamen einen eigenen Ausweis als ausländische Arbeitskraft, so wie wir das heute auch kennen.

[00:09:50]  Tobias: Wie siehst du den Unterschied jetzt von einem Arbeitserziehungslager zu einem Konzentrationslager?

[00:09:56]  Sabine: Der Hauptunterschied liegt im Zweck des Lageraufenthalts.

[00:10:02]  Um das jetzt einmal... Tobias: Pauschal zu sagen. Es ist schwierig des... Sabine: Es ist sehr schwierig, aber normalerweise, muss man sagen, in einem AEL war das Ziel nicht der Tod des Menschen,

[00:10:13]  weil der sollte ja wieder in einen Arbeitsprozess zurück.

[00:10:16]  Und nachdem es an Arbeitskräften ja gemangelt hat, war im Prinzip die Erhaltung der Arbeitskraft das Ziel.

[00:10:22]  Das hat mit der Praxis im Arbeitserziehungslager dann herzlich wenig zu tun.

[00:10:30]  Was aber auch daran liegt, dass das Arbeitserziehungslager Innsbruck jede Menge andere Funktionen übernommen hat.

[00:10:37]  Es war zum Beispiel ein Transitlager für depotierte Jüdinnen und Juden aus Italien, auf ihrem Weg nach Auschwitz.

[00:10:43]  Und während sie hier interniert waren, mussten sie natürlich auch Arbeit leisten und wurden extrem schlecht behandelt,

[00:10:50]  weil sie als unter Anführungszeichen "Untermenschen" überhaupt keinen Lebenswert hatten.

[00:10:54]  Oder Arbeitskräfte, die nach dem Italien abgefallen ist, ab Sommer 1943, wurden Arbeitskräfte Italiener,

[00:11:04]  die streikten über das Lager Reichenau in das deutsche Reich deportiert.

[00:11:09]  Die wurden extrem schlecht behandelt.

[00:11:11]  Die haben einige Tote aus diesen depotierten italienischen Arbeitern.

[00:11:15]  Und dann hat das Lager noch die Funktion eines, nennen wir es, Depot für politisch Missliebige.

[00:11:25]  Zum Beispiel als im Sommer 1944, das Attentat auf Hitler scheiterte,

[00:11:29]  kam es ja im ganzen Reich zu Verhaftungen.

[00:11:31]  Und auch in Tirol, wo diejenigen, die als politische Feinde angesehen wurden, interniert im Arbeitserziehungslager Reichenau.

[00:11:38]  Noch einmal war das der Fall im April 1945 dann.

[00:11:42]  Oder wir haben im Frühjahr 1943 diese Aktion, dass der Gauleiter Hofer wollte Tirol unbedingt judenfrei bekommen

[00:11:50]  und hat einfach die jüdischen Ehepartner von Arischen in arischen Ehen verhaften lassen

[00:11:56]  und hat sie im Arbeitserziehungslager Reichenau deponiert, auf ihrem Weg nach Auschwitz.

[00:12:02]  Diese Menschen wurden wieder anders behandelt.

[00:12:04]  Das heißt, wir haben einerseits eben diese Arbeitserziehung, wo das Ziel war, nicht töten,

[00:12:09]  weil die Arbeitskraft erhalten bleiben soll und dann haben wir wieder Menschen dort inhaftiert gehabt,

[00:12:14]  wo es egal war, ob sie leben oder sterben.

[00:12:17]  Und das hat einfach mit dem Funktionswandel des Lagers zu tun, dass es sehr schwierig zu sagen ist,

[00:12:22]  wo der Unterschied zu einem KZ eigentlich sein soll.

[00:12:26]  Tobiaa: Ich verstehe ja, weil es einfach die, die, von Personengruppen im Lager schon unterschiedlich ist.

[00:12:32]  Sabine: Es ist einfach davon abhängig gewesen, wie das NS-Regime einen Menschen eingestuft hat in seinem "Wert".

[00:12:38]  Und es hat eben Wertlose gegeben und Menschen, die wertvoller waren.

[00:12:42]  Also die Vorschriften haben eigentlich besagt, dass jemand maximal 56 Tage zur Arbeitserziehung dort bleiben soll.

[00:12:48]  Und Arbeitserziehung hat dann bedeutet, Zwangsarbeit normalerweise für die Stadt Innsbruck.

[00:12:52]  Tobias: Du hast gesagt, normalerweise, das heißt, das ist nie der ... also ...

[00:12:56]  Sabine: Mit der Zeit haben sich die Grenzen, je länger der Krieg gedauert, hat desto eher sind Vorschriften einfach ignoriert worden.

[00:13:02]  Und zum Beispiel diese Grenze von 56 Tagen hat nicht für die sogenannten Ostarbeiter gegolten und für diese Deportierten aus der West-Sowjetunion.

[00:13:09]  Die durften unbegrenzt ausgebeutet werden, weil die waren sowieso ganz, ganz unten in der Hierarchie des Menschenwertes.

[00:13:18]  Und deshalb ... also es ist sehr schwierig zu sagen.

[00:13:22]  Tobias: Es ist nicht einfach.

[00:13:23]  Und deswegen habe ich mir gedacht, ich frags jetzt trotzdem einmal, weil es ist für die Menschen da draußen,

[00:13:29]  weil man hört immer Arbeitserziehungslager Reichenau aber ...

[00:13:32]  Sabine: Was ist das?

[00:13:33]  Tobias: Was ist das und warum gibt es dann KZ, warum gibt es die Auffanglager, dieses Lager, da ...?

[00:13:39]  Sabine: Ja. Das deutsche Lagersystem war sehr diffizil mit den unterschiedlichen Funktionen, die dazu geschrieben wurden.

[00:13:45]  Weil jetzt zum Beispiel, ein normales..., also in einem Kriegsgefangenen Lager war das Ziel nicht töten.

[00:13:50]  Tobias: Ja. Sabine: Das Ziel war Arbeitskraft ausbeuten.

[00:13:52]  Also in einem Arbeitskriegsgefangenenlager.

[00:13:55]  In den Stammlagern zum Beispiel war die Überlebenswahrscheinlichkeit je höher, desto westlicher du warst.

[00:14:02]  Also ein Sowjetischer Kriegsgefanger, die Überlebenswahrscheinlichkeit eines sowjetischen Kriegsgefangenen war gering,

[00:14:07]  weil die einfach schlechter behandelt wurden.

[00:14:09]  Weil je nachdem, woher jemand gekommen ist, hat man die Nahrung... die Menge an Lebensmitteln bekommen... oder eben nicht.

[00:14:17]  Tobias: Dasselbe wird auch für Kriegsgefangene gelten.

[00:14:19]  Sabine: Auch. Auch wobei bei den Kriegsgefangenen normalerweise die Stalagleitung da die Vorschriften gemacht hat.

[00:14:26]  Da hat das Regime selber nicht so eingreifen können.

[00:14:29]  Und die Stalag hat sich ja wirklich richten müssen, eigentlich nach der Genfer Konvention.

[00:14:34]  Da hat das NS-Regime nicht so radikal eingreifen können wie jetzt in einem Zivilarbeiterlager.

[00:14:40]  In einem Zivilarbeiterlager hat die Sache ja anders ausgeschaut.

[00:14:43]  Da war kein Rotes Kreuz und keine Genferkonvention.

[00:14:46]  Da hätten normale Menschenrechte genügt, aber Menschenrechte haben im NS-Regime einfach nicht existiert.

[00:14:50]  Zumindest nicht für diese Menschen.

[00:14:52]  Tobias: Feiner Unterschied.

[00:14:53]  Sabine: Es ist ein Unterschied.

[00:14:54]  Tobias: Aber das was viel ausmacht.

[00:14:56]  Sabine: Das macht ganz viel aus.

[00:14:57]  Es ist zum Beispiel dann so, ab dem Zeitpunkt, dass ab... sagen wir, dem Frühjahr 1942,

[00:15:02]  hatte das NS-Regime begonnen, Millionen von Menschen aus den westlichen Gebieten,

[00:15:05]  der Sowjetunion zu deportieren.

[00:15:07]  Und ab dem Zeitpunkt ist die Zahl der Kriegsgefangenenlager tendenziell zurückgegangen.

[00:15:12]  Und es sind mehr Ostarbeiterlager eingerichtet worden.

[00:15:15]  Weil die einfach... schlimmer zu behandeln waren, ohne dass einem was passiert.

[00:15:20]  Weil wenn man jetzt zum Beispiel schaut für die Disziplin, also wenn jetzt zum Beispiel ein Kriegsgefangener zu fliehen,

[00:15:25]  versucht hat, was sehr oft vorkommen ist, weil die Grenzen waren nahe und sehr verlockend.

[00:15:30]  Da war dann die Wehrmacht zuständig.

[00:15:32]  Das heißt, da wurde wieder aufgegriffen.

[00:15:34]  Da wurde ja Wehrmachts-Offizier informiert, da ist abgeholt worden und ins Stammlager zurückgebracht worden.

[00:15:39]  Versuchte ein Zivilarbeiter zu fliehen, war die Gestapo zuständig.

[00:15:42]  Das heißt, es war einfach viel einfacher.

[00:15:44]  Weniger Abstimmungsbedarf, nahe Befehlskette.

[00:15:48]  Und Zivilarbeiter haben, also gerade die sogenannten Ostarbeiter haben extrem wenig Geld verdient.

[00:15:54]  Das war kein Lohn, das war eine Art von Aufwandsentschädigung.

[00:15:57]  Und sie haben weniger zu Essen bekommen als andere.

[00:16:00]  Also man hat eine italienischen Arbeitskraft nicht mit dem Essen abspeisen können, das Ostarbeiter bekommen haben.

[00:16:06]  Tobias: Du hast gerade auch angesprochen, die Fluchtversuche vor allem bei den Kriegsgefangenen sind bei deiner Recherche,

[00:16:13]  ist dir untergekommen, dass es vom Arbeitserziehungslager auch Fluchtversuche gegeben hat?

[00:16:17]  Erfolgreiche oder unerfolgreiche?

[00:16:20]  Sabine: Keine.

[00:16:21]  Tobias: Keine, oder?

[00:16:22]  Sabine: Nein, also nicht nach den Akten.

[00:16:25]  Und das Problem mit den Akten ist, dass die Gestapo im April 1945 ihre Akten verbrannt hat.

[00:16:32]  Das heißt, wir wissen, über das Arbeitserziehungslager oft nur Bescheid aus Gerichtsprozessen,

[00:16:38]  aus Totenscheinen, aus Zeitzeugenaussaugen, aber nicht aus wirklich eigenem Aktenmaterial.

[00:16:45]  Tobias: Das wäre eh die nächste Frage, wie schwierig das ist,

[00:16:49]  ein Lager von der Größe auch irgendwie nachzuzeichnen, wo ja doch eine Vielzahl von der Aktenlage ja zerstört worden ist.

[00:16:57]  Sabine: Interessanterweise verstecken sich in Gemeindearchiven relativ,

[00:17:00]  viele Unterlagen. Das müsste man mal genauer, da müssten dann die Gemeindechronisten,

[00:17:04]  Ortschronisten sich einmal um diese Sache bemühen, weil Gemeindearchive oft wahre Schätze bergen,

[00:17:09]  die nirgendwo sonst mehr aufscheinen. Man bekommt relativ viele Informationen aus Prozessakten,

[00:17:16]  nach 1945, die Prozesse vor dem Volksgericht, die ja nicht nur Hochverrat geahndet haben,

[00:17:22]  sondern auch Kriegsverbrechen. Da bekommt man, also wenn dann ein Prozess gegen jemanden,

[00:17:29]  der Kriegsgefangene oder Zivilarbeiter misshandelt hat, da bekommt man Informationen, wie das einzelne

[00:17:34]  Lager funktioniert hat. Man bekommt Informationen eigentlich aus vielen verschiedenen Quellen,

[00:17:40]  Landesbauamt, wenn es darum geht er geeignet, einen geeigneten Standort für ein Lager zu suchen. Oder wenn

[00:17:45]  eine Firma möchte ein Lager errichten und wendet sich an das Stadtbauamt Innsbruck und das

[00:17:50]  Stadtbauamt sagt, nein, wir wollen nicht, dass man bei der Orts-Einfahrt sofort ein Lager sieht,

[00:17:54]  weil es wirklich auf den Tourismus abschreckend. Und deshalb ist ja zum Beispiel diese Lager in der

[00:18:00]  Reichenau, die waren ja alle relativ eng beieinander, einfach weil der Gauleiter gesagt hat,

[00:18:05]  ich will nicht, dass die Lager über die ganzen Stadt verteilt sind, es ist sicherheitsmäßig

[00:18:08]  einfach ein Unding. Die Firmen wollten, es war ein bisschen ein Widerstreit, die Firmen wollten die

[00:18:12]  Lager möglichst nahe beim eigenen Firmengelände und der Gauleiter wollte sie möglichst an

[00:18:16]  zwei Orten konzentriert haben, damit es nicht jedem gleich so auffällt. Tobias: Das ist eh ja auch ein guter

[00:18:22]  Punkt, den du da ansprichst, dass sie nicht jedem auffallen. Ich weiß es nur aus einigen

[00:18:27]  oder zumindest aus einem Interview, was ich geführt habe mit einer Zeitzeugin, die gesagt hat,

[00:18:31]  sie hat die nie gesehen durchmarschieren, die Zwangsarbeiter. Wie siehst du das? Es muss ja von

[00:18:39]  die Leute, vor allem wenn sie für Arbeitseinsätze ja von Firmen verwendet werden, die müssen ja

[00:18:45]  eigentlich wissen, woher die Leute sind oder wo die, also nicht, wo ihre ursprüngliche Heimat ist,

[00:18:51]  aber wo die derzeitig sind. Sabine: Mhm. Ja. Tobias: Also die Aussage quasi, wie man sie auch immer hat, man hat nichts gewusst.

[00:18:58]  Sabine: Nein, das ist unglaubwürdig. Zwangsarbeiter waren in jeder Gemeinde, auch in der Kleinsten und wenn sie

[00:19:04]  nur bei einem Bauern einer war, die waren überall. Und in der Stadt haben sie sich überhaupt nicht

[00:19:11]  verbergen lassen, weil zum Beispiel die Häftlinge des AEL mussten eigene Kleidung tragen und aus

[00:19:15]  Ressourcenmangel hat es diese eigene Kleidung nicht mehr geben, dann hat die Gestapo einfach die

[00:19:18]  Zivilkleidung der Gefangenen mit Ölfarbe beschmiert. Damit man erkennt, dass es Häftlinge sind.

[00:19:23]  Und normalerweise haben ja die Menschen ja Zivilkleidung getragen. Das heißt,

[00:19:28]  Zivilarbeiter sind mit Zivilkleidung angereist und Kriegsgefangene haben die Uniform getragen,

[00:19:34]  was ihre Flucht erschwert hat. Weil damit der Kriegsgefangene erfolgreich fliehen konnte,

[00:19:39]  hat er Zivilkleidung gebraucht und was auch noch sehr schwierig war, ist, dass Kriegsgefangene bekamen

[00:19:44]  Geld für ihre Arbeit, aber nicht in Reichsmark, sondern in Lagergeld. Das waren so Gutscheine,

[00:19:49]  die nur in der Lagerkantine eingetauscht werden konnten. Das heißt, wollte jemand erfolgreich

[00:19:53]  fliehen, brauchte er erstens mal gute Geografiekenntnisse, zweitens wenn möglich ein wenig Sprachkenntnisse,

[00:19:59]  drittens Zivilkleidung und viertens richtiges Geld. Tobias: Mhm. Nicht so leicht zum Erhalten. Sabine: Schwierig.

[00:20:06]  Tobias: Und vor allem ohne Mithilfe einer lokalen Bevölkerung. Sabine: Das hat die Mithilfe der

[00:20:11]  lokalen Bevölkerung gebraucht. Richtig.

[00:20:13]  [Drehgeräusch] Wir haben jetzt sehr viel von den Zwangsarbeitern Kriegsgefangenen gesprochen. Gab es denn auch

[00:20:23]  weibliche Gefangene in der Reichenau bzw. in ganz Tirol?

[00:20:28]  Sabine: Also Kriegsgefangene sind per se männlich. Das ist klar. Unter den zivilen Arbeitskräften

[00:20:34]  muss man eben unterscheiden zwischen jenen, die aus verbündeten Staaten gekommen sind,

[00:20:37]  die theoretisch freiwillig waren. Dann diejenigen, die aus neutralen Staaten kommen, in Vorarlberg

[00:20:43]  betrifft es vor allem Bürger aus der Schweiz. Oder wo die Staatsbürgerschaft ungeklärt ist.

[00:20:49]  Aber wenn man sich, wenn man sich, es gibt verschiedene Statistiken zu verschiedenen

[00:20:52]  Zeitpunkten, im Dezember 1943 waren fast drei Viertel aller in Tirol Beschäftigten

[00:20:59]  Zivilarbeiter aus besetzten Staaten, die vermutlich nicht freiwillig da waren. Und wenn man sich diese

[00:21:06]  diese fast drei Viertel nochmal extra anschaut, dann muss man sagen, dass die überwältigende Mehrheit

[00:21:12]  davon kam entweder aus Polen oder aus den besetzten Westgebieten der Sowjetunion und hier

[00:21:17]  vor allem aus der Ukraine. Und was man noch einmal sieht, ist, wenn man sich das nach Geschlecht

[00:21:22]  anschaut, dass die überwiegende Mehrheit dieser Zwangsarbeiterinnen Frauen waren. Das heißt,

[00:21:29]  wir haben ab dem Frühjahr 1942 wird Zwangsarbeit nicht nur tendenziell weiblicher, sondern und

[00:21:34]  ganz wichtig tendenziell jünger. Deportiert wurden diese Menschen ab dem Alter von 14,

[00:21:39]  aber es waren auch jüngere möglich. Das heißt, wir haben in den meisten Lagern, die vor allem

[00:21:44]  mit Osterarbeiter:innen arbeiten, sind Jugendliche. Tobias: Die sind aber nicht hauptsächlich in der Reichenau

[00:21:51] gewesen. Sabine: Nein, die waren vor allem in der Landwirtschaft, in den sogenannten Aufbaugenossenschaften.

[00:21:56]  Jedes Jahr hat der Gau Aufbaugemeinden ernannt und die wurden besonders mit Geldmitteln subventioniert,

[00:22:02]  Güterwegebau, Materialseilbahnbau usw. Und jede dieser Aufbaugemeinden hatte

[00:22:08]  ein eigenes, ein sogenanntes Russen- oder Ostarbeiterlager. Und da waren die Mehrheit weiblich.

[00:22:13]  Tobias: Kaum vorzustellen eigentlich. Sabine: Kaum vorzustellen. Andererseits hat das NS-Regime den

[00:22:18]  Menschen aus dem Osten einen nur einen geringen Menschenwert beigemessen. Was diesen Frauen

[00:22:22]  widerfahren ist, ist, die wurden nicht nur extrem ausgebeutet. Textilwirtschaft, Textilindustrie,

[00:22:27]  Landwirtschaft, teilweise auch beim Bau. Sie mussten auch erleiden, dass zum Beispiel,

[00:22:31]  wenn sie schwanger wurden, an ihnen Zwangsabtreibungen vorgenommen wurden.

[00:22:34]  Tobias. Ich könnte mir auch vorstellen... Sabine: Und Vergewaltigungen hat es natürlich auch gegeben.

[00:22:38]  Tobias: Ich wollt jetzt grad... Sabine: Richtig. Tobias: Das... Sabine: Ja, das ist Begleiterscheinung von Zwang.

[00:22:44]  Tobias: Das heißt, die waren in den Orten, also in den Einsatzgebieten vor Ort in eigenen Lagern.

[00:22:49]  Oder gibt es noch ein anderes Lager, was da in der Hinsicht für Frauen von Interesse oder von

[00:22:54]  Wichtigkeit ist? Sabine: Ja, also das AEL der Gestapo in der Reichenau war ja nur für Männer,

[00:23:00]  theoretisch. Es waren auch Frauen dort, aber nur kurzzeitig. Und das heißt, weibliche

[00:23:05]  Arbeitserziehungshäftlinge kamen in das Firmenlager der Firma Heinkel nach Jenbach,

[00:23:09]  heute Jenbacher Werk. Tobias: Und weiß man was mit den Frauen passiert ist, nach dem sozusagen, also entweder mit

[00:23:15]  Ende vom Regime, sind die dann alle wieder zurück in ihre Ursprungsländer gekommen?

[00:23:21]  Sind manche dageblieben? Ist das schwer zu fassen, wahrscheinlich, oder? Sabine: Es ist schwer zu fassen.

[00:23:26]  Das ist ein leeres Forschungsfeld, was Tirol angeht. Wichtig ist dabei zu unterscheiden,

[00:23:32]  aus welchem Land kamen sie. Also Französinnen, die gingen natürlich zurück, Niederländerinnen

[00:23:36]  und so weiter. Aber bei den Verschleppten aus dem Osten hängt es davon ab, aus welchem Land

[00:23:41]  sind sie gekommen und haben sie noch familiäre Bindungen? Weil zum Beispiel, wie es in der

[00:23:45]  Ukraine war, die Ukraine war großteils zerstört. Viele Familien existierten einfach nicht mehr.

[00:23:51]  Die Frauen waren jung, 15, 16 Jahre, viele sind hier geblieben, manche haben hier geheiratet

[00:23:56]  und Kinder bekommen, ganz normal. Tiroler Familie geworden. Andere sind zurück und

[00:24:01]  es war vor allem schwierig in Länder zurückzukehren, die von der sowjetischen Armee besetzt waren,

[00:24:07]  weil viele wurden verdächtigt, sich mit dem Feind eingelassen zu haben, egal ob sie jetzt

[00:24:12]  deportiert worden sind oder nicht. Und sie galten als Volksverräter und Landesverräter.

[00:24:18]  Es war sehr, sehr schwierig. Und was es auch noch gegeben hat, wir haben in Tirol ja einige große

[00:24:23]  Lager. Das größte Lager für ehemalige Zwangsarbeiter war das in Kufstein auf dem Kasernengelände.

[00:24:29]  Und ab 1945/46 bemühte sich die damalige UN-Flüchtlings-Hilfsorganisation darum,

[00:24:36]  für sie Aufnahmeländer zu finden. Also Auswanderung Südamerika, USA, Frankreich,

[00:24:43]  Weg aus Europa. [Drehgeräusch] Tobias: Und machen wir wieder einen Sprung ein bisschen in der Zeit. Wir gehen auf das Ende

[00:24:54]  des Krieges zu. Das Lager ist befreit worden. Gibt es da Berichte wie über die Befreiung des

[00:25:01]  Lagers oder Erinnerungen an die Befreiung des Lagers? Sabine: Es gibt erste Ermittlungen,

[00:25:06]  weil die Amerikaner sind angereist mit einer eigenen Kriegsverbrecher-Abteilung. Es gibt

[00:25:12]  erste Berichte dieser Kriegsverbrecher-Abteilung, die versucht haben Zeugenaussagen aufzunehmen,

[00:25:17]  auch mit Tätern. Und aber es gab Anfang Juli 1945, einen Zonentausch. Und dann kam die

[00:25:23]  französische Militärregierung und die musste wieder von vorne beginnen. Und das heißt,

[00:25:28]  wir haben eigentlich bis zum großen Prozess gegen den Gestapo-Chef Hilliges und einigen

[00:25:33]  Tätern des AEL gab es zwar Gerüchte und es gab immer wieder kleinere Prozesse, aber so diese

[00:25:39]  große, geballte Information haben wir eigentlich im Prinzip erst mit den Ermittlungen gegen diese

[00:25:45]  Personen. Tobias: Und sind da Unterlagen von den Ermittlungen wahrscheinlich dann in Paris noch verwahrt? Oder

[00:25:51]  gibt es da auch lokale noch? Sabine: Sie sind teilweise in Paris, weil der Prozess gegen Hilliges und die

[00:25:57]  anderen nicht vor einem österreichischem Gericht stattgefunden hat, sondern vorm

[00:26:00]  französischem Gericht in Innsbruck. Tobias: Im.. wie heißt es... Im? Sabine: Im Landhaus. Ja, weil sobald unter den misshandelten oder

[00:26:10]  Toten, Angehörige der Alliierten waren, also US-Amerikaner, Briten und so weiter, hat die

[00:26:16]  französische Militärjustiz übernommen. Und das war dann eben ein Höchstgericht in Innsbruck.

[00:26:21]  Und das heißt, wir haben bei dem Reichenauprozess einerseits Unterlagen aus Paris,

[00:26:26]  aber auch sehr viele Ermittlungsunterlagen aus Innsbruck selbst. Tobias: Gibt es auch Zahlen zu,

[00:26:31]  wie viele angeklagt worden sind? Also, ich will jetzt gar nicht auf die Personen im

[00:26:36] Einzelnen eingehen, aber grundsätzlich, wie viele Anklagen es gibt, wie viele

[00:26:39]  was weiß ich Freisprüche, wenn überhaupt und so weiter es kam. Sabine: Bei dem Prozess gegen

[00:26:45]  Hilliges waren noch fünf Männer angeklagt. Alle fünf waren Täter des Arbeitserziehungslagers.

[00:26:51]  Das Problem war, als im Sommer 1945 das NS-Regime zusammenbrach, herrschte Chaos,

[00:26:59]  und viele der Täter des Arbeitserziehungslagers waren Reichsdeutsche. Und im Sommer 1945 war

[00:27:07]  der Wunsch der Tiroler Landesregierung und auch der französischen Militärregierung im Land,

[00:27:13]  möglichst viele Personen auszuweisen, damit weniger Menschen Nahrung brauchten. Und die

[00:27:18]  Deutschen galten als Sicherheitsrisiko und als Träger des Nationalsozialismus, was es erlaubt

[00:27:23]  hat, so zu tun, als seien Tiroler immer brav gewesen und demokratisch. Na gut, auf alle Fälle hat

[00:27:29]  es bedeutet, dass viele der Täter des AEL wurden vernommen, wurden auch teilweise interniert,

[00:27:36]  aber dann als Reichsdeutsche ausgewiesen. Und wir haben einige Prozesse in Deutschland teilweise

[00:27:44]  erst in den 70er Jahren gegen diese Täter. Die wurden ausgewiesen und dann waren sie weg. Es gab zwar

[00:27:49]  immer wieder Anfragen, wenn die französische Militäre gehen, ja, wir brauchen den zur Vernehmung,

[00:27:52]  ja, tut uns leid, der ist es weg. Das heißt, aber das kann man den Tiroler Behörden nicht

[00:27:59]  vorwerfen, weil sie wussten das zu der Zeit ja nicht. Tobias: Das heißt, eigentlich, sie sind nach

[00:28:04]  Deutschland gegangen, dann ist irgendwie der Faden abgerissen sozusagen. Sabine: Genau, das heißt, und dann

[00:28:10]  konnte man sie ja nicht mehr in Österreich vor Gericht stellen. Es gab zwar immer wieder Ermittlungen

[00:28:15]  gegen diese Personen, aber die Bundesrepublik hat nicht ausgeliefert bei politischen Delikten.

[00:28:18]  Gauleiter Hofer zum Beispiel. Tobias: Ich wollte grad sagen, Gauleiter Hofer prominentestes Beispiel? Sabine: Prominentestes Beispiel, der Akt ist

[00:28:24]  einige zehn Zentimeter dick und das waren immer Auslieferungsbegehren, aber die Bundesrepublik hat

[00:28:30]  nicht ausgeliefert und viele dieser Täter des AEL, das waren ganz normale, das waren ja normale

[00:28:37]  Menschen, die gingen in ihre Zivilberufe zurück, lebten ganz zufrieden und erst oft Jahrzehnte

[00:28:42]  später kamen dann, kam es dann auf und dann brauchte es engagierte Gerichte und das war in der

[00:28:48]  Bundesrepublik nicht anders wie bei uns. Es braucht engagierte Gerichte, um Täter von Gericht zu bringen.

[00:28:52]  [Drehgeräusch] Jetzt ist das Arbeitserziehungslager befreit. Die Lager werden aber nicht zerstört, die bleiben

[00:29:01]  erhalten, die bleiben auch in städtischen Besitz glaube ich. Die Nachnutzung sieht ja auch...ist ja auch

[00:29:06]  eine brisante Zeit, muss man sagen. Sollen wir mal kurz zum Einzelfall jetzt auf das Arbeitserziehungslager

[00:29:13]  Reichenau eingehen und vielleicht dann in einem zweiten Schritt, wie das auch in Tirol ausgeschaut hat.

[00:29:19]  Sabine: Ja, das Arbeitserziehungslager hat nicht der Stadt Innsbruck gehört, das hat im Landesarbeitsamt

[00:29:24]  gehört und damit zuständig war das Landesbauamt und die Landesgebäudeverwaltung, wo übrigens auch

[00:29:29]  die Akten liegen. Ein Lager per se, das waren Barackensiedlungen und je nach Bauart, das heißt je

[00:29:37]  früher das Lager gebaut worden ist, desto besser war es baulich beieinander, weil es auf einem Beton

[00:29:42]  Fundament war. Je später es errichtet worden ist, desto schlimmer war die Bausubstanz, weil dann

[00:29:47] höchstens ein Pfahlrost Fundament war und die sind sehr vom Verfall bedroht worden. Aber angesichts

[00:29:52]  von Wohnungsnot sind die Lager einfach bis weit in die 60er bis teilweise Anfang der 1970er Jahre

[00:29:59]  hin als Notwohnungen benutzt worden. Der Lagerkomplex Reichenau, also inklusive Kriegsgefangenen,

[00:30:05]  Zivilarbeiterlage der Stadt, Bahn und Post, AEL, wurden benutzt als Heeres Entlassungsstelle,

[00:30:11]  weil jeder Wehrmachtssoldat der nach Innsbruck zurückgekommen ist, braucht ein Entlassungspapier,

[00:30:16]  das wurde dort draußen erledigt, sowohl die Amerikaner als auch danach die französische

[00:30:20]  Militärregierung haben das Lager benutzt als Internierungslager für Nazis, bevor entschieden

[00:30:25]  wird, was mit ihnen passiert war Gericht, deportieren etc. Und die Stadt Innsbruck hat immer

[00:30:29]  versucht, sobald eine Baracke frei geworden ist, haben sie versucht dort Notwohnungen einzurichten.

[00:30:33]  Im Prinzip entstand eine Armensiedlung und das ist in sehr vielen Lagern in Tirol passiert,

[00:30:38]  zum Beispiel das Lager der Messerschmiedwerke in Schwaz, wurde auch dann später nach

[00:30:42]  Internierungslager auch eine Armensiedlung. Baracken war ein begehrtes Gut. Und angesichts

[00:30:50]  der vielen Bombentreffer in der Stadt Innsbruck war die Wohnungsnot einfach so groß, dass man

[00:30:53]  wirklich jeden Raum besiedelt hat, der sich irgendwie geeignet hat als Schlafstätte. Tobias: Im

[00:30:59]  Idealfall nur vorübergehenderweise. Sabine: Im Idealfall vorübergehend, manche Menschen sind ja,

[00:31:03]  sind sehr, sehr viele Jahre dort gewesen, weil sie einfach zu arm waren und zu wenig verdient haben,

[00:31:07]  um sich eine anständige Wohnungen zu leisten. Das war eine Armensiedlung. Tobias: Meines Wissens ja auch in Wörgl war

[00:31:11]  eine in Kufstein war eine... Sabine: Viele, in jeder Gemeinde, in der es ein Lager gegeben hat,

[00:31:16]  waren das danach Notwohnungen. Außer die Baracke war in einem so miserablen Zustand,

[00:31:20]  dass wirklich nichts mehr gegangen ist. Tobias: Es ist schon zach eigentlich, wenn man so darüber nachdenkt. Sabine: Es ist zach. Weil die

[00:31:26]  Baracken, die später gebaut worden sind, weil das NS-Regime hat ja auch beim Barackenbau

[00:31:30]  Unterschiede gemacht, wer dort drin wohnt. Das heißt, tendenziell, wenn sie dort reichsdeutsche

[00:31:35]  Arbeitskräfte untergebracht haben, dann war die Baracke normalerweise mit Doppelwand,

[00:31:39]  mit Isolierschicht dazwischen oder mit doppelverglasten Fenstern. War es nur eine Baracke für

[00:31:44]  Russen, war das ein fensterloses Ding. Also da haben sie auch sehr großen Wert darauf gelegt,

[00:31:50]  dass man an der Art der Unterbringung kennt, welchen Wert die Menschen haben.

[00:31:53]  Tobias: Wieder eine ganz blöde Frage meinerseits, aber hat es dann zu Sarnierungsarbeiten an diese

[00:32:00]  ja schlechten Baracke geben, sei es jetzt in auch Reichenau oder was weiß ich auch anders in Tirol,

[00:32:07]  dass da Fenster getauscht worden sind... Sabine: Ja.

[00:32:11]  Tobias: War das schon, oder? Sabine: Mhm. Also die Stadt, das Städtische Bauamt Innsbruck hat sich sehr

[00:32:16]  darum bemüht, diese Barackennotwohnungen in der Reichenau auf einem Stand zu halten,

[00:32:20]  wo man sagt, ja, es ist gerade noch für Menschen geeignet.

[00:32:25]  Tobias: Und dann ich glaube bis in die 60er Jahre? Sabine: Bis in die 60er Jahre, bis zum Bau des Städtischen Bauhofs da draußen.

[00:32:32]  Tobias: Und da wurde ja dann komplett, quasi das gesamte Lagerkomplex sag ich jetzt einmal...

[00:32:38]  Sabine: Ja, dann wurden alle Baracken abgerissen, also die letzten verbliebenen Baracken abgerissen.

[00:32:42]  Es wurde ein neues Straßennetz angelegt, Rossaugasse, Trientlgasse und so weiter,

[00:32:46]  das hat es ja alles nicht gegeben vorher. Und es wurde Gewerbe angesiedelt.

[00:32:50]  Das heißt, in der Reichenau sehen wir heute genau nichts mehr.

[00:32:54]  Tobias: Bis auf den Gedenkstein und hoffentlich dann eine Gedenkstätte. Sabine: Genau.

[00:32:59]  Tobias: Zum Abschluss noch die Frage meinerseits, denkst du, es wäre sehr sinnvoll, wenn man zum Thema Lager

[00:33:08]  in ganz Tirol noch mehr Forschungszeit investieren würde?

[00:33:13]  Sabine: Ja, es wäre sehr sinnvoll. Was ich aufgearbeitet habe, sind die Akten des Amtes der Tiroler Landesregierung,

[00:33:19]  Landesbauamt und Wasserwirtschaftsamt etc. Akten Bezirkshauptmannschaft, was einfach großteils

[00:33:24]  noch fehlt, weil der Aufwand auch sehr groß wäre, sind Akten in Gemeindearchiven.

[00:33:29]  Aber da wären die Gemeindechronisten [Outro-Musik im Hintergrund beginnt] einfach gefordert, sich das Thema so mal anzunehmen.

[00:33:33]  [Outro-Musik] Tobias: Archivwürdig ist eine Produktion des Stadtarchiv Innsbruck und Teil der Stadtstimmen, dem Audiokanal der Stadt Innsbruck.

 

Reichenau: Studie zu den Toten

Reichenau: Studie zu den Toten

Stadtarchiv Innsbruck

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Transkript

[00:00:00]  Tobias: Hallo und herzlich willkommen zur zweiten Folge unserer dritten Staffel von Archivwürdig,

[00:00:05]  dem Podcast des Innsbruckers Stadtarchivs.

[00:00:08]  Nachdem wir in der ersten Folge über die Entstehung des Arbeitserziehungslagers in der Reichenau gesprochen haben,

[00:00:14]  gehen wir in dieser auf die erstellte Studie über das Lager ein.

[00:00:19]  Dazu habe ich den Mitautor der Studie Horst Schreiber eingeladen.

[00:00:24]  Horst Schreiber forscht intensiv zu zeitgeschichtlichen Themen in Tirol

[00:00:29]  und ist unter anderem Leiter der Michael-Gaismair-Gesellschaft sowie von erinnern.at

[00:00:34]  und war, wie Sabine Pitscheider, Mitglied der Expert:innenkommission für die Reichenau.

[00:00:40]  Im gemeinsamen Gespräch kommen wir auf die Genese der Studie zu sprechen,

[00:00:44]  welche Schwierigkeiten bei der Recherche aufgekommen sind und gehen auch auf Details der Studie ein.

[00:00:50]  [Intro-Musik]

[00:01:05]  Tobias: Lieber Horst, danke für deine Zeit.

[00:01:08]  Wir sprechen in unserer Staffel hauptsächlich über das Arbeitserziehungslager Reichenau.

[00:01:14]  Du bist von der Seite der Forschung sehr stark einbezogen, zu Arbeiten für das Lager Reichenau.

[00:01:23]  Mit der Sabine habe ich bereits gesprochen über die Lagersituation in Tirol im Allgemeinen,

[00:01:28]  aber dann auch im Speziellen über das Arbeitserziehungslager Reichenau, wie es angefangen hat, den Wandel.

[00:01:36]  Und mit dir möchte ich heute über eine Studie sprechen, die von der Stadt Innsbruck in Auftrag gegeben wurde,

[00:01:45]  an das Wissenschaftsbüro, an dem du beteiligt bist und die Studie haben dann deine Person

[00:01:52]  und auch an dieser Stelle erwähnt die Sabine Pitscheider, die ebenfalls an der Studie teilgenommen haben.

[00:01:56]  Kannst du uns vielleicht kurz ein bisschen über den Hergang der Studie erzählen, wie der Auftrag an euch gekommen ist,

[00:02:03]  warum diese Studie gemacht wird?

[00:02:05]  Horst: Nun, es ist ja so gewesen, dass die Stadt Innsbruck vor drei Jahren eine Arbeitsgruppe installiert hat,

[00:02:14]  um darüber nachzudenken, wie ein würdevolles Gedenken in der Reichenau sein könnte,

[00:02:22]  um auch ein neues Gedenkzeichen, neue Formen von Gedenkzeichen zu machen und eine Ausschreibung

[00:02:31]  auch zu tätigen, die jetzt ja gerade im laufen ist, weil 1972 ist dieser Gedenkstein ungefähr dort,

[00:02:41]  wo das Lager stand in der Reichenau gemacht worden.

[00:02:46]  Das war für damalige Verhältnisse sehr, sehr früh, weil ja eigentlich die Gedächtnislandschaft in Tirol,

[00:02:54]  80er-Jahre beginnt es schon stärker, dass Gedenkzeichen gemacht werden, aber so richtig,

[00:02:58]  erst in 90er-Jahre und in 00er-Jahre.

[00:03:00]  Aber das Gedenkzeichen ist natürlich etwas, das heute sowohl von der Inschrift als auch von der Ästhetik her

[00:03:10]  natürlich jetzt ein halbes Jahrhundert später nicht mehr so zeitgemäß ist und weil vor allem in der Reichenau

[00:03:18]  sehr viel passiert ist mit Neubauten, Umbauten etc., sodass auch der Standort sehr ungünstig ist.

[00:03:27]  Das war so der Hintergrund.

[00:03:29]  Und die Sabine Pitscheider und ich waren ja in dieser Kommission und im Zuge dessen war klar auch von unserer Seite,

[00:03:40]  dass es auch eine bestimmte Form von Personalisierung geben muss, wie immer ein Gedenkzeichen ausschauen wird,

[00:03:49]  aber das ist eine Voraussetzung und dass es nämlich auch notwendig ist, zumindest Annäherungsweise zu schauen,

[00:03:57]  wie viele Menschen sind denn überhaupt dort zur Tode gekommen und was kann man denn eruieren.

[00:04:04]  Wie gesagt, sehr, sehr spät.

[00:04:07]  Wir haben das eingebracht, dass es notwendig ist und dann hat die Kommission bzw. die Stadt Innsbruck rasch beschlossen,

[00:04:15]  dass wir dem professioneller nachgehen.

[00:04:18]  Und wie gesagt, die Dokumentationsebene ist die Aktenlage ist sehr schwierig

[00:04:27]  und so gibt es einerseits die Erhebungen, die die österreichische Seite, das heißt Tiroler Gerichte gemacht haben,

[00:04:35]  gegenüber einzelne Täter oder Menschen, die in Verdacht standen, Taten begangen zu haben

[00:04:41]  und auf der anderen Seite natürlich die sehr breiten Erhebungen, die die französischen Behörden nach 1945 gemacht haben,

[00:04:51]  die schlussendlich gemündet sind in einen großen Prozess, der ausgerichtet wurde von der inzwischen Militär-Regierung,

[00:05:01]  also von entsprechend professionell ausgebildeten Richtern etc.

[00:05:05]  Und das war mal so ein großer Bestand, der durchzuschauen war

[00:05:11]  und auf der anderen Seite war klar, die Menschen sind im Lager gestorben,

[00:05:16]  die Menschen sind aber auch im Krankenhaus Innsbruck oder im Krankenhaus, das heißt in Bracken des Krankenhauses,

[00:05:24]  Hall ums Leben gekommen.

[00:05:26]  Da musste man auf der einen Seite die Totenbeschaubefunde, die es ja noch gibt,

[00:05:31]  gerade auch im Stadtarchiv durchschauen, ein bisschen auch was Hall betrifft

[00:05:35]  und ich habe eben in Paris im Archiv einen gesammelten Bestand gefunden,

[00:05:42]  wo diese Berichte die Totenbeschaubefunde von Innsbruck und Hall enthalten waren.

[00:05:49]  Das heißt, das war praktisch der Fundus, mit dem wir gearbeitet haben

[00:05:54]  und dann eben auf diese Summe von 112 Menschen gekommen sind.

[00:06:01]  Inzwischen stehen wir schon schon bei 114 oder 116 Leuten,

[00:06:05]  weil natürlich ist das Ganze nie völlig abgeschlossen

[00:06:08]  und andererseits gibt es eine Problematik, nämlich es sind ja sehr, sehr viele Menschen aus dem Lager,

[00:06:20]  wo es praktisch so ein Transitlager gewesen ist, nach Dachau gekommen.

[00:06:25]  Auch in anderen KZs Auschwitz etc. aber nach Dachau.

[00:06:28]  Und du kannst dann sehr schwer unterscheiden

[00:06:32]  und da hat es natürlich manche gegeben, die waren bereits derart körperlich am Ende,

[00:06:41]  also kurz vor ihrem Tode, sei es, die eine Problematik ist ja das Essen, also Unterernährung

[00:06:48]  und die andere Schwierigkeit, dass exzessive Gewalt ausgeübt worden ist.

[00:06:54]  Und da können wir ganz klar davon ausgehen, bei vielen, glaube ich, konnten wir aufgrund der Aktenlage sagen.

[00:07:03]  Also die sind jetzt noch nach Dachau gekommen, waren aber praktisch schon [kurzer Lacher] vorher tot.

[00:07:08]  Und die, die dem Tod schon nahe waren damit sie nicht im Lager sterben, die noch schnell überstellt worden sind,

[00:07:14]  also diese Zahl können wir nicht eruieren.

[00:07:19]  Tobias: Du hast gesagt, es sind ja viele, also von den mindestens 114 Toten im Lager Reichenau.

[00:07:26]  Wie kann man das anhand der Quellen ablesen, wird da für die Hörer:innen, dass das verständlicher ist,

[00:07:32]  steht das so drinnen, verstorben im Lager Reichenau, welche Todesursachen sind da verzeichnet worden,

[00:07:39]  ist das so offensichtlich gemacht worden?

[00:07:42]  Horst: Also das eine ist klar, das ist ein Prozedere, wie es auch in Friedenszeiten ist.

[00:07:49]  Es braucht einen Totenbeschaubefund und die Angabe des Grundes, warum jemand gestorben ist.

[00:07:57]  Das ist ja auch in den Vernichtungsanstalten, sei es für Menschen mit psychischen Erkrankungen in Hartheim,

[00:08:05] der Fall oder auch in den Konzentrationslagern.

[00:08:07]  Die Problematik ist die, wie du die Frage stellst, was stimmt davon?

[00:08:13]  Jetzt ist es so, dass die meisten hat eben der Lagerarzt, Alois Pizzinini,

[00:08:21]  der vielleicht zweimal in der Woche gekommen ist, ausgestellt.

[00:08:24]  Da muss man einerseits sagen, bei einer Reihe von Fällen kann man nachweisen, dass es "gefaked" [gefälscht] ist.

[00:08:31]  Wo er beim Prozess auch sagt, da hat der Lagerleiter mir genau angegeben

[00:08:35]  ich muss eine medizinische Ursache reinschreiben.

[00:08:38]  Ansonsten sind es bestimmt Todesursachen, die wir sehr gut erklären können.

[00:08:46]  Also, einfach gesprochen, das eine, das so häufig vorkommt, ist Lungenentzündung.

[00:08:52]  Warum das?

[00:08:54]  Nun, eine der perversen Bestrafungsarten war das sogenannte Kaltbaden.

[00:09:02]  Also, gerade im Winter oder im Herbst, Spätherbst bei tiefen Temperaturen.

[00:09:09]  Und dann den entsprechenden Häftling im sogenannten Bunker.

[00:09:14]  Das war eine winzige Arrestzelle

[00:09:17] die saukalt gewesen ist, nicht geheizt war, kalter Betonboden da hineinzugeben.

[00:09:23]  Und an dem sind dann eine ganze Reihe von Häftlingen verstorben.

[00:09:27]  Wobei immer wieder auch die volle Absicht war, dass sie sterben.

[00:09:32]  Und ansonsten nur unter Anführungszeichen die Bestrafungsart, an denen sie dann auch gestorben sind.

[00:09:39]  Das andere sind dann mannigfaltige Todesursachen, wo uns ganz klar wird,

[00:09:45]  das sind Todesursachen, die entstehen aufgrund von Mangelernährung.

[00:09:51]  Also, der Körper ist geschwächt, er ist geschwächt für Infektionskrankheiten etc.

[00:09:58]  Also, so kann man sich das vorstellen.

[00:10:00]  Und man muss immer einen sehr, sehr kritischen Blick haben, was hier als Todesursache drin steht.

[00:10:08]  Wie gesagt, aus einer Reihe von Todesursachen können wir die Lagerbedingungen in Verbindung bringen.

[00:10:13]  Und bei anderen, also, gerade immer sehr häufig sind solche Dinge, mit die irgendwas mit Herz zu tun haben.

[00:10:21]  Jetzt kann es oft in dem Sinne stimmen.

[00:10:25]  Ich bin jetzt kein Mediziner, aber meistens, du hast ja häufig stirbst ja nicht an einer Ursache.

[00:10:31]  Aber diese letzte Ursache kann ja stimmen, erklärt aber nicht, warum es dazu geführt wird.

[00:10:37]  Irgendwann bleibt das Herz stehen.

[00:10:39]  Also, wie gesagt, vieles können wir erklären und manches ist in höchstem Maß fragwürdig.

[00:10:45]  Tobias: Und wenn ich das richtig im Kopf habe, es sind ja auch viele misshandelt worden mit Strafen,

[00:10:50]  und dann auch mit Schlägen, was dann ebenfalls in den Totenbeschauberichten ja auch widergespiegelt wird.

[00:10:56]  Wo es dann geht, um eine große oder Tod durch Sepsis, weil die Wunden und die Personen,

[00:11:03]  die natürlich bestraft wurden, ja auch nicht ärztlich behandelt worden sind.

[00:11:06]  Horst: Ja, das ist ein sehr großes, wichtiges Thema und sehr spannendes Thema, mit dem ich näher auseinandersetzen möchte.

[00:11:15] anhand von diesen zwei Personen, dem Alois Pizzinini und dem Matthias Köllemann, der eine ist der Lagerarzt,

[00:11:20]  und der andere ist der sogenannte Sanitäter.

[00:11:23]  Beim Pizzinini, das ist interessant, um zu sagen, was ist ein Täter, wer ist ein Täter,

[00:11:29]  wer hat welche Verantwortung, der geht maximal zweimal in der Woche hinein, ist er sehr willfährig,

[00:11:37]  präsentiert sich dann immer als jemand, der überhaupt nichts tun hätte können.

[00:11:41]  Und der Matthias Köllemann, der ist schon viel stärker der Täter, der verweigert massenweise den Häftlingen,

[00:11:50]  die auf Pflege angewiesen worden wäre, die Pflege.

[00:11:55]  Und nachdem die Häftlinge in einem extrem hohen Maße sehr, sehr viele maltretiert werden,

[00:12:01]  grün und blau geschlagen werden, von Holzstöcken bis Knüppeln, Peitschen, Fäusten, Fußtritten etc.,

[00:12:11]  ist es klar, dass Wunden sind, diese wunden, verheilen nicht, weil die entsprechende Pflege fehlt,

[00:12:19]  sie entzünden sich, wenn dann der Körper gleichzeitig zu wenig zu essen bekommt, ist er anfälliger.

[00:12:26]  Und darüber hinaus ist ja eines der wesentlichen Ebenen des Gestapolagers, Arbeiterziehungslagers,

[00:12:32]  Auffanglagers, Durchschleuselagers, Transitlagers, Lagers für politische Gefangene,

[00:12:38]  ja etwas, wo Zwangsarbeit verrichtet wird.

[00:12:41]  Im Lager aber vor allem in den diversesten Außenkommandos und auch wenn den Häftlingen

[00:12:49] in einem ganz miesen körperlichen Zustand ist oder gerade auf das Heftigste geschlagen worden ist,

[00:12:56]  ist es mit der Zeit nur einem ganz, ganz kleinem Teil von Häftlingen vergönnt oder wenn sie fast gar nicht mehr gehen können,

[00:13:04]  dass sie auf die Krankenstation in den Sanitätsbaracke gebracht werden.

[00:13:09]  Das heißt, in derartig katastrophalen körperlichen Zuständen müssen die auch noch weiter arbeiten.

[00:13:16]  Und dieser ganze Komplex an Arbeits- und Lebensbedingungen, wie bei diesem Fall Wunden, Wunden verheilen nicht,

[00:13:25]  es entsteht Wundbrand etc., das ist ein weiterer Grund, denn du sehr, sehr richtig anführst,

[00:13:31]  warum auch so viele gestorben sind.

[00:13:34]  Tobias: Ihr habt jetzt sehr viele Daten erhoben, sehr viele auch biografische Daten dann erhoben.

[00:13:40]  Anhand von denen kann man ja auch größere Statistiken machen vom Lager und in dem Fall natürlich von den Toten im Lager.

[00:13:50]  Können wir vielleicht da auch noch ganz kurz darauf eingehen, einerseits woher kamen diese, oder

[00:13:56]  in dem Fall eben ja nur die Toten von vielen wissen wir ja nicht, wo sie herkommen oder wo sie dann hingekommen sind.

[00:14:01]  Einfach mal Nationalitäten auch vielleicht ein bisschen das Alter zu beschauen,

[00:14:07]  wie alt waren die im Schnitt, welche Altersgruppen waren stärker vorhanden, welche weniger.

[00:14:12]  Horst: Na jedenfalls, dass eine Typische des Lagers ist, zunächst wäre es ja als Auffanglager für Italiener gedacht gewesen,

[00:14:22]  die zunächst noch im befreundeten Status unter Mussolini herkamen als normale Zivilarbeiter,

[00:14:30]  die aber dann wieder heimkehren wollen, weil die Bedingungen, Entlohnung, Arbeit, Freizeit, Bomben in Deutschland so schlimm waren,

[00:14:43]  dass sie zurückgehen wollen und da werden sie dann geschnappt und umerzogen durch Arbeit.

[00:14:50]  Das heißt, wir haben unter den Toten eine, ist die stärkste Gruppe, praktisch die Italiener.

[00:14:58]  Hier muss man aber sagen, dass diese große Anzahl der Toten darauf zurückzuführen ist,

[00:15:04]  bei italienischen Staatsangehörigen, dass die erst massiv auftreten,

[00:15:09]  als Mussolini 1943 gestürzt wird und Italien die Fronten wechselt.

[00:15:16]  Da bekommen die Italiener einen neuen Status vom befreundeten Staat zur Militärinternierten

[00:15:22]  und hier haben wir auch außerhalb des Lagers Reichenau überall, wo Italiener gewesen sind,

[00:15:29]  zunächst noch befreundet mit den anderen deutschen Soldaten gekämpft haben, ob das jetzt Griechenland ist oder bei uns hier,

[00:15:38]  werden die jetzt neben Juden, Jüdinnen und den sogenannten Ostarbeiter:innen, also den Sowjetstaaten und Polen am miesesten behandelt.

[00:15:48]  Hier ist, also über das Lager Reichenau hinaus sehr spannend, dass gerade Tiroler, Südtiroler ganz massiv auch Italiener mies behandeln,

[00:15:56]  weil hier diese Geschichte der Walschen, die Südtirolfrage, schon wieder sind sie feig und wechseln die Fronten.

[00:16:05]  Also mit ungeheurer Brutalität wird jetzt gegen die Italiener vorgegangen.

[00:16:09]  In Griechenland werden die zu hunderten erschossen zum Beispiel.

[00:16:14]  Das spiegelt sich dann in Tirol auch ab.

[00:16:18]  Die Italiener müssen jetzt nicht unbedingt nur aus Tirol gekommen sein, kommen auch aus Deutschland oder aus anderen Gebieten des heutigen Österreichs

[00:16:25]  und die werden dann in den letzten zwei Kriegsjahren irre brutal behandelt, deswegen so viele Tote.

[00:16:31]  Das andere, was ganz typisch ist, sind die zwei Nationalitäten, die in der Rassenhierarchie der Nationalsozialisten ganz, ganz unten angesiedelt sind.

[00:16:41]  Neben Juden und Jüdinnen sind da einerseits die Polen und andererseits wie ich vorher nannte die Osterbeiter, Osterbeiterinnen.

[00:16:50]  Einfach gesagt, Sowjetangehörige und hier ganz, ganz stark aus der Ukraine,

[00:16:58]  weil nach Tirol kommen sind die Ukrainer und die Ukrainerinnen extrem großer Teil von Menschen, die hierher deportiert worden sind.

[00:17:09]  Und die Altersstruktur dieser Leute ist sehr, sehr jung und da spiegelt sich auch wieder, dass du da ziemliche Jugendlichkeit hast bei den Ermordeten,

[00:17:20]  ist nur der scheinbare Widerspruch, dass doch junge Menschen widerstandsfähig sind, aber es hat einerseits damit zu tun, andererseits, dass die besonders

[00:17:29]  zur Zwangsarbeit unter brutalsten Bedingungen herangezogen werden. In den über 50-Jährigen oder

[00:17:34]  alten Menschen sind relativ von der Anzahl her wenige. Von den Toten, wie gesagt, sind Ukrainer,

[00:17:43]  Sowjetangehörige generell und Polen dann die stärkste Gruppe. Die zusammengenommen sind noch mehr

[00:17:51]  als die Italiener. Aber ansonsten wäre Nummer eins Italien, Polen, Sowjetunion inklusive Ukraine,

[00:18:01]  das man heute nicht besonders sagt, aufgrund dieses Konflikts, des Krieges, der jetzt herrscht. Und

[00:18:07]  dann kommen erst Einheimische, also Österreicher, die sind so 13 Leute und dann sind so vereinzelte,

[00:18:14]  verschiedenste Staaten, ja. Tobias: Bei den Anmerkungen, also bei dieser Studie, wird es ja dann listenhaft,

[00:18:24]  quasi die Opfer aufgeteilt. Bei Anmerkungen steht hin und wieder auch ein Einsatzort. Woher stammen denn

[00:18:33]  oder wie kommt man zu diesen Informationen, dass man wirklich die punktuell für Firmen oder für

[00:18:40]  Standorte, also wo lokal eingesetzt wurden sind, wo kommt man an solche Informationen? Horst: Das eine ist so,

[00:18:46]  im Totenbeschaubefund muss der Ort auch angegeben werden. Der Ort ist etwas, der in der

[00:18:53]  Regel stimmt, wenn angegeben wird, im Lager oder irgendwo auch im Außen. Also man muss sich nicht

[00:19:00]  vorstellen, was die Außenkommandos betrifft, das Lager Reichenau, wie auch die anderen Lager,

[00:19:09]  die nicht Arbeitslager, Arbeitserziehungslager Reichenau gewesen sind, das ist ja auch noch von

[00:19:13]  der Reichspost, von der Reichsbahn ein eigenes Lager, zwei Lager der Stadt Innsbruck, Kriegsgefangenen-

[00:19:18] lager, Zivilarbeiterlager. Aber alle diese Häftlinge werden in Außenkommandos von Firmen

[00:19:25]  angefordert und eine besonders unrühmliche Firma ist die Firma Stippler. Also ein ganz großer Teil

[00:19:32]  betrifft natürlich Bauarbeiten oder eben auch, wo sie noch weiter weg sind, Aufräumearbeiten nach

[00:19:41]  Bombenangriffen, also Schutt plus Blindgängerbeseitigung. Und das war natürlich sehr gefährlich. Und die

[00:19:48]  Blindgängerbeseitigung war jetzt nicht nur in Innsbruck, sondern eben auch weit darüber hinaus,

[00:19:55]  also etwa in Brixlegg. Und da sind dann entsprechende Dinge passiert mit Todesfolgen.

[00:20:03]  Tobias: Wir können jetzt in unserem Gespräch nicht alle Opfer benennen und auch anbringen, deswegen aber

[00:20:12]  trotzdem vielleicht, dass wir exemplarisch auf Einzelschicksale eingehen. Es gibt da einmal ein

[00:20:18]  Recht und aus meiner Sicht spiegelt es auch sehr gut, diese Weite von diesem, von wo die Menschen hergekommen

[00:20:25]  sind in dieses Lager in der Reichenau und da hast du auch schon drüber geforscht. Horst: Ja, also etwas,

[00:20:31]  was man jetzt nicht vermuten würde, sind Juden und Jüdinnen aus Libyen, die ganz spezifisch eine

[00:20:40]  britische Staatsangehörigkeit hatten. In der Kriegszeit ist ja Italien quasi Kolonialherr in

[00:20:49]  Libyen. Und ab 1942, wo also der Krieg dynamischer wird, also dynamisch im negativen Sinne für das

[00:20:58]  Deutsche Reich und für Italien, die ja Bündnispartner sind, greifen dann die Anti-jüdischen

[00:21:03]  Maßnahmen auch im italienischen Bereich. Und ab 1942 deportieren die italienischen Behörden,

[00:21:11]  libische Juden und Jüdinnen in ein eigenes KZ an der tunesischen Grenze und andere Teile

[00:21:19]  bringen sie nach Italien, in verschiedene Orte Italiens und dann ein Teil nach ins KZ Bergen-Belsen.

[00:21:27]  Und es sind so 62 libysche Staatsangehörige, jüdisch-britische Herkunft, die dann nach

[00:21:37] Innsbruck deportiert werden, ins Lager Reichenau im Herbst 1943. Und das sind in Wirklichkeit

[00:21:46]  weniger einzelne Personen als Familiengruppen. Und hier haben wir eben ganz interessant einen

[00:21:54]  Bericht von Überlebenden, der bald einmal nach der Befreiung vom Nationalsozialismus

[00:22:00]  sind die interviewt worden und deswegen haben wir hier eine ganze Reihe von Informationen,

[00:22:06]  wie es ihnen gegangen ist. Und bei dieser Gruppe ist es so, die waren wie gesagt von

[00:22:14]  Herbst 1943 bis Mitte April 1944 im Lager und zwei davon sind ums Leben gekommen. Ein

[00:22:23]  junger mit 27 Jahren, der Shalom Reginiano und auf der anderen Seite ein wirklich alter

[00:22:32]  Mann, betagter Mann, wo es verschiedene Daten gibt seines Geburtsdatums zwischen 70 und

[00:22:38]  85, dessen Grab eben am Friedhof, am Soldatenfriedhof ist. Ich bin zufällig darauf gestoßen und

[00:22:47]  das war dann wieder der Anfang, Zufall. Was ist denn das, was ist das für eine Name

[00:22:53]  und bei dem Grab ist eben so das entsprechende jüdische Zeichen. Ich konnte mir das nicht erklären

[00:23:00]  und der italienische Brite, das war völlig unklar und dann bin ich dem Ganzen nachgegangen

[00:23:05]  und dann darauf gekommen, dass er zu dieser Gruppe gehört hat. Bei ihm wissen wir die

[00:23:09]  Todesursache nicht. Beim Reginiano schon, das entspricht genau dem, worüber wir vorher

[00:23:16]  gesprochen haben. Ein junger starker Mann, der ständig zu sehr harter Arbeit verpflichtet

[00:23:22]  wird mit schlechter Ernährung, der daran auch erkrankt, der diese Pflege nicht bekommt

[00:23:30]  und der dann praktisch ganz am Schluss noch eingeliefert wird in die Sanitätsbaracke, wo es

[00:23:35]  aber zu spät ist und er dort eben auch stirbt. Wir lernen aus diesen Berichten von der Ankunft,

[00:23:46]  wo man bereits geschlagen wird oder wo sich alle nackt ausziehen müssen. Darunter sind,

[00:23:51]  es war eigentlich ein Männerlager, aber gerade auch in dieser Gruppe können wir sehen, dass

[00:23:55]  immer wieder auch Frauen dabei gewesen sind, obwohl es wie gesagt nicht für Frauen gedacht

[00:24:00]  war, dass wär eher das Lager Jenbach, über das wir gar nichts, kaum etwas wissen und da sind

[00:24:08]  diese Demütigungsrituale auch. Die Frauen müssen sich nackt ausziehen unter dem Hohngelächter

[00:24:13]  der Wachen. Die Frauen arbeiten im Lager der Männer auswärts, die müssen zu dem provisorischen

[00:24:19]  Flughafen gehen, müssen im Winter schlecht bekleidet mit Holzpantoffeln, Fetzen um den Füßen,

[00:24:27]  Schnee, Stapfen und alleine Menschen aus Libyen die kommen mit dem Klima und hierher,

[00:24:33]  da waren auch relativ viele ältere Menschen auch dabei, die darunter gelitten haben,

[00:24:38]  stärkste Erfrierungen auch typisch für das Lager. Das Glück im Unglück hat darin bestanden,

[00:24:44]  dass es einen Deal gegeben hat zwischen den Briten und den Deutschen wegen des Gefangenenaustausches,

[00:24:50]  sodass dann übers Rote Kreuz diese 60 waren sie dann, aber 61, mit 61 sage ich da noch etwas,

[00:25:01]  die sind dann eben dann freigelassen worden, im April 1944, konnten dann vor allem in die Schweiz Frankreich

[00:25:08]  und haben überlebt. Etwas spezielles gibt es, der 61. Mensch, eine Frau war schwanger und

[00:25:16]  die hat ihr Kind zur Welt gebracht im Krankenhaus in Innsbruck, die haben überlebt und das Interessante

[00:25:25]  ist, dass in den frühen Nullerjahren als Österreich sich erstmals unter internationalem Druck bequemen

[00:25:33]  musste, sich dem Thema Zwangsarbeit zu widmen und auch Entschädigungszahlungen zu leisten,

[00:25:40]  ich mein Entschädigungszahlungen, das waren 5.000, 6.000, 7.000 Euro, aber immerhin und da haben

[00:25:47]  sich aus der Gruppe der libyschen Juden und Jüdinnen, wo die meisten zu dem Zeitpunkt ja schon

[00:25:51]  tot waren, eben zwei gemeldet und eine davon war eben die Frau, damals eben das Baby, das überlebt hat

[00:26:03]  und die dann schon im gesetzten Alter sich gemeldet hat und die zu diesem Zeitpunkt eben in Israel

[00:26:10]  gelebt hat. Tobias: Wir haben jetzt natürlich bis zur Zeit 1945 gesprochen, die Studie befasst sich aber auch

[00:26:18]  noch mit der Zeit danach, das ist nämlich auch noch mal ganz ausdrücklich im Vorwort der Studie

[00:26:23]  enthalten, weil es da ebenfalls ein Forschungsdesiderat gibt. Gehen wir vielleicht zum Abschluss auch

[00:26:29]  nochmal auf diese Zeit kurz ein, die Nachnutzung, was ja auch viele Innsbrucker wahrscheinlich

[00:26:35]  oder Innsbruckerinnen ja auch erlebt haben, noch Lebende. Horst: Ja, also zunächst ist das Lager ja sehr

[00:26:42]  multifunktional verwendet worden. Das heißt auf der einen Seite und die Fotos, die wir haben vom

[00:26:49]  Lager, die sind eigentlich aus der Zeit, als es nicht mehr Nazi-Lager gewesen ist und da... die

[00:26:59]  Überlebenden werden ja dann quasi auch zu Flüchtlingen oder "Displaced Persons" [Person, die nicht an diesem Ort beheimatet ist]. Dann muss

[00:27:05]  man sich es so vorstellen, Zehntausende "Displaced Persons" aus den verschiedensten Teilen, wo die Nazis ja

[00:27:13]  die verschiedenen Staaten besetzt haben, strömen gerade auch über Tirol, über Innsbruck, weil viele

[00:27:22]  dann weiterziehen oder hier in verschiedensten Flüchtlingslagern untergekommen sind oder

[00:27:27]  auch Italiener, Italienerinnen, die über den Brenner heim wollen. Das heißt wir haben hier sehr,

[00:27:32]  sehr viele Flüchtlinge, Interessierte können über, wenn sie YouTube gehen oder da was Reichenau

[00:27:37]  und so weiter eingeben, kommen zu so einem Ausschnitt von ein paar Minuten, wo man Menschen am

[00:27:44]  Bahnhof in Innsbruck diese Menschen und auch im Lager sieht und es sind in erster Linie diese

[00:27:51]  geflüchteten Menschen oder Überlebenden. Dann wird das Lager auch genutzt als so eine Art

[00:27:59]  "Heeresentlassungsstelle". Das heißt, da sind ja wieder Massen an Menschen, die kommen oder

[00:28:05]  freigelassen werden in Kriegsgefangenschaft und die französischen Behörden weisen zuerst

[00:28:12]  die Leute ein, damit die, weil du musst ja schauen, ist das ein SSler, aus dem Bereich, wird ein bisschen was

[00:28:19]  untersucht und dann werden sie freigelassen und können dann in ihre Heimatgebiete oder in

[00:28:24]  verschiedene Gebiete nach Tirol. Eine andere große Gruppe, die dann hier entsteht, ist, dass die

[00:28:31]  französischen Behörden das Lager dann auch als Entnazifizierungslager nutzen. Das heißt,

[00:28:37]  dass sehr viele Nationalsozialisten bestimmte Zeit dort sind und wir haben ja mehrere Lager,

[00:28:44]  wo Ex-Nazis untergebracht werden. Das eine ist die dieses Oradour in Schwaz, das andere ist zum

[00:28:51]  Beispiel das sind eh die größten, Reichenau, Oradour in Schwaz und die Festung Kufstein. Da gibt es ziemlich

[00:28:59]  riesigen Austausch untereinander. Häftlinge, Nazis, wo irgendetwas ist, die ärztlichen Bedarf haben,

[00:29:06]  größeren, die kommen dann in die Reichenau, weil es dann einfacher ist, dort sie ins Krankenhaus Innsbruck

[00:29:12]  oder irgendwo hinzubringen. Dann nutzten einige die Chance zur Flucht. Ja und dann, und das ist

[00:29:19]  sehr, sehr interessant. Das ist auch eine ähnliche Geschichte, wie wir sie in Schwaz haben, wie ich

[00:29:25]  sie jetzt vor kurzem in Schwaz untersucht habe. Die letzte Etappe, die am längsten währt, das ist

[00:29:33]  die Unterbringung der Armen. Also da ist die Reichenau eine Armensiedlung. Das heißt, wir haben ja in

[00:29:41]  Österreich auch in Tirol nach dem Krieg einen unheimlichen Wohnungsmangel aufgrund von Bombardierungen

[00:29:49]  etc. Und das Barackenlager-Dasein ist etwas, das bis weit in den 1960er Jahre, auch in der Reichenau,

[00:29:58]  da geht es bis Anfang 70er Jahre, ein Stadtbild beherrscht, sowohl in Innsbruck, in Schwaz,

[00:30:05]  in Kufstein, in Wörgl und so weiter und so fort. Und es ist natürlich typisch, dass einerseits

[00:30:14] der Nationalsozialismus Tirol sehr spät erst beforscht wurde, dass bestimmte Themen, wie das

[00:30:21]  worüber wir jetzt gerade sprechen, exzessiv spät, für vieles zu spät und dass das sich gesellt,

[00:30:29]  zu einer anderen Thematik, die man extremst vernachlässigt wurde und wird, das ist die Geschichte

[00:30:35]  der Armut, die Geschichte der Armen. Und gerade in diesem Lager Reichenau, wo die randständigen

[00:30:45]  Menschen "ghettoisiert" werden, die dann ja nicht nur als Wohnungslose dort unten hausen, sondern die

[00:30:54]  sich sehr, sehr rasch, übel, beleumundet sind, beleumundet werden, die aber dadurch so ein

[00:31:02]  Zugehörigkeitsgefühl füreinander gegen die Mehrheitsgesellschaft bekommen. Und man muss sich

[00:31:08]  eines vorstellen, heute ist die Reichenau ganz klar Innsbruck, ich mein jetzt nicht nur als geografische

[00:31:15]  Zugehörigkeit, sondern ja, bist dort mit dem Radl, mit dem Bus und so weiter, aber damals war

[00:31:22]  das außen, war ja auch eines dieser Gründe, warum die Nazis ja auch diesen Grund genommen haben,

[00:31:28]  um dort die Lager zu errichten. Und das heißt, die in Innsbruck, das sind ja mal schon die

[00:31:34]  besseren und die in der Reichenau, das sind die Abgesandelten, da könntest du hier auch

[00:31:40]  ein paar Gegenden in Innsbruck hernehmen vom Schlachthof, Premstraße, Stalingrad etc.,

[00:31:46]  das ist so, das heißt, wo werden diese Kinder denn auch beschult? Also diese Armut, die vererbt

[00:31:53]  sich dann praktisch ja weiter und das geht praktisch bis dann die Olympiaden sind, wo viel

[00:32:02]  neuer Wohnraum geschaffen wird und da werden dann die Anzahl der Baracken die immer niedergewohnter und

[00:32:10]  niedergewohnter werden, werden die sukzessive aufgelöst und man darf sich aber nicht vorstellen, dass

[00:32:19]  dann die armen Hip-Hip-Hurra dann alle in die Hochhäuser hinein kommen. Das heißt, da gibt es

[00:32:26]  Untersuchungen in der Stadt Innsbruck und eine ganze Reihe dieser Menschen werden als nicht

[00:32:31]  wohnungsfähig angesehen, sodass sie in die Brennpunkte, wo ich eben gerade genannt habe,

[00:32:39]  wie im Stalingrad, Schlachthof und so weiter, dort hin gesiedelt oder eine ganze Reihe bekommen

[00:32:46]  Wohnungen dann später in den Hochhäusern, wo schon eine ganze Reihe auch nicht mehr im besten

[00:32:53]  Zustand sind. Also wie gesagt, eine ganze Reihe von Familien können umsiedeln, aber ganz viele gehen

[00:33:00]  von einem schlecht beleumundeten Ort für Randständige in den nächsten übel beleumundeten

[00:33:06]  Ort. Und hier schließt sich praktisch der Kreis zu meinem anderen Forschungsfeld, das dann sich immer so

[00:33:14]  überlappt hat, nämlich Kinder und Jugendliche in der Fremdunterbringung und solchen Baracken-

[00:33:22]  lagern, sei es Reichenau oder andere Baracken, die es in Innsbruck gegeben hat. Da sind ja auch

[00:33:29]  sehr, sehr viele sogenannte jenische, die man als Karner beschumpfen hat, Tiroler Zigeuner etc.

[00:33:35]  Aus diesen Gegenden rekrutiert sich ein extrem großer Teil von Kindern und Jugendlichen,

[00:33:41]  die in Heimunterbringung kommen, wo dann die entsprechend zum sehr hohen Maß nächsten

[00:33:48]  Gewaltexzesse dann auf sie warten. Wie gesagt, die Geschichte der Amut, das ist noch etwas,

[00:33:54]  wo man weiterforschen muss. Es sind aber immerhin ja schon einige spannende Sachen erschienen,

[00:34:00]  oder auch die Bocksiedlung, die quasi übergeht auch in die Reichenau, ist ja auch Stadtarchiv in

[00:34:06]  der Reihe rausgekommen von der Frau Hollaus, wo hier sehr spannende Geschichten sind. Man sieht,

[00:34:13]  dass diese Nazizeit direkt und indirekt bis weit in die Gegenwart hineinreicht, hineinweht und

[00:34:22]  Themenbereiche, Geographien und sonstige Themenfelder betrifft, wo wir nicht denken würden,

[00:34:30]  dass das irgendwas noch mit Nationalsozialismus zu tun hat. [Outro-Musik]

[00:34:33]  Tobias: Archivwürdig ist eine Produktion des Stadtarchiv Innsbruck und Teil der Stadtstimmen,

[00:34:53]  dem Audiokanal der Stadt Innsbruck.

 

Reichenau: Archäologische Forschung

Reichenau: Archäologische Forschung

Stadtarchiv Innsbruck

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Transkript

[00:00:00]  Tobias: Hallo und herzlich willkommen zur dritten Folge unserer dritten Staffel von Archivwürdig,

[00:00:05]  dem Podcast des Innsbruck-Stadtarchivs.

[00:00:08]  In dieser Folge blicken wir auf das ehemalige Arbeitserziehungslager Reichenau, aus archäologischer Sicht.

[00:00:14]  Eingeladen habe ich zu diesem Thema die Archäologin Barbara Hausmair.

[00:00:19]  Gemeinsam mit ihrem Team wurde Barbara Hausmair von der Stadt Innsbruck beauftragt, archäologische Untersuchungen

[00:00:25] am Standort des ehemaligen Lagers zu unternehmen.

[00:00:29]  Gemeinsam sprechen wir unter anderem über diesen Forschungsprozess.

[00:00:33]  Welche Erkenntnisse aus den Arbeiten gewonnen wurden und machen uns auch Gedanken

[00:00:38]  über weitere archäologische Grabungen in Tirol zur NS-Zeit.

[00:00:56]  [Intro-Musik] Tobias: Liebe Barbara, danke für deine Zeit, dass du heute bei uns bist.

[00:01:00]  Archäologie verbindet man ja, wenn man jetzt mal in die Bevölkerung hinausgeht,

[00:01:05]  ja hauptsächlich mit, überspitzt gesagt, mit altem Zeug, also alles, was quasi antike Sachen betrifft.

[00:01:10]  Gerade in Innsbruck wahrscheinlich viele denken an die Ausgrabungen Veldidena, also von den römischen Überresten.

[00:01:17]  Kannst du uns vielleicht kurz, nur kurz erklären, seit wann man denn auch nicht einmal 100 Jahre zurück auch gräbt.

[00:01:24]  Barbara: Das ist eine sehr gute Frage. Tatsächlich ist die Archäologie der jüngeren Vergangenheit

[00:01:28]  auch eine sehr junge Archäologie als wissenschaftliches Fach.

[00:01:31]  In Österreich, circa 30 Jahre alt, wenn man sich das anschauen möchte.

[00:01:35]  Und ich glaube, es ist eine sehr späte Entwicklung innerhalb der archäologischen Forschung,

[00:01:39]  weil Archäologie eben, wie du sagst, ursprünglich sich ja vor allem mit älteren Epochen befasst hat.

[00:01:43]  Das ist kontinuierlich im Wandel, weil sich die Archäologie heutzutage eigentlich nicht mehr so sehr über

[00:01:48]  die Frage von Vergangenheit im Sinne von Distanz beschäftigt, sondern eigentlich über ihre Quellen definiert.

[00:01:53]  Also wir versuchen eigentlich einen Zugriff auf die Geschichte über materielle Hinterlassenschaften zu bekommen.

[00:01:58]  Und da ist es eigentlich unerheblich, aus welcher Zeit die sind.

[00:02:01]  Und das hat in den letzten Jahren oder Jahrzehnten eben auch zur Entwicklung einer Archäologie der jüngeren Vergangenheit geführt,

[00:02:07]  in der wir uns eben einen Zugriff auf diese jüngere Vergangenheit auch über die archäologischen Spuren ermöglichen.

[00:02:12]  Tobias: Ist es aus deiner Sicht einfacher, für jüngere Zeiten zu graben, als wie für die weiter zurückliegenden?

[00:02:20]  Barbara: Ja und nein. Also ich glaube auf der einen Seite, wenn man das jetzt eher mal methodisch sehen will,

[00:02:24]  ist es natürlich sehr spannend in den jüngeren Vergangenheiten zu forschen,

[00:02:27]  weil wir eine ganz dichte Parallelüberlieferung haben durch Schrift, Bild oder auch mündliche Quellen natürlich.

[00:02:32]  Und dadurch entsteht ein sehr viel dichteres Bild und macht auch die Interpretation von archäologischen Funden

[00:02:38]  sehr viel reicher zum Teil, als das etwa in der Urgeschichte manchmal möglich ist.

[00:02:42]  Auf der anderen Seite ist es aber auch eine sehr schwierige Archäologie,

[00:02:45]  weil diese Vergangenheit natürlich sehr nah an uns dran ist.

[00:02:47]  Es ist was, wo wir zum Teil noch Menschen haben, die die Zeiten, die wir erforschen miterlebt haben,

[00:02:51]  wo Familiengeschichten geprägt sind.

[00:02:53]  Und dementsprechend, das ist mir ganz wichtig, ist ja Archäologie jetzt nicht nur ein Blick in die Vergangenheit,

[00:02:58]  sondern es geht ja auch ganz viel darum, wie wir heute mit dieser Vergangenheit umgehen.

[00:03:02]  Und da ist natürlich die Archäologie auch der NS-Zeit

[00:03:04] insofern sicher eine schwierigere Archäologie, weil wir auch irgendwo uns in diese Diskurse,

[00:03:09]  wie gehen wir mit dieser Vergangenheit um, mit einpflegen müssen.

[00:03:13]  Und das macht es natürlich eine große Herausforderung.

[00:03:16]  Tobias: Ich habe dich jetzt natürlich eingeladen, vielleicht habe ich es noch gar nicht erwähnt,

[00:03:20]  aber du warst auch beteiligt oder bist beauftragt worden, glaube ich, von der Kommission oder von der Stadt,

[00:03:26]  am Gebiet des ehemaligen Arbeitserziehungslagers Reichenau

[00:03:32]  Also nicht du allein natürlich, das ist schon klar, aber du mit deinem Team,

[00:03:37]  Grabungen zu machen, um Spuren über oder vom Lager noch ausfindig zu machen,

[00:03:45]  kannst du uns vielleicht auch kurz erklären, wie es denn zu diesem Auftrag kam

[00:03:49]  und wie der Ablauf war und vielleicht auch einfach auch wer beteiligt war.

[00:03:56]  Barbara: Die Stadt Innsbruck versucht ja seit einiger Zeit jetzt einen neuen Gedenkort in der Reichenau zu schaffen

[00:04:01]  für die Opfer des Nationalsozialismus, die dort im Arbeitserziehungslager eingesperrt waren,

[00:04:06] aber auch in den angrenzenden Lagerkomplexen und im Vorfeld zu dieser Projektplanung hat man sich seitens der Stadt entschieden,

[00:04:12]  dass es sicher auch wesentlich ist, noch mal intensiv Forschung zur Geschichte dieser Lager,

[00:04:17]  aber eben auch der Menschen, die dort eingesperrt oder auch umgekommen sind, zu betreiben

[00:04:23]  und das hat einerseits dazu geführt, dass sehr intensive Forschungen von historischer Seite gegeben hat.

[00:04:27]  Ich glaube, die Sabine Pitscheider wird ja auch noch sprechen hier in diesem Podcast.

[00:04:31]  Und auf der anderen Seite hat sich dann im Rahmen dieser Forschung natürlich schon auch die Frage nach der genauen historischen Örtlichkeit gestellt.

[00:04:38]  Wie groß war tatsächlich dieser Lagerkomplex? Wie ist er aufgebaut gewesen?

[00:04:42]  Können wir eigentlich in der Raumstruktur auch noch irgendwie Informationen finden über die Geschichte dieser Lager dort in der Reichenau,

[00:04:50]  aber natürlich auch für die Schaffung des Gedenkortes, das war sicher auch im Interesse der Stadt, hat sich die Frage gestellt,

[00:04:55]  gibt es eigentlich noch wirklich materielle Überreste im Sinne von Baubestand,

[00:04:59]  die da heute vielleicht noch irgendwo versteckt im Gewerbegebiet herumstehen

[00:05:04]  und eigentlich mit diesem Anspruch sind sie an mich und meine Kollegin Barbara Pöll von

[00:05:08] monumentGUT herangetreten mit der Bitte, ob wir da nicht von archäologischer Seite ein bisschen Abhilfe schaffen können.

[00:05:14]  Und das Ganze hat eigentlich so begonnen, dass wir zunächst, also jeder, der die Reichenau kennt,

[00:05:18]  weiß ja, dass sie heute ein sehr stark bebautes Gewerbegebiet ist, uns die Frage gestellt

[00:05:23]  und wie können wir zuerst mal eruieren, ist überhaupt noch obertägig was da

[00:05:26]  und wie können wir dann abschätzen, ob vielleicht zumindest archäologisch, also im Boden, im Bodenbefund,

[00:05:31]  noch was erhalten ist. Und das haben wir zunächst über eine Auswertung von historischen Plänen

[00:05:36]  und auch Schriftquellen und mündlicher Überlieferung gemacht, die zur Raumstruktur des Lagers Bezug haben,

[00:05:42]  aber vor allem auch über Luftbilder aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges,

[00:05:46]  die von den Alliierten damals eigentlich im Zuge ihres Luftangriffs oder ihrer Luftkriege erstellt worden sind

[00:05:51]  und haben versucht zunächst mal einfach die ganze Raumsituation und die Entwicklung der Lager,

[00:05:55]  zwischen 1940/41 bis 1945 und auch darüber hinaus dann natürlich bis zum Abriss der letzten Baracken in den 60er Jahren zu rekonstruieren.

[00:06:05]  Und auf Basis dieser Luftbildauswertung haben wir dann versucht zu schauen, stehen erstens noch irgendwo einzelne Gebäude,

[00:06:10]  das hat sich nicht herausgestellt, also heute ist wirklich kein obertägiger Bestand mehr vorhanden,

[00:06:15]  der irgendwie noch direkt mit dem Lager in Verbindung stehen würde.

[00:06:19]  Wir haben es aber auch geschafft, über den Vergleich von diesen historischen Luftbildern mit eben den modernen Luftbildern und Satellitenaufnahmen

[00:06:26]  Flächen zu identifizieren, die noch nicht tief bebaut sind, das heißt die nicht unterkellert sind

[00:06:32]  und wo potenziell die Möglichkeit besteht, dass eben im Boden noch archäologische Spuren vorhanden sind.

[00:06:38]  Tobias: Das heißt, ihr habt jetzt im Vorfeld die theoretische oder teils praktische Arbeit geleistet.

[00:06:44]  Wie ist es dann zu den Grabungen gekommen, ist es sehr schwierig bei so einem, wie du ja gesagt hast, stark verbauten und ja auch genutzten, ich mein

[00:06:55] der Bauhof ist ja immer noch dort und auch natürlich im Betrieb und der einzige auf städtischem, also wo halt alle hin kommen.

[00:07:04]  Ist es..., erschwert es die Arbeit für Grabungen sehr oder ist es eh immer der Fall oder meistens der Fall?

[00:07:15]  Barbara: Natürlich ist es so, dass im städtischen Bereich, egal welche Archäologie man betreibt, das immer problematisch ist,

[00:07:20]  weil wir einfach eine sehr starke moderne Überprägung haben.

[00:07:23]  Im Fall jetzt von der Reichenau war uns schon von Anfang an klar, dass die Möglichkeit wirklich Archäologie im Boden zu betreiben,

[00:07:29]  sehr gering sein wird, einfach weil die Überbauung dort einerseits wirklich sehr massiv ist,

[00:07:34]  der Abriss sehr massiv war und natürlich, weil das Gebiet heute intensiv benutzt wird.

[00:07:38]  Alle Innsbruckerinnen und Innsbrucker kennen wahrscheinlich den Recyclinghof, sie wissen wie viel Verkehr da auch an den Wochenenden ist

[00:07:43]  und natürlich dann auch der städtische Bauhof.

[00:07:45]  Was wir aber versucht haben, eigentlich durch unsere Luftbildanalyse, das war zunächst mal abzuklären, ob überhaupt das Potenzial da ist.

[00:07:52]  Und als wir gesehen haben, dass es durchaus noch ganz, ganz kleine Restflächen im Südbereich,

[00:07:56] des heutigen Bauhofes gibt, das eben in der NS- Zeit Teil des Lagerbereichs war, die noch nicht bebaut sind.

[00:08:01]  Das war für uns natürlich ein wichtiger Hinweis darauf, dass da durchaus noch eine Erhaltung im Boden gegeben ist,

[00:08:06]  aber eben auch auf den Verkehrsflächen eigentlich, die nicht unterkeller sind.

[00:08:10]  Und da war der nächste Schritt, dass wir zunächst eine geophysikalische Prospektion gemacht haben,

[00:08:14]  also eine nicht zerstörende Archäologie und versucht haben eigentlich über Messungen von physikalischen Eigenschaften im Boden herauszufinden,

[00:08:22]  ob man da vielleicht noch Linien oder Strukturen erkennen kann, die wir mit dem Lagerkomplex in Verbindung bringen können.

[00:08:28]  Tobias: Habt ihr diese geophysikalischen, oder kannst du die vielleicht noch mal ein kleines bisschen noch erklären,

[00:08:33]  ist das auch über die Archäologie oder nehmt ihr dann auch auf das, blöd gesagt, externes oder von der Universität

[00:08:40]  parallel Wissen von anderen Institutionen, die euch da unterstützend beiseite stehen, oder ist das schon sehr verankert in der Archäologie?

[00:08:48]  Barbara: Hier in Innsbruck haben wir wirklich sozusagen den Vorteil, dass wir wirklich an unserem Institut ja auch Expertise haben,

[00:08:54]  beim Professor Grabherr, der schon seit vielen Jahren auch Geophysik, also archäologische Prospektionsmethode,

[00:09:00]  betreibt und von seinem Team haben wir da die Unterstützung bekommen, mit David Imre, die Messungen vor Ort durchzuführen.

[00:09:06]  Ich will da jetzt gar nicht in die Physik rein gehen, aber vielleicht so, um das mal ein bisschen plakativ zu sagen,

[00:09:10]  man fährt da mit Messgeräten sozusagen über die Interessensflächen und dann wird eben durch die Messung der physikalischen Eigenschaften

[00:09:16]  eigentlich ein Tiefenbild vom Boden erzeugt. Es ist jetzt kein Röntgen, aber ich glaube laienhaft kann man sich vorstellen,

[00:09:21]  dass das so ein durchleuchten des Bodens ein bisschen ist. Und dann sieht man sozusagen die im Boden vorhandenen Strukturen,

[00:09:27]  das können Leitungsgräben sein, aber eben auch zum Beispiel Fundamentreste oder Ähnliches.

[00:09:32]  Und über dieses virtuelle Bild kriegt man einen ersten Eindruck, ob eben potentiell da eigentlich noch Strukturen verhanden sind,

[00:09:38]  die jetzt im konkreten Fall eben tatsächlich noch zum Beispiel mit dem Arbeitserziehungslager in Verbindung stehen.

[00:09:43]  Vielleicht ein Satz noch dazu, dass es sicher besonders herausfordernd war, auf diesen sehr stark verbauten Flächen

[00:09:50]  Geophysik zu machen. Das hat zu einerseits messtechnische Probleme, aber die große Herausforderung ist eigentlich auch,

[00:09:56]  dass ja die Bebauung, wie sie heute ist, in ihrer Ausrichtung, im Wesentlichen genau dieselbe Ausrichtung hat,

[00:10:02]  wie eben die Gebäude damals im Arbeitserziehungslager. Und das ist immer dann so eine Sache,

[00:10:06]  was ich auf den Luftbildern vielleicht dann als Linien erkenne, ist schwer, sozusagen nur vom virtuellen Bild dann wirklich festzustellen,

[00:10:14]  ist das jetzt das, was wirklich zum Lager gehört oder sind das nicht vielleicht auch ältere Leitungseinbauten, die auf keinen Plänen mehr vorhanden sind.

[00:10:20]  Da brauchen wir dann tatsächlich natürlich auch Expertise von anders woher, in dem Fall natürlich von der Stadt,

[00:10:25]  die uns hier versucht hat, möglichst gut mit Leitungsplänen zu unterstützen, damit wir schon mal vorab ein bisschen ausschließen können,

[00:10:31]  was sind da Strukturen, die wirklich zum Bauhof gehören und was sind potenziell wirklich Strukturen, die noch aus der NS-Zeit

[00:10:38]  da im Boden vorhanden sein könnten.

[00:10:40]  Tobias: Ist bei den geophysikalischen Daten dann auch eine Vermutung entstanden, dass da und dort punktuell wirklich noch Reste vorhanden sind,

[00:10:49]  oder ist man einfach, blöd gesagt, blind drauf losgegangen dann?

[00:10:53]  Barbara: Nein, blind sind wir nicht drauf losgegangen, deswegen [lacht] haben wir die für Geophysik gemacht.

[00:10:57]  Was wir gemacht haben ist, dass wir versucht haben zu schauen, welche Anomalien wir da auf den Messbildern sehen.

[00:11:02]  Und dann haben wir im Prinzip ein Ausschlussverfahren durchgeführt.

[00:11:05]  Wir haben einerseits geschaut, stimmen die eben mit modernen Leitungsplänen überein,

[00:11:09]  und dann kann man quasi schon eher ausschließen, dass das historische Strukturen sind.

[00:11:13]  Und im zweiten Schritt, also dort, wo wir gesehen haben, wir haben keine Informationen, dass das moderne Kanalbauten oder Ähnliches sind,

[00:11:18]  haben wir dann geschaut, ob die wiederum mit Infrastruktur, die wir auf den Luftbildern, auf den historischen, erkannt haben, übereinstimmen.

[00:11:24]  Und so war es dann schon möglich, gewisse Bereiche einzugrenzen, wo eben ein hohes Potenzial vorhanden ist.

[00:11:30]  Ich möchte aber trotzdem noch mal darauf hinweisen [lacht], weil das wichtig ist, dass natürlich auch hier eine Fehlerquelle vorhanden ist.

[00:11:35]  Wir haben in den Grabungen dann selbst ja tatsächlich den Fall gehabt, dass eine dieser linearen Strukturen, die wir im Messbild hatten,

[00:11:41]  sich als noch benutzte Wasserleitung herausgestellt hat, die aber einfach auf keinem Leitungsplan war,

[00:11:46]  die aber im Verlauf eigentlich gut gepasst hätte zu dem Bereich dieser Unterkunftsbaracke 1,

[00:11:51]  die wir dann versucht haben zu lokalisieren und zu identifizieren in der Archäologie.

[00:11:56]  Und das ist halt immer so die Herausforderung.

[00:11:58]  Also Geophysik ist ein ganz, ganz wesentliches Element oder eine ganz wesentliche Methode zur Vorerkundung.

[00:12:04]  Aber im Endeffekt wirklich wissen, was wir im Boden haben, können wir erst, wenn wir wirklich dann auch zu Graben beginnen.

[00:12:13]  [Drehgeräusch] Tobias: Gehen wir den nächsten Schritt. Ihr geht jetzt wirklich zur Grabung über, wie viel Zeit ist da einberäumt worden,

[00:12:23]  wie schätzt man es ab, wie viel Zeit für Grabungen benutzt werden oder überhaupt bekommt,

[00:12:30]  also Zeit, wie viel man haben darf, überhaupt zu graben.

[00:12:33]  Ist ja wahrscheinlich nicht nur auch die eigene Schätzung, was da ja dann zählt.

[00:12:37]  Barbara: Es ist immer eine ganz böse Frage, wenn man Archäolog:innen fragt, wie viel Zeit sie gerne zum Graben hätten.

[00:12:42]  Wir ja ein sehr langsames Business [beide lachen].

[00:12:44]  Nein, wir haben in dem Fall versucht, also einerseits, weil natürlich klar war,

[00:12:47]  dass selbst wenn wir was finden, das wahrscheinlich wirklich nur mehr ein sehr stark fragmentierten Grad vorhanden sein wird

[00:12:52]  und eigentlich ja die primäre Frage war, sind überhaupt noch Substanziell Spuren vorhanden.

[00:12:56]  Also haben wir mit der Stadt vereinbart, dass wir eigentlich so eine Art kleinere Testgrabung machen.

[00:13:01]  Das ist auch auf dem Areal vom heutigen Bauhof im Grunde auf ganz, ganz wenigen Flächen nur mehr möglich,

[00:13:06]  weil er da großteil überbetoniert ist und wir haben uns dann entschieden,

[00:13:08]  dass wir eigentlich einen sehr kleinen Schnitt nennt man das, also sozusagen den Bereich,

[00:13:12]  den wir dann wirklich ausgraben, im Süden auf diesem letzten verbliebenen Grünstreifen,

[00:13:17]  da beim Gartenbauamt öffnen werden und haben dafür eine 2- bis 3-wöchige Grabung angesetzt.

[00:13:23]  Wirklich aber auch mit dem Ziel jetzt gar nicht im Endeffekt, je nachdem was rauskommt,

[00:13:28]  alles komplett auszugraben, sondern einfach mal den ersten Blick in den Boden zu kriegen.

[00:13:31]  Wir haben das natürlich auch mit dem Bundesdenkmalamt vorab abgeklärt,

[00:13:34]  die als Behörde dafür auch zuständig sind.

[00:13:37]  Und damit waren eigentlich sozusagen alle Beteiligten einverstanden,

[00:13:40]  dass das im Grunde jetzt so eine Art ja ein Erstversuch ist,

[00:13:43]  einfach mal um eine Abwägung überhaupt machen zu können, wie viel Substanz da wirklich noch vorhanden ist.

[00:13:48]  Tobias; Was war dann der erste Eindruck [lacht] sozusagen?

[00:13:51]  Barbara: Am Anfang mussten wir tatsächlich feststellen, dass die Überprägung vom Areal,

[00:13:55]  nämlich auch im Sinne von der Überlagerung durch Planierschichten,

[00:13:58]  sehr viel massiver ist, als wir das erhofft hatten.

[00:14:01]  Im Endeffekt mussten wir wirklich auf 1,70 m runter

[00:14:04]  um tatsächlich zu den nationalsozialistischen, also zur Zeit der NS-Schichten runterzukommen.

[00:14:09]  Das heißt, wir sehen aber auch, dass wirklich im Bereich des Bauhofs hier nicht nur abgerissen,

[00:14:13]  sondern auch massiv umstrukturiert und aufplaniert worden ist seit den 1960er Jahren,

[00:14:17]  vermutlich aber auch noch später, also 70er, 80er Jahre,

[00:14:20]  das sehen wir dann am Fundmaterial in den Planierschichten.

[00:14:23]  Und wir sind dann auf diese Tiefe zum Teil durch händisches Abgraben,

[00:14:27]  zum Teil aber auch durch einen Minibagger runtergegangen,

[00:14:30]  und sind aber dann tatsächlich in 1,70 Meter Tiefe,

[00:14:33]  dann auch wirklich die letzten Reste dieser Unterkunftsbaracke 1 gestoßen.

[00:14:37]  Tobias: Weil du ja schon die Funde angesprochen hast kurz, was waren denn da,

[00:14:42]  oder nur so vielleicht beispielhaft, was da so alles an Material zusätzlich,

[00:14:48]  also neben diesen Fundamentresten oder den Resten noch, ans Tageslicht gekommen ist?

[00:14:53]  Barbara: Der Großteil der Funde, das muss man ganz ehrlich sagen,

[00:14:56]  ist im Grunde eigentlich Müll aus der Zeit, seitdem der Bauhof errichtet worden ist,

[00:14:59]  dass es das, was wir so in den Planierschichten finden.

[00:15:02]  Wir haben aber bei den letzten sozusagen Zentimetern,

[00:15:05]  bevor dann auch diese Barackenreste in Form von Pfahlrostfundamenten,

[00:15:08]  Betonfundamenten rausgekommen sind, verhältnismäßig sehr wenig,

[00:15:12]  aber doch Funde getätigt, die aber wahrscheinlich eher aus der Zeit der Notwohnsiedlung,

[00:15:16]  die ja bis in die 60er Jahre dann da noch bestanden hat in diesen Baracken zugeordnet werden können.

[00:15:21]  Und da geht es zum Teil um Alltagsgeschirr und Blumentöpfe, aber vor allem auch um

[00:15:26]  einfaches Verpackungsmaterial, was wirklich aus der Zeit der 50er und 60er Jahre stammt.

[00:15:30]  Das war eigentlich eher aus dem Alltag der Menschen, die dort dann eben in der Nachkriegszeit

[00:15:35]  quasi ja hingesiedelt worden sind aufgrund von Wohnungsnot und dann bis in die 60er Jahre

[00:15:41]  dort gelebt haben.

[00:15:42]  Aus der Zeit des Lagers selbst haben wir tatsächlich fast nur eigentlich die wenigen Befunde der

[00:15:48]  Baustrukturen, die erhalten sind, was aber auch wenig überraschend ist, wenn man sich

[00:15:52]  eben überlegt, dass das AEL [Arbeitserziehungslager] selbst ja im Grunde wenige Jahre bestanden hat, also eigentlich

[00:15:57]  nur gut vier Jahre und dann ja wirklich mehrere Jahre, also fast 20 Jahre lang ja noch durch

[00:16:04]  eben diese Nutzung als Notwohnsiedlung eigentlich eine ganz andere Funktion gegeben, war es

[00:16:08]  ursprünglich dieser Inhaftierungskontext.

[00:16:10]  Tobias: Und vor allem die Baracken, die waren ja nicht hochwertig gebaut.

[00:16:15]  Barbara: Ja, also was da unten errichtet worden ist, das wissen wir tatsächlich aus den Bauunterlagen

[00:16:20]  vorab, sind sogenannte RAD-Baracken gewesen, also Baracken, die ursprünglich für den

[00:16:24]  Reichsarbeitsdienst entworfen worden sind, die aber dann im Laufe der NS-Zeit wirklich

[00:16:29]  in großem Stil vor allem in unterschiedlichsten Zwangslagern des Regimes eingesetzt worden

[00:16:34]  sind, in Konzentrationslagern, in Zwangsarbeitslagern, aber eben auch im Arbeitserziehungslager

[00:16:39]  in der Reichenau.

[00:16:40]  Das sind im Grunde Behelfsbauten, die vor allem aus Holz errichtet werden und dann aber

[00:16:46]  so je nachdem, wie lang man eigentlich diese Barracken dann nutzen möchte einen unterschiedlichen

[00:16:50]  Unterbau haben können.

[00:16:51]  Also der kann betoniert sein, der kann durch Streifenfundamente gelegt sein oder wie wir

[00:16:56]  es jetzt den Reichenau archäologisch nachweisen könnten, durch eigentlich eine

[00:17:00]  sehr simple Pfahlrostgründung errichtet sein.

[00:17:02]  Und ich glaube das Wesentliche dran ist, dass man sich einfach vor Augen führt, dass das

[00:17:07]  zwar jetzt natürlich aus archäologischer Sicht nicht die ergiebigste Grabung ist, die wir

[00:17:11]  an Orten von NS-Verbrechen durchführen, eben durch diesen Überbauungsgrad.

[00:17:17]  Aber ich glaube wir lernen dadurch ja auch ganz viel über die Nachnutzung dieser Bereiche

[00:17:20]  und wie schnell eigentlich solche Verbrechensorte auch aus dem öffentlichen Gedächtnis durch

[00:17:24]  Nachnutzung, aber dann eben auch durch so radikalen Abriss, wie das in den 60er Jahren

[00:17:28]  passiert ist, auch verschwinden können.

[00:17:30]  [Drehgeräusch] Tobias: Gehen wir mal vielleicht auch kurz weg vom Arbeitserziehungslager Reichenau.

[00:17:39]  Du hast schon gesprochen, es wäre ja schön, wenn mehr Grabungen wären, auch mehr archäologische

[00:17:48]  Grabungen zu Bauten aus der NS-Zeit oder auch Lager aus der NS-Zeit, wo wäre es aus deiner

[00:17:54]  Sicht noch sinnvoll oder gäbe es noch weitere sinnvolle Orte, wo es auch, wie gesagt, auch

[00:18:00]  gut wäre, archäologisch zu graben oder zumindest einmal auch sei es Erhebungen zu machen, geophysikalische

[00:18:10]  Begehungen zu machen, fällt dir da da spontan was ein?

[00:18:14]  Barbara: Ja, also wenn wir jetzt konkret Tirol natürlich anschauen, also mittlerweile haben wir einen

[00:18:17]  recht guten Überblick, wo zumindest Lagerstandorte waren, weil sie in den letzten Jahren auch

[00:18:21]  seitens Bundesdenkmalamtes ganz umfangreiche Erhebungen zu Standorten gegeben hat und

[00:18:27]  nicht nur aus dieser Erhebung, sondern zum Teil, weil die Barackenfundamente auch noch

[00:18:30]  obertägig sichtbar sind, wissen wir von vielen Lagerstandorten, wo wir noch keine so massive

[00:18:34]  Überbauung haben.

[00:18:35]  Das ist zum Beispiel in Haiming der Fall oder auch in Bereichen bei Schwaz und Kematen,

[00:18:40]  wo ja auch Zwangslager vor allem für die Kriegsindustrie errichtet worden sind.

[00:18:44]  Ich denke aber auch zum Beispiel an Vorarlberg entlang der Illwerke-Trasse im Montafon,

[00:18:48]  das ist schon einige Jahre zurück, das bedeutet auch "gesurveyed" [untersucht] haben, wo wir einfach Bereiche

[00:18:52]  haben, wo eigentlich im Nachgang nicht mehr bebaut worden ist und wo dann zum Teil die

[00:18:56]  Struktur nach oberflächlich noch erkennbar sind, eben durch Fundamente, die da durch die

[00:19:00]  Grasnarbe zum Teil oder durch den Waldboden durchscheinen.

[00:19:03]  Und das sind natürlich alles Bereiche, wo wir potenziell mit einer besseren archäologischen

[00:19:08]  Erhaltung rechnen können, weil einfach die Überprägung nicht so hoch ist.

[00:19:11]  Ich glaube aber tatsächlich, dass wir es nicht nur aufgrund dieser Überbauung einschränken

[00:19:15]  sollten.

[00:19:16]  Ich glaube, Archäologie hat ja immer zwei Funktionen.

[00:19:18]  Das eine ist wirklich aus der wissenschaftlichen Perspektive, dass wir natürlich versuchen

[00:19:22]  wollen, möglichst viel über einen historischen Ort und was dort passiert ist, rauszufinden.

[00:19:26]  Da ist natürlich die umfangreiche Erhaltung immer ein Vorteil.

[00:19:29]  Aber Archäologie ist eigentlich auch, würde ich sagen, eher so eine Art Interventionsmodus

[00:19:34]  oder eine Möglichkeit, sich einfach immer wieder neu mit der Vergangenheit und auch

[00:19:38]  ihrer Bedeutung für die Gegenwart zu beschäftigen.

[00:19:40]  Und dementsprechend glaube ich, dass es bei den vielen Lagern, die es in ganz Österreich

[00:19:44]  gegeben hat in dieser Zeit immer auch eine Möglichkeit gibt, Archäologie her als sozusagen

[00:19:49]  eine Praxis einzusetzen, um auch vor Ort dann mit unterschiedlichen Interessensgruppen

[00:19:55]  sich neu mit diesen Orten zu beschäftigen.

[00:19:57]  Was dann rauskommt, im Endeffekt, manches können wir ganz gut vorabschätzen, manches

[00:20:00]  vielleicht weniger, braucht natürlich nachher auch eine wissenschaftliche Aufarbeitung.

[00:20:04]  Aber ich glaube so als Modus der Interaktion ist Archäologie auch immer eine gute Möglichkeit,

[00:20:09]  um einfach zu einer Vergegenwärtigung dieser Situationen an der Vergangenheit beizutragen

[00:20:13]  und damit auch eine neue Auseinandersetzung zu motivieren und zu fördern.

[00:20:17]  Und das sehen wir bei ganz vielen Projekten eigentlich.

[00:20:19]  Das ist eigentlich auch, möchte ich sagen, der Ursprung der Archäologie, der jüngeren

[00:20:25]  Vergangenheit, das eigentlich in den 1980er Jahren, als das zum Beispiel in Deutschland

[00:20:28]  begonnen hat, das zunächst ja oft wirklich "Grassroots-Initiatives" würden wir heute sagen.

[00:20:34]  Also eigentlich Menschen aus lokalem Umfeld begonnen haben sich auf Spurensuche zu

[00:20:38]  begeben, um sich eben mit der NS-Geschichte vor Ort direkt zu konfrontieren.

[00:20:42]  [Drehgeräusch] Tobias: Eure Ergebnisse, jetzt springe ich wieder zum Arbeitslager Reichenau zurück, die Ergebnisse

[00:20:53]  von den Ergrabungsarbeiten, eure Erkenntnisse, werden die oder sind die auch für die breite

[00:21:02]  Öffentlichkeit zugänglich, gibt es da, sind die veröffentlicht worden, außer natürlich,

[00:21:08]  ich weiß, es gibt Zeitungsartikel, ich glaube in den regionalen Blättern, aber auch in

[00:21:13]  der TT, wahrscheinlich eh noch online einsehbar, aber gibt es auch einen, ich sage jetzt einmal,

[00:21:17]  umfangreicheren Bericht, der was dann erscheinen wird?

[00:21:20]  Barbara: Das ist sozusagen jetzt gerade in der Mache, auch oder schon fast im Druck, es wird einerseits

[00:21:25]  natürlich Publikationen geben, wo wir die Ergebnisse auch in der Tiefe präsentieren

[00:21:30]  werden, auf der einen Seite einem wissenschaftlichen Publikum, aber auch für eine breitere Öffentlichkeit.

[00:21:34]  Wir haben hier zum Beispiel in Innsbruck auch zusammengearbeitet mit AFIN, dem

[00:21:40]  archäologischen Forschungsnetzwerk Innsbruck, nehmen wir dort auch, das ist eher ein breiten

[00:21:44]  wirksamer Newsletter, den die haben dort auch schon kürzere Berichte publiziert haben.

[00:21:48]  Ich denke aber, dass vor allem, wenn die Neukonzeption der Gedenkstätte dann wirklich in die Umsetzung

[00:21:54]  geht, das wird ja auch dann didaktische Materialien auch für sozusagen Programme für Schülerinnen

[00:21:59]  und Schüler oder auch andere interessierte Bevölkerungsgruppen geben, dass wir da natürlich

[00:22:04]  auch die Ergebnisse der archäologischen Forschung gern mit einfließen lassen und das natürlich

[00:22:09]  auch zur Verfügung stellen.

[00:22:11]  Und ich glaube, dass hier vor allem auch die Luftbildanalyse einen ganz wesentlichen

[00:22:15]  Teil spielt, weil das einfach so eine Möglichkeit gibt, nochmal diese räumlichen Dimensionen,

[00:22:19]  die ja heute wirklich schwer nachvollziehbar sind wegen des Überbauungsgrades, nochmal

[00:22:24]  besser zu visualisieren und den Menschen da auch einen sozusagen wirklich einen räumlichen

[00:22:29]  Zugang auch zu schaffen zu diesen Orten und zu diesen Lagerbereichen.

[00:22:33]  Tobias: Gibt es noch was, was wir zum.. über eure Arbeiten im Arbeitserziehungslager Reichenau erwähnen

[00:22:41]  sollten, was wir jetzt in unserem Gespräch noch vergessen haben?

[00:22:44]  Barbara: Also ich glaube, was man vielleicht so ein bisschen nochmal aufsplitten kann, wenn man sich jetzt

[00:22:48]  diese unterschiedlichen Schritte der archäologischen Forschung ansieht, ist, dass wir je nachdem,

[00:22:53]  mit welchen Methoden wir rangehen oder auch ob wir uns das sozusagen aus der Vogelperspektive

[00:22:57]  ansehen oder wirklich in den Boden gehen, einfach sehr unterschiedliche Maßstäbe im

[00:23:01]  Grunde anwenden, im Blick und natürlich auch unterschiedliche Informationen rauskriegen.

[00:23:05]  Was für mich wirklich ein spannender Aspekt ist und das ist jetzt nicht speziell für

[00:23:10]  die Reichenau überraschend, aber das ist das, was wir bei vielen anderen Projekten auch

[00:23:13]  sehen, ist natürlich, dass wir durch diesen Blick aus oder aus diesem Luftblick heraus

[00:23:18]  eigentlich ganz viel über die räumliche Entwicklung und die Planungssystematik während

[00:23:23]  der NS-Zeit rauslesen können.

[00:23:25]  Es gibt ja einerseits sozusagen, dass was man vorhat, was man plant, was man veranschlagt

[00:23:28]  und das, was man tatsächlich dann umsetzt.

[00:23:30]  Und das ist etwas, was wir eben durch verschiedene Luftbilder eigentlich ganz gut aufsplitten

[00:23:34]  können.

[00:23:35]  Einerseits, wie sich diese Bereiche tatsächlich räumlich strukturieren und aufteilen.

[00:23:39]  Was zum Beispiel da wirklich eine ganz spannende Sache auch war zu sehen ist, dass wir, also

[00:23:44]  wir haben ja in der Reichenau einerseits das Arbeitserziehungslager und nördlich davon

[00:23:47]  zum Inn hin bestand ja eigentlich ein, ich sage immer, das ist ein Multifunktionskomplex,

[00:23:53]  also ein Lager, das betrieben worden ist von der Stadt Innsbruck, von der Reichspost

[00:23:56]  und von der Reichsbahn, wo Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene inhaftiert waren, die

[00:24:00]  dann auch ausgebeutet worden sind in Innsbruck.

[00:24:02]  Und da können wir eigentlich über die Luftbilder ganz gut nachvollziehen, wie sich diese einerseits

[00:24:07] administrative Verwaltungsstruktur, aber auch diese unterschiedlichen Gruppen

[00:24:11]  an inhaftierten in der Raumplanung wiederfinden.

[00:24:14]  Indem da immer wieder zusätzliche Gebäude gekommen sind, aber sich auch immer wieder

[00:24:18]  die Zaunabgrenzungen innerhalb des Lagers zur Trennung dieser Gruppen und Bereiche eigentlich

[00:24:22]  widerspiegeln.

[00:24:23]  Und das ist ein ganz wesentlicher Aspekt auch um zu verstehen, wie setzt man eigentlich

[00:24:29]  diese Diskriminierung unterschiedlicher Gruppen, aber auch administrative Verwaltung dann

[00:24:33]  in der Realität um.

[00:24:34]  Und das funktioniert ganz stark zum Beispiel auch über Strukturierung von Raum.

[00:24:38]  Spannenderweise sehen wir diese Dynamik, die wir in diesem nördlichen Lager eigentlich

[00:24:42] sind nicht im Arbeitserziehungslager.

[00:24:44]  Da können wir eigentlich sagen, dass ziemlich von Anfang an der gesamte Komplex als Gebäudebestand

[00:24:49]  errichtet worden ist, eigentlich auch, wie er zumindest ursprünglich geplant war und

[00:24:54]  sich dann relativ wenig an der internen Strukturierung eigentlich ändert.

[00:24:57]  Und das spricht natürlich aber auch so für eine gewisse Kontinuität des Zwecks dieses

[00:25:01]  Lagers, das er wirklich von der Gestapo verwaltet, einen hohen Disziplinierungsgrad von Anfang

[00:25:07]  an hatte.

[00:25:08]  Und auf der anderen Seite können wir aber auch eben in Schnittstelle mit anderen historischen

[00:25:13]  Quellen wie eben mündlicher Überlieferung durch eben die Luftbilder auch nochmal versuchen,

[00:25:17]  bestimmte Ereignisse, die zum Beispiel Überlebende berichten konkreter zu verorten.

[00:25:22]  Tobias: Weil du es jetzt eben gerade angesprochen hast, das, was ich jetzt ganz vergessen habe,

[00:25:26]  natürlich gibt es für die Zeit natürlich mündliche Quellen, mündliche Überlieferungen, Zeitzeugen,

[00:25:32]  etc.

[00:25:33]  Wie, weil es gibt ja immer den Spruch, der Zeitzeuge ist der größte Feind des Historikers,

[00:25:40]  ist es natürlich jetzt auch wiederum sehr überspitzt gesagt.

[00:25:44]  Aber wie nimmt man das zu Herzen?

[00:25:49]  Nimmt man das dazu?

[00:25:51]  Muss man aber natürlich kritisch prüfen?

[00:25:53]  Barbara: Also ich glaube, man kann das nicht pauschal beantworten, was hier wirklich wichtig ist,

[00:25:57]  dass wir zunächst mal an diese verschiedenen Überlieferungsstränge einfach als Quellen

[00:26:01]  herangehen, die alle ihre Berechtigung haben, die alle ihre Kritik brauchen natürlich.

[00:26:05]  Und dass wir dann immer konkret, je nachdem was wir erforschen, auch wirklich versuchen,

[00:26:09]  diese verschiedenen Überlieferungsstränge miteinander zu vergleichen und rauszufinden,

[00:26:12]  wo bestätigen sie sich.

[00:26:13]  Wo sind vielleicht Blindspots in einer Überlieferung, die wir durch die andere fühlen können

[00:26:17]  und wo widersprechen sie sich.

[00:26:19]  Ich würde behaupten, dass das nicht nur herausfordernd ist mit Zeitzeug:innen Aussagen,

[00:26:23]  weil natürlich Zeitzeug:innen Aussagen, glaube ich, lange in der Geschichtswissenschaft

[00:26:27]  so ein bisschen verschrien, weil man sagt, ja, das ist Erinnerung und das ist natürlich

[00:26:30]  überprägt.

[00:26:31]  Das stimmt natürlich.

[00:26:32]  Auf der anderen Seite ist das natürlich eine ganz zentrale Quelle, weil es im Grunde

[00:26:35]  Erfahrungswerte und auch wie die verarbeitet werden, widerspielen.

[00:26:38]  Man darf die aber nicht verwechseln natürlich mit einer Dokumentation oder einem Faktenbericht.

[00:26:43]  Was aber auch nicht heißt, dass in Zeitzeug:innen Berichten keine Informationen enthalten

[00:26:47]  sind, die einfach auch eine historische Realität abbilden.

[00:26:50]  Man muss das einfach in der Aufarbeitung, glaube ich, mitberücksichtigen und dafür

[00:26:55]  ist es natürlich ganz notwendig jetzt auch aus archäologischer Seite, dass wir eng

[00:26:58]  mit Historikerinnen und Historikern zusammenarbeiten, die uns da auch helfen, die notwendige Kritik

[00:27:02]  anzuwenden.

[00:27:03]  Das hat in dem Projekt wirklich fantastisch funktioniert.

[00:27:06]  Ähnliches aber auch mit den Schriftquellen.

[00:27:09]  Ich weiß, es gibt immer so einen Tendenz dafür anzunehmen, sobald wir administratives

[00:27:13]  Schriftgut haben, das als Faktencheck herzunehmen.

[00:27:16]  Und das mag manchmal gerechtfertigt sein, aber auch hier müssen wir uns immer vor Augen halten,

[00:27:21]  auch Schriftgut ist ja was, was entsteht, produziert wird durch bestimmte Gruppen in der Bevölkerung,

[00:27:26]  mit Intentionen.

[00:27:28]  Manche Sachen werden gut dokumentiert, manche werden weggelassen, manche werden vielleicht

[00:27:31]  sogar verfälscht.

[00:27:32]  Also auch hier ist Quellenkritik wichtig.

[00:27:33]  Und was wir in der Archäologie gerade bei Lagerbauten sehr oft sehen, ist, dass es,

[00:27:38]  es gibt eine Planungsphase und das, was man sich vorstellt sozusagen und dann gibt es

[00:27:41]  eine Dynamik in der Umsetzung, die auch mit dem Kriegsgeschehen sich verändert zum Teil,

[00:27:46]  wo wir sehen, dass sich dann in den Bauten und auch in der Nutzung, die wir durch die

[00:27:49]  Archäologie nachvollziehen können, Änderungen ergeben, die wir so in den Schriftquellen

[00:27:53]  nicht finden.

[00:27:54]  Da gibt es auch ein Beispiel aus dem Arbeitserziehungslager.

[00:27:56]  Ein ganz wesentliches Element eigentlich, was in der Planung lange Zeit offenbar eine

[00:28:00]  Rolle gespielt hat für das AEL war ja, dass geplant war, irgendwo eine Gefangenen Baracke für politische

[00:28:06]  Häftlinge zu errichten, die ja ursprünglich nicht als Inhaftierungsgruppe eigentlich der

[00:28:09]  Fokus waren.

[00:28:10]  Dazu gibt es Planungsunterlagen, die auch sehr weit gediehen sind, auch eine umfangreiche

[00:28:14]  Korrespondenz bis dahin, dass man sogar sieht, wo die aufgestellt werden soll und wir können

[00:28:19]  über die Luftbilder in dem Fall dann aber tatsächlich rekurrieren und sagen, das ist

[00:28:22]  nicht umgesetzt worden.

[00:28:23]  Was auch immer, ein Paper-Trail gibt es vielleicht, aber er ist noch nicht lokalisiert in den

[00:28:27]  Archiven.

[00:28:28]  Wir können auf jeden Fall sagen, was sozusagen wirklich Ist-Bestand wird.

[00:28:31]  Das sind jetzt Kleinigkeiten, wo es wirklich nur so um historisch eigentlich kleine Spezifitäten

[00:28:35]  geht, aber das kann sich natürlich auch auswachsen.

[00:28:38]  Wir haben Beispiele aus archäologischer Forschung in Deutschland zum Beispiel, aus Zwangsarbeitslagern,

[00:28:42]  in Brandenburg gibt es da ganz viele Projekte, wo wir über die Archäologie zum Beispiel

[00:28:47]  ganz tiefen Einblick wirklich auch in Lebensbedingungen unterschiedlicher Häftlingsgruppen bekommen,

[00:28:51]  den wir im Paper-Trail überhaupt nicht finden.

[00:28:53]  Kleinmachnow ist so ein Beispiel, das war auch ein Lager, wo auf der einen Seite wirklich

[00:28:58]  Angestellte der dort tätigen Firmen untergebracht waren, aber auch Zwangsarbeitende, also Zivilzwangsarbeitende,

[00:29:03]  Kriegsgefangene bis hin zu KZ-Häftlingen.

[00:29:06]  Und wir sehen, dass offenbar die Firmen, die diese Lager betrieben haben, dann ganz

[00:29:10]  systematisch, je nachdem welche Kategorie an Menschen sie dort eingesperrt haben,

[00:29:14]  am Baumaterial oder auch an der Infrastruktur gespart haben.

[00:29:18]  Also da gibt es für die sozusagen die frei arbeitende Bevölkerung, gibt es gut geheizte

[00:29:22]  Baracken mit Waschanlagen und Sanitäreinrichtungen.

[00:29:24]  Für die zivilen Zwangsarbeitenden wird das dann schon down-gegraded, wo es eigentlich nur so

[00:29:29]  kleinere Ofenanlagen gibt und keine fix installierten Sanitäranlagen in den Baracken bis dann hin tatsächlich

[00:29:35]  zu den Baracken für sowjetische Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge, die nicht mal mehr eine

[00:29:40]  Heizung eigentlich haben.

[00:29:41]  Und das ist, was ich meine, mit der Archäologie sehen wir eigentlich so auf einem menschlichen

[00:29:46]  Level ganz oft

[00:29:47] was heißt es eigentlich, in bestimmten Bedingungen dann dort inhaftiert zu werden und dort drinnen

[00:29:51] Leben zu müssen?

[00:29:52]  Das ist einerseits die Ideologie, die Verfolgung und die Kategorisierung, die institutionell

[00:29:57]  stattfindet durch Gewalt an den Menschen, aber dann auch in der Umsetzung natürlich

[00:30:01]  der jeweiligen Lebenssituation.

[00:30:03]  Und das ist der Zugriff, den wir vor allem über die Archäologie haben, in dem wir wirklich

[00:30:06]  auf diese materielle Komponente schauen können. [Outro-Musik]

[00:30:08]  Tobias: Archivwürdig ist eine Produktion des Stadtarchiv Innsbruck und Teil der Stadtstimmen, dem

[00:30:31]  Audio-Kanal der Stadt Innsbruck.

Erinnerungskultur und Erinnerungsorte

Erinnerungskultur und Erinnerungsorte

Stadtarchiv Innsbruck

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Transkript

[00:00:00]  Tobias: Hallo und herzlich willkommen zur vierten Folge unserer dritten Staffel von Archivwürdig,

[00:00:07]  dem Podcast des Innsbrucker Stadtarchivs. Heute sprechen wir über Erinnerungskultur bzw.

[00:00:13]  Erinnerungsorte im Allgemeinen. Dafür habe ich mir universitäre Hilfe mit Ingrid Böhler

[00:00:18]  geholt. Ingrid Böhler ist Senior Scientist an der Universität Innsbruck und Leiterin

[00:00:24]  des dortigen Instituts für Zeitgeschichte. Gemeinsam tasten wir uns an das große Thema

[00:00:30]  Erinnerungskultur heran und sprechen über Definitionen des Begriffs sowie dessen Zusammenhang

[00:00:35]  mit Erinnerungsorten, wie sich Erinnerungskultur in Österreich entwickelt hat und betrachten mit

[00:00:41]  den Zeitpunkten ein lokales Beispiel in Innsbruck.

[00:00:44]  [Intro-Musi] Tobias: Liebe Ingrid, danke, dass du Zeit gefunden hast, heute mit mir zu sprechen. Unser übergeordnetes

[00:01:05]  Thema der dritten Staffel ist ja das Arbeitserziehungslager Reichenau und die damit zusammenhängende

[00:01:11]  Neugestaltung eines zeitgemäßen Gedenkortes. Mit diesem Gedenkort steht natürlich das

[00:01:18]  große Wort Erinnerungskultur in Verbindung und Erinnerungsort. Aus diesem Grund habe

[00:01:24]  ich mir deine Expertise eingeladen, um Allgemeiner einfach über den Begriff zu sprechen und vielleicht

[00:01:32]  starten wir einfach mal so, ob du uns eine, sag ich mal, universitäre Definition geben

[00:01:38]  kannst im wissenschaftlichen Kreisen von Erinnerungskultur.

[00:01:42]  Ingrid: Ja, hallo Tobias, danke für die Einladung und zu deiner ersten Frage, die ist gefährlich,

[00:01:50]  weil wenn man nach der universitären Definition fragt, ist natürlich das Risiko groß, dass

[00:01:55]  es kompliziert wird. Und das Wort Erinnerungskultur ist tatsächlich eben so populär geworden

[00:02:02]  in den Geschichtswissenschaften, aber auch unter allen, die irgendwie was mit institutionalisierter

[00:02:08]  Erinnerung zu tun haben, dass man auch schon wieder klagen kann, es ist inflationär und

[00:02:13]  es taucht in ganz verschiedene Kontexten auf und was bedeutet es jetzt genau?

[00:02:18]  Ich hole ein bisschen aus dieser Vormarsch oder das Vordringen dieses Begriffs in sozusagen

[00:02:28]  die Alltagssprache der Geschichtswissenschaften kann man zeitlich so in die 90er Jahre, in

[00:02:37]  die beginnenden 90er Jahre vielleicht einordnen und dahinter stecken verschiedene Vorgänge.

[00:02:45]  Also ich würde jetzt einfach mal ganz knackig und einfach formulieren, wir wissen alle,

[00:02:50]  wenn wir an Österreich denken und gerade an Zeitgeschichte mit Österreich Bezug, dass

[00:02:56]  es da eine Zäsur gibt, das sind die Waldheim Jahre. Waldheim ist 1986 zum Bundespräsidenten

[00:03:04]  gewählt worden und wir wissen alle, was im Zusammenhang mit diesem Wahlkampf dann an

[00:03:09]  vergangenheitspolitisch und geschichtspolitisch relevanten Themen auf dem Tisch lag. Dort

[00:03:15]  haben wir auch gelernt anzuerkennen, dass bis dorthin ein Kapitel, das eben belastend

[00:03:20]  und belastet war, unserer eigenen jüngeren Geschichte verdrängt haben und versucht haben,

[00:03:26]  es zu vergessen. Und wie so häufig in der Geschichte, das hat ja auch Marx gesagt, also

[00:03:33]  die Geschichte entwickelt sich voran, also durch These und Antithese, also das Pendel

[00:03:38]  schlägt einmal in die eine und dann wieder in die andere Richtung und also auf das

[00:03:42]  Verdrängen und vergessen, heute dann das intensivste Gedenken und Erinnern und Gedenken.

[00:03:48]  Und begleitend dazu setzt hier natürlich eben auch auf verschiedenen Ebenen und in verschiedenen

[00:03:55]  Vor- und durchs Reden über die Erinnerung und ihre Bedeutung in der Gegenwartgesellschaft

[00:04:01]  ein und ja und da sind wir dann bei der Erinnerungskultur. Die Erinnerungskultur, wenn man das ganz

[00:04:07]  allgemein irgendwie fassen möchte, damit meint man den Gebrauch von Geschichte in der

[00:04:11]  Öffentlichkeit zu einem bestimmten Zweck. Und dieser Zweck ist der, dass man kollektive

[00:04:19]  Identität damit begründen oder absichern möchte. Und das ist natürlich auch eben was

[00:04:24]  ganz gegenwärtiges. Tobias: Eine Nachfrage dazu. Gerade im deutschsprachigen

[00:04:29]  Raum ist natürlich ja Erinnerungskultur oder steht ganz stark im Zusammenhang mit Holocaust,

[00:04:35]  mit NS-Zeit, wobei das ja der Begriff an und für sich ja nicht voraussetzt. Ist es

[00:04:41]  bei uns erst durch die Waldheimaffäre dann so stark der Begriff auch, wie soll man sagen,

[00:04:48]  aufgetreten, so stark die Verknüpfung mit der NS-Zeit herkommen oder ist es schwierig

[00:04:53]  überhaupt zu greifen? Ingrid: Da bin ich mir jetzt ehrlich gesagt nicht sicher. Natürlich hat

[00:04:58]  die Erinnerung an den Nationalsozialismus oder überhaupt an den Zweiten Weltkrieg

[00:05:05]  in den 1990er Jahren einen enormen Schub erhalten. Das hatte damit zu tun, dass eben ein Generationswechsel

[00:05:13]  davor schon stattgefunden hatte. Also die Generation der Veteranen, der Kriegsteilnehmer

[00:05:21]  ist nach und nach in Pension gegangen und hat damit an Einfluss, an öffentlichem Einfluss

[00:05:29]  verloren. Das ist ein Handlungsstrang, der diese Dynamiken ausgelöst hat. Ein anderer, der

[00:05:36]  genau so wichtig ist, hat damit zu tun, dass eben 1989/91 der kalte Krieg zu Ende geht.

[00:05:43]  Und davor hat der Kalte Krieg der ja ganz bald, also unglaublich kurzer Zeit nach dem Zweiten

[00:05:51]  Weltkrieg einsetzt und sozusagen eine völlig neue internationale Lage definiert, dazu

[00:05:58]  geführt also so aus Zweck-Rationalitäten heraus, dass man die Sache mit dem Zweiten Weltkrieg

[00:06:04]  irgendwie beiseitegeschoben hat. Man musste zum Beispiel die Bundesrepublik irgendwie ins

[00:06:09]  westliche Lager integrieren. Und wenn man da ständig daran erinnert, ihr seid das Nazi-Nachfolge-Land,

[00:06:16]  dann ist es vielleicht für das bündnisinterne Klima nicht unbedingt gut. Oder ich meine,

[00:06:24]  wie sollen Deutschland und Frankreich wieder miteinander auskommen, wenn man ständig eben

[00:06:29]  daran erinnert, was in den Jahrzehnten vorher, also gerade das deutsch-französische Verhältnis

[00:06:35]  ist ein gutes Beispiel. Es geht nicht nur um den Nationalsozialismus und den Zweiten

[00:06:39]  Weltkrieg, aber eben nun ist man beieinander in einem wirtschaftlichen Bündnis, also die

[00:06:45]  beginnende europäische Integration, Marshallplan, dann die Anfänge der europäischen Wirtschaftsgemeinschaft

[00:06:55]  etc. und auf der anderen Seite die NATO. Also kurzum ist gab viele gute Gründe, warum man das

[00:07:01]  Thema einfach beiseitegeschoben hat. Diese Rücksichtigen, die jahrzehntelang notwendig

[00:07:06]  waren, die sind dann nach dem Ende des Kalten Kriegs so nicht mehr vorhanden gewesen.

[00:07:13]  Einerseits, andererseits der Eiserne Vorhang fällt. Viele der von den Menschheitsverbrechen des

[00:07:20]  Nationalsozialismus betroffenen haben hinter dem Eisernen Vorhang gelebt oder die Verbrechen

[00:07:25]  sind dort passiert und nun waren plötzlich diese Erinnerungen auf eine andere Art und Weise

[00:07:31]  zugänglich. Also das war ein ganz wichtiger weiterer Grund, warum man dann plötzlich auch mit einer

[00:07:40]  neuen Intensität sich dieser Zeit zugewandt hat und auch welche Bedeutung das, was in dieser Zeit,

[00:07:49]  also vor 1945 geschehen ist, was das für die Gegenwart bedeutet und was sich daraus ableitet,

[00:07:56]  an notwendigen Handlungen. Zum einen hatte praktischerweise für die ehemaligen Tätergesellschaften

[00:08:03]  die Zweiteilung Europas und der Welt im Kalten Krieg zur Folge, dass man ja mit berechtigten

[00:08:10]  Entschädigungsansprüchen nicht konfrontiert war. Auch das hat über den Eisernen Vorhang

[00:08:15]  hinweg nicht funktioniert. Und da gab es ein Nachholprozess und ja, das hat dann auch diese

[00:08:23]  Gesellschaften oder die Regierungen gezwungen sich damit auseinanderzusetzen. Also es ist

[00:08:29]  das eine zum anderen gekommen. Tobias: Und ich glaube, ganz hinein spielend war ja auch die Rede von

[00:08:35] Vranitzky. Das war ja, da muss ich aufpassen, nicht, dass ich was falsches sage. Aber ich glaube,

[00:08:40]  wir haben Anfang Mitte der 90er... Ingrid: 1991. Tobias: 1991.. Ingrid: Ja, Sommer 91. Tobias: Wo wir dann auch das erste Mal die Schuld oder die

[00:08:50]  Täterschaft der, also Österreichs an den Verbrechen ja deklariert worden ist. Davor war ja immer nur

[00:08:55]  von der Opferrolle groß die Rede. Ingrid: Ganz genau. Also Kanzler Franz Vranitzky entschuldigt sich im Rahmen

[00:09:02]  einer Parlamentsrede, die aber nicht angekündigt war, dass er sich diesem Thema zuwenden würde.

[00:09:08]  Das war damals auch für den österreichischen Nationalrat überraschend. Aber er kommt auf

[00:09:13]  dieses Thema und formuliert so etwas wie ein Schuldbekenntnis. Also eine Verantwortung für

[00:09:20]  die Mittäterschaft an den Großverbrechen des Nationalsozialismus und er entschuldigt sich auch.

[00:09:24]  Und das ist eine geschichtspolitische Zäsur gewesen für Österreich. Also eine zentrale

[00:09:32]  Etappe bei der offiziellen, also auch von staatlicher Seite getragenen Abwendung von der

[00:09:39]  Lebenslüge der zweiten Republik, nämlich der Opfer-These. Dass man selber das erste Opfer der

[00:09:45]  NS-Aggression gewesen ist und deswegen für das, was danach passiert ist, nicht verantwortlich

[00:09:52]  gemacht werden kann. Aber eben an diesem Vorgang kann man ganz schön zweierlei zeigen, dass diese

[00:10:00]  geschichtspolitischen und damit auch erinnerungskulturellen Korrekturen nicht einfach vom

[00:10:06]  Himmel fallen, quasi das Ergebnis einer höheren Einsicht oder von Moral oder Ethos darstellt,

[00:10:16]  sondern dass die immer irgendwie eingebettet sind in politische Vorgänge. Und in dem Fall,

[00:10:21]  also innenpolitisch gab es für Vranitzky einen ganz klaren Aufhänger und das war kurz davor ein

[00:10:28]  Sager, des Jörg Haider, eben damals Partei-Vorsitzender der FPÖ, der von der ordentlichen Beschäftigungspolitik

[00:10:42]  der Nationalsozialisten gesprochen hat. Man muss da nicht ins Detail gehen, aber das ist natürlich

[00:10:49]  eine Aussage gewesen, die man so nicht stehen lassen konnte. Und also das war der innenpolitische

[00:10:58]  Zusammenhang. Gleichzeitig außenpolitisch stand man zu dieser Zeit unter Druck, weil man hatte

[00:11:03]  ja 1989 den Antrag auf Beitritt zu Brüssel Europa gestellt und zur EG gestellt und da ging es natürlich

[00:11:14]  auch darum, welchen Eindruck man da bei den Verhandlungspartnern hinterlässt oder machen

[00:11:20]  möchte und natürlich hier auch eine klare Position im Hinblick auf Geschichtspolitik zu beziehen.

[00:11:29]  Das war so ein bisschen auch Teil des Eintrittstickets nach Brüssel Europa. Und also dieses

[00:11:37]  Signal wollte Vranitzky genauso setzen. Also es gab da einfach einen internationalen oder

[00:11:44]  außenpolitischen Druck, der hier als Verstärker im Spiel war. Tobias: Das heißt, man könnte davon auch,

[00:11:52]  wenn wir das jetzt nochmal ganz kurz verkürzen wollen, dass es sowohl zwar interne Einsichten gibt,

[00:11:58]  aber auch sehr stark äußerer Druck auf die eigene Erinnerungskultur einspielt oder siehst du

[00:12:04]  das nicht so? Ingrid: Also im Fall von Österreichs Umgang mit dem Nationalsozialismus war es ganz klar so,

[00:12:11]  dass sich Österreich so lange wegducken konnte, hatte mit der spezifischen Situation Österreichs

[00:12:19]  nach 1945 zu tun. Österreich war ein kleines Land, es gehörte aber zum westlichen Lager. Es

[00:12:28]  tat sich da irgendwie leicht, sich irgendwie auch in der internationalen politischen

[00:12:34]  Irrelevanz diese Lebenslüge leisten zu können. Und dann mit der Zeit, eben vor allem durch eine

[00:12:45]  andere Situation, war es dann halt Schritt für Schritt notwendig, sich was einfallen zu lassen.

[00:12:51]  Waldheim war ja auch etwas oder die Haltung, die Waldheim im Wahlkampf vertreten hat, ja,

[00:12:59]  in Bezug auf seine eigene Vergangenheit als Wehrmachtsoffizier am Balkan, die so typisch war

[00:13:06]  für diese Generation der österreichischen Kriegsteilnehmer. Die hat natürlich was über seinen

[00:13:12]  Charakter ausgesagt, ja, also dieses abwiegelnde und verlogene, das er schlichtweg an den Tag

[00:13:19]  gelegt hat. Also diese verstockte Uneinsicht. Tobias: Und die Geschichten mit der er war nie bei der Partei,

[00:13:27]  aber sein Pferd war es, oder diese Sachen, wo es ja dann dieses Waldheim Pferd gibt, was man,

[00:13:32]  glaube ich, immer noch im Haus der Geschichte auch sehen kann. Ingrid: Mittlerweile ist es nicht mehr

[00:13:35]  im Haus der Geschichte Österreich, sondern ins Wienmuseum umgezogen, das ist eine andere Geschichte.

[00:13:40]  Aber ja, das hat natürlich jede Menge Polemik geradezu provoziert, ja, aber diese Uneinsicht,

[00:13:48]  die Kurt Waldheim an den Tag gelegt hat und schlussendlich war er ja auch eben ein ehemaliger

[00:13:55]  UNO-Generalsekretär, die hat einfach dafür gesorgt, dass das international beobachtet

[00:14:00]  worden ist und international kommentiert worden ist und dann kommt Waldheim auch noch ein Jahr

[00:14:05]  später, nachdem er gewählt wird, auf die Watchlist, also kann da nicht mehr in die USA reisen.

[00:14:10]  All das hat das offizielle Österreich und die politischen Parteien in Österreich einfach

[00:14:17]  gezwungen, Stellung zu beziehen. Natürlich, wie gesagt, dieser Generationenwechsel, der

[00:14:24]  bahnt sich ja an, der ist in den 80er Jahren schon spürbar und die Öffentlichkeit auch

[00:14:29]  in Österreich ist kritischer geworden. Aber wie gesagt, der äußere Druck spielt da immer

[00:14:35]  eine Rolle und eben was dann danach passiert, dass es beispielsweise dann zur Einsetzung

[00:14:42]  um die 00er Jahre herum einer Historikerkommission kommt, wo man eben bislang noch zu wenig

[00:14:48] erforschte Kapitel der Involvierung Österreichs in den Nationalsozialismus, also mit wirklich

[00:14:56]  viel Geld und einem sehr großen Team, erforschen lässt. Auch das eben hat mit dieser, ist eine

[00:15:06]  Folge der geänderten Umstände und der Notwendigkeit, dass man da eben auch mit beispielsweise

[00:15:15]  diesen Restitutionsforderungen, die plötzlich im Raum standen, irgendwie umgehen muss.

[00:15:20]  Also wir alle können uns vielleicht, du vielleicht nicht, aber ich kann mich noch erinnern. Also

[00:15:25]  plötzlich wurden Klimt oder Schielebilder, die man ins Ausland zur Ausstellung verliehen hat,

[00:15:32] nicht mehr zurückgegeben, weil plötzlich im Raum stand, dass es sich hier um arisierte

[00:15:42]  Kunstgegenstände handelt. Also verschiedene Dinge waren hier im Spiel und das Ergebnis

[00:15:49]  war eben eine entsprechende Dynamik. Tobias: Ich kann mir auch, weil das ist mir jetzt gerade während

[00:15:55]  deinen Ausführungen eingefallen, es war auch ziemlich in die Zeit, wo es ja eine Ausstellung

[00:16:01]  gegeben hat über die Angehörigen der Wehrmacht, wo ja dann ein Dokumentarfilm gemacht worden

[00:16:08]  ist von der, mir fällt das nämlich der Namen leider blöderweise nicht ein, wo dann wirklich

[00:16:15]  die Ausstellung unterwegs war und die Leute sind dann hineingegangen, haben sich die Ausstellung

[00:16:18]  angeschaut und haben dann darüber diskutiert, waren zum Teil noch Angehörige, wo es dann

[00:16:24]  darum gegangen ist, das saubere Bild der Wehrmacht, die was die unter Anführungszeichen

[00:16:30]  ja normalen Soldaten waren, nicht an Kriegsverbrechen beteiligt waren und so weiter, wo es lange

[00:16:35]  Zeit ja auch mit der weißen Weste der Wehrmacht und so weiter, was ja völlig absurd ist und

[00:16:41]  dann sind da wirklich teilweise hitzige Diskussionen auch zwischen ehemaligen Angehörigen der

[00:16:46]  Wehrmacht bei diesen Ausstellungen dann entstanden. Ich denke, diese Dokumentation,

[00:16:51]  weil das hat die da, wie heißt sie denn, ist auf jeden Fall, glaube ich auch auf YouTube

[00:16:57]  nach zu schauen, ist ganz interessant auch. Ingrid: Die Wehrmacht-Ausstellung, die ja von Deutschland

[00:17:04]  dann auch nach Österreich gekommen ist, war sicher auch so ein Erinnerungs-kulturell wichtiger

[00:17:13]  Schritt, eine Etappe im Hinblick auf die Korrekturen unserer Sicht auf Nationalsozialismus und

[00:17:23]  Zweiter Weltkrieg. Und eben die Wehrmacht-Ausstellung,

[00:17:28]  hat ja wirklich Wellen geschlagen und da hat sich noch mal so deutlich wie selten gezeigt, dass eben

[00:17:38]  es sowas wie kollektive Erinnerungen gibt und die sind nicht immer kompatibel miteinander. Also

[00:17:46]  diese Generation der Kriegsteilnehmer, die hat sich ihr eigenes Narrativ zurechtgelegt. Wie

[00:17:53]  erinnern wir uns an den Nationalsozialismus? Ja, am liebsten halt in der Form, wir haben in Russland

[00:18:00]  das Vaterland verteidigt. Also wie das gehen soll bei einem Angriffskrieg auf die Sowjetunion,

[00:18:08]  also weit weg von Österreich, ja, das ist nicht ganz logisch und eben ganz rational, aber es hat

[00:18:16]  funktioniert. Und ein Teil dieses Narrativs war ja natürlich, dass man ja selber auch irgendwie

[00:18:24]  gelitten hat. Also man musste die Strapazen des Kriegs... Tobias: Auch bewältigen selber, oder? Ingrid: Genau,

[00:18:33]  ertragen die vielen Kriegsinvaliden, die traumatisierten, die Familie, die Leute zu Hause,

[00:18:40]  ja, die unter den Belastungen des Kriegs gelitten haben. Das war sozusagen das dominierende

[00:18:46]  Narrativ. Und eine spätere Generation, die dann auch in diese Wehrmachtsausstellung gegangen ist,

[00:18:55]  die fand es nicht mehr so überzeugend. Und die konnte eben mit dem, was man da gezeigt hat, eben,

[00:19:00]  dass die Wehrmacht sehr wohl halt auch in Kriegsverbrechen involviert war. Und dort, wo sie

[00:19:05]  vielleicht nicht direkt mitgeholfen hat, jedenfalls Zeuge geworden ist, ja, die konnte mit dem was

[00:19:11]  anfangen. Die ließ sich darauf ein. Und wenn die miteinander in der Ausstellung gewesen sind,

[00:19:17]  dann hat das zum Teil so hitzige Diskussionen zur Folge gehabt. Aber ich meine, gerade Waldheim,

[00:19:25]  eben der Wehrmachtsoffizier Waldheim, der Kriegsteilnehmer Waldheim und wie er eben sich selber

[00:19:33]  dazu geäußert hat oder dann eben die Wehrmachtsausstellung und die Kontroversen, die da passiert

[00:19:41]  sind, die sind ganz typisch dafür, dass eben es tatsächlich so was wie ein Generationengedächtnis

[00:19:46]  gibt und dass die Kompatibilität zwischen den Generationen nicht immer gegeben ist. Also,

[00:19:54]  das kann auch bei anderen Themen passieren, die jetzt vielleicht weniger belastend sind und weniger

[00:20:02]  mit notwendiger Selbstkritik verbunden sind. Tobias: Weil du den Generationenwechsel angesprochen hast,

[00:20:11]  ist es aus deiner Sicht auch hilfreich, dass in dem Fall jetzt über die NS Zeit sehr viele

[00:20:17]  noch Dokumente, Unterlagen, auch Fotografien alles noch vorhanden sind, die das ja in dem

[00:20:23] Sinn untermauern, sei es die kritische Auseinandersetzung, ist das hilfreich oder ist es nicht zwingend

[00:20:32]  erforderlich, um sich dann dem Thema der Erinnerungskultur zu nähern und das vielleicht auch

[00:20:37]  frühere kollektive Erinnerung zu kritisieren oder zu hinterfragen? Ingrid: Das, was du da ansprichst,

[00:20:45]  ist natürlich auch etwas, was mit geschichtswissenschaftlichem Aufarbeiten zu tun hat. Wenn neue Quellen auftauchen,

[00:20:52]  neue Beweise sozusagen für NS Verbrechen oder für Verstrickungen bestimmter Gruppen einzelner

[00:21:04]  Persönlichkeiten etc., ja, das führt dann eben halt zu einer notwendigen Revision und was

[00:21:11]  wirklich überraschend ist, obwohl wir uns nun schon viele Jahrzehnte der zeithistorischen

[00:21:18]  Aufarbeitung der NS Zeit widmen, es taucht immer wieder was Neues auf, ja, und wir müssen dann

[00:21:26]  immer wieder selber auch lernen, okay, da gab es eine Blindstelle, zum einen weil wir das Material

[00:21:33]  noch nicht hatten und zum anderen, weil natürlich auch die Gegenwart sich irgendwie ändert und

[00:21:38]  lange Zeit sind bestimmte Opfergruppen, die eben im Nationalsozialismus verfolgt worden sind,

[00:21:47]  einfach zu wenig öffentlich anerkannt worden. Dazu gehört die Gruppe der Wehrmachtsdesserteure,

[00:21:52]  wenn wir wieder beim Thema Veteranengesellschaft der zweiten Republik sind, die Wehrmachtsdesserteure

[00:22:00]  waren für dieses Narrativ, wir haben heldenhaft das Vaterland verteidigt, natürlich sehr störend und

[00:22:08]  deswegen hat man ihnen die längste Zeit die notwendige Anerkennung nicht gezollt. 2009 war es erst so weit,

[00:22:15]  dass man diese Gruppe rehabilitiert hat, andere Opfergruppen, Homosexuelle beispielsweise,

[00:22:22]  wurden lange Zeit eben auch ignoriert, weil sie auch die längste Zeit in der zweiten Republik

[00:22:27]  auch noch kriminalisiert worden sind, da gibt es Kontinuitäten zwischen der Zeit vor dem Nationalsozialismus,

[00:22:34]  für die NS Zeit und danach, ja, und eben diese Blindstellen, die tauchen halt immer wieder mal auf,

[00:22:41]  weil auch unsere Gegenwart sich verändert und in der Gegenwart diese Fragen dann gestellt werden

[00:22:46]  und dann gibt es auch noch mal Material idealerweise bzw. häufig ist es auch so, wenn man eine Frage hat,

[00:22:51]  dann findet man auch das Quellenmaterial. So ändern sich Geschichtsbilder und so ändert sich eben dann auch

[00:23:02]  die Erinnerungskultur. Tobias: Mit der Erinnerungskultur ist ja auch sehr stark, sind Erinnerungsorte verbunden.

[00:23:08]  Siehst du Erinnerungsorte als Teil der Erinnerungskultur oder sollte man die auch teilweise separat voneinander...

[00:23:17]  Also, was heißt separat voneinander? Ist schwierig natürlich. Aber stehen die eigens noch da,

[00:23:22]  wie die zu interpretieren sind oder würdest du sagen, die sind immer mit der Erinnerungskultur verknüpft?

[00:23:28]  Nehmen wir mal vielleicht, ich weiß nicht ein Beispiel her.

[00:23:31]  Ingrid: Den Bergisel. Tobias: Den Bergisel zum Beispiel [beide lachen]. Der ist natürlich ganz klar 1809 verbunden. Steht der allein da, ist er das vielleicht nicht,

[00:23:45]  ist er das schon? Es ist schwierig, glaube ich.

[00:23:48]  Ingrid: Also es gibt jedenfalls eine begriffliche Nachbarschaft zwischen dem Wort Erinnerungskultur und dem Begriff Erinnerungsort.

[00:23:57]  Wieder jetzt aus der akademischen Perspektive zunächst darauf geschaut. Jetzt wiederhole ich mich noch mal.

[00:24:07]  Unter Erinnerungskultur verstehen wir eben alle Aktivitäten und Phänomene, die irgendwie in der Öffentlichkeit vor sich gehen

[00:24:18]  und Öffentlichkeit kann auch eine Teilöffentlichkeit sein. Aber jedenfalls die sich beziehen auf Geschichte zum Zweck

[00:24:25] der Herstellung einer kollektiven Identität. Also das ist immer so was wie eine gesellschaftliche Selbstversicherung darauf.

[00:24:33]  Also die Selbstversicherung einer Gruppe, das sind wir. Da kommen wir her.

[00:24:39]  Die Botschaft kann aber auch sein, das sind wir nicht, ja. Tobias: Ja [beide lachen]. Ingrid: Aber es ist jedenfalls ein notwendiges sich verständigen darauf,

[00:24:49]  worauf man sich als kollektiv bezieht und damit eben auch den eigenen Zusammenhalt garantiert.

[00:24:59]  Und Gruppen möchten ja langlebig sein, die möchten Bestand haben. Also da gibt es einen Zusammenhang zwischen der eigenen Vergangenheit,

[00:25:08] der eigenen Gegenwart und der eigenen Zukunft. Und deswegen muss man dann eben diese Erinnerungen auch versuchen zu verfestigen

[00:25:16]  und das irgendwie zu organisieren, zu institutionalisieren. Dazu stellen wir Denkmäler auf. Dazu erfinden wir Rituale.

[00:25:26]  Dafür steht auch der Bergisel [beide lachen]. Und der Bergisel bietet hier ganz viele Anknüpfungspunkte.

[00:25:35]  Wie man sich da an 1809 an die Figur Andreas Hofer erinnert. Vieles von dem ist natürlich hochgradig konstruiert.

[00:25:45]  Da wird ein bestimmtes Bild geschaffen. Und mit dem Bild stiftet man eine eigene Vorstellung von der Tiroler Geschichte

[00:25:53]  und damit auch davon, wie die Tiroler und Tirolerinnen so sind. Und da sind wir bei einem Erinnerungsort.

[00:26:05]  Erinnerungsort als Begriff in dem, was man Memory studies in den Geschichtswissenschaften oder in den Kulturwissenschaften nennt,

[00:26:16]  ist ein Konzept, das auf Pierre Nora zurückgeht. Pierre Nora war ein französischer Historiker.

[00:26:22]  Und er hat eben dieses Konzept der "lieu de mémoire" [Französich für: Erinnerungsort] erfunden und meinte damit eben zentrale Bezugspunkte in der nationalen französischen Geschichte,

[00:26:38]  die eben das Kollektiv der französischen Nation mit einer Identität ausstatten.

[00:26:45]  Er hat sich das zum Teil ganz konkret räumlich vorgestellt, umgelegt auf Tirol, der Bergisel, das ist tatsächlich ein Ort.

[00:26:56]  Aber er war da offener. Es sind Kristallisationspunkte, es sind eben zentrale Bezugspunkte.

[00:27:06]  Und das kann auch im Fall von Frankreich beispielsweise die Marseillaise sein, also die französische Nationalhymne.

[00:27:13]  Oder ein Ritual, ein spezifischer Brauch kann auch so was wie ein Erinnerungsort sein.

[00:27:21]  Also das ist irgendwie vielfältiger, sich zu denken.

[00:27:26]  Ein bestimmtes Lied kann Erinnerungsort sein.

[00:27:30]  Ein bestimmtes Bild, das alle kennen, das mit der Geschichte zu tun hat.

[00:27:35]  Jetzt bin ich wieder bei Österreich. Ich springe ein bisschen assoziativ.

[00:27:38]  Tobias: Wenn ich da reinspringen darf, gerade in Innsbruck wäre es natürlich das Marienbild, was ja an alle Hauswände, oder an sehr vielen Hauswände dann zum Beispiel abgebildet ist.

[00:27:48]  Ingrid: Das ist jetzt nicht unbedingt was zeithistorisches.

[00:27:50]  Tobias: Das ist nicht was zeithistorisches.

[00:27:52]  Ingrid: Das ist eine interessante Frage. Das könnte man sich mal genauer durchdenken.

[00:27:58]  Aber das Riesenrundgemälde, eben am Bergisel, das ist natürlich ein Erinnerungsort.

[00:28:05]  Genauso hat Pierre Nora sich das gedacht oder so ein anderes, für die österreichische Identität der zweiten Republik zentrales Bild wäre natürlich das Foto von der Unterzeichnung des Staatsvertrags, am Belvedere.

[00:28:24]  Aber Erinnerungsorte, so wie sie Pierre Nora gemeint hat, haben natürlich zum Ziel, die eigene Identität zu verfestigen.

[00:28:34]  In dem Zusammenhang sind natürlich eher so positiv besetzte Ereignisse, auch wenn sie zum Teil siehe Bergisel Schlacht, also Kampf, sterben.

[00:28:44]  Das ist ja nichts per se nur erfreuliches, aber trotzdem man kann es wenden in eine positive Geschichte.

[00:28:51]  Und genau das ist mit Andreas Hofer, 1809 und all diesen Dingen passiert.

[00:28:56]  Wir erinnern uns daran, als einen glorreichen Sieg, diejenigen, die sich mit dieser Epoche genauer beschäftigen, die relativieren das,

[00:29:05]  genauso wie man mittlerweile die Persönlichkeit und das Wirken von Andreas Hofer auch gelernt hat, ein bisschen kritischer zu sehen.

[00:29:12]  Aber am Bergisel kann man für Tirol also ganz wunderbar aufzeigen, wie der Gebrauch von Geschichte zur Identitätsstiftung in Dienst genommen wird.

[00:29:27]  Am Bergisel finden nach wie vor auch politische Rituale statt, Gedenkfeiern für Andreas Hofer.

[00:29:34]  Ja, finden dort statt. Da finden sich dann eben die Landeshauptleute, dies- und jenseits des Brenners gemeinsam ein.

[00:29:42]  Und erinnern sich da als etwas, was konstituierend für die gemeinsame anhaltende Verbindung zwischen den zwei Landesteilen ist.

[00:29:59]  Und das hat auch etwas ganz Gegenwärtiges zum Ziel. Man möchte damit eine gemeinsame Identität stiften.

[00:30:08]  [Drehgeräusch] Tobias: Machen wir vielleicht jetzt wieder den Sprung weg vom Andreas Hofer und vielleicht noch auch deine Meinung oder auch, wie du zu der Lösung stehst.

[00:30:23]  Wie gesagt, zum Zeitpunkt unserer Aufnahme ist das Projekt für den neuen Gedenkort Arbeitserziehungslager Reichenau noch nicht abgeschlossen.

[00:30:31]  Was aber abgeschlossen ist und haben wir beide auch der Eröffnung beigewohnt, ist der Zeitpunkt, also der Innsbrucker Alternative zu den Stolpersteinen.

[00:30:39]  Wie siehst du die Umsetzung von solchen, in dem Fall ja sehr kleinen Erinnerungsorten, die dir auch beim Spaziergang durch die Stadt ins Auge fallen,

[00:30:52]  bist du persönlich aus deiner fachlichen Meinung zufrieden oder begeistert über diese Lösung, was man in Innsbruck gemacht hat?

[00:31:02]  Oder wie stehst du zu diesem Zeitpunkt nach? Wäre vielleicht auch noch ganz interessant zu sehen.

[00:31:07]  Ingrid: Jetzt hake ich noch mal nach bei dem Thema Erinnerungsort. Ebenso wie du jetzt deine Frage formuliert hast, da kann man sehr schön zeigen,

[00:31:16]  dass Erinnerungsort mittlerweile auch ein Begriff geworden ist, der in verschiedenen Kontexten Verwendung findet.

[00:31:24]  Also einerseits steht da nach wie vor für das Konzept von Pierre Nora und da ist Erinnerungsort etwas,

[00:31:33]  das eben die Qualität hat für eine Gruppe, die gemeinsame aus der Vergangenheit hergeleitete Identität auf nachfolgende Generationen zu vererben und weiter zu reichen.

[00:31:50]  Bei den Zeitpunkten, um die es hier geht, die sind etwas ganz Neues, da wissen wir noch nicht, ob sie diese Qualität entfalten können,

[00:32:00]  ob sie eben langfristig nachhaltig Identitätsstiften sind für eine Gruppe.

[00:32:10]  Das muss jetzt nicht für ganz Innsbruck sein, aber doch für einen wesentlichen Teil davon, der sich auch irgendwie dann politisch im Gemeinderat abbildet, etc., etc.

[00:32:21]  Tobias: Oder in der Bevölkerung. Ingrid: Wo es dann eben auch in der Bevölkerung Gruppen gibt, die sagen, ja, in unserer Straße hat auch jemand gelebt, der oder die wurde Opfer des Nationalsozialismus, Opfer der NS-Verfolgungspolitik

[00:32:37]  und wir möchten diese Person in Erinnerung behalten oder die Erinnerung daran wieder aufleben lassen.

[00:32:43]  Und diese Person ist Teil unserer ehemaligen Nachbarschaft ja, also sind wir wieder bei dieser Gruppe.

[00:32:52]  Und wir haben als jetzige Nachbarschaft ein Interesse daran, dass wir auch die damals hier gelebt haben, nicht vergessen.

[00:32:59]  Wenn das funktioniert, dann werden aus den Zeitpunkten Erinnerungsorte auch im Sinn von Pierre Nora, ja.

[00:33:07]  Das Schöne an den Zeitpunkten finde ich eben, dass sie die Qualität haben, aus der Zivilgesellschaft heraus zu entstehen.

[00:33:20]  Also eben, es können aus der Bevölkerung heraus Gruppen sich bei euch beim Stadtarchiv melden und beantragen.

[00:33:28]  Es soll eben hier ein Zeitpunkt montiert werden und wir als Gruppe kümmern uns dann auch irgendwie um diesen Zeitpunkt.

[00:33:43]  Und das sind kleine Interventionen. Sie sind eben sehr individuell.

[00:33:49]  Sie beziehen sich auf eine Person oder vielleicht eine Familie.

[00:33:54]  Sie nehmen nicht viel Platz in Anspruch. Sie sind in erster Linie sichtbar für diejenigen, die in der Umgebung dieses Zeitpunkts wohnen.

[00:34:05]  Aber sie sind natürlich auch im Alltag schon immer irgendwie da. Man muss sie nur sehen.

[00:34:12]  Also diese kleinen dezentralen Formen des Erinnerns, glaube ich, sind eine sehr wichtige und auch würdige Ergänzung eines mahnenden Erinnerns und Gedenkens an die Zeit des Nationalsozialismus.

[00:34:33]  [Outro-Musik]

[00:34:48]  Tobias: Archivwürdig ist eine Produktion des Stadtarchiv Innsbruck und Teil der Stadtstimmen, dem Audiokanal der Stadt Innsbruck.

 

Reichenau: KZ-Gedenkstätte Dachau

Reichenau: KZ-Gedenkstätte Dachau

Stadtarchiv Innsbruck

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Transkript

[00:00:00]  Tobias: Hallo und herzlich willkommen zur fünften Folge unserer dritten Staffel von Archivwürdig,

[00:00:05]  dem Podcast des Innsbruck Stadtarchivs. Für unsere heutige Folge geht es in den

[00:00:11]  benachbarten Freistaat Bayern, genauer gesagt nach Dachau. In der KZ Gedenkstätte Dachau habe

[00:00:19]  ich mich mit der Leiterin Gabriele Hammermann zu einem Gespräch getroffen. Zu Beginn sprechen wir

[00:00:25]  über ihre Verbindungen zu Innsbruck und der Entscheidung über die Errichtung eines neuen

[00:00:30]  Gedenkortes in der Reichenau. Anschließend gehen wir auf verschiedene Aspekte der KZ Gedenkstätte

[00:00:36]  Dachau ein und versuchen dabei auch parallelen zum Arbeitserziehungslager Reichenau zu identifizieren.

[00:00:42]  [Intor-Musik] Tobias: Liebe Gabriele, danke für die Einladung, erstens einmal in die KZ Gedenkstätte in Dachau.

[00:01:04]  Ist auch mein erster Besuch heute. Wir zeichnen hier auf und bei dir auf, da du ja eine Verbindung zu dem Arbeitserziehungslager Reichenau

[00:01:17]  hast bzw. du bist Mitglied der Expert:innenkommission. Vielleicht dazu auch wäre es schön, wenn du uns

[00:01:26]  vielleicht kurz erklären könntest, wie es denn zu dieser Teilnahme an dieser Historikerkommission,

[00:01:31]  Expert:innenkommission gekommen ist. Gabriele: Ja, ich habe die Einladung bekommen von Lukas Morscher,

[00:01:41]  der Leiter vom Stadtarchiv und Irene Heisz und es hat mich sehr, sehr gefreut, weil es eben sehr

[00:01:49]  viele Bereiche betroffen hat, die jetzt in dem ehemaligen Arbeitserziehungslager Reichenau

[00:01:57]  relevant sind, die für uns hier in der Gedenkstätte auch eine zentrale Rolle spielen und in meinen

[00:02:04]  Forschungen zur Zwangsarbeit, aber auch zum Konzentrationslagersystem immer relevant waren.

[00:02:12]  Und die vielen Anknüpfungspunkte haben mich sehr gefreut und auch wirklich die tolle und

[00:02:22]  kollegiale Zusammenarbeit in dieser Kommission. Ich denke, das hat auch dazu geführt, dass wir

[00:02:29]  wirklich in sehr schneller Zeit und in großen Schritten sozusagen auf das Ziel zugekommen sind.

[00:02:37]  Häufig erlebe ich das so, dass diese Diskussionsprozesse deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen.

[00:02:47]  Und insofern ist das so meine Verbindung zu Innsbruck, eine Stadt, die ich wirklich auch unglaublich

[00:02:55]  schön finde. Tobias: Ich wollte gerade sagen, es waren ja auch schon Besuche natürlich in Innsbruck

[00:03:00]  dementsprechend dabei und vice versa, es waren ja auch ein Ausflug der Kommission nach Dachau,

[00:03:05]  wenn ich da richtig informiert bin. Gabriele: Ja, vor wenigen Wochen waren alle hier und haben sich die

[00:03:12]  KZ Gedenkstätte angeschaut, aber auch die Außenorte hier in der Nähe der Gedenkstätte,

[00:03:19]  da gab es beispielsweise, einen ehemaligen Schießplatz, an dem über 4.000 sowjetische

[00:03:28]  Kriegsgefangene hingerichtet worden sind, den wir 2014 zu einem Gedenkort umgewandelt haben

[00:03:36]  mit einer Außenausstellung und einem Ort der Namen. Und das war, weil es das Thema 

[00:03:42] Außenausstellung betraf eben auch für viele der Delegation von Relevanz.

[00:03:48]  Tobias: Darf ich vielleicht auch noch Ihre Gedanken zu der oder Ihre Haltung oder Meinung zu dem

[00:03:56]  Plan einer neuen Errichtung der Gedenkstätte oder eines zeitgemäßen Erinnerungsortes

[00:04:03]  am Gelände des ehemaligen Arbeitserziehungslagers einfangen?

[00:04:08]  Gabriele: Ja, ich glaube, dass dieses Lager und die Nachwirkungen des Lagers für die Stadt

[00:04:14]  Innsbruck wirklich von großer Bedeutung sind. Das geht ja im Wesentlichen von 1941 bis 1945

[00:04:24]  um die Geschichte des Arbeitserziehungslagers Reichenau. Da sind wir wirklich bei ganz vielen

[00:04:30]  spannenden politischen Diskussionen, auch Diskussionen inwieweit sich beispielsweise

[00:04:37]  unternehmen mit dem Nationalsozialismus arrangierten bzw. auch die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter

[00:04:48]  für ihre Produktion ausnutzen. Das ist ein sehr, sehr zentrales Thema, weil das Arbeitserziehungslager

[00:04:56]  Reichenau wurde ja von der Gestapo geführt und die Firmen hatten eine Art Vorschlagsrecht

[00:05:03]  und das finde ich schon sehr, sehr zentral, wie viele Firmen letztendlich in dieses System

[00:05:11]  involviert waren. Und es gab ja auch Nutzungen als Kriegsgefangenenlager und als Lager der Reichspost

[00:05:19]  und der Bahn. Und auch da sind wir eben nicht nur an dem Ort in Reichenau, sondern eben im Umfeld

[00:05:27]  der Stadt Innsbruck bei mindestens 40 Zweiglagern und das zeigt, wie eng sozusagen Zwangsarbeit

[00:05:37]  gerade in der Kriegsphase mit dem Nationalsozialismus aber auch mit der deutschen Gesellschaft verwoben

[00:05:44]  war. Tobias: Das ehemalige Konzentrationslager Dachau und das Arbeitserziehungslager Reichenau

[00:05:49]  kann man nicht eins zu eins vergleichen. Es gibt, würde ich aber sagen, Parallelen, die für beide

[00:05:55]  Lager zutreffend sind, natürlich nicht in Größe und so weiter und auch von der Nutzung. Also es gibt

[00:06:01]  natürlich auch sehr viele Unterschiede, gerade aber auch, weil ich, wie im Vorfeld informiert habe,

[00:06:07]  ja auch gerade, was dann die direkte Nachnutzung eigentlich des Lagers betrifft. Weil wir haben

[00:06:12]  ja in der Reichenau oder die ehemaligen Lager in der Reichenau direkt nach dem Krieg auch

[00:06:20]  ein Auffangslager für DPs, also "displaced persons" [Person, die nicht an diesem Ort beheimatet ist], dann natürlich auch für die

[00:06:27]  NS-Funktionäre, also als Lager, also Gefangenenlager sozusagen, wobei dann die weitere

[00:06:34]  Nachnutzung in Innsbruck ja noch viel länger andauerte als wie jetzt in Dachau, können Sie vielleicht

[00:06:40]  auch dazu etwas sagen, wie Sie den Vergleich sehen oder Parallelen sehen zum Lager Reichenau

[00:06:47]  und zum Lager Dachau. Gabriele: Es ist ja so, wenn wir nochmal auf die Geschichte zwischen 1941 und 1945 zurück

[00:06:55]  schauen, dass es auch ein Transitlager, die Reichenau eben oder ein Transitlager war für Jüdinnen und

[00:07:03]  Juden in die Konzentrationslager Mauthausen und aber auch nach Auschwitz und das ist ein Aspekt,

[00:07:11]  der in der Geschichte des Konzentrationslagers Dachau erst am Ende und erst im Kontext der

[00:07:18]  Außenlager stattfindet. Auch da sind es, gab es große Transporte von den Außenlagern, vor allen

[00:07:26]  Dingen denen, die zu der sogenannten Bunkerprojekte, das sind Projekte, die geplant worden

[00:07:36]  sind, um die Produktion von Flugzeugen unter Tage zu verlagern. Es gab in Dachau drei Bereiche,

[00:07:45]  das ist das ehemalige BMW Außenlager in Allach. Dort gab es eben auch ein Bunkerbauprojekt

[00:07:53]  in Mühldorf in dem Komplex und in Kaufering. Überwiegend jüdische Häftlinge haben dort gearbeitet

[00:08:01]  und auch dort gab es diese Transporte vor allen Dingen von kranken und ausgemergelten Menschen,

[00:08:07]  die nicht weiter ausgepresst werden konnten im Kontext dieses Arbeitsprozesses, die wurden dann eben

[00:08:14]  auch nach Auschwitz verlagert. Geplant war die Reichenau auch im Kontext eines Auffanglagers für

[00:08:25]  geflohene italienische Arbeitskräfte. Auch da gibt es einen Kontext sozusagen mit meinen Forschungen.

[00:08:33]  Ich habe zu den italienischen Militärinternierten gearbeitet und mich natürlich da auch zu dem

[00:08:40]  Thema der Zwangsarbeit ab 1938, 1939 aus Italien beschäftigt. Genau, das war auch ein Thema und

[00:08:49]  dann können wir natürlich jetzt gerne auch den Vergleich ziehen zu dem Thema der Nachnutzung des

[00:08:57]  Konzentrationslagers Dachau, das zunächst wenige Monate als "displayed persons camp" geführt worden

[00:09:05]  ist. Ab August 1945 bis drei Jahre später etwa als Internierungslager für Nationalsozialisten

[00:09:15]  und dann als Flüchtlingslager vor allen Dingen für geflüchtete Deutsche aus dem aus den ehemaligen

[00:09:24]  Ostdeutschland, die dann hier nach Dachau kamen und keine, keinen Wohnraum hatten und

[00:09:34]  auch in prekären Bedingungen lebten. Auch am Rande der Stadt ähnlich wie in der Reichenau

[00:09:42]  und Schwierigkeiten hatten sich in der Gesellschaft zu etablieren, auch weil es da doch eine große

[00:09:50]  Ablehnung gab gegenüber den Zugewanderten sozusagen. Tobias: Dann ist ja dann für das Arbeits-

[00:09:59] erziehungslager Reichenau, da ist ja dann salopp gesagt, alles platt gemacht worden,

[00:10:05]  alles abgetragen worden. Dasselbe Schicksal hat zum Glück ja auch das Lager hier in Dachau nicht

[00:10:12]  ereilt. Es ist relativ früh schon, könnte man sagen, ja zu einer Gedenkstätte umfunktioniert

[00:10:21]  worden. Können wir vielleicht ein bisschen darauf eingehen über die Entstehung der Gedenkstätte?

[00:10:27]  Gabriele: Dieser Prozess war ein langer. 1955 haben sich die ehemaligen Häftlinge des Konzentrationslager

[00:10:34]  Dachau auf einer internationalen Ebene zusammengeschlossen zum Internationalen Dachau Komitee

[00:10:42]  und man hat sich vorgenommen hier an diesem Ort, der aus der Sicht der ehemaligen Häftlinge völlig

[00:10:50]  unwürdig genutzt worden ist. Da können wir gleich noch darauf eingehen, diesen Ort zu einer

[00:10:57]  Gedenkstätte zu machen. Aber dieser Prozess hat lange gedauert, also zehn Jahre bis 1965 im Mai

[00:11:06]  eine Gedenkstätte errichtet werden konnte und es hat tatsächlich eine internationale Öffentlichkeit

[00:11:13]  gebraucht und das moralische Korrektiv, die moralische Bedeutung der ehemaligen Häftlinge des

[00:11:22]  Konzentrationslagers Dachau, das hier an diesem Ort eine Gedenkstätte entstanden ist. In der

[00:11:30]  unmittelbaren Nachkriegszeit gab es beispielsweise von dem hiesigen Landrat den Vorschlag des ehemaligen

[00:11:37]  Krematoriums und das war in dieser Zeit der einzige Gedenkort hier auf dem Gelände des ehemaligen

[00:11:44]  Häftlingslagers, dass dieses Krematorium abgerissen werden sollte und nur durch internationale

[00:11:53]  Initiativen ist dieses verhindert worden. Also daran sieht man, die deutsche Gesellschaft hat diesen

[00:12:01]  Ort normalisieren, überschreiben wollen, umnutzen wollen, sodass praktisch die Erinnerung an das,

[00:12:09]  was hier passiert ist, vollständig verloren geht. Tobias: Auch ein Prozess, der in Österreich

[00:12:14]  klar durchwirkt, natürlich mit einer anderen Prämisse als diese Opfer-These, die ja immer sehr

[00:12:21]  gerne vorhergehalten wurde, um eben diese dunkle Zeit auch einmal vorerst ruhen zu lassen und

[00:12:30]  dann natürlich in Österreich erst viel später ja die Aufarbeitung auch war, wie in Deutschland,

[00:12:34]  wo sie ja, würde ich so sagen, 20 Jahre früher schon eingesetzt hat, die Auseinandersetzung.

[00:12:41]  Ich weiß nicht, ob Sie das bestätigen oder so sagen können, immer ist es sehr pauschaliert,

[00:12:46]  natürlich ausgedrückt aber... Gabriele: Ich glaube, ganz viel hat auch dazu beigetragen, dass es eine

[00:12:52]  justizielle Ahndung der Verbrechen relativ bald nach Kriegsende gab, durch die Amerikaner auf der

[00:12:59]  einen Seite, durch den Nürnberger Prozess, aber ich habe ja hingewiesen auf das Internierungslager,

[00:13:05]  das drei Jahre Bestand nach Kriegsende und das ist im Kontext der sogenannten Dachauer Prozesse

[00:13:13]  hier auch etabliert worden. Man hat praktisch die Verbrecher, die hier vor Ort waren, durchgekämmt

[00:13:21]  und es gab große Ermittlungsverfahren, sehr zahlreiche Ermittlungsverfahren und auch Prozesse

[00:13:28]  gegen die SS im Konzentrationslager Dachau, das war der sogenannte "Parent Case" und dann aber auch

[00:13:37]  gegenüber der SS in Mauthausen, Flossenbürg in Buchenwald und in Mittelbau-Dora. Also sie sehen

[00:13:47]  ein sehr, sehr gewichtiger Aspekt der justiziellen Ahndung der unmittelbaren Nachkriegszeit und dadurch

[00:13:56]  haben natürlich viele aus der Bevölkerung erfahren, was hier vor Ort an Verbrechen stattgefunden

[00:14:02]  haben und sie konnten nicht mehr so einfach sagen, da war nichts, davon haben wir nichts gewusst,

[00:14:09]  weil das war tatsächlich ein ganz wichtiges gesellschaftliches Ereignis. Tobias: Und ich habe

[00:14:16]  bisher nur, also was heißt nur, aber die Gedenkstätte in Mauthausen eben zwei mal schon besucht,

[00:14:23]  einmal auch dann den Gedenkort Hartheim, also Schloss Hartheim und auch in Mauthausen, es

[00:14:30]  ist ja auch bei einer Führung zum Beispiel in Mauthausen sehr deutlich gemacht, da oben ist

[00:14:34]  nebenbei der Fußballplatz gewesen und da haben auch die Wachtruppen der SS, haben ein Match

[00:14:39]  gespielt gegen unten, den Fußballclub vor Ort, also da ist dann schon, und wenn man dann da oben

[00:14:45]  steht und sieht, wie nahe das ist, ist das schon eigentlich sehr erschreckend, dasss dann wirklich auch

[00:14:49]  viele aus oder so viele sagen, wusste man nicht, zum Teil ja, aber größtenteils eigentlich kann es

[00:14:57]  nicht so. Gabriele: Es ist undenkbar, weil gerade gegen Ende des Krieges, und wir haben ja auch schon im Bereich

[00:15:04]  der Reichenau davon gesprochen, wie groß dieses Netz der Verfolgung war, da gab es ja, wir haben

[00:15:11]  eben über die Zwangsarbeiterlager gesprochen, über Arbeitserziehungslager, die flächendeckend

[00:15:19]  in Deutschland existierten oder im deutschen Reich existierten und die lokale Bevölkerung hat

[00:15:26]  natürlich auch mitbekommen, wenn in den Konzentrationslagern die Märsche durch die Städte

[00:15:31]  gingen, also vom Bahnhof zum Lager, also und gerade gegen Ende des Krieges gab es Todesmärsche,

[00:15:42]  es gab praktisch dieses System der Außenlager, der Konzentrationslager, das Dachauer Lager

[00:15:48]  hat 140 Außenlager im Bereich Oberbayern vor allen Dingen, aber auch Richtung Österreich und das ist

[00:15:57]  natürlich ein Thema der ständigen Begegnung mit den Verbrechen. Tobias: Der Gedenkort hier in Dachau

[00:16:07]  besteht nun doch schon sehr lange Zeit, würde ich sagen, die Wissensvermittlung hat sich ja im

[00:16:13]  Laufwetterzeit auch stark verändert. Die Hauptausstellung ist seit 2002/2003, glaube ich,

[00:16:23]  ich glaube, seit 2003 steht drin. Wir sehen oder...

[00:16:27]  Vielleicht darf ich ganz generell fragen zu Wissensvermittlungen auch hier in Dachau.

[00:16:33]  Wie Sie denn die Entwicklung der Vermittlungskonzeption oder des Vermittlungsortes auch in Dachau hier sehen?

[00:16:42]  Gabriele: Am Anfang waren es auch ehemalige Häftlinge, die auch in dem ehemaligen Häftlingslager hier,

[00:16:50]  das ist nämlich der Teil der Gedenkstätte, Führungen, Rundgänge gegeben haben mit ihrer Geschichte,

[00:16:57]  häufig waren es politische Häftlinge, häufig aus dem kommunistischen Widerstand, also viele

[00:17:05]  waren von ihnen waren schon 1933 inhaftiert und haben eben über langjährige Erfahrungen gesprochen,

[00:17:15]  auch Verfolgung ihrer Familien und das war eine ganz, ganz wesentliche und wichtige Zeit,

[00:17:22]  die Abteilung der Gedenkstätte, also die Bildungsabteilung ist erst um die Jahrtausendwende etabliert worden.

[00:17:32]  Lange Jahre gab es hier vor Ort praktisch die Rundgänge über abgeordnete Lehrkräfte und es haben sich auch

[00:17:43]  verschiedene sehr engagierte Geschichtsvereine gebildet im Umkreis, die dieses Vakuum sozusagen der Betreuung

[00:17:54]  in der KZ Gedenkstätte mit übernommen haben. Das war lange so, dass sich der Staat, also nicht so sehr

[00:18:05]  um dieses Thema gekümmert hat, das ist erst so in den 80er Jahren zunehmend zu einem Thema geworden,

[00:18:13]  aber tatsächlich oft ausgehend von dem zivilgesellschaftlichen Engagement. Und wie gesagt,

[00:18:20]  ab der Jahrtausendwende eine Bildungsabteilung, wir haben natürlich auch versucht,

[00:18:27]  praktisch dieses Fund sozusagen dieser zivilgesellschaftlichen Initiative zu integrieren

[00:18:36]  mit den Rundgangsleitungen, die wir hier auf dem Gelände haben. Inzwischen sind es 70 und es gibt hier tatsächlich

[00:18:46]  einen halbjährigen Ausbildungskurs, der sehr begehrt ist sozusagen. Wir sind jetzt auch dabei,

[00:18:53]  laufend Referentinnen und Referenten nachzuschulen und es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass diese

[00:19:04]  Rundgangsreferent:innen auch Teil der Gedenkstätte sind, also die sind eben auch feste Mitarbeitende der Gedenkstätte geworden.

[00:19:13]  Also das ist ein langer Prozess, das sehen Sie und wenn man sich so auf die Inhalte noch mal fokussiert,

[00:19:21]  dann ist es seit dem Beutelsbacher Konsens in den Gedenkstätten üblich, nicht mit moralischen

[00:19:32]  Überformungen zu kommen, sondern ein forschendes, offenes Lernen hier an diesem Ort zu..., ja

[00:19:39]  dazu anzuregen, das ist ganz, ganz wichtig. Wir wollen eine kritische Auseinandersetzung mit der Rolle

[00:19:50]  auch von Täterschaft, also und der Gesellschaft und natürlich einer starken Biographiearbeit über die

[00:20:00]  ehemaligen Inhaftierten hier, sodass es praktisch, dass zunehmend neue Gebiete jetzt auch in unsere Arbeit

[00:20:11]  mitschwingt sozusagen. Wir merken allerdings, dass die Vor- und Nachbereitung viel größere Zeit in Anspruch nimmt,

[00:20:22]  als das in früheren Jahren, wo vielleicht im Schulunterricht noch mehr darauf eingegangen worden ist,

[00:20:30]  wo es aber auch nicht so einen großen generationellen Abstand gab. Also tatsächlich ist das sehr notwendig,

[00:20:41]  auch eine Reflektion nachzuschalten und deswegen bauen wir gerade auch unser Bildungszentrum neu mit

[00:20:51]  sechs neuen Seminarräumen, die eben technisch auf dem allerneuesten Stand sein werden und auf diese

[00:21:00]  Arbeit dieser Neugestaltung freuen wir uns sehr. Es besteht immer der Wunsch, dass die Gedenkstätten

[00:21:09]  zu den aktuellen politischen Situationen sich positionieren, auch in der Bildungsarbeit und da

[00:21:21]  denken wir aber, dass es sehr, sehr wichtig ist, über die Beschäftigung mit dem Ort sozusagen zu solchen

[00:21:28]  Fragen zu kommen und das nicht also aktiv anzustoßen, sondern die Schülerinnen und Schüler zu Fragen

[00:21:36]  kommen, zu lassen, zu Schlüssen, die sie aus dem Rundgang gezogen haben. Das könnte man so sagen.

[00:21:43]  Wichtig ist natürlich auch, dass die Diversität der Besucher:innenschaft sich sehr, sehr verändert

[00:21:52]  hat. Wir sind in einer Einwanderungsgesellschaft, in einer Migrationsgesellschaft und das braucht

[00:21:58]  natürlich auch aktualisierte Bildungsangebote und auch da ist das Thema Vorbereitung, Nachbereitung

[00:22:07]  ganz zentral. Und da sind wir bei der Beschäftigung mit beispielsweise "Graphic Novels" [grafischer Roman]. Wir sind gerade

[00:22:16]  dabei, eine Graphic Novel zu etablieren, die praktisch den Einlieferungsprozess zum Thema hat und

[00:22:25]  diese kurze Zeit, wie die Menschen hier von einem Individuum zur Nummer wurden. Und das hat ein

[00:22:35]  ehemaliger Häftling Edgar Kupfer-Koberwitz auf eine wirklich unglaublich intensive Art und Weise

[00:22:42]  beschrieben und anhand seiner Beschreibung haben wir mit einem Büro eine Graphic Novel, einen Film

[00:22:51]  auch entwickeln lassen, der jetzt bald vorgestellt wird und wo wir glauben, dass es einfach noch mal

[00:22:59]  einen ganz anderen Zugang gibt. Ausgehend war das, also wir haben uns angefangen mit dem Thema Comic

[00:23:07]  zum Beispiel oder Graphic Novel zu beschäftigen, durch auch intensive Kontakte zu unseren jungen

[00:23:15]  Mitarbeitenden. Das sind, also wir haben natürlich viele vom FSJ-ler oder in früheren Jahren waren

[00:23:23]  es auch sogenannte Gedenkdiener. Das war eine Initiative aus Österreich. Tobias: Ich sollte villeicht kurz dazu sagen, das ist ein freiwilliges

[00:23:30]  soziales Jahr. Also in Deutschland, in Österreich ist es ja wäre, dass ähnlich zu setzen wie mit

[00:23:35]  dem Zivildienst, sozusagen nur, damit wir unsere Zuhörer einfangen sozusagen. Gabriele: Und wir haben in den

[00:23:45]  Kontakten auch mit unseren jungen Mitarbeitenden gemerkt, was wir vielleicht neu entwickeln können und

[00:23:52]  da sind wir jetzt sehr froh. Das war ein spannender, intensiver Prozess und das wir das jetzt präsentieren können.

[00:24:02]  Tobias: Sehr schön. Es ist ja bei der Gedenkstätte, also zum Gedenkort ist auch ein Archiv und eine Bibliothek

[00:24:12]  oder es ist Teil der Gedenkstätte, ein Archiv und eine Bibliothek. Gabriele: Und eine große Sammlung. Tobias: Und eine

[00:24:17]  große Sammlung eben. Ist das aus Ihrer Sicht, also einerseits würde ich gern fragen, wie da das

[00:24:23]  Zusammenspiel ist zwischen den einzelnen, ich würde es jetzt Abteilungen nennen und ob Sie das als großen

[00:24:30]  Bonus sehen und wo da auch vielleicht Schwierigkeiten sind, um das Ganze unter einen Hut zu bringen.

[00:24:36]  Gabriele: Wir sitzen ja hier sehr eng zusammen. Also die verschiedenen Abteilungen sind nicht in

[00:24:44]  verschiedenen Gebäuden oder so, sondern wir haben das ganz bewusst. Wir sitzen hier im Ostflügel des

[00:24:51]  ehemaligen Wirtschaftsgebäudes, also mitten in dem ehemaligen Gelände des früheren Häftlingslagers,

[00:25:00]  was auch ein besonderer Arbeitsort ist, aber nur für unsere Zuhörer:innen die Frage, wo wir hier sitzen.

[00:25:13]  Und das haben wir wie gesagt ganz bewusst gemacht. Wir haben diesen Bereich auch gestaltet, und zwar

[00:25:20]  in Absprache mit dem Denkmalpflegeamt, sodass praktisch die historische Struktur dieses

[00:25:26]  Gebäudes auch weiterhin erhalten bleibt und in dem Zuge haben wir eben auch Archiv, Bibliothek,

[00:25:32]  Sammlung neu aufgestellt. Das ist jetzt zehn Jahre her und wir haben einen sehr, sehr engen Kontakt

[00:25:40]  mit den Überlebenden und den Nachkommen. Das heißt, unsere Sammlung ist in der Zwischenzeit enorm

[00:25:47]  gewachsen. Es gab archäologische Grabungen in dem eben erwähnten Außenlager in Allach. Da sind

[00:25:56]  tausend Objekte zu der KZ Gedenkstätte gekommen und ein ganz neues spannendes Feld hat sich aufgemacht.

[00:26:03]  Wir haben dazu eine Ausstellung angeboten und planen jetzt auch bei der Neugestaltung historische

[00:26:12]  Gebäude zu der Gedenkstätte hinzuzunehmen. Eines davon ist das ehemalige Transformatorenhaus,

[00:26:18]  das für die Elektrizität im Lager zuständig war, also Lagerzaun, Lautsprecher und so weiter. Tobias: Scheinwerfer.

[00:26:24]  Gabriele: Viele Elemente des Terrors. Das wird der Ort sein, in dem zukünftig die Sammlung der Gedenkstätte

[00:26:31]  unterkommt und wir sind eben auch im Bereich von Archiv und Bibliothek dabei im Zuge der Neugestaltung

[00:26:40]  den Bereich deutlich zu erweitern. Ganz spannend ist eben die Zusammenarbeit, weil die Bildungsabteilung

[00:26:48]  in unmittelbarer Nähe sitzt. Die wissenschaftliche Abteilung, das ist der zweite Zweig sozusagen,

[00:26:56]  sitzt auch in der Nähe, sodass praktisch Ausstellungen geplant werden können, aber auch

[00:27:04]  beispielsweise Medien-Apps, die wir hier anbieten zum Thema Kunst im Konzentrationslager. Also das

[00:27:12]  ist es eben sehr, sehr wichtig, die kurzen Wege zu haben. Die Schwierigkeiten, die Sie angesprochen

[00:27:19]  haben, ich finde, dass es häufig Schwierigkeiten auch von außen sind, weil zum Beispiel überlegen

[00:27:27]  wir uns, was macht man heute? Man hat einen Plan und der Plan, den kann man eigentlich nach

[00:27:33]  wenigen Minuten vergessen [schmunzelt], weil irgendwas passiert. Zum Beispiel, was uns sehr freut eben auch viele

[00:27:41]  Angehörige in das Archiv kommen, um zu forschen. Die sind hier im Rahmen eines Besuches da und

[00:27:51]  natürlich nimmt man sich dafür Zeit, weil das ist jetzt auch ein ganz zentraler Umbruch, den wir

[00:27:57]  gerade haben und auch der Kontakt zu den Nachkommen ist für uns ganz, ganz wesentlich. Tobias: Weil sie eben

[00:28:03]  gerade den Kontakt mit den Nachkommen angesprochen haben, das stelle ich mir auch eben sehr spannend vor

[00:28:09]  und interessant vor, kommt da auch dann wirklich in dieser Nachforschung dann wieder auch für sie

[00:28:14]  neue Sachen ans Tageslicht, weil die vielleicht eben noch, sei es Andenken, vielleicht also von

[00:28:22]  Überlebenden auch wieder bekommen, ist das so auch ein Anknüpfungspunkt, wo dann wieder ein offener

[00:28:30]  Kanal von Kommunikation dann entsteht über den Besuch hinaus und was gibt es denn da so ein bisschen

[00:28:38]  für Beispiele? Gabriele: Wir haben mehrere Veranstaltungsformate. Das eine heißt Erinnerung- und Familiengedächtnis

[00:28:45]  und da geht es praktisch so darum, was hat praktisch die KZ-Haft generationell auch mit den

[00:28:53]  Familien angerichtet. Das sind immer sehr, sehr bewegende Gespräche. Wir haben noch ein zweites

[00:29:01]  Format, das heißt Mehrgenerationengespräch. Da versuchen wir tatsächlich nicht nur die Kinder,

[00:29:09]  sondern auch Enkel, zum Teil Urenkel hier nach Dachau zu bringen und es ist sehr interessant,

[00:29:16]  weil sich die unterschiedlichen Generationen jeweils unterschiedlich in der Familie mit dem

[00:29:23]  Thema befassen. Häufig ist es so, dass die Kinder häufig nichts wussten von dem Verbrechen hier an

[00:29:31]  dem Ort, was mit ihren Vätern passiert ist und es gab eine größere Offenheit der früheren Häftlinge

[00:29:39]  sich mit den Enkeln auszutauschen oder den Urenkeln, die wiederum ganz andere Verarbeitungsmechanismen

[00:29:47]  haben. Häufig haben wir tatsächlich die Beschäftigung mit Kunst, mit Medienkunst, mit unterschiedlichen

[00:29:57]  Aspekten von Kunst, die mit der Haft des Verwandten zu tun haben. Tobias: Gibt es auch manchmal Erkenntnisse

[00:30:09]  auch der Besucher, wenn eben die Person oder der Vorfahre hier ums Leben kam oder eben, weil

[00:30:18]  er von hier aus weiter deportiert worden ist, dass man hier die Besucher dann darauf kommen,

[00:30:23]  okay, hier ist mein Angehöriger in Haft gewesen und man hat es aber vorher nicht genau

[00:30:29]  gewusst. Es ist sowas auch schon öfters vorgekommen. Gabriele: Das ist das, was ich gerade berichtet habe, wo wir

[00:30:36]  uns natürlich Zeit nehmen, weil das ein ganz emotionaler Prozess ist. Wenn wir hier im Archiv in

[00:30:43]  unserer Datenbank, die über 200.000 Datensätze der ehemaligen Häftlinge, so viel waren in der Zeit

[00:30:51]  zwischen 1933 und 1945 hier in Dachau, wenn wir feststellen, der Großvater, der Onkel, der Vater war hier,

[00:30:59]  war hier in Dachau. Es gab auch mehrere sehr bewegende Einladungen von Nachkommen, der etwa

[00:31:11]  4.000 sowjetischen Kriegsgefangenen, die in Hebertshausen bei Dachau ermordet worden sind

[00:31:18]  von der Dachauer SS. Und da war es wirklich so, diese Nachkommen von den Opfern wussten nichts

[00:31:28]  und es gibt so eine Art von Internetforen, wo sie gesucht haben und nie aufgehört haben zu suchen.

[00:31:36]  Und unsere Forschungen, die haben wir dann sozusagen in Zeitungen veröffentlicht, aber auch in diesen

[00:31:44]  Foren in der ehemaligen Sowjetunion und aufgrund dessen haben sich Menschen gemeldet, die haben

[00:31:52]  uns dann auch ihre Fotoalben gezeigt und wir haben entsprechende Biographien mit den Fotoalben,

[00:31:59]  also mit der Geschichte der Ermordeten zeigen können und das waren nochmal, also da gab es

[00:32:06]  wirklich keine Ahnung, wo die Menschen geblieben sind, wo die sowjetischen Kriegsgefangenen

[00:32:11]  geblieben sind und das an den Ort zu kommen mit der Gruppe, 20 Menschen waren wir, glaube ich,

[00:32:19]  20 Delegationen von 20 Nachkommen, das gehört zu den bewegendsten Erlebnissen, die ich hier an dem Ort hatte. [Outro-Musik]

[00:32:47]  Tobias: Archivwürdig ist eine Produktion des Stadtarchiv Innsbruck und Teil der Stadtstimmen, dem Audiokanal der Stadt Innsbruck.

Erinnerungskultur als Aufgabe der städtischen Politik

Erinnerungskultur als Aufgabe der städtischen Politik

Stadtarchiv Innsbruck

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Transkript

[00:00:00]  Tobias: Hallo und herzlich willkommen zur sechsten Folge unserer dritten Staffel von Archivwürdig,

[00:00:05]  dem Podcast des Innsbrucker Stadtarchivs.

[00:00:08]  In dieser Folge gehen wir auf die Rolle der städtischen Politik hinsichtlich Erinnerungskultur ein.

[00:00:14]  Begrüßend durfte ich die scheidende Stadträtin für Kultur Uschi Schwarzl und die scheidende Vorsitzende des Kulturausschusses Irene Heisz.

[00:00:23]  Wir besprechen am Beispiel der Zeitpunkte, wie es zur Umsetzung von Erinnerungsprojekten kommt

[00:00:28]  und blicken gegen Ende auch auf die Zukunft.

[00:00:31]  [Intro-Musik] Tobias: Erstens bedanke mich immer ganz herzlich, dass ihr beide Zeit gefunden habt, zu mir zu kommen, auch mitzuwirken bei der dritten Staffel unseres Podcasts Archivwürdig.

[00:00:56]  Wir haben ja als großes übergeordnetes Thema das Arbeitserziehungslager Reichenau bzw. die neue Gedenkstätte des Arbeitserziehungslagers Reichenau.

[00:01:05]  Wir kreisen dann oder wir schwingen ein bisschen dann über das Thema auch hinaus in der Staffel

[00:01:11]  und um natürlich so ein Thema und Erinnerungskultur, Erinnerungsorte aufzugreifen, braucht es natürlich eine politische Ebene,

[00:01:19]  es braucht politischen Willen, es braucht politische Unterstützung.

[00:01:22]  Und da habe ich den Vorteil mit euch beiden, dass ich einerseits die zuständige Stadträtin für Kultur habe

[00:01:28]  und andererseits die Irene, also Uschi als zuständige Stadträtin für Kultur und einmal die Irene als Ausschussvorsitzende des Kulturausschusses.

[00:01:36]  Und wir sprechen, wie schon gesagt, über Erinnerungskultur als Aufgabe der städtischen Politik.

[00:01:44]  Vielleicht die Frage mal zuerst an euch beide, wo seht ihr die Aufgabe der Politik in Bezug auf Erinnerungskultur?

[00:01:53]  Wo soll sie einwirken, wo muss sie einwirken, vielleicht auch wo es Grenzen gibt, wo vielleicht man die Politik sich zurücknehmen soll?

[00:02:02]  Fange ich vielleicht bei dir an, Uschi, wenn ich da zu dir schaue.

[00:02:07]  Uschi: Ja, zuerst einmal vielen Dank für die Einladung.

[00:02:10]  Es ist sehr spannend für uns beide, denke ich.

[00:02:13]  Ich glaube ja, dass Erinnerungskultur zu einer der Hauptaufgaben von städtischer Kulturpolitik gehört.

[00:02:23]  Nicht einfach nur, um Denkmäler zu schaffen oder obligatorische Gedenkfeiern abzuhalten zu bestimmten Gedenktagen,

[00:02:32]  sondern mit einem ganz konkreten Inhalt und diese Inhalte sind auf der einen Seite zu schauen, wo sind Forschungslücken zu unterstützen,

[00:02:44]  diese Forschungslücken zu schließen, diese Forschungslücken dann auch, oder die Ergebnisse dieser Forschung,

[00:02:53]  dann einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen und dieses zugänglich machen muss die Menschen abholen.

[00:03:00]  Das heißt, wir müssen einerseits schauen, dass wir den Opfern und den Tätern und den Orten nachgehen und diese sichtbar machen

[00:03:10]  und wir müssen schauen, dass wir das Wissen, der Forschung so vermitteln, dass es eingebettet ist, auch in gegenwärtige Situationen,

[00:03:22]  sozusagen es muss transformiert werden in die Gegenwart, weil ich glaube,

[00:03:26]  dass historisches Wissen in Verbindung mit gegenwärtigen Entwicklungen ganz wichtig ist, auch für die Zukunft einer Gesellschaft.

[00:03:35]  Tobias: Selbe Frage an dich, Irene. Wo siehst du die Aufgabe der Stadt oder der städtischen Politik mit Bezug zur Erinnerungspolitik und Erinnerungsorten?

[00:03:46]  Irene: Anschließend daran, was die Frau Stadträtin gesagt hat,

[00:03:51]  das kann ich natürlich alles absolut unterschreiben, in der sogenannten Erinnerungskultur gibt es ja mehrere Problemstellungen

[00:04:01]  angefangen bei Forschungslücken, wie es die Uschi gerade gesagt hat. Die andere Sache ist Zeitzeugen,

[00:04:09]  Menschen, die, wenn wir vom Dritten Reich sprechen, das alles selber erlebt haben und selber davon erzählen können,

[00:04:15]  gibt es ja kaum mehr und sozusagen von Tag zu Tag weniger, weil sie naturgemäß mittlerweile in einem Alter sind,

[00:04:24]  wo ihre Lebenszeit überschaubar ist. Und Zeitzeugenberichte sind eine sehr eindrucksvolle Möglichkeit,

[00:04:33]  über eine bestimmte Zeit und bestimmte Ereignisse nachzudenken. Es gibt natürlich inzwischen viele Tondokumente,

[00:04:40]  Interviewaufnahmen und so weiter, aber es ist was anderes, wenn ich ja von Knopf drücke und mir was anhör,

[00:04:45]  als wenn ich einem Menschen gegenüber sitze und dem in die Augen schauen kann und er mir erzählt, was er damals erlebt,

[00:04:50]  erlitten oder auch begangen hat. Die andere Geschichte ist, dass wir heute glücklicherweise in einer bunten Gesellschaft leben,

[00:05:00]  in der Menschen aus verschiedenen Kulturen zusammenkommen und mit verschiedenen kulturellen,

[00:05:05]  auch kulturhistorischen Hintergründen. Und da sind natürlich auch viele Menschen drunter,

[00:05:11]  für die die Nazi-Zeit, das Dritte Reich, der Zweite Weltkrieg, nicht die Form von Einschnitt, von Zäsur,

[00:05:20]  von dunkler Wolke darstellt, wie es es für uns zu Recht selbstverständlich ist, in Deutschland, in Österreich,

[00:05:26]  in Mitteleuropäischen, in gesamten europäischen Raum. Das heißt, Menschen aus anderen Kulturen,

[00:05:32]  die möglicherweise davon gehört haben in der Schule oder sonst wie, für die das aber nicht diese ganz persönliche

[00:05:41]  Lastverantwortung, wie immer man es nennen will, darstellt, denen muss man denke ich, wenn sie bei uns auch leben

[00:05:49]  und Teil unserer Gesellschaft sind, versuchen zu vermitteln, warum diese Zeit für uns so außerordentlich wichtig ist.

[00:05:57]  Und ich sage jetzt immer, als Beispiel der Völker... also aus einer anderen Sicht, der Völkermord an den Armeniern,

[00:06:04]  davon wissen wir, weil wir in der Schule davon gelernt haben oder was auch immer,

[00:06:10]  dieses große historische und bis heute so vieles überschattende, traumatische Ereignis,

[00:06:17]  ist es für uns Mittel-Europäer und Mittel-Europäerinnen naturgemäß nicht.

[00:06:22]  Tobias: Zum Zeitpunkt der Aufnahme läuft gerade die Ausschreibung oder die Erstellung der möglichen neuen Gedenkstätte

[00:06:30] am Platz des, also ehemaligen Arbeitserziehungslagers Reichnau.

[00:06:35]  Wir haben dieser Jahr auch, wo wir alle drei auch anwesend waren, bei der Öffnung der Zeitpunkte.

[00:06:41]  Also der Innsbrucker Alternative der Stolpersteine haben wir beigewohnt, war auch eine sehr schöne Veranstaltung,

[00:06:48]  was auch wieder zeigt, wie wichtig es ist, Themen aufzugreifen, zu verarbeiten und nicht über, wie soll man sagen,

[00:06:56]  verfrüht oder hineinzustolpern und dann was zu erstellen, was in einer recht schnellen,

[00:07:03]  oder auf Druck von außen, was erstellt wird.

[00:07:07]  Und weil ich euch eben hier habe wäre es vielleicht nicht ganz unklug,

[00:07:12]  anhand der Zeitpunkte auch ein bisschen den politischen Prozess vielleicht darzustellen.

[00:07:18]  Aber können wir mal so starten, wenn es jetzt angedacht ist, sei das dann Reichenau, sei das die Zeitpunkte,

[00:07:26]  sei das ein anderes Mahnmal, was ja in der Zukunft geschehen oder initiiert werden kann.

[00:07:32]  Wie startet denn, wie kommt denn da sozusagen der Stein ins Rollen, dass dann auch die Politik involviert wird?

[00:07:40]  Uschi: Also vorweg genommen die Amtsführung als Stadträtin und die Arbeit des Kulturausschusses ist sehr eng miteinander verzahnt,

[00:07:50]  weil das Stadtrecht der Landeshauptstadt Innsbruck quasi unsere Verfassung genau vorgibt,

[00:07:56]  wie die Abläufe sein müssen, um zu einer Entscheidung zu kommen.

[00:08:00]  Und das Thema Zeitpunkte ist vielleicht ein ganz gutes, weil das sozusagen von der Beschlusssituation

[00:08:07]  und von der Umsetzungssituation her jetzt schon ein fertiges Projekt ist.

[00:08:12]  Es wird nie fertig sein, weil auch die Bürger und Bürgerinnen gefragt sind,

[00:08:17]  die Zeitpunkte aufzugreifen und selber welche zu initiieren, aber von den politischen Beschlüssen her ist das abgeschlossen.

[00:08:24]  Und das heißt ganz konkret, es gab in Innsbruck angestoßen von einigen Bürgerinnen,

[00:08:32]  ein sehr intensives Verlangen nach sogenannten Stolpersteinen.

[00:08:37]  Und das hat uns dann natürlich auch im Kulturausschuss erreicht, dieses Thema.

[00:08:42]  Und wir haben nicht sofort gesagt, ja eine gute Idee oder völlig abzulehnen,

[00:08:49]  sondern was wir machen, wir holen uns Expertise auf der einen Seite in dieser Frage von Historikerinnen und Historikern

[00:08:59]  und auf der anderen Seite von der israelitischen Kultusgemeinde.

[00:09:03]  Und es hat sich im Laufe unserer Diskussionen und nach Einholung der Expertisen herausgestellt,

[00:09:09]  dass wir das Modell der Stolpersteine als nicht mehr zeitgemäß sehen.

[00:09:14]  Vor allen Dingen haben wir immer das ungute Gefühl dabei gehabt, dass es eigentlich nicht angemessen ist,

[00:09:20]  wenn man über die Opfer drüber stolpert oder sozusagen auf diese Gedenksteine draufsteigt.

[00:09:29]  Und dann haben wir im Kulturausschuss beschlossen, dass wir so eine Arbeitsgruppe machen

[00:09:34]  und einen kleinen Wettbewerb eigentlich oder eine Ausschreibung gemacht haben,

[00:09:39]  wo uns Weissraum [Designforum Tirol für zeitgemäße visuelle Kommunikation und Design] begleitet hat, die uns jetzt auch in der Frage Reichenau begleiten

[00:09:46]  und haben daraus das vorliegende, bekannte Modell gewählt

[00:09:53]  und sozusagen die Schritte und Irene korrigiere mich bitte, greif ein,

[00:09:58]  wenn ich jetzt nicht mehr alles ganz genau in Erinnerung habe,

[00:10:01]  weil ich so viele Projekte in vielen Bereichen habe, dass sich da oft einmal einige Dinge vermische,

[00:10:07]  aber jedenfalls hat der Kulturausschuss sozusagen aus den vorgelegten Vorschlägen das Bekannte ausgewählt.

[00:10:15]  Und dann, nachdem ein Ausschuss einer Stadt nur ein beratendes Gremium ist,

[00:10:21]  habe ich das was falsch gesagt?

[00:10:23]  Ah, Irene sag du es.

[00:10:25]  Irene: Die Grundidee war, die wir auch eben mit Expertinnen und Experten dann nochmal geschärft haben,

[00:10:32]  personalisierte individuelle Gedenk- und Erinnerungszeichen

[00:10:39]  an Todesopfer des Nationalsozialismus

[00:10:42]  und das möglichst in der Nähe oder am besten an ihrer letzten freiwillig gewählten Wohnstätte in Innsbruck.

[00:10:50]  Sprich, wenn jemand in der, ich sage jetzt absichtlich, was Fantasiename in der Erdäpfelstraße 12 gewohnt hat,

[00:10:59]  bevor er dann zum Beispiel in ein KZ deportiert wurde und so weiter,

[00:11:04]  sollte entweder am Haus, wenn das möglich ist, oder möglichst in der Nähe ein persönliches Gedenk- und Erinnerungszeichen

[00:11:11]  an diesen Menschen angebracht werden.

[00:11:15]  Richtig ist, dass wir uns gegen Stolpersteine ausgesprochen haben.

[00:11:19]  Mein ganz persönlich größter Einwand dagegen ist tatsächlich, die Namen der Opfer

[00:11:25]  und damit die Opfer mit Füßen zu treten, das scheint mir nicht richtig.

[00:11:30]  Dann haben wir immer wieder auch das natürlich mit dem Kultur-Ausschuss rückgesprochen diskutiert

[00:11:37]  und dann einen Wettbewerb ausgeschrieben und den hat dann nicht der Kulturausschuss das Ergebnis gewählt,

[00:11:43]  sondern eine Fachjury, der unter anderem ich angehört habe,

[00:11:47]  aber Historiker, Historikerinnen aus dem grafischen Bereich und so weiter,

[00:11:54]  einfach Fachleute aus allen denkbaren involvierten Branchen,

[00:12:00]  bis hin zu einem Kollegen von den IKB, weil ein guter Platz,

[00:12:11]  um einen, wie wir jetzt wissen, einen Zeitpunkt anzubringen, sind Masten.

[00:12:17]  Und wie das rein technisch geht, man meint ja nicht, wie schwierig das sein kann [lacht kurz].

[00:12:21]  Ich habe da unglaublich viel gelernt im Zuge dieses Wettbewerbs und dieses ganzen Prozesses.

[00:12:26]  Dafür braucht es Fachleute, die einem sagen, das geht, das geht nicht.

[00:12:30]  Diese Manschette muss man biegen, die kann man so oder so befestigen oder auch nicht.

[00:12:34]  Da ist aus ganz vielen Bereichen unglaublich viel Fachwissen drin,

[00:12:38]  nicht nur auf der nahe liegenden historischen Ebene, sondern auch eben bis hin zu technischen Details.

[00:12:47]  Was ich denke, auch ganz wichtig ist, dass wir als politisch Zuständige für einen bestimmten Bereich,

[00:13:00]  in unserem Fall jetzt die Kultur, nicht glauben, dass wir die Weisheit mit dem Löffel gefressen haben.

[00:13:05]  Es gibt natürlich für alle Bereiche, die entsprechenden Fachleute in der Stadt,

[00:13:11]  wir sind Gott sei Dank bestens ausgestattet, auch dank der Tatsache, dass wir Universitätsstadt sind,

[00:13:17]  dass wir ein, jetzt muss ich ein bisschen schleimen, ein super funktionierendes, toll aufgestelltes Stadtarchiv haben,

[00:13:25]  mit tollen Kolleginnen und Kollegen, die immer hilfreich sind und sagen, ja, da haben wir was,

[00:13:30]  oder schaut, da könnte man das machen und so weiter.

[00:13:32]  Also, ich tu ein bisschen schleimen, aber es ist ...

[00:13:35]  Tobias: Stellvertretend fürs Stadtarchiv nehme ich das gerne an.

[00:13:37]  Irene: Es ist einfach Wahrheit.

[00:13:39]  Schleimen ist leicht, wenn man die Wahrheit sagt.

[00:13:41]  Uschi: Vielleicht nur kurze Ergänzung.

[00:13:43]  Es war auch zum Beispiel nur damit man die Dimension sieht, das Verkehrsrecht war dabei,

[00:13:48]  weil sozusagen Zeichen, die im Straßenraum angebracht werden, dürfen natürlich die Sicherheit des Verkehrs nicht beeinträchtigen.

[00:13:56]  Und auch vom Tiefbau war der Straßenverwalter dabei, weil es werden ja nicht nur auf Masten Zeitpunkte angebracht,

[00:14:04]  sondern dort, wo möglich und anders nicht möglich, auch auf Stelen, die im Straßenraum verankert werden müssen.

[00:14:10]  Also, ich hab das sehr schön gefunden, dass das Projekt, dass da sozusagen die Erinnerungskultur sozusagen auch in Behörden und technische Ämter hineingesickert ist.

[00:14:20]  Und ich glaub, das war für diese Menschen auch eine Bereicherung.

[00:14:23]  Tobias: Und ich glaub, an der Stelle könnte man vielleicht auch noch mal den Dank an die IKB ausrichten, die ja auch die Wartung und die ...

[00:14:30]  Also, meines Wissens auch, wenn jetzt die Reinigen und auch quasi sicherstellen, dass die, wenn da Fehler, also Fehler,

[00:14:37]  oder wenn irgendetwas nicht sitzen sollte, dann auch Sie melden.

[00:14:40]  Was auch sehr, sehr wichtig ist, weil nur weil es jetzt in dem Fall dran hängt, muss es ja dann trotzdem gewartet und hat gegebenenfalls geputzt oder sonst was werden.

[00:14:50]  Bleiben wir jetzt noch kurz bei den Zeitpunkten, das Projekt ist sozusagen finalisiert oder zumindest ausgewählt.

[00:14:56]  Also, in der Jury durch diese Jury?

[00:15:00]  Irene: Genau, dann geht es in einen Kulturausschuss, der dort einmal vorgestellt, weil die Fachausschüsse, also der Gemeinderat, der 40-Köpfige, gewählte

[00:15:08]  Gemeinderat mit verschiedenen Parteien und Gruppierungen, so wie uns die Bevölkerung 2018 bei der letzten Wahl

[00:15:16]  zusammengestellt hat. So sind wir sechs Jahre verantwortlich für sozusagen mehr oder weniger

[00:15:21]  alles, was in der Stadt passiert und was im gesetzlichen Verantwortungsbereich der Stadt

[00:15:28]  Innsbruck und des Gemeinderats liegt. Bildet Fachausschüsse, in unserem Fall Kultur,

[00:15:34]  aber es gibt natürlich für alle anderen Bereiche auch Fachausschüsse von Finanzen bis Sport bis

[00:15:41]  Bau bis Soziales etc. etc. Alles worüber der Gemeinderat dann zu entscheiden hat. Die Fachausschüsse

[00:15:50]  sind, das nennt man so, vorberatend für den Gemeinderat tätig beziehungsweise unter

[00:15:56]  Umständen auch für den Stadtsenat. Das ist, man darf nicht sagen, Regierung habe ich gelernt,

[00:16:01]  weil die Stadt Innsbruck hat keine Regierung in dem Sinn, die Stadt Innsbruck hat einen

[00:16:05]  Bürgermeister, eine Bürgermeisterin und dann Stadtsenatsmitglieder, also Stadträtinnen und

[00:16:10]  Stadträte, so wie die Uschi Schwarzl, eben ressortführende Stadträtin unter anderem für

[00:16:15]  Kultur und noch ganz viele andere Ressorts ist. Kulturausschuss berät, lädt sich unter Umständen

[00:16:23]  nochmal Experten und Expertinnen ein, um mit denen irgendwas zu diskutieren und gibt dann eine

[00:16:28]  Empfehlung an den Stadtsenat beziehungsweise an den Gemeinderat zum Thema X so zu entscheiden.

[00:16:35]  Uschi: Und ob eine Empfehlung eines Ausschusses in den Stadtsenat kommt oder in den Gemeinderat hängt

[00:16:44]  teilweise davon ab, um welche Beträge es geht. Bei niedrigeren Kosten da reicht der Stadtsenat. Bei

[00:16:52]  höheren Beträgen muss das auch in den Gemeinderat oder wenn es um Richtlinien geht. Das muss

[00:16:57]  auf jeden Fall in den Gemeinderat, also das ist im Stadtrecht genau geregelt, welche Kompetenz

[00:17:02]  welches Gremium hat. Aber die Ausschüsse selber haben nur ein Vorschlagsrecht und kein eigenständiges

[00:17:08]  Beschlussrecht. Tobias: Heißt das grundsätzlich, wenn ich es so verstehe, dass ist der Kulturausschuss,

[00:17:13]  jetzt sage ich mal, wenn das nicht einstimmig ist oder wenn es vom Kulturausschuss nicht empfohlen wird,

[00:17:22]  umzusetzen, wie kommt das dann aber trotzdem quasi dann entweder ein Staatssenat oder ein Gemeinderat?

[00:17:27]  Uschi: Es kommt jede Entscheidung, ob positiv oder negativ, mehrheitlich oder einstimmig, in das

[00:17:34]  nächstübergeordnete Gremium. Und wenn der Kulturausschuss befunden hätte, wir nehmen keines

[00:17:40]  der Projekte und setzen jetzt nichts um, dann wäre sozusagen, ja im Endeffekt wäre dann wahrscheinlich

[00:17:46]  gar keine Empfehlungen gekommen, aber das geht da die null Entscheidungen oder nein Entscheidungen

[00:17:51]  betreffen vor allen Dingen Subventionen. Wenn du bei uns ansuchst, um eine Kultursubvention,

[00:17:55]  dann würde ich sagen, na, also das, was der macht [Uschi schmunzelt, Tobias lacht], das hat nichts mit Kultur zu tun oder so.

[00:18:01]  Tobias: Der Podcast zum Beispiel.

[00:18:02]  Uschi: Da gibt es null Subventionen, wird dein Ansuchen trotzdem im Staatssenat oder Gemeinderat,

[00:18:09]  je nachdem, um wie viel du angesucht hast, behandelt, aber halt ablehnend, aber der Gemeinderat

[00:18:14]  oder der Staatssenat könnten die Entscheidung noch umdrehen.

[00:18:18]  Irene: Theoretisch, also natürlich könnten sie, aber die Fachausschüsse des Gemeinderates

[00:18:24]  sind ja von Gemeinderätinnen und Gemeinderäten und zwar je nach Stärke ihrer Fraktionen im

[00:18:31]  Gemeinderat besetzt. Das heißt, wenn es eine Satte Mehrheit oder eine Einstimmigkeit im

[00:18:36]  Kulturausschuss für oder gegen irgendein bestimmtes Thema oder Projekt gibt, ist davon

[00:18:42]  auszugehen, dass nicht zwischen Kulturausschuss und der Gemeinderatssitzung zwei Wochen später

[00:18:48]  sich die Meinungen um 100 Prozent umdrehen und man dann plötzlich doch mehrheitlich dafür

[00:18:52]  oder dagegen ist. Also kommt eigentlich in der Praxis nie vor.

[00:18:57]  Wenn es knapp ist, dann kann es, weil natürlich die Kleineren, die ein und zwei Personen in

[00:19:02]  Fraktionen sind, nicht in den Ausschüssen vertreten, nur als Zuhörer und Zuhörerinnen

[00:19:06]  zugelassen, könnte es passieren, dass ein knappes Ergebnis dann so oder so gedreht wird.

[00:19:13]  Aber ich muss auch ganz deutlich betonen, weil mir das sehr, sehr freut, dass gerade

[00:19:18]  bei der Erinnerungskultur eigentlich größte Einhelligkeit oder Einstimmigkeit normal ist. Uschi: Einstimmigkeit eigentlich immer.

[00:19:26]  Irene: Also ich will jetzt nichts Falsches behaupten, aber ich kann mich jetzt nicht an eines der

[00:19:31]  Projekte, die wir in den letzten Jahren beschlossen und umgesetzt haben oder begonnen haben,

[00:19:35]  sie umzusetzen, dass da einmal irgendwelche Gegenstimmen, also von den kleinen, Ein-Personen

[00:19:41]  Fraktionen bis zu den größten Fraktionen im Gemeinderat, egal welcher politischen Richtung,

[00:19:47] war da immer Einstimmigkeit.

[00:19:49]  Und das finde ich ganz, ganz wichtig als Signal auch die gewählten Vertreterinnen und Vertreter

[00:19:56]  der Innsbrucker Bevölkerung sind sich bei, Streiten über viele Dinge.

[00:20:00]  Und das ist auch gut so.

[00:20:01]  Tobias: Das ist auch richtig so.

[00:20:02]  Irene: Das auch das so sagen.

[00:20:03]  Streiten oder kontrovers diskutieren ist nichts Negatives.

[00:20:07]  Das sehe ich, ist meine Meinung.

[00:20:09]  Aber bei diesen Themen sind wir uns nach langen, gründlichen Vorbereitungen und Diskussionen

[00:20:15]  natürlich,

[00:20:16]  sind wir uns einig und wollen dieses Signal auch an die Innsbruckerinnen und Innsbrucker

[00:20:23]  senden.

[00:20:24]  Uschi: Was in früheren Jahren eigentlich nicht so war und es hat glaube ich auch damit zu tun,

[00:20:29]  dass sich in Innsbruck eine unglaublich rege und kompetente Wissenschaftler:innen-Szene entwickelt hat. Irene: Ganz sicher ja!

[00:20:37]  Uschi: Und wir dabei auf extrem große Expertise zurückgreifen können und wir diese auch

[00:20:45]  sehr intensiv in Anspruch nehmen.

[00:20:47]  Auch einmal ein Dank an die Menschen, ob jetzt an der Uni oder als Vermittler:innen

[00:20:55]  in Schulen oder auch im Kulturbereich tätig.

[00:20:58]  Das ist eine wunderbare Form der Zusammenarbeit und da ist auch über die Jahre ein großes

[00:21:04]  Vertrauen glaube ich entstanden, ein gegenseitiges und das ist für das Herbeiführen von möglichst

[00:21:10]  breit getragenen Entscheidungen glaube ich auch sehr wichtig.

[00:21:13]  Irene: Ich teile vollkommen deine Einschätzung.

[00:21:16]  Wir können wirklich extrem froh und dankbar sein für die Zeitgeschichtlerinnen und Zeitgeschichtler

[00:21:23]  in Innsbruck.

[00:21:24]  Die sind einfach top und ich glaube nichts Falsches zu sagen, wenn ich behaupte, die haben

[00:21:33]  in den letzten Jahren auch festgestellt, dass man mit uns sinnvoll zusammenarbeiten kann.

[00:21:40]  Dass wir nicht nur irgendwelche Frasen dreschen, sondern uns wirklich bemühen, Lösungen zu

[00:21:44]  finden, was weiter zu bringen und so weiter.

[00:21:47]  Also, nein, ich sage es jetzt einfach, ich glaube, dass wir in diesem Bereich, wir Politiker:innen

[00:21:54]  uns auch als verlässliche Partner:innen erwiesen haben in den letzten Jahren.

[00:21:59]  Denen es schon ernst ist.

[00:22:00]  Die nicht nur in Sonntagsreden, irgendwas von sich geben, was frommes, salbungsvolles, sondern

[00:22:06]  die auch wirklich was weiterbringen wollen.

[00:22:08]  Und gerade im Bereich Erinnerungskultur haben wir in diesen letzten sechs Jahren eigentlich

[00:22:15]  ein sehr viel weitergebracht.

[00:22:17]  Tobias: Vielleicht nur abschließend gibt es aus eurer Sicht irgendwas, was ihr auch noch weitergeben

[00:22:23]  wollt.

[00:22:24]  Ich glaube ich darf es in dem Fall sagen, ihr scheidet jetzt beide bei der nächsten

[00:22:29]  Gemeinde oder mit der nächsten Wahl aus, aus euren Ämtern.

[00:22:32]  Gibt es denn etwas, was ihr auch weitergeben wollt, im politischen Sinne an Nachfolger,

[00:22:38]  oder auch an die Bevölkerung gerne, wo ihr sagt, das ist uns wichtig, dass das weiterhin

[00:22:44]  so stark bleibt, was einfach erhalten gehört?

[00:22:48]  Irene: In Sachen Erinnerungskultur ist, glaube ich, ganz wichtig zu sagen, dass das ein Prozess

[00:22:56]  ist, der nie abgeschlossen sein kann mit der Finalisierung eines ganz bestimmten Projektes

[00:23:02]  oder mit der Umsetzung eines Projektes.

[00:23:05]  Weil das Wichtigste an der Erinnerungskultur ist für mich, die Vergangenheit auf ihre

[00:23:15]  Relevanz für die Gegenwart zu befragen.

[00:23:18]  Also zu sagen, was hat das mit mir zu tun?

[00:23:20]  Was hat das mit meiner Zeit zu tun?

[00:23:23]  Was hat das damit zu tun, was wir in Zukunft machen?

[00:23:27]  Wie wir in Zukunft miteinander leben wollen?

[00:23:29]  Wie wir unsere Kinder erziehen, was wir denen mitgeben und so weiter und so weiter.

[00:23:36]  Und deswegen, es ist uns vieles in den letzten Jahren gelungen, das umzusetzen oder zumindest

[00:23:42]  auf den Weg zu bringen und darüber bin ich froh, aber ich glaube, das muss auch dem

[00:23:47]  nächsten Gemeinderat bewusst sein, damit ist es nicht erledigt.

[00:23:51]  Und dann sagen wir, okay, Gott sei Dank, das haben wir jetzt abgehackt, das war es dann [lacht].

[00:23:55] Kann nicht stimmen, kann nicht stimmen.

[00:23:58]  Auch wenn die zeitliche Distanz größer wird, ändert es nichts an der Bedeutung der Themen.

[00:24:06]  Und insgesamt, glaube ich, sollte der nächste Gemeinderat nicht unterschätzen, dass Kunst

[00:24:18]  und Kultur schlicht und ergreifend ein Lebensmittel sind.

[00:24:22]  Mag sein, dass jemand selten ins Theater geht oder kaum einmal in Konzerte, welcher Art

[00:24:29]  auch immer, oder dass er sagt, bei Vernissagen da kriege ich Magenkrämpfe.

[00:24:34]  Ist in Ordnung, ist in Ordnung.

[00:24:36]  Tobias: Definitiv, ja.

[00:24:37]  Es muss niemand auf einer Vernissage rumstehen und gescheit und gebildet über ein Bild

[00:24:44] reden können.

[00:24:46]  Aber Kultur und Kunst sind der Treibstoff in unserem Tank.

[00:24:55]  Ich will jetzt keine Mobilitätsdebatte anstoßen mit der auch Mobilitätsstadträtin

[00:25:01]  Uschi Schwarzl.

[00:25:02]  Aber das sollte auch dem nächsten Gemeinderat nicht nur so sonntagsredenmäßig bewusst sein,

[00:25:12]  weil sonst wäre Innsbruck, nicht mehr Innsbruck, und um so vieles ärmer als es jetzt momentan

[00:25:20]  ist.

[00:25:21]  Uschi: Ich darf da vielleicht gleich anknüpfen, weil mir da... bei Kultur generell

[00:25:26]  das Herz aufgeht.

[00:25:28]  Weil man ein bisschen über den Tellerrand hinaus schaut und da muss man gar nicht so weit

[00:25:33]  fahren.

[00:25:34]  Innsbruck ist eigentlich eine kleine Großstadt, eine Mittelstadt und hat für ihre Größe

[00:25:44]  sowohl von der Ausdehnung als auch von der Bevölkerungszahl ein kulturelles Leben,

[00:25:49]  das eigentlich sensationell ist.

[00:25:51]  Irene: Kann ich nur... Kann ich nur unterstreichen! Es ist tatsächlich so.

[00:25:52]  Uschi: Was die Vielfalt, was die Quantität und die Qualität betrifft.

[00:25:58]  Und das ist ein Schatz, den es zu hüten gilt und der Innsbruck eigentlich ausmacht.

[00:26:06]  Innsbruck nur mit Bergen und Skifahren, wäre arm.

[00:26:10]  Innsbruck mit diesen Möglichkeiten, nach der Arbeit, noch eine schnelle Skitour zu gehen und

[00:26:16]  dann in ein Theater zu gehen, ist unglaublich, ist einzigartig.

[00:26:21]  Und ich bin ja wirklich sehr viel in diversen Veranstaltungen unterwegs und es findet mittlerweile

[00:26:27]  extrem vieles gleichzeitig statt, aber es ist immer alles extrem gut besucht.

[00:26:32]  Das dazu und es wäre fatal, wenn sich ein neuer Gemeinderat dessen nicht bewusst wäre.

[00:26:41]  Punkt zwei zur Erinnerungskultur, möchte ich zwei Dinge mitgeben, ein allgemeines.

[00:26:47]  Ich glaube, wir haben, wie wir beide schon betont haben, ab 2018 einen sehr guten, neuen Weg der Erinnerungskultur eingeschlagen.

[00:27:01]  Und es wäre wichtig und schön, wenn der Gemeinderat diesen Weg fortsetzen würde.

[00:27:07]  Und es geht aber auch ganz konkret darum, Projekte, die aus unserem Wirken entstanden sind,

[00:27:14]  auch ganz konkret fortzuführen.

[00:27:16]  Wir werden das würdige Gedenken an das Arbeitserziehungslager Reichenau nicht bis zum Gemeinderat umgesetzt haben,

[00:27:26]  bis zur Gemeinderatswahl umgesetzt haben.

[00:27:28]  Das heißt, es wird auf den kommenden Gemeinderat ankommen, das was aus einem Wettbewerb dann final herauskommt, auch umzusetzen.

[00:27:38]  Ein neuer Gemeinderat wird die Gedenkpotenziale, die wir heute noch gerade angesprochen haben,

[00:27:44]  die auch in dieser Zeit entstanden sind und die genau das sind, wo wirklich jedes Jahr

[00:27:54]  der Zeit gemäß neue Formen des Gedenkens an die Befreiung von Mauthausen möglich ist und umgesetzt wird.

[00:28:05]  Wir haben auch unterstützt das Forschungsprojekt zu den Wehrmachtsdeserteuren.

[00:28:11]  Da wird auch, es steht auch an aus diesen Forschungsergebnissen heraus, ein personalisiertes, aber auch verortetes Gedenken anzugehen.

[00:28:25]  Irene: Entschuldige Uschi wenn ich reingrätsche, die Deserteursgeschichte, Wehrmachtsdeserteure, war mir auch ganz wichtig.

[00:28:31]  Das haben wir leider nicht mehr weiter..., das haben wir einfach nicht mehr zusammengebracht.

[00:28:38]  Uschi: Ja, weil ich glaube, das ist auch...

[00:28:40]  Irene: Aber das wäre mir ein großes Anliegen, dass da was in den nächsten Jahren passiert.

[00:28:46]  Uschi: Aber ich glaube, es ist auch eine Form der Ernsthaftigkeit, wenn man die Dinge, die Projekte wirklich peu a peu abarbeitet und sozusagen nicht in hysterisches alles gleichzeitig machen,

[00:28:58]  weil da leidet die Qualität darunter.

[00:29:02]  Aber wir haben sozusagen Dinge in der Umsetzung auf den Weg gebracht und wir haben Grundsteine für künftige Umsetzungen gelegt und es liegt am kommenden Gemeinderat, aus dem etwas zu machen.

[00:29:15]  Und ich bin überzeugt davon, egal wie die Wahl ausgeht, ich bin überzeugt davon, dass das, was wir grundgelegt haben, nicht so einfach umstürzbar ist.

[00:29:27]  Tobias: Ich glaube, das trifft es auch ganz gut zum Thema Erinnerungskultur.

[00:29:31]  Es muss einfach gut durchdacht sein, es kann sich nicht um so eine Schnellschussentscheidungen handeln.

[00:29:37]  Es braucht Gremien dahinter, es braucht Experten dahinter, die beratend sind.

[00:29:42]  Und gemeinsam, meistens, bis jetzt haben wir es auch dank eurer Mithilfe, super Projekte auf die Schiene gebracht.

[00:29:50]  Und das muss man einfach klipp und klar sagen.

[00:29:52]  [Outro-Musik]

[00:30:08]  Tobias: Archivwürdig ist eine Produktion des Stadtarchiv Innsbruck und Teil der Stadtstimmen, dem Audiokanal der Stadt Innsbruck.

Die Zeitpunkte Innsbruck

Die Zeitpunkte Innsbruck

Stadtarchiv Innsbruck

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Transkript

Tobias: Hallo und herzlich willkommen zur siebten Folge unserer dritten Staffel von Archivwürdig, dem Podcast des Innsbrucker Stadtarchivs. In den beiden vorausgegangenen Folgen wurden bereits die „Zeitpunkte Innsbruck“ erwähnt. Die „Zeitpunkte“ sind die Innsbrucker Interpretation der in vielen Städten verlegten Stolpersteine zum Gedenken an Menschen, die während der NS-Herrschaft ermordet wurden. In dieser Folge möchten wir Ihnen einen Zusammenschnitt von der offiziellen Eröffnungsveranstaltung der „Zeitpunkte“, vom 27. Jänner 2024 präsentieren. Eröffnet wurde die Veranstaltung von unserer Kulturamtsleiterin Isabelle Brandauer, die sie auch in unserer Folge begrüßen wird. #00:00:44‑0#

[Intro-Musik]

Isabelle: #00:00:59‑7# (...) Sehr geehrte Damen und Herren, ich glaube, es gibt in Innsbruck wohl kaum einen besseren Ort als die Räumlichkeiten der Stadtbibliothek, um diesen Festakt mit einem Zitat des großen österreichischen Schriftstellers, Pazifisten und Juden Stefan Zweig zu beginnen. [Beginn Zitat] „Am Tage, da ich meinen Pass verlor, entdeckte ich mit 58 Jahren, dass man mit seiner Heimat mehr verliert als einen Fleck umgrenzter Erde“ [Zitat Ende]. Dem nationalsozialistischen Terror entging Zweig durch seine Emigration nach London und später Brasilien. Seine Bücher kamen auf die Liste der Bücherverbrennungen. 1942 nahm sich Zweig gemeinsam mit seiner Frau Lotte, in Brasilien, das Leben. Von 1919 bis zu seiner Flucht nach England lebte Zweig in Salzburg. An seinem ehemaligen Wohnort befindet sich ein Stolperstein. Spätestens ab August 2020 wurden auch die Verlegung von Stolpersteinen in Innsbruck sehr heftig diskutiert. Innsbruck beschloss sich damals eigene Wege zu gehen und installierte über den Kulturausschuss eine Arbeitsgruppe. Das Ergebnis dieser monatelangen Arbeit kann, können wir Ihnen heute feierlich präsentieren. #00:02:25‑1#

 

Tobias: #00:02:27‑2# Der zum Zeitpunkt der Aufnahme amtierende Bürgermeister Georg Willi fand zur Eröffnung dieser Gedenkorte folgende Worte. #00:02:34‑3#

 

Willi: #00:02:35‑1# Wir sind zusammengekommen, um der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken und uns zu erinnern. Wir haben gemeinsam vorhin einen Kranz niedergelegt. Wir sind aber auch zusammengekommen, um vorzustellen, wie wir künftig in Innsbruck zeitgemäß Erinnerungskultur gemeinsam leben und erlebbar machen wollen. Wir wollen erinnern. Unsere Verantwortung für die Vergangenheit, für die Gegenwart und für die Zukunft. Dabei ist es wichtig, sich nicht nur an die Gräueltaten zu erinnern, sondern auch an die Menschen. Nicht nur an ihren Tod, sondern auch an ihr Leben. Nicht als Nummern, sondern mit Name, mit Adresse, mit Identität, mit ihrer Geschichte. Mit diesen Sätzen habe ich heute meine Worte bei der Kranzniederlegung am Mahnmal des Arbeiter… Arbeitserziehungslager Reichenau beendet. Mit diesen Worten wollte ich meine Grußworte hier auch wieder beginnen. Wir wollen erinnern. Unserer Verantwortung für die Vergangenheit, für die Gegenwart und für die Zukunft bewusst. Sich zu erinnern ist zutiefst menschlich. Gedächtnis, egal ob individuell oder kollektiv, ist immer Teil und Voraussetzung für das Lernen. Das im Gedächtnis angesammelte theoretische und wie praktische Wissen hilft uns im Alltag, hilft uns in Krisen. Wir können Risiken schneller als solche erkennen und vorbeugen. Wir können unser Verhalten und somit uns anpassen. Wir können sogar lernen, uns besser zu erinnern. Wir wollen erinnern und müssen dies zeitgemäß tun. Das heißt auch, insbesondere den Opfern gerecht zu werden, ihnen zumindest symbolisch zurückzugeben, was ihnen unter der nationalsozialistischen Herrschaft unwiederbringlich genommen wurde. Deshalb wollen wir an sie auch nicht primär als Opfer, sondern als Menschen erinnern. Ich möchte wiederholen nicht nur an ihren Tod, sondern gerade auch an ihr Leben. Nicht als Nummern. Sondern mit Name. Mit Adresse. Mit Identität. Mit Geschichte. Und nicht separiert im Museum, im Archiv, abgeschoben an den Rand der Stadt. Nicht auf einzelne Gedenktage beschränkt, sondern alltäglich und mitten in der Stadt. Das verbirgt sich hinter dem Projekt „Zeitpunkte“ Opfer des Nationalsozialismus nicht nur sichtbar zu machen, sondern für sie Platz zu schaffen in unserer Stadt und damit eine zwischenmenschliche Begegnung auf Augenhöhe über Zeit und Raum hinweg ermöglichen. #00:05:49‑7#

 

Tobias: #00:05:50‑5# Im Anschluss sprachen Stefan Amann von Proxydesign über das Konzept der „Zeitpunkte“ sowie Niko Hofinger vom Innsbrucker Stadtarchiv über die konkrete Umsetzung der „Zeitpunkte“. #00:06:01‑4#

 

Stefan: #00:06:03‑0# Ja, es ist eine große Freude und eine große Ehre, hier sein zu können, gemeinsam mit dem Niko Hofinger auf der Bühne und ihnen die „Zeitpunkte“ näher zu bringen. Erstmal nur auf konzeptioneller Ebene. Die Originale begutachten wir dann gemeinsam. Die Basis hatte die Projektgruppe gelegt, dieses dezentrale Gedenken, das in den… in den Stadtraum hineinführt. Und da sieht man es schon, die „Zeitpunkte“ sind tatsächliche Punkte. Punkte in der Stadt, aber auch Punkte in der Geschichte. Und vor allem sind sie Punkte in der… nicht nur in der Historie, sondern auch Punkte in der Lebensgeschichte der Menschen, die es vor allem betrifft, nämlich die der Opfer. Und damit ist sozusagen der Kern schon gefasst. Wichtig war bei den Zeitpunkten, dass man nicht zusammenfasst, also quasi pro Adresse. Sondern, dass man wirklich jedem Menschen einzeln gedenkt. Aus Respekt vor der einzelnen Person, aber auch um sichtbar zu machen die Größenordnung, die Anzahl der Opfer, die es auch betrifft. Und aus diesem einzelnen Gedenken und diesen, diesen Punkt im Leben der Menschen hat sich dann ergeben eine ganz starke Reduktion der Information, die nämlich eben fokussiert auf das Leben der Menschen. Der Bürgermeister hat es schon angesprochen, nicht nur auf den Tod, sondern vor allem auf das Leben der Menschen, weil sie Innsbruckerinnen und Innsbrucker waren, die große Teile oder ihr ganzes Leben hier verbracht haben, Teil einer Gemeinschaft waren. Und wir haben dann diese Information radikal verkürzt und mit diesem empathischen für Versehen. Und da merkt man schon in der Textierung, jemand gedenkt einer anderen Person und mehr braucht es in meinen Augen im ersten Moment nicht, als dass ich spüre, hier gedenkt jemand jemandes anderen. Alles andere, alle Daten, die Biographie, den Kontext, den kann man dann später abrufen. Dafür gibt es digitale Medien. Die sind wunderbar, die sind überall verfügbar. Und das zweite ist die, die formale Formwertigkeit war angesprochen. Ja, und diese „Zeitpunkte“ sind tatsächliche Punkte geworden. Kurz Springen, die sich im Stadtraum befinden, sagt man ungefähr so eine Größenordnung, die sind ungefähr handtellergroß und die gehen tatsächlich und auch das ist mir wichtig, sind quasi keine industriellen Produkte, sondern sind tatsächlich gehen durch viele Hände. Also sie werden, auch wenn sie die dann sehen, die sind grundsätzlich sehr ähnlich, aber jedes ist ein bisschen ein klein bisschen anders. Das liegt im Herstellungsprozess. Ich habe die Urform modelliert. Der Wolfgang Christmann gießt die in Bronze, der Roland Atlassic poliert die, die Angelika Hölzl graviert die Namen der Silli Baumann versiegelt die und der Matthias Praxmarer montiert die. Und man sieht, das geht durch viele Hände. Und damit ist schon quasi der Anfang des Erinnerns gemacht. Und ich glaube, genau dieses durch viele Hände gehen aus vieler Hände Arbeit entstehen und da quasi ist die Arbeit, die im Vorfeld entsteht, in der in der Forschung ja noch gar nicht berücksichtigt. Da spreche ich ja quasi nur für für meinen bescheidenen Teil. Eben. Ich habe es gerade gesagt. Finden wird man sie digital. Man kann ihnen natürlich begegnen, sie verändern sich. Wie sich das Leben verändert, verändern sich auch die „Zeitpunkte“, je nach Witterung und Winkel. Und aus welcher Straßenecke ich komme, sind sie manchmal ganz unscheinbar. Und manchmal, wenn die Sonne drauf fällt, dann leuchten sie auf. Und ich glaube, sie bereichern das Stadtbild in Innsbruck und sind eine schöne und zeitgemäße Form, die der Projektgruppe und dem, was sie wollte, hoffentlich entspricht. #00:10:15‑8#

 

Niko: #00:10:16‑6# Vielen Dank, Stefan. Ich kann mich gar nicht erinnern an den Tag nach der Schule, als der unser Stadtarchivsdirektor Lukas hereingekommen ist und gesagt hat „Wir haben das ideale Projekt gefunden“. Und ich bin bis zum heutigen Tag der Meinung, es war das ideale Projekt. Wir sind gestartet mit allen möglichen Wünschen, die man aber nie so genau formulieren kann, wie es dann ein Kreativer gestalten kann, der eben aus dem, aus dem Schöpferischen kommt. Und ich persönlich bin ein großer Fan von Reduktion und es gibt wirklich keine schönere Reduktion als dieses für auf diesen „Zeitpunkten“. Es funktioniert. Und ja, vielen Dank für diese, für diesen großartigen Entwurf und für die gesamte Begleitung bis inklusive zur Webseite, die heute online ist. Die Website braucht es natürlich als starken Begleiter dazu und es braucht eben auch noch ein eine Gruppe von Menschen, die sich inhaltlich dafür zuständig fühlen. Auf keinen Fall vergessen möchte ich dem Horst Schreiber zu danken, der die schwierige Aufgabe für uns gelöst hat, mit der ersten Gruppe an möglichen Biografien gleich den ganzen Fächer aufzumachen. Heute, am 27ten Januar, am Auschwitz befreiungstag. Aber diese „Zeitpunkte“ decken eine viel größere Vielfalt an Personen ab. Wir haben Widerstandskämpfer, Deserteur:innen, eine Zeugin Jehovas, ganz verschiedene Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen von den Nationalsozialisten umgebracht worden sind. Und wir haben auch eine jüdische Familie mitbedacht, weil es einfach zum heutigen Datum noch sehr gut passt. Dafür hat Horst Schreiber die Biografien erst einmal heruntergebrochen, nachrecherchiert, geschrieben. Und diese Arbeit, das verdient für mich einen Applaus! Danke, Horst [Applaus ist zu hören].

Wie geht es denn weiter aus unserer Sicht? Wir hoffen, es ist schon zweimal genannt worden. Aber ich sage es noch einmal: wir hoffen wirklich darauf, dass die Leute sagen „Ja, genau sowas will ich vor meinem Haus auch haben“. Und die Geschichten gehen weiter. Wir haben letzte Woche ein neues jüdisches Todesopfer aus Innsbruck überhaupt erst forscherisch gefunden. Es werden neue Biografien erzählt. Wir haben eine Einschränkung, die sich noch einmal stark von den Stolpersteinen unterscheidet. Das möchte ich an der Stelle auch noch sagen. Wir haben uns da orientiert an dem, dass es in vielen deutschen Städten, speziell bayerischen Städten, solche ähnliche Projekte gegeben hat. Und da geht es dann am Schluss immer wirklich ums „wording“ [englischer Begriff für Formulierung] und um die genaue Definition. Und wir haben gesagt, wir schränken es ein auf Menschen, die im Nationalsozialismus zu Tode gekommen sind. Das schränkt klar ein. Das heißt also nicht jemand, der aus den verschiedensten Gründen aus rassischen Verfolgung, aus politischen Gründen fliehen musste, nicht jemand, dessen Mann fliehen musste. Also die, also die ganz klare Einschränkung auf die Todesopfer, definiert das eindeutig. Da haben wir uns an eine Augsburger Definition gehalten, die uns eigentlich in der Gruppe gleich sehr gut gefallen hat und wo wir gesagt haben, gut, das bricht das herunter, wo das Erinnern auch als Stadt und als Stadtarchiv Sinn macht. #00:13:54‑7#

 

Tobias: #00:13:56‑0# Zum Abschluss lasse ich Sie an einem Ausschnitt aus dem Hintergrundgespräch teilhaben, welches nach der feierlichen Eröffnung in der Stadtbibliothek stattgefunden hat. Dabei erhalten Sie einen Einblick davon, wie es überhaupt zu diesem Gestaltungswettbewerb kam.

 

Kurt Höretzeder: Ja, meine sehr geehrten Damen und Herren, einen schönen Nachmittag. Das ist jetzt ein sogenanntes Hintergrundgespräch. #00:14:17‑3#

#00:14:17‑6# Komisch, wir sitzen auf der Bühne ohne Hintergrund. [Leises Gemurmel aus dem Hintegrund ist zu hören]

Es war ja am Vormittag schon sehr, würde ich sagen, angemessenes und würdiges… Veranstaltung.

[Etwas ist im Hintergrund umgefallen]

Dass man diese Stolpersteine jetzt aber „Zeitpunkte“ enthüllt in Innsbruck, das ist ein Abschluss von einem mehrjährigen Projekt, das eigentlich am Vormittag schon alles gesagt worden dazu. Wir würden jetzt noch ein paar Einblicke geben, wie es zu dem Gestaltungswettbewerb gekommen ist. Und so erklärt sich auch, warum ich jetzt auf der Bühne sitze, stellvertretend für den WEI SRAUM [Zu lesen: Weissraum], für das Designforum. Wir haben vom Stadtarchiv den Auftrag bekommen, den Gestaltungswettbewerb zu begleiten. Und das machen wir regelmäßig. Meistens für Themen, die entweder sehr komplex sind, was auch in dem Fall so war. Vor allem für öffentliche Auftraggeber, was für uns natürlich sehr erfreulich ist, weil eine gewisse Vorbildwirkung von öffentlicher Seite gerade im Gestaltungsbereich etwas ist, was für jeden Gestalter natürlich sehr erfreulich ist, dass es das gibt. Und da haben wir als  WEI SRAUM zumindest ein Stück weit dazu beitragen können, dass das in Innsbruck allmählich Usus wird, dass, wenn es anspruchsvolle Projekte gibt, wir das begleiten können. Die Gedenkzeichen in Innsbruck, das war der Arbeitstitel und jetzt eben „Zeitpunkte“, war ein solches Projekt es gibt jetzt aktuell auch einen Gestaltungswettbewerb, den wir begleiten, nämlich wo heute die Kranzniederlegung war in der Reichenau, wo jetzt nicht unweit davon, wo das jetzige, wo der jetzige Gedenkstein steht, Richtung Inn, in den Grünzug entlang, hoffentlich in einigen Jahren eine Gedenkstätte geben. Das ist eigentlich so der nächste Schritt in diesem Thema der Erinnerungskultur in Innsbruck. Den begleiten wir aktuell auch. Und wir haben aber schon davor jetzt mit dem Wettbewerb sehr viel gelernt und ich möchte es ganz kurz sagen leider ausnahmslos lauter Herren. Es war jetzt weder beabsichtigt, es hat sich so ergeben im Laufe der Zeit. Aber ich möchte es ganz kurz vorstellen für diejenigen unter euch, die die jetzt meine Gesprächspartner hier noch nicht so gut kennen. Zu meiner Rechten Stefan Amann arbeitet als Gestalter, ist ein interdisziplinäres Büro, sowohl von den Zugängen her wie auch rein geografisch in Berlin, dann in Hohenems und in Spanien... Amann: Barcelona. Person?: Barcelona! Wir kennen uns schon länger. Es hat vor sechs, sieben Jahren schon einen Wettbewerb gegeben, den auch Proxy gewonnen hat für den Verkehrsverbund Tirol, damals, ein ganz anderer Bereich. Und Stefan hat mit seinem Büro mit seinen Partnern auch in Österreich sehr… würde ich mal sagen guten Namen in seinem Bereich. Ist ein sehr in der Regel konzentrierter Designer, die… Lösungen finden, die wirklich auf den Punkt kommen. Das war auch in dem Fall einer der Hauptgründe, warum warum letztlich der Wettbewerb an euch gegangen ist. Zu meiner Linken Kurt Dornig. [Räuspert sich]. Nicht Dörnig oder Döring wie heute auf der Folie oben gestanden ist, sondern Kurt Dornig auch aus Vorarlberg, Dornbirn. Warum ist der Kurt mit dabei? Einerseits, weil man als Grafikdesigner und Illustrator speziell im Bereich Buchgestaltung oder auch Corporate Design bekannt ist. Kennt jeder die Biberkataloge möglicherweise in Österreich, die werden auch vom Kurt betreut. Also auch einer, der im Übrigen in Vorarlberg gar nicht so seltenen, guten Gestalter, Vorarlberg hat ein relativ hohe und gute [Jemand lach im Hintergrund] Gestalter:innen-Dichte. Und Kurt Dornig war ein Juryvorsitzender bei dem Wettbewerb. Und dann Niko Hofinger. Ich habe gelesen, Niko, du bist der Haushistoriker der Israelitischen Kultusgemeinde. Das hat ja auf dem Wallenstein Verlag gelesen, in deiner Bio. Aber Niko, wir kennen uns auch schon lange. Im Übrigen, er ist auch im Bereich, wie soll man sagen, Multimediagestalter tätig. Viele Projekte auch im Ausstellungskontext, die du begleitest, aber natürlich auch vor allem als Historiker bekannt in Innsbruck und Mitarbeiter auch im Stadtarchiv. Annika hat für dieses Projekt auch die Website technisch umgesetzt. Für jetzt die „Zeitpunkte“. Und das ist der Grund, warum wir vier jetzt hier oben sitzen. Ich möchte es beginnen mit dir Kurt, dass du so aus deiner Wahrnehmung als Juryvorsitzender schilderst, wie der Wettbewerb abgelaufen ist. Das wollten wir auch inhaltlich. Zumindest einer der Schwerpunkte. Es gibt ja… also es gibt Worte wie zum Beispiel „Nie wieder“, die sagt man so, das hört man gerade jetzt auch wieder sehr häufig, aus verständlichen Gründen. Trotzdem braucht Sprache manchmal Formen, Manifestationen. Und dieses Projekt der Gedenkzeichen, ursprünglicher Arbeitstitel, war genauso ein Beispiel dafür. Man sagt ja ganz gerne so Wörter sind Schall und Rauch. [Räuspert sich] Im Übrigen das Originalzitat tatsächlich ist „Namen sind Schall und Rauch“ aus Goethes Faust, wer das noch irgendwie kennt. Und in dem Fall ist es ganz sprichwörtlich so, damit man solche Wörter oder Namen nicht ganz so leicht zu Schall und Rauch, in dem Fall traurigerweise auch oft sprichwörtlich zu verstehen war, braucht es manchmal die Überlegung wie, wie gibt man solchen Themen eine Form? Und dazu hat es den Gestaltungswettbewerb gegeben. Kurt, kannst du kurz aus deiner Wahrnehmung als Juryvorsitzender schildern, wie der Wettbewerb abgelaufen ist. #00:20:15‑9#

 

Kurt Dornig: #00:20:17‑8# Ja. Danke für die Einladung. Zuerst möchte ich mal dem WEI SRAUM danken. Als, als Partner für die Ausloberin Stadt Innsbruck und auch auf der anderen Seite für die Kreativen, die… Es ist alles andere als selbstverständlich, dass man so einen kompetenten Partner in der Mitte hat. Und das ist immer ein Glücksfall für beide Seiten. Jeder, der mal bei einem Wettbewerb mitgemacht hat wo einfach offen ausgeschrieben wurde und sich dann Hinz und Kunz jetzt mal beteiligt hat, der weiß, wovon ich spreche, wenn dann Einfach alle sofort arbeiten müssen, bevor überhaupt klar ist, wie die Rahmenbedingungen aussehen usw. Und da ist der WEI SRAUM wirklich ein Vorbild. Etwas, das wir auch gerne in Vorarlberg in dieser Form hätten, wo sich da sehr, sehr kompetent drum kümmert, das alles sehr transparent abläuft und auch dann entsprechend die richtigen kreativen Agenturen und Gestaltungsbüros eingeladen werden. Und da bin ich jetzt auch schon bei dem Thema, das du angesprochen hast. Der Ablauf war eigentlich der, dass ihr ja das wirklich zuerst offen ausgeschrieben habt. Und mit einem mit einem sehr, sehr umfangreichen und klaren Briefing versehen. Und die, ich weiß jetzt nicht mehr genau, waren es 20 oder 25 Kreativbüros, die sich auf diese Ausschreibung hin gemeldet haben, wurden dann in einer ersten Sichtung mit einem Punktesystem auf sechs Büros herunterreduziert, die dann einen klaren geladenen Wettbewerbsauftrag bekommen haben. Und der auch damit verbunden war, dass man noch mal ein Detailbriefing gemacht hat. Und in der Jury, also in dieser ersten Juryrunde, war uns natürlich auch sehr wichtig, dass wir eine möglichst große Bandbreite an unterschiedlichen Gestaltungspersönlichkeiten mit dabei haben. Also Stichwort jung, alt, unterschiedliche Bereiche, unterschiedliche Schwerpunkte, unterschiedliche Lebenserfahrungen. Dass wir also aus möglichst vielen Richtungen uns erwarten konnten, zumindest dass, dass da Lösungsvorschläge kommen. Und… In der Präsentation selber dann war es dann so, dass wirklich… Eigentlich, eigentlich diese Hoffnung auch ein Stück weit aufgegangen ist. Also man muss schon grundsätzlich sagen, dass sich alle der sechs geladenen Agenturen und Gestaltungsbüros extrem intensiv mit dem Thema, mit dem doch sehr sensiblen Thema auseinandergesetzt [Eine Tür im Hintergrund fällt zu] haben, sich informiert haben und teilweise auch wirklich sehr unterschiedliche Lösungsansätze gebracht haben. Und… #00:23:31‑0#

 

Kurt Dornig: #00:23:33‑2# Der… #00:23:33‑5# [Längere Sprechause]

 

Kurt Dornig: #00:23:35‑4# Wobei fünf von diesen sechs Agenturen… [Pause] Eine Lösung, einen Lösungsansatz gefunden haben oder gesucht haben, indem sie sämtliche Informationen und wir haben heute ja schon eine dieser Biografien sehr ausführlich gehört. Also man könnte das natürlich auch noch reduzierter darstellen und textieren, aber die haben dann versucht, alle diese Informationen vor Ort zu platzieren. Und während der Präsentationen ist eigentlich schon recht klar geworden, dass das extrem viel Platz in Anspruch nehmen wird, dass man hier sehr große Bauten teilweise erstellen hätte müssen, um das umzusetzen, was einerseits natürlich mit, mit hohem Aufwand und Kosten verbunden ist, aber auch mit, mit sehr hohem Pflegeaufwand verbunden ist. Und auch, man muss leider sagen heute immer mehr ein Thema, dem Vandalismus eine sehr große Angriffsfläche bietet. Und die Lösung von Proxy [Pause]. Hat eigentlich von… vom ersten Moment an überzeugt, weil sie genau diesen Weg nicht gegangen sind, weil sie sehr reduziert und ja, wortwörtlich auf den Punkt gebracht... Dieses Gedenkzeichen mit einer unglaublichen Ästhetik und… und hoher Empathie. So, so selbstverständlich in den Raum platziert, dass es auf Augenhöhe, das ist ja auch der Unterschied zu den Gedenksteinen, die am Boden eingelassen sind und die Stolpersteine, die im Boden eingelassen sind, die betreten werden, die auch der Witterung ausgesetzt sind und nicht auf Augenhöhe ins Gesicht fallen und und und… Markant ein Teil des Stadtbildes und der Stadtmöblierung dann auch bilden. Und man hat ja heute gute Möglichkeiten mit QR Codes und und Website usw diese diese Hintergrundinformationen auch in einer sehr ausführlichen Form dann in einem anderen Medium zu platzieren. Und ihr wart eigentlich die einzigen, die auf diese sehr weiß nicht naheliegende Lösung möchte ich jetzt gar nicht sagen, sondern auf diese Lösung einfach gekommen seid. Und das hat sofort überzeugt, weil es einfach diese ästhetische Qualität mitgebracht hat, wie wir es ja jetzt vorher in der Präsentation auch erlebt haben. Es ist sofort auch lustigerweise, wenn ich das einstreuen darf, ist es dann eine junge Frau auf mich zugekommen, Studentin hier in Innsbruck wahrscheinlich, und habe mich gleich gefragt, was, was, was hier enthüllt wird. Das sieht so schön aus und hat gleich nach den Hintergrundinformationen dazu gefragt. Und sie war extrem angetan von dem, was sie da gesehen hat. Und der hat das. Und ich glaube, diese Erfahrung wird man noch öfter machen. #00:26:32‑4#

 

Kurt Höretzeder: #00:26:34‑8# Vielleicht kann man noch ergänzen, es war ein einstimmiger Jurybeschluss auch. #00:26:38‑4#

 

Kurt Höretzeder: #00:26:39‑7# [räuspert sich] Es gibt ja andere Wettbewerbe, wo man dann oft das Glück hat, dass vielleicht zwei fast gleichwertige, oft ganz unterschiedliche Zugänge Sieger bestimmt werden. In dem Fall war es sehr klar. Also eigentlich der gesamten Jury, dass das das Siegerprojekt ist. Ich möchte auch noch ganz kurz ergänzen. Üblicherweise größere Gestaltungswettbewerbe werden eigentlich anonymisiert durchgeführt. Das heißt, die Jury weiß während der Jurysitzung gar nicht, wer der Einreicher oder die Einreicherin ist. Bei dem Wettbewerb ist es definitiv [räuspert sich] anders entschieden worden. Das heißt, es hat eine persönliche Präsentation gegeben der unterschiedlichen Teilnehmer:innen, geladenen Teilnehmer:innen und... #00:27:20‑2#

 

#00:27:21‑5# das hat wiederum den Grund, #00:27:22‑5#

 

#00:27:22‑5# darin, dass man eigentlich bei so einem sensiblen Thema. Dann muss man irgendwie ein Bild von den Menschen bekommen, die dahinter stehen. Und so hat man sie zu dieser persönlichen Präsentation entschlossen. #00:27:34‑6#

[Outro-Musik]

Tobias: #00:27:53‑0# (...) Archivwürdig ist eine Produktion des Stadtarchiv Innsbruck und Teil der Stadtstimmen, dem Audiokanal der Stadt Innsbruck. #00:28:00‑2#

Siegerprojekt Gedenkort Reichenau

Siegerprojekt Gedenkort Reichenau

Stadtarchiv Innsbruck

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Transkript

Tobias: Hallo und herzlich willkommen zur achten und letzten Folge unserer dritten Staffel von Archivwürdig, dem Podcast des Innsbrucker Stadtarchivs. In der heutigen Folge möchten wir auf die neue Gedenkstätte, an das ehemalige Arbeitserziehungslager Reichenau, eingehen. Aus diesem Grund habe ich mich mit vier Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft Pawlik, Denzer, Machat, Schlorhaufer, Ziegner zusammengesetzt, um über ihr auserkorenes Siegerprojekte zu sprechen. Unter anderem unterhalten wir uns über die Entstehung der Idee, dessen weitere Entwicklung und versuchen dabei auch die wichtigsten Elemente des Gedenkorts vorzustellen. [Intro-Musik]

Tobias: In der heutigen Folge sprechen wir über das Projekt Gedenkort Reichenau. Ihr seid in einem Internationalen Wettbewerb als Siegerprojekt erkoren worden. Derzeit sind wir dabei, dieses Projekt auf die auf die Umsetzung zu bringen. Und ich denke, für unsere Zuhörerinnen und Zuhörer ist es einerseits glaube ich, ganz gut, über das Projekt grundsätzlich zu hören, aber natürlich auch, wie es denn dazu gekommen ist. Und dazu würde ich vielleicht einmal zuerst einfach die Personen, die bei dem Projekt beteiligt waren, gerne sich selbst vorstellen lassen. Und ich würde sagen, starten wir am besten mit der Ricarda und gehen dann über den Hermann weiter. Ricarda, wenn ich dich bitten dürfte, dass du kurz zu deiner Person ein paar Worte verlierst. #00:01:36‑3#

 

Ricarda: #00:01:38‑7# Ja, mein Name ist Ricarda Denzer. Ich bin als bildende Künstlerin, als Teil in das Projekt gekommen oder involviert. Ich bin in Tirol in die Schule gegangen, habe einen kurzen Ausflug über die Architektur in Innsbruck, dann mein Studium in Wien an der Angewandten begonnen, habe Konzeptkunst studiert und habe über 20 Jahre freischaffend gearbeitet und habe jetzt zusätzlich einen Lehrauftrag als Senior Lecturer an der Angewandten, habe dort fünf Jahre die transdisziplinäre Kunst, die Abteilung Trans Arts Co. geleitet und bin nach wie vor als Senior Lecturer dort tätig, habe eine ganze Reihe an Projekten im öffentlichen Raum gemacht, ortsspezifische Projekte, habe einen starken Bezug zur gesprochenen Sprache, zur oral history, zum Arbeiten mit audiovisuellen Medien genauso wie installative Settings und eben ortsspezifische Arbeiten. Die Frage der Erinnerung und Erinnerungskultur zieht sich durch meine ganze Arbeit bis heute. #00:02:39‑5#

 

Tobias: #00:02:39‑9# Vielen Dank, Hermann, wenn ich zu dir weiter… Hermann: Ja. Tobias: Geben darf. #00:02:43‑7#

 

Hermann: #00:02:43‑7# Mein Name ist Hermann Ziegner. Ich bin geborener Innsbrucker, habe auch hier in Innsbruck Architektur studiert und dann in New York fertig studiert, bin seit 25 Jahren jetzt lebhaft in New York und habe eine kleine Agentur für Datenvisualisierungen und Informationsästhetik. Ja, und habe mich in dem Projekt vor allem um den Internetauftritt und das grafische Konzept und natürlich das gesamte Konzept gekümmert. #00:03:13‑1#

 

Tobias: #00:03:13‑6# Dann darf ich eine noch abwesende Person, die ich noch nicht genannt habe, vorstellen lassen. Und ich darf bitten Heinz, wenn du in Abwesenheit die Bettina vorstellst. Heinz: Sehr gerne. #00:03:24‑4#

 

Heinz: #00:03:24‑4# Mein Name ist Bettina Schlorhaufer [alle lachen]. Ich bin Kunsthistorikerin und Vorständin von zwei Instituten an der Architekturfakultät in Innsbruck. Sie ist tätig am Institut für Baugeschichte und am Institut für Architekturtheorie. Mit Bettina Schlorhaufer verbindet uns eine langjährige Freundschaft, und wir haben Bettina Schlorhaufer ins Projekt gebeten, weil sie eine große Expertise hat in allen Dingen, die mit Zeitgeschichte zu tun haben, insbesondere mit Baugeschichte in der Zeitgeschichte und mit der Erforschung des 20. Jahrhunderts in Tirol und Südtirol. Außerdem ist die Bettina eine ausgezeichnete Autorin, und deswegen hat sie neben der genauen und präzisen Recherche von Bild und Grafikmaterial als Grundlage für den Wettbewerb uns auch Texte aufbereitet, Text, Quellenforschung betrieben und die inhaltliche Überprüfung unseres Projekts übernommen. #00:04:27‑6#

 

Tobias: #00:04:28‑0# Dann darf ich weitergeben an die Heike, die sich kurz vorstellt. #00:04:31‑4#

 

Heike: #00:04:31‑8# Vielen Dank. Ja, mein Name ist Heike Pawlik. Ich bin Architektin in Innsbruck. Ich habe in Innsbruck auch Architektur studiert. Also ich bin sehr sesshaft geblieben, bin neben meiner Bürotätigkeit auch an der Universität tätig, am Institut für experimentelle Architektur, Hochbau und habe vor meiner Tätigkeit dort, und vor dem eigenen Architekturbüro, zusammen mit Heinz Machat eine Agentur, ein Büro für Webdesign und Mediengestaltung betrieben. #00:05:10‑4#

 

Tobias: #00:05:10‑9# Zu guter Letzt darf ich den Heinz noch bitten, sich vorzustellen. #00:05:15‑6#

 

Heinz: #00:05:15‑9# Mein Name ist Karl Heinz Machat. Ich habe ebenfalls so wie Hermann und Heike in Innsbruck Architektur studiert, mit einer Studienzeit in den USA, in Los Angeles. Und Heike und ich haben uns in unserer Tätigkeit im Büro neben Architektur und Möbeldesign auch mit E-Learning Projekten und mit Knowledge Management [auf Deutsch: Wissensmanagement] beschäftigt und sind in der letzten Zeit halt immer stärker neben unserer Lehrtätigkeit an der Uni in Architektur und Kunstprojekte involviert. #00:05:45‑9#

 

Tobias: #00:05:46‑4# Jetzt hat es diese Ausschreibung gegeben oder den internationalen Aufruf teilzunehmen an dem Projekt für einen neuen Gedenkort oder für einen Gedenkort in der Reichenau. Wie seid ihr denn als Gruppe in der Konstellation sozusagen zusammengetreten? Ist da der Ball bei einer Person ins Spiel gekommen oder ins Rollen gekommen? Und ist das dann der gute alte Schneeballeffekt? Und…#00:06:08‑3#

 

Heike:   #00:06:08‑3# Da sollte der Hermann antworten. Hermann: Da gab… #00:06:11‑5#

 

Hermann:  #00:06:11‑5# …es irgendwie eine lustige Umleitung irgendwie über New York. Ich habe von einem befreundeten Architekten ein Email bekommen und der hat mich auf diesen Wettbewerb aufmerksam gemacht und wir hatten eigentlich sogar schon überlegt, das gemeinsam zu machen und ich hab mich dann mit der Materie befasst und dann hat diese Kollaboration aber dann doch nicht stattgefunden. Und habe dann aber… war dann schon so in der Materie, dass sie ganz spontan eben den Heinz, den ich eben aus meiner Studienzeit kenne, diese Unterlagen geschickt und habe gesagt „Du interessiert euch das, sollen wir da mitmachen?“ Heinz: Und die kurze Antwort war Ja, sofort. [Lachen] Wir, wir bewerben uns. Die Frage habe ich weitergeleitet an die Heike. #00:06:54‑8#

 

Heike:   #00:06:56‑3# Und da war klarerweise auch die Antwort Sofort. Und ich habe die Frage weitergeleitet an die Ricarda. [Lacht] #00:07:01‑4#

 

Tobias:  #00:07:02‑0# Und so ist das Ganze dann in Schwung gekommen. Hermann: [lachend] Das war ein Dominoeffekt. #00:07:05‑0#

 

Tobias: #00:07:05‑1# Kannst du das bestätigen Ricarda? #00:07:06‑0#

 

Ricarda:  #00:07:06‑1# Das kann ich absolut bestätigen. Genau. #00:07:08‑7#

 

[Drehkurbel-Geräusch] Tobias: #00:07:13‑1# Wo ist denn der erste Punkt, wo man vielleicht herangeht bei so einem Projekt? Gibt es da zuerst das Architektonische, was man sich überlegt? Oder ist es schwierig, überhaupt irgendwie sozusagen festzumachen an irgendwas? #00:07:25‑9#

 

Hermann:  #00:07:26‑9# Vielleicht darf ich ganz kurz zu was sagen. Wir haben uns zum ersten Mal damals im Jänner getroffen, am 2. Jänner am Institut von der von der Bettina. Und es war uns eigentlich relativ schnell klar, dass wir das sehr unhierarchisch angehen werden. Obwohl da jetzt diese diese Bereiche waren, also Web Design, didaktisches Konzept der Architektur, die künstlerische Intervention. Aber zwischen uns fünf war es eigentlich von Anfang an klar wir würden alles als Gruppe angehen und diese Zuständigkeitsbereiche in dem Sinn verflachen. Und sagen wir, wir nehmen das jetzt inhaltlich und konzeptionell als als als Gesamtprojekt an. Heinz: Also vielleicht ein schneller Kommentar in die Zeit vor Weihnachten fiel auch schon die Vorbereitung für diese gemeinsame Zusammenarbeit und man fängt als erstes vielleicht schon damit an, sich mit dem genauer zu beschäftigen, weil von der Thematik weiß man zwar vom Hörensagen was und man hat irgendwann mal was mitbekommen und sich vielleicht mehr oder weniger interessiert darüber informiert aber eigentlich die Bücher und die Publikationen, die es dazu gibt, die geht man erst an, wenn man wirklich muss. Und das es war eine ziemlich harte Zeit, muss ich sagen. Also dann tatsächlich zu sehen, wie viele Menschen und unter welchen Umständen die in Innsbruck, in Reichenau gefangengehalten wurden, das war dann schon recht beeindruckend. Wir kamen schon sozusagen mit einem Primer in diese Zeit der Zusammenarbeit. #00:09:01‑6#

 

Heike:   #00:09:02‑1# In diese physische Zusammenarbeit, muss man sagen. Da haben wir uns zum ersten Mal wirklich vor Ort alle gemeinsam zu fünft getroffen. Und in der Vorbereitungsphase haben wir uns natürlich auch mit dem Grundstück befasst, das uns da zur Verfügung gestanden hat. Das ist ein sehr… gehen wir sicher später noch darauf ein ein bisschen extremes Grundstück, das man, dass man auch erst sozusagen kennenlernen mussten und uns mit dem auseinandersetzen. Und parallel dazu eben hat auch die theoretische Auseinandersetzung mit Gedenkkultur stattgefunden. Da mag die Ricarda vielleicht was dazu sagen. #00:09:37‑0#

 

Ricarda:  #00:09:37‑0# Für mich ist irgendwie schon wichtig, einfach mal von dem Ort auszugehen, der für den Gedenkort vorgesehen ist. Einfach auch zu schauen, was findet man dort vor? Was charakterisiert diesen Ort? Und das ist eben ein Ort mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Die Fahrradfahrer, die Fußgänger:innen. Und dann ist es ein Durchgangsort. Es ist ein Ort, der ist auf beiden Seiten offen. Und es ist eben ein eine Uferpromenade. Das heißt, unser Gedenkort zieht sich eben entlang des Inns. Und ich denke, das charakterisiert eben auch ganz speziell, dass das Vorgehen oder auch die, die die Entscheidungen, die wir dort getroffen haben, für den für, für unser Projekt auch. #00:10:20‑1#

 

[Drehkurbel-Geräusch] Tobias: #00:10:24‑3# Dann würde ich sagen sprechen wir wirklich der konkrete oder konkretere Ablauf dann auch für euch stattgefunden hat. Wir haben es bei der Einführung oder bei den Vorstellungen. Ja, Herrmann hat es erwähnt. Ihr seid ein bisschen verteilt, seid nicht alle immer in Innsbruck. Ist wahrscheinlich auch logistisch gar nicht immer so einfach, dann gemeinsam sich zusammenzusetzen und an dem Gesamtkonzept natürlich weiterzuarbeiten. Wie und auf das aufbauend jetzt sozusagen auch, wie sieht es denn dann in der Praxis wirklich aus? Hermann: Das ist eine gute Frage. #00:10:55‑7#

 

Hermann:  #00:10:55‑8# Also die, die… diesen… dieses erste Treffen damals im Jänner war natürlich sehr intensiv das war eine Woche lang, da haben wir uns mehr oder weniger den ganzen Tag jeden Tag getroffen und und und und stark debattiert und dadurch, das ist natürlich auch so ein emotionales und Thema war, war das auch sehr schwierig. Aber das Ziel von dieser Woche war für uns im Endeffekt Themenbereiche abzuklären, die wir adressieren wollten mit diesem Projekt. Und das war dann im Grunde dann zum Schluss nach einer Woche eine große Tafel im Institut mit mit Schlagworten und und und und Ideen, die wir dann versucht haben aufzunehmen in den verschiedensten Arten in der Herangehensweise von einem Projekt, das architektonisch oder grafisch oder oder auch künstlerisch und und eines dieser Schlagworte war diese Idee von der.. Von dem Fragment, von dem Erinnerungsfragment. Ja, dadurch, dass das ja auch an Informationen tatsächlicher Information relativ wenig bekannt ist. Also die Namen aller Zwangsarbeiter sind uns ja nicht bekannt und es sind uns nur 117 Namen bekannt von den Menschen, die dort umgekommen sind. Und sonst sind es halt so Fragmente, Erinnerungsfragmente, die die in der Bevölkerung noch da sind und zum Beispiel auch in meiner Familie. Also meine Mutter kann sich noch an das Lager erinnern, als kleines Kind allerdings, wie das Lager dann schon wieder das Entnazifizierungslager war. Und mein Vater hat sich erinnern können an den Großvater, der auch mit den Zwangsarbeitern in der Dachdeckerei gearbeitet hat. #00:12:35‑7#

 

Heike: #00:12:36‑0# Ja, ich glaube, ich würde gerne anschließen an das, was der Hermann gesagt hat, weil diese diese Woche gemeinsamen Arbeitens und des Gebiets absteckens, das ist, wie das oft ist bei Wettbewerben, dann am Ende fühlt man sich völlig verausgabt und hat eigentlich nur wenig da liegen, wenig Konkretes da liegen. Also es muss dann irgendwie, das arbeitet dann in einem weiter und und man macht sich Gedanken und man versucht dann, für diese Ideen und Themen Entsprechungen zu finden und sich dem anzunähern, dass diese diese Themen sich konkretisieren und manifestieren in einer physischen Umsetzung. Und das ist dann die Arbeit gewesen, die wir sozusagen von verschiedenen Richtungen her angegangen haben. Das erste, was dann sich manifestiert hat, war so die grafische Idee eines, einer Behandlung der Oberfläche mit einem mit einer Art Muster, nenne ich es jetzt einfach einmal und aus der heraus hat sich dann das, die Behandlung des Geländes weiterentwickelt, die beziehungsweise das hat sich gegenseitig ergänzt. [längere Pause] Die die… Tobias: Darfst dich gern mit einhaken Heinz. Heike: Ja genau. Bitte Heinz, dann… [lacht] #00:14:01‑4#

 

Tobias:  #00:14:01‑9# Du Musst nicht, #00:14:02‑4#

 

Tobias: #00:14:02‑4# aber du kannst gern dazwischen haken. #00:14:03‑8# [Heike lacht im Hintergrund]

 

Heinz:  #00:14:04‑7# Ich würde deswegen gern einhaken und das an die Ricarda weitergeben, weil ich glaube, am Anfang war wirklich die Frage nach der Repräsentation dieser Opfer auch. Es ging. Es ging um die Personen und und eigentlich dieses Muster, das grafische Muster, das entstanden ist, hat ja schon damit zu tun gehabt, dass wir eigentlich auf über 8.000 Personen verweisen wollen mit dem, was dort sein soll. Und das war eigentlich, glaube ich, der Ausgangspunkt auch schon in der Vorbereitung. #00:14:28‑8#

 

Ricarda:  #00:14:30‑3# Vielleicht kann ich da auch noch was ergänzen. Das Muster da natürlich eine Bewegung Verstärkt, die sich über die gesamte Länge des Ortes zieht. Und diese Bewegung ergibt sich aus der Vorstellung, dass etwas sichtbar wird, was in dem Sinne, dass sich etwas zeigt, was vielleicht im ersten Moment noch nicht zu benennen ist. Und wir haben da so eine Analogie gefunden, einfach nur auf den Inn blickend und das Fließende, der fließende Fluss. Wenn da in diesem, wenn man von einem Ufer zum anderen schaut, wenn es da innerhalb dieser Oberfläche eine Strömung gibt oder eine Abweichung im Fließen, dann kann man davon ausgehen, dass von unten etwas wirksam wird, dass da irgendeine ein Widerstand ist oder etwas irgendwie dieses übliche Fließen stört. Ja, es ist eine Spur hinterlässt. Und von diesem Denken in Spuren von diesem abzeichnen usw das ist eben dieses Muster verstärkt eben auch diese diese Oberfläche dieser Landschaft, wo etwas sichtbar wird. Das ist mal so wie so ein, eine Grunderzählung auch, oder wie seht ihr das? #00:15:35‑7#

 

Heinz:  #00:15:36‑3# Ja, ich würde sogar noch weitergehen Ric [Kurzform für Ricarda], dass dieser Druck, der da von unten auch kommt, wo du was, wo das, was hängen bleibt und die Dinge nach oben bringt, dass eben dieses Muster schon gut geeignet war, diese vielen tausenden Menschen zu repräsentieren oder darauf hinzuweisen. Aber von denen, wo wir mehr wussten, haben wir uns dann, glaube ich, relativ schnell dazu entschlossen, dass wir auch mehr zeigen wollen. Und da kam dann die Idee dieses Bohrkerns, wo wir eigentlich aus diesem Untergrund etwas holen. Und dieser Untergrund gibt uns eigentlich diese Repräsentation auch frei und diese bekommt dann auch diesen Namen von dieser Person. #00:16:20‑5#

 

Ricarda:  #00:16:20‑9# Das Schöne ist, hier spielen ja verschiedene Vorstellungen, gehen hier Hand in Hand, weil wir natürlich auch von der Frage, bei der Frage „Was finden wir vor?“ Natürlich auch von den archäologischen Funden, das als konkretes Material ja da ist und die die Frage der Sondierung, also dieses in die Tiefe gehen und schauen, was findet man da eigentlich an historischen Fragmenten und dieses Fragmenthafte, dieses Finden aus der Tiefe, also dieses, was man ja natürlich auch als Sounding bezeichnen kann, also in die Tiefe hören [lacht] oder und dann aber mit diesen Fragmenten arbeiten. Und da haben wir auch schon wieder diesen Erinnerungssplitter, den Herr Herrmann angesprochen hat, aber auch das Sagen. Natürlich ist es eine, etwas aus der Erde zu holen und wie so ein Bohrkern das sichtbar machen, hat natürlich auch was. Ja, wir fallen da jetzt irgendwie nicht die richtigen Worte ein oder so, aber wir arbeiten mit dem, was da ist. #00:17:15‑5#

 

Hermann: #00:17:15‑6# Das ist ja das Interessante an der Sondierung, dass sie ja auch unvollständig ist, oder sie ist ja nur ein Sample, also ein Teil von dem Ganzen. Und so haben wir das durch das ganze Projekt gesehen, oder? Und wir haben ja dann gleichzeitig auch unsere eigenen Sondierungen angestellt und angefangen, mit den Leuten, die uns bekannt waren, zu sprechen und und diese Erinnerungs- Sondierungen zu machen. Also diese Fragmente zu finden und und da ist es uns sehr schnell klar geworden, dass es ein Großteil in der Bevölkerung noch Erinnerungen an das Lager und an diese Zeit gibt und und dann natürlich auch in was ja auch in diesem historischen Text der Frau Dr. Pitscheider ganz klar rauskommt, ist, wie involviert ja auch die Stadt war mit diesem Lager und es ist im Grunde eine Geschichte der Stadt. Natürlich ist es auch die Geschichte der Leute, die dort umgebracht wurden, aber zum Großteil und das war dann, glaube ich, ein bestimmendes Element für unser Projekt, ist es eine Geschichte der Stadt. Und dieses Freilegen, dieses Sondieren dieser Fragmente wurde eigentlich zum Programmen. #00:18:23‑2#

 

Tobias:#00:18:24‑2# Man muss ja dazu sagen, dieser Teil der Geschichte der Stadt ist ja sehr lange ruhend gewesen. Also die Tiefe ist sehr lange ruhend gewesen. Das war oberflächlich bekannt. Es war ja die Nachnutzung Hermann: Ja. Tobias: Die wir ja schon gesprochen haben, die war dort. Das sind Leute, die was da drin gewohnt haben und dann ist es weg gewesen und dann hat man immer so wenig darüber gesprochen. Hermann: Ja. #00:18:43‑4#

 

Hermann:  #00:18:43‑7# Aber wenn man jetzt mit den Leuten spricht, die erinnern sich ja auch noch. Da hat dann vor allem die, die Heike und und die Ricarda dann angefangen, Interviews zu führen. Vielleicht wirst du dazu was sagen. #00:18:56‑1#

 

Heike:   #00:18:56‑1# Ja, sehr gern. Wir haben dann. Wir hatten dann das Glück... Wir... Also ich wollte vorher vielleicht noch ganz kurz dazu erwähnen, um das auch zu erklären: Das Programm dieses Wettbewerbs war nicht allein der Gedenkort, die Gestaltung des Gedenkorts vor Ort. Sondern der hat noch einige andere Punkte umfasst. Da geht es um Wissensvermittlung, da geht es um um didaktisches Konzept. Da geht es darum, eine eine Online Repräsentation zu erstellen und ein Archiv zu erstellen. Das war dann sozusagen das, was wir daraus ergänzt haben. Und wir hatten das Glück, sozusagen ergänzend zu unserem Team, die Frau Dr. Rauchegger-Fischer anzufragen für das didaktische Konzept. Und die hat uns wiederum vermittelt einen Kontakt zu zwei Nachfahrinnen eines damaligen Lagerinsassen, die sich bereit erklärt haben, Interviews mit uns zu führen und damit sozusagen einen hoffentlich, eine Reihe zu eröffnen von Zeitzeuginnen, sekundären Zeitzeug*innen Gesprächen, die wir gerne auch als Dokumentationsmaterial für dieses, für diese Website sammeln würden. #00:20:09‑3#

 

Ricarda:  #00:20:10‑7# Was eben auch noch mal ganz schön zeigt, dass das Projekt und die Arbeit an dem Projekt von Anfang an eben trans- und interdisziplinär angelegt wurde. Das heißt, alles was da entstanden ist, ist eben in Beziehung zueinander Entstanden und das setzt sich in Beziehung zu den jeweiligen Feldern und Überlegungen und zu dem jeweiligen Wissen auch und das finde ich, macht das eigentlich auch irgendwie sehr speziell. Also dadurch wird es natürlich auch zum Teil intuitiv, auch brüchig, ambivalent. Aber es ist eben etwas, was in Bewegung ist. Und das ist uns eben auch total wichtig als Grundvoraussetzung für so ein eine Frage „Was soll dieser Ort auch können?“ Ja, das hat auch der Ort selber hat ja auch so was von einer Passage, aber es ist sozusagen diese diese Bewegung, dass man eben jetzt nicht einfach etwas bezwingt und beherrscht oder systematisiert, sondern dass man eben sagt, dass das, worum es das was wir dort erzählen wollen, ist auch die Art und Weise, wie wir arbeiten oder wir arbeiten, wir versuchen so zu arbeiten, was für uns auch irgendwie ein wichtiges Narrativ ist dort oder ein Vorgehen. #00:21:13‑8#

 

[Drehkurbel-Geräusch] Tobias: #00:21:18‑5# Ich würde aber sagen, wir gehen jetzt schon diesen Schritt weiter zum wie es jetzt das Projekt ist. Ich weiß nicht, wie man es am besten machen. Wir sprechen jetzt einfach über die einzelnen Elemente und dann darf jeder einfach dazugeben. Fangen wir vielleicht nochmal beim Ort an, dass wir noch einmal alle Leute abholen. Das heißt, wir haben auf diesem Grünstreifen, der jetzt ungefähr, also von [längere Pause] ja... #00:21:42‑3#

 

Heike: #00:21:42‑8# Darf ich? Ich würde ihn gernn, würde ihn gerne beschreiben, weil ich habe mir die Daten extra aufgeschrieben hat. Tobias: Ja sehr schön. [beide lachen] Heike: Also es, es handelt sich um um den Grünstreifen. Die Ricarda hatte ihn schon sehr sehr gut beschrieben zwischen Geh- und Radweg am Innufer außerhalb der Grenobler Brücke Richtung Baggersee, für Innsbrucker ist das wahrscheinlich ein Begriff und der des Wettbewerbsgebietes wir zur Verfügung gestellt bekommen haben, ist circa 260 Meter lang und zwischen sechs und 14 Meter breit. Also das ist so sozusagen, es wird immer wieder schmäler und wieder breiter und hat so einen Bauch zwischendurch und ist ein Grünstreifen, der der locker mit Bäumen bestanden ist. Und auf diesem Streifen durften wir uns auswählen, welchen Ort, welche wie wir den bespielen. Und wir haben recht schnell beschlossen, dass wir das gesamte Feld nutzen wollen dafür. #00:22:41‑6#

 

Tobias: #00:22:42‑3# Darf ich… Ich stelle jetzt den Unwissenden, der zwar wissend ist, aber nutzen wie? #00:22:46‑5# [beide lachen]

 

Hermann:  #00:22:48‑0# Ja, wie wir schon ein paar Mal erwähnt haben, das ist eigentlich eine Landschaft, und zwar, dass es gab dieses Wortspiel zwischen dem Gehen und dem Denken, also das Gedenken, dieses, dieses sich entlangbewegen von dieser Welle, von dieser, von dieser Landschaft und dort über diese Bodenplatten, diese, diese Fragmente, ein Gespür zu bekommen, wie viel Schicksale dort betroffen waren. Und dann natürlich diese Namenssteine zu sehen. Diese 114, ehm, 117 Gedenksteine, wo die Namen auch ganz explizit noch einmal genannt werden. Das ist uns auch sehr wichtig. #00:23:27‑9#

 

Tobias: #00:23:28‑6# Ich denk auf die, also die Pflasterung ist auch eben an den geschätzten 8/2 8000 Personen, die durch dieses Lager sozusagen gekommen sind, und die 114 Namensteine, die Denkkraft, auf die sollten wir auch ein bisschen gesondert eingehen… Hermann: Ja. Tobias: Einfach um zu erkennen, also um das zu beschreiben. Also für die, [unverständlich] hören und nicht sehen, in dem Fall, dass du vielleicht, Heinz, wenn ich bitten darf, diese Steine kurz auch den Gedanken hinter diesen Steinen vielleicht ein bisschen unterbringen kannst. Heinz: Die Steine #00:23:58‑2#

 

Heinz: #00:23:58‑2# sind eben, sie sind Teil dieses Fragmentteppichs. Also jede einzelne Person ist ein so ein Fragment. #00:24:05‑3#

 

Heinz: #00:24:05‑6# Das uns aber, weil wir über diese Personen mehr #00:24:07‑7#

 

Heinz:  #00:24:07‑7# wissen, weil sie im Lager gewaltsam zu Tode kamen oder durch Krankheit zu Tode kamen oder hingerichtet wurden, von denen wissen wir aus dem Totenschein, wer sie waren, woher sie kamen und und deswegen haben wir sie näher identifizieren können. Und ebenso wie ein Bohrkern nimmt der Namensstein den Untergrund mit nach oben und tritt uns entgegen. Und wir haben uns dazu entschlossen, dass wir an dieser oberen Fläche eine leichte Neigung vorsehen, auf die der Name dann platziert wird, so dass es uns entgegentritt. Und vielleicht, wenn sie, wenn das Wetter schön ist, wenn die Sonne passt, diese glatte Fläche ein Teil von uns selber spiegelt, weil wir von diesen Personen keine Bildnisse haben. Wir haben keine Fotos, keine Zeugnisse weiteren. #00:24:52‑2#

 

Heinz: #00:24:52‑8# Und diese, diese #00:24:53‑6#

 

Heinz:  #00:24:53‑6# Personen kamen entweder allein oder in Gruppen in dieses Lager in Reichenau, waren mit ihrer Heimat oder mit ihren Herkunftsorten immer noch verbunden und wir haben uns dazu entschlossen, dass diese leichte Neigung zu ihrer Herkunft Teil dieses Namenssteins wird, so dass jeder dieser Steine unterschiedliche Höhe, unterschiedliche Materialität und auch diese unterschiedliche Neigung haben wird, um diese Personen auch zu individualisieren. Und in der Anordnung über diese Fläche hinweg, die die Heike vorhin beschrieben hat, haben wir uns entschlossen, auch eine bestimmte Ordnung zu finden. Und das würde der Heike dann irgendwie überlassen, das zu beschreiben. #00:25:33‑4#

 

Tobias: #00:25:33‑4# Aber wenn ich also weil das ist etwas, was mir sehr gefällt, eben, dass der Name draufsteht, dass die Lebensdaten draufstehen, weil gerade im Lager sind die Menschen ja entmenschlicht auch worden, die haben eine Nummer gekriegt und nicht mehr den Namen. Also zum Teil ist natürlich schon erkenntlich gewesen, aber irgendwo ist es für mich zumindest ist es auch so man gibt ihnen wieder den Namen, der ihnen zusteht, der das Ihr Name ist. Hermann: Ja, da #00:25:57‑4#

 

Hermann:  #00:25:57‑4# hast du recht. Das ist ja ganz interessant. Das ist uns ja auch aufgefallen. In dieser Liste der Verstorbenen sind ja die Verstorbenen von jüdischer Herkunft ganz klar erkennbar, weil die ja alle dann entweder Israel oder Sara bezeichnet worden sind. Das war ja auch intern dann eine Diskussion. Sollten wir auch jetzt diese Namen wieder zurücknehmen und dieses Israel und und und und Sara praktisch jetzt nicht in den Namen aufzunehmen, oder oder nicht. Aber das ist, das das Faktum des Namens waren uns schon schon ein ganz wichtiges Teil. Heinz: Und ich könnte Bettina noch mal ins Spiel bringen mit einem kurzen Zitat, weil sie hat einmal gesagt, über diese, über diese Intervention geben wir den Leuten ein Gesicht zurück. Und ich glaube, darum geht es ein bisschen. Also der Name ist dann wirklich die Repräsentation für die Person dahinter und wie sie uns erschienen ist. Hermann: Ja, du wolltest noch was über die Zeit... [unverständlich]. Heike: Genau. #00:26:52‑8#

 

Heike: #00:26:53‑2# Also wir haben dann, wir haben also diese 100, zum damaligen Zeitpunkt noch 114, Verstorbenen repräsentieren wollen und dann hat sich die Frage gestellt, wie wir diese Steine auf dem Gelände platzieren. Und wir hatten dann die Idee, dieses lange Grundstück zu nutzen, das ja eigentlich sehr schwierig wäre, auf der einen Seite aber, dass dann auf der anderen Seite die Möglichkeit bietet, dieses lange Grundstück wie eine Art Kalender zu nutzen. Also wir haben das Grundstück sozusagen virtuell aufgeteilt in die Monate des Bestehens des Lagers und haben die Namensteine an den Todeszeitpunkten aufgestellt. Und damit ist eigentlich ganz leicht zu erkennen oder ganz klar zu erkennen, dass es Zeiten gibt, in denen, wie man so schön sagt, viel gestorben wurde. Einfach weil es kalt war, weil es grausam war, weil ein ein Wechsel der Wachmannschaft noch noch grausamere Verhältnisse erzeugt hat im Lager und so. Tobias: Auch Wechsel #00:27:51‑6#

 

Tobias: #00:27:51‑6# der Nutzung, also der wo, also wo es dann auch viel stärker dann ja auch als als Zwischenlager oder Transitlager genutzt wurde, was ja dann ab [19]43 eben ganz knapp [19]43 stark greift, wie du sagst. #00:28:06‑5#

 

Heike: #00:28:06‑6# Ja genau und und und #00:28:08‑2#

 

Heike: #00:28:08‑2# damit eine gewisse auch für für für Leute, die in dem Gebiet dann entlang gehen werden ersichtlich ist, dass es Zeiten gab, die ganz besonders hart waren im Lager und wo besonders viele Menschen umgekommen sind. Und auch vielleicht auch noch ergänzend dazu. Der Heinz hat vorhin beschrieben, wie die wie die Menschen zusammengewürfelt wurden. Also man kann sich dann vorstellen, wenn die, wenn eine Gruppe von diesen Namenssteinen mit unterschiedlicher Neigung und unterschiedlicher Färbung eng zusammensteht, dass represieren.. das repräsentiert Menschen, die die konnten einander zum Teil nicht einmal verstehen, weil sie nicht die gleiche Sprache gesprochen haben, weil sie von irgendwo Russland, Ukraine, Polen herkamen. Und diese extreme Situation der Einsamkeit und der Sprachlosigkeit dann auch noch dazu kam. #00:29:00‑3#

 

[Drehkurbel-Geräusch] Tobias: #00:29:04‑7# Das heißt, wir haben die Landschaftsgestaltung mit den Namensteinen. Es gibt auch noch einen baulichen Aspekt, einen größeren, den sogenannten Pavillion. Könnt ihr mir vielleicht da noch kurz erklären, wie der ausschauen soll und auch, wo da der Hintergedanke über diese Optik liegt? #00:29:22‑4#

 

Heinz:  #00:29:23‑0# Ähm, ja, gerne. Also ursprünglich wollten wir ja eigentlich diesen Teil so klein wie möglich halten. Wir wollten die Information zu diesem Ort natürlich geben vor Ort, aber wir wollten schon haben, dass es eigentlich der Gedenkort selber ist. Der Hermann hat es vorhin gesagt gehen und denken. Und das mit dem entsprechenden Hörempfinden und Hörerlebnis der Geschichten oder was sonst so zu hören sein wird mit diesem Hörweg und dieses einfach dort sein und auf diesem Ort sein, in dieser, in dieser Landschaft sein hätte auch bedeutet, dass man dann schon den Unbilden der Witterung ausgesetzt ist. Wenn es regnet, regnet es halt und wir hätten nur ganz wenig Witterung… oder Witterungsschutz vorgesehen. Ursprünglich, weil wir glauben oder uns eigentlich gedacht haben, dass es wenig Sinn macht, Architektur für sich dort hinzustellen. Dass irgendwer als besonderer, besonderer Teil schon fast als Tempel oder so wirken sollte, sondern dass es eigentlich um den Ort selber geht und um um das, was dort gezeigt ist und was dort erfahrbar ist. Und so ganz waren wir da mit uns nicht zufrieden. Also im Sinne einer ausführlichen Information, im Sinne auch der Möglichkeit, dass Leute sich dort versammeln, hat man uns dann schon gebeten, diese Ideen etwas zu erweitern und nicht nur minimal dort zu intervenieren. Hermann, was magst du dazu sagen? Hermann: Ich glaube, dass das, was uns am Anfang vielleicht ein bisschen weniger klar war, wie wichtig auch die Wissensvermittlung vor Ort ist. Und das war natürlich dann schon auch noch mal eine gute Erinnerung von der Jury uns da anzuhalten. Denn den Schulklassen und den Besuchern, die, die diesen Ort besuchen, auch wirklich in die Geschichte einzubringen. Und und die Geschichte des Lagers und die Geschichte dieser, dieses Netzwerks des Lagers. Noch einmal, ich möchte es ganz klar betonen, da geht es ja nicht nur jetzt um Reichenau. Es gab ja mehrere Lager, auch in Innsbruck und in Tirol und im gesamten Deutschen Reich. Diese Geschichte zu erzählen, ist ja eine Geschichte, die noch wenig erzählt ist. Und da haben wir jetzt im Grunde zwei große Informationstafeln und einen Ort mit mit einer Stadtmöblierung, die die es kleineren Gruppen erlaubt, sich dort zu treffen und und sich mit der Materie auseinanderzusetzen. #00:31:38‑7#

 

Heike:   #00:31:39‑4# Ja, vielleicht noch kurz zur Beschreibung dieses Pavillons. Eigentlich ist es eine eine Überdachung mit circa 160 Quadratmeter Fläche aus Stahl, die die in etwas über 3 Meter Höhe über dem Gelände getragen wird von Stahlsäulen. Und unter dieser, unter diesem Dach stehen zwei Wände. Eine 12 Meter lang, eine 11 Meter lang, die die Informationen, die der Hermann gerade beschrieben hat, tragen, und zwar in unterschiedlichem Detailgrad, je nach Bewegungsgeschwindigkeit der Menschen, die entweder auf dem Rad oder zu Fuß vorbeigehen oder die in der Mitte unter dieser Überdachung sitzen beziehungsweise stehen und die Informationen lesen können. Und dieses Dach, dieses Pavillondach repräsentiert auch noch einmal über kreuzweise verlegte Stahlträger, die die vielen verschiedenen Herkunftsorte beziehungsweise die Pfade der Menschen, die sich da gekreuzt haben in diesem Lager und das Dach ist nur teilweise geschlossen und in Teilen ist es ganz offen. Es kann also durchregnen. Es ist dann weniger schützend als man ein Dach an sich wahrnehmen würde. Und es gibt Ausschnitte in diesem Dach, die dann ersetzt werden, wo wo die Dachfläche ersetzt wird durch andere Elemente. Und da könnte Ricarda vielleicht was dazu sagen. #00:33:10‑1#

 

Ricarda:  #00:33:10‑7# Ja, genau. Also. Es wurde an mich weitergegeben, weil ich eben vorher schon mal diese Funde der Archäolog:innen erwähnt habe. Und da sind unter anderem eben auch eine ganze Reihe von bunten Glasscherben. Und diese Glasscherben finden natürlich auch in dieser Fragmentierung des Daches eine Analogie. Und die sind für uns überhaupt auch so als Denkmotiv oder so oder auch als als sowohl visuell als auch inhaltlich ein schönes Motiv, weil natürlich die Frage ist, wir haben ein Fragment von etwas, das nicht mehr ganz ist, wie füllen wir jetzt die Lücken mit einer Vorstellung, mit einer Erzählung? Oder lassen wir diese Leerstellen und die Besucher:innen sind sozusagen auch eingeladen, durch ihre eigene Beteiligung dieser, diese Zwischenräume quasi mit ihren Erinnerungen, Erfahrungen, Erzählungen zu füllen. Das heißt, das ist natürlich auch etwas, was sich in dem Audioweg sehr gut weitererzählen lässt. Aber es drückt sich eben auch in der in der Architektur des Pavillons aus. #00:34:18‑6#

 

Tobias: #00:34:18‑9# Das war auch das ideale Stichwort. Danke Ricarda. Der Audioweg, den wollte ich als nächstes ansprechen im Hintergrund. Wir leben natürlich in einer modernen Zeit und Informationen müssen immer aktuell bleiben. Und gerade da ist natürlich die auch von dir, Heike schon das geschriebene Archiv, die Website im Hintergrund ja wichtig. Gehen wir ein bisschen darauf ein. Fangen wir mit dem Audioweg an, würde ich sagen. Es ist im Hintergrund ein Audioweg geplant und da blicke oder zeige jetzt wieder mit meinem auf den auf mein Handy, wo ich die Ricarda dazugeschaltet habe. Wenn du uns vielleicht ein bisschen einen Einblick geben kannst, Ricarda in diesen Audioweg, was man sich darunter vorstellen kann, einfach mal. #00:34:58‑8#

 

Ricarda:  #00:35:00‑8# Im Grunde ist das ein Angebot an die Besucherinnen und Besucher. Zusätzlich zu der Möglichkeit, einfach mal selber den Weg entlang zu gehen, sich auch über dieses Audiostück, diese Zusammenhänge zu ergehen, entlang zu gehen. Und diese Stücke sind verortet an ganz bestimmte Stellen an diesem Ort, die sowohl historische Bezüge herstellen, als auch Bezüge zum Jetzt, zum Ort zwischen Fieldrecordings [englisch „Feldaufnahme“ - bezeichnet Tonaufnahmen, die außerhalb eines Studios stattfinden] und historischen Aufnahmen, zwischen Erzählungen und Kompositionen. Also ich lasse das jetzt noch mal etwas offen, aber es ist sozusagen eine Möglichkeit, einerseits den Ort präsent zu machen und vor allem die Vergangenheit dieses Ortes mit seiner Geschichte, aber auch einen Bezug herzustellen zur Gegenwart, weil natürlich mit dem Wissen, dass es auch eine Webseite gibt, die noch mal viel tiefer und detaillierter in die historischen Zusammenhänge gehen kann, soll das durchaus auch eine eine poetische Vermittlung sein, also schon auch eine Wissensvermittlung. Ein Lernort besteht eben auch darin, nicht alles auszuerzählen, sondern auch Raum zu lassen für die, die hören. Und das Hören hat einfach eine ganz bestimmte Qualität. Eben das setzt sich in Beziehung zur Welt, das, das stellt eine Nähe her und und ja, das ist einfach für uns irgendwie auch ein wichtiger, ein wichtiger Moment zwischen didaktischer Vermittlung, historischen Tatsachen und einem poetischen Herstellen von von Bezügen. #00:36:39‑9#

 

Hermann:  #00:36:40‑1# Ja, wenn ich da kurz auf das auf die Website noch mal eingehen darf, die ist ja genauso wie alle anderen Teile von diesem Gedenkort, den wir gestalten wollen, jetzt nicht nur Website. Also dieses, dieses, die kann mehr oder soll mehr können. Und das hat die Ricarda ja auch schon erwähnt. Das ist natürlich primär ein Ort der Wissensvermittlung, auch also für Lehrer. Die können dort sich einloggen, können was, können Material dort bekommen, mehr Informationen, mehr Bildmaterial. Also auch für Leute, die nicht vor Ort sein können, ist das ja genauso ein wichtiger Ort, diese Dinge zu finden und die Informationen zu bekommen in mehreren Sprachen. Aber dieses Archiv der Erinnerungsfragmente wird ein ganz integraler Bestandteil auch von der Website. Also die die Möglichkeit, sich diese Erzählungen, diese Interviews anzuhören, ist dann auch über das Webportal gegeben. #00:37:42‑0#

 

[Drehkurbel-Geräusch] Tobias: #00:37:46‑7# Haben wir was vergessen, was man jetzt durch das, dass wir in das Thema schon so involviert sind, vergisst man ja vielleicht wieder ein Element. Der Heinz zeigt schon auf. Heinz: Eine Kleinigkeit. Tobias: Bitte. #00:37:56‑9#

 

Heinz:  #00:37:57‑1# Also eigentlich ist es keine Kleinigkeit, sondern es ist schon #00:37:59‑4#

 

Heinz:  #00:38:00‑4# von Bedeutung. Nämlich dieser, dieser Pavillon. Das hat vorhin die Ricarda schon angesprochen in Bezug auf den Audioweg. Dieser Pavillon ist auch ein Angebot. Wir haben ihn auch so platziert und so angeordnet, dass man eigentlich gut daran vorbeigehen kann. Also wir haben es niemandem in den Weg stellt. Wir zwingen niemanden, dass man sich das anschaut, sondern wir haben versucht, das so zu gestalten, dass man hineingezogen wird und dass man eigentlich auch zwischen den beiden Wänden zur Ruhe kommen kann. Und trotzdem, wenn man das Angebot annimmt, dort ganz gut verweilen kann. Dort kann man sich auch treffen. Und insofern ist der Pavillon, glaube ich, auch diese Verknüpfung zwischen dem Hörweg, zwischen dem Gedenkort selber, dieser Landschaft, zwischen dem, dass es ein virtuelles Angebot gibt, wo man sich dann in der Tiefe informieren und beschäftigen kann und wo auch weiter gearbeitet wird. Also mit diesem Pavillon haben wir schon vor, dass wir auch aktuelle Informationen aktuelle Entwicklungen zeigen können. Dass es vielleicht parallel Entwicklungen gibt mit anderen Medien wie einer Graphic Novel, die entsteht und die dann dort ausgestellt wird, mit unter Umständen Vortragstätigkeiten, die dort irgendwie repräsentiert werden können oder vielleicht sogar immer wieder als Ziel oder oder Ausgangspunkt den Pavillon haben. Also wir stellen uns diese Gedenkkultur weniger als Monument vor, wo wir sagen, wir setzen ein Zeichen und das ist jetzt für immer so, sondern eigentlich ist der Gedenkort selber, aber insbesondere dieser Pavillon eigentlich nur ein Punkt in der Landschaft, von dem immer wieder diese Gedenkkultur neu ausgehen muss und wo sie immer wieder hinfinden muss und wo sie sich über die Zeit auch immer wieder neue Formen ausdenken muss und und praktizieren muss. Hermann: Ich glaube, du hast da was ganz Wichtiges gesagt. Das Monument hat immer die Gefahr, zum Unort zu werden. Also entweder ist er zu sakral oder oder zu unantastbar. Das unter Anführungszeichen Glück, das wir ja auch mit diesem Ort haben, ist ja eher, dass er neben dem Lager ist, also als solches ja nicht diesen Genius Loci [bedeutet wörtlich übersetzt „der Geist des Ortes“ ] hat. Aber wir wollten wirklich keinen Unort schaffen. Also nicht ein Ort, der jetzt zum betroffen sein drängt. Er kann, wenn man sich damit auseinandersetzt, aber man kann daran auch vorbeigehen. Wir hoffen natürlich, dass niemand dran vorbeigeht in dem Sinn. Aber das nicht der Stadt wegzunehmen, war uns schon auch irgendwie fast wichtig. #00:40:21‑4#

[Outro-Musik]

Tobias: #00:40:41‑9# Archivwürdig ist eine Produktion des Stadtarchiv Innsbruck und Teil der Stadtstimmen, dem Audiokanal der Stadt Innsbruck. #00:40:48‑6#

2. Staffel:

Die zweite Staffel steht ganz im Zeichen von gelebter Geschichte. In den Interviews erzählen Innsbrucker Zeitzeug:innen von ihren Erinnerungen an Kindheit, Schulzeit, Freizeitaktivitäten und vieles mehr. Die zweite Staffel beinhaltet sechs Folgen, die in einem 14-tägigen Rhythmus veröffentlich werden.

Trailer

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Stadtarchiv Innsbruck

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Transkript

[00:00:00]  [Intro-Musik] Tobias: Hallo liebe Hörer:innen von Archivwürdig.

[00:00:17]  Ich melde mich heute mit einem Update zur bevorstehenden zweiten Staffel unseres Podcasts.

[00:00:22]  Gleich vorneweg, die neue Staffel startet nächste Woche Donnerstag, den 7. September

[00:00:28]  und neue Folgen erscheinen, dann wie gewohnt im vierzehntägigen Rhythmus.

[00:00:32]  Das übergeordnete Thema dieser Staffel sind Zeitzeugengespräche, in denen die Interviewpartner

[00:00:38]  vor allem über das Aufwachsen der Stadt berichten und ihre Eindrücken Erinnerungen aus der

[00:00:43]  Jugendzeit mit uns teilen.

[00:00:45]  Im Übrigen würden wir uns auch darüber freuen, wenn sich durch das Hören der Folgen, Personen

[00:00:50]  melden, die gerne ihre eigenen Erinnerungen mit uns bei einer Aufnahme teilen möchten.

[00:00:56]  Sei das für eine mögliche Podcastsendung oder auch unter Anführungszeichen "nur zur Wissensicherung".

[00:01:01]  Zwei technische Aspekte zu den Folgen möchte ich ebenfalls noch kurz ansprechen.

[00:01:07]  Erstens werden

[00:01:08]  kürzere Pausen bzw. Übergänge von Themen, während des Gesprächs zum Großteil auch höherbar gemacht.

[00:01:14]  Erkennbar an dem Rotationsgeräusch, den unsere Rollerregale im Archiv machen.

[00:01:18]  [Rotationsgeräusch hörbar] Zweitens haben wir den Großteil der Gespräche mit unseren Interviewpartnern an einem externen Ort aufgezeichnet.

[00:01:29]  Aufgrund der unterschiedlichen Lokalitäten müssen Sie mir bitte die schwankenden Tonqualitäten verzeihen.

[00:01:35]  Sollten Sie Fragen, Wünsche und Anregungen haben oder mögliche Interviewpartner kennen,

[00:01:40]  dann erreichen Sie uns bequem via E-Mail und der Podcast@innsbruck.gv.at

[00:01:47]  Nächste Woche geht es wie gesagt los.

[00:01:50]  Mich würde es freuen, wenn Sie fleißig reinhören.

[00:01:53]  [Outro-Musik]

Zeitzeugengespräch Paul Steinleichner

Zeitzeugengespräch Paul Steinleichner

Stadtarchiv Innsbruck

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Transkript

[00:00:00] Paul: In Mühlau drüben, da hat einmal ein Jäger im Schabernitz [Dialekt für Witz/Scherz] die Leitung abgeschossen. [Tobias lacht kurz auf]

[00:00:04] Und dann ist Innsbruck ohne Strom gewesen, weil

[00:00:06] im Winter ist ja zu [unverständlich] klein gewesen.

[00:00:09]  Wir haben für die Bayern bezogen und dann ist... Dann sind die Bayern auf und dann war es dunkel.

[00:00:29] [Intro-Musik] Tobias: Hallo und herzlich willkommen zur ersten Folge der zweiten Staffel von Archivwürdig,

[00:00:33]  dem Podcast des Innsbrucker Stadtarchivs.

[00:00:35]  Sie haben bereits die Stimme unseres heutigen Interviewten Paul Steinlechner gehört.

[00:00:40]  Paul Steinlechner wurde 1939 in Mühlau geboren und bei einem Zeitzeugengespräch berichtet er uns

[00:00:47]  unter anderem über das Aufwachsen in Mühlau, die Besatzungszeit, seine Schulzeit, aber auch

[00:00:53]  seiner Bergsteigertätigkeit und seiner Anstellung bei den Stadtwerken.

[00:00:58]  Da wir die Aufzeichnung des Gesprächs vor Ort in Mühlau gemacht haben, kann es hin und wieder

[00:01:02]  zu kleinen akustischen Störungen kommen.

[00:01:05]  Beim Interview anwesend waren mein Kollege Matthias Egger,

[00:01:08]  Manfred Liebentritt und meine Wenigkeit.

[00:01:11]  Mit diesem kleinen Vorgeschmack möchte ich nun direkt in das Gespräch überleiten.

[00:01:16] Paul: Ja ich bin der Paul Steinlechner geboren am 09.08.1938. In Mühlau aufgewachsen,

[00:01:24] in der Kriegszeit haben wir in der Schraffl-Straße 31 hinunterschauen können nach den

[00:01:29]  Bombenangriffen, wie es gebrannt hat in der Stadt unten und habe miterlebt, wie meine Großeltern

[00:01:34]  in der Nähe vom Westbahnhof ausgebommt wurden und dann also nach Lermoos hinaufgezogen sind,

[00:01:41] in eine sichere Gegend, weil in der Bahnhofgegend, Gaswerkgegend,

[00:01:45] war alles also dann unsicher nach diesem ersten Überraschungsangriff.

[00:01:49] [unverständlich]

[00:01:53] Und, dann bin ich dann wieder in die Volksschule gegangen, gleich nach dem Krieg in den [19]45er Jahren.

[00:01:59]  Es war eine ziemlich große Not eigentlich, im Krieg haben wir das nicht so bemerkt,

[00:02:05]  aber danach haben wir dann die Lebensmittelkarten gehabt und haben dann

[00:02:09] [unverständlich] beziehungsweise beim [unverständlich] da eingekauft.

[00:02:13]  Und dann hat man Karten für Vollmilch gehabt, Markelen, und Markelen für Magermilch.

[00:02:18]  Magermilch hat man mehr gehabt immer.

[00:02:20] Matthias: Kannst du dich erinnern, wie die Amerikaner gekommen sind, oder Begegnungen?

[00:02:23] Paul: Begegnungen nicht nein...

[00:02:25]  Ja, insofern sie sind gekommen, plötzlich waren da so uniformierte da,

[00:02:31]  auch in der Schraffl-Straße 31, wo ich gewohnt habe.

[00:02:34]  Und die sind gekommen und haben gesagt, innerhalb von 2 Stunden müssen wir weg sein.

[00:02:39]  Sie haben das ganze heraus beschlagnahmt. Gut, die

[00:02:42] alten Leute, die Besitzer im Parterre haben sie drin gelassen,

[00:02:45]  weil die waren damals schon 80 ungefähr.

[00:02:48]  Aber den ersten Stock und den zweiten Stock, den haben sie genommen, und wir

[00:02:52] sind hinaufgezogen dann, in das kleine Haus, [unverständlich]

[00:02:57]  ist in der Kofl drinnen.

[00:02:59]  Da hat die Großtante früher gewohnt, das Haus hat der Vater erworben.

[00:03:04]  Beim Bürgermeister von Arzl, das Grundstück hat er gekauft.

[00:03:09]  Beim Bürgermeister Lechner [Handysignalton ist zu hören] damals war das.

[00:03:12]  Und danach ist dann Arzl eingemeindet worden in der Stadt, ned.

[00:03:17]  Und in dem Haus, da haben wir dann unter dem Dach oben ganz nieder,

[00:03:22]  was weiß ich, nur eine Höhe von 1,10 m vielleicht,

[00:03:25]  da hat die Tante für die "Goaß" [Dialekt für Ziege], die sie gehabt haben,

[00:03:28]  Goaß haben damals mehrere Leute gehabt.

[00:03:30]  Das Hei [Dialekt für Heu] oben gehabt und da hat sie

[00:03:33] mit meiner Schwester oben geschlafen dann.

[00:03:35]  Die Mutter hat bei der Großtante unten geschlafen.

[00:03:38]  Und dann sind wir (wieder runter], nach einiger Zeit sind die Amerikaner weg,

[00:03:42]  und dann sind sie ein zweites Mal gekommen.

[00:03:44]  Das waren dann aber, glaube ich, die Franzosen.

[00:03:46]  Und die Franzosen, die sind dann länger, länger geblieben beziehungsweise,

[00:03:52] ist auch eine Französin, eine Pariserin,

[00:03:55]  hat dann also im ersten Stock oben, mit einem Lebensgefährten oder Mann.

[00:04:00]  Also dann also, gewohnt auch noch, zumindest bis

[00:04:04]  vielleicht ein bisschen über die 50er Jahre oder so, weiß ich nicht.

[00:04:06]  Dann sind die, die sich die ganzen Präliminarien, die sie sich genommen haben,

[00:04:11]  die Besatzungsleute, weggefallen,

[00:04:14]  und dann weiß ich nicht mehr, was dann gewesen ist.

[00:04:17]  Dann hat jedenfalls gleich [unverständlich] diese Wohnung gekauft.

[00:04:21] Tobias: Hat man da mit diesem, mit diesem Ehepaar Kontakt gehabt,

[00:04:25]  oder ist man dann so ein bisschen aus dem Weg gegangen, oder war das...?

[00:04:28] Paul: Nein, nein, haben wir schon Kontakt gehabt.

[00:04:31]  Die haben einen Buben gehabt der hat Coco geheißen,

[00:04:34]  und der Opa von dem, war [unverständlich]

[00:04:37]  das waren umgängliche, nette Leute. Danach da war

[00:04:39] auch so ein Ding. Ein Schwarzhändler

[00:04:44]  oder hat man damals gesagt, der hat immer große,

[00:04:48]  Mercedes und große BMW gehabt.

[00:04:50]  Damals hat niemand ein Auto gehabt, nur der Rauch [Schreibweise ungewiss]

[00:04:52] hat ein Auto gehabt und der Dr. Bosch, der Sprengelarzt [übernimmt in einer Gemeinde oder in einem Gemeindeverbund alle Aufgaben einer Gesundheitspolizei].

[00:04:55]  Und der Richter Heinz, der ist mit BMW,

[00:04:59]  umhergefahren, so ganz flache Sportwägen oder so.

[00:05:02]  Und es sind dann vor allem,

[00:05:04] amerikanische Auto gekommen, mit Pritschen oder Kasten-Aufbauten.

[00:05:08] Da ist allerhand drin gewesen, und es ist hin und her geladen worden.

[00:05:11] Die haben halt irgendetwas geborgen oder ab geborgen, und

[00:05:15]  dann verschoben oder verkauft, ned.

[00:05:17]  Ja, das war da drüben

[00:05:19]  und dann [die] Volksschulzeit war hier unten,

[00:05:21]  und da haben wir dann also bekommen,

[00:05:23] warum auch immer, eine Ausspeise.

[00:05:25]  Das waren so Armeegefäße, Olivfarbene,

[00:05:29]  da war dann so ein Kakaobrei.

[00:05:31]  Der hat am Anfang ganz gut geschmeckt,

[00:05:33] aber [Tobias lacht kurz auf] nach einem halben Jahr,

[00:05:35] ist einem der bis daher gestanden, ned.

[00:05:37] Manfred: Die Direktion und die Lehrerinnen,

[00:05:41]  wer war denn da?

[00:05:43] Paul: Der Lehrer, hab ich keine gehabt, ich hatte nur den Gassner,

[00:05:46] Den haben wir die ganzen vier Jahre gehabt,

[00:05:48]  wir waren da zuerst im Parterre, zwei Jahre

[00:05:50] und dann im ersten Stock zwei Jahre, ein schönes Zimmer heraus,

[00:05:53]  zum Hauptplatz, weil er der Oberlehrer war, ned.

[00:05:56] Hatte der den schönsten Klassenraum, also die bewirtschaftet, da drüben.

[00:05:59]  Und der Pfarrer war also, weiß nicht mehr wie der geheißen hat,

[00:06:04]  aber jedenfalls waren alle freigiebig mit "Dachteln" [Dialekt für Ohrfeige],

[00:06:08]  mit dem Geigenbogen, eins über den Schädel ziehen

[00:06:12]  und der Pfarrer hat einmal dem Schwarzenberger [Schreibeweise ungewiss],

[00:06:14]  der da oben [unverständlich] gewohnt hat irgendwo,

[00:06:17] oder Richardsweg, am Ende vom Richardsweg

[00:06:19] einmal beim "Ohrwaschl" [Dialekt für Ohr] gezogen,

[00:06:21]  dass er eingerissen wurde, dass er geblutet hat.

[00:06:23]  Weil er halt ein bisschen zu laut war,

[00:06:25]  in der Religion, dass er zu wenig aufgepasst hat.

[00:06:28]  Ja, Schulzeit, ich habe mich also jetzt beim Film erinnert,

[00:06:33] an vieles, [als] das der Christoph gezeigt hat,

[00:06:36]  mit der Mühlauer Musik.

[00:06:38]  Weil damals hat man ja keine Musik gehabt,

[00:06:41] man hat entweder selber gesungen, meine Mutter hat gesungen

[00:06:43] mit ihren Geschwistern. Wir selber haben auch allerhand

[00:06:46] irgendwer hat in der Schule, und da haben wir auch nicht ungern gesungen.

[00:06:49]  Und ansonsten

[00:06:51] Musik im Radio, im Volksempfänger,

[00:06:54]  der da war, der hat nur gekracht

[00:06:56]  da hat es auch keine vernünftige Musik gegeben.

[00:06:58]  Wenn die Musik live war, wie sie auch noch heute existiert,

[00:07:01]  dann ist es eine Musikkapelle. Weil den Marsch

[00:07:03] den die gespielt haben mit allen Instrumenten,

[00:07:06]  der hat damals schon geklungen, wie er heute klingt vielleicht ned, oder ähnlich.

[00:07:09]  Und da haben wir als Kinder so geschaut,

[00:07:11]  haben immer gesagt, hinter der Musik gegangen,

[00:07:13]  war immer ein Fest. Wenn Fronleichnam die Musik marschiert ist, oder

[00:07:17] zur Erstkommunion.

[00:07:19] Erstkommunion haben wir gehabt.

[00:07:21]  Das hat die Familie Rauch ausgerichtet dann.

[00:07:23]  Die ersten Toten in meinem Leben.

[00:07:26]  Und einen Kakao hat es [unverständlich] gegeben

[00:07:28] bei den ganzen Volksschulklassen ned.

[00:07:30]  Und gekannt hat man eigentlich,

[00:07:33]  bei allen Häusern hat man jemanden gehabt,

[00:07:36]  das ist die Amann-Villa,

[00:07:38]  die Weingartner-Villa,

[00:07:40]  die Rauch-Villa.

[00:07:42]  In die Häuser ist man als Kinder reingekommen,

[00:07:44]  weil ja da überall Kinder waren,

[00:07:46]  und die Kinder sind immer irgendwo zusammen gewesen, ned.

[00:07:49]  Da draußen war der große Sammelpunkt

[00:07:52]  zum "Totznhacken" [war bis Anfang der 1980er Jahre in vielen Innsbrucker Stadtteilen bei Kindern und Jugendlichen sehr beliebt] in der vor österlichen Zeit.

[00:07:55]  Und nett war auch, also auch im Film vom Christoph,

[00:07:58] wo er den Schlögl Willi [Schreibweise ungewiss] gezeigt hat,

[00:08:01] wie er mir aus der Stange, "Totzen" absticht,

[00:08:03]  die Eisen-Totzen. Ich bin in der Zeit aufgewachsen

[00:08:05]  wo die Eisen-Totzen

[00:08:07] aufgekommen ist.

[00:08:09]  Und dann war der Alfred runter, der im Schilderhof gewohnt hat

[00:08:11] der hat sowas gemacht. Und der Schlögl Willi.

[00:08:13] Ich kann mich erinnern, mit dem Schlögl Willi, der hat mich zweimal [unverständlich]

[00:08:15] mach mir eine,

[00:08:17]  und er hat mir eine runtergedreht.

[00:08:19]  Und dann haben wir da draußen vorm Stier

[00:08:21] Totzen gehackt. Und die Leute haben gewettet

[00:08:24] und dann hat man halt, wenn's hochgekommen ist, einen Schilling

[00:08:27]  oder 20 Groschen halt dann gehabt.

[00:08:29] Wir waren ja mehrere, ned

[00:08:31] und dann sind gesamt halt vielleicht

[00:08:33] 7-8 Schilling ausgespielt worden.

[00:08:35]  Und wir haben dann, also da unten

[00:08:37]  waren so Löcher im Asphalt ganz tiefe drin.

[00:08:40]  Und wir haben das aber auch dann

[00:08:42]  vorn Schilderhof, wenn viele zusammen waren,

[00:08:45]  haben wir auch am Sonntag die Spaziergänge angeboten.

[00:08:48] Wir waren ja nicht blöd [alle lachen] Und da haben wir dann halt [unverständlich]

[00:08:50] [unverständliches Gemurmel].

[00:08:52] Matthias: Kannst du dich noch an einen Spruch erinnern,

[00:08:55]  weil da gibt es so Sprüche "noch einen Totzen hacken"?

[00:08:58] Paul: „Bittschön, der Herr, setzen’S

[00:09:00] an Groschen ins Kreisl,

[00:09:02] mei Totzen singt wia a Tannenmeisl!“

[00:09:04]  Das war jetzt, so der Bettelspruch.

[00:09:07]  Ja, und dann ist diese Wohnung,

[00:09:11]  das war nur eine Mansarde 

[00:09:13] da oben unten drin.

[00:09:15] Und dann ist im 49. Jahr die jüngere Schwester auf die Welt gekommen,

[00:09:18]  und die Wohnung ist uns dann..

[00:09:20]  Unterm Dach, das war ja nur eine Wohnküche,

[00:09:23]  mit einem Schlafzimmer, ne

[00:09:25]  Aber alles schon unter dem Dach, also schon schräg.

[00:09:28]  Ich habe damals am Balkon draußen geschlafen,

[00:09:30]  das war aber ein großer Breiter Balkon,

[00:09:32] mit einem großen Vordach, das kann

[00:09:34] man heute noch beobachten, weil das Haus noch

[00:09:36] da oben steht. Und von

[00:09:38] diesem Platz, im

[00:09:40] zweiten Stock am Balkon,

[00:09:43]  habe ich also schon damals eingesehen

[00:09:45]  in die Maschinenhalle vom heutigen Kraftwerk.

[00:09:48] Aber vorher war da aber alles ein Wald,

[00:09:50]  ein Hügel mit einem Wald,

[00:09:52]  und dann sind die Bagger gekommen,

[00:09:54]  da sind viele, ich denke, in der Holzgassen,

[00:09:56]  in der Edelweisskurven, [unverständlich]

[00:09:58] mit einem großen Dreiachsigen LKW

[00:10:01]  die zwei Bagger raufgezogen hat,

[00:10:03]  wir haben diese Bagger gekannt, wir haben

[00:10:05] die Namen von den Baggerführern gewusst, natürlich.

[00:10:08]  Und wie gesagt, die haben dann den Hügel abgetragen,

[00:10:11]  der zuerst also ein Waldspielplatz

[00:10:13]  von uns Kindern

[00:10:15]  [unverständlich]

[00:10:17]  der war am Anfang im 49. Jahr, glaube ich, ned.

[00:10:20] Und aber von [19]45 wo wir dann selbstständig

[00:10:23]  haben draußen spielen gehen dürfen.

[00:10:26]  Nach dem Kindergarten. Kindergarten war damals oben

[00:10:29]  hier draußen, ned in [unverständlich].

[00:10:32] Und da kann ich mich erinnern,

[00:10:35]  wie gesagt, da sind wir einmal,

[00:10:37]  hätten wir mit dem Kindergarten schwimmen gehen sollen,

[00:10:40]  im Heimgarten, das war das einzige Schwimmbad,

[00:10:42]  was zugänglich war damals.

[00:10:44]  Da war dann gerade ein Fliegerangriff,

[00:10:46]  und wir haben uns gerade ausgezogen gehabt

[00:10:48] zack sofort in die Luftschutzstollen da 

[00:10:50] beim Heimgarten drüben rein, ned.

[00:10:52]  Und das war dann das erste Schwimmabenteuer

[00:10:55]  mit dem Kindergarten in Mühlau.

[00:10:57] Matthias: Und wie war die Wahrnehmung dieser Bauarbeiten,

[00:11:00]  wenn du sagst, dass ein Spielplatz abgetragen wurde?

[00:11:03] Paul: Ja, das hat uns eh nicht...

[00:11:05]  Dass das da... Der ist gerodet worden,

[00:11:07]  und dann ist der Hügel abgetragen,

[00:11:09]  es war ein Hügel, der hinten zum Schillerweg

[00:11:12]  wieder hinuntergegangen ist,

[00:11:14]  der war also höher wie der Schillerweg, der Hügel,

[00:11:16]  aber nach Süden vorgelagert.

[00:11:18]  Sieht man ein bisschen in den ersten Bilder

[00:11:20]  von dieser Dokumentation.

[00:11:22] War man als Kind traurig,

[00:11:24]  aber nicht lang,

[00:11:26]  also die Madeln vielleicht mehr,

[00:11:28]  aber wir als Buben, wir haben mit der Baustelle

[00:11:30]  also ganze eine interessante Demonstrationen 

[00:11:32] immer gehabt, ned. Bagger, Kräne

[00:11:34] sind aufgestellt worden,

[00:11:36]  Zimmerer waren da, Schweißer waren da,

[00:11:38] Rohrleitungen sind geliefert worden. Dann war ein Schrägaufzug

[00:11:40] hinauf. Also die haben ja

[00:11:42]  keine Straße rauf gehabt,

[00:11:44]  zu den Stollen hinauf,

[00:11:46]  sondern einen Schrägaufzug,

[00:11:48]  und alles, was sie da oben gebraucht haben,

[00:11:50]  an Zement und Baumaterial, ist in dem

[00:11:52] Schrägaufzug hinaufgeführt worden.

[00:11:54]  Und die Talstation vom Schrägaufzug

[00:11:56]  war genau hinter unserem Haus,

[00:11:58]  wenn man aufs Klo gegangen ist,

[00:12:00]  und zum Klofenster hinaus [geschaut] hat, hat man genau zu

[00:12:02]  dieser Talstation vom Schrägaufzug gesehen.

[00:12:04]  Und wir als Kinder,

[00:12:06]  haben also uns den Schrägaufzug,

[00:12:08]  der war ja, so wie heute die Hungerburgbahn,

[00:12:10]  so schräg gebaut, ned.

[00:12:12] Damit also im Durchschnitt

[00:12:14]  die Fläche,

[00:12:16]  wo also das Material gelagert war,

[00:12:18]  halbwegs eben steht,

[00:12:20]  und nicht runterfällt.

[00:12:22]  Die waagrechte Geschichte hat

[00:12:24]  dann fällt ja alles runter, deshalb ist es so schräg gewesen.

[00:12:26] Und da hinten war so

[00:12:28] eine dreieckige... eh eine Dreiecks-Konstruktion

[00:12:30]  war dieser Wagen.

[00:12:32]  Das ist dann von da gleich steil raufgegangen

[00:12:34]  und dann habe ich mich da hinten drauf gehängt.

[00:12:36] Wenn keine [unverständlich] zu gegen war,

[00:12:38]  der was mir das abgewöhnt hat [Tobias lacht].

[00:12:40] Und wir sind da, [hat es] also dann am Buchweg

[00:12:42]  oben eine Brücke gegeben,

[00:12:44]  gezimmerte Brücken, die haben ja alles gezimmert.

[00:12:46]  Also, da war nichts fertig, nicht

[00:12:48]  wie heut zu Tage wenn man fertig war,

[00:12:50] sondern alles ist frisch

[00:12:52]  und Holz und Bretter sind

[00:12:54]  angeliefert worden und alles

[00:12:56] haben tüchtige Zimmerer dann,

[00:12:58] gemacht, diese Brücken hinauf vom Schrägaufzug

[00:13:00] Und die Brücken haben wir...

[00:13:02]  Zumindest bis zur zweiten Brücke haben wir uns getraut

[00:13:04]  da oben zu sein, und dann war es uns zu weit

[00:13:06]  zum zurück gehen, ned.

[00:13:08]  [unverständliches Gemurmel]

[00:13:10] Und, es war immer ein Wagenführer dabei,

[00:13:12]  aber da hat er es nicht immer bemerkt,

[00:13:14]  wenn da kleine Kinder hinten oben hängen

[00:13:16]  die hat er nicht gesehen.

[00:13:18] Er ist vorne gestanden. Und da war also ein Draht

[00:13:20]  und da hat er ein Stange gehabt

[00:13:22]  und da hat er können also das Signal geben,

[00:13:24]  dem Trommelführer,

[00:13:26]  dem Zugseil,

[00:13:28]  der Windenführer,

[00:13:30]  der oben am [unverständlich] war,

[00:13:32]  und hat das also dann stoppen können, hat

[00:13:34] das müssen signalisieren.

[00:13:36]  Und dieser Wagen war meistens begleitet,

[00:13:38]  und wie gesagt

[00:13:40] da hat man halt schauen müssen,

[00:13:42] dass man speziell,

[00:13:44] wenn er runtergefahren ist,

[00:13:46]  die also auf dem ganzen Abschnitt

[00:13:48]  überall hat er stehen bleiben müssen, überall hat er ausladen müssen,

[00:13:50]  dann war dieser Wagenführer wichtig,

[00:13:52]  aber wenn er durchgefahren ist,

[00:13:54]  dann hat niemand oben sein müssen

[00:13:56]  dann hat er unten aufgeladen und ist raufgefahren.

[00:13:58]  Einmal hat es sogar ein Ding gegeben einmal,

[00:14:00]  ein Seil-Riss und dann ist

[00:14:02] der Wagen mit dem Zement runter gedonnert.

[00:14:04]  Und der ist dann rein

[00:14:06] in die, das war so eine Grube

[00:14:08]  ähnlich wie bei der Hungerburgbahn, war auch so was ähnliches,

[00:14:10]  dass dieser Wagen in die Gruben rein ist

[00:14:12]  der ist da rein gedonnert

[00:14:14]  und die Säcke, die Zementsäcke

[00:14:16]  die sind alle geplatzt von dieser Wucht,

[00:14:18]  und da hat es dann also am Schilderhof,

[00:14:20]  und am Schilderweg oben eine riesen Staubwolke

[00:14:22]  gegeben. Das war unheimlich spannend

[00:14:24]  und ein bisschen grausig natürlich.

[00:14:26] [Tobias lacht]

[00:14:28] Manfred: Du hast ja den Schrägaufzug genannt,

[00:14:30]  aber es hat ja auch einen Zug geben,

[00:14:32]  der den 

[00:14:34] Hügel da, mehr oder weniger

[00:14:36] in den Abraum nach

[00:14:38] Westen abtransportiert hat. Paul: Heutzutage,

[00:14:40] haben sie die großen Muldenkipper, die

[00:14:42] die überdimensionierten Muldenkipper,

[00:14:44]  oder drei- oder vierachsige LKWs

[00:14:46]  damals

[00:14:48] waren diese kleinen Lkw, wo wir

[00:14:50] auch Kinder rauf sind,

[00:14:52] das war ein Wagen mit einer Pritsche

[00:14:54] mit zweieinhalb Meter Länge, der hat

[00:14:56] bei Nutzung vielleicht,

[00:14:58] dreieinhalb oder vier Tonnen gehabt ned.

[00:15:00]  da sind drei oder vier Autos immer gefahren

[00:15:02]  aus der Schule drüben

[00:15:04] hinüber zu der

[00:15:06]  Mischfabrik,

[00:15:08]  da waren zwei große Trommelmischer,

[00:15:10]  die also ständig versorgt wurden sind

[00:15:12]  mit Schotter und die Zement, ned.

[00:15:14] Zement hat er am [unverständlich]-Bahnhof

[00:15:16]  geholt immer,

[00:15:18]  und da haben wir als Buben auch mal mitfahren dürfen,

[00:15:20]  also. Einmal da haben sie Not 

[00:15:22] am Mann gehabt, dann hat eine Hand gefehlt,

[00:15:24]  dann haben sie dann gesagt, du packst das schon, du hilfst

[00:15:26] Zement aufladen.

[00:15:28]  Das waren 50 Kilo Sackerln, ned.

[00:15:30]  die waren ganz ordentlich.

[00:15:32] Waren wir jetzt... Manfred: Im Zug, der

[00:15:34]  der den Abraum weggebracht hat. Paul: Der

[00:15:36] Abraum-Zug, ja. Sie haben als erste dann

[00:15:38]  diese Bagger hinaufgeführt

[00:15:40] und der Bagger hat natürlich

[00:15:42]  den Ding abtragen können

[00:15:44]  und dann haben sie also immer

[00:15:46]  vom Bagger weg, Gleise angelegt

[00:15:48]  von dieser Baustelle

[00:15:50]  des abgetragenen Hügels. Die ganzen Geschichten

[00:15:52] abgetragenen. Und dieses Gleis ist hinten

[00:15:54]  nach Westen angelegt worden

[00:15:56]  Richtung Tuffbach hinüber

[00:15:58]  und da war früher die Wiese vom Rauch,

[00:16:00]  der Rauch hat auch

[00:16:02]  einen Pächter gehabt,

[00:16:04]  oder einen Bauernhof gehabt,

[00:16:06]  das war der Steiger Toni [Schreibweise ungewiss]

[00:16:08]  der oben im Rauch

[00:16:10]  oder ihr Areal,

[00:16:12]  sein Ding gehabt hat,

[00:16:14]  und der hat für den Rauch die Wiesen bewirtschaftet,

[00:16:16]  und das war eine große Rauchwiese,

[00:16:18]  da hinten sind wir als Kinder

[00:16:20]  auch Skifahren gewesen,

[00:16:22]  und das ist dann also verändert worden

[00:16:24]  durch den Abraum oder die Deponie

[00:16:26]  aus diesem Hügel.

[00:16:28] Und aus der Deponie

[00:16:30]  aus dem Auhub vom Speicherbecken.

[00:16:32] Die haben zuerst den Hügel eben gemacht,

[00:16:34]  und dann haben sie noch abgesenkt,

[00:16:36]  diese 15.000 und 10.000 Kubikmeter

[00:16:38]  und sind halt von den ???

[00:16:40] Und

[00:16:42] um das also weiter zu transportieren,

[00:16:44]  haben sie gehabt,

[00:16:46]  also diese Züge mit Dampflokomotiven,

[00:16:48]  sind auch die Bilder, die in diesen

[00:16:50] alten Alben drinnen.

[00:16:52] Und das war jeweils

[00:16:54]  zwei Dampflokomotiven, zwei

[00:16:56] Züge. Eine ist immer rausgefahren und ist entleert worden

[00:16:58]  und eine andere ist drinnen beladen worden von den zwei Baggern.

[00:17:00] Und

[00:17:02]  diese Lohen, die sind damals

[00:17:04]  geplant gewesen für das

[00:17:06] Kraftwerk Westtirol und der

[00:17:08] Innerebner hat da also offenbar schon die Hand ein bisschen

[00:17:10] draufgehabt. War da vorgesehen für das

[00:17:12] Westtirol Kraftwerk. Die sind vom 

[00:17:14] Ötztal runtergekommen. Die waren also...

[00:17:16]  Da war eine große Deponie

[00:17:18]  oben für Materialien drinnen

[00:17:20]  für den Bau der Westtiroler Kraftwerke

[00:17:22]  und

[00:17:24]  was ich mich erinnern kann,

[00:17:26]  sind die von da hierher gekommen,

[00:17:28]  und die sind dann halt da drüben mit aufgefahren,

[00:17:30]  diese zwei Züge, mit jeweils acht

[00:17:32]  so Kippladen und das waren schon große.

[00:17:34]  Kleine Lohen haben sie

[00:17:36]  gehabt für die, für den Beton

[00:17:38]  von der Betonfabrik

[00:17:40] hinüber zum Schrägaufzug,

[00:17:42]  und sie betonieren

[00:17:44]  der Speicherbecken Säulen, der Speicherbecken Wände

[00:17:46]  der Speicherbecken Boden, Speicherbecken Decke

[00:17:48]  und das haben sie also

[00:17:50]  mit kleinen Lohen durch die Gegend

[00:17:52] hin und her geführt.

[00:17:54]  Es waren zweierlei Spurweiten oben,

[00:17:56] eine kleine für den kleinen Betrieb,

[00:17:58] oder auch für die Stollen. Die Stollen sind

[00:18:00] mit der anderen Spurweiten gefahren. [unverständlich]

[00:18:02] Dampflokomotive war ganz oben, war ein Kaliber, ned.

[00:18:04]  Und diese

[00:18:06]  Bagger damals, da hat der Bagger

[00:18:08] oder der Baggerführer hat einen Schmierer gehabt

[00:18:10]  und der Lokführer hat einen

[00:18:12] Lokführer gehabt und dann

[00:18:14] einen zweiten Techniker, der auch wieder geschmiert hat.

[00:18:16] Die Starterbüchse nachgedreht,

[00:18:18]  [unverständlich]

[00:18:20]  da war also immer ständig was. Dampflokomotive

[00:18:22] die braucht Kohle, die braucht das Wasser ned.

[00:18:24] Und da hat man also...

[00:18:26] Das hat nicht alles der Lokführer gemacht,

[00:18:28]  das ist ein Helfer, hat dem

[00:18:30]  da assistiert, ned. Und

[00:18:32] war also lebendiges Klima

[00:18:34] da drüben mein ich.

[00:18:36] Manfred: Und ihr habt euch auf der Baustelle also

[00:18:38]  frei, mehr oder weniger, bewegen können,

[00:18:40]  oder auch so Freundschaft, oder Kontakt

[00:18:42]  mit den Bauarbeitern geschlossen, und die haben euch dann...

[00:18:44]  oder mit... Paul: Das waren also

[00:18:46] [unverständlich]. Manfred: Ah ok. Paul: Waren wilde Burschen,

[00:18:48]  wir sind da in den

[00:18:50] Dingern da rein, [es gibt noch so]

[00:18:52] Bilder wo diese

[00:18:54] Barracken da waren, da waren drei, vier Barracken

[00:18:56]  oben, über dem Schillerhof [Schreibweise ungewiss]

[00:18:58]  und da ist es eher rau zu gegangen.

[00:19:00] Die haben also gesoffen am Abend

[00:19:02]  oder am Wochenende,

[00:19:04]  wenn die Dekane aus waren,

[00:19:06]  oder die Freizeit da war,

[00:19:08]  aber

[00:19:10]  wir haben Kontakt gehabt mit den Frächtern zum Beispiel,

[00:19:12]  das war der

[00:19:14] Neuhauser aus Hötting, oder 

[00:19:16]  die Gebrüder Pohl [Schreibweise ungewiss].

[00:19:18]  Die waren mit so einem Mercedes LKW

[00:19:20]  sind die gefahren und die sind immer

[00:19:22]  zum jetzigen Schießstand hingefahren,

[00:19:24]  das war damals ein großer Schottergrund,

[00:19:26]  und der ganze Schotter für die

[00:19:28]  Betonbecken, Speicherbecken

[00:19:30]  ist von dieser Grube,

[00:19:32]  die heute also der Schießstand ist, ist das da

[00:19:34]  entnommen worden. Und wir haben, also speziell mit anderen, wie soll es sein, angefreundet, wir haben

[00:19:40]  also dürfen auf den Trittbrettern oben, ich bin schon früh raufgestiegen, und habe mich [unverständlich]

[00:19:46] und ich habe mich da mit dem Ellbogen reingehängt und da habe ich von der Schule da, [unverständlich]

[00:19:50] heimgeführt, das war ein mords Ding, ned. Oder auch die Bauern,

[00:19:56] der [unverständlich] die mit... die haben Felder unten gehabt, in der Gegend vom olympischen Dorf

[00:20:00]  und haben also ihre Ernte, Heu oder irgendwas, eingebracht und die sind dann da mit ihrem

[00:20:07] Ausfuhrwerk da raufgefahren. Und der [unverständlich] hat besonders schöne Pferde gehabt, die sind

[00:20:13]  natürlich auch da rauf. Der Zoller-Bauer oder der Waldner hat nur ein einziges gehabt,

[00:20:18]  das war ein großes, irgendwie so ein Noriker-Typ. Der Gundolf oben, der hat Kühe gehabt,

[00:20:23]  das war eine auffällige Mischung, wenn mal ein Heuwagen mit Kühen die Holzgasse rauf gezogen hat.

[00:20:27] Ziehen hat müssen. Und eben der Gstier, der da hinten herkommt vom

[00:20:33]  Lebensmittel war, der Gstier Heinz. Der Heinz, der junge, der war mit uns in der Volksschule und

[00:20:39]  gemeinsam mit dem Holzbauer Klaus, war er ein bisschen älter und mit Arzl Robert, [unverständlich]

[00:20:44] dabei damals. Aber in den Stallungen vom Gstier waren wir drin, der hat

[00:20:49]  also zwei schöne Pferde gehabt, der hat sie immer gehabt mit den Haflinger. Er hat auch oben neben

[00:20:54]  der Weingartner-Villa eine Wiese gepachtet und da hat er die Haflinger dann also frei grasen, laufen gehabt

[00:21:00] oder einen Zaun gemacht und hat die da oben laufen lassen, so wie man halt Pferde auf der Alm oder der Wiese 

[00:21:07] halt hat. Und meine Großeltern haben den Gstier gekannt und den Obertanner

[00:21:14]  da vis-à-vis drüben, und der Gstier hat sie damals, also die Großeltern haben da 50. Hochzeitstag gehabt

[00:21:22]  und der Gstier war so nett und hat die Großeltern dann in Wilten oben abgeholt und hat sie in die

[00:21:27]  die Basilika gefahren, zur goldenen Hochzeit, ned. Und hat nichts dafür verlangt, sondern es war

[00:21:32]  eine Ehre, denn Johann Wilhelm, den [unverständlich] mit seiner Frau zur goldenen Hochzeit

[00:21:37]  zu fahren. Gefeiert haben sie dann oben. Gasthof Waldheim, in der Hungerburg war das oben

[00:21:42] das war da, wo heute der Wildmann ist, oberhalb, da hat es einen schönes Waldgasthaus gegeben,

[00:21:47]  und da haben wir die goldene Hochzeit von der Großeltern dann gefeiert. Dann, nach der Volksschule,

[00:21:54]  bin ich, das heißt, Hauptschulzeit bis zur Gewerbeschulzeit bin ich dann noch da oben

[00:22:01]  gewesen und mein Schulweg war also immer zu Fuß, der Vater hat mir keine Monatskarten gekauft,

[00:22:07]  oder so, sondern hat mich in die ehemalige Schirmschule [Schreibweise ungewiss] oder heutige Rennerschule,

[00:22:11]  zu Fuß gehen lassen, was mir ja nicht geschadet hat. Weil, dadurch hat man schon eine

[00:22:16]  Basiskondition für spätere, bergsteigerische Tätigkeit gehabt. Mit 14, 15 Jahren, bin ich zum

[00:22:22]  Alpenverein zur Alpenvereinsjugend oder Jugendschaft gekommen und da habe ich dann

[00:22:27]  also gut radeln können und gut gehen können, ned. Da hat man... War man dann schon gerüstet ordentliche

[00:22:32]  Touren. Klettern hat man dann angefangen auch und so. Und dann sind wir eben, wie es

[00:22:37]  zu klein geworden ist, die Brigitte war damals [19]49 geboren, die ist genau 10 Jahre jünger als ich

[00:22:43]  und die Brigitte, das ist halt dann zu eng geworden. Zuerst hat die Brigitte noch bei den

[00:22:49]  Eltern drin geschlafen und dann. Ich habe mit meiner Schwester im Wohnzimmer

[00:22:54]  auf der Eckbank geschlafen so. Fuß gegen Fuß haben wir... Sind wir da in der Ecke drin gelegen

[00:22:59]  und wie dann die Brigitte nicht mehr bei den Eltern schlafen konnten, weil es zu klein war,

[00:23:03]  hat der Vater die neue Wohnung gekauft in der Gumpstraße, Amraserstraße. Und da haben wir auch wieder

[00:23:11] da war... Reich war niemand damals, das ist damals am Anfang der 50er Jahre gewesen,

[00:23:16]  da hat die Stadt oder städtische Bedienstete da draußen, haben sich zusammengetan

[00:23:23]  und Wohnungseigentum gegründet und haben die Ziegel, haben sie vom Bombenbeschädigten,

[00:23:29]  Fleischbankgebäude, das drüben ist da am Marktplatz, jetzt wo die jungen Leute auf dem Boden hocken, ned.

[00:23:36] Dort ist dieses Fleischbankgebäude gewesen, da waren die Metzger dran, Rosenmetzger,

[00:23:44]  Mittermeier und Meier [Schreibweise der Namen ungewiss] und [die] Metzger haben einen eigenen Kühlraum dort gehabt und eigene

[00:23:49]  Stände drin und vorne draußen war der allgemeine Marktplatz, ned. Aber jedenfalls diese Bombenziegel

[00:23:55] die haben sie uns da rausgeführt in die Amraserstraße und abends nach

[00:23:59] nach der Schule oder die Eltern oder der Vater nach der Arbeit, sind wir alle,

[00:24:04]  die Väter und die Kinder, die ich halt können konnten haben, mit dem Maurerkram da gehockt und haben,

[00:24:09]  den Mörtel abgeschlagen von den Ziegel, aus denen das Haus Amraserstraße 23 dann gebaut

[00:24:14]  wurde. Steht aber heute noch, dieses Haus. Es ist also halbwegs ordentlich gebaut und

[00:24:20]  die Fenster, was ich weiß sind auch noch aus der Zeit drin und damals war die Holzqualität

[00:24:25]  besser, hat man das Holz im Zeichen geschlagen oder was immer. Matthias: Aber dein Vater war dann bei

[00:24:29]  der Stadt praktisch? Wenn... Paul: Er war bei der Stadt, ja. Matthias: In welchem... Paul: Er war also beim Marktamt, er war Marktamt-Leiter schon in der Nazi-Zeit,

[00:24:42]  dann danach war er nicht mehr dort und dann ist aber irgendwann wieder "entnazifiziert" worden oder

[00:24:48]  was und ist wieder eingestellt worden und war dann bis zur Pension am Inneren. Matthias: Und in

[00:24:54] Pradl, das Leben, also von Mühlau [Paul hustet] nach Pradl verpflanzt zu werden. Paul: Ja, aber in Pradl bin ich nie heimisch gewesen. Matthias:

[00:25:00] nicht? Paul: Weil ich meine Heimat war, war die Leonhardskriche [Schreibweise ungewiss] da und danach hat man

[00:25:05]  die Kirche nicht mehr gehabt und ich glaub, als 14-jähriger bin ich am Sonntag auf den Berg gegangen

[00:25:11]  und nicht in die Kirche und da hat also dann auch meine spätere, bergsteigerische

[00:25:17]  Parallellaufbahn angefangen. Ich bin immer mein ganzes Leben in den Ferien, im Pitztal

[00:25:23] drin gewesen, auf der Kaunergrathütte und hab dort also in der Bergsteigerschule mit-

[00:25:29]  gearbeitet. Und das verfolgt mich noch bis heute, weil also Bergführer von der... Die Hütte war, ist ja so gewesen von der Akademischen

[00:25:38]  Sektion Graz die Kaunergrathütte, auf 2800 Meter irgendwas und die hat... Ist also immer bedient

[00:25:46]  worden, die Akademische Sektion hat dort die Bergsteigerschule betrieben und die Führer,

[00:25:52]  das waren meistens kletternde Studenten aus der Sektion Graz. Und mit denen bin ich

[00:25:59]  ja so viel in den Ötztaler Bergen unterwegs gewesen, auch ein bisschen was in den Schweizer,

[00:26:06]  in den Alpen draußen und habe aber heute noch Verbindung, die Kaunergrat-Runde gibt's

[00:26:11]  auch noch was weiß ich, da waren vielleicht 15 Bergführer im Laufe von 30 Jahren, wo ich

[00:26:16]  war von [19]54 bis Ende der 80er-Jahre oben, also im Sommer immer, in meiner Freizeit aus der

[00:26:24] Tätigkeit im Schichtdienst hat man also zusammengelegt und nicht auszahlen lassen, sondern als

[00:26:30] Zeit Ausgleich genommen und das heißt ich bin also mindestens drei Wochen im Sommer immer

[00:26:35] auf den Berg gegangen, mit Holländern, Holländischen Jugendgruppen oder mit Holländer Allgemein. Der Königliche

[00:26:41] Niederländischen Alpenverein hat dort, also fast alle Bergsteiger vom Königlichen-Niederländischen Bergsteigerverein ist in die Bergsteiger-Schule

[00:26:47]  in der Akademischen-Sektion im Wipptal drinnen gegangen. Mit denen haben wir also sehr schöne Touren gemacht

[00:26:53]  und wie schon gesagt, [mit den] Führern habe ich heute noch Kontakt. Jetzt habe ich gerade einmal anlässlich eines Begräbnisses

[00:27:01] einer ist in Graz gestorben, der war beim AFL, das ist die Firma List,

[00:27:06]  die ja groß für BMW und Mercedes, Motoren entwickelt. Der ist jetzt einmal gestorben und da

[00:27:14]  waren wir beieinander und dann sind wir darauf kommen, wir sind von ehemals vielleicht

[00:27:19] 12 oder 15 Leuten, die in diesen Jahrzehnten beieinander waren und mit Leuten auf den Berg gegangen

[00:27:25]  sind, sind also jetzt noch fünf bis sechs da. Und da hat ein rühriger Tourist,

[00:27:32] der ist 30 Jahre lang auf diese Hütte gegangen und hat immer diese Kruse besucht,

[00:27:37]  halt wiederholt und hat auch selber Touren gemacht und diese Bergsteiger-Schule hat auch Touren

[00:27:43]  im Waldis [Schreibweise ungewiss] gemacht, in der Dauphiné, im Mont-Blanc, im Berg-Eller und der hat ein Tourenbuch

[00:27:49]  angefertigt, da über diese Zeit mit Bildern und ich habe auch... Nach dem Begräbnis in

[00:27:55]  Graz, bin bei der Tochter von dem Hüttenwirt, bin ich, bin ich vorbeigekommen und habe

[00:28:02]  mit der geredet, ist auch schon eine ältere Dame und die hat gesagt, ich habe ein Buch aus der Zeit von

[00:28:08] einem Touristen, der das meiner Mutter einmal zugeeignet hat und das waren hundert Seiten mit

[00:28:15]  Tourenberichten und vor allem garniert mit Fotos und da hat man sich also selber und beziehungsweise

[00:28:22]  mit Läufern oder anderen Führern, die da oben waren, gefunden und ich habe sie jetzt gerade

[00:28:29]  einmal beim Ding, bei einer Kopieranstalt dieses Buch vervielfältigt und habe also diesen noch

[00:28:36] Lebenden, wie gesagt, sechs sind normal gestorben, zwei sind standesgemäß am Berg abgestürzt

[00:28:41]  und viele sind noch da, denen habe ich also diese Kopien geschickt und die freuen

[00:28:47]  sich schon darauf, die haben es noch gar nicht gekriegt und sind gerade im Moment am Postweg.

[00:28:50] Ja aber jedenfalls bin ich nach den Eltern zu den Stadtwerken gegangen und die

[00:28:58]  haben mich als erste Mal in die Stationsabteilung und dann haben sie mich geschickt in die obere

[00:29:04]  Sill hinein und das war dann im Jahr [mit heiserer Stimme]1960, 1961. 1961 bin ich dort hingekommen, da ist gerade

[00:29:11]  die Europabrücke gebaut worden, das war wieder sehr interessant. Wir waren die ersten die

[00:29:16]  also dann den Pfeiler innen aufgestiegen sind, da war noch keine Brücke da, da oben

[00:29:20]  waren nur einmal, diese Pfeiler sind ja dreiteilig ned. Und der Schwerpunkt, das geht ja 40 Meter

[00:29:26] hinunter und 190 Meter rauf und 40 Meter runter und das ist wie ein Stehaufmännchen, der Schwerpunkt von der Säule ist unter der Erde,

[00:29:33] unsichtbar drinnen. Und außen... Innen in der Mittelsäule ist eine Stiege [Dialekt für Treppe] raufgegangen

[00:29:40]  und oben war dann einmal, bevor die Brücke gekommen ist, so ein Bretterdach, das war so abschüssig

[00:29:45] dann sind wir raus, da sind wir halt vorsichtig da raus gerobbt, am Bauch und haben halt dann da runter geschaut [Tobias lacht kurz] Und

[00:29:53]  dann haben wir erlebt, also wir, also die Voest und die Waagner-Biro, also nicht wir sondern

[00:29:58]  ich habe es erlebt in der oberen Sill drinnen, die die Brücken vorgeschoben haben, wie sie

[00:30:02]  das zusammen getan haben. Und dann war einmal dieser tragische Vorfall, wo drei Leute von der

[00:30:07]  Waagner-Biro mit einer Platte runter gefallen sind auf die, auf die... Am Schönberg oben, oberhalb der Schönberstraße sind die dann

[00:30:14]  gelegen, das war also [ein] sehr einschneidender Moment für den Bau der Europabrücke.

[00:30:21] Die Voest ist also glaube ich unfallfrei durchgekommen, die Waagner-Biro hat dann auf

[00:30:24] einen Schlag drei Tote gehabt ned. Da hat er so... Da sind diese zwei Längsträger und

[00:30:30]  da haben sie immer so Platten eingesetzt dann und da haben sie dann so gewartet immer 

[00:30:34]  wenn ein Loch kommt, dann haben sie immer einen Stift, einen Basstift [Schreibweise ungewiss] rein getan und dann die

[00:30:38]  Schrauben. Und dann haben sie gesagt, jetzt kommt er gleich und dann war es aber, das war

[00:30:41] aber schon die Luft und das war nicht mehr das Loch, und durch [unverständlich] sind die

[00:30:44]  drei Männer, die auf der Platte gestanden sind runter gefallen. Und früher hat man ja nie

[00:30:49]  jemanden angehängt. Heute darfst du, wenn du zwei Meter rauf gehst, dann musst du fast schon

[00:30:53]  einen Sicherheitsgurt anlegen und anhängen. Damals war das halt nicht so, dass da

[00:30:57]  jeder angehängt ist, ned. Heute siehst du bei fast allen großen Baustellen, siehst wenn sie einen Masten

[00:31:02] raufgehen, haben sie immer die großen Haken mit und so geht es, zack, zack, zack,

[00:31:06]  zack, immer hängen sie rein, wie die Leute am Klettersteig, ned. Keinen Moment

[00:31:10]  ungesichert. Immer, immer mit, mit irgendwie mit einem festen Punkt verbunden. Das war damals

[00:31:16]  eben nicht so. Matthias: Und wie war der Dienst im Kraftwerk? Also, wie kann man sich da so

[00:31:21]  einen typischen Arbeitstag vorstellen? Paul: Die Kraftwerke haben früher einen... Ein Kraftwerk liegt

[00:31:28]  an einem Bach oder in dem Fall, wieder... Ein Sonderfall mit

[00:31:34]  Quellfassung an der Sill. Und da waren ein Schleusenwärter immer

[00:31:38] drinnen, da war ein Turbinenwart in der Maschinenhalle, zum Teil Maschinenwart,

[00:31:43] zum Teil Turbinenwart, und da war ein Mann in der Schaltwarte und ein Techniker hat

[00:31:47]  zusätzliche Anwesenheit gehabt. Wenn irgendetwas ist im Netz, oder so Netzstörung,

[00:31:51]  höher rangige Störungen, wurden also nicht vom Schaltwart oder vom Maschinenwart,

[00:31:59]  das waren einfach Leute, der hat jeden Abend die Halle ausputzen müssen,

[00:32:03]  und der hat müssen schauen, dass in den Lagern Öl drinnen ist, oder... Im Wesentlichen war

[00:32:08]  der mit Putz-Arbeiten beschäftigt, der andere war mit Schreibarbeiten beschäftigt, der hat

[00:32:12]  alle halbe Stunden müssen ein anderen Meter ablesen oder ein Voltmeter ablesen oder einen Temperaturmesser,

[00:32:17]  und da sind solche Bögen gewesen, und die hat man dann zweimal in der Woche in

[00:32:23]  die Direktion getragen, zu seinem Betriebsleiter, oder sein Stellvertreter,

[00:32:27]  hat da ein Band drum gemacht, und hat das dem... Der Direktor hat geschaut, ob diese Werte... Ob Besonderheiten,

[00:32:33]  vermerkt sind, da war eine Rubrik, wo man Besonderheiten vermerkt hat, ob die Werte normal sind

[00:32:38]  und ob die Erzeugung, die Kilowatt Stunden, also passen. In der Statistik hat man da geschaut, ja

[00:32:45]  im Jahr haben sie so viel erzeugt, das sind ja ein bisschen variable Werte. In Mühlau

[00:32:49]  sind sie relativ konstant, aber in den Sill-Kraftwerken, ist es je nach Wasser oder je nach Ding,

[00:32:55]  manchmal ist es in der Schmelzwasserzeit, da geht alles über, da kannst es gar nicht

[00:32:59]  schlucken, und wenn es gleichmäßig kommt, oder gleichmäßig regnet in den Herbst rein,

[00:33:04]  dann hast eine schöne Wasserführung, dann hast auch einen schönen Jahreskilowatt-Stundenwert

[00:33:08] zusammengebracht, ned.

[00:33:10]  Ja, und da war ich ja dann in der oberen Sill drinnen, und dann war in Mühlau drüben

[00:33:17]  ist jemand in Pension gegangen, oder was ich glaub, der Erich ist in Pension gegangen,

[00:33:20] damals, der damals als neuer Werksleiter, das Mühlauer Werk übernommen hat, das war auch eine Geschichte, die

[00:33:28]  überraschend war mit der großen Lawine drinnen, die das alte Mühlauer Werk [unverständlich] hat,

[00:33:32]  dann haben sie das andere, war fast fertig, das haben sie beschleunigt in Betrieb genommen,

[00:33:36]  damit sie sowohl Strom wieder haben, es ist ja nicht gegangen. Die Stromerzeugung ist ihnen

[00:33:41] ja ausgefallen. Dann, da sind ja schöne Bilder drinnen von dieser Lawine, und da ist sozusagen

[00:33:46]  die Maschinenhalle und die Generatorhalle, eineinhalb Meter im nassen Schlamm gewesen.

[00:33:52] Und die Maschinen waren kaputt, und die Turbinen und die Regler waren auch [kaputt].

[00:33:56]  Maschinen sind also, glaube ich, eine davon... Ein Generator ist nach Wien gekommen,

[00:34:00]  in das Technische Museum, und da war er auch mal eine Zeit lang ausgestellt, und dann

[00:34:04]  wollte ich ihn mal anschauen gehen, und dann haben sie gesagt, nein den haben wir nicht mehr da, wir haben jetzt eine

[00:34:08]  Maschine vom Ruetz-Werk drinnen. Die Stadtwerke haben ihnen wieder eine geschenkt, das war die

[00:34:13]  Maschine vom Ruetz-Werk dann, ned. Das Ruetz-Werk ist ja auch so, irgendwann einmal in den 60er Jahren

[00:34:19] neu gebaut wurden, das war auch, die Stollen waren im miserablen Zustand, und die Maschinen und

[00:34:24]  Leistungen haben also, das Wasser zu wenig ausgeliefert, dann haben sie also, dieses Schachtkraftwerk

[00:34:29]  in Fulpmes gemacht, ned. Wo sie ja so große Schwierigkeiten gehabt haben. Da war Schwimmschotter, und

[00:34:35]  die haben müssen da 170 Meter in die Tiefe hinunter in den Schwimmschotter, was nicht

[00:34:39]  geht, dann haben sie also tief gefroren das Ganze, und wie das gefroren war, hat man den Schacht vortreiben

[00:34:44]  können. Also früher ist der Schacht... Da hat es einen Stollen gegeben, der ist gegangen,

[00:34:50]  rechtsufrig, also aber grafisch rechts, von der Ruetz, hinaus bis hinter die Europabrücke

[00:34:56] da ist oben die Kapelle, und da sind damals vom "Generiel" [Firmenname] geplant, [unverständlich]

[00:35:03]  Wasserschlösser für die zwei Kraftwerke, für das Sillwerk und das Ruetz-Werk. Beide hat der

[00:35:07] Riel gebaut, ned. Und die Wasserschlösser sind auf selber Höhe, und da hat man ein Verbindungsstollen

[00:35:14]  gebaut. Das haben sie… Das ist nach wie vor in Betrieb, der Verbindungsstollen zwischen diesen

[00:35:18] zwei Kraftwerken, und zwar die Bundesbahn hat diese Neu-Trassierung gemacht statt am Hang hinaus,

[00:35:26]  und dann einen Kraft-Abstieg, per Rohrleitung hinunter, haben sie also jetzt also in Fulpmes das Schachtkraftwerk,

[00:35:33]  und einen eigenen Stollen, einen neuen Stollen hinaus zum jetzigen Sillwerk in

[00:35:37]  die Stadtwerke.

[00:35:38]  Und die Stadtwerke haben dieses Kraftwerk übernommen, und haben sagen uns ist das gerade

[00:35:42]  recht, die haben damals den Stollen vergrößert, in dem Hunger nach Energie, hat man also

[00:35:49]  der Speicher in der unteren Sill mit 30.000 Kubikmeter war zu klein für die Stadt, hat man den Stollen

[00:35:55]  gebaut, der Speicherbecken hat ein Gefälle von 100 Meter, und in der obere Sill haben

[00:36:01]  sie Gefälle von 180 Meter. Und jetzt dann den Stollen von Matrei ein bisschen größer machen, und dasselbe

[00:36:07]  Stollen-Volumen zusammenbringen durch die Vergrößerung vom Querschnitt, wie vom

[00:36:11]  Speicher oben in der unteren Sill. Dann habe ich ja eine dreifache... die doppelte Menge, durch die doppelte 

[00:36:19] Fallhöhe, und das Wasser kommt man ja dann zu gute noch in der unteren Sill, ned. Wenn ich es da

[00:36:23]  oben speichere, geht es über zwei Stufen dann in den Stollen.

[00:36:26]  Ja, jedenfalls so hat sich dann dieser Kraftwerksbetrieb abgespielt, und ich bin also dann also

[00:36:35]  3 Jahre in Mühlau oben gewesen, und dann haben sie die untere Sill gebaut, und die Stadtwerke

[00:36:38]  haben mich dann da hinüber geordert. Hin in die Turbinenaufstellung. Vom Turbinen aufstellen, war ich dann drüben im

[00:36:44]  [unverständlich] bin ich bis zur Pension geblieben, und dort sind auch Wohnhäuser entstanden, und in

[00:36:48]  diesen Wohnhäusern da lebe ich als Pensionist heute noch drinnen.

[00:36:52] Matthias: Und gibt es etwas Besonderes aus der Dienstzeit jetzt noch, also ein besonderes Erlebnis?

[00:36:57] Paul: Naja, ein Erlebnis, sagen wir, ist, sagen wir, in Mühlau drüben, da hat einmal ein Jäger

[00:37:02]  im Schabernitz die Leitung abgeschossen [Tobias lacht kurz], dann ist ganz Innsbruck ohne Strom gewesen.

[00:37:06] Weil im Winter ist also die [unverständlich] auch klein gewesen, und wir haben für die Bayern

[00:37:10]  bezogen, und dann ist ja, das sind die Bayern auch, und dann war es dunkel.

[00:37:14]  Dann bist du im Dienstzimmer, dann musst du schauen, geht die Straßenbeleuchtung vielleicht

[00:37:18]  nicht mehr. Das Dienstzimmer war im alten Werk, und das neue Werk hat kein Dienstzimmer

[00:37:22]  gehabt praktisch, und da bin ich dann hin gegangen, und ich habe dann also geschaut, wieder,

[00:37:28]  die Maschinen fallen aus ned, und dann muss die Maschine wieder auffahren, muss die wieder

[00:37:32]  ans Netz nehmen und die Verbindung mit der Zentralwarte, muss dann das ganze Netz wieder aufbauen.

[00:37:36]  Das ist auch, mir einmal passiert in der unteren Siedlung, da ist irgendwo durch ein Bauteilbrand,

[00:37:46]  der elektrische Wandler von der Sägemaschine, hat gebrannt, und wenn die Sägemaschine,

[00:37:50] die ist, eh für die Sägemaschine [die] Messung zuständig, und wenn der brennt dann [unverständlich] Sägemaschine

[00:37:54]  dann bist auch weg vom Fenster. Ansonsten sind wir nur da gewesen, im Winter, wenn Niederwasserzeit

[00:38:01]  ist und von den drei Maschinen eine frei war. Die Maschinen instand zu halten, und schauen,

[00:38:05]  dass sie möglichst nicht ausfallen, ned. Und das ist uns auch gut gelungen immer, ned. Also früher

[00:38:10]  mit Eigenpersonal, heute haben ich noch ein bisschen lockere Verbindungen da hinüber, jetzt tun sie

[00:38:16]  alles vergeben, das wird alles an Firmen vergeben. Früher hat man so einen Leute gehabt,

[00:38:20]  so Werkmeister drinnen, die haben die Maschinen bis in die letzte Scheibe gut gekannt,

[00:38:25]  und heutzutage ist das halt auch nicht mehr.

[00:38:28]  [Outro-Musik]

[00:38:52]

[00:38:54]

[00:39:04]

[00:39:07]

Zeitzeugengespräch Gertrud Egger

Zeitzeugengespräch Gertrud Egger

Stadtarchiv Innsbruck

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Transkript

[00:00:00] Gertrud: Und dann haben wir noch einen Metzger in der Nähe gehabt, in der Höttinger Au.

[00:00:04]  Und da sind wir hingegangen.

[00:00:06]  Und dann haben wir gesagt, wenn die Mama kommt, dann sollen sie sagen, sie haben kein "Beuschl" [Dialekt für Kalbsinnereien]

[00:00:13] Weil das haben wir ja nicht gemocht.

[00:00:29] [Intro-Musik] Tobias: Hallo und herzlich willkommen zur zweiten Folge der zweiten Staffel von Archivwürdig,

[00:00:33]  dem Podcast des Innsbrucker Stadtarchivs.

[00:00:36]  Heute hören Sie Ausschnitte von unserem Besuch bei Gertrud Egger.

[00:00:40]  Gertrud Egger wurde 1926 in Innsbruck geboren und spricht mit uns unter anderem über ihre Kindheit in der Höttinger Au,

[00:00:46]  ihre Arbeitseinsätze während des Zweiten Weltkriegs, ganz generell wie man den Alltag bewältigte

[00:00:52]  und was man mit der Familie früher alles unternommen hat.

[00:00:55]  Bei der Aufzeichnung, die wir bei Frau Egger vor Ort gemacht haben, waren auch ihr Sohn,

[00:00:59]  sowie mein Kollege Matthias Egger und ich anwesend.

[00:01:03]  So viel sei vorab erwähnt und nun gebe ich dir direkt über in die Aufzeichnung.

[00:01:09] Gertrud: Also ich bin die Gertrud Egger, als zweites Kind meiner Eltern geboren.

[00:01:16]  Mein Vater hätte sich sehnlichst einen Buben gewünscht.

[00:01:21] Aber wie er mich dann erlebt hat, hat er gesagt, für zehn Buben gibt er mich nicht mehr her.

[00:01:27]  Und dann sind wir aufgewachsen in der Höttinger Au 24

[00:01:34]  und wir Kinder waren im Kabinett untergebracht

[00:01:38]  und es war aber so klein, dass mein Vater die Tür aushängen hat müssen

[00:01:45]  und hat eine Vorhang gemacht.

[00:01:48]  Und ich war relativ lang im "Bettstattl" [Dialekt für Kinderbett] und meine Schwester hat einen Divan gehabt.

[00:01:57]  Trotzdem haben wir eine ausgesprochen glückliche Kindheit gehabt.

[00:02:05]  Meine Eltern, also mein Vater war kein Großverdiener, der war Beamter,

[00:02:11]  aber wir durften schon früh selber Eislaufen gehen, Skifahren gehen.

[00:02:21]  Wir haben Klavierunterricht gehabt bei der Frau Helf-Hübler von Alpenheim.

[00:02:31]  Also wir haben als Kinder, obwohl unser Vater ein Beamter war,

[00:02:39]  haben wir eigentlich eine reiche Kindheit gehabt.

[00:02:42]  Skifahren sind wir von zu Hause mit den Brettern am Buckel,

[00:02:48]  sind wir hinauf gegangen bis auf die Mutterer Alm.

[00:02:53]  Aufs Frimmes hinauf war schon fast zu weit

[00:02:58]  und da waren so ausgetretene Stapfen schon im Knie... Eh, im Schnee.

[00:03:06]  Also bis zum Nockhof sind wir dann gegangen und einmal heruntergefahren,

[00:03:12]  aber das fast bis vor die Haustür und das war ganz lustig.

[00:03:18]  Aber wie gesagt einmal und einmal herunter.

[00:03:23]  Und das wildeste war der Brennerschuss.

[00:03:27] Ich weiß nicht, ob Sie sich das vorstellen können.

[00:03:31]  Da ist man über die Wiese von Mutters nachher runtergefahren

[00:03:36]  und dann ist man bis zur Brennerstraße gekommen,

[00:03:39]  hat die Brennerstraße gequert und dann war der sogenannte Brennerschuss,

[00:03:46]  die Ferrari-Wiesen oder wie man das...

[00:03:49]  Ja und da sind die Leute gestanden und haben schon geschaut, wie man geflogen ist.

[00:03:55]  Aber trotzdem war das Skifahren fein und das haben unsere Eltern,

[00:04:02]  obwohl mein Vater einfacher oder kein großer Beamter war, alles machen dürfen.

[00:04:09] Matthias: Was hat es in der Höttinger Au für Geschäfte gegeben

[00:04:14]  oder für Treffpunkte für die Kinder, wo man so Süßigkeiten, Kiosk... Gertrud: Nein. Matthias: ...gegeben, wo man sich...?

[00:04:19] Gertrud: Wir haben in der Nähe ein kleines Geschäft gehabt,

[00:04:23]  die Schweizer hat der geheißen und da haben wir selber einkaufen gehen dürfen.

[00:04:29]  Oder, und dann haben wir noch einen Metzger in der Nähe gehabt, in der Hüttinger Au

[00:04:35]  Und da sind wir hingegangen und dann haben wir gesagt, wenn die Mama kommt,

[00:04:40]  dann sollen sie sagen, sie haben kein Beuschl.

[00:04:44]  Weil das haben wir nicht mögen. [Tobias lacht]

[00:04:47]  Und wie meine Mama einkaufen gegangen ist,

[00:04:53]  dann haben sie gesagt, moi Frau Egger, kaufen sie keinen.

[00:04:57]  Die Kinderlein waren bei uns und haben gebeten,

[00:05:02]  wir sollen sagen, wir haben keins.

[00:05:05]  So war es.

[00:05:07]  Und Kindergarten gegangen sind wir in die Stadt.

[00:05:11]  Da war jetzt meine Schwieger-Enkelin arbeitet,

[00:05:18]  weil meine Eltern der Meinung waren,

[00:05:23]  wir sollen ordentlich sprechen lernen.

[00:05:29]  Dann sind wir in die Stadt zum Kindergarten gekommen.

[00:05:33]  Und Schule haben sie mich auch ins Pädagogium geschickt in die Stadt.

[00:05:41]  Und da habe ich eine Lehrerin gehabt, die Frau Prof. Krug.

[00:05:46]  Und die hat uns Kindern gleich einmal am Anfang,

[00:05:50]  also wie man in die Schule gekommen sind, hat sie gesagt,

[00:05:54]  ich bin eure Mutter Ute.

[00:05:58]  Die war so eine wunderbare Lehrerin.

[00:06:02]  Und meine Schulzeit im Kindergarten, eh also nicht im Kindergarten, im Pädagogium,

[00:06:10]  da haben wir einen Religionslehrer, den Prof. Mitterer gehabt.

[00:06:16]  Bei dem bin ich dann auch zur Erstkommunion und Firmung vorbereitet worden.

[00:06:24]  Jetzt sind die Vorbereitung zur Erstkommunion.

[00:06:28]  Ich habe von meiner Hauschneiderin, nicht meiner, die Hauschneiderin meiner Eltern,

[00:06:34]  ein ganz schönes Kleid gekriegt, aber kurz, weißes Kleid.

[00:06:39]  Und ich habe Zöpfe gehabt.

[00:06:43]  Und ich habe müssen schlafen mit Stopsellocken.

[00:06:48]  Das sagt Ihnen heute nichts mehr.

[00:06:51]  Man hat mir die Haare mit Papier aufgedreht.

[00:06:59]  Und mit diesen Knöpfe am Kopf habe ich müssen schlafen,

[00:07:04]  dass ich in der Früh Locken gehabt habe.

[00:07:08]  Aber schön war ich.

[00:07:10]  Ja, das war ein wunderschönes Fest.

[00:07:13]  Und zur Firmung sind wir ins ...

[00:07:18]  Wie heißt das da beim Halltal Eingang?

[00:07:22] Matthias: Magdalener?

[00:07:23] Gertrud: Nein, weiter draußen. Männliche Stimmer: [unverständlich]

[00:07:25]  Ja, in das Gasthaus gegangen.

[00:07:28]  Und das war es.

[00:07:31]  Aber trotzdem war es schön und ein Fest.

[00:07:36]  Und es war ja Erstkommunion und Firmung hintereinander im Gleichen.

[00:07:43]  Ja, und dann habe ich das gleiche Gewand [Dialekt für Kleidung] gehabt.

[00:07:47]  Aber einmal Stopsellocken und einmal keine.

[00:07:51]  Einmal die Zöpfe. [lachen]

[00:07:53] Matthias: Können Sie sich erinnern an den Anschluss, also an den März 1938,

[00:07:59]  wie sich das in der Schule abgespielt hat?

[00:08:03] Gertrud: Eigentlich... Wir haben von Politik oder sowas überhaupt...

[00:08:09]  Also, ich weiß zwar, mein Vater war ja sozusagen illegal,

[00:08:18]  aber das weiß ich mehr aus Erzählungen.

[00:08:22]  Und der ist sofort rausgeschmissen worden.

[00:08:27]  Und das war für meine Mutter sehr tragisch.

[00:08:31]  Weil die haben ein Jahr lang keine Pension gekriegt, gar nichts.

[00:08:36]  Also, das war eigentlich...

[00:08:39]  Und mein Vater war in beiden Weltkriegen eingerückt.

[00:08:44]  Also, der hat sicher keinem ein Haar gekrümmt,

[00:08:49]  aber er war bei der [unverständlich] Partei.

[00:08:53]  Und das war halt... ja.

[00:08:57]  Aber das ist dann auch vergangen und mittlerweile hat er dann auch eine Pension gekriegt.

[00:09:05]  Aber meine Mutter hat viel mitgemacht.

[00:09:10]  Erstens einmal schon ist sie ja aus der Tschechei gekommen.

[00:09:16]  Mein Vater hat sie im Weltkrieg,

[00:09:19] die waren beim Oberpostmeister, waren die einquartiert.

[00:09:24]  Und beide Offiziere haben tschechische Mädchen geheiratet.

[00:09:33]  Der Onkel Otto, der war Hauptmann und mein Vater war Oberleutnant.

[00:09:38]  Und beide haben die Töchter dieser Familie geheiratet.

[00:09:43]  Und so war die Verbindung eigentlich bis zuletzt. [Rollgeräusch]

[00:09:52] Gertrud: Ich bin dann ins Magistrat gekommen, aber nicht lang.

[00:09:57]  Sondern musste dann zum Kriegsdienst, haben sie mich geholt.

[00:10:02]  Und dann bin ich zur Firma Köllensperger gekommen, an die Fräsmaschine.

[00:10:09]  Mit einem französischen Kriegsgefangenen zusammen.

[00:10:14]  Und der war aber furchtbar lieb mit mir.

[00:10:18]  Und der hat gesagt, "lapin" [franz. für Hase], also mein liebes Häschen.

[00:10:22]  Ja, und dann war ich im Kriegsdienst.

[00:10:25]  Und dann war mir das zu streng.

[00:10:28]  Und dann haben sie mich in eine Militärschneiderei zur Firma Flick in St. Nikolaus.

[00:10:35]  Aber das war auch gut, weil da der Stollen in der Nähe war, der Bunker.

[00:10:41]  Weil da waren ja die Fliegeralarme.

[00:10:45]  Aber wir waren jung und wir haben sogar in dem Luftschutzstollen,

[00:10:52]  da sind auch verwundete Soldaten rein gekommen.

[00:10:57]  Und dann haben wir es manchmal, es klingt zwar komisch, aber sogar manchmal "hetzig" [Dialekt für spaßig] gehabt.

[00:11:04] Matthias: Und das war der Stollen beim Heimgartl?

[00:11:07] Gertrud: Nicht so weit unten. Matthias: Nicht so weit, ah ok.

[00:11:09] Gertrud: Gleich einmal, da in St. Nikolaus, irgendwo hinein.

[00:11:15]  Ich wüsste es jetzt nicht mehr ganz genau.

[00:11:18] Matthias: Können Sie sich erinnern, wie die Amerikaner gekommen sind?

[00:11:21] Gertrud: Ja, das weiß ich noch ganz genau, wie die ersten Schwarzen,

[00:11:26]  die Andreas-Hofer-Straße heruntergegangen sind.

[00:11:30]  Da wollte mich mein Papa gar nicht mehr auf die Straßen lassen,

[00:11:34]  weil das war so unheimlich.

[00:11:36]  Da plötzlich die Schwarzen bei uns am Weg, die Besatzung.

[00:11:42]  Und ich kann mich noch gut erinnern, wie ich in den ersten Schwarzen gesehen habe.

[00:11:46]  Es war schon komisch, gell?

[00:11:48] Gertruds Sohn: Hat er dich gegrüßt oder weggeschaut?

[00:11:52] Gertrud: Ich bin davon, weil das war unheimlich.

[00:11:57] Matthias: Und hat man sonst Kontakt gehabt mit den Besatzern oder mit den Amerikanern oder Franzosen später?

[00:12:04] Gertrud: Nein. Also ich kann mich nicht erinnern.

[00:12:09] Tobias: Und was haben Sie dann direkt, also in dieser Besatzungszeit,

[00:12:13]  waren Sie dann beruflich tätig, oder

[00:12:15] was war? Gertrud: Ja, ich war zuerst im Magistrat

[00:12:20] von der Schule weg.

[00:12:23] Gertruds Sohn: In welcher Abteilung warst du da?

[00:12:25] Gertrud: Was sagst du?

[00:12:27] Gertruds Sohn: In welcher Abteilung?

[00:12:28] Getrud: Ich war bei der Frau Kness [Schreibweise ungewiss] zugeteilt beim Bürgermeister.

[00:12:35]  So als "kleins Beiwagerle" oder wie soll ich es sagen.

[00:12:41]  Und dann beim Dr. Geiter, der war Vize.

[00:12:47] Ja, und dann bin ich eben zum Kriegsdienst eingezogen worden.

[00:12:53]  Zur Firma Köllensperger

[00:12:55] Gertruds Sohn: Und danach wieder?

[00:12:57] Gertrud: Und danach. Was habe ich denn danach gemacht?

[00:13:00] Gertruds Sohn: Beim Neuziel [Schreibweise ungewiss]

[00:13:02] Gertrud: Ah ja... Ah ja, dann bin ich dann ins Magistrat gekommen.

[00:13:07]  Beim Dr. Neuziel, das war die Stadtplanung.

[00:13:11] Und da habe ich es ganz fein gehabt.

[00:13:13]  Das war so eine kleine Abteilung nur.

[00:13:17]  Beim Dr. Neoziel haben Sie alle immer zu ihm gesagt.

[00:13:22]  Der war ein bisschen komisch, aber aber, nett.

[00:13:27] Matthias: Und wie war das Arbei0ten mit Magistrat? Ich mein

[00:13:30] der Großteil vom Rathaus war ja bombardiert und zerstört, wie...?

[00:13:33] Gertrud: Nein, das... Also wir waren in der Stadtplanung, im Neubau.

[00:13:38]  Da war alles in Ordnung.

[00:13:41]  Das war ziemlich normal.

[00:13:45] Tobias: Wie ist es Ihnen mit Versorgung, Ernährung,

[00:13:51]  war... Ist ausreichend vorhanden gewesen?

[00:13:53]  Hat es Probleme gegeben?

[00:13:55] Gertrud: Also ich muss sagen, meine Mutter hat immer gut kochen können.

[00:14:03] Gell. Gertruds Sohn: Ja. Gertrud: Die Mama war einmalig, unsere, also meine Mutter.

[00:14:09]  Die hat mit nichts oder mit fast nicht so viel,

[00:14:14]  haben wir immer gut zu essen gehabt.

[00:14:16]  Ich kann mich nicht erinnern, dass ich einmal hungern haben müssen oder was.

[00:14:21] Gertruds Sohn: Ja, aber Zeug holen seid ihr schon gegangen zu den Bauern?

[00:14:24] Gertrud: Ja. Das hat hamstern geheißen. [Tobias lacht]

[00:14:28] Gertrud: [lachend] Ja. Die Bauern waren eigentlich geizig.

[00:14:34]  Die haben das nicht mögen.

[00:14:38] Aber wir sind halt trotzdem gegangen, haben mal ein bisschen mehr Brot gekriegt,

[00:14:44]  aber eh sonst nichts.

[00:14:47] Gertruds Sohn: Wie habt ihr das bezahlt?

[00:14:49] Gertrud: Mit nichts.

[00:14:51] Gertruds Sohn: Nur Betteln?

[00:14:52] Gertrud: Ja, nur betteln.

[00:14:54] Also, wir waren ja, wie soll ich sagen,

[00:14:59]  man hat halt geschaut, dass man was zum Essen hat.

[00:15:02]  Aber dann ist das Ganze geregelt worden, dann hat

[00:15:06] man Essenkarten gekriegt, so viel für Fleisch,

[00:15:10]  so viel für Brot, so viel...

[00:15:12]  Und das hat man sich halt müssen einteilen.

[00:15:16]  Und da haben wir eine Tante Gretel gehabt,

[00:15:19]  die war in Rotholz.

[00:15:22]  Und von der Tante Gretel haben wir zwischendurch immer "Essen-Packtl" [Dialekt für Essenspakete] gekriegt.

[00:15:31]  Die hat uns ein bisschen Butter gebracht,

[00:15:37]  manchmal auch einen Käse.

[00:15:40]  Und so ist man ganz gut über die Runden gekommen.

[00:15:44] Gertruds Sohn: Und dann hast du vom Magistrat gehen müssen?

[00:15:47] Gertrud: Ja, dann habe ich gehen müssen vom Magistrat, eben

[00:15:51]  weil da sind so viele Heimkehrer gekommen.

[00:15:55]  Und da haben sie gesagt, wenn ich gehe, kriege ich drei Monatsgehälter.

[00:16:03]  Weil sie brauchen die Stellen für die Heimkehrer.

[00:16:08]  Und dann hat mein lieber Mann gesagt, nachher gehst.

[00:16:14]  Und mit den drei Gehältern haben wir uns dann unsere Schlafzimmer-Einrichtung gekauft.

[00:16:23]  Und so haben wir ganz gut anfangen können.

[00:16:27]  Und seither war ich zu Hause, bei den Kindern.

[00:16:32]  Da ist unser Schatz gleich einmal gekommen.

[00:16:35]  Da war die ganze Familie happy.

[00:16:39]  Und aber dann gleich einmal ist der Reinhold gekommen,

[00:16:43]  wieder ein Glückskind.

[00:16:45]  Und dann in Abständen erst unsere Elisabeth.

[00:16:51]  Und die leider Gottes sehr früh entflohen.

[00:16:56]  Und zwar zwischen mündlicher und schriftlicher Matura hat die geheiratet, einen Kanadier.

[00:17:07]  Und mit dem ist sie dann nach Kanada. Zum Leidwesen, besonders des Vaters.

[00:17:17]  Aber es ist eine sehr glückliche Ehe.

[00:17:22]

[00:17:24]  Und wir haben viel Kontakt.

[00:17:26]  Wir können telefonieren.

[00:17:29]  Und meine Tochter sagt immer:

[00:17:32] Mama, so ist das Leben.

[00:17:36]  Und sie hat Recht.

[00:17:39] [Rollengeräusch] Gertruds Sohn: Die Spezialitäten hast du natürlich noch nicht gesagt,

[00:17:46]  wie deine Geburt verlaufen ist. Gertrud: Meine Geburt?

[00:17:50] Gertruds Sohn: Ja, deine Geburt.

[00:17:52] Gertrud: Ja mei, meine Geburt.

[00:17:56]  Da war erst neu die Universitätsbrücke.

[00:18:02]  Wir haben in der Höttinger Au gewohnt.

[00:18:07]  Sagt Ihnen das was? Ja.

[00:18:10]  Und da ist meine Mutter über die Universitätsbrücke

[00:18:18]  in die Klinik gelaufen.

[00:18:21] Gertruds Sohn: Ja, in die Klinik oder in die Gebärklinik?

[00:18:25] Gertrud: In, nein, schon in die Klinik. Gertruds Sohn: Ah schon.

[00:18:28] Gertrud: Schon erstmals in die Klinik.

[00:18:31]  Und wie ich dann auf die Welt gekommen bin,

[00:18:35]  hat man mich meinem Vater gezeigt.

[00:18:39]  Und da sind ihm die Arme hinunter, haben sie erzählt,

[00:18:45]  weil ich wieder ein Mädchen war.

[00:18:48]  Und er hätte sich so gerne einen Buben gewünscht.

[00:18:52]  Und aber, gleich einmal danach, hätte er gesagt,

[00:18:57]  für zehn Buben gibt er mich nicht her.

[00:19:01] Gertruds Sohn: Und wie haben die anderen zu ihm gesagt?

[00:19:04] Gertrud: Ja, die anderen, da war einer,

[00:19:08]  der einen Sohn gehabt hat, ein Büchsenmacher.

[00:19:13] Und das war eigentlich schon ungerecht, gell.

[00:19:16]  Aber so war es.

[00:19:19] Matthias: Und wie war das mit dem Baden gehen?

[00:19:23]  In der Nachkriegszeit hat ja immer noch nicht jedes Haus ein Bad gehabt, oder?

[00:19:28] Es hat die öffentlichen Bäder gegeben? Gertrud: Ja. Nein, nein.

[00:19:31] Wir haben ja nur ein Waschschüssel in der Küche gehabt

[00:19:35] auf einem Hocker.

[00:19:37]  Und da haben wir uns der Reihe nach gewaschen. Das muss man sich mal vorstellen.

[00:19:41]  Und unsere Mutter ist, also ich weiß nicht, in welchen Abständen,

[00:19:48]  ist unsere Mutter mit uns ins öffentliche Bad in die Badgasse gegangen.

[00:19:54]  Und da durften wir in der großen Wanne zu zweit baden.

[00:20:00]  Und wenn ich heute ins Archiv komme,

[00:20:04]  weil mein Mann viel im Archiv gearbeitet hat auch,

[00:20:09]  dann werden Sie es nicht glauben.

[00:20:11]  Rieche [ich] immer noch das Bad.

[00:20:15]  Und im Archiv Haus gehen ja die zwei Stiegen hinauf.

[00:20:22]  Männer, Frauen, heute noch.

[00:20:27] Tobias: Und oben waren die Umkleiden und unten die Waschbecken, oder?

[00:20:31]  Also oben waren die Umkleiden für Herren und Frauen

[00:20:36]  und unten die zwei Badebecken, oder?

[00:20:38]  So kann man das sagen.

[00:20:40] Gertrud: Nein. Tobias: Nein?

[00:20:42] Gertrud: Wir sind einfach auf der rechten Seite raufgegangen.

[00:20:48]  Da waren Kabinen mit einer großen Wanne.

[00:20:54]  Und da war die Mama mit uns und hat uns beide in die Wannen gesetzt.

[00:21:00]  Aber das hat unsere Mutter aber auch nicht regelmäßig.

[00:21:05]  Aber ich kann mich erinnern,

[00:21:07]  sicher alle dritte Woche ist sie mit uns Mädeln in die Badgasse,

[00:21:15]  also ins öffentliche Bad.

[00:21:18] Tobias: Weil Sie Ihren Mann angesprochen haben,

[00:21:21]  warum war der öfters im Archiv zugange?

[00:21:24]  Was war der von Beruf oder Berufe?

[00:21:27] Gertrud: Der war Standesbeamter.

[00:21:29] Tobias: Aha. Das macht Sinn [lacht kurz]

[00:21:31] Gertrud: Bitte? Tobias: Das macht dann allerdings Sinn, dass er öfters im Archiv war.

[00:21:34] Gertrud: Ja, und er hat sehr viel geforscht und geschrieben auch.

[00:21:40]  Er war sehr viel im Archiv.

[00:21:43] Tobias: Das heißt er war im Standesamt, was schon im Dachl war, oder?

[00:21:48] Gertruds Sohn: Ja. Gertrud: Im goldenen Dachl.

[00:21:50] Ja. Er hat einen schönen Beruf gehabt.

[00:21:54]  Er war auch sehr beliebt.

[00:21:57] Gertruds Sohn: Zuerst hat er eben über die Familie geforscht

[00:22:01]  und dann von der Familie über die Schützen und Nagelschmiede und das Ganze.

[00:22:05] Gertrud: Also mein Mann war äußerst tätig

[00:22:09]  und er hat auch einiges zurückgelassen,

[00:22:12] oder für die Nachwelt,

[00:22:16] Tonsachen. Das war sein Hobby.

[00:22:18]  Er ist heimgekommen vom Büro und hat sich umgezogen,

[00:22:23]  weil im Büro musste er immer exakt,

[00:22:26]  und hat sich umgezogen

[00:22:30]  und ist verschwunden und hat schon gewerkelt.

[00:22:34]  Also es war ein erfülltes Leben.

[00:22:38] Gertruds Sohn: Ja, aber eure Liebe, wie du ihn kennengelernt hast

[00:22:41]  und dann im Krieg mit der Gefangenschaft,

[00:22:44]  das kannst du auch noch erzählen.

[00:22:46]  Das war ja auch nicht ganz ohne.

[00:22:48] Gertrud: Nein, das war nicht ohne.

[00:22:50]  Weil wir haben uns [19]45 verlobt.

[00:22:56]  Und dann hat er gesagt, er hat seiner Einheit versprochen.

[00:23:01]  Er kommt zurück, weil da hat es schon so gekriselt.

[00:23:06]  Und er ist wirklich zurück

[00:23:09]  und ist gar nicht mehr zu seiner Einheit gekommen,

[00:23:14]  sondern postwendend in die Gefangenschaft, in Jugoslawien.

[00:23:21]  Und dort ist er geblieben.

[00:23:23]  Also bis [19]50 ist er erst heimgekommen.

[00:23:29]  Und da haben sie im Radio immer verlautbart,

[00:23:34]  wenn Heimkehrer kommen.

[00:23:36]  Und am Heiligen Abend ist er heimgekommen.

[00:23:40]  Und das war schon ein Wahnsinn.

[00:23:43] Tobias: Und hat es da zwischen [19]45 und [19]50 die Möglichkeit geben,

[00:23:48]  einen Schriftwechsel, Briefverkehr oder?

[00:23:50] Gertrud: Nein, also ein Jahr habe ich überhaupt nicht gewusst,

[00:23:53]  ob mein Mann noch lebt.

[00:23:55]  Und dann sind so gedruckte, grünliche Postkarten gekommen.

[00:24:01]  Und da ist nur draufgestanden, es geht mir gut, Gruß,

[00:24:07]  sonst nichts.

[00:24:09]  Das waren so grünliche Postkarten.

[00:24:11]  Und erst mit der Zeit dann haben wir schreiben dürfen

[00:24:17]  oder können.

[00:24:18]  Und ist das auch angekommen.

[00:24:20] Matthias: Wie lange hat das ungefähr gedauert?

[00:24:23]  War das Wochen am Weg der Brief oder Monate bis dann auch...?

[00:24:28] Gertrud: Nein, also Monate sicher nicht, aber schon geraume Zeit.

[00:24:33]  Aber es war ein Glück, dass überhaupt Post gekommen ist.

[00:24:38] Matthias: Und wie war das Leben in diesen fünf Jahren für Sie?

[00:24:44] Alleine... Gertrud: Ich war die ewige Braut, wirklich.

[00:24:47]  Aber es hat sich gelohnt, dass ich auf meinen lieben Mann gewartet habe.

[00:24:54]  Aber einfach war es nicht, weil ich hätte genug Verehrer gehabt, gell.

[00:25:00]  Aber wie gesagt, es war einfach mir bestimmt, auf meinen [unverständlich] zu warten.

[00:25:09]  Und es war gut so.

[00:25:12]  Und jetzt bin ich halt schon, wann ist denn der Papa?

[00:25:16] Gertruds Sohn: 18 Jahre.

[00:25:19] Gertrud: Ja, ist es schon, gell

[00:25:21]  Bin ich allein.

[00:25:23]  Das war am Anfang entsetzlich.

[00:25:27]  Da war ich ja null, wie mein Mann nicht mehr war.

[00:25:32]  Aber eine Doppelnull.

[00:25:34]  Und erst mit der Zeit dann ist es gegangen.

[00:25:39]  Weil das glaubt niemand, wenn man verheiratet ist

[00:25:44]  und man ist plötzlich ohne Partner, da ist man echt nichts.

[00:25:49]  Beim Amt nichts und nirgends nichts.

[00:25:52]  Erst mit der Zeit.

[00:25:54]  Ich habe wunderbare Kinder und das Leben ist weitergegangen.

[00:26:00]  Aber nicht einfach.

[00:26:02]  Und jetzt bin ich uralt und sitze immer noch da.

[00:26:08] [Rollengeräusch] Gertrude: Ich habe elf Enkel und 22 Ur-Enkel.

[00:26:19]  Und alle sind in Ordnung.

[00:26:22]  Und ich habe in der ganzen Familie keine Scheidung.

[00:26:27]  Also wer hat das Glück?

[00:26:30] Matthias: Und können Sie sich an die beiden, um einen großen Sprung zu machen, die beiden Olympischen

[00:26:35] Winterspiele erinnern?

[00:26:36]  Die in Innsbruck waren. Haben Sie da zugeschaut?

[00:26:39]  Oder haben Sie da teilgenommen?

[00:26:42] Gertrud: Nein, teilgenommen habe ich

[00:26:45] sicher nicht. Matthias: Also nicht der Sportlerin [lachen]. Gertrud: Nein, nein.

[00:26:47]  Aber wir haben ja, wir haben ja noch keinen Fernseher gehabt.

[00:26:55]  Und da weiß ich noch, dass meine Tochter immer zu meinen Eltern

[00:27:03] gefahren zum Fernsehen.

[00:27:05]  Weil wir haben noch keinen gehabt.

[00:27:08]  Wir haben halt vom Radio gelebt.

[00:27:12] Wann haben denn wir den ersten Fernseher bekommen, spät.

[00:27:16] Da waren die schon aus der Schule.

[00:27:19]  Weil mein Mann gesagt hat, solange die Kinder in der Schule sind,

[00:27:23]  kommt kein Fernseher ins Haus.

[00:27:25] Gell. So wars bei uns.

[00:27:28] Tobias: Dass es auch keine Ablenkung gibt für den Schulstoff.

[00:27:32] Gertruds Sohn: Am Mittwoch haben wir dürfen gehen, Fernsehen zum Onkel.

[00:27:34] Gertrud: Ja. Gertruds Sohn: Da waren 17 Uhr, nachdem das Testbild vorbei war,

[00:27:38]  ist entweder Lassie, Fury, oder so Zeug ist...

[00:27:41] Gertrud: Ja. Ja, ja, es hat euch aber nicht geschadet, gell.

[00:27:45] Gertruds Sohn: Ja, siehst eh. [alle lachen]

[00:27:47] [Rollengeräusch] Gertruds Sohn: Ja und eure Wanderungen, wie ihr wandern gegangen seid, zu Fuß,

[00:27:56]  mit der Jausen und Gasthaus einkehren.

[00:28:01] Gertrud: Also mit der Familie.

[00:28:03]  Wir sind jeden Sonntag, haben wir einen Tagesausflug gemacht.

[00:28:07]  Der Papa hat einen Rucksack gehabt, einen hellgrünen.

[00:28:11]  Ich kann mich noch sehr gut erinnern.

[00:28:14]  Und wir haben kleine Rucksackelen gekriegt.

[00:28:17]  Aber wir waren noch nicht so weit, dann haben wir gemotzt.

[00:28:23]  Und die Mama hat uns die Rucksackelen abgenommen.

[00:28:27]  Da war eh nix drin, aber wir haben halt Rucksackelen gehabt.

[00:28:31]  Aber wir haben jeden Sonntag einen Tagesausflug gemacht.

[00:28:35]  Und da hat die Mama am Vortag, hat sie entweder faschierte Laibchen gemacht,

[00:28:42]  oder irgendetwas zubereitet.

[00:28:45]  Und wir haben so eine blecherne, Proviant... Kannst du dich an die noch erinnern?

[00:28:52]  So eine blecherne, Proviantdose haben wir gehabt.

[00:28:56]  Und da haben wir irgendwo einen Platz gehabt.

[00:28:59]  Dann haben wir uns hingesetzt [räuspert sich] und haben das gegessen.

[00:29:05]  Und manchmal, aber ganz selten, wenn wir heimgegangen sind zu Fuß,

[00:29:13]  dann sind wir beim Peterbründl vorbei.

[00:29:16]  Und da haben wir uns dürfen ein "Kacherle" kaufen.

[00:29:21]  Aber da war eine Einkehr in ein Gasthaus unmöglich.

[00:29:26]  Aber wir haben es trotzdem fein gehabt.

[00:29:29]  Wir sind den ganzen Weg von der Höttinger Au, wo wir gewohnt haben,

[00:29:34]  durch die Stadt, auf den Patschekofel zu Fuß,

[00:29:39]  und wieder herunter und wieder heim.

[00:29:43]  Und da haben wir einen Roller geschenkt gekriegt.

[00:29:48]  Der hat von der Firma Engel schon die großen Räder gehabt,

[00:29:53]  so mit Hartgummi Reifen

[00:29:56] Und dann sind wir noch Roller gefahren.

[00:29:59] Matthias: Und ist man im Sommer auch zum Inn gegangen schwimmen,

[00:30:02]  oder zumindest die Füße hinein heben?

[00:30:05]  Oder hat man da eher die Kinder weggehalten vom Inn?

[00:30:08] Gertrud: Nein, wir sind ganz am Anfang, sind wir einmal,

[00:30:14] das weiß ich auch, mit den Kindern meiner Tante, am Inn gewesen.

[00:30:18]  Aber da ist keins ins Wasser gegangen.

[00:30:21]  Nur so, dass man halt ...

[00:30:24]  Und da gibt es sogar eine Foto.

[00:30:27]  Deshalb kann ich mich noch so erinnern.

[00:30:30] Gertruds Sohn: Und schwimmen gegangen? Gertrud: Aber schwimmen

[00:30:32] gegangen sind wir auf den Natterer-See.

[00:30:35]  Später dann.

[00:30:37]  Als klein...

[00:30:39] Gertruds Sohn: Höttinger Au? Gertrud: Ahja, stimmt.

[00:30:42]  Da hat meine Schwester nach schwimmen gelernt,

[00:30:46] da hat der Bademeister hat so eine Stange gehabt,

[00:30:49]  mit einem Seil dran, und ist sie an gehängt gewesen.

[00:30:55]  Und mit ihr ist er so auf und abgegangen.

[00:30:58]  Ich hab's so nebenbei gelernt, zu schwimmen.

[00:31:02]  Aber das war in der Höttinger Au, noch das Schwimmbad.

[00:31:07]  Jetzt ist es ja schön.

[00:31:10]  Jedenfalls war es schon ein bescheidenes [Schwimmbad].

[00:31:15] Wenn man heut so denkt, diese Bäder, Hallenbäder und Freibäder.

[00:31:22] Matthias: Und beim Skifahren, war der Patschrkofel eher das Ziel der Wahl,

[00:31:27]  dann später oder die Seegrube?

[00:31:29]  Gertrud: Die Mutterer-Alm.

[00:31:31] Matthias: Also auch später dann, in...

[00:31:33] Gertrud: Ja, also Seegrube weniger,

[00:31:36]  weil ich weiß noch das erste Mal vom Hafelekar,

[00:31:41]  da bin ich hinübergegangen,

[00:31:44]  und bin aber wieder zurückgegangen.

[00:31:47]  Weil da hab ich mich nicht getraut.

[00:31:50]  Das ist ja Wahnsinn, wenn Sie da oben stehen.

[00:31:55]  Da bin ich wieder zurückgegangen.

[00:31:57]  Da hat mich ein Herr beobachtet,

[00:32:01]  hat zu mir gesagt, da braucht's aber auch Mut.

[00:32:06]  Ja, dass man zurückgeht wieder.

[00:32:08]  Aber ich habe mich nicht hinuntergetraut.

[00:32:11]  Ich war keine schlechte Skifahrerin,

[00:32:14]  aber das war dieser Schuss da oben, das Steile.

[00:32:21]  Das war nichts für mich.

[00:32:24]  Ja, wir sind ja noch Skifahren gegangen,

[00:32:30]  da hat man müssen die Ski von daheim

[00:32:34]  bis auf die Mutterer-Alm rauf...

[00:32:36] Gertruds Sohn: Tragen. 

[00:32:38] Gertrud: Ja. Und da war der Weg,

[00:32:42]  da waren so ausgetretene Stapfen,

[00:32:46]  dass man hat können, gut gehen.

[00:32:50] Gertruds Sohn: Die Stubaier ist da noch nicht gefahren?

[00:32:52] Gertrud: Nein, aber die Stubaier ist dann gefahren

[00:32:57]  und da sind wir am Nockhofweg ausgestiegen.

[00:33:02]  Da war schon, aber sag du heute mal einem,

[00:33:06]  er soll vom Nockhofweg aufs Frimmes zu Fuß raufgehen.

[00:33:11]  Und nachher einmal sind wir heruntergefahren.

[00:33:15]  Beim Brennerschuss sind die Leute gestanden und haben geschaut.

[00:33:20] Gertruds Sohn: Ja, das war hinter der Brennerstraße.

[00:33:23]  Das war nach der Ferrari-Wiese

[00:33:25] hat man noch einmal über die Straße müssen.

[00:33:27] Gertrud: Ja. Gertruds Sohn: Und dann durch die Böschung runter gehen,

[00:33:30] unten waren die Gleise. Und das ist sehr steil.

[00:33:32]  Und dann so ein Buckel.

[00:33:34] Gertrud: Und da sind die Leute alle gestanden und haben geschaut,

[00:33:37]  wie man fliegt.

[00:33:39] Gertruds Sohn: Ja, ja. [lacht kurz]

[00:33:41] Matthias: Rodel oder eislaufen?

[00:33:44] Gertrud: Wohl, eislaufen, bin ich viel gewesen.

[00:33:47] Gertruds Sohn: Wo?

[00:33:49] Gertrud: Am Beselepark.

[00:33:51]  Am Beselepark.

[00:33:53]  Und da habe ich am Anfang,

[00:33:56]  habe ich noch die zum Anschrauben, die Schlittschuhe gehabt.

[00:34:01]  Und erst später habe ich dann, jetzt weiß ich nicht mehr,

[00:34:06]  vom wem, "Schäksen" [Schreibweise ungewiss] haben die geheißen.

[00:34:09]  Wo die schon auf den Schuhen oben sind.

[00:34:12]  Ich weiß nicht, warum die "Schäksen" heißen.

[00:34:15]  Ja, jedenfalls habe ich nachher zum Schluss solche gehabt.

[00:34:20]  Und da habe ich sogar so ein bisschen eistanzen können.

[00:34:25]  [Outro-Musik]

[00:34:28] [Outro-Musik]

[00:34:30] [Outro-Musik]

[00:34:32] [Outro-Musik]

[00:34:34] [Outro-Musik]

[00:34:36] [Outro-Musik]

[00:34:38] [Outro-Musik]

[00:34:40] [Outro-Musik]

[00:34:44]

Zeitzeugengespräch Herlinde Dejakum und Heidi Pradler

Zeitzeugengespräch Herlinde Dejakum und Heidi Pradler

Stadtarchiv Innsbruck

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Transkript

[00:00:00] Herlinde: Da war dann einfach Musik, und man ist hin gegangen und hat sich getroffen sozusagen und hat getanzt.

[00:00:06]  Also ohne Anleitung.

[00:00:08] Tobias: War das dann schon mit dem Ehemann?

[00:00:11] Herlinde: [entsetzt] Nein! Ehemann und tanzen, das ist nicht gegangen [alle lachen].

[00:00:14] [Intro-Musik] Tobias: Hallo und herzlich willkommen zur dritten Folge der zweiten Staffel von Archivwürdig, dem Podcast

[00:00:37]  des Innsbrucker Stadtarchivs.

[00:00:39]  In unserer heutigen Folge hören Sie Ausschnitte aus dem Gespräch mit den beiden Schwestern

[00:00:43]  Herlinde Dejakum und Heidi Pradler.

[00:00:45]  Gemeinsam sprechen Sie über Ihre unterschiedlichen Kindheitsjahre, denn die Schwestern trennen ganze 9 Jahre voneinander.

[00:00:52]  Da die Mutter berufstätig war und der Vater im Krieg starb, fiel der älteren Herlinde bereits in frühen Jahren die Aufsicht über ihre kleineren Schwestern zu.

[00:01:02]  Neben den Kinderjahren sprechen wir auch über die weitere schulische Ausbildung und was sie als junge Stadtbewohnerinnen in der Freizeit alles unternommen haben.

[00:01:11]  Mit dieser kleinen Einleitung gebe ich auch direkt über zur Folge.

[00:01:15] Heidi: Also, Heidi Pradler, geboren Spöttl [Schreibweise ungewiss], bin die Schwester von der Herlinde, bin 9 Jahre jünger als sie, bin im Jänner 1945 geboren.

[00:01:27]  Und glaube, dass wir ganz verschiedene Kindheiten hatten.

[00:01:31] Herlinde: Mein Name ist Herlinde.

[00:01:33] Bin am 04.07.1936 in Innsbruck geboren. Aufgewachsen in der Müllerstraße 24.

[00:01:43]  Das war die Wohnung meiner Großmutter.

[00:01:46]  Großmutter ist wichtig, weil sie mich aufgezogen hat.

[00:01:50]  Mutter und Vater waren berufstätig.

[00:01:53]  Und die ist nach Verlust der Gemischtwarenhandlung in Mieders, Nachlass vom Großvater als Pächter von [unverständlich].

[00:02:04]  Er hat die Milch nach Innsbruck gebracht, in die Bombenzentrale, ist dann einkaufen gegangen und hat das wieder mit dem Pferdegespann, nach Mieders gebracht.

[00:02:16]  Die Großmutter hat dann alles verloren, weil der Mann verstorben ist.

[00:02:21]  Dann hat sie [unverständlich] gekriegt dafür, die natürlich dann nichts mehr wert waren.

[00:02:26]  So ist sie nach Innsbruck gezogen mit zwei Kindern, meine Mutter und ein Bruder.

[00:02:33]  Und dann hat sie sich durchgebracht, indem sie Zimmer vermietet hat, an Medizinstudenten aus Vorarlberg,

[00:02:44]  weiters war sie Schneiderin und hat ihre Kinder also so durchgebracht.

[00:02:50]  Das war ein altes Haus, es steht noch heute.

[00:02:54]  Nachdem meine Mutter verheiratet war, sind wir in die Bürgerstraße übersiedelt, also gegenüber von Kleider Mair.

[00:03:04]  Da gab es schon Balkon, Wasser und Strom und Telefon.

[00:03:09] Tobias: Das heißt, das hat es vorhin in der Müllerstraße... Herlinde: Nein, da das Wasser war im Gang draußen.

[00:03:15]  Dann, also bin ich mit der Großmutter aufgewachsen.

[00:03:20]  Die Wäsche wurde von Sellrainer Frauen abgeholt und gewaschen und wiedergebracht.

[00:03:26]  Die waren berühmt damals.

[00:03:28]  Da haben die Leute schon alle beim Fenster runtergeschaut und wussten, ah jetzt kommen sie.

[00:03:32]  Mit dem [unverständliches Stimmengewirr] haben sie das gezogen.

[00:03:37] Also es gab schon, in der Waschküche gab es immer einen Kessel, den man anfeuern musste zum Beispiel, aber das große Zeug hat man auch ausgegeben.

[00:03:52] [Rollgeräusch] Herlinde: Erinnerungen an die Zeit hab ich noch an den offenen Markt.

[00:03:59] Wo jetzt die Markthalle ist, davor unter den Bäumen war ein offener Markt, Sommer wie Winter.

[00:04:07]  Die Oma hat erzählt, die Frauen haben einfach eine Wärmflaschen um den Bauch, damit sie nicht [lachend] erfrieren. Tobias: Im Winter? [lachen]

[00:04:15] Herlinde: Es gab Gemüse, [unverständlich] und auch sonstige Haushaltsartikel.

[00:04:21]  Zum Beispiel erinnere ich mich an zwei, Frauen die wollten den gleichen Stoff haben.

[00:04:27] Und haben so lange gezogen daran, bis er auseinander gerissen ist.

[00:04:31]  Es gibt... Es gab keine Konfektion damals.

[00:04:35]  Man hat Stoffe gekauft und das dann nähen lassen.

[00:04:40]  Dann habe ich noch ein schönes Erlebnis beim Moden Gatt, in der Altstadt.

[00:04:46]  Da war früher so ein italienisches Obst- und Gemüsegeschäft.

[00:04:52]  Ich weiß nicht, was der Witzi [Schreibweise ungewiss] oder der Ischia [Schreibweise ungewiss] oder irgend sowas.

[00:04:56]  Auf jeden Fall habe ich da die erste Banane bekommen.

[00:04:59] Tobias: Und, an den Marktplatz ist man da oft, also ist man generell da einkaufen...?

[00:05:04] Herlinde: [unverständlich] Wir haben schon ein Geschäft gehabt. Wir haben den Weißenguber [Schreibweise ungewiss] und die Meierl [Schreibweise ungewiss].

[00:05:11]  Wo heute das Geo ist, und da war ein Gemischtwarenhandel.

[00:05:16]  Meierl hat die geheißen.

[00:05:18]  Da habe ich dürfen einkaufen. Und da hätt ich sollen einmal

[00:05:22] einen Germ holen, und dann hat sie keinen gehabt,

[00:05:25]  Dann habe ich halt einen Kuchen gekauft.

[00:05:28] [Rollgeräusch] Herlinde: Dann kommen

[00:05:31] schon die Kinderjahre bis zur Einschulung.

[00:05:35] Tobias: Und jetzt, bist du neun Jahre alt, oder, nicht ganz wahrscheinlich?

[00:05:39] Herlinde: Das war alles noch in Innsbruck, da war ich allein.

[00:05:42]  Da war meine andere Schwester. Die ist [19]42

[00:05:45] geboren.

[00:05:47] Tobias: Gibt es da Erinnerungen an die...? Herlinde: Die Gerda. Tobias: Gerda.

[00:05:49] Herlinde: Ja! Puh. Schon!

[00:05:53] Weil ich habe ja viel mit ihr zu tun gehabt.

[00:05:56] Und ich bin so gern in der [unverständlich] gefahren mit ihr, weil sie war so ein hübsches Kind, ein strahlendes

[00:06:01] und die Leute sind alle gekommen, ah

[00:06:03] ist das ein nettes Kind.

[00:06:06]  Ich habe fast mütterliche Gefühle gehabt [lacht].

[00:06:10] Tobias: Und, aber ist die dann auch bei der Großmutter?

[00:06:14] Herlinde: Wir sind alle dann nach Mieders.

[00:06:17] Tobias: Und wann sind sie...? Herlinde: [19]43. Tobias: [19]43.

[00:06:20] Herlinde: Als die ersten Bomben gekommen sind.

[00:06:23] Tobias: Darf ich fragen, was die Mutter beruflich gemacht hat?

[00:06:26] Herlinde: Die Mutter war beim Köllensberger, Fakturistin.

[00:06:29] Hat sie nach dem Krieg, ned, wie der Vater nicht mehr gekommen ist

[00:06:32] hat sie die Stelle wieder gekriegt. Und hat da

[00:06:35] bis zur Pension gearbeitet.

[00:06:41] [Rollgeräusch] Herlinde: Ich habe in Innsbruck schon bei den Bombenalarm, sind wir schon,

[00:06:45] also da habe ich mein Köfferchen gehabt, mit Überlebens Sachen

[00:06:49] und einen Kleiderbügel mit Kleidern.

[00:06:52]  Das war bei Sirene, die war ja da in der Schule war die, die HAK.

[00:06:56] Eh, wie heißt das, die

[00:06:59] Gewerbeschule hat es damals geheißen. [Stimmengewirr] Da war die Sirene.

[00:07:03]  Und wir haben da schräg im Garten... Über dem Garten gewohnt.

[00:07:08] Ja, Sirene, und ich mein Köfferchen, meine Kleider gepackt und bin in den Keller gegangen.

[00:07:12]  Es war ein Luftschutzkeller.

[00:07:15]  Ich weiß noch, dass der Vater nicht mitgegangen ist, weil es

[00:07:18] dann Nudeln gegeben hat. Also da hab ich so eine Angst um ihn

[00:07:21] gehabt, weil er ist oben geblieben in der Wohnung.

[00:07:24]  Tobias: Wie oft habt ihr einen Alarm mitgekriegt?

[00:07:27] Herlinde: Ned so oft, nein.

[00:07:30] Tobias: Und war wirklich dann auch ein paarmal ein Schaden am Gebäude?

[00:07:33] Herlinde: Nein, es war nix. Nein, da waren wir nicht mehr da.

[00:07:36] [unverständlich]

[00:07:38] Es ist alles zerbombt.

[00:07:40]  Da ist jetzt ein Naturfreunde Haus drin.

[00:07:43]  Das war ganz hin das Haus.

[00:07:46] [Rollgeräusch] Herlinde: Was hat man gemacht in den Kinderjahren?

[00:07:50]  Sonntagsausflüge, in die Innsbrucker Umgebung.

[00:07:54] Villa Blanka, Rössl in der Au.

[00:07:58]  Dann, ich hab eben Erinnerungen an schattige Gastgärten

[00:08:04]  mit einem Kracherl [Dialekt für Limonade]. Ich

[00:08:06] habe immer ein Kracherl gekriegt, die anderen haben ein Bier getrunken.

[00:08:09]  Dann hat man können schwimmen, in [unverständlich]

[00:08:12] oder in der Höttinger Au, da war auch ein Freibad.

[00:08:16] Dann, Sonntagsabend war das die Feier, [zur] Feier des Tages

[00:08:20] habe ich einen Glaskrug Bier geholt

[00:08:24]  beim Gasthof Hänschl [Schreibweise ungewiss].

[00:08:26]  Wir haben ja ums Eck gewohnt.

[00:08:28]  Also, ich konnte in den Garten sozusagen, in den Garten vom Hänschl gehen.

[00:08:32] Und habe dann bei ihm den Glaskrug Bier bekommen.

[00:08:36] Es hat nix gegen in der Flasche. Tobias: Für den Papa.

[00:08:38] Also quasi für den Vater ein Bier holen. Herlinde: Ja,

[00:08:40] das hat die Mama glaube ich schon auch gemocht. [alle lachen]

[00:08:43]  Die Oma auch, genau.

[00:08:45] Bis, und dann haben wir einen Schrebergarten gehabt.

[00:08:49]  Beim Stubaitalbahnhof.

[00:08:52] [Rollgeräusch] Herlinde: Dann kommt die Einschulung. Erste Klasse bin ich noch in Innsbruck gegangen.

[00:08:59]  Ja, Fallmerayer Straße.

[00:09:01] Habe ich keine guten Erinnerungen.

[00:09:03]  Ich habe müssen in der letzten Bank sitzen und ich weiß nicht warum.

[00:09:07]  Und wenn mich niemand hinbegleitet hat, kann es sein,

[00:09:10]  dass ich beim Adolf-Pichler-Platz herum spaziert bin.

[00:09:14]  Den hat man nämlich aufgegraben.

[00:09:17]  Und da sind die Knochen.

[00:09:19] Die waren ja viel interessanter, wie die Schule. [alle lachen]

[00:09:22] Heidi: Jetzt kommt es auf, gell. [alle lachen]

[00:09:28] [Rollgeräusch] Herlinde: Übersiedelt sind wir,

[00:09:30] jetzt zwei Kinder,

[00:09:32] [19]43 nach Mieders.

[00:09:35]  Und zwar oben am Wald.

[00:09:37]  Am Waldrand in der Bachleiten.

[00:09:40]  Ja, das ist, wenn man den Zirkenhof raufgeht.

[00:09:43]  Und dann nach Kleins.

[00:09:45]  Da am Waldrand oben.

[00:09:47]  Und dann haben wir in einem Zimmer gewohnt.

[00:09:51]  Zu viert und dann zu fünft.

[00:09:54]  Das Wasser musste man beim Nachbarhaus holen.

[00:09:58]  Und im Winter muss man das Eis runterpicken, um zum Wasser zu kommen.

[00:10:03]  Ein Zimmer.

[00:10:05]  Vier Jahre lang.

[00:10:07] Tobias: Und das war jetzt die Großmutter?

[00:10:10] Herlinde: Das war die Schwester der Großmutter. Tobias: Die Schwester der Großmutter.

[00:10:13] Herlinde: Ja, da war meine Mutter schon berufstätig

[00:10:16]  Die ist von Innsbruck immer rein gefahren, raus und rein gefahren.

[00:10:20] Jeden Tag. Über die alte Brennerstraße, hinten Schönberg rauf, ned.

[00:10:25] Tobias: Und der Vater, ist der zu dem Zeitpunkt schon in den Krieg eingerückt?

[00:10:29] Herlinde: Der war schon militärisch interessiert.

[00:10:32]  Den haben wir nicht mehr gesehen.

[00:10:34] [Rollgeräusch] Herlinde: Das war so, dass wir abends mit den Bauern mitessen haben können.

[00:10:41] Also die Mama hat schon genügend gezahlt.

[00:10:43]  Abends hat es Kartoffeln gegeben und schwarze Suppe.

[00:10:46]  Und zwar die Schwarze Suppe war ein Brennsuppe,

[00:10:49] die sie immer verbrennen hat lassen.

[00:10:52]  Die war schwarz.

[00:10:54]  Da sind auch alle mit Magenkrebs gestorben, die alten Leute.

[00:10:58] Heidi: Tuberkulose.

[00:11:00] Herlinde: Das waren die Jungen.

[00:11:02] Heidi: Er nicht, der Alte? Herlinde: Nein. Heidi: Mhm.

[00:11:04] [Klickgeräusche sind zu hören]

[00:11:06] Herlinde: Also da haben wir Kartoffeln mit essen können.

[00:11:09] Aber Mittag hat die Mama gekocht.

[00:11:11]  Und da haben wir gewartet bis die Familie fertig gegessen hat.

[00:11:14]  Bis die Herd frei war. Also

[00:11:16] mussten wir dann wieder neu anschieben. Und dann hat sie da

[00:11:19] gekocht für uns.

[00:11:21] Tobias: Haben die oben auch Kinder gehabt?

[00:11:23] Herlinde: Ja, das waren zwei Mädchen.

[00:11:25] Tobias: Und mit denen hat man dann gespielt,

[00:11:27] oder ist da... Herlinde: Nein, die waren älter.

[00:11:29]  Und die eine hat uns immer "segiert" [Dialekt für ärgern]

[00:11:32]  weil sie das nicht gemocht hat, dass wir im Haus waren, weißt schon...

[00:11:34]  Und die andere hat dann,

[00:11:37] war dann abgängig. Die war mit den Franzosen unterwegs.

[00:11:40] Und die hat dann den [unverständlich] gekriegt.

[00:11:43]  Die Toni. Und die ist dann nach dem Krieg gleich gestorben.

[00:11:46] Tobias: Ist man dann so als Kind

[00:11:49] für die Arbeit, also für die bäuerliche Arbeit sozusagen,

[00:11:52] am Hof, auch hierhin angezogen worden, dann in der Freizeit?

[00:11:55] Hat man... Herlinde: Nein, das habe ich alles freiwillig

[00:11:57] gemacht. Nein, herangezogen bin ich nicht worden.

[00:12:00] Da war ich auch noch zu klein. Ich habe ja dann noch eine Schwester gehabt.

[00:12:03]  Ich habe ja dann noch eine Schwester gehabt, die ich ein bisschen hüten hab müssen.

[00:12:07] Heidi: Das war wohl die Gerda.

[00:12:09] Herlinde: Das wars du. Heidi: Mhm. Herlinde: Später.

[00:12:11] Ja die Gerda habe ich ja sowieso immer an der Hand gehabt. Heidi: Ja, eben.

[00:12:14]  Herlinde: Und, da waren Nachbarn

[00:12:17] auch mit Kindern, und da habe ich schon gleich mal

[00:12:20] eine Schulfreundin gehabt. Wir sind dann zusammen in die Schule

[00:12:23] gegangen und wieder heim. Und dann gab es einen Bruder

[00:12:26] Richard, der ganz wichtig war für mich

[00:12:29] weil, der hat mit uns im Bach

[00:12:32] so Wasser aufgestaut und

[00:12:35] Mühlradl gemacht. Tobias: Schule ist man da in Mieders

[00:12:38] gegangen? Herlinde: Ja.

[00:12:41]  Dann mussten wir runter ins Dorf gehen, vielleicht 20 Minuten,

[00:12:44]  Viertel Stunde. Ja. Die Schule ist

[00:12:47] unterhalb des Dorfes eigentlich.

[00:12:50] Also unter der Straße auf jedenfall.

[00:12:53] Da sind ja zwei Jahre nett gewesen. Erste

[00:12:56]  bis Dritte in einem Raum.

[00:12:59]  Ich habe gut schreiben können, schon nach der ersten Klasse.

[00:13:02]  Und das hat die Lehrerin spitz gekriegt, und dann habe ich mich müssen

[00:13:05] zu den Bauern-Fünfer da setzen und denen

[00:13:08]  schreiben lernen. Was aber nicht gut

[00:13:11] angekommen ist, gell. Die haben mich danach, haben sie mich

[00:13:14]  richtig gemobbt. Die haben ein schönes Sprüchl gehabt.

[00:13:17]  Weil ich Spöttl geheißen hab.

[00:13:20]  Das muss ich nicht sagen oder? [alle lachen]

[00:13:23]  Ja ist heute noch peinlich.

[00:13:26]  Und dann war der zweite Raum von der vierten bis zur achten.

[00:13:29]  Und das war insofern gut, ich bin dann raus

[00:13:32] nach Innsbruck in die erste [Klasse] Hauptschule, und habe alles schon gewusst, ned

[00:13:35] weil das hat man alles schon so mitgekriegt, ned.

[00:13:38]  Später ist es dann...

[00:13:41] Habe ich schon wieder was lernen müssen. Aber das erste Jahr war gut.

[00:13:44] [Rollgeräusch]

[00:13:47]  Tobias: Der Vater ist im Krieg gefallen, habt ihr gesagt.

[00:13:50] Das war... [Stimmengewirr] Heidi: [19]45. Tobias: [19]45

[00:13:53] Weiß man zumindest wo? Oder...

[00:13:56]  Herlinde: Ja.  

[00:13:59]  [unverständlich] oder was, die Schreiben

[00:14:02]  haben wir alles. Tobias: Und wie ist es

[00:14:05]  hat die Mutter... Oder wie ist es der Mutter

[00:14:08]  damit gegangen? Ist sie... Wie hats das...

[00:14:11]  Oder, weiß man das überhaupt noch wie die Mutter damit umgegangen ist

[00:14:14] oder hat man... Herlinde: Es war so, es hat einen Onkel gegeben der hat

[00:14:17] einen schlechten Fuß gehabt. Den haben sie eingesetzt

[00:14:20] um diese Nachrichten zu überbringen. Also

[00:14:23] wenn man den gesehen hat, war schon Feierabend auch.

[00:14:26] Onkel Willi. Heidi: Mhm. Herlinde: Und

[00:14:29] es hat länger gedauert bis er gekommen ist

[00:14:32] und dann hat man eh gewusst, was los ist.

[00:14:35] Tobias: Die Nachricht über das Kriegsende

[00:14:38] ist das, irgendwie verbreitet worden? Hat

[00:14:41] man schon gemerkt, das ist jetzt... Irgendwas

[00:14:44] ändert sich, oder? Herlinde: Ja, es waren ja...

[00:14:47] Ich war bei den Nachbarn, da waren große

[00:14:50] Mädchen muss ich sagen, also das waren

[00:14:53] die waren schon erwachsen. Da waren

[00:14:56] fünf, sechs Kinder. Die waren erwachsen und die haben das

[00:14:59] abgesprochen, dass jetzt die Russen kommen.

[00:15:02] Und was die Russen da alles anstellen im Osten drüben.

[00:15:05]  Und da muss man sich jetzt in Acht nehmen sozusagen

[00:15:08]  Es war aber nicht so. Bei uns sind die

[00:15:11] Franzosen gekommen. Und vor allem die Marokkaner.

[00:15:14]  Mit Marokkaner. Meine ersten,

[00:15:17]  dunkelhäutigen Menschen.

[00:15:20]  Tobias: Haben Sie die zufällig auf der Museumsstraßen da gesehen?

[00:15:23] Herlinde: Nein, das war alles in Mieders. Tobias: Alles in Mieders noch?

[00:15:26] Herlinde: Ja. Tobias: Interessant. Herlinde: Und zwar sind die da durch-

[00:15:29]  gezogen, durchs Stubai. Und

[00:15:32]  beim Lerchenhof, das war ein großes Hotel

[00:15:35]  damals mit einem großen Garten, da waren

[00:15:38]  die irgendwie aufgestellt.

[00:15:41] Weil da habe ich mein Buttererlebnis. [schluckt]

[00:15:44] Für mich war Butter wichtig. Ich bin sogar zu Nachbarn

[00:15:47] Butter treiben gegangen, damit ich ein bisschen abbekomme,

[00:15:50] weil es war mir zu mager im Krieg.

[00:15:53] Und da haben die...

[00:15:56] Ein Fass Butte gehabt.

[00:15:59]  Zum Verteilen. Das werden sie halt irgendwo haben sie das kassiert,

[00:16:02] gell. Bin sofort zum Nachbarn gelaufen

[00:16:05] einen Teller holen und habe mich da angestellt. Habe

[00:16:08]  ich so Butter gekriegt. Und das habe ich dann rauf

[00:16:11] getragen, in die Bachlaiten [lacht].

[00:16:14]  Das war... Also Marokkaner sind bei mir gut angeschrieben.

[00:16:18]  Als Butterspender. Tobias: Als Butterspender. [alle lachen]

[00:16:21]  Habt ihr, eh hast du die amerikanischen Soldaten auch noch erlebt?

[00:16:26] Herlinde: Nein.

[00:16:28]  Ich war in dem Haus, wo ich dann später

[00:16:30]  mit meinem Mann gewohnt habe.

[00:16:32] War da ein Oberster einquartiert.

[00:16:35]  Der dann noch, vor vielleicht 30 Jahren,

[00:16:39]  mal gekommen ist mit seiner neuen Frau. Ihr das alles zeigen.

[00:16:43] Dieses [lachend] wunderschöne Tirol.

[00:16:46] Die waren aus Jacksonville. Tobias: Jacksonville ist

[00:16:49] glaube ich, ist das, ich glaube Florida. Herlinde: Florida.

[00:16:52] Ja. Ja, ja genau. Mein Sohn ist sogar mal

[00:16:55]  hingefahren. Tobias: Und da, da ist quasi Kontakt noch

[00:16:58]  gewesen? Herlinde: Ja wir haben ihm... Weihnachten haben wir immer einen Bericht gekriegt.

[00:17:01] Einen Jahresbericht. Und die waren in dem Haus einquartiert

[00:17:04]  und alle Parteien haben müssen zusammenrücken

[00:17:07]  Da hat auch nur jeder ein Zimmer gehabt, gell.

[00:17:10]  Jede Partei hat nur ein Zimmer gehabt. Damit er da hausen kann.

[00:17:13] Tobias: Das war jetzt nur mehr die Wohnung,

[00:17:16]  die ihr dann später drin gewohnt habt. Herlinde: Ja.

[00:17:19]  Tobias: Und wer hat zu dem Zeitpunkt, also [Stimmen durcheinander] der, wie ist, nein

[00:17:23]  interessant ist, wie der zu euch... Weil ihr habt ja wahrscheinlich erst viel später dann,

[00:17:27]  also schon nach der Besetzungszeit drin gewohnt, oder? Herlinde: Ja. Tobias: Heißt,

[00:17:31] der ist dann mal gekommen, und hat quasi mal [Herlinde dazwischen: Ja.] angeklopft und hat gesagt

[00:17:34]  Herlinde: Ja genau. Ich habe da gewohnt. Tobias: Wirklich? Herlinde: Und er hat

[00:17:37]  meinen Mann nur gekannt. Mein Mann war zwei Jahre älter als ich

[00:17:40]  Also der hat auch im Krieg dort gewohnt,

[00:17:43] die haben sich gekannt die zwei. Und dann,

[00:17:46]  eben wollte er der Frau das alles zeigen.

[00:17:49]  Wir sind dann zu einem Tiroler-Abend gegangen

[00:17:52]  Ins Adambräu mit ihnen. [lachen] Und  

[00:17:55] sie waren begeistert. [lacht]

[00:18:01] [Rollgeräusch] Tobias: Ungefähr [19]47

[00:18:04] zieht die Familie wieder zurück nach Innsbruck. [Stimmen reden durcheinander] Herlinde: Genau.

[00:18:07]  Wir haben dann im Dorf eine Wohnung gekriegt

[00:18:10] bei einem anderen Onkel. Tobias: In Mieders? Herlinde: In Mieders.

[00:18:13] Heidi: Ganz eine größere Wohnung. Herlinde: Ja

[00:18:16] eine richtige Wohnung. Haben wir gehabt.

[00:18:19]  Schon mit Wasserklosett. Tobias: Und wann...

[00:18:22] Aber, es ist die Familie wieder zurückgezogen? Oder ist

[00:18:25] sie Mieders geblieben. Heidi: Nein, das war 1951.

[00:18:28] [Stimmen durcheinander] Haben wir in Innsbruck eine Wohnung gekriegt. Tobias: Und wo sind sie nach

[00:18:31] Innsbruck hin gezogen, 1951? [Beide Schwester gleichzeitig]: Speckbacherstraße. Tobias: In die Speckbacherstraße.

[00:18:34]  Und wie war das wieder zurück nach Innsbruck zu kommen.

[00:18:37]  Herlinde: Ich war ja immer in Innsbruck. Ich habe

[00:18:40]  bei Verwandten gewohnt. Tobias: [stottert] Ich habe mir gedacht...

[00:18:43]  Herlinde: Ich bin in Innsbruck Schule gegangen, also Hauptschule gegangen.

[00:18:46]  Da habe ich zuerst in Pradl gewohnt, bei einer Tante

[00:18:49]  ein Jahr. Und dann in der Andreas-Hofer-Straße, in

[00:18:52]  demselben Haus wo wir dann gelebt haben.

[00:18:55] Und [längere Pause]

[00:18:58] bin Hauptschule und Handelsschule gegangen.

[00:19:01] Und habe immer am Wochenende... Bin ich nach Mieders gefahren.

[00:19:04] Unter der Woche war ich da. Tobias: Volksschule bei dir Heidi,

[00:19:07]  war dann schon... Heidi: Ja, [19]51 sind wir übersiedelt,

[00:19:10]  da war ich gerade sechs, bin dann in die Volksschule gekommen

[00:19:13] in Innsbruck. In die Volksschule die vis-à-vis war

[00:19:16] Tobias: Ja. Heidi: Fischerstraße, ja.

[00:19:19] [Rollgeräusch]

[00:19:22] Tobias: Nach der Volksschulzeit, Hauptschule und Handelsschule,

[00:19:26]  haben wir ja schon erwähnt,

[00:19:28]  war das schon immer klar, dass es die Handelsschule wird?

[00:19:31] Herlinde: Nein, ich wollte Säuglingsschwester werden. Weil

[00:19:34] ich habe ja zwei kleine Kinder aufgezogen.

[00:19:37]  Da musste man aber 18 sein.

[00:19:40]  Und ich bin mit 14 ausgeschult gewesen, ned.

[00:19:43]  Daher Handelsschule.

[00:19:45] Und das ist mir dann geblieben.

[00:19:47] Tobias: Das heißt, es hat keine Säuglingsschule, also...

[00:19:50] Herlinde: Nein, das war dann vorbei.

[00:19:53] [Rollgeräusch] Tobias: War dann die Rolle von dir, doch die der großen Schwester

[00:20:00] und der, du hast es eh schon erwähnt,

[00:20:03]  als Ziehmutter, oder

[00:20:06] ist das für dich... ist dir das leicht

[00:20:09] gefallen, hast du das gerne gemacht?

[00:20:11] Herlinde: Ich habe die Oma geliebt.

[00:20:13] Tobias: Und die...Auf die Schwestern aufpassen, war das...

[00:20:16] Herlinde: Das war normal, die waren halt da.

[00:20:19] Dann sind wir durch die Stadt gegangen und dann haben wir sie segiert

[00:20:22]  Dann haben wir gesagt, jetzt finden wir nicht mehr heim. Sie war ja neu in der Stadt

[00:20:25] Ich hab das schon gekannt, gell.

[00:20:28] Tobias: Ja dann machen wir vielleicht als nächstes... Herlinde: Ja du musst jetzt weiterkommen

[00:20:31]  jetzt geht es mit der Heidi weiter. Tobias: Genau, jetzt müssen wir gleich im Umkehrschluss fragen,

[00:20:34]  wie das war mit der älteren Schwester quasi.

[00:20:37] Heidi: Es war schön... Herlinde: [unverständlich] genauso. [lachen]

[00:20:40] Heidi: Nein, wir waren ja, also

[00:20:43]  soweit ich mich erinnern kann waren wir ja in Mieders unter der Woche allein.

[00:20:46]  Meine Mutter war im Büro und meine

[00:20:49] Schwester war in Innsbruck. Ich habe mich der mittleren Schwester recht gut verstanden.

[00:20:52]  Und am Wochenende kam

[00:20:55] meine Schwester. Und hat gewöhnlich einen Asthmaanfall bekommen.

[00:20:58]  Dann hat sie die ganze Aufmerksamkeit der Mutter auf sich gezogen.

[00:21:02]  Und hat mit der Schwester da [unverständlich]

[00:21:05]  Und ich war wahnsinnig eifersüchtig.

[00:21:08] Tobias: Wie war es dann die ersten Jahre in Innsbruck?

[00:21:11]  Oder mit Volksschule war das dann, wenn man quasi aus dem Haus

[00:21:14]  immer so viel drin ist, hat es sich dann gebessert oder?

[00:21:17] Heidi: Also ich war in Mieders war mir etwas langweilig.

[00:21:20]  Meine mittlere Schwester, die ist dann in die Schule gegangen.

[00:21:23]  Worum ich sie immer maßlos beneidet habe.

[00:21:26] Bin meistens zur Schule hin gegangen, sie abholen.

[00:21:29]  Und sie haben drinnen gesungen.

[00:21:31]  Und ich habe draußen mitgesungen.

[00:21:33]  Und habe die Aufgaben abgeschrieben.

[00:21:35]  Also Schule, das war mein größter Wunsch, endlich in die Schule zu kommen.

[00:21:38] Tobias: Und wenn es dann, wie es dann in die Schule gegangen ist,

[00:21:41]  hat sich dann alles...

[00:21:43] Heidi: Nein. Wir sind dann nach Innsbruck übersiedelt.

[00:21:46]  Und das war für mich paradiesisch.

[00:21:48]  Weil da waren in der Speckbauerstraße,

[00:21:50]  das war so eine Südtiroler-Siedlung,

[00:21:52]  da waren in jedem Haus mindestens 10 Kinder.

[00:21:55]  Und überwiegend gleichaltrige.

[00:21:57]  Also man hat immer jemanden,

[00:21:59]  zum Spielen gehabt und das war herrlich, ja.

[00:22:01] Tobias: War dann die mittlere Schwester auch noch beim Spielen dabei, oder?

[00:22:05] Heidi: Ja, ja, die war auch.

[00:22:06]  Die hatte natürlich ihre Freunde, die schon ein bisschen älter waren.

[00:22:09] Also, das war sehr angenehm und dann die Schule, gerade vis-à-vis, endlich durfte ich dann in die Schule

[00:22:14]  gehen.

[00:22:15]  Ich weiß noch, erster Schultag hat mich meine Schwester gebracht.

[00:22:19]  Und am zweiten Schultag habe ich schon nicht mehr genau gewusst, welche Klasse das

[00:22:23]  jetzt war, dann sag ich da

[00:22:24] Donnerwetter, das blöde Kind findet die Klasse nicht mehr [lacht kurz].

[00:22:29]  Und bin aber dann aufgeblüht.

[00:22:31]  Also Schule, das war mein Ein und Alles, ja.

[00:22:33] Herlinde: Sie war immer die erste. In der Früh ist sie,

[00:22:36] war die Schule noch nicht offen, ist die Heide schon dort gesessen.

[00:22:41] Heidi: Konnte es kaum erwarten, musste ja nur über die Straße gehen.

[00:22:45] Tobias: Ja.

[00:22:46]  Und war die Schwester als Autoritätsperson

[00:22:50] Können Sie sich an das noch erinnern,

[00:22:52] war das immer so... Es ist... Heidi: Es war immer ein sehr gespanntes Verhältnis.

[00:22:56] Herlinde: Ja, weißt, die Kleinen waren eher zusammen, die waren näher zusammen.

[00:23:00] Heidi: Ja.

[00:23:01] Herlinde: Die Gerda und die Heide, die waren wie alt wart ihr?

[00:23:05] Heidi: Nur zweieinhalb Jahre. Herlinde: Vier Jahre? Zweieinhalb Jahre!

[00:23:08]  Ja, eben.

[00:23:09]  Und ich war eben weit weg.

[00:23:11]  Ich war schon groß.

[00:23:13] Heidi: Ja, sie hat dann in Innsbruck natürlich ganz andere Interessen gehabt, ist dann schon

[00:23:17] ausgegangen und war dann nicht mehr so präsent wie in Mieders, am Wochenende [lacht].

[00:23:22]  Das hat sich gelegt dann, dann ist es schon ein bisschen besser gegangen, ja

[00:23:26] Tobias: Und die Mutter habt man dann viel gesehen, ist man... Wenn die Mutter da war, was hat man,

[00:23:30] mit der Mutter, und dann haben wir da, am Sonntag haben wir gesagt Wanderungen, das war...

[00:23:35] [Beide gleichzeitig]: Ja, haben wir schon ein paar Spaziergänge und so gemacht.

[00:23:38] Tobias: Wo ist man da so, wo seid ihr da so hin spaziert?

[00:23:42]  Heidi: Bergisel.

[00:23:43] Herlinde: Bergisel, oder wie heißt das da?

[00:23:46]  Andreas-Hofer-Weg.

[00:23:47] Heidi: Ja. Herlinde: Viel.

[00:23:48] Heidi: Und eben Schöhnruh sind wir hinauf gefahren mit der Mutter.

[00:23:51]  Wobei es da eine wunderbare

[00:23:53]  Jause hat uns die Oma mitgegeben, die hat in der Früh Schnitzel gebacken.

[00:23:58]  Und Bohnensalat und Kartoffelsalat, davon schwärme ich heute noch. [lachen]

[00:24:02] Tobias: Und das habt ihr zum, also quasi also...  Herlinde: Haben wir zum Schwimmen mitgehabt, ja.

[00:24:05] Heidi: Dann sind wir mit der Bahn gefahren, gell? Herlinde: Ja.

[00:24:07] Heidi: Über Aldrans und dort hinüber spaziert, also das war ein Erlebnis.

[00:24:10] Haben zwar immer einen furchtbaren Sonnenbrand gehabt, weil Sonnencreme war damals noch zu teuer

[00:24:14]  oder auch nicht so gut, gell?

[00:24:17]  Sonst war das schon ein Erlebnis, ja.

[00:24:19] Herlinde: Und man hat warten müssen oftmals bis das Wasser ein rinnt, kannst du dir die Temperatur vorstellen.

[00:24:24] Heidi: War das nicht Höttinger Au?

[00:24:26]  Herlinde: Höttinger Au. Kalt war es, genau.

[00:24:28] Tobias: Wo ist man lieber schwimmen gegangen?

[00:24:30]  Schönruh oder Höttinger Au?

[00:24:31] Heidi: Ja, das Schönruh war ja natürlich ein Event, das wäre unter der Woche ja nicht gegangen.

[00:24:35]  Und was ich mir heute manchmal denk, was undenkbar wäre heute?

[00:24:39]  Ich bin mit meiner mittleren Schwester mit der Bahn nach Hall gefahren und dort ins Haller Schwimmbad gegangen.

[00:24:45]  Ich konnte aber nicht schwimmen.

[00:24:47]  Jetzt muss man sich das vorstellen, wenn die Kinder alleine dahin gefahren sind.

[00:24:50]  Und meine Schwester hat mich immer untergetaucht, ich bin dann schon immer wieder aufgetaucht, gell?

[00:24:54]  So passiert ist nichts, aber das ist halt undenkbar, gell?

[00:24:57]  Ja, meine Mutter hatte nie Zeit gehabt und so sind wir halt alleine gegangen, ja.

[00:25:01] [Rollgeräusch] Heidi: Etwas wollte ich noch sagen, [Tobias dazwischen: Ja, sehr gern.] was mich als Kind sehr beeindruckt hat.

[00:25:08]  Ich bin sehr viel in diese Bücherei im Taxispalais gegangen.

[00:25:11] Und das war in diesen schönen Räumen und die vielen Bücher, das war wirklich paradiesisch schön,

[00:25:16] das habe ich sehr genossen, ja.

[00:25:18] Tobias: Und ehm, zum Lesen oder zu...

[00:25:21] Heidi: Ja, alles zum Lesen, man konnte sich dort aufhalten und dort lesen und was ausleihen.

[00:25:25] Tobias: Da ist man dann aber allein hin gegangen, also das war dann...

[00:25:28] Heidi: Wir sind immer nur alleine hin gegangen.

[00:25:30]  Ich bin auch mit sechs allein schon zum Zahnarzt gegangen.

[00:25:33]  Weil die Mutter war berufstätig, hat keine Zeit gehabt und dann haben wir halt überall allein gehen müssen, gell?

[00:25:38]  Das war ganz gut, weil wir waren früh selbstständig, gell? Tobias: Ja, allerdings.

[00:25:41]  Heidi: Ja. [lacht kurz]

[00:25:42] [Rollgeräusch] Tobias: Das ist natürlich, alleinerziehende Mutter, ist natürlich immer...

[00:25:49]  Es ist heute nicht einfach, war damals sicher auch nicht einfach. Herlinde: Ja. Tobias: Hat

[00:25:52] man gemerkt, dass vielleicht wenig Geld da war, man hat nicht alles gekriegt,

[00:25:57]  oder ist man mit dem eigentlich... man ist immer zufrieden, mit dem was man.

[00:26:00] Heidi: Es hat niemand was gehabt, nach dem Krieg. Herlinde: Ja.

[00:26:03] Heidi: Das war ganz normal, oder?

[00:26:05] Herlinde: Wir haben uns nie benachteiligt gefühlt. Heidi: Nein. Nein.

[00:26:08] Herlinde: Ich kann mich schon erinnern, dass  [lacht kurz] in der Handelsschule in der Pause,

[00:26:12]  dann ist man ja so den Gang entlang gegangen, da hat meine Freundin, die [unverständlich]

[00:26:17] hat so eine Stulle mit gehabt, mit Wurst drin.

[00:26:21]  Also das war für uns undenkbar.

[00:26:24]  Weil Wurst hat es nur für die Mama gegeben.

[00:26:27]  Das war für die Mutter reserviert.

[00:26:29]  Ich weiß nicht, was ich mitgehabt habe.

[00:26:32] Auf jeden fall habe ich... Sehe ich das heute noch vor mir, weißt, von einem großen Laib

[00:26:36]  so eine Stulle hat die mitgehabt.

[00:26:39] Heidi: Aber wir haben ja eben dann diesen Schrebergarten gehabt,

[00:26:42] da in Wilten, und da haben wir wirklich Gemüse und alles gehabt,

[00:26:46]  in rauen Mengen.

[00:26:48] Tobias: Ist man da dann immer am Wochenende hin, zum Schrebergarten?

[00:26:50] Heidi: Jeden Tag. Tobias: Jeden Tag.

[00:26:51]  Heidi: Im Sommer, ja

[00:26:52]  Herlinde: Mit Erdbeeren.

[00:26:53] Heidi: [unverständlich] Herlinde: Erdbeeren ernten und so.

[00:26:57] Heidi: Erdbeeren, Ribisel. Herlinde: Die hat alles gehabt. Alle Beeren.

[00:26:59] Da war die Oma gut.

[00:27:02]  Wir haben in Mieders haben wir schon einen Acker gepachtet.

[00:27:05] Weil da haben wir keinen Garten gehabt.

[00:27:07]  Das war nicht für uns, sozusagen, der Garten.

[00:27:11]  Da hat sie, ich weiß nicht wieviel Quadratmeter, einen mords

[00:27:14]  Garten, eh, einen Acker einfach ein Feld,

[00:27:18] und da haben wir dann auch Kartoffeln und Kraut [unverständlich]

[00:27:21] Heidi: Das Nötigste haben wir gehabt.  

[00:27:23] Herlinde: Wir waren immer gut versorgt. [Rollgeräusch]

[00:27:29] Tobias: Vielleicht Heidi, bei dir noch, du bist dann Volksschule, Hauptschule,

[00:27:33] Heidi: Ja. Tobias: Danach auch eine weiterführende Schule?

[00:27:36] Heidi: Ja, ich bin dann in die Handelsakademie gegangen,

[00:27:38] was ich meiner Schwester zu verdanken habe, weil

[00:27:40] alle aus meiner Klasse sind in die Handelsschule gegangen.

[00:27:43]  Und da sagt meine Schwester,

[00:27:44] Na, du bist eh gut in der Schule, geh doch in die Handelsakademie.

[00:27:47]  Und dann bin ich als Einzige in der Klasse,

[00:27:49]  aus der Klasse in die Handelsakademie gegangen.

[00:27:51] Herlinde: Das war dann ich, die gute Schwester, ned.

[00:27:53] Heidi: Ja, dann hat sich das Verhältnis gebessert. [lachen]

[00:27:56] Überhaupt, wo sie dann nach Rum gezogen ist, gell [lacht kurz].

[00:27:59] Tobias: Der Zug, ehm der Umzug nach Rum, war dann schon beruflich bedingt, oder war das...?

[00:28:03] Herlinde: Nein, ich habe da in Innsbruck bei einem Holzhändler gearbeitet,

[00:28:07]  die dann den Betrieb... Das war ein Holzhändler, der ha

[00:28:12]  nach dem Krieg, hat der Holzhäuser gebaut.

[00:28:18]  Und dann haben wir ein Export mit Spreißel [Dialekt für kleines, dünnes Stück Holz] gegeben.

[00:28:23]  Also die Randstücke von den Bäumen.

[00:28:26] Ned, zuerst kommt die Rinde weg und dann das Spreißel.

[00:28:29]  Und das ist für die Papierfabrik nach Italien gegangen.

[00:28:32]  Bis zu 15 Waggons am Tag, haben wir da abgewickelt.

[00:28:37]  Da hab ich gearbeitet.

[00:28:38]  Und das hat dann aufgehört.

[00:28:40]  Und dann wollte ich weg.

[00:28:42]  Ich war sieben Jahre dort, dann wollte ich weg.

[00:28:45]  Dann habe ich müssen im Archiv arbeiten.

[00:28:48]  Dann habe ich gefunden den italien... den österreichischen Handelsdelegierten

[00:28:52]  in Rum, habe mir gedacht, da geh ich hin.

[00:28:54]  Dann habe ich einen Brief geschrieben.

[00:28:56] Habe mich in der Handelskammer vorstellen müssen,

[00:28:59]  der war begeistert von mir.

[00:29:01]  Und ich habe dort anfangen können, bin dann nach Rum gekommen.

[00:29:05]  Und war dann eineinhalb Jahre in Rum.

[00:29:07]  Ich habe dann noch beim Steuerberater gearbeitet

[00:29:09]  und habe die Bilanz-Buchhalter-Prüfung

[00:29:11]  gemacht. Tobias: In Rum?

[00:29:13]  Herlinde: [unverständlich]

[00:29:14] Ich bin da geblieben.

[00:29:16] Ist da wieder kaufmännisch weitergegangen.

[00:29:18]  [Rollgeräusch]

[00:29:20] Tobias: Erwachsenenzeit in Innsbruck,

[00:29:25] aufleben, Veränderungen in der Stadt.

[00:29:28] Grad, also, wenn ich jetzt denk an Olympia [19]64,

[00:29:31] ist ja doch ein großes Ereignis gewesen. Herlinde: Ja.

[00:29:33] Tobias: Hat man das stark erlebt oder stark...

[00:29:36] Herlinde: Ja, also das war ein Highlight.

[00:29:38]  Ja, man hat so auf

[00:29:40] den Schnee gewartet.

[00:29:42] [Beide Schwestern gleichzeitig]: Ja, ja kannst dich erinnern,

[00:29:44] es hat keinen Schnee gegeben. Tobias: Und habt ihr,

[00:29:46]  seid ihr zuschauen gewesen?

[00:29:48] Hat man... Heidi: Ich war zuschauen. Tobias: Oder zu Hause am Fernsehen?

[00:29:50] Heidi: Ja, ja, nein, wir waren schon zuschauen.

[00:29:52] Eishockey, überwiegend, ja.

[00:29:54] Herlinde: Ja, ich war beim Skispringen.

[00:29:56] Haben ich einen Platz gekriegt

[00:29:58] unter der Sprungschanze, unterm Tisch

[00:30:01] hat man da stehen können.

[00:30:03] Ma, das war wild, wie die da runter gefahren sind.

[00:30:05] Heidi: [unverständlich]

[00:30:07] Tobias: Und [19]76 war dann auch noch interessant,

[00:30:10]  oder [sind] da die zweiten Spiele schon nicht mehr ganz so interessant?

[00:30:13] Herlinde: Also, da war ich dann im Eishockey.

[00:30:15] Ausscheidungsspiel,

[00:30:17]  Endspiel, Russland

[00:30:19] Tschechei war das damals.

[00:30:21] Tobias: Und die Tschechen, glaube ich haben gewonnen. Herlinde: Die Tschechen haben gewonnen.

[00:30:23] Das war echt toll [lacht].

[00:30:25] Heidi: Ich war [19]76 ehm,

[00:30:27]  wir waren ein paar Jahre in Reutte

[00:30:29]  [19]76 waren wir noch in Reutte.

[00:30:31]  [Rollgeräusch]

[00:30:35] Tobias: Und in der Freizeit, was hat man da... dann schon im Erwachsenenalter

[00:30:39] in der Freizeit, hat es irgendwas gegeben, hat man diese Sonntagstraditionen auch in der eigenen Familie

[00:30:43]  fort geführt

[00:30:45] so gut es geht?

[00:30:47] Heidi: Ab dem Teenager-Alter war da Schluss, gell.

[00:30:49]  Unsere Mutter war ein bisschen geh behindert

[00:30:51]  und die hat sich dann schwer getan.

[00:30:53]  Und dann haben die sonntäglichen Ausflüge

[00:30:55]  nicht mehr stattgefunden.

[00:30:57] Man hat halt dann mit Freundinnen was unternommen.

[00:30:59]  Wir sind viel ins Kino gegangen.

[00:31:01] Tobias: Wo, ins ehm...

[00:31:03] Heidi: Ins Non-Stop Kino, ja.

[00:31:05] Wochenschau, und da konnte man ja ewig sitzen bleiben,

[00:31:08] bis man es beinah auswendig konnte [lacht kurz].

[00:31:10]  Und auch sonst sind wir viel ins Kino gegangen.

[00:31:13] Tobias: Tanzen, ins Greif zum Beispiel?

[00:31:15] Heidi: Das waren meine Schwestern.

[00:31:17] Herlinde: Ich war immer in allen Kellern

[00:31:19] war ich daheim. Es hat viele Keller gegeben

[00:31:22] damals, gell.

[00:31:24]  Dann war da beim Central,

[00:31:27]  war ein Keller drin.

[00:31:29]  Wie hat denn das da oben geheißen?

[00:31:31] Das gibt es ja heute noch

[00:31:33] das Lokal, bei der Triumphpforte  

[00:31:35] da beim Eck? Heidi: Das war Greif, oder?

[00:31:37] Tobias: Das war das Greif, ja.

[00:31:39]  Herlinde: Nein, nein, vis-à-vis.

[00:31:41]  Tobias: Da ist jetzt glaube ich so eine Bar drin.

[00:31:43]  Herlinde: Ja, ja, da war ein Keller.

[00:31:45]  Dann ist man nach Igls gefahren.

[00:31:47]  Wir sind sogar nach

[00:31:49] Garmisch gefahren.

[00:31:51] Tobias: Mit dem Zug?

[00:31:53] Herlinde: Nein. Da haben die Freunde

[00:31:55] dann schon ein Auto gehabt.

[00:31:57]  Das war mit dem Günther war das, gell.

[00:31:59] Der hat einen Kastenwagen gehabt und hat uns alle eingeladen

[00:32:02] und wir sind dann raus gefahren.

[00:32:04] Heidi: Tanzmäßig hat bei mir nicht viel

[00:32:07] stattgefunden [lacht kurz] Herlinde: Wohl, ich war viel tanzen

[00:32:09] Heidi: Ja, ja. Tobias: Was hat... Herlinde: Ich bin jahrelang Tanzkurs

[00:32:11] gegangen, und dann hat es geheißen

[00:32:13] am Samstag oder wann,

[00:32:15]  Perfektion.

[00:32:17]  Da war dann einfach Musik,

[00:32:19]  und man ist hin gegangen und hat sich

[00:32:21] getroffen sozusagen und hat getanzt einfach dann.

[00:32:23]  Also ohne Anleitung.

[00:32:25] Tobias: Mit... War das dann schon mit dem Ehemann?

[00:32:27] Herlinde: [ganz entsetzt] Nein!

[00:32:29]  Ehemann und tanzen, das ist nicht gegangen.

[00:32:31] [alle lachen] Tobias: Mit wem ist man dann

[00:32:34]  tanzen gegangen, mit den Freundinnen und Freunden?

[00:32:36] Herlinde: Ja. Nein, da haben wir es...

[00:32:38] Wir sind auch auf Bälle gegangen. Und zwar

[00:32:41] hat mein Schulkollegen eine Mutter gehabt.

[00:32:43] Die ist mit uns

[00:32:45] gegangen. Weil sie hat einen

[00:32:47] Freund gehabt, der auch dann

[00:32:49]  hingekommen ist, gell

[00:32:51]  Heidi: [unverständlich]

[00:32:53] Herlinde: Sind wir von

[00:32:55] von, was weiß ich.

[00:32:57]  Von Ball zu Ball. Wir haben

[00:32:59]  alle Bälle besucht. Immer so.

[00:33:01] Tobias: Und, jetzt muss ich gerade noch fragen...

[00:33:03] Herlinde: Keller sind wir allein gegangen.

[00:33:05]  Ohne Mutter.

[00:33:07]  Aber Bälle waren offiziell halt.

[00:33:09] Tobias: Gibt es noch Erinnerungen an den ersten Kinofilm

[00:33:11]  was man sich angeschaut hat?

[00:33:13] Heidi: Ma, ich erinnere mich nur an den ersten Filmen,

[00:33:15]  wo ich Jugendverbot gegangen bin.

[00:33:17]  Mit 14.

[00:33:19]  Das war Faust im Nacken. Den hätte ich nicht gehen dürfen.

[00:33:21] Der war erst ab 18.

[00:33:23]  Aber vorher weiß ich jetzt nicht, was der Erste war.

[00:33:25] Tobias: Und wie haben... Wie ist man in den Film gekommen, wenn man noch nicht...

[00:33:28] Heidi: Ich war schon sehr groß mit 14.

[00:33:30] Tobias: Und dann ist quasi...

[00:33:32] Heidi: Ja, da bin ich schon hinein gekommen [lachen].

[00:33:34] Tobias: Ist... Aber auch mit Freundinnen mit...

[00:33:36] Heidi: Mit der Freundin, ja.

[00:33:38] Herlinde: Ich habe in Mieders den ersten Film gesehen.

[00:33:41]  Und zwar war da irgendwo ein Zelt

[00:33:43] und da haben sie einen Film vor geführt.

[00:33:46]  Und zwar irgendwas mit Luftballon.

[00:33:49]  Es war so eine Revue-Film.

[00:33:52]  Mit [unverständlich] und Luftballon,

[00:33:55]  irgendsoetwas ist halt da

[00:33:57] vorgekommen, war toll.

[00:33:59]  Das war mein erster Film.

[00:34:01] Heidi: [unverständlich]

[00:34:03] waren die am Lanser See.

[00:34:05] Tobias: Zum Baden?

[00:34:06] Heidi: Ja.

[00:34:07]  Gesellschaftliches Event war immer Lanser See.

[00:34:09]  Ich meine, man ist damals noch nicht so viel weg gegangen.

[00:34:12] Flugreisen waren zu teuer und einige

[00:34:14] sind schon gleich [unverständlich]

[00:34:16] man hätte ja am Lanser See was versäumt, wenn man nicht oben gewesen

[00:34:18] wäre. Tobias: Das heißt, Urlaube waren in...

[00:34:20]  Als, Kind natürlich ganz selten, eh klar

[00:34:23] Herlinde: Ja, wir, meine

[00:34:24] mittlere Schwester und

[00:34:25]  ich, wir sind

[00:34:26]  dann in den Ferien immer mit [unverständlich]

[00:34:29]  verschickt worden.

[00:34:30]  Sommerfrische, ja.

[00:34:32] Tobias: Gibt es da noch einen Urlaub, was man sich erinnern kann?

[00:34:35] Heidi: Ja, einmal waren wir in Mieders

[00:34:37] und meine Schwester

[00:34:39]  hat sich immer gern beklagt.

[00:34:40]  Die hat sich gleich übers Essen beschwert. [Herlinde lacht kurz]

[00:34:42]  Dann kam dann einmal eine Kommission.

[00:34:44]  Und dann war das Essen besser.

[00:34:46]  Das nächste Mal waren wir in Oberpinswang,

[00:34:49] Reutte. Das schrecklich, weil

[00:34:51]  es jeden Tag geregnet hat.

[00:34:53]  Und auf das Essen war wieder nicht  

[00:34:55] so ausreichend, [Herlinde fängt an zu husten] wie es meine Schwester gern gehabt hätte.

[00:34:58] Hat sich wieder beschwert, es ist dann wieder besser geworden [lacht kurz].

[00:35:01]  Und mir war das ja furchtbar peinlich.

[00:35:03] Ich habe schon Angst gehabt sie schicken uns jetzt heim,

[00:35:05] weil meine Schwester,

[00:35:06]  so ein Großmaul war, gell.

[00:35:07]  Das wäre mir furchtbar peinlich gewesen.

[00:35:09] [Rollgeräusch] Tobias: Gibt es noch etwas, was wir vergessen haben,

[00:35:15]  was vielleicht noch interessant wäre?

[00:35:17] Herlinde: Also ich hätte eine Brücke anzubieten. Tobias: Mhm, bitte.

[00:35:19] Herlinde: Und zwar treffe ich mich immer noch

[00:35:21]  mit den Schulkolleginnen aus Haupt- und Handelsschule.

[00:35:26]  Wir sind jetzt noch neun.

[00:35:28]  Wir treffen uns jetzt zweimal im Jahr,

[00:35:30]  weil jetzt wird es brisant.

[00:35:32]  Einmal im Frühling, einmal im Winter,

[00:35:35]  immer im "Riese Haymon".

[00:35:37]  Da habe ich eine Kollegin,

[00:35:39]  die ist gleich alt wie ich,

[00:35:41]  die arbeitet noch.

[00:35:43]  Die hat eine Handelsfirma, so für

[00:35:45] medizinische Geräte.

[00:35:47]  Dann ist sie im Alpenzoo,

[00:35:50] macht sie die Reisen,

[00:35:52]  organisiert sie die Reisen

[00:35:54]  und dann ist sie im botanischen Institut,

[00:35:57] da macht sie das Rechnungswesen.

[00:35:59]  Tobias: Oben in Hötting?

[00:36:01]  Herlinde: In meinem Alter. Ja.

[00:36:03] Super gell. Tobias: Ja. Herlinde: Ich war übrigens auch im Alpenzoo.

[00:36:05] Tobias: Ja. Herlinde: Mhm. Tobias: Und wie... Als, eh, in was für einer Funktion?

[00:36:09] Herlind: Das Büro.

[00:36:11]  Ich habe angefangen nach den Kindern,

[00:36:13]  wann war das, ich war

[00:36:15] 45, wie ich oben angefangen

[00:36:17] habe. Heidi: 1945?  

[00:36:19] 75?

[00:36:21] Herlinde: Nein, im Jahr... Nein mein Alter.

[00:36:23] Heidi: Ach so, du [beide reden durcheinander - unverständlich]

[00:36:25] 15 Jahre war ich oben.

[00:36:27] Tobias: Das war... Wer war zu der Zeit

[00:36:29]  war da schon der Bechlander [Schreibweise ungewiss]? Herlinde: Da hat er angefangen.

[00:36:31] Tobias: Weil das war ja davor, ehm.

[00:36:33] Herlinde: Psenner. Tobias: Psenner genau, weil da ist ja Steg unten nämlich.

[00:36:35] Herlinde: Der war schon, schon noch

[00:36:37] anwesend,

[00:36:39] aber, der hats dann übernommen, ned

[00:36:41]  der Bechlander hat es dann übernommen.

[00:36:43] Und da habe ich angefangen

[00:36:45]  Halbtags, habe ich nur Buchhaltung

[00:36:47] und Lohnverrechnung gemacht.

[00:36:49]  Und da haben wir eine Sekretärin gehabt.

[00:36:51] Die ist dann nach Wien gegangen

[00:36:53]  Und dann hat eben der Bechlander gemeint,

[00:36:55]  das wäre halt toll

[00:36:57] wenn ich das jetzt auch noch machen würde, ned.

[00:36:59]  Also ab dort war ich nur mehr im Zoo. Samstag

[00:37:01] Sonntag, immer und überall.

[00:37:03]  Denn wir haben durchwegs

[00:37:05] Gäste gehabt, die auch

[00:37:07]  betreut werden mussten, gell.

[00:37:09] Da bin ich dann schon eingesprungen.

[00:37:11] Tobias: Wie, darf man das... Kann man das verstehen?

[00:37:13]  Betreut werden haben müssen? Herlinde: Ja, die haben gewohnt,

[00:37:15] die Frau Schwetz [Schreibweise ungewiss] hat uns,

[00:37:17]  im Mentlberg, kennst du das? Tobias: Mhm.

[00:37:19] Herlinde: Die Frau Schwetz hat uns das Haus

[00:37:21]  zur Verfügung gestellt für Gäste.

[00:37:23] Die hat man dahin gebracht und dann

[00:37:25] ist man mit ihnen essen gegangen und dann

[00:37:27] hat man mit ihnen einen Ausflug gemacht, mit einem

[00:37:29] auf den Patscherkofel, mit einem auf die Nordketten.

[00:37:31] Russen waren da

[00:37:33] und dann die ganzen Ossis.

[00:37:35]  Die haben wir da alle abgefüttert,

[00:37:37] Und sie haben auch immer [lachend] gefragt, wie heißt

[00:37:39] der Bodner, der Bekannteste [unverständlich]

[00:37:41] bei Pretty Woman.

[00:37:43] Die haben sich damals abessen können.

[00:37:45] Und da bin ich schon ziemlich eingedeckt gewesen.

[00:37:47] Tobias: Und gibt es noch Kontakt zum Bechlander?

[00:37:51] Herlinde: Ja, haben wir.

[00:37:53] Tobias: Es war viel Arbeit, aber es ist nicht der Kontakt mit...

[00:37:55] Also das Arbeitskrieg war an und für sich

[00:37:57] in Ordnung. Herlinde: Ja wunderbar. Er war der beste Chef

[00:37:59]  von allen [beide lachen].

[00:38:01] Er hat sich selber nicht geschont,

[00:38:03]  und dann tut man halt mit, gell.

[00:38:05] Und er uns so gelobt immer, mein Gott.

[00:38:07] Er hat uns so gefangen mit dem Lob

[00:38:09]  [lacht kurz].

[00:38:11]  Da kommt man [lachen]

[00:38:13] Tobias: Das heißt...

[00:38:15] Herlinde: Hat er verstanden.

[00:38:17] Tobias: Geht man dann jetzt, auch wenn das jetzt schon lang her ist

[00:38:19]  trotzdem noch in den Alpenzoo hin und wieder

[00:38:21] und schaut sich das an. Herlinde: Ja, freitags ist es soweit.

[00:38:23] Am Freitag gehen wir wieder rauf

[00:38:25]  Tobias: Und ist man jedes Mal wieder

[00:38:27] kommen dann die Erinnerungen, wenn man dann da im Zoo ist?

[00:38:29] Herlinde: Ja freilich. Es gibt da noch Leute.

[00:38:31]  Es gibt meine Nachfolgerin, die war ja während

[00:38:33] meiner Zeit schon oben,

[00:38:35] und die ist immer noch da.

[00:38:37] Tobias. Und dann gibt es wieder einen

[00:38:39]  Austausch über den neusten Alpenzoo-Klatsch.

[00:38:41] Herlinde: Ja, Ja. Und dann ist es eine [unverständlich]

[00:38:43] ist es auch oben.

[00:38:45]  Und dann kriege ich dann auch die Familiengeschichte

[00:38:47] noch ein bisschen mit, gell.

[00:38:49]  Ja, ja. Man ist schon immer noch oben,

[00:38:51]  nicht mehr so, nicht mehr

[00:38:53] so dicht, wie es war.

[00:38:55] Aber, bin am laufenden.

[00:38:57] [Tobias lacht] Herlinde: Ich weiß sogar

[00:38:59]  dass die [unverständlich] schon brühten.

[00:39:01] Tobias: Auch wenn man im Büro war

[00:39:03]  und auch viel Buchhaltung und die Gäste,

[00:39:05]  hat man dann Kontakt unter

[00:39:07]  Anführungszeichen zu den Tieren gehabt?

[00:39:09]  Herlinde: Ja sicher. Man ist immer

[00:39:11]  durchgegangen und hat gewusst

[00:39:13] was Neues ist, wer brühtet

[00:39:15]  und wer [unverständlich] [lachend] und so weiter.

[00:39:17] Heidi: Du hast doch auch immer einen Bartgeier

[00:39:19] im Büro [beide Schwestern reden durcheinander]

[00:39:21] Herlinde: Ja, wir haben einen Bartgeier haben wir im Büro gehabt.

[00:39:23] Weil die haben sich bekämpft.

[00:39:25]  Im Nest.

[00:39:27] Da ist nur der stärkere aufgekommen.

[00:39:29]  Das war sozusagen das Reservekind.

[00:39:31]  Und wir haben dann das Reservekind

[00:39:33]  bis er halbwegs groß war,

[00:39:35] dann ist es wieder ins Nest gekommen

[00:39:37]  und dann ist es gegangen.

[00:39:39] [unverständlich] bei Tieren.

[00:39:41] [Tobias lacht] Herlinde: Ja.

[00:39:43]  Alpenzoo. Nein, war eine schöne Zeit

[00:39:47]  Und dann ist er mir abgehauen, der Chef. Ist er dann nach Wien

[00:39:49]  gegangen. Ich bin auch nach Wien durchgefahren  

[00:39:51] zu ihm.  

[00:39:53] Tobias: Hat es gar keine Versuche gegeben

[00:39:55] abzuwerben nach Wien?

[00:39:57] Herlinde: Wohl, freilich wollte er mich mitnehmen.

[00:39:59] Tobias: Aber war dann nicht mehr. Herlinde: Was tue ich denn

[00:40:01] in Wien? Nein,

[00:40:03] so eine große Stadt. Das ist ja...

[00:40:05]  So schön wie Wien ist, aber ich fahre gern

[00:40:07]  wieder Heim.

[00:40:13] [Rollgeräusch] Tobias: Skifahren lernen, Skifahren ist... Herlinde: Ich habe nach diesen großen ersten Anfällen, dann hat es endlich

[00:40:19] eh, Medikamente gegeben.

[00:40:21]  Dann habe ich beim

[00:40:23] Schmidhuber

[00:40:25]  auf der Seegrube

[00:40:27]  Skifahren gelernt.

[00:40:29]  Tobias: Wann war das, zu welcher Zeit?

[00:40:31]  Herlinde: [überlegt - atmet fest aus] Wann

[00:40:33]  war denn das? Tobias: Oder vielleicht...

[00:40:35]  Herlinde: [Heidi sagt was im Hintergrund] Ich war auf jeden fall schon 20 Jahre.  

[00:40:37]  Also,

[00:40:39]  [19]56, [19]58 so was.

[00:40:41] Tobias: Und wie waren die ersten Versuche auf den Skiern?

[00:40:43] Herlinde: Ja ich habe einen Kurs gemacht, dann ist es schon gegangen.

[00:40:45] Ich weiß noch wie ich das erste Mal gefahren, runter

[00:40:47]  gefahren bin habe ich gesagt

[00:40:49] ich geh nie wieder [lacht].

[00:40:51] [lacht]

[00:40:53]  Zuerst ist man ja hinten gefahren, gell.

[00:40:55]  Nein, das war mir ein bisschen zu

[00:40:57]  steil und dann ist der Skilehrer

[00:40:59]  da unter mich her gefahren, da

[00:41:01] dann bin ich aufgestanden, dann ist [es] wieder

[00:41:03]  gegangen. Dann bin ich oft

[00:41:05]  rauf gegangen. Tobias: Und Sie sie dann...

[00:41:07] Oder bist du dann noch öfter

[00:41:09]  also Skifahren, ehm, war [das was], was

[00:41:11] man öfters gemacht hat, oder war das dann...?

[00:41:13] Herlinde: [unverständlich] Heidi: Ich habs

[00:41:15] im Skiurlaub gemacht. Herlinde: Skiurlaub

[00:41:17] ja. [unverständlich] sind wir viel Ski-

[00:41:19] fahren gegangen. Dann [unverständlich]

[00:41:21] ist man damals gegangen. Ja, das war

[00:41:23] schon mit der Familie. Dann waren wir in

[00:41:25] Jerzens Und bei den Anfängen

[00:41:27] mit dem Einer-Sessel-Lift haben wir angefangen

[00:41:29] in Jerzens.

[00:41:31] Tobias: Und bei dir Heidi war... Heidi: Mich hat man

[00:41:33] zu einem Skikurs auf die

[00:41:35] Ferrari-Wiese geschickt.

[00:41:37]  Und ich sage heute immer, es

[00:41:39] war eine Materialfrage, weil ich habe

[00:41:41] die alten Schuhe und Ski von meiner Schwester

[00:41:43] gehabt, wo ich so drin gestanden bin

[00:41:45]  und das war eine Katastrophe

[00:41:47]  und dann habe ich das Skifahren abgeschlossen [lacht kurz].

[00:41:49] Wie ich dann meinen Mann kennen gelernt habe

[00:41:51] habe ich noch einmal einen Versuch gemacht

[00:41:53] und der ist auch kläglich gescheiert.

[00:41:55] Herlinde: War das nicht in Kühtai? Heidi: In Kühtai

[00:41:57] waren wir da, ja. Herlinde: Ja.

[00:41:59]  Und sie ist neben der Straße, am ebenen Weg,

[00:42:01]  hat sie ihre Versuche gemacht. Heidi: [lacht].

[00:42:03] [Rollgeräusch]

[00:42:05] [Rollgeräusch]

[00:42:07] Herlinde: Ja unser Vater war ja

[00:42:09] ein großer Skifahrer. Er war ein großer Sportler.

[00:42:11] 10-Kämpfer und so weiter.

[00:42:13] Heidi: Skispringer.

[00:42:15] Herlinde: Skispringer mit dem Bubi Bradl.

[00:42:17] Tobias: Ah ja. Herlinde: Ist er Ski gesprungen.

[00:42:19] Das war überhaupt mein Lieblingsonkel,

[00:42:21] der Bubi Bardl.

[00:42:23] Der ist dann nach dem ersten Training

[00:42:25] hat er bei uns gewohnt und ist

[00:42:27] im Bett liegen geblieben. Er hat sich nicht...

[00:42:29] Er hat nichts mehr bewegen können. So war das.

[00:42:31] Die waren ja nicht trainiert.

[00:42:33] Auch mit nichts ausgerüstet, ned.

[00:42:35] Tobias: Mhm. Herlinde: Und

[00:42:37] da hat er sich ein paar Tage erholt und

[00:42:39] dann ist es wieder weiter gegangen [lacht kurz].

[00:42:41] Tobias: Jetzt, grad weil jetzt, weil wir jetzt

[00:42:43] kurz über den Onkel...

[00:42:45] Hat es eine...

[00:42:47] andere, als einen Ersatzvater

[00:42:49] in dem Sinn gegeben. Einen, einen Onkel oder...

[00:42:51] Herlinde: Nein, das... da haben wir uns geweigert [Tobias im Hintergrund: Großvater?]

[00:42:53]  Das haben wir nicht erlaubt.

[00:42:55]  Heidi: Nein wir waren... Herlinde: [unverständlich]

[00:42:57]  Heidi: Großmutter war mit 28 Witwe

[00:42:59] und unsere Mutter mit 39.

[00:43:01]  Es war also kein Mann in der Familie.

[00:43:03]  Herlinde: Nein, ein Onkel. Heidi: Der hat aber selber

[00:43:05] Kinder gehabt. Der hat sich also nicht groß gekümmert.

[00:43:07] Und das war schon...

[00:43:09] Herlinde: Mutter hat auch die Vormundschaft gehabt

[00:43:11] für uns, gell.

[00:43:13] Tobias: Könnt ihr, kann man sagen

[00:43:15] das hat irgendwo auch

[00:43:17] das eigene, das Eigenständige

[00:43:19] das persönlich einen viel,

[00:43:21] sehr Gestalter und...

[00:43:23] Herlinde: Ja, auf jeden Fall. Heidi: Ja! Herlinde: Auf jeden Fall.

[00:43:25] Heidi: Das war das Vorbild, unsere Mutter und Großmutter

[00:43:27]  das waren starke Frauen.

[00:43:29]  Herlinde: Ja. Heidi: Und so hat man immer das Gefühl gehabt

[00:43:31] es kann einem nix passieren, weil das schafft man dann schon.

[00:43:33] [Outro-Musik]

[00:43:35] [Outro-Musik]

[00:43:37] [Outro-Musik]

[00:43:39] [Outro-Musik]

[00:43:41] [Outro-Musik]

[00:43:43] [Outro-Musik]

[00:43:45] [Outro-Musik]

[00:43:47] [Outro-Musik]

[00:43:49] [Outro-Musik]

[00:43:51] [Outro-Musik]

[00:43:53] [Outro-Musik]

[00:43:55] [Outro-Musik]

[00:43:57] [Outro-Musik]

Zeitzeugengespräch Armanda Tschurtschenthaler

Zeitzeugengespräch Armanda Tschurtschenthaler

Stadtarchiv Innsbruck

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Transkript

[00:00:00] Armanda: Und dann war es die Sirene.

[00:00:02] Und dann natürlich schnell heim gesaust, ja, jetzt schnell runter in den Keller.

[00:00:05]  Und dann hat es schon gekracht gell.

[00:00:07] Das Essen ist am Tisch gestanden.

[00:00:10] Wie wir nachher dann nach der Entwarnung wieder raufgekommen sind,

[00:00:13]  war natürlich alles verstaubt und verrußt.

[00:00:16]  Das war schon ein bisschen deprimierend, muss ich sagen.

[00:00:19]  [Intro-Musik]

[00:00:34] Tobias: Hallo und herzlich willkommen zur vierten Folge der zweiten Staffel von "Archivwürdig",

[00:00:39]  dem Podcast des Innsbrucker Stadtarchivs.

[00:00:42]  In dieser Folge hören Sie Aufnahmen aus dem Gespräch mit Frau Tschurtschenthaler.

[00:00:46]  Frau Tschurtschenthaler wurde 1932 geboren und verbrachte einen Großteil ihrer Kindheit in Wilten.

[00:00:52]  Sie berichtet uns vor allem über ihre Erinnerungen an das Arbeitslager Reich genau,

[00:00:56]  sowie Zwangsarbeiter in der Stadt, was sie von der Reichskristallnacht in Innsbruck im Gedächtnis blieb

[00:01:02]  und was sie noch von der Schulzeit berichten kann.

[00:01:05]  Neben der Stimme von Frau Tschurtschenthaler hören Sie auch unseren Leiter des Stadtarchivs Lukas Morscher.

[00:01:10]  Und damit geht es auch schon zur Folge.

[00:01:13] Armanda: Ja, ich bin [19]32 geboren und in der Fischerschule in die Schule gegangen, [19]38,

[00:01:20]  das erste Jahr war noch katholischer Schul[unverständlich]dienst und das zweite Jahr war schon das Hakenkreuz an der Wand.

[00:01:25]  Und dann ist [19]38, [19]39 bei Kriegsbeginn, mein Vater schon weg gewesen,

[00:01:31]  und [19]46... [19]45, nach dem Krieg, wieder heim gekommen, nach der Gefangenschaft.

[00:01:36]  Und was soll ich sagen, in der Zeit waren wir zwei Jahre in Gris im Sellrain drinnen,

[00:01:42]  wo meine Mutter aufgewachsen ist, wegen der Bombenzeit, weil ich ja den ersten Bomben-Krieg mitgemacht habe.

[00:01:49]  Und beim zweiten Bombenangriff habe ich den schon miterlebt vom Sellrain aus.

[00:01:54]  Da sind schon die Flieger über den Berg her geflogen und dann sind wir am Nachmittag aufs sogenannte "Innsbrucker Bankerl" gegangen

[00:02:01]  und dann haben wir schon gesehen wie Innsbruck brennt.

[00:02:03] [Lukas] Schrecklich.

[00:02:04] Armanda: Ja, dann hast halt das erlebt ned.

[00:02:07]  Und eben. Und nach dem sind wir die zwei Jahre oder fast drei Jahren drinnen gewesen, [19]45 nach Kriegsbeginn,

[00:02:12] ehm, Ende sind wir dann im Mai wieder heim [gegangen].

[00:02:15]  Und drüben im neuen Wilten, ich bin in Wilten aufgewachsen, in der Haymongass 1.

[00:02:20]  Und da habe ich aber schon, da haben wir aber schon, also wenn ich sage,

[00:02:25]  unter dem Krieg vorher schon, waren.... Also das Lager, Reichenauer Lager

[00:02:31]  das war ja ein Gefangenenlager auch von den Franzosenkriege,

[00:02:35] meine ich, wie der der Franzosenkrieg war, da waren schon die Gefangenen dort.

[00:02:38]  Und die sind ab und zu einmal [man hört im Hintergrund jemanden wischen], ich habe es nämlich gesehen,

[00:02:44]  wir haben im ersten Stock oben gewohnt und die sind also ein paar Gruppen,

[00:02:48]  ab und zu durch die Haymongasse rauf gegangen aber ich kann nicht genau sagen,

[00:02:52]  da muss irgendwo, ich weiß nur, ein Bunker gewesen sein, haben die dort müssen arbeiten

[00:02:56]  oder irgendwas erledigen, jedenfalls ist immer wieder einmal so eine kleine Gruppe Gefangener,

[00:03:00]  mit links und rechts Bewachung, da rauf marschiert.

[00:03:03] Lukas: Also französische Kriegsgefangene?

[00:03:04] Armanda: Das müssen französische Kriegsgefangene gewesen sein, ned, also nur das,

[00:03:08] derweil. Aber nach dem Krieg eben war das Auffanglager von heimkehrenden Soldaten.

[00:03:15] Weil mein Cousin, der in Osttirol, der ist auch leider schon verstorben,

[00:03:20]  der hat uns aufgesucht, oben in Wilten, er hat natürlich nicht genau ganz gewusst,

[00:03:26]  wo wir sein und hat aber aufgesucht, und der ist dann gekommen

[00:03:29] und dann sagt ich, ja, wo kommst denn du her? Ja, also er ist in dem Lager und dann muss er warten,

[00:03:34]  bis er die Papiere kriegt zur Entlassung, [unverständlich] Entlassungspapiere ned.

[00:03:40] [Rollgeräusch] Armanda: Ich kann aber nicht genau sagen, wie lange er da war oder was,

[00:03:47]  aber er muss schon ziemlich eine Weile da gewesen sein, weil wir haben können,

[00:03:50]  die waren gut versorgt auch, und wir haben können als Kinder,

[00:03:54]  weil nach dem Krieg hat es ja auch nicht alt so viel gegeben sind, sind wir

[00:03:57] mit der Milchkandel [Dialekt für Kanne] Suppen holen gegangen. Die haben das dürfen hergegeben

[00:04:02]  für die Bevölkerung. Lukas: Aus dem Lager heraus? Armanda: Aus dem Lager heraus, ja.

[00:04:07]  Und da haben... Da sind wir, ich glaube, ich bin zweimal an einem Sonntag,

[00:04:10]  oder drei Mal, hin gegangen mit einer alten Milchkandel,

[00:04:13] ich hab die nicht mehr, und hab dort können Suppen holen gehen.

[00:04:16] [Rollgeräusch] Armanda: Da ist man halt mit der Milchkandel gegangen, ned,

[00:04:22] da hast du ja nicht viel gehabt, aber ich bin natürlich zu Fuß gegangen

[00:04:25] von Wilten in die Reichenau runter.

[00:04:27] Ja da hat es nichts gegeben, ich bin immer zu Fuß gegangen,

[00:04:30]  ich hab bis... Kann heute nur noch zu Fuß gehen, weil ich nicht

[00:04:32] Radl [Dialekt für Fahrrad] fahren kann und nicht Auto fahren kann. [alle lachen]

[00:04:34] Tobias: Ja, Radl fahren ist eh so [unverständlich]. [lachen]

[00:04:36] Armanda: Mich haben nur die Füße geleitet [lacht].

[00:04:39] Tobias: Ja, wenn es geht, eh sowieso, oder?

[00:04:41] Armanda: Nein, super, sowieso, sowieso.

[00:04:43] Wie ich [in die] Schule gegangen bin, bin ich auch das letzte Schuljahr von Wilten nach Pradl.

[00:04:47] Weil die Fischerschule ist ja schon gleich bombardiert worden.

[00:04:50]  Da ist eigentlich, in der Fischerschule ist eigentlich auch eine gute,

[00:04:53] eine gute Ding, da hat die damalige Direktorin auch einmal nachgeforscht,

[00:04:56]  wie das alles gewesen ist.

[00:04:58]  Und da hat sie nachher Bilder zusammen gesammelt,

[00:05:00]  die habe ich mir nachher angeschaut, die Ausstellung.

[00:05:02] Die müsste oben nochmal sein, wen es interessiert.

[00:05:04]  Da war ja natürlich, vis-à-vis von der Volksschule herum

[00:05:07] war ja nix, das ist ja ein Park gewesen,

[00:05:10]  da sind wir noch turnen gegangen, ned. Und da ist nachher die

[00:05:12] Südtiroler-Siedlungen gebaut worden, ned. Das ist ja alles nicht mehr gewesen.

[00:05:16]  Und das ist jetzt über 70 Jahre, 75 Jahre her, ned.

[00:05:19] [Rollgeräusch] Lukas: Selber im Lager waren Sie aber,

[00:05:26] also jetzt als... Den

[00:05:28] Cousin besuchen, oder so waren Sie nie? Armanda: Wohl, wohl, wir sind unten... Freilich,

[00:05:31] wir haben ja müssen runter gehen, der hat uns das vermittelt, ned, dass wir haben können Suppen holen im Lager.

[00:05:38] Lukas: Haben Sie noch Eindruck,

[00:05:41] wie das beieinander war, oder wie das,

[00:05:44] hat man sich da gefürchtet, wenn man da rein geht, oder? Armanda: An und für sich nicht, nein.  

[00:05:48] Ich habe keine Angst haben müssen, ich weiß nicht, das ist alles irgendwie ganz regel...

[00:05:53] ordentlich abgelaufen. [Rollgeräusch]

[00:05:58] Armanda: Es war schon eine Bewachung da, aber wir haben gesagt,

[00:06:01] mein Cousin ist dort gewesen,

[00:06:03] da haben wir dort müssen abwarten, der hat uns halt einfach reingelassen,

[00:06:05]  dann haben wir dort können,  

[00:06:07] ich weiß gar nicht mehr, war das das ist die Kuchl [Dialekt für Küche]

[00:06:09] oder [unverständlich] oder jedenfalls haben wir da dürfen Lebensmittel raus holen.

[00:06:13] Lukas: Aber das klingt nach einer eher entspannten Atmosphäre.

[00:06:17] Armanda: Ja, ja, ja, das schon.

[00:06:19] Lukas: Ja Sie waren damals ein junges Madl [Dialekt für Mädchen] mit 14, 15 Jahren. Armanda: Ja genau.

[00:06:25] Lukas: Dann ist das schon eindrucksvoll, wenn man in so ein Lager kommt.

[00:06:29] Armanda: Ja, freilich. Aber... Und ich weiß auch, dass er einen Kollegen gehabt hat,

[00:06:34]  und der hat leider Gottes, alle seine Verwandten oder seine Eltern verloren,

[00:06:40]  und das sind... Es sind noch mehrere gewesen,

[00:06:42] die sind nachher, wie es damals war zur Legion gegangen.

[00:06:45] Lukas: Ja, ja, schrecklich, ja.

[00:06:47] Armanda: Die haben sich zur Legion gemeldet, ned?

[00:06:50]  Das ist ja furchtbar, wenn man sich das vorstellt.

[00:06:52] Zuerst den Krieg mitmachen, und nachher, nachher

[00:06:54] noch zur Legion gehen, ned?

[00:06:56]  Das kann man sich heute überhaupt nicht mehr vorstellen.

[00:06:58] Lukas: Naja, es war vielleicht so,

[00:07:00] dieser Zusammenhalt in militärischen Einheiten quasi als Familienersatz,

[00:07:06] Armanda: Ja. Lukas: So kann... Ich bin kein Psychologe,

[00:07:10]  aber das... [Armanda dazwischen: Ja. Ja. Ja.] So könnte ich mir das vorstellen.

[00:07:12]  Man hat klare Strukturen, einen Papa usw.

[00:07:19] Und natürlich, viele haben ja auch keine Ausbildung gehabt,

[00:07:22]  was hätten sie denn tun sollen?

[00:07:24] Armanda: Das ist es ja. Überhaupt die jungen,

[00:07:26]  die sind ja nachher schon 20... 28-jährige Soldaten gewesen, ned, zum Schluss.

[00:07:32]  Das hat auch mein Vater geschrieben,

[00:07:34]  der war im Riga drüben, in Russland um,

[00:07:36]  und da hat er gesagt, jetzt kommen die... Ich habe einen Bruder gehabt,

[00:07:39]  der ist mit fünf Jahren verunglückt,

[00:07:41]  und da hat er eben geschrieben zur Mama heim,

[00:07:43]  jetzt kommen die Buben, hat er gesagt,

[00:07:45]  wir können dem Herr Gott danken,

[00:07:47] dass unserer verstorben ist,

[00:07:49]  die rean [Dialekt für weinen] nach der Mutter, alles 17, 18, 19-jährige Buben.

[00:07:53]  Ja stellt euch das vor [Lukas im Hintergrund: Ja, ja furchtbar] das sind ja Kinder,

[00:07:56] was hätten denn die da sollten ausrichten, ned.

[00:07:58] Gar nichts.

[00:08:00] [Rollgeräusch] Armanda: Der Papa ist nachher mit dem letzten Schiff von Russland,

[00:08:06] runter, in die dänische Bucht,

[00:08:09]  und da ist er dann zu Fuß in die englische Gefangenschaft gekommen,

[00:08:12]  und da haben wir nachher dann mal, auch durch einen [unverständlich] Osttiroler

[00:08:16]  und hat aber den Pass nach Osttirol gehabt,

[00:08:18] wir waren die Franzosenzone, Besatzungszone.

[00:08:20] Da hätte er nie hergekommen, ned. Und ein anderer Kollege,

[00:08:24] wieder, der ist dann nach Innsbruck gekommen,

[00:08:26]  und der hat uns dann gesagt, dass er lebt.

[00:08:29] Der hat uns aufgesucht, und hat dann gesagt,

[00:08:31] dass der Vater lebt und ist in der englischen Gefangenschaft.

[00:08:34] Hat aber nicht rauskönnen,

[00:08:36]  weil er sich in unserer Besatzung nicht ausweisen hat können, ned.

[00:08:39] Er hat sich dann in die englische Besatzung

[00:08:41]  nach Kärnten entlassen. Lukas: Ja und ist dann... Armanda: Und ist von Kärnten nachher zu Fuß

[00:08:45] zu der Schwester nach Osttirol rauf,

[00:08:47]  da hat er... Da wo er daheim war,

[00:08:49]  und hat dann erst können,

[00:08:51]  durch eine bekannte Frau,

[00:08:53]  die der Vater von Lettland als Flüchtling

[00:08:55]  in unserer alten Wohnung aufgenommen hat,

[00:08:57]  die hat das Bedürfnis gehabt,

[00:09:00]  als Begleitperson den Vater zu holen.

[00:09:04] [Rollengeräusch] Lukas: Sie haben nach der Schule, was haben Sie beruflich

[00:09:10] dann gemacht?

[00:09:11] Armanda: Ich habe zuerst schneidern gelernt

[00:09:13]  weil das war so, du musst Schneiderin werden.

[00:09:15] Obwohl ich eigentlich immer... Ich habe gut singen können,

[00:09:17]  und der Vater hat auch gut singen können.

[00:09:19]  Ich wollte immer so eher das Ding anstreben.

[00:09:22] Habe 20 Jahre Schneiderin gemacht,

[00:09:24]  ich habe von [19]47 bis [19]50 gelernt,

[00:09:26] Gesellen-Prüfung gemacht,

[00:09:28] [19]60 die Meister-Prüfung gemacht.

[00:09:30] Dann war ich sechs Jahre beim Heuberger [Schreibweise ungewiss],

[00:09:32]  und wie nachher [19]67 das Theater aufgefangen ist,

[00:09:35]  habe ich mich gemeldet zum Theater,

[00:09:36]  weil ich habe nach... Vorher heimlich

[00:09:38] Gesangstunden unterrichtet,

[00:09:40]  weil mein liebe Mutter hat kein Verständnis dafür gehabt,

[00:09:42]  das habe ich auch irgendwie so ein bisschen

[00:09:46] [lachend] Ding machen

[00:09:47]  und habe natürlich in Salzburg auch die Prüfung gemacht,

[00:09:49]  und bin nachher [19]67 ins Theater

[00:09:51]  und da war ich noch 20 Jahre im Theater.

[00:09:53] Lukas: Als Sängerin oder?

[00:09:55] Armanda: Nein, im Chor. Lukas: Im Chor.

[00:09:56] Armanda: Ab und zu einmal solistisch,

[00:09:57]  und fünfmal habe ich die erste Dame gesungen,

[00:09:59]  das war schon fein,

[00:10:01]  das waren meine schönsten Jahre, muss ich sagen

[00:10:03]  weil ja des [unverständlich].

[00:10:09] [Rollgeräusch] Lukas: Damit wir aufs Lager Reichenau zurück kommen.

[00:10:12]  Sie waren ja da im Sellrein drinnen,

[00:10:15]  und nicht in Innsbruck,

[00:10:17]  aber so, wenn man nach Hall gefahren ist, oder ist

[00:10:20]  hat man da umgeschaut, oder?

[00:10:24] Armanda: Ja, also unter dem Krieg sind wir schon spazierend gegangen,

[00:10:27]  auch über die Reichenau,

[00:10:28]  da hat man die Dinge schon gesehen, die Lager.

[00:10:30] Lukas: Was haben die Leute gewusst davon, oder?

[00:10:32] Armanda: Ja, natürlich, das haben doch alle gewusst. Das hat...

[00:10:34]  Das ist ja alles still... eh

[00:10:35] vertuscht worden,

[00:10:37] das hat doch jeder schon gewusst. Es ist nur nicht geredet worden

[00:10:40] das hat man ja schon gleich am Anfang schon gewusst gehabt, dass da unten das Lager daher kommt.

[00:10:43]  Das ist alles verschwiegen worden.

[00:10:46] Lukas: Und die Bau...

[00:10:48] Die, die... Wenn die Kriegsgefangenen für Baustellen,

[00:10:51]  dann sind sie ja durch die Stadt marschiert,

[00:10:54] Armanda: Ja genau. Ja. Lukas: Oder sogar an den Baustellen.

[00:10:57] Armanda: Ja, ja. Also ich weiß dass die...

[00:10:59] Durch die Haymongasse ist immer wieder

[00:11:01] so ein kleiner Trupp aufmarschiert.

[00:11:03] Und ich weiß, über dem...

[00:11:04] Weil es muss nach dem Bunker gewesen sein,

[00:11:07]  für die, eh, Bombenschutzbunker.

[00:11:10]  Was da war, das kann ich nicht sagen.

[00:11:12]  Aber jedenfalls müssen die über den Stubaital Bahnhof

[00:11:16] da rauf sein.

[00:11:17]  Vielleicht finden Sie da etwas raus es, ich weiß es nicht.

[00:11:20] Lukas: Wir haben letztes, vorletztes Jahr haben wir,

[00:11:25]  wenn man die Brennerstraße raufgeht,

[00:11:28]  nach der ersten Kurve,

[00:11:30]  und dann den Hohlwege rauf,

[00:11:33]  da ist rechts ein Spielplatz. Armanda: Ja genau.

[00:11:35] Lukas: Und unter diesem Spielplatz

[00:11:37]  haben wir eine Betonstruktur gefunden,

[00:11:39] von der wir bis heute nicht wissen, was es ist.

[00:11:42] Armanda: Achso. Lukas: Und es würde sich zufällig zusammengehen,

[00:11:45]  dass das vielleicht...

[00:11:47] Armanda: Ja. Eben, das habe ich nicht rausgefunden.

[00:11:49]  Jedenfalls ist immer wieder so ein gefangenen Trupp,

[00:11:52]  da durch rauf... Stubaital Bahnhof rauf.

[00:11:55] Ich habe eben nachher vermutet,

[00:11:58]  durch den Bunker, wo die Leute

[00:12:00] als Rettungsbunker rein gegangen [Lukas dazwischen: Ja, den Luftschutzstollen, ja] sind bei den Bombenangriffen

[00:12:03]  dass sie da einen Stollen, will ich sagen,

[00:12:05]  dass sie da was gemacht haben.

[00:12:07] Aber das kann ich jetzt nicht sagen.

[00:12:09] Lukas: Hm, ja, wäre möglich natürlich, ja. Armanda: Ja.

[00:12:11] [Rollengeräusch] Lukas: Und die Lager, die in der Stadt verteilt waren,

[00:12:18]  also Westbahnhof oder so, das hat...

[00:12:21] Hat das die Bevölkerung mitgekriegt, dass da...

[00:12:24] Armanda: Ja, man hat es mitgekriegt,

[00:12:27]  aber es ist alles nur nicht laut gesagt worden.

[00:12:30] Man hat ja Radio gehorcht [Dialekt für hören], verbotener Weise, und des.

[00:12:33]  Ich habe auch mitgekriegt, wie der Hitler in Innsbruck war,

[00:12:37]  wo er den Dr. Hauptwohl, eh den Dr. Priester,

[00:12:40]  der hat ihn in Wilten drüben...

[00:12:43]  In.... [schnalzt mit der Zunge] Lukas: Leopold-Straße.

[00:12:45] Armanda: Nein, also in der "Wiesn",

[00:12:47]  ah, wie heißt es, jetzt fällt es mir wieder nicht ein. In den "Weiler" drüben gewohnt.

[00:12:51]  Und das war ein schreckliches Gerücht, oder

[00:12:54] wie es geheißen hat. Stellt euch vor,

[00:12:56]  der Dr. Priester hat sich müssen umbringen

[00:12:58] wegen dem Hitler.

[00:13:00] War auch mal so ein Wiltener Gerücht. Lukas: Noch schlimmer,

[00:13:02] wegen seiner Tochter.

[00:13:04] Armanda: Ich habe das gelesen gehabt,

[00:13:06]  aber da haben sie gerade gehabt,

[00:13:08]  weil er scheinbar gesagt hat, einen Trottel behandelt er nicht.

[00:13:11] Lukas: Nein, es war... Das Schreckliche ist,

[00:13:13]  die Tochter hat in der Schule,

[00:13:15]  gesagt, der Papa hat den Hitler behandelt.

[00:13:18] Armanda: Nicht behandelt?

[00:13:20] Lukas: Hat ihn behandelt. Armanda: Achso.

[00:13:22] Lukas: Und, das heißt, der Hitler war krank.

[00:13:25] Armanda: Ja. Lukas: Und das geht ja nicht.

[00:13:27] Und daraufhin hat man gesagt,

[00:13:29]  entweder du bringst dich um oder wir tun es.

[00:13:31] Armanda: Aber... Lukas: Und das Madl hat ein Leben lang...

[00:13:33]  Das war ein Volksschülerin, die war

[00:13:35]  ziemlich genau in ihrem Alter. Armanda: Ja.

[00:13:37] Lukas: 3, 4, 5, Jahre jünger. Armanda: Ein bisschen älter.

[00:13:39] Ja. Lukas: Ja, sowas. Armanda: Ein bisschen älter.

[00:13:41] Lukas: Das Madl hat ein Leben lang mit...

[00:13:44] Also das Kind, hat ein Leben lang mit der Schuld leben müssen,

[00:13:48]  dass sie, auch wenn sie nichts dafür kann,

[00:13:51]  schuld ist, dass sich der Vater umbringen hat müssen.

[00:13:54] [Rollgeräusch] Lukas: Eine Frage [kurze Pause] zu einem anderen Thema, die mich interessiert.

[00:14:03]  Es hat ja am Barschberg, im Steinbruch...

[00:14:07]  Hat man ja Menschen hingerichtet.

[00:14:10] Armanda: Ja, das stimmt.

[00:14:12] Lukas: Haben Sie da als Kind,

[00:14:14]  weil Sie ja doch relativ in der Nähe gewohnt haben.

[00:14:16] Haben Sie da was mitgekriegt?

[00:14:18] Armanda: So im Dunkeln habe ich schon was mit gekriegt, ja.

[00:14:21] Aber ich kann das eigentlich nicht so genau schauen. Also, da hat man viel geredet,

[00:14:23]  dass Sie da Leute raufgebracht haben.

[00:14:25]  Und die haben Sie dann irgendwie verscharrt oder umgebracht.

[00:14:28]  Das stimmt schon, was Sie da sagen.

[00:14:30] Das stimmt schon. Lukas: Aber Sie haben es nicht selber irgendwas... Armanda: Nein.

[00:14:32]  Lukas: Gut.

[00:14:34] [Rollgeräusch] Lukas: Und dann wollte ich fragen,

[00:14:39]  wegen der Reichskristallnacht.

[00:14:41]  Sie haben gesagt, sie können sich da ran erinnern.

[00:14:43] Armanda: Ja. Und das ist so komisch, weil ich da denke immer, wir sind durch die Leopoldstraße

[00:14:49] runter gegangen und linker Hand gleich hier oben, da wo jetzt das Modegeschäft

[00:14:54] [unverständlich] und gleich drunter war auch ganz ein kleines Geschäft, das war für

[00:14:58]  Putzmittel. Lukas: Ja. Armanda: Und... So ähnlich wie der Putzenbacher in der Anichstraße war.

[00:15:03]  Und die haben Smoleński geheißen, das waren Juden. Und da hat die Mama immer Putzmittel

[00:15:08]  gekauft, also Seifen oder Schmierseifen. Und die Frau ist, wir sind rechts runter gegangen und da ist

[00:15:16]  die Frau draußen gestanden und die habe... Das Geschäft war demoliert und die Mama

[00:15:21]  hat nachher rüber gerufen, was los ist, dann hat sie gesagt, ja ihren Mann haben sie weg.

[00:15:27]  Aber ich habe vor dem eigentlich nie was gehört. Ich höre nur immer von Graubart, von

[00:15:33] in der Anichstraße, der Brüll, da habe ich noch die Inge gekannt, mit der habe ich noch

[00:15:37]  gesungen und Bauer & Schwarz, was war, Kaufhaus Tyrol war Bauer & Schwarz am Anfang.

[00:15:43] Lukas: Jetzt kann ich Ihnen was zum Smoleński erzählen. Armanda: Ja. Lukas: Der Smoleński hat auch

[00:15:48]  Ausstattungsding für Hotels... Armanda: Achso. Lukas: Gemacht. Und vor ein paar Monaten habe ich gekauft,

[00:15:56] so ein Holzgestell, das war so ein Scheren, so ein Scheren-Ding, das ist so hoch.

[00:16:03]  Und für Hotels, wo man die Koffer draufstellt. Armanda: Achso. Lukas: Oder was da vorm Bett so steht,

[00:16:10] da wo man Koffer, und die hat man so zusammen klappen können. Und da ist drunter, also auf der Seite,

[00:16:15]  ein kleines Schild "Smoleński Innsbruck", Leopoldstraße ist drauf. Armanda: Achso. Lukas: Und das habe ich kürzlich... Armanda: Ja,

[00:16:22] Aber komisch, man hört von denen eigentlich nie was. Nur von den großen Sachen.

[00:16:26] Lukas: Weil... Armanda: Der ist untergegangen. Lukas: Die von Ihnen genannten Familien, Bauer & Schwarz, Brüll

[00:16:33]  und so weiter, das sind ganze Klans, das sind 10, 20 Leute. Armanda: Ja. Lukas: Und von 10, 20 Leuten haben meistens auch ein paar überlegt.

[00:16:43]  Und dann gibt es auch viele, und das waren große, wohlhabende Leute zum Großteil.

[00:16:48]  Das heißt, da ist viel mehr Chance, dass was überlebt bzw. auch die haben viel mehr auch Unterlagen gehabt.

[00:16:56]  Der Smoleński, das war der... Der ist erst in den späten 20er-Jahren nach Innsbruck gekommen. Armanda: Ja.

[00:17:03] Lukas: Das war nur er und seine Frau, Kinder haben es keine gehabt.

[00:17:06]  Das heißt, wenn die wechseln...

[00:17:09] Armanda: Sie war eine kleine Frau, ich kann mir sie irgendwie, habe ich sie [lachend] noch [in Erinnerung].

[00:17:13] Lukas: Und wenn die zwei weg sind, da kräht wirklich sprichwörtlich kein Hahn mehr danach.

[00:17:19] Armanda: Ja, ja.

[00:17:20] Lukas: Und deswegen sind diese kleinen, da gibt es Hund... Duzende Fälle. Armanda: Viele, ja, ja.

[00:17:28] Lukas: Also selbst wenn sie ein Geschäft haben, es gibt ja noch welche, die arbeiten als Buchhalter oder als irgendwas

[00:17:34] die scheinen nirgends auf, fast nirgends auf.

[00:17:37]  Aber die Smoleńskis als Geschäftsleute nur, das waren zwei Leute, die beide den Krieg, meines Wissens, nicht überlebt haben.

[00:17:45]  Und dann ists dahin.

[00:17:47] Armanda: Ja, ja eben.

[00:17:50] [Rollgeräusch] Lukas: Jetzt [würde] mich noch was anderes interessieren.

[00:17:54]  Der Besuch vom Hitler in Innsbruck, haben Sie an den Erinnerungen?

[00:17:59] Armanda: Ja, aber wir sind nirgends hingegangen.

[00:18:01]  Die Mama hat uns natürlich... Und sie ist auch nirgends hingegangen.

[00:18:03] Schon durch das, dass der Vater schon nicht mehr da war, ned.

[00:18:06]  Wir haben ja den Vater sechs Jahre nicht gehabt ned.

[00:18:09]  Und dann, pfff. Es waren die Aufmärsche, die haben wir schon mitgekriegt, wenn er da war.

[00:18:14]  Da beim Rennweg oben, das hat man nachher schon mitgekriegt. Aber man ist nirgends hingegangen.

[00:18:19] [Rollgeräusch] Lukas: Haymongasse 1, ist ja quasi in der Nähe vom Gasthof Haymon.

[00:18:27] Armanda: Ja, genau, vis-à-vis. Vis-à-vis.

[00:18:29] Lukas: Da muss es ja rund gegangen sein in der Zeit.

[00:18:32] Armanda: Nein, wie meinen Sie rund gegangen? Lukas: Ja.

[00:18:34] Armanda: Achso.

[00:18:35] Ja, ja, drüben beim Haymon ist schon, ist schon... wohl, wohl, das stimmt schon.

[00:18:40]  Da ist ja ein großer Gastgarten draußen gewesen, hinten raus da.

[00:18:43] Lukas: Ja, eben da.

[00:18:44] Armanda: Ja. [lacht] Da ist jetzt auch schon alles verbaut.

[00:18:46] Lukas: Alles zu gebaut. Alles zu gebaut, ja.

[00:18:48] Armanda: Da bin ich sogar noch [in den] Kindergarten gegangen, ein Jahr.

[00:18:50] Da war noch... Im Haymonhaus oben im ersten Stock, war noch ein Lokal drin, noch [in den] Kindergarten gegangen.

[00:18:56]  Da waren nur Schwestern.

[00:18:58] Lukas: Katholisch, oder?

[00:18:59] Armanda: Ja, ist vom Stift hinten. Stift Wilten.

[00:19:02]  Und meine Schwester ist ein Jahr jünger, die hat müssen schon in der Leopoldstraße gehen.

[00:19:08]  Da war [es] dann schon da NSV-Kindergarten, wie es geheißen hat.

[00:19:11] Lukas: Ja, ja. Das wäre eben eh mein nächstes Thema noch gewesen.

[00:19:16]  Können Sie sich noch erinnern, wie sich die Schule geändert hat, oder die Lehrer geändert haben. Armanda: Ja, ja. Lukas: Mit dem Anschluss?

[00:19:24] Armanda: Ja, ja, ja.

[00:19:26] Erste Klasse in die Schule gegangen, haben wir eine ganz eine nette Lehrerin gehabt.

[00:19:29]  Da war noch die... Da war noch kein Nazi [unverständlich]. Die hat noch Haas [Schreibeweise ungewiss] geheißen, aber das war schon eine ältere Frau.

[00:19:37] Und die hat sogar noch,

[00:19:39] da haben wir noch die Tafel gehabt mit den Rollen, mit den Kugeln, ned.

[00:19:42]  Und die hat uns noch... Und unten waren die Schubladen, wo man die Kerze eh... Lukas dazwischen: Kreide. Armanda: Die Kreide, die war unten drin.

[00:19:48]  Und die hat uns zum Nikolo, zum Nikolo [eben den] Kindern, ich glaube, das waren so kleine, kleine Zuckerlen oder was, ausgeteilt.

[00:19:56]  Das hat der Nikolo gebracht. Das war das

[00:19:58] letzte. Und die zweite Klasse Schule war schon nix mehr, da haben wir... Da hätten wir schon müssen Heil Hitler sagen, beim ein...

[00:20:06] Wir haben natürlich nix gesagt. Also da war dann schon statt dem Kreuz das Hitlerbild oben, ned.

[00:20:10]  Und da haben wir nachher schon ziemlich... Tobias: Ah, habt ihr das Kreuz nicht mehr oben gehabt?

[00:20:12] Armanda: Ja sowieso. Und, eben da haben wir nachher fast nur mehr Nazi-Lehrerinnen gehabt.

[00:20:18] Also von dem... Wir waren ja sowieso... Lukas: Und waren das Deutsche oder waren das Hiesige?

[00:20:22] Armanda: Hiesige, Hiesige.

[00:20:24] Die letzte in der dritten Klasse war nachher da, wo ich von der dritten auf die vierte Klasse, wo ich hätte sollen in die Hauptschule gehen, das war nachher nicht.

[00:20:31]  Weil ich nicht fähig war, so quasi, ned.

[00:20:34] Das war, die Lehrerin von der Haspinger-Buben-Schule haben wir nachher bekommen.

[00:20:39]  Und das war ein wildes Luder [lachen im Hintergrund]. Das war nur eine Nazi-Lehrerin. Das war nur eine Nazi-Lehrerin, ge.

[00:20:44]  Und die hat natürlich da gewusst was...

[00:20:47]  Das hat sich ja um gesprochen, wer für was [sich] interessiert hat, oder? Tobias: [lachend] Ja, ja.

[00:20:52] Armanda: Ja, eben. Und weil ich dann nicht... Natürlich nicht in die Hauptschule gehen durfte,

[00:20:55] dann ist die Mama gleich hingegangen und hat gesagt, warum darf ich nicht in die Hauptschule gehen,

[00:20:58] laut Zeugnis könnte ich ruhig in die Hauptschule gehen.

[00:21:00] [Armanda spricht Hochdeutsch] Nein, wir haben von oben herab die Weisung, wir brauchen mehr manuelle Arbeiter wie Geistige.

[00:21:06]  Also zu Trotteln [unverständlich] [Tobias lacht im Hintergrund]

[00:21:10] Tobias: Nein ich weiß, es ist arg ja.

[00:21:12] Armanda: Ja, aber ich habe echt mein Leben geschafft, ohne [das] Theater.

[00:21:20] [Rollgeräusch] Lukas: Und dann sind Sie nach der Gris gekommen und haben das Kriegende...

[00:21:23] Armanda: Ja, da bin ich drin, ja, ja... Dann bin ich drin zwei Jahre in die Schule gegangen, das war überhaupt ein lustiger Lehrer

[00:21:28] muss ich sagen.

[00:21:30]  Ja, ich war sehr... Muss ich sagen, ich war sehr, in der Schule

[00:21:33] ich habe immer alles doppelt geschrieben. Ich habe mir daheim... Alles noch einmal geschrieben.

[00:21:38]  Und schön da hab ich, das weiß ich noch ganz genau war, das haben wir leider Gottes auch schon verschmissen.

[00:21:43]  Ein ganzer [unverständlich] da haben wir eine bekannte Frau gehabt, da war der Sohn Buchbinder, ned.

[00:21:46] Und der hat uns... Hat mir nachher ein großes Ding gegeben, mit einem schönen Umband.

[00:21:50]  Und ich habe das natürlich alles noch einmal geschrieben.

[00:21:53]  Und der Lehrer drin hat die ganze... Ein habe ich mit gehabt

[00:21:56]  und hat natürlich gefragt, was wir draußen gelernt haben.

[00:21:59]  Und dann haben wir praktisch zwei Jahre das gleiche gelernt, weil der hat das von meinem Buch heraus gelehrt [alle lachen].

[00:22:03] Lukas: Schön. Schön. [alle lachen] Lukas: Und sind Sie dann gleich nach Kriegsende wieder raus gekommen?

[00:22:13] Armanda: Ja, ja. Da sind wir gleich nachher gleich raus noch, das war mein ich im Mai/Juni. Juni.

[00:22:18] Tobias: Wieder in die Haymongasse dann?

[00:22:20] Armanda: Ja, in der Haymongasse.

[00:22:21] Lukas: Und die war nicht zerstört?

[00:22:22] Obwohl sie so nah an der Eisenbahn liegt.

[00:22:24] Armanda: Nein, die war nicht zerstört.

[00:22:26]  Es waren wohl die Fenster hin, aber das haben sie natürlich repariert.

[00:22:31] Also den ersten Angriff habe ich schon im Haus erlebt, gell. Im Keller unten.

[00:22:34]  Da war ja ein Gasthaus auch. Gasthaus Neuwirt.

[00:22:37] Hat es geheißen. Lukas: Heißt es immer noch. Armanda: Und da waren wir schon im Keller unten, beim ersten Angriff.

[00:22:42]  Das stimmt schon.

[00:22:43] Aber sonst ist... Lukas: An was denken Sie, wenn Sie jetzt an den ersten Angriff denken?

[00:22:48] Armanda: Ich bin in heim gekommen, bin durch die Leopoldstraße raufgegangen.

[00:22:52]  Bei der... Da war ja noch die Übersetzung, wo der Zug anders gefahren ist, nicht wie heute die Unterführung.

[00:22:58]  Und dann war die Sirene.

[00:23:00]  Und dann natürlich schnell heim gesaust, ja jetzt schnell runter in den Keller.

[00:23:04]  Und dann haben wir, aber dann hat es schon gekracht, gell.

[00:23:08] Das Essen ist am Tisch gestanden,

[00:23:10]  wie wir nach der Entwarnung wieder rauf gekommen sind,

[00:23:13]  war natürlich alles verstaubt und verrußt,

[00:23:16] ned, weil das ist ja wahrscheinlich halt in den alten Häusern alles durchgegangen, ned.

[00:23:21]  Und das war schon ein bisschen deprimierend, muss ich sagen.

[00:23:25]  Und dann sind wir nachmittags schauen gegangen, was alles bombardiert [worden] ist.

[00:23:30]  Dann sind wir durch, wie hat es geheißen, da das Gassl [Dialekt für Gasse] beim Ding raus.

[00:23:35] Lukas: Rote Gassl.

[00:23:37] Armanda: [schmunzelnd] Genau, das rote Gassl. Ja genau.

[00:23:39]  Und dann hat man schon gesehen, da ist ja die Straßenbahn,

[00:23:43] da beim... über dem Bahnhof, Westbahnhof oben. Lukas: Die Hochbrücke.

[00:23:46] Armanda: Durchgefahren ja, da war natürlich alles hin. Die Gleise sind in der Luft gestanden.

[00:23:51]  Und da beim Westbahnhof, das Hotel Westbahnhof

[00:23:54]  ist auch irgendwie ein bisschen beschädigt worden.

[00:23:56]  Und da war die Wirtin, der Papa war eine Zeitlang oben,

[00:24:01]  und die Mama war da, hat Kassiererin gewesen, eine Zeitlang, junger.

[00:24:06]  Und die Wirtin ist auch draußen gestanden,

[00:24:09]  und die hat nachher geschrien zur Mama, [verändert ihre Stimme] was ist denn los mit dem Hans?

[00:24:12]  Und da hat die Mama gesagt, ja, wir wissen... Da weiß sie nix,

[00:24:16]  da hat sie auch schon lange keine Nachricht mehr gekriegt,

[00:24:18] also wir wissen da nix, der war ja in Russland oben, ned.

[00:24:20]  Aber das war auch noch ein tiefer Eindruck von dem ersten Bombenangriff.

[00:24:25] Lukas: Haben Sie Angst gehabt?

[00:24:28] Armanda: Angst? Das kann ich jetzt eigentlich gar nicht sagen, dass man Angst gehabt hat.

[00:24:33]  Wir sind am... Der zweite Angriff war ja am 19.

[00:24:38]  Und am 18. sind wir dann auf Sellrain rein bis Kematen gefahren,

[00:24:44]  dann zu Fuß gegangen, mehr vor wir zurück, meine Schwester und ich. Die Mama

[00:24:49]  hat zwei Koffer, riesen Koffer mitgehabt. In einem Koffer waren Lebensmittel drin,

[00:24:53]  in dem anderen Koffer natürlich Zeugs und Ding.

[00:24:55]  Das haben wir dürfen in Kematen oben bei einem Wirt,

[00:24:59]  beim Neuwirt oben reinstellen, weil da war sie ja durch junger

[00:25:02]  her bekannt, und nachher sind wir zu Fuß rein gegangen.

[00:25:04]  In Sellrain drinnen ist Gott sei Dank ein Bekannter

[00:25:07] [unverständlich] dann gekommen, da wo wir hin,

[00:25:10] Ja Toni hat er gesagt, zu meiner Mama, wo willst denn du hin?

[00:25:12] hat er gesagt. Ja wir müssen ja nach Gries rein

[00:25:14] Ja hat er gesagt, nachher hockt euch rauf, hat er gesagt,

[00:25:16] Schmied hat der geheißen.

[00:25:18]  Da haben wir dürfen hinten auf dem Wagen sitzen [lacht kurz],

[00:25:22]  dass wir haben können wenigstens rein fahren.

[00:25:24]  Die waren natürlich froh drinnen, die Bekannten. Die Mama ist drinnen aufgewachsen,

[00:25:28]  ned. Dann haben sie gesagt Gott sei Dank, kommt ihr mal endlich. [alle lachen]

[00:25:32]  Das war dann schon nett, muss ich sagen.

[00:25:36] Lukas: Hat Ihre Mutter drinnen arbeiten können oder müssen?

[00:25:39] Armanda: Ja, [lachend] he. Die ist aufgefordert worden, dann waren auch dann mal,

[00:25:42]  weiß nicht, das hat mir der Bürgermeister mal gesagt

[00:25:45]  das weiß ich nicht mehr, oder was da. Was war denn da?

[00:25:47] Lukas: Ja, ja. Armanda: Sozusagen, Bürgermeister oder?

[00:25:49] Lukas: Bürgermeister ja. Armanda: [räuspert sich] Der ist gekommen und dann hat er gesagt gehabt, sie müssen arbeiten,

[00:25:55] irgendwo. Dann hat sie gesagt, ich arbeite schon, hat sie gesagt. Ich arbeite bei dem Bauern

[00:25:58]  und bei der Schwester hintern arbeite ich auch, ned.

[00:26:01] Hat man ja alles geholfen. Tobias aus dem Hintergrund: Ja, ja.

[00:26:03] Armanda: Da hat man noch die Erdäpfel gesetzt,

[00:26:06]  dann haben wir müssen zuerst mit dem Rücken-Korb die Erde rauftragen

[00:26:09]  und, weil sie runter gerodelt ist. Lukas: [gedämpft] Ja, ja schrecklich.

[00:26:12] Armanda: Sagen Sie das heute [lacht laut]. [alle lachen] Ja, das war so! Da haben wir gesagt,

[00:26:19] die Hennen brauchen Steigeisen [alle lachen]. Ja. Lukas: Aber was ich jetzt interessant finde ist, dass Sie...

[00:26:25] Armanda: Aber sagen wir, die Kindheit drinnen,

[00:26:28]  haben wir als Kinder nachher nicht so streng erlebt,

[00:26:32] also, das war natürlich Kindheit der Freiheit. Lukas: Schön, schön.

[00:26:35]  Aber nicht die Winter, Sie erwähnen nichts vom Winter.

[00:26:38] Armanda: Boah. Winter! Mah! Lukas: Weil die sind ja berühmt da drinnen.

[00:26:40] Armanda: Mah, Winter. In der Nacht... Über Nacht hat es den Gartenzaun zugeweht.

[00:26:45] Lukas: Eben, ich kenn solche...

[00:26:47] Armanda: Mah! Die ersten Leute, [die reingehen mussten],

[00:26:52]  zur Arbeit auf Gries und so, [die] mit dem Autobus rausgefahren sind,

[00:26:55]  die sind um 6.00 Uhr gegangen, oder um 6:30 Uhr,

[00:26:58]  bis wir zur Schule gegangen sind, war kein Weg mehr [da],

[00:27:01]  der war schon wieder zu, bis da rauf, ned.

[00:27:03] Des... Ich mein, das war an und für sich die schönste Kindheit da drin,

[00:27:06]  dass man so freier Leben hat können, frei.

[00:27:10] Lukas: Unschuldig und...

[00:27:12] Armanda: Unschuldig, ja, genau. Das war nett, muss ich sagen.

[00:27:15] Lukas: Und am Land ist ja immer was zum Essen da.

[00:27:17] Armanda: Ja sowieso.

[00:27:19]  Aber die haben auch müssen alles abgeben.

[00:27:21] Sie haben nur gewisse Kontingenten behalten dürfen. Die haben müssen Butter stellen,

[00:27:25]  statt der Milch, ned. Da haben sie den Butter müssen stellen.

[00:27:28]  Und dann ist genau geschaut, was geschlachtet wird,

[00:27:31]  haben ja nichts schlachten dürfen, das ist auch schwarz gegangen.

[00:27:34]  Ich weiß genau, weil sie eine Ziege gehabt haben.

[00:27:37] Boah. Das war schon ein bisschen ein Horror,

[00:27:40]  dass sie da kontrolliert haben, wo das her kommt.

[00:27:43] Lukas: Ich kenne das, dass man am Land oft einmal eine Ziege oder ein Kalb

[00:27:49]  über eine Klippe runter geschmissen hat, oder raus gejagt hat.

[00:27:54] Und dass zufällig der Amtstierarzt schon da war, zufällig.

[00:27:59] Und der einen kleinen Stempel drauf gehaut hat, und alle haben's gleich das...

[00:28:02] Und das... Von dem V... Das hat mein Vater so erzählt.

[00:28:06]  Und der hat gesagt, da war dann innerhalb von einer Stunde,

[00:28:09]  das Kalb nicht mehr zu sehen.

[00:28:11]  Und Futsch. Armanda: Ja. Lukas: Und alle haben was daheim gehabt.

[00:28:14] Lukas: Das ist... Inklusiv dem Polizisten natürlich.

[00:28:17] Armanda: Ja, sicher. Ja.

[00:28:19]  Das war schon, also da mit der Schlachterei war,

[00:28:22]  das schon [eine] Heimlichtuerei, genau.

[00:28:28] Lukas: Glauben Sie, dass Ihr Leben anders verlaufen wäre, wenn’s soweit...

[00:28:33] Armanda: Wenn kein Krieg... Wenn kein Krieg gewesen wäre.

[00:28:35] Lukas: Wenn kein Anschluss, kein Hitler und kein Krieg gewesen wäre.

[00:28:39] Armanda: Denke schon, denke schon, ja, auf alle Fälle, denke schon.

[00:28:44] Lukas: Haben Sie eine Wut drauf?

[00:28:47] Armanda: Ich sag nur, ich sag, wir haben sechs verlorene Jahre.

[00:28:51]  Weil das hat sich nicht verwirklicht,

[00:28:54]  was man sich eventuell als Kind da vorgestellt [hat] und

[00:28:57] das waren einfach verlorene Jahre.

[00:29:01] [Outro-Musik]

[00:29:04]  [Musik]

[00:29:07]  [Musik]

[00:29:10]  [Musik]

[00:29:13]  [Musik]

[00:29:16]  [Musik]

[00:29:19]  [Musik]

[00:29:22]  

[00:29:24]

Zeitzeugengespräch Josef Weimann

Zeitzeugengespräch Josef Weimann

Stadtarchiv Innsbruck

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Transkript

[00:00:00] [Männlich Stimme] Und diese Holzbaracke hatte einen kleinen Aufgang, und da sind wir kleine Stöpsel,

[00:00:05] in der Früh immer hinauf "getrappelt" [rennen].

[00:00:07]  Und an dem Aufgang ist eine Türe gewesen, die in das Innere geführt hat.

[00:00:14]  Und in dieser Türe stand raumfüllend die Kindergartentante.

[00:00:19] [Intro-Musik] Tobias: Hallo und herzlich willkommen zur fünften Folge der zweiten Staffel von Archivwürdig,

[00:00:38]  dem Podcast des Innsbrucker Stadtarchivs.

[00:00:40]  Mein heutiger Gesprächspartner ist Josef Weimann.

[00:00:43]  Josef Weimann kam 1945 in Seefeld zur Welt und verbrachte aufgrund der Fliegerangriffe

[00:00:50]  auf Innsbruck einen Teil seiner Kindheit in Brandenberg.

[00:00:53]  Im Gespräch erzählt uns der pensionierte Gefäßchirurg über seine Kindheitsjahre,

[00:00:59]  seine Schulerinnerungen und auch über sein Medizinstudium, welches er in Innsbruck

[00:01:03]  absolvierte.

[00:01:04]  Darüber und noch mehr hören Sie jetzt in der Folge.

[00:01:07] Josef: Mein Name ist Josef Weimann.

[00:01:12]  Selber nenne ich mich gerne Sepp Weimann.

[00:01:16]  Geboren bin ich im März 1945 in Seefeld.

[00:01:22]  Zurzeit bin ich aktuell Seniorstudent für Geschichte und Kunstgeschichte.

[00:01:29]  In meinem erlernten Beruf war ich 27 Jahre lang da [hier] an der hiesigen [ansässig] Chirurgischen Klinik

[00:01:39] der Universität Innsbruck, als Gefäßchirurg tätig,

[00:01:43] zuletzt auch als kommissarischer Leiter der Abteilung.

[00:01:47] Tobias: Du hast gesagt, du bist in Seefeld geboren.

[00:01:51]  Jetzt bist du natürlich, also ich kenne dich natürlich als Innsbrucker und immer als

[00:01:55]  Innsbrucker.

[00:01:56]  Hast du deine Kindheit dann in Innsbruck verbracht oder warst du dann auch in Seefeld?

[00:02:01]  Oder warum überhaupt Seefeld?

[00:02:02]  Fangen wir mal so an.

[00:02:04] Josef: Es war damals so, dass die Kriegsereignisse in den letzten zwei Jahren, wir wissen ja,

[00:02:12]  dass es am 15.

[00:02:14]  Dezember 1943 den ersten großen Bombenangriff auf Innsbruck gegeben hat, wo auch meine Großmutter

[00:02:23] mütterlicherseits in der Maximilianstraße im Haus nahe der Triumphpforte ums Leben gekommen

[00:02:32]  ist, weil sie war gebehindert und konnte nicht mehr den retteten Luftschutzkeller erreichen.

[00:02:38]  Damals sind ja glaube ich 156 Innsbruckerinnen und Innsbrucker zu Tode gekommen, darunter

[00:02:46]  eben auch meine Großmutter.

[00:02:48]  Und dann erfolgte genau auf den Jahrestag, damit die Innsbrucker Bevölkerung offensichtlich

[00:02:55]  ja erinnert wird, wo es lang geht, von Seiten der Alliierten

[00:03:00] der zweite Angriff, da war die Bevölkerung aber schon vorbereitet und so waren trotz

[00:03:06]  einer höheren Bombenlast die abgeworfen wurde, die Anzahl der Toten nicht so groß.

[00:03:15]  Wie dem auch sei, es hat damals in Kreisen der Klinikleitung die Überlegung gegeben,

[00:03:24]  die dann schlussendlich realisiert wurde, aus Sicherheitsgründen die Geburtshilfe zu

[00:03:31]  extra territorialisieren, sprich also aus der Klinik auszulagern.

[00:03:36]  Und da bot sich in Seefeld eine nördlich des Seefelder... Südlich des Seefelder Sees gelegene Pension an, das

[00:03:47]  sogenannte Waldhaus- oder Waldheimat wie es geheißen hat.

[00:03:52]  Und die wurde dann seitens der Universitätsklinik Innsbruck, Gynäkologie und Geburtshilfe sozusagen

[00:03:59]  beansprucht auf längere Zeit.

[00:04:01]  Daher ist es ganz interessant zu verfolgen, dass in den Jahren [19]44 und [19]45 viele Innsbruckerinnen

[00:04:08]  und Innsbrucker in Seefeld zur Welt gekommen sind.

[00:04:11]  Das hat dort seinen Ursprung.

[00:04:14]  Interessant ist auch aus zeitgenössischer Sicht, dass die Tiroler Tageszeitung, ich glaube es war,

[00:04:20]  in den Jahren um 2000, einmal ein von sich aus ein sozusagen ein Treffen, der in Seefeld geborenen

[00:04:28]  veranstaltet hat und da waren glaube ich fast 3.000 Leute anwesend, weil es waren doch

[00:04:35]  geburtenstarke Jahrgänge, [19]43, [19]44 und [19]45.

[00:04:40] Tobias: Weil du das Treffen erwähnt hast von der TT, wo 3.000 Menschen... Josef: Ungefähr, ja.

[00:04:45] Tobias: Das heißt

[00:04:46] Josef: Das war in Seefeld. Tobias: In Seefeld.

[00:04:48]  Und du bist natürlich einer der Teilnehmer gewesen? Josef: Ja. Ja.

[00:04:51] Tobias: Hast du

[00:04:52] Menschen gekannt, aber nicht gewusst dass die aus, also auch Seefelder geborene

[00:04:58]  sind oder wie kommen...

[00:05:00] Josef: Ja natürlich.

[00:05:01] Tobias: Das ist ja ein großer Andrang, oder?

[00:05:03] Josef: Ja natürlich.

[00:05:04]  Es war ein "mords", wie man so schön sagt, eine "mords Hetz", [Tobias lacht kurz] eine "mords Gaudi" [Dialekt für viel Spaß/Vergnügen] und man hat

[00:05:09]  Menschen getroffen, die man kannte.

[00:05:11]  Einfach, weil man sich in Innsbruck halt natürlich irgendwie doch kennt.

[00:05:16]  Und von denen man aber nicht wusste natürlich, dass sie erstens welcher Geburtstag eh, Geburtsjahrgang

[00:05:23] sie waren und zweitens eben, dass sie deswegen auch in Seefeld zur Welt gekommen sind.

[00:05:28] [Rotationsgeräusch] Josef: Dann darf ich fortfahren mit meiner Kindheit.

[00:05:35]  Es ist alles sehr hochinteressant, nämlich aus zeitgeschichtlichen Aspekten heraus.

[00:05:41]  Es war ja dann so, dass natürlich ein mords Andrang war auf diese Betten der Gebärenden.

[00:05:48]  Und meine Mama hat also, glaube ich, musste am zweiten, dritten Tag schon, halbwegs,

[00:05:55]  dass sie noch halbwegs beisammen war und zu Kräften gekommen ist.

[00:05:59]  Da wurde sie also ersucht da Platz zu machen für die nächste.

[00:06:02]  Und dann war die Situation aber so, dass meine Familie aus Sicherheitsgründen, die Landverschickung

[00:06:11]  war, der Kinder und der jungen Familien.

[00:06:14]  Und deswegen ist meine Mutter, hat mich zusammengepackt und ist, glaube ich, zwei, drei Wochen

[00:06:21]  später mit mir schon nach Brandenberg gezogen.

[00:06:25]  Da ist man einfach zugeteilt worden.

[00:06:27]  Ja. Hat man irgendeine Familie bekommen am Land, im unteren Teil, oder oberen Teil oder wo auch immer.

[00:06:34]  Das ist von den Behörden erfolgt.

[00:06:36]  Und da wurde meine Mutter dann nach Brandenberg zugeteilt.

[00:06:40] [Rotationsgeräusch] Josef: Und da habe ich dann von Sommer 1945 bis Sommer 1947 meine Kindheit verbracht, meine ersten

[00:06:52]  zwei Jahre.

[00:06:53] [Rotationsgeräusch] Josef: Es war ein großes Glück, das wir gehabt haben.

[00:07:00]  Wir haben in einer sehr netten Bauersfamilie Unterschlupf gefunden.

[00:07:05]  Ganz unheimlich hilfsbereite, nette Leute mit dem typischen Brandenberger Name Ruprechter.

[00:07:13]  Der Familienvater war Holzarbeiter.

[00:07:17]  Damals hatten ja die Bundesforste noch riesige Besitzungen, die bis zur bayerischen Grenze

[00:07:25]  reichten und wo also die Brandenberger Bevölkerung zum Großteil Arbeit fand.

[00:07:33]  Es ist ja mehr oder weniger bekannt, wenn nicht, dann sage ich es jetzt.

[00:07:37] Die Zuhörer:innen werden sich vielleicht noch erinnern, dass es bis in die 60er Jahre

[00:07:44]  die doch relativ bekannte Brandenberger Trift gegeben hat.

[00:07:49]  Das war ein Ereignis, das zweimal im Jahr stattgefunden hat und wo die ganzen Bäume,

[00:07:56]  die man in den Forsten im Wald, der sich bis zur bayerischen Grenze ausdehnte, gefällt

[00:08:02]  hat.

[00:08:03]  Die hat man in einen riesen, großen, ja, riesengroßen, großen Stausee, der hat den Namen

[00:08:08]  Erzherzog-Johann-Klause gehabt.

[00:08:11]  Und diese Erzherzog-Johann-Klause, die wurde dann aufgefüllt und wenn die Klause voll

[00:08:18]  war, dann hat man die Tore der Klause geöffnet und die berühmte Brandenberger Trift ging

[00:08:25]  los.

[00:08:26]  Es war ein riesen Spektakel, besonders dann ab den 50er Jahren, wie langsam der Fremden-

[00:08:33]  verkehr wieder eingesetzt ist, also Ende 40er, haben sich das viele Leute also dann

[00:08:38]  nicht entgegenlassen, das zu beobachten.

[00:08:41]  Und die ganzen Baumstämme sind dann den Weg über die Brandenberger Ache durch die

[00:08:46]  berühmte Kaiserklamm hinaus bis zum Inn und am Inn war die sogenannte Lände in Kramsach.

[00:08:54]  Und da sind die... War ein riesengroßes Areale, so, wo man vorstellen musste, so wie Piers an einem

[00:09:02]  Hafen, wo man dann einfach die Baumstämme an Land gezogen hat von der Ache heraus

[00:09:08]  und sie dann weiter, entweder mit dem Zug oder dann weiß nicht, ob es da den Schiffverkehr

[00:09:14]  noch gegeben hat. Ich glaube nicht. Tobias: Ich glaube nicht mehr. Josef: Ich glaube eher mit dem Zug, dann transportiert worden

[00:09:20]  sind, weil Holz war ja einer der Hauptexportartikel von Tirol.

[00:09:24] [Rotationsgeräusch] Josef: Und das war also der Vater der Familie, wo wir untergekommen sind, der Herr Ruprechter,

[00:09:32]  der Heinrich Ruprechter.

[00:09:33]  Und die Frau, das war die Paula.

[00:09:36]  Und das war einfach eine Hausfrau, die haben natürlich auch eine Landwirtschaft gehabt.

[00:09:41]  Und wie es so war, der Hein, wie er geheißen hat, ist am Montag in der Früh ins Holz,

[00:09:47]  wie man gesagt hat, gegangen und am Samstag, zum Mittag sind sie dann wieder gekommen,

[00:09:54] mit einem alten Lastwagen hin und her transportiert.

[00:09:57]  Und die Paula war also daheim, hat sich um die Landwirtschaft gekümmert.

[00:10:01]  Viecher haben sie keine gehabt, nur ein paar Hennen und ein Imkerstand.

[00:10:05]  Und das war alles.

[00:10:06]  Und das war für die Paula natürlich auch sehr fein, dass sie ein bisschen Ansprache gehabt

[00:10:12]  hat.

[00:10:13]  Sie hatte damals noch keine Kinder.

[00:10:14] Die sind erst Ende der 40er Jahre gekommen.

[00:10:17]  Und so hat meine Mutter und die Paula eigentlich in trauter Einsamkeit die Zeit darin verbracht.

[00:10:23] [Rotationsgeräusch] Josef: Dann im Jahr [19]47 sind wir dann zurückgekehrt, wie also die Situation sich auch von der

[00:10:34]  Aufarbeitung der Nachkriegsereignisse, wir wissen ja, wie es [19]46 ausgeschaut hat und

[00:10:40] zugegangen ist.

[00:10:41]  Und es hat sich einfach alles etablieren müssen.

[00:10:44] Und [19]47 war es auch dann von der Wohnungssituation her, dass wir also nach Innsbruck zurückkehren

[00:10:51]  konnten.

[00:10:52]  Also meine Mutter und ich, wir haben nämlich von der Diözese Innsbruck eine Wohnung

[00:10:57]  zur Verfügung gestellt bekommen.

[00:10:58]  Und zwar in jenem Haus in der Wilhelm-Greil-Straße 4, wo jetzt die Wirtschaftskammer drin ist.

[00:11:05]  Dieses Haus hat bis in die, ich glaube bis in die, ja 70er, 80er Jahre des letzten Jahrhunderts der Kirche gehört,

[00:11:14] der Diözese.

[00:11:15] Und dann, oder war es noch später, ich glaube es war später. Tobias ganz leise: Ich kann es gar nicht genau sagen. Josef: Sie haben es erst später

[00:11:20]  verkauft.

[00:11:21] Nein, es war später, es war wesentlich später, erst um die 2000er Jahre herum ist es verkauft

[00:11:28]  worden und zwar an den Wirtschaftsbund und der hat es dann für seine eigenen Zwecke

[00:11:33]  benutzt.

[00:11:34]  Es hat aber früher der Diözese gehört und wir waren also im zweiten Stock in der

[00:11:40] Wilhelm-Greil-Straße 4.

[00:11:41]  Ich hatte, um da gleich weiter vorzufahren, den kürzesten Schulweg, [Tobias schmunzelt im Hintergrund] den es überhaupt

[00:11:47]  gegeben hat, denn genau vor der Haustür war die Gilmstraße und ich bin dann in die

[00:11:54]  Gilmschule, in die Volksschule gegangen.

[00:11:57]  Die Gilmschule, die jetzt das, ja, mehr oder weniger bekannte Innsbrucker [Tobias flüsternd: Das Sitzwohl] In-Lokal Sitzwohl

[00:12:04] beherbergt.

[00:12:06]  Und zwar im Erdgeschoss, wenn man hineingeht bei der Türe, in diesem spätgotischen Gebäude,

[00:12:13]  genau im Erdgeschoss rechts von der Tür, war mein Klassenzimmer.

[00:12:18] [Rotationsgeräusch] Tobias: An die Schulzeit, Volksschulzeit in der Gilmschule gibt es da noch irgendwelche einprägsamen

[00:12:27]  Erinnerungen.

[00:12:28] Josef: Da gibt es sehr viele einprägsame Erinnerungen.

[00:12:31]  Die einprägsamste ist unser begnadeter, muss ich fast sagen, Lehrer.

[00:12:35]  Ein Außerferner, mit dem Namen Singer natürlich und zwar aus dem Untern Lechtal, aus Nesselwängle,

[00:12:43]  der wirklich eine Seele von einem Menschen war und uns allen sehr, sehr viel beigebracht

[00:12:49]  hat.

[00:12:50]  Mit dem Erfolg, dass damals, ich glaub nicht... Ich weiß nicht wie viele wir waren, ich glaube wir waren

[00:12:56]  ca. 30, erst Klässler und davon sind, man höhere, 15 ins Gymnasium gekommen.

[00:13:03]  Es war für damalige Verhältnisse außergewöhnlich und das spiegelt natürlich nicht nur den

[00:13:10]  hohen Intelligenz Quotient Schüler wieder [beide lachen], sondern auch die Qualität des Lehrers, das

[00:13:18]  ist ja bitte unbestritten.

[00:13:19] [Rotationsgeräusch] Josef: [unverständlich] sagen, das ist vielleicht auch interessant, wir haben damals noch die Schiefertafeln

[00:13:29]  mit Kreide gehabt.

[00:13:30] Erst ab [19]52, [19]53 hat es sich dann eingebürgert, dass man also generell Hefte hatte. [Rotationsgeräusch] Josef:

[00:13:40]  Man braucht auch nicht zu sagen, dass die Bevölkerung damals eigentlich schon arm war.

[00:13:44]  Es war arm, meine Eltern haben beide arbeiten gehen müssen, damit sie halbwegs das Auslangen

[00:13:53]  gefunden haben.

[00:13:54]  Mein Vater war im Landeskriminalamt tätig.

[00:13:57]  Meine Mutter war dann im sogenannten Baby Haus Haidegger.

[00:14:03]  Es war ein stadtbekanntes Spezialgeschäft für Kinderkleidung und hatte seinen Standort

[00:14:12]  an der Ecke Greilstraße, Meranerstraße [Tobias dazwischen: Meranerstraßen] jedenfalls an dem Eckhaus.

[00:14:17] es war damals das Geschäft schlechthin für Kinderbekleidung.

[00:14:22]  Also das hat es ja eigentlich in Innsbruck sonst nicht gegeben.

[00:14:25]  Es war eigentlich auch in Tirol sehr bekannt, dass Baby Haus Haidegger.

[00:14:29]  Und da hat meine Mutter gearbeitet und es war damals schon so, dass also die Arbeitszeit

[00:14:35]  natürlich auch am Samstag bis am Abend ging.

[00:14:38] [Rotationsgeräusch] Tobias: War auch das Thema Sport oder dass man in einem Verein oder dass man das kennt zu einem Freizeitverein

[00:14:48]  oder zu den Pfadfindern oder sowas, was noch vielleicht...

[00:14:52] Josef: Es war damals so.

[00:14:53] Das wollte ich eben gerade noch sagen.

[00:14:54]  Es hat ja diese... Dieses, ja fast erschöpfende Angebot und Möglichkeiten, das den Jugendlichen

[00:15:02]  und Kindern heute geboten wird.

[00:15:04] Das hat es ja damals alles nicht gegeben.

[00:15:07]  Diese Möglichkeiten der "Freizeitgestaltung" unter Anführungszeichen für die Jugendlichen

[00:15:14]  und Kinder haben vor allem ideologische Vereine, wie zum Beispiel Parteien, Stichwort

[00:15:23]  die Roten Falken von der SPÖ, ja, oder das, was du angesprochen hast, die Pfadfinder.

[00:15:30]  Und in meinem Fall natürlich auch die katholische Kirche mit der katholischen Jugendschar

[00:15:37] so wahrgenommen.

[00:15:38]  Und je nachdem, wie halt das Elternhaus weltanschaulich geprägt war, ist man halt dort zum einen

[00:15:44]  oder zum anderen gegangen.

[00:15:46]  Wobei ich sagen muss, in meinem Fall hat sich das ergeben.

[00:15:51]  Und es war so üblich, dass man also nach der ersten Kommunion, die man also in der zweiten

[00:15:58]  Klasse erhalten hat, das war damals noch üblich.

[00:16:01]  Das ist ja überhaupt ein spezielles Kapitel.

[00:16:05] Über das wir uns glaube ich nicht auslassen, wollen oder müssen.

[00:16:11]  Aber es war halt damals so, man ist halt getauft worden, katholisch erzogen worden.

[00:16:16]  Natürlich im Sinne der Tradition zur Erstkommunion gegangen und dann natürlich ist man zu den

[00:16:24]  Ministranten gegangen.

[00:16:25] [Rotationsgeräusch] Josef: Dann bin ich ins Gymnasium gekommen und zwar die ersten zwei Jahre habe ich in Lienz, also

[00:16:36] im sogenannten Bundeskonvikt verbracht.

[00:16:39]  Da war ich in bester Gesellschaft von [unverständlich] prominenten Innsbrucker Familien [beide lachen], zum

[00:16:47]  Beispiel, Stichwort Lugger, Menardi [lacht] Tobias: Allerdings beste Gesellschaft Josef: Und so weiter [lacht].

[00:16:53]  Und da war auch natürlich ein starker Innsbruck Bezug.

[00:16:59]  Und die Klassen 3, 4 und 5 habe ich dann am Bundesrealgymnasium in Innsbruck verbracht.

[00:17:09]  Ab [19]55 war die Situation so, dass in Innsbruck, also das Gebäude, das berühmte, muss man

[00:17:15]  schon sagen, Gebäude in der Angerzellgasse, von der Struktur, ja, der Gymnasien zweigeteilt

[00:17:22]  war. Es hat auf der einen Seite das sog... damals als humanistisches Gymnasium bezeichnete gegeben.

[00:17:31]  Das war so latein-griechisch mit dem Fokus auf die Altsprachen.

[00:17:36]  Und dann hat es das sogenannte Realgymnasium gegeben, mit dem mehr naturwissenschaftlichen

[00:17:42]  und neusprachlichen Charakter.

[00:17:45]  Die Situation war damals die, es wurde der Unterricht, wöchentlich, alternativ, Vormittag

[00:17:53]  und Nachmittag geteilt.

[00:17:55]  Also eine Woche war Realgymnasium Vormittag, humanistisches Nachmittag und dann wurde wieder

[00:18:02]  gewechselt.

[00:18:03]  Es war streng getrennt auch von den Persönlichkeiten der Direktoren her.

[00:18:08]  Der Direktor des Realgymnasiums war der Karl Kern. Das waren die Kernbuben. [Tobias lacht] Und der

[00:18:16]  Direktor des humanistischen war der Direktor Dr. Auer, ein ÖVP naher, Politiker kann

[00:18:26]  man nicht sagen, aber sehr ÖVP-engagierter Lehrer, der dann auch im Gespräch war als

[00:18:33]  Landeshauptmann-Stellvertreter in der Zeit von Gaby Bartl und geworden ist es dann der

[00:18:40]  Prior.

[00:18:41]  Jedenfalls wurde es damals die personelle Alternative.

[00:18:45] Ich weiß das deswegen, weil ich die Familie näher dann im Laufe der Jahre kennenlernte.

[00:18:50] [Rotationsgeräusch] Josef: Und das war damals in der Zeit, wo ich also [19]57 bis [19]60 und dann ab [19]61 bis [19]63 war ich dann

[00:19:06]  wieder in Lienz und habe in Lienz dann auch [19]63 maturiert und anschließend [habe] ich dann

[00:19:13]  mit meiner Mutter in Pradl gelebt, wo ich dann mein Studium begonnen habe.

[00:19:21] Tobias: Das Medizinstudium? Josef: Das Medizinstudium und das natürlich unter den gegebenen wirtschaftlichen Verhältnissen.

[00:19:30]  Dann möglichst da so rasch abschließen, wollte, musste.

[00:19:36]  Und zwar war ich doch einer der ersten, der das Studium innerhalb von elfeinhalb Semester

[00:19:45]  dann zu Ende gebracht hat.

[00:19:46] Ich habe so im Herbst 1963 habe ich studieren begonnen und weiß noch gut

[00:19:56] im Dezember, am 17. Dezember 1969 wurde ich promoviert und deswegen ist das Datum

[00:20:05]  so wichtig für mich [lacht kurz auf] und möchte das da erwähnen, weil,

[00:20:12]  Es ist ja so, wie es die Zufälle im Leben so gibt, ich genau 50 Jahre nach meiner Promotion zum Dr. Med,

[00:20:21]  zum Magister in der Geschichte, sponsiert wurde.

[00:20:26] [Rotationsgeräusch] Tobias: Warst du immer schon interessiert, Medizin zu studieren? Oder

[00:20:34] war... Josef: Das hat sich zufällig ergeben.

[00:20:36] Tobias: Wie das? Josef: Komplett zufällig hat sich das ergeben.

[00:20:39] Und wenn du jetzt da so das ansprichst, dann darf ich schon sagen,

[00:20:44] und ich formulier das ganz bewusst so, wie ich es eben jetzt ausdrücke,

[00:20:49] weil ich bin mir bewusst, dass die vielen Talente, die ich in die Wiege bekommen habe,

[00:20:56]  eigentlich als Geschenke zu empfinden sind.

[00:20:59]  Und so war das für mich eigentlich eine Krux.

[00:21:02] Ja, die schon, das darf ich auch sagen, in einer Gepflogenheit, ihren Anfang genommen hat,

[00:21:09]  nämlich in der 5. Klasse des Gymnasiums, musste man damals noch wählen zwischen Musik und Kunstgeschichte.

[00:21:17]  Also Kunststation und Musik. Beides hat es nicht gegeben.

[00:21:21]  Entweder hat man sich in den musischen Fächern, wenn man das so sagen darf,

[00:21:26] für die Musik entschieden oder für das Zeichnen.

[00:21:30]  Ich habe also schweren Herzens dann das Zeichnen hergenommen, aber hätte die Musik also liebend gerne auch dabeigehabt.

[00:21:38]  Weil beide Bereiche der Kunst sind aus meinem Leben nicht wegzudenken.

[00:21:44]  Und so war für mich dann, um auf deine Frage zurückzukommen, die Entscheidung so unendlich schwierig.

[00:21:52]  Denn ich wollte sowohl [ein] Musikstudium beginnen, ich wollte sowohl an die Kunstakademie gehen,

[00:21:59]  ich wollte sowohl Architektur studieren, ich wollte sowohl in der Tradition meiner Familie

[00:22:06]  mein Ur-Ur-Großvater, war K&K-Forstmeister.

[00:22:11]  Und mein Ur-Ur-Ur-Großvater war Leiter eines Bergwerks in Böhmen

[00:22:17]  und hat für die Habsburger Krone einige Tonnen Silber aus dem Berg gefördert.

[00:22:23]  Und ist dafür in den niederen Adelsstand erhoben worden.

[00:22:27]  Und entsprechend dieser Tradition der naturwissenschaftlichen Betätigung meiner Familie wollte ich natürlich auch Bodenkultur studieren.

[00:22:37]  Aber diese Sachen waren damals alle in Innsbruck nicht möglich.

[00:22:41]  Die Technik ist glaube ich erst in den, ja... Tobias: Später, ja. Josef: Erst Ende der 60er. Tobias: Wenn nicht sogar... Josef: Ja, ungefähr in den 65er erbaut worden.

[00:22:53]  Und die Kunstakademie gibt es heute noch nicht in Innsbruck.

[00:22:57]  Und eine Musikhochschule gibt es auch nicht.

[00:23:00]  Aber Hauptsache wir haben die Architektur da.

[00:23:02]  Und Bodenkultur muss man nach wie vor entweder nach Wien, oder nach Leoben.

[00:23:06]  Und Architektur wäre damals Wien oder Graz die Alternative gewesen.

[00:23:12]  Und dann habe ich mal lange hin und her überlegt, was soll ich tun?

[00:23:17]  Und dann [atmet kurz aus] habe ich mir gesagt, Medizin interessiert mich eigentlich auch.

[00:23:25]  Weil ich war schon eigentlich immer ein Mensch mit einer gewissen sozialen Kompetenz.

[00:23:31]  Ich habe mich immer gern mit den Menschen unterhalten und mich mit ihnen ausgetauscht.

[00:23:37]  Und so war die Entscheidung das damals zu tun eigentlich die übrig gebliebene Lösung,

[00:23:43]  weil ich mich mit den anderen Dingen nicht entscheiden konnte, wollte.

[00:23:48] Ja, aus den Gründen, die ich gerade dargelegt habe.

[00:23:52]  Es war damals man Höre und Staune,

[00:23:55]  Wenn das jetzt wäre, dann würde man das fast nicht glauben.

[00:23:59]  Wir waren also insgesamt 183 Erstsemestrige.

[00:24:03]  Wenn man das so mit den Zahlen vergleicht,

[00:24:06] wo heute, also im Jahr 2023, die Zahlen derjenigen, die also sich um die Aufnahmeplätze bewerben

[00:24:15]  dann ist es nahezu unglaubwürdig.

[00:24:19]  Aber es war so.

[00:24:21]  Und von diesen 183 haben am Ende des ersten oder spätestens zweiten Semester haben,

[00:24:26]  dann mehr oder weniger ein Drittel schon, das Studium geschmissen.

[00:24:30]  Denn man weiß ja, es war damals schon so, dass das Medizinstudium war nicht das leichteste.

[00:24:36]  Und die erste Klippe war bereits die Chemieprüfung am Ende des zweiten Semesters.

[00:24:41]  Und da waren dann schon einige dabei, die negativ abgeschlossen haben

[00:24:46]  und das sie dann veranlasst hat, das Studium aufzugeben.

[00:24:51] Tobias: Hat es zu deiner Zeit eine Art Aufnahmeprüfung gegeben für das Medizinstudium?

[00:24:55] Josef: Nein.

[00:24:56]  Es hat überhaupt keinen Test gegeben, keine Aufnahmeprüfung, gar nichts.

[00:25:00]  Man ist also einfach in das Sekretariat des medizinischen Dekanats im Hauptgebäude im ersten Stock,

[00:25:09]  die berühmt berüchtigte Frau Jäger.

[00:25:12]  Die war also mehr oder weniger sehr bekannt. Eher negativ bekannt.

[00:25:18]  Ich habe mit ihr überhaupt keine Probleme gehabt.

[00:25:20]  Aber sie war sehr streng, also rigoros. Und das musste damals auch so sein.

[00:25:26]  Jedenfalls habe ich damals dann, habe ich mich inskribiert und immatrikuliert.

[00:25:31]  Und meine Matrikelnummer, von damals habe ich heute noch.

[00:25:35] Tobias: Wirklich?

[00:25:36] Josef: Ja, 06315588.

[00:25:41]  Also [19]63 im Herbst, immatrikuliert in die Universität Innsbruck.

[00:25:48]  Natürlich damals eigenes Dekanat der Medizin.

[00:25:53]  Wir wissen ja im Jahr 2002 dann die Trennung und die Loslösung der medizinischen Universität von der Stamm-Universität.

[00:26:01]  Eine Entscheidung, die ich persönlich bedauere, von anderen wieder begrüßt wurde. Es ist halt so.

[00:26:08] [Rotationsgeräusch] Tobias: Und wer... beim Abschluss, die deine Studienkolleginnen und Kollegen, oder waren, das ist jetzt eh die nächste Frage,

[00:26:21]  waren männlich dominiert im Studium wahrscheinlich sehr?

[00:26:24] Josef: Männlich dominiert mit einem doch, ja, ich würde sagen, 10%igen Frauenanteil, wenn ich das jetzt, mich so zurückerinnere.

[00:26:32]  Es war einfach eine herrliche Zeit.

[00:26:34]  Jeder hat eigentlich jeden gekannt. Es haben sich dann natürlich die entsprechenden Cliquen gebildet.

[00:26:40]  Ich möchte sagen, dass also die Benotung damals aller Prüfungen natürlich mündlich stattgefunden haben,

[00:26:47]  ausschließlich mündlich.

[00:26:49]  Und dass es nur drei Benotungen gegeben hat.

[00:26:53]  Ausgezeichnet, genügend oder nicht genügend.

[00:26:56]  Und die ganzen absolvierten Prüfungen waren in drei Rigorosen aufgeteilt, davon eines die Vorklinik und zwei dann die klinischen Fächer.

[00:27:09]  So war das damals.

[00:27:11] [Rotationsgeräusch] Josef: Ja, schon seit den frühesten Semestern haben wir eine Gruppe,

[00:27:19] waren wir eine Gruppe, die eigentlich immer sich vor den Rigorosen zusammengesetzt hat und sich gegenseitig ausgefragt hat.

[00:27:28]  Es war immer sehr nett, da natürlich die Kolleginnen, eh Kollegen, wir waren eine reine Männerrunde, auf Herz und Nieren zu prüfen und sich teuflisch zu freuen, wenn wer etwas nicht gewusst hat [Tobias lacht].

[00:27:41]  Aber es war eine gute Schule, eine gute Methode, die ich nur weiterempfehlen kann, das Gruppenlernen.

[00:27:47]  Wir haben eigentlich alle voneinander profitiert und sind auch alle eigentlich relativ problemlos durch die ganzen Prüfungen durchgekommen.

[00:27:56] Tobias: Ist man mit dieser Gruppe dann auch in der Freizeit, oder hat man in der Freizeit Zeit verbracht, oder war das rein auf das Studium bezogen?

[00:28:01] Josef: Das war rein aufs Studium bezogen.

[00:28:03] [Rotationsgeräusch] Tobias: Bleiben wir in der Zeit, also in der Studienzeit, oder generell ein bisschen in der Zeit, die, wie soll man denn sagen, die wilden Jahre [lacht kurz auf] sozusagen in Innsbruck,

[00:28:15]  was war bei dir in der Freizeit... Josef: Da muss ich schon

[00:28:17] sagen, da sprichst du jetzt etwas an, was ich sowieso von mir aussagen wollte.

[00:28:22]  Und was wieder Bezug zu meinem Studium, hat in der Zeitgeschichte.

[00:28:28]  Also in der Geschichte, aber natürlich eines meiner Schwerpunkte ist die Zeitgeschichte.

[00:28:33]  Und zwar deswegen, weil ich mich noch so sehr an viele Dinge erinnere, wie man jetzt so sieht oder hört [schluckt].

[00:28:41]  Ich habe im Rahmen des Geschichts-Studiums, waren eben auch so genannte Ringvorlesungen,

[00:28:50]  wo also gewisse Schwerpunkte kompetent abgehandelt wurden und Diskurse stattgefunden haben.

[00:29:00]  Und da war auch die Diskussion um das Jahr 1968, also die Studentenrevolte,

[00:29:06] ausgegangen von Paris damals, wie wir wissen.

[00:29:09]  Aber in allen deutschen Universitätsstädten und so weiter, auch in Wien und Graz.

[00:29:14]  Aber in Innsbruck hat es vergleichsweise Ereignisse

[00:29:19] und Begebenheiten nicht gegeben.

[00:29:21]  Ich sage das deswegen, weil im Rahmen dieser Ringvorlesung, die von mir sehr geschätzte Frau Professor Pfandzelter sagte,

[00:29:28]  dass es sehr wohl etwas gegeben hätte.

[00:29:31]  Und dass also hier Studien liefen und so weiter.

[00:29:35]  Mittlerweile ist, glaube ich, hier tatsächlich was publiziert worden.

[00:29:39]  Ich habe es noch nicht studieren können.

[00:29:42]  Ich kann nur aus medizinischer Sicht sagen, es hat an der medizinischen Fakultät in den Jahren 1968 also überhaupt nichts gegeben, mitnichten.

[00:29:52]  Es hat überhaupt keine Störungen gegeben, keine Aufmarsche, keine Zusammenkünfte,

[00:29:59]  keine, was auch immer, von dem man entnehmen konnte, dass es sich um eine studentische Demonstration handelte.

[00:30:07]  Also mitnichten. Das kann ich mit Sicherheit sagen.

[00:30:10] [Rotationsgeräusch] Tobias: Freizeit generell die in den...

[00:30:16] Josef: Ja, ich habe also Freizeit.

[00:30:18]  Ich persönlich war ja sehr alpin, affin.

[00:30:22]  Das geht auf die Zeit der Innsbrucker Mittelschule zurück, wo ich mich mit drei, auch gleichgesinnten, jungen Menschen zusammengefunden habe.

[00:30:32]  Einer davon war mein späterer Studienkollege Dr. Gerhard Adelmeier, der dann Radiologe geworden ist.

[00:30:39]  Und wir haben also schon in den Mittelschuljahren, also mit 14, 15 haben wir schon gemeinsam eine Bergfahrt unternommen

[00:30:48]  vor allem im Sommer auch. Und das hat sich dann, diese Achse hat gehalten.

[00:30:53] [Rotationsgeräusch] Tobias: Haben wir noch irgendeinen Punkt, der was wichtig wäre oder der, was dir noch am Herzen liegen würde aus deiner ja Jungend Zeit?

[00:31:02] Josef: Ja, wenn ich jetzt sagen darf, ein paar markante, infrastrukturelle Gegebenheiten, Situationen. Tobias: Gern. Josef: Die vielleicht den ein oder anderen interessiert,

[00:31:12]  wie es damals ausgeschaut hat. Also in der Gilmstraße, wenn ich hinaus gegangen bin bei der Haustür,

[00:31:19]  das war also das gotische Gebäude, spätgotische Gebäude der Gilmschule, dann war die Bezirkshauptmannschaft ums Eck, die hat es damals schon gegeben.

[00:31:30]  Linker Hand war das Hotel Central, ein ebenfalls klassizistischer Bau, wobei heute noch das Café Central als Café besteht,

[00:31:40]  das Hotelgebäude ist ja mittlerweile abgerissen. In der Wilhelm-Greil-Straße rechts hat es, wo jetzt die Bank drinnen ist,

[00:31:49]  direkt gegenüber, hat es damals [das] sehr bekannte Elektrowaren und Kohlengeschäft, Kohlegger [Schreibweise ungewiss] gegeben.

[00:31:57]  Und der Sohn der Familie, ist so, auch ein Mitschüler gewesen von mir.

[00:32:02]  War damals bekannt. Ums Eck herum, in die Museumstraße, also nach Norden, dort, wo heute der M-Preis ist,

[00:32:10]  war vor dem M-Preis die Bank Austria, vor der Bank Austria war die Länderbank

[00:32:16]  und vor der Länderbank war der Konsum. Tobias: [leise] Ah, der Konsum. Josef: Der Konsum war einer der ersten, ich glaube im Jahr 1945/46,

[00:32:26]  schon von den Sozialdemokraten gegründete Kaufhauskette im Sinne des Vorläufers eines Supermarkts,

[00:32:34]  wo man also die Artikel des täglichen Lebens kaufen konnte.

[00:32:39]  Ich weiß das deswegen noch genau, weil bis zum Jahr 1950, ich bitte mich zu korrigieren, kann auch glaube ich [19]51 sein,

[00:32:47] [19]50 noch sicher, es die Lebensmittelkarten noch gegeben hat und man mit den Lebensmittelkarten natürlich dann die entsprechenden Rationen pro Woche einlösen konnte.

[00:32:58]  Und in dem Zusammenhang habe ich beim Konsum als kleiner Kindergartenbub eingekauft.

[00:33:05] Apropos einkaufen, rechts, wenn ich beim Haus hinausgegangen bin, hat es einen Nahversorger gegeben.

[00:33:11]  Es war also diesbezüglich ideal und paradiesisch.

[00:33:14]  Ein paar Meter weiter hat es einen kleinen Milchladen gegeben, der hat ebenfalls Kohlegger geheißen.

[00:33:20]  So ganz mini, aber da hat es immer, jeden Tag in der Früh frische Milch gegeben.

[00:33:25]  Dann ein paar Meter weiter war rechts die Bäckerei Flatscher, mit der Familie [war] ich auch dann in späteren Jahren eng verbunden.

[00:33:34]  Und dann ein paar Meter weiter hat es die Fleischerei "Bracetta" [Schreibweise ungewiss] gegeben.

[00:33:39]  Also wir haben die Spezialgeschäfte Milch, Brot und Fleisch innerhalb von ein paar Metern vom Haus weg entfernt gehabt.

[00:33:49]  Und ums Eck vorne, also was sind das, 100 Meter glaube ich, war der Konsum mit dem Erfolg oder mit dem Resultat,

[00:33:59]  das mich, und an das kann ich mich noch... Eines meiner frühesten Kindheitsereignisse, Erinnerungen.

[00:34:04]  Da kann ich mich gut erinnern, weil meine Mama gesagt hat zu mir, Seppi, jetzt, da hast die Karten,

[00:34:09]  jetzt gehst du mal dort zum Kohlegger und holst mir einen Liter Milch.

[00:34:13]  Und ich kleiner Stöpsel bin natürlich dann "owi" [Dialekt für runter/hinunter] und hab die... man hat mich natürlich gekannt

[00:34:17]  und hab da die Milch gekriegt und hab es hinaufgetragen, damals hat es natürlich nicht,

[00:34:21] die Verpackung gegeben, sondern auch nicht die Flaschen, sondern die Kübel.

[00:34:25]  Da hat man in den Kübel hinein, hat man die Milch in... mit einer großen Gatz [Dialekt für Kelle],

[00:34:29]  wie es geheißen hat, oder eine Kelle Tobias: Oder eine Schöpfkelle, wie es jetzt... auf Hochdeutsch [lacht] Josef: Eine Schöpfkelle,

[00:34:34]  wir haben in Tirol gesagt Gatzen Tobias: [lachend] Ja. Josef: Hat man da die Milch reinbekommen.

[00:34:39] [Rotationsgeräusch] Josef: Ein wesentliches Erlebnis war dann noch auch die Zeit meiner Kindergartenjahre.

[00:34:48] Es war damals... Ich weiß gar nicht, wann das losgegangen, aber ich glaube, es war spätestens mit drei, vier Jahren.

[00:34:54]  Es war damals der städtische Kindergarten, es hat ja damals bei leibe nicht diese große Anzahl

[00:35:01]  an Kindergärten gegeben, wobei natürlich auch viele private Betreiber jetzt sind, wie wir ja wissen.

[00:35:07]  Konfessionen oder ideologische Vereine.

[00:35:10]  Damals hat es eigentlich nur den städtischen Kindergarten gegeben und der hat in mir insofern

[00:35:16]  eine einprägsame Erinnerung, als er erstens einmal in einem sehr markanten Gebäude

[00:35:23]  angesiedelt war und da möchte ich weiter ausholen.

[00:35:27]  Man muss sich vorstellen, dass wenn man heute also von der Museumstraße durch die Viaduktbögen,

[00:35:33]  also durch die Ingenieur-Etzel-Straße, durch die Bahnunterführung nach Pradl fährt,

[00:35:40]  es war damals so, diesen Schlupf hat es gegeben natürlich, aber dann, war mehr oder weniger Pampa.

[00:35:46] Dann war grüne Wiese.

[00:35:48]  Es hat am Sillkanal, ja, hat es damals noch die Textilfabrik Herrburger und Rhomberg gegeben.

[00:35:56] Herrburger und Rhomberg war für viele ein Arbeitgeber.

[00:36:00]  Es war ein riesengroßes Areal, es ist genau dort, wo jetzt der Sillpark steht.

[00:36:04]  Und dahinter war ein Park, den Rapoldi-Park hat man erst später kultiviert und ins Leben gerufen

[00:36:09]  und dann hat es bereits in der Pradlerstraße, ja, und im Bereich von Pradl,

[00:36:16]  die Südtiroler-Siedlungen gegeben, von der neuen Heimat errichtet und so weiter und so fort.

[00:36:22]  Und die ganze Reichenau und Neupradl und so weiter, das ist erst dann in den 60er Jahren,

[00:36:28] gekommen. Ende der 50er, 60er Jahre.

[00:36:31]  Ja, das war die Situation und genau dort, wo man da so durch die Unterführung nach Pradl

[00:36:37] hinausgekommen ist, linker Hand, wo jetzt die Laurinstraße anfängt

[00:36:43]  und wo jetzt genau die Haltestelle ist, von den Linien F zum Beispiel, Bus,

[00:36:49] ja, da ist ein Pavillon gestanden. Ja, ein Pavillon und zwar ein Baracken-Pavillon, ja, im Stil einer Baracke

[00:36:59]  und in dieser Baracke war der städtische Kindergarten untergebracht.

[00:37:04] Und diese Holzbaracke hatte einen kleinen Aufgang und da sind wir kleine Stöpsel,

[00:37:10] in der Früh immer hinaufgetrappelt und an dem Aufgang ist eine Türe gewesen,

[00:37:18]  die in das Innere geführt hat und in dieser Türe stand, raumfüllend, die Kindergartentante.

[00:37:25] [Tobias lacht] Und die Kindergartentante hat uns, [längere Pause] an der bist du nicht vorbeigekommen,

[00:37:33]  schon rein voluminös nicht, und die Kindergartentante hat in ihrer rechten Hand

[00:37:39]  eine Tüte, wir sagen eine "Steitzl" [Schreibweise ungewiss], ja, gehabt und da waren Lebertran-

[00:37:47]  Pastillen/Tabletten drinnen. Ich hab' heute noch den Geschmack in meinem Mund,

[00:37:53]  aber es ist, glaube ich, medizinhistorisch, gesundheitspolitisch, [eine] interessante Mitteilung,

[00:37:59]  dass wir Kinder also als Profilaxe, Rachitis-Profilaxe, aber auch überhaupt generell,

[00:38:06]  weil Rachitis war ja damals eine der recht häufig vorkommenden Erkrankungen.

[00:38:11] Gegen was der Lebertran sonst noch groß eh, gut war weiß ich jetzt eigentlich nicht, zu meiner Schande gestehen zu müssen

[00:38:18]  aber er war sicher ein gut... aufgrund seiner Nahrhaftigkeit, ein gutes Prophylaktikum gegen alle

[00:38:24]  möglichen Kinderkrankheiten, Infektionskrankheiten, die man sich zuziehen konnte

[00:38:30]  und man muss ja an dieser Stelle erwähnen [schluckt] es hat ja in Innsbruck bis in den 50er Jahren,

[00:38:38]  war ja die Tuberkulose ein großes Thema und ich erinnere mich, wir sind auch in der Volksschule schon,

[00:38:44]  hat es die Bildschirm-Untersuchung gegeben. Da bist du

[00:38:48] hinüber gegangen, in das städtische Gesundheitsamt, zum Dr. Thulnik [Schreibweise ungewiss], das war dort

[00:38:54]  wo jetzt also, wir haben immer spöttisch gesagt, die Weltstadt-Galerie, also die,

[00:39:00]  die [lacht kurz] Galerie ist von der Maria-Theresien-Straße zur Fallmerayerstraße [gegangen]

[00:39:04] das war früher nur der Zweckbau, wie man jetzt noch heute sieht, ja,

[00:39:09]  und dahinter war ein großer, großer Innenhof, ja, in diesem Innenhof war die Polizeistation,

[00:39:17]  dann war gar nichts und dann waren da auch ein paar Baracken, zum Teil ebenerdige Baracken.

[00:39:24]  Gemauert auch zum Teil und dann war ein Tor, hinten hinaus zur Fallmerayerstraße,

[00:39:30]  und in diesem Tor war auch noch ein Gebäude, als ein Gebäude zur Fallmerayerstraße

[00:39:35]  sozusagen als zweites Gebäude vom Magistrat.

[00:39:39]  Und in diesem hinteren Gebäude, an der Fallmerayerstraße, ist das Gesundheitsamt gewesen

[00:39:44]  und in dieses Gesundheitsamt sind wir Schulbuben, ja, regelmäßig einmal im Semester,

[00:39:51]  also zweimal im Jahr zur Röntgen-Untersuchung auf Tuberkulose angetanzt, ja. [Tobias schmunzelt]

[00:39:57] Also an das kann ich mich noch sehr gut erinnern, das hat stattgefunden.

[00:40:01] [Outro-Musik] beginnt

[00:40:04] [Outro-Musik]

[00:40:23]

Zeitzeugengespräch Siegfried Nussbaumer

Zeitzeugengespräch Siegfried Nussbaumer

Stadtarchiv Innsbruck

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Transkript

[00:00:00] [Männliche Stimme] Auf jeden Fall hat sie gesagt, nein, geh doch zur Feuerwehr, nicht.

[00:00:04] Und beim Paras habe ich es recht gutgehabt und dann habe ich gesagt, ich wollte hin, aber nur nicht zu

[00:00:09]  einem uninformierten Haufen.

[00:00:25] [Intro-Musik] Tobias: Hallo und herzlich willkommen zur sechsten Folge unserer zweiten Staffel von Archivwürdig,

[00:00:31]  dem Podcast des Innsbrucker Stadtarchivs.

[00:00:34]  In unserer heutigen Folge hören Sie Ausschnitte aus unserem Gespräch mit Siegfried Nussbaumer,

[00:00:39]  bekannt als "Siggi aus Tirol" in der aktuellen Staffel von Liebesgeschichten und Heiratssachen.

[00:00:45]  Heute sprechen wir aber hauptsächlich über Siegfrieds Tätigkeit bei der Berufsfeuerwehr Innsbruck,

[00:00:50]  zu der, unter anderem, der Flugdienst zählte.

[00:00:53]  Während seiner 37-jährigen Dienstzeit war er an vielen Einsätzen beteiligt.

[00:00:58]  Darum gibt es ausreichend interessante Geschichten zu erzählen.

[00:01:02]  Im Gespräch mit Siegfried Nalter, dem ehemaligen Branddirektor der Berufsfeuerwehr Innsbruck,

[00:01:07]  sowie meinem Kollegen Matthias Egger, vom Stadtarchiv.

[00:01:11] Matthias: Wir werden uns heute ein bisschen über deine Karriere bei der Berufsfeuerwehr unterhalten,

[00:01:16]  lieber Siegfried.

[00:01:17]  Als erstes möchte ich fragen, wie bist du überhaupt zur Berufsfeuerwehr gekommen?

[00:01:21] Siegfried: Ja, das war mehr oder weniger ein Zufall.

[00:01:25] Also weil, im Stadtbereich hat man... Und ich bin in Wilten aufgewachsen, da war das nicht so üblich, dass jeder bei einer Feuerwehr war,

[00:01:34]  nicht in Wilten selber. Also,

[00:01:37] Wilten Ost, da hat es ja kein Feuerwehr gegeben, also die wären noch Wilten West gewesen.

[00:01:42]  Auf jeden Fall habe ich mit der Feuerwehr nichts tun gehabt, aber ich war Kfz-Elektriker,

[00:01:47] gelernter, und [als] ich fertig war, dann bin ich sofort zum Paras, damit ich das schnell hinter mir habe.

[00:01:53] Und dann bin ich von Salzburg, also Siezenheim heimgekommen und dann hätte ich ein Angebot gehabt,

[00:02:00]  als Flugzeugelektriker anzufangen in Stuttgart, fünf Jahre verpflichtend.

[00:02:05] Und da hätte ich relativ mit, mit, damals hatte es, meine ich, bei 500 D-Mark angefangen, und ein Zimmer war auch inkludiert.

[00:02:15]  Dann hat aber die Mutter von mir, die war beim Stadtmagistrat, da beschäftigt,

[00:02:21] und die wollte nicht, dass ich ins Ausland gehe und nachdem ich mich fünf Jahre verpflichten

[00:02:26]  hätte müssen, hätte sie mich kaum mehr gesehen.

[00:02:28] Ich bin ja, also als Einzelkind aufgewachsen, mein Vater ist ja im Krieg gefallen, also [19]45 sind sie noch

[00:02:34]  mit dem Schiff auf eine Mine aufgefahren.

[00:02:36]  So habe ich meinen Vater nicht kennengelernt und er mich auch nicht, auf Deutsch gesagt.

[00:02:40]  Das hat sich einmal so vorher ergeben beim Besuch, beim Schiff, wie sie am Schiff,

[00:02:46]  also am Hafen von Bremen, ein paar Tage also stationiert waren, da anscheinend bin ich,

[00:02:54] [lacht] entstanden, also, wenn es stimmt [lacht]. Auf jeden Fall hat sie gesagt, nein, geh doch zu Feuerwehr, nicht.

[00:03:03]  Und beim Paras habe ich es recht gutgehabt und dann habe ich gesagt, ich wollte hin, aber nur nicht zu

[00:03:08]  einem uninformierten Hafen.

[00:03:10] [lacht]

[00:03:12] Auf jeden Fall, also aber dann hat sie mir gesagt, ja, weil sie hat den Branddirektor Stulz [Schreibweise ungewiss] durchs Magistrat

[00:03:19]  gut gekannt, der war ich im Bauamt damals.

[00:03:21]  Und hat gesagt, also sie fragt, also ich habe ja gar nicht gewusst, dass das so schwierig damals schon war,

[00:03:27]  im Stadtmagistrat, eh, bei der Feuerwehr unterzukommen.

[00:03:31]  Die was mit mir gekommen sind, da war nur der Pescolo [Schreibweise ungewiss] und ich und alle anderen haben schon

[00:03:35]  Jahre davor angesucht und sind um wesentlich älter gewesen.

[00:03:39]  Ich war ja mit dem Pescolo Peter der Jüngste, was da dazukommen ist.

[00:03:44]  Und dann habe ich, zu Weihnachten, hat man das, hat es geheißen, ja, das passt bei mir.

[00:03:50]  Und dann habe ich auch immer wieder gefragt, was ist denn los, zur Mutter.

[00:03:54]  Und die hat gesagt, ja, das wird schon kommen, das wird schon kommen.

[00:03:58]  Und dann habe ich gesagt, du, [lachend] die können mich gernhaben, ich warte jetzt nicht mehr lange [alle lachen].

[00:04:03]  Und dann war es aber so, dass am 1. April war das dann fixiert.

[00:04:08]  Und am 1. April hat mich gereizt, also erstens, also das wechselhafte,

[00:04:14]  weil ich ja nur reingekommen bin, weil ich einen einschlägigen Beruf auch gehabt habe.

[00:04:18]  Damals war ich ja noch Werkstätten Betrieb und lange Zeit danach auch noch.

[00:04:22]  Und ein Feuerwehrdienst war ja in einem und es sind an und für sich, wenn einer nicht besondere Beziehungen gehabt hat,

[00:04:29]  oder einen einschlägigen Beruf haben müssen, den man in der Werkstatt verwenden kann.

[00:04:33]  Und somit bin ich halt da dazukommen.

[00:04:36]  Und da hat mir aber gereizt, dass ich also einen Turnus Dienst hatte, 24 Dienst, 24 Frei,

[00:04:43]  damals hat es noch die Zeitausgleichstage ganz wenige gegeben.

[00:04:47]  Und das war für mich ideal, weil ich gesagt habe, da kann ich alles Mögliche nebenbei machen.

[00:04:54]  Und das habe ich ja jahrelang gemacht, aber bis zu 40 habe ich meine ich 50 verschiedene Beschäftigungen gehabt.

[00:05:01]  Und damit ich ja so an Geld komme, ein Beispiel noch:

[00:05:05]  Am Anfang habe ich im Tagdienst, noch nicht im Turnusdienst bei der Ausbildung, mit 1800 Schilling angefangen

[00:05:12]  und habe als frisch ausgelernter Gesell, also das war das mindeste, 3000 Schilling gehabt.

[00:05:18]  Das war ja an und für sich, aber ich hab immer gestaunt, wie das meine älteren Kollegen geschafft haben,

[00:05:25]  weil die waren teilweise 25, 26 Jahre alt schon und haben wesentlich mehr verdient natürlich,

[00:05:32]  aber die haben das also locker und vor allem waren die unheimlich folgsam [lacht]

[00:05:37] Wo ich ja auch arge Probleme [lacht] gehabt habe.

[00:05:42]  Und [lacht] die habe ich aber bis heute noch [lacht].

[00:05:46]  Auf jeden Fall ist es so gewesen, dass das nachher ganz gut passt hat.

[00:05:51]  Und das Schwierige war ja am Anfang, sind wir ja in der alten Wache und zwar im Rathaus zwischen altem und neuen Rathaus,

[00:06:00]  da drinnen im Hof.

[00:06:02]  Und ich bin eigentlich schon ein bisschen im privaten Bereich ein bekannterer Typ gewesen [lacht].

[00:06:09]  Und da hat man am Samstag immer mit dem Besen, die jungen kehren müssen, den Hof kehren und so weiter.

[00:06:17]  Und da war ich ständig beim Laufen.

[00:06:19]  Weil kaum habe ich von der Entfernung jemanden gesehen, der was also mich kennt, dann habe ich mich [lachend] sofort versteckt hinter der nächsten Tür [lacht].

[00:06:28]  Zum Beispiel war ja das, die Wachkommandanten, aber vor allem die Dienstleiter, das waren ja alles

[00:06:38] also so, vom Militär her noch so Unteroffizier und so Zeug.

[00:06:43]  Auf alle Fälle auf [lachend] der scharfen Seite.

[00:06:46]  Und da hat beispielsweise, haben wir so einen kleinen Wagen gehabt, die "Katz" hat das geheißen.

[00:06:51]  Das ist ein Opel Blitz gewesen, mit der klaren Ladeflächen.

[00:06:55]  Und da sagt der Heiss [Schreibweise ungewiss], der war der Dienstleiter und der sagt zu mir am Abend, du, da oben verliert einer Benzin,

[00:07:04]  bei der Servitenkirche, da bei der Triumphpforte oben, ich soll raufgehen.

[00:07:10]  Und mit zwei Kübel Sand nicht.

[00:07:13]  Und das ausgelaufene Benzin da neutralisieren, damals hat man Sand [lachend] hergenommen, nicht.

[00:07:20]  Und nachher sag ich ja, dann nehme ich gleich die Katz, dann sage er zu mir, nein, nein, da soll ich zu Fuß aufgehen.

[00:07:26]  Und dann hab ich gesagt, ich gehe da nicht zu Fuß rauf.

[00:07:28]  Ich wär nie raufgegangen, vorher wär ich wieder, von der Feuerwehr weggegangen.

[00:07:32]  Und dann hat er einen anderen raufgeschickt.

[00:07:35]  Aber auf alle Fälle habe ich dann, wenn wir den Kurs fertig gehabt haben, die Grundausbildung,

[00:07:41]  dann hat es so eine Benotung gegeben.

[00:07:43]  Und gleichzeitig haben die Absolventen durchgekommen, ist eh jeder.

[00:07:48]  Und die haben dann den ersten Stern gekriegt.

[00:07:52]  Also war praktisch Feuerwehrmann, offiziell.

[00:07:55]  Und [lacht] da waren noch zwei, die nicht... also unangenehm aufgefallen sind, mit anderen Sachen, nicht.

[00:08:02]  Und nachher sind wir drei, wir kamen also nicht dran.

[00:08:06]  Und dann haben sie irgendeinen Wurm drinnen gehabt, dann haben wir drei einen Stern gekriegt [lacht],

[00:08:10] und die einen nicht [lacht].

[00:08:12] [Lachen] Es ist drunter und drüber gegangen.

[00:08:16]  Und vor allem, also eine mords Gaudi [Dialekt für Spaß], weil da sind ja viele Frauen,

[00:08:20]  sind da, also hin und her spaziert.

[00:08:23]  Hauptsächlich wegen den Feuerwehrmännern, nicht wegen uns, uns Jungen da,

[00:08:27]  sondern eher mit den Mittelalterlichen bis Alten [lacht].

[00:08:31]  Und da hat es immer viel Spaß gegeben.

[00:08:36]  Das war ja, also im Privatbereich, war es ja so,

[00:08:39] zur damaligen Zeit bin ich aus einer Wohnung rausgekommen,

[00:08:42]  wo man nicht einmal ein eigenes Bad gehabt haben, ne.

[00:08:45]  Und da war also ein Boiler, eine große Dusche, eine aber nur,

[00:08:50]  und die war im neuen Mitteltrakt da zwischen den zwei Rathäuser.

[00:08:55]  Und da war mein ich ein 500 oder 300 Liter Boiler.

[00:08:58]  Und da bin ich [lacht] immer drinnen gewesen.

[00:09:01]  Und nicht mehr rausgekommen, bis sie mir einmal klar gemacht haben,

[00:09:04]  dass andere auch noch ein warmes Wasser brauchen [lacht].

[00:09:13] [Rotationsgeräusch] Matthias: Kannst du dich an den ersten Einsatz erinnern?

[00:09:16] Siegfried: Ja [lacht]. Matthias: Ja.

[00:09:18] Siegfried: Die Bocksiedlung ist abgebrannt.

[00:09:21] [lacht kurz auf] Also, und da haben wir kurz vorher die 4.000 Liter Tankfahrzeuge,

[00:09:27] also ein ganz Österreich hat es noch nirgends

[00:09:29] Tankfahrzeuge, wo so viel Wasser drauf war.

[00:09:33]  Und das ist, hat ja noch der Stolz in die Wege geleitet.

[00:09:36]  Und da ist die Bocksiedlung ab, also halb oder fast ganz abgebrannt.

[00:09:42]  Und da sind wir unten gewesen.

[00:09:44]  Und dann bin ich auch mit dem Tankwagen,

[00:09:46]  weil ich ja alle Führerscheine gehabt habe bis zum E.

[00:09:50]  Und obwohl ich noch so jung war, und das war nicht so häufig der Fall.

[00:09:54]  Und da bin ich unten mit dem Wagen gewesen.

[00:09:57]  Und dann ist der Stolz daher gekommen mit einem Reporter von der Tageszeitung.

[00:10:01]  Und hat gesagt, sagen Sie, Herr Nussbaumer,

[00:10:03]  hätten wir was machen können, ohne dass wir so viel Wasser haben.

[00:10:06]  Und da war ja da unten auch noch schwierig.

[00:10:08]  Der nächste Hydrant war weiß Gott wo.

[00:10:12]  Und dann haben wir natürlich gesagt, ja,

[00:10:14]  und er hat das dann auch gut verstanden.

[00:10:16]  Übrigens, war es der Angermeier der gleich sofort

[00:10:19]  alle mit einbezogen [hat], also damit wir populär werden.

[00:10:24]  Und wie der Angermeier, weiß ich ja über das Hubschrauberwesen,

[00:10:27]  also dass das europaweit also, [wir] sind bekannt gewesen.

[00:10:35] [Rotationsgeräusch] Matthias: Bei den ersten Jahren hast du den Grundlehrgang gemacht,

[00:10:38]  und dann den Chargenlehrgang wahrscheinlich?

[00:10:40] Siegfried: Ja, nach 10 Jahren. Also war das üblich nicht.

[00:10:43]  Also 9 oder 10 Jahre hat es, es war ja nicht alle Jahre ein Chargenlehrgang.

[00:10:47]  Jetzt ist das ausgegangen, der Großteil von uns hat das mit 10 Jahren gemacht.

[00:10:52]  Neun oder zehn Jahre war das.

[00:10:54]  Bei der Feuerwehr.

[00:10:55]  Da habe ich übrigens beim [lachend] Anfang, beim Grundlehrgang,

[00:11:00]  da habe ich eigentlich nicht viel gestrebert [intensiv lernen] und nichts.

[00:11:04] Und dann hat es geheißen, bei einzelnen Beförderungen,

[00:11:07] das geht der Reihe nach, wie einer abgeschlossen hat.

[00:11:11]  Und nachdem ich ja noch zusätzlich, also eigentlich,

[00:11:14]  da bestraft worden bin, für das, dass ich mich nicht so aufgeführt habe [lacht]

[00:11:19]  Also, da habe ich mir gedacht, das passiert mir nicht mehr.

[00:11:23]  Und habe also wirklich auf einen Chargenkurs gelernt, fest.

[00:11:32] [Rotationsgeräusch] Matthias: Und wie ist eure beider Erinnerung an den Retterwerk [Schreibweise ungewiss] Brand?

[00:11:36]  Weil das ist ja doch einer der größten Brände in der jüngeren Stadtgeschichte gewesen.

[00:11:40] Siegfried: Ja, der größte war an und für sich schon fast der, die Bocksiedlung.

[00:11:44]  Aber Retter war ja auch, das war ja beim Wifi, da hinten außen, das war ja gewaltig nicht.

[00:11:50]  Und da haben wir mit den Gasflaschen auch so Probleme gehabt,

[00:11:53]  die haben wir ja nachher in den Inn reingehängt, Propangas, nicht Propangas,

[00:11:56]  sondern das Acetylengas.

[00:11:58]  Und die hat man dann zum Kühlen in den Inn reingetan.

[00:12:01]  Das war auch zur damaligen Zeit,

[00:12:03]  dass eh, mit dem Propangas in Salzburg bei der Berufsfeuerwehr,

[00:12:07] war so ein arger Einsatz, da haben sie auch bei einem Lager von... so ein Propan-Lager,

[00:12:13]  haben sie gespritzt und da sind ein paar Flaschen auch explodiert.

[00:12:19]  Und da waren noch drei Tote oder was ne,

[00:12:21]  ich war eh da unten mit dem Chef auch.

[00:12:23]  Also, oder aber ein Einsturz, weil wir jetzt gerade beim Einsturz,

[00:12:27]  aber nicht Erdbebenmäßig, sondern bei der Olympia-Straßen,

[00:12:31]  wie das Haus gebaut worden ist.

[00:12:33]  Und dann, da waren wir zuerst im Dienst, unser Zug.

[00:12:36]  Und da sind wir hingefahren.

[00:12:38]  Und da sind oben die Decken, weil sie zu schlecht [unverständlich] haben.

[00:12:41]  Also, und zu schnell weiter gemacht haben, da sind da zwei Stöcke,

[00:12:45]  Stockwerke sind da zusammen, also,

[00:12:48] gebrochen. Da waren, mein ich, zwei Tote,

[00:12:51]  aber auf alle Fälle es wurden viele interessante,

[00:12:57]  aber natürlich gravierende Einsätze.

[00:13:01]  Also, die ich nachher in weiterer Folge, wie ich beim Chef war, war es so,

[00:13:06]  dass der Chef immer... hat er gesagt, ich bin ja [unverständlich] erst ausgebildet gewesen,

[00:13:12]  obwohl ich nicht rein wollte, in die Zentrale.

[00:13:15] Aber er hat gesagt er braucht einen, also einen Fahrer,

[00:13:18]  der was genau schon von Anfang an Bescheid weiß.

[00:13:21]  Und wenn jetzt das da rund geht, nachher kann ich ihm gleich berichten,

[00:13:25]  wie es ausschaut, und dann sagt er, nein komm gleich, hol mich

[00:13:29]  das schaut er sich selber an

[00:13:31]  und übernimmt natürlich ab sofort dann die Einsatzleitung.

[00:13:35]  Und hat aber in die Nachricht nicht so gepasst,

[00:13:39]  weil die haben mich teilweise zuerst nicht rein gelassen,

[00:13:43]  weil der eine oder andere, ja Stress ist auch da drinnen

[00:13:46]  und fühlt sich nachher kontrolliert.

[00:13:48]  Und ich war ja, also dadurch, dass ich so eine Nähe gehabt habe,

[00:13:52]  zum Chef haben ja viele gemeint,

[00:13:55] also, wir waren am Ende bis zum Schluss halt noch per sie.

[00:13:59]  Also, er nicht, er war mit mir per du, aber ich mit ihm per sie.

[00:14:02]  Und ich habe das auch für richtig empfunden,

[00:14:05]  weil ich habe das gesehen, also mit einzelner [unverständlich] und so weiter.

[00:14:10]  Also, da traust du dich viel mehr zu sagen,

[00:14:14]  wenn du jetzt verärgert bist, und es ist zwischendurch etwas,

[00:14:17]  was ärgerlich ist, nicht?

[00:14:19]  Und da ist ein Unterschied, ob du per du bist oder per sie bist.

[00:14:23]  Also, genauso wie ich mit den Sekretärinnen, also immer per sie war,

[00:14:27]  obwohl ich sehr viel natürlich mit ihnen zu tun gehabt habe,

[00:14:30]  damit schon ein gewisser Abstand ist,

[00:14:33]  weil es sind ja dann zwischendurch gesellschaftliche Sachen.

[00:14:38]  Und das war für mich immer etwas, Dienst ist Dienst.

[00:14:42]  Und ja.

[00:14:44] [Rotationsgeräusch] Matthias: Du hast ja mehrere Branddirektoren erlebt,

[00:14:49]  wie ist denn deine Erinnerung an den Stolz, an deinen ersten Branddirektor?

[00:14:52] Siegfried: Der Stolz war also ein dominanter, richtiger Militarist.

[00:14:58]  Also, und dadurch, dass ich also über den Stolz reingekommen bin,

[00:15:04]  durch meine Mutter, bin ich gleich von Anfang [lacht] an,

[00:15:08]  wo normalerweise die Offiziere, haben ihn geführt, und gefahren, ned.

[00:15:13]  Und ich bin als junger, als Feuerwehrmann, bin ich also auch Kommandofahrer,

[00:15:18] also, Springer gewesen, nicht hauptsächlich.

[00:15:21]  Und der Moser Heinz zum Beispiel, wo ich auch Kommandofahrer [lacht].

[00:15:24] [lachend] Der hat sofort gesagt aus, der macht nicht mehr Kommandofahrer.

[00:15:28]  Da hat es noch den Opel Blitz gegeben, den grünen da, ned.

[00:15:32]  Und dann hat es, also da ist der BMW, bald mal dahergekommen,

[00:15:37]  aber auf alle Fälle war des... bin ich da raufgefahren und, also zum Abholen,

[00:15:43]  in der Andreas-Hofer-Straße hat er gewohnt.

[00:15:45]  Und dann bin ich zugefahren und bei der Gehsteigkannte ganz nah

[00:15:50]  und habe dann am Fahrersitz gewartet

[00:15:55]  Und wenn er gekommen ist, habe ich nachher die Tür von innen aufgemacht.

[00:15:58]  Dann hat er gesagt, aber Herr Nussbaumer,

[00:16:00]  Sie müssen mir schon die Tür von außen aufhalten. Dann sagte ich,

[00:16:04] also, wenn ich da sitze und bis ich da rausgekommen bin,

[00:16:08]  dann geht es ja so viel schneller [lachen].

[00:16:12] Und dann hat gesagt, nein, hat er gesagt, also, das bin ich gewohnt, das möchte ich haben.

[00:16:18]  Dann habe ich mir gedacht, ja, oft fahre ich eh nicht.

[00:16:21]  Damals bin ich nur [lachend] ausnahmsweise gefahren.

[00:16:23]  Und dann bin ich viel zu rasant gefahren.

[00:16:26]  Wenn ich die Andreas-Hofer-Straße oder was runtergefahren,

[00:16:28] und er hat gesagt, Herr Nussbaumer, Sie fahren ja viel zu schnell.

[00:16:33] Dann sagte ich, wieso, ich darf ja eine 50er fahren.

[00:16:36] Ja, aber wenn da ein Kind herausspringt, also hinter den Autos.

[00:16:40]  Da habe ich gesagt, ja, [lachend] nachher kann ich mit 20 gefahren,

[00:16:44]  Nur [unverständlich].

[00:16:46]  Oder ins Eisstadion ist er immer gefahren, ned.

[00:16:49]  Und dann ist er, da wenn man die Konzert-Kurve gefahren sind,

[00:16:53] der Ruetz, der was normalerweise der Fahrer war,

[00:16:56]  hat frei gehabt und ist mitgefahren, damit er nichts zahlen braucht.

[00:16:59]  Und nachher über die Kurven [lacht] hat es den Chef so umgehauen,

[00:17:05]  Und [lacht] nachher hat er hinten gesagt, ich kann doch nicht so schnell fahren.

[00:17:11]  Und dann hat er einmal abgebrochen, dann war ich nicht mehr, da war ich froh.

[00:17:17]  Nein, da war noch eine... Ein Kapitel, ich habe ja einen Jagdschein gemacht.

[00:17:21] Also, in jungen Jahren.

[00:17:23]  Und nachher hat er einmal gesagt, sie sind doch Jäger auch.

[00:17:27]  Und dann sagte ich, ja, und er sagt... Also damals war ich noch in Kematen und

[00:17:31] haben ihn beim Land gemacht, beim Stöckl [Schreibweise ungewiss].

[00:17:33]  Auf jeden Fall sagte er, ja, dann kommen sie morgen in den Jägerdressen.

[00:17:38]  Also in der Jagdkleidung.

[00:17:41]  In der Frühe bin ich unten gestanden, bei den [lachend] uninformierten mit der Jägerkleidung.

[00:17:47]  Und habe mir gedacht, das geht ja gut, ned.

[00:17:50]  Und dann bin ich in der Jagd, auf Ampass aus

[00:17:53] sind sie auf die Hasen oder was,

[00:17:54]  und zu mir hat er gesagt, Herr Nussbaumer, sie müssen den Funk besetzen.

[00:17:58]  Ich bin nur am Auto drin gehockt.

[00:18:00] [schallendes Gelächter] Ein Wahnsinn! [lachen]

[00:18:05] [Rotationsgeräusch] Matthias: Wenn wir nochmal zurückkommen zum engeren Feuerwehrdienst,

[00:18:11]  dann ist natürlich das Thema Hubschrauber, bei euch beiden, sehr prägend gewesen.

[00:18:16]  Oder? Für die Feuerwehrdienstzeit.

[00:18:18]  Vielleicht kann der Siggi kurz erzählen, also der Nalter Siggi,

[00:18:22] wie ist es zum Flugdienst bei der Feuerwehr gekommen.

[00:18:24] Siggi N.: An und für sich hat das der Branddirektor Angermeier ins Leben gerufen.

[00:18:30]  Und zwar sind wir da einmal nach Deutschland hinaus,

[00:18:35]  und die haben mit dem Hubschrauber was angefangen.

[00:18:39]  Und da ist auch der Gruber Willi [Schreibweise ungewiss] mit gewesen,

[00:18:42]  und da sind wir mit unserem Rettungsnetz raus

[00:18:46]  und da sind wir, beim... Da sind wir mit... eh, beim ORF, nicht beim ORF, [lacht kurz] sondern beim deutschen Fernsehen,

[00:18:55]  haben wir nachher da eine Präsentation gemacht.

[00:18:57]  Und da haben sie nachher draußen gesagt, sie möchten gerne reinkommen

[00:19:01]  und möchten gerne von uns die Sachen alle übernehmen.

[00:19:05]  Was wir in der Zwischenzeit ja noch gemacht haben.

[00:19:09]  Weil sobald wir das Rettungsnetz gehabt haben,

[00:19:13]  und das Rettungsnetz ist jetzt daraus entstanden,

[00:19:16]  wir haben ja da einen Ring gehabt, wo wir vier Leute angehängt haben.

[00:19:21]  Und da hat sich das Bundesheer uns nachher mit dem Ring transportiert.

[00:19:26]  Das war ja eine heikle Sache bis da hinaus.

[00:19:30] Siegfried: Mit dem Hauptmann Prader nicht?

[00:19:32] Siggi N.: Mit dem Hauptmann Prader, ja.

[00:19:34]  Und da war gerade die Mondlandung.

[00:19:38]  Und die, wie sie zurückgekommen sind,

[00:19:42]  sind sie im Meer gelandet mit der Kapsel.

[00:19:45]  Und da, das haben sie im Fernsehen gebracht.

[00:19:49]  Und da hat man gesehen, da haben da so ein Netz,

[00:19:52]  da sind die Astronauten rein gestiegen in

[00:19:54]  das Netz und sind mit dem Hubschrauber weggeflogen.

[00:19:58]  Und das hat der Angermeier gesehen.

[00:20:00] Er ist am nächsten [lacht kurz] Tag zu mir gekommen

[00:20:02]  und hat gesagt, du, stell dir vor

[00:20:04] da gibt es etwas mit dem Hubschrauber.

[00:20:06]  Jetzt haben wir uns nachher gekümmert, wo das her ist.

[00:20:11]  Der Angermeier hat nämlich mit Amerika, hat er,

[00:20:14] dann haben sie gesagt, sie wissen nicht,

[00:20:16]  das ist, glaube ich, irgendwo von der Schweiz.

[00:20:19]  Und da sind wir nachher auf das gekommen,

[00:20:21]  dass in der Schweiz eine Firma war,

[00:20:24]  die die Rettungsnetze hergestellt hat.

[00:20:26]  Und da haben wir nachher gleich zwei

[00:20:28] solche Rettungsnetze angekauft.

[00:20:30]  Und in der Zwischenzeit hat die Firma Brüggemann und Brandt,

[00:20:34]  in Vorarlberg, hat das quadratische Netz erzeugt.

[00:20:38]  Und das war der Vorteil,

[00:20:40]  dass man das hat können [klatscht in die Hände] zusammenklappen

[00:20:42]  und das hat man können in den Hubschrauber reintun.

[00:20:44]  Mit dem Rund Netz hat müssen der Hubschrauber überall,

[00:20:48]  wo er hingeflogen ist,

[00:20:50]  dass er etwas zu tun gehabt hat,

[00:20:52]  hat er überall nur mit Außenlast fliegen

[00:20:55] können. Und so hat man es reintun können.

[00:20:58]  Was uns natürlich zugutegekommen ist,

[00:21:01]  das war 1978, die Brände die waren.

[00:21:04]  1978 war ja ein Jahr,

[00:21:07]  wo es ziemlich warm war

[00:21:10]  und fast nicht geregnet hat.

[00:21:13]  Und da ist es so, da ist es angegangen mit uns,

[00:21:16]  was öfter der Fall war,

[00:21:18]  nicht wo wir aufhören müssen,

[00:21:20]  das ist der Hechenberg.

[00:21:22]  Und zwar war das Hauptsächlich das Brandfeier,

[00:21:25]  und zwar durch die Züge, die runter gefahren sein,

[00:21:28]  die haben so ein Flugfeuer gehabt beim Bremsen [Siegfried sagt gleichzeitig: Beim Bremsen]

[00:21:31]  Und da ist hauptsächlich an der Baumböschung

[00:21:35]  abgebrannt worden, ne.

[00:21:37]  Und das war nachher,

[00:21:40]  der Brand, der bis Zirl rausgegangen ist,

[00:21:44]  da war nachher der Landessbranddirektor

[00:21:46]  der Bartl [Schreibweise ungewiss] da,

[00:21:48]  und der hat dann gesagt, wisst ihr was wir holen

[00:21:50]  die Pilatus Porter

[00:21:52] von der Schweiz. Und dann sind da von der Schweiz

[00:21:54] zwei Pilatus Polter gekommen

[00:21:57]  und die haben nachher angefangen löschen. Das war

[00:21:59]  wirklich, das war

[00:22:01]  für uns ideal

[00:22:03] und super. Nur ist es so gewesen,

[00:22:06] mit dem Flugzeug,

[00:22:08] der das noch ausgelöscht hat,

[00:22:10] war das halt nur mal so ein leichter Spritzer,

[00:22:12] Spritzer, was nachher am Boden

[00:22:15] aufgekommen ist. Dann hat der Angermeier

[00:22:18] eigentlich gesagt, nein, da müssen wir was anderes tun.

[00:22:21] Nehmen wir mal solche Plastik Ballone

[00:22:23]  oder Plastik Schläuche

[00:22:26]  die füllen wir mit Wasser und die werfen wir nachher oben ab.

[00:22:28]  Das ist auch nicht schlecht gewesen.

[00:22:30]  Das haben wir nachher eben beim nächsten Brand nachher gemacht.

[00:22:33]  Nur ist der einzige Fehler gewesen,

[00:22:35] bei so einem Waldbrand ist ja unbedingt auch

[00:22:38]  Bodenarbeit notwendig.

[00:22:40] Und das waren ca. 4 bis 500 Kilo,

[00:22:44]  was der da abwerfen hat muss.

[00:22:46]  Und wenn du unten einen erwischst,

[00:22:48]  der ist es weg.

[00:22:50]  Somit war es das auch nachher nicht.

[00:22:52]  Und der gleiche, der das erste Netz erfunden hat

[00:22:55]  in der Schweiz, hat nachher so einen Behälter gehabt.

[00:22:58]  Und zwar sind wir nachher extra in die Schweiz rausgefahren

[00:23:03]  und haben uns dann so einen Behälter angeschaut.

[00:23:06]  Und der Angermeier hat sofort drei Behälter bestellt.

[00:23:09]  Da hat es nämlich verschiedene Größen gegeben.

[00:23:11]  Und wir haben auch den 1600er

[00:23:14] Behält nachher genommen und das war nachher zum Löschen eine ideale Sache und zwar deshalb schon,

[00:23:20]  weil er auch selber auftanken hat können, im Inn oder bei einem See usw.

[00:23:25]  Und das war nachher der Beginn praktisch von der Waldbrandbekämpfung.

[00:23:31]  Die Hochhausbrandbekämpfung wie er gesagt hat, das ist ja daneben gelaufen, aber Hauptsache war das,

[00:23:36]  die Waldbrandbekämpfung die eben da, das wesentliche nachher war, dass wir dann mit den Hubschrauber so gearbeitet haben.

[00:23:44]  Wir sind natürlich in der super Lage gewesen, das ist keine einzige Feuerwehr sonst gewesen,

[00:23:50]  dass wir zum Beispiel sechs Hubschrauber von Haus aus in unserem Bereich gehabt haben.

[00:23:55]  Das waren die zwei Militärhubschrauber unten in Schwaz, ne.

[00:24:03]  Dann waren es die zwei, die waren für uns die besten, das war die private Firma, die Firma Aircraft,

[00:24:10]  die hat zwei [unverständlich] gehabt und dann war noch der Polizeihubschrauber und ÖAMTC hat auch noch den Hubschrauber gehabt.

[00:24:20]  Und alle waren sich bereit mit uns das zu entwickeln und das war nämlich das,

[00:24:25]  dass dadurch sind wir in ganz Europa, du bist sogar nach Jugoslawien einmal runter. Siegfried: Jaja, bin ich.

[00:24:32] Also, [unverständlich] fest herum.

[00:24:35]  Also, Stuttgart zum Beispiel, da waren wir ja, da warst du ja auch dabei einmal.

[00:24:40]  Und das nächste Mal hat der Chef gesagt, du sollst ja raufahren, du hast gesagt du fährst nicht rauf,

[00:24:45] und dann bin ich gefahren, also bin ich allein gefahren,

[00:24:49]  weil das war überhaupt ein [unverständlich] [lachend] bei den Slowenen war, keiner wollte fahren.

[00:24:54]  Und nachher hat der Chef gesagt, Siggi außerdem, ich habe es ja gerne getan, muss ich sagen,

[00:24:59]  und dann habe ich gesagt, aber mit der Sprache, dann er hat gesagt, ja, du hast einen Dolmetscher dabei,

[00:25:04]  ja, nachher ist es überhaupt kein Problem, auch zum Vortragen und alles.

[00:25:07] Also, dann bin ich da hin gekommen zum Beispiel und da waren sie auch von Slowenien, von Kroatien

[00:25:13]  und so sind sie herum und zwar einer.... der... ein Landesfeuerwehrkommandant und ich als Referent.

[00:25:23]  Wir sind als einzige gewesen, die in einem Hotel untergebracht waren [lacht kurz]

[00:25:28]  und die anderen sind alle in ein Massenlager, in einer Schule drin,

[00:25:31]  da haben sie die Pritschen gehabt [räuspert sich]. Aber ich war der Einzige, der was nur Silber oben gehabt [lacht] hat,

[00:25:37]  und die anderen waren alle Goldig [räuspert sich].

[00:25:40]  Aber auf alle Fälle hat mir das ganz gut gepasst

[00:25:43]  und vor allem sind es drei oder vier da gewesen und das war recht gut.

[00:25:48]  Überall, wo wir [hin]gekommen sind, und wie gesagt, ich habe nur von der Praxis

[00:25:52]  geredet, bin schon in dem Fall, habe ich nachher von der Theorie auch geredet,

[00:25:55]  bei der Ausbildung für die unseren Leute oder Freiwillige, oder was

[00:25:59]  da haben wir sowieso einen Referent, wie für alles andere auch gehabt

[00:26:04]  und da waren wir eh dauernd beieinander.

[00:26:07] Nur ist es so, zum Beispiel also Stuttgart da oben, da war es ja so,

[00:26:14]  da sind sie ja alle dahergekommen, alles mit Medaillen und "Glump" [Dialekt für Schrott/Plunder] oben

[00:26:18]  und nachher, da haben die Amis, die haben nämlich einen 5.000er,

[00:26:22] Simsbehälter [Schreibweise ungewiss] gehabt. Also die haben 5.000  und 10.000 Liter Behälter,

[00:26:29]  mit riesen Hubschrauber dahergebracht und da haben sie so Wurzelstock,

[00:26:34] haben sie in den Waldschneisen, haben sie uns unten mit Benzin zuerst

[00:26:37] überschüttet, und wir sind mit dem Bus immer nachgefahren

[00:26:41]  und dann hat es geheißen aussteigen und jetzt schauen, und nachher

[00:26:44]  einmal, ich kann mich noch gut erinnern, bin ich auch dagestanden,

[00:26:47]  wir waren auf dem Weg zum Schauen, dann ist einer [lacht kurz]

[00:26:50]  dahergekommen, und dann habe ich mir gedacht, ja, harte Zeiten,

[00:26:53]  der löscht also das Wasser, also das kann nur auf von uns,

[00:26:59] [lachend] da bin ich gerannt, als ein einziger, wie ein Esel.

[00:27:02] Und ich habe nur ein paar Tropfen draufgekriegt

[00:27:04]  und die ganzen Goldigen,  [lacht] die waren fetz nass.

[00:27:09]  Aber wir haben ja einen mords Spaß gehabt beim Heimfahren und so weiter,

[00:27:13]  also damals war der Jilk [Schreibweise ungewiss] noch, da hat es ja gestürmt und geschneit beim runterfahren,

[00:27:18]  als wir das erste Mal da oben waren, da war der Chef, du

[00:27:21]  und der Jilk sieht zwei hinten drin, aber schon ganz in schlechtesten Verhältnissen

[00:27:28]  und noch die Nacht zum Heimfahren und ich hab kein Wort geredet,

[00:27:32]  aber gefahren, wie ein wilder, und der Jilk hat gesagt nachher,

[00:27:36]  er hätte nicht geglaubt dass er lebend nach Hause kommt. [alle lachen]

[00:27:39] Nein, da war ich halt immer schon auf der riskanten Seite,

[00:27:44]  aber ich habe halt allemal ein Glück gehabt, das gehört ja dazu ned,

[00:27:48]  und das Reaktionsvermögen habe ich erfreulicherweise heute noch.

[00:27:52] [Rotationsgeräusch] Matthias: Wie bist du eigentlich zum Flugdienst gekommen?

[00:27:58]  Hast du selber dich freiwillig gemeldet oder hat einer mal gesagt...

[00:28:01] Siegfried: Ich war ja überall dabei, ned. Also und er hat ja gewusst, also dass ich da Interesse habe.

[00:28:07]  Ich bin ja blöderweise, also wenn wir den [unverständlich] da vorgeführt haben,

[00:28:13]  da habe ich gesagt, da bin ich eh nicht im Dienst und geh gar nicht rein.

[00:28:18] Weil bei mir ist die Gefahr, dass ich noch auch runterspringe.

[00:28:21] Vom Schlauchturm 30 Meter und der ist 7 x 7 da unten.

[00:28:25]  Und dann hat es mir aber keine Ruhe lassen, es war in der Zeitung

[00:28:29]  und überall war das schon angekündigt und war da ein Haufen Zuschauer

[00:28:33]  und ich bin bei der Tankstelle hin, neben dem Hof bin ich zuerst gestanden

[00:28:37]  und dann ist der, so ein „Dressmann“ [Dialekt für Vorführer] runter gesprungen und hat das vorgeführt.

[00:28:45]  Also und wie ein Magnet hat es mich immer mehr vorgezogen.

[00:28:49] Und dann hat der Chef natürlich nichts Besseres gewusst

[00:28:52]  als wie zu mir gesagt, was ist Siggi, wäre das nichts für dich? [lacht kurz]

[00:28:57] "Allerweil" [Dialekt für immer], der hat alles erwartet von mir.

[00:29:01]  Also, [lacht kurz] und ich habe ja nicht einmal da nein gesagt, aber das war ja, da habe ich mit meinem Leben gespielt,

[00:29:07]  hinten nach betrachtet. Auf jeden Fall sagt nachher der Burkhart Walter [Schreibweise ungewiss], ein junger,

[00:29:13]  auch ein riskanter Bursche, also aber mindestens 10 oder 15 Jahre jünger wie ich,

[00:29:18]  wie ich es damals war, er schaut es sich an, ned, dann habe ich gesagt

[00:29:22] ja, ja, anschauen, können wir es uns ja,

[00:29:24]  dann sind wir rauf mit der Bühne und dann sage aber, der was gesprungen ist,

[00:29:28] hat er gesagt, aber ihr springt eh nicht? Nein, nein, ich hab gesagt

[00:29:32] wir schauen nur, ned. [lacht]

[00:29:35] Nachher... Also, stehst du da oben auf der Kante ned, dann habe ich mir gedacht,

[00:29:40]  da springe ich nie runter, also das war schon für mich kein Thema.

[00:29:43]  Und dann aber der Burkhart Walter hat gesagt, er springt, ned.

[00:29:47] Dann habe ich gedacht, nein das ist ja ein Wahnsinn, und er hat dann gesagt,

[00:29:50]  da müssen wir ja aufpassen, ja nicht wegspringen, weil automatisch,

[00:29:54]  wenn du runterspringst, und da ist Windstill, nachher gehst nach vorn ne.

[00:30:00] Und wenn du jetzt weiter oben schon zu weit wegspringst, nachher springst du über den

[00:30:04] Polster raus oder auf die Kanten, ned. Außerdem darfst du die Füße nicht zu früh

[00:30:09] raus tun, weil sobald du die Füße raus tust,

[00:30:12]  möglichst sollst du ja flach aufkommen, ne.

[00:30:14]  Und dann kommst du in eine Drehbewegung, ned. Aber das gehört alles vom

[00:30:19] zweiten, dritten Stock, angefangen. Und nachher geht der Burkhart runter

[00:30:24]  und springt da runter und der steigt aus, nachher

[00:30:28]  da habe ich mir gedacht, der ist der Wahnsinn.

[00:30:30]  Und wenn ich vorgegangen bin und wieder zurück, dann haben sie gesagt "wuuuh".

[00:30:34] [lachen] Ja quasi, ja das ist überhaupt das Wildeste, wenn es heißt,

[00:30:39]  nachher du bist ein Feigling, oder was? [lacht]

[00:30:42]  Dann bin ich auch gesprungen, und ich bin aber eigentlich ein Körper bedankt,

[00:30:47]  weil durchs Tunen und alles gut, ned, aber hab die Füße zu früh raus getan

[00:30:53]  und bin nachher in eine Drehbewegung gekommen und bin nachher mit

[00:30:57]  den Schulterblättern reine und so hat es mir dann die Füße also auf die

[00:31:02]  Brust gehaut, dass ich momentan keine Luft gekriegt habe, aber ich bin

[00:31:07]  nachher rausgekrochen, hab aber gesehen, also das ist der helle

[00:31:13]  Wahnsinn. Die Hosen, wir haben beide, weil wir in Zivil waren, das wäre

[00:31:16] ja kein Dienstunfall nichts gewesen, kreuz und quer war die

[00:31:20]  bei der... war, ist ja so ein Aufschlag, kreuz und quer, nicht nur

[00:31:24] die normale Naht, sondern war der Hosen aufgeplatzt, ned, also,

[00:31:28]  aber nichts desto trotz sagt er, ja vom vierten Stock

[00:31:32]  kann man zu zweit runterspringen, und da bin nachher ich wieder dabei,

[00:31:37]  also allerdings, es ist ja keine Höhe, und da habe ich mal gewusst

[00:31:41]  dass das mit den Füßen, [lachend] dass das dann passt, dass ich die richtig

[00:31:45]  raus tue und bin da runtergesprungen und da hat mir auch er, also

[00:31:49] der Stuntman da, vorher springen lassen, vernünftigerweise ned,

[00:31:53]  weil da haut es dir noch die Hand raus, und wenn er jetzt also da

[00:31:58]  schon unten ist, dann haue ich ihm womöglich die Zähen raus oder was,

[00:32:02]  ned, also, aber das war überhaupt kein Problem, ned. Aber ich sage

[00:32:05]  nur, jetzt vorher schon das Glück, und dann wieder, überhaupt

[00:32:10]  wenn ein Publikum da war, nachher [alle lachen].

[00:32:14] Matthias: Und beim Hubschrauberdienst, du hast ja auch spektakuläre Einsätze hinter dir,

[00:32:19]  also du bist, seit dem Unglück am [unverständliches Geflüster].

[00:32:22] Siegfried: Ja, ja. [lachend] Also das war ja auch wieder, da habe ich mir selber das

[00:32:26]  Leben gerettet also [lacht]. Und das war nämlich in Zivil,

[00:32:30]  weil, also, da hat es so geheißen, da war er auch im Dienst

[00:32:35]  und ich, und dann hat der Schäfer ein Durchsage gemacht, also

[00:32:40]  wir sollen rauf kommen ins Büro, und dann hat er uns gesagt,

[00:32:43]  jetzt kommt wahrscheinlich ein Einsatz, also in der Fendels-Seilbahn,

[00:32:46]  oben, weil da ist, also die Seilbahn hat ein Seilüberschlag gehabt,

[00:32:50]  aufgrund von der Kälte ned, weil sie Trag und das Zugseil scheinbar

[00:32:54]  an geeist gewesen ist, und dadurch wird sie ja sofort abgestellt,

[00:32:58]  weil sonst schneiden sich ja die zwei Seile ab, ned.

[00:33:02]  Und die sind aber jetzt schon eineinhalb oder zwei Stunden lauter voll besetzt

[00:33:05]  mit Kindern, also Schülern, ned, also Skischüler,

[00:33:09]  und der einzige Erwachsene ist ein Skilehrer und ein Gondelführer,

[00:33:14]  und die sind da oben drin, und die gehören runter geholt ned,

[00:33:18] Und sie wissen, dass wir also da das Netz haben und so weiter,

[00:33:22]  und nachher sagt uns das der Chef, er sagt aber

[00:33:25]  er muss aber zuerst mit dem Bürgermeister reden,

[00:33:28]  damals war der Nische [Schreibweise ungewiss] wenn mich nicht alles täuscht,

[00:33:31]  und dass er nachher da die Genehmigung gibt, ned, weil dienstlich, ned,

[00:33:35]  und das ist ja auch so ein Schutzbereich, und ich habe gesagt

[00:33:39] ja und ich fahre gleich raus und richte alles her, und dann kann

[00:33:43]  er mich immer noch über Funk Bescheid geben, ned. Nachher war es so, ja, es ist nichts,

[00:33:48]  dann hat er... Ist er nicht mit rausgefahren, ned, weil auf alle Fälle der Nische

[00:33:52]  gesagt hat, nein, da gehen wir... Da fahren wir nicht raus.  Bin ich allein rausgefahren

[00:33:56]  mit den Gerätschaften und nachher ist der Habinger Gilbert [Schreibweise ungewiss],

[00:34:00]  der war ja vom Christophorus da zuständig ned, und [räuspert sich] dann habe ich gesagt,

[00:34:04]  aber ich fliege nicht mit, aber die ganzen Gerätschaften habe ich mit,

[00:34:07]  und dann hat er gesagt, nachher bleibt er da ned, also weil von ihnen hängt sich

[00:34:11]  keiner da unten hin, von seine Techniker oder was, ned. Und damals war ja schon das,

[00:34:16]  dass wir aber die Sicherung gehabt haben, hinter den Lasthaken

[00:34:20] dass, weil es ist mitunter passiert, dass sie die Last verloren haben,

[00:34:24]  und dann haben wir gesagt, das Risiko gehen wir nicht ein,

[00:34:27]  dann machen wir ein Gehänge, dass wir hinter dem Lasthaken nochmal

[00:34:31]  so ein Gurt, spezial haben wir uns den anlegen lassen,

[00:34:34]  in den Ring rein mit zwei Karabiner, jetzt, wenn der Lasthaken

[00:34:38] aufgegangen ist, nachher hat er den nicht losgebracht, ned. Das war aber nicht

[00:34:42]  vorschriftsmäßig, weil beim Hubschrauber-Piloten ist das Wichtigste,

[00:34:46]  dass wenn er in Schwierigkeiten kommt, dass er die Last raus klingt,

[00:34:49]  und da haben wir gesagt, er macht das so, dass er nachher

[00:34:53]  im Schwebeflug abgeht, und dann läuft dann nur der Roter

[00:34:58]  und dann stellt er ihn dann so auf, zuerst dass er das Netz hinten reinhaut,

[00:35:03]  aber wir haben gesagt, nein, wir möchten das nur, wenn dahinten gesichert ist,

[00:35:07]  und das haben sie, also die Stoffhose, also die einzigen was das gemacht haben,

[00:35:12]  das hat es sonst also nur beim Innenministerium gegeben, bei der Seilbergung,

[00:35:17]  aber, da haben sie nur eine so eine Schlaufe gehabt, ned. Und da ist

[00:35:21] nur eine Person drangehängt. Und das haben sie nachher auch wieder aufgehört,

[00:35:25]  weil das ihnen zu gefährlich.

[00:35:27] Siggi N.: Und die [unverständlich]. Siegfried: Ja. Siggi N.: Weder das Bundesheer noch das Innenministerium.

[00:35:30] Siegfried: Ja, das Bundesheer hat es sowieso nie gemacht.

[00:35:32]  Auf jeden Fall war es so, dass man dann da rauf...

[00:35:36] und dann sagt er nein, dann fliegt er nicht rauf. Nachher rufe ich rein

[00:35:40] zum Chef, und sage, der fliegt nicht, und jetzt fliege ich aber mit.

[00:35:45]  Dann hat er gesagt, nein, weil dann bin ich...

[00:35:48] Nein, da muss ich mitfliegen, weil sonst fliegt keiner rauf.

[00:35:51]  Und das geht ja um ein Haufen Kinder da, ned.

[00:35:54]  Auf jeden Fall [räuspert sich] hat der Chef nachher, also über Funk durchgegeben,

[00:35:58] Zentrale, also Tonaufzeichnung, Nussbaumer ist ab sofort Dienstfrei gestellt.

[00:36:04]  Deswegen ist auch von der Stadt nie was gekommen

[00:36:06]  wegen meiner Lebensretter, mit ein und so weiter.

[00:36:08]  Auf alle Fälle sind wir dann raufgeflogen, und also da war damals,

[00:36:13]  wenn mich nicht alles täuscht, der Kneißel [Schreibweise ungewiss] als Pilot,

[00:36:18]  mit dem ich eigentlich keine Übungen gemacht habe.

[00:36:22]  Auf jeden Fall bin ich aufgeflogen, und dann habe ich gesagt,

[00:36:27]  das war jetzt aber schon ziemlich in der Nähe von der Stützen,

[00:36:30]  weil da hat das Seil so eine Schwingungen gekriegt

[00:36:35]  da war leichter, da war maximal ein Meter, oder was

[00:36:39] Abstand zwischen Tragseil und gegenüberliegenden Seil

[00:36:44]  und da rüber, weil das eine war nicht belastet, das eine.

[00:36:47]  Auf jeden Fall, höchst gefährlich, er hat zwischen den Seilen, hat er reinfliegen müssen,

[00:36:52]  und er hat auf den Rotor geschaut, und unten habe ich ihn eingewiesen,

[00:36:55]  weil ich den Funk eben gehabt hab, ned.

[00:36:58]  Und nachher hat er gesagt, möglichst kurz,

[00:37:01]  dann haben wir nur die 6 Meter genommen,

[00:37:05]  dann sind wir raufgeflogen, und ausgemacht haben wir,

[00:37:08]  dass wir zuerst nur drei Leute mit runternehmen probieren,

[00:37:11]  wie das funktioniert.

[00:37:13]  Dann sind wir raufgeflogen, das hat eigentlich geklappt,

[00:37:16]  und dann hat er sich, das war eine Kabine,

[00:37:19]  wie sie früher auch bei der Nordkettenbahn war, eine Tür

[00:37:21] zum Aufschieben, da zu, bin ich ein bisschen tiefer gewesen

[00:37:26]  und nachher habe ich aber dem Piloten gezeigt

[00:37:29]  er soll die Tür aufmachen, und drei Leute, nachher er

[00:37:32]  die drei Leute um und dann habe ich frei zum Abflug gegeben,

[00:37:37]  und da rührt sich nichts, ich habe überhaupt keine Verständigung gehabt,

[00:37:41]  und er hat mit mir aber auch nicht hinten nach betrachtet,

[00:37:45]  und nachher ist er irgendwann einmal losgeflogen, weggeflogen.

[00:37:50] Nein! Zuerst war es noch so, dann hat er so rattern angefangen,

[00:37:54]  auf und ab, und habe mir gedacht da hat er ein Problem, dann habe

[00:37:57]  ich zu dem Gondelführer die Tür wieder aufgemacht,

[00:37:59]  dann war ich schon in einer solchen Tiefen,

[00:38:01]  dass sie beim hinteren nachhelfen haben müssen,

[00:38:04]  dass die drei Leute wieder reinkommen,

[00:38:06]  und nachher zu und dann habe ich wieder gesagt, jetzt bin ich nur mehr alleine drin,

[00:38:09]  und er ist schon weg, ohne dass wir Funkverständigung gehabt haben,

[00:38:13]  Funkverständigung haben wir deshalb nicht gehabt,

[00:38:15]  weil, nachher sind wir draufgekommen,

[00:38:18]  die haben in dem Drahtseil eine Elektroleitung drinnen gehabt,

[00:38:21]  und wenn oben und unten, nachher dann hast keine Verständigung.

[00:38:24] Und aufgrund dessen haben wir das gewusst,

[00:38:26]  auf was man da auch aufpassen muss.

[00:38:28]  Auf jeden Fall ist er vor geflogen, aber auch gewackelt hat es und Ding.

[00:38:33] Und unten sind so Abweiskufen bei der Gondel unten drin,

[00:38:37]  dass wenn er einfährt, dass es da stabiler ist,

[00:38:40]  und da war am Eck sind die offen gewesen,

[00:38:43]  und dann hat er da eingefädelt mit dem Rettungsnetz,

[00:38:46]  eben mit dem Brüggemann, mit dem Rechteckigen,

[00:38:49]  und wollte wegfliegen, war voll auf Zug,

[00:38:51]  und ich bin drin gewesen und habe das gesehen,

[00:38:54]  und dann machst du ja Sachen, die sind nicht mehr bewusst,

[00:38:58]  sondern alle instinktiv, und wir haben ja so ein Tauchermesser,

[00:39:01]  haben wir mitgehabt, dass wenn irgendwas ist,

[00:39:04]  dass wir das kappen können.

[00:39:06]  Und jetzt ist oben auch also ein Rundling montiert,

[00:39:10] oder die Dachrinnen, das kann ich jetzt nicht mehr genau sagen,

[00:39:13]  wahrscheinlich war es auch rund,

[00:39:15]  weil da habe ich mich nachher aufgezogen,

[00:39:18]  und habe mir mit einer Hand gehalten

[00:39:20]  oder überhaupt nur gehalten

[00:39:23]  und nachher habe ich mit der Säge

[00:39:26] zuerst mit der Schneide, wollte ich die Gurte

[00:39:29]  die haben wir ja doppelt gehabt,

[00:39:31]  die haben 5.000 Bruchlast gehabt,

[00:39:33]  und habe aber... Mit der Schneide ist nichts gegangen,

[00:39:37]  und da habe ich das erste Mal, umgedreht

[00:39:39] und zack zack aufgrund dessen, weil ja da

[00:39:41] volle Spannung gehabt hat

[00:39:43] dann ist er weggeschossen, also wie ein Pfeil ned,

[00:39:46]  und ich habe mich da aufgeschwungen,

[00:39:48]  und da war alles total vereist da oben nicht,

[00:39:51]  und da, wie ich nachher oben war,

[00:39:53]  am Dach ist man erst die Düsen gegangen,

[00:39:56]  verstehst du? [lacht].

[00:39:58] Und dann habe ich mir gedacht, also nein, das ist,

[00:40:01]  also Wahnsinn aber jetzt muss ich da rein.

[00:40:04] Und dann hat er, der Gondelführer von innen,

[00:40:07]  das Luk, also in der Mitte aufgemacht,

[00:40:10]  dass ich oben einsteigen kann

[00:40:12]  und bis dorthin habe ich mich gefangen gehabt,

[00:40:15]  und ich habe mir gedacht, die dürfen ja nicht sehen,

[00:40:17]  dass mir die Düsen geht, ned, richtiger weise

[00:40:19]  weil ich bin ja der, der was ich denn [lachend] hilft.

[00:40:22]  Und dann bin ich da rein gestiegen,

[00:40:25]  habe ich zuerst gefunkt mit dem einen

[00:40:27]  mit dem Piloten, weil der hat ja überhaupt nichts gewusst von mir,

[00:40:30]  also ob ich runtergefallen bin

[00:40:32]  oder nichts, der war ja auch voll in Panik,

[00:40:35]  weil das hat ja einige Minuten gedauert,

[00:40:38]  wo er wegfliegen wollte und nicht weggekommen ist.

[00:40:40] Auf jeden Fall habe ich dem gesagt,

[00:40:42]  ich bin hier drinnen,

[00:40:43]  das Netz hat so hin und her gebaumelt,

[00:40:46]  und da haben wir unten noch, also auf dem Netz am Boden,

[00:40:49]  an Lederboden aufgemacht,

[00:40:51]  dass bei einer Waldbrandbekämpfung sind ja alles

[00:40:53] Glutnester ned, dass die praktisch nicht sofort das Netz hinmachen,

[00:40:58]  das war in dem Fall.

[00:41:00] Dann hat es das so hin und her gependelt

[00:41:02]  und von selber ausgehängt

[00:41:04]  und dann ist das so runter, als wie ein Fallschirm, ned.

[00:41:07]  Und ich habe dem Piloten gesagt, also

[00:41:09]  dass ich jetzt, also drinnen bin,

[00:41:13]  und dann hergesagt, ja, er sucht ein anderes Gehänge,

[00:41:16]  und fliegt dann wieder rauf,

[00:41:18]  und dann habe ich gesagt, ich brauch die nicht mehr,

[00:41:20]  dann muss ich ein Abseilgerät drinnen haben,

[00:41:22]  dann machen wir das vom Abseilgerät.

[00:41:24]  Ja, dann sage ich zu dem Gondelführer, du hast ja da ein Abseilgerät

[00:41:26] ja hat er gesagt,

[00:41:28] aber ich habe das eigentlich noch nie verwendet und nix.

[00:41:30]  Ja, wo hast du denn das?

[00:41:32] Da drin. Im Eck war da so ein Sitz

[00:41:34]  und dann hat er aufgemacht und ich habe mir gedacht

[00:41:36]  ist ein [unverständlich], so wie mir [eins haben].

[00:41:38] Dabei war das ein Stahlseilgerät, ned.

[00:41:41] Also was ich auch nicht gekannt hab [lacht kurz].

[00:41:43] Nachher habe ich gesagt, ja tu es raus

[00:41:45]  ich schaue mir das mal an.

[00:41:47] Dann haben wir es da so aufgehängt

[00:41:49]  und haben gesehen, da ist so eine Bremsen,

[00:41:51]  dann kannst du, wenn du stopp bist,

[00:41:53]  kannst du total bremsen oder wieder richtig locker sein.

[00:41:56] Dann habe ich zu dem Skilehrer gesagt,

[00:41:58] jetzt mache ich die Luke auf, die Luke habe ich auch

[00:42:00] nur aufgemacht mit dem Messer,

[00:42:03]  weil das war ja alles eingeeist,

[00:42:05]  und dann habe ich das auf gemacht,

[00:42:07]  dann habe ich mir den Gurt angezogen, ned.

[00:42:09] Also der Gut war ja dabei da,

[00:42:11]  bei dem Abseilgerät,

[00:42:13]  und sagte, dich lasse ich jetzt als ersten runter

[00:42:16]  und danach übernimmst du mir die Leute

[00:42:19]  und die können nachher zu Fuß geholt werden

[00:42:21]  oder unten am Gelände, ned.

[00:42:23] Auf jeden Fall kriege ich auf einmal einen Funkspruch

[00:42:26]  ja, sie haben jetzt wieder das Netz angehängt

[00:42:29]  weil dem ist nichts passiert,

[00:42:31]  dem Netz, und ein anderes Gehänge,

[00:42:33]  und dann habe ich gesagt, du ich brauche das nicht,

[00:42:35]  es geht auch so, nein hat er gesagt, er ist schon auf dem Weg,

[00:42:38] und dann habe ich mir gedacht, ja dann, gut.

[00:42:41] Aber dann sagte ich, wie schaut es denn jetzt aus,

[00:42:43]  wir haben ja keine Verständigung gehabt.

[00:42:45] Dann sagt er, er hat jetzt einen Techniker dabei,

[00:42:47]  und der schaut hinten raus,

[00:42:49]  und wie ich ihm Zeichen gebe.

[00:42:51]  und dann macht eh, dann tut er das, was ich ihm zeige.

[00:42:54] Und der Pilot wieder das, was der Techniker zu ihm sagt.

[00:42:58] Auf jeden Fall, ja, nein gut,

[00:43:00]  dann machen wir das,

[00:43:02]  dann haben wir die Hälfte unten gehabt,

[00:43:04]  und auf einmal kriegen wir eine Stopp vom

[00:43:06]  vom Betriebsleiter her,

[00:43:08]  weil er sagt, jetzt sind wir gewichtsmäßig,

[00:43:10]  haben wir das halbe Gewicht weniger,

[00:43:12]  und das ist unverändert noch,

[00:43:15]  das Tragseil, also hängt mit dem Zugseil zusammen,

[00:43:19]  verstehst du, also,

[00:43:21]  und da ist jetzt die Gefahr, dass sich das auf einmal

[00:43:23] aufgrund der geringeren Belastung löst,

[00:43:26]  dann schießt es auf und schießt uns ab,

[00:43:28]  ned, weil er ist ja mit dem Rotor ganz knapp beim gegenüber liegenden,

[00:43:32]  Drahtseil. Nachher haben wir gesagt, ja,

[00:43:34]  nachher müssen wir eh die,

[00:43:36]  den Rest haben wir da runtergeseilt,

[00:43:38]  und von unten hat er sie nachher mit dem Netz da geholt,

[00:43:41]  und dann war das alles erledigt,

[00:43:43]  und dann, wie ich runtergekommen bin,

[00:43:45]  da waren ja auch viele Ausländer,

[00:43:47]  und so weiter, also die Eltern von den Kindern,

[00:43:50]  und die haben alle gesagt, ja, das ist ja ein Wahnsinn, die Berufsfeuerwehr,

[00:43:54]  wie toll der... wie du da herum geklettert bist.

[00:43:57]  Die haben gemeint, dass das jeder macht, das bei uns

[00:43:59]  [unverständlich] [lacht].

[00:44:01]  Ja, aber ich muss sagen, also, das ist ja erstaunlich,

[00:44:06]  und dann bin ich auch runtergekommen,

[00:44:08]  und dann ist auch der Reporter Thaler [Schreibweise ungewiss]

[00:44:11]  der ist ja immer wieder dahergekommen

[00:44:13]  und da hat mich der Chef rauf geholt

[00:44:15]  und da war der Thaler oben.

[00:44:17] Und dann hat er gesagt, jetzt geht rüber zum Büro vom Gruber Willi

[00:44:19] und macht euch das aus,

[00:44:21]  weil ich offiziell [lachend] habe ich nichts mit dem zu tun.

[00:44:24]  Ja, und richtigerweise ned,

[00:44:26]  weil wenn was passiert wäre,

[00:44:28]  das ist ja, ich bin ja... eh, aber, es ist ja so,

[00:44:35] das ist ja allgemein normal, bei einem Einsatz,

[00:44:37]  ned, auch wenn es ein Kellerbrand ist,

[00:44:39]  total verraucht und alles, da weiß keiner

[00:44:41]  ob da Gasflaschen drinnen sind,

[00:44:43]  hatte wir alles gehabt, da gehört ein gewisses Glück dazu,

[00:44:46]  also sonst musst du einen anderen Job machen.

[00:44:50] [Rotationsgeräusch] Matthias: Gibt es noch etwas,

[00:44:55] so wenn du jetzt diese 37 Jahre bei der Berufsfeuerwehr

[00:44:58]  im Rückblick anschaust, was...

[00:45:00] Siegfried: Ja, mir hätte nichts Tolleres

[00:45:01] passieren können, als

[00:45:03]  dass ich Berufsfeuerwehr gekommen bin.

[00:45:05]  Das war das Höchste,

[00:45:07]  weil da habe ich auch praktisch viel gelernt,

[00:45:09]  und auch reden habe ich gelernt,

[00:45:12] verstehst [lacht] also dadurch, dass ich viel Unterricht gemacht habe.

[00:45:16] Und die Vielseitigkeit,

[00:45:20]  und auch die Kameradschaft,

[00:45:22]  was damals noch war.

[00:45:24]  Es waren zwar auch Gruppenbildungen,

[00:45:26]  aber nach jedem Einsatz,

[00:45:29]  einem schwereren oder was

[00:45:30]  da ist man, wenn man da um zwei oder drei Uhr in der Früh

[00:45:33] dann hat man gesagt, ja hast du eine Jause da im Speiskastl

[00:45:37]  und  zusammen hat [man] das aufgearbeitet, ned.

[00:45:39] Wenn es was Normales war,

[00:45:41]  nachher bist du eh gleich wieder ins Bett gegangen.

[00:45:43]  Und da hat es keinen Psychologen [lacht kurz] oder was gegeben,

[00:45:46] und dann hat man sich da ausgeredet

[00:45:48]  und dann ist sie in weiterer Folge,

[00:45:50]  ist ja das nachher auch dienstlich,

[00:45:52]  mit... Aufgearbeitet worden, mit der ganzen Mannschaft, ned.

[00:45:56] Nein, das war auf jeden Fall das tollste für mich,

[00:45:59]  und ich muss sagen, es gibt,

[00:46:01]  und ich sage auch das, 

[00:46:03]  also ich wäre nie so weit gekommen,

[00:46:05]  wenn ich nicht so einen vielseitigen Job gehabt hätte.

[00:46:08]  [Outro-Musik]

[00:46:10] [Outro-Musik]

[00:46:12] [Outro-Musik]

[00:46:14] [Outro-Musik]

[00:46:16] [Outro-Musik]

[00:46:18] [Outro-Musik]

[00:46:20] [Outro-Musik]

Zeitzeugengespräch Christoph Weingartner

Zeitzeugengespräch Christoph Weingartner

Stadtarchiv Innsbruck

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Transkript

Christoph: Die Schule in der Kirchgasse wurde 1946 gegründet und die haben eine größere Lieferung Erdnüsse von [den] USA bekommen und die Rupfensäcke waren so circa 100 Kilo schwer und wir [lachend] haben bei dem oberen Drittel mit den Fingern ein Loch gemacht, so ein Loch gemacht. Man braucht nur die Hand aufheben und die geschälten Nüsse kommen raus. [Intro-Musik] Tobias: Hallo und herzlich willkommen zu einer Bonusfolge unserer zweiten Staffel von Archivwürdig, dem Podcast des Innsbrucker Stadtarchivs. Sie haben gerade die Stimme von Christoph Weingartner gehört. Christoph Weingartner kam 1936 in Mühlau zur Welt. Er berichtet uns, von seinen Erinnerungen an die Volksschulzeit, die Ankunft der amerikanischen Soldaten, sowie den Übergang zur französischen Besatzungszeit. Und auch, über sein Mühlau der Nachkriegsjahre. Darüber hinaus, erzählt uns Christoph von seiner leidenschaftlichen Tätigkeit als Filmproduzent und Filmvorführer. Im Gespräch mit Manfred Liebentritt, Matthias Egger und mir. Christoph: Ich bin der Christoph Weingärtner. Ich bin in Mühlau, in der Schraffelstraße 4 geboren, am 16. Dezember [19]36. Ich bin da in den Mühlauer Kindergarten gegangen und auch dann in die erste Klasse Volksschule. Das war 1943, und da haben wir immer [alle] zwei Monate eine andere Lehrerin gehabt und es war überhaupt ganz komisch. Aber es war so. Und wenn der Hitler die Volksschule besucht, wie verhalten wir uns? Und das müssen wir üben. Und da haben wir [das zehnmal üben müssen], und zwar aufstehen, die Hand schräg nach oben, die rechte Hand und dann Heil Hitler sagen. Und das muss aber alles gleichmäßig sein, und das haben wir [immer üben müssen], zehn, zehnmal. Und beim nächsten Mal, beim nächsten Tag hat sie gesagt, das müsst ihr selber jetzt machen, und da komme ich rein, und dann macht ihr das. Und beim nächsten Tag sind dann vier oder fünf aufgestanden und da war eigentlich [lachend] nichts mehr. Und dann haben wir es wieder machen müssen und wieder machen müssen. Und dann in der zweiten Klasse haben wir nur mehr zwei Lehrer gehabt und das Hitler Thema war eigentlich nicht mehr so streng. Wir haben nicht mehr die Hand heben müssen, sondern nur mehr grüßen: Heil Hitler! Aber der Fliegeralarm war fast jeden zweiten Tag, war schon sehr... Oder jeden dritten Tag war schon ein Fliegeralarm und wir haben müssen sofort in den Bunker und der Bunker war neben der Schule. Es war ein großer Raum, wo alle Klassen Platz gehabt haben. Und 1942 waren die Bunker von den Gefangenen gebaut worden. Und die Gefangenen sind alle eigentlich da von Reichenau unten gewesen. Und der Kindergarten ist ja bekanntlich circa um sieben Meter höher. Der Eingang ist eben hinein und sieben Meter hoch. Das war eigentlich das Material vom Bunkeraushub. Und bei der dritten Klasse haben wir nur mehr eine Lehrerin gehabt, die Frau Krutz [Schreibweise ungewiss] und von September [19]44 weg und dann ab Mai... Also September [19]44 haben wir noch Heil Hitler! Grüßen müssen. Und dann, ab Mai 1945, war der Hitlergruß verboten. [lacht kurz auf] So ändern sich die Zeiten. Gott sei Dank! Jetzt können wir endlich wieder mal Grüß Gott sagen. Und der Krieg ist auch zu Ende gewesen. #00:03:32 5#

 

#00:03:33 7# Tobias: Hat man da Kontakt gehabt mit den, mit den Arbeitern? Also mit den Zwangsarbeitern? #00:03:37 7#

 

#00:03:38 0# Christoph: Ja. Wir haben oft zugeschaut, weil sie mit den Wagen rausgefahren sind, also das war ein so ein Kippwagen, und dann sind sie hinaufgefahren und bei den Auffahrten haben müssen Fünf hinaufschieben und da wieder runter, langsam natürlich, weil, weil, weil das muss... Das darf ja nicht runter sausen, weil ja eine Kurve ist in den Stollen hinein, und wir waren halt drinnen im Stollen und haben halt da... War ein großer Raum und da haben sie, sind wir alle gesessen und und und wir sollten da lesen, [unverständlich], das ist so ungefähr 2 bis 3 Stunden gegangen und dann war die Entwarnung, dann sind wir da wieder raus gekommen. #00:04:13 4#

 

#00:04:14 3# Tobias: Und dass man ausgesiedelt wird, also dass man während der Bombenangriffe, dass die Familie woanders hinkommt, weil das ist ja bei anderen häufig der Fall gewesen, dass sie dann, was weiß ich, nach... Ans Land kommen und... #00:04:27 1#

 

#00:04:27 6# Christoph: Ja wir nicht. In Mühlau hat es ja keine Bomben abgegeben, bekommen. Also Mühlau war ja eigentlich verschont gewesen. Das ist deshalb gewesen, weil natürlich von Norden die Flieger, also die haben müssen sehen, wo Innsbruck ist und haben sie erst auslösen können. Und da war Mühlau schon vorbei. Und von Süden sind sie auch gekommen, haben sehr viel das Wipptal bombardiert, aber da in Mühlau war eigentlich... Es war viel Wiese, es waren ein paar Häuser, aber bitte, es waren schon Fabriken da. Die Weyrer-Fabrik und die Bauer-Fabrik war und und auch die Rauchmühle war. Und bei der Rauchmühle war es ja auch so, dass daneben die Bahnbrücke war und die Bahnbrücke, wenn diese bombardiert worden wäre, dann wäre die Westbahnstrecke bis Vorarlberg und die Südbahnstrecke Brenner gesperrt, ned. Und das war schon sehr gut, dass das nicht passiert ist. [Rollgeräusch] Christoph: Deswegen haben sie ja auch die in Sternbach das ganze gelagert, nicht diese diese Kirchen. Was verbombt war im Dom, Jesuitenkirche, Servitenkirche ist verbombt worden und diese Bilder, die noch nicht beschädigt waren, haben sie alle in den Sternbach hineingetan, zum Sternbachplatz hinein. Weil, der hat große Räume gehabt und der hat, da ist alles voll gewesen. Und dann, wie die Amerikaner dann gekommen sind, [lachend] waren sie sehr enttäuscht, weil sie wollten, das war ihr Ziel, normales der Sternbachplatz. Das war ihr Ziel, weil Schloss, und und und überhaupt, ich möchte da überhaupt dann noch über die Amerikaner sagen, weil die waren ja, das waren ja die Besatzer vom 3. auf den 4. Mai sind sie zu uns gekommen, ned. Und dann sind sie mit den Jeep, die Dodge da die Große und die LKW und und und und [räuspert sich] zwei Panzer sind gekommen. Die waren bei uns oben stationiert, weil bei uns, neben uns war eine große Wiese und da sind sie alle da drinnen gewesen und wir haben ein, ein Stock von uns wurde damals [räuspert sich] von ihnen belegt. Der Hauptgrund war eigentlich, das ist erst danach rauskommen, warum im [räuspert sich] Stadtteil Mühlau eigentlich die meisten Amerikaner waren. Das war... Die anderen Stadtteile eigentlich nicht so betroffen waren. Das ist deshalb gewesen, weil wir im Stadtteil Mühlau eine Adolf Hitler Straße gehabt haben und haben eine Siedlung gehabt, die „Deutsches Heim“ geheißen hat. Und das haben sie registriert und deswegen sind sie mal direkt alle, also die meisten Fahrzeuge und alles eigentlich mehr zu uns kommen. Und auch die Amerikaner waren ja damals so enttäuscht, weil sie in in sie wollten ja alle in Sternbach-Schloss schlafen und alle und keiner hat können schlafen. Nur die untersten Kellerräume [räuspert sich] waren zur Verfügung. Und der Schlossgarten. Und da sind sie, da sind sie ja ganz stark auch drinnen gewesen, haben aber drinnen ein Zelt aufgestellt im Hof. Der Hof war sehr groß. Der Sternbachhof, und da haben sie dann gekocht und dort auch dann die Zentralverpflegung. Sie haben drei Stützen gehabt in Mühlau, also bei uns oben Sternbach und da bei der Ecke Ried [Schreibweise ungewiss], da haben sie eine kleine gehabt, und die Verpflegung war alle im Sternbach-Schloss. Und da gibt es ja auch, 2021 haben wir dann mit viel Aufwand einen Film noch gedreht über die Amerikaner, wie sie in Mühlau 1945 gekommen sind und im Herbst wieder abgefahren sind, also heimgefahren sind. Und sie haben ja alles da gelassen, ned. Das war ja auch in ganz Europa, haben die ganzen Fahrzeuge alle da gelassen. Also es war damals schon die Waffenlobby. Lasst alles da, ihr kriegt alles wieder neu. Und das waren ja neue Autos. Das waren Baujahr [19]43,[19]44 und [19]45 haben sie sie da gelassen. Also waren Sie ja nicht alt, ned. [Rollgeräusch] Christoph: Für uns Kinder, ich war damals acht Jahre, war das ja eine super Sache. Wir haben jeden Tag Schokolade und und, und Dinge gekriegt. Wir waren ja ganz gierig drauf. Ja, weil natürlich, im Krieg hast ja nie was gekriegt Süßes. Und dann haben wir Kakaopulver gekriegt. Wir haben keine Milch gehabt. Aber Wasser. Mit Wasser haben wir das gemacht, und das ist ganz gleich gewesen. Es war süß. Und das war, das war einmalig, sowas. Und wir haben jeden Tag, sind wir hingegangen, ned, „please chocolate“ [engl. Für Schokolade bitte] ja und hin und her. Und jedes Mal haben wir etwas gekriegt. Und das war, das war wirklich. Und die waren auch nicht, die Amerikaner waren nicht militärisch eingestellt, sondern locker, so als ob sie auf Urlaub wären. Also das war nicht so, so streng und Ding mit Herr Kommandant und was weiß ich. Nein, das war ganz, ganz, ganz locker das ganze, eh das ist früher gegangen, ned. Und wir sind oft drüben gewesen. Aber es war eine gute Sache, ned. Und meine Mutter hat oft Englisch gut gekonnt. Und da haben sie gesagt, ja, sie möchten da rauf, auf die Rumer Spitze fahren mit den Jeeps. Weil sie haben ja nicht gewusst, was tun eigentlich. Sie haben gefeiert. Sie haben gegrillt. Aber, aber ihnen war ja langweilig, eigentlich. Was wollen sie denn da machen? Das sind.. Ja, dann hat meine Mutter gesagt, ja, bis zum Ursprung könnt ihr vielleicht rauf fahren aber weiter nicht. Und Ah, das machen wir schon. Dann sind sie mit dem Anhänger sogar, haben sie, haben sie Verpflegung und und und Zelt mitgenommen und Zeug und sind oben rauf gefahren. Sie sind natürlich nicht weiter gekommen, weil in der Riese drinnen, dieser Stein Riese was da so scharf hinauf geht, auch die vier Räder gehen da durch. Das ist unmöglich. Es war einmal ein Pinzgauer. Der Dreiachsig war. Der ist einmal hinauf gestiegen, der ist ein Stück hinaufgefahren. Aber, und da war ich auch dabei, aber das Problem war, umdrehen kannst du nicht, weil es zu steil ist. Jetzt hat er dann müssen wieder genau wieder rückwärts fahren, weil sobald er ein bisschen schräg ist, fällt er um, ned. #00:11:17 5#

 

#00:11:18 4# Tobias: Weil du ja vorher angesprochen hast, dass die Amerikaner ja Geld haben, mehr oder weniger recht viel gefeiert haben. Sind die dann unter sich [ge]blieben zum Feiern? Oder sind dann auch die Bewohner, die umliegenden, haben da dazu... #00:11:31 8#

 

#00:11:31 8# Christoph: Nein, sie sind unter sich geblieben. Es ist ja so gewesen, dass in dem ersten Stock war ja eine Terrasse und die hat ihnen gut gefallen und sie wollten ja mit dem Panzer in den Hof hinein fahren. [schluckt] Und das ist aber nicht gelungen. Und sie haben gemeint, ja, das können sie, weil der Panzer [unverständlich] und die Mutter hat ja gesagt, nein, dann wird die  Mauer hin und der Panzer auch. Das haben sie eingesehen, weil seitlich ist der Panzer ja schwach. Er hat vorne wohl eine Schaufel, aber seitlich ist er, sind die Räder und und die Raupe. Und das hätten sie dann beschädigt, ned. Das haben sie selber eingesehen, dann sind sie draußen geblieben. Und haben eine Bretterbrücke gemacht. Eine Bretterbrücke, bei uns waren viele Bretter rund herum und dann haben sie eine Bretterbrücke gemacht zur Terrasse. Und da sind sie immer raus und eingegangen. Also sie sind nicht bei unserem Eingang hinein, sondern haben extra eine gemacht und sind immer da eigentlich gewesen. Sie haben sich nicht bei der Bevölkerung nicht, nicht so, eh das war das einzige. Aber mit den Kindern schon. #00:12:44 2# [Rollgeräusch]

 

#00:12:48 4# Tobias: Christoph, du hast relativ viel jetzt über die amerikanischen Besatzer gesprochen. Kannst du uns vielleicht noch einmal den Übergang schildern von der amerikanischen Besatzungszeit hin zur französischen Besatzungszeit. #00:13:00 2#

 

#00:13:00 6# Christoph: Ja, es war so, dass 14 Tage bevor die Amerikaner abgezogen sind, es in Mühlau sogenannte Fundplätze geben [hat]. Die haben wir so genannt, wo sie alles außer den Autos abgestellt haben: Kisten, Zelte, Benzinkanister, Seilwinden, Rollen, Telefonkabel. Was wi heute noch haben. Das sind ganz harte Kabel gewesen usw. Für uns war[en] die Zwei- und Viermannzelte wichtig, aber alles andere war [es] auch. Aber damals hat es ja überhaupt nichts gegeben, ned, also da hat es nichts gegeben. Und die Amis sind im Juli 1945 abgezogen und haben dann das Kommando [an die] Franzosen übergeben mit allen Autos, nur bei uns waren keine auf der Wiese mehr und auch im Sternbachhof waren die Autos alle weg. Wo die Franzosen die amerikanischen Autos hingetan haben, weiß ich nicht. Wir Kinder jedenfalls waren von den Franzosen sehr enttäuscht. Sie waren das Gegenteil von den Amis. Wir Kinder haben überhaupt nichts bekommen. Gar nichts. Das Militär war ganz streng. Und in Mühlau haben wir französische Militärfahrzeuge keine gesehen. Nur private mit französischen Kennzeichen. Das waren so höhere Kastenwagen so kleinere, also mit vier Personen, aber so ein bisschen höher gestellt. Das gibt es ja heute auch noch, aber viel moderner halt. Aber was anderes haben wir nie gesehen. Und General Bethouart, der für Tirol, Vorarlberg zuständig war, hat in der jetzigen Holzgasse in Mühlau gewohnt. #00:14:55 0#

 

#00:14:55 5# Matthias: Wie ist es denn dazu gekommen, dass er da gewohnt hat, der Bethouart. #00:14:57 5#

 

#00:14:57 5# Christoph: Er hatte da ein Haus besetzt. Ich weiß, wie er gekommen ist. Da weiß ich es nicht. Aber [hat] in der Holzgasse neun ein Haus besetzt und und das war von der Familie Achhammer [Schreibweise ungewiss]. Und er hat sich da wie es scheint wohlgefühlt. Er hatte auch einen Wolfshund gehabt, einen schönen Schäferhund. Und der General Bethouart war nicht so unbeliebt, weil er hat gleich erlaubt, dass die Schützen wieder Gewehre tragen dürfen. Und ein Schütze ohne Gewehr ist ja normalerweise kein Schütze, ned. Und es gibt auch ein Bethouart Steg in Innsbruck. Das haben sie deswegen gemacht. Wahrscheinlich, weil sie ihn doch sehr anerkannt haben. Und beim Abschied der Franzosen 1955 legte General Bethouart am Bergisel für die gefallenen Soldaten einen Kranz nieder. Und General Bethouart hat sich gewünscht, dass die Mühlauer Schützen und Musiker die Ehrenformation stellen. Es war doch auch ein feierlicher Abschied. Zum Schluss noch, ned. Und beim Begräbnis von General Bethouart in Paris vor einigen Jahren war auch eine Schützenabordnung dabei. #00:16:21 7#

 

#00:16:23 4# Matthias: Gibt es noch irgendwelche Erinnerungen? Also jetzt, abseits von diesen offiziellen Punkten an den Bethouart. Also, wie denn das Leben in Mühlau. Könnt Ihr euch erinnern, dass da eine große Limousine vorgefahren ist, um den abzuholen? Oder hat man sonst irgendwie Kontakt gehabt im Dorf mit... #00:16:40 4#

 

#00:16:40 5# Christoph: Die Franzosen haben kein Geld, also überhaupt nichts gehabt mehr, vermute ich, weil es war, wir waren [räuspert sich] in Rumbach Rumbachweg oben, haben sie ein Haus gehabt. Auch besetzt, die Franzosen, Und da ist immer ein Auto hinaufgefahren. Ich kann mich noch gut erinnern. Ein grünes Citroen hatte war das. Und deshalb sind sie immer auf und abgefahren. Ich weiß das deshalb genau weil, die Straße war ja nicht asphaltiert. Und wenn ein Auto gekommen ist, dann [hat] das alles gestaubt und, und, und, die sind oft auf und abgefahren, weil anderes Auto hat es ja eigentlich da in der Zeit gar nicht gegeben, ned. #00:17:28 0# [Rollgeräusch]

 

#00:17:32 4# Manfred: Vielleicht, dass wir nochmal zurückgehen. Es sind ja diese Fahrzeuge teilweise auch liegen geblieben. In der Nähe von deinem Elternhaus hat es ja dann diesen Sammelplatz der Fahrzeuge gegeben und weiter oben hat es ja auch sozusagen einen Ersatzteilträger für die Jugend von Mühlau gegeben, wo dann einige Ersatzteile dann wiederverwertet worden sein. #00:17:53 2#

 

#00:17:53 3# Christoph: Richtig ja, richtig. Ja, also das war aber eigentlich erst danach, eigentlich. Sie sind da, die sind da schon weggefahren. Aber die Franzosen haben einen Rettungswagen gehabt. Und den haben sie auch da oben, da weiter oben. Also nicht bei uns, sondern eben da beim, eh das war früher am Rumbachweg. Das war eine Siedlung. Die Siedlung... Früher war da keine Siedlung, sondern war ein Föhrenwald. Und diesen Föhrenwald haben sie das alles abgestellt. Und wir haben halt da abmontiert, abmontiert und und und irgendwann kommt da einer, so ein Gescheiter, ja, das ist verboten und und und [hat] Anzeige gemacht und Name usw. Wir haben halt alle andere Namen gesagt und wir wohnen in der Schraffl-Straße, haben wir Staffler-Straße gesagt und ja, sie werden angezeigt usw. Und es ist natürlich nichts rausgekommen, nur so ein Gescheiter vermutlich gewesen. Man hat nicht gewusst, wer... Man weiß nach dem Krieg ja nicht, wer, wer da für und wer... Das war immer eine schwierige Sache. Der eine war Nazi, der andere war nicht Nazi, der eine hat wen angezeigt weil er nicht Nazi war. Bei uns war das auch so, wir haben auch einen Nachbarn gehabt, der uns immer angezeigt hat, weil der Vater halt nicht Nazi war und und so ist halt die frühere Zeit gewesen. #00:19:19 6#

 

#00:19:20 6# Manfred: Und die Ersatzteile, für was hat man die dann verwendet? #00:19:23 4#

 

#00:19:23 4# Christoph: Ja, ich habe sie für Seifenkisten haben wir gemacht, weil wir ein Lenkrad gehabt haben und da haben wir haben wir Seifenkisten draus gemacht, alles so von Rädern usw. Und es war eine tolle Sache von... Und da war mal ein Wettbewerb von von von der Hungerburg runter, Höhenstraße herunter, war ein Seifenkistenrennen. War eine super Sache, war eine super Sache. Auch einen Bob haben wir mal gemacht, auch mit so Zeug zusammengebastelt und usw. Ich habe auch noch so eine Kiste Munitionskiste, die habe ich auch [lachend] zu Hause, weil sie haben ja alles eigentlich dagelassen, ned. Und aber für uns war da in den 46. Jahren die Sache, weil wir sehr viel Zelte gehabt haben. Die haben die ganzen Zelte, das haben die alles dagelassen, ned. Und das war für uns natürlich, Zelte, das hat es ja alles nicht gegeben. [19]46 hat es ja überhaupt nichts gegeben und da haben wir die ersten Zeltlager gemacht, am Blindsee draußen usw. Und das war aber auch sehr gefährlich, weil rundherum überall noch Patronen liegen, ned. Und wir haben da schon geschaut, dass das nicht ist und dann haben wir mal eine gefunden. Dann haben wir [lachend] Feuer gemacht und dann hinein und und alle weg und wir haben eine Stunde gewartet, [lachend] ist nichts gewesen und gar nix gewesen. Wahrscheinlich waren die so feucht, dass das einfach nicht mehr, nichts mehr war. Aber das war die, die die Zeit nach dem Krieg auch spannend. #00:20:55 4#

 

#00:20:55 8# Manfred: Weil du jetzt gesagt hast wegen dem Zeltlager am Blindsee, diese Zelte, die dann da zur Verfügung standen [sind], hat das dann die Pfarre übernommen oder oder wer hat denn das organisiert, dass diese Zelte dann zur Verfügung gestanden [sind]. Weil das Lager selber ist ja nachher von der Pfarrjugend oder von der Pfarre überhaupt organisiert worden, oder? #00:21:16 5#

 

#00:21:16 5# Christoph: Ja, richtig, richtig. Wir sind ja ja mal Blindsee-Lager gewesen 1946, und da war es ja so, dass wir die Zelte ja teilweise von Mühlau gehabt haben. Also was wir da gesammelt haben, die Zweimannzelte und Viermannzelte und von der Pfarre, von der Diözese Innsbruck, die haben ein Kegelzelt gehabt. Und zwar ein 24 Mann-Kegelzelt, also 24 ist schon sehr eng, natürlich, aber ein 24 Mann Zelt und das haben wir alles per Rad hinauf, also transportieren müssen. Die Stange war ja sehr groß und die haben wir natürlich auch auf dem Rad hinauf tun müssen. Aber da hat es nicht wie heute muss unbedingt ein, hinten ein großes Tuch hinten sein, [lacht kurz] sondern da haben wir überhaupt nichts getan, weil es war ja fast kein Verkehr, das war ja fast nichts. Höchstens, dass mal ein Franzose, Französisch, aber das war ja auch nicht. Einmal, ich glaube, ist mal ein Auto vorbeigefahren, aber sonst gibt es da nichts. Und das haben wir dann im Blindsee alles aufgestellt. #00:22:28 6#

 

#00:22:30 4# Matthias: Und wie lange wart ihr da am Weg? #00:22:31 7#

 

#00:22:32 9# Christoph: Ja, da waren wir den ganzen Tag. Da sind wir um fünf in der Früh [gestartet] und abends sind wir dahin gekommen. #00:22:39 5#

 

#00:22:40 3# Matthias: Und dann das Lager. Habt‘s eine Woche, oder? Christoph: Bitte? Matthias im Hintergrund: Eine Woche…#00:22:44 4#

 

#00:22:44 6# Christoph: Eine Woch. Ja. Ja. Und da war da, das hat den Gasthof Mohren gehört da. Und der war sehr schwierig, weil er hat gesagt, wenn wir fischen, dann muss man sofort wieder abfliegen. Und das Gasthaus war ja in Lermoos, war ja nicht einmal Blindsee. Blindsee war ja kein Haus und nichts, und wir haben doch einmal Fische heraus, aber so gut waren die Fische [lacht kurz] und und gegrillt und und weil das merkt er… Hat er ja auch nicht gemerkt, ist ja ganz wurscht gewesen, ned. #00:23:19 2# [Rollgeräusch]

 

#00:23:23 6# Manfred: Ja. In deiner Volksschulzeit hat es ja dann sehr viel Kleingewerbe und auch größere Betriebe in Mühlau gegeben. Das hat sich dann in der nächsten Zeit gewandelt bis heute, wo Mühlau ja doch im Gewerbebereich weniger anbietet, aber eine sehr gute Wohnqualität anbietet und von den Gewerben von den Betrieben zum Wohnort eigentlich mutiert ist. #00:23:51 1#

#00:23:51 9# Christoph : Ja, das ist richtig. Früher waren ja sehr viele Gewerbebetriebe in Mühlau. Wenn man vielleicht, angefangen beim Badhaus über dem Badhaus war mal das Schloss Schwenninger und im Badhaus selber waren ja sehr viele Gewerbebetriebe. Und zwar die Schneiderei Brandstätter, die bereits die dritte Generation ist. Die dritte Generation war meine Frau [lacht kurz] und Friseur Fredi Rohm [Schreibweise ungewiss] war mal da drinnen im Badhaus, der Zahnarzt Feuerstein, der Uhrmacher Millner, der Schuster Forcher [Schreibweise ungewiss] und der Modellbauer, der für einen Plan wunderschöne Häuser bastelte und bei [unverständlich] Honig, wo die Bögen sind, bei der Mühlauer Brücke, da war auch wieder ein Friseur, den Edelmann hat der geheißen, dann Mayerl [Schreibweise ungewiss], das war ein Lebensmittelgeschäft, und der Nonnes [Schreibweise ungewiss] war ein Elektrogeschäft. Fink war ein Textilgeschäft, wo man Textilien gekauft hat, so auch Zubehör usw. Und die Apotheke Götze war da noch und in Mühlau waren ja fünf Lebensmittelgeschäfte und drei Metzger. Das war ja eigentlich sehr viel. Heute haben wir nur einen Mpreis, einen Mini Mpreis. Und bei den Lebensmittelgeschäften war es ja so, dass die in Mühlau zwei waren, Stier und Obertanne [Schreibweise ungewiss] und dann drunter Kohlhöfer. Das war in der Anton-Rauch-Straße, dann der Mayerl und dann war auch beim Badhaus, beim sogenannten Fischer Häusl in Richtung Richards-Weg hinauf, war auch ein Geschäft. Also es war schon sehr viel. Und die [unverständlich] in der Kirchgasse wurde 1946 gegründet und die haben eine größere Lieferung Erdnüsse von den USA bekommen und die Rupfensäcke waren so circa 100 Kilo schwer und [lacht kurz] wir haben beim oberen Drittel mit dem Finger ein Loch gemacht, so ein Loch hinein gemacht. Man braucht nur [lacht kurz] die Hand aufheben und die geschälten Nüsse kommen raus. Wir waren damals 8 bis 10 Kinder. Aber am nächsten Tag waren dann schon viel mehr. Und dann ist der Michl, der Rauch Michl gekommen, der war ja auch in unserem Alter. Dann sagt der, ja, das dürft ihr nicht tun! Dann haben wir gesagt, ja das sind die Mäuse, und hat aber selber dann gegessen und hat nur gesagt, ihr dürft das nur nicht den nächsten [Sack] aufbohren. Und wir haben natürlich nur den anderen, den einen geraubt, und das war über die Hälfte halt dann leer. Von 100 waren dann nur mehr 50 drinnen und die sind aber dann für die Presse gleich dann verwendet worden. Also es waren im Lager eigentlich nur acht Tage, ungefähr waren sie drinnen, hat man sie im Hof gesehen und da waren sie alle weg, weil sie dann gepresst worden sind. #00:26:50 4#

 

#00:26:55 0# Manfred: Ja, wir sind eigentlich mitten in den Veränderungen von deiner Volksschulzeit zu heute. Wir haben jetzt die Betriebe schon ein bisschen betrachtet. Was hat sich sonst noch in Mühlau geändert? #00:27:07 5#

 

#00:27:09 0# Christoph: Ja, Bautätigkeit war natürlich groß in Mühlau. Früher war das nicht. Im 19. Jahrhundert war ja noch so, dass Mühlau fast nichts geändert hat. Dann später natürlich ist die Bautätigkeit groß geworden. Aber da hat es noch die 2009 die Dorfwerkstatt gegeben. Die Dorfwerkstatt wurde dann von Manfred Liebentritt wurde die gegründet mit dem Ziel, ein Miteinander für Jung und Alt. Ob Zugewanderte oder die Mühlauer oder die zwölf Vereine plus Pfarre, alle sind da eigentlich eingebunden gewesen. Die Dorfwerkstatt sind die Räumlichkeiten, dort wo früher einmal das [unverständlich] Kino war. Da sind heute Abteilungen, zum Beispiel die öffentliche Bücherei, das Bügelservice von EMAs und hinten ist da die Feuerwehrspritze von 1875 noch. Und der Raum, in der, der eigentliche Raum der Dorfwerkstatt ist sehr groß und hier werden beliebte Veranstaltungen für Jung und Alt durchgeführt. Zum Beispiel nur, ich möchte nur ein paar Sachen herausheben. Es wird ja so viel an der Dorfwerkstatt gemacht an Veranstaltungen. Aber nur eine kleine Sache. [In] Mühlau ist ja Fasching immer sehr groß gewesen und da hat es einen Larvenschnitzer gegeben, der Larven aus Holz geschnitzt hat und alle haben können da zuschauen bzw. auch mit schnitzen. Der hat auch Schnitzmesser gehabt und das kann man mit schnitzen. Das war eine ganz tolle Sache. Die waren alle begeistert, dass sie selber eine Larven schnitzen können. #00:28:51 2#

 

#00:28:55 8# Dann war für Kinder, Maipfeifen schnitzen. Das war cool, das hat es ja früher nicht gegeben. Wie man das macht und jeder Ton ist da anders, wenn man es anders eingräbt, schneidet, dann gibt es einen andern Ton. Und das war für die Kinder eine super Sache. Und Töpfern, Krippen bauen, orientalische oder Tiroler Krippen. Laufend wird das gemacht und Adventskranz und Palmenbinden, das ist sowieso immer in der Dorfstube. Also es ist nur ein Teil davon, was ich da sag. Zurzeit gibt es jetzt eine Bilderausstellung aus dem Nachlass der Künstlerin Theresa Bauerstein, Bildholz. [Rollengeräusch]

 

Manfred: Christoph Faustmann vergleicht die Situation in Mühlau noch einmal zusammen. Früher hat man immer gesprochen vom Unterdorf, Oberdorf, Außerdorf und von den Leuten vom Holz. Wie können wir den Mühlau in einem Satz heute zusammenfassen? #00:29:10 0#

 

#00:29:11 6# Christoph: Ja, das ist jetzt nicht mehr so, ned. Freilich war es Hallerstraße und ist jetzt unten und die anderen besser. Aber das hat es da in der Zeit eigentlich nicht mehr so gegeben. #00:29:23 2#

 

#00:29:24 5# Matthias: Aber vielleicht die Frage, die Manfred aufgeworfen hat. Für alle Hörerinnen und Hörer was ist eigentlich? Was sind die Leute im Holz oder was ist das Außerdorf oder Holz? #00:29:34 2#

 

#00:29:34 4# Christoph: Holz ist die Holzgasse, die Holzgasse, wo Holz herunter geschliffen ist, das ist beim Holz gewesen. Und es sind so Hausnamen, also Namen gewesen, was man halt so gesagt hat. Aber inzwischen ist die Holzgasse ja dreimal umbenannt worden. Und der unter Dollfußstraße, dann Adolf Hitler Straße und dann wieder die Holzgasse. Also, es bleibt immer dann wieder die Holzgasse. Aber Gott sei Dank [lacht kurz] Ja und und die andere, ja, von der Hallerstraße herauf usw. das war eigentlich heute nicht mehr so. Früher war es vielleicht, ah du bist ein Hallerstraßler. Du bist nicht der Dörfler, sondern das war vielleicht ganz am Anfang, aber aber dann hat sich eigentlich hat sich das alles gelegt, dass „du bist ein Mühlauer und mia hebn z‘samm mia sein Mühlauer und mia sein, mia sein, mia. #00:30:29 3# [Outro-Musik]

1. Staffel:

In der ersten Staffel werden neben dem eigenen Archiv auch andere Archive im Stadtgebiet, wie etwa das Tiroler Landesarchiv oder das Subkulturarchiv thematisiert. Die erste Staffel beinhaltet sechs Folgen, die in einem 14-tägigen Rhythmus veröffentlich werden.

Was ist Archivwürdig?

Was ist Archivwürdig?

Stadtarchiv Innsbruck

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Transkript

[00:00:00]  [Intro-Musik] Hanna: Hä? Archivwürdig? Was soll denn das sein?

[00:00:19]  Tobi: Tja liebe Dame, die ich zuvor noch nie gesehen habe und sicherlich nicht um die Aufzeichnung dieses Soundbites gebeten habe. Diese Frage stellen wir uns im Stadtarchiv Innsbruck auch des Öfteren. In diesem Fall handelt es sich bei Archivwürdig um den offiziellen Podcast des Stadtarchivs/Stadtmuseums Innsbruck. Dieser ist Teil des städtischen Audiokanals „Stadtstimmen“. In unserer ersten Staffel, die aus sechs Folgen besteht, widmen wir uns vorrangig dem Thema Archive in Innsbruck.  

[00:00:44]  Hanna: Also wie jetzt?

Tobi: Gemeinsam mit Gästen aus den jeweiligen Institutionen, spreche ich, Tobias Rettenbacher, zum Beispiel über die Wichtigkeit eines Archivs, die Archivarbeit, was alles in einem Archiv zu finden ist und wie man selber dort recherchieren kann. Ab Donnerstag, den 23. Februar, wird in 14-tägigen Rhythmus eine neue Folge veröffentlicht.  

[00:01:04]  Hanna: Und warum heißt das Ganze jetzt Archivwürdig?

Tobi: In unserem Arbeitsalltag stellen wir uns laufend die Frage, welche Objekte aufbewahrungswürdig – sprich archivwürdig – sind. Für unsere Podcast-Sendung gilt daher.

[00:01:19]  Hanna: Definitiv! [Hanna lacht]

Warum braucht es ein Stadtarchiv?

Warum braucht es ein Stadtarchiv?

Stadtarchiv Innsbruck

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Transkript

[00:00:00] [Intro-Musik] Tobias: Hallo und herzlich willkommen zu allerersten Folge von Archivwürdig, dem Podcast des

[00:00:19]  Innsbruckers Stadtarchivs. In unserer heutigen Premiere Folge, spreche ich mit Lukas Morscher,

[00:00:23]  dem Leiter des Referats Stadtarchiv/Stadtmuseum, über uns selbst. Wir kommen unter anderem

[00:00:28]  darauf zu sprechen, was ein Archiv überhaupt ist, was alles archiviert wird, warum etwas aufbewahrt

[00:00:33]  wird und wer alles Zugang zu den Unterlagen hat. Kleiner "Spoiler alert" [engl. Spielverderber Warnung]: Grundsätzlich hat

[00:00:38]  jeder Zugang und das auch gartis. Darüber hinaus sprechen wir ganz generell darüber,

[00:00:43]  wie sich die Verwaltung der Stadt während der 25. Jährigen Dienstzeit von Lukas verändert hat.

[00:00:48]  So viel zu dem, was euch erwartet und damit ab in die Folge.

[00:00:52]  Lukas, warum ich heute mit dir hier sitze? Ich weiß nicht, mir geht es öfter so in meinem

[00:00:59]  Bekanntenkreis, wenn ich gefragt werde. Und was machst du so beruflich? Dann sage ich ja,

[00:01:04]  nix. [lachen] Schön war es. Nein, dann sage ich halt ja, im Stadtarchiv und oder als Archivar im Stadtarchiv bei

[00:01:14]  der Stadt. Und dann ist halt immer die erste Frage gleich: "Für was braucht es überhaupt,

[00:01:19]  oder was ist überhaupt ein Stadtarchiv? So quasi, was gibt es denn da überhaupt?" Weil, ja,

[00:01:24]  kurze, eh ich sagen einmal, die breite Bevölkerung hat oft wenig Vorstände, was da überhaupt

[00:01:28]  gesammelt wird. Und wenn ich dann Anfang zu erzählen quasi, was wir da alles haben, dann

[00:01:31]  gehen eh die Augen schon sperrangelweit auf. Vielleicht sollten wir eben deswegen mal Anfangen mit,

[00:01:36]  was das Archiv eigentlich in seinem ursprünglichen Sinn ist und was wir dann, also wir direkt als

[00:01:42]  Stadtarchiv vielleicht, machen, oder? Lukas: Die Aufgabe eines Stadtarchivs ist grundsätzlich einmal

[00:01:48]  diejenige, dass sie die Akten der Stadtverwaltung, die nicht mehr fürs tägliche Geschäft gebraucht

[00:01:54]  werden, verwahrt, erschließt und der wissenschaftlichen Forschung und der Berücksichtigung des Datenschutzes

[00:02:02]  zur Verfügung stellt. Tobias: Das ist quasi die generische Antwort [lachen]. Nein, es ist ja richtig. Aber also,

[00:02:10]  das ist natürlich der Vorgang. Lukas: Ich habe ja erst Luft geholt. Tobias: Ja, ja, ja. Dann lass

[00:02:14]  ich dich ruhig weitersprechen. Lukas: Dafür muss man sich natürlich einmal zuerst die Frage stellen,

[00:02:18]  was heißt im Rathaus, was heißt Rathaus. Das Rathaus oder die Funktion eines Rathauses

[00:02:25]  umfasst ja von der Geburt über das Schulwesen, über das Gesundheitswesen, über Sport, Kultur,

[00:02:32]  Bau, Straßenverkehr und zahlreiche andere Dienststellen. Das heißt, das begleitet uns fast das ganze

[00:02:42]  Leben zumindest am Anfang und am Ende. Der Geburtszettel und der Todes... Tobias: Die Friedhöfe

[00:02:49]  auch noch? Lukas: Friedhöfe sogar noch darüber hinaus. Stimmt. Also, da kommt dann doch sehr viel

[00:02:55]  verschiedenes, verschiedenartiges zusammen und um dieses Arbeiten im Rathaus dokumentieren zu können

[00:03:03]  bzw. auch nachvollziehbar zu machen, was früher gemacht wurde, werden die Akten im Stadtarchiv

[00:03:10]  aufbewahrt, solange es noch Papierakten gibt, was ja tendenziell immer weniger wird. Tobias: Ja, das,

[00:03:17]  was dann wieder neue Probleme für uns darstellen wird, aber da sind wir ja quasi noch... Lukas: Das ist

[00:03:21]  ungelöst. Tobias: Es ist noch ungelöst. Und vor allem wäre das dann ja doch für die Zukunft recht gut,

[00:03:27]  bald mal zum... Lukas: Es hat keine Institution für den digitalen Akt, eine wirklich langfristige

[00:03:34]  Lösung und das sollen wirklich die großen Forschungsinstitute erarbeiten und wir übernehmen

[00:03:41]  das dann gerne, aber so ein richtig langfristiges digitales Archivierungskonzept ist meines

[00:03:48]  Wissens derzeit nirgends in Sicht. Tobias: Nein, ich glaube auch an die letzten Archivtage, also es gibt immer Archivtage

[00:03:53]  oder Archiv, ja Archivtage. Und da ist es auch, zwar es ist ein großes Thema, aber den Wunderwutzi die

[00:04:00]  Allheilmittel um das zu lösen ist auch noch nicht so... Lukas [ganz leise]: Genau... Tobias: Aber wir archivieren jetzt bei uns

[00:04:10]  im Stadtarchiv noch wesentlich mehr als nur quasi das städtisch... oder das städtisch produzierte Gut. Lukas: Ja, es ist so,

[00:04:16]  dass natürlich das Beschriebene ist jetzt also die Grundfunktion eines Stadtarchivs. In Innsbruck

[00:04:22]  ist der Fall ein bisschen erweitert, gelagert, weil es gibt keine Sammlung, die speziell Innsbrucker

[00:04:30]  Geschichte dokumentiert und präsentiert und so hat sich im Laufe der Jahre und Jahrzehnte eine

[00:04:37]  sehr rege Sammlungsstätigkeit entwickelt, die weit über das klassische Archiv hinausgeht. Also

[00:04:47]  wir sammeln quasi alles, was die Geschichte der Stadt Innsbruck zu dokumentieren im Stande ist.

[00:04:52]  Das geht von Speisekarten über Plastik-Sackln [Dialekt für Tüte], aber auch Literaturplakate und so weiter. Aber

[00:05:01]  diese aktive Sammlung, die nicht nur sogenannte hohe Kunst oder oder mittealterliche Dokumente

[00:05:09]  umfasst, soll einfach das Lebensbild, die Lebenswirklichkeit abbilden und das tut... versuchen wir

[00:05:21]  eben zu dokumentieren. Das ist natürlich eine unlösbare Aufgabe das flächendeckend zu tun,

[00:05:26]  aber zumindest teilweise... Tobias: So gut geht, eigentlich quasi viele Bereiche abzudecken ohne zu... oder halt, ja,

[00:05:34]  wir sehen es eh immer, bei uns jeder hat natürlich auch irgendwo seine Kreise, die er zieht und von dem

[00:05:40]  quasi dann auch wieder die Sachen dann zu uns bringt quasi. Lukas: Also wir dürfen ja eigentlich keine

[00:05:45]  Zensurstelle sein, aber natürlich hat jeder seine persönlichen Referenzen, beziehungsweise auch

[00:05:52]  seine Wissen demensprechend. Es gibt halt Leute, die haben spezielles Wissen über was ganz abwegiges

[00:06:00]  wie das Feuerwehrwesen [Tobias lacht] und andere, und andere kennen sich bei, ich weiß nicht,

[00:06:05]  Straßenlaternen aus. Alles zu kennen ist unmöglich und wir sehen ja regelmäßig

[00:06:11]  in "Innsbruck erinnert", was Menschen für ein Fachwissen haben, wenn ich nur an die Herren

[00:06:17]  von der pensionierten Herren von der Polizei denke, die darüber diskutieren können,

[00:06:22]  wann sie welche Uniform gekriegt haben, war das der Mai '53 oder der Oktober '53. Also dann ist

[00:06:31]  das schon ein Wissen, das wir natürlich niemals erreichen können. Wir können es nur partiell

[00:06:36]  in kleinen Inseln, in kleinen Mosaiksteinchen machen und wir können nur so versuchen,

[00:06:43]  einen Teil des Gesamtbildes sichtbar zu machen. Man muss sich nur bewusst sein, dass es natürlich

[00:06:49]  nur ein... wirklich einzelne Mosaiksteinchen sind. Tobias: Vielleicht, lassen wir an dem Punkt auch noch kurz

[00:06:56]  einhaken, wie das bei uns überhaupt findbar ist. Also erstens einmal wird bei uns natürlich versucht,

[00:07:03]  alles nach Möglichkeit in eine Datenbank zu klopfen und das auch dann entsprechend zu,

[00:07:11]  also nach Möglichkeit, wie gesagt eben wieder mit... zu digitalisieren, was natürlich bei Fotos

[00:07:16]  sag ich jetzt einmal einfacher geht, als wie jetzt vielleicht... [schnaubt] ich mein mit Plakaten geht es auch,

[00:07:21]  alles was so... Lukas: Fahrradl. Tobias: Ja, Fahrradl ist dann [lacht] wieder das, was schwierig wird,

[00:07:25]  oder generell bei die ganzen realien Sachen oder halt Skulpturen immer, es geht, man muss

[00:07:29]  halt dann abfotografieren, aber... und auffindbar und wenn das halt dann dementsprechend quasi

[00:07:34]  beschrieben wird, ist es dann natürlich auch irgendwann wieder möglich zu finden. Es kann

[00:07:37]  natürlich jetzt, wenn jetzt irgendwas gezielt auf der Maria-Theresien-Straße such oder so was und

[00:07:41]  dann nur mit Maria-Theresien-Straße sucht, können natürlich lang suchen, weil wir haben natürlich auch

[00:07:45]  dementsprechend dann viele Eintragungen zu einzelnen Objekten. Je breiter desto schwieriger

[00:07:50]  wird es, glaube ich. Lukas: Ja natürlich. Tobias: Und je spezieller desto einfacher unter Anführungszeichen, wenn

[00:07:56]  wir überhaupt was haben, ist es dann auch nicht immer gegeben. Manchmal sind ja die, also ich

[00:08:01]  kann mich noch erinnern, was teilweise so spezial Anfragen, also wirklich so im Detail, Detail,

[00:08:06]  wo ich dann auch sagen muss, pff, da kann man nur mit der breiten Linse drauf schauen,

[00:08:10]  also wie man da quasi, weil das war glaube ich irgendein Engels Kopf an einer Hausfront,

[00:08:16]  wo dann auch bei uns dann irgendwo dann schon doch mal ein Ende her geht, muss ich sagen, mit

[00:08:21]  wie detailliert auch die Sachen dann beschrieben sind. Lukas: Ja, das ist ganz klar, dass das ein bisschen

[00:08:28]  eine Koste-Nutzenabwägung sein muss auf der einen Seite, aber eben auch das Spezialistentum,

[00:08:34]  das es gibt und das ist ja offensichtlich ein Zeichen unserer Zeit, das würde in jede

[00:08:42]  Faser eines Objekts eindringen, das ist unmöglich. Es geht darum, eine solide richtige, oder das,

[00:08:51]  was man für richtig hält, Beschreibung abzugeben. Natürlich 10.000 Fotos sind schnell erworben

[00:08:58]  oder übernommen, 10.000 Fotos digitalisiert und beschrieben und verpackt und zugänglich

[00:09:06]  gemacht ist eigentlich schon, na ja, bei 10.000 fällt immer viel auf ein Lebenswerk, das heißt,

[00:09:12]  man hat immer ein vielfaches an Objekten, die reinkommen zu dem, was man bearbeiten kann,

[00:09:18]  das ist sicher auch das frustrierendste an diesem Teil. Tobias: Ja, weil Arbeit... [räuspert sich] Arbeit ist quasi mehr oder

[00:09:25]  weniger für drei Pensionen da. [Tobias lacht kurz auf] Lukas: Ja, also, man könnte, ja, jahrzehnte Arbeit, wenn nichts mehr

[00:09:35]  reinkommen würde, liegt unverzettelt und wartet auf die Aufnahme. Ich sehe allerdings schon die

[00:09:42]  Aufgabe eines Archis, die Dinge auch zu bergen und für die Nachwelt zu sichern, weil in einer

[00:09:49]  Zeit, wo es keine Dachböden mehr gibt und keine riesigen Wohnungen mehr gibt und keine

[00:09:54]  Keller mehr gibt, werden halt sukzessive die privaten Sammlungen und Fotoalben etc. weggegeben

[00:10:03]  und alles, was dann zu uns kommt, ist ja mal auf jeden Fall schon hilfreich. Tobias: Ja. Vielleicht,

[00:10:09]  weil du das gerade angesprochen hast, das ist vielleicht eher ein gutes Thema zum

[00:10:13]  einhaken, wie die Sachen überhaupt an uns kommen, ich meine, klar, von der Stadt, im Idealfall

[00:10:16]  werden sie dann, wenn sie beim jeweiligen Amt ausscheiden, werden die dann natürlich an uns

[00:10:20]  überstellt. Das ja, aber wir haben natürlich viele oder doch einige private oder nicht Anfragen,

[00:10:31]  aber halt Personen, die was dann an uns die Sachen herantragen und fragen, wollt ihr das haben,

[00:10:36]  mir schmeißen es sonst weg und da ist dann natürlich immer zum Schauen, also meistens,

[00:10:41]  sag ich jetzt einmal, können wir ja eh übernehmen, aber wir müssen dann nur anschauen, was... und da

[00:10:47]  wären wir ja quasi wieder, das wäre auch passend zu unserem Podcast Titel, ob das überhaupt

[00:10:51]  archivwürdig in dem Sinn ist. Weil das ist natürlich nicht alles, was zu uns kommt für die

[00:10:56]  Langzeitarchivierung, das ist auch das Zauberwort Langzeitarchivierung, aber eigentlich nicht, denn

[00:10:59]  Archivierung, ist eine Archivierung, ob das bei uns dann wirklich ja einen Platz findet. Lukas: Naja, es ist natürlich so,

[00:11:05]  dass ein Objekt, das für uns in Betracht kommt, muss einmal natürlich in Innsbruck Bezug haben

[00:11:10]  und sollte... Tobias: Beziehungsweise nur ein bisschen um, also sagen wir ein bisschen umliegend noch, aber...

[00:11:14]  Lukas: Sozusagen das, was man von Innsbruck ausflugsweise zu Fuß oder mit dem Fahrred so noch machen kann,

[00:11:20]  das ist sicher Grundvoraussetzung, natürlich würden wir jetzt auch keinen, ich weiß nicht,

[00:11:25]  4x4 großes Objekt, metergroßes Objekt nehmen können oder so, es gibt schon Awägungen oder Fahrzeuge

[00:11:33]  oder so. Tobias: Ja, die ganz großen Sachen oder was halt einfach schwer beweglich ist auch.

[00:11:39]  Lukas: Ja das geht halt nicht. Aber grundsätzlich haben wir gegenüber dem privaten Sammler

[00:11:44]  den riesigen Vorteil, dass wir quasi ewig existieren, hoffen wir halt. Tobias: Das hoffe [lacht] ich auch. Zumindest

[00:11:52] einmal bis zu meiner Pension. Lukas: Nein, aber es geht darum, also jeder kennt irgendwelche Sammler,

[00:12:00]  die ja in all ihrer bewundernswerten Begeisterung für ein Thema fast nie Nachfolger haben.

[00:12:09]  Sei es in der Familie oder im Umfeld, gibt es da ganz selten Nachfolger und dann... manche Sammler

[00:12:16]  haben ja auch ein gewissen tyrannischen Zug, was die Familie angeht und nerven die Familie Jahrzehntelang

[00:12:22]  und investieren das ganze Geld in die Sammlung und können es halt posthum [lat. nach dem Tod] nicht mitnehmen,

[00:12:28]  nur selten. Und... Tobias: Ich hoffe mein Vater hört gerade nicht zu, der fällt da ein bisschen in diese Schiele.

[00:12:36]  Lukas: Ja, aber auch er wird irgendwann darauf kommen, dass er es nicht mitnehmen kann und dann fragen

[00:12:42]  sich viele, was tun wir damit? Mit vielen Sammlern stehen wir ja ohnehin in einem freundschaftlichen

[00:12:47]  Austausch und so kommt natürlich sehr viel Zeug an uns, das mehr oder minder geordnet und

[00:12:55]  spannend und gut ist. Das ist ein Teil, also Sammlung Sommer war sowas, Sammlung Kreuz war

[00:13:01]  sowas und so weiter. Tobias: Und vor allem oft der Vorteil ist ja, dass das dann, also diese Sammlung ja

[00:13:07]  wirklich das komplett umgreift, weil wenn wir zu vereinzelt die Sachen kriegen, ist das natürlich für

[00:13:13]  uns, ich meine es ist natürilch auch OK, aber von Vorteil ist es natürlich immer, wenn man ein gesammeltes

[00:13:17]  Konvolut von dem haben. Lukas: Ja natürlich [Tobias räuspert sich] aber die Kriterien nach dem ein privater Sammler seine

[00:13:25]  Sammlung ordnet oder erschließt oder auch nicht erschließt, sind ja nicht unbedingt deckungsgleich

[00:13:31]  mit dem, was wir machen. Aber grundsätzlich ist natürlich ein Konvolut aus 10.000 Postkarten

[00:13:36]  interessanter als 10 Einzelpostkarten, das ist ganz klar. Aber das ist sicher eine der Hauptquellen

[00:13:43]  und dann natürlich Wohnungsräumungen sind etwas, was wir auch sehr gerne machen, aber natürlich auch

[00:13:49]  gezielt am Markt kaufen, also Auktionshäuser oder ähnliches und was auch sehr hilfreich ist, dass

[00:13:58]  wir so mehrere, also ich sage Sympathisanten haben, die für uns die Flohmärkte abwandern und [Tobias räuspert sich]

[00:14:08]  Zeug kaufen, um es uns dann zu schenken, beziehungsweise wenn es andere Sachen sind,

[00:14:14]  oder auch uns halt einfach weitergeben. Das ist eine wichtige Quelle, weil keiner von uns die Zeit

[00:14:20]  hat, jeden Flohmarkt abzugehen jede Woche, das geht nicht. Und so kommt doch, denke ich, in Summe

[00:14:28]  eine ganz gute Dichte an Materialien herein, die abseits der klassischen Archivfunktion stehen

[00:14:34]  und auch geliebt und gelebt und gepflegt werden. Ist sicher auch das Salz in der archivischen

[00:14:42]  Suppe, weil also jetzt bei aller Verehrung für Bauakten aber so wahnsinnig spannend ist

[00:14:48]  das Zeug dann auf Dauer auch nicht, aber Fotos oder ähnliche Dokumente sind natürlich

[00:14:54]  viel ansprechender. Man sieht ja, in "Innsbruck erinnert", dass wir da ja nicht allein stehen,

[00:15:00]  sondern dass ganz unglaublich viele Leute auch ihren Spaß daran haben und das ist ja sehr schön.

[00:15:07]  Tobias: Ja. Jetzt haben wir natürlich recht viel gehabt, was wir sammeln, gehen wir vielleicht mal auf die

[00:15:14]  nur kurz auf die, weil das ist relativ schnell beantwortbar und ich nehme jetzt da mal wieder die Rolle des

[00:15:19]  Umwissenden ein, was mir ja relativ leicht fällt. [lacht] Aber das ist natürlich auch etwas, was mir dann

[00:15:27]  auch aufällt, gerade bei der "Langen Nacht" nachher dann kommen wir darauf zu sprechen, wie

[00:15:31]  werden bei uns überhaupt oder wer überhaupt die Sachen anschauen darf und wie, wobei wer ist

[00:15:38]  eigentlich relativ leicht geklärt, weil es darf an und für sich jeder... Lukar: Jeder, wenn nicht der

[00:15:44]  Datenschutz dagegen spricht. Tobias: Genau. Lukas: Also der Schutz der persönlichen Daten, also man denkt

[00:15:49]  an Gesundheitsakten zum Beispiel. Tobias: Personalakten. Lukas: Personalakten und so Sachen, die sind natürlich tabu,

[00:15:56]  das ist gesetzlich genau geregelt, ansonsten steht jedem jedes Objekt zur Verfügung und jeder kann

[00:16:05]  alles sehen. Es ist natürlich zum Teil in der Datenbank erschlossen oder in mehreren Datenbanken

[00:16:10]  erschlossen, aber es ist auch, man kriegt auch jedes Objekt eine mittelalterlichen Urkunde

[00:16:17]  oder so, auch vorgelegt, wenn es ist. Es ist halt nicht immer alles gleich zur Hand, weil in der

[00:16:23]  Badgasse und Feldstraße sind weit auseinander, die zwei Lager, aber grundsätzlich steht alles

[00:16:29]  zur Einsicht zur Verfügung und das denke ich ist auch ganz wichtig. Tobias: Man kann auch selber recherchieren

[00:16:35]  von unten. Tobias: Das ist für uns ja auch von Vorteil. Lukas: Man kann auch selber recherchieren unter Anleitung. Das ist sehr hilfreich. Nein, also ich glaube,

[00:16:42]  man versucht möglichst wenig... Tobias: Barrieren. Lukas: Barrieren in den Weg zu legen, ganz im Gegenteil. Sicher sind

[00:16:50]  wir noch im Bereich der Onlinestellung der Daten im Verzug, aber das ist schlicht und

[00:16:57]  ergreifend aus Ressourcenmangel nicht anders machbar, aber eines Tages wird das auch gehen.

[00:17:03]  Und so muss man halt vor Ort recherchieren, aber ich denke, die Zugänglichkeit und auch die

[00:17:09]  Tiefe, was bei manchen Objekten schon an Beschreibung da ist, ist schon ganz beachtlich. Natürlich

[00:17:17]  ist es immer eine Abwägung, wie viele Personalressourcen haben wir und wie viele Objekte haben wir. Also

[00:17:24]  das ist sicher ein sehr schwieriger Spagat. Und dann sollte möglichst noch jeder Stadtteil abgedeckt

[00:17:32]  sein. Es sollte jede... ich weiß nicht, jedes Haupthobby der Innsbrucker vom Skifahren über Skitouren, über Paragleiten,

[00:17:39]  über Musik. Tobias: Nationalsport, Fußball. Lukas: Fußball [lachend] Ja, hat es auch mal gegeben. Also es sollte dann auch noch abgedeckt

[00:17:47]  sein und allein wenn man denkt, wie viele Fußballvereine es gibt und gab, wer allein das

[00:17:53]  schon wieder fast für einen [Tobias räuspert sicht] Menschen ein Bereich. Also da muss man einfach schauen,

[00:18:00]  was geht und was geht nicht. Beziehungsweise welche Interessen haben Menschen von vorn

[00:18:05]  herein und sind, ich weiß nicht, bei der Feuerwehr, bei der Musik oder sonst wo. Das ist natürlich dann schon

[00:18:11]  sehr, sehr hilfreich und trotzdem bleiben es immer nur einzelne Mosaiksteinchen eines

[00:18:16]  gesamten Bildes. Tobias: Ja. Ja, weil was wir, mir eben auch aufgefallen ist, vor allem, wirklich ganz stark bei

[00:18:24]  der "Langen Nacht" ist, wo ja dann die Menschen schon durch die Stadt ziehen mit ihrem Ticket,

[00:18:28]  wo sie überall rein kommen und bei uns, wir haben ja auch offen, logischerweise bei der "Langen

[00:18:33]  Nacht". Und wie dann die Leute da eigentlich erstaunt sind, was wir alles haben und da ist

[00:18:38]  irgendwie wie so eine Hemmschwelle, die Tür ins Archiv und weil wir sind natürlich ein

[00:18:42]  bisschen versteckt in der Badgasse, aber gerade bei der "Langen Nacht" kommen dann doch viele

[00:18:46]  recherchieren, dann informieren sich die, was wir alles haben. Sie schaffen es doch zwar

[00:18:50]  meistens nicht ein zweites Mal ins Archiv [lacht], aber es ist trotzdem interessant finde ich. Wir

[00:18:56]  dann doch irgendwo so, aha, so dieser AHA-Effekt dann durchkommt. Lukas: Ja, aber wenn du, wenn du dir

[00:19:01]  überlegst, die, wie werden Archive oder Archivare in diesen unsäglichen Hollywood-Filmen... Tobias: Ja.

[00:19:09]  ...dargestellt, das sind immer verschrobene alte Männer mit einem langen Bart und die in

[00:19:18]  irgendeiner Fantasiewelt leben und... Tobias: Alles verstaubt. Alles liegt... Lukas: Alles verstaubt. Tobias: Und [unverstädnlicht] überall.

[00:19:25]  Kein System, also... Lukas: Diese dummen Klischees, die halt vor allem von Hollywood transportiert

[00:19:33]  werden, die sind auch Mangels gegen Darstellungen, genau, wie soll ich sagen, Imagebildend.

[00:19:41]  Und nachdem nicht jeder ein ausgeprägtes historisches Interesse oder was hat, glaubt man halt diesen

[00:19:49]  Darstellungen und ist dann ganz überrascht, wenn es dann doch ein bisschen anders in der

[00:19:53]  Realität ausschaut. Das darf man sich eigentlich überhaupt nicht wundern. Es ist schade, dass

[00:20:02]  es einem, dass die Leute nicht öfter so mehr ihrer eigenen Vergangenheit oder den Spuren

[00:20:08]  der Familie nachgehen oder des Wohnhauses, wo sie wohnen. Aber grundsätzlich ist es

[00:20:15]  schon interessant, dass das Image ein staubiges ist und wie ich angefangen habe im Stadtarchiv

[00:20:23]  war ich Ende 20. [lacht]

[00:20:25]  Tobias: Jetzt bist du Ende 30. [lachen] Lukas: Jetzt bin ich alt, grau und glatzert [Dialekt für eine Glatze haben].

[00:20:31]  Ja, aber das ist schon beklemmend. Aber dieses Image ist sicher aus Film und Fernsehen.

[00:20:40]  Tobias: Das ist es ganz stark.

[00:20:42]  Ah. Vielleicht sollte man noch sagen, dass bei uns natürlich keine, also dass normalerweise keine Kosten anfallen für einen

[00:20:49]  Archivbesuch. Anders jetzt vielleicht wenn, für Drucken und wo haben wir Preise? Bildrechte, wenn für Publikationen,

[00:20:58]  für kommerzielle Zwecke so etwas, aber das sollte vielleicht auch noch einmal klar oder

[00:21:02]  stark gesagt werden, dass es eigentlich eine gratis Dienstleistung von der Stadt ist.

[00:21:06]  Lukas: Das ist eine Dienstleistung der Verwaltung an den Steuerzahler. Es kostet nichts außer

[00:21:11]  Zeit und außer man macht irgendeine kommerzielle Nutzung von einem Foto auf einem Kaffeehäfer.

[00:21:20]  Tobias: Lukas, das kann ich jetzt dich eigentlich gut fragen, nachdem du seit über 20 Jahren... Nein,

[00:21:27]  Leitung hast du seit... Lukas: 25. Tobias: 25 schon?

[00:21:29]  Lukas: Bin im 25. Jahr.

[00:21:31]  Tobias: Ja, weil ich denke mir es, [lacht] die Veränderung von der Institution Archiv muss ja doch auch,

[00:21:39]  vielleicht nicht ständig, aber doch, markant gewechselt haben, zu jetzt, weil ich mein,

[00:21:45]  das kann ich... bin hier seit, ja seit zwei Jahren im Dienst oder was.

[00:21:49]  Lukas: Verwaltung hat sich als solches ganz generell unendlich verändert. Ich mein 25 Jahre sind

[00:21:57]  natürlich schon ein langer Zeitraum und ich kann mich noch erinnern, dass alle diese

[00:22:05]  Verwaltungsprozesse, die heute als E-Mail in Sekunden schnelle hin und her gehen, früher

[00:22:11]  ja alles in handgeschriebenen Listen geführt wurde, also Urlaubs-Listen, Budget-Listen,

[00:22:19]  Ausgaben-Listen. Da hat es einen Durchschlag gegeben und dieses Durchschlagpapier ist eins

[00:22:24]  vor Ort geblieben, das Original ist vom Amtsboten hinaufgetragen worden. Dann hat der Chef

[00:22:31]  und der nächste Chef ein Hakel [Dialekt für Häkchen] drauf gemacht und dann ist es irgendwann genehmigt

[00:22:36]  worden, wieder zurückgekommen. Das sind Prozesse gewesen, die man sich heute überhaupt nicht

[00:22:40]  mehr vorstellen kann, wie langsam und beschaulich das zugegangen ist, also in der gesamten

[00:22:48]  Verwaltung. Natürlich gilt es auch für Anfragen, da ist ein Brief gekommen und den hat man

[00:22:53]  dann gelesen und dann hat man mal darüber nachgedacht und dann hat man drei Tage später

[00:22:58]  mal sich die Sachen zusammengesucht und dann hat man geantwortet und war beachtlich schnell,

[00:23:04]  wenn man nach einer Woche ein Brief zurückschrieben hat. Heute kann es passieren, dass man auch

[00:23:09]  drei, vier Stunden bei einer Anfrage schon ein zweites Mail kriegt, warum man noch nicht

[00:23:14]  geantwortet hat, was ich auch immer wieder als beachtlich unhöflich empfinde. Nicht

[00:23:21]  nur Verwaltung hat sich, also nicht nur in der Technologie und in der Umschlagsgeschwindigkeit

[00:23:28]  geändert, es haben sich sicher auch die Umgangsformen damit sehr deutlich verändert. Tobias: Wie

[00:23:34]  meinst die Umgangsformen? Lukas: Naja es gibt, also keinen "Sehr geehrten Herrn Senatsrat"

[00:23:39]  mehr oder es gibt keine Verabschiedungsfloskeln mehr, sondern es heißt dann "LG" und "BG", was ich

[00:23:45] was mir unendlich auf die Nerven geht. Tobias: Was "BG"? Bbbb... Ah Beste Grüße. Ja. Lukas: Ich finde es auch einen

[00:23:53]  wirklichen Ausdruck der Nicht-Wertschätzung, dass man sich nicht die Zeit nimmt, einen

[00:23:57]  Groß auszuformulieren, aber ja das ist halt so und wenn es nur ein Textbaustein ist, aber

[00:24:04]  bitte. Dadurch sind natürlich auch Schwellen abgebaut worden und ich begrüße diese grundsätzlich

[00:24:09]  in aller Form natürlich, dass es légèrer [franz. lockerer] und unkomplizierter geworden ist, aber es ist

[00:24:15]  wirklich kein Stein auf dem anderen geblieben in diesen 25 Jahren. Für das Archiv selber,

[00:24:22]  abgesehen jetzt von Themen wie der elektronische Akt, der ein ganz großes und ganz schwieriges

[00:24:32]  Kapitel ist, hat sich auch der Sammel-Schwerpunkt sicher verlagert. Früher wurden einzelne

[00:24:40]  Dokumente oder Gemälde gekauft, die sozusagen repräsentativ

[00:24:45]  und opulent waren und teuer waren. Und in den letzten Jahrzehnten haben wir sehr viel Alltagsgut

[00:24:55]  versucht zu sammeln. Das ist keine Wertung und das ist nicht besser oder schlechter,

[00:25:00]  es ist halt anders. Es wird ja auch ein Leben bald einmal nach mir geben und dann wird jemand da sein,

[00:25:09]  der wieder andere Schwerpunkte legt. Das ist auch, denke ich, gar nicht schlecht so, dass es dann sozusagen einen

[00:25:16]  guten Durchschnitt gibt. Wie ich angefangen habe, waren wir zu dritt. Tobias: Zu dritt? Lukas: Zu dritt. Die Frau Justitsch,

[00:25:24]  der Herr Dr. Wuritschka und ich. War jetzt auch kein leichter Einstieg, muss ich auch sagen. Tobias: Aber war... Vor dir

[00:25:34]  war ja der Franz-Heinz Hye ja? Lukas: Ja. Tobias: Ist der.. Also du bist aber schon unter... also wie er war, warst du schon, oder bist du? Aha. Lukas: Das war halbes Jahr

[00:25:43]  Interregnum [lat. Zwischenherrschaft] [Tobias im Hintergrund: Aha] und dann bin ich als damals 28-jähriges Bürschel gekommen und natürlich...

[00:25:49]  Tobias: Ein Oberösterreichern noch dazu? Lukas: Noch dazu Ausländer. Tobias: Wer es noch nicht rausgehört hat! Lukas: Ich habe auch niemanden im

[00:25:55]  Rathaus gekannt, der was auch die Mechanismen, auch so Dinge, was ist ein Dienstweg, was ist ein Referat,

[00:26:02]  was ist ein Amt, was ist ein Abteilung. Ich habe ja keine Ahnung gehabt. Und die zwei Mitarbeiter haben

[00:26:12]  natürlich auch am Anfang sich schwer getan von einem jungen Buben, sich was sagen zu lassen. Und

[00:26:17]  wenn du jemanden sagst, das macht man nicht mehr so, sondern anders, dann heißt es ja indirekt auch,

[00:26:24]  du hast es jetzt 20, 25 Jahre verkehrt gemacht, was es ja nicht ist. Aber trotzdem wird es natürlich

[00:26:31]  so empfunden. Aber ich denke, wir haben uns respektvoll irgendwie... Tobias: Entgegengekommen. Lukas: Entgegengekommen. Es war sicher für

[00:26:41]  alle Seiten nicht einfach. Es hat eben auch große Vor- und große Nachteile weit weg vom

[00:26:47]  Rathaus zu sitzen. Aber es ist sicher, also anfangs war es vielleicht auch gut, dass ich nicht gewusst habe, was

[00:26:55]  auf mich zukommt. Tobias: Denkst du, du hättest dich anders entschieden? Oder... Es ist jetzt...

[00:27:00]  Lukas: Schwer zum sagen was anderes... Mich wundert heute noch das enorme Vertrauen, was der damalige

[00:27:08]  Bürgermeister van Staa in mich gesetzt hat, weil er gesagt hat, du machst das schon. Und ja,

[00:27:14]  das war schon beachtlich. Und ich weiß nicht [lacht], kann nicht beurteilen, ob das was er sich

[00:27:23]  erwartet hat [beide lachen] eingetreten ist oder nicht. Das kann ich nicht... das müsste er sagen. Aber es waren

[00:27:30]  schon die ersten Jahre schwierig. Dann war... die Raumverhältnisse waren recht desolat. Es war also Schimmelbefall

[00:27:38]  im Keller, sehr umfangreich. Es war technisch alles Stand 1969 mit ein bisschen Adaptierungen in

[00:27:50]  den 80er-Jahren. Also da war es schon grundlegendes zu machen. Und zu dritt ist das natürlich auch

[00:27:57]  nicht ganz einfach. Und das ist schon ein langjähriger Aufbauprozess gewesen. Oder ist es immer

[00:28:06]  noch eine größere personelle Ausstattung zu kriegen, finanzielle Ausstattung, technische

[00:28:12]  Ausstattung. Tobias: Kostet nämlich alles Geld natürlich. Lukas: Kostet alles Geld. Ist alles auch nicht ein oder die meisten

[00:28:18]  Sachen sind ja nicht einmalige Ausgaben, sondern dauernde. Und die steigen auch natütlich, und dann bleibt natürlich unter dem

[00:28:25]  Strich auch immer die Frage, für was braucht man das. Das Thema taucht alle paar Jahre einmal auf.

[00:28:31]  Wir brauchen das nicht so groß, aber das ist alles ein Blödsinn. Tobias: Braucht es das wirklich? Geht nicht weniger auch? Lukas: Genau,

[00:28:37]  der Akt. Das ist ja eh abgeschlossen. Das Haus steht ja jetzt. Wieso braucht man den Bauakt noch? Das sind

[00:28:44]  alles Fragen, die man sich immer wieder einmal stellen muss. Durch das Tiroler Archivgesetz ist

[00:28:52]  es einmal zumindest verankert, dass es einen Archiv geben muss. Und trotzdem ist es immer wieder natürlich

[00:28:57]  eine Herausforderung, dass man sagt, man braucht halt Geld, um weitersammeln und arbeiten zu können.

[00:29:05]  Momentan ist es einmal auch von politischer Seite sehr gut abgesichert und steht eigentlich außer

[00:29:12]  Frage, aber es können wieder andere Zeiten kommen und dann muss man sich wieder unter

[00:29:17]  Daseinsberechtigung stellen und ja, ich denke, es wird schon gehen, aber es ist schon eine laufende

[00:29:24]  Herausforderung. Tobias: Und was man jetzt noch während der Eingefallen ist, was ich jetzt gerade erst

[00:29:30]  vor kurzem wieder mal gefragt worden bin, ist auch schon mal durch ein Archivgast bei der Recherche

[00:29:35]  passiert. Der hat mich dann auch gefragt, ob es eigentlich die Möglichkeit gibt bei uns. Bei dem war es der

[00:29:40]  Fall, dass er sich nach Gemälden erkundet hat von verschiedenen, ich glaube, es waren immer

[00:29:47]  Innsbrucker. Und hat dann gefragt, ob es auch die Möglichkeit gibt, die quasi wieder käuflich zu

[00:29:51]  erwerben. Da habe ich mir gedacht, okay, nein, das sollte man vielleicht noch mal sagen. Ich bin nämlich

[00:29:56]  auch privat nochmal gefragt worden, wie ich eine Erführung da in der Feldstrasse gemacht habe,

[00:29:59]  ob wir da auch wieder was hergegeben. Sag ich nein, eigentlich nicht. Also, außer es kommt an eine Dienststelle wieder zurück,

[00:30:06]  aber das ist ja dann mehr eine Ausleihe als wie eine Rückgabe. Lukas: Ja, bei den Kunstbeständen und bei

[00:30:12]  den Aktenbeständen und bei allen anderen ist ganz klar, dass nur digitale Kopien hinaus gehen.

[00:30:20]  Verkauft wird sowieso kategorisch nichts. Es gibt zwar in einer Unterländerbezirkshauptstadt...

[00:30:26]  Tobias lachend: Sollen wir das Thema anschneiden? Lukas: Eh ja. Mit einer Festung oben auf, die verkaufen Kunstbestände und Kunst zu kaufen. Das ist aus meiner

[00:30:40]  persönlichen Sicht so ziemlich das aktionistischste und kurzsichtigste, was man machen kann. Und ich

[00:30:48]  hoffe, sie ruinieren nicht zu viel von einer systematischen Sammlung, die es dort gibt. Aber

[00:30:55]  das ist bei uns sogar mit per Gemeinderatsbeschluss beschlossen worden, dass nichts hinausgehen

[00:31:01]  darf. Von den Aktenbeständen braucht man überhaupt nicht reden, aber auch von den Kunstwerken nicht.

[00:31:07]  Tobias: Außer natürlich für andere Ausstellungen. Es gibt ja schon die Möglichkeit, dass man Sachen

[00:31:11]  für eine Ausstellen. Wir haben jetzt gerade... Lukas: Ja, der Verkehr ist natürlich möglich. Das ist ja auch ...

[00:31:16]  Tobias: Geschäftspraxis. Lukas: Auch gewünscht. Wir wollen ja auch unsere Objekte herzeigen, wenn sie woanders

[00:31:24]  passen. Wir haben jetzt zum Beispiel in der Ausstellung vom Landesmuseum über die Restauratoren,

[00:31:31]  über die Arbeiterrestauratoren haben wir ja auch einige Objekte verliehen. Wir haben ...

[00:31:37]  Tobias: Eh vom Klammer, den Ski-Anzug oder? Lukas: Ja, und auch ander Sachen. Tobias: Ja, ja. Eh auch ganz

[00:31:43]  berühmt, war ja auch das Beispiel wo... zum Maximilian-Jahr glaub ich war das oder? Wo in New York im MoMA,

[00:31:51]  oder war das? Lukas: Nachdem ja auch das Museum im Goldenen Dachl seit einigen Jahren bei uns

[00:31:57]  dazu gehört, sind ja auch die Objekte des Goldenen Dachls und von dort die Reliefs,

[00:32:01]  die Original Reliefs vom Goldenen Dachl hochbegehrte Leihobjekte, die waren also in New York.

[00:32:08]  Und jetzt sind sie, sind einzelne Speyer, dann waren sie im Belvedere. Da haben wir aber jetzt einen

[00:32:15]  politischen Beschluss beigeführt, dass nur noch bestimmte Reliefs leifähig sind und die anderen

[00:32:22]  nicht mehr. Tobias: Wer entscheidet das... Also bleibt die Entscheidung dann, ob die verliehen werden

[00:32:27]  bei dir, oder ist das politisch quasi auch im, sei es Gemeinden, wie oder Stadtsenat,

[00:32:35]  oder so entschlossen? Lukas: Grundsätzlich ist die Leifähigkeit eines Objekts bei normalen,

[00:32:42]  sage ich mal unter Anführungzeichen bei normalen Objekten liegt sie bei mir und ich entscheide,

[00:32:46]  ob das Objekt für uns einmal die grundsätzliche, wie soll ich sagen, ob wir sie grundsätzlich

[00:32:56]  ein Objekt herleihen wollen. Dann gibt es den Aspekt der restauratorischen und konservatorischen

[00:33:03]  Erhaltung, ich meine, das ist jetzt bei einem Foto beispielsweise, ein geringeres Problem,

[00:33:09]  als bei den Reliefs vom Goldenen Dachl. Da entscheidet dann auch das Denkmalamt mit, wobei ein Objekt

[00:33:15]  vor allem ins Ausland verbracht werden darf, da braucht es Ausfuhrgehennigungen und so weiter.

[00:33:20]  Das ist dann schon relativ kompliziert. Ist vor allem bei Kunstwerken ein Thema, ansonsten entscheide ich

[00:33:28]  das und halte mit dem politischen Ressort zuständigen oft Rücksprache, ob das im Sinne der Stadt

[00:33:37]  ist oder nicht, aber das sind eigentlich meistens relativ klare Entscheidungen, die recht schnell

[00:33:43]  zu klären sind. Also, sehe da eigentlich wenig Grund, Objekte zurückzuhalten, außer sie sind

[00:33:51]  gefährdet. Tobias: Wegen, durch Transport [unverständlich]. Das ist ja klar. Lukas: Aber ansonsten freuen wir uns natürlich,

[00:33:59]  wir haben pro Jahr zwischen 10 und 30 Leihanfragen so in etwa. Also jetzt spontan fällt mir ein

[00:34:06]  Speyer. Ich glaube, Kitzbühel hat was. Tobias: Genau, da ist die Feuerwehr [unverständlich] Lukas: Bozen, Trient,

[00:34:12]  sind jetzt laufend im Landesmuseum. Tobias: Vor allem beim Landesmuseum oft mehrere stehen,

[00:34:18]  nicht nur im Landesmuseum selber, sondern im Volkskunst. Lukas: Ja, also das sind schon, und das ist auch,

[00:34:25] Schloss Ambras ist auch eigentlich Dauerleihnehmer immer wieder, für Sonder-Ausstellungen.

[00:34:30]  Ich finde es auch sehr wichtig, dass mein freundschaftlichen und kollegialen Austausch pflegt.

[00:34:36]  Das ist sicher was, was sich in den letzten Jahren sehr, sehr stark verbessert hat, was mich sehr

[00:34:42]  freut, dass man sowohl mit dem Landesmuseum, dem Landesarchiv und den lokalen Museen,

[00:34:49]  beziehungsweise den Archiven in ganz Österreich eigentlich fast durchgehend einen sehr freundschaftlichen

[00:34:56]  und kollegialen Kontakt haben. Also kann schon auch mal sein, dass Christoph Heydacher und ich beim

[00:35:04]  Bier beieinander sitzen, auf Nacht. Tobias: [holt erschreckt Luft] Um Gottes Willen! Lukas: Ja, bei einem. [Tobias lacht] Lukas:  Und man Dinge besprechen kann und

[00:35:13]  austauschen kann. Man sieht es jetzt an unserer Residenzausstellung. Das sind eigentlich sehr,

[00:35:19]  sehr wertvolle Highlights aus allen Sammlungen da. Wir haben das "Cranachbild" von Mariahilf

[00:35:28]  gehabt, also letztes Jahr, einen Monat lang. Also das sind schon Objekte, die sehr wertvoll sind,

[00:35:35]  und da muss schon ein Vertrauen über das technische hinaus da sein, dass man solche Dinge bekommt.

[00:35:42]  Das freut mich und es ist auch schön zu sehen, dass man sich austauscht und auch Objekte, die

[00:35:50]  wir tauschen eben mit dem Landesmuseum, wenn wir Plakate beispielsweise mehrfach haben, dann kriegt

[00:35:56]  immer eine Kopie das Landesmuseum und auch umgekehrt, genauso bei Fachliteratur. Das ist ein

[00:36:03]  ganz freundschaftlicher, ungezwunger Austausch, den ich sehr schätze und auch fachlich, wenn man

[00:36:10]  sich wo nicht auskennt oder sicher ist, dass man sich da besprechen kann. Tobias: Ja, es ist auch immer

[00:36:15]  von Vorteil. Lukas: War aber nicht immer so. Tobias: Ja. Denke ich mir. Aber ich muss das auch sagen, dass ist acuh etwas, das ich sehr schätze,

[00:36:22]  dass ich mich immer an wen eigentlich auch wenden kann oder auch weiter leiten kann,

[00:36:26]  weil es ist nicht selbstverständlich an und für sich. Gerade wenn ich an frühere Diensverhältnisse

[00:36:32]  in andere Bereiche denke und so. Da wird das ja auch immer als Last empfunden. Lukas: Ja, und auch

[00:36:37] ich mein jetzt die Residenzaustellung ist die Gertraud Zeindl, die früher bei uns war, jezt im

[00:36:41]  Landesarchiv ist seit vielen Jahren. Tobias: Die dann eh auch in einer Folge gekommen wird. Lukas: Die auch eine Folge...

[00:36:45]  Tobias: [lachend] Die ich verpflichtet hab sozusagen. Lukas: Vorurteilt wurde zu einem Beitrag. Hat jetzt die Ausstellung

[00:36:51]  gemacht, die nächste Ausstellung über den Brennbau ist Zusammenarbeit mit dem Landesmuseum, also das

[00:36:58]  finde ich sehr schön und sehr wichtig und nicht selbstverständlich und ja, das ist eigentlich

[00:37:05]  ja sehr schön. Tobias: Und so soll es eigentlich sein, diese Synergien nutzen, um dann was gescheites auf

[00:37:11]  die Beine zu stellen. Lukas: Was auch noch ein ganz wichtiger Punkt ist, sind unsere Publikationen.

[00:37:18]  Tobias: Oh ja, stimmt, die haben wir auch noch nicht erwähnt. Lukas: Gibt eine, seit den 50er Jahren, gab es eine

[00:37:26]  Publikationsreihe, die so 40 Seiten Hefte waren ursprünglich und dann in der Zeit von

[00:37:33]  der Monika Fritz begonnen, glaube ich, aber vor allem unter Franz-Heinz Hye ausgebaut, eine

[00:37:43]  Publikationsreihe, die jetzt fast 80 Bände umfasst. Das ist schon für ein kleines Archiv schon eine

[00:37:52]  ganz anständige Reihe geworden. Die Themen zur Stadtgeschichte Innsbrucks und seiner Umgebung

[00:38:00]  behandelt ganz unterschiedlich vom Flugwesen, über die Tiroler-Arbeiterbäckerei, jetzt erscheint

[00:38:10] ein Band über die Kanalisation. Das hat vor zwei Jahren einen Band über die Stadtpläne, über

[00:38:16]  die Historischen gegeben. Jetzt hat es einen Band über die Stadtansichten in Kupfer und Stahlstichen

[00:38:23]  gegeben, war auch über Sozialvereine des 20. Jahrhunderts. Tobia: Ich habe gehört, da haben wir noch

[00:38:30]  drei so ganz interessante Bände über das Alltagsleben, das Innsbrucker Alltagsleben durch die Jahre.

[00:38:35]  [Tobias räuspert sich] Erinner mich nochmal Lukas Moscher, wer der Autor war. [lacht] Ich glaube, der heißt auch Lukas Moscher,

[00:38:44]  ist der mit dir eventuell verwandt? Lukas: Kann ich mir nicht vorstellen. Tobias: Nein, ich glaub auch nicht. Lukas: Diese Bände, die Alltagslebenbände

[00:38:51]  haben mir wahnsinnigen Spaß gemacht zu machen. Sie sind auch ganz nett unter die Leute gekommen,

[00:38:58]  das freut mich. Also auch wenn man nicht ausgeprägt Eitel ist freut es einen immer, wenn man irgendwo

[00:39:05]  in einem Regal, wenn man wo zu Besuch ist, ein eigenes Buch stehen sieht, dann haben Leute entweder

[00:39:12] das Buch geschenkt bekommen oder eigenes Geld dafür ausgegeben. Das freut einen. Mache ja auch für eine

[00:39:20]  Buchhandlung seit ein paar Jahren, so einen historischen Kalender. Und den sieht man dann relativ

[00:39:26]  häufig irgendwo hängen. Das macht dann schon Freude und Spaß. Aber die Publikationsreihe als

[00:39:33]  solches ist eine wichtige Form, wobei ich leider feststellen muss, dass die Verkaufszahlen

[00:39:41]  beängstigend geringer werden, weil die Leute mehr im Internet unterwegs sind als Bücher zu lesen.

[00:39:48]  Bücher kosten Geld, Internet angeblich nicht. Tobias: Strom halt zumindest oder den Handyvertrag. Lukas: Wir machen

[00:39:56]  uns ja mit "Innsbrucker erinnert" selber eine zeitgemäße Konkurrenz. Tobias: [lachend] Und mit diesem Format auch quasi was wir aufnehmen

[00:40:01] Lukas: Un mit diesem Format, das ja immerhin also schon fast Hollywood-Dimensionen erreicht. [Tobias lacht] Lukas: Mir sind

[00:40:08]  schriftliche Publikationen sehr wichtig, wobei es mir schon sehr zu denken gibt, dass die Verkaufszahlen

[00:40:18]  schon sehr sehr sinken. Und man wird das in den nächsten Jahren sicher kritisch hinterfragen

[00:40:23]  müssen, wenn das so weitergeht. Wie lange kann man [lacht] dem Steuerzahler noch zumuten, das zu zahlen,

[00:40:31]  beziehungsweise auf der anderen Seite. Es ist ja auch zunehmend schwierig, einem Autor oder einer

[00:40:36]  Autorin zu sagen, du hast so eine tolle Diplomarbeit zu einem Thema geschrieben, mach doch ein Buch

[00:40:42]  draus, wenn dann sehr wenige Stück verkauft werden, kann man eigentlich am jungen Menschen

[00:40:49]  kann immer zumuten, ein Jahr Zeit zu investieren, wenn dann 100 Stück oder 200 Stück verkauft werden.

[00:40:55]  Das muss man im Auge behalten, wird sicher eine schwierige Entscheidung der nächsten Jahre sein.

[00:41:01]  Wir versuchen jetzt mit Werbung neue Schichten zu erreichen, aber ich bin mir nicht sicher,

[00:41:08]  ob es in einigen Jahren die Reihe in der Form noch geben wird können. Tobias: Die Zukunft scheint immer

[00:41:15]  digitaler und immer weniger analog zu werden. Sei es von den Aktenbeständen, von den Publikationen,

[00:41:20]  weil ich denke ja auch auf die Uni, ich glaube die Uni Wien macht es ja mittlerweile

[00:41:24]  ganz ganz verstärkt, dass sie ja auch nur mehr oder viele Sachen, glaube ich, nur mehr online

[00:41:28]  publizieren. Also wirklich nur als PDFs online quasi, [unverständlich], was meiner Meinung

[00:41:34]  nach im mehr Nachteile eigentlich mit sich bringt, als wie Vorteile, aber ich mein, das ist für uns

[00:41:39]  auch irgendwo... Lukas: Ja man muss sich einfach die Frage stellen, ist ein Buch zur Lokalgeschichte noch zeitgemäß?

[00:41:47]  Also keine Ahnung, ein Buch über die Geschichte der Innsbrucker Innbrücken, ist das noch zeitgemäß,

[00:41:58]  ein Buch darüber zu schreiben, oder sind das fünf "Innsbruck erinnert" Beiträge oder ein PDF,

[00:42:06]  das man online stellt und hofft, dass es irgendwer liest. Das ist ja kein Phänomen, das bei uns liegt,

[00:42:13]  sondern das ist ja überall zu sehen. Viele kleinere Stadtarchive haben überhaupt die

[00:42:19]  Publikationsreihen schon vor Jahren eingestellt. Das haben eigentlich nur noch die Archive in

[00:42:26]  Landeshauptstädten, Publikationsreihen und da sind wir sicher in Österreich mit Abstand die

[00:42:32]  Eifrigsten, was die Herausgabe von Bänden angeht. Das ist sehr schön, aber eben wie gesagt,

[00:42:38]  das ist schon ein Punkt, den man ganz genau beobachten wird müssen, wie lange man diese Form

[00:42:45]  der Publikation noch fortführen kann. Außer es kommt zu einem Wechsel und die Leute kaufen wieder

[00:42:53]  mehr Bücher. Das weiß ich nicht, aber wir könnten ja auch eine kleine Anregung sein. Tobias: Das heißt,

[00:42:58]  was geben wir unsere Hörerinnen und Hörer auf... Lukas: Beiden. Tobias: Beiden ja. Beiden für die Zukunft mit oder was sie

[00:43:05]  davon von unserer Folge jetzt, für diese ersten Folge mitnehmen. Erstens vielleicht, dass sie gerne jederzeit

[00:43:11]  bei uns vorbeikommen dürfen. Lukas: Das ist sicher der wichtigste Punkt, also wer sich für uns, für

[00:43:16]  Geschichte, für Häuser, für Menschen, für Vereine oder so was... Tobias: Und sei es nur historische

[00:43:21]  Ansichten. Lukas: Oder fesche [Dialekt für schön] Fotos alte, interessiert, soll einfach einmal vorbeischauen. Wir

[00:43:27]  beißen nicht, ganz im Gegenteil, wir freuen uns, wenn ihr kommt. Wir stehen offen, wir kosten keinen

[00:43:32]  Eintritt, helfen gerne bei Recherche mit. Das ist überhaupt kein Thema. Wir haben auch alle

[00:43:38]  erforderlichen technischen Geräte zum Scannen und so weiter, die gratis zur Verfügung stehen.

[00:43:43]  Ist der eine Teil. Der zweite Teil ist, wir haben eine langsam, aber doch wachsende digitale

[00:43:51]  Plattform auf unserer städtischen Homepage. Wir haben alle Adressbücher der Stadt online stehen.

[00:43:57]  Wir haben verschiedene andere Dokumente, die wir sukzessive erweitern online,

[00:44:03]  beispielsweise 9000 Plakate, digital online, nur so als kleine Ding. Dann haben wir natürlich

[00:44:11]  mit "Innsbruck erinnert", wer es nicht kennt, unbedingt anschauen, eine wirklich täglich

[00:44:16]  wachsende Plattform, die unglaublich viel aufgerufen wird. Also muss sie schon dem Zeitgeist auch

[00:44:24]  entsprechen und auch ganz nett sein, nehm ich an. [Tobias lacht] Tobias: Vielleicht auch nicht immer ganz unkontrovers.

[00:44:31]  Nein aber, unkontrovers ist vielleicht ein bisschen zu nahe zu stark... Lukas: Aber die Diskussion ist ja nichts,

[00:44:36]  ist ja nichts schlechtes. Das ganz im Gegenteil. Also es darf ja, so langs nicht auf parteipolitische

[00:44:42]  oder solche Themen geht, aber das tut es eh nicht. Aber die Kommentare sind großteils von

[00:44:49]  beachtlicher Fachqualität und manchmal sind es einfach nur fesche Bilder oder lustige Geschichten.

[00:44:56]  Also das finde ich, ist natürlich auch ein Zeitphänomen. Also wie lange diese Plattform in

[00:45:03]  der Form dem Zeitgeist entspricht, weiß ich nicht. Aber das wird auch auch ein Ablaufdatum haben,

[00:45:09]  eines Tages haben. Tobias: Schauen wir. Lukas: Allerdings momentan ist es offenbar eine Form, die sehr gut angenommen wird.

[00:45:18]  Die Zugriffszahlen steigen immer noch und sind exorbitant hoch. Und natürlich ist es viel

[00:45:25]  Arbeit und bindet auch Personal und verhindert auch die Arbeit an anderen Orten. Das ist ganz klar.

[00:45:33]  Aber ich denke, es ist momentan so wichtig auch in schwierigen Zeiten ein bisschen Abwechslung

[00:45:43]  zu bieten oder virtuelle Spaziergänge zu bieten, dass ich da ganz streng dahinter bin, dass wir

[00:45:50]  da jeden Tag vier neue Fotos einstellen. Und es ist mir auch schon passiert, dass ich um 23 Uhr

[00:45:58]  drauf komme, dass ich für einen Beitrag dran bin und noch nichts habe. Und dann ist man froh,

[00:46:03]  wenn es vor Mitternachtung klappt. [Tobias lacht] Aber mir ist klar, dass es für die Mitarbeiter eine Belastung ist,

[00:46:10]  aber ich erachte es für sehr, sehr wichtig und soll ja auch dem Steuerzahler ein bisschen

[00:46:15]  Vergnügen bereiten. Ansonsten ja, vielleicht ist es auch wichtig, nachzudenken, dass das Klischee,

[00:46:22]  das man im Kino sieht, das Archiv von staubigen Räumen mit alten Männern drinnen, so nicht stimmt.

[00:46:31]  Also, bei mir schon aber sonst nicht. Tobias: Was ist es staubig bei dir? [lacht] Lukas: Wir werden vom Steuerzahler

[00:46:41]  bezahlt und umso mehr freuen wir uns, wenn wir dem Steuerzahler auch eine Dienstleistung zurückgeben

[00:46:47]  können. Und das geht heute am besten, wenn jemand vorbeikommt, anruft, anmailt und wir werden

[00:46:55]  versuchen, so schnell es geht und so gut es geht, weiter zu helfen oder zu antworten.

[00:47:01]  Tobias: Vor allem was ich auch gemerkt habe, wenn jemand vorbeikommt, das ist ja für uns auf der Bereicherung,

[00:47:06]  weil wir auch Sachen, was wir nicht aus Dokumenten ziehen können, auch alltagsgeschichtliche Sachen ja

[00:47:12]  doch irgendwo dann aufnehmen. Das finde ich nämlich auch wahnsinnig interessant an dem ganzen Beruf,

[00:47:17]  weil durch die Arbeit erfährst du dann eigentlich selber auch gleich wieder mehr. Auch wenn du für

[00:47:22]  Anfrage beantwortest, musst du dir selber auf die Suche gehen oder wenn da jemand quasi dann

[00:47:28]  auch aus der Familie ein Geschichte was erzählt, dann kommt dann auch dann relativ viel rüber.

[00:47:33]  Lukas: Also, ich bin in 25 Jahren nicht einmal bei der Tür rausgegangen, ohne dass ich nicht was dazugelernt

[00:47:39]  gehabt hätte. Also das ist sicher einer der ganz reizvollen Aspekte in dem Job, dass man jeden

[00:47:46]  Tag was Neues sieht, lernt, versteht, Zusammenhänge erkennt von Familien oder von Menschen, was

[00:47:53]  mitkriegt und versteht. Und das ist eigentlich was extrem reizvolles, dass man da laufend Neues

[00:48:03]  erkennt. Blöd ist natürlich, dass wenn man eines Tages nicht mehr da ist, dass natürlich mit jedem

[00:48:09]  Menschen, der geht, auch sehr viel Wissen und Fachwissen geht. Das ist ein großes Problem. Ja,

[00:48:17]  ich weiß auch keine Lösung dazu, aber denke mir, das ist gerade bei so etwas, was so aufbauend ist

[00:48:26]  wie in unserem Geschäft, dass ein Mensch, der nach 10, 20 Jahren geht und sagt, ab morgen bin ich

[00:48:32]  Pensionist, da bricht irrsinnig viel weg, was wieder Jahre braucht, bis man sich es arbeitet.

[00:48:38]  Aber es ist irgendwie... es hat noch keinen richtigen Weg gegeben, wie man das Wissen konservieren könnte. Das gibt's

[00:48:45]  blöderweise nicht. Aber ja, mal schauen. Tobias: Gut. Wir sind eh schon relativ foldgeschritten in der Zeit.

[00:48:54]  Das heißt, ich sage noch mal, danke, wir hören die eh noch mal in einer weiteren Folge,

[00:48:59]  in der nächsten sogar. Und wie gesagt, kommt noch mehr vorbei. Kommt zu uns vorbei,

[00:49:04]  es zahlt sich immer aus, muss ich sagen. Es gibt immer was zum Schauen. Lukas: Ja. das auf jeden Fall. Tobias: Das ist wie ein Spaziergang.

[00:49:10]  Tobias: [lachend] Das heißt, es gibt immer was zum Sehen.

[00:49:12]  [Outro-Musik]

Die Leiden der jungen ArchivarIn

Die Leiden der jungen ArchivarIn

Stadtarchiv Innsbruck

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Transkript

[00:00:00]  [Intro-Musik] Tobias: Hallo und herzlich willkommen zur zweiten Folge von Archivwürdig, dem Podcast des

[00:00:18]  Innsbrucker Stadtarchivs. In unserer heutigen Folge spreche ich ein weiteres Mal mit Lukas

[00:00:22]  Morscher, dem Leiter des Referats Stadtarchiv/Stadtmuseum. Nachdem wir in der vorigen Folge über

[00:00:27]  das Stadtarchiv selbst gesprochen haben, sprechen wir nun über alltägliche Aufgaben

[00:00:31]  einer Archivarin bzw. eines Archivars. Dazu zählen unter anderem die Bearbeitung von Anfragen,

[00:00:36]  die Erschließung von Archivgut oder auch das Verfassen von Beiträgen. Lukas gibt uns zusätzlich

[00:00:41]  Einblicke in seine zahlreichen Tätigkeiten und beschreibt, wie seine Anfänge im Archiv

[00:00:46]  aussahen und sich das Referat über die Jahre entwickelt hat. Das alles und noch mehr erwartet

[00:00:51]  euch und damit ab in die Folge. Lukas, danke, dass du dich bereit erklärt hast, eine Folge

[00:00:58]  mit mir zu machen. Wir haben in einer ersten Folge ja, in weiten Teilen, quasi das Archiv selbst

[00:01:06]  abgedeckt, was man im Archiv findet, was eh schon ein bisschen vorgegriffen, was so die Arbeiten

[00:01:12]  sind in einem Archiv oder in unserem Archiv eigentlich. Und vielleicht, dass wir jetzt ein bisschen wirklich

[00:01:17]  auf so Arbeitsschritte nochmal im Detail eingehen, wobei sich ja unsere zwei Arbeitsalltage eh

[00:01:26]  wahrscheinlich sehr gut unterscheiden, weil du in der leitenden Funktion natürlich ganz

[00:01:31]  andere, sagen wir mal, in ganz anderen Arbeitskreisen noch schwebst, als wie der quasi ordinäre

[00:01:39]  Archivbückling, der ich bin. Lukas: Ja, schweben, schweben, [lachen] schweben. Da kann ich ja so eine

[00:01:47]  sanft lächeln nicht. Nein, es ist natürlich klar, dass viel Verwaltungsarbeit ist. Tobias: Ich

[00:01:53]  glaube, das können wir gleich schon vorn weg... Also ich glaube, interne Anfragen ist, denke

[00:01:57]  ich, doch das schon ziemlich von dem, was wir tagtäglich bearbeiten, doch würde ich

[00:02:03]  sagen, das häufigste. Das meiste ist glaube ich schwierig zum sagen, aber immer... Lukas: Also

[00:02:10]  ich glaube, dass die magistratsinternen Anfragen zahlenmäßig relativ viele sind, also vor allem

[00:02:16]  Bereich Bau, Bereich Soziales, Tobias: Liegenschaften Lukas: Liegenschaften und so weiter, da kommt doch einiges zusammen.

[00:02:24]  Aber meistens sind das, der, der es kann, kann die Akten ausheben und das ist ein relativ

[00:02:31]  linearer Prozess, was jetzt vielleicht bei den Jugendamtsakten eher zu einer Wissenschaft

[00:02:38]  geworden ist. Aber ansonsten ist es relativ gerade. Anfragen, ich weiß nicht über einen

[00:02:45]  Künstler, der im 17. Jahrhundert in Innsbruck gewesen ist, das sind zahlenmäßig

[00:02:51]  nicht so viele, aber dafür ist es natürlich die Dauer, die man braucht für die Beantwortung

[00:02:55]  wesentlich höher. Es... Ich glaube, es teilt sich auf, was es ja auch ganz angenehm

[00:03:01]  macht. Das Beantworten von Anfragen ist ein Teil, aber natürlich auch neu eintreffendes

[00:03:09]  Material zu sichten oder Angebote zu schauen. Also ein Teil des Reizes, dieses Berufs, ist

[00:03:17]  ja auch der unendliche Facettenreichtum, ob es jetzt irgendein Hinweis ist, dass in

[00:03:25]  irgendeiner Auktion was interessantes ist, selber komme ich gar nicht dazu. Also im Dienst

[00:03:30]  sowieso nicht, eh Auktionskataloge anzuschauen. Tobias: Die wir ja auch regelmäßig zugeschickt bekommen [unverständlich]

[00:03:36]  Lukas: Ja ja. Aber Gott sei Dank haben wir ja auch Sympathisanten, die einfach sagen,

[00:03:41]  hast du schon das gesehen, hast du schon jenes gesehen, das hilft auch. Aber auch wenn jemand

[00:03:47]  entweder was, eine Fotosammlung vorbeibringt vom Opa, der verstorben ist oder auch einmal was verkaufen

[00:03:55]  will, diese Sachen zu sichten, sind sehr reizvoll, ist aber natürlich auch sehr verantwortungsvoll.

[00:04:02]  Man gibt das Geld des Steuerzahlers aus, will aber auf den anderen Seiten den, der da vielleicht

[00:04:09]  nichtswissend kommt, auch nicht schlecht behandeln. Das ist dann immer eine Abwägung, aber meistens

[00:04:16]  kommt man dann auch... Tobias: Auf einen grünen Zweig. Lukas: Auf einen grünen Zweig, ja. Also wenn jemand schon mit falschen Vorstellungen

[00:04:25]  kommt und dann muss ich er es halt wieder mitnehmen, das kommt ganz selten aber doch auch vor.

[00:04:31]  Aber dieser Teil ist sicher was, was auch viel Erfahrung braucht. Ich hab ja... Während dem Studium habe ich

[00:04:39]  zehn Jahre im Handelgearbeit, im Kunst- und Antiquitäten- und Antiquariatshandel gearbeitet.

[00:04:45]  Ich kenne da alle Facetten von Menschen, die Sachen verkaufen wollen. Und ja, da muss man

[00:04:52]  halt einfach fair dem Menschen gegenüber sein, vor allem auch dem Steuerzahler gegenüber.

[00:04:57]  Tobias: Dann würde ich sagen, nehmen wir mal jetzt quasi gleich den Fall her, jetzt übernehmen

[00:05:03]  wir, lassen wir es ein Fotoalbum sein, übernehmen wir oder kaufen wir, je nachdem, ein Fotoalbum

[00:05:10]  von einer Privatperson, einem Auktionshaus ist ja jetzt in dem Fall nicht extra tragisch,

[00:05:15]  sondern man schon dann im weiteren Teil. Wir haben das jetzt da, das heißt, wir gehen

[00:05:24]  jetzt in die Bearbeitung. Das heißt... wir, natürlich ist ja immer das große Thema Provenienz [lat. Herkunft]. Es ist immer

[00:05:31]  abzuklären, das ist natürlich in Zeiten von man hört es natürlich immer in den Medien bei den großen

[00:05:35]  Sachen mit Malereien aus den Nazi... ehm gestohlene Sachen. Das ist jetzt bei uns eher weniger

[00:05:41]  der Fall, oder wie ist das... Ist dir ein Fall bekannt? Nein? Lukas: Mir ist keiner bewusst jetzt. Tobias: Das heißt,

[00:05:47]  wir haben jetzt das Fotoalbum da und wir gehen jetzt in die Arbeit, werden es wahrscheinlich

[00:05:52]  entweder gleich in einem ersten Schritt versuchen zu digitalisieren, wenn es möglich ist. Lukas: Ich

[00:05:56]  würde einen Schritt vorher anfangen. Also wir haben es übernommen, weil es einen Innsbruck-

[00:06:01] Bezug hat. Tobias: Das stimmt. Lukas: Das ist, ich sage mal, der erste Schritt. Entweder die Menschen

[00:06:06]  sind in Innsbruck, aus Innsbruck bedeutende oder weniger bedeutende oder die Motive sind,

[00:06:13]  in irgendeiner Verbindung mit Innsbruck, kann auch sein, zum Beispiel mit der Universität oder so was

[00:06:18]  sind. Das ist einmal der eine Teil der Geschichte. Der andere Teil der Geschichte ist je... so kleine

[00:06:25]  ein Fotoalbum, wo es um geringe Stückzahlen geht, werden wir wahrscheinlich selber digitalisieren.

[00:06:31]  Größere Sammlungen werden bei vertrauenswürdigen Digitalisierungspartnern auswärts digitalisiert.

[00:06:39]  Tobias: Wobei das, wie gesagt, nicht immer, also das kann ja im Gleichschritt gehen, dann die Digitalisierung

[00:06:45]  geht ja manchmal entweder im Voraus dann schon oder erst im Nachhinein es kommt ja auch darauf an,

[00:06:49]  wo, wie das kommt. Lukas: Das kommt darauf an. Aber man strebt an, irgendwann ein Digitalisat vorliegen

[00:06:54]  zu haben, die dann je nach Zahl automatisiert oder nicht ins System eingespielt werden. Aber

[00:07:00]  besprochen, beschrieben und recherchiert werden müssen. Also wenn sie jetzt, keine Ahnung,

[00:07:09]  Viktor Franz Hess ist, dann muss man da auch die Lebensdaten raussuchen oder solche Dinge.

[00:07:14]  Und da ist halt dann auch immer die Frage, wie sehr geht man bei einer Beschreibung ins Detail.

[00:07:20]  Wie viel Recherche-Aufwand treibt man oder wie viel schreibt man, dass das Objekt auffindbar ist,

[00:07:29]  wenn jemand zu Viktor Franz Hess recherchiert. Das ist eine schwierige Gradwanderung, wenn man sich

[00:07:37]  ein Foto vorstellt beispielsweise vom Landhausplatz. Da habe ich, wenn ich jetzt vom Casino weg oder

[00:07:48]  vom Hochhaus weg auf dem Landhausplatz schaue, habe ich das Landhaus drauf, die TIWAG drauf,

[00:07:55]  oder zahlreiche Gebäude drauf. Tobias [murmelnd]: Vielleicht noch Stiegeln nebenbei. Lukas: Bitte? Tobias: Vielleicht noch die Stiegeln nebenbei. Lukas: Zum Beispiel, die Denkmäler

[00:08:03]  drauf, das Freiheitsdenkmal drauf, die Straßen, also die Willhelm-Greil-Straße und Salurnerstraße

[00:08:10]  Tobias: Vielleicht noch ein paar historische Autos. Lukas: Dann kommen die historischen Autos, historische Kleider,

[00:08:16]  Kleidungen, Werbungen auf Hausfassaden oder Ähnliches, vielleicht noch eine Litfaßsäule mit Plakaten.

[00:08:23]  Tobias: Vielleicht ist es gerade irgendeine Feierlichkeit, deswegen die Musik, die Schützen, die Landjugenden,

[00:08:29]  wie sie alle heißen. Lukas: Und dann ist noch die Frage, von wo im Hochhaus ist die Aufnahme

[00:08:35]  fotografiert worden, vom Hochhaus-Café, und so weiter. Und dann hat man noch im Hintergrund die Nordkette

[00:08:43]  mit allen möglichen und unmöglichen Möglichkeiten, die man da noch sieht. Und jetzt haben wir noch

[00:08:53]  keine Besonderheiten. Das heißt, ein relativ banales Foto von mir aus 1955, böte, so viele

[00:09:01]  Ansatzpunkte, die beschreibungswürdig sein können, dass... man kann da auch wahrscheinlich

[00:09:10] Tage recherchieren, um alles zu beschreiben oder eben nicht. Und diese Abwägung zu treffen,

[00:09:17]  wie weit geht man und wie weit nicht, ist sicher viel mit Erfahrung und auch von der

[00:09:24]  einzelnen Persönlichkeit. Da eine ist, will eher Masse weiterbringen, da andere lieber

[00:09:29]  in die Tiefe gehen. Aber das zeigt, dass selbst ein banales Foto schon auch sehr, sehr viel

[00:09:36]  Arbeit machen kann. Und ja, das muss man halt schauen, dass man das in einem vernünftigen

[00:09:42]  Maß behält. Tobias: Genau. Und dann ist noch, selbst wenn das bearbeitet beschrieben, digitalisiert

[00:09:49]  ist, dann ist natürlich für die Verwahrung, muss das ja nochmal meistens...

[00:09:54]  Lukas: Beschriftet und umgepackt werden. Tobias: Genau. Lukas: Ja nachdem Album, weil wir vom Album gerdet haben.

[00:09:58]  Tobias: Album, das muss man schauen, aber aber... Lukas: Muss man schauen. Tobias: Im Idealfall sagen wir es mal so.

[00:10:02]  Lukas: Man muss es noch in säurefreies alkalisch gepuffertes Papier eingeschlagen werden und beschriftet

[00:10:07]  werden und dann fachgerecht in eine Schachtel versenkt werden.

[00:10:11]  Tobias: Genau. Damit das quasi... Und am richtigen Ort.

[00:10:14]  Lukas: Am richtigen Ort.

[00:10:15]  Tobias: Am vorgesehenen Ort.

[00:10:17]  Lukas: Ja. Und natürlich, das ist ja auch immer eine Diskussion, die Arbeit mit bloßen Händen,

[00:10:24]  mit Stoffhandschuhen oder mit Kunststoffhandschuhen. Da gibt es natürlich auch Vorgaben oder Empfehlungen

[00:10:31]  von Verbänden, die sich natürlich auch immer wieder ändern. Lange Zeit hat man Baumwollhandschuhe

[00:10:39]  verwendet, bis man draufgekommen ist, dass man sozusagen ein, zum Beispiel mit Pilzsporen

[00:10:46]  abgedecktes Objekt angegriffen hat und dann ein anderes, dann stempelt man sozusagen die

[00:10:52]  Pilzsporen auf die neuen Objekte. Ich glaube, man muss da schon auch eine lebensneue Lösung

[00:10:59]  anstreben und nicht vor lauter Angst sich zu tode fürchten.

[00:11:03]  Tobias: Ja, und vor allem, man muss ja, weil du ja vorher gesprochen hast, wie detailreich.

[00:11:08]  Weil es hängt natürlich auch ein bisschen immer von dem, bei Fotoalben ist es klar, die

[00:11:12]  einzelnen Fotos wie weit im Detail, aber gerade bei größeren Aktenbestände ist natürlich auch

[00:11:16]  die Frage. Wo kann man, wo sind die wichtigen Sachen, was man sich hier raus schreibt, alles

[00:11:20]  geht nicht. Also das liest ja eigentlich auch fast alles nicht. Also so viel Zeit würdest

[00:11:25]  du ja eigentlich für die Einsicht der Akten schon brauchen, würde es derweil, das ist ja

[00:11:31]  Dreifach so lang wie dann nochmal wie das Verpacken und das Verzeichnen. Und das ist natürlich immer,

[00:11:36]  wir haben ja nicht, ich weiß gar nicht, was sind wir jetzt insgesamt im Archiv, für Archivtätigkeit

[00:11:41]  acht [zieht das Wort in die Länge], so was. Lukas: [murmelnd] Acht Leute, ja. Tobias: Und davon ja auch nicht alle Vollzeit. Das heißt, irgendwann muss man halt dann

[00:11:46]  überlegen, wo ist...

[00:11:48]  Lukas: Das ist eine Frage des Grenzennutzens. Da muss man einfach sagen, was geht und was macht Sinn

[00:11:54]  und was macht keinen Sinn. Und das ist auch natürlich Erfahrung und das ist auch wichtig,

[00:12:02]  Objekte so zu beschreiben, dass sie auch in ihrer Aussagekraft wiedergegeben werden.

[00:12:08]  Nur wenn ich jetzt zum Beispiel an ein simples Straßenschild denke, also Willhelm-Greil-Straße,

[00:12:19]  dann könnte man da schon wieder, was ja auch oft Datierungshilfen sind, sind das jetzt

[00:12:25]  die Weiß auf Weinrot, wie wir sie jetzt haben. Davor war das Dunkelbraun auf Creme,

[00:12:32]  davor war es mal schwarz auf Weiß und so weiter. Also mit diesen Dingen, wenn man weiß

[00:12:39]  von wann bis wann das war, kann man natürlich auch Fotos sehr gut datieren und das sind

[00:12:44]  halt dann die kleinen Tricks und Werkzeuge, die wir parat haben, die uns auch schnell

[00:12:53]  helfen, ein Foto schneller zu datieren, wie es vielleicht ein Leihe tut. Aber das ist

[00:12:59]  alles sehr viel Erfahrung und ja, aber das ist auch das Spannende, dass man auch im

[00:13:05]  Zuge der Recherche jeden Tag was dazu lernt.

[00:13:08]  Tobias: Ja, ein anders gutes Beispiel, wäre da die Baustufen in der Stadt. Ist die Brücke schon

[00:13:12]  da, ist die Straßen schon da oder ist das des schon da zum Beispiel oder ist das noch nicht

[00:13:16]  da.

[00:13:17]  Lukas: Ja, aber da gibt es ja auch wieder ganz besondere Heimtücken. Du bist zu jung, du kennst das ja nicht mehr,

[00:13:22]  aber ältere Leute kennen das ja noch. Es hat einmal am Bahnhofsvorplatz so einen Fahrrad-Silo

[00:13:29]  gegeben. Der war es so, ich weiß nicht, 10, 12 Meter hoch und da haben wir eben

[00:13:34]  unten das Fahrrad rein geschoben und das hat sich dann in einer Kiste da in diesem Silo

[00:13:38]  gelagert und irgendwann ist es wieder rausgekommen.

[00:13:41]  Tobias: Das richtige oder das...

[00:13:43]  Lukas: Das weiß ich nicht. [lachen] Aber das ist etwas ganz Heimtückisches, weil dieses Bauwerk hat es

[00:13:50]  ich weiß nicht, 8 Jahre gegeben oder 10. Also es gibt auch selten aber doch Bauwerke, die kommen

[00:13:58]  und wieder gehen ohne Spuren zu hinterlassen. Oder auch an gleicher Stelle, wie der Bahnhof

[00:14:04] neu gebaut wurde, hat es ja mal den roten Platz gegeben. Das hat sehr viel Geld gekostet,

[00:14:10]  den Asphalt rot einzufärben.

[00:14:12]  Tobias: Echt?

[00:14:13]  Lukas: Ja, das hat unendlich Geld gekostet.

[00:14:15]  Tobias: Habe nicht mal gewusst dass es den roten...

[00:14:17]  Aber er ist nicht rot, also...

[00:14:18]  Lukas: Er war rot. Er hat sich aber lustigerweise, weil das so schnell von den Autoreifen abrieb

[00:14:24]  bedeckt war, hat sich der rote Platz nie durchgesetzt als Name. Aber da gab es schon,

[00:14:32]  das ist 20 Jahre her, da gab es schon Geldvernichtungen zum Teil, die echt beeindruckend waren.

[00:14:40]  Tobias: Interessant. Nein, das ist mir komplett neu [lachend] mit dem roten Platz verbunden.

[00:14:44]  Lukas: Aber eben das Spannende, es gibt also nicht nur ab wann, sondern von wann bis wann gibt's

[00:14:49]  auch

[00:14:50]  Tobias: Etwas, was wir, oder was mir immer auch einfällt und ich auch gerne sage, wenn ich über meine

[00:14:56]  Tätigkeit oder was ich da so mache, was oft und meist nicht jeden Tag der Fall aber

[00:15:02]  doch immer wieder vorkommt, ist wie körperlich anstrengend sogar die Archivarbeit sein kann

[00:15:07]  Da werden jetzt vielleicht manche daheim schmunzeln, aber allein wenn

[00:15:10]  wir jetzt sagen, du weißt das auswendig, die Zahlen, was wir an... wie viel Tonnen Papier haben wir

[00:15:15]  in die Feldstraße bringen lassen?

[00:15:17]  Lukas: Also in die Feldstraße sind 170 Tonnen Papier und 30 Tonnen anderer Objekte transferiert

[00:15:26]  worden. Inzwischenzeit würde ich schätzen, dass noch einmal fünf Tonnen Papier dazugekommen

[00:15:32]  sind.

[00:15:33]  Tobias: Ja, und die müssen ja auch, also es ist ja nicht so, dass die müssen... klar die Lieferung daher

[00:15:37]  ist es mit LKW und so weiter, aber die müssen ja auch verräumt umgeräumt teilweise.

[00:15:41]  Und das ist dann die...

[00:15:43]  Lukas: Es war ja gerade eine Benützerin da, die hat ein paar Schachteln gebraucht.

[00:15:47]  Ja, natürlich. Wobei der große Segen in der Feldstraße ist ja aus meiner Sicht, dass

[00:15:53]  man nicht mehr in Einzelschachteln rechnet sondern in Paletten.

[00:15:58]  Tobias: Ja.

[00:15:59]  Lukas: Und das macht natürlich für einen einzelnen Menschen den Transport von größeren Gewichten

[00:16:06]  zu einem Kinderspiel, [lacht] hätte auch nie gedacht, dass ich einmal, mein Brot zum Teil

[00:16:13]  als Palettenfahrender, führender Mensch verbringen verdienen werde. Also das war auch ungewohnt, aber

[00:16:21]  das ist ganz, ganz segensreich und ich bin sehr, sehr froh und dankbar, dass wir das

[00:16:28]  Vertrauen auch bekommen haben, die Feldstraße übernehmen und adaptieren zu können, dass

[00:16:35]  wir in einem sehr bescheidenen Maßen gemacht haben.

[00:16:37]  Aber..

[00:16:38]  Tobias: Das ist als Arbeitsplatz einfach fein, weil es ist groß, du kannst... also du hast Platz

[00:16:45]  einfach, das ist das. Lukas: Ja.

[00:16:46] Tobias: Was uns in der Badgasse einfach fehlt, ganz ehrlich.

[00:16:47] Lukas: Ja, einfach

[00:16:48]  Tische, die zehn Meter lang sind, wo man mal Dinge auflegen kann, um sie zu sortieren

[00:16:53]  und dann wieder zusammenführen kann. Allein das wäre in der Badgasse denkunmöglich.

[00:16:58]  Tobias: Oder der Raum mit den ganzen Plänen. Wir haben ja in einem Raum, weiß ich nicht, was sind es jetzt

[00:17:04]  acht Planschränke, plus vier kommen dazu, glaube ich, nehmen alle Platz ein in

[00:17:09]  der Badgasse unmöglich, irgendwo einen Platz für das zu finden, ma vielleicht im Keller,

[00:17:13]  vielleicht, wenn überhaupt.

[00:17:15]  Lukas: Im Keller nebene dem Inn ja.

[00:17:17]  Tobias: Das nächste Problem aber ja.

[00:17:19]  Und das war vereinfach das ganze schon.

[00:17:22]  Auch die Lagerung natürlich irgendwo.

[00:17:24]  Lukas: Ja.

[00:17:25]  Mein Feldstraße ist jetzt nicht gerade ein Ort, der jetzt wahnsinnig repräsentativ ist,

[00:17:31]  [lacht] kann man jetzt so wirklich nicht sagen, aber es geht ja nicht um Repräsentativität, sondern

[00:17:36]  es geht einfach darum, dass man Platz hat.

[00:17:37]  Und dafür ist das ein hervorragendes Objekt.

[00:17:42]  Aber natürlich, und davon sind wir ja ausgegangen, es ist ein ganz anderes Arbeiten in der

[00:17:47]  Feldstraße wie in der Badgasse.

[00:17:49]  Und ich bin jede Woche einen Tag fix hier draußen und ich genieße den Tag, weil ich auch manchmal

[00:17:59]  mich freu einfach zu sehen, dass man was weitergebracht hat.

[00:18:03]  Eben Schachteln einmal umzuräumen oder so.

[00:18:06]  Das macht schon auch Spaß oder was zu sortieren und so.

[00:18:12]  Das ist schon auch ein ganz angenehmer Teil des Arbeiten.

[00:18:18]  Tobias: Ja, plus die Brauerei, die Erdgeschoss ist auch nicht ganz [unverständlich]

[00:18:21]  Die ist... Die ist und... von der... nur nur... geruchlich...

[00:18:24]  Lukas: Ich war seit zwei Jahren nicht mehr dort.

[00:18:27]  Tobias: Ich [zieht das Wort in die Länge] war... Doch, ich war mal, wie wir mal.. da haben wir eine Führung gehabt, wann war denn das.

[00:18:33]  Lukas: Ah ja, da seid ihr dann Bier trinken gegangen.

[00:18:35]  Tobias: Ja, der war ja nur quasi, habe ich ein bisschen verlängert und dann sind wir noch gemeinsam

[00:18:39]  runter auf eine kühle Limonade.

[00:18:43]  Lukas: Nein, ich stehe ja auf einem gut, besten Fuß mit denen, aber irgendwie... ja.. war schon ewig nicht dort.

[00:18:52]  Tobias: Was wolltest du jetzt noch sagen? Es ist mir entfallen.

[00:18:54]  Lukas: Ein anderer Teil des Arbeitsfeldes ist auch, dass man auch Menschen oft berät, was sie

[00:19:03]  mit Objekten tun können oder sollen.

[00:19:06]  Sei es konservatorisch, restauratorisch, sei es auch Verkauf oder Nichtverkauf.

[00:19:14]  Auch solche Dienstleistungen passieren relativ häufig, von denen man nachher natürlich nichts sieht.

[00:19:21]  Aber das ist auch, glaube ich, eine wichtige Funktion.

[00:19:25]  Wenn man also sagt, Vorsicht, das ist jetzt was Wertvolles, das gehört ins Dorotheum oder so was.

[00:19:31]  Ganz beliebt sind natürlich Wohnungsauflösungen, die, wenn man da ein bisschen schauen kann,

[00:19:37]  ob noch was für das Archiv dabei ist.

[00:19:39]  Und wenn man da dann sagen kann, Vorsicht, das sind noch wertvolle Sachen, macht das auch Spaß

[00:19:46]  und passiert auch immer wieder einmal.

[00:19:49]  Und die Menschen sind erleichtert, dass Dinge nicht weggeworfen werden, die für uns von Interesse sind.

[00:19:57]  Das ist also etwas, was wir auch sehr gerne und sehr kurzfristig machen können

[00:20:03]  und haben da schon die interessantesten Objekte aus den unscheinbarsten Wohnungen herausgetragen.

[00:20:11]  Ich kann mich an einen Fall, der ist auch schon bald 20 Jahre her, ja, ist ja schon eine kleine, relativ finstere Wohnung.

[00:20:20]  Haben die Erden gesagt, wir können alles mitnehmen, aber es muss bis Mittag weg sein.

[00:20:26]  Und das war die Wohnung eines Bühnenbildners vom Landestheater.

[00:20:30]  Und das sind hunderte Skizzen und Entwürfe, Originalzeichnungen.

[00:20:38]  Und könne man mehrere Jahrzehnte von Bühnenbildern abdecken.

[00:20:44]  Und ich weiß, das war an einem heißem Augusttag und das war einer der schmutzigsten Arbeitstage meines Lebens.

[00:20:51]  Und das war dann wirklich ein sehr, sehr erfolgreicher Einsatz.

[00:20:56]  Die Wohnung hat wirklich nicht danach ausgeschaut.

[00:20:59]  Aber ja, es gibt vieles, was man sich in Innsbruck so nicht erwarten würde.

[00:21:06]  Tobias: Ja, neben den klassischen Arbeiten, was wir jetzt schon ein bisschen angerissen haben,

[00:21:10]  haben wir natürlich auch in der ersten Folge mit den Publikationen.

[00:21:14]  Ist natürlich nicht nur, das ist quasi extern. Also wir haben natürlich da selber auch für Publikationen auch Schreibarbeit sozusagen zu liefern oder zu machen.

[00:21:23]  Lukas: Ja, "Innsbruck erinnert" ist auch Schreibarbeit.

[00:21:26]  Tobias: "Innsbruck erinnert" plus dann haben wir die "Innsbruck informiert".

[00:21:29]  Jetzt, was ja heuer wieder die ...

[00:21:32]  Lukas: Wird es ab Februar wieder zu uns kommen.

[00:21:34]  Tobias: Genau, und die historischen ...

[00:21:36]  Lukas: Die Denkmal-Tafeln und die Straßennamen-Tafeln.

[00:21:39]  Aber da gibt es nicht unendlich, aber doch sehr viele so Nebenaufgaben, die bei uns liegen.

[00:21:48]  Also wir haben den "Barcal-Preis" an der Universität, den wir gestiftet haben, nach einer Erbschaft.

[00:21:54]  Und den wir also auch jedes Jahr betreuen zusammen mit der Universität beispielsweise.

[00:22:01]  Oder wir haben die "Gedenkpotenziale", einen Preis für junge Künstler:innen, die im NS-Kontext mahnende Kunstwerke schaffen.

[00:22:13]  Wir sind natürlich auch für Beratungen bei Straßennamen mit zuständig.

[00:22:18]  Wir sind also wie vor eine lange Zeit für die Fahnen in der Stadt, zuständig und für das Bühnenvorzeig.

[00:22:24]  Tobias: Für die Fahnen?

[00:22:25]  Lukas: Für die Fahnen, zum aushängen.

[00:22:27]  Tobias: Ahso, pff [schnaubt und lacht] Lukas: Bis vor, weiß nicht, 10 Jahren vielleicht.

[00:22:31]  Tobias: Bist du dann durch die Straßen gegangen und sagst, [mit überspitzter Stimme] "sie müssen hier eine Fahne hissen".

[00:22:35]  [lachen] Und wenn sie diese Fahne nicht hissen, dann gibt es eine Organstrafverfügung"!

[00:22:40]  Lukas: Nein, aber die blöden Fahnen, bei einem Föhnsturm waren die Fahnen immer gleich kaputt.

[00:22:46]  Und die müssen wir nachbestellen und woher kriegt man einmal in 30 Jahren in Verwendung stehend,

[00:22:54]  eine Fahne der Fidschi-Inseln. [Tobias schnaubt]

[00:22:57]  Lukas: Ja genau. Kostet ein Vermögen und braucht man einmal und nie wieder.

[00:23:03]  Aber wenn halt der Botschafter der Fidschi-Inseln kommt, dann muss irgendwo eine Fahne her.

[00:23:07]  Das ist Gott sei Dank erledigt.

[00:23:10]  Dann bin ich für den Schutz von historischen Kleindenkmälern in der Stadt zuständig.

[00:23:14]  Das sind auch so, was haben wir jetzt, da sind 200 Kapellen und Bildstöcke.

[00:23:20]  Dann bin ich neuerdings für die Subventionen im kirchlichen Bereich zuständig.

[00:23:27]  Also für Kirchensanierungen vor allem, und Erweiterungen.

[00:23:32]  Tobias: Du bist ja Sachverständiger?

[00:23:34]  Lukas: Ich bin Kirchtsachverständiger, aber nicht für die Stadt, sondern als Privatier sozusagen.

[00:23:42]  Für ein paar Bereiche Kirchtsachverständiger.

[00:23:45]  Und dann sind halt alle möglichen Dinge natürlich auch für das Goldene Dachl zu machen.

[00:23:50]  Und was macht man eigentlich noch so den ganzen Tag?

[00:23:53]  Tobias: Ausstellungen.

[00:23:54]  Lukas: Ausstellungen kommen dazu, was ich eigentlich fast zur Gänze aufgehört hab,

[00:23:59]  sind Tagungsteilnahmen, gibt es kaum mehr,

[00:24:03]  weiß nicht vor wieviel Jahren ich auf der letzten Tagung außerhalb Innsbrucks war.

[00:24:08]  Ist sicher zehn Jahre her.

[00:24:10]  Und dann gibt es natürlich so Dinge wie kleine Vorträge in Seniorenrunden.

[00:24:17]  Und so, das ist ja auch ganz nett, Abwechslungsreich, aber...

[00:24:20]  Tobias: Beziehungsweise selber die Gestaltung von...

[00:24:23]  Also wenn Buchpräsentationen und so weiter. Lukas: Ja, und ich mein die Abendveranstaltungen, die ja jetzt nach Corona eigentlich da nieder liegen, muss man ehrlich sagen,

[00:24:31]  weil sich das Publikum ein bisschen verlaufen hat im gesamten Kulturbereich.

[00:24:36]  Ich war kürzlich bei einer Lesung von zwei Autoren, die durchaus nicht unbekannt sind.

[00:24:46]  Und wir waren, glaube ich, zu siebt. Als Zuhörer, das tut natürlich sehr, sehr weh, vor allem den Autoren.

[00:24:56]  Wir kämpfen genauso mit... bei einer Buchpräsentation, dass Publikum ausbleibt.

[00:25:02]  Veranstaltungen machen wir derzeit auch sehr wenig, genau aus dieser Befürchtung.

[00:25:08]  Und ich weiß nicht, ob und wie sich das wieder einspielen wird und wie wir dagegen vorgehen könnten, dass Menschen nicht nur Podcasts hören,

[00:25:20]  sondern auch vielleicht ins Archiv gehen.

[00:25:23]  Tobias: Das war immer ideal für eine Wechselwirkung, dass die, die was die Podcast hören, dann zu uns ins Archiv kommen.

[00:25:30]  Lukas: Und dann Bücher kaufen.

[00:25:31]  Tobias: Und dann Bücher kaufen ja, vielleicht die Ausstellungen anschauen.

[00:25:35]  Lukas: Und wiederkommen.

[00:25:35]  Tobias: Und wiederkommen. Und wieder hören.

[00:25:37]  Und das sieht aus wie ein Teufelskreis.

[00:25:40]  Nein, Engelskreis. [beide lachen]

[00:25:42]  Lukas: Ich glaube, dass dir eher der Teufelskreis hängt.

[00:25:48]  Tobias: Ja, was will mal erwarten, wenn man aus dem Unterland kommt.

[00:25:52]  Lukas: Hm. Oder mich anschaut.

[00:25:53]  Tobias: Ja. [lacht] Oder mit dir eine Folge macht.

[00:25:55]  Lukas: Ja. Also das ist eben auch der Reiz dieser ganzen Tätigkeit, dass es eine solche Vielzahl von Sachen sind.

[00:26:03]  Tobias: Und die Abwechslung eben, weil ja nicht jeder Arbeitstag gleich ist.

[00:26:06]  Weil du weißt nicht, was auf dich zukommt.

[00:26:07]  Lukas: Keiner ist gleich.

[00:26:08]  Es kommen ja... da wird man im politischen Ausschüssen...

[00:26:14]  Dann ist man ja ein paar Gremien vertreten, ein paar Jurys immer wieder einmal.

[00:26:18]  Also es gibt so viele verschiedene Tätigkeiten, dass kein Tag ist wie der andere und vor allem [lacht kurz] auch kein Tag wirklich verhersehbar,

[00:26:27]  was alles, wer als nächster bei der Tür reinkommt.

[00:26:31]  Tobias: Ja, weil das ist nicht immer das, es ist zwar eine Konstante, aber halt eine, dass jemand bei der Tür reinkommt.

[00:26:38]  Aber was er will, was er braucht, das ist natürlich meistens unverhersehbar.

[00:26:44]  Und dann kann man ja sie skurilsten Anfragen daher manchmal.

[00:26:47]  Aber [lachr] es ist auch wieder wie gesagt, interessant und Abwechslung.

[00:26:51]  Weil selber auch ja natürlich seine Interessen hat, sage ich mal, privat, wie beruflich auch irgendwo.

[00:26:57]  Und man da ja gerade bricht dann oft mit seinen Interessen und irgendwas anders reinblickt, wo ich davor überhaupt auch selber gebe,

[00:27:05] ich auch offen zu, keine Ahnung gehabt habe.

[00:27:07]  Stattgeschichtlich, was weiß ich.

[00:27:09]  Und dann geht dann dieser Blick nach außen und dann verbreitet sie auch der eigene Sichthorizont irgendwo.

[00:27:16]  Lukas: Ja natürlich, man lernt was dazu.

[00:27:18]  Man sieht Dinge neu oder auch anders.

[00:27:21]  Wobei auf eins muss man schon ein bisschen achten.

[00:27:25]  Es gibt in jeder Familie so Familientraditionen, also Berichte, was der Opa oder die Oma oder sonst wer gemacht hat.

[00:27:31]  Da muss man natürlich auch immer aufpassen, dass man sich, dass man diese Sachen nicht ungeprüft, an dritte weiter gibt.

[00:27:39]  Also, dass, der Opa hat das und das gemacht und dann heißt der Herr X, der Herr Y hat das gemacht.

[00:27:45]  Das muss immer geprüft werden, wenn man sonst Gefahr läuft, sozusagen so Familienlegenden falsch weiterzugeben.

[00:27:54]  Das ist nicht ganz unproblematisch.

[00:27:57]  Und natürlich, wir treffen ja auch auf Charaktere aller Art.

[00:28:01]  Im Guten wie im weniger Guten, die einen auch ziemlich strapazieren.

[00:28:08]  Ich denke, mit gruseln ein bisschen an, wie der Adolf-Pichler-Platz umgebaut wurde,

[00:28:18]  gab es einen der Hauptbürger- und Bewegungsmenschen, der da sehr aktiv war.

[00:28:27]  Und der ist regelmäßig zu mir gekommen, um mir einerseits die Plakate zu bringen, die sie aufgehängt haben.

[00:28:35]  Was ja sehr schön ist, haben wir jetzt noch glaube ich sechs Ordner voll.

[00:28:38]  Und auf der anderen Seite war die sehr anstrengend und eigentlich immer so mehr, der minder stark betrunken.

[00:28:48]  Und das war dann immer ein sehr schwieriger Termin.

[00:28:56]  Und danach, dann musste man dann immer kräftig lüften.

[00:29:02]  Und so, also es gibt auch schwierige Fälle, mit denen man zu tun hat.

[00:29:07]  Der Betreffende ist leider dann auch kurz darauf an einer Leberzirrhose verstorben.

[00:29:12]  Und so, man hat das ganze Bandbreite durch.

[00:29:19]  Zu den schönsten Erinnerungen finde ich, es gibt so ein Buch über das Innsbruck Alltagsleben.

[00:29:29]  Und da ist ein Foto von einem Polizisten drauf.

[00:29:33]  Tobias: Also auf dem Cover?

[00:29:35]  Lukas: Auf dem Cover. Und dieser Polizist war ein französischer Besatzungssoldat.

[00:29:43]  Und dessen Sonn hat nichts ahnend vor ein paar Jahren in Innsbruck in einer Buchhandlung so umher gestöbert.

[00:29:50]  Und [lacht] sieht das Foto, seines Vater am Cover drauf.

[00:29:55]  Der war natürlich schon sehr, sehr, der hat sich wahnsinnig freit.

[00:29:58]  Und ja, es gibt einfach so.

[00:30:00]  Tobias: Und du, ist der bei dir noch auftaucht?

[00:30:02]  Lukas: Ja, er ist auftaucht. Und mit dem war ich lang in Kontakt.

[00:30:08]  War ja auch kein Kind mehr.

[00:30:10]  Also man erlebt im Laufe der Jahre schon interessante Personen und Persönlichkeiten.

[00:30:18]  Aber eben auch schön, wenn man einfach einem Volksschüler beim Quiz über die Altstadt einmal helfen kann.

[00:30:26]  [Lukas verändert die Stimme; redel kindlich] "Wie viele Schindeln hat das goldene Dachl? [Tobias lacht]

[00:30:30]  Da gibt es immer zum Schulschluss so Kindergruppen, die dann umherlaufen.

[00:30:34]  Tobias: Ja, die laufen immer mit diesen Schnitzeljagd.

[00:30:36]  Lukas: Ja genau, das Lustigste ist dann, wenn einer wiff genug ist und sagt, wir gehen ins Stadtarchiv.

[00:30:43]  Und haben dann vielleicht, weil man ihnen hilft, das Quiz relativ rasch erledigt.

[00:30:47]  Tobias: Ja, auf die Idee wäre ich als Kind...

[00:30:49]  Und vor allem, das sind ja meistens, was sind denn das?

[00:30:51]  Das sind ja keine Volksschüler oder?

[00:30:53]  Ich tue mir da so schwer, Kinder einschätzen.

[00:30:56]  Lukas: Jetzt waren sie eh schon länger nicht mehr, aber früher sind die immer gleich einmal da gewesen.

[00:31:00]  Tobias: Mhm, ich kann mich auch noch gut erinnern. Sind immer unten an der Kasse vom Museum aufgeschwappt und dann sind sie hinauf geschickt worden.

[00:31:06]  War eh witzig auch immer, irgendwie.

[00:31:08]  Was hätten wir sonst noch an Tätigkeiten und was erwähnenswert ist?

[00:31:13]  Lukas: Wir haben natürlich als Teil der öffentlichen Verwaltung sind wir nicht primär gewinnoptimiert und gewinnorientiert.

[00:31:21]  Und ich sehe ganz gezielt und ganz bewusst auch die Aufgabe für die öffentliche Hand, die viel zu wenig dafür tut, dass Menschen mit verschiedenen Behinderungen auch einen Job haben.

[00:31:38]  Und wir haben doch zu 30 Prozent Menschen mit mindestens 50 Prozentiger Behinderung.

[00:31:47]  Das halte ich für ganz wichtig.

[00:31:49]  Das sind auch alle von mir bewusst angestellt worden oder übernommen worden.

[00:31:55]  Das sind ja auch Leute, die aus dem Rathaus weg mussten, weg wollten, dabei.

[00:32:02]  Und ich glaube, dass das viel zu wenig in der öffentlichen Verwaltung oder in öffentlichen Betrieben gemacht wird, dass Menschen mit Behinderung im Rahmen ihrer Möglichkeiten eingesetzt werden.

[00:32:17]  Wir haben auch jemand mit 100 Prozent Behinderung und nach 20 Jahren hat die jetzt auch eine Assistenz bekommen.

[00:32:25]  Es relativiert den eigenen Blick auf die eigene Gesundheit.

[00:32:32]  Aber es ist auch für viele dieser Leute ein ganz wichtiger Teil ihres Lebens geworden.

[00:32:39]  Und es ist außerordentlich bedauerlich, dass es nicht mehr Stellen gibt, die solchen Leuten eine Chance geben.

[00:32:47]  Es funktioniert eh nicht immer.

[00:32:49]  Manchmal ist es auch nicht gegangen, aber die meisten dieser Projekte, Integrationsprojekte funktionieren glaube ich gut bis sehr gut.

[00:33:02]  Und was mich unendlich grantig macht dabei ist im Verwaltungsbereich werden die Menschen so behandelt, als wären sie voll einsatzfähig und sind aber aufgrund ihrer Behinderung nicht voll einsatzfähig.

[00:33:21]  Und dann hört man, du hast eh so viele Leute, du hast eh so viele Leute dazu bekommen, aber keiner sagt, dass die nicht voll einsatzfähig sein können oder nicht müssen.

[00:33:32]  Aber das ist ärgerlich, dass die also sozusagen im Dienstpostenplan, als gesunde gezählt werden, aber nicht ganz gesund sind.

[00:33:40]  Trotzdem würde ich keinen freiwillig hergeben, aber das halte ich schon für eine sehr, sehr wichtige und völlig unter schätzte Aufgabe der öffentlichen Verwaltung.

[00:33:53]  Auf der anderen Seite haben wir ja auch die Möglichkeit mit Praktikanten zu arbeiten, vor allem im Sommer.

[00:34:00]  Tobias: [leise] Stimmt, genau, das wollte ich auch ansprechen mit dem Praktikum.

[00:34:02]  Lukas: Und da ist die Verwaltung sehr, sehr großuügig uns gegenüber, dass wir sehr viele und auch über viele Monate haben können.

[00:34:14]  Tobias: Ich glaube heuer waren wir gleich vom Mai bis November eigentlich.

[00:34:19]  Lukas: Bis November und dann kommen noch die so Ausbildungspraktikanten dazu, die kommen dann auch noch.

[00:34:25]  Aber wir haben doch sehr viele gehabt und dafür sind wir sehr dankbar und ich glaube auch, dass die Praktikanten, die entweder im Studium stehen oder vor einer Studienwahl stehen, daraus auch sehr großen Gewinn ziehen können und sagen, das will ich studieren oder lieber doch nicht.

[00:34:43]  Tobias: Ja, weil wir haben ja gerade heuer einen Schwung, natürlich Studenten gehabt, mitten im Studium.

[00:34:50] Einige was am Studium-Anfang waren, die sind dann eben, was sind die, 19, 20 so was.

[00:34:55]  Aber wir haben natürlich auch eine, ich glaube, zwei Monate waren drin, wo wir dann eigentlich hauptsächlich Schüler gehabt haben.

[00:35:01]  Die war es halt, ich glaube, kurz vor der Matura stehen.

[00:35:04]  Das ist natürlich auch interessant, weil das ist auch für uns irgendwo ganz unterschiedlich, denn die Personen sind ja in einem ganz anderen Lebensabschnitt.

[00:35:13]  Aber es ist trotzdem... alle irgendwo quer durch interessant.

[00:35:16]  Lukas: Ja, und so quer durch, dass der älteste Praktikant, den wir je gehabt haben, war 58. [Tobias lacht]

[00:35:23]  Und heuer haben wir auch, die Claudia ist, 55, 55.

[00:35:30]  Tobias: Irgendsowas glaube ich. Ohne ihr da... [lacht] Lukas: Keine Ahnung...[beide reden durcheinander] Tobias: [lachend] Nicht dass ich danach eine Rückmeldung krieg. [lacht]

[00:35:38]  Lukas: Und fliegendes das Messer.

[00:35:41]  Aber es ist auch schön, wenn man Leute, die später ein Studium machen, dass die dann auch sozusagen erste fachliche Gehversuche machen können,

[00:35:52]  die ja mit einer ganz anderen Interessenslage studieren und dann auch nicht mehr das hauptberuflich machen wollen, sondern vielleicht begleitend.

[00:36:05]  Tobias: Und man muss ja sagen, ich sage ja, wenn man historisch arbeiten will, Arbeitsplätze sind ja auch immer nur überschaubar vorhanden.

[00:36:13]  Also natürlich gibt es mehrere Optionen, aber die großen Institutionen, wie jetzt das Stadtarchiv, das Landesarchiv, Landesmuseum, dann ist es dann eh schon relativ eng.

[00:36:25]  Lukas: Und Uni halt, ja.

[00:36:27]  Tobias: Ja, und Uni natürlich eh, klar.

[00:36:28]  Lukas: Also es heißt also, man kann eigentlich eh noch über Projekte oder sowas versuchen Fuß zu fassen.

[00:36:36]  Aber da sind natürlich Leute, die mit 40 oder was zu studieren beginnen, um das als Neigung zu machen,

[00:36:43]  haben den großen Vorteil, dass sie mit einer ganz anderen Lebenserfahrung dann arbeiten, als jemand, der noch nie in einem Büro gearbeitet hat oder so.

[00:36:54]  Also das ist schon auch für uns sehr hilfreich und auch diese Praktikanten, hoffe, dass uns das erhalten bleibt, dieses System, aber das ist schon was ganz wertvolles.

[00:37:08]  Tobias: Ja, vor allem für uns, so blöd es klingt, aber die nehmen uns so viel Arbeit auch ab, wo wir ja über das ganze Jahr hinweg, zum Teil einfach nicht mehr so in...

[00:37:18]  oder zumindest in dauerhaft so viel Zeit investieren können für Aufnahme oder Feinaufnahme von eben Fotoalben, Fotobestände, wo die einfach doch dann, die können wir hinsetzen,

[00:37:30]  die können dann im Monat plus/minus und immer ein bisschen abwechseln natürlich, aber an dem arbeiten, wo wir dann aber springen müssen, dann ist der Termin, der Termin,

[00:37:39]  den Luxus haben wir einfach zum Teil ja nicht mehr. Aber nur auf die Praktikanten seit wann, kannst du dich erinnern, seit wann, wir im Archiv oder,

[00:37:50]  ich mein, in der Stadt wahrscheinlich eh schon länger, aber diese Praxis mit, dass im Sommer ja wirklich viel ist, teilt sie auf, auf die Stadt.

[00:37:58]  Lukas: Und die wirklich vielen, wie wir sie jetzt die letzten Jahre haben, geht erst, würde ich sagen, vier, fünf Jahre zurück.

[00:38:06]  Es hat einmal einige Jahre gegeben, wo es überhaupt keine Praktikanten bei der Stadt gegeben hat, weil nur mehr die Söhne und Töchter von Magistardsmitarbeitern Praktika machen konnten,

[00:38:21]  oder halt das war dann ein fast ein bisschen Missbrauch des Praktikantentums, dass man da nur die eigenen Kinder untergebracht hat.

[00:38:30]  Und das ist dann, ich weiß jetzt nicht vor zehn, zwölf Jahren, dann irgendwann einmal abgedreht worden und dann hat man gesagt, das bringt eh nix und dann hat es ein paar Jahre keine gegeben,

[00:38:41]  aber jetzt gibt es wieder welche, wobei viele Dienststellen wollen gar keine, weil was zum Teil ja auch stimmt, bis die was können, sind sie wieder weg.

[00:38:52]  Tobias: Naja, ich denke mir gerade was so Rechtssachen betrifft oder?

[00:38:56]  Lukas: Ich weiß ja nix, aber auch wenn es nur normale Büroabwicklung ist, bis er weiß, was ein Dienstweg ist, ist er weg.

[00:39:04]  Das ist sicher ein Problem, bei uns gibt es ja nicht nur wahnsinnig wichtige Tätigkeiten, es gibt ja auch eine große Abstufung.

[00:39:16]  Es müssen ja auch das vorhin schon zitierte Fotoalbum, das muss ja auch einmal durchnummeriert werden, oder es muss einmal was gescannt werden oder... Tobias: Sortiert werden.

[00:39:26]  Lukas: Sortieren. Ganz simple, nach Datum sortieren arbeiten ist durchaus eine der häufigen Arbeiten, aber getan werden muss sie und wie du sagst, man muss ja dran bleiben können.

[00:39:38]  Wenn nix ist, oder auch einmal Dinge auf einem großen Tisch nebeneinander hinlegen können.

[00:39:43]  Das ist auch [lacht kurz auf] ein ganz wichtiger Punkt und da ist es natürlich fein, wenn man Helfer hat, die sich auch interessieren und die Spaß daran haben.

[00:39:54]  Tobias: Und vor allem die Rückmeldungen sind eigentlich, finde ich größtenteils auch von den Ferialien, also von den Praktikanten.

[00:39:59]  Was wir haben finde ich schon.

[00:40:01]  Die Negativen können immer schwierig zurück, aber ich kann mich nicht erinnern, dass jetzt große Beschwerden waren, nicht um uns selber auf die Schulter zu klopfen.

[00:40:11]  Aber wir haben halt einfach den Vorteil, dass wir ganz unterschiedliche Tätigkeiten haben, die auch nicht immer alltäglich sind.

[00:40:19]  Lukas: Wir haben aber auch ein paar, unter den fest Angestellten, ein paar jüngere Leute, also nicht nur so alte, wie du und die. [Tobias lacht]

[00:40:26]  Sondern ich mein, die werden aber, der Pascal ist...

[00:40:31] Tobias: Ende 30, glaube ich, Ende 90, nee, 90 sag ich schon, Ende 20.

[00:40:36]  Lukas: Ja, hätte ja so Mitte zur Mitte.

[00:40:39]  Glaube er ist mit dem Studium gerade fertig und so. Also ich empfinde eigentlich fast alle als Bereicherung für das Archiv auch als einfach so nicht nur für ihre Arbeit, sondern auch jeder hat ja wieder irgendein Wissen oder eine Erfahrung.

[00:40:58]  Das ist dann schon ein sehr hilfreiches Geschäft.

[00:41:01]  Tobias: Was wir vielleicht nicht haben und wo wir ja einmal ausweichen müssen, ist jetzt zum Beispiel, wenn es eine restauratorische Sachen ist.

[00:41:09]  Also wir haben jetzt keinen Fixen, das könnten wir vielleicht in der Stelle auch erwähnen. Wir haben keinen Fixen Restaurateur im Team.

[00:41:15]  Lukas: Wäre schön, ja.

[00:41:18]  Ist aber...

[00:41:20]  Tobias: Aber wir haben auch zu wenig, glaube ich, wahrscheinlich, oder?

[00:41:22]  Lukas: Nein, wir haben einen Papier-Restaurator, wir haben ein paar [unverständlich]

[00:41:27]  Haben wir keinen, werden wir auch keinen kriegen fürchte ich, da müssen wir auf freiberufliche Restauratoren, Restauratorinnen zurückgreifen, die es in vielen Bereichen gibt, aber leider nicht in allen.

[00:41:41]  Da muss man oft wirklich lang suchen, bis man wen findet.

[00:41:44]  Aber jetzt für Textil haben wir jetzt ein Projekt, die ganzen Textil-Sachen anschauen zu lassen.

[00:41:52]  Und sonst haben wir ein paar Papier-Restaurator:innen, die seit vielen Jahren laufend für uns kleinere Arbeiten abwickeln.

[00:42:01]  Tobias: Ich glaube, damit haben wir eigentlich eh die Arbeitsschritte glaub ich, die vielen Arbeitsbereiche mal ganz gut abgedeckt.

[00:42:08]  Wir könnten überlegen, ob wir im Nachhinein ja...

[00:42:11]  Lukas: Was vielleicht auch von Interesse sein könnte, ist die Frage, wie kommen Akten von der Baddgasse in die Feldstrasse und wodurch?

[00:42:20]  Tobias: Ja, kann man noch machen.

[00:42:22]  Lukas: Ja, weil natürlich, wir sitzen in der Baddgasse, und das Material liegt zu einem gewissen Teil in der Feldstrasse.

[00:42:31]  Wobei die Akten des täglichen Gebrauchs, Bau, Gewerbe liegen schon in der Baddgasse, aber dennoch muss man öfters was hin und her transportieren.

[00:42:41]  Und wir haben eine Ausschreibung gemacht für so Pendeltransporte, und wir haben einen fast schon zur Familie gehörenden Kleinstspediteur, also Einmannspedition.

[00:42:55]  Und das ist ein vertrauenswürdiger Mensch, der über ein Schleusensystem, wenn er außerhalb der Dienstzeit kommt, die Materialien hin und her transportieren kann.

[00:43:06]  Und das funktioniert eigentlich hervorragend, und wenn er Zeit hat und es ist was dringendes, dann springt er auch ein und sonst muss man halt auch einmal irgendwer sich aufs Fahrrad schwingen oder ähnliches.

[00:43:19]  Tobias: Und Transporte, was wir zum Teil dann auch wieder, wo wir ja schon mal geredet haben, zu, was heißt Landesarchiv Volks-... oder halt die Landesmuseen, übernimmt er auch für uns.

[00:43:29]  Lukas: Übernimmt zum Teil auch, wobei wir für [Tobias dazwischen: Es kommt drauf an] Lukas: ...Kunstobjekte haben wir holen wir verschiedene Fachspeditionen, Kunstspeditionen, das wird halt jedesmal noch Angebot gemacht.

[00:43:46]  Das ist ein Punkt, der auch ein bisschen zeigt, dass wir so eigentlich einen sehr guten Draht zu verschiedenen kleinen Firmen haben, also ob es jetzt die Buchbinder sind, ob es eine Einmannspedition ist.

[00:44:00]  Insofern sind wir wahrscheinlich eher eine dieser Stellen, die diese städtische Infrastruktur aufrecht erhalten, weil wenn wir und andere Bibliotheken nicht dem Buchbindern vor Ort Aufträge geben würden, würden bald keine Buchbinder mehr existieren, ist so auch schon schwierig genug.

[00:44:20]  Tobias: Vor allem, man darf jetzt nicht nur an die klassischen Bücher denken, sondern auch die Zeitungen, also wenn wir die TT [Tiroler Tageszeitung] zum Beispiel, weil wir sammeln ja die Alltageseitung, bis auch, natürlich, fortlaufend und die werden dann auch gesammelt übergeben und dann gebunden.

[00:44:33]  Lukas: Ja natürlich, ja. Oder auch Schachteln, spezielle... wir haben jetzt für Textilien ganz spezielle Schachteln gebraucht und auf Maß und die haben wir jetzt anfertigen lassen.

[00:44:42]  Und das ist auch wichtig, denke ich, dass man solche Berufe damit ja auch am Leben hält und wir kriegen genau das, was wir brauchen.

[00:44:54]  Das ist, glaube ich, auch so eine kleine Nebenfunktion, die man da hat.

[00:44:59]  Tobias: Ein Aspekt, was man aber mit dem Transport noch eingefallen ist, seit...

[00:45:05]  Ich mein, das hat sich natürlich auch wesentlich, also vereinfacht ist jetzt vielleicht falsch, aber früher haben wir ja bevor wir die Depot der Feldstrasse übernommen haben, sind wir ja mehr oder weniger verteilt gewesen auf die Stadt.

[00:45:15]  Wir haben eine Depot im Hofwaldweg, also quasi im Hötting oben. Lukas: Exlgasse. Tobias: Eins in der Exlgasse und dann haben wir ja noch [schnalzt mit der Zunge] gegenüber, also beim, wo heute das "Mustache" beziehungsweise das früher war es noch das "Kenzi" jetzt "Woosabi",

[00:45:32] haben wir ja auch einen Stock drüber noch Sachen aus... das war natürlich logistisch eigentlich ein Albtraum.

[00:45:38]  Lukas: Ja natürlich, weil die Sachen waren, alles war vollgestopft bis unter das Dach, es war

[00:45:42]  schrecklich, ich meine, es tentiert natürlich in der Feldstrasse auch dazu, dass es voll wird.

[00:45:48]  Tobias: Aber es ist an einem Platz, das ist ja schon mal der einzige Vorteil.

[00:45:50]  Lukas: Und vor allem auch

[00:45:51] [lacht kurz auf]

[00:45:52] der

[00:45:53] papierene Akt

[00:45:54] aus der Verwaltung

[00:45:55] wird ja immer

[00:45:55] weniger.

[00:45:56] Des

[00:45:57] trocknet ja

[00:45:57] aus, dieser

[00:45:58] Fluss.

[00:46:00] Und, das wird zwar noch dauern

[00:46:02] aber es wird tendenziell weniger.

[00:46:04] Und so ist die Feldstraße sicher ein

[00:46:06] riesiger Gewinn für uns.

[00:46:08] Um dem gesetzlichen Auftrag

[00:46:10] auch zu entsprechen.

[00:46:12] Und das tuen wir natürlich und tuen wir

[00:46:14] auch gerne, und ich glaub es ist überhaupt,

[00:46:16] im Gegensatz zu vielen anderen Berufen

[00:46:18] wo man sagt, da gehe ich halt rein und mach

[00:46:20] und geh dann am Abend wieder heim

[00:46:22] ist das ja bei uns doch eher

[00:46:24] eine Geschichte die man nur erfolgreich

[00:46:26] nur mit viel Neigung

[00:46:28] dazu machen kann.

[00:46:30] Und das ist glaube ich ein ganz großer Unterschied zu

[00:46:32] grad in der Verwaltung

[00:46:34] vielen Tätigkeiten,

[00:46:36] die relativ monoton sind.

[00:46:38] Dadurch, dass es so Abwechslungsreich ist

[00:46:40] und spannend ist, kann man

[00:46:42] auch, nur mit viel

[00:46:44] Eifer

[00:46:46] und Spaß an der Sache das machen.

[00:46:48] Und das geht halt dann nicht

[00:46:50] um 17 Uhr zu Ende, sondern das

[00:46:52] geht halt dann weiter. Und das ist

[00:46:54] eigentlich das, was es so schön macht, weil

[00:46:56] dann geht man halt am

[00:46:58] Wochenende spazieren und schaut sich

[00:47:00] des und jenes an, über das man recherchiert

[00:47:02] und das hat man in

[00:47:04] vielen anderen Bereichen nicht

[00:47:06] und das ist ein großer Segen.

[00:47:08] Tobias: Wichtige abschließende Frage

[00:47:10] Wie lange schätz du, oder wie lange

[00:47:12] meinst dauert es, bis irgendwer bei

[00:47:14] uns im Haus einen Staplerschein braucht

[00:47:16] um eben in der Feldstraße [lachend]

[00:47:18] die Aufgaben zu erfüllen.

[00:47:20] Lukas: Irgendjemand hat sogar einen Staplerschein. Tobias: [erstaunt] Echt?

[00:47:22] Ja, dann sind wir ja schon

[00:47:24] für die Zukunft gerüstet! Lukas: Nein, also

[00:47:26] ich mein, die Feldstraße wird

[00:47:28] jetzt, wenn nichts

[00:47:30] unvorhergesehenes passiert

[00:47:32] auch zunehmend voll werden

[00:47:34] wir haben allerdings noch Platzreservieren die

[00:47:36] wir sukzessive besetzen

[00:47:38]  werden, wenn wir es brauchen

[00:47:40] Keiner hätte je damit gerechnet, mit der Ameise

[00:47:42] Paletten herum zu führen.

[00:47:44] Für einen echten Stapler wird es noch dauern

[00:47:46] aber... Tobias: Es ist nicht unmöglich.

[00:47:48]  Lukas: Es ist... Nichts ist unvorstellbar.

[00:47:50]  Es ist nur unglaublich,

[00:47:52]  weil ich mir denke, wie das vor 25 Jahren

[00:47:54] ein kleines

[00:47:56] bescheidenes Unternehmen war.

[00:47:58]  Und jetzt fahren wir mit Paletten umher.

[00:48:00]  Also das ist schon was,

[00:48:02]  was ich irgendwie verblüffend empfinde.

[00:48:06]  Wie lange ich es noch mache,

[00:48:08]  wird man sehen.

[00:48:10]  Aber sicher keine [lachend] 25 Jahre mehr.

[00:48:12]  Aber

[00:48:14]  momentan macht es mir so viel Spaß, dass

[00:48:16] [längere Pause]

[00:48:18]  Aber es war schon anders auch. Aber

[00:48:20]  ja...

[00:48:22]  kommt man gerne wieder her.

[00:48:24]  Tobias: Musst du mir nicht sagen.

[00:48:26]  In diesem Sinne, danke Lukas, für deine Zeit.

[00:48:28]  Lukas: Ja gerne.

[00:48:30]  [Outro-Musik]

Mit vollem Einsatz!

Mit vollem Einsatz!

Stadtarchiv Innsbruck

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Transkript

[00:00:00]  [Intro-Musik] Tobias: Hallo und Herzlich Willkommen zu einer neuen Folge von Archivwürdig, dem Podcast des

[00:00:18]  Innsbruckers Stadtarchivs. In unserer heutigen Folge sprechen wir über das Thema Feuerwehr.

[00:00:22]  Genau gesagt, ein wenig über die Feuerwehrgeschichte, das vergangene Jubiläumsjahr 2022 der Feuerwehren

[00:00:28]  und über die Ausstellung, welche im Rahmen dieses Jubiläums im Stadtmuseum zu sehen war.

[00:00:32]  Zu Gast sind mein Kollege aus dem Archiv Matthias Egger, der selbst Mitglied der Freiwilligen

[00:00:37]  Feuerwehr ist und Kurator der Ausstellung war, sowie Manfred Liebentritt, seines Zeichens

[00:00:42]  Sachgebietsleiter für Feuerwehrgeschichte beim Landesfeuerwehrverband Tirol. Die Folge wurde

[00:00:47]  bereits im Zuge der Ausstellung aufgezeichnet und ist jetzt über unsere Sendung hörbar und damit

[00:00:52]  zur Folge. Ja, lieber Matthias, lieber Manfred, danke für die Zeit,

[00:00:58]  dass ihr euch da heute mit mir hinsetzt und wir sprechen über das Thema Feuerwehr und Thema

[00:01:06]  Feuerwehr warum, weil wir ja heuer im Jahr 2022 mehrere verschiedene Jubiläen feiern. Und zwar

[00:01:15]  ist es einmal 165 Jahre Feuerwehrverband Tirol. Matthias: Soll ich es sagen? Tobias: Bitte! [lacht] Es war ja quasi die

[00:01:27]  Anspielung. Matthias: Also wir haben 150 Jahre Landesfeuerwehrverband Tirol, wir haben 125 Jahre Innsbrucker

[00:01:36]  Berufsfeuerwehr, wir haben 75 Jahre Gründung Bezirksfeuerwehrverband Innsbruck statt,

[00:01:41]  wir haben 25 Jahre Feuerwehr Oldtimer Club Innsbruck und wenn wir ganz zurückblicken auf die Gründungsphase

[00:01:48]  der Feuerwehr Innsbruck, dann hätten wir auch heuer 165 Jahre Feuerwehr der Stadt Innsbruck. Warum

[00:01:55]  wie ich das sag und das jetzt zuletzt sag, das älteste Jubiläum, darauf können wir dann

[00:02:00]  vielleicht hineingeben, weil es in der Feuerwehr Geschichte gewisse Zäsuren gegeben hat und

[00:02:04]  Brüche und deswegen. Tobias: Ich glaube, das können wir eh gleich. Warum eigentlich 165 Jahre, weil du gesagt hast,

[00:02:12]  wenn man es genau nimmt. Matthias: Ein bekannter Bundeskanzler hat mal gesagt, es ist alles sehr kompliziert, [lacht]

[00:02:17]  das gilt natürlich auch für die Feuerwehr. Gemeinhin wird eben gesagt 1857 der Franz Thurner,

[00:02:23]  ein Gebürtiger Sankt Nikolauser, der also die Feuerwehr Innsbruck gegründet hätte. Wir haben uns

[00:02:30]  das noch einmal gemeinsam angeschaut mit Manfred, mit dem Christoph Eichner, der auch wesentlich an

[00:02:36]  der Ausstellung beteiligt worden sind an die Quellen gegangen und haben eben uns gefragt, was hat

[00:02:41]  der Thurner eigentlich gegründet und haben dann gesehen, ja er gründet eine Rettungsabteilung. Das

[00:02:47]  heißt, es geht zunächst einmal noch nicht um das Löschen so sehr, sondern um das Retten

[00:02:50]  von Menschenleben und Wertsachen und er legt natürlich damit einen Grundstein für die Entwicklung

[00:02:56]  eines professionellen Feuerwehrwesens, das er ja auch auf seinen Reisen durch Deutschland kennen

[00:03:01]  gelernt hat. Es dauert dann aber ein paar Jahre, er hat auch das Glück, dass der Karl-Adam,

[00:03:06]  Adam Preuss wahrscheinlich den meisten ein Begriff. Karl-Adam ist Mitglied dieser Rettungsabteilung

[00:03:13]  und Karl-Adam wird im Innsbrucker Bürgermeister und als solcher macht auch er sich es zur Aufgabe

[00:03:19]  aus dieser Rettungsabteilung nun ein vollständiges "Brandwehrchor", wie er es nennt, zu gründen. Er

[00:03:26]  lässt einen Aufruf an die Innsbrucker, fordert sie auf dort einzutreten und dort skizziert

[00:03:30]  er dann auch ganz genau. Also wir haben zwar eine Rettungsabteilung, aber wir brauchen eine Schlauchmannschaft,

[00:03:35]  wir brauchen Ordnungsmannschaft, wir brauchen Steiger und so weiter, wir brauchen entsprechende

[00:03:39]  ausgestaltete Feuerwehr und das dauert dann bis 1864 und 1864 haben wir dann auch die erste Feuerwehrordnung

[00:03:48]  in der Stadt mit der also das Kommando am Brandplatz und auch die Aufgabe der Brandbekämpfung

[00:03:53]  als solche in die Hände der freiwilligen Feuerwehr gelegt wird. Und damit hätten 

Stadt trifft Land

Stadt trifft Land

Stadtarchiv Innsbruck

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Transkript

[00:00:00]  [Intro-Musik] Tobias: Hallo und herzlich willkommen zur vierten Folge von Archivwürdig, dem Podcast des

[00:00:18]  Innsbrucker Stadtarchivs. In dieser Folge spreche ich mit Gertraud Zeindl vom Tiroler

[00:00:22]  Landesarchiv. Im TLA ist Gertraud als Leiterin der Restaurierwerkstätte und Buchbinderei im Einsatz.

[00:00:28]  In unserem Gespräch, das wir vor Ort aufgenommen haben, sprechen wir über die Aufgaben des

[00:00:32]  Landesarchivs und wie unterschiedlich diese im Vergleich mit einem kommunalen Archiv sind.

[00:00:37]  Wir sprechen aber auch im Detail über Gertrauds Tätigkeiten und wofür sie im Landesarchiv alles

[00:00:42]  zuständig ist. Bevor wir in die Folge gehen, muss ich noch erwähnen, dass die Aufnahmenqualität ein

[00:00:47]  wenig schlechter als gewohnt ist. Mit dieser Bitte um Nachsicht gebe ich nun ab in die Folge.

[00:00:52]  Tobias: Gertraud, vielen Dank einmal erstens für die Zeit, dass du dich heute mit mir hinsetzt und mit mir

[00:00:59]  übers Landesarchiv sprichst. Fangen wir vielleicht so an, es steht zwar auf der Homepage natürlich

[00:01:04]  drauf, aber vielleicht dass wir es auch einmal mündlich machen, weil die Menschen

[00:01:07]  auch nicht immer auf die Homepage schauen, was das Landesarchiv überhaupt sammelt,

[00:01:11]  noch oder laufend dazu kommt und vielleicht aber auch was historisch gewachsen, im Landesarchiv, ist.

[00:01:16]  Gertraud: Genau. Also das Tiroler Landesarchiv sammelt nichts, weil es kein Museum ist, sondern ein Archiv.

[00:01:23]  Und das Tiroler Landesarchiv ist ein Verwaltungsarchiv. Und von dem her alles Schriftgut,

[00:01:30]  das in der Vergangenheit bis heute im Verwaltungsbereich das Land Tirol betrifft,

[00:01:37]  wird hier aufbewahrt, archiviert und zugänglich gemacht.

[00:01:43]  Tobias: Vielleicht dazu eh auch gleich, weil das habe ich natürlich auch angebracht, das ist nicht immer sofort

[00:01:48]  klar oder für die Menschen immer ersichtlich, auch der Zugang ins Landesarchiv natürlich kostenfrei,

[00:01:53]  grundsätzlich. Gertraud: Genau, also bei uns ist der Zugang kostenfrei, man muss sich nicht

[00:01:58]  einmal anmelden, sondern kann einfach zu den Öffnungszeiten zu uns in den Lesesaal kommen.

[00:02:03]  Und auch die Archivalien müssen nicht vorbestellt werden, sondern können wirklich im Lesesaal

[00:02:10]  direkt bestellt werden. Das dauert je nachdem, wie gerade die Frequenz ist, zwischen 10 Minuten

[00:02:16]  und 20 Minuten. Wenn wirklich einmal ein bisschen mehr los ist, dann dauert es halt ein wenig.

[00:02:22]  Aber ansonsten geht es wirklich sehr schnell in der Zeit, wo man sich anmeldet, mit dem Ausweis

[00:02:28]  ausweist und seine Form vorbringt. In der Zeit sind meistens die Bestellungen schon dann am Arbeitstisch.

[00:02:33]  Tobias: Ist es für euch einfacher, wenn man vorher, vorab schon per Mail einmal, eine grobe Anfrage schickt

[00:02:39]  und dass man gerne vorbeikommt, ist das hilfreich oder ist es weniger hilfreich?

[00:02:44]  Gertraud: Es ist sicher hilfreich, wenn man von weiter her kommt. Wenn man eine größere Anreise hat, ist es immer

[00:02:48]  zu empfehlen, sich vorab mit dem Archiv in Verbindung zu setzen. Und natürlich, wenn man jetzt eine

[00:02:54]  komplexere Fragestellung hat, wo man vielleicht auch gar nicht weiß, in welchen Beständen man

[00:02:59] im Tiroler Landesarchiv recherchieren kann oder soll, ist es sicher ganz gut, wenn man zuvor

[00:03:05]  mal eine E-Mail schreibt, um prinzipiell einmal abzuklären, ob das Tiroler Landesarchiv auch

[00:03:10]  das richtige Archiv ist. Da auch die richtigen Bestände zu finden sind. Und bei manchem Beständen,

[00:03:16]  wenn es jetzt um Personengeschichte geht, ist es manchmal auch ganz klug vorab, sich hier per E-Mail

[00:03:24]  zu melden, weil gewisse Recherche-Aufwände, man als Benutzerin oder Benutzer,

[00:03:30]  gar nicht selber machen kann, sondern einfach wirklich vorab von einem Mitarbeiter oder Mitarbeiterin.

[00:03:37] Tobias: Beziehungsweise vielleicht auch in einer anderen Dienststelle an dem Land, vor der Einsicht.,

[00:03:41]  weil für manche Akten sozusagen auch eine Genehmigung brauchen. Gertraud: Also das kommt jetzt wirklich drauf an.

[00:03:47]  Also da unterscheidet es jetzt wirklich ein bisschen. Das muss man jetzt wirklich sagen, es ist im

[00:03:52]  Landesarchiv einfach schon besser geklärt und besser geregelt. Aber das ergibt sich auch historisch

[00:03:58]  gesehen. Das Landesarchiv ist historisch schon viel länger als wirkliches Verwaltungsarchiv im

[00:04:05]  Betrieb und wird als solches gepflegt. Seit, und das muss man sich wirklich so auf der Zunge

[00:04:09]  zergehen lassen, seit Kaiser Maximilian ist es wirklich ein organisiertes Archivwesen. Und wenn

[00:04:15]  man das jetzt vergleicht mit dem Stadtarchiv, ist das einfach viel später anzusehen und deswegen

[00:04:19]  natürlich auch hier historisch gesehen, auch gar nicht so eingebettet. Prinzipiell ist es so,

[00:04:25]  dass das Landesarchiv, das Tiroler Landesarchiv auch immer darauf besteht, wenn Bestände

[00:04:30]  übernommen werden, dass die Rechte an den Beständen, an das Tiroler Landesarchiv übergeht. Das heißt,

[00:04:37]  also ist gelten natürlich gängige Datenschutz-, Personestandsgesetze, wenn notwendig und natürlich

[00:04:43]  auch die Schutzfristen, mit dem Archivgesetz, 30 Jahre. Darüber hinaus haben wir momentan wirklich

[00:04:49]  auch nur so ein bisschen [schnalzt mit der Zunge] ein Problemchen, das vom Bund her nicht ganz geklärt sind. Diese Frage ist,

[00:04:55]  sind die Justizakten und vor allem eben also was Landesgericht, Bezirksgerichte betrifft. Das ist

[00:05:02]  eigentlich die Zuständigkeit der Bund. Aber der Bund sagt natürlich zurecht, wir können nicht,

[00:05:07] aus den ganzen Bundesländern die Archivalien nach Wien einziehen. Wir hätten auch nicht die

[00:05:13]  große Freude, die Benutzer:innen auch nicht, wenn sie wegen jeder Anfrage dann nach Wien reisen

[00:05:17]  müssten. Also es ist logisch, dass wir das als Tiroler Landesarchiv übernehmen. Aber da ist die

[00:05:22]  Gesetzgebung momentan so, dass eben wirklich das Aktengut, wirklich seit 1918 noch Zuständigkeitshalber

[00:05:31]  bei den Behörden liegt und somit wirklich immer um Einsicht, Genehmigung,

[00:05:36]  angesucht worden muss. Es gibt noch ganz wenige Ausnahmen. Tobias: Des wird wahrscheinlich gar nicht

[00:05:40]  so oft auf der Fall sein oder sind, werden die doch relativ viel gebraucht. Gertraud: Doch. Tobias: Doch schon? Gertraud: Natürlich,

[00:05:44]  wenn man jetzt grad denkt, Landesgericht, natürlich auch Volksgericht. Die ganzen NS-Verfahren sind

[00:05:50]  über dieses Volksgericht gegangen und deswegen natürlich grad für die Zeitgeschichte ganz

[00:05:55]  ein wichtiger Bestand. Und es geht relativ leicht. Aber es ist trotzdem eine Hürde, die wir eigentlich

[00:06:02]  so nicht haben möchten. Das ist eigentlich auch so, dass die [unverständlich], um mit diesen Akten

[00:06:07]  arbeiten zu können, genau genommen eben nicht Zuständigkeitshalber gar nicht für das

[00:06:12] Tiroler Landesarchiv vorgesehen. Aber das würde bedeuten, dass man diesen Aktenbestand

[00:06:16]  gar nicht beabereiten oder recherchierbar wäre und da haben wir eine Einigung gefunden. Aber

[00:06:21]  das ist momentan noch so ein Prozess, aber der betrifft alle Bundesländer und von dem

[00:06:27] her das ist es ein Prozess, wo wir hoffen, dass wir auf eine Einigung kommen. Im Prinzip sind aber

[00:06:33]  alle Parteien natürlich gewillt, dass die Situation so bleibt, dass die Landesarchive

[00:06:38]  diese Justizakten übernehmen und auch im Endeffekt die Verwaltung und die Teilung übernehmen.

[00:06:44]  Tobias: Nachdem der Aktenbestand im Landesarchiv sehr umfangreich ist, ist jetzt vielleicht die

[00:06:49]  Untertreibung und auch, ja gerade umgebaut wird, für mehr Platz, da könnte man vielleicht dann

[00:06:54]  eher nur zu sprechen kommen kurz, was ich aber eigentlich nur fragen will ist, was ist jetzt,

[00:07:00]  sage ich jetzt mal, das meiste, was Private, wenn sie recherchieren, im Landesarchiv suchen.

[00:07:07]  Sind es schon, die aus der NS-Zeit über die Verwandten oder gibt es da irgendwo etwas,

[00:07:12]  wo man sagen kann, es wird wirklich häufig braucht, das ist sozusagen der Klassiker,

[00:07:19]  was angefragt wird, ist schon schwierig oder? Gertraud: Es ist auf alle Fälle natürlich schon,

[00:07:24]  Familiengeschichte, Familienforschung ist natürlich schon, gerade wenn du sagst,

[00:07:30]  Privatpersonen, das ist ein großes Thema. Alle die Bestände werden natürlich viel häufiger

[00:07:36]  angefragt als wie, also von Privatpersonen, als wie jetzt mittelalterliche Urkunde, also jetzt einfach

[00:07:42]  mal um da jetzt eine weite Schere [Tobias lacht] zu machen und natürlich auch, was der Familiengeschichte

[00:07:50]  sehr nahe liegt, die Besitzgeschichte. Das ist sicher auch ein Bestand der einerseits von

[00:07:56]  Privatpersonen einfach aufgrund der Familiengeschichte interessant ist, aber natürlich auch noch wie vor

[00:08:02] aus rechtlichen Gründen, wenn man an Servitute denkt. Tobias: Ich wollte grad sagen, ja.

[00:08:08]  Gertraud: Allen Bewirtschaftungen denk, Holzrechte, alles was Besitzgeschichte da betrifft, da ist

[00:08:14]  immer noch natürlich der erste Schritt zum Bezirksgericht, um im Grundbuch einschauen zu

[00:08:18]  halten, aber im Grundbuch ist dann sehr häufig der Verweis eben an das Grundbuch Anliegungsprotokoll,

[00:08:24]  das als Bindeglied zwischen den früheren Gerichtsprotokollen, oder Verfachbüchern,

[00:08:30]  wie es eben heißt, und dem Grundbuch eben dieser Link ist, das wird als erstes angefordert

[00:08:35]  und diese Archivalien befinden sich irgendwo in den Tiroler Landesarchiven.

[00:08:40]  Tobias: Die Verfachbücher sind aber noch nicht digitalisiert, gell?

[00:08:43]  Gertraud: Die Verfachbücher wurden in den 70er Jahren von den Mormonen mikroverfilmt.

[00:08:49]  Tobias [erstaunt]: Von den Mormonen? Gertraud: Genau. Ja.

[00:08:52]  Gertraud: Weil es war so, dass die Mormonen ja eben aus ihrer Glaubenshistorie her, ja,

[00:08:59]  dass Personengeschichte, Familiengeschichte ist ja Teil ihrer Religion, und sie hatten da Interesse,

[00:09:06]  eben auch die Kirchenbücher in Österreich, diesbezüglich zu mikroverfilmen.

[00:09:12]  In Tirol war es so, dass damals die Diözese Innsbruck und auch Salzburg dieser Verfilmung

[00:09:19]  nicht zugestimmt haben.

[00:09:21]  Und dann war es eben so, dass das Angebot gekommen ist oder die Anfrage an das,

[00:09:27]  Tiroler Landesarchiv gekommen ist, ob man nicht stattdessen die Verfachbücher verfilmen könnte,

[00:09:33]  weil die Verfachbücher natürlich auch sehr viele Personen und eben was die Besitzgeschichte,

[00:09:39]  betrifft natürlich viel Familiengeschichte auch beinhaltet.

[00:09:43]  Und diesbezüglich haben sie dann wirklich hier Verfilmungen gemacht.

[00:09:47]  Das ist gleich zur Erklärung, die Mikrofilme haben sich leider nicht zur Gänze erhalten.

[00:09:51]  Das ist leider ein großes Dilemma an dieser Geschichte.

[00:09:56]  Und zwar, geographisch gesehen, sind bei uns die Gerichtsprotokolle aufgestellt.

[00:10:00]  Also von Reutte, die ist zum Gerichts Sonnenburg, also bis nach Innsbruck hin,

[00:10:04]  gibt es die Verfilmungen von Innsbruck abwärts Richtung Osten, auch Osttirol, [Tobias: Ahja]

[00:10:11]  betreffend gibt es die Mikrofilme dann nicht mehr zur Gänze.

[00:10:17]  Was Osttirol betrifft, ist eigentlich eine Ausnahme, da haben wir ebenfalls Mikrofilme.

[00:10:20]  Aber man muss sich das jetzt auch auf der Zunge zergehen lassen.

[00:10:24]  Es sind über 12.000 Bänder, ein Band um fast zwischen 300 bis über 1.000 Blätter.

[00:10:32]  Also das ist jetzt alles zu digitalisieren,

[00:10:35]  das wäre vielleicht noch machbar, aber das dann zu organisieren und online zu stellen,

[00:10:39]  ist natürlich ein riesen Thema.

[00:10:42]  Und man muss auch sagen, vom Bestand her ist dieser Bestand in einem guten Zustand.

[00:10:49]  Es ist vor allem Hadernpapier, was da in Verwendung ist.

[00:10:52]  Also es ist das Risiko gering, dass dieser Bestand zerfällt.

[00:10:56]  Und da gibt es einfach andere Bestände, im Tiroler Landesarchiv, wo einfach das Medium,

[00:11:01]  auf das es gedruckt ist oder geschrieben ist, sehr viel schlechter ist.

[00:11:05]  Und da muss man einfach ansetzen.

[00:11:07]  Weil das werden wir über die Jahrzehnte nicht erhalten können.

[00:11:11]  Die Verfachbücher werden auch die nächsten Jahrhunderte.

[00:11:14]  Tobias: Uns auf jeden Fall überleben. Gertraud: Genau. [Tobias lacht]

[00:11:16]  Tobias:Du hast ja gerade angesprochen auch, dass die Diözese Innsbruck sowie Salzburg,

[00:11:22]  gegen die Verfilmung oder die Digitalisierung der Matrikenbücher.. Gertraud: Damals. Tobias: Damals nicht zugestimmt hat.

[00:11:30]  Ich weiß das ja und ich brauche sie auch hin und wieder.

[00:11:35]  Und ich gebe sie auch öfters an unsere Gäste, die was zum recherchieren kommen, weiter.

[00:11:40]  Dass die ja mittlerweile online stehen von alle Gemeinden in Tirol, Osttirol ja auch. Südtirol

[00:11:46] sind... auch? Gertraud: Mittlerweile. Tobias: Mittlerweile genau, ja.

[00:11:50]  Weißt du was da nachher die Änderung? War das einfach durch Führungsänderung in der Diözese?

[00:11:55]  Gertraud: Eigentlich gar nicht.

[00:11:57]  Es war damals natürlich auch, darf man nicht vergessen, eine ganz andere Zeit.

[00:12:01]  Dieses Zentrum der Mormenen, das war in Deutschland. Tobias: Mhm.

[00:12:05]  Gertraud: Es hat schon die Schwierigkeit damals bestanden, diese Mikrofilmgeräte überhaupt über die Grenze zu bringen.

[00:12:11]  Und das war sehr kompliziert. Tobias: Mhm.

[00:12:13]  Gertraud: Und ich glaube, im Endeffekt war das dann alles viel zu kompliziert.

[00:12:18]  Und man hat sich dann einfach auch von mormonischer Seite her dagegen entschieden.

[00:12:22]  Und hat dann eben gemeint, die Verfachbücher werden auch eine gute Quelle.

[00:12:26]  Zur gleichen Zeit hat natürlich die Mikroverfilmung der Küchenbücher vom Tiroler Landesarchiv

[00:12:32]  ausgehend schon stattgefunden.

[00:12:34]  Also, gerade was die Diözese Innsbruck... Das hat in den 1970er-Jahren begonnen.

[00:12:38]  Tobias: Weil ich eben auch schon vorher den Umbau angesprochen habe. Dass man vielleicht auf den noch kurz eingehen.

[00:12:43]  Derzeit. Wir nehmen jetzt auf, was haben wir für... Ende Mitte, Jänner [Dialekt für Januar],

[00:12:48]  ist ja noch großer Bau.

[00:12:50]  Der Lesesaal wird ja vergrößert. Die Speicher werden vergrößert.

[00:12:55] Sollen sind wir mal vielleicht so grundsätzlich, so kurze Eckpunkte,

[00:12:59]  was jetzt vor Umbau quasi der Stand ist von der Lagerfläche oder Füllfläche.

[00:13:04]  Und was danach möglich ist. Oder ist das überhaupt schon zum Eruieren?

[00:13:07]  Zum genau, oder nicht genau, aber halt ungefähr zum Festmachen.

[00:13:12]  Dass man sich mal vorstellen kann, was so ein Umbau mit sich bringt und wie viel mehr Platz ist.

[00:13:17]  Gertraud: Ja, genau.

[00:13:18]  Es ist eigentlich so geplant, dass eben genau wie du gesagt hast, es entsteht ein neuer Lesesaal.

[00:13:24]  Und es entsteht ein neues Archiv-Depot oder Archiv-Depot-Räumlichkeiten.

[00:13:31]  Und die bestehenden Archiv-Depots werden saniert.

[00:13:35]  Was klimatechnisch und ansonsten einfach auch architektonische Veränderungen betrifft.

[00:13:42]  Also das wird jetzt die nächsten Jahre passieren.

[00:13:44]  Als erstes eben geht es heuer [Dialekt für dieses Jahr] los.

[00:13:47]  Also die Baugrube ist ja schon seit letztem Jahr.

[00:13:50]  Die ersten Sanierungsmaßnahmen im Depot haben auch schon stattgefunden.

[00:13:54]  Weil aus baustatischen Gründen musste ein Teil unserer Depot-Rämlichkeiten unterstellt werden.

[00:14:00]  Das hätte bedeutet, dass man zu gewissen Archivalien gar nicht mehr zugekommen wäre.

[00:14:06]  Weil die Steher zwischen den Regalen stünden.

[00:14:09]  Und weil wir die Zugänglichkeit aber zu jeder Zeit eigentlich gewährleisten wollten,

[00:14:15]  haben wir uns dazu entschieden einen Teil des Bibliotheks-Depots,

[00:14:19]  das bisher noch in alter Manier aufgestellt war.

[00:14:23]  Und eben kein Rollregal-System, das ja sehr platzsparend ist, räumlich gesehen,

[00:14:28]  sondern stehende Regale bestanden hat, haben wir jetzt wirklich durch dieses neuere Rollregal-System

[00:14:35]  auf einen sehr kleinen Teil der Räumllichkeit, ja zurück drängen

[00:14:39]  ist jetzt das falsch Wort

[00:14:40]  aber sozusagen wirklich sehr viel Raum gewonnen,

[00:14:43]  um eben Archivbestände in diesen ehemaligen Bibliotheks-Räumlichkeiten unterzubringen,

[00:14:48]  die dann es gewährleistet haben, dass jetzt eigentlich alles zugänglich bleibt.

[00:14:54]  Und das war die Maßnahme, baustatisch, dass sie überhaupt mit dem Innenhof mit der Baugrube angefangen haben.

[00:15:02]  Das dann bis letztes Jahr im Dezember auf 14 Meter lang gewachsen.

[00:15:07] Tobias: Nicht wenig!

[00:15:08]  Gertraud: Genau, es ist ein richtiges großes Loch.

[00:15:10]  Und damit beginnen sie jetzt eben, also jetzt haben sie heute, wirklich heute, den Baukran aufgestellt.

[00:15:17]  Und jetzt beginnen sie wirklich mit der Bodenplatte.

[00:15:19]  Und jetzt wird der Speicher 6, also der sechste Speicherturm,

[00:15:24]  wird jetzt gebaut, der geht 3 Geschoße unterirdisch und 2 Geschoße oberirdisch.

[00:15:30]  Und im ersten Stock dieses Speicher 6 wird dann eben eine Brücke zum alten Gebäude geschaffen

[00:15:37]  und in dieser Brücke ist dann der neue Lesesaal.

[00:15:40]  Also das heißt, der Lesersaal ist dann zukünftig oberirdisch.

[00:15:43]  Und der bisherige Lesersaal, der ja unterirdisch ist, der wird zum Archivdepot.

[00:15:50]  Das wird eigentlich, der Speicher 6 ist natürlich schon ein großer Gewinn an Kapazitäten für das Archiv,

[00:15:57]  aber es muss natürlich auch viel Technik untergebracht werden.

[00:16:00]  Wenn man sich vorstellt, dass wirklich 6 Gebäude mit Klimatisierung, mit Elektronik und Technik ausgestattet werden müssen,

[00:16:11]  da braucht man schon relativ viel Technik-Räumlichkeiten. Und die werden jetzt im neuen Speicher untergebracht

[00:16:17]  und interessanterweise der größte Depotgewinn ist eigentlich der alte Lesesaal. [Tobias lacht]

[00:16:24]  Der zum Speicher, also mit den umliegenden Büroräumlichkeiten, Reproduktionswerkstätten usw.

[00:16:31]  wirklich zu einem Depot umgebaut werden, das ist eigentlich der größte Speicher so gesehen.

[00:16:37]  Tobias: Das heißt eigentlich jetzt grad die kleinen Dinge werden zu den richtigen Dingen dann.

[00:16:40]  Gertraud: Genau. Und das war eigentlich in der Ausschreibung, haben wir nie daran gedacht, den Lesesaal zu verändern.

[00:16:47]  Das war wirklich dann das Architekten-Team, die diese Idee vorgebracht haben

[00:16:52]  und ist eigentlich eine geniale Idee in dem Fall, weil eigentlich ein oberirdischer Lesesaal mit viel Fenster

[00:16:59]  und auch Licht und auch als Veranstaltungsraum, natürlich viel anders, also ganz anders genutzt werden kann,

[00:17:05] als wie bisher der Unteridische.

[00:17:07]  Tobias: Wie kann man sich vorstellen von jetziger Platzmenge zu welchem geht man hin?

[00:17:16]  Kann man das ungefähr festmachen?

[00:17:18]  Gertraud: Also, es ist immer schwierig, zum sagen. Also ich kann jetzt mal sagen, was unsere offizielle Antwort [ist],

[00:17:23]  dass das Tiroler Landesarchiv mehr als 30 Laufkilometer hat, das würde bedeuten,

[00:17:28]  also wenn ich in einer Höhe von 60, 70 Zentimeter unsere Archivalien platzieren würde,

[00:17:36]  käme ich bis nach Schwaz, also das ist so, das was unsere offizielle Angabe ist.

[00:17:41]  Genau wissen wir es natürlich nicht, weil einfach Bestände nicht immer in der Weise dort sind,

[00:17:47]  dass man das genau abmessen kann und auch ganz ehrlich gesagt, wir andere Arbeiten zu tun haben.

[00:17:53]  Tobias: Das heißt, der Speicher 6 ist ja eigentlich dann komplett ein neuer Zugewinn, ungefähr,

[00:18:00]  oder kann man sich... Ist schwer zum festlegen, gell?

[00:18:02]  Gertraud: Es ist wirklich so, dadurch dass wir sanieren.

[00:18:04]  Von dem her ist unsere Mammutaufgabe, die nächsten zwei Jahre dann,

[00:18:09]  die Archivalien so neu aufzustellen in den neuen Speichern,

[00:18:13]  dass Räumlichkeiten frei werden, damit man die sanieren kann

[00:18:18]  und alles in sich aber noch eine logische Abfolge erbringt.

[00:18:22]  Das ist die logistische Herausforderung.

[00:18:24]  Tobias: Und dass nichts verloren geht, in "Lost in Translation" sozusagen.

[00:18:27]  Gertraud: Genau.

[00:18:28]  Tobias: Oder Transition [engl. für Übergang] eigentlich, in dem Fall, nicht Translation [engl. für Übertragung].

[00:18:30]  Gertraud: In dem Fall unsere gerinngste Sorge, aber die logistische Herausfoderung ist wirklich so,

[00:18:34]  dass jetzt so zu berechnen, dass man weiß, in welchen Archivdepot,

[00:18:38]  welche Bestände untergebracht werden können, die auch logisch zusammengehören.

[00:18:43]  Weil ich kann nicht einmal da Landesgerichtsakten haben,

[00:18:46]  dann daneben Akten der Stadthalterei,

[00:18:49]  daneben die mittelaterlichen Urkunden, das macht keinen Sinn.

[00:18:51]  Tobias: Das macht keinen Sinn.

[00:18:52]  Ja, vor allem auch von der Aufbewahrung und von klimatischem Verhältnissen noch dazu.

[00:18:56]  Das ist ja... Als das muss man erzählen.

[00:18:58]  Und vielleicht das ist... Zeigt auch ganz gut,

[00:19:00]  [mit] welchen Sachen [man] als Archivar befasst ist,

[00:19:03]  man muss mehrere Dinge beachten, nicht nur einfach Platz,

[00:19:06]  aber eben Licht, Klima und so weiter.

[00:19:09]  Gertraud: Und die Provenienz, das Provenienz-Verhältnis also,

[00:19:12]  wie die Bestände zusammengehören sollen erhalten bleiben,

[00:19:15]  das ist die wichtigste Aufgabe.

[00:19:17]  Und da jetzt nichts auseinander zu reißen oder Bestände wirklich in sich in ihrer Ordnung zu beschädigen.

[00:19:22]  Und das ist die Herausforderung eigentlich.

[00:19:24]  Deswegen, wir wissen, dass sehr viele Akten außerhalb der Aufnahme

[00:19:29]  ins Tiroler Landesarchiv haben, also angefangen von den Polizeiakten

[00:19:35]  zu den Landeskliniken, Bezirksgerichte, aber eben auch wirklich die Behörden

[00:19:41]  in der Landesverwaltung, Bezirkshauptmannschaften, wo wir einfach...

[00:19:45]  Tobias: Müsst ihr auch den Akten nachlaufen. Ist das... [lachen].

[00:19:47]  Gertraud: Nein, nicht den Akten nachlaufen, wir sind in einem Aufnahme-Stop.

[00:19:50]  Tobias: Aha, Aufnahme-Stop sogar! Nein den...

[00:19:51]  Gertraud: Ja, das müssen wir. Wir können nicht mehr.

[00:19:53]  Wir können nicht aufnehmen, weil wir keinen Platz mehr haben.

[00:19:56]  Tobias: Vor allem jetzt mit Baustelle ist sowieso schwierig, ne?

[00:19:59]  Gertraud: Ja, auch davor.

[00:20:00]  Wir sind an den Grenzen unserer Kapazität

[00:20:02]  und wir können solche Bestände nicht übernehmen.

[00:20:04]  Deswegen lagern die jetzt eigentlich lange schon in externen Zwischenlagern

[00:20:09]  wirklich bei den Behörden oder bei den zuständigen Institutionen.

[00:20:12]  Tobias: Der Lukas hat in unserem Gespräch auch erwähnt, dass es ja alle Jahre,

[00:20:18]  zumindest beim Stadtarchiv, diese Grundsatzfrage gibt, braucht es das,

[00:20:23]  muss das sein, geht es nicht mit wenig auch.

[00:20:26]  Habt ihr beim Landesarchiv auch so eine... also nicht Probleme,

[00:20:30]  aber gibt es auch so eine Grundsatzdebatte, was wichtig ist,

[00:20:34]  wo man vielleicht einsparen kann, oder?

[00:20:36]  Gertraud: Du meinst jetzt budgetär?

[00:20:39]  Tobias: Ja, ja, schon. Gertraud: [unverständlich] Tobias: Nein, schon mehr budgetär, aber das von Seiten der Land...

[00:20:45]  ich glaube.... Ich denke von der Landesregierung, oder kommt das dann ob dann einmal gesagt wird,

[00:20:48]  nein, das ist nicht möglich, so viel Geld können wir nicht in dem Sinn hergeben

[00:20:53]  für Archivzwecke, sag ich jetzt einmal.

[00:20:56]  Gertraud: Nein, also das könnte ich jetzt bei uns nicht bestätigen,

[00:20:59]  weil wir haben ein ganz fixes Budget, das eigentlich auch anpassbar ist.

[00:21:06]  Wenn unsere Einnahmen passen, wenn wir die Statistik erfüllen,

[00:21:10]  dann gibt es die Probleme nicht.

[00:21:12]  Aber es ist natürlich schon ein Unterschied,

[00:21:15]  das Tiroler Landesarchiv ist eigentlich von der Struktur her ganz anders,

[00:21:19]  als wie jetzt das Stadtarchiv Innsbruck,

[00:21:21]  was erstens als kommunales Archiv auch andere Aufgaben zu erfüllen hat,

[00:21:26]  was gerade den ganzen Sammelbereich betrifft,

[00:21:29]  wo die Aufgabe eines Landesverwaltungsarchivs viel geringer ist.

[00:21:35]  Weil wenn wir jetzt auch mit anfangen würden zu sammeln,

[00:21:38]  dann gäbe es jetzt in Innsbruck drei Institutionen, die das machen,

[00:21:42]  das macht dann nicht Sinn. Tobias: Nein.

[00:21:44]  Gertraud: Es macht auch bei vielen Sachen, Fotobestände, die uns angeboten werden,

[00:21:48]  die geben wir bewusst an jene Stellen weiter,

[00:21:52] in Absprache natürlich mit den Abgebenden,

[00:21:55]  das an jene Stellen weiter, wo es mehr Sinn macht, wo es mehr gesucht wird,

[00:22:00]  und die auch besser da hingehend aufgestellt sind.

[00:22:02]  Wir müssen jetzt nicht als dritte Institution Fotos sammeln.

[00:22:06]  Und deswegen, aber als kommunales Archiv, ist es natürlich eine große Aufgabe.

[00:22:12]  Das ist so, und dem muss man auch gerecht werden,

[00:22:15]  und das ist natürlich schon ein finanzieller Aspekt.

[00:22:18]  Nicht alles wird einem geschenkt, manches muss man natürlich auch ankaufen

[00:22:22]  oder wird auch zum Kauf angeboten.

[00:22:25]  Und da weiß man auch als Kommunalarchiv, wenn ich das jetzt nicht nehme,

[00:22:29]  dann landet es wahrscheinlich schlussendlich an den Falschen, im privaten Besitz,

[00:22:34]  wo man dann nicht mehr zugreifen kann.

[00:22:36]  Und diesen öffentlichen Auftrag hat ein kommunales Archiv viel mehr.

[00:22:40]  Und natürlich auch, was das Stadtarchiv Innsbruck viel mehr macht,

[00:22:44]  ist sicher in diesem Digitalisierungsbereich. Das war immer schon, also schon wie ich im

[00:22:49]  Stadtarchiv, gearbeitet habe, immer ein großer Aufgabenbereich, den das Stadtarchiv natürlich

[00:22:55]  einfach auch wahrnehmen muss. Aber sie haben einfach auch die Bestände dafür. Tobias: Das stimmt ja. Gertraud: Fotos,

[00:23:00]  [unverständlich]. Fotos werden wir auf Dauer nicht halten können. Das ist ein Medium, das

[00:23:05]  verschwindet, das eh, gerade wenn man an Farbfotos denkt, mit jedem Jahr wird die Qualität

[00:23:12]  schlechter und irgendwann [unverständlich] dann muss man Sicherheitsdigitalisierung machen.

[00:23:17]  Und das ist ja auch super, dass das das Stadtarchiv wahrnimmt. Aber das kostet auch viel mehr Geld.

[00:23:23]  Tobias: Das kostet auch viel mehr Geld, weil wir es ja auch nicht mit den eigenen personellen Mittel

[00:23:28]  ja umsetzen können. Das müssen wir ja auch nach extern geben. Gertraud: Genau, das trifft jetzt nicht

[00:23:33]  das Stadtarchiv Innsbruck. Das ist dort kein Ausnahme, sondern wenn man im kommunalen

[00:23:37]  Archivbereich ist, egal ob in Tirol oder in Wien, das trifft alle gleich und da sind einfach die

[00:23:44] budgetären Anfängerung andere. Und das ist natürlich auch nicht so gut berechenbar.

[00:23:49]  Tobias: Es ist schwierig, weil man weiß ja nicht immer, was reinkommt oder wenn ein großer Bestand kommt,

[00:23:54]  das ist ja auch nicht immer, manchmal ist das planbar, das ja, aber nicht immer.

[00:23:58]  Gertraud: Genau, und wenn man in Jubiläen oder keine Ahnung was denkt, dann muss man dann auch

[00:24:03]  oft reagieren und da ist halt ein Kommunales Archiv oft mehr gefordert als wie jetzt das

[00:24:09]  Verwaltungsarchiv. Tobias: Weil du gerade vorher oder im Vorhinein mal kurz angesprochen hast,

[00:24:15]  den Lesesaal den Neuen, der was kommt und mit den Veranstaltungen. Im Landesarchiv werden

[00:24:20]  ja das öfteren Veranstaltungen gemacht. Hauptsächlich würde ich jetzt sagen Buchpräsentationen.

[00:24:24]  Gibt es sonst noch Anstaltungen, was vielleicht von Interesse sind, was nicht ganz so publik sind

[00:24:31]  immer oder oftmals nicht ganz so groß an die große Glocke gehängt werden.

[00:24:35]  Gertraud: Das stimmt, also das ist sicher auch ein bisschen ein Unterschied. Die Öffentlichkeitsarbeit im

[00:24:41] Tiroler Landesarchiv ist ganz anders gestaltet. Wenn es Buchpräsentationen gibt, dann ist es

[00:24:47]  meistens in Kooperation mit der Universität, auch mit dem Stadtarchiv Innsbruck, also mit anderen Institutionen.

[00:24:53]  Wirklich die Wenigsten sind wirklich jetzt Buchpräsentationen, wo wir die Initiatioren sind.

[00:25:00]  Und von dem her geht auch die Öffentlichkeitsarbeit meistens von jenen Institutionen aus.

[00:25:05]  Ansonsten haben wir interne Veranstaltungen im Lesesaal, egal ob es jetzt um die Schulung

[00:25:13]  zum Beispiel eben im Kommunalarchivbereich geht, wo wir vor Corona eigentlich immer

[00:25:18]  zumindest ein Modul im Lesesaal abgehalten haben und eben natürlich diverse Archivführungen oder

[00:25:28]  eben Vorträge. Aber das ist meistens für eine bestimmte Gruppe, aber es ist jetzt nicht wirklich

[00:25:35]  öffentlich. Tobias; Nachdem ich ja selbst schon in den Genuss dieses Archivkurses gekommen bin, würde

[00:25:41]  den eh vielleicht ganz kurz ansprechen, weil es ja für alle Gemeinden, also im Vorrang eigentlich

[00:25:48]  für die Gemeinden und für die Gemeindearchive zur Schulung des Personals ja angedacht ist.

[00:25:53]  Wir von der Stadt nehmen das natürlich Angebote auch gerne in Kauf oder nicht in Kauf,

[00:25:58]  wir nehmen das Angebot auch gerne wahr. Der wird oder ist ja immer jährlich veranstaltet worden glaub ich.

[00:26:03]  Gertraud: Bisher, ja. Tobias: Bisher genau. Bis vor Corona eben. Ich glaube, ich war noch...

[00:26:07]  Gertraud: Nein, es war immer jährlich. Tobias: Immer jährlich? Gertraud: Da hast du recht. Es war immer jährlich. Es war nur am Beginn haben wir ja für Reutte,

[00:26:14]  Also für den Bezirk Reute und den Bezirk Ostirol noch zusätzlich ein Kurs angeboten und mit

[00:26:20]  heuer machen wir mal eine Pause, weil wir das Gefühl gehabt haben, jetzt ist es mal eine gute,

[00:26:26]  gute Breitenwirkung. Die meisten Gemeinden, die ein Gemeindearchiv eingerichtet haben,

[00:26:32]  aufgrund des Archivgesetzes, haben auch von diesem Angebot Gebrauch gemacht und wir werden jetzt mal

[00:26:39]  ein Jahr pausieren, um zu schauen, ob dann... [Tobias dazwischen: Noch Nachfrage ist.] Gertraug: ...wieder Nachfrage ist. Tobias: Hat es Rückmeldungen

[00:26:45]  gegeben oder hat man gemerkt, da kommt jetzt aus den Gemeinden mehr Anfragen oder Fragen generell zu dem Archivwesen?

[00:26:53]  Tobias: Ja? Gertraud: Ja, auf alle Fälle. Sie nehmen uns jetzt natürlich schon auch aus Ansprechpartner wahr.

[00:26:58]  Und also gerade das Tiroler Landesarchiv und natürlich auch den Bernhard Mertelseder vom Bildungsforum. Also nehmen

[00:27:06]  sie uns wirklich als solche wahr und sie melden sich. Also ich kriege sehr viele Anrufe,

[00:27:10]  gerade was die Bestandserhaltung betrifft, einfach wo es um konkrete Fragestellungen geht, wenn

[00:27:17]  Archivbau oder Regalsysteme angekauft werden sollen und vor allem natürlich das Verpackungsmaterial.

[00:27:25]  Das ist eigentlich ein großes Thema, wo die meisten halt wirklich die Nachfrage haben, was wäre jetzt

[00:27:31]  für mich geeignet, wie kann ich überhaupt was aussuchen und wo bestellen. Das Angebot muss

[00:27:36]  ich aber auch zugeben, dass habe ich im Gemeindenarchivkurs auch immer sehr offensiv betrieben und

[00:27:41] einen immer darauf aufmerksam gemacht, weil diesbezüglich ist es ja viel einfacher, wir bestellen sehr viel

[00:27:47]  und haben da meistens einen guten Überblick, notgetrungen, und von dem her, wieso soll man das

[00:27:53]  Rad neu erfinden. Das muss man ja nicht. Tobias: Wir haben ja, muss man, Lukas hat es eh auch

[00:27:59]  schon angesprochen, wir haben ja generell, oder ich finde ja auf Stadtgebiet herrscht sowieso guter

[00:28:04]  Austausch zwischen den ganzen Institutionen, d.h. zwischen uns, zu der Stadt und Land,

[00:28:08]  sowie auch dem Ferdinandeum und die restlichen Archive. Es gibt ja gewisse, gewisse Kollegialität, ist ja

[00:28:14]  Gott sei Dank vorhanden. Gertraud: Ja genau. Es ist ja auch dadurch, dass man sich halt aus verschiedensten Ebenen ja auch kennt

[00:28:20]  irgendwie oder mal zusammengearbeitet hat. Ich glaube, das hat sich auch stark verändert. Es war doch,

[00:28:25]  es ist generell einfach diese Berufssituation. Es ist eigentlich, glaube ich, selten der Fall,

[00:28:30]  dass man mit einem Studium danach im Archiv beginnt und mit diesem Archiv in Pension geht und man

[00:28:36]  wechselt doch einfach dazwischen und irgendwie kennt man sich dann einfach. Und das macht es

[00:28:42]  auch leichter. Tobias: Auf jeden Fall. Gertraud: Es macht es auf alle Fälle leichter und der Austausch, kann ich mich

[00:28:47]  auch noch erinnern, wie ich im Stadtarchiv angefangen habe, jetzt direkt mit dem Tiroler Landesharchiv

[00:28:51] war damals für mich schwieriger, weil ich niemanden gekannt habe. Und dann ist es schon schwieriger,

[00:28:57]  wo setze ich an, wer ist jetzt die Ansprechperson. Und das erleichtert es einfach, wenn man... Tobias: Wenn man

[00:29:03]  wen kennt. Gertraud: Es ist so. Tobias: Es ist immer so. Für die Publikationen, wollte ich eigentlich sprechen,

[00:29:07]  das Landesharchiv gibt noch Publikationen heraus. Merkt man auch im Landesharchiv, dass die Publikationen

[00:29:14]  weniger vergriffen sind oder weniger... Oder dass der Kostenproduktions..., also diese, diese

[00:29:23]  Wiege zwischen Aufwand und Kosten und wie viel wirklich dann benutzt wird oder verwendet wird,

[00:29:30]  geht de auch sozusagen zurück. Gertraud: Also es ist eigentlich, das klingt jetzt ein bisschen komisch,

[00:29:36]  aber das ist für uns nicht relevant. Das ist aber eine ganz andere Schiene. Das Stadtarchiv Innsbruck

[00:29:43]  hat doch Reihen, die in relativer regelmäßigkeit erscheinen. Wir haben die Veröffentlichungen

[00:29:51]  des Tiroler Landesarchivs, wo wir keine Abstände, sondern so wie die Publikationen richtig und

[00:30:00]  wichtig erscheinen, so werden sie bei uns dann eben auch veröffentlich und publiziert. Und da geht

[00:30:06]  es aber vielmehr darum, eben ein Projekt zum Abschluss zu bringen, einem Projekt die Plattform

[00:30:11]  zu geben. Und da geht es prinzipiell um das und das Geld haben wir auch vorhanden. Und da muss ich

[00:30:16]  jetzt ganz ehrlich sagen, da ist der Wirtschaftsfaktor bei uns nebensächlich und der darf auch nebensächlich sein.

[00:30:23]  Tobias: Sondern mehr der Bildungsauftrag im Vordergrund. Gertraud: Genau. Aber das ist eine ganz andere Herangehensweise

[00:30:29]  und natürlich auch nicht mit dem Aufwand und mit der Professionalität betrieben wie im Stadtarchiv.

[00:30:34]  Also bei uns ist das wirklich einfach auch von anderem Anliegen. Um das jetzt nicht zu

[00:30:41]  schmählern. Tobias: Nein, nein, nein, gar nicht. Gertraud: Absolut nicht zu schmählern was im Tiroler Landesarchiv passiert. Tobias: Das war nicht

[00:30:47]  meine Intention. Gertraud: Das ist eine realistische Einschätzung und dadurch, dass ich einfach auch den Aufwand

[00:30:52]  kenne, der wirklich im Stadtarchiv Innsbruck da eben auch betrieben wird, und Gott sei Dank,

[00:30:58]  betrieben wird. Tobias: Eine letzte Sache noch zum allgemeinen Part sozusagen zum Landesarchiv. Gibt es

[00:31:04]  auch im Landesarchiv kuriose Archivalien, kuriose Bestände, sag ich jetzt mal, weil natürlich

[00:31:14]  wenn ich jetzt denke, du kennst natürlich die Bestände im Stadtarchiv auch gut, aber so zum

[00:31:16]  Beispiel an die Bürgermeistergeschenke gibt es da ein Pendant mit denLandeshauptmänner,

[00:31:20]  muss man dazu sagen, Landeshauptfrau hat es noch keine gegeben bisher. Aber gibt es so kuriose

[00:31:27]  Sachen, was dir quasi spontan einfällt? Gertraud: Also weniger eigentlich. Also so diese Realien oder

[00:31:35]  diese Sammlungen, die es im Stadtarchiv gibt, in der Masse gibt es bei uns nicht. Also bei uns ist

[00:31:41]  was so ganz kurioser ist, zum Beispiel gerade bei den Gerichtsakten, dass dann oft einmal,

[00:31:47]  gerade bei diesen Verbrechensakten, dann auch das Vorkommen kann, dass das Mordwerkzeug dabei liegt

[00:31:54]  oder bei sexueller Belästigung auch das Indiz der Unterwäsche beliegt. Das ist ganz spannend,

[00:32:02]  normalerweise werden die Gerichtsakten von solchen Sachen ja bereinigt, aber manche Sachen schlüpfen

[00:32:07]  dann doch doch, und die müssen wir natürlich auch irgendwie konservieren und archivieren. Das ist

[00:32:12]  dann kurios, aber diese Bestände werden dann auch nicht angefordert, die bewahren wir aufgrund

[00:32:20]  der Rechtsglüftigkeit. Und da hat halt der Weg nicht in die Reservatenkammer geführt, aber das

[00:32:27]  ist abgeklärt, aber das ist wirklich die Ausnahme. Tobias: [lachend] Ja. Gertraud: Das ist jetzt so wirklich was kurioses, was

[00:32:32]  mir einfällt, ansonsten sind wir eigentlich recht... Tobias: Ganz brav. Gertraud: ...langweiliges Verwätungsarchiv. Tobias: Ein braves langweiliges Verwaltungsarchiv.

[00:32:39]  Gertraud: Genau. Tobias: Wenn man im Netz schaut, im Internet, wirst du ja als Ansprechpartnerin eben für die

[00:32:46]  Restaurierungswerkstätte und Buchbinderei beschrieben oder halt angegeben. Jetzt hast du zu mir

[00:32:53]  ja schon in einem Vorgespräch gesagt oder im Vorhinein gesagt, dass das ja eigentlich nicht

[00:32:57]  ganz so stimmt. Magst du das kurz vielleicht erklären? Gertraud: Das Tiroler Landesarchiv ist in gewisse Fachbereiche

[00:33:03]  eingeteilt, was nach den Aufgaben geht, was ein Archiv zu leisten hat, das geht eben von der

[00:33:08]  Reproduktion über Lesesaal, die Übernahme, die Überlieferung, die Erschließung, natürlich

[00:33:15]  auch die Bibliothek und historisch gesehen war das die Bestandserhaltung, was man heute

[00:33:20]  drunter versteht, für die Restaurierungswerkstätte und Buchbinderei. Und die Begrifflichkeit ist

[00:33:26]  heute eben im Tiroler Landesarchiv immer noch so gängig und im Prinzip geht es eigentlich

[00:33:31] um die Bestandserhaltung. Es gibt eine hauseigene Restaurierwerkstätte, wo vier gelernte

[00:33:38]  Buchbinder:innen tätig sind, die eine restauratorische Weiterbildung erfahren haben, also alle vier

[00:33:45]  eben auch als Restaurator:innen tätig sind und dabei eben einerseits buchbinderische

[00:33:51]  Aufgaben übernehmen, was jetzt in einer Bibliothek anfällt, aber eben auch eben vor allem natürlich

[00:33:58]  die Restaurierung und die konservatorische Maßnahmen der Archivale betreffend. Mein Aufgabengebiet

[00:34:04]  ist es, ich bin keine Restauratorin, vor allem eben da dies zu leiten, zu organisieren, auch

[00:34:12]  zu organisieren welche Bestände werden durchgeschaut auf Mängel, wie erfolgt die Priorisierung,

[00:34:19]  wo werden restauratorische Maßnahmen ergriffen, wo konservatorische und eben auch welche Verpackungsmaterialien

[00:34:28]  darunter so die klimatischen Verhältnisse und eben auch einfach, dass man in alle Projekte

[00:34:33]  irgendwie eingebunden ist, weil auch die Erschließungsarbeit oder auch in der Überlieferung, wenn wir Akten übernehmen,

[00:34:41]  werden sie zuerst gesichtet, einerseits natürlich inhaltlich von der archivwürdigkeit her und der

[00:34:47]  zweite Punkt ist natürlich im Zustand. Verschimmelte Sachen oder sehr mitgenommene Sachen können

[00:34:55]  wir auch nicht in unsere Bestände übernehmen, da müssen davor Maßnahmen getroffen werden.

[00:34:59]  Und das ist so eigentlich das Aufgabengebiet.

[00:35:01]  Tobias: Triffst du die Entscheidung in Absprache mit dem Christoph Haidacher, also dem Leiter des

[00:35:05]  Landesarchivs, welche Archivmaterial... oder welche Bestände restauriert werden oder darfst du,

[00:35:14]  so blöd es jetzt klingt, das allein entscheiden oder wird es dann auf Empfehlung oder auf Vorschlag

[00:35:19]  von dir priorisiert sozusagen, wo es am sinnvollsten ist, gleich zu agieren?

[00:35:24]  Gertraud: Nein, da kann ich selbstständig agieren, ist auch glaube ich der Dr. Haidacher ganz froh, [lacht] dass man

[00:35:30]  da selbst agiert und nicht immer alles hinterfragt. Natürlich ist es logischerweise, dass man Sachen

[00:35:36]  diskutiert, dass man Sachen anspricht, gerade wenn es auch Fachbereichsübergreifend ist, also wenn es

[00:35:42]  die Erschließung betrifft oder in der Überlieferung betrifft, dass man da natürlich zusammenarbeitet,

[00:35:47]  aber im Prinzip ist es natürlich auch mein Aufgabe, das zu entscheiden und weil da einfach viel

[00:35:54]  Vorarbeit zu leisten ist, man kann jetzt nicht sagen, okay, ich bin sehr Mittelalter affin, deswegen würde

[00:36:01]  ich jetzt eigentlich lieber gerne die mittelalterlichen Bestände bearbeiten, was einfach von der Bestandserhaltung

[00:36:06]  eigentlich meistens widersinnig ist, weil die Sachen meistens sehr gut verpackt sind und einfach

[00:36:11]  vom Material her viel besser dauerhafter im Bestehen sind und deswegen widmen wir uns natürlich auch

[00:36:20]  jenen Beständen, die einfach aufgrund ihrer Materialien oder nicht Verpackung, auch das gibt es im

[00:36:27]  Tiroler Landesarchiv. Tobias: Das gibt es leider in jedem Archiv, aber es gibt ja, wie auch im Archivkurs,

[00:36:32]  es gelehrt wird, einen Idealzustand und es gibt einen Praktikabelen- und Ist-Zustand. Gertraud: Genau,

[00:36:38]  und natürlich ist der Idealzustand, wo wir alle hin möchten und das geht halt nur Step by Step [englf. für Schritt für Schritt]

[00:36:43]  und natürlich wäre es am besten, wenn man alles zur gleichen Zeit hat, des ist nicht drin.

[00:36:48]  Tobias: Von dem her ist ja das Prinzip ein bisschen ähnlich wie dann, wie es ja jetzt immer bei den Corona-Zeiten

[00:36:53]  ja eigentlich für die Krankheit... für die Krankenhäuser vorgeschrieben war, mit der Triage, wo wir ja auch schauen

[00:36:58]  müssen, wo ist es wichtiger schnell zu agieren, wo weniger, wo kann es noch ein bisschen dauern,

[00:37:03]  bis es eigentlich bearbeitet wird, oder? Könnte man das so...

[00:37:06]  Gertraud: So ist es auf alle Fälle. Also es gibt deswegen auch diese Schadenskataster oder Kataloge, wo man wirklich

[00:37:11]  einfach einen Überblick über die Bestände haben muss und auch über den Zustand und dann eben auch

[00:37:17]  priorisieren muss, okay, wenn jetzt ein Bestand nicht verpackt ist und sehr viele mechanische

[00:37:23]  Schäden hat, also heißt viele Eselsohren, Einrisse und es gibt einen Bestand daneben,

[00:37:29]  der vielleicht sogar verpackt ist, aber wo wirklich ein früherer Wasserschaden ins Archiv gekommen ist

[00:37:37]  und da wirklich der Schimmel vielleicht schon angesetzt hat oder zumindest das einmal schon

[00:37:41]  gewütet hat, da muss man priorisieren, da muss man dann sagen, okay, die mechanischen Schäden,

[00:37:46]  wenn ich jetzt den Bestand so liegen wir er ist, da verändert sich nicht so wenig, aber beim

[00:37:51]  Schimmel, da müssen wir jetzt ansetzen, weil es wird schlechter und schlechter. Und natürlich,

[00:37:55]  das hängt dann auch am Material. Wenn ich jetzt ein Holzschliffpapier aus dem 19. und 20.

[00:37:59]  Jahrhundert vor mir und wenn ich das angreif und es schon fast reißt, ist natürlich einfach zu

[00:38:06]  sagen, okay, da müssen wir was machen. Hingegen beim Harderpapier aus dem Mittelalter aus den Akten,

[00:38:12]  die vielleicht schmutzig sind, weil sie nicht Ideal aufbewahrt wurden, aber and und für sich,

[00:38:17] von der Haptig her schon einen guten Eindruck machen, ist natürlich die Priorität eindeutig

[00:38:22]  bei den jüngeren Archivaren an zu setzen, weil die wahrscheinlich nicht so lang überdauern

[00:38:27]  werden wie das sehr stabile, schon hunderte Jahre alte Papier aus dem Mitterlalter. Tobias: Das heißt, du machst

[00:38:34]  auch Sichtungen vor Ort dann in den Abteilungen oder fährst du auch zum Teil in die Gemeindenarchive,

[00:38:42]  oder ist, weil ich weiß, der Bernhard, der Mertelseder Bernhard, macht das ja sehr, sehr oft

[00:38:47]  und wenn gefragt wird. Betrifft dich das in dem Fall auch öfters oder ist das weniger? Gertraud: Mach ich auch.

[00:38:53]  Mach ich auch. Mach ich genauso, wenn es darum geht, eben wenn im Gemeindenarchiv einfach der Zustand

[00:38:59]  vielleicht nicht selbstständig abgeklärt werden kann von den Archivalien oder eben wie soll ich da

[00:39:05]  jetzt vorgehen mit dem ganzen Verpacken, da sprechen aber auch der Bernhard Mertelseder und wir

[00:39:11]  uns sehr gut ab, was geht eher in seine Richtung, wo kann er besser Auskunft erteilen und wo ist es

[00:39:18]  vielleicht besser, wenn wir hinfahren. Tobias: Diese Aufgabe machst du ja noch nicht immer, sag ich jetzt

[00:39:24]  einmal, im Stadtarchiv, oder warst du im Stadtarchiv, ich weiß nämlich zu wenig eigentlich, auch schon

[00:39:28]  für die Bestandserhaltung vorrangig zuständig oder war das dann wirklich erst durchs Landesarchiv?

[00:39:33]  Gertraud: Da wird jetzt der Lukas wahrscheinlich lachen, aber im Prinzip [lacht] war es, wie ich damals mit dem Lukas

[00:39:41]  also wir waren zu dritt im Archiv [schnalzt mit der Zunge] nachdem die Kollegin in Pension gegangen ist und da haben

[00:39:47]  wir es eigentlich schon so aufgeteilt gehabt. Der Lukas war natürlich für alles zuständig logisch,

[00:39:52]  aber er hat schon, jetzt wenn man von Bestände her geht, eine große Affinität zu den Fotobestände,

[00:39:58]  Grafikbestände, da kennt er sich einfach wahnsinnig gut aus und das hat auch Sinn.

[00:40:02]  Tobias: Macht er immer noch sehr gern, muss ich sagen. Gertraud: Ja, manches bleibt so. Der Kollege hat vor allem

[00:40:07]  die Bibliothek gehabt und so das alte Zeug [beide lachen]. Gertraud lachend: Wenn ich Lukas zittieren darf. Also was das Archiv betroffen hat,

[00:40:16]  da war, alles was Verwaltungsarchiv betroffen hat, das war eigentlich vor allem meine Zuständigkeit.

[00:40:21]  Und das war eigentlich das Tolle im Stadtarchiv, weil es war auch eine gute Schule, weil natürlich in

[00:40:27]  einem Kommunal-Archiv wäre ich nicht, bin ich nicht nur für die Bestandserhaltung zuständig,

[00:40:32]  sondern da muss man alles machen. Und das war natürlich schon toll, weil du hast eigentlich von

[00:40:37]  der Aktenübernahme bis, dass du sie ordnest, was ich Akten verpackt habe und dann die Beschriftung,

[00:40:44]  die Signierung des Archiv-Infomationssystems, also das ganze Einpflegen in die Datenbank und natürlich

[00:40:49]  dann auch die Bestandserhaltung, das war alles meine Aufgabe und deswegen habe ich natürlich da ein sehr

[00:40:56]  breites, ja learning by doing [engl. für Lernen durch Handeln]. Man hat sich sehr viel reinlesen müssen, weil es war natürlich

[00:41:02]  jetzt auch niemand da, der einem das genauso sagen hat können und auch niemand die Zeit gehabt hat.

[00:41:07]  Das war zu meiner Zeit so, es war auch das Stadtmuseum erst im Aufbau und es war einfach vieles

[00:41:13]  zu gleichen Zeit hat passieren müssen. Und das war eigentlich von dem her eine gute Schule, deswegen sage

[00:41:18]  ich auch immer, ohne die Zeit im Stadtarchiv wäre wahrscheinlich gar nie die Option gewesen, dass

[00:41:24]  sie mir die Stelle im Tiroler Landesarchiv angeboten hätten. Tobias: An dieser Stelle darf ich vielleicht

[00:41:28]  auch nochmal Danke sagen, weil wir greifen immer noch auf deine Arbeit zurück, vor allem was die

[00:41:32]  Urkunden und so weiter betrifft. Für deine Position oder für deinen beruflichen Zwecke wird es wahrscheinlich

[00:41:38]  ja viele Ausbildungsmöglichkeiten geben, Fortbildungen, Schulungen. Gibt es da sozusagen auch im

[00:41:44]  Erhaltungsbereich eine Community, die wo man sich austauscht oder so, wie bei den Archiv-Tage,

[00:41:51]  wo dann auch immer so Panels [engl. für Forum] sind, wo das Thema der Erhaltung vor allem im Vordergrund steht?

[00:41:57]  Gertraud: Ja, es gibt es natürlich. Das ist, also vor allem im Staatsarchiv ausgehend, die alle zwei Jahre da

[00:42:05]  wirklich eine Tagung organisieren, wo einerseits eben die Restaurierungszuständigen Menschen

[00:42:14]  in den Landesarchiven auch zusammenkommen, um sich auszutauschen, sind auch die Kommunalen

[00:42:20]  Archive dabei, soweit sie halt über wirklich Restaurierwerksstätten oder eben wirklich

[00:42:26]  Restauratorinnen oder Restauratoren verfügen, und dann natürlich eben auch die Angewandte, die hier eben auch ihre Professorinnen, Studierenden schickt, um eben an dieser Tagung einerseits Beiträge, aber eben auch zum Austausch, da kommt man sehr viel in den Austausch, das ist eben alle zwei Jahre. Und das organisiert immer das Staatsarchiv, da ist...

[00:42:50]  das ist eigentlich immer sehr interessant. Weil einfach, man merkt, okay, was läuft jetzt gerade in den anderen Archiven oder wo ist momentan da die Schwerpunktsetzung und man einfach immer sich selber und seine Arbeit, oder..

[00:43:05]  Tobias: Du meinst, dass man dann sieht, dass es anderen gleich geht, nicht gerade... Das habe ich öfters gemerkt, dass andere Archive, sei das das Grazer-Stadtarchiv, Wiener-Stadtarchiv, die haben dieselben Probleme wie wir, meistens. Gertraud: Ja genau. Tobias: Das ist was beruhigendes auch irgendwo.

[00:43:19]  Gertraud: Genau. Einerseits.. Und andererseits ist es natürlich eben, es gibt so Sachen, mit denen wir uns auch auseinandersetzen müssen, wenn man jetzt an dieses saure Papier denkt, also an diese Massenteuerungsvorgehen oder eben an den [unverständlich] denken, das sind Sachen, die wir bisher eigentlich umschifft haben, weil da einfach die restauratorische Methodik, nicht ganz ausgereift ist oder für uns, die Entscheidung noch nicht klar ist, in welche Richtung wir gehen.

[00:43:46]  Und da ist der Austausch sehr gut und das ist eigentlich gut, dass das alle zwei Jahre stattfindet.

[00:43:52]  Und ansonsten ist es halt wirklich so, dass wir im Austausch einfach mit den Restauratorinnen und Restauratoren in Innsbruck, Salzburg, da sind wir in einem regen Austausch.

[00:44:02]  Tobias: Eine abschließende Frage. Gibt es was, was du den Zuhörerinnen und Zuhörern mitgeben möchtest, über das Landesarchiv?

[00:44:10]  Gertraud: Ja genau, also das Tiroler Landesarchiv befindet sich in der Michael-Gaismair-Straße 1, nicht in der Badgasse.

[00:44:16]  Tobias: [lacht] Ja, stimmt, denn das ist des Öfteren schon vorgekommen, dass, "ah, sind wir da nicht im Landesarchiv".

[00:44:23]  Gertraud: Genau. Das ist sowas. Ansonsten natürlich, dass man mit jeder Frage zu uns kommen kann und uns auf alle Fälle auch telefonisch und schriftlich, wenn einfach die Anreise zu weit ist.

[00:44:36]  Aber der Lesesaal eigentlich jedem Interessierten offen steht.

[00:44:40]  Das ist auf alle Fälle unser Credo und das ist auch mit all der Digitalisierung uns nach wie vor wichtig, dass die Leute einfach auf die Orginale im Lesesaal in die Hand bekommen und mit den Orginalen arbeiten können.

[00:44:54]  Das ist ja eigentlich auch das Besondere im Archiv, was man im Museum oft durch Fensterscheiben oder Glas nur betrachten kann, kann man wirklich im Orginalen in die Hand nehmen.

[00:45:05]  Und ich glaube, das macht das Archiv aus.

[00:45:08]  [Outro-Musik]

Nicht nur Leben retten

Nicht nur Leben retten

Stadtarchiv Innsbruck

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Transkript

[00:00:00]  [Intro-Musik] Tobias: Hallo und herzlich willkommen zur mittlerweile 5. und somit vorletzten Folge von Archivwürdig,

[00:00:19]  dem Podcast des Innsbruckers Stadtarchivs. Dieses Mal spreche ich mit Ernst Pavelka vom

[00:00:24]  Archiv der Freiwilligen Rettung in Innsbruck. Gemeinsam reden wir über die Entstehung

[00:00:28]  des Archivs, was dort wie aufbewahrt wird und wie Ernst überhaupt zur Archivarbeit kam.

[00:00:33]  Darüber hinaus kommen wir auf die mögliche Zukunft eines Rotkreuz Museums in Innsbruck zu

[00:00:38]  sprechen und starten auch einen Aufruf an unsere Hörerinnen und Hörer. Und mit diesem kleinen

[00:00:45]  Vorgeschmack gebe ich nun ab in die Folge. Lieber Ernst danke, dass du dir Zeit

[00:00:50]  genommen hast, heute mit mir da zu sprechen über das und jetzt muss ich aufpassen,

[00:00:55]  das Archiv der Freiwilligen Rettung Innsbruck. Und da ist für mich schon beim, ich habe ja im

[00:01:01]  Vorhinein natürlich ein kleines bisschen recherchiert, die Frage gewesen, eigentlich ist es ja das

[00:01:06]  Vereinsarchiv des Roten Kreuzes. Warum quasi dann nicht im Namen Archiv des Roten Kreuzes,

[00:01:13]  sondern Archiv der Freiwilligen Rettung Innsbruck? Hat das einen speziellen Hintergrund?

[00:01:19]  Ernst: Naja, es ist das Archiv des Roten Kreuzes Innsbruck eigentlich. Wir haben in Tirol die Situation,

[00:01:25]  dass die Rotkreuz-Bezirkstellen alle autonome Vereine sind und der Landesverband

[00:01:32]  selbst auch. Und das ist also jetzt einmal das Archiv des Roten Kreuzes Innsbruck, wobei wir Rotes Kreuz

[00:01:37]  Innsbruck sagen, der korrekte aktuelle Vereinsname ist "Österreichisches Rotes Kreuz,

[00:01:41]  Freiwillige Rettung Innsbruck" abgekürzt ist einer der Namen, die der Verein in seiner Geschichte

[00:01:48]  gehabt hat. Die Namen haben sich immer wieder geändert. Also ab Gründung ist ursprünglich

[00:01:54]  gegründet worden als Rettungsabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Innsbruck am 12.04.1907,

[00:01:59]  ist dann 1925 aus der Feuerwehr ausgeschieden worden aus verschiedenen Gründen. Ab da haben

[00:02:06]  wir den Namen "Freiwillige Rettungsgesellschaft Innsbruck", der Name "Freiwillige Rettungsgesellschaft

[00:02:10]  Innsbruck", der zieht sich dann auch nach dem Zweiten Weltkrieg weiter in unterschiedlichen

[00:02:16]  Varianten. Also zuerst "Freiwillige Rettungsgesellschaft Innsbruck", irgendwann kommt dann auch das

[00:02:21]  "Rote Kreuz" hinein, da gibt es einen Speeringnamen "Freiwillige Rettungsgesellschaft Innsbruck

[00:02:26]  Bezirksstelle Innsbruck Stadt"... [Lachen] Tobias: Ist nicht grad wirklich.. Ernst: ... Des Österreichischen Roten Kreuz des Landesverband Tirol".

[00:02:32]  Tobias: [lachend] Der liegt nicht wirklich auf der Zunge! Ernst: Da versteht man dann schon, dass man dann abkürzt, zunächst mit "Freiwillige Rettungsgesellschaft

[00:02:40]  Innsbruck" und ab 1975 haben wir dann "Freiwillige Rettungsgesellschaft Innsbruck Bezirksstelle

[00:02:46]  Innsbruck Stadt des Österreichischen Roten Kreuzes Landesverband Tirol" und seit 2006 "Österreichisches

[00:02:54]  Rotes Kreuz Freiwillige Rettung Innsbruck" also etwas knackigerer Name.

[00:02:58]  Und als Allgemeinbezeichnung des Vereins über all diese Epochen hinweg, kann man sagen "Rotes

[00:03:06]  Kreuz Innsbruck" das ist... Tobias: Das ist auch in Ordnung quasi, wenn man das so sagt quasi.

[00:03:11]  Ernst: Ja genau, das ist natürlich in Ordnung.

[00:03:13]  Tobias: Und jeder weiß was gemeint ist. Ernst: Und jeder weiß, was gemeint ist. Und es ist ja auch so, dass wir ja nicht nur Rettungsdienst

[00:03:20]  machen, obwohl es viele Jahre, sehr stark auch im öffentlichen Bewusstsein stehender Bereich

[00:03:25]  gewesen ist, aber andere Vereinsaufgaben auch noch im Sozialbereich und...

[00:03:30]  Tobias: Ich wollte gerade sagen, da fällt mir... Habe ich das richtig im Kopt, ist es nicht "Essen auf Rädern"

[00:03:34]  mittlerweile auch beim Roten Kreuz zum Teil?

[00:03:36]  Ernst: Essen auf Rädern war von Anfang an beim Roten Kreuz bis auf eine kurze Zeitspanne, wo es ein anderer Anbieter

[00:03:42]  gemacht hat, der das damals aber dann nicht so zur Zufriedenheit machen konnte, sodass es

[00:03:47]  dann wieder zum Roten Kreuz Innsbruck gegangen ist.

[00:03:50]  Ja ganz genau, also in Kooperation natürlich mit dem ISD [Innsbrucker Soziale Dienste].

[00:03:56]  Tobias: Ja genau, ich wollte gerade sagen, weil der ISD glaube ich macht das auch zum Teil.

[00:04:00]  Ernst: Ja der ISD macht, wir stellen Personal und Fahrzeuge.

[00:04:05]  Tobias: Gehen wir gar [lachen] nicht zu sehr auf die Rettung ein, sonst kommen wir heute glaube ich gar nicht weiter.

[00:04:10]  Jetzt haben wir das Archiv der Freiwilligen Rettung Innsbruck.

[00:04:14]  Stellt sich natürlich die nächste Frage, was sammelt das oder wie ist der Sammelauftrag

[00:04:19]  an das oder welchen Sammelauftrag gibt es an das Archiv der Freiwilligen Rettung Innsbruck?

[00:04:24]  Es ist ein Vereinsarchiv, das sollte man vielleicht vorausschicken im Unterschied jetzt zum Beispiel

[00:04:28]  zum Stadtarchiv, das ein kommunales Archiv ist und auch in der Verwaltung ja verankert ist.

[00:04:33]  Wenn ich jetzt sage, das Vereinsarchiv ist sozusagen auf freiwilliger Basis,

[00:04:37]  würdest du das so bestätigen oder würdest du sagen, das ist...

[00:04:41]  Ernst: Also das... Unser Archiv ist Jahrzehntelang auf freiwilliger Basis geführt worden.

[00:04:50]  Seine Wurzeln hat es ja schon in den 1970er Jahren bei meinem Vorgänger, beim Rudolf Stampfer,

[00:04:56]  der war Dienstleiter und Geschäftsführer, Stellvertreter dann,

[00:05:00]  ab dem Zeitpunkt, wo es auch eine Geschäftsführer gegeben hat, also 1989.

[00:05:07]  Und er hat schon angefangen, da Material zu sammeln, Dinge aufzubewahren

[00:05:13]  und hat versucht, ohne dass man das schon als Archiv bezeichnen könnte, jetzt im eigentlichen Sinn,

[00:05:18]  aber er hat sich um die Bewahrung von Dingen bemüht, die irgendwie aus dem Dienstbetrieb

[00:05:23]  des Roten Kreuzes Innsbruck entstanden sind.

[00:05:26]  Tobias: Das heißt, er hat das ehren...., also heute würde man sagen ehrenamtlich gemacht.

[00:05:31]  Ernst: Also neben seiner normalen, hauptberuflichen Tätigkeit.

[00:05:35]  Und man hat dann, 1991 ist das glaube ich gewesen, hat man dann Stelle...

[00:05:42]  Tobias: 91 habe ich mir niedergeschrieben, [beide reden durcheinander] [lachen]

[00:05:46]  Ernst: Er hat dann, eine Stelle als Archiv auch ausgeschrieben, es

[00:05:49]  haben sich dann, oder als Archivarin natürlich,

[00:05:52]  aber es haben sich dann zwei Herren gemeldet, die das dann noch einige Zeit gemacht haben.

[00:05:57]  Und 1997, glaube ich, [19]98, hat das dann der Rudi Stampfer wieder gemacht,

[00:06:04]  auch in ehrenamtlicher Funktion.

[00:06:07]  Also er war damals dann schon in Pension nicht.

[00:06:10]  Und ich habe eigentlich auch zunächst ehrenamtlich gestartet

[00:06:14]  und seit Mitte 2018, glaube ich, habe ich jetzt Dienstfreistellungen

[00:06:23]  innerhalb meiner hauptberuflichen Tätigkeit für das Archiv.

[00:06:27]  Also das war zunächst ein Archivtag und mittlerweile so zu 40 Prozent

[00:06:31]  auch für das Archiv angestellt bin, weil einfach der Arbeitsaufwand immer mehr gestiegen ist

[00:06:37]  durch gestiegene Anfragen, Projekte und so weiter,

[00:06:40]  was mit dem zunehmenden Interesse auch von Seiten unseres Vorstandes

[00:06:45]  und auch der Geschäftsführung an diesem Archiv zu tun hat.

[00:06:49]  Und mittlerweile sind so jetzt zwei Archivtage, die ich habe in der Woche

[00:06:53]  und daneben mache ich halt nur ein bisschen ehrenamtlich auch noch.

[00:06:57]  Tobias: Das heißt, weil du sagst, du, der Vorwands- oder 40 Prozent quasi deines Dienstes,

[00:07:04]  deine andere Verbindung zum Roten Kreuz ist?

[00:07:07]  Ernst: Ja, ich bin im Regelfahrdienst tätig, ich bin Sanitäter,

[00:07:10]  ich fahre hauptsächlich Krankentransporte und habe eben diese zwei Tage,

[00:07:15]  das ist immer Mittwoch Donnerstag, wo ich eine Dienstfreistellung habe,

[00:07:19]  dann für das, um meiner Archivtätigkeit auch nachzukommen.

[00:07:22]  Tobias: Darf ich noch fragen, wie du persönlich dich für die Archivarbeit interessiert hast?

[00:07:28]  Hast du durch Kontakt mit dem Herrn Stampfer zu dem gefunden

[00:07:32]  oder hast du gemerkt, da gibt es was? Oder?

[00:07:34]  Ernst: Ich habe zum Rudi Stampfer davor eigentlich nur wenig Kontakt gehabt,

[00:07:39] ich habe einmal Kontakt gehabt,

[00:07:41]  weil ich relativ am Beginn meiner Tätigkeit beim Roten Kreuz Innsbruck

[00:07:44]  ein bisschen dort in der Pressestelle herum geschaftelt habe, muss man sagen [Tobias lacht].

[00:07:49]  Also ich habe der Beiträge für die Mitgliederzeitung geschrieben

[00:07:52]  und einmal für die Homepage oder zweimal, da habe ich eigentlich einmal oder zweimal mit ihm Kontakt gehabt,

[00:08:00]  weil es da um Fotos gegangen ist für irgendeinen Beitrag. Gefragt worden

[00:08:07]  bin ich aber eigentlich 2010 vom damaligen Bezirksfreiwilligen-Koordinator,

[00:08:13]  ob ich da, weil sich der Rudi Stampfer zurückziehen wollte aus der Archivtätigkeit,

[00:08:19]  ob ich das übernehmen möchte.

[00:08:22]  Und dann habe ich gesagt, das muss ich mir noch überlegen nicht, [Tobias lacht]

[00:08:27]  und dann habe ich Rudi [lachend] angerufen und habe gefragt, wie das denn ist

[00:08:32]  und wie groß der Zeitaufwand ist.

[00:08:34]  Ja, und Rudi hat gesagt, ja, das Archiv hat den Vorteil,

[00:08:38]  dass es einem eben nicht davon läuft [beide lachen].

[00:08:40]  Tobias: Das kann ich bestätigen.

[00:08:42]  Die Archivalien sind geduldsam.

[00:08:45]  Ernst: Die Archivalien sind geduldsam. Aber man hat dann je mehr Aufgaben man dann für das Archiv übernimmt,

[00:08:51]  wenn es dann auch in den Bereich ein bisschen der Öffentlichkeitsarbeit hineingeht, nicht.

[00:08:55]  Wenn es im Bereich von Medienarbeit hineingeht, also Vorbereitung für irgendwelche Facebook-Postings

[00:09:01]  und andere Dinge macht, dann aber doch natürlich zeitliche Vorgaben,

[00:09:06]  die man dann in irgendeiner Weise versuchen muss einzuhalten, nicht.

[00:09:09]  Und gerade da ist also dann auch der Arbeitsaufwand natürlich gestiegen.

[00:09:13]  Tobias: Das denke ich mir, ja.

[00:09:15]  Ernst: Und es ist auch immer mehr geworden, was ich dann eigentlich gemacht habe.

[00:09:20]  Da ist schon, wenn dann natürlich Sachen wie die Festschrift zum Beispiel 2017 reinkommen,

[00:09:26]  also dann bleibt im Grunde alles andere, was mit eigentlich archivarischer Tätigkeit zu tun hat

[00:09:33] also, das ganze Inventarisierungs-Tätigkeiten nicht, die Verzeichnung, Erschliessung und so weiter,

[00:09:39]  das bleibt natürlich dann alles liegen, die Bearbeitung von Archiv-Eingängen.

[00:09:43]  Tobias: Was kann man sich denn vorstellen, was bei dir, also

[00:09:46]  nicht bei dir persönlich natürlich, sondern ich mein damit natürlich im Archiv lagert.

[00:09:50]  Sind das, ich sage jetzt einmal salopp gesagt, Einsatzberichte, sind das nur Schriftstücke,

[00:09:56]  sind das auch Realien, also was weiß ich, ein Helm oder eine Ausrüstung oder sowas?

[00:10:04]  Ernst: Also es umfasst ein sehr, sehr breites Spektrum eigentlich.

[00:10:08]  Wir haben relativ viel Schriftgut aus dem Verhaltungsbetrieb.

[00:10:11]  Wir haben allerdings auch Fotografien, historische Fotografien natürlich und Realien natürlich auch,

[00:10:16]  also ganze Reihe von Gegenständen aus allen möglichen Bereichen, also aus dem Rettungs- und Krankentransportdienst,

[00:10:24]  aus dem Katastrophenschutzwesen, aus dem Ausbildungswesen und so weiter.

[00:10:29]  Die Geschichte des Roten Kreuzes Innsbruck, auch die Geschichte des Rettungswesens eigentlich,

[00:10:34]  ist eine sehr durchwachsene, komplexe Geschichte, weil da alle möglichen Formen von Geschichten

[00:10:40]  wenn man das so sagen kann, hineinfallen.

[00:10:43]  Also man hat da Medizingeschichte drin, man hat da Stadtgeschichte drin über die Gebäude, die wir errichtet haben,

[00:10:50]  aber auch Betriebe, die wir geführt haben, also das Rote Kreuz Innsbruck hat seit 1928,

[00:10:55]  also Betriebswirtschaftliche Tradition, wenn man so sagen kann, das hat verschiedene Gründe gehabt damals,

[00:11:00]  und Technikgeschichte, nicht, alles, was man da ganze Leitstellen wesen, was mit Kommunikationstechnik zu tun hat.

[00:11:07]  Dann natürlich eine Geschichte von Entwicklung von Uniformen, solche Dinge, nicht. Ausbildungsgeschichte,

[00:11:13]  das fällt da alles, das fällt da alles hinein, also es ist da relativ komplex,

[00:11:18]  also man könnte im Grunde ein technisches Museum aus sowas machen zum Beispiel,

[00:11:23]  und natürlich wie bestimmte Abläufe stattfinden, wie kommt ein Rettungsauto zum Patienten,

[00:11:30]  wie ist da der ganze Weg. Angefanen von der Meldung, wie hat das zu Beginn des Rettungsdienstes in Innsbruck ausgesehen.

[00:11:36]  Wie haben da die Meldungen stattgefunden, wie ist dann der ursprünglich Pferdewagen, das Pferdegespann,

[00:11:45]  oder wie sind die ersten Kraftwagen ausgefahren, oder wie hat man auch ein Auto alarmieren können,

[00:11:53]  wenn es draußen war, bevor man Sprechfunk gehabt hat,

[00:11:56]  also diese ganzen organisatoren Sachen, wie sind Patienten transportiert worden überhaupt,

[00:12:02]  hat es da schon Tragen gegeben oder und so weiter, solche Dinge einfach,

[00:12:06]  das fällt da alles in die Geschichte hinein und aus all diesen Geschichten,

[00:12:12]  fällt halt da Material an dann, nicht, für das Archiv oder ist angefallen.

[00:12:16]  Tobias: Wie kommst du dann an dein Archivgut?

[00:12:19]  Gibt es bei der Rettung eine Art Regelung, dass gewisse Schriftstücke dann ins Archiv kommen zu dir

[00:12:27]  oder musst du proaktiv um die Schriftstücke sozusagen ringen?

[00:12:31]  Ernst: Also eine Regelung in dem Sinn haben wir aktuell noch nicht.

[00:12:35]  Ich bin seit Längem dabei, eine auszuarbeiten,

[00:12:37]  wo man dann einfach sagt, das ist etwas, was ein bestimmtes Alter hat,

[00:12:41]  sagen wir älter als 20 oder älter als 30 Jahre,

[00:12:44]  ist auf jeden Fall dann in den Archiv kommen soll, was so Verwaltungsakten betrifft, da ist es so,

[00:12:50]  es wird immer noch in irgendwelchen Büros irgendwo irgendetwas gefunden,

[00:12:54]  was Gegenstände betrifft, oft im [unverständlich]-Keller oder so,

[00:12:57]  wenn dort wieder aufgeräumt wird, da tauchen dann wieder Sachen auf,

[00:13:00]  die bekomme ich dann, oder mittlerweile ist es so, dass da jetzt schon die Dienstführer,

[00:13:07]  oder wer auch immer das dann findet, proaktiv auf mich zukommt

[00:13:11]  und fragt, ob ich das haben will oder mir das einfach reinstellt.

[00:13:14]  Tobias: Das heißt, es spricht sich schon herum, dass es dich gibt? [lacht]

[00:13:16]  Ernst: Ja genau. Also es hat sich mittlerweile herumgesprochen.

[00:13:19]  Dass [beide lachen] mich gibt. Ich bekomme es auf diese Art und Weise nicht.

[00:13:24]  Wenn mir irgendetwas auffällt, dann schaue ich schon auch proaktiv, dass ich das bekomme.

[00:13:29]  Also wenn irgendwelche neuen Sachen jetzt im Dienstbetrieb,

[00:13:32]  auftauchen zum Beispiel, wo ich mir denke, das könnte für das Archiv interessant sein,

[00:13:38]  auch wenn es ein neuer Gegenstand ist, nicht, aber in 20 Jahren ist das ein historischer Gegenstand,

[00:13:43]  der dann auch eventuell eine historische Quelle für irgendetwas ist.

[00:13:46]  Dann schaue ich natürlich, dass ich mir da in irgendeiner Weise da was sichern kann.

[00:13:49]  Das war jetzt im Zuge der Covid-Pandemie, ist das durchaus gehäuft vorgekommen,

[00:13:53]  weil ich da Dinge gesammelt habe, die da neu hinzugekommen sind.

[00:13:57]  Tobias: Was habt ihr da zum Beispiel jetzt durch die Covid-Pandemie gesammelt?

[00:14:01]  Ernst: Ja Masken, diese Stabelen [Dialekt für Stäbchen] für die Covid-Abstriche zum Beispiel.

[00:14:07]  Aber ich sammel dann auch zum Beispiel die verschiedenen SOPs, die dann herausgehen,

[00:14:13]  also die "Standard Operating Procedures" [engl. für Standardvorgehensweise] für den Rettungs- und Krankentransportdienst,

[00:14:17]  also wie man sich dann entsprechend zu verhalten hat.

[00:14:20]  Da gibt es entsprechende Algorithmen, wie das abzulaufen hat.

[00:14:23]  Also solche Dinge, was da über E-Mail dann von Seiten des Bezirks Rettungskommandos, bzw. Rettungskommandanten verschickt wird in diesen Dingen.

[00:14:32]  Und ich versuche, die Dinge dann auch gleich irgendwie zu dokumentieren.

[00:14:36]  Tobias: Damit es für die Nachwelt leicht zu verstehen ist dann.

[00:14:39]  Ernst: Ganz genau. Das ist so die Art und Weise nicht.

[00:14:42]  Und dann kommt natürlich Material auch von ehemaligen Rettungsmitgliedern oft.

[00:14:47]  Die haben oft noch Fotos zu Haus, die haben oft aber auch Schriftstücke,

[00:14:51]  oft irgendwelche Funktionäre ehemalige Abteilungskommandanten.

[00:14:55]  Die haben oft noch Dinge daheim, die in ihrer aktiven Zeit, in ihren Funktionen angelegt haben,

[00:15:01]  weil die natürlich dann oft interessante historische Quellen sind.

[00:15:04]  Es gibt einen Fach im Sekretariat für das Archiv, da liegt dann auch oft irgendetwas drin.

[00:15:09]  Manchmal weiß man doch gar nicht, von wem das ist.

[00:15:12]  Tobias: [lachend] Hat auch seine Probleme, wenn man das nicht weiß.

[00:15:14]  Ernst: Und manchmal weiß man auch gar nicht, was es genau ist [lachen]

[00:15:17]  [lachend] Das ist dann manchmal ein bisschen schwierig.

[00:15:21]  [lachend] Ich bin dann immer sehr dankbar, wenn dann irgendein Zettel dabei ist, wo eine Notiz drauf ist, von wem es ist.

[00:15:26]  Weil man dann im Ernstfall natürlich auch anrufen kann und fragen kann... Tobias: Was hat's mit dem auf sich? [lacht]

[00:15:32]  Ernst: Was hat's jetzt mit dem auf sich?

[00:15:34]  Wie gesagt, dass dann oft auch möglicherweise, wenn Funktionäre verstorben sind,

[00:15:39]  dass man von Angehörigen dann, wenn da jetzt noch irgendeine Uniform oder so,

[00:15:46]  von dem zu Hause ist, wenn die die zurückgeben, dass das dann ins Archiv geht.

[00:15:50]  Das sind so ungefähr die Wege, wie ich zu dem Material komme.

[00:15:54]  Tobias: Eine wichtige Frage, was wir bis jetzt, ich glaube, ich habe es bei jeder Folge noch bisher gestellt,

[00:16:01]  ist, wer überhaupt [räuspert sich] Zugang hat zu den Archivalien oder zum Archiv, sagen wir so,

[00:16:07]  ist das auch zugänglich für private Personen oder ist es jetzt nur ausschließlich,

[00:16:12]  oder im Vordergrund nur für Mitglieder der Rettung zugänglich?

[00:16:16]  Ernst: Also zugänglich in dem Sinne, also dass man da jetzt einfach reingehen kann.

[00:16:21]  Also das ist auch für Mitglieder der Rettung grundsätzlich nicht der Fall.

[00:16:27]  Also zugänglich ist es einmal natürlich grundsätzlich für mich, dann für die Dienstführer,

[00:16:32]  die sind so mittlere Führungsebene, Dienstführer ist der Offizier vom Dienst,

[00:16:36]  der für den Dienstbetrieb zuständig ist, der muss natürlich auch überall hineinkommen.

[00:16:41]  Und alles was aufwärts Dienstführer ist, also die kommen da grundsätzlich hinein,

[00:16:46]  aber drunter natürlich nicht, damit da nicht irgendeiner irgendwie mal was raustragen kann

[00:16:51]  und dann irgendeiner reingeht und schauen wir mal was da drin ist und solche Dinge.

[00:16:55]  Also das ist dann schon per Schloss

[00:16:58]  abgesichert. Aber grundsätzlich ist es so, dass wenn jemand eine Anfrage an unser

[00:17:02]  Archiv stellt und es dann etwas wäre, zum Beispiel was jetzt noch nicht

[00:17:09]  digitalisiert wäre, dann würde ich dem natürlich auch die

[00:17:13]  Möglichkeit eröffnen, da dann hineinzuschauen, dass wir haben

[00:17:16]  einmal einen Kameraden gehabt, der 2018 einen Diplomarbeit geschrieben hat,

[00:17:20]  Mastararbeit über die Geschichte des Rettungswesens in Innsbruck, der hat

[00:17:26]  sehr viel mit unserem Archiv gearbeitet und der hat dann natürlich auch einen

[00:17:31]  Schlüssel bekommen, der hat dann auch da eigenständig was tun können drin.

[00:17:35]  Also diese Möglichkeit habe ich ihm gegeben und ich habe ihm dann natürlich mit

[00:17:39]  Informationen weitergeholfen, wo er da irgendwas finden kann, aber in dem

[00:17:43] ist das ein Spezialfall gewesen, Mitglied bei uns, und dass er eine Diplomarbeit schreibt und

[00:17:47]  da kann man das dann eventuell auch schon so machen, wenn man da jetzt das

[00:17:52]  Vertrauen hat, dass das dann korrekt gemacht wird und nachdem der auch

[00:17:55]  Geschichte studiert hat natürlich. Tobias: Dann kann man davon ausgehen, der hat

[00:17:58]  ein bisschen einen Umgang mit dem... einen Respekt mit den Archivalischen Stücken.

[00:18:02]  Ernst: Ja genau. [lachen] Tobias: Hofft man zumindest [beide lachen].

[00:18:06]  Ernst: Ja, es war auch so. [lacht] Tobias: Nein eh. Ernst: Und man ist ja dann auch froh, wenn es eine

[00:18:10]  wissenschaftliche Produktion gibt zu dem Thema, weil besonders viel gibt es da

[00:18:14]  bis lad noch nicht. Also das ist... Tobias: Damit der Aufruf an die zukünftigen

[00:18:19]  Historiker und Historikerinnen. Es gibt noch viel im [lachend] Rettungswesen zu erforschen.

[00:18:24]  ErnstL Ja, es ist tatsächlich so. Es ist die Quelllage auch oft nicht so wahnsinnig

[00:18:28]  gut. Also es ist wirklich ein großes interessantes Phänomen.

[00:18:33]  Tobias: Das heißt, um das noch mal zu summieren, wenn Außenstehende von der Rettung oder

[00:18:38]  in der Rettung und nicht automatisch Zugang haben, Idealfall per E-Mail oder per

[00:18:42]  Telefon. Ich werde dann in [den] Shownotes die Website verlinken, das

[00:18:48]  Wiki vom Archiv. Kann man sich dann bei dir melden quasi.

[00:18:50]  Ernst: Ja, passt gut. Oder man ruft bei der allgemeinen Nummer

[00:18:54]  von Roten Kreuz Innsbruck an und die leiten es dann sowieso an mich weiter.

[00:18:58]  Und ich bearbeitete dann entsprechend die Anfrage.

[00:19:01]  Tobias: Wenn eine Anfrage bei dir ankommt, verlangt ihr Kosten für die Bearbeitung einer Anfrage.

[00:19:07]  Hängt es damit zusammen wie umfangreich oder wie selbstständig dann jemand,

[00:19:12]  was recherchieren kann?

[00:19:14]  Ernst: Tun wir nicht.

[00:19:15]  Ernst: Tun wir nicht. Also bislang verlangen wir da nichts.

[00:19:19]  Wobei es schon manchmal natürlich Anfragen gibt, externe Anfragen, wo es einen gewissen

[00:19:25]  Recherchaufwand gibt. Viele Anfragen kommen ja auch von Intern nicht.

[00:19:29]  Da natürlich auf keinen Fall nicht. Aber es ist eine ganze Reihe von externen Anfragen,

[00:19:34]  wo manchmal dann doch ein gewisser Recherchaufwand da ist.

[00:19:38]  Aber auch da verlangen wir nichts.

[00:19:42]  Ich versuche mir dann immer ein bisschen eine Grenze zu setzen, wo ich mir sage... Tobias: Was ist

[00:19:46]  schaffbar, was ist nicht schaffbar. Ernst: Jetzt lasse ich es. Und Informationen, die ich bis

[00:19:51]  dahin erhoben habe, die schicke ich dann raus.

[00:19:55]  Aber es ist dann oft auch so, dass gerade solche Sachen dann manchmal ein bisschen liegen bleiben

[00:20:01]  und ich bitte die Leute einfach ein bisschen um Geduld.

[00:20:03]  Weil ich das... Tobias: Weil du ja immerhin nur mit 40 Prozent da.

[00:20:07]  Ernst: Ja eben gena. [lacht] Tobias: Wenn du Dienstzeit ja sozusagen auch für das Opfern kannst.

[00:20:10]  Also Opfern ist jetzt der falsche Begriff, aber halt aufwenden kannst.

[00:20:13]  Ernst: Ja, ganz genau. Es sind ja dann oft, wenn von extern irgendwelche Anfragen kommen, das sind ja dann oft Sachen, wo irgendwelche

[00:20:21]  Vorfahren von den Leuten bei der Rettung Innsbruck gewesen sind.

[00:20:25]  Und da geht es dann darum, dass man irgendwelche Bilder von denen findet oder die dann oft

[00:20:30]  irgendwas wissen wollen.

[00:20:32]  Ein bisschen was zur Funktionsgeschichte oder so.

[00:20:35]  Und da ist natürlich manchmal weiß man dann auch nicht so genau, wie die Leute

[00:20:39]  ausgesehen haben.

[00:20:40]  Also da muss man dann auch mal schauen, dass man vom Anfragenstelle vielleicht

[00:20:44]  einmal ein Foto her kriegt, dass man ein Vergleichsfoto hat.

[00:20:47]  Aber das heißt dann, gerade bei Fotos, man muss natürlich Fotos durchschauen.

[00:20:51]  Und das ist halt auch ein zeitlicher Aufwand auch.

[00:20:55]  Tobias: Was ich auch noch ansprechen wollte, ich... mir ist es bekannt, weil du bei uns ja im Archiv

[00:21:01]  öfters auch recherchiert hast oder wahrscheinlich auch noch wirst.

[00:21:05]  Ihr veröffentlicht es ja manchmal in "Innsbruck informiert", so, ich weiß gar nicht, was

[00:21:10]  war denn der letzte Beitrag?

[00:21:12]  Ehm.

[00:21:13]  Lass mich überlegen. Ernst: Was war der Letzte?

[00:21:14] Schauen wir mal..

[00:21:15]  Deswegen denke ich mir. Ernst: Warte, ich stehe gerade auf der Leitung. [Tobias lacht]

[00:21:18]  Ernst: Ah, der Samaritarinnen Chor genau.

[00:21:20]  Tobias: Ah ja. Ernst: Samaritarinnen Chor, eine ganz spannende Geschichte.

[00:21:24]  Also Frauen und Frauenrollen in der Geschichte, der Roten Kreuzes in Innsbruck und Tirol.

[00:21:30]  Tobias: Nein, ich wollte das jetzt eigentlich aus dem Grund auch erwähnen, dass man sieht, es ist nicht

[00:21:35]  nur intern die Arbeit, sondern es wird auch noch extern die Archivarbeit getragen.

[00:21:40]  Das finde ich immer wichtiger zum hervorbringen.

[00:21:42]  Und vielleicht macht es jetzt bei manche Hörerinnen und Hörer bei uns so an, ah, stimmt, da habe

[00:21:47]  ich ja schon mal was gelesen in "Innsbruck informiert". [lacht]

[00:21:49]  Ernst: Das ist ja so ein bisschen ein gang in die Öffentlichkeit, den ich so 2015/2016 betrieben

[00:21:56]  habe.

[00:21:57]  2016 ist das Wiki angelaufen.

[00:21:59]  Das war schon gezielt, dass ich ein bisschen was hinaustragen wollte.

[00:22:03]  Und gerade jetzt zum Beispiel beim historischen Wiki ist es eben so, dass mir an dem Konzept

[00:22:08]  vom Wiki sehr gut gefallen hat, dass man da alles mit allem verknüpfen kann, drin gell.

[00:22:12]  Also man kann dann die verschiedenen Seiten untereinander verlinken und das hat mir bei dem

[00:22:17]  Konzept richtig gut gefallen.

[00:22:18]  Man kann relativ schnell, relativ leicht auch etwas hineinstellen, als wenn man da jetzt eine

[00:22:23]  sehr starre Webseitenstruktur hätte.

[00:22:26]  Tobias: Kannst du da, bei der... bei diesem Wiki auf, also, das ist ja auch natürlich ein administrativer Auffand.

[00:22:32]  Kannst du da auf Ressourcen von der Rettung zurückgreifen.

[00:22:35]  Wird dir da da etwas zur Verfügung gestellt an Ressourcen über die Rettung, für technische Sachen

[00:22:39]  auch?

[00:22:40]  Ernst: Ja, das läuft über die IT-Abteilung vom Landesverband Tirol.

[00:22:43]  Also auf welchem Server jetzt ganz genau das weiß ich nicht, aber es ist

[00:22:48]  innerhalb der IT-Infrastruktur der Rettung Innsbruck, soweit ich weiß, über die IT-Infrastruktur

[00:22:54]  vom Landesverband Tirol.

[00:22:56]  Das ist einerseits das Wiki. Andererseits gibt es

[00:22:58]  das von mir verwendete Archiv-Informations-System.

[00:23:00]  Also zur Katalogisierung der Achivalien.

[00:23:03]  Das ist "Access to Memory".

[00:23:05]  Das läuft ebenfalls auf einem Server beim Landesverband Tirol und wird dort auch technisch gewartet.

[00:23:11]  Also diese Möglichkeiten habe ich, und natürlich über unsere IT-Abteilung, wir haben ja keine eigene

[00:23:15]  IT-Abteilung, die das dann jeweils in die Wege leitet, was dann zu machen wäre, wenn

[00:23:21]  da was zu machen wäre.

[00:23:22]  Manchmal passiert das auch, wo es dann einmal abstürzt oder so, wie das funktioniert.

[00:23:28]  [lachen] Tobias: Das betrifft uns genauso manchmal. [lachen]

[00:23:32]  Das ist, glaube ich, universell.

[00:23:34]  Ernst: Ja, aber da greife ich definitiv auf die Ressourcen zurück, der Rettung Innsbruck.

[00:23:39]  Tobias: Das ist dann schon fein, dass man eigentlich doch eine große, und das muss man schon,

[00:23:42]  ich mein, die Rettung ist natürlich auch ein großer Verein.

[00:23:44]  Sei das jetzt auch wenn sie ja in die einzelnen Bünder ja dann aufgeteilt ist, aber es ist ja doch ein

[00:23:48]  großer Schirm.

[00:23:49]  Weil ich jetzt grad das Ansprich das Archiv der Freiwilligen Rettung Innsbruck, ist das einzige Archiv,

[00:23:54]  was die Rettung in dem Sinn hat oder gibt es in anderen Bundesländern auch ähnliche noch?

[00:23:58]  Nur aus Interesse jetzt von mir. Ernst: Also da habe ich keinen wahnsinnig guten Überblick, was Tiroler Bezirksstellen betrifft, weiß

[00:24:06]  ich dass Schwaz da ein bisschen was macht, was das für einen genauen Umfang hat, weiß

[00:24:11]  ich allerdings nicht, dass es da historisches Material auch in anderen Bezirksstellen geben

[00:24:17]  wird, ohne dass man da einen wirklichen Archivbetrieb hat.

[00:24:20]  Also davon gehe ich aus und da bin ich mir sicher, dass das so ist, was andere Landesverbände

[00:24:26]  betrifft, da weiß ich, dass das in Kärnten etwas gibt.

[00:24:29]  Salzburg, die haben auch ein Rot-Kreuz-Museum in Salzburg.

[00:24:33]  Wien, Rotes-Kreuz weiß ich jetzt gar nicht.

[00:24:37]  Die Wiener Rettung hat sowas, also die Wiener Berufsrettung.

[00:24:40]  Die haben auch ein Rettungsmuseum in der Rettungsstation in Hernals, dann in Vorarlberg in Frastanz,

[00:24:50]  glaube ich, gibt es ein Rettungsmuseum.

[00:24:52]  Also es gibt da schon, in wie fern, die jetzt da ein Archiv als Backup Einrichtung

[00:24:59]  oder so haben, das enzieht sich jetzt meiner Kenntnis, aber da, aber es gibt schon... Tobias: Überregional

[00:25:05]  Bestrebungen da zu sammeln, scheint es.

[00:25:07]  Ernst: Ja, also es ist offensichtlich irgendwie. [lachen]

[00:25:09]  Wie gut die dann aufgestellt sind oder so.

[00:25:13]  Tobias: Wollen wir auch gar nicht urteilen. Ernst: Das weiß ich jetzt nicht genau. Da kann ich jetzt ehrlich schön

[00:25:18]  wenig dazu sagen.

[00:25:19]  Tobias: Jetzt haben wir schon ein bisschen auch über Museen gesprochen.

[00:25:22]  Ich habe auf der Wiki-Seite gesehen, dass es Bestrebungen gibt, ein Rot-Kreuz-Museum

[00:25:28]  Innsbruck zu eröffnen oder zu planen.

[00:25:32] Kannst du uns da ein bisschen was erzählen wie, nur grob, wie da der derzeitige Stand ist oder wie da die

[00:25:40]  Überlegungen sind?

[00:25:41]  Ernst: Naja, solche Ideen, dass man etwas ausstellt, die hat man ja dann gleich einmal, wenn man da natürlich

[00:25:47]  entsprechend Gegenstände hat, wo man über die man etwas nach außen kommunizieren kann

[00:25:52]  über die Geschichte.

[00:25:53]  Weiß gar nicht wann da die ersten Ideen gekommen sind, aber, wohl das ist ein Projekt, mit

[00:25:59]  dem ich eigentlich jetzt selber schon seit 2013 so ein bisschen schwanger gehe.

[00:26:04]  Der aktuelle Stand ist, es wird ja einen Neubau der Rettungswache geben. Wir sind jetzt gerade bei

[00:26:10]  Umzugsplanungen in Ausweichquartiere.

[00:26:12]  Aktueller Stand ist allerdings, dass man eigentlich einen solidären Standort für

[00:26:17]  so ein Museum suchen.

[00:26:19]  Ich kann jetzt insofern noch nicht so wahnsinnig viele dazu sagen, weil das alles im Moment

[00:26:25]  Tobias: In der Schwebe hängt. Ernst: In der Such- und Planungsphase ist.

[00:26:28]  Sich dinge auch sehr schnell auch wieder ändern, also alles was wir jetzt sagen könnte in

[00:26:33]  einer Woche schon wieder absolet sein.

[00:26:35]  Aber... Tobias:  Bzw. wenn die Folge rauskommt, dann ist wahrscheinlich schon wieder alles alter Hut.

[00:26:40]  Ernst: Genau. Wir sind auf der Suche nach einem Standort, so weit kann man das sagen.

[00:26:45]  Und wo wir etwas präsentieren ist, wir haben in mehreren Lehrsälen 4 Vitrinen stehen,

[00:26:51]  in denen wir Gegenstände kontextualisiert präsentieren.

[00:26:55]  Tobias: Wo stehen diese Vitrinen noch einmal, entschuldigung?

[00:26:57]  Ernst: In Lehrsälen bei uns.

[00:26:58]  Tobias: Ah, in der Rettung, in der Wache.

[00:26:59]  Ernst: Ja genau. Die sind extra so konzipiert worden, dass es immer so autonome Informationskästen

[00:27:06]  sind, wo man, wo man einerseits die Vitrine hat, dann gleich dazu hinten eine

[00:27:10]  Texttafel drauf und das Ganze auch noch rollbar ist.

[00:27:13]  Weil in so einem Lehrsaal [lacht] einer Rettungswache, da finden natürlich auch Übungen statt.

[00:27:21]  Und da muss man dann manchmal diese Vitrinen auch verrücken, eventuell einmal in einer

[00:27:25]  anderen Lehrsaal verfrachten und so weiter.

[00:27:28]  Wenn sie einem Platz wegnehmen, also das ist extra so konzipiert worden, dass das Ganze

[00:27:33]  sehr flexibel einsetzbar ist.

[00:27:35]  Tobias: Ist dieser Lehrsaal öffentlich zugänglich?

[00:27:37]  Ernst: Es sind mehrere Lehrsäle.

[00:27:39]  Tobias: Sind die öffentlich zugänglich?

[00:27:41]  Also, wenn ich jetzt vorbeispazieren würde an der Rettungswache?

[00:27:44]  Ernst: Also so beim Vorbeispazieren nicht, aber es kommen Leute von außerhalb hinein, wenn

[00:27:49]  wir bei ersten Hilfe-Kursen zum Beispiel, weil wir bieten erste Hilfe-Kurse an

[00:27:52]  für die Führerscheinkurse, aber auch so in verschiedensten Varianten.

[00:27:57]  Also da gibt es ganze Reihe von Kursen für die Bevölkerung.

[00:28:00]  Auch da kommen dann natürlich auch Leute von außen hinein und ansonsten natürlich die

[00:28:05]  internen Schulungen und Veranstaltungen.

[00:28:07]  Tobias: Beziehungsweise das Wiki dient ja, in dem Sinne als derzeitiges Museum.

[00:28:12]  Ernst: Ja, ganz genau.

[00:28:13]  Also in diesem Wiki gibt es ja auch ein Online-Museum, wo ich in unregelmäßigen Abständen, Engstände

[00:28:19]  oder auch andere Archivalienfotos präsentiere.

[00:28:23]  Leider sehr hoher Recherche-Aufwand, sodass ich das jetzt [lacht] ein bisschen zurückstellen musste.

[00:28:30]  Aber es wird sicherlich wieder etwas kommen, jetzt der letzte Gegenstand, war glaube ich

[00:28:34]  von September 2022, aber es wird wieder etwas kommen. [beide lachen]

[00:28:39]  Tobias: Gibt es ja zumindest Hoffnung. Ernst: Gibt es einen Unfangreichen historischen Abschnitt, wo man dann halt auch entsprechende Informationen

[00:28:46]  kriegt, wo ich versuche, die Schwebe zu erhalten zwischen noch einer halbwegs guten Lesbarkeit

[00:28:51]  und Zugänglichkeit und dann doch hinreichend detaillierte Informationen.

[00:28:55]  Tobias: Was ich jetzt am Anfang noch vergessen habe zu fragen, wie viele Räumlichkeiten hast

[00:29:01]  du derzeit zur Verfügung oder wie, dass man sich ein bisschen vorstellen kann, wie welchen

[00:29:06]  Ausmaß, welche Größe, dein Archiv oder nicht dein Archiv, [lachend] muss ich aufpassen, sondern

[00:29:10]  das Archiv natürlich der Freiwilligen Rettung Innsbruck hat.

[00:29:13]  Ernsz: Ja, also aktuell gibt es zwei Depots.

[00:29:16]  Das eine ist in einem ehemaligen Zivilschutzraum, das sind wir 2013 glaube ich hinuntergezogen,

[00:29:23]  ursprünglich war das Archiv in einem Hinterzimmer von der Buchhaltung untergebracht.

[00:29:27]  Und durch Zunehmende Archiv-Eingänge ist es halt einfach zu klein geworden, hat

[00:29:32]  dann nach einem anderen Raum gesucht.

[00:29:34]  Man ist dann auf diesen Zivilschutzraum gekommen und seit 2018 oder 2019 gibt es einen

[00:29:41]  zweiten Raum, der durch die Teilungen einer ehemaligen Kegelbahn entstanden ist.

[00:29:46]  Es gab bei uns im Keller gab es eine Kegelbahn.

[00:29:48]  Tobias: Die gibt es nicht mehr?

[00:29:50]  Ernst: Die gibt es nicht mehr. Tobias: Ach schade. Ernst: Die gibt es nicht mehr, die ist in zwei Räume geteilt worden und der eine Raum ist jetzt

[00:29:56]  ein Mannschaftsraum für die Mitglieder und der andere Raum steht dem Archiv zur Verfügung

[00:30:02]  und da hätte eigentlich so ein kleiner archivarischer Austellungsbereich auch in einem Teil dieses Bereichs,

[00:30:09]  der dem Archiv zur Verfügung stehen soll.

[00:30:11]  Das ist dann leider wegen eines Einbruchs von Feuchtigkeit auf Eis gelegt worden. [lacht]

[00:30:17]  Tobias: Gibt es dann.. Also bist du derzeit mit deiner Größe schon wieder am Limit oder? Ernst: Ja! Tobias: Ja. Und gibt es Potenzial, dass auch

[00:30:25]  da die Archivräumlichkeiten wachsen mit vielleicht einer neuen Wache?

[00:30:29]  Ernst: Ja. Also es ist geplant in einer neuen Wache, dass da entsprechende Archivdepots, wo dann auch

[00:30:36]  die entsprechenden klimatischen Bedingungen für die Lagerung entstehen sollen und wir

[00:30:41]  werden ja innerhalb dieses Jahres auch in einem Ausweichquartier übersiedeln müssen wegen

[00:30:46]  des projektierten Neubaus, der seinen Abriss auch der Wache mitbringen wird und in diesem Ausweichquartier

[00:30:53]  wird dann auch ein bisschen mehr Platz zur Verfügung stehen, als es jetzt der Fall ist.

[00:30:57]  Man versucht es halt dann alles doch ein bisschen zu schlichten. [lachen]

[00:31:00] [lachend] Dass halt doch irgendwie irgendwie noch geht.

[00:31:04]  Tobias: Ernst, gibt es von deiner Seite irgendwas, was du gerne anbringen möchtest oder unseren

[00:31:08]  Hörerinnen und Hörern mitgeben möchtest über die Rettung oder das Rettungsarchiv.

[00:31:13]  Haben wir irgendwas ausgelassen, was wichtig ist?

[00:31:16]  Ernst: Im Großen und Ganzen glaube ich, haben wir das Wichtigste eigentlich besprochen.

[00:31:22]  Ja, vielleicht in Anschluss, dies ist ein sehr spezifischer Aufruf noch einmal, in Anschluss

[00:31:28]  auf meinen letzten Beitrag in "Innsbruck informiert" über [den] Samariterinnen Chor.

[00:31:33] Vielleicht kann man kurz dazu was sagen, worum... Tobias: Wir können gerne auf diesen Beitrag eingehen, wenn du magst.

[00:31:38]  Ernst: Eben ist ist... Es ist wirklich eine Sensation. Es ist im Jahr 1934 von der damaligen Vizepräsidentin des Landesvereines

[00:31:48]  vom Roten Kreuz für Tirol, wie es damals geheissen hat, ein Kurs für weibliche Samariter,

[00:31:55]  wie es geheißen, Samariter, altartümmliche Bezeichnung für den Sanitäter oder für den Ersten Helfer,

[00:32:00]  initiiert worden, der hat im Juli [19]34 begonnen. Es hat ein ganz starkes Interesse gegeben,

[00:32:05]  an Frauen an diesem Kurs teilzunehmen. Man hat die Teilnehmerzahl dann auf 50 beschränken müssen.

[00:32:11]  Und sein tut es so, dass man leider doch sehr wenig weiß über dieses Samariterinnen Chor,

[00:32:20]  das sich dann gebildet hat. Und das also bei großen Veranstaltungen, bei Ambulanzen,

[00:32:27]  bei Übungen und so weiter, dann auch mitgemacht hat. Es gibt immer wieder auch Zeitungsberichte

[00:32:32]  von Damen, die diese Ausbildung dann auch gemacht haben, wenn sie als Erstehelferinnen

[00:32:37]  irgendwo interveniert haben, privat und so weiter. Wenn also irgendjemand aus der Bevölkerung

[00:32:44]  weiß, dass irgendeine Vorfahrin von ihm möglicherweise Teil dieses Samariterinnen Chors gewesen ist

[00:32:52]  und da möglicherweise vielleicht Fotos oder irgendwelches anderes Material hat,

[00:32:57]  dass damit irgendwie in Verbindung steht, wäre ich sehr, sehr dankbar, wenn er sich bei uns

[00:33:02]  beim Archiv melden könnte. Ich würde gerade in diesem Bereich sehr, sehr gerne weiter recherchieren können.

[00:33:09]  Tobias: Ich glaube, da können wir generell den Aufruf starten nochmal, wenn jemand zu Hause von der

[00:33:14]  Verwandtschaft, von Bekanntschaft, Fotos eben oder sonstige Dinge, was in Verbindung mit der Rettung stehen

[00:33:20]  oder mit dem Rotem Kreuz, gerne einfach beim Ernst melden. Ich werde wie gesagt die Infos verlinken

[00:33:27]  in den Show Notes und damit danke ich Ernst. Danke für deine Zeit nochmal und hoffen wir,

[00:33:35]  dass es Rückmeldungen gibt, oder?

[00:33:37]  Ernst: Hoffen wir das ist das Beste, ja. [beide lachen] Ich sage ganz herzlichen Danek Tobi.

[00:33:40]  [Outro-Musik]

Die sogenannte Subkultur

Die sogenannte Subkultur

Stadtarchiv Innsbruck

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Transkript

[00:00:00]  [Intro-Musik] Tobias: Hallo und herzlich willkommen zur sechsten und damit letzten planmäßigen Folge von Archivwürdig,

[00:00:19]  dem Podcast des Innsbrucker Stadtarchivs. Zum Abschluss unserer Staffel spreche ich mit

[00:00:23]  Albrecht Dornauer, kurz Albi, über das Subkulturarchiv der Stadt Innsbruck. Im

[00:00:28]  Lauf des Gesprächs gehen wir darauf ein, wie dieses Archivprojekt zustande kam, was überhaupt

[00:00:33]  alles zur Subkultur zählt, wie und was das Archiv sammelt und auch wie man sich als Privatperson

[00:00:39]  beteiligen kann. Das und noch viel mehr erwartet euch in der Folge, die jetzt beginnt.

[00:00:44]  Tobias: Albi, danke für deine Zeit, die du mir heute schenkst, für eine wahrscheinlich letzte Folge in

[00:00:52]  unserer Staffel, aber vielleicht auch die beste. Was weiß man? Albi: Wer weiß. Tobias: Ich habe dich eingeladen, weil

[00:00:58]  du [Husten im Hintergrund] gemeinsam mit dem Maurice Kuma, das Subkulturarchiv oder das Archiv der Subkulturen, nein wie heißt

[00:01:05]  der offizielle Titel? Albi: Der Name, der auf dem ersten Konzept gestanden ist, was wir geschrieben haben,

[00:01:10]  das geheißen "Archiv it", so wie "Archivier es", als Aufforderung an verschiedenste Leute ihre

[00:01:18]  Schubladen zu öffnen und alles herauszukramen, im besten Fall selbst zu archivieren und uns die

[00:01:24]  Daten zu schicken oder einfach uns die physischen Dinge zu übergeben und wir archivieren sie. Und

[00:01:30]  aus dem "Archiv it" ist dann irgendwann als Untertitel geworden, das "Subkulturarchiv der Stadt Innsbruck",

[00:01:36]  nachdem wir am Anfang auch beim Land Tirol angefragt haben um Unterstützung und Förderung

[00:01:43]  und dann erklärt worden ist, dass aufgrund unserer Hobby archivalischen Tätigkeit die Datensicherheit

[00:01:50]  fehlt und sie uns nicht unterstützen können und insofern ist dann eben draus das "Subkulturarchiv

[00:01:58]  der Stadt Innsbruck" geworden. Auch wenn natürlich diese Grenzen, es ist schwer zu definieren,

[00:02:06]  jetzt dann einfach zu sagen, das ist jetzt außerhalb des Stadtgebiets von Innsbruck, das hat mit

[00:02:11]  Innsbruck nichts mehr zu tun, weil... Tobias: Das streut sich ja sowieso, oder? Also ich mein die Beteiligten,

[00:02:17]  oder was heißt die Beteiligten, das ist ja meistens vernetzt. Albi: Natürlich und ich meine jeder ist dann

[00:02:24]  in Innsbruck zum Studieren oder in Innsbruck für eine Veranstaltung oder in Innsbruck auf einer

[00:02:30]  Veranstaltung von jemandem anderen und so weiter, also man kann da ja jetzt nicht künstlerisch oder

[00:02:35]  anders aktiven Menschen aus Völs oder aus Hall sagen, tut mir leid [Tobias lacht] ja ist leider total unwichtig,

[00:02:44]  was du machst. Tobias: [lachend] Aufgrund der Grenze, die was da drüben übern Inn drüber ist, können wir dich

[00:02:48]  leider nicht dazu nehmen. Albi: Ganz genau. Tobias: Sorry. Aber geht nicht. Albi: Na eben, also dieses... In der Zwischenzeit

[00:02:55]  ist es bei unserem Projekt eigentlich so, dass man... Es existiert jetzt seit fast zehn Jahren, also

[00:03:01]  2014 haben wir, also 2013, haben wir uns zusammengetroffen und zusammengefunden und 2014 war dann

[00:03:12]  eigentlich das erste Mal, dass wir irgendwie öffentlich aufgetreten sind, nicht als Verein,

[00:03:20]  sondern am Anfang eigentlich als Arbeitsgemeinschaft, weil wir irgendwie auch diesen Titel noch ganz

[00:03:25]  lustig gefunden haben, weil die Arbeitsgemeinschaft ist ja abgekürzt, ARGE, und dann waren wir die "Arge

[00:03:32]  Subkultur", [Tobias lacht] was wir eigentlich ganz lustig gefunden haben, so als Auftritt nach außen. Also und in

[00:03:41]  der Zwischenzeit ist es so, dass man jetzt nach zehn Jahren Subkulturarchiv eigentlich in der

[00:03:47]  Diskussion sind, ob man nicht den Namen zur Subarchiv ändern sollen, weil einerseits reflektiert

[00:03:54]  halt der Begriff der Subkultur jetzt nicht den Status quo, manche Sachen beginnen als Subkultur,

[00:04:01]  werden dann Populärkultur oder auch manche Kunstarten sind einfach nicht mehr Subkultur,

[00:04:09]  50 Jahre später. Sie waren es wahrscheinlich zu dem Zeitpunkt, wo sie begonnen haben, aber jetzt

[00:04:15]  in der heutigen Zeit ist es es einfach nicht mehr und damit ist unsere Diskussion halt auch, ob

[00:04:21]  man dieses, diese Subkultur ist natürlich ein Teil unseres Sammlungsgebiets, aber genauso ist

[00:04:28]  Jugendkultur, Gamekultur, Avangardkultur und auf gewisse Weise auch Populärkultur, weil wenn was

[00:04:34]  als Subkultur anfängt, wie sagen wir jetzt einmal Jazz. Jazz in die 50er, 60er Jahre war was Verruchtes

[00:04:42]  und Wildes und heutzutage ist es... Tobias: Ist es massentauglich, ich mein es ja Mainstream. Albi: Genau, ist es komplett

[00:04:48]  massentauglich, ist es. Einfach eine ganz normale Populärkultur geworden und deswegen gleich wenig

[00:04:54]  wie davor wenn diese Grenze zwischen Innsbruck und Völs oder die Grenze zwischen Innsbruck und Hall

[00:04:59]  gleich wenig macht es jetzt viel Sinn zu sagen, naja Jazz bis 1977 war Subkultur und ab 1978 ist

[00:05:11]  das Populärkultur das interessiert uns jetzt nicht mehr, sondern das ist ja auch eigentlich

[00:05:16]  interessant, wenn man sieht wie sich so Sachen die am Anfang in kleinen Szenen begonnen haben,

[00:05:24]  dann auf einmal zu was komplett normalen, also einfach da entwickeln, weil das ja eigentlich

[00:05:32]  normal mehr zeigt wie wichtig diese Protagonisten und Protagonistinnen vom Anfang an sind, ohne

[00:05:39]  die das ganze einfach bei uns gar nie ankommen oder gar nie angefangen hätte, weil es gibt sicher

[00:05:46]  auch genug internationale Kulturphänomene die einfach in Tirol nie angekommen sind, weil es

[00:05:54]  einfach niemanden gegeben hat der das... Tobier: Getragen hat quasi. Albi: Ja, der das getragen hat, der das verbreitet hat und was weiß ich was und

[00:06:01]  auch unter die Leute gebracht, weil gerade eben vor Internet-Zeiten war der Informationsfluss durch

[00:06:10]  persönliche Kontakte... Tobias: Mundpropaganda. Albi: So durch Mundpropagande, und persönliche Kontakte, und persönlichen Austausch und wenn einfach niemand niemanden mitgebracht hat aus der

[00:06:21]  weiten Welt, dass es jetzt was weiß ich Popart gibt, dann hat es das einfach auch nicht geben. [lacht]

[00:06:28]  Tobias: Wie denn auch nicht? Albi: Wie denn auch. Ja genau, vorher hätte man denn wissen sollen, was es alles gibt.

[00:06:34]  Tobias: Vor allem wenn wir jetzt denken, wenn ich sage jetzt einmal 60er/70er, in Tirol kulturmäßig,

[00:06:38]  da ist halt die heilige Kuh ne das klassische, über Volksmusik und da ist eh schon alles andere schon fast,

[00:06:46]  in dem Sinn Sub- oder Nische. Albi: Genau. Tobias: Da bleibt ja schon gar nicht mehr viel über, eigentlich.

[00:06:51]  Albi: Nein eben, genau und ich meine es ist ja auch natürlich so, dass in der Zwischenzeit das ganze

[00:06:57] ja auch einfach anders gesehen wird. Also früher wurde es halt, wie soll ich sagen, dass man als

[00:07:03]  ältere Generation, der jüngeren Generation gewisses Unverständnis gegenüber bringt, das heißt ja so

[00:07:09]  schön, dass die Jungen irgendwas richtig machen, wenn es die Alten nicht mehr verstehen. Nur in der

[00:07:14]  Zwischenzeit sind halt die Jungen, [Tobias lacht] die damals was anders gemacht haben, sind halt jetzt [beide gleichzeitig] die Alten.

[00:07:21]  Wo jetzt halt wieder die Jungen da sind und irgendwas machen, was die Alten nicht verstehen.

[00:07:25]  Also dabei... Tobias: Ja, TikTok Videos. Albi: TikTok Videos oder eben online Follower [engl. für Folger] sammeln, das ist was, was jemand der wahrscheinlich in

[00:07:35]  die 60er Jahre kulturarbeit gemacht hat, ja... Tobias: Wobei ich geb es ja offen zu, selbst TikTok ist bei

[00:07:43]  mir immer noch nicht, nicht wirklich. Ich weiß um was es geht klarerweise, aber angekommen ist es bei

[00:07:47]  mir eigentlich auch nicht. Albi: Ja. Tobias: Aber vielleicht kommt es vielleicht noch. Albi: Genau. [lachen] Du, ich finde immer wenn es

[00:07:54]  irgendwas gibt, man muss ja nicht alles verstehen, also das ist ja, ich finde das ja nur gut, wenn es

[00:08:01]  Sachen gibt... Tobias: Geht ja gar nicht anders. Albi: ...die ich nicht verstehen und wo junge Leute irgendwie weiß ich nicht, eine eigene Sprache und

[00:08:11]  eigene Codes und so weiter. Wir waren genauso und wahrscheinlich unsere Eltern gegenüber ihren

[00:08:17]  Eltern genauso und das ist einfach eine ganz natürliche Sache in der Jungenkultur. Aber auf

[00:08:25]  jeden Fall ist halt die Wahrnehmung und so weiter und auch die Diskussion und alles drüber. Natürlich

[00:08:33]  heutzutage viel breiter wie vor 50, 60 Jahren, weil einfach in der Zwischenzeit ja klar ist, dass

[00:08:40]  auch Jugendkultur und Subkultur Gesellschafts verändernd ist oder weil, ich mein sonst wird es

[00:08:46]  heute immer noch keine Männer mit langen Haaren geben und keine Frauen die Hosen anhaben und

[00:08:54]  Tobias: Klassiker ja. Albi: Und so weiter oder. Das sind halt alles, ich mein das sind sehr, sehr profane Beispiele,

[00:09:00]  aber wenn es nicht diese erste Generation geben hat, die gesagt haben sie schneiden sich jetzt die Haare

[00:09:05]  nicht mehr oder sie ziehen jetzt Hosen an, auch wenn es unweiblich ist, dann wäre das wahrscheinlich

[00:09:14]  nie normal geworden. Tobias: Ja, und weil es jetzt... ja eben selber gerade in dieser Doku da auf, ich mache jetzt

[00:09:21]  nicht Werbung, aber auch auf Amazon gesehen habe, es hat auch in die 70er eben schon die Bewegungen

[00:09:25]  gegeben von Frauen, die BHs zu verbrennen und nicht mehr zu tragen. Also es kommt wieder,

[00:09:30]  aber man sieht das wiederholt, also was heißt wiederholt sich, aber das ist teilweise immer noch aktuell,

[00:09:35]  auch wenn es vor 50 Jahren schon mal ein Thema war. Albi: Genau, also es ist ja auch so, dass jetzt eben

[00:09:41]  gewisse... Tobias: Rekurrierende Phänomene sind zum Teil. Albi: Ja. Tobias: Weil sie auch vielleicht aber auch in der Zwischenzeit

[00:09:48]  auch nicht gelöst, also was heißt gelöst... Albi: Genau. Tobias: Aber noch nicht beantwortet sind... Albi: Es ist halt immer noch nicht eine abgeschlossene, eine abgeschlossene

[00:09:56]  Entwicklung oder so. Und man kann das sowieso nie ganz sagen, weil... Tobias: Wer entscheidet, wann so was

[00:10:03]  abgeschlossen ist, ist ja das. Albi: Genau, genau. Tobias: [unverständlich] oder nicht? Albi: Ganz genau. Auf jeden Fall bei unserem

[00:10:09]  Archiv, das ja jetzt seit, glaube ich, 2017 ja auch Teil des Stadtarchivs ist, also vor allem

[00:10:19]  die haptischen Gegenstände, die wir erhalten, wir sammeln ja vor allem digital und sind ja

[00:10:24]  prinzipiell ein Digitalarchiv, wo unser Ziel ja prinzipiell das war, einfach alle Sachen

[00:10:31]  die bei den Leuten in den Schubladen liegen, das alles zu digitalisieren und einfach öffentlich zu

[00:10:38]  machen, sodass es einfach eine Sammlung gibt, wo man jederzeit drauf zugreifen kann, wo man

[00:10:44]  damit arbeiten kann und wo einfach Zeug zusammenkommt, wie hat das jemand einmal so schön beschrieben:

[00:10:51]  Sammeln ist, das Vereinen von Gegenständen, die davor nicht vereint waren,

[00:10:56]  in dem Fall sammeln wir einfach alles, was in den verschiedensten Schubladen der Innsbrucker und

[00:11:04]  Innsbruckerinnen und außerhalb... Tobias: Und in den Kellern. Albi: In den Kellern, in den Dachböden. Tobias: Sonst am Ende dem

[00:11:10]  Schimmel oder dann dem Reißwolf. Albi: Genau. Oder hingegeben werden und auf gewisse Weise sehe

[00:11:18] ich das so, dass es natürlich schon, ich mein, wenn man sich denkt, so eine Veranstaltung Anfang der 70er

[00:11:26]  Jahre für ein sehr spezielles Thema, da kann man davon ausgehen, dass halt bei den meisten

[00:11:32]  Veranstaltungen ein Grüppchen, eine Handvoll Leute dort war. Und ich sage jetzt dann mal,

[00:11:39]  Werbematerial, wie jetzt Flyer oder Plakate, zu einer Veranstaltung zu finden, wo halt vielleicht

[00:11:47]  20 Leute vor 50 Jahren waren, ist... [Tobias lacht] Tobias: Das ist bescheiden. Albi: Der Kreis, wo man da was finden kann,

[00:11:58]  ist klein und ich sage jetzt einmal, dass man ein Buch oder einen Tonträger aufbewahrt, ist ja

[00:12:04]  irgendwie verständlich, dass man das nicht entsorgt nach dem ersten Mal hören oder dem

[00:12:10]  ersten Mal lesen. Aber dass man ein Plakat oder... Tobias: Dass man es überhaupt schon sammelt, das Plakat.

[00:12:17]  Albi: Genau. Weil, Veranstaltung vorbei weg damit. Das hat seinen Zweck getan. Tobias: Oder die Eintrittskarten.

[00:12:24] werden ja auch. Ich mein, es gibt zwar schon immer so Fables, wo man so Eintrittskarten sammelt, aber ich mein, behälst

[00:12:30]  du die für 20, 30 Jahre auf, ja eher nicht. Albi: Genau. Tobias; Also wenn ich jetzt an mich selber denke, ich habe schon eine

[00:12:34]  Zeit lang auch eben von Urlauben halt vor allem, die Eintrittskarten so gesammelt, aber irgendwann

[00:12:39]  habe ich dann auch im Nachhinein gesehen wäre ich jetzt auch wieder froh, aber dann halt wegschmissen. Albi: Ja.

[00:12:43]  Ja. Und ich meine, bei vielen Leuten ist das natürlich auch immer... Es ist natürlich immer

[00:12:48]  auch Frage des Lagerplatzes und ich meine, ich habe mit einem Musiker beispielsweise mal ein

[00:12:55]  Interview gemacht, der hat gesagt, er ist in seinem Leben 28 Mal umgezogen. [Tobias lacht] Und ich meine, wenn wahrscheinlich

[00:13:02]  reichen zwei Umzüge und die Kiste mit den Flyern und Eintrittskarten landet im Altpapier, weil

[00:13:12]  ich meine, wenn man immer am gleichen Ort wohnt, vielleicht findest du einen Platz im Keller,

[00:13:17]  im Dachboden. Aber wenn du halt öfter umziehst, irgendwann landet sie... Tobias: Da braucht es keinen. Wie heißt

[00:13:23]  sie? Die Marie K.. Kondo? Albi: Marie Kondo, ja. Tobias: Ja, genau. Die braucht es dann nicht einmal bei 28 mal umziehen.

[00:13:28]  Ich glaube, da geht es automatisch dann. [lach] Albi: Da kann man dann ihr Tipps geben. Tobias: Ja, wahrscheinlich. Es gibt

[00:13:35]  ja eine Website zum Subkulturarchiv. Ich werde die dann eh auch in die Show Notes denke ich verlinken.

[00:13:40]  Stark im Vordergrund sind auf der Website die Orte der Subkultur sozusagen. Kannst du vielleicht

[00:13:48]  noch einmal kurz da dazu sagen, was dazu sagen, weil das ist etwas, was wir im Stadtarchiv zum Beispiel

[00:13:53]  ja nicht weniger wichten. Es ist auch nicht richtig, weniger wichtig, aber das ist bei uns nicht ganz

[00:13:59]  so greifbar. Aber ich glaube, beim Subkulturarchiv ist der Ort wirklich noch zentraler als wie vielleicht

[00:14:03]  bei uns. Albi: Ganz prinzipiell haben wir Orte, Personen und Gruppen und sowas wie Medien,

[00:14:11]  ganz allgemein. Also Medien mit Magazinen, Zeitschriften und so weiter. Tobias: Schallplatten.

[00:14:16]  Albi: Schallplatten. Ich sage jetzt einfach einmal, vielleicht könnten wir sagen Veröffentlichungen,

[00:14:20]  wo irgendjemand oder ein Gruppe sich zusammenschließt und entweder einen Tonträger,

[00:14:27]  ein geschriebenes Heft. Tobias: Flyer eben. Albi: Eben. Genau. Also wo man dann aus der Gruppe in die Öffentlichkeit tritt

[00:14:34]  oder so, das eben Medien. Und natürlich dann eben Personen und Gruppen und eben Orte und bei uns die

[00:14:41]  Orte waren halt einfach für uns so wichtig, weil die halt für viele Leute bedeutet haben, sie

[00:14:49]  können sich zum ersten Mal der Öffentlichkeit zeigen. Gleichzeitig sehen sie dort Sachen,

[00:14:56]  die wieder sie beeinflussen in ihren Arbeiten. Also einfach Orte als Orte des Austauschs,

[00:15:05]  sowohl mit jetzt anderen Kulturformen, mit anderen interessierten Szene-Angehörigen oder was weiß

[00:15:13]  ich was, wo man einfach einen intellektuellen Austausch hat. Aber genauso, dass wenn jetzt,

[00:15:19]  ich sage jetzt einmal unter Anführungszeichen, ein "Hobbymaler", wie es wahrscheinlich in der Zeitung

[00:15:23]  stehen wird, dann zum ersten Mal eine Ausstellung macht, dann ist es für ihn ja auch auf gewisse Weise

[00:15:30]  das erste Mal setzt er sich eigentlich einer Kritik oder halt... Tobias: Er macht sich verwundbar. Albi: Er

[00:15:37]  macht sich verwundbar, aber genauso kriegt er das Lob und genauso bestärkt ihn das, in dem weiterzumachen.

[00:15:46]  Und gerade deswegen sind für uns halt diese Orte so wichtig, weil einfach sowohl für die lokale

[00:15:54]  Szene als auch für internationale Einflüsse, die von außen nach Innsbruck oder nach Tirol kommen,

[00:16:02]  wenn es diese Orte nicht geben wird, wird es einfach nicht ankommen. Also sowohl braucht es diese

[00:16:09]  Orte, dass jetzt die, ich sage jetzt einmal, die Locals irgendwie einen Platz haben, um zu präsentieren,

[00:16:16]  an was sie eigentlich die ganze Zeit arbeiten, weil wenn es das nicht gibt, dann arbeitet man nur

[00:16:22]  im stillen Kämmerlein vor sich hin. Tobias: Im Hinterzimmer oder im Privatzimmer. AlbI: Genau, und alles läuft nur

[00:16:29]  privat. Und ich meine, es gibt sicher Leute, die Kunst nur für sich privat machen, aber die meisten

[00:16:38]  Leute haben doch ein gewisses Sendungsbewusstsein und wollen ja andere Leute erreichen, egal ob das

[00:16:44]  jetzt Musiker oder Bands, Schriftsteller, künstlerisch tätige Leute. Also die meisten wollen ja und gerade

[00:16:53]  in einer Zeit, wo die Gesellschaft vielleicht noch ein bisschen traditioneller und verkrusteter

[00:16:58]  waren, ist ja oft, wie sagt man, das geschaffene Werk irgendwie, eine Antwort auf die Gesellschaft oder so.

[00:17:07]  Tobias: Und vor allem, ich glaube, da geht es ja auch nicht immer darum, in dem Sinn berühmt zu werden, sondern

[00:17:11]  einfach nur aufzuzeigen, für andere, es gibt auch noch Gleichgesinnte, also es gibt eine Art "Safe Space" [engl. für sicherer Raum].

[00:17:17]  Albi: Genau, und ich denke mal, in der heutigen, also in Innsbruck hat es nie übermäßig viele Räume

[00:17:24]  gegeben, einfach aus dem Grund, dass es halt einfach so eng bebaut ist und dass es keine wirklich

[00:17:30]  alten Industriebetriebe gibt, wo dann jetzt viel Leerstand wäre, wenn das dann zumacht. Also in

[00:17:38]  Innsbruck, es war immer irgendwie, es hat immer nur ein paar Orte gegeben und deswegen war uns halt

[00:17:44]  wichtig, so auf die Art, wenn es schon nur einfach ein paar Orte gibt, dann waren diese Orte immer so auf

[00:17:52]  die Art Misch-Orte. Es waren nie Orte, wo jetzt nur Musik ist. Also wenn man zum Beispiel denkt an den

[00:17:59]  Jazz-Salon in der Schneeburggasse, was halt eigentlich in den 60er Jahren dann dort als Jazz-Club

[00:18:09]  Innsbruck so halt begründet worden ist, das heißt zwar Jazz-Club, aber da waren genauso Lesungen

[00:18:17]  aus Büchern, da hat es einen Galeriebereich gegeben, wo lokale Künstler und Künstlerinnen

[00:18:22]  ausstellen haben können und das war prinzipiell an fast allen Orten so und ist es teilweise bis

[00:18:29]  heute noch so. Also auch im Treibhaus gibt es Theater, gibt es Cabaret, gibt es Konzerte, gibt es ab und zu

[00:18:35]  Lesungen und so weiter und früher war das noch einmal viel normaler, dass sich wenn es, sage ich mal,

[00:18:43]  Hausnummer in der ganzen Stadt gleichzeitig drei bis vier Veranstaltungsorte gibt, natürlich sind

[00:18:51]  es dann auch Treffpunkte, wo sich einfach kulturinteressierte Leute aus verschiedensten

[00:18:57]  Richtungen treffen und sich austauschen. Tobias: Jetzt wäre da zum Beispiel die Bäckerei auch so ein Kulturort.

[00:19:02]  Albi: Jetzt ist die Bäckerei ein perfektes Beispiel. Früher war es zum Beispiel eben das Utopia als

[00:19:08]  Beispiel, da waren auch alle Kulturrichtungen waren dort vertreten, im Bierständel, genauso Lesungen,

[00:19:14]  Konzerte, Workshops, was auch immer, oder. Und deswegen waren uns eben diese Orte so wichtig,

[00:19:21]  weil gerade in einer kleineren Stadt, wie sie Innsbruck ist, diese Orte halt einfach so Schnittpunkte.

[00:19:28]  Tobias: Und wahrscheinlich auch größere Bedeutung haben, oder?

[00:19:31]  Albi: Ja.

[00:19:31]  Tobias: Als wie zum Beispiel, nehmen wir jetzt, weil es ja nicht so weit weg ist, München, Wien. Ich mein da ist es ja um

[00:19:35]  einiges größer und da wird es ja allein wegen den Einwohner ein breiteres Spektrum geben ne.

[00:19:38]  Albi: Genau so. Aber eben in einer Stadt wie Innsbruck, wo es nie übermäßig viele Räume gegeben hat,

[00:19:44]  waren die Räume halt einfach immer wichtige Orte des Austauschs, wo halt auch eben, wie soll

[00:19:51]  ich sagen, die weite Welt hergekommen ist, wo sich aber die Locals untereinander aus verschiedensten

[00:19:56]  Richtungen getroffen und ausgetauscht haben. Und deswegen waren für uns diese, ich sage jetzt

[00:20:05]  einmal, Orte der Öffentlichkeit, wo man halt aus dem stillen Kämmerlein in die Öffentlichkeit tritt,

[00:20:12]  eben sehr... ein zentraler Punkt oder so. Und ja, in der Zwischenzeit haben wir doch von sehr vielen

[00:20:20]  dieser Orte sehr viele Veranstaltungsprogramme digitalisiert und aufbereitet, so dass man

[00:20:30]  fast schon einen kompletten Veranstaltungskalender über den Zeitraum der frühen 60er bis ein

[00:20:38]  bisschen nach 2000 eigentlich schon erstellen könnte. Also das früher oder später wird es

[00:20:44]  kommen, aber eben, also ich sage jetzt einmal, die Programme sind von sehr vielen Orten schon

[00:20:52]  ganz gut dokumentiert. Also das kann man auch auf unserer Webseite sich anschauen, was ist dort

[00:20:58]  gelaufen an was für einem Tag. Also das... Tobias: Ich glaube, dann ist es ziemlich cool, wenn sich jetzt jemand,

[00:21:04]  was das hört, denkt, ich bin doch in die 70er da auf einer Party gewesen, aber ich kann mich nicht mehr

[00:21:09]  erinnern, was da gespielt hat. Ich mein, jetzt kommt man wieder nachschauen, vielleicht. Albi: Jetzt kann man wieder nachschauen,

[00:21:14]  man muss es ganz grob ein... Tobias: Eindämmen können. [lacht] Albi: Eindämmen können. Also [lacht], nein, aber unser Ziel ist ja auch

[00:21:23]  das längerfristig schon, all diese Daten, die wir gesammelt haben und das sind jetzt wahrscheinlich an

[00:21:30]  die 30 bis 40.000 in der Zwischenzeit, wo halt Flyer, Fotos, Plakate, Magazine, Tonträger,

[00:21:38]  digitale Sachen, Zeitungsausschnitte, was weiß ich was, dass das prinzipiell alles miteinander,

[00:21:46]  wie sagt man... Tobias: verknüpft wird. Und zusammengefügt wird. Albi: Und zusammengefügt wird, so dass man dann

[00:21:52]  Tobias: Alles an einem Platz hat und.. Albi: Genau. Tobias: Und im Idealfall, ja. Albi: Und das durchsuchen kann und alles daher kommt und

[00:22:00]  ich mein, nächstes Jahr haben wir unser 10-Jahres-Jubiläum. Vielleicht ist bis dahin unsere Datenbank fertig

[00:22:06]  und es gibt dann auch schon Ideen für eine grafische Umsetzung, wo man dann auf einer Webseite sich in

[00:22:15]  irgendeiner Timeline durch die Stadtgeschichte klicken kann und einfach schauen kann, was ist zu

[00:22:21]  welcher Zeit, aus welchem Genre, wo passiert. Tobias: Quasi so, wie die Punkte auf der Stadtkarte,

[00:22:28]  wo man dann weiß, da... Albi: Genau, prinzipiell schwebt es uns so vor, nur ist dafür eben essentiell,

[00:22:35]  dass wir eine Datenbank haben, die die Sachen dann auch miteinander verknüpfen kann.

[00:22:41]  Das ist jetzt nicht so, dass wir diese ganzen 40.000 Sachen natürlich da vor Ort lagernd haben.

[00:22:48]  Aber alles, was haptisch da ist ...

[00:22:54]  Tobias: Ja, weil haptisch vor allem vorhanden sind glaube ich ja doch eben die Zeitungsausschnitte.

[00:22:59]  Albi: Die Zeitungsausschnitte sind ja prinzipiell im TT.

[00:23:01]  Tobias: Ja, ja, ja.

[00:23:02]  Albi: Die sind ja da.

[00:23:04]  Tobias: Ja, quasi da.

[00:23:05]  Aber natürlich die Schallplatten, also es gibt ja bei uns in der Feldstraße ja einen Subkulturraum.

[00:23:10]  Albi: Das ist der Raum mit der Sammlung Subkultur.

[00:23:13]  Ist gefüllt mit Aktenordnern, voll mit Programmen, Flyern und so weiter.

[00:23:19]  Es gibt zwar Planschränke, voll mit Plakaten.

[00:23:23]  Tobias: Es gibt die Schallplatten.

[00:23:25]  Albi: Es gibt die Tonträger, also Schallplatten, CDs, Kassetten, die eigentlich auch schon alle digitalisiert sind.

[00:23:31]  Wir haben in der Zwischenzeit auch ein paar Archive übernommen, wie beispielsweise das Archiv von der TKI.

[00:23:38]  Das ist der Dachverband der freien Kulturinitiativen.

[00:23:41]  Wir haben einen Teil des Archivs vom Z6 übernommen.

[00:23:45]  Also es gibt verschiedenste so Initiativen, die eigentlich auch ganz dankbar sind,

[00:23:50]  wenn wir uns ihrem, wie sagt man, ihrer Vergangenheit annehmen.

[00:23:55]  Weil es ist ein aufwand, sich darum zu kümmern.

[00:23:58]  Die meisten Initiativen haben eben mit ihrem Tagesgeschäft mehr wie genug zu tun,

[00:24:02]  das am Laufen zu halten und das zu finanzieren und Angebot zu machen,

[00:24:08]  egal ob jetzt Jugendliche oder Konzertprogrammen oder was weiß ich was.

[00:24:12]  Aber die meisten haben eigentlich keine Kapazitäten wirklich,

[00:24:17]  gerade wenn die Initiativen schon länger bestehen, das eigentlich aufzuarbeiten.

[00:24:22]  Und da [zieht das a ganz lang]... Tobias: Seid ihr dankbarere Ansprechpartner.

[00:24:26]  Albi: Da sind wir dankbarere Ansprechpartner, genau.

[00:24:29]  Und natürlich, wenn man ein Archiv von einer Initiative übernimmt,

[00:24:33]  da kommen natürlich auch noch einmal mehr Unterlagen, die in die Tiefe gehen,

[00:24:38]  wie wenn man jetzt nur von Besuchern dieser Initiative die Unterlagen erhält.

[00:24:43]  Weil natürlich da halten wir dann interne Protokolle und...

[00:24:48]  Tobias: Man weiß ja nicht, mit welchen Problemen oder sonst,

[00:24:50]  sei es gegenüber der Verwaltung oder sonst wem,

[00:24:54]  oder die Anreiner, was da ja auf einen zu kommt,

[00:24:57]  bei solchen Veranstaltungen [unverständlich].

[00:24:59]  Albi: Aber es gibt es eben auch aus allen Richtungen.

[00:25:01]  Jetzt als Beispiel im Treibhaus gibt es eigentlich kein haptisches Archiv mehr.

[00:25:06]  Da ist es in der Zwischenzeit fast so, dass wir in der Zwischenzeit viel mehr gesammelt haben,

[00:25:13]  wie sie eigentlich noch überhaben aus ihrer eigenen Geschichte

[00:25:17]  und da geht es dann halt wieder fast in die andere Richtung.

[00:25:20]  Also dass das, was wir zusammengetragen haben,

[00:25:23]  für die eigentlichen Urheber dessen dann wieder interessant wird.

[00:25:29]  Tobias: Also es ist sozusagen der Austausch, es ist nicht so, dass ihr dann,

[00:25:33] ich ned wie sagen, nie wieder was hergibt,

[00:25:35]  aber dass ihr trotzdem im engen Kontakt bleibt,

[00:25:37]  auch wenn ihr das jetzt übernommen habt.

[00:25:39]  Albi: Genau, natürlich.

[00:25:41]  Und ganz prinzipiell ist es ja so, dass jetzt wir das ja dann nicht verstecken,

[00:25:46]  sondern der Plan ist ja, das zugänglich zu machen.

[00:25:51]  Also dass wir da wirklich, und wir bekommen immer wieder Anfragen,

[00:25:55]  gerade von Leuten, die auf der Uni über irgendwas schreiben

[00:25:58]  oder die für igrendwie journalistisch arbeiten.

[00:26:02]  Und die sind halt total dankbar, weil sie halt meinen,

[00:26:05]  es ist die einzigen Sachen, die sie halt dazu irgendwo gefunden haben,

[00:26:10]  waren dann auf unserer Seite oder so.

[00:26:14]  Tobias: Zugänglichkeit, weil du es gerade angesprochen hast.

[00:26:17]  Das ist grundsätzlich für jeden zugänglich oder Auskunft

[00:26:22]  und Kosten Fragezeichen.

[00:26:25]  Und am besten wahrscheinlich per Mail oder?

[00:26:28]  Albi: Na, Kosten, prinzipiell gratis.

[00:26:31]  Aber wie soll ich sagen, also Anfrage, ja, per Mail.

[00:26:35]  Also als erstes würde ich mal empfehlen, Google-Anfrage [Tobias lacht]

[00:26:40]  mit unserer Webseite, weil vielleicht kommt da eh schon die Antwort.

[00:26:46]  Und dann würde ich mal sagen, wenn man jetzt da auf der Webseite

[00:26:50]  gar nichts dazu findet, ist es vielleicht unwahrscheinlich,

[00:26:55]  dass man dann, also es gibt schon mehr Daten natürlich,

[00:26:58]  wie auf der Webseite Präsenz sind.

[00:27:02]  Auf dann hoffentlich dieser neuen Webseite,

[00:27:06]  die mit der Datenbank verknüpft ist,

[00:27:08]  werden dann wirklich alle Sachen dargestellt, die wir haben.

[00:27:13]  Aber für den Moment ist, glaube ich, einfach das, was man auf der Webseite sieht,

[00:27:17]  prinzipiell das, womit man in der Öffentlichkeit arbeiten kann.

[00:27:21]  Das ist auch schon viel.

[00:27:22]  Und wenn man dann eine ganz genaue Anfrage hat,

[00:27:26]  dann ist es wahrscheinlich am einfachsten, uns zu schreiben

[00:27:29]  und sich einfach mit uns einmal auf einen Kaffee zu treffen

[00:27:33]  und dann schaut man weiter.

[00:27:35]  Tobias: Beziehungsweise man kann ja auch schon mal beim Stadtarchiv einmal anfangen,

[00:27:38]  weil wir haben... überschneiden uns zu einem gewissen Teil,

[00:27:41]  haben wir ja Sachen, was eigentlich ins Subkulturarchiv auch fallen würde.

[00:27:46]  Also vor allem jetzt natürlich auf städtischem Gebiet ist, ist eh klar.

[00:27:50]  Ich hätte noch, weil mir ist jetzt noch eingefallen,

[00:27:52]  sollte wir noch auf die Ausstellung noch, die was war.

[00:27:54]  Albi: Ah ja.

[00:27:55] Tobias: Einmal eingehen.

[00:27:56]  Albi: Ja, genau, vielleicht könnte man noch ganz am Anfang,

[00:27:58]  weil du hast... ich mein, ich weiß, dass wir da jetzt an einem anderen Punkt sind,

[00:28:02]  gerade von unserem Gespräch, aber am Anfang,

[00:28:05]  weil du gesagt hast, ich mach das Archiv mit dem Maurice,

[00:28:09]  wir sind, es gibt auch noch einen Dritten.

[00:28:11]  Also beim Subkulturarchiv sind wir, sagen wir mal,

[00:28:14]  ein Kernteam von drei, der Maurice und der Sheps.

[00:28:19]  Der Sheps ist der, der unsere Website gebastelt hat,

[00:28:21]  und der sich vor allem mit Magazinen und Zeitschriften beschäftigt

[00:28:26]  und so ein bisschen unsere Scan-Maschine im Hintergrund ist.

[00:28:31]  Der Maurice beschäftigt sich vor allem mit den Bereichen

[00:28:35]  Jugendkultur, Jugendzentrumsgeschichte, Jugendarbeit,

[00:28:39]  aber auch mehr, ich würde jetzt einmal sagen,

[00:28:42]  mehr ins Soziopolitische hinein,

[00:28:44]  und ich komme eigentlich eben mehr aus der Musik

[00:28:48]  und habe mich damit halt mehr um die lokale Musikgeschichte gekümmert.

[00:28:53]  Also das war so das Trio, mit dem wir angefangen haben,

[00:28:56]  aber wir haben natürlich aus allen Bereichen Leute,

[00:29:00]  die jetzt beispielsweise für unsere Website,

[00:29:03]  die uns halt einfach einmal so einen kurz Überblickstext,

[00:29:07]  über Literatur, über Theater, über Jazz in Tirol,

[00:29:14]  und so weiter. einfach Leute, die zu diesen Bereichen in der Vergangenheit

[00:29:19]  schon geforscht haben, die unser Projekt super finden,

[00:29:22]  und die uns dann prinzipiell mit, ab und zu mit Texten oder mit Daten

[00:29:27]  oder mit anderen Sachen unterstützen.

[00:29:30]  Und ganz prinzipiell, nachdem ich ja schon erwähnt habe,

[00:29:34]  wir waren am Anfang eigentlich die Arbeitsgemeinschaft,

[00:29:37]  Subkultur, also die ARGE-Subkultur, wollten wir das eigentlich

[00:29:42]  auch so gestalten, dass es eigentlich eine relativ offene,

[00:29:46]  lose Struktur ist, dass einfach prinzipiell jeder und jede,

[00:29:50]  die sich berufen fühlt, jetzt zu irgendeinem Thema,

[00:29:54]  egal ob das jetzt, was weiß ich, im öffentlichen Raum

[00:29:59]  oder über Theater oder egal was, also wir sind prinzipiell

[00:30:05]  eine offene Gruppe, wo, wenn jemand,

[00:30:09]  ein Thema hat, das er gerne bearbeiten wird,

[00:30:12]  es ist so, ich meine jetzt beispielsweise über Theater,

[00:30:15]  ich komme nicht aus dem Theaterbereich, und ich bin mir sicher,

[00:30:18]  wenn jemand aus dem Theaterbereich kommt, da viele Leute

[00:30:22]  kennt in diesem Netzwerk und sagt, er oder sie würde jetzt gern

[00:30:26]  das bearbeiten, wir stehen mit offenen Armen da und sagen,

[00:30:30]  bitte nur zu, also wir sammeln das natürlich mit,

[00:30:34]  wenn irgendwo irgendwas daherkommt, aber um das jetzt

[00:30:39]  natürlich schwerpunktsmäßig zu bearbeiten,

[00:30:42]  wäre es natürlich immer super, wenn man irgendwelche Experten

[00:30:46]  oder Expertinnen aus den verschiedenen Bereichen hat,

[00:30:49]  die sich dann halt dem annehmen, aber das...

[00:30:52]  Tobias: Man kann es ja nicht erzwingen.

[00:30:54]  Albi: Man kann es nicht erzwingen. Und wenn es passiert, ist es super, und wenn es nicht passiert,

[00:30:57]  dann sammeln wir das halt einfach nur so nebenbei mit.

[00:31:00]  Und vielleicht kommt irgendwann jemand,

[00:31:03]  der oder die sich dann berufen fühlt, oder das halt einfach gern

[00:31:07]  aufarbeiten wird, oder was auch immer, oder.

[00:31:10]  So lange sammeln wir einfach alles mit und...

[00:31:14]  Tobias: Eben, weil alles sammeln, es geht uns ja gleich, geht sowieso nicht, auch.

[00:31:18]  Albi: Genau. Ich sag alles sammeln, geht schon, aber alles bearbeiten geht nicht.

[00:31:22]  Tobias: Das ist wieder ein Punkt, ja [lacht]

[00:31:24]  Albi: Also das ist, also so mal einfach, ich denke einfach mal alles,

[00:31:27]  was daherkommt zu digitalisieren, das ist glaube ich schon möglich,

[00:31:32]  aber das dann alles zu bearbeiten und so weiter,

[00:31:37]  da muss man dann halt irgendwo den Fokus hinsetzen und ja...

[00:31:43]  Tobias: Durch unsere Kooperation, also unsere, so im dem Fall jetzt,

[00:31:47]  Stadtarchiv und Subkultarchiv, ist es ja auch zu einer Ausstellung gekommen,

[00:31:51]  die war jetzt vor...

[00:31:53]  Albi: 2017 war das...

[00:31:55]  Tobias: Ist das schon so lange her wieder?  

[00:31:57]  Albi: 2017 war eben die Ausstellung, "Wir hier".

[00:31:59]  Tobias: Die sehr gut angekommen ist muss man sagen,

[00:32:01]  das ist glaube ich auch mit einer von den bestbesuchtesten,

[00:32:03]  glaube ich. Ich hoffe, ich sage nichts falsches aber...

[00:32:05]  Albi: Nein, ich glaube, so wie mir das erzählt worden ist,

[00:32:08]  war das eine der absolut bestbesuchtesten,

[00:32:10]  Ausstellungen.

[00:32:12]  Wir haben dann ja gemeinsam ja sogar diesen Tiroler Museumspreis

[00:32:15]  für diese Ausstellung bekommen.

[00:32:17]  Und ich glaube, das war...

[00:32:19]  Ich mein, das war damals eh auch da, wie soll ich sagen,

[00:32:22]  das war nach 3, 4 Jahren von unserer Sammlungstätigkeit

[00:32:27]  und das war eigentlich auf gewisse Weise der Startschuss

[00:32:33]  von der engeren Zusammenarbeit vom Stadtarchiv

[00:32:37]  mit dem Subkultarchiv, weil eigentlich wir da ja halt

[00:32:41]  einfach die ersten 2, 3 Jahre wirklich gesammelt haben

[00:32:45]  und digitalisiert haben und dann uns mit dem Lukas Morscher

[00:32:49]  getroffen haben und der halt total begeistert war,

[00:32:53]  welche Art von Daten wir da eigentlich zusammengetragen haben.

[00:32:57]  Tobias: Ja, weil bei uns auch der Fokus einfach viel mehr auf das...

[00:33:00]  Also wir sammeln ja auch nicht nur das Verwaltungsschriftgüt,

[00:33:03]  sondern wir haben ja wirklich einen breiten Sammelauftrag

[00:33:06]  oder halt den Sammlwunsch, auch das Allgemeinleben,

[00:33:09]  das kulturelle natürlich einfach zu fassen, so gut es geht.

[00:33:12]  Albi: Nein, eben, und der Lukas hat damals einen sehr schönen Satz gesagt

[00:33:16]  und das war, man muss die Subkultur sammeln,

[00:33:19]  weil die Hochkultur sammelt sich eh selber

[00:33:22]  und er muss alles sammeln, was sein Vorgänger verdammt hat.

[00:33:25]  Tobias: Das stimmt, ja.

[00:33:27]  Albi: Weil der von...

[00:33:28]  Tobias: Alte Schule.

[00:33:29]  Albi: Ja, Alte Schule [Tobias dazwischen: So blöd es klingt] und die Alltagskultur,

[00:33:32]  für ihn halt keine Kultur war.

[00:33:34]  Tobias: Das gibt es ja auch in der Geschichtswissenschaft.

[00:33:37]  Es gibt lange Zeit die Geschichte von oben

[00:33:39]  und die Geschichte von unten und diese Geschichte, also

[00:33:41]  unter Anführungszeichen von oben und unten.

[00:33:43]  Albi: Eben. Und diese, ich glaube, das ist auch dieser geänderte Kulturbegriff,

[00:33:49]  der einfach heutzutage ein kompletter anderer ist,

[00:33:53]  wie in die 70er, 80er Jahre.

[00:33:55]  Und damit versteht man eh, dass man das nachsammeln muss.

[00:33:59]  Aber auf eine gewisse Weise muss man auch schauen,

[00:34:02]  dass einem nicht das Gleiche wieder passiert,

[00:34:04]  weil genau jetzt ist es halt mit den ganzen Sachen,

[00:34:07]  die nur im Internet sind.

[00:34:08]  Also wie sammelt man die Gegenwart,

[00:34:10]  ist auch meiner Meinung nach eine spannende Frage,

[00:34:13]  damit nicht in 20, 30 Jahren man dann wieder da steht

[00:34:17]  und sich fragt, was war eigentlich 2020?

[00:34:20]  Niemand hat irgendwelche Facebook-Events gespeichert,

[00:34:24]  niemand hat irgendwelche Webseiten gespiegelt.

[00:34:28]  In 30 Jahren steht man dann da und hat

[00:34:31]  nix, Leere von jetzt, obwohl...

[00:34:34]  Tobias: [lachend] Wobei 2020 ja nicht ganz uninteressant war.

[00:34:37]  Albi: Eben. Gerade 2020 war kein uninteressantes Jahr für...

[00:34:42] eben. Tobias: Für alles.

[00:34:44]  Albi: Also es ist ja, glaube ich, so ein allgemeines Ding,

[00:34:47]  dass man oft archivarisch irgendwie immer ein bisschen nachher dran ist.

[00:34:53]  Tobias: Ja. Auf jeden Fall.

[00:34:54]  Albi: Man ist halt nicht im... gleich am Moment.

[00:34:57]  Tobias: Man ist nicht mit dem Finger...

[00:34:59]  Also schon irgendwo, weil man lebt ja doch in der Jetztzeit,

[00:35:02]  aber die Sammelding, das kommt doch zwar zusammen,

[00:35:05]  aber man bearbeitet dann die Sachen, was wir jetzt...

[00:35:08]  Wir haben ja auch eine Corona-Sammelung.

[00:35:10]  Die bearbeiten wir nicht sofort.

[00:35:12]  Zuerst müssen wir mal zuerst sammeln, und dann wird das erst in einem nächsten

[00:35:14]  Schritt ja dann auch mal bearbeitet.

[00:35:16]  Das geht nicht immer sofort, sobald das reinkommt.

[00:35:19]  Das wird sogar ein bisschen liegen.

[00:35:21]  Albi: Ja, ja

[00:35:22]  Jetzt gehen wir noch mal zurück zur Ausstellung.

[00:35:25]  Tobias: Ja. Albi: Also die Ausstellung, die wir da 2017 im Stadtarchiv gemacht haben,

[00:35:29]  die hat auch ja verschiedene Aspekte des kulturellen Lebens,

[00:35:34]  beinhaltet.

[00:35:36]  Also da waren ja Magazine ausgestellt.

[00:35:39]  Es hat ein[en] interaktive[n] Stadtplan gegeben, wo man so gesehen hat,

[00:35:44]  wo welche Orte wann in etwa waren.

[00:35:47]  Es waren Flugblätter, die auf verschiedensten Demos und Veranstaltungen

[00:35:52]  in die 70er-Jahre verteilt worden sind.

[00:35:55]  Und dann hat es eine lange Wand eben geben mit Audio- und Videobeispielen

[00:36:00]  und verschiedenste Plakate, viele Siebdruckplakate,

[00:36:06]  aber dann eben auch ein paar aus der neueren Zeit, zu den verschiedensten Konzert-

[00:36:11]  und Veranstaltungsorten oder so.

[00:36:14]  Und ja, das war eine relativ runde Sache.

[00:36:20]  Aufgrund dessen dann das Interesse und die Resonanz

[00:36:25]  hat uns halt dann da natürlich auch noch einmal sehr bestärkt darin,

[00:36:29]  da halt natürlich weiter zu machen.

[00:36:32]  Tobias: Kannst du dich Erinnerung, ist durch die Ausstellung dann irgendwie

[00:36:35]  mehr Zulauf mit Personen gekommen, die was dann gesagt haben, hey, ich habe da auch noch was daheim.

[00:36:40]  Albi: Ja, es hat schon ein paar Sachen gebracht.

[00:36:42]  Wir haben da ja dann auch in der Ausstellung, ich glaube,

[00:36:46]  einmal in der Woche, am Freitag Nachmittag war prinzipiell immer jemand von uns dort,

[00:36:51]  so als Bürozeitenmäßig, als Ansprechpartner.

[00:36:56]  Und da sind natürlich dann schon immer wieder Leute, daher gekommen einerseits

[00:36:59]  halt für irgendwelche Informationen zu irgendwelchen Ausstellungspunkten.

[00:37:06]  Aber es sind auch Leute kommen, die uns halt Fotos gebracht haben.

[00:37:10]  Ich glaube, es ist jetzt keine ganz große Sache, da hergekommen,

[00:37:15]  aber es sind vereinzelt so kleine Sammlungen kommen.

[00:37:18]  Und was natürlich es schon gebracht hat, war, dass viele Leute,

[00:37:23]  die jetzt, sage ich mal, größere Sammlungen gehabt haben,

[00:37:27]  mit dieser Ausstellung halt bestärkt worden sind, darin,

[00:37:31]  dass wir das auf die Art ernst meinen.

[00:37:34]  Und nicht nur der Hobbyraum irgendwas, Nostalgie aus der Jugend oder so.

[00:37:41]  Sondern also, das hat dann im Nachhinein schon von dem her was gebracht,

[00:37:46]  dass halt Leute einfach sich gedacht haben, hey, jetzt haben es die Ausstellung,

[00:37:50] und ich hätte schon auch noch was daheim.

[00:37:52]  Und sie haben es uns zwar nicht dort vor Ort vorbeigebracht,

[00:37:55]  aber dann halt ein halbes Jahr später oder so,

[00:37:57]  weil sie halt oft braucht man ja ein bisschen Zeit, bis man auf den Dachboden kommt.

[00:38:03]  Tobias: Sollen wir vielleicht noch über deine Recherche-Tätigkeit,

[00:38:07]  was du ja zeitweise bei uns im Stadtarchiv machst, in die Zeitungen sprechen?

[00:38:11]  Albi: Genau, also meine... Also über die Zeitungsrecherche kann man natürlich auch gerne reden.

[00:38:16]  Die Zeitungsrecherche war bei mir mein Corona-Programm,

[00:38:20]  dass ich mir gedacht habe, ich lies einfach in einer Zeit,

[00:38:25]  wo man niemanden persönlich treffen soll, setze ich mir in irgendein Eck

[00:38:29]  und werte mal die ganzen alten Zeitungen aus,

[00:38:31]  weil das natürlich ja auch auf gewisse Weise zeigt,

[00:38:37]  wie die Kunstkultur junge Leute in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden

[00:38:44]  und wie über sie diskutiert wird und wie über ihre Werke und ihre Werte

[00:38:50]  und was weiß ich was, wie das in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird

[00:38:54]  und in Tirol, wie jeder weiß gibt es prinzipiell medial nur eine Öffentlichkeit

[00:38:59]  und die heißt TT, aber wenn es natürlich noch ein paar andere Zeitungen gegeben hat,

[00:39:03]  aber deswegen habe ich einfach einmal in der Tiroler Tageszeitung,

[00:39:06]  die glaube ich damals noch 91%-Marktanteil gehabt hat,

[00:39:11]  wie ich irgendwo gelesen habe, wo ich einfach einmal die TT ausgewertet habe,

[00:39:17]  von 1960 bis 1990 und man muss ja auch sagen,

[00:39:22]  dass auch in diesen Zeiten in der TT sehr interessante Beilagen teilweise sind.

[00:39:28]  Also gerade, wenn man sich denkt, diese Horizontzeitung,

[00:39:32]  die einfach ein Kulturblätter, da die Tiroler Tageszeitung waren

[00:39:36]  oder in den 80er-Jahren hat es dann immer mit dem "Helli-Pop" die Szene-Seite gegeben,

[00:39:42]  wo einfach wirklich unbekannte kleine Bands, Woche für Woche, präsentiert worden sind,

[00:39:49]  an einem fixen [Dialekt für fest] Tag immer auf einer Seite.

[00:39:52]  Und ich meine natürlich gibt es dann Artikel über jetzt beispielsweise die großen Konzerte,

[00:39:58]  die halt im Eis-Stadion waren, von jetzt Tina Turner bis Rolling Stones und so weiter,

[00:40:03]  Tobias: [lauter] Status Quo! Albi: Status Qui, alles. Also und allein für das ist natürlich die TT schon eine gute Quelle.

[00:40:10]  Sie erscheint sechstage die Woche, durchgängig bis heute

[00:40:16]  und es stehen zwar viele Sachen nicht drinnen,

[00:40:20]  aber es ist dann doch auch immer wieder überraschend, auch in der Vergangenheit,

[00:40:24]  was dann doch drinnen steht. Und prinzipiell ist das ja natürlich,

[00:40:28]  wenn sich dann die Sachen mischen mit, man hat ein Plakat zu einem Konzert,

[00:40:34]  man hat vielleicht irgendwelche Fotos von dem Konzert

[00:40:39]  und dann hat man noch einen Artikel, der das Konzert ankündigt

[00:40:43]  und eine Kritik danach, was das Konzert bespricht,

[00:40:47]  dann finde ich, hat man diesen einen Abend schon ganz gut archiviert.

[00:40:52]  Also und man kann sich irgendwie ein Bild machen, was damals passiert ist

[00:40:56]  und jetzt gerade bei größeren Sachen gibt es das,

[00:41:01]  aber beispielsweise man findet dann auch irgendwelche Artikel in der Zeitung.

[00:41:06]  Die sind vier Zeilen lang, von, ich weiß nicht, 1968 oder 1969,

[00:41:11]  irgend sowas mit die wiener Jungschriftstellerin Elfriede Jellinek,

[00:41:16]  liest heute Abend da und da und das ist halt einfach drei Zeilen

[00:41:21]  [Tobias lacht kurz] und man denkt sich, ja genau, also es ist auch interessant,

[00:41:24]  wenn man dann solche Sachen halt irgendwie findet, die natürlich aus heutiger Sicht,

[00:41:30]  damals war das eine Randnotiz, aber aus heutiger Sicht weiß man, das ist auch

[00:41:34]  da ist dann doch...

[00:41:37]  Tobias: Damals Subkultur jetzt, Main.. mehr wie Mainstream, ne?

[00:41:40]  Albi: Genau. Und einfach um diese Basis Recherche, der Tiroler Tageszeitung zu machen,

[00:41:45]  bin ich da eben viel im Stadtarchiv gesessen und habe knapp 10.000 Zeitungen

[00:41:50]  durchforstet und abfotografiert und gescanned und...

[00:41:56]  Tobias: Ausgewertet.

[00:41:57]  Albi: Und ausgewertet, ja.

[00:41:59]  Tobias: Nachdem wir eh schon zeitlich relativ weit vorgeschlitten sind,

[00:42:01]  ich mache immer gern zum Schluss noch eine kleine, so wie ein,

[00:42:05]  was man noch den Hörer:innen mitgeben.

[00:42:07]  Albi: Den Hörerinnen...

[00:42:09]  Tobias: Hörerinnen und Hörern auch natürlich, beiden.

[00:42:11]  Albi: Genau, den Hörerinnen und Hörern mitgeben,

[00:42:15]  was kann man ihnen mitgeben. Jeder noch so uninteressant ausschauende Flyer...

[00:42:22]  Tobias: Ist vielleicht interessant für euch.

[00:42:24]  Albi: Ist vielleicht interessant für uns.

[00:42:26]  Ganz allgemein, wir freuen uns immer über interessante Geschichten

[00:42:30]  aus der Vergangenheit, über Artefakte von, wenn es nur Eintrittskarten sind.

[00:42:38]  Tobias: Jetzt fällt mir eh auch nur grad, weil du ja grad sagst,

[00:42:41]  interessante Geschichten aus der Vergangenheit, macht ihr so was wie Zeitzeugengespräche

[00:42:44]  auch oder habt ihr so was in...

[00:42:46]  Albi: Na ja, Zeitzeugengespräche.

[00:42:48]  Also ganz allgemein, wir haben schon sehr viele Interviews geführt.

[00:42:51]  Bei uns ist es um die Information gegangen, nicht um die Sendbarkeit. Tobias: Ja.

[00:42:56]  Albi: Sondern die meisten Gespräche, die wir aufgenommen haben,

[00:42:59]  sind in irgendwelchen Caféhäusern, wo es immer mega laut klappert,

[00:43:02]  Tobias: Kennen wir auch [lacht] Albi: Im Hintergrund und die Kaffeemaschine zischt und was weiß ich was.

[00:43:06]  Tobias: Und der Kellner dreimal fragt darfs noch was sein?

[00:43:08]  Albi: Genau, darfs noch was sein. Aber prinzipiell, wenn es nur um den Informationsgehalt des Gesprächs geht,

[00:43:15]  also wir haben das ja meistens um einfach nachzuhören für einen Text oder so.

[00:43:19]  Also wir arbeiten ja prinzipiell nicht audiovisuell,

[00:43:22]  sondern wir haben ja ein monatlicher Kolumne im 20er.

[00:43:26]  Also da scheinen halt 10 Mal im Jahr Artikel von uns

[00:43:29]  und auch aufgrund dessen sind auch schon einige Sachen an uns herangetragen worden,

[00:43:37]  weil halt der 20er ist dann doch recht verbreitet im Stadtgebiet und auch im Rest von Tirol.

[00:43:43]  Tobias: Wollte ich gerade sage, Ist ja ganz Tirol, ja.

[00:43:45]  Albi: Da kriegen wir immer wieder Rückmeldungen wie super, das und das und das

[00:43:50]  und eben auch Leute, die sich bei uns melden, dass sie eben noch Material haben.

[00:43:57]  Also das ist...

[00:43:58]  Tobias: Und von dem her, also wie gesagt, noch einmal, wenn was daheim rumschwirrt

[00:44:02]  und vielleicht doch mal wieder auf den Dachbodnen oder in den Keller gehen,

[00:44:05]  die alten Koffer durchschauen, die alten Kisten durchschauen,

[00:44:08]  wenn mysteriöse Flyer dabei sind, Subkulturarchiv ist immer interessiert.

[00:44:12]  Albi: Also eben, ganz prinzipiell Flyer, Plakate, Magazine, Zeitschriften, Flugzettel, Fotos, CDs,

[00:44:25]  Schallplatten, Musikkassetten, Video, VHS-Kassetten.

[00:44:31]  Ich glaube nicht, dass es übermäßig viele lokal produzierte VHS-Kassetten gibt,

[00:44:36]  aber eben auch Videos und ganz prinzipiell bis in die Gegenwart.

[00:44:41]  Ich appeliere auch natürlich an alle Leute, wenn sie ihre Handyfotos speichern beispielsweise,

[00:44:49]  wenn ganz klar kulturelle Events dabei sind, ja, wir sammeln auch digital

[00:44:55]  und sind prinzipiell an allem interessiert und wenn es gute Geschichten sind, dann umso mehr.

[00:45:04]  Vielen Dank.

[00:45:07]  [Outro-Musik]

Bonusfolge: Stiftsarchiv Wilten

Bonusfolge: Stiftsarchiv Wilten

Stadtarchiv Innsbruck

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Transkript

[00:00:00]  [Intro-Musik] Tobias:Hallo und herzlich willkommen zur ersten Bonusfolge von Archivwürdig, dem Podcast

[00:00:19]  des Innsbruckers Stadtarchivs. Heute spreche ich mit Miriam Trojer, der Leiterin des Stiftsarchiv Wilten.

[00:00:24]  Gemeinsam sprechen wir unter anderem darüber, was das Stiftsarchiv überhaupt ist,

[00:00:29]  was man dort findet und wie man dort recherchiert. Zusätzlich sprechen wir ein wenig über den

[00:00:34]  Arbeitsalltag und wie Miriam zur Arbeit in einem Ordensarchiv kam. So viel zu diesem

[00:00:39]  kleinen Überblick und nun in die Folge. Liebe Miriam, danke, dass du heute Zeit hast und mit mir

[00:00:46]  und unseren Hörer:innen quasi was über das Stiftsarchiv Wilten zu erzählen.

[00:00:52]  Miriam: Danke für die Einladung. Tobias: Ja, bitte. Vielleicht fangen wir so gleich an, weil viele Zuhörerinnen

[00:01:00]  und Zuhörer vielleicht mit dem Stiftsarchiv nicht vertraut sind. Die wissen zwar das Stift in

[00:01:04]  Wilten, vielleicht eben nur, dass das den Hof... nein also, sagt man... ist ein Hofladen. Nein es ist ein... Miriam: Klosterladen. Tobias: Klosterladen,

[00:01:11]  so gibt und das Schnaps gebrannt wird, aber vielleicht vom Archiv wenig wissen. Vielleicht

[00:01:17]  wenn du uns mal kurz erzählst, was denn das Stiftsarchiv ist und was das ein bisschen

[00:01:22]  vielleicht beinhaltet. Miriam: Ja, also, das Stift Wilten, wie du sagst, kennt eh jeder im Umkreis von

[00:01:29]  Innsbruck kennt das Stift Wilten. Man kennt den Klosterladen, man kennt vielleicht den Schnaps.

[00:01:35]  Das Stiftsarchiv gibt es eigentlich seit das Stift existiert, das heißt,

[00:01:40]  aus dem 12. Jahrhundert. Und ein Archiv ist im Prinzip nichts anderes als eine Dokumentation und

[00:01:48]  die Ansammlung der Geschichte, der Institution, der es angehört. Und so ist es auch mit dem

[00:01:55]  Stiftsarchiv. Es existiert seit der Gründung des Stiftes und wurde gepflegt und gehegt,

[00:02:01]  oft besser, oft schlechter, im Laufe der Jahrhunderte und hat Gott sei Dank bis heute überlebt und

[00:02:10]  deswegen können wir auf einem beträchtlichen Bestand an geschichtsträchtigen Urkunden,

[00:02:16]  Akten, Objekten zurückblicken und das ist das Archiv letzten Endes. Tobias: Wächst das Archiv weiter?

[00:02:25]  Ist es... also die Frage, ob es ein abgeschlossenes Archiv ist oder? Miriam: Nein, es ist kein historisches Archiv,

[00:02:32]  wie man es nennt, also nicht abgeschlossen. Einige Bestände sind natürlich abgeschlossen,

[00:02:37]  aber es wächst tagtäglich weiter, weil das Stift ja selber noch existiert und lebt und arbeitet.

[00:02:43]  Also die Arbeiterkommentualen werden natürlich dokumentiert. Die Arbeiterverwaltung, die Verträge,

[00:02:48]  das wird alles irgendwann archiviert und kommt zu uns ins Archiv. Deshalb wächst es stetig weiter.

[00:02:56]  Tobias: Müsst ihr an die Archivmaterialien noch mal oder nachhaken, dass ihr an die Materialien kommt?

[00:03:03]  Ist es einfach, wissen die, also man sollte vielleicht noch sagen, im Stift leben ja noch die Chorherren,

[00:03:11]  sind ja eigentlich eine Gruppe aus wie viele sind es derzeit? Miriam: 22 und 6 wohnen im Stift. Genau.

[00:03:19]  Tobias: Kommt man da leicht [lachend] sag ich mal unter Anführungszeichen an die Materialien, wissen die, dass ihr da seid

[00:03:25]  und für das zuständig seid, wie ist da generell der Kontakt zwischen die im Kloster

[00:03:32]  lebenden und euch quasi im Kloster arbeiten? Nicht, dass die im Kloster lebenden nicht auch arbeiten,

[00:03:38]  also das will ich gar nicht sagen. Miriam: [lacht kurz auf] Ja, also sie wissen, dass wir hier sind und sie wissen zu 60 Prozent,

[00:03:47]  welche Arbeit wir machen. Wir kommen zu unseren Archiv Archivalien mal schneller, mal weniger schnell,

[00:03:55]  wo wir immer natürlich die erste Anlaufstelle sind, sind die Nachlässe. Das ist klipp und klar,

[00:04:00]  aber bis dato ist dem irgendwie nie so viel Gewicht beigemessen worden, die Archivalien

[00:04:08]  wirklich abzugeben. Das war dann eher schon so Klassiker, ich glaube, das kennt jeder Archivar

[00:04:13]  und jede Archivarin der Mülleimer der Institution. [Tobias lacht kurz auf] Egal, ob man das dann im Archiv

[00:04:19]  dann letztendlich wirklich aufbewahrt oder nicht. Also, wir sind derzeit dabei oder es ist unser

[00:04:26]  größerer Plan in nächster Zukunft, im sogenannten "Records-Management" tätig zu werden. Also, das ist

[00:04:33]  im Archivarsgebrauch ein natürlich bekannter Begriff. Das heißt, die Verwaltung in der Schriftgutbehandlung

[00:04:40]  zu beraten und schon vorher einzugreifen, dass wir erstens nicht so viel Arbeit haben, dass wir

[00:04:46]  nicht die ganzen Kontoauszüge aus die 80er-Jährigen kriegen, weil die brauchen wir einfach nicht. Wir

[00:04:51]  brauchen die Bilanzen, zum Beispiel und dass wir nicht wirklich alles selber machen, sondern dass

[00:04:57]  da auch gewisses Bewusstsein dadurch entsteht, was... für was das Archiv da ist, werden wir so einen

[00:05:03]  Aktenplan entwerfen, den gibt es für die Verwaltung nur intern, aber nicht für das Archiv. Und das

[00:05:12]  ist jetzt unsere große Aufgabe. Ist ein Riesenaufgabe. Und das Erste, was jeder Archivar

[00:05:18]  und jede Archivarin machen muss und das Wissen der Archivare und Archivarinnen eh, ist die Sensibilisierung

[00:05:24]  der eigenen Arbeit, weil die meisten wissen eigentlich gar nicht, was man macht und was die

[00:05:29]  eigentlichen Aufgaben sind. Meistens denkt man halt, ja, da liegen die alten Sachen rum. Und wenn ich

[00:05:35]  etwas nicht mehr braucht, dann gebe ich es ins Archiv. Das ist aber sehr selektiv. Tobias: Im Idealfall

[00:05:39]  geben sie es ans Archiv. Miriam: Im Idealfall. Das ist sehr selektiv aber dieser Wahrnehmung und auch die

[00:05:44]  eine selektive Auswahl dann. Und wir haben natürlich Vorgaben, die wir uns natürlich auch selber

[00:05:53]  machen durch unser Fachwissen. Wir bewerten die Archivalien und sagen dann, das kommt ins Archiv

[00:05:59]  und das brauchen wir nicht mehr. Und diese Bewertung für das sind wir angestellt, aber das ist den

[00:06:05]  den Chorherren natürlich nicht bewusst. Für das haben Sie keinen Einblick in die Arbeit eines

[00:06:08]  Archivars und einer Archivarin. Für das brauchen sie ja Fachpersonal. Und unsere Aufgabe und die

[00:06:16]  ist glaube ich wichtiger als der Umgang selber mit den Archivalien ist die Sensibilisierung der

[00:06:21]  Chorherren. Damit sie wissen, behaltet es bitte auch die Predigten auf. Das ist ein Teil eures

[00:06:26]  Charismas, was es jeden Tag nach außen tragt oder ich brauche jetzt nicht jede Hochzeitsdankeskarte an

[00:06:35]  den Priester und 1.000 Fotos von der Hochzeit von außen stehenden. Aber es wäre fein, wenn ich

[00:06:40]  vielleicht ein Foto von einem Konventausflug hätte. Also das sind zwei Paar Schuhe und meistens

[00:06:46]  kriegen wir aber ersteres und nicht letztes [schmunzelt] [Tobias lacht kurz] Miriam: Und da müssen wir noch sehr viel Arbeit machen.

[00:06:51]  Tobias: Die Sensibilisierung, ich meine das kenne ich auch gut. Das ist bei uns in der Stadt so,

[00:06:56]  das ist sicher auch beim Land so. Miriam:I ch glaube, das ist überall so. Tobias: Also von dem her sitzt ihr

[00:07:02] nicht allein im Boot und auch bei uns ist es gerade quasi ein bisschen eine Umstellung,

[00:07:06]  was Aktenablage betrifft, weil wir jetzt auch viel oder vermehrt jetzt in der Zukunft eigentlich

[00:07:14]  auch digital ablegen. Ist digital ablegen, ist im Stift wahrscheinlich noch nicht so das Thema,

[00:07:20]  oder? Miriam: [seufzt] Bis dato nicht. Gehört aber alles zu diesem Records Management und Aktenplan dazu. Ich habe

[00:07:29]  das schon in meiner letzten Arbeit gemacht und werde das jetzt auch machen. Weil da ist natürlich

[00:07:35]  auch enge Zusammenarbeit auch mit der Verwaltung nötig. Wir haben uns jetzt zumindest mal technisch

[00:07:40]  darauf vorbereitet. Tobias: Ich wollte gerade fragen, weil technische Voraussetzungen... Miriam: Genau. Also das ist noch nicht

[00:07:44]  ganz ausgereift und wir haben mal so eine Zwischenlösung. Wir haben einen eigenen kleinen Server. Wir

[00:07:50]  tüfteln gerade mit unserern Itlern an einer, ich hasse dieses Wort, langfristigere Lösung, [beide lachen]

[00:07:57]  langzeit Archivierung, da sind wir noch weit weg. Aber es gibt für eine so kleine Institution und im

[00:08:05]  Vergleich zu einer Stadt oder einem Land sind wir natürlich eine kleine Institution noch keine

[00:08:10]  Generallösung und deshalb arbeiten wir einfach mit den einfachsten Mitteln mit Aktenablagen,

[00:08:21]  digitalen Explorer, ganz einfach. Allerdings natürlich in Archivierformat. PDFA nennt man es zum Beispiel.

[00:08:29]  Es gibt so verschiedene Formate. Und da haben wir noch sehr viel Arbeit auch vor uns bis dato ist es eine

[00:08:37]  reine Ablage der Verwaltung. Ich versuche das schon ein bisschen vorzubereiten. Aber schauen wir

[00:08:45]  mal, was die Zukunft bringt diesbezüglich. Also, wir sind dran und es dauert. Tobias: Du hast vorhin schon angesprochen,

[00:08:53]  so ein bisschen grob, was ihr im Archiv verwart. Vielleicht, dass wir da noch mal ein kleines bisschen darauf

[00:08:58]  eingehen. Du hast schon, ich glaube, das prominenteste Beispiel sind sicherlich die Urkunden.

[00:09:03]  Miriam: Definitiv. Tobias: [lachend] Ja. Die... ihr habt sie ja, glaube ich, moment, die Abschrift, glaube ich habt ihr,

[00:09:11]  von der Abtretung der rechten Innseite. Oder? Ich habe es jetzt nicht mehr auswendig im Kopf.

[00:09:18]  Miriam: Ja, also du meinst die, wir nennen sie die Stadt-Urkunde. Tobias: Ja, es ist... Miriam: Es ist, weil die Gründungsurkunde

[00:09:25]  der Stadt oder diese Abtretungsurkunde, das Original existiert ja nicht mehr,

[00:09:30]  weder in der Stadt bei euch noch bei uns.Tobias: Nein, [lachend] eben. Miriam: Aber wir sind in der glücklichen Lage,

[00:09:36]  dass wir die zeitnaheste Abschrift haben und das ist jetzt, also da plappere ich jetzt nur den

[00:09:44]  Forschern nach. Tobias: Passt gut. Miriam: Da hängt ein Siegel dran und dieses Siegel soll offenbar von der Originalurkunde

[00:09:50]  stammen. Deshalb wird sie die Stadt-Urkunde, das ist das nächste, am Original, was man hat und

[00:09:59]  deswegen ist sie so prominent, gerade für die Stadt Innsbruck und da wird eben diese Abtretung

[00:10:04]  der Rechte... auf der... Tobias: Auf die rechte Innenseite quasi. Miriam: Danke [lacht]. Tobias: Vom Stift Wilten an.. Miriam: An Berthold, den Dritten, abgetreten, noch längerem

[00:10:17]  hin und her [Tobias lacht kurz] und das war der Anfang von Innsbruck, wie wir es heute kennen und der Anfang einer

[00:10:26]  jahrhundertelangen Streit Sache [Tobias lacht] zwischen Stift Wilten und Innsbruck. Tobias: Also wir streiten nicht, wir zwei. Miriam: Nein,

[00:10:32]  wir streiten nicht. Tobias: Außer vielleicht, wenn es um die Urkunde kommt, müssen wir vielleicht noch einmal

[00:10:36]  reden, ob die nicht auch wieder [lachend] überschrieben werden soll. Miriam: Da könnt ihr lange streiten, die gebe ich nicht her [lacht].

[00:10:41]  Tobias: Die Urkunden habe ich aber gesehen, ist ein großer Teil von... Also ihr habt das glaube ich

[00:10:47]  extern digitalisieren lassen oder habt ihr sie im Haus digitalisieren lassen? Miriam: Es ist im Haus

[00:10:51]  digitalisiert worden, aber da gibt es dieses Projekt Monasterium, die kommen mit dem Equipment

[00:10:57]  und digitalisieren vor Ort. Also gemacht haben nicht wir es, also es war noch vor meiner Zeit,

[00:11:01]  aber das haben nicht wir gemacht. Die Achivare damals haben die Stücke ausgewählt und dann...

[00:11:07]  Tobias: Das heißt, das ist ein Auswahl an den Urkunden, was... Miriam: Genau, das sind 3.000 und wir sagen immer

[00:11:13]  Urkunden, aber das stimmt nicht, das sind eigentlich nicht nur Urkunden, eigentlich nur ein kleiner Teil.

[00:11:17]  Das ist die altgenannte Urkundenreihe, wir haben es jetzt umbenannt. Das ist jetzt Urkunden und

[00:11:23]  wichtige Einzelakten, weil da eigentlich großteils Einzelakten und nicht Urkunden dabei sind. Und

[00:11:30]  Monasterium digitalisiert ja vor allem mittelalterliche Urkunden. Die Zeitspanne ist ein bisschen

[00:11:36]  ausgeweitet nach oben geworden, also ich glaube bis ins 17. Jahrhundert gehen da die Urkunden

[00:11:41]  auch rauf, auch bei anderen Institutionen. Und bei uns gibt es teilweise sogar Pläne aus

[00:11:49]  dem 18. Jahrhunderts digitalisiert worden und die sind jetzt auch auf dieser Seite zu finden.

[00:11:53]  Und diese Auswahl sind 3.000 Stücke, also knapp 3.000 Stücke, die jetzt eben digital... Tobias: Und gratis online

[00:12:02]  zur Verfügung stehen. Miriam: Genau. Tobias: Habt iht eigentlich, das ist jetzt zwar ein bisschen abseits vom Digitalisieren,

[00:12:09]  aber sind durch die Fliegerangriffe in den 40, also [19]43 glaube ich haben sie dann begonnen,

[00:12:18]  sind im Stift, oder Stift ja auch, aber beim Archiv oder Bestände des Archivs durch

[00:12:25]  Bombenschäden in Mitleidenschaft gezogen worden? Miriam: Soweit wir wissen, kaum. Also da haben wir großes

[00:12:35]  Glück gehabt, also der gesamte Schneidergang, damals war das ja schon in der Richtung,

[00:12:43]  das Archiv, bin ich mir nicht ganz sicher, das war wahrscheinlich noch nicht da, aber

[00:12:47]  mir merken in den Bestände keine Fehlstellen, also größere, wo man sagt okay, das ist jetzt

[00:12:56]  wirklich, das muss aus diesen Bombenangriffen, also das Resultate sein, die Fehlstellen, die

[00:13:05]  wir haben, die gehen quer durch die Zeit, das müsste sehr zufällig sein, also ich gehe jetzt

[00:13:10]  nicht davon aus und ich wüsste jetzt auch in der Geschichte, in der Geschichtsaufarbeitung nicht,

[00:13:15]  dass das Archiv in Mitleidenschaft gezogen worden ist. Wir wissen, dass die Bibliothek sehr

[00:13:20]  schwer bombardiert war, aber auch da ist es eigentlich der Raum selber stehen geblieben,

[00:13:26]  die Bücher auch. Viel ist ja weggeschafft worden, das Wichtigste, das hat man ja in einer Nacht-

[00:13:31]  und Nebelaktion teilweise nach Stams und in andere Orte verbracht und Wilten hat natürlich

[00:13:38]  einen großen Nachteil gehabt, dass es mitten in der Stadt war, neben dem Bahnhof, das ist natürlich...

[00:13:42]  Tobias: Was natürlich eine großes Ziel war. Miriam: Ja. Und es gibt diesen Ausspruch, es ging ein, wie heißt der,

[00:13:47]  ich mein, das ist jetzt nur nachgesprochen, es ging ein Flüstern durch die Gänge oder durch die Klausur,

[00:13:53]  wir sollten alles packen und abhauen, so in die Richtung und das ist am Tag vor der Schließung,

[00:13:59]  dann letztendlich auch gewesen, also sie haben es gewusst und haben schon vorher Vorbereitungen

[00:14:03]  getroffen und ich glaube, dass sie schon vieles einfach aus... Tobias: In Sicherheit gebracht haben.

[00:14:10]  Miriam: Genau. Deshalb merken wir jetzt kaum Fehlstellen, also ob jetzt manche Sachen zerstört worden

[00:14:17]  sind, die weniger wichtig waren, das kann man im Nachhinein ganz schwer rekonstruieren, es gibt

[00:14:23]  natürlich etliche Fehlstellen, das merkt man an den alten Repertorien und so weiter, ob die jetzt,

[00:14:30]  wenn die weg gekommen sind, ist quasi nicht zu eruieren. Tobias: Aber wie seid ihr, also ist alles,

[00:14:36]  was im Archiv ist, so zu sagen erfasst oder ist... Natürlich nicht, gell. Also ich wüsste glaube

[00:14:43]  ich kein Archiv was wirklich alles, was im Besitz ist, schon erfasst ist glaube ich.

[00:14:48]  Miriam: Es kommt immer drauf an, was man unter Erfassung. [Tobias lacht] Tobias: Du meinst, wissen ob es da ist, oder [lacht].

[00:14:52]  Miriam: Genau. Nein, also grob erfasst haben wir alles, aber wir sind jetzt dahinter gekommen,

[00:15:00]  diese bekannte berühmte Urkundenreihe, da hieß es immer, das ist die am besten Erschlossene.

[00:15:05]  Ja, dem ist nicht so. Wir sind jetzt bei der Schätzung 50% erschlossen, weil da immer die

[00:15:16]  letzten Jahrzehnte einfach was dazugelegt worden ist, was passend dazugefunden worden ist.

[00:15:21]  Also wenn wir jetzt die... Es sind alles so Laden zu bestimmten Themen, also und dann gibt es diese

[00:15:28]  Lade, keine Ahnung, fahre Hötting und da ist dann einfach alles reingestopft worden und es hieß

[00:15:36]  immer, es ist alles erfasst, erschlossen in Repertorien, Findbüchern und in unserer Datenbank.

[00:15:46]  In der Datenbank ist am wenigsten drin, das wissen wir jetzt auch erst seit Kurzem, weil man muss

[00:15:53]  ja darauf vertrauen, was die Vorgänger einem erzählen und erklären und jetzt haben wir noch

[00:16:03]  einen großen Fundus von einem ehemaligen und sehr bekannten Archivar von Stift Wilten,

[00:16:08]  dem Fritz Steinecker, das ist ein ehrenamtlicher Archivar über Jahrzehnte gewesen, der ist in

[00:16:15]  den 90er Jahre, also bis in die 90er Jahre herauf und der vier Schreibtische im alten Archiv besessen

[00:16:23]  oder das waren immer schon die Steinecker-Schreibtische, seit ich da bin [lachen] und bei der Ausräumung vom

[00:16:29]  alten Archiv haben wir mal die Schubladen dazu aufgetan und da sind Aktenberge dahergekommen,

[00:16:37]  die wir jetzt derzeit sortieren, leider Gottes ist vieles in Mitleidenschaft gezogen worden,

[00:16:45]  also viel ist verschimmelt natürlich, das liegt einfach in den Laden drin über Jahrzehnte und

[00:16:51]  jetzt versuchen wir uns gerade einen Überblick zu schaffen, aber das sind genau die Bestände,

[00:16:54]  die mir, vom Gefühl her, seit ich das Archiv kennen, gefehlt haben, das sind die Akten.

[00:16:59]  Viele Abtakten, Briefverkehr, solche Dinge, wo wir einfach Fehlstellen in den Jahrzehnte haben,

[00:17:07]  die seien vermutlich da drin und das ist jetzt noch sehr viel Arbeit, also nein,

[00:17:12]  erschlossen haben wir lange noch nicht alles, aber wir können schon sagen, dass jetzt rein vom

[00:17:18]  Gesamtbestand, also vom Gesamtarchiv großteils erschlossen ist, wir wissen was da ist, circa.

[00:17:24]  Tobias: Du hast jetzt eh schon öfters von "uns" gesprochen oder von "wir", vielleicht sollte man an der Stelle

[00:17:30]  auch mal kurz den Team erwähnen, weil du bist ja natürlich nicht... du bist ja natürlich in der

[00:17:34]  leitenden Position, aber du hast natürlich noch helfende Hände bei dir... Miriam dazwischen: Ja Gott sei Dank! Tobias: ... sollen wir die mal gerade

[00:17:40]  oder..., dass wir dir mal kurz namentlich nennen und so. Miriam: Ja, sehr gerne, also wir sind ein Team von

[00:17:46]  vier Archivarinnen und Archivaren und einer Bibliothekarin, die ist jetzt frisch dazu gekommen

[00:17:54]  letzte Woche und zwar der Dienstälteste ist ein bekannter Innsbrucker Historiker, der Professor

[00:18:04]  Helmut Gritsch, der arbeitet in seiner Pension immer noch für das Stift und kümmert sich vor allem

[00:18:12]  um die Regästen der Monasteriums Urkunden, er korrigiert die und so, dann ist der Magister

[00:18:21]  Dieter Liebmann auch mein Stellvertreter, der seit über acht Jahren fürs Stift arbeitet im Archiv

[00:18:28]  und der kümmert sich um alles [lacht kurz] Tobias: Hab ich auch schon mitbekommen. [beide lachen] Miriam: Und dann die Frau Daniela Runk, Master, die aus der Karenz zurück

[00:18:43]  gekommen ist, schon vor meiner Zeit im Stift gearbeitet hat, allerdings für die Kunstinventarisierung

[00:18:51]  ist aber eigentlich Archivarin und hat auch ein Praktikum bei mir früher mal genossen, also

[00:19:00]  ich kenne sie schon seit Langem und kümmert sich derzeit vor allem um die Nachlässe und dann noch

[00:19:05]  die Bibliothekarin, die Gott sei Dank jetzt die Bibliothek hoffentlich bald in vollen Ausmaßen

[00:19:12]  übernimmt. Tobias: Über die will ich eh noch dann vielleicht ganz kurz, dass wir das noch anschneiden, bevor wir das aber machen,

[00:19:16]  noch ein Punkt, den ich bei die... wenn wir über die Archive geredet haben, auch immer angesprochen

[00:19:23]  haben, wer hat denn Zutritt zum Archiv. Darf jeder vorbeikommen, also grundsätzlich jeder

[00:19:29]  vorbeikommen zum Recherchieren, ist es überhaupt vielleicht interessant für jedermann, jeder

[00:19:33]  frau und natürlich der Punkt ist... mit dem Archivbesuch oder mit Recherche, sind Kosten

[00:19:39]  verbunden, das ist eine große Frage. Miriam: Also zu uns kann jeder kommen, der ein, es steht so in der

[00:19:46]  Archivordnung berechtigtes Interesse vorzeigen kann, das bedeutet aber jeder, der einfach

[00:19:52]  sich für unsere Bestände interessiert, forschen will. Es ist auch interessant, also wir haben ein sehr

[00:19:58]  breites Publikum. Das geht von Familien-

[00:20:02]  Forschung natürlich bis ganz viele Kronisten der umliegenden Dörfer, vor allem unserer

[00:20:07]  inkorporierten Faren. Aber auch viele Wissenschaftler der Universität in jeglicher

[00:20:14]  Sparte, also von Theologie bis Geschichte bis Kunstgeschichte. Da ist immer, also ist alles

[00:20:20]  dabei und wir sind ganz ein normales Archiv, allerdings immer mit dem Titel "Privatarchiv",

[00:20:26]  das darf man nie vergessen. Wenn jemand zu uns kommt, dann wird es genehmigt, dass der

[00:20:32]  Einsicht bekommt in gewisse Bestände, aber wir hätten theoretisch auch das Veto Recht. Das heißt,

[00:20:40]  wir könnten auch sagen nein, weil es eben rein rechtlich ein Privatarchiv ist, aber wir arbeiten

[00:20:47]  für das öffentliche Interesse. Wir möchten das ja weiterhin auch das Archiv nach außen tragen,

[00:20:54]  aber wir möchten es auch weiterhin befüllen können und Gott sei Dank und wahrscheinlich

[00:20:58]  bin ich die einzige, die das so sieht, gibt es die ZDSGVO von 2018 [Tobias lacht], denen Privatarchiven

[00:21:05]  auferlegt. Sie dürfen weiterhin als Archiv arbeiten, aber nur wenn sie dem öffentlichen Interesse

[00:21:11]  zur Verfügung stehen, das heißt, wir müssen öffnen und das finde ich eigentlich eine gute

[00:21:16]  Lösung. Tobias: Allerdings ja. Miriam: Sonst dürfen wir eigentlich die Sachen nicht archivieren, sondern wir müssten sie schreddern.

[00:21:21]  Tobias: Ja, vernichten. Weil du das Veto Recht oder die Zusage, liegt es bei dir oder liegt es dann beim Prio?

[00:21:28]  Miriam: Beim Prio  liegt es nicht, wenn dann beim Abt. Also ich bin einzig und allein dem Abt und

[00:21:34]  nicht dem Prio unterstellt. Das Archiv ist Abtsache. Der Abt hat immer ein Veto Recht, allerdings hat er natürlich

[00:21:42]  die Aufgaben, Rechte und Pflichten an mich abgetreten als Leiterin des Archivs. Das heißt,

[00:21:48]  das erste Veto Recht habe ich. Wenn ich mal bei manche Sachen nicht sicher bin, dann frage ich beim

[00:21:54]  Abt nach, wenn es sensiblere Themen sind und so weiter. Es gibt natürlich auch Ausnahmen. Man

[00:22:01]  hat ja diese Schutzfrist von 50 Jahren haben wir. Da gibt es immer so Grauzonen, das kennt jeder.

[00:22:08]  Tobias: Grad für Forschung oftmals. Miriam: Grad für Forschung, grad für, wenn es jetzt zum Beispiel um Biografien

[00:22:13]  bekannter Persönlichkeiten geht, dann kann man ja Ausnahmen machen. Diese Ausnahmen, das entscheidet

[00:22:19]  nur der Abt. Also das würde ich auch niemals machen. Das wäre mir zu gefährlich. Aber grundsätzlich

[00:22:25]  habe ich auch das Veto Recht. Tobias: Und sollt man sich am besten vorab per Telefon, per Mail melden bei

[00:22:33]  euch? Miriam: Unbedingt. Weil wir sind zwar grundsätzlich gut besetzt, aber nicht immer. Wir haben mehrere

[00:22:40]  Aufgabengebiete und wir sind trotzdem ja vier Leute im Archiv sind, quasi nur ein One-Person-Archiv

[00:22:48]  gefühlt. Das heißt, das ist immer also auf Terminanfrage. Ansonsten müssen wir leider,

[00:22:56]  Gott, dass wenn jemand an der Pfote auftaucht, das passiert immer, immer wieder müssen wir sie

[00:23:01]  wirklich wegschicken, weil wir müssen die Arbeitszeit einteilen. Wir haben jetzt kein

[00:23:07]  riesen Lesesaal, wo fixe Aufsichtspersonen sind. Das heißt, wir müssen für diese Person, für diesen

[00:23:13]  Benutzer und wollen auch dann da sein. Und das geht nur, wenn man sich die Zeit auch freischaufelt.

[00:23:18]  Genau. Und deswegen muss man sich vorher anmelden, per Telefon, per E-Mail, über das Kontaktformular

[00:23:25]  von der Homepage. Da gibt es einen Benutzerantrag schon runter zu laden, dass man das im Vorfeld

[00:23:31]  schon mitnehmen kann, wenn man möchte und sonst halt vor Ort ausfüllen. Die Archivordnung und

[00:23:36]  die Benutzerordnung ist auch online, kann man sich alles einsehen. Man weiß, auf was man sich einlässt. Tobias: [lachend] Auf was man sich einlässt.

[00:23:42]  Und entstehen mit dem Besuch Kosten oder wäre das dann was, wo man sagt, wenn wir für was drucken

[00:23:50]  oder darf man bei euch fotografieren? Miriam: [hustet kurz] Bei uns darf man fotografieren für den Eigengebrauch.

[00:23:57]  Für Publikationen wird natürlich ein Reproansuchen noch gefordert. Kosten entstehen keine. Wir

[00:24:05]  machen das wirklich absolut kostenfrei. Wir sind allerdings beim überlegen bei Digitalisierungen,

[00:24:13]  wenn es jetzt von uns gefordert wird, bei größeren Umfängen, einfach dass man vielleicht was verlangen.

[00:24:21]  Tobias: Es wird nicht die Würze. Miriam: Es wird... Nein, also wir möchten uns nicht bereichern [lacht]. Es ist auch nicht Sinn der Sache.

[00:24:29]  Es ist vielleicht vorher ein bisschen anders umgekommen, aber wir sind schon dafür da,

[00:24:36]  dass die Forschung, die Interessierten bei uns offene Türen einrennen. Es ist unser größter

[00:24:43]  Wunsch, dass dieses Archiv wirklich gut besucht ist. Und das wird es in der Zwischenzeit auch sehr gut, muss ich sagen.

[00:24:48]  Tobias: Haben wir schon geredet vorher ja. Ich war fast, naja schockiert nicht, aber ich war begeistert, dass es so sehr genutzt wird.

[00:24:55]  Miriam: Ja. Man muss immer dazusagen. Ich glaube, es ist immer gut besucht gewesen. So wenn

[00:25:01]  ich aus die Benutzerstatistiken anschaue und so ist es im Verhältnis zu anderen Ordensarchiven,

[00:25:06]  die ich kenn, man muss aber auch dazu sagen, das hängt mit den Beständen zusammen. Stift Wilten ist,

[00:25:12]  gerade für Innsbruck, einfach unglaublich. Tobias: Man kommt fast nicht herum. Miriam: Nein, man kommt nicht nur

[00:25:19]  fast, man kommt nicht herum. Und jegliches historisches Thema im Umfeld von Innsbruck hängt mit dem Stift

[00:25:26]  zusammen, weil dem Stift einfach alles gehört hat. Das heißt, das geht vom Bergisel bis Patscherkofel

[00:25:31] bis Höttingen und natürlich die Gründung der Stadt Innsbruck, die ganzen Felder

[00:25:39]  rundherum bis ins Sellreintal rein. Da ist das natürlich Forschungsfeld riesig. Und es ist

[00:25:46]  einfach eines, wenn nicht das älteste Archiv in Tirol. Das muss... Tobias dazwischen: Ja, das stimmt. Miriam: ...man sich auch auf der Zunge

[00:25:54]  zergehen lassen. Deswegen ist es nun mal einfach im Interesse, also im Fokus von Forschung. Und

[00:25:59]  das ist auch schön. Und jetzt natürlich mit diesem neuen Archiv ist es auch leichter, ins Archiv zu

[00:26:07]  kommen. Früher war es noch mal schwieriger, weil die Gegebenheiten einfach nicht da waren. Also,

[00:26:12]  man hat keinen Benutzeraum gehabt, man hat kaum Personal gehabt. Es ist schwierig gewesen. Und

[00:26:17]  jetzt ist alles ganz klipp und klar geregelt. Und deswegen fühlen wir uns fast wie ein öffentliches

[00:26:21]  Archiv. Tobias: Ja, eben. Ich war ja ein Gast der Eröffnung des neuen Archivs. Was eh ein gutes Stichwort wieder

[00:26:29]  ist, also du liefest mir eh immer die guten Stichworte, dass wir vielleicht eben noch über

[00:26:33]  dieses neue Archiv reden. Davor war es ja im Schneidergang hauptsächlich alles. Also,

[00:26:39]  es ist jetzt schwierig zu erklären [Miriam hustet im Hintergrund], für die Hörerinnen und Hörer was nicht vertraut

[00:26:44]  sind. Von dem her vielleicht doch einfach mal zu einem Archivbesuch kommen. Aber ihr seid

[00:26:50]  von der Größe an, von den Räumlichkeiten doch, um einiges... Miriam: Um einiges ist weit untertrieben. Wir sind

[00:26:58]  von 30 Quadratmeter auf 220 Quadratmeter aufgestiegen [lacht]. Tobias: Also, das ist eine beachtliche Menge. Miriam: Ja, genau. Das war

[00:27:05]  dringend nötig. Ja, also die alten Archivräumlichkeiten, das war ein Doppelraum, sagen wir es mal,

[00:27:11]  plus ein mini Büro. Sind, wie du gesagt hast, sind im ehemaligen Schneidergang. Das ist so im Nord-Trakt

[00:27:20]  und Nord-Ost-Trakt. Tobias: Da wo man dann... Man sieht ja da auf die Obstbäume raus, glaub ich. Miriam: Genau. Tobias: Vielleicht dass dann vielleicht bei den Leuten

[00:27:27]  ein bisschen? Miriam:  Da sieht man Richtung Osten raus, Richtung Obstbäume, Richtung Unterland. Und da war

[00:27:33]  früher in den oberen Stockwerken die praktische Volksschule, glaube ich, hieß die. Die ist seit

[00:27:38]  eineinhalb Jahren nicht mehr drin. Und das ist quasi auf der Seite, wo das Tourismuskolleg auch ist,

[00:27:43]  also in die Richtung, damit man sich das vorstellen kann Richtung Nordkette. Und in diesem

[00:27:49]  Schneidergang waren eben ein 30 Quadratmeter großer Raum. Voll gepfärscht mit Archivalien und eben noch

[00:27:59]  dazu ein kleines Büro. Und das war eben klar, das platzt aus allen Nähten schon des längerem,

[00:28:05]  man hat noch Lösungen gesucht. Und der Abt selbst hat die Lösung dann gefunden, im ehemaligen

[00:28:12]  Besinnungszentrum, an der gegenüberliegenden Seite, an der Südseite des Stiftes. Also das

[00:28:19]  Besinnungszentrum war immer schon von außen zugänglich. Da waren so Gruppen von außen,

[00:28:24]  die Seminare abgehalten haben und so weiter. Und das waren die idealen Räumlichkeiten im

[00:28:31]  Erdgeschoss. Genau. Tobias: Und wie lange war jetzt da die Planung und Umbauphase? So ungefähr?

[00:28:37] Miriam: Ja, also die ursprüngliche Planung war schon vor meiner Zeit, also 2020,

[00:28:45]  circa schon vorher, 2019/20 begonnen. Der Wunsch war schon weit aus länger da. Dann

[00:28:52]  hat man mich hinzugeholt eben aus diesem Grund und zwar im März 2021. Und da hat man eigentlich

[00:29:01]  ziemlich postwendend, sobald ich über die Pläne drüber geschaut habe und ein bisschen

[00:29:07]  den Architekten beraten habe, eigentlich angefangen zu bauen. So im Sommer 2021,

[00:29:12]  glaube ich, war das. Und letzten Endes, also umgezogen sind wir [im] Mai 2022, das heißt reine

[00:29:20]  Basisbauzeit, sage ich mal, war ein Jahr plus/minus. Aber wir sind natürlich nicht ins fertige Nest

[00:29:27]  gezogen. [Tobias lacht] Wir mussten umziehen, weil auf der Schneider-Trakt-Seite auch Umbauten geplant waren.

[00:29:34]  Und deswegen mussten wir raus. Das ist natürlich nicht optimal, aber wir haben es

[00:29:39]  irgendwie gelöst. Und wenn ich jetzt sage, mit der Eröffnungsfeier ist alles auf Punkt und

[00:29:46]  Beistrich gegangen, dann war ich das sehr ernst. Also den Tag davor sind noch Folien gekommen,

[00:29:50]  und also da sind wir fertig. Zwei Jahre, das würde ich sagen. Tobias: Ist ja eh eine sportliche Zeit?

[00:29:55] Miriam: Ja, man muss sagen, es ist kein Neubau, es ist eine Adaptierung der Räumlichkeiten,

[00:30:01]  aber trotzdem. Also es waren sehr schwierige Zeiten, das wissen wir alle, gerade in der

[00:30:06]  Baubranche, Corona-Baubranche, das war ein Wahn-Sinn im Nachhinein. Und trotzdem für das ist

[00:30:13]  es sehr schnell gegangen, finde ich. Tobias: Und es schaut auch sehr gut aus, als ich war ja, wie

[00:30:16] gesagt eh, schon vor Ort, und auch bei der Öffnungsfeier. Also die Räumlichkeiten sind spitze. Muss ich sagen.

[00:30:22] Miriam: Finde ich auch, danke schön. Ich nehme das als Kompliment ans Stift weiter. Tobias: [lachend] Ja natürlich! [beide lachen]

[00:30:26] Tobias: Ich wollte noch auf die Bibliothek kurz... dass wir vielleicht noch ganz kurz eingehen,

[00:30:32]  weil ich finde... also sie ist sehr schön, erstens anzuschauen. Zweitens ist sie ja doch, sehr umfangreich

[00:30:37]  auch. Sollen wir die vielleicht noch kurz, kurz so in Stichpunkten einmal erwähnen, um was es sich

[00:30:44]  handelt und was da so ein bisschen da ist. Miriam: Ja, also Stift Wilten besitzt eine klassische barocke Stiftsbibliothek.

[00:30:51]  Also dieser Bau stammt aus dem 18. Jahrhundert, also Anfang des 18. Jahrhunderts. Wir haben jetzt

[00:30:58]  erst recherchiert, 1712 ist der erste Bibliothekar engagiert worden, ein Chorherr damals. Das stimmt

[00:31:05]  so circa aus der Zeit. Die barocke Stiftsbibliothek besteht aus einem großen barocken Prunksal,

[00:31:14]  der natürlich nicht mit den Prunksälen in Admund oder anderen Klöstern, Stiften im Osten

[00:31:23]  Österreichs mithalten kann. Aber für die Größe des Stiftes ist er sehr schön und sehr,

[00:31:30]  also auch sehr einladend und sehr klassisch finde ich. Ja und noch ein zweiter Raum das

[00:31:36]  sogenannte "Bibliothek a minor". Die kleine historische Bibliothek, das ist so der Vorraum und wir besitzen

[00:31:43]  auch eine moderne Bibliothek. Zwei eigentlich. Eine Handbibliothek für den Konvent, der ist nicht

[00:31:48]  zugänglich und eine ganz normale Bibliothek mit moderner Ausstattung. Insgesamt befinden

[00:31:58]  sich in der Stiftsbibliothek um die 20.000 Bände und mit der modernen können wir auf die 60.000

[00:32:04]  circa. Tobias: Betreut die eine neue Kollegin dann die komplette Bibliothek oder nur Teile? Miriam: Ja,

[00:32:10]  die komplette Bibliothek ist eine riesen Aufgabe für eine Teilzeitstelle, aber sie hat ja mich

[00:32:17]  Gott sei Dank auch noch, also ich leite Bibliothek und Archiv, mache das organisatorische, aber ich

[00:32:22]  bin keine ausgebildete Bibliothekarin, deshalb habe ich eine dringend benötigt und die ist

[00:32:29]  mir jetzt auch zugeteilt worden, Gott sei Dank, und eben seit letzter Woche ist sie im Dienst. Jetzt

[00:32:33]  macht sie es auch mal erst vertraut, weil es ist natürlich eine riesen Aufgabe. Leider ist die

[00:32:39]  Stiftsbibliothek zwar immer zu besichtigen gewesen und aber man hat inhaltlich und

[00:32:45]  konservatorisch eigentlich gar nichts getan in den letzten 40 Jahren. Die letzte Restaurierung der

[00:32:51]  Kriegsschäden war die Bibliothek '83 eröffnet oder '87 wieder eröffnet, also einiges gemacht

[00:32:59]  war natürlich und seitdem ist sie vor sich hingeschlummert. Das sieht man auch, wenn man

[00:33:05]  genauer hinschaut oder ein Kenner, Staubschichten, ein bisschen Schimmel, ein bisschen das, ein

[00:33:12]  bisschen das, kaputte Bücher und natürlich ist das ein großer Fokus, das die Frau Strimmer jetzt

[00:33:18]  egen wird, dass die barocke Stiftsbibliothek wieder im alten Glanz erstrahlt, im wahrsten

[00:33:25]  Sinne des Wortes. Also da geht es ans Eingemachte mit Staubsaugen und allem drum und dran und

[00:33:32]  gleichzeitig betreut sie die moderne Bibliothek. Wobei man sagen muss, wir haben jetzt nicht so einen

[00:33:36]  großen Zuwachs, also wir haben einen Sammlungsschwerpunkt, werden das Konzept ein bisschen neu definieren

[00:33:44]  für die Bibliothek, wir werden den Sammlungsschwerpunkt ein bisschen kleiner machen, "Wildinencia",

[00:33:49]  "Premonstratensia", also vom Orden "Tirolensien", wir haben eine unglaubliche schöne Tirolensensammlung,

[00:33:56] [unverständlich] war den Chorherren immer schon wichtig und die gesammelten Lernschriften, da sind sie immer

[00:34:01]  sehr stolz drauf [Tobias schmunzelt] und ja und theologische Fachliteratur wird halt noch zukünftig gesammelt, aber

[00:34:10]  sonst wirklich nur wo Wilten erwähnt wird quasi. Wir möchten sie auch dann öffentlich zugänglich

[00:34:16]  machen, wie eine normale Bibliothek mit Ausleihe und so weiter, aber das steht noch... Tobias: Ist dann in der

[00:34:23]  Zukunft angedacht. Miriam: Das ist in der Zukunft genau. Tobias: Machen wir noch, wir sind eh schon recht weit fortgeschritten,

[00:34:27]  aber zum Abschluss noch sozusagen vielleicht noch ein bisschen auf deinen beruflichen Werdegang,

[00:34:34]  du hast schon gesagt du bist seit März 2021? Miriam: Genau, ja, da habe ich noch beratend... Tobias: Oder da war

[00:34:41]  der Wechsel sozusagen. Miriam: Genau. Tobias: Weil du warst davor ja noch woanders, wo ich dich auch schon mal kennengelernt

[00:34:46]  habe, aber das ist mir dann auch erst wieder eingefallen, wie dann im Stift dann im Wilten

[00:34:51]  auf Besuch war, nämlich , ich darfs vorwegnehmen, du warst vorher bei den Kapuzinern im Archiv.

[00:34:57]  Miriam: Ja genau. So ist es und das ist eine lange Zeit. Ja, also zu meinem beruflichen Werdegang. Ich bin

[00:35:05]  Historikerin, ich habe Geschichte studiert, Kunstgeschichte und Archivwissenschaft und habe dann drei Jahre

[00:35:11]  auf der Uni als wissenschaftliche Mitarbeiterin gearbeitet und dann kam der Ruf nach außen,

[00:35:16]  hatte ich sehr großes Glück und bin zu die Kapuziner gewechselt. Die haben damals eine Provinzarchivarin

[00:35:23]  oder eigentlich eine Archivarin gesucht und man hat sich dann für mich entschieden und innerhalb kürzester

[00:35:30]  Zeit bin ich nicht nur Archivarin gewesen, sondern Provinzarchivarin, da habe ich dann viel mehr

[00:35:36]  Rechte gehabt, ich war auch die Einzige, das war ein  One-Women-Archiv [engl. für Ein Frau Archiv] wirklich und Kulturgutverwalterin,

[00:35:42]  also das ist, das heißt die Schatzkammer habe ich verwaltet und nicht nur in Innsbruck, sondern eben

[00:35:47]  die gesamte Provinz, das ist eigentlich ein großes Feld gewesen mit 16 lebenden Klöstern,

[00:35:52]  die gesamte Provinz hat damals Österreich und Südtirol umfasst, da liegen die Archive teilweise

[00:35:57]  eben noch in die einzelnen Klöster und insgesamt glaube ich waren es 30 Liegenschaften, die noch

[00:36:02]  den Kapuzinern in irgendeiner Weise gehört haben oder beziehungsweise damit zu tun gehabt haben

[00:36:07]  und die habe ich dann eben Archiv- und Kunstwerktechnisch betreut, Inventare erstellt und so weiter.

[00:36:15]  Tobias: War für dich das ein Ordensarchiv immer schon am Radar, dass das etwas ist, was dich interessiert

[00:36:22]  oder ist das zufällig gekommen?

[00:36:25]  Miriam: [seufzt] Das ist eine schwierige Frage, ich kann mich gar nicht erinnern.

[00:36:30]  Tobias: Könnte man sagen, es war eine göttliche Fügung. [lacht]

[00:36:33]  Miriam: Ja, ich hätte eine kleine persönliche Geschichte, das hat meine Mama vor ein paar Jahren, hat sie mir

[00:36:40]  das dann erzählt, anscheinend als ich kleines Mädchen war, hatte ich zwei Berufswünsche,

[00:36:47]  Nonne und Indiana Jones. [Tobias lacht] Und sie hat gesagt, durch meine Arbeit bei den Kapuzinern hätte

[00:36:54]  ich alles vereint und damals bin ich dann irgendwie ins Grübeln gekommen und habe mir gedacht,

[00:37:01]  ja, das hat sich gefügt.

[00:37:02]  Ich hätte jetzt nie von mir gesagt, ich möchte unbedingt in einem Ordensarchiv natürlich,

[00:37:07]  wenn man in die Richtung studiert und gerne in ein Archiv möchte, ist ein Ordensarchiv

[00:37:11]  immer was Spannendes.

[00:37:12]  Ich hätte mir vielleicht nicht die Kapuziner ausgesucht, weil ich war eher immer im Mittelalter

[00:37:16]  verankert und das gibt es bei den Kapuzinern einfach nicht.

[00:37:20]  Aber jetzt im Nachhinein muss ich sagen, ich würde nie wieder irgendwo anders arbeiten.

[00:37:26]  Also ich liebe es in einem Ordensarchiv zu arbeiten, weil die Aufgaben für sehr vielseitig

[00:37:31]  sein, ich mein, es wird im Stadtarchiv genauso sein und weil ich das familiäre so genieße.

[00:37:38]  Also ich genieße das in diesen kleineren Rahmen zu agieren und trotzdem so etwas wertvolles

[00:37:45]  zu hüten, ist eigentlich die perfekte Kombi, muss man sagen.

[00:37:49]  Und man hat einfach auch das Gefühl, man macht was Besonderes, ich weiß nicht.

[00:37:55]  [lachend] Keine Ahnung.

[00:37:56]  Klingt jetzt vielleicht überheblich... Tobias: Nein, nein! Miriam: ... aber so meine ich es gar nicht, also irgendwie für

[00:38:01]  mich persönlich.

[00:38:02]  Tobias: Eben, was für dich persönlich ist, das geht für dich persönlich und was die

[00:38:05]  anderen denken, kann uns Wurscht sein.

[00:38:07]  Miriam: [lachend] Genau so ist es.

[00:38:08]  Tobias: Zum Abschluss, ich habe gerne immer die Frage gestellt, ob wir unseren Hörerinnen oder

[00:38:12]  Hörern noch etwas auf den Weg mitgeben wollen, zum, in dem Fall natürlich Stiftsarchiv.

[00:38:18]  Miriam: Also eine Einladung, das Stiftsarchiv zu besuchen, spreche ich immer sehr gern aus.

[00:38:26]  Und auch die Scheu davor, sich nicht zu melden, weil man vielleicht das Gefühl hat, man hat

[00:38:33]  zu wenig da zu suchen.

[00:38:35]  Aber die meisten wissen nicht, dass man, dass jede... jegliche Sparte von Volksschülern

[00:38:42]  bis Pensionisten aus dem Seniorenheim findet irgendwas, was einen interessiert in dem Archiv.

[00:38:49]  Und das habe ich in meiner Karriere jetzt des öftern auch gesehen.

[00:38:54]  Ich habe einmal eine Gruppe, das werde ich nie vergessen, HTL Schüler bei mir gehabt,

[00:39:00]  16-jährige Burschen, die nur mit Auto-Cut arbeiten und ich habe ihnen, habe mir gedacht, was

[00:39:06]  zeige ich denn denen?

[00:39:07]  Und ich habe ihnen einfach alte Pläne gezeigt und die waren hellauf begeistert.

[00:39:12]  Und so versuchen wir, also wir geben auch Führungen und Einblick in die Archivarbeit

[00:39:17]  und das Spektrum ist so groß von alten Urkunden bis alten Schriften.

[00:39:22]  Und das interessiert sowieso die Leute, finde ich immer sehr.

[00:39:25]  Und das aber adaptiert von Kinder bis Erwachsene quer Beet durch.

[00:39:31]  Und deswegen keine Scheu einfach melden, wir freuen uns, unser Reich zu zeigen.

[00:39:36]  Tobias: Sehr gut.

[00:39:37]  Dann denke ich, haben wir da einen schönen Schluss und sag nochmal, danke Miriam für

[00:39:42]  deine Zeit, die du mir gespendet hast und teu teu teu für die Zukunft.

[00:39:47]  Miriam: Danke schön.

[00:39:48]  [Outro-Musik]

Bonusfolge: 60-Jahr-Jubiläum der Städtepartnerschaft mit Freiburg

Bonusfolge: 60-Jahr-Jubiläum der Städtepartnerschaft mit Freiburg

Stadtarchiv Innsbruck

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Transkript

[00:00:00] [Intro-Musik] Tobias: Hallo und herzlich willkommen zu einer weiteren Bonusfolge von Archivwürdig, dem Podcast

[00:00:19]  des Innsbrucker Stadtarchivs.

[00:00:20]  Nachdem wir heuer das 60-Jahr-Jubiläum der Städtepartnerschaft zwischen Innsbruck

[00:00:24]  und Freiburg feiern, darf natürlich eine Podcastfolge zu diesem Thema nicht fehlen.

[00:00:28]  Mit meinem Kollegen Joachim Burgschwendner spreche ich über die Entwicklung dieser gegenseitigen

[00:00:32]  Beziehung, wie die Partnerschaft mit Grenoble damit in Verbindung steht und was man mit

[00:00:36]  solchen Partnerschaften überhaupt bewirken wollte.

[00:00:39]  Nach diesem kleinen Überblick geht es auch schon direkt los.

[00:00:42]  Ja, lieber Joachim, wir feiern heuer 60 Jahre Städte-Partnerschaft mit Freiburg.

[00:00:50]  Jetzt könnte man ja sich als Hörerin oder Hörer die Frage stellen, warum überhaupt

[00:00:57]  Freiburg, wie ist es überhaupt dazu gekommen, dass man sich mit Freiburg zu einer Städte-Partnerschaft

[00:01:03]  durchringt.

[00:01:04]  Wir haben, diesbezüglich heuer [Dialekt für dieses Jahr] ja auch eine Veröffentlichung von unserer eigenen Schriftenreihe, den "Zeitraum Innsbruck" Band

[00:01:12]  17, der was dann ab, auf jeden Fall ab September dann erhältlich sein wird.

[00:01:19]  Und in diesem Band hast du einen Beitrag, der sich genau mit dieser Frage beschäftigt,

[00:01:25]  warum überhaupt Freiburg bzw. Grenoble ist ja dann auch noch dabei bei diesem Beitrag

[00:01:31]  und vielleicht, dass du uns einleitend schon in diese Folge ein bisschen erklärst, wie

[00:01:38]  man, oder wie es dazu kam, dass man mit Freiburg dann in späterer Folge, also in 1963, eine

[00:01:46]  Städtepartnerschaft einging.

[00:01:48]  Joachim: Ja, also zunächst kann man sich natürlich die Frage stellen, warum überhaupt der Städtepartnerschaft

[00:01:55]  da können wir als jetzt spätgeborene zurückblicken auf die unmittelbare

[00:02:04]  Nachkriegszeit, die wahrscheinlich einige der Hörer und Hörerinnen auch noch lebhaft

[00:02:11]  in Erinnerung haben, aber so für die, die es vielleicht nicht so präsent haben, muss

[00:02:15]  man sich vergegenwärtigen, dass zu dieser Zeit, also Anfang der 50er, späte 40er, der

[00:02:23]  zweite Weltkrieg ja unmittelbar zurückliegt mit all den furchtbaren Erfahrungen, diese

[00:02:32]  Wunden, die der Krieg mit sich gebracht hat, also die Zerstörungen, die Vertreibungen,

[00:02:38]  das menschliche Leid, das ist ja unmittelbar spürbar überall und die Frage ist dann,

[00:02:46]  wie tut man weiter, wie bewegt man sich vorwärts?

[00:02:49]  Und da ist wenige Jahre eben nach Kriegsende kommen erste Bestrebungen auf, dass sich

[00:02:57]  zum Beispiel niederländische Städte verpartnen einerseits mit den Befreiern, z.B. aus Großbritannien

[00:03:06]  oder den USA oder Kanada und andererseits dann auch versuchen Verbindungen mit dem früheren

[00:03:12]  Besatzer, dem früheren Feind aufzunehmen.

[00:03:15]  Und das Gleiche ist dann auch der Fall zwischen deutschen und britischen US-amerikanischen

[00:03:22]  und französischen Städten, dass sich da einfach ab 1947 zunächst lose Freundschaften

[00:03:30]  bilden, die dann schrittweise formalisiert werden.

[00:03:34]  Und einer dieser Schritte ist dann, dass 1951 Bürgermeister von deutschen und französischen

[00:03:41]  Städte, den Rat der Gemeinden Europas, also seit 1984 Rat der Gemeinden und Regionen

[00:03:48]  Europas gegründet haben, um eben grenzüberschreitende Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene zu fördern.

[00:03:56]  Der Bürgermeister von Lyon Eduard Hérriot hat einmal gesagt, wenn ich mich mit einem englischen

[00:04:04]  und deutschen Bürgermeister unterhalte, sehe ich, dass wir dieselben Sorgen haben.

[00:04:09]  Das heißt, das war das Ziel, die Grenzen, die ja damals noch ganz andere Bedeutung

[00:04:15]  gehabt haben, als das jetzt der Fall ist, zu überschreiten und da zusammenarbeiten.

[00:04:20]  Tobias: Genau, weil ich mein EU gibt es ja in dem Sinne noch nicht.

[00:04:25]  Die EWG ist ja auch, glaube ich, erst später dann gegründet worden, wenn ich das jetzt nicht

[00:04:30]  ganz falsch im Kopf habe.

[00:04:31]  Aber nehmen wir den Fall Innsbruck, ob es da schon auch in den Fünfzigern sozusagen

[00:04:36]  auf, also, Bestrebungen gegeben hat, weil man gesehen hat, es gibt den Trend von aufkommenden Städte-

[00:04:42]  Freundschaften noch, gibt es da auch schon was in Innsbruck?

[00:04:45]  Joachim: Es ist eine spannende Frage und soweit ich jetzt sehen habe können, ist bis 1961 nichts

[00:04:53]  dokumentiert.

[00:04:54]  Also 1961, im Frühjahr, kommt zunächst die Anfrage von Grenoble und kurz danach die

[00:05:03]  Anfrage von Freiburg zu einer Städtepartnerschaft, die dann im Stadtsenat behandelt wird.

[00:05:09]  Interessant dabei ist ja, dass der Bürgermeister Alois Lugger in diesem Zusammenhang erklärt,

[00:05:16]  ich zitiere ihn: "Alle Monate kommen einige Ansuchen an Innsbruck.

[00:05:20]  Es ist eine beliebte Stadt.

[00:05:23]  Wir haben uns jahrelang zurückhaltend gezeigt".

[00:05:26]  Das heißt, in diesem Aufkommen in den 1950ern der vermehrten Städtepartnerschaft wäre

[00:05:32]  also wohl durchaus die Möglichkeit gewesen für Innsbruck, da auch Partnerschaften zu

[00:05:37]  schließen.

[00:05:38]  Eben aber erst 1961 kommt dann offensichtlich ein Umdenken, dass man dann doch aktiv teilnehmen

[00:05:45]  möchte.

[00:05:46]  Tobias: Joachim, du hast uns ja gesagt, 1961 gibt es von Grenoble zuerst die Anfrage und kurze

[00:05:52]  Zeit später von Freiburg.

[00:05:54]  Wir feiern heuer Jahr, aber nur die 60 Jahre von Freiburg.

[00:05:59]  Und die Unterzeichnung von Freiburg war auch vor Grenoble.

[00:06:02]  Gibt es da Gründe, warum sie das... also warum es da diesen zeitlichen Rückfall, oder wie man sagen soll, von der Unterzeichnung oder von der Partnerschaft mit Grenoble

[00:06:13]  gibt und Freiburg quasi nach vorher war, obwohl Freiburg ein bisschen später [lacht kurz] quasi angefragt hat

[00:06:19]  und Grenoble ja eigentlich früher?

[00:06:22]  Oder ist es schwierig zu fassen?

[00:06:24]  Joachim: Es ist schwierig zum fassen.

[00:06:26]  Letztendlich glaube ich, ist es ein Zufall, dass sich die Dinge so ergeben haben, wie sie sich

[00:06:31]  ergeben haben.

[00:06:32]  Es ist eine sehr parallele Entwicklung zu erkennen und 1962 deuten eigentlich auch die Planungen,

[00:06:43]  die immer zwischen beiden Städten separat ablaufen, was auch ein bisschen interessant

[00:06:48]  ist, weil Freiburg zu diesem Zeitpunkt schon universitäre Verbindungen mit Grenoble hat.

[00:06:54]  Das wäre jetzt aus der Rückschau irgendwie sehr naheliegend gewesen.

[00:07:00]  Da könnte man doch gleich eine Dreifeier machen, was ja 1963 im Juli in Innsbruck auch

[00:07:09]  passiert.

[00:07:10]  Die Partnerschaftsfeier in Innsbruck ist eine Feier zu der Freiburg und Grenoble eingeladen

[00:07:17]  werden, wobei sich aber nur Innsbruck mit beiden Städten verpartnert.

[00:07:22]  Und was den zeitlichen Ablauf betrifft, die Partnerschaftsfeier in Freiburg mit Innsbruck

[00:07:30]  findet schon im Mai statt.

[00:07:32]  Wo also eine Innsbrucker Delegation nach Freiburg fährt und die Partnerschaftsfeier in Grenoble wäre

[00:07:39]  für den Herbst geplant gewesen.

[00:07:42]  Das heißt, es war schon gedacht, alles 1963 abzuschließen.

[00:07:46]  Letztendlich ist die Feier in Grenoble dann auf 1964 verschoben worden, weshalb man also

[00:07:54]  die Partnerschaft mit Grenoble sowohl 1963 als 1964 als Datum feiern könnte.

[00:08:01]  In unserem Fall feiern wir also jetzt 2023 das 60-Jahr-Jubiläum mit Freiburg und dürfen

[00:08:10]  uns wahrscheinlich dann freuen, in einem Jahr die Partnerschaft mit Grenoble zu feiern.

[00:08:17]  Tobias: Sprechen wir aber vielleicht nur jetzt wirklich über den Ablauf.

[00:08:20]  Wie, also die Zeit zwischen den ersten Kontaktaufnahmen, die ja beide von den Partnersstädten kommen,

[00:08:28]  nicht von Innsbruck, bis es dann eben zu diesen Planungen und zu diesen Festakten 1963

[00:08:35]  kommt.

[00:08:36]  Joachim: Genau, also die Reaktion im Stadtsenat war auf beide Anfragen sehr positiv.

[00:08:42]  Man hat von Beginn an die Gemeinsamkeiten erkannt und positiv aufgenommen.

[00:08:49]  Das war in beiden Fällen, dass es Universitätsstädte waren, also das war sehr wichtig.

[00:08:53]  Im Fall von Grenoble war dann die Gemeinsamkeit, dass sie quasi auch eine Hauptstadt der Alpen

[00:09:01]  ist, wie eben Innsbruck auch, und dass sie sich gerade auf eine Bewerbung für die Olympischen

[00:09:06]  Spiele vorbereitet hat, die zu diesem Zeitpunkt Innsbruck ja schon für 1964 bekommen hat.

[00:09:13]  Das heißt Innsbruck war da auch in der Vorbereitungsphase auf die Spiele, was, glaube ich, eines der Punkte

[00:09:21]  war, warum Grenoble interessiert an dieser Partnerschaft war.

[00:09:25]  Und vielleicht interessierter war daran als Innsbruck.

[00:09:28]  Und was Freiburg betrifft, da können wir sicher noch detaillierter dann darüber sprechen,

[00:09:34]  war vor allem also einerseits die gemeinsame Sprache und auch eine gemeinsame Geschichte.

[00:09:39]  Also das ist so das Beginn, merkt man schon sehr stark, dass sich Innsbruck grundsätzlich

[00:09:47]  recht positiv dazu äußert, dass man das verfolgen will.

[00:09:50]  Eine Toppriorität dürfte dann letztendlich eben nicht gewesen sein, wie man an dem langen

[00:09:57]  Verlauf bis zum Abschluss hin erkennt.

[00:09:59]  Und dieser Ablauf weist einige Parallelen auf, aber auch ein bisschen Unterschiede.

[00:10:09]  Inkürze ist es so, dass mit Grenoble sehr rasch, nämlich schon im Juli 1971, sich der

[00:10:18]  erste persönliche Kontakt stattfindet.

[00:10:20]  Der Universitätschor ist in Innsbruck und gibt einige Vorführungen.

[00:10:24]  Und damals wird auch schon in der Presse verlautbart, dass das erste Zeichen für diese entstehende

[00:10:32]  Städtepartnerschaft ist.

[00:10:33]  Also es wird da schon bekannt gemacht.

[00:10:36]  Und dann passiert sehr lange nichts.

[00:10:40]  Also oft, ein halbes Jahr, so schaut es aus den Quellen aus, keine Kommunikation.

[00:10:46]  Und es wird dann aus Grenoble nachgefragt, wie geht es jetzt weiter und dann schleppt

[00:10:52]  sich sozusagen die Kommunikation bis Ende 1962 so dahin.

[00:10:59]  Mit Freiburg ist es so, dass es zu Beginn 1961 noch weniger passiert, aber dafür findet

[00:11:07]  im Sommer 1962 ein Treffen statt, wo also Vertreter des Magistrats in Freiburg nach

[00:11:15]  in Innsbruck kommen, um halt quasi eine Arbeitssitzung und definiert früher, wie soll denn diese

[00:11:21]  Partnerschaft ausschauen.

[00:11:23]  Aber auch da ist es so, dass zwischen den Kommunikationsstücken immer wieder lange Pausen

[00:11:31]  stattfinden.

[00:11:32]  Manchmal ist es die Sommerpause, dann kommt dazu, das betrifft beide Städte, dass im

[00:11:39]  Herbst 1962 Gemeinderatswahlen und Nationalratswahlen stattfinden.

[00:11:45]  Tobias: Weil du die Kommunikation angesprochen hast, gab es da bestimmte Personen, die die Kommunikation

[00:11:51]  oder die Kommunikation forciert haben, läuft es über irgendwelche offiziellen Kanäle.

[00:11:58]  Oder wie kann man sich das vorstellen, dass überhaupt diese Kommunikation stattgefunden

[00:12:02]  hat.

[00:12:03]  Joachim: Ja, also vielleicht auch noch erklärend,

[00:12:06]  ich habe vor allem mit Kommunikation gearbeitet.

[00:12:10]  Wir haben im Stadtarchiv aus den Beständen des Kulturamts fünf Kartons, die sich speziell

[00:12:16]  mit den Städtepartnerschaft in den 1960er Jahren beschäftigen und das betrifft vor allem

[00:12:22]  die Kommunikation, also den Briefverkehr, z.B.

[00:12:26]  Innsbruck, Freiburg.

[00:12:28]  Das heißt, vieles, das wohl im Hintergrund stattgefunden hat, ist in diesen Kartons nicht

[00:12:34]  enthalten.

[00:12:35]  Das könnte man vielleicht dann in zehn Jahren einen tieferen Schnitt noch einmal setzen, ob

[00:12:42]  man an anderen Orten noch Quellen findet, auch wie sich die Geschichte anhand der Freiburger

[00:12:47]  Archivquellen vielleicht darstellt.

[00:12:49]  Und in diesem Schriftverkehr ist also eine der maßgeblichsten Personen, was jetzt sage,

[00:12:56]  das Geschäft betrifft, der amtsführende Stadtrat Arthur Heidel, der sehr viel Kommunikation

[00:13:02]  durchführt und sonst auch vor allem der Bürgermeister Alois Lugger.

[00:13:07]  Tobias: Man könnte also sagen, es ist mehr personenbasierte Kommunikation als wie jetzt über Dienststellen

[00:13:14]  oder ist das zu salopp ausgedrückt?

[00:13:17]  Joachim: Von der Zuständigkeit her würde ich dir da dazustimmen und im Fall von Grenoble ist es auch so, dass

[00:13:24]  offensichtlich der Alois Lugger und der [unverständlich] aus Grenoble, die Hauptproponenten auch

[00:13:32]  waren bei Treffen des Rats der Gemeinden Europas getroffen haben.

[00:13:36]  Also da ist auch im Briefverkehr einmal die Formulierung von "unserer Freund".

[00:13:41]  Also da dürften auch die persönlichen Beziehungen eine Rolle gespielt haben.

[00:13:46]  Aber ja, in der Anbahnung geht es zunächst vor allem auf der politischen Ebene in die

[00:13:52]  Anbahnung.

[00:13:53]  Tobias: Gehen wir einen Schritt weiter.

[00:13:54]  Wir gehen schnurstraxt auf das Jahr 1963 zu.

[00:13:59]  Wir kommen sozusagen in die [lachend] heiße Phase der bevorstehenden Städte-Partnerschaft.

[00:14:04]  Du hast vorher ja erzählt, es ist lange Brach gelegen oder die Kommunikation liegt lange

[00:14:09]  Brach und dann geht es ja dann auf einmal schnell.

[00:14:11]  Also relativ.

[00:14:12]  Gibt es da, hast du da aus den Quellen oder irgendwo herauslesen können, warum auf einmal

[00:14:20]  da Tempo in die ganze Sache kommt?

[00:14:22] Joachim: Ja ein Grund war sicher, dass im Jänner 1963 der Stadtrat in Freiburg offiziell beschließt,

[00:14:33]  die Städtepartnerschaft durchzuführen, etwas, was ja in Innsbruck auch schon

[00:14:39]  länger in Aussicht gestellt hat. Das heißt, damit war einmal in Freiburg ein Beschluss vorhanden.

[00:14:48]  Und zu dieser Zeit ist auch erkennbar, dass man jetzt dann ein Treffen, das auch immer wieder

[00:14:56]  hinausgeschoben wurde, anvisiert für den Februar und passenderweise hat auch Grenoble angefragt,

[00:15:03]  bezüglich ein Treffen und den Februar ins Spiel gebracht. Das heißt, es findet dann Mitte

[00:15:08]  Februar eine Fahrt vom Arthur Heidel und vom Vizebürgermeister Ferdinand Obenfeldner

[00:15:15]  statt, zunächst nach Freiburg und dann weiter nach Grenoble, wo dann die Details besprochen werden.

[00:15:23]  Interessanterweise findet der Beschluss des Gemeinderats in Innsbruck erst einen Monat später

[00:15:30]  statt. Das heißt, der Gemeinderat in Innsbruck hat die Städtepartnerschaft dann beschlossen.

[00:15:35]  Also eigentlich alles schon irgendwie beschlossen war. Tobias: So halb unter Dach und Fach war. Joachim: Genau. Die Frage ist,

[00:15:42]  ob man dann irgendwie noch zurück hätte können und dementsprechend ist auch das Protokoll dazu

[00:15:48]  eher knapp. Tobias: Du hast gesagt, die Reise ist zuerst nach Freiburg und dann nach Grenoble gegangen.

[00:15:55]  Haben die beiden zukünftigen Städtepartner von einer, also haben die von ihrem Glück gewusst,

[00:16:01]  dass Innsbruck mit beiden relativ zeitgleich eine Partnerschaft eingeht? Joachim: Das müsste wohl zur

[00:16:09]  Sprache gekommen sein. Aus dem Schriftverkehr geht es nicht hervor. Also es wird in den Schreiben

[00:16:16]  dann nicht formuliert. Wir kommen zu euch und wir fahren dann weiter nach Grenoble. Also im

[00:16:22]  Schriftverkehr ist es strickt getrennt und kommt eigentlich nicht zur Sprache. Das ist wie gesagt

[00:16:27]  aufgrund der schon existierenden Beziehungen Freiburg und Grenoble ist sehr überraschend.

[00:16:33]  Tobias: Jetzt hat das Treffen stattgefunden in Freiburg und Grenoble. Der Gemeinderat hat sein OK gegeben

[00:16:41]  für die Unterzeichnung der, oder für die Partnerschaften mit beiden Städten. Aber es braucht natürlich

[00:16:48]  dazu auch einen formalen Festakt, weil ohne das ist es ja sehr für nicht gültig und vor allem,

[00:16:54]  es ist ja auch darum gegangen auch die Öffentlichkeit mit einzubeziehen. Also es ist ja nicht unwichtig

[00:16:59]  gewesen auch das öffentlich zu feiern, diese Partnerschaften. Kannst du uns vielleicht noch

[00:17:05]  ein bisschen was und wir bleiben jetzt bei den Feierlichkeiten in Innsbruck zu dem Festakt

[00:17:11]  sagen, was passiert ist, was gemacht worden ist? Joachim: Genau grundsätzlich gibt es also immer zwei Festakte

[00:17:20]  an jedem Ort einen. Es ist dann eben so, man hat sich auf einen gemeinsamen Text für die

[00:17:27]  Partnerschafts-Urkunde geeinigt. Der Ort, an dem die Feier stattfindet, der übernimmt dann die

[00:17:36]  Ausführung. Es gibt dann auch ein Exemplar dieser Urkunde und das wird dem Gast mitgegeben. Das

[00:17:43]  heißt, wir hier in Innsbruck haben die Urkunde, die Freiburg im Mai 1963 angefertigt hat und uns

[00:17:51]  mitgegeben hat und Freiburg hat die Urkunde, die wir im Juli 1963 angefertigt haben und ihnen mitgegeben

[00:17:59]  haben. Genau, bezüglich dem Ablauf ist es dann so, dass jeweils eine Abordnung von in etwa 70

[00:18:08]  Personen oder sagen wir so 70 Funktionären plus möglicherweise Partnerinnen in die jeweils andere

[00:18:16]  Stadt fährt. Das so zu gendern entspricht eigentlich auch den Tatsachen, weil die Funktionäre waren

[00:18:23]  mit ganz, ganz, ganz wenigen Ausnahmen die Männer und haben dann ihre Ehefrauen möglicherweise

[00:18:29]  mitgenommen. Also das ist schon sehr auffallend, wie stark männlich dominiert da die Funktionen in der

[00:18:37]  Zeit sind. Wie du schon gesagt hast, war das Ziel auch immer die Bevölkerung einzubinden. Das heißt,

[00:18:44]  es ist auch explizit darauf verwiesen worden, dass man nicht den gesamten Gemeinderat mitnehmen

[00:18:50]  kann, sondern auch Platz für eben Vereine und Vereinigungen frei halten sollte. Was auch gemacht

[00:18:58]  worden ist, da muss man dazusagen, also von diesen 60 Personen sind in etwa zwei Drittel

[00:19:03]  entweder Gemeinderat, Stadtrat, Stadtverwaltung und die restlichen 18 Personen so in etwa sind dann

[00:19:14]  Pressevertreter, Universität, Geistliche und jetzt so kann man zum Beispiel, das heißt,

[00:19:23]  nicht jetzt Sportvereine oder Musikvereine in dem Sinn, sondern schon sehr institutionalisiert.

[00:19:32]  Wobei man dazu sagen muss, um wieder auf den Ferdinand Obenfeldner zu sprechen zu kommen,

[00:19:38]  der war auch Vorstand beim IRC [Abk. Innsbruck Rotary Club] und als solcher hat er schon innerhalb der Besprechungen für

[00:19:46]  die Städtepartnerschaft ins Gespräch gebracht, ob man mal ein Freundschaftsfußballspiel

[00:19:52]  organisieren kann. Das heißt, es ist nicht ganz nachvollziehbar, welche anderen Funktionen die

[00:19:58]  städtischen Vertreter noch gehabt haben und wo man auf dem Bereich der Musik oder sonst

[00:20:04]  die kulturell auch gleich Verbindungen knüpfen konnte. Da müsste man, glaube ich, sehr in die

[00:20:10]  Tiefe gehen, die einzelnen Personen sich anschauen, die Funktionen versuchen herauszufinden, um

[00:20:15]  das fassen zu können. Tobias: Das heißt, da gäbe es noch Potenzial für weitere Forschungswege?

[00:20:23]  Joachim: Es gibt sehr viel Potenzial. Dieser Beitrag, den ich verfasst habe, handelt jetzt speziell die Anbahnung

[00:20:34]  und den Abschluss der Städtepartnerschaft. Einige andere Beiträge befassen sich mit Spezialthemen,

[00:20:41]  wie den Bürgermeistergeschenken, wie den Benennungen von Orten, einzelne Personen, die Universität,

[00:20:49]  aber gerade jenes, wie die Städtepartnerschaft gelebt worden ist. Auch dazu haben wir einen

[00:20:58]  Beitrag, der sich mit dem Rettungswesen beschäftigt, aber wie es im Sport aussieht, wie es in der

[00:21:05]  Musik aussieht, da wären noch viele, glaube ich, Themen, wo man sich insbesondere die 1960er Jahre gut

[00:21:13]  anschauen könnte, weil da die Quellen relativ gesammelt in diesen Sonderbeständen aufliegen.

[00:21:21]  Tobias: Machen wir noch mal einen Schritt zu der Unterzeichnung der Urkunde zurück. Hat es da ein

[00:21:30]  größeres Rahmenprogramm gegeben, wie lange hat sich das erschreckt? Waren das mehrere Tage?

[00:21:37]  Waren das vielleicht sogar Festwochen? Wie hat man das ausgesehen?

[00:21:41]  Joachim: Im Fall von Innsbruck sind es zwei Tage, der 6. und der 7. Juli. Und sowohl bei den offiziellen

[00:21:51]  Akten als auch bei den Besuchen ist es immer ein reichhaltiges Programm. Es gibt die Arbeitssitzungen

[00:22:00]  und die Festakte, also in Innsbruck auch eine Sondergemeinderats-Festsitzung. Und daneben

[00:22:09]  spielt das Rahmenprogramm natürlich eine wichtige Rolle, weil die Zeitpunkte oder die Aktivitäten

[00:22:16]  sind, wo man die andere Stadt kennenlernt und dann auch persönliche Beziehungen zu knüpfen.

[00:22:24]  Wenn man sich das Programm in Innsbruck ansieht, dann haben wir einerseits schon jetzt klassisches

[00:22:29]  touristisches Programm, wir haben aber auch einen Besuch im Wasserwerk Mühlau, einen Besuch

[00:22:37]  auf der noch in Bau befindlichen Europa Brücke, den Besuch der Olympia Sportstätten, also

[00:22:44]  Themen, die jetzt gerade für städtische Vertreter von Interesse sind, weil es halt Themen sind

[00:22:50]  wie Energie, wie Sport, wie Verkehr, wo man vielleicht auch Impulse mitnehmen kann in

[00:22:56]  die eigene Stadt.

[00:22:57]  Tobias: Nachdem wir ja heuer insbesondere Freiburg feiern, vielen ist ja wahrscheinlich die

[00:23:03]  Verbindung von Innsbruck und Freiburg nicht ganz so bekannt, denn es gibt ja, und das

[00:23:10]  erwähnst du in deinem Beitrag auch, doch viele Parallelen oder eine schon länger vorhandene

[00:23:17]  Verbindung der beiden Städte.

[00:23:18]  Vielleicht, dass wir uns da nochmal kurz einhaken und da nochmal gezielt ein bisschen auf

[00:23:23]  diese historische Verbindung eingehen.

[00:23:25]  Joachim: Genau. Beide Städte sind in etwa gleich alt und sind kurz nacheinander zum Habsburger

[00:23:33]  Reich gekommen.

[00:23:34]  Tirol bekanntlich 1363, das Breisgau 1368 und Freiburg war zunächst der Hauptort

[00:23:44]  bzw. dann auch die offizielle Hauptstadt aus der habsburgischen Besitzungen namens Vorderösterreich, die auch

[00:23:52]  ein Zeit lang von Innsbruck aus administriert worden sind.

[00:23:57]  Es hat dann auch persönliche Verbindungen in dieser Zeit geben, eh, zu dieser Zeit, also es

[00:24:01]  sind 450 Jahre, ab dem 14.

[00:24:04]  Jahrhundert bis 1806, wo also ja bekanntermaßen Tirol zu Bayern gekommen ist und das Breisgau

[00:24:12]  zu Baden.

[00:24:13]  Die Tirol-Bayrische Episode war kürzer, die Breisgauer war dann von mehr Bestand,

[00:24:19]  das heißt damit endet diese Verbindung, die aber im Stadtbild von Freiburg sehr sichtbar

[00:24:28]  ist.

[00:24:29]  Das war ein Thema, das dann in dieser Begründung für die Städtepartnerschaft auch immer

[00:24:35]  wieder angeführt worden ist, also wo man überall das Erbe der habsburgischen Zeit

[00:24:41]  sieht.

[00:24:42]  Also sehr nett ist zum Beispiel in Anbahnung der Städtepartnerschaft, wird aus Freiburg

[00:24:48]  ein Adressbuch an Innsbruck geschickt mit dem Ziel, dass man sich Vereine oder mögliche

[00:24:55]  Partner da schon ansehen kann.

[00:24:57]  Es wird aber dann auch darauf verwiesen, dass es eine ganze Reihe von Straßennamen gibt,

[00:25:04]  die Verbindung Widerspiegeln, wachhalten unter anderem eben eine Maria Theresienstraße,

[00:25:10]  eine Kaiser-Josef-Straße, eine Andreas-Hofer-Straße, eine Maximilian-Straße und das Fazit der Freiburger

[00:25:16]  war dann, Sie sehen lieber Herr Kollege, dass Sie sich bei Ihrem hoffentlich nicht mehr

[00:25:21]  allzu fernen Besuch in Freiburg wie zu Hause fühlen können.

[00:25:25]  Also diese historische Verbindung war ein wichtiges Argument für die Partnerschaft mit Freiburg.

[00:25:32]  Diese Verbindung Innsbruck-Freiburg hat sich auch in historischer Zeit auf universitärer

[00:25:39]  Ebene abgespielt.

[00:25:40]  Vor der Gründung der Universität Innsbruck 1669 war Freiburg also einer der wichtigsten

[00:25:48]  Universitätsorte für Tiroler Studierende.

[00:25:51]  Tobias: In deinem Beitrag sprichst du ja auch noch von einer ganz speziellen oder einer gezielten

[00:25:57]  personellen Verbindung.

[00:25:58] Wer ist denn diese historische Person, die vielleicht auch in Innsbruck nicht mehr so

[00:26:02]  bekannt ist und wie steht da die Verbindung zwischen Innsbruck und Freiburg mit dieser

[00:26:07]  Person?

[00:26:08]  Joachim: Im Grunde sind es mehrere Personen.

[00:26:11]  Es ist ganz klar, wenn es Studierenden-Austausch gibt, wenn es Handels-Austausch gibt, wenn es

[00:26:16]  Administrativen Austausch zwischen Tirol und der Breisgau gibt, dann beinhaltet der immer

[00:26:23]  auch Personen. Genannt werden, meistens drei Personen, nämlich dass im 18.

[00:26:27]  Jahrhundert einmal ein Innsbrucker Bürgermeister in Freiburg war.

[00:26:32]  Umgekehrt, dass während der Zeit Andreas Hofer's Kasimir Schumacher, ein Freiburger Bürgermeister,

[00:26:39]  in Innsbruck war.

[00:26:40]  Dazu findet sich dann auch ein Beitrag in unserem Band speziell.

[00:26:44]  Und die dritte Person, die sehr prominent hervorsticht ist Georg Hauger, der 1809 im Freiburger

[00:26:54]  Jungmännerchor mitgekämpft hat und der maßgeblich daran beteiligt war, dass die Gebeine von Andreas

[00:27:02]  Hofer aus Mantua nach Innsbruck gekommen sind.

[00:27:05]  Und letztendlich sind dann auch die sterblichen Überreste von Hauger 1935 nach Innsbruck überführt

[00:27:14]  worden und er liegt jetzt in der Hofkirche in der Nähe von Andreas Hofer begraben.

[00:27:19]  Tobias: Dann stelle jetzt noch eine letzte Frage, was war denn überhaupt das Ziel dieser Städtepartnerschaft?

[00:27:26]  Was hat man denn damit eigentlich verfolgt?

[00:27:28]  Joachim: Das Ziel war, den grenzüberschreiteten Austausch zu fördern.

[00:27:33]  In manchen Fällen, so wie bei den Feiern, ist es auch mit finanziellen Mitteln einhergegangen.

[00:27:41]  Üblicherweise war es da so, dass der Gast die Reise zahlt und der Gastgeber die Unterkunft

[00:27:51]  und das Programm.

[00:27:52]  Es war aber explizit dann eigentlich vorgesehen in Zukunft, dass also es nicht das Ziel ist,

[00:28:00]  größere Mittel in diese Partnerschaft zu investieren, sondern es geht vor allem darum,

[00:28:05]  Kontakte herzustellen, dass also verschiedene Vereine sich selbst etwas organisieren und

[00:28:11]  man wird natürlich dann einen Empfang organisieren oder ein Programm organisieren, aber im

[00:28:16]  großen und Ganzen geht es darum, dass sich also die Bürgermöglichkeiten finden, grenzüberschreitend

[00:28:22]  zu vernetzen, sich gegenseitig zu besuchen.

[00:28:26]  Und es gibt auch Beispiele, wo das also sehr gut, sehr langwierig funktioniert hat.

[00:28:31]  Nicht unbedingt, weil jetzt die Partnerschaft unbedingt gelebt werden musste, sondern weil

[00:28:38]  es auf der Hand lag, dass man zum Beispiel zum Skifahren in die Region liegt und das

[00:28:43]  passt dann gut in die Partnerschaft hinein.

[00:28:45]  Tobias: Dann sage ich danke, Joachim, für deine Zeit, für das Verfassen des Beitrages, stellvertretend

[00:28:51]  für die ganzen Leserinnen und Leser.

[00:28:53]  [Outro-Musik] Und wer übrigens Interesse an unseren Band hat, der ist dann natürlich bei uns über

[00:28:59]  den Webshop des Stadtarchivs zu finden.

[00:29:01]  [Musik]

S'Vorwort

Stadtbibliothek meets Pop.Kultur.Literatur – im Podcast der Stadtbibliothek reden die Bibliothekarinnen Pia und Christina und die Young-Hosts Michelle und Jacqueline miteinander und mit ihren Gästen über literarische Popkultur, wobei natürlich Bücher und Lesen im Mittelpunkt stehen. Zwischendurch gibt es nach dem Motto „Kurz und Schmerzlos“ Interviews mit Autor:innen, die in der Stadtbibliothek zu Gast sind.

Teilen Sie uns gerne Ihre Meinung oder Themenwünsche zum Podcast  „S’Vorwort" mit unter: post.stadtbibliothek@innsbruck.gv.at.

Die Folgen beinhalten eine Übersetzung in Textform (Transkript). Diese Übersetzung erfolgt durch Übertragung von Dialekt auf Hochdeutsch.

Trailer S'Vorwort 2026

Trailer S'Vorwort 2026

Stadtbibliothek Innsbruck

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Transkript

[Trailer ist mit Musik unterlegt]

Christina: Hallo, mein Name ist Christina –

Pia: - und ich bin die Pia –

Christna:  - und wir batteln uns regelmäßig darum, wer die interessantere literarische Entstehungsgeschichte zu bieten hat.

Pia: Ihr könnt abstimmen. Also, für mich.

Christina: Nein, mich!

Pia: - und damit bestimmen, wer am Ende des Jahres die Krone mit nach Hause nimmt, und dabei noch coole Preise gewinnen.

Shelly: Und wir sind Shelly -

Jaci: - und Jaci –

Shelly und Jaci: von der „Teatime“!

Shelly: Bei uns dreht sich alles rund um die Buchkultur im Internet.

Jaci: Think: Booktok-Trends, beste Tropes, TBRS, DNFS …

Christina: LOLs.

Jaci: Oh, Christina. [Lachen]

Shelly: Genau. Und weil das für den weltbesten Buchpodcast längst noch nicht reicht, gibt's noch:

Boris: Interessante Interviews mit Gästen aus der Stadtbibliothek. Das ist „Kurz und Schmerzlos“, und ich bin Boris Schön.

Pia: S’Vorwort. Jetzt abonnieren und keine Folge aus eurer Lieblingsrubrik mehr verpassen.

Christina: S'Vorwort wird produziert von der Stadtbibliothek Innsbruck und ist Teil der Stadtstimmen, dem Audiokanal der Stadt Innsbruck.

Trailer 2026

Willkommen beim S'Vorwort, dem Podcast der Stadtbibliothek Innsbruck. Hier dreht sich alles um Literatur, Bücher und die Freude am Lesen. Ob spannende Hintergrundgeschichten zur Literatur, Aktuelles aus der Buchkultur im Internet oder interessante Interviews mit literarischen Gästen der Stadtbibliothek: S'Vorwort ist dein Buchpodcast.

Produziert wird S'Vorwort von den Bibliothekar:innen der Stadtbibliothek Innsbruck und ist Teil der Stadtstimmen, dem Audiokanal der Stadt Innsbruck und damit garantiert werbefrei!

Hier geht's zur Stadtbibliothek Innsbruck: Stadtbibliothek.  

Literarische Entstehungsgeschichten: Robert Musil vs. Joseph Roth

Literarische Entstehungsgeschichten: Robert Musil vs. Joseph Roth

Stadtbibliothek Innsbruck

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Transkript

Modulierte Stimme: Vorsicht! Der Genuss dieses Podcasts kann zu vermehrten Bibliotheksbesuchen führen.

[Intro-Musik]

Christina: #00:00:21‑1# Hallo und herzlich willkommen zurück beim Vorwort, dem Podcast der Stadtbibliothek Innsbruck. Mein Name ist Christina -

 

Pia: #00:00:27‑6# - und ich bin die Pia -

 

Christina: #00:00:28‑4# Und wir begrüßen euch heute zur dritten Folge des Jahres der literarischen Entstehungsgeschichten. In diesem Format treten Pia und ich gegeneinander an, indem wir euch jeweils eine interessante Entstehungsgeschichte eines Autors oder einer Autorin und deren Werk mitbringen. Ihr dürft abstimmen, welche Geschichte euch besser gefallen hat. Das geht immer direkt vor Ort in der Stadtbibliothek Innsbruck. Wenn ihr für uns abstimmt, habt ihr zudem die Chance, eine Limited Edition S'Vorwort-Tasse zu gewinnen [Pia: Uhhh.] - mit Henkel [lacht]. Die ersten glücklichen Gewinner*innen haben ihre Tasse schon erhalten. Liebe Grüße an euch. Danke fürs Abstimmen und viel Freude mit der Tasse. Die Möglichkeit zur Teilnahme am Gewinnspiel ist an die Abstimmung geknüpft und findet immer bis zu einer Woche nach Erstausstrahlung der Folge vor Ort in der Stadtbibliothek statt. Am Ende des Jahres zählen wir dann aus und erfahren, wer von uns, also zwischen Pia und mir, dieses Jahr den Titel für „die beste Entstehungsgeschichte Erzählerin des Jahres 2026“ erhält. Dafür habe ich eine Excel-Liste erstellt und werde da immer schön dokumentieren. [Pia, skeptisch: Mhm, mhm. lacht] Wer da gewinnt, damit wir den Überblick behalten. Ich habe übrigens inzwischen nach etwas längerer Verzögerung den Tee von dir erhalten.

 

Pia: #00:01:58‑7# Also ein längerer Prozess. Nach Monaten [lacht], nach Monaten hat sie endlich ihren Gewinn vom letzten Jahr abstauben können.

 

Christina: #00:02:06‑4# Danke. Danke. Es ist ein sehr köstlicher Kamillentee. Von einem bekannten Laden in Innsbruck [beide lachen]. Habe ich extra bestellt. Ich habe ein bisschen Angst, dass ich verliere das Jahr und dass dann die Sonderwünsche kommen. Dienstreise nach Wien?

 

Pia: #00:02:25‑1# Genau.

 

Christina: #00:02:26‑5# Heute treten wir mit zwei bekannten österreichischen Autoren gegeneinander an: dem Robert Musil und seinem berühmten Gesellschaftsroman „Der Mann ohne Eigenschaften“ gegen Joseph Roths Zeitroman „Die Flucht ohne Ende“. Pia, du fängst an.

 

Pia: #00:02:45‑4# Genau. Stellt euch vor, ihr wartet seit 15 Jahren auf das nächste Buch einer Reihe. Ihr diskutiert Theorien, schreibt verzweifelt Fanfiction. Und der Autor? Der arbeitet, aber scheint einfach nicht fertig zu werden. Klingt bekannt? Genau. George R.R. Martin. und der immer noch nicht veröffentlichte Band von „Game of Thrones: Winds of Winter“. Wenn ihr jetzt denkt, schlimmer kann es gar nicht werden [beide lachen], dann kennt ihr noch nicht den österreichischen Schriftsteller Robert Musil. [Christina: Uhhh.] Über 20 Jahre hat er an „Der Mann ohne Eigenschaften“ gearbeitet, Kapitel verworfen, neu geschrieben, erarbeitet, überarbeitet. Und am Ende ist es immer noch unvollendet geblieben.

 

Christina: #00:03:31‑0# Das ist gar nicht fertig?

 

Pia: #00:03:32‑3# Nein! [beide lachen] Aber anders als bei George R.R. Martin hat Musil keine Drachen oder Eiszombies beschrieben. Er hat über sich selbst geschrieben, über seine Gedanken, Zweifel, Beobachtungen und Möglichkeiten. Ein intellektuelles Abenteuer, ganz ohne Feuer und Blut, aber mit unendlich viel Reflexion. Musils Werk gilt als Vorreiter der sogenannten Autofiktion, also Geschichten, die vom eigenen Leben erzählen, aber mit den Mitteln des Romans. Persönlich, subjektiv, manchmal schonungslos, manchmal poetisch verfremdet. Die Autor*in ist hier nicht nur Erzähler*in, sondern auch Protagonist*in in der eigenen Geschichte. Erinnerungen, Fantasien und Reflexionen verschmelzen zu einer neuen Realität. Berühmte Beispiele zeigen, wie kraftvoll diese Form sein kann. Karl Ove Knausgard macht in seiner sechsbändigen Serie „Min Kamp“ das eigene Alltagsleben und Familienleben zum literarischen Stoff. Schonungslos und intensiv. Und viele kennen vielleicht auch Annie Ernaux. Die verwandelt in „Die Jahre“ ihr Leben in eine kollektive Erinnerungsgeschichte. Und schon früh, im frühen 20. Jahrhundert, experimentierte eben Robert Musil damit, sein Denken und seine Erfahrungen literarisch zu formen. Lange bevor das Wort „Autofiktion“ übrigens erfunden wurde – weil das war erst 1977. „Der Mann ohne Eigenschaften“ wird also oft autofiktional interpretiert, auch wenn er nicht als klassischer klassischer Autofiktionroman, wie sie heute populär sind, konzipiert wurde. Er enthält jedoch starke autobiographische Züge und verbindet essayistische Reflexionen mit einer fiktiven Handlung. Eingeordnet wird er typischerweise als Gesellschaftsroman, jedoch kann er unserer Meinung nach auch als Vorreiter der Autofiktion gelten. Musil selbst wuchs in einer technisch-akademischen Familie auf, studierte Maschinenbau, Philosophie und Psychologie. Sein erster Roman „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“ zeigte schon seine Leidenschaft für psychologische und gesellschaftliche Abgründe. Aber das große Werk ließ ein bisschen auf sich warten. Musil diente während des Ersten Weltkriegs unter anderem an der Dolomitenfront und an der Isonzofront. Die Erfahrungen des Krieges flossen auch sehr stark in seine Reflexionen über Gesellschaft und Moral ein. Verständlicherweise. Ab den 1920er-Jahren arbeitete er dann eben an, der Mann ohne Eigenschaften, einem über 20 Jahre wachsenden literarischen Werk. Die Welt, die Musil darin beschreibt, ist im Zerfall. Das alte Österreich-Ungarn, das er selbst erlebt hatte. Ulrich, sein Protagonist, ist kein klassischer Held. Er beobachtet, analysiert und zweifelt. Über 20 Jahre arbeitete Musil an diesem Roman, der 1930 und 32 in Teilen erschien, aber eben unvollendet blieb. Das Werk entstand aus einem intensiven Ringen um Identität, moderne und geistige Orientierung in der untergehenden Habsburgermonarchie. Stark autobiographisch geprägt, verschmelzen im Roman Musils eigene Denkbewegungen, Krisen und Erfahrungen mit der Figur des Ulrich. Das Buch ist weniger klassische Erzählung als eine literarische, als ein literarisches Labor des Denkens, ein Grenzfall zwischen Roman, Essay und Selbstbefragung. Der Roman war ein Projekt ohne Ende. Titelwechsel wie „Der Spion“, „Der Erlöser“ oder „Die Zwillingsschwester“ zeigen, wie Musil immer noch nach der richtigen Form gesucht hat. Auch der Name vom Romanhelden hat sich immer wieder geändert. Ursprünglich hat er Achilles geheißen, dann wieder Anders und schlussendlich dann Ulrich. Musil schrieb, verwarf, ordnete neu, baute aus. Und das, obwohl er immer wieder an längeren Schreibblockaden litt, die er, für die er sogar therapeutische Hilfe benötigt hat.

 

Christina: #00:07:31‑4# Klingt so ein bisschen danach.

 

Pia: #00:07:32‑3# So, klingt ein bisschen so, oder? [beide lachen]

 

Christina: #00:07:35‑1# 20 Jahre …

 

Pia: #00:07:36‑2# Ja. Wenige Monate nach dem Anschluss Österreichs verließen Musil und seine Frau Martha Wien und gingen dann in die Schweiz. Dort verbrachte er seine letzten Lebensjahre und vor allem damit, seine Manuskripte für die noch unveröffentlichten Teile von „Der Mann ohne Eigenschaften“ zu überarbeiten, aber anscheinend erfolglos [lacht]. Dass sein Werk unvollendet bleibt, wirkt fast typisch für Musil. Ein Buch über Möglichkeiten, über Identität und über das Denken selbst konnte für ihn wohl nie richtig abgeschlossen werden. Heute gilt es als eines der größten Werke der Moderne. Also für alle, die sich über George R.R. Martin aufregen: Manche Geschichten brauchen vielleicht einfach ihre Zeit und manche Autor*innen brauchen Jahrzehnte, um überhaupt in die Nähe ihres eigenen Anspruchs zu kommen. Und vielleicht ist das Ende auch gar nicht das Wichtigste an der Geschichte, sondern die Reise dorthin.

 

Christina: #00:08:30‑1# Applaus. Vor allen Dingen für die brillante Überleitung, die aber alle George R.R. Martin Fans getriggert hat, [Pia, lachend: Wahrscheinlich.] dich damit wahrscheinlich die Stimmen kosten wird. [beide lachen] Was meinst du damit? „Es geht um die Reise. Der Weg ist das Ziel.“ Ja.

 

Pia: #00:08:49‑0# „The friends we made along the way.“ [lacht]

 

Christina: #00:08:52‑2# Ja, spannend. Zur Autofiktion, und warum wird da überhaupt darauf gekommen sind… Ich glaube, da können wir am Ende unserer beiden Entstehungsgeschichten zu sprechen. Oder weil wir Autoren der Joseph Roth ist j a, einen sehr ähnlichen, die waren ja Zeitgenossen.

 

Pia: #00:09:11‑9# Genau. Und dann ist irgendwie klar, dass vielleicht auch Überschneidungen von der Form her und.

 

Christina: #00:09:17‑9# Eben eben.

 

Pia: #00:09:18‑6# Von den Themen vielleicht auch eben da sind.

 

Christina: #00:09:21‑3# Weil während der Robert Musil jahrzehntelang an diesem einzigen Roman arbeitete und sich immer tiefer in seine Manuskriptstapel verstrickte, gab es zur gleichen Zeit einen österreichischen Autor, der genau das Gegenteil war. Joseph Roth schrieb schnell, präzise und oft direkt aus dem Leben heraus. Und einer seiner eindringlichsten Romane trägt einen Titel, der für viele Menschen nach dem Ersten Weltkrieg fast programmatisch klang: „Die Flucht ohne Ende“. Roth und Musil gehörten zur gleichen literarischen Generation. Es verwundert also nicht, dass sich, wie wir schon gesagt haben, auch Roth mit ähnlichen Themen auseinandergesetzt hat. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs kehrten Millionen von Soldaten in ein Europa zurück, das sich radikal verändert hatte. Grenzen waren verschwunden, Monarchien zerbrochen und ganze Staaten neu entstanden. Viele dieser Männer standen plötzlich vor der erschreckenden Frage: Wohin gehört man eigentlich noch, wenn die Welt, in der man aufgewachsen ist, nicht mehr existiert? Während Robert Musil… Nochmal sagen muss ich es jetzt vielleicht nicht [lacht].

 

Pia: #00:10:36‑0# [lacht] Während er immer noch nicht fertig geworden ist …

 

Christina: #00:10:40‑6# Im Gegensatz zu Robert Musil war Joseph Roth ein ganz anderer Typ Autor, der schnell schrieb. Freunde und Kollegen erzählten, dass Roth oft mit einer Schreibmaschine oder einem Notizblock in Hotelbars saß, umgeben vom Lärm der Gäste, dem Klirren von Gläsern und dem ständigen Kommen und Gehen. Seine Wohnung, sagte Roth einmal, sei eigentlich die europäische Hotellobby. Joseph Roth arbeitete als Journalist und Reporter und schrieb deshalb oft unter Zeitdruck, auch gerne mal zwischen Hotelzimmern in Redaktionsräumen oder auf Zugfahrten quer durch ganz Europa. Geboren wurde er 1894 in Brody, einer kleinen Stadt in Galizien, damals Teil der Habsburgermonarchie, heute in der Ukraine. Die Welt, die Roth, in der Roth aufwuchs, war ein Vielvölkerreich mit vielen Sprachen, Religionen und Kulturen. Eine Welt, die mit dem Ende des Ersten Weltkriegs plötzlich verschwand. Roth studierte in Wien, meldete sich im Krieg zum Militärdienst und schrieb danach unter anderem für die Frankfurter Zeitung, eine der wichtigsten Zeitungen der Weimarer Republik. Als Reporter reiste er, wie gesagt, viel. Er schrieb über politische Umbrüche, Armut, Migration und das Leben nach dem Krieg. Und genau diese Erfahrungen flossen direkt in seine literarischen Texte ein. 1927 erschien schließlich der Roman „Die Flucht ohne Ende“. Der Titel beschreibt die Situation vieler Menschen nach dem Ersten Weltkrieg. Im Mittelpunkt des Romans steht Franz Tunda, Oberleutnant der österreichischen Armee. Nach Jahren flieht er aus russischer Kriegsgefangenschaft und begibt sich auf einen langen Heimweg, wird in den russischen Bürgerkrieg hineingezogen und weiß daheim in Wien als Verlierer des Ersten Weltkriegs nichts mit sich anzufangen. Egal, wohin er kommt, fühlt er sich fremd. Die Welt, die er kannte, existiert nicht mehr. Grenzen haben sich verschoben, politische Systeme sind zusammengebrochen, und die Menschen versuchen, sich in einer neuen Realität zurechtzufinden. Die Nachkriegsgesellschaft ist eine andere als die davor. Tunda trifft alte Freunde, verliert sie wieder aus den Augen, verliebt sich, arbeitet kurzzeitig als Journalist, aber nichts gibt ihm wirklich Halt. Am Ende steht er allein in Paris und erkennt, dass er keinen Platz mehr in dieser neuen Welt hat. „Die Flucht ohne Ende“ gilt als typischer Zeitroman der Zwischenkriegszeit. Im Vorwort des Romans schreibt Roth: „Ich habe nichts erfunden, nichts komponiert. Es handelt sich nicht mehr darum, zu ‚dichten‘. Das Wichtigste ist das Beobachtete.“ Untertitel des Romans war: „Ein Bericht“. Joseph Roth behauptete später einmal, ihm seien ähnliche Dinge widerfahren wie seiner Figur Franz Tunda. Ganz stimmt das allerdings nicht. Zwar hat Roth selbst im Ersten Weltkrieg gedient und lebte danach rastlos in verschiedenen europäischen Städten, doch die russische Kriegsgefangenschaft, die Tundas Leben prägt, hat Roth höchstwahrscheinlich nie erlebt. Die Figur steht deshalb weniger für Roth selbst als für eine ganze Generation von Männern, die nach dem Krieg keinen Platz mehr in der Welt fanden. Roths gelegentliche Behauptungen, ihm sei Ähnliches passiert, wird in der Literaturwissenschaft heute eher als literarische Selbstinszenierung gesehen. Joseph Roth schrieb in den folgenden Jahren noch viele weitere bekannte Bücher, darunter Radetzkymarsch und die Kapuzinergruft, in denen er immer wieder auf den Untergang der Habsburgermonarchie zurückkam. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 ging Roth, der seit den 1920ern vor allem in Berlin ansässig war, ins Exil nach Paris. Dort lebte und schrieb er weiter, zunehmend geprägt von politischer Sorge, finanziellen Problemen und Alkoholabhängigkeit. Joseph Roth starb 1939 in Paris. In der Literaturgeschichte werden Musil und Roth oft nebeneinandergestellt, weil beide die untergehende Welt Österreich- Ungarns beschrieben haben, wenn auch auf völlig unterschiedliche Weise. So überschneiden sie sich in ihren Themen wie den Zerfall der alten Ordnung nach dem Ersten Weltkrieg, der Suche nach Orientierung in einer modernen Welt sowie der Untersuchung der Bruchstücke der Habsburgermonarchie. Während Musil langsam, analytisch und philosophisch schrieb, sind Roths Texte meist kürzer und erzählerisch stark von seinen Erfahrungen als Reporter geprägt. Und zum Schluss meiner Geschichte kommen wir, kommen wir jetzt auf dieses Autofiktionsthema zurück, weil Pia und ich ursprünglich in die Richtung recherchiert haben, um zu schauen, welche … eine oberflächlicher Recherche hat ergeben, dass Joseph Roth durchaus auch ähnlich wie Musil so Anfänge von einer gewissen, von stark geprägten autobiografischen Texten geschrieben hat. Und während es vielleicht bis zu einem gewissen Grad stimmen mag, sind wir dann bei der Recherche für den Joseph Roth draufgekommen, dass das sehr viel Selbstinszenierung dabei war beim Roth und man das deswegen sicher nicht als Vorreiter einer Autofiktionalität … annehmen kann, sondern da hat er glaube ich eher sein Image, das er ja sowieso Reporter ist und so genommen, weil es meine Interpretation der Dinge, was -

 

Pia: #00:16:52‑8# Aber es ist ja verständlich oder dass gerade in der Zeit nach dem Krieg und dann auch wieder Anfang Zweiter Weltkrieg, dass gerade so autobiografische Themen und Beschäftigung mit sich selbst und seinen Gefühlen irgendwie verständlich ist, gerade in der Zeit …

 

Christina: #00:17:14‑0# Autobiographie ist ja nicht Autofiktion.

 

Pia: #00:17:16‑1# Na, na sicher. Aber jetzt, aber beide sind ja autobiografisch geprägt, meine ich jetzt. Und das ist verständlich, dass es in dieser Zeit ein Fokus war.

 

Christina: #00:17:24‑2# Aber es ist super interessant und auch noch einmal darauf zu kommen, wo da die die Grenzen liegen. Bei Autofiktion ist ja im Moment wirklich extrem beliebtes Genre.

 

Pia: #00:17:32‑4# Ja, na sicher.

 

Christina: #00:17:33‑5# Haben wir auch gemerkt oder eben in der Bibliothek ist ganz wahrscheinlich so seit der 2010er-Jahren. Und du hast ja schon der Knausgard und die Ernaux sind große -

 

Pia: #00:17:47‑5# Die total beliebt auch immer noch bei uns.

 

Christina: #00:17:49‑0# Kommt da aus der Literatur der französischen Literatur. Auch 1977, der hatte das geprägt hat, war Franzose, der den Begriff geprägt hat. Ja, spannendes Thema. Wir bedanken uns bei euch fürs Zuhören und freuen uns auf zahlreiche Stimmen vor Ort. Wir bedanken uns auch für eure Anfragen und die lieben Kommentare. Euer Feedback sendet ihr einfach wie gewohnt an post.stadtbibliothek@innsbruck.gv.at . Schaut doch außerdem mal auf Instagram unter „stadtbibliothek.innsbruck“ vorbei. Neben tollen Gewinnspielen halten wir euch dort auch über alles auf dem Laufenden, was in der Stadtbibliothek noch so passiert. Und das ist auch dieses Jahr wieder eine ganze Menge. Danke fürs Zuhören und schönes Lesen.

 

Pia: #00:18:32‑8# Tschüss.

[Outro-Musik]

Pia: #00:18:58‑7# S‘Vorwort ist eine Produktion der Stadtbibliothek Innsbruck und Teil der Stadtstimmen, dem Audiokanal der Stadt Innsbruck. #00:19:05‑7#

Weitere Infos

Auch 2026 begeistern Sie die Hosts Pia und Christina wieder mit spannenden Entstehungsgeschichten zu bekannten und unbekannten Literaturen – es erwarten Sie autobiografische Einblicke in das Leben berühmter Autor:innen, Neu- und Wiederentdeckungen literarischer Werke und die Hintergründe dazu, wie große Literatur entstanden ist. Alle Leserinnen und Leser, die unmittelbar in der Umgebung von Innsbruck wohnen, können abstimmen, welche Entstehungsgeschichte ihnen besser gefallen hat und jede Folge eine Limited Edition S’Vorwort-Tasse gewinnen. Ja, sie ist blau. Ja, sie hat einen Henkel. Und ja, sie eignet sich hervorragend für jedes Getränk Ihrer Wahl – aber wir empfehlen natürlich Tee.

In dieser Folge geht es um Robert Musil und Joseph Roth, zwei bedeutende Stimmen der österreichischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Zwischen intellektueller Präzision, gesellschaftlicher Analyse und melancholischem Blick auf den Zerfall Europas eröffnen ihre Werke bis heute faszinierende Perspektiven auf ihre Zeit.

Viele der besprochenen Bücher gibt’s auch in der Stadtbibliothek.

Feministische Neuerzählungen unter der Lupe

Feministische Neuerzählungen unter der Lupe

Stadtbibliothek Innsbruck

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Transkript

[00:00:21] modulierte Stimme: Vorsicht, der Genuss dieses Podcasts kann zu vermehrten Bibliotheksbesuchen führen.

[00:00:21] [Intro-Musik] Shelly: Record oder?

[00:00:23] Jaci: Es recorded! Shelly: Es recorded!

[00:00:24] Shelly: Es recorded! Jaci: Es recorded!

[00:00:26] Jaci: Tell me you speak German, without telling me you speak German.

[00:00:29] Shelly: Recording... Ich habe es jetzt nicht mehr geschafft mir einen Tee zu machen Also gibts bei mir heute...

[00:00:37] Jaci: I am

[00:00:37] shocked.

[00:00:38] Shelly: Im sorry Es gibt bei mir kalten Aufguss, Geschmacksrichtung neutral

[00:00:44] Jaci: Geschmackssrichtung kalk

[00:00:46] Shelly: Kalk, ich hoffe nicht. [lacht]

[00:00:48] Jaci: Bei mir gibt es einen Earl Gray den meine Mama nicht mag und ich trinken muss deswegen... [lacht]

[00:00:53] Shelly: Classy! [Soundbite:Tee einschenken, umrühren, genüsslich trinken]

[00:01:02] Shelly: Hallo und herzlich willkommen zum Vorwort dem Podcast der Stadtbibliothek Innsbruck und zu einer neuen Folge der Tea Time mit Shelly & Jaci.

[00:01:11] Shelly: Ich bin Shelly

[00:01:12] Jaci: und ich bin die Jaci

[00:01:13] Shelly: Und bei uns dreht sich alles rund um popkulturelle Themen und um Literatur, Trends auf Booktok, Bookstagram.

[00:01:21] You know the drill.

[00:01:23] Und heute wieder zu einem Monolog von der Jaci. [beide lachen]

[00:01:26] Jaci hat nämlich zum heutigen Thema ihre Masterarbeit verfasst, kurzer Applaus bitte!

[00:01:33] Genau und im heutigen Podcast ist sie daher die Expertin und ich geb dann meinen Senf dazu.

[00:01:40] Wie muss ich dich heute ansprechen?

[00:01:41] Master Jaci hört sich falsch an. Jaci: Mistress?

[00:01:43] Shelly: Mistress was ist heute unser Thema?

[00:01:46] Jaci: Danke für die nette Einführung Michelle.

[00:01:50] Tschuldigung, Shelly.

[00:01:51] Shelly: Jetzt fühl ich

[00:01:52] mich ganz ertappt!

[00:01:54] Wo ist meine Anonymität? [beide lachen]

[00:01:56] Jaci: Gut dann stellen wir uns die Frage worum geht es in der heutigen Podcastfolge?

[00:02:01] und zwar werden wir heute über Feminist Retelling also über feministische Neuerzählungen in der Literatur sprechen und nachdem ich meine Masterarbeit zu dem Thema geschrieben hab tu ich so als wär ich eine Expertin und hätt' irgendeine Ahnung davon und mache jetzt eine theoretische Einleitung

[00:02:20] Shelly: Gar nicht trocken oder so. [lacht]

[00:02:22] Jaci: Das macht sonst immer die Michelle, wenn sie Definitionen vorliest.

[00:02:26] Shelly: Hallo meine Prä- Präfinitionen genau!

[00:02:28] Meine Definition sind premium, unterhaltsam und wertvoll.

[00:02:34] Jaci: Also was ist eine feministische Neuerzählung?

[00:02:38] Wir konzentrieren uns heute auf, vor allem Neuerzählungen von Mythen oder Sagen aus anderen Kulturkreisen, und dabei werden eben alte Mythen und Stoffe aus anderen Kulturkreisen, aus anderen Zeiten neu erzählt.

[00:02:53] Das bedeutet sie werden aus der Sicht einer anderen Person meistens neu erzählt und bei uns geht es jetzt um die Sicht der Frauen.

[00:03:02] das heißt Es werden Die Mythen und Stoffe aus der sicht der Frauen neu erzählt.

[00:03:07] oder die Frau ist auf jeden Fall Fokuspunkt der Geschichte wenn sie es nicht selber erzählt.

[00:03:14] Genau, das ist kein neues Genre.

[00:03:16] Das gibt es schon sehr sehr lange.

[00:03:18] also Stoffe werden

[00:03:19] seits Stoffe gibt werden Stoffe auch neu erzählt, neu interpretiert.

[00:03:22] Also Interpretation ist ja quasi dann auch eine Neuerzählung und es geht aber eben meistens dann um Positionen die in der ich nenn's mal Hauptgeschichte mit ganz vielen Anführungszeichen unterdrückt werden oder... die keine Stimme haben, die eben außer Acht gelassen werden.

[00:03:40] Das sind dann eben meistens Frauen oder andere Gruppen, die unterdrückt werden.

[00:03:46] Es können ethnische Gruppen sein.

[00:03:49] Oder auch Kinderstimmen zum Beispiel sind ganz oft auch unterdrückt.

[00:03:53] Oder geschichtlich gesehen eben zum Beispiel Gruppierungen wie zum Beispiel eben Sklaven wo es ja auch ganz viele Neuerzählungen gibt und Stimmen, die dann lauter werden sobald's dann möglich ist in der Literaturgeschichte.

[00:04:07] Genau, ein sehr beliebter Mythos den ich da immer gerne als Beispiel her nehme ist der Medea-Mythos.

[00:04:12] Der eben das erste Mal von Euripides vor Millionen von Jahren niedergeschrieben wurde und seitdem so oft neu erzählt worden ist dass man das glaube ich in keinem World Dokument zusammenfassen kann wie viele verschiedene Interpretationen und Neuauflagen es vom Medea-Mythos eben gibt.

[00:04:31] Genau, da kann man sich jetzt natürlich die Frage stellen für was braucht es die Neuerzählungen?

[00:04:34] Also wieso

[00:04:35] müssen dieselben Geschichten immer wieder erzählt werden und dabei geht's aber eben darum dass unterdrückte Stimmen Gehör bekommen.

[00:04:43] Und, dass die eben die bis jetzt nicht beachtet worden sind einen Platz in der Gesellschaft in der Literatur in der Geschichte bekommen und damit eben neue Perspektiven auch aufgezeigt werden von den Geschichten.

[00:04:58] Wir fokussieren uns eben heute auf Frauen, auf weibliche Figuren die eben Stoffe neu erzählen.

[00:05:05] Und jetzt geht es darum zu zeigen dass die Geschichte der Frau es ebenso wert ist erzählt zu werden wie die des Mannes.

[00:05:12] Da kommt jetzt ein Zitat aus meiner Arbeit.

[00:05:16] Quelle Ich

[00:05:18] Shelly: Okay das lese ich jetzt ich vor damit's nicht ganz so desperate ist.

[00:05:23] Also Zitat Jaci "Die Neuerzählung alter Mythen auf eine feministische Art und Weise bedeutet, dass herkömmliche patriarchale Mythentraditionen entlarvt, umfunktioniert und dadurch neue Weiblichkeitsbilder entworfen

[00:05:36] werden."

[00:05:37] Zitat Ende.

[00:05:39] Jaci: Danke, Shelly!

[00:05:39] Ich hätte es nicht besser sagen können?

[00:05:41] Shelly: Ja.

[00:05:42] Hättest du nicht...[lacht]

[00:05:43] Jaci: Genau das bedeutet eben dass diese patriarchalen Strukturen aufgelöst werden und eben die passiven weiblichen Figuren, die bis jetzt passive Objekte im Hintergrund der männlichen Geschichten waren zu handelnden Subjekte ihrer eigenen Geschichte werden.

[00:06:02] Das ist ein ganz ganz ganz spannender Prozess, der auf verschiedene Weisen funktionieren kann – das ist der letzte Theoriepunkt, den ich einfach sehr spannend find!

[00:06:12] Und das kann man dann auch oft als Mythenkorrektur bezeichnen.

[00:06:16] Es wird nicht nur neu erzählt, es wird sozusagen der Mythos korrigiert und das kann eben so passieren dass man entweder in den Mythos selber eingreift und wirklich die Geschichte einfach umschreibt oder aber es werden einzelne Teile vom Mythos entnommen und zum Beispiel auch in moderne Geschichten eingebettet also in einer modernen Kontext auch gegeben.

[00:06:37] Das gibt's ganz oft mit "Romeo und Julia". Shelly: Oder bei "Lore Olympus"

[00:06:41] Genau, genau wird immer wieder neu erzählt und kann aber eben in verschiedenen Kontexten dann auch passieren.

[00:06:50] Shelly: Aber da gibt es dann ja auch oft die Stimmen, die sagen jetzt ist das Ding so alt?

[00:06:54] Warum muss man das jetzt ummünzen und so tryhardern damit man das auf Feminismus hinkriegt?

[00:07:00] Aber da denke ich mir wir reden doch von einem Mythos.

[00:07:03] Das ist kein Tatsachenbericht.

[00:07:05] also warum nicht

[00:07:07] Jaci: keine Ahnung

[00:07:08] solche Diskussionen finde ganz schwierig weil es ist dann auch es werden ja auch alte Stoffe immer wieder neu verfilmt.

[00:07:14] Jetzt gibt es die siebzigste Serie bald zu "Pride and Prejudice", wo mir denkst du wenn du das nicht schauen willst dann schaust nicht aber lasst die Leute die das machen wollen und dies anschauen wollen das machen.

[00:07:26] Und ganz oft hinter so einer Neuerzählung ist ja ganz viel von dem Autor oder Autorin, meistens Autorin, irgendwie auch eine persönliche Geschichte dahinter dass die Person ... den Mythos gelesen hat und dann ist aufgefallen.

[00:07:40] Hey, was ist eigentlich mit dieser weiblichen Figur?

[00:07:43] Wieso hat die keine Stimme?

[00:07:43] Und dann beginnt die Recherche... ...und dann beginnt die Aufarbeitung von dem.

[00:07:48] Und ich meine Stoffe werden immer neu gemacht.

[00:07:52] Das ist ja auch wenn man ins Theater schaut.

[00:07:54] Da werden die alten Livrettos und Operetten und alles wird alles neu gemacht.

[00:07:59] Da ist es halt einfach ein Neon-Kostüm dann oder sowas, aber da kann man die Kostüme halt erneuern.

[00:08:06] Und der Stoff selber wird halt meistens nicht erneut oder so was... Aber da gibt es ja auch einfach verschiedene Arten Sachen zu erneuern und ich finds meistens nicht so schlecht!

[00:08:17] Ich meine die Kritik an einer Neuerzählung ist so alt wie die Neuerzählung selber.

[00:08:20] also alles was ja gemacht wird wird von jedem kritisiert, aber das hat halt schon immer auch Stimmen gegeben, die für die Neuerzählung waren, also es sind nicht nur die Shelly und ich die das gut finden und da gibt es zum Beispiel, den habe ich im Laufe der Recherche zu meiner Arbeit gefunden von "Theodor Fontane".

[00:08:41] Fonton? Shelly: Fonton

[00:08:42] Jaci: Fondant?

[00:08:43] Shelly: Fondue! [beide lachen]

[00:08:48] Jaci: Theodor Fontane Ein Zitat aus seinem Roman "Unwiederbringlich" und da sagt er

[00:08:55] zum Beispiel

[00:08:57] "Ich sehe nicht ein warum wir uns immer um die Männer oder gar um ihre Schlachten kümmern sollen.

[00:09:02] Die Geschichten der Frauen sind meist viel interessanter."

[00:09:07] Shelly: Preach!

[00:09:09] Jaci: Go Theodore! Shelly: Go Theo! [beide lachen]

[00:09:14] Shelly: Ich habe auch, ein bisschen recherchiert zu verschiedenen Stimmen die sich mit der Thematik auseinandersetzen und bin auf "Gerda Lerner" gestoßen.

[00:09:25] Die ist Historikerin geboren in Wien unter den Namen Kronstein, stammt ursprünglich aus einer jüdischen Familie musste dann aufgrund des Zweiten Weltkrieges flüchten in die Staaten und ist dort zu einer Pionierin der Womenshistory geworden, also der Frauengeschichte.

[00:09:46] Und sie sagt, ich lese jetzt auf Englisch vor, weil...

[00:09:50] Ja!

[00:09:50] Jaci: Weil wir sowieso nur Englisch reden.

[00:09:56] Shelly: "When I started working on Womens History about 30 years ago, the field did not exist. People didn't think that women had a history worth knowing."

[00:10:08] Jaci: Das macht mich so froh, das zu hören.

[00:10:11] Aber auch so wütend, das zu hören!

[00:10:13] Ja

[00:10:14] Anyway zurück zu unseren Neuerzählungen zu

[00:10:18] Mythen

[00:10:18] ist ein bisschen unterhaltsamer als die Feminismus-Debatte.

[00:10:21] Wieso es das alles braucht?

[00:10:23] Und zwar meine Frage an Michelle Wie kommst du zu dem Thema?

[00:10:27] Shelly: Schon wieder Michelle.

[00:10:29] Jaci: Das ist ganz streng.

[00:10:31] Meine Frage an die Shelly.

[00:10:36] Wie kommst du zu dem Thema?

[00:10:37] Also welchen Zugang hast du selber zu feministischer Neuerzählung?

[00:10:41] und eben Mythen-Neuerzählungen, und wie stehst du dazu?

[00:10:44] Shelly: Ja also ich hab keine Masterarbeit dazu verfasst.

[00:10:49] Unterbewusst denke ich habe ich immer schon lieber Geschichten von Frauen über Frauen gelesen.

[00:10:55] vor allem wenn ich jetzt in mein Bücherregal zu Hause schau sind die meisten Namen weiblich.

[00:11:04] Im Studium habe ich dann eine Vorlesung besucht zu englischer klassischer Literatur.

[00:11:12] Aber with a twist, weil der Professor hat diesen berühmten Klassikern die postkolonialen Rewritings gegenübergestellt.

[00:11:21] also da haben wir zum Beispiel gelesen "Shakespeare - The Tempest" und gleich nach der Lektüre des Klassikers hab ich dann das Postcolonial Rewriting gelesen, "A Tempest" von" Aimé Césaire" oder von "Daniel Defoe"

[00:11:36] "Robinson Crusoe" kennen wir alle.

[00:11:39] Das postkoloniale Gegenstück dazu von "J. M. Coetzee - Foe" wo ich mit der Thematik des feministischen Retellings auseinandergesetzt habe war dann mit der Lektüre von "Charlotte Brontë - Jane Eyre" und durch dieses Postcolonial Rewrite von "Jean Rhys - White Sargasso Sea", das 1982 erschienen ist.

[00:12:03] Das hat mich begeistert und war mein Breaking Point um mich dann für diese feministischen Retellings zu interessieren.

[00:12:13] Man sagt dass dieses White Sargasso Sea die feministische und postkoloniale Antwort auf Jane Eyre is Und wir kennen ja die Frau von Mr.

[00:12:25] Rochester, unter den Namen Bertha oder eher nur als The Mad Woman in the Attic und sie wird in Jane Eyre nur als Gefahr für sich und andere dargestellt.

[00:12:39] Sie wird total auf das reduziert.

[00:12:42] und wenn man Jane Eyres liest und man kennt den Plot, man hinterfragt gar nicht bei der Lektüre, okay was ist eigentlich mit dieser Bertha passiert?

[00:12:53] Warum is die so crazy in the Attic?

[00:12:54] Und in White Sargasso Sea wird eben ihre Geschichte erzählt.

[00:13:00] Sie heißt zum Beispiel überhaupt nicht Bertha eigentlich.

[00:13:04] das ist nur der Name den ihr Mr.

[00:13:06] Rochester dann gegeben hat.

[00:13:07] sie heißt eigentlich Antoinette Cosway und lebt in Jamaica und sie wird dann an Mr.

[00:13:15] Rochester verkauft und muss ihn heiraten, er der reiche Englishman kommt nach Jamaica um sich eine Frau zu suchen, klassisch oder?

[00:13:25] Und noch während der Flitterwochen und in der ersten Zeit ihrer Ehe kommt es schon zum Misstrauen zwischen den Eheleuten und Antoinette denkt ihr Mann liebt sie nicht Oder er hasst sie sogar und Mr.Rochester glaubt im Gegenzug Er wird finanziell nur von ihr und ihrer Familie ausgenutzt.

[00:13:42] Dann wird ein Plot gegen die Antoinette gesponnen und Mr.

[00:13:46] Rochester wird dann davon überzeugt, dass seine Frau verrückt ist und sie ihm nur Probleme machen wird.

[00:13:52] Daraufhin distanzieren sich dann die beiden voneinander.

[00:13:55] Er lebt seine Affären vor ihr aus, vor ihrer Nase Und er gibt dir dann einen neuen Namen, er nennt sie nicht mehr bei ihrem eigentlichen Namen Antoinette den sie seit ihre Geburt hat Sondern der nennt Sie Bertha Und das ist ja der absolute Identitätsverlust, der da passiert oder?

[00:14:12] Wenn dir dein Name genommen wird, du einen anderen bekommst.

[00:14:16] Er nimmt sie dann mit nach England und dort verliert sie sich dann komplett.

[00:14:19] Sie hat ja keine Bezugspersonen eigentlich und ist in einem fremden Land.

[00:14:25] Hat ihren Namen nicht einmal mehr!

[00:14:27] Und genau... Dort verliert es sich halt komplett und hat ein Zimmer in einem Kagenraum auf dem Dachboden.

[00:14:35] Und daher kommt dann dieses Mad Woman in the Attic.

[00:14:39] Also, als ich das dann gelesen habe, hab' ich so realisiert, they did her dirty.

[00:14:47] Also in Jane Eyre wird sie ja so... so einfältig eigentlich nur dargestellt und man geht überhaupt nicht auf das ein

[00:14:55] wie es dazu gekommen ist, dass sie so ist wie sie ist Und ich hätt´s nie erfahren hätte dieses Retelling nicht gelesen.

[00:15:05] und auch wenn wir da vor einer fiktiven Figur sprechen und das nur eine Geschichte ist, es passiert ja tagtäglich.

[00:15:14] Und es wird ja eigentlich nur symbolisch aufgezeigt was mit vielen Frauen passiert.

[00:15:21] Jaci: Auf jeden Fall und ich finde es zeigt auch wie groß die Bandbreite eben an Neuerzählungen sind.

[00:15:27] Es fängt eben bei Klassiker an, geht über Mythen, geht eben auch über tatsächliche Geschehnisse in der Geschichte also Sachen die wirklich passiert sind ... wo dann jetzt im Nachhinein Sachen aufgedeckt werden, wie wichtig zum Beispiel Frauenrollen im zweiten Weltkrieg waren oder so was.

[00:15:45] Genau also das ist einfach ganz toll, was da alles passiert und es klingt auch nach einem sehr guten Buch.

[00:15:49] vielleicht muss ich das auch noch mal lesen?

[00:15:51] Shelly: Ich kann's dir vorbeibringen!

[00:15:52] Jaci: Danke!

[00:15:53] Und kurze Info noch meistens wenn man heutzutage an die feministischen Neuerzählungen denkt fallen einen gleich Titel wie "Circe" von "Madeline Miller", "Stone Blind" von "Natalie Haynes" eben der Medea-Mythos, wurde neu erzählt von "Rosie Hewlett".

[00:16:11] "House of Odysseus" gibt es auch von "Claire North" und so weiter,

[00:16:13] das sind einfach ganz bekannte Titel die heutzutage am Markt sind.

[00:16:18] Meine Masterarbeit habe ich zum Beispiel geschrieben über "Silence Of The Girls" von "Pat Barker" und das sind alles Titel, die im griechischen Mythenkreis verankert sind also die Figuren aus der griechischen Mythologie eben befassen, über die werden wir heute nicht sprechen.

[00:16:36] Weil wir über die schon mal in der Folge zu Greek Mythology Retailings gesprochen haben.

[00:16:42] also wenn euch das interessiert dann gerne ein paar Folgen zurück scrollen und euch die zu griechen Mythologien auch mal anhören!

[00:16:51] Und wir fokussieren uns heute oder wollen mehr darüber sprechen über andere Kulturen Sagenkreise die eben auch oft dann außer Acht gelassen werden, weil eben die Griechische Mythologie so populär ist.

[00:17:04] Und da gibt's zum Beispiel ganz spannende Titel wie zum Beispiel

[00:17:07] "Morgan Is My Name" von "Sophie Keetch" und das eine König-Arthur Retelling also Königs-Athurs Saga wird neu erzählt.

[00:17:17] Dann gibt es auch "Lilith" ein Novel von "Nikki Marmery".

[00:17:22] Da wird zum Beispiel die Geschichte von Adam und Eva neu erzählt und Adams erster Frau ... was ja auch total spannend ist.

[00:17:32] Und dann gibt's eben aus israelischen Sagenkreisen noch etwas, das heißt "Jezebel" von "Megan Barnard", dann gibt es "Babylonia" von "Costanza Casati".

[00:17:40] Also ich könnte ewig viele solche Titel jetzt aufzählen!

[00:17:44] Es gibt ganz ganz ganz viele tolle weit gefächerte Neuerzählungen und... ...was ich zum Beispiel auch gerade gelesen habe was mich total fasziniert hat, war von "Vashnavi Patel".

[00:17:57] Also von einer indischen Autorin.

[00:17:59] die hat eben den Roman "Kaikeyi"

[00:18:03] verfasst.

[00:18:04] Darin geht es um eine indische Legende oder eben Saga von einer jungen Frau.

[00:18:12] und in der Original Saga ist es zum Beispiel so, dass diese junge Frau den König des Landes heiratet Und dann als eifersüchtige Stiefmutter, also sie ist die dritte Frau des Königs und wird dann als eifersüchtige Stiefmutter von dem Thronwerdenden dargestellt.

[00:18:30] Und regelt das quasi so, dass ihr eigener Sohn auf den Thron soll.

[00:18:33] und da wird ganz viel mit Intrigen und sowas gespielt in dieser Sage.

[00:18:37] und in diesem Roman wird beleuchtet wie ihr Leben als junge Frau an dem Hof ist... Als dritte Frau des Königs, also man hat zwei Konkurrentinnen.

[00:18:48] Sie ist die jüngste wie ist das Leben da für sie.

[00:18:52] alle drei Frauen bekommen gleichzeitig Kinder dann?

[00:18:55] Also sie werden...also weil zuerst wird keine Schwanger und dann machen sie...und dann werden alle gleichzeitig schwanger.

[00:19:00] Also es ist ein Plottwist den ich jetzt verraten habe, es tut mir leid!

[00:19:06] Und dann geht's eigentlich darum dass alle drei Frauen die Kinder zusammen großziehen und alle eigentlich zu allen Kindern die gleiche Bindung als Mutter irgendwie haben.

[00:19:13] Und es ist dann total spannend, eben zu sehen wo dann dieses unter Anführungszeichen Zerwürfnis zwischen Kaikeyi und dem ältesten Sohn stattfindet oder eben nicht stattfindet.

[00:19:25] und wie das anders laufen hätte können?

[00:19:28] Es ist halt total spannend weil der Roman so viel nahbarer... und nachvollziehbarer und logischer ist als irgendwie diese Saga.

[00:19:36] Wo man sich denkt wieso hätte eine Frau so gehandelt oder sowas.

[00:19:39] Wo einfach wirklich wieder dieses Thema der Femme Fatale so dargestellt worden ist, dass eben die Frau als böses irgendwie als Hexe oder sowas wie ihm auch aus beim Medea-Mythos ist.

[00:19:50] Und in dem Roman ist sie halt wirklich... ...a total tolle Figur, total eine starke Frau, die halt auch im Königreich total viel verändern möchte sich für Frauen am Hof einsetzt und ja hat mir total toll gefallen.

[00:20:03] also große Buchempfehlung steht dann unten in der Folgenbeschreibung und gibt es bei uns in einer Bib.

[00:20:11] Die meisten Titel, die wir genannt haben, haben wir entweder bei uns in der Bib verfügbar als Buch oder auch auf Libby.

[00:20:18] Auf unserer Ebook-Plattform.

[00:20:23] und ich möchte noch ein Zitat eben von der Autorin selbst vorlesen weil ich finde das erklärt eben ganz gut was ich vorher gemeint hab mit persönlichen Geschichten von den AutorInnen Und das ist eben von Vashnavi Patel und die schreibt selbst auf GoodReads hat sie das bei Kommentaren geschrieben."I wrote this book for the Hindus who question their place in this religion because of patriarchy or fundamentalism and for myself because I love my religion and want to see it become better."

[00:20:55] Also bei ihr ist es sogar noch mal ein religiöser Hintergrund, weil diese Sage aus dem Hinduismus kommt und Religion ja auch bekanntlich ein sehr strenges System ist, meist patriarchal auch geprägt.

[00:21:09] Und sie hat sich gedacht nein so nicht und hat sich das umgeschrieben für sich und die Frauen in ihrer Religion und das hab ich ganz toll gefunden.

[00:21:16] Shelly: Voll cool, hört sich so spannend an!

[00:21:18] Das muss ich unbedingt lesen.

[00:21:19] Jaci: Bin ganz begeistert ja.

[00:21:21] Shelly: Ihr

[00:21:21] findet natürlich alle Buchempfehlungen in den Show Notes.

[00:21:25] Dann noch zwei ganz große Buchempfehlungen von mir, weil ich habe mich jetzt auch intensiver mit dem Thema auseinandergesetzt im Vorbereitung auf die Podcastfolge und zwar zum einen habe ich gelesen "Cleopatra - Roman einer Königin" von "Saara El-Arifi" habe dazu by the way eine Rezension verfasst in unserem Literatur-Tipps Newsletter der alle zwei Monate rausgeht wo wir BibliothekarInnern Buchempfehlungen schreiben, Bücher lesen und das dann rezensieren.

[00:21:59] Und in den Newsletter packen.

[00:22:02] Da könnt ihr sicher sein diese Bücher wurden von Menschen gelesen und von Menschen rezensiert!

[00:22:08] Und Cleopatra

[00:22:11] Diese Figur Cleopatra fasziniert ja seit Jahrhunderten.

[00:22:14] aber so wirklich wissen wir recht wenig von ihr.

[00:22:18] Wir wissen nicht genau wie hat ihr Leben ausgeschaut.

[00:22:23] Man weiß bis heute nicht, wo sich ihr Grab befindet.

[00:22:26] Also diese Person ist sehr sehr Mythenumwoben und Saara El-Arifi die Autorin des Romans hat Cleopatra selbst eine Stimme gegeben und lässt sie ihre Geschichte selbst erzählen.

[00:22:40] Und das auf so eine so authentische und glaubwürdige Weise... Ich war so baff, es ist fast wie ein historischer Roman.

[00:22:50] Es ist ein historisches Roman mit so leichten fiktiven Elementen und sie beschreibt ihr Leben von dem Moment an, wo ihr Vater stirbt und sie den Thron besteigt.

[00:23:05] Dann ihre Männer die sie in ihrem Leben hatte und die Liebe zu ihren Kindern.

[00:23:10] also diese Frau wie Saara El-Arifi Sie beschreibt.

[00:23:13] Die hat zwar unerbittlich geherrscht aber genauso bedingungslos auch geliebt ihrer Familie und vor allem ihr Land.

[00:23:23] Und ein Zitat aus dem Buch, was ich total... es bräuchte eigentlich nur dieses Zitat in einer Rezension weil man dann das bringt so auf den Punkt.

[00:23:32] Sie schreibt oder Cleopatra sagt "Ich bin immer schon gewesen was die Menschen finden wollten. Archetypen wie die Steinblöcke der großen Pyramiden, die mich immer weiter von meinem Mensch sein entfernten bis ich nur noch ein Mythos war."

[00:23:47] Jaci: Gänsehaut.

[00:23:50] Shelly: Es ist wirklich ein tolles Buch

[00:23:52] Jaci: Und ich finde es eben grad so spannend und auch so wichtig zu sagen, ja wir reden da jetzt über Mythen.

[00:23:58] Großteils aber ich mein

[00:23:59] Cleopatra ist jetzt kein Mythos oder sie ist zu einem Mythos geworden, aber er ist eine historisch reale Figur und man darf auch nie vergessen wie viel Recherchearbeit immer hinter solchen Romanen steht und wie genau die Autorinen das nehmen.

[00:24:13] also das finde ich mal ganz beeindruckend wenn man dann Quellenverzeichnisse anschaut oder Interviews mit den Autorinnen, dann liest oder anschaut.

[00:24:21] Wie intensiv sie sich auf diese Bücher vorbereiten um es eben nicht... Es ist kein Fantasy Roman!

[00:24:28] Es ist wirklich alles ganz klar recherchiert.

[00:24:30] wie hat dieser Figur gelebt?

[00:24:32] Wie hat diese Person gearbeitet?

[00:24:34] Was hat sie gemacht?

[00:24:35] Was hat sie vielleicht gedacht?

[00:24:38] Shelly: Und das halt aus dem wenigen Material was oft vorhanden ist.

[00:24:41] Jaci: Genau.

[00:24:41] Shelly: Es gibt ganz viele Berichte die ganz spät erst ... über diese Person erzählen und dann sind sie oft sehr männlich geprägt.

[00:24:49] Jaci: Genau, auf jeden Fall gerade bei Cleopatra die so auch sexualisiert ist in ihrem Sein... Und eben dass es... Es sind keine Fantasy Romane, es ist wirklich so geschrieben wie diese Personen gelebt haben... ...und auch wie's in ihrem Rahmen möglich war zu handeln.

[00:25:08] Das ist ja auch immer dieses... Es wird nicht nur dann... ... positiv feministisch neu erzählt, ah das und das hat die Person gemacht oder sowas.

[00:25:15] Sondern es ist wirklich auch die Personen haben meistens dann auch Hürden zu überwinden... ...und ganz klar noch die Systeme, die sie einengen,... ...und es wird aber eben beschrieben wie sie versuchen es zu... ...überkommen und wie Sie eben auch damit leben und leiden müssen?

[00:25:33] Shelly: Zum Thema Leiden!

[00:25:34] Ich hätte noch eine Buchempfehlung und zwar "Mother of Rome" von "Lauren J.A. Bear". Da geht es um die Mutter von Romulus und Remus.

[00:25:44] Wir kennen Romulus and Remus, wir kennen die Sage rund um die Gründung Roms und wir wissen sehr wenig über die Mutter der beiden.

[00:25:56] Und genau um die geht's in diesem Roman auch wunderschön erzählt.

[00:26:03] Wir wissen ja, dass Romulus & Remus von einem Wolf gesäugt wurden bis sie dann gefunden wurden und sich Zieheltern ihnen angenommen haben.

[00:26:13] Und im Roman ist es so, dass ihre leibliche Mutter diese Wölfin ist!

[00:26:20] Wie das Ganze passiert?

[00:26:22] Und wie's dazu kommt könnt ihr selber nachlesen.

[00:26:24] ich werde jetzt nicht spoilern aber... es ist wahnsinnig gut geschrieben.

[00:26:29] also so tolles Buch.

[00:26:30] auch ganz große Empfehlung findet ihr auf Libby.

[00:26:34] Jaci: Super, jetzt muss ich heimgehen lesen.

[00:26:35] Jetzt habe ich so Lust all diese Bücher zu lesen!

[00:26:39] Gut wir könnten ewig weiter reden.

[00:26:42] man merkt das Thema gefällt uns es liegt uns am Herzen und wir finden die meisten Bücher die dazu  erscheinen einfach wunderbar.

[00:26:51] Falls uns Retellings entgangen sind und ihr uns die mitteilen möchtet schreibt uns gerne auf Instagram.

[00:27:01] unser Instagram Handel heißt

[00:27:03] Stadtbibliothek.Innsbruck

[00:27:05] oder schreibt uns eine E-Mail post.stadtbibiothek@innsbruck.gv.at.

[00:27:12] Genau, Shelly noch ein Wort zum Schluss?

[00:27:15] Shelly: Also ich bin jetzt nochmal durchgegangen über unsere Buchempfehlungen und die meisten oder ich denk alle wurden ja von Frauen geschrieben.

[00:27:26] Mein Resümee das ich daraus ziehe ist Ihr könnts uns Frauen schon aus der Geschichte streichen.

[00:27:31] nur früher oder später schreiben wir uns halt wieder zurück.

[00:27:35] Jaci: Sehr toll!

[00:27:36] Und mit diesem freudigen feministischen Schlusswort bedanken wir uns fürs Zuhören und wir hören uns beim nächsten

[00:27:43] Mal. Beide: Tschüss! [Outro-Musik] Christina: "S'Vorwort wird produziert von der Stadtbibliothek Innsbruck

und ist Teil der Stadtstimmen, dem Audiokanal der Stadt Innsbruck."

Weitere Infos

In der heutigen Folge nehmen sich die Hosts Shelly und Jaci die feministischen Neuerzählungen vor. Neben zahlreichen Literaturempfehlungen schauen sich die beiden an, was es mit Dingen wie Mythos-Korrektur auf sich hat (Stichwort: HERstory), warum das Thema in der Literatur gerade wieder extrem im Trend liegt und wie moderne wie auch klassische Literaturen damit umgehen. Dabei erhalten Sie wieder viele spannende Einblicke und natürlich eine ganze Menge Lesetipps!

Viele der besprochenen Bücher gibt’s auch in der Stadtbibliothek.

Literarische Entstehungsgeschichten: Sylvia Plath vs. Emily Dickinson

Literarische Entstehungsgeschichten: Sylvia Plath vs. Emily Dickinson

Stadtbibliothek Innsbruck

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Transkript

[modulierte Stimme]: Vorsicht! Der Genuss dieses Podcasts kann zu vermehrten Bibliotheksbesuchen führen.

[Intro-Musik]

Christina: #00:00:22‑5# (...) Hallo und herzlich willkommen zurück beim Vorward, dem Podcast der Stadtbibliothek Innsbruck. Mein Name ist Christina – [Pia: und ich bin die Pia] - und wir begrüßen euch heute zur zweiten Folge des Jahres der literarischen Entstehungsgeschichten. In diesem Format treten Pia und ich gegeneinander an, indem wir euch jeweils eine interessante Entstehungsgeschichte eines Autors oder einer Autorin und deren Werk mitbringen. Ihr dürft abstimmen, welche Geschichte euch besser gefallen hat. Das geht immer direkt vor Ort in der Stadtbibliothek. Wenn ihr für uns abstimmt, habt ihr zudem die Chance, eine Limited Edition S'Vorwort Tasse zu gewinnen. Die Möglichkeit zur Teilnahme am Gewinnspiel ist an die Abstimmung geknüpft und findet immer bis circa eine Woche nach der Erstausstrahlung der Folge vor Ort statt. Am Ende des Jahres zählen wir dann aus und erfahren, wer von uns dieses Jahr den Titel für die beste Geschichtenerzählerin des Jahres 2026 erhält. Ja, den Titel habe ich mir gerade ausgedacht. Pia, ich habe die Krone fest im Blick. [Pia: Schauen wir noch. Abwarten und Tee trinken.] Es werden sich böse Blicke zugeworfen über die Mikrofone. Tee trinken. Ich trinke einen Espresso. [beide lachen] Und wir sprechen heute ja über Sylvia Plath und Emily Dickinson. Und inspiriert zu der Folgen-Idee sind wir, weil am 21. März der Tag der Poesie ist [Pia: Der Welttag der Poesie.] Der Welttag der Poesie. Also, schön. Und da haben wir auch Pia. Was haben wir da beschlossen? Für. Für die Bibliothek.

 

Pia: #00:02:08‑8# Wir machen eine Ausstellung auch mit unseren Lyrikbüchern. Da gibt es auch eine Ausstellung dazu. Daneben wird dann die Abstimmungsbox stehen, wo ihr für mich stimmt. [lacht] Genau.

 

Christina: #00:02:21‑6# Ach, immer diese Werbung. Schleichwerbung. Wer es nötig hat.

 

Pia: #00:02:25‑2# So, jetzt fängt's an Christina - Jetzt wird es ernst. [beide lachen]

 

Christina: #00:02:28‑4# Ich glaube, dass wir uns nichts Gutes tun. Ende des Jahres.

 

Pia: #00:02:32‑4# Du fängst mit der Sylvia Plath an.

 

Christina: #00:02:34‑2# Genau. Ja. Da freue ich mich sehr, euch das näher zu bringen. Und zwar … „Die Glasglocke“ ist für viele der Einstieg in Sylvia Plaths Werk. Da bin ich mir ziemlich sicher. Aber Ihre Gedichte kommen dann oft erst später. Oder viele lesen sie vielleicht gar nicht. Dabei hat sich die Sylvia Plath selbst in erster Linie als Lyrikerin verstanden. Sie wurde 1932 in Boston geboren. Ihr Vater starb, als sie acht Jahre alt war. Ein Verlust, der sie tief prägte und in ihrem Schreiben immer wieder auftaucht. Sie war eine ausgezeichnete Schülerin, ehrgeizig, diszipliniert und auch früh erfolgreich. Schon als Teenagerin veröffentlichte sie Texte in Zeitschriften. Sie studierte am Smith College und gewann Preise. Nach außen hin wirkte ihr Lebenslauf makellos. Gleichzeitig litt sie seit jungen Jahren unter schweren Depressionen. Im Jahr 1956 heiratete sie den Dichter Ted Hughes. Die beiden galten zeitweise als literarisches Traumpaar. Sie bekamen zwei Kinder, lebten in England, später dann auf dem Land in Devon. Der Alltag für Sylvia Plath bestand aus Schreiben, Kinderbetreuung und Haushaltsarbeit und aus der ständigen Frage, wie sich das alles miteinander vereinbaren lässt. Deswegen schrieb sie oft frühmorgens, bevor die Kinder aufwachten. Für sie war das jetzt kein … Schreiben, war für sie einfach Teil eines sehr strengen Tagesplans. Aber gleichzeitig war diese Phase von emotionaler Instabilität geprägt. Die Ehe zerbrach, Plath war alleinerziehend, krank, erschöpft und dann doch sehr literarisch produktiv. In den frühen 1960er-Jahren, in einem kurzen, intensiven Zeitraum, entstanden jene Gedichte, für die sie bis heute berühmt ist Texte wie „Lady Lazarus“, „Ariel“ oder „Daddy“. Diese Gedichte sind sprachlich dicht, bildgewaltig, aggressiv und verstörend. Sie handeln von Krankheiten, von weiblicher Selbstbehauptung, von Macht, von Tod und von dem Versuch, Kontrolle über das eigene Leben zurückzugewinnen. 1963 nahm sich Sylvia Plath das Leben. Ihr Suizid wurde früh Teil des öffentlichen Bildes, oft stärker als ihr Werk selbst. Ein Großteil ihrer Gedichte erschien erst nach ihrem Tod, herausgegeben von ihrem Exmann Ted Hughes. - Die Pia hebt die Augenbrauen: Exactly my thoughts. - Welche Texte veröffentlicht wurden und in welcher Form, ist bis heute Gegenstand von Diskussionen. Lange Zeit wurde Sylvia Plath vor allem als tragische Figur gelesen, als leidende Dichterin und das dann auch ein bisschen zu sehr glorifiziert. Erst in den letzten Jahrzehnten verschiebt sich der Blick weg von der Biographie, weg vom Suizid hin zur literarischen Arbeit, und zwar zu der Präzision, mit der sie Sprache einsetzt, zu der bewussten Gestaltung ihrer Gedichte, zu der Tatsache, dass diese Texte nicht nur Ausdruck von Schmerz sind, sondern auch von handwerklicher Meisterschaft. Ihre Gedichte sprechen Leser*innen an, die nach Sprache für innere Zustände suchen, für Wut und für Erschöpfung und für Selbstbehauptung und wirken auch deshalb so gegenwärtig, weil sie keine Distanz herstellen, sondern diese eliminieren. Sylvia Plath wusste um die Macht der Worte. Und davon handelt das Gedicht „Words“, das 1963 am 1. Februar verfasst worden ist und mit dem ich meine Entstehungsgeschichte abschließen möchte: 

 

Axes
After whose stroke the wood rings,
And the echoes!
Echoes traveling
Off from the center like horses.

The sap
Wells like tears, like the
Water striving
To re-establish its mirror
Over the rock

That drops and turns,
A white skull,
Eaten by weedy greens.
Years later I
Encounter them on the road-

Words dry and riderless,
The indefatigable hoof-taps.
While
From the bottom of the pool, fixed stars
Govern a life.

 

[Pia: Schön.] Hier noch eine kurze Interpretation, damit wir das nicht so alleine stehen lassen. Es geht darum, dass Sprache die Erschafferin unabhängig von deren ursprünglichen Absicht überlebt. In den Metaphern wie Axtschlägen, die ins Holz treffen und diese Echos erzeugen, die symbolisieren die einschneidende und möglicherweise verletzende Wirkung von Worten, die dann anhält. Die reiterlosen Pferde „words dry and riderless“ symbolisieren die Unkontrollierbarkeit von Sprache, die einem quasi davongaloppieren kann. Das Gedicht wird oft Teil der späteren ernsteren Werkphase … Also ist zu situieren in der späteren Werkphase, die sich mit Schmerz, Distanz und einer verhärteten Realität auseinandersetzt. Es kann, das ist meine Interpretation, als Mahnung verstanden werden, wie Sprache unser Leben und das Leben unserer Mitmenschen beeinflusst und konstituiert. Zehn Tage nach dem Sylvia Plath das Gedicht geschrieben hat, hat sie sich das Leben genommen. [Pause] Harter Tobak wieder.

 

Pia: #00:08:52‑4# Ja. Ist interessant, Ihre Geschichte so zu hören. Vor allem, weil eben das, wofür man sie eben immer kennt, ist: „Ja, sie hat sich umgebracht. Und es ist so tragisch und dramatisch.“ Und. Ja, und sicher ist es das auch. Aber sie wird, habe ich das Gefühl, oft eben auf das reduziert.

 

Christina: #00:09:07‑9# Das ist auch so typisch. Das ist doch wie mit Hemingway, dieser rauchen wie ein Schlot whiskytrinkende Dichter, der regelmäßig über seinem, äh, äh, über seiner Schreibmaschine ohnmächtig wird. Whatever. Also das ist einfach so, dass diese Glorifizierung von Leid und von Genie und während - Ich glaube, Sylvia Plath hat davon ein bisschen was mitbekommen, weil normalerweise habe ich erst mal Eindruck, Ich habe sie immer so gelesen. Normalerweise passiert das mit dem Male Genius also schon der tortured poet, also der … [Pia: Leidende Poet?] Genau der leidende Dichter. Passt. Wird meistens für Männer geframed. In dem Fall auch für sie. Aber dann gibt es natürlich auch die… , die die Tatsache, dass sie alleinerziehende Frau war, die alles unter einen Hut, berufstätig, berufstätig, unter einen Hut bringen müssen, dass war mir gar nicht so bewusst.

 

Pia: #00:10:13‑3# Nein, mir auch nicht.

 

Christina: #00:10:15‑3# Die war ja sehr, sehr jung. Also ich glaube um die 30 in der Zeit. Was sagst du dazu, dass der Ted Hughes ihre ihre Gedichte rausgebracht hat?

 

Pia: #00:10:24‑5# Ist ja interessant, oder? Dass gerade der Exmann, der ja sicher immer noch was miteinander zu tun hat, wenn man Kinder hat, aber -

 

Christina: #00:10:31‑7# Ja schon, aber es ist der Exmann, das ist ja schon … [lacht]

 

Pia: #00:10:32‑2# Oder? Und dann denke ich mir okay, wer hat davon Profit? Ich weiß nicht, das ist ein bisschen …

 

Christina: #00:10:37‑7# Profit. Und was wurde da vielleicht geändert? Weggelassen?

 

Pia: #00:10:41‑6# Ja, eben. Das ist bei beiden Geschichten bei uns ein bisschen relevant, weil danach immer. Die Person selber kann nichts mehr sagen, wenn sie tot ist und dann werden Sachen rausgebracht und abgeändert ohne ihr Zutun. Und das ist dann immer so die Frage, War das wirklich die Intention der Autorin oder Lyrikerin?

 

Christina: #00:11:00‑7# Überhaupt über Autor*innenintention geht es bei uns ja immer wieder, weil es ja immer wieder auf… Aber ja, das ist auch der Grund, warum ich „Words“ ausgesucht habe. Weil es einfach so mir so passend erschien für die Thematik. Aber wir wechseln jetzt nicht nur die Dichterin, sondern auch die Zeit, nämlich von Mitte des 20. Jahrhunderts gehen wir zurück ins 19. und zu einer Stimme, die fast ihr gesamtes Werk im Verborgenen geschrieben hat. Pia, take it away.

 

Pia: #00:11:34‑2# Ist eine sehr gute Einleitung. Meine Entstehungsgeschichte beginnt mit dem Ende, nämlich dem Tod unserer Autorin. Niemand hätte ahnen können, dass hinter den verschlossenen Türen eines unscheinbaren Hauses in Amherst, Massachusetts, ein literarischer Schatz verborgen lag. Als Emily Dickinson 1886 starb, entdeckte ihre Schwester Lavinia fast 1800 handgeschriebene Gedichte, fein säuberlich in kleinen Heften aufbewahrt. Lavinia hatte ihrer Schwester noch vor ihrem Tod versprochen, ihre Briefe zu verbrennen. Das tat sie auch. Als sie aber das Ausmaß des lyrischen Werks ihrer Schwester erkannte, entschloss sie sich, die Gedichte zu veröffentlichen. Wie ist es aber überhaupt zu diesem enormen Gedichtschatz gekommen? Und warum ist er nicht schon früher ans Tageslicht gekommen? Emily Dickinson wurde 1830 in Amherst geboren und wuchs in einer angesehenen, aber nicht reichen Familie auf. Sie begann früh zu schreiben und genoss eine gute Ausbildung. Ab etwa 1858 begann sie, ihre Gedichte sorgfältig in kleinen Heften zu sammeln. Ihre ersten Werke stammen aus dem Jahr 1850, doch die produktivste Phase ihres Schaffens lag in den 60er-Jahren. In diesen Jahren entstand eine unglaubliche Fülle an Gedichten. Zu Lebzeiten hat sie aber nicht viel veröffentlicht, sondern nur zehn Gedichte. Stattdessen teilte sie ihre Texte in Briefen mit engen Vertrauten. Eine besonders wichtige Person in Dickinsons Leben war Susan Gilbert, die später Emilys Bruder Austin heiratete. Susan war nicht nur enge Freundin und Vertraute, sondern auch Muse vieler Briefe und Gedichte. Die beiden verband eine tiefe Zuneigung, die manche Historiker*innen inzwischen als romantisch interpretieren. Dickinson tauschte unzählige Briefe mit Susan aus, oft voller Wärme, Scherz, aber auch inniger Gefühle. Ich habe euch da einen kleinen Ausschnitt mitgebracht. Da schreibt Dickinson: „Susie, willst du wirklich nächsten Samstag nach Hause kommen und wieder ganz mir gehören und mich küssen wie früher? Ich hoffe so sehr für dich und sehne mich so nach dir, dass ich nicht warten kann, dass ich dich jetzt haben muss. Allein die Vorstellung, dein Gesicht wiederzusehen, lässt mich heiß und fiebrig werden und mein Herz schlägt so schnell. Mein Liebling, so nah fühle ich mich dir, dass ich diesen Stift verachte und auf eine wärmere Sprache warte.“

 

Christina: #00:14:00‑9# Na, die waren nur gute Freundinnen. [lacht]

 

Pia: #00:14:05‑0# Obwohl wir die genaueren Details ihrer Beziehungen nicht kennen, wird aber deutlich, dass Susan Dickinsons Leben und Werk stark beeinflusst hat, sowohl emotional als auch kreativ. Einen großen Teil ihres Lebens verbrachte Emily Dickinson übrigens in völliger Isolation. Sie verließ das Familienhaus nur, wenn es unbedingt nötig war. Und ab 1867 begann sie, mit Besuchern durch eine Tür zu sprechen, anstatt ihnen direkt gegenüberzutreten. Die Menschen in Amherst haben sie für exzentrisch gehalten. Man hat sie nur selten gesehen und wenn doch, hat sie meistens weiße Kleidung getragen. Dickinson hat nie geheiratet und ihre Freundschaften existierten größtenteils auf Papier, in Briefen, die es über Jahre hinweg mit einer ausgewählten Gruppe von Menschen ausgetauscht hat. Forscher sind sich nicht einig, warum Dickinson sich zurückgezogen hat und so stark isoliert hat. Während ihres Lebens stellt ein Arzt bei ihr eine sogenannte nervöse Erschöpfung fest. Doch manche glauben heute, dass sie vielleicht an einer Krankheit gelitten haben könnte. Trotz oder vielleicht gerade wegen ihrer Isolierung schuf Dickinson einzigartige Gedichte mit ungewöhnlicher Interpunktion und Großschreibung und häufigen Gedankenstrichen. Die Themen ihrer Gedichte reichen von Naturreligionen bis zu Tod und Sterblichkeit. Oft mit Humor, Ironie und tiefen persönlichen Reflexionen. Und um ein Gefühl für ihre Dichtkunst zu geben, habe ich eine kleine Gedichtinterpretation mitgebracht. Das Gedicht heißt „I Dwell in Possibility - Ich wohne in der Möglichkeit“. Hier beschreibt Dickinson die Poesie, die sie als „possibility“, also Möglichkeit bezeichnet, als einen offenen, grenzenlosen Raum, der Freiheit und Kreativität erlaubt. Sie stellt die Prosa als eng und begrenzt dagegen und feiert so die Macht dichterischer Sprache.

I dwell in Possibility –

A fairer House than Prose –

More numerous of Windows –

Superior – for Doors –

 

Of Chambers as the Cedars –

Impregnable of eye –

And for an everlasting Roof

The Gambrels of the Sky –

 

Of Visitors – the fairest –

For Occupation – This –

The spreading wide my narrow Hands

To gather Paradise –

 

Ich wohne in der Möglichkeit –
Ein fensterreiches Haus  –
Viel heller als die Wirklichkeit –
Mit Türen – ein und aus –

Mit Kammern wie die Zedern –
dem Auge unsichtbar –
Und als ewigliches Dach 
des Himmels Giebelschar –

Besucher, die allerschönsten –
meine Berufung, dies –
die schmalen Hände weit zu breiten, 
zu ernten, Paradies –

 

Nach Emilys Tod nahm ihre Schwester Lavinia Kontakt zu Susan auf, um Emilys Gedichte zu veröffentlichen. Als Susan das Projekt nicht schnell genug voranbrachte, wandte sich Lavinia dann an Mabel Todd. Das war die langjährige Geliebte ihres Bruders Austen. Und ja, das ist der Austen, der eigentlich mit Emily sehr guter Freundin Susan verheiratet war [Christina zieht scharf die Luft ein]. Mabel Todd arbeitete zusammen mit einem Verleger, dann an einer ersten veröffentlichten Ausgabe. Dabei änderten sie Dickinsons ungewöhnlichen Stil, ihre Zeichensetzung und Grammatik und gaben den Gedichten auch Titel. Die erste Sammlung erschien 1890, war erfolgreich und war gefolgt von weiteren Werken. Im Übrigen wurde dabei Susan, an die die Gedichte auch oft adressiert waren, aus den Veröffentlichungen weitgehend entfernt. Ich will jetzt nicht mit dem Finger auf jemanden zeigen, aber ich habe den starken Verdacht, dass Mabel damit etwas zu tun haben könnte. [lacht]

 

Christina: #00:17:50‑6# … weil Mabel auch mit ihr zusammen war oder was? Mit der Emily?

 

Pia: #00:17:52‑6# Na na, weil die Mabel ein Verhältnis mit einem Mann von der Susan gehabt hat und dann die Susan rausgestrichen hat. Deswegen hat man für lange Zeit -

 

Christina: #00:18:01‑3# Die. Die, die. Die Affäre war eifersüchtig auf die Ehefrau.

 

Pia: #00:18:07‑4# Genau. Und hat wahrscheinlich. Also das ist die Annahme von den meisten., meisten Forschern, dass sie dann absichtlich die Susan rausgestrichen hat.

 

Christina: #00:18:16‑2# Das finde ich so traurig, weil offensichtlich waren ja Emily und Susan und das war ja an sie gerichtet.

 

Pia: #00:18:20‑9# Das hat man erst später dann wiederentdeckt, dass da diese Beziehung entstanden ist. Ja, aber halt, die Forschung hat sich oft damit lang nicht mit Susan und mit Emilys Beziehung auseinandergesetzt, weil man eben auch weil das herausgestrichen worden ist, von …

 

Christina: #00:18:36‑4# Weil man es nicht gewusst hat.

 

Pia: #00:18:37‑7# Ja eben.

 

Christina: #00:18:38‑1# Mann, Mabel!

 

Pia: #00:18:41‑3# [lacht] Sag ja, exakt das ist die Vermutung von den meisten.

 

Christina: #00:18:44‑0# Dass das ist. Also das ist ja alles konstruiert, historisch dann nachgezeichnet.

 

Pia: #00:18:51‑0# Aber dank Lavinia Dickinson Entschluss, Emilys Hefte aufzubewahren und nach ihrem Tod nicht zu verbrennen, konnte ein einzigartiger literarischer Schatz der Nachwelt erhalten bleiben. Wäre alles vernichtet worden, wären über 1800 Gedichte für immer verloren gewesen. Werke, die heute als Meisterwerke der amerikanischen Lyrik gelten.

 

Christina: #00:19:10‑5# [applaudiert leise] Oh toll, tolle Geschichte, tolle Geschichte. Es ist unvorstellbar. Was … Dass man das nicht hätte lesen können, dass man sie nicht hätte kennen können, oder?

 

Pia: #00:19:21‑9# Ja, wäre schade gewesen. Allerdings denke ich mir dann wieder ist es das, was sie wollte? Weil sie hat ja eigentlich gesagt: „Bitte verbrennen alles“ und dann bin ich so hat sie die Gedichte gemeint oder hat sie nie Gedichte, Gedichte gemeint? Und man muss auch sagen die Suan wollte sie ja auch veröffentlichen und wollte eigentlich eine andere Art von Ausgabe herausbringen. Und das wäre vielleicht eher im Sinn von Emily gewesen, aber das ist nie passiert.

 

Christina: #00:19:42‑6# Ich kann mir vorstellen, dass auch die die Familie da viel redigiert hat. So ähnlich wie bei Ted Hughes.

 

Pia: #00:19:48‑6# Ja, eben deswegen hat mir das schon daran erinnert.

 

Christina: #00:19:51‑5# Und es gibt ja viele – auch Kafka berühmterweise wollte nicht, dass man ihn veröffentlicht. Und das ist halt immer die Frage. Wir sind natürlich, unsere Kultur ist reicher darum.

 

Pia: #00:20:02‑0# Natürlich. Es wäre schade, wenn diese Werke nicht geben wird, oder?

 

Christina: #00:20:06‑6# Was mich so fasziniert neben der lesbischen Beziehung, die -

 

Pia: #00:20:11‑7# Potenziell lesbisch. Wir wissen es ja nicht. Aber. [lacht]

 

Christina: #00:20:14‑4# Um noch mal zu zitieren: „Ich hoffe so sehr für dich und sehne mich so nach dir. Ich kann nicht warten. Ich muss dich jetzt haben. [beide lachen] Das Gesicht -  Dein Gesicht wieder zu sehen, lässt mich heiß und fiebrig werden.“ Wie gesagt, best friends. [beide lachen] Das hab ich voll faszinierend gefunden, weil ich Emily Dickinson kennst du natürlich, wenn, so glaube ich vom Namen. Aber ich muss gestehen, ich habe mich nie mit ihr beschäftigt. Das heißt, ich habe keine Gedichte von ihr gelesen. Und ich habe zwar gewusst, sie, dass sie für die Schublade geschrieben hat. Das ist eine ganz berühmte literarische Entstehungsgeschichte, die im Umlauf ist, wenn du Literatur studierst. Aber. Also echt cool. Und mir gefällt so dieses der Gedanke, wie intrinsisch ihr Antrieb war, das zu schaffen.

 

Pia: #00:21:10‑1# Nur für sich selber und für die Leute, die ihr wichtig waren.

 

Christina: #00:21:12‑9# Schön, aber dann frage ich mich, hat sie vielleicht auch in the closet geschrieben, weißt, so …

 

Pia: #00:21:17‑9# Ja.

 

Christina: #00:21:17‑9# In die Schublade rein, für die Susan? Es ist schon tragisch.

 

Pia: #00:21:23‑1# Ja, aber schön, dass man es jetzt lesen können.

 

Christina: #00:21:24‑9# Voll schön. Ich finde es richtig schön. Ja, cool. Und die Emily Dickinson liegt dir ja sehr nah am Herzen. Die Gedichte.

 

Pia: #00:21:34‑5# Ja, ich mag sie sehr gern. Eine meiner Lieblings-Lyrikerinnen. Ja, Ich finde, sie ist eben so modern für die damalige Zeit eben mit dieser Interpunktion. Und, ich mein, die Themen sind, sind allgegenwärtig, eben Tod, Trauer und und und. Das sind Sachen, mit denen wir uns immer noch beschäftigen. Aber ich finde eben, es ist heute auch immer noch gut zu lesen, weil oft gerade alte Lyrik hat eine ganz spezielle Form und ist sehr strikt. Und es ist lustig, dass ihre Gedichte ein bisschen an das angepasst wurden am Anfang.

 

Christina: #00:22:06‑5# Von den, ah, die die das editiert haben.

 

Pia: #00:22:07‑8# Genau. Also von der Mabel und auch diesem Verleger. Die haben das ein bisschen an die Konventionen der damaligen Zeit angepasst, weil es ihnen eben nicht so gepasst hat, als zu modern war.

 

Christina: #00:22:19‑3# Spannend. Die Frage ist auch, hat Emily Dickinson selber viele Gedichte gelesen? Also war sie jemand, der viel rezipiert hat und?

 

Pia: #00:22:29‑3# Da fragst mich jetzt zu viel. [lacht]

 

Christina: #00:22:30‑2# Aber das ist fair, weil das sind einfach Fragen, die man dann anfängt sich zu stellen. Weil, wenn man da mal ins Reden kommt.

 

Pia: #00:22:39‑7# Es ist aber immer bei diesen literarischen Entstehungsgeschichten. Man findet dann immer mehr und mehr raus über diese. Man könnte dann viel mehr reinpacken.

 

Christina: #00:22:46‑8# Und geht dann immer tiefer und tiefer. Eigentlich könnte man das stundenlang machen. Aber dann müsste man natürlich ein Seminar besuchen oder abhalten [Pia lacht] und da tief in die Recherche gehen.

 

Pia: #00:22:54‑0# Könnten wir auch machen. [beide lachen] Neue Podcast-Idee.

 

Christina: #00:22:56‑9# „Willkommen im zehnteiligen …“

 

Pia: #00:22:58‑5# Genau. [lacht]

 

Christina: #00:22:59‑6# Ja, wir können immer nur die Oberfläche ankratzen. Aber es sind einfach spannende, spannende Geschichten aus der Literatur und immer wieder faszinierend, neue davon zu hören. Und ich finde dein Gedicht auch voll schön gewählt, weil wie du ja gesagt hast, dass es eben die es beschreibt, dass es die Möglichkeit von Poesie beschreibt.

 

Pia: #00:23:26‑3# Ja.

 

Christina: #00:23:26‑9# Das ist sehr schön.

 

Pia: #00:23:27‑8# Das hat gut gepasst. In dem Fall. Aber deins war auch sehr interessant und vor allem auch sehr komplementär. Die passen ja zusammen, diese Gedichte, oder würde ich sagen, vom Thema her.

 

Christina: #00:23:37‑6# Natürlich haben wir uns gedacht, dass wir über Worte was machen wollte, weil das ist ja im Grunde unser Lebenswerk. Ja, eben für uns. Wir kuratieren Worte. Bibliothekarinnen machen nichts anderes, als den ganzen Tag das Versuchen nach außen zu tragen, oder?

 

Pia: #00:23:51‑8# Genau. Und das ist ja mit beiden dieser Gedichte.

 

Christina: #00:23:55‑4# Genau.

 

Pia: #00:23:56‑2# Gemeint.

 

Christina: #00:23:56‑7# Aber ich finde, dass dieses Gedicht von der Dickinson am positiveren Vibe hat, wenn ich es richtig verstehe und interpretiere. Die Sylvia Plath hat, war, hat sich da mehr auf auf den negativen Aspekt oder wie also konzentriert? Man kann es anders lesen, aber mit dem mit dem biografischen Kontext, den man von ihr hat, weiß man, dass es aller Wahrscheinlichkeit nach …

 

Pia: #00:24:27‑5# In eine kritische Richtung geht.

 

Christina: #00:24:28‑6# Und man sieht es ja an, oben ganz kurz in die in die Gedichtsanalyse einzusteigen. Bleibt’s ja dran, Leute. [beide lachen] Weil wir verabschieden uns ja noch bei euch. Es war immer der Horror für alle, aber ich habe es geliebt im Deutschunterricht.

 

Pia: #00:24:42‑8# Ja, ich auch. [beide lachen]

 

Christina: #00:24:44‑8# Das war so toll, oder? [Pia: Ja!] Aber sie spricht halt von von Äxten, oder? Und wie sie irgendwas kaputtschlagen. Und es gibt da schon mal den Eindruck, das ist was, das vernichtet.

 

Pia: #00:24:57‑1# Was für eine Macht das hat.

 

Christina: #00:24:59‑1# Und da der. Was heißt denn „sap“ auf Deutsch?

 

Pia: #00:25:04‑0# Oh Gott. Hartz!

 

Christina: #00:25:08‑0# Ja, das Hartz ist ja dann so wie das Blut … und so geht das weiter. [seufzt] Schon toll. Ja. Na, wir wollen euch jetzt nicht länger damit aufhalten, diese Gedichte zu analysieren. Allerdings. Wenn es was ist, was ihr euch wünschen würdet, dann machen wir das natürlich auch sehr gerne in einer Folge der Entstehungsgeschichten, eine Gedichtsanalyse.

 

Pia: #00:25:26‑7# Genau. Und bis dahin könnt ihr euch Gedichte natürlich gern bei uns ausleihen. Auch bei unserer Ausstellung, die man dazu machen.

 

Christina: #00:25:32‑7# Kommt vorbei. Es wird überall Gedichte geben und es ist ein bisschen, wie wenn man lang. Es gibt ja Leute, die, die manchmal über Tage oder Wochen keine Musik hören. Und wenn man dann wieder ein gutes Lied hört. Das ist echt so ähnlich und es dauert, man liest es und es dauert zehn Minuten.

 

Pia: #00:25:51‑5# Und dann ist man wieder drin.

 

Christina: #00:25:52‑5# Und der Tag ist anders.

 

Pia: #00:25:54‑9# Ja.

 

Christina: #00:25:56‑9# Wir möchten uns auf jeden Fall bei euch fürs Zuhören bedanken. Wir freuen uns auf die zahlreichen Stimmen, die ihr uns vor Ort dalasst. Danke auch wieder für eure Anfragen und die lieben Kommentare. Euer Feedback sendet ihr einfach wie gewohnt an post.stadtbibliothek@innsbruck.gv.at. Schaut doch außerdem mal auf Instagram unter stadtbibliothek.innsbruck vorbei. Neben tollen Gewinnspielen halten wir euch dort über alles auf dem Laufenden, was in der Stadtbibliothek noch so passiert. Und das ist auch 2026 wieder eine ganze Menge. Weil, in dem Moment, wo wir die Folge rausbringen, ist ja dann bald März und dann geht es wieder los mit den Veranstaltungen.

 

Pia: #00:26:39‑3# Genau.

 

Christina: #00:26:41‑2# Ja. Schönes Lesen.

 

Pia: #00:26:42‑7# Tschüss.

[Outro-Musik]

Pia: #00:27:09‑5# S‘Vorwort ist eine Produktion der Stadtbibliothek Innsbruck und Teil der Stadtstimmen, dem Audiokanal der Stadt Innsbruck. #00:27:16‑5#

Weitere Infos

Auch 2026 begeistern Sie die Hosts Pia und Christina wieder mit spannenden Entstehungsgeschichten zu bekannten und unbekannten Literaturen – es erwarten Sie autobiografische Einblicke in das Leben berühmter Autor:innen, Neu- und Wiederentdeckungen literarischer Werke und die Hintergründe dazu, wie große Literatur entstanden ist. Alle Leserinnen und Leser, die unmittelbar in der Umgebung von Innsbruck wohnen, können abstimmen, welche Entstehungsgeschichte ihnen besser gefallen hat und jede Folge eine Limited Edition S’Vorwort-Tasse gewinnen. Ja, sie ist blau. Ja, sie hat einen Henkel. Und ja, sie eignet sich hervorragend für jedes Getränk Ihrer Wahl – aber wir empfehlen natürlich Tee.

Passend zum Welttag der Poesie, der am 21. März auch in der Stadtbibliothek gefeiert wird, geben Christina und Pia mit den U.S.-amerikanischen Lyrikerinnen Sylvia Plath und Emily Dickinson Einblick in das Leben und Schaffen zweier literarischer Ausnahmetalente.

Viele der besprochenen Bücher gibt’s auch in der Stadtbibliothek.

Teatime: TBR 2026

Teatime: TBR 2026

Stadtbibliothek Innsbruck

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Transkript

[00:00:20] modulierte Stimme: Vorsicht, der Genuss dieses Podcasts kann zu vermehrten Bibliotheksbesuchen führen. 

[00:00:21] [Intro-Musik] Shelly: So, wir haben jetzt alles wieder trocken gelegt, oder?

[00:00:24] Jaci: [lacht] Die Shelly hat gerade renoviert bei unserem Kammerle.

[00:00:27] Shelly: Hallo, ich hab einfach nur Grundreinigung gemacht. [lacht]

[00:00:33] Jaci: Sie hat die Phrase "spill the tea" sehr wörtlich genommen.

[00:00:39] Shelly: Und jetzt ist mein Knie verbrannt. [beide lachen, Soundbite:Tee einschenken, umrühren, genüsslich trinken]

[00:00:50] Hallo und herzlich willkommen beim Vorwort, dem Podcast der Stadtbibliothek Innsbruck und heute wieder zur ersten Folge der Teatime im neuen Jahr.

[00:01:01] Wir freuen uns.

[00:01:03] So und ihr werdet euch schon denken, hä, jetzt ist März und es war immer noch keine Teatime.

[00:01:10] Wo bleibt die TBR?

[00:01:12] Jaci: Es tut uns leid.

[00:01:13] Shelly: Es tut uns leid.

[00:01:15] Der Folgenplan hat uns erst in den März gerückt.

[00:01:18] Aber jetzt sind wir da.

[00:01:19] Wir haben gerade noch Jänner, wo wir diese Folge aufnehmen.

[00:01:22] Also, nicht wundern, aber...

[00:01:25] Jaci: Es ist quasi ein Slow-Burn mit uns dieses

[00:01:28] Jahr.

[00:01:28] Shelly: Genau.

[00:01:28] Jaci: Ganz

[00:01:29] langsam.

[00:01:29] Man muss auf uns warten, aber dann sind wir da.

[00:01:33] Shelly: Und das Warten hat ein Ende und es hat sich gelohnt.

[00:01:37] Jetzt folgt die TBR.

[00:01:38] Was ist die TBR, Jaci?

[00:01:39] Magst du das nur mal kurz für die erwähnen, die es nicht wissen?

[00:01:42] Jaci: Genau, wir haben das auch letztes Jahr, damals im Januar 2025 eben gemacht, dass wir eine TBR-Liste vorgestellt haben.

[00:01:50] TBR ist eine englische Abkürzung für "to be read", also die Bücher, die man einfach lesen möchte.

[00:01:58] Im Deutschen gibt es den Ausdruck "SUB", also den "Stapel ungelesener Bücher" und an dem orientieren wir uns eben sozusagen, dass wir uns ein Leseziel irgendwie für das Jahr setzen und eben ... In unserem Fall immer fünf Bücher uns herauspicken aus unserem endlosen Stapel an Büchern, die wir lesen wollen, die vorstellen und quasi versuchen, die zu lesen.

[00:02:20] Shelly: Was nicht

[00:02:20] immer ganz so funktioniert, meine TBR vom letzten, von der letzten Aufnahme 2025 hab ich nicht vollendet. [lacht]

[00:02:29] Jaci: Ich auch nicht. Also wir haben auch letztes Jahr fünf Bücher vorgestellt und ich hab drei von den fünf gelesen.

[00:02:35] Also, 

[00:02:36] und

[00:02:37] eines davon war "A Little Life" mit 790 Seiten, was theoretisch als zwei Bücher gelten sollte, also es war produktiv.

[00:02:45] Shelly: Gratuliere.

[00:02:45] Jaci: Danke.

[00:02:47] Shelly: [lacht] Gut, dann gehen wir rein in die TBR 2026.

[00:02:53] Jaci: Bei mir ist eine kurze Vorgeschichte zu meiner TBR.

[00:02:57] Und zwar bin ich wie jede Leserin und jeder Leser jedes Jahr entsetzt darüber, wenn ich schaue, wie viel ungelesene Bücher wirklich physisch auf meinen Bücherregal daheim stehen.

[00:03:09] Und habe mir im Dezember dann gedacht, das muss ich ändern.

[00:03:11] Und habe alle meine Bücher, was ich nicht gelesen habe, von meinem Regal runtergenommen.

[00:03:16] Da ist dann der Staub in ... in wirklich in Lawinen auf mich gefallen, weil die schon so lange da oben stehen ... und habe die dann auf ein eigenes Regal, mein persönliches Regal der Schande gestellt.

[00:03:28] Und das sind wirklich 57 Bücher, die ich daheim habe und nicht gelesen habe.

[00:03:33] Und das ist eben mein Jahresziel, dass sie mir keine neuen Bücher kauf.

[00:03:37] Schauen wir mal, was das wird.

[00:03:40] Und wirklich nur Bücher von diesem TBR bei mir zu Hause lese.

[00:03:46] Ich glaube nicht, dass ihr alle 57 schaffe.

[00:03:48] Mein Ziel wäre es, zwanzig Bücher von diesem TBR zu lesen.

[00:03:51] Einfach, weil ich in einer Bibliothek arbeite und da jede Woche mindestens ein Buch finde, was ihr lesen möchte und mit heimnehmen und das einfach nicht realistisch ist, dass sie nur von mir daheim lese.

[00:04:01] Aber alle fünf Bücher, die ich jetzt eben vorstellt, sind von meinem Regal der Schande zu Hause eben.

[00:04:08] Und ich würde auch gleich mit einem anfangen, wo auch die Bib dran Schuld ist,

[00:04:12] dass es auf meiner Liste ist.

[00:04:15] Und das ist das Buch "Ein schönes Ausländerkind" von Toxische Pommes.

[00:04:22] Und 2024 im April war die Autorin auch bei uns zu einer Lesung.

[00:04:27] Und da habe ich mir voller Begeisterung das Buch gekauft und signieren lassen und wollte es unbedingt lesen.

[00:04:33] Und habe es eben bis jetzt nicht geschafft.

[00:04:36] Jetzt jährt es sich eben zum zweiten Mal fast, dass ich es gekauft habe.

[00:04:39] Und deswegen haben wir gedacht, es muss jetzt gelesen werden.

[00:04:43] Genau, ein kurzer Inhalt von dem Buch:

[00:04:45] Es geht um eine Familie, die aus Jugoslawien flüchtet, eben vor dem Krieg flüchtet, in ein Einwanderungsland, das keines sein möchte.

[00:04:57] Es erzählt eben die Beziehung zwischen einer Tochter und deren einzigartigen Lebenssinn, der darin besteht, die perfekte Migrantin zu werden und vor allem ihrem Vater, der sich bei dem Versuch, ihr das zu ermöglichen, selbst verliert.

[00:05:11] Also sie möchte

[00:05:12] irgendwie eine Identität finden zwischen Jugoslawien, zwischen ihrer Familie, zwischen dem neuen Land, wo sie eben leben.

[00:05:20] Und es ist eine sehr tragische Geschichte, finde ich.

[00:05:24] Aber die Toxischen Pommes, sie ist ein sehr humorvoller Mensch und hat das dann schon mit ein bisschen einem satirischen und humorvollen Unterton geschrieben.

[00:05:33] Und ich freue mich auf das Buch.

[00:05:34] Seit zwei Jahren eigentlich.

[00:05:36] Und jetzt noch mehr.

[00:05:38] Shelly: [lacht] Die Freude ist steigt.

[00:05:39] Mit jedem Jahr

[00:05:40] was vergeht.

[00:05:43] Ja, cool.

[00:05:44] Ich finde interessant, wie du an deine TBR rangegangen bist, weil ich habe das dieses Jahr etwas anders als letztes Jahr, weil letztes Jahr habe ich es auch so aus meiner Regal rausgezupft, was noch nie gelesen wurde.

[00:05:56] Und dieses Jahr habe ich mich rein auf Neuerscheinungen konzentriert, die mich angesprochen haben, die ich lesen will.

[00:06:01] Mein erstes TBR ist von Saraa el-Arifi, "Kleopatra: Roman einer Königin".

[00:06:08] Erschienen ist es am 08.01.2026.

[00:06:12] Und das erzählt aus dem Leben der ehemals mächtigsten Frau der Welt, nämlich Kleopatra.

[00:06:18] Sie war die letzte altägyptische Pharaonin, also die letzte Königin Ägyptens.

[00:06:24] Sie war Ehefrau und Mutter und Herrscherin unermesslicher Macht.

[00:06:29] Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen.

[00:06:31] Sie besteigt schon mit neunzehn Jahren den Thron eines Weltreichs und ahnt da noch nicht, welche Herausforderungen von da an ihr Leben bestimmen.

[00:06:39] Und das Besondere an diesem Roman ist, die Autorin erzählt das Leben der Cleopatra aus deren eigenen Sicht.

[00:06:45] Also es ist eine Erzählung aus Ich-Perspektive.

[00:06:50] Es ist ein historischer Roman, keine rein sachliche Biografie.

[00:06:54] Es enthält nämlich auch fiktionale Elemente, also eine historisch geprägte Fiktion ist das.

[00:06:59] Genau, und das werde ich mir gleich mal schnappen, wenn es dann da ist.

[00:07:03] Ich hoffe nämlich, dass meine Empfehlungen, nenn ich sie jetzt mal, angekauft werden. [lacht]

[00:07:09] Jaci: Kleiner Wink mit dem Zaunfall an unsere Kollegeninnen.

[00:07:11] Shelly: In Richtung

[00:07:12] Lektoratsleitung. [beide lachen]

[00:07:15] Jaci: Eben, und das ist genau mein Problem, weil dieses Buch klingt so gut.

[00:07:18] Und wenn wir uns das jetzt für die Bib kaufen, werde ich es natürlich sofort ausleihen müssen.

[00:07:24] MeinRegal der Schande wird einfach nur wachsen, glaub ich.

[00:07:26] Und nie ...

[00:07:27] Das ist, glaub ich, so was, was ich dann an meine Enkel weitergebe.

[00:07:30] Shelly: [lacht] Genau, dein Erbe.

[00:07:31]

[00:07:31] Jaci: Mein Erbe.

[00:07:36] Man kann es ja auch als Berufskrankheit bezeichnen, würde ich sagen, oder?

[00:07:39] Shelly: Wohl.

[00:07:39] Jaci: Ja.

[00:07:42] Mein zweites Buch ist wirklich seit seinem Erscheinungsjahr auf meinem Regal.

[00:07:50] Seit 2019. "Sorcery of Thorns" by Margaret Rogerson. Und dieses Buch, das war in meiner Youtube-Era, da hab ich noch ganz viel Youtube-Videos geschaut von Booktubern die eben Bücher empfohlen haben und dieses Buch - da war ich so: Ich brauche das. Das muss ich sofort lesen. Sofort bestellt.

Nie gelesen. Jetzt haben wir sieben Jahre später. Aber es klingt immer noch

hervorragend.

Und zwar folgt der Roman der sechzehnjährigen Elizabeth, die als Findelkind auf der Treppe einer der größten Bibliothek von Austermeer ausgesetzt wird.

[00:08:28] Und sie wächst dann eben zwischen diesen magischen Büchern auf, die Grimoires heißen.

[00:08:34] Also, die weiß nicht genau, wie man das ausspricht, aber es ist so Grimoire sowie bei "Wicked".

[00:08:41] Ich schaue in leere Gesichter.

[00:08:42] Die "Wicked"-Audience ist nicht so groß hier, aber eben sie wächst zwischen diesen magischen Grimoires auf.

[00:08:48] Bücher, die eben in den Regalen flüstern und in Eisenketten irgendwie eingesperrt sind.

[00:08:53] Und die Bücher sind eher so tödliche Monster aus Tinte und Papier.

[00:08:59] Wenn man es eben provoziert, können sie sich eben auch sogar in Monster verwandeln.

[00:09:02] Und durch einen Sabotage-Akt wird dann das gefährlichste Grimoire aus der Bibliothek befreit.

[00:09:11] Elizabeth wird die Schuld an dem gegeben und ihr bleibt natürlich nichts anderes übrig als das Buch zu suchen und das natürlich mit ihrem Erzfeind zusammen [Shelly zieht scharf die Luft ein], dem Zauberer Nathaniel Thorn.

[00:09:25] Shelly: [begeistert] Oh my!

[00:09:27] Jaci: Ja. [beide lachen]

[00:09:30] Und zusammen mit ihm und dessen dämonischen Diener Silas finden sie sich in einem Fadenkreuz einer Jahrhunderte alten Verschwörung wieder. Und diese droht nicht nur alle großen Bibliotheken in Flammen aufgehen zu lassen, sondern auch die ganze Welt.

[00:09:48] Shelly: Okay, lowkey dramatic. [lacht]

[00:09:49] Jaci: Ja.

[00:09:49] Ähm,

[00:09:51] eben, ich freu mich drauf.

[00:09:52] Es klingt so gut.

[00:09:53] Und jetzt, wenn ihr darüber redet und wo ich es aufgeschrieben habe, war ich so, ich muss das sofort lesen.

[00:09:57] Es klingt so gut.

[00:09:58] Wie hab ich es noch nie gelesen.

[00:10:00] Aber es ist da.

[00:10:01] Seit sieben Jahren going strong.

[00:10:04] Und ich hoffe, dass ich dieses Jahr dazu komme. [lacht]

[00:10:07] Shelly: Ich glaube an dich.

[00:10:08] Jaci: [lacht] Danke.

[00:10:09] Shelly: Du hast jetzt die Community im Rücken, den Druck.

[00:10:12] Jaci: Eben, jetzt macht man sich ein bisschen accountable für das, wenn man es sagt.

[00:10:17] Vor allem habe ich bei dem Buch auch die Angst, je länger es auf meinem TBR ist, dass es sich vielleicht auch in ein Monster verwandelt und mir dann dafür ... Ja, so ungefähr.

[00:10:27] Shelly: [lacht] Okay, wenn die Jaci bei der der nächsten Folge nimmer dabei ist, wissen wir wieso. [beide lachen]

[00:10:33] Okay, weiter geht's mit meiner zweiten Empfehlung.

[00:10:37] Und zwar von Isabel ... Ibañez.

[00:10:41] Ibañez?

[00:10:42] Probably Ibañez.

[00:10:44] "Graceless Heart", ist ein erster Teil einer Reihe, der "The Spellbound History Quartet".

[00:10:52] Das ist jetzt mein wild guess, aber ich schätze, es wird vier Teile geben, wenn es ein Quartett ist.

[00:10:57] Und das ist am... 

[00:10:58] Jaci: Clever.

[00:10:59] Shelly: Clever.

[00:10:59] Jaci: Clever kombiniert, Sherlock.

[00:11:00] Shelly: [lacht] Es

[00:11:02] ist am 13.01., also erst vor ein paar Tagen erschienen.

[00:11:05] Und wir befinden uns in Volterra, einer italienischen Kleinstadt, würde ich sagen.

[00:11:13] Im 15. Jahrhundert und alle Twilight-Fans spitzen gerade die Ohren.

[00:11:18] Es ist aber leider keine Vampirgeschichte.

[00:11:21] Und es geht um die Bildhauerin Ravenna Maffay.

[00:11:25] Diese nimmt an einem Wettbewerb einer geheimnisvollen, unsterblichen Familie teil.

[00:11:29] Jaci: Volturi, hust hust.

[00:11:32] Shelly: Ich sag grad: keine Vampirgeschichte! [lacht]

[00:11:33] Jaci: Es müssen die Vulturi sein, das geht gar nicht anders.

[00:11:36] Shelly: Okay, wir sagen jetzt, es sind die Vulturi, obwohl wir es nicht wissen, wir haben es ja noch nicht gelesen. [Jaci lacht]

[00:11:41] Genau, sie nimmt da teil.

[00:11:42] Und weil, da wird nämlich der Siegerin oder dem Sieger ein riesiger Reichtum versprochen als Preis

[00:11:48] und sie braucht diesen Reichtum, um ihren Bruder zu retten, der sich offensichtlich in Schwierigkeiten befindet, die Inhaltsangabe geht nicht weiter darauf ein.

[00:11:57] Sie offenbart dabei dann ein seltenes magisches Talent und das in einer Stadt, in der Magie allerdings verboten ist. [Jaci zieht scharf die Luft ein]

[00:12:05] Und dadurch wird sie zur Zielscheibe und sogar, es kommt soweit, dass sie entführt wird, zwar nach Florenz, von der Familie Luni.

[00:12:14] Und diese stellt sie dann vor eine unmögliche Aufgabe, bei deren Scheitern sie dann von dem Saturnino, Saturnino Dai Luni getötet wird.

[00:12:25] Das ist der rätselhafte und der barmungslose Erbe der Familie. [Jaci: Ah!]

[00:12:30] Aber steckt hinter seiner kalten rücksichtslosen Fassade etwa mehr?

[00:12:34] Jaci: Oh mein Gott!

[00:12:35] Shelly: Do I smell enemies to lovers? [lacht]

[00:12:38] Jaci: Yes!

[00:12:39] Shelly: Und während sich zwischen den beiden dann etwas anbahnt, bleibt im Rest des Landes natürlich die Zeit nicht stehen.

[00:12:45] Der Papst erhält Kunde von Ravennas Magie und möchte sie für seine eigenen Zwecke nutzen.

[00:12:49] Er zettelt dann einen Krieg gegen Florenz, die Medici, keine Ahnung wie die da zusammenhängen, und Magie selbst an.

[00:12:57] Und während sich ein Krieg am Bahn steht Ravenna unter ständiger Beobachtung und muss zwischen Liebe, Pflicht und Verrat wählen. [Jaci: Ohhh!]

[00:13:04] Entscheidungen, die nicht nur ihr eigenes Schicksal, sondern auch das Gleichgewicht von Magie und Macht in Florenz bestimmen.

[00:13:11] Jaci: Oh mein Gott, also wenn man da nicht Gänsehaut bekommt und sofort Lust hat, das zu lesen,

[00:13:18] Shelly: Es ist eine historische Fantasy/Romance Novel und wir haben den Trope Enemies to Lovers.

[00:13:25] Jaci: What more

[00:13:28] can a girl ask for? [beide lachen] Ganz toll.

[00:13:29] Und dieses Buch hab ich sogar auch, also wir haben, ich hab danach noch zwei Bücher gehabt, also im Programm heute, wo ich mir gedacht hab, wenn die rauskommen und wie sie kaufen, oder die muss ich vorschlagen, dass wir sie in der Bib ankaufen, weil die eben so gut klingen, weil ich sie eben nicht kaufen darf, weil ich nur meine TBR lese.

[00:13:47] Und das war eines davon.

[00:13:49] Und ich bin sehr stolz drauf, dass sie die Shelly und ich wieder einmal denselben Geschmack haben.

[00:13:54] Und jetzt das gleiche Buch lesen wollen.

[00:13:56] Shelly: Oh yes.

[00:13:57] Was ist dein nächstes?

[00:14:00] Jaci: Mein nächstes Buch ist neu auf meiner TBR, also seit 2025 erst.

[00:14:06] Shelly: Oh wow.

[00:14:06] Jaci: Ja.

[00:14:07] Und das ist "Atmosphere" von Taylor Jenkins Reid.

[00:14:10] Shelly: Ah cool, das hast du schon mal erwähnt im Podcast.

[00:14:13] Ich glaub bei den Beachreads oder

[00:14:15] so?

[00:14:16] Jaci: Ja genau, ja.

[00:14:17] Ich hab's empfohlen, ohne es selber zu lesen. [lacht]

[00:14:22] Shelly: Wie authentisch.

[00:14:24] Jaci: Aber Taylor Jenkins Reid ist eine von meinen Lieblingsautorinnen.

[00:14:29] Und ihr habt das Buch von der Christina, von unserer Co-Hostess geschenkt bekommen.

[00:14:36] Shelly: Mei nett.

[00:14:38] Jaci: Ja. Sie hat's gelesen, ihr hat es nicht gefallen.

[00:14:41] Und dann hat sie es mir gegeben, weil sie es nicht mehr haben wollte. [lacht]

[00:14:46] Shelly: Jaci bricht komplett ab.

[00:14:50] Jaci: Tschuldigung! Im Roman geht es um die Astrophysikerin Joanne Goodwin.

[00:14:55] Und es spielt eben im Jahr 1980 und sie wagt den Schritt ihres Lebens und bewirbt sich als eine der ersten Frauen für das Spaceshuttle-Programm der NASA. Und mit einer Gruppe aus hochqualifizierten Piloten, Commanders und Ingenieur*innen beginnt sie die intensive Vorbereitung auf ihren ersten Flug ins All. Und während sie ihrem Traum von den Sternen immer näher kommt - hach, schönes Zusammenfassung - geschieht etwas, das Joanne eben nicht erwartet hat: Sie begegnet der Liebe ihres Lebens und mit einem mal stellt sie alles in Frage, was sie über ihrem Platz im Universum geglaubt hat.

[00:15:37] Und es ist jetzt kein Spoiler oder sowas, aber es ist eine Queer Love Story, also es ist eine lesbische Liebesbeziehung, die sich da anbahnt und hat Taylor Jenkins Reid ja auch schon bei "The Seven Husbands of Evelyni Hugo" gehabt.

[00:15:54] Und deswegen freue ich mich sehr auf das, weil die Autorin das schon mal gut gemacht hat.

[00:15:59] Und sie generell einfach immer so packende Geschichten erzählt.

[00:16:01] Und ich freue mich drauf.

[00:16:02] Sehr.

[00:16:04] Seit einem Jahr.

[00:16:05] Shelly: [lacht] Seit einem Jahr.

[00:16:08] Wem der Name Johanna Sebauer etwas sagt, der hat wahrscheinlich oder vielleicht schon die Buchbesprechung von unseren lieben Kolleginnen Pia und Christina angehört.

[00:16:19] Die haben sie vor... Ich weiß jetzt gar nicht, wann das war.

[00:16:22] Wir verlinken es unten in der Beschreibung.

[00:16:24] Sie haben nämlich den 2023 erschienenen Roman "Nincshof" ...

[00:16:29] Jaci: Ah!

[00:16:30] ... rezensiert, genau.

[00:16:32] Und dem eine Folge gewidmet.

[00:16:34] Und die bringt jetzt am 12.05., also am 12. Mai "Das Gurkel" raus.

[00:16:44] Mich hat der Name und dieses Cover so angesprochen, weil ... Kleiner Side-Fact zu meiner Person.

[00:16:50] Ich hab phasenweise etwas krankhafte Obsessionen mit Essigurken. [lacht]

[00:16:58] Das ebbt dann immer wieder mal ab. [Jaci lacht laut im Hintergrund]

[00:17:04] Genau, also so viel dazu.

[00:17:06] Mich hat das Cover sehr angesprochen.

[00:17:10] Es ist eine illustrierte Erzählung.

[00:17:12] Die hat auch nur 48 Seiten, also das wird gleich einmal durchgelesen sein.

[00:17:16] Und es ist zweifach ausgezeichnet.

[00:17:18] Beim Bachmann-Wettbewerb 2024.

[00:17:21] Also ...

[00:17:22] Jaci:  Aber es ist noch gar nicht erschienen?

[00:17:24] Shelly: Ich schätze die Illustrationen.

[00:17:27] Jaci: Ah.

[00:17:29] Shelly: Im Prinzip hört es sich für mich, also vom Inhalt her nach einer satirischen Erzählung an, die unsere Cancel Culture ein bisschen durch den Kakao zieht.

[00:17:38] Es ist nämlich so, ein Redakteur schreitet zur Zubereitung seines Frühstücksemmerls in der Redaktion und möchte einen Gurkerl drin haben.

[00:17:47] Vollkommen verständlich, würde ich auch ...

[00:17:51] Er spritzt sich dann beim Gurkerlschneiden Essigwasser ins Auge und es folgen öffentliche Hasstiraden gegen das Gurkerl.

[00:17:57] Es gibt Kolumnen, Leser*innenbriefe, Interviews und öffentliche Debatten.

[00:18:02] Gurkerl werden verboten, Proteste formieren sich etc.pp.

[00:18:08] Es ist

[00:18:09] ein vor Ironie triefender Kommentar

[00:18:11] über unsere wundervolle Empörungskultur, die wir so toll pflegen.

[00:18:17] Und eben, ich will es einfach unbedingt lesen, weil das Ding heißt "Das Gurkerl". [lacht]

[00:18:23] Jaci: Ich habe nicht gewusst, dass sowas existiert.

[00:18:26] Ich habe nicht gewusst, dass ich sowas in meinem Leben brauche, aber jetzt weiß ich es. [Shelly lacht]

[00:18:29] Danke, Shelly.

[00:18:30] Shelly: Gern geschehen. [lacht]

[00:18:33] Jaci: Mein nächstes Buch heißt "I, Medusa" von Ayana Grey. Ist auch 2025 erschienen und hab ich mir, sobald ich wusste, dass das rauskommt, vorbestellt.

[00:18:45] Und es ist dann auch schon im Sommer zu mir gekommen.

[00:18:49] Aber ich hab's immer noch nicht gelesen.

[00:18:52] Und wie der Titel schon verrät, ist es eine Neuerzählung der Legende rund um die mystische Figur der Medusa aus der griechischen Mythologie eben.

[00:19:02] Und es ist ein bisschen neu erzählt eben.

[00:19:06] Und es geht um die Protagonistin Maddie.

[00:19:08] Für Medusa, vermute ich.

[00:19:11] Shelly: Geil.

[00:19:12] Jaci: Und sie möchte eben Priesterin im Tempel von Athene werden und geht in die Hauptstadt Athen, um der Götting dort zu dienen.

[00:19:23] Und während sie da eben fleißig studiert und arbeitet und sich im Tempel einfindet, zieht sie die Aufmerksamkeit von Poseidon auf sich.

[00:19:32] Und das hat natürlich Folgen.

[00:19:34] Das ist auch ein feministischer Blickwinkel, den der Mythos schon lang gehabt hat, dass das so passiert.

[00:19:41] ... passiert hätte sein können, dass Medusa so geworden ist, wie sie ist.

[00:19:46] Und so ist es auch in dem Roman, sie wird für ein Verbrechen bestraft, welches sie nicht begangen hat oder für das sie nicht Schuld ist und wird dann eben... Also in dem Mythos, den ich kenne, ist es dann so, dass Athene sie selbst verflucht.

[00:20:01] Ich weiß jetzt nicht, wie es im Roman dann ist und wird dann eben verflucht und ihre Locken verwandelt sich dann eben in diese legendären Schlangenköpfe oder diese Schlangen eben.

[00:20:11] Und also jeder Mann, der sie dann anschaut oder jeder Mensch eigentlich, wird zu Stein verwandelt.

[00:20:18] Ich freue mich sehr auf diese Neuerzählung, weil ich Medusa wahnsinnig faszinierend finde.

[00:20:24] Und eben auch eine sehr missverstandene Figur in ihr sehe, weil eben sie wieder eine Frau in der Mythologie ist, die halt darunter leidet, dass sie nichts gemacht hat und von einem Mann eigentlich ... eine Frau, die von einem Mann missbraucht wird und dann selber mehr unter, also als Opfer eigentlich mehr unter dem leidet als wie der Täter, also wieder diese Opferkultur, dass das Opfer wieder viel mehr Folgen aus dem hat

[00:20:53] logischerweise und für das verantwortlich gemacht wird, das wollt ich eigentlich sagen und nicht der Täter.

[00:20:59] Und bin eben sehr gespannt auf diesen neuen Take, den Ayanna Gray uns da präsentiert.

[00:21:04] Shelly: Wieder etwas zu Greek Mythology.

[00:21:06] Wer da mehr dazu erfahren möchte, wir haben vor ein paar Monaten eine Greek Mythology-Teatime aufgenommen.

[00:21:13] Da gerne reinhören für mehr Tipps.

[00:21:16] Gut, weiter geht's mit meinem Nächsten.

[00:21:20] "A Secret in the Garden" von Jeneane O'Riley ist der erste Band einer neuen Reihe, und zwar der "Dark Manor Chronicles".

[00:21:28] Und es geht um Blackwood Manor, das drohend hoch oben auf einer windgepeitschten Klippe.

[00:21:35] Und hinter seinen prunkvollen eisernen Toren wurde ein Teil des Anwesens seit dem tragischen Tod von der Vorbesitzerin von Hester Blackwood dem Verfall überlassen.

[00:21:45] Das einst prachtvolle Gewächshaus ist nun von Ranken und Unkraut überwuchert und das Glas zerborsten.

[00:21:51] Man weiß nicht, was mit dem Rest der einst so reichen und machtvollen Familie passiert ist.

[00:21:56] Nur Hesters Sohn Jasper ist geblieben.

[00:22:00] Dann kurzes Switch zur Protagonistin.

[00:22:03] Aus purer Verzweiflung ihren Job zu retten, geht die Botanikerin Eliza Arnold ein waghalsiges Risiko ein.

[00:22:10] Sie fährt zum Anwesen um den Besitzer um eine Spende zu bitten.

[00:22:14] Dieser willigt dann tatsächlich ein, aber nur unter der Bedingung, dass sie sein Gewächshaus restauriert.

[00:22:20] Und das alleine, ohne Hilfe und ohne das Anwesen zu verlassen.

[00:22:26] Während Eliza sich durch Dornen und Geheimnisse kämpft, entsteht dann zwischen ihr und Jasper eine gewisse Spannung, dunkel, gefährlich und unmöglich zu ignorieren.

[00:22:38] Jaci: Who would have thought.

[00:22:40] Shelly: Who would have thought. [lacht]

[00:22:41] Und etwas anderes regt sich zwischen Wurzeln und Ruinen: Flüstern in den Wänden, unerklärliche Störungen und eine Präsenz, die jeder ihrer Bewegungen beobachtet.

[00:22:52] Jaci: Boah, das klingt schon wieder viel zu gruselig für mich.

[00:22:54] Shelly: Schau! [lacht]

[00:22:55] Ich hab mir das für so um die Zeit für Halloween rausgesucht.

[00:22:58] Jaci: Sehr gut.

[00:22:59] Shelly: Je tiefer Eliza gräbt, desto mehr entdeckt sie einen Garten voller Trauer, Sehnsucht und Verlangen.

[00:23:06] Denn in Blackwood Manor können selbst begrabene Dinge wieder erblühen.

[00:23:11] Wir haben hier eine Gothic Romance mit leichten Fantasy-Elementen.

[00:23:16] Es ist etwas Dark Romance angehaucht, aber ohne Szenen von expliziter sexueller Gewalt, weil sowas lese ich nicht.

[00:23:26] Und wir haben eine Enemies to Lovers-Geschichte.

[00:23:30] Jaci: Sehr toll.

[00:23:31] Einen guten Mix hast du da auf deiner Liste.

[00:23:33] Shelly: Vielen

[00:23:34] Dank.

[00:23:35] Jaci: Ich hab mir auch Mühe geben bei meiner Liste und hab ja eben mit einer deutschsprachigen Roman angefangen,

[00:23:41] dann Fantasy, dann Contemporary Romance, dann eine Neuerzählung.

[00:23:45] Und als Abschluss habe ich einen Klassiker.

[00:23:48] Shelly: Schön.

[00:23:48] Jaci: Ja, wie so oft sind Klassiker natürlich auch auf meinem Regal der Schande.

[00:23:54] Und dieser Klassiker, dann habe ich 2023 in meinem Auslandsemester in Irland gekauft, in einem Second Hand Buchshop.

[00:24:01] Und deswegen ist die Ausgabe auch wunderschön.

[00:24:04] Aber ich hab sie immer noch nicht gelesen.

[00:24:05] Und zwar "Lady Chatterley's Lover"

[00:24:08] von D.H. Lawrence.

[00:24:10] Shelly: [zieht scharf die Luft an] Toll,

[00:24:10] da hab ich letztens erst ... ja.

[00:24:12] Jaci: Genau, da gibt es einen Film.

[00:24:13] Und ich hab mir eben gedacht, nein, ich lese das Buch, bevor ich den Film schaue, habe weder das Buch gelesen, noch den Film gesehen und es mir eben für dieses Jahr vorgegenommen.

[00:24:25] Und das ist ein ganz, ganz tolles Buch, wie ich bei meiner kurzen Recherche herausgefunden habe.

[00:24:30] Und zwar ist das Buch 1928 in Florenz als Privatdruck

erschienen und wurde gleich darauf aber von englischen Staat wegen Vorwurfs der

Pornografie verboten. Das Publikationsverbot wurde erst 1960 aufgehoben nach

einem spektakulären Prozess.

[00:24:54] Und

[00:24:54] dieser Roman gilt immer als Vorreiter der sexuellen Revolution der sechziger und siebziger Jahre als eines der wichtigsten Werke der erotischen Literatur gesehen.

[00:25:03] Und wir reden ja auch öfters über smut. [beide lachen]

[00:25:09] Und ich finde es auch eben interessant zu sehen, wo kommt das Genre her, was hat das begründet.

[00:25:17] Und eben auch zu sehen, was es damals für ein Skandal ist.

[00:25:20] Und es ist ja heute teilweise noch ein Skandal.

[00:25:22] Also finde ich schon interessant.

[00:25:24] Die Handlung spielt kurz nach dem Ersten Weltkrieg in einer britischen Bergbauregion.

[00:25:29] Und die junge Constance heiratete den wenigen Jahre älteren Adlingen Clifford Chatterley.

[00:25:37] Und dieser wird im Krieg aber verwundert, worauf er impotent und an den Rollstuhl gefesselt ist.

[00:25:44] Das Leben an der Seite ihres Gatten wird für Constance eben zur Qual und der Wildhüter Oliver Mellors wird eben ihr Liebhaber und hilft ihr durch diese schwere

[00:25:54] Zeit.

[00:25:55] Sie wird dann aber schwanger von ihrem Geliebten und ...

[00:26:00] Shelly: War es nicht so, dass ihr Mann das sogar wollte, dass sie von einem anderen Mann allerdings einem Adligen ein Kind bekommt, damit es einen Erben gibt?

[00:26:09]

[00:26:10] Jaci: Das weiß ich nicht.

[00:26:10] Aber sie würde eben schwanger von ihrem Geliebten.

[00:26:13] Und möchte ihren Mann verlassen und da kommt es dann eben zu einem großen gesellschaftlichen Skandal.

[00:26:18] Mehr haben wir ihm gar nicht angeschaut, weil die wollten die zu sehr spoilern.

[00:26:21] Aber ich bin sehr gespannt und freue mich sehr drauf.

[00:26:24] Und freue mich auch schon, dass ihr danach den Film anschauen kann.

[00:26:26] Also das ist dann auch wieder so ein

[00:26:28] Doppelpaket, das ich mir dann gönnen kann und auf das freue ich mich.

[00:26:32] Shelly: Den wollt ihr eh schauen, lasst ihn gemeinsam schauen.

[00:26:34] Jaci: Ja.

[00:26:35] Shelly: Fein, Filmdate ausgemacht, weiter zu meinem letzten ausführlichen Tipp und zwar handelt es sich hierbei um einen zweiten Teil einer Reihe von Brigitte Knightley, "The Exquisite Torment of Loving Your Enemy", zu Deutsch "Wie man seinem Erzfeind hoffentlich das Leben rettet".

[00:26:54] Der Titel auf Deutsch macht nur Sinn, wenn man den Inhalt vom ersten Buch kennt.

[00:27:00] Es ist nämlich die Fortsetzung von "The Irresistible Urge to Fall in Love with Your Enemy". Kommt am 29. Juli raus und um es kurz zusammenzufassen, es war definitiv keine Liebe auf den ersten Blick, sondern eher auf den letzten.

[00:27:16] Genauer gesagt den allerletzten.

[00:27:17] Widerwillig hat die Heilerin Orienne es vollbracht, dem Assassinen Osric zu helfen, indem sie das Versiegen seiner Magie, das in letzter Instanz ihn sogar töten würde, zu verlangsamen.

[00:27:30] Um das geht es nämlich im ersten Teil.

[00:27:32] Er erkrankt an einer Krankheit - er erkrankt an einer Krankheit? - die seine Magie zerstört und das würde tödlich enden für ihn

[00:27:40] und er hat sie soweit gebracht durch Erpressungen und sonstigen Methoden,

[00:27:47] dass sie ihm tatsächlich hilft, aber sie hassen sich halt aufs Blut, weil sie ist Heilerin und er ist Auftragsmörder.

[00:27:52] Jaci:Ich les das Buch jetzt grad. [Shelly: Du liest es gerade?!]

[00:27:54] Ich hab's grad auf Libby aufgemacht und war so, das klingt ja ganz toll.

[00:27:59] Es ist so toll.

[00:28:01] Versuch

[00:28:01] mir nicht zu spoilern.

[00:28:03] Aber es ist jetzt eh schon zu spät.

[00:28:08] Shelly: Oh je. Wie machen wir das jetzt?

[00:28:09] Jaci: Ist okay, ich bin erwachsen, ich schaff das.

[00:28:12] Shelly: Es rentiert sich trotzdem, weil es ist voll gut geschrieben. [beide lachen]

[00:28:16] Oh je, okay.

[00:28:19] Sie haben es geschafft, es zu verlangsamen.

[00:28:24] Nun will sie testen, ob sie die Degeneration umkehren kann.

[00:28:28] Doch was Orion nicht ahnt, Bösewicht

[00:28:30] Osric leidet an einer neuen Erkrankung.

[00:28:33] Sein Herz gehört nicht mehr zu ihm. [Jaci ist begeistert]

[00:28:38] Zu allem Überfluss befindet sich Orion in Gefahr, vor der sie nur ein höchst unzurechnungsfähiger verliebter Auftragsmörder zu schützen vermag.

[00:28:48] Aber mehr sage ich jetzt nicht mehr, weil die Jaci liest gerade den ersten Teil. [lacht]

[00:28:52] Jaci: Also, ich gehe jetzt heim lesen. [beide lachen]

[00:28:56] Shelly: Es ist ein Romantasy Novel.

[00:28:58] Sehr witzig, wirklich wirklich witzig geschrieben, sehr humorvoll.

[00:29:01] Jaci: Ja, das stimmt. Ich bin auch seit der 30, 40 oder sowas.

[00:29:04] Und es ist schon so lustig.

[00:29:07] Shelly: Es ist ein klassisches "He Falls First", "Enemies to Lovers" und so derartig "Slow Burn".

[00:29:14] Es dauert so lange, bis mal was passiert.

[00:29:18] Also ich wünsch dir viel Geduld. [lacht]

[00:29:21] Jaci: Ich implodiere gerade.

[00:29:24] Shelly: Ja, das waren sie, meine fünf Tipps.

[00:29:28] So, jetzt haben wir unsere fünf Highlights vorgestellt jeweils und jetzt interessiert es uns brennend, was ihr euch dieses Jahr vorgenommen habt zu lesen.

[00:29:38] Also was unbedingt gelesen werden muss dieses Jahr oder auf welche Neuerscheinung ihr euch besonders freut.

[00:29:44] Deshalb... Schaut jetzt auf Instagram bei uns vorbei.

[00:29:47] "stabbibliothek.innsbruck" heißt unsere Seite.

[00:29:51] Und dort könnt ihr in unsere Story eure TBRs verraten.

[00:29:56] Und ihr fragt euch jetzt vielleicht, wieso sollten wir das tun?

[00:29:59] Was springt dabei für uns raus? [Jaci lacht]

[00:30:01] Das kann ich euch sagen.

[00:30:02] Denn unter allen Teilnehmer*innen, die uns ihre TBRs verraten, wird eine wunderschöne, streng limitierte... gebrandete Vorwort-Tasse verlost. [Jaci: Wohoo!]

[00:30:20] Mitmachen und gewinnen. [lacht]

[00:30:23] Jaci: Sie ist wirklich ganz toll.

[00:30:24] Trinkkomfort: unbeschreiblich. Tragekomfort: exquisit. Farbe, Design ... pippifein!

[00:30:33] Shelly: Vom Feinsten.

[00:30:35] Also wer eine solche wunderschöne Tasse haben möchte, muss uns verraten, was er heuer liest. [lacht]

[00:30:45] Jaci: Wir sind gespannt auf eure Einsendungen und wünschen viel Erfolg beim Gewinnspiel.

[00:30:51] Shelly: Die Gewinner*innen, also je nachdem, wer es dann halt ist, wird bei der Teatime via Instagram benachrichtigt.

[00:30:59] Bei den anderen Rubriken funktioniert es ein bisschen anders, aber bei uns wird die Tasse auf Instagram verlost.

[00:31:06] Jaci: Sehr schön.

[00:31:06] Wir freuen uns.

[00:31:07] Shelly: Wir freuen

[00:31:07] uns. [Outro-Musik]

[00:31:37] Christina: "S'Vorwort wird produziert von der Stadtbibliothek Innsbruck und ist Teil der Stadtstimmen, dem Audiokanal der Stadt Innsbruck."

Weitere Infos

Die Teatime ist zurück und stellt vor: Ihre TBR-Liste 2026!

„TBR“ ist die englische Abkürzung für „to be read“, also jener Stapel im Bücherregal, den man unbedingt lesen möchte. Lassen Sie sich von den Bibliothekarinnen für Ihre TBR inspirieren. Sie stellen ihre jeweiligen Top 5 genauer vor. Es wird romantisch, klassisch, spannend - da ist sicher der ein oder andere Lesetipp für Sie dabei.

Die besprochenen Bücher gibt’s auch in der Stadtbibliothek.

Literarische Entstehungsgeschichten: Harriet Beecher Stowe vs. Alice Walker

Literarische Entstehungsgeschichten: Harriet Beecher Stowe vs. Alice Walker

Stadtbibliothek Innsbruck

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Transkript

[modulierte Stimme]: Vorsicht! Der Genuss dieses Podcasts kann zu vermehrten Bibliotheksbesuchen führen.

[Intro-Musik]

Christina: #00:00:22‑4# Hallo und herzlich willkommen zurück zum Vorwort, dem Podcast der Stadtbibliothek Innsbruck. Mein Name ist Christina – [Pia: und ich bin die Pia] - und wir starten dieses Jahr mit einer ausgezeichneten Nachricht: Nach langer Auswertung der Daten konnten wir die Gewinnerin unseres kleinen Entstehungsgeschichten-Battles 2025 feststellen. Weil ihr konntet ja jeden Monat über Instagram abstimmen, welche unserer jeweiligen Entstehungsgeschichten euch besser gefallen hat. Und die Datenlage war eindeutig: Ich habe gewonnen! [Pia, lachend: Buuh!] Wobei als erstes muss ich sagen, dass gegen Ende des Jahres hast du da echt aufgeholt. Ich weiß nicht, welchen Support du dir da zusammengetrommelt hast [beide lachen] und ich muss auch gestehen, dass wir die genauen Zahlen nicht mehr herholen haben können, weil wir besonders Anfang 25 das ja noch nicht so ernst genommen haben und deshalb bisschen mehr spielerisch war. Ich meine, ist es immer noch spielerisch? [beide lachen, Pia: Das wollte ich gerade sagen.] Das ist aber heuer und mit Beginn dieses Jahres und dieser neuen Folge ganz anders. Weil auch bei den Abstimmungen wird sich was ändern. Ab sofort könnt Ihr, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, die aber auch Besucher*innen der Stadtbibliothek seid, auf der Fläche, also innerhalb der Stadtbibliothek für uns und unsere jeweilige Entstehungsgeschichte abstimmen. Das geht in der Regel etwa eine Woche nach der Veröffentlichung, also der Erstveröffentlichung der jeweiligen Folge. Wir zählen die Stimmen dann aus und am Jahresende werden wir die Siegerin erneut küren. Und das besonders Tolle ist: Alle, die mitmachen, haben die Chance darauf, eine S'Vorwort-Tasse zu gewinnen. Ja, ihr habt richtig gehört. Wir haben jetzt eine eigene S'Vorwort-Tassen … Merch? [Pia, amüsiert: Ja.] Pia, beschreib doch mal die Tasse für alle. Das ist so ein kleines Schmankerl.

 

Pia: #00:02:38‑1# Sie ist blau. Unser typisches Stadtbibliotheksblau. Genau. Ah! Mehr weiß ich nicht mehr. Was steht oben?

 

Christina: #00:02:47‑8# Es ist ein Henkel dran. [beide lachen] Man kann daraus zum Beispiel Tee trinken. Oder Kaffee. Also praktisch halt, gell?

 

Pia: #00:02:55‑3# Ja, genau. [lacht] Mehr fällt mir jetzt … Es ist eine Tasse.

 

Christina: #00:02:58‑8# Beschreibe die Tasse. [Pia lacht] Genau. Das heißt, an alle Innsbruckerinnen und Innsbrucker: Haltet die Augen offen. Stimmt für uns ab und gewinnt die Teetasse. Die Gewinner*in wird dann von uns per Email benachrichtigt und kann die Tasse jederzeit in der Stadtbibliothek abholen. Und übrigens, falls ihr jetzt denk: „Aber ich bin zwar aus Innsbruck und Umgebung, hätte auch gern so eine Tasse gewonnen, aber ich komme eigentlich fast nicht in die Bibliothek. Ich lese ausschließlich eBooks.“ Da haben wir natürlich trotzdem eine Möglichkeit, dass auch ihr Besitzer und Besitzerinnen dieser tollen S'Vorwort-Tasse werdet. Da müsst ihr einfach einmal bei den Kolleginnen von der Teatime reinhören. Da wird es nämlich auch Verlosungen geben. Aber die laufen dann wiederum über Instagram. So hat also jeder eine Chance auf eine wirklich tolle Limited Edition Merch-Tasse. [Nimmt einen Schluck – vermeintlich aus der tollen Limited Edition S’Vorwort-Tasse] So, Pia. Bist du bereit für 2026 und den Wettbewerb um die Entstehungsgeschichte-Krone?

 

Pia: #00:04:02‑4# Aber sicher.

 

Christina: #00:04:03‑4# Gut, dann.

 

Pia: #00:04:04‑3# Legen wir los.

 

Christina: #00:04:06‑3# Möge die spannendere Entstehungsgeschichte gewinnen. Was haben wir denn mitgebracht heute?

 

Pia: #00:04:12‑6# Ich habe eine Entstehungsgeschichte mitgebracht über Harriet Beecher Stowe und du …

 

Christina: #00:04:17‑8# Über die Alice Walker. Weil der Februar ist der internationale Black History Month, den wir auch jedes Jahr in der Stadtbibliothek feiern und ehren. Und dann haben wir uns gedacht davon lassen wir uns inspirieren und lassen wichtige Anteile der Black History in der Literatur aufleben. Wir beginnen mit der Pia, die allerdings mit einer weißen Autorin anfängt. Wer ist denn jetzt diese Harriet Beecher Stowe?

 

Pia: #00:04:49‑2# Also. Es ist das Jahr 1862. Harriet Beecher Stowe betritt das Weiße Haus. Sie ist keine Politikerin und keine Generalin. Und doch soll Abraham Lincoln sie angeblich mit dem folgenden Satz begrüßt haben: „Also bist du die kleine Frau, die das Buch geschrieben hat, das diesen großen Krieg ausgelöst hat.“ Als Harriet Beecher Stowe Lincoln im Weißen Haus traf, befand sich die USA mitten im Bürgerkrieg. Seit 1861 kämpfte der industrialisierte Norden und der sklavenhaltende Süden gegeneinander offiziell um den Erhalt der Union. In Wahrheit ist es aber vor allem um die Zukunft der Sklaverei gegangen. Ob jetzt Lincoln diesen Satz zu Beecher Stowe im Weißen Haus wirklich gesagt hat, ist fraglich. Aber der Satz bringt einiges auf den Punkt. Ihr Roman „Onkel Toms Hütte“ hatte viele Menschen emotional aufgerüttelt, Fronten verhärtet und die moralische Debatte über Sklaverei radikal verschärft. Ein Buch hatte Öl ins Feuer einer bereits gespaltenen Nation gegossen. Aber wie ist dieses Buch überhaupt zustande gekommen? Und worum geht es überhaupt? Im Mittelpunkt des Romans steht Onkel Tom, ein versklavter Mann, der von seinem Besitzer verkauft wird. Tom wird von Besitzer zu Besitzer weitergereicht und erlebt unterschiedliche Formen der Sklaverei von scheinbar milder Behandlung bis zu extremer Gewalt. Aus heutiger Sicht muss man sagen, dass seine Darstellung als problematisch gilt. Tom wird als christlich und friedlich dargestellt. Er widersetzt sich dem System nicht aktiv und leistet nur passiv Widerstand. Zum Beispiel weigert er sich, einen anderen Sklaven zu schlagen und den Standort anderer Sklaven preiszugeben. Er selber unternimmt aber nie einen Versuch zu fliehen. Durch diese Charakterisierung wurde Tom später zu einem negativen Archetypen. Der Begriff „Onkel Tom“ steht heute abwertend für eine Schwarze Person, die sich unterwürfig verhält oder Unterdrückung hinnimmt. Das kann man aber auch vor allem auf die sogenannten „Tom Shows“ zurückführen. Das waren Theateraufführungen, die auf „Onkle Toms Hütte“ basierten und sehr populär wurden. Diese Stücke stellten die Geschichte aus dem Buch sehr vereinfacht dar. Eigentlich sollten sie ursprünglich das Publikum für die Grausamkeiten der Sklaverei sensibilisieren. Aber viele entwickelten sich zu starken Karikaturen, die rassistische Stereotype verstärkten. Und eben besonders die Figur des Onkel Tom wurde in diesen Shows oft übertrieben passiv und gehorsam dargestellt. So erreichte Beecher Stowe mit dieser Geschichte zwar ein riesiges Publikum. Die Theateradaptionen verzerrten aber ihre ursprüngliche moralische Botschaft vom Buch. Diese Wirkung war von ihr natürlich nicht beabsichtigt. Sie wollte Tom als einen moralischen Helden darstellen. Die Rezeption der Figur über die Jahrzehnte zeigt aber, dass literarische Figuren starke kulturelle Bedeutungen entwickeln können und dass unser Bild von Figuren sich auch über die Zeit und über die Geschichte wandelt. Parallel zu Toms Geschichte erzählt Beecher Stowe so auch die Geschichte von Eliza, einer versklavten Frau, die flieht, um ihr Kind vor dem Verkauf zu retten. Ihre dramatische Flucht über das eisige Wasser des Ohio-Flusses gehört zu den bekanntesten und den dramatischen Szenen im Buch. Der Roman, also wie ist er denn überhaupt geschrieben? So kann man sich das vielleicht nicht vorstellen, aber es ist sehr melodramatisch geschrieben das Ganze. Das ist sehr typisch für Romane im 19. Jahrhundert, und er richtet sich sehr an die Gefühle der Leser*innen. Also er soll etwas auslösen. Das ist auch ein typisches Beispiel für einen „sentimentalen Roman“. Warum aber hat Beecher Stowe den Roman geschrieben? Dafür gibt es auch sehr viele biografische Gründe in ihrem Leben. Harriet Beecher Stowe wurde 1811 in eine religiöse Familie geboren. In ihrer Familie gab es sehr viele Prediger und soziale Reformatoren. Ihre Halbschwester war zum Beispiel Frauenrechtlerin und ihre Familie war auch sehr gläubig und war deswegen auch entschieden gegen Sklaverei. Harriet hat eine sehr gute Bildung erhalten, was für Mädchen damals noch ungewöhnlich war, und arbeitete auch später als Lehrerin. Im Zuge der Arbeit hat sie dann auch ihr erstes Buch geschrieben. Das war Geographiebuch für Kinder und es folgten dann noch zahlreiche Artikel in Zeitschriften und Erzählungen. 1836 heiratete sie den Theologieprofessor Calvin Stowe und wurde daher zu Harriet Beecher Stowe. Die beiden zogen wegen seiner Arbeit nach Maine und unterstützten dort die Underground Railroad. Das war ein geheimes Fluchtnetz, das geflüchtete Sklaven aus dem Süden die Flucht in den Norden ermöglichte. Also das Problem der Sklaverei war für sie schon länger relevant. Aber 1850 hat sich etwas geändert. Der Future of Slave Act zwang Menschen im Norden dazu, entflohene Sklaven an ihre Besitzer zurückzugeben. Beecher Stowe sah, wie dieses Unrecht plötzlich Gesetz wurde und hat das zum Anlass genommen, um einen Roman zu schreiben, in dem es um das harte un unglückliche Leben in der Sklaverei ging. Also das war eigentlich der Grund, warum sie das geschrieben hat. 1851 wurde „Onkle Toms Hütte“ dann wöchentlich als Fortsetzungsroman in einer Zeitschrift der Sklavereigegner veröffentlicht. Und schon die Veröffentlichungsgeschichte zeigt uns die gesellschaftliche Wirkung des Buches: Noch bevor die letzten Fortsetzungen in der Zeitschrift veröffentlicht wurden, erschien der Roman 1852 als Buch und die erste Auflage war innerhalb von vier Tagen ausverkauft. Also sehr schnell. Berichten zufolge waren 17 Druckerpressen rund um die Uhr im Einsatz, um mit der Nachfrage Schritt zu halten. Am Ende des ersten Jahres nach der Veröffentlichung hatte das Buch allein in den Vereinigten Staaten über 300.000 Exemplare verkauft und wurde deswegen zum meistverkauften Roman des 19. Jahrhunderts. Also nicht schlecht. Die Kritik am Roman ließ natürlich nicht lange auf sich warten. Befürworter der Sklaverei sahen den als Propaganda. Sie behaupteten, dass Stowe ein unrealistisches und eindimensionales Bild der Sklaverei im Süden darstellen würde. Schließlich war ihr Buch ein Roman, der nicht auf Fakten beruhte. Außerdem meinten einige, dass sie vermeintliche Vorteile der Sklaverei außer Acht lassen würde. Beecher Stowees Antwort auf diese Kritik war ein weiteres Buch, das Anfang 1853 veröffentlicht wurde, und es war eine kommentierte Sammlung ihrer Quellen und wies auf dokumentierte Fälle hin, die ähnlich oder fast ident mit den Geschichten in ihrem Buch war. Zum Beispiel die Person, dessen Autobiografie als Inspiration für die Onkel Tom Figur diente, war Josiah Hanson. Er selbst sagte über die Darstellung im Roman oder seine Darstellung im Roman: „Von jener Zeit bis heute wurde ich Onkel Tom genannt, und ich bin stolz auf diesen Titel. Wenn meine bescheidenen Worte diese begabte Frau in irgendeiner Weise dazu inspiriert haben, zu schreiben, dann habe ich nicht umsonst gelebt. Denn ich glaube, dass ihr Buch der Anfang eines glorreichen Endes war. Es war ein Keil, der dieses riesige Konstrukt schließlich mit einem furchtbaren Krachen auseinandergerissen hat.“ Bis zu dem Krach hat es nicht zu lange gedauert. Offiziell abgeschafft wurde die Sklaverei 1865, und obwohl sie noch weitere Bücher geschrieben hat, blieb „Onkel Toms Hütte“ Harriet Beecher Stowes bedeutendstes Werk. Ob jetzt die Worte, mit denen Abraham Lincoln Beecher Stowe damals im Weißen Haus begrüßt hat, wirklich so gefallen sind und ob ihr Buch den Krieg ausgelöst hat, ist fraglich. Aber den kulturellen Einfluss von „Onkel Toms Hütte“ während und nach dem Bürgerkrieg kann man nicht leugnen. Genau, das wäre meine Geschichte.

 

Christina: #00:12:39‑1# Wow. Ich finde die Geschichte extrem spannend, weil, wie du ja gesagt hast in der Mitte von deiner Entstehungsgeschichte, dass die Rezeption von dem in nachvollziehbarer Weise eine ganz andere ist. Und ich habe es jetzt total spannend gefunden, dass … da mal den Hintergrund einfach zu erfahren, von was inzwischen, was ich inzwischen als Slur [Anm. der Redaktion: Schimpfwort] bewerten würde. [Pia: Ja.] „Onkel Tom“. Zu verstehen, wo die Wurzel darin liegt, eben im frühen oder Mitte des 19. Jahrhunderts. 1853 ist einfach eine andere Zeit als heute. Und gleichzeitig kann ich verstehen, warum BIPoC People also Schwarze Menschen das von sich weg. Also abstoßen oder abwerten, weil es ist … hat schon sehr „White Savior“. Also es gibt schon viel „White Savior“ oder, dieses Bild der Weißen Frau, die, die das Umfeld, die dieses die das Konstrukt der Sklaverei umwirft. Das ist ja der … Weißt du wo ich herkomme?

 

Pia: #00:14:07‑5# Ja, ich weiß, was du meinst. Beecher Stowe selber ist natürlich auch in ihrer Zeit irgendwie gefangen gewesen oder sie hat natürlich auch ihre eigenen Vorstellungen mitgebracht. Und das war natürlich eine Zeit, wo dieser Austausch vielleicht noch nicht so stattgefunden hat, oder? Es war … es hat nicht sehr viel Diskussionen- Diskussionen hat es schon gegeben in diese Richtung, aber …

 

Christina: #00:14:29‑9# Die Möglichkeit für was auf jeden Fall ist, dass überhaupt Frauen in der Zeit haben  was veröffentlichen können, ist bemerkenswert. Ich finde außerdem bemerkenswert, dass sie den Nachnamen des Mannes mit Bindestrich angenommen hat. Das ist mir zum Beispiel aufgefallen. Sie heißt ja nicht Beecher Stowe … also sie heißt Beecher Stowe und nicht Stowe, Harriet Stowe, sondern sie ist Beecher Stowe geblieben …

 

Pia: #00:14:52‑0# Das hat sie auch deswegen gemacht, weil ihre Familie bekannt war.

 

Christina: #00:14:54‑7# Ah, ich verstehe.

 

Christina: #00:14:56‑0# Sie hat offensichtlich, was sie nur damit sagen will. Also, es ist eine wichtige Geschichte. Und ich finde, die Wurzeln davon zu kennen, ist wichtig. Ich finde aber auch zu erwähnen, dass das heute. Wir sind zwar Weiße cis Frauen, die natürlich alles nur wiedergeben können, oder? Also und dass das man das ich kann. Ich kann nachvollziehen, warum das wahrscheinlich sehr, sehr kritisch gesehen wird, auch wenn man die die die zurück zur Wurzel geht und es wirklich einmal betrachtet. [Pause] Ist, glaube ich, ein wichtiges Werk und es ist gut, dass es heute nicht mehr wichtig ist.

 

Pia: #00:15:39‑8# Nicht mehr notwendig ist …

 

Christina: #00:15:41‑9# Also, dass es das, dass es Schwarze Stimmen gibt eben wie die Alice Walker, die man heute auch noch über die wir heute noch reden. Die Alice Walker hätte zum Zeiten der Beecher Stowe aller Wahrscheinlichkeit nach nicht die Möglichkeit gehabt, Romane zu veröffentlichen.

 

Pia: #00:16:00‑6# Ich bin mir nicht so sicher, weil es hat Autobiografien von Sklaven selber gegeben in der Zeit, also Romane weiß ich jetzt nicht, was jetzt aber zum Beispiel, ja eben zum Beispiel eben der Josiah Hansen, der eben als Vorbild für Onkel Tom gilt, hat selber Autobiografie herausgebracht und darauf hat sich Beecher Stowe eben bezogen. Also die Autobiografie ist rauskommen bevor-

 

Christina: #00:16:22‑7# Aber. Auch spannend, dass die -

 

Pia: #00:16:22‑9# ihr Werk rausgekommen ist und lustigerweise ist nachdem Onkel Toms Hütte rausgekommen ist, sind die Verkaufszahlen von seinem Buch

 

Christina: #00:16:32‑4# Natürlich.

 

Pia: #00:16:32‑9# Durch die Decke geschossen, dadurch nach oben gegangen zumindest und ich glaube, es hat sogar zweite Auflage gegeben davon oder so irgendwas war da.

 

Christina: #00:16:40‑4# Aber es braucht den. Es braucht halt die Stimme der Weißen Frau, damit der Schwarze Gehör findet, ist natürlich …

 

Pia: #00:16:48‑5# Es war natürlich auch die Art und Weise, wie sie das Buch geschrieben hat mit sehr emotional.

 

Christina: #00:16:51‑9# Ja sehr melodramatisch. Also ich glaube, wenn man das heute liest, wär man eher vor den Kopf gestoßen. Ich habe es nicht gelesen, ich habe nicht Amerikanistik studiert, deswegen spreche ich ja sehr aus noch einmal entfernter und aus keiner Expertise heraus. Aber du hast gelesen, gell?

 

Pia: #00:17:09‑5# Ich hab's gelesen. Ich habe es aber gelesen, als ich sehr jung war. Ich habe mir.

 

Christina: #00:17:12‑5# Das natürlich nochmal anders.

 

Pia: #00:17:13‑8# Ja, eben. Also mir hat es als Kind eigentlich wo es gelesen habe und ich habe es mir sehr mitgenommen das Ganze.

 

Christina: #00:17:21‑7# Weil das wahrscheinlich deine erste Begegnung mit Sklaverei war, oder?

 

Pia: #00:17:25‑6# Das wollte ich auch gradsagen. Ich habe halt noch nicht viel über die amerikanische Geschichte gewusst. Und dann war das noch schockierender. Natürlich. Aber man muss natürlich sagen eben, sie hat halt aus dieser speziellen Perspektive heraus als jemand, der natürlich Schwarzen helfen wollte, Schwarzen Sklaven helfen wollte und das auch effektiv gemacht hat. Aber natürlich ist sie immer noch eine Außenstehende gewesen. Und deswegen muss man das immer noch mal ein bisschen anders sehen. Aber man muss auch sagen, es ist ja generell toll oder interessant zu sehen, dass ein Buch so eine Auswirkung haben kann, weil eben schon die Verkaufszahlen und auch es ist ja mitten im Bürgerkrieg …

 

Christina: #00:18:02‑6# … veröffentlich worden.

 

Pia: #00:18:03‑2# Ja, eben. Das macht natürlich schon einen Unterschied. Und die Macht von Literatur.

 

Christina: #00:18:08‑7# Es ist eben wir sind ja, wir reden ja über literarische Entstehungsgeschichten und es ist ohne Frage hat es einen riesengroßen Einfluss auf die amerikanische Gesellschaft gehabt und eben nach wie vor. Nur dass das Bild sich geändert hat, weil sich natürlich nach der Zeit die Werte ändern. Und das ist ja auch gut so. Extrem spannend. Also ich liebe solche Geschichten, wo man dann auch den Hintergrund erfährt und dann einfach reflektiert in den Diskurs gehen kann. Wo kommt es her, wo ist es hingegangen? Super spannend.

 

Pia: #00:18:46‑7# Ja, das ist interessant, wie sehr sich das wandeln kann. Unser Bild von am Werk, von einer Geschichte, von einer Figur.

 

Christina: #00:18:51‑7# Ja, wie sich das kulturell weiterentwickelt.

 

Pia: #00:18:55‑1# Ja, wo die Intention vielleicht vorher andere war und dann …

 

Christina: #00:18:59‑3# Aus der Zeit heraus.

 

Pia: #00:19:00‑8# In der man sehr speziellen geschichtlichen Kontext oder. Ja, wo das vielleicht nötig war irgendwie so eine Geschichte.

 

Christina: #00:19:08‑3# Ja, das ist genau das, was man in Literatur, wenn die Leute immer fragen: Was lernt man eigentlich im Literaturstudium? Ist genau, was man macht, oder? Man schaut sich immer die Werke in ihrem Kontext an, das heißt, das Literaturstudium ist auch immer bis zu einem Grad ein Geschichtsstudium und ein kulturwissenschaftliches Studium. Und genau daraus schaut man sich das an und lernt dann, das zu dekonstruieren. Also total cool.

 

Pia: #00:19:40‑1# Ja. Aber jetzt.

 

Christina: #00:19:40‑9# Jetzt …

 

Pia: #00:19:42‑4# … geht’s mit Alice Walker weiter.

 

Christina: #00:19:43‑6# Genau. Also a toller Roman. [beide lachen] Eben. Wir haben jetzt von der Harriet Beecher Stowe gehört, die eben, wie wir jetzt schon erwähnt haben, aus der Perspektive von einer Weißen Frau und Abolitionist – Abolitionistin gibt’s nicht  auf Deutsch, oder?

 

Pia: #00:20:05‑6# Doch, ich glaub schon, oder? Da zeigt sich wieder unser Studium. Wir sind so im Englischen drin.

 

Christina: #00:20:11‑4# - über die Grausamkeit der Sklaverei schrieb in einem Buch, das heute zu Recht kritisch gesehen werden darf. Mehr als 100 Jahre danach erhalten wir mit Alice Walker die Stimme einer Schwarzen Frau über das Leben in den Vereinigten Staaten, über Aus- und Nachwirkungen eines politischen Systems, das auf Marginalisierung, Ausbeutung und Gewalt beruht. Ihr wohl berühmtestes Werk ist der 1982 erschienene Briefroman „Die Farbe Lila“. Und hier ist meine Entstehungsgeschichte: [beide lachen] Wie es so oft ist in den sozialen Medien taucht „Die Farbe Lila“ ganz plötzlich in Videos auf Social Media auf, vor allem auch auf Booktok. Junge Leser*innen filmen ihre emotionalen Reaktionen beim Lesen des Romans. Sie zitieren Sätze, die sie treffen und fragen: Warum hat uns eigentlich niemand früher von diesem Buch erzählt? - Alle Bibliothekare denken sich: catching! Sehr gut. - Genau in diesem neuen Interesse zu diesem neuen Interesse trägt eine Neuverfilmung von Blitz Bazawule bei, die die Geschichte erneut ins öffentliche Gespräch brachte. Aber der eigentliche Grund für die Wiederentdeckung liegt meiner Meinung nach tiefer. „Die Farbe Lila“ erzählt nämlich von Gewalt, von Rassismus und weiblicher Unterdrückung. Im Hinblick auf die systemische Unterdrückung von Schwarzen und weiteren marginalisierten Gruppen in den USA sowie den Bildern von Polizeigewalt, ist es kein Wunder, dass der Roman auch mehr als 40 Jahre nach der Erstveröffentlichung eines ein so großes Interesse bei einer ganzen neuen Generation Leser*innen ausgelöst hat. Wie aber ist das Buch entstanden? Alice Walker wurde 1944 in Georgia geboren, im amerikanischen Süden zu einer Zeit, als die Rassentrennung gesetzlich verankert war. Schwarze Familien lebten unter Bedingungen, die von struktureller Gewalt, Armut und permanenter Bedrohung geprägt waren. Als Kind wurde Alice Walker bei einem Unfall am Auge verletzt. Sie verlor einen Teil ihres Sehvermögens und zog sich lange zurück. Später sagte sie, dass sie in dieser Zeit begann, genauer hinzusehen auf Menschen, zwischenmenschliche Dynamiken, auf das, was unausgesprochen blieb. Schreiben wurde für sie früh ein Mittel, um die Welt zu ordnen. Walker studierte, erhielt Stipendien, engagierte sich in der Bürgerrechtsbewegung und begann zu veröffentlichen. Sie schrieb Gedichte, Essays und Romane, lange bevor „Die Farbe Lila“ entstand. Ihre Texte waren politisch und persönlich zugleich. Sie schrieb über das Leben Schwarzer Frauen, Rassismus, Sexismus und Gewalt aus einer Perspektive, die in der amerikanischen Literatur lange kaum sichtbar war. In den 1970er-Jahren begann Alice Walker mit der Arbeit an dem Roman, der ihr später bekanntester werden sollte. „Die Farbe Lila“ ist als Briefroman angelegt. Die Hauptfigur Celie schreibt. Zunächst an Gott, später an ihre Schwester Nettie. Sie schreibt, weil ihr sonst niemand zuhört. Der Roman erzählt von sexuellem Missbrauch, von häuslicher Gewalt, Armut und Ausgrenzung. Aber er erzählt auch von Freundschaft, weiblicher Solidarität und der Möglichkeit, sein eigenes Leben zurückzuerobern. Walker schrieb diesen Roman nicht aus einer einzelnen biographischen Erfahrung heraus. Vielmehr speist es sich aus kollektiven Geschichten, aus Beobachtungen, aus dem Wissen um das Leben Schwarzer Frauen im Süden der USA. Der Text ist bewusst einfach gehalten, manchmal hart, manchmal zärtlich. Er verlangt von den Leser*innen viel ab. Zynisch ist er dabei aber nie. 1982 erschien „Die Farbe Lila“. Der Roman wurde schnell zu einem Erfolg und erhielt den Pulitzerpreis. Walker war damit die erste afroamerikanische Frau, die mit diesem Preis ausgezeichnet wurde. Gleichzeitig war die Rezeption von Beginn an ambivalent. Einige Kritiker*innen warfen Walker vor, ein zu düsteres Bild Schwarzer Männer zu zeichnen. Andere sahen gerade in dieser Schonungslosigkeit die Stärke des Buches. Alice Walker blieb auch nach dem Erfolg politisch aktiv und öffentlich präsent. In späteren Jahren geriet sie mehrfach in die Kritik, unter anderem wegen ihrer Position im Israel-Palästina-Konflikt und wegen Texten, die als problematisch oder einseitig wahrgenommen wurden. Diese Kontroversen gehören ehrlich gesagt genauso zu ihrem Vermächtnis wie ihre unstreitbare literarische Bedeutung. 2023 starb Alice Walker. „Die Farbe Lila“ wird heute erneut gelesen, und zwar lange nicht nur als historischer Text, sondern leider als Gegenwartsroman. In einer Zeit, in der rassistische Gewalt, Polizeigewalt und politische Radikalisierung erneut sichtbar sind und ihre Auswirkungen auf die U.S.-Gesellschaft und Gesellschaften im Allgemeinen zeigen, wirkt Celies Geschichte erschreckend aktuell. Der Roman zeigt im Endeffekt auf, wie politische und strukturelle Macht sich in Beziehungen einschreibt und wie schwer es ist, sich dem zu entziehen. [Pause] Ja, damit ist meine Entstehungsgeschichte heute beendet.

 

Pia: #00:26:22‑9# Ich finde es interessant, dass jetzt eben auf das auf Tiktok gerade so im Trend ist.

 

Christina: #00:26:30‑1# Vor allen Dingen 2023/24 war es besonders groß.

 

Pia: #00:26:35‑1# Das ist interessant, oder? Weil für mich ist es irgendwie so Schullektüre. Das hat immer so dazugehört. einfach. Es ist interessant, dass jetzt sozusagen „warum hat uns niemand von diesem Buch erzählt“, das ist ein bisschen wiederentdeckt wird.

 

Christina: #00:26:49‑9# Ja, wie gesagt, ich glaube ganz das hat das ist einfach, weil es aktuell wie nie ist und weil es auch so aus Celies Perspektive ungemein… Erstens ist es eine Own Voices-Geschichte. Es ist aus Celies Perspektive extrem intim.

 

Pia: #00:27:13‑4# Der Briefroman macht ja automatisch was mit dir, oder? Es ist, als ob du da bist, in Geheimnisse reinliest. Und das macht das noch mal ein bisschen intimer.

 

Christina: #00:27:22‑0# Ja genau diese, die das, was die Literatur macht, diese Empathie eröffnen für in unserem Fall andere Lebensperspektiven. Und es ist schon harter Stoff.

 

Pia: #00:27:36‑1# Aber es ist ja interessant, dass in beiden Fällen von unseren Geschichten Empathie eine wichtige Rolle spielt, oder? Weil bei Beecher Stowe war es: „Okay, ich mach das Ganze so sentimental wie möglich, so emotional wie möglich.“ Und bei Alice Walker war es auch „Okay. Ich gebe die Perspektive dieser Person. Ich schreibe das als Briefroman und erzeugt dadurch Empathie.“ Oder?

 

Christina: #00:27:55‑8# Oder ich würde nach wie vor - das ist meine persönliche Meinung -  aber die zwei trennen. Weil ich finde sie nicht Vergleichbar aus der heutigen Sicht, aus der heutigen Sichtweise heraus. Wegen dem – Also. Ohne jetzt ein Argument aufzumachen, ob Own Voices immer fair oder gut ist. Und was ist Literatur? Und ich denke auch Literatur darf von jedem und soll von jedem geschrieben werden. Und ich glaube auch, dass Beecher Stowe mit den besten Absichten agiert hat. Verstehe ich, wenn jemand sagt aber ich möchte lieber Own Voices-Literatur lesen, insbesondere wenn es die Erfahrung ist, die ich auch mache und sich da geschützter fühlt.

 

Pia: #00:28:49‑6# Ja, sicher Also, das sicher, aber einfach prinzipiell, dass Literatur eben in beiden Fällen versucht hat, eben Emotionen zu erzeugen.

 

Christina: #00:28:56‑8# Sowieso. Genau. Und für als außenstehende Frau, Person die, die diese Erfahrungen nicht gemacht hat. Ich erinnere mich noch sehr was für mich meine Begegnung mit „Die Farbe Lila“ war. Der Film damals mit Whoopi Goldberg. Und auch da, wie es bei dir mit mit „Onkel Toms Hütte“ war, war ich da … Ich war einfach noch ein Kind, wo ich das das erste Mal geschaut habe und das war - Ich glaube ehrlich gesagt an meine erste Begegnung mit dem Thema. Jetzt ist es aber so ein intimes Framing, oder? Also das ist ja ein so häusliches Framing und das Framing erst einmal ist sehr viel diese häusliche Gewalt. Das ist mir immer - also die Szene, wo sie ihrem Mann die auf der Veranda den Bart rasiert. Das ist so eindrücklich, das werde ich nie vergessen. Und ja, also.

 

Pia: #00:29:52‑3# Da gibt es Bilder, die einfach dann immer bei einem bleiben und das macht eben. Ich finde, das macht noch mal mehr als einfach ein Geschichtsbuch zu lesen über diese Ereignisse.

 

Christina: #00:30:01‑8# Was sicher der Grund ist, warum „Onkle Toms Hütte“ damals so eingeschlagen ist. [Pia: Ja]. In deinem Studium hast du es auch gelesen, hast gesagt?

 

Pia: #00:30:13‑3# Ja, habe ich. Und das macht natürlich, wenn man es als Kind liest und dann als Erwachsener …

 

Christina: #00:30:17‑8# Boah. Das war sicher spannend, oder?

 

Pia: #00:30:18‑9# Ist ja bei jeder jegliche Literatur, die man wieder liest. [Christina: Ja!] Da fällt einem dann prinzipiell alles nochmal auf, oder? Aber dann hat man sich nochmal mehr: Okay, ja, okay, das habe ich damals alles nicht gesehen.

 

Christina: #00:30:28‑7# Das ist ja, das kenne ich. Also die Sachen, die unsichtbar sind, weil man die Kontexte nicht hat.

 

Pia: #00:30:35‑3# Ja, und eben, wie gesagt, damals, das erste Mal, als ich es gelesen habe, habe ich einfach nichts über den amerikanischen Bürgerkrieg gewusst und über die Sklaverei. Also „nix“ ... Aber ich habe -

 

Christina: #00:30:43‑4# Naja…

 

Pia: #00:30:44‑5# Nicht wirklich irgendeinen Kontext.

 

Christina: #00:30:45‑5# Also nicht unbedingt das, was man in der österreichischen Volksschule lernt.

 

Pia: #00:30:49‑0# Na eben, deswegen. Das war einfach noch mal was anderes. Und dann, wenn man den ganzen Kontext hat und sich denkt okay, deswegen hat sie das so geschrieben und ja, natürlich ist es überemotionalisiert und dann erkennt man diese natürlich gerade wenn man im Literaturstudium ist, erkennt man dann diese Strukturen noch mehr und kann es analysieren. Man sieht eben, wie gesagt, es ist ja super, dass sie es geschrieben hat und an sich ist es toll, dass es dieses Werk gegeben hat. Aber natürlich ist es. Jetzt würde ich jetzt nicht sagen, dass es ein Roman ist, den man jetzt genauso lesen kann wie damals.

 

Christina: #00:31:23‑3# Ja, und wenn ihr euch für die-  Jetzt sind wir so bis in die Diskussion geraten ist, kann da sein, dass wir da jetzt einen relativ harten Schnitt drin haben. Das weiß ich jetzt nicht. Einfach weil es für uns als eben im beruflichen Kontext total spannend, total spannende Fragen sind und wir uns da einfach als ehemalige Literaturstudentinnen extrem gern mit diesen Dingen auseinandersetzen. Auch kritisch, und da haben wir uns beide nun so ein bisschen verloren.

 

Pia: #00:31:54‑5# Darüber könnte man ewig quatschen.

 

Christina: #00:31:56‑3# Ewig. Aber ich finde es sehr schön, dass wir drüber reden können.

 

Pia: #00:32:00‑1# Ja, natürlich, Das ist immer positiv.

 

Christina: #00:32:02‑9# In jedem Fall möchten wir uns bei euch fürs Zuhören bedanken. In den Shownotes findet ihr alle Links, die für euch vielleicht interessant sind. Auch zu den Werken, die wir da heute erwähnt haben im Zusammenhang mit unseren Entstehungsgeschichten. Wir freuen uns extrem auf zahlreiche Stimmen vor Ort. Wenn ihr Hörer*innen seid und im Haus und gerade seht, das könnt ihr gar nicht verfehlen, es ist direkt am Eingang nach der Ausleihe, da steht da jetzt die Urne, da werfe ich jetzt ein, gell?

 

Pia: #00:32:41‑8# Natürlich, für mich.

 

Christina: #00:32:42‑8# Auf jeden Fall.

 

Pia: #00:32:43‑3# Für mich. Also. [beide lachen]

 

Christina: #00:32:46‑2# Wir möchten uns auch, das soll auch mal gesagt sein für eure Anfragen und Kommentare bedanken. Und das ganze Feedback, dass sie uns schickt. Sendet es einfach wie gewohnt an post.stadtbibliothek@innsbruck.gv.at. Schaut doch außerdem mal auf Instagram unter stadtbibliothek.innsbruck vorbei. Ich habe das jetzt so richtig alt gesagt: [übertrieben betont] „Instagram“. [beide lachen leise] Neben tollen Gewinnspielen halten wir euch dort auch über alles auf dem Laufenden, was in der Stadtbibliothek sonst noch so passiert.

 

Pia: #00:33:23‑2# Danke fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal. Ciao.

[Outro-Musik]

Pia: #00:33:51‑0# S‘Vorwort ist eine Produktion der Stadtbibliothek Innsbruck und Teil der Stadtstimmen, dem Audiokanal der Stadt Innsbruck. #00:33:57‑9#

Weitere Infos

Auch 2026 begeistern Sie die Hosts Pia und Christina wieder mit spannenden Entstehungsgeschichten zu bekannten und unbekannten Literaturen – es erwarten Sie autobiografische Einblicke in das Leben berühmter Autor:innen, Neu- und Wiederentdeckungen literarischer Werke und die Hintergründe dazu, wie große Literatur entstanden ist. Alle Leserinnen und Leser, die unmittelbar in der Umgebung von Innsbruck wohnen, können abstimmen, welche Entstehungsgeschichte ihnen besser gefallen hat und jede Folge eine Limited Edition S’Vorwort-Tasse gewinnen. Ja, sie ist blau. Ja, sie hat einen Henkel. Und ja, sie eignet sich hervorragend für jedes Getränk Ihrer Wahl – aber wir empfehlen natürlich Tee.

In der heutigen Folge gibt Pia Einblicke in den im Stile des 19. Jahrhunderts typisch sentimentalen Roman „Onkel Tom’s Hütte“ von der U.S.-amerikanischen Autorin Harriet Beecher Stowe, und wie es zu dessen Entstehung – und damaligen Erfolg – gekommen ist. Christina erzählt von der Autorin Alice Walker, die mit ihrem wohl berühmtesten Roman „Die Farbe Lila“ als erste Schwarze Frau 1983 den Pulitzerpreis für Belletristik erhalten hat.

Viele der besprochenen Bücher gibt’s auch in der Stadtbibliothek.

Kurz und Schmerzlos mit … Rainer Moritz

Kurz und Schmerzlos mit … Rainer Moritz

Stadtbibliothek Innsbruck

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Transkript

[modulierte Stimme] Vorsicht! Der Genuss dieses Podcasts kann zu vermehrten Bibliotheksbesuchen führen.

 

Boris: #00:00:07‑3# Rainer Moritz, „Mögen Sie Madame Bovary? Lieblingsfiguren der Weltliteratur“, Oktopus 2025: „Eine einzige Begegnung kann unser Leben verändern. Und das gilt auch für Begegnungen mit Figuren aus der Literatur. Manchmal kommen wir ihnen so nahe, dass sie uns vertrauter erscheinen als die Menschen in unserer Nachbar- oder Verwandtschaft. Wir finden uns in ihnen wieder, nehmen Anteil an ihren Schicksalen, reiben uns an ihnen und wollen sie nicht mehr missen. Sie bringen uns zum Nachdenken, zum Lachen oder zum Brodeln, nehmen uns mit in eine fremde Welt und erweitern unseren Horizont. Rainer Moritz lädt ein zu einem Spaziergang durch die Weltliteratur, begleitet von einer äußerst vielfältigen und höchst subjektiven Auswahl seiner Lieblingsfiguren von Dagobert Duck über Emma Bovary, Troubadix, Emma Woodhouse und den kleinen Nick bis hin zu Emily Grimes.“

[Intro-Musik] Hallo und herzlich willkommen zurück beim Vorwort: Kurz und Schmerzlos. Heute mit Rainer Moritz und mein Name ist Boris Schön. Ja, Herr Moritz, schön, dass Sie da sind. – Rainer Moritz: Ich freue mich auch. - Ich würde Sie zuerst wie alle unsere Gäste bitten, sich kurz vorzustellen.

 

Rainer Moritz: #00:01:48‑6# Bis Ende April hätte ich geantwortet: Ich bin Leiter des Literaturhauses Hamburg. Das bin ich nicht mehr seit Ende April. Deswegen sage ich: Ich bin Autor, Publizist, Literaturkritiker, Schlagerexperte. Was nicht so viele Menschen aus der Literatur sind und gelegentlich auch Übersetzer.

 

Boris: #00:02:05‑7# Sie arbeiten ja in sehr vielen Bereichen des Literaturbetriebs. Und… Ich stelle mir heute ein bisschen die Frage, da Sie ja auch als Literaturkritiker arbeiten, das machen. Wie lange machen Sie das schon? Wie lange sind Sie schon in der Literatur? Wie lang schreiben Sie schon Rezensionen? Und …

 

Rainer Moritz: #00:02:26‑6# Ich hab zum Glück alles in meinem PC gespeichert. Also das ist eine immense Datei. Ich habe begonnen, als Student in Tübingen studiert habe. Meine erste Rezension war 1983. Ich erschrecke selbst, wenn ich es ausspreche. Für die Stuttgarter Zeitung ein Blatt, für das ich heute immer noch gelegentlich schreibe. So hat es begonnen mit der Stuttgarter Zeitung. Dann sind andere Zeitungen dazugekommen. Das wechselt ja immer wieder. Manche Zeitungen, der Rheinische Merkur, für den habe ich früher geschrieben, die gibt es schon lange nicht mehr. Und aktuell sind es neben Rundfunkanstalten also Deutschlandfunk, Mitteldeutscher Rundfunk. Vor allem die Neue Zürcher Zeitung. Die Frankfurter Allgemeine ist jetzt dazugekommen und für Österreich natürlich auch Die Presse und die Furche.

 

Boris: #00:03:01‑9# 1983 bin ich auf die Welt gekommen, also …

 

Rainer Moritz: #00:03:03‑7# Ja, ich bin selber erschrocken. Ich habe wirklich alle Rezensionen abgespeichert und es sind sehr viele, habe ich dann gesehen, als ich die Seiten überschlagen habe.

 

Boris: #00:03:12‑6# Jetzt war das immer eine bezahlte Tätigkeit oder haben Sie das auch teilweise einfach so gemacht? Oder wie kann man sich das vorstellen? Ist das quasi Ihr Brotberuf zu einem gewissen Teil immer gewesen?

 

Rainer Moritz: #00:03:23‑4# Es war eine Nebenbeschäftigung, ich war nie mutig genug im Leben zu sagen Du willst dich jetzt als freier Publizist. Das klingt ja immer so schön. Freier Autor Es ist meistens nicht so schön, wie es klingt. Mich hat schon immer eine nebenberufliche Tätigkeit. Ich war 15 Jahre im Verlagswesen gewesen, bei Reclam Leipzig, dann zuletzt noch Verlagsleiter bei Hoffmann und Campe in Hamburg ehe ich ins Literaturhaus gewechselt bin 2005 und ich habe aber immer neben allen Tätigkeiten, egal ob im Verlag oder dann im Literaturhaus, immer Literaturkritik geschrieben, habe Bücher veröffentlicht, einfach weil ich das wollte. Die Leute fragen mich manchmal Ja, warum machst du das denn? Ich sage immer, Wenn man etwas will, dann tut man das. Und das Glück hatte ich immer, dass ich das gut verknüpfen konnte mit der hauptberuflichen Tätigkeit. Deswegen ist diese Literaturkritik, war zum Glück immer bezahlt. Ich sage im Scherz immer, das hat die Aufstockung des Weinkellers erleichtert. [Boris lacht] Sie wissen, für eine Print-Rezension davon wird man nicht reich. Der Kritiker, der heute nur noch von der Literaturkritik lebt, das gibt es kaum noch. Das war vor 20, 30 Jahren gab es solche Kritiker noch, die eine Rezension dann zehnmal an Provinzzeitungen verkauft haben, den gleichen Text, dann konnte man davon leben. Das geht heute, wenn Sie nicht Hörfunk und viele andere Dinge dazu machen, eigentlich nicht mehr.

 

Boris: #00:04:33‑9# Wie hat sich das generell verändert, diese ganze Literaturkritik? Ich denke mir. Also mir kommt einfach vor, es gibt inzwischen wahnsinnig viele Laien-Kritik, die ja dazu gekommen ist im Netz und ist ja auch wie ist das? Wie kann man sich das zeitlich vorstellen? Wie viel Zeit darf man sich überhaupt noch nehmen, damit das halbwegs finanziell funktioniert?

 

Rainer Moritz: #00:04:52‑4# Ich musste wieder von den Kritiken nicht rein leben, sonst hätte ich, hätte man anders agieren müssen. Nein, Sie wissen das ja selber. Wenn man einen 800 Seiten Roman rezensieren muss, dann darf man nicht umrechnen. Wenn man dann 350 €, wenn es hochkommt, für diese Rezension bekommt. Da darf man gar keine Stundenzahl eher ausrechnen. Ich habe das oft verknüpfen können. Ich mache viele Veranstaltungen mit Buchvorstellungen in Bibliotheken, in Buchhandlungen. Und dann sind die Bücher, die ich rezensiere, wenn ich sie denn gut finde, auch dabei. Dann habe ich immer versucht, auch mich selber mehrfach auszuschlachten, um davon zu profitieren. Nein. Wir wissen alle, dass es um die Print-Literaturkritik völlig anders bestellt ist als noch vor 20, 30 Jahren. Der Einfluss ist massiv gesunken. Auch die Literaturkritik im Fernsehen hat eigentlich keine Bedeutung mehr. Alle erinnern sich noch an das alte Literarische Quartett. Da hatte, wenn man selber im Verlag war wie ich, dann war das immer ein wichtiges Datum, wenn man gehofft hat, das ist jetzt das Buch, das empfohlen wird, und dann sind die Verkaufszahlen auch sofort in die Höhe geschnellt. Heute können Sie eine große Rezension im Spiegel haben oder in der Frankfurter Allgemeinen und Sie merken nichts im Verkauf. Das hat sich völlig gewandelt. Sie haben gesagt, das ist im Internet auf andere Foren, hat sich das verlagert. Das hat nur deswegen bin ich auch immer, wenn ich gefragt werde, wird ein vehementer Verteidiger der Literaturkritik. Wir brauchen dieses, diese Form der Auseinandersetzung mit Literatur. Wenn ich nur noch nach Internetrezensionen gehe, Daumen hoch, Daumen runter, „Ich habe geweint“ [Boris lacht] als höchstes Kriterium der kritischen Auseinandersetzung. Das darf es ja, soll es geben. Empfehlungen. Da haben sich ja ganze Netzwerke, Communities zusammengetan. Das ist auch völlig in Ordnung. Aber man muss schon schauen, was Literaturkritik eigentlich ist. Und das ist eben schon der Versuch, mit Argumenten die Spreu vom Weizen zu trennen. Und ich merke, dass immer wieder Leute sind dafür auch dankbar. Wenn nur noch gelobhudelt wird, dann hat letztlich niemand was davon. Aber der Einfluss ist natürlich gesunken. Sie wissen, dass auch die Zeitungen es immer schwerer haben. Die taz in Deutschland gibt es jetzt nur noch in einer Wochenausgabe, nicht mehr als tägliche Zeitung. Das wird anderen Organen wahrscheinlich auch so gehen. Also da darf man sich keine Illusionen machen.

 

Boris: #00:06:55‑3# Kommt Ihnen auch vor, dass da irgendwie eine Linie zwischen Generationen verläuft, oder haben Sie da nicht so das Gefühl?

 

Rainer Moritz: #00:07:02‑6# Natürlich sind es eher ältere Literaturkritikerinnen und Kritiker, die versuchen, die Fahne hochzuhalten. Das finde ich auch wichtig. Es gibt zum Glück sehr vehemente Mitstreiterinnen und Mitstreiter. Daniela Strigl aus Österreich nach Sigrid Löffler. Sie hat quasi den Platz von Sigrid Löffler in gewisser Weise eingenommen, ist auch eine Person, die ich sehr schätze, weil sie eben darauf pocht, dass es kritische Argumente gibt. Aber natürlich ist unter den Jüngeren ist es oft leichter, sich im Internet zu tummeln, sich auszutauschen. Wie gesagt, das soll es geben. Aber man darf es nicht mit Literaturkritik verwechseln. Das passiert manchmal, dass das so getan wird, als sei das auch Literaturkritik. Das ist Literaturempfehlungen, und das ist in Ordnung. Aber da geht der Riss, da würde ich Ihnen zustimmen, ein bisschen durch die Generationen. Aber es gibt, auch wenn Sie die Printmedien anschauen, immer wieder neue Kritikerinnen und Kritiker, die auch versuchen, diese Maßstäbe hochzuhalten.

 

Boris: #00:07:55‑9# Jetzt gab es ja von Marcel Reich-Ranicki, glaube ich, das Buch damals „Alles Verrisse“ [Rainer Moritz: „Lauter Verrisse“]. „Lauter Verrisse“. Darf ich Sie fragen, wie ist es, wenn Sie manchmal, ich weiß nicht, ob Sie es schon getan haben, so einen richtigen Verriss schreiben. Ist das …?

 

Rainer Moritz: #00:08:10‑6# Ich würde sagen, ich habe nie durchgezählt. Es gibt ja auch die gemischte Rezension, wo man selber unsicher ist, wo man Schwächen des Buches erkennt, aber auch Stärken erkennt. Natürlich gehört es dazu. Das ist die Aufgabe der Literaturkritik. Wer bei allen beliebt sein möchte, der sollte keine Literaturkritik schreiben, das ist ganz klar. Nein, wenn man sich auf die Fahne geschrieben hat ich will auch zwischen gut und weniger gut unterscheiden, dann muss ich das auch in einem Text formulieren. Nein, ich habe sehr wüste Verrisse in meinem Leben geschrieben. Ich würde sie nicht als Buch sammeln. Das ist vorbei. Die Zeiten, wo Reich-Ranicki das gemacht hat. [Boris lacht] Nein, aber ich lobe sehr, sehr gerne, auch euphorisch. Es gibt in jeder Saison, würde ich sagen, ein Buch, mit dem ich auch bei meinen anderen Veranstaltungen dann werbe. Weil ich, wenn ich ein Buch gut finde, dann will ich es auch in die Welt tragen, letztlich. Aber der Verriss gehört dazu. Es ist sogar manchmal leichter, einen Verriss zu schreiben, weil da hat man mehr Möglichkeiten stilistischer Art. Wenn Sie loben, dann haben Sie oft immer noch die gleichen Adjektive. Ich habe zum Kollegen Denis Scheck, den ich ganz gut kenne, gesagt Denis, du darfst nicht fünfmal im Halbjahr von einem „Meisterwerk“ sprechen. Das muss weniger werden. Man versucht natürlich zu loben und „brillant“, „virtuos“, „meisterlich“. Diese Adjektive gehen einem irgendwann aus. Beim Verriss kann man sozusagen mehr jonglieren, da kann man oft originellere Dinge einsetzen. Wie gesagt, ich versuche immer auch einen Verriss zu begründen. Es gibt auch hämische Literaturkritiker. Gab es in der Vergangenheit welche, wo man gemerkt hat, da ist die eigene Bedeutung wichtiger als das Buch. Das versuche ich zu verhindern. Aber der Verriss gehört dazu.

 

Boris: #00:09:41‑1# Jetzt sind Sie ja heute Abend in der Stadtbibliothek mit Ihrem neuesten Buch, glaube ich. Oder? „Mögen Sie Madame Bovary?“ Das ist eine Art Spaziergang durch Ihnen sympathische Figuren, würde ich sagen, der Weltliteratur. Das heißt, ist das auch in Ihrer Tätigkeit als Literaturkritiker so gewesen, dass Sie immer wieder dann diese, diese Lesetätigkeit genutzt haben, um Elemente zu entnehmen? Oder auch für Ihre- Sie haben ja sehr viele Bücher selber geschrieben, sozusagen das, was ich vorhin erwähnt habe, dass man, dass man es noch nebenbei zusätzlich nutzen kann.

 

Rainer Moritz: #00:10:11‑3# Das war immer ein Nebeneffekt, wenn man so viel liest, wie ich es tue. Ich habe das eigentlich immer getan und selber dann produktiv mit diesem Gelesenen umgehen will. Das markanteste Beispiel war vielleicht … Wie lange ist das her? Zehn Jahre? Da habe ich ein Buch, das wirklich aus der Literaturkritik entsprang, weil mir fiel irgendwann auf: Moderne Romanen haben ja fast alle Sexszenen. Und dann fiel mir auf, gerade durch die Tätigkeit als Kritiker, dass selbst die tollsten Autorinnen und Autoren an dieser Stelle versagen. Das ist dann Sie wollen originell sein, sie wollen nicht in die Pornografie abrutschen. Dann wird es aber unfreiwillig komisch oft. Und daraus habe ich dann ein Buch gemacht. Das war im Effekt. Das hieß „Matratzendesaster: Literatur und Sex“, wo ich sozusagen die schlechtesten Stellen aufgelistet habe, in Verbindung miteinander gebracht habe. Das war ein direktes Produkt. Und bei „Mögen Sie Madame Bovary?“ ist es natürlich auch ein ähnlicher Aspekt. Es begleiten einen Figuren, wenn ich bei Veranstaltungen mit Leserinnen und Lesern spreche, dann merke ich immer, die Leute reiben sich an Figuren. Das müssen nicht unbedingt Figuren sein, mit denen man sich identifiziert. Das kann auch sehr schön sein, aber so ist es ja nicht. Wir haben oft Figuren, die uns nicht aus dem Kopf gehen, die gemischt sind. Früher sagte man gemischte Charaktere im Theater. Und nein, das sind Figuren, denen man sich reibt, die Dinge tun, die man eigentlich nicht für richtig hält, die einem aber trotzdem sympathisch sind. Madame Bovary, die Titelfigur, ist vielleicht das markanteste Beispiel eigentlich auf den ersten Blick eine Frau, die ihren Mann betrügt, die Liebhaber hat, die das Geld veruntreut und sich am Schluss umbringt. Das ist auf einem Blatt Papier gesehen, jetzt nicht der sympathischste Lebenslauf. Aber dann ist es doch eine Frau, wenn man sich näher mit ihr beschäftigt, wo man sagt: Ja, aber sie hat mehr aus ihrem Leben gewollt. Sie hatte einen Antrieb, sie war Feuer und Flamme, und nicht umsonst hat Flaubert sie als Heldin genommen.

 

Boris: #00:11:55‑4# Sie sind ja aktiv, wie Sie vorher schon erwähnt haben, in ganz vielen Disziplinen des Literaturbetriebs. Eine Frage, die sich jetzt auch schon länger durch diesen Podcast zieht, ist immer die: Wo sehen Sie die Risiken oder die Potenziale der künstlichen Intelligenz? Natürlich, dass die künstliche Intelligenz ein Buch schreibt und anschließend es dann rezensiert, ist wahrscheinlich unwahrscheinlich, aber möglich. Ich weiß nicht. Wie sehen Sie das?

 

Rainer Moritz: #00:12:17‑9# Ich hatte einen interessanten Fall erst letzte Woche, da habe ich für eine Zeitung, für die ich regelmäßig schreibe, die machen einen Jahresrückblick auf markante Bücher des Jahres, die alle rezensiert worden sind im Blatt. Und diese Zusammenfassung hat die künstliche Intelligenz gemacht. Ich habe dann meinen Text zum Gegenlesen bekommen. Das war auch ein interessantes Phänomen, weil die kritischeren Partien sind eher weggefallen aus der Rezension. Der zuständige Redakteur hat mir zurückgeschrieben, als ich ihm sagte, Was ihr alles für Sachen macht neuerdings. Er hat nur resigniert zurückgeschrieben, dass ich das noch erleben muss. Also ich glaube, da wird es. In solchen Gebrauchstexten spielt es ja jetzt schon eine markante Rolle, da muss man sich nichts vormachen, da kann man auch die Welt nicht schönreden. Bestimmte Romane aus dem New Adult, Romantasy, diese neue, so erfolgreiche Kategorie, da weiß man es, dass die mit künstlicher Intelligenz geschrieben sind. Für die Übersetzer ist das oft ein großes Problem, weil die Verlage bei einfachen Texten war vor einem Dreivierteljahr ein Fall, der durch die Presse ging, als eine Übersetzerin keinen Übersetzer-Vertrag mehr bekam, nur noch einen Redaktionsvertrag, weil die Rohübersetzung wurde von der KI gemacht und sie sollte bloß noch redigieren. Also das ist auch finanziell ein kritischer Faktor. Ich habe, kann man sagen, das behauptet jeder, der mit Literatur zu tun hat, dass das kreative Potenzial sicherlich nicht so schnell von KI erschöpft. Wenn man selber mal ich mache das gelegentlich immer mal wieder, probiere was aus, lasse mir Antworten von ChatGPT geben. Und da merkt man schon, dass es zusammengetragen ist. Die werden immer besser und da soll man sich nichts vormachen. Aber noch bin ich optimistisch, dass der eigentliche künstlerische, kreative Akt so schnell nicht ersetzt wird.

 

Boris: #00:13:56‑3# Ich denke mir immer, vielleicht ist es auch einfach noch wichtig, dass man eine Person hat, die man sich ansehen kann, um damit dann den Inhalt zu verbinden.

 

Rainer Moritz: #00:14:04‑5# Also ich habe 20 Jahre in Hamburg gearbeitet, kenne auch die Kolleginnen und Kollegen der anderen Häuser. Und ich weiß noch genau, vor zehn, fünfzehn Jahren hat es der Kulturwissenschaftler Stephan Porombka. Da hatte ich eine Auseinandersetzung, weil er hat behauptet, die Zeit der Lesungen sei vorbei. Das sei Aura, dass er Kirche, Literatur-Kirche, es müsse Events geben, Diskussionsrunden nur noch das werde absterben. Und diese Behauptung hat sich nicht bewahrheitet. Im Gegenteil, man hat festgestellt, dass gerade das Publikum es liebt, einem Autor nahe zu sein. Manche dieser Häuser sind ja auch sehr enge Räumlichkeiten, wo man zwei Meter entfernt sitzt von der Bühne. Die wollen auch den Autor hören, wie er spricht über sein Werk. Deswegen gibt es ja immer dann moderierte Lesungen in der Regel. Also ich habe das Gefühl, das Bedürfnis eher wächst, einen anderen Zugang zum Text zu bekommen und dem Autor, der Autorin wirklich ganz nah zu sein und dann auch den Roman vielleicht besser zu verstehen.

 

Boris: #00:14:55‑9# Ja, vielen Dank für dieses Gespräch. Sehr spannend. Ich würde sie am Schluss noch bitten, nachdem Sie ja vorher schon gesagt haben nicht zu viele Meisterwerke soll Denis Scheck im Jahr sehen. Aber würden Sie unseren Zuhörer*innen noch einen Lesetipp auf den Weg geben?

 

Rainer Moritz: #00:15:12‑0# Es gebe ein sommerliche Lesetipp. Wir haben jetzt Winter, Es ist kalt. Wir warten auf die wärmeren Tage. Vor zwei, drei Jahren ist im Unionsverlag in Zürich ein Roman erschienen eines 1975 gestorbenen Engländers, der vor allem als Theaterautor, als Drehbuchautor in Hollywood erfolgreich war, hat in den dreißiger Jahren zwei Romane geschrieben, und einer ist in der Übersetzung von Karl-Heinz Ott erschienen „Zwei Wochen am Meer“. Der Autor heißt R.C. - er hat sich immer abgekürzt -Sherriff, wie der Sheriff, bloß mit Doppel R. Und das ist ein Roman, „Zwei Wochen am Meer“. Der beschreibt nichts anderes, als dass eine englische Familie eine fünfköpfige Familie fährt, jedes Jahr südlich von London ans Meer, jedes Jahr in die gleiche Pension. Die Pension wird immer schlechter, aber man übersieht alle Mängel. Und der Roman beschreibt diesen Urlaub mit einem ungeheuer warmen menschlichen Blick darauf. Es dauert schon, weil der Vater ein bisschen ein Erbsenzähler ist. Den Urlaub plant bis in jedes Detail hinein. Es dauert schon 100 Seiten, bis die Familie am Urlaubsort ankommt. [Boris lacht] Bis endlich alle Koffer so sind, dass er am rechten Ort ankommt. Nein, das ist ein tröstlicher Roman. Und ein Roman, der ist jetzt nicht Weltliteratur im engeren Sinne, aber es ist ein Roman, der sofort zeigt, dass dieser Autor für jedes kleine menschliche Detail einen Blick hat und dadurch einen wunderbaren Roman geschrieben. Also wer jetzt im Winter, wem es zu kalt ist, der liest R.C. Sherriff, „Zwei Wochen am Meer“.

 

Boris: #00:16:32‑3# Vielen herzlichen Dank. Das klingt sehr gut. Danke Ihnen. [Rainer Moritz: Dankeschön.]

[Outro-Musik] S‘Vorwort ist eine Produktion der Stadtbibliothek Innsbruck und Teil der Stadtstimmen, dem Audiokanal der Stadt Innsbruck. #00:17:08‑5#

Weitere Infos

Rainer Moritz, ehemaliger Leiter des Literaturhaus Hamburg, ist Autor, Publizist, bekennender Schlagerexperte und Übersetzer. Mit seinem Buch „Mögen Sie Madame Bovary? Lieblingsfiguren der Weltliteratur“ war er in der Stadtbibliothek Innsbruck zu Gast.

Im Interview spricht er mit Boris über seine Erfahrungen als langjähriger Literaturkritiker. Es geht darum, wie sich das Feld im Laufe der Jahre – und mit dem Aufkommen des Internets – verändert hat. Außerdem teilt er seine Gedanken zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Literaturbetrieb.

Viele der besprochenen Bücher gibt’s auch in der Stadtbibliothek.

Teatime: Winter Wonder Special

Teatime: Winter Wonder Special

Stadtbibliothek Innsbruck

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Transkript

Modularisierte Stimme: Vorsicht! Der Genuss dieses Podcasts kann zu vermehrten Bibliotheksbesuchen führen.

[Intro-Musik] [Soundbite: weihnachtliches Schlittengeräusch]

Jaci: #00:00:26‑3# Michelle, ab wann fängst du so an, Weihnachtslieder hören? Wann fängt es bei dir an?

 

Shelly: #00:00:36‑2# Juli. [beide lachen] 24. Juli. Dann ist es nur mehr ein Monat hin.

 

Jaci: #00:00:39‑0# Ein Monat?

 

Shelly: #00:00:40‑1# Ein Monat? Ein halbes Jahr wollt ich sagen. [lacht]

 

Jaci: #00:00:42‑9# Deswegen befassen wir uns mit Büchern, nicht mit Mathematik. Hallo, aber ich finde es immer sehr witzig bei der Michelle, weil wirklich dann je näher Weihnachten kommt, desto ich möchte nicht sagen fanatisch, aber euphorischer wird sie mit Weihnachten …

 

Shelly: #00:00:57‑5# Du kannst es ruhig als Fanatismus bezeichnen. Ist total in Ordnung.

 

Jaci: #00:01:00‑7# Es ist noch gesunder Fanatismus. Wenn es das gibt, und ich meine, wir haben schon bei der. Ich darf an die Klassikerfolge erinnern, die wir gemacht haben. Wo du im September schon gesagt hast: Happy crisis.

 

Shelly: #00:01:15‑0# Merry crisis.

 

Jaci: #00:01:16‑7# Merry crisis. Und das ist auch das Motto dieser dieser Folge. Nein, Spaß. Genau. Und passend zu unserer Weihnachtsfolge haben wir uns auch einen Tee gemacht. Natürlich für die kalte Jahreszeit. Shelly, was gibt es denn bei dir?

 

Shelly: #00:01:30‑1# Ich habe einen Pfefferminztee, weil in Zuckerstangen ist auch Pfefferminz drin. [lacht]

 

Jaci: #00:01:36‑0# Ich finde das persönlich sehr weit hergeholt, aber okay.

 

Shelly: #00:01:38‑8# Ich hab nichts anderes da.

 

Jaci: #00:01:40‑4# Bei mir gibt es Kaminzauber.

 

Shelly: #00:01:42‑7# Kaminzauber, mh. Der mit Rum? [beide lachen]

 

Jaci: #00:01:47‑0# Shelly. Ich bin in der Arbeit. Natürlich ohne.

[Soundbite: Tee einschenken, Tasse klirrt, genüsslich trinken]

Shelly: #00:01:56‑0# Kling Glöckchen, Klingelingeling und herzlich willkommen zum Vorwort. [beide lachen] Dem Podcast der Stadtbibliothek Innsbruck. Heute sind wir weihnachtlich unterwegs. Denn wenn ihr die Folge hört, sind es nur noch ein paar Tage bis Weihnachten und dementsprechend haben wir uns heute auch ein weihnachtliches Thema überlegt. Gerade fährt der Zug vorbei. Ich hoffe, den hört man nicht.

 

Jaci: #00:02:19‑6# Wir haben heute Locationwechsel machen müssen. Passend zur hektischen Jahreszeiten ist bei uns heute auch alles sehr hektisch und wir nehmen nicht an unserem gewohnten Ort auf.

 

Shelly: #00:02:30‑6# So, jetzt wo der Polarexpress auch vorbeigezogen ist, können wir weitermachen. Und zwar wird uns die Jacqueline jetzt erklären - Entschuldigung, die Jaci jetzt erklären …

 

Jaci: #00:02:40‑3# Ich war gerade so, Mama? [beide lachen]

 

Shelly: #00:02:43‑1# Worum es heute in der weihnachtlichen Podcastfolge geht.

 

Jaci: #00:02:46‑7# Genau. Und zwar haben wir uns gedacht, an Weihnachten kommen mehrere gute Dinge zusammen, aber doch zwei der schönsten Dinge im Jahr. Und zwar Weihnachtsmusik, also Weihnachtslieder und Bücher. Ähm, weil man zu Weihnachten. Also ich persönlich und ich glaube die Shelly auch als Bibliotheksmitarbeiter und lesende Personen bekommt man immer Bücher geschenkt. Das finde ich immer sehr schön. Ähm, und dann haben wir uns gedacht, wie kann man diese zwei Dinge verbinden? Und wir haben uns gedacht, wir machen ein Christmas-Song-Raten und das haben wir uns gedacht machen wir so, dass jeder von uns eine Zeile oder eine Stelle aus einem Weihnachtslied zitiert. Es werden englische Weihnachtslieder hauptsächlich sein bei mir. Ich weiß nicht, wie es bei der Shelly ist. [Shelly: Ja, bei mir auch.] Wir wissen die Lieder von den anderen nicht. Wir lesen eben diese Stelle vor und empfehlen ein Buch, das eben uns entweder an dieses Lied erinnert, das mit dem Lied zu tun hat oder irgendwie einfach zum Vibe von diesem Buch, zu diesem Lied passt. Das müssen jetzt nicht, oder es sind glaube ich, keine Weihnachtsbücher wirklich, weil da kenne ich nicht so viele. Genau. Und aus diesen zwei Hinweisen, also aus dem Zitat, aus dem Lied und der Buchempfehlung müssen wir erraten, um welches Weihnachtslied es sich handelt.

 

Shelly: #00:04:08‑3# Ganz genau. Bei mir sind es tatsächlich nur Weihnachtsbücher.

 

Jaci: #00:04:12‑1# Echt, oder? Okay, bei mir kein einziges. [Shelly: Echt nicht?] Ich kenne keine Weihnachtsbücher außer „Christmas Carol“.

 

Shelly: #00:04:18‑8# Na, dann bin ich gespannt, was du mir erzählst. Wer mag denn anfangen?

 

Jaci: #00:04:22‑3# Fang du an!

 

Shelly: #00:04:23‑2# Okay, also mein erstes ist, glaube ich relativ einfach. Ich werde bei meiner Songtext-Stelle ein Wort immer auslassen, weil das würde es verraten.

 

Jaci: #00:04:34‑1# Okay.

 

Shelly: #00:04:34‑9# Und ich lese das jetzt mal nicht rhythmisch vor, weil ich glaube, sonst erkennst du es auch.

 

Jaci: #00:04:40‑0# Das habe ich auch schon geübt, dass ich es nicht rhythmisch vorlese, weil ich dann weiß man es gleich und ich finde, das soll dann so der Joker sein, wenn man nicht drauf kommt, dass man es dann rhythmisch vorliest, dass man dann draufkommt. Okay.

 

Shelly: #00:04:49‑6# Okay. Also ich lese es jetzt auf Englisch vor: „You are a mean one. You really are a heel. You‘re as cuddly as a cactus. You are as charming as an eel. You are a bad banana with a greasy black peel. You are a monster, your heart is an empty hole. Your brain is full of spiders, you've got garlic in your soul.“

 

Jaci: #00:05:15‑7# Oh mein Gott. Okay.

 

Shelly: #00:05:17‑3# Ich bin mir ziemlich sicher, dass das Lied nicht kennst, aber -

 

Jaci: #00:05:22‑4# [schnalzt mit der Zunge] Ah, rude! Was ist die Buchempfehlung?

 

Shelly: #00:05:24‑8# „Küsse für den Weihnachts-Grinch.“ [beide lachen] Es ist eine Neuerscheinung von Bärbel Muschiol. Die ist jetzt am 4. Dezember erst rausgekommen. Habe ich gesehen. Genau. Und du hast es zwar nicht erraten, aber ich spiele auf den Grinch an! Ich habe da eine Zeile aus dem Original von Dr. Seuss von 1957.

 

Jaci: #00:05:50‑5# Da gibt es ein Lied?

 

Shelly: #00:05:51‑7# Da gibt es ein Lied. Ja, es ist. Ja, es ist. Ja, ich glaube, sogar, im Grinch Movie kommt es vor.

 

Jaci: #00:05:59‑4# Okay.

 

Shelly: #00:06:00‑2# Und willst du die Zeile auf Englisch oder auf Deutsch hören? Ich hätte beides rausgesucht.

 

Jaci: #00:06:06‑2# Nein, auf Englisch.

 

Shelly: #00:06:06‑9# Auf Englisch. Okay, also das fasst eigentlich ziemlich zusammen, worin es dann in meiner Buchempfehlung geht. Der Grinch beginnt nämlich so: „The Grinch hated Christmas, the Christmas season. Now, please don't ask why. No one quite knows the reason. It could be his head wasn't screwed on just right. It could be perhaps that his shoes where too tight. But think that the most likely reason of all may have been that his heart was two sizes too small.“ [Jaci: Ohhh.] Ja. Also wir alle kennen ja den Grinch und seine Charakterisierung. Und das hat sich die gute Bärbel Muschiol zum Vorbild genommen. Und in „Küsse Für den Weihnachts-Grinch“ geht es um Folgendes: Es geht um die Lena. Die lebt in Hollyridge. Das ist eine kleine, verschneite Stadt. Und diese kleine Stadt feiert Weihnachten größer als alles andere im Jahr. Also Weihnachten ist der Mittelpunkt des Jahres. Das Highlight. Sie liebt Weihnachten. Allerdings kommt es kurz vor Weihnachten in ihrer Wohnung zu einem Rohrbruch und sie muss über die Feiertage spontan umziehen. Und ausgerechnet Jonah Hale, der wortkarge Holzarbeiter, [Jaci prustet] der am Rande des Winterwaldes wohnt, nimmt sie bei sich auf. Er hasst alles, was mit Weihnachten zu tun hat. Und deshalb ist sein Spitzname in dieser Kleinstadt auch der Weihnachts-Grinch.

 

Jaci: #00:07:37‑8# Lass mich raten. Sie küsst dann ihn. [beide lachen]

 

Shelly: #00:07:41‑6# Eben. Da haben wir wieder den Trope „forced proximity“ und „enemies to lovers“. Weil sie sich sehr konträr sind. Es gibt hitzige Wortgefechte, und sie streiten eigentlich am Anfang nur. Nur allmählich lernen sie sich dann auch besser kennen und es entsteht gegenseitiges Verständnis. Und dann kommt es zu einem Kuss, der alles verändert. [Jaci: Awww.] Jonahs Mauern reißen ein. Er hat in der Vergangenheit einiges durchlebt und seine Vergangenheit holt ihn im Zuge der Geschichte auch wieder ein, denn die Exverlobte steht plötzlich wieder vor der Tür. Und das bringt natürlich wahnsinnige Komplikationen mit sich, die die Lena und Jonah überwinden müssen.

 

Jaci: #00:08:24‑7# Mein Gott, was da alles passiert. [Shelly: So unvorhersehbar.] [beide lachen] Klingt gar nicht einfach, als hätte man den Plot von einem Hallmark Movie niedergeschrieben.

 

Shelly: #00:08:35‑5# Bald wird es verfilmt.

 

Jaci: #00:08:38‑4# Sehr gut. Danke. Ich habe das Lied nicht gekannt. Ich werde es mir dann im Anschluss oder ich habe es nicht bewusst wahrgenommen als eigenständiges Weihnachtslied. Also ich habe den Film schon öfters gesehen. Wahrscheinlich kenne ich es dann schon, aber ich werde es mir danach nochmal anhören. Okay, ich hab die Sache ein bissi anders. Also meine Liedzeile ist … also wirklich nur eine Zeile.

 

Shelly: #00:09:00‑9# Oha, okay. [Jaci lacht]

 

Jaci: #00:09:03‑0# ich habt die Shelly schon im Vorhinein vorgewarnt, dass es schwierig ist, meine Lieder zu erraten. [lacht] [Shelly: Toll.] Aber das ist jetzt wirklich leicht. Die Textzeile ist: „Over the hills we go, laughing all the way.“

 

Shelly: #00:09:21‑5# Ja.

 

Jaci: #00:09:22‑7# Und meine Buchempfehlung? – Shelly: Jingle Bells. - Ja, genau, ja! [lacht]

 

Shelly: #00:09:24‑8# Ja.

 

Jaci: #00:09:26‑1# Das ist das Leichteste, hab ich mir eben gedacht, wenn ich da mehr nehm, es ist einfach 90 % dieses Liedes: [singt] „Jingle Bells, Jingle Bells.“ Deswegen hab ich mir nur eine Zeile rausgepickt. Was eben bei allen anderen auch. Das ich wirklich nur eine Zeile mir rausgepickt hab wo der Titel nicht vorkommt. Also sei gespannt auf was noch kommt. Aber meine Buchempfehlung dazu wär „Anne of Green Gables“. [Shelly: Oh, nett!] Weil ich mir gedacht habe, wenn man sich dieses Lied so vorstellt. Man fährt durch den weihnachtlichen Wald in einem Schlitten und die Glöckchen klimpern und. Und eben diese Freude, was in diesem Lied zum Ausdruck kommt, finde ich, wäre genau das, was eben einem die Anne von „Anne of Green Gables“ fühlen wird, eben dieses durch den winterlichen Wald. Und sie hat so eine blühende Fantasie und so eine Lebensfreude, dass ich mir gedacht habe so, ihr wird dieses Lied gefallen. [lacht] Deswegen ist das meine Buchempfehlung zu dem zu dem Song. Also ich habe ein bisschen anderen Zugang gehabt als du mit dem Buchempfehlungen, aber. Ich habe -

 

Shelly: #00:10:20‑6# Ich find das aber cool, dass man so verschiedene…

 

Jaci: #00:10:22‑6# Ja, aber man fühlt es eben irgendwie, wenn man ein auf vielen Games mag und ihre Fantasien mag man Jingle Bells. Das ist so.

 

Shelly: #00:10:28‑9# Ja, genau. [lacht]

 

Jaci: #00:10:29‑1# Genau. Goes hand in hand.

 

Shelly: #00:10:33‑2# Ja, cool. Ich bin sehr stolz auf mich, dass ich das erraten habe. [Jaci lacht] Dann bin ich jetzt gespannt. Also, du wirst wahrscheinlich eher das Buch erraten als den Song bin ich mir jetzt relativ sicher. Ich muss wieder ein Wort rausnehmen, weil das wieder zu viel verraten würde. Aber schauen wir mal. [räuspert sich] Also: „I met a men named [M-hm] south of Camden High with calloused hands stood at this land and no one dared walk by. His heart was hard and sharp is flint. His door was lined with locks. As lonesome as in oyster and as greedy as a fox.“

 

Jaci: #00:11:15‑7# Es ist sehr poetisch, aber es ringt noch keine bell bei mir. Sag einmal die Buchempfehlung dazu. Vielleicht komme ich dann drauf.

 

Shelly: #00:11:24‑9# Nein, ich lese nur das erste vor und dann glaube ich weißt du es. „I met a men named Ebenezer south of Camden High.“

 

Jaci: #00:11:34‑7# [lacht] Ja genau, dann hat’s irgendwas mit „Christmas Carol“ zu tun. Aber ich kenne das Lied glaube ich, auch wieder nicht. Was hörst du für nischige Weihnachtslieder?

 

Shelly: #00:11:40‑5# Ja, alles. Hallo. Also, erstens ist es ein Lied von Pentatonix, das „Bah Humbug“ heißt. Und es geht um den Ebenezer Scrooge. Und als Vorbild habe ich da das 1843 erschienene „The Christmas Carol“ von Charles Dickens genommen. Wir kennen es alle. Wir wissen, wer Ebenezer Scrooge ist. Und dann habe ich ein bisschen recherchiert, ob es da ähnliche Bücher gibt, weil ich wollt das unbedingt in dem Podcast haben. Und habe entdeckt, dass 2021 ein Graphic Novel auf den Markt gekommen ist. Geschrieben hat Lee Bermejo. Ich hoffe, ich habe das jetzt richtig ausgesprochen. Ich habe gerade gegoogelt. Und zwar „Batman Noel“. In diesem Comic. Also in diesem Graphic Novel ist Batman quasi die Scrooge Figur. Es spielt in einer sehr düsteren Weihnachtszeit in Gotham und Batman ist erschöpft, verbittert, zunehmend gnadenlos und fast herzlos. Also eben genau die Charakterisierung, die man auch dem Ebenezer Scrooge zuschreibt. Er begegnet dann im Laufe des Graphic Novels drei Geistern aus seiner Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Also die verkörpern das und sieht, wie seine Härte andere Menschen und Gotham schädigen. Also er hat. Diese Geister sind quasi besiegte Gegner, die er im Laufe der Jahre gehabt hat. Und er wird mit einer düsteren Zukunft von sich selbst konfrontiert. Und dann erkennt er, dass Mitgefühl und Menschlichkeit nicht verloren gehen darf. Und dieser Graphic Novel ist visuell sehr beeindruckend. Die ganze Bildsprache und das und das habe ich voll cool gefunden, dass die Quasi Christmas Carol auf Batman umgeschrieben haben.

 

Jaci: #00:13:27‑6# Ja, sehr cool. Aber ich finde es generell auch cool bei Christmas Carol, weil es da so viele verschiedene Fassungen gibt. Wir haben letztes Jahr glaube ich auch in der Weihnachtsfolge drüber geredet, dass es auch ein Micky Mouse Christmas Carol gibt.

 

Shelly: #00:13:41‑6# Und ein Barbie Christmas Carol.

 

Jaci: #00:13:43‑7# Stimmt, und das findet man finde ich, eben ganz witzig, dass das eben auch für junges Publikum dann eben oder für anderes Publikum dann immer wieder umgemünzt wird. Und weil die die Botschaft dahinter ja nichts ist, was irgendwie verjährt, so.

 

Shelly: #00:13:58‑2# Nein, gar nicht. Und Weihnachten ist einfach die Zeit, wo alle Herzen auftauen.

 

Jaci: #00:14:01‑1# Ja. [beide: Awww.] Merkt man, dass wir zwei Weihnachten mögen?

 

Shelly: #00:14:06‑9# Vielleicht ein bisschen.

 

Jaci: #00:14:09‑1# Gut. Meine nächste. Also, mein nächstes Lied ist das Lieblingsweihnachtslied von meinem Papa. [lacht] Wegen, also ja, egal, ich sag nichts mehr dazu. Es sind jetzt vier Zeilen für dich. Es wird vielleicht ein bisschen leichter. „I know it's too late. The world would be a better place. If we could keep the spirit more than one day in the year send a message loud and clear.“

 

Shelly: #00:14:34‑8# Das ist von John Lennon. Nein?

 

Jaci: #00:14:39‑2# Meine Buchempfehlung dazu wäre „The Ballad of Song Birds and Snakes“, also von Suzanne Collins. Das ist eine der ersten Nachgeschichten oder Vorgeschichten von „Die Tribute von Panem“ und einfach, weil ich eben diesen Song sehr rebellisch finde und weil eben einfach die letzte Zeile da war jetzt: „Send a message loud and clear“. Es hat diesen…

 

Shelly: #00:15:06‑7# … „Something About Christmas Time“…

 

Jaci: #00:15:08‑4# „Christmas Time“.

 

Shelly: #00:15:09‑6# Ja, „Christmas Time“. Aber von wem ist es?

 

Jaci: #00:15:10‑9# Bryan Adams!!

 

Shelly: #00:15:12‑1# Ja, stimmt.

 

Jaci: #00:15:13‑4# Es ist so cool.

 

Shelly: #00:15:14‑5# Es ist voll schön.

 

Jaci: #00:15:15‑7# Ich mag das auch so gerne. Und Bryan Adams ist der Lieblingssänger von meinem Papa. [lacht] Das ist das Einzige, was ich dann im Auto spielen darf. Aber eben deswegen. Es erinnert mich sehr an „Ballad of Songbirds und Snakes“, weil es eben ein bisschen rebellisch ist. Es ist ein bisschen rockiger als andere Weihnachtslieder und zeigt eben auch diesen Wunsch, was Lucy Gray irgendwie auch hat im Buch so dieses „harmony more than one day in a year“. Also das, was sie eigentlich auch machen will. Sie will eigentlich, dass alle in Frieden leben und dass alle Menschen gleich sind. So irgendwie. Und eben auch dieses „I know it's too late“, wie es anfängt. Das ist schon so iconic, weil sie weiß auch es ist zu spät, oder? Und ich habe mir so vorstellen können. Also wer Lucy Gray als Figur kennt, weiß, sie singt ja auch. Und wie sie eben dann im Distrikt 12 am Markt sitzt und dieses Lied singt. Da macht das. Passt schon.

 

Shelly: #00:16:04‑8# Ach ja, stimmt. Ma toll.

 

Jaci: #00:16:07‑8# Gell? [beide lachen]

 

Shelly: #00:16:09‑0# Okay, dann mein letzter Song/Buchtipp. Muss ich mich sehr zusammenreißen, dass ich das gut rüberbring. Weil du erkennst es sicher gleich. Das ist nämlich das Einfachste. Und wenn du es nicht kennst, dann bin ich sehr enttäuscht.

 

Jaci: #00:16:29‑9# Oh je. Kein Druck.

 

Shelly: #00:16:33‑1# Kein Druck. Also: „Sweet dreams of holly and ribbon; mistakes are forgiven and everything is icy and blue and you’d be there to.“ [Pause] Sie überlegt. Sie hat gerade auf Pause gedrückt. Sie überlegt. Sie schummelt. [lacht]

 

Jaci: #00:16:50‑4# Aber ich kenne das Lied. Ich kenne genau die Zeilen.

 

Jaci: #00:16:57‑3# [singt leise vor sich hin]

 

Jaci: #00:17:01‑3# Nein …

 

Shelly: #00:17:03‑3# War das YMCA? Was? [lacht]  Ich geb dir noch fünf Sekunden.

 

Jaci: #00:17:09‑7# [gestresst] Oh mein Gott nein, ich weiß es …

 

Shelly: #00:17:12‑1# [zählt von 5 runter] Wow. Und du nennst dich Swifty?

 

Jaci: #00:17:23‑8# „Christmas Tree Farm“? – Shelly: Ja! – Meina, ich wusst ich kenn’s! Das ist gemein.

 

Shelly: #00:17:28‑6# [lacht] I’m sorry. Das ist nicht gemein. Das war voll leicht.

 

Jaci: #00:17:32‑0# [singt] In my heart there’s a Christmas tree farm ... [Shelly lacht laut]

 

Shelly: #00:17:35‑7# Das Lied heißt „Christmas Tree Farm“, ist von der Taylor Swift. Und mein Buch heißt „The Christmas Tree Farm“ [beide lachen] von Lori Gilmore. Das ist der dritte Band aus der Dream Harbour-Reihe.

 

Jaci: #00:17:50‑7# Oh, Lori Gilmore. Die magst du ja. Das ist auch Cinnamon Spice Café …

 

Shelly: #00:17:54‑3# Ja, genau. „Pumpkin Spice Café“ und das ganze, was ich gelesen habe. Wir haben es auf Libby. Das hat echt angeboten und ist echt toll. Also für alle, die es lesen möchten, es gibt’s auf Libby. Gut. Also. „Christmas Tree Farm“, Lori Gilmore, Kira North kauft die heruntergekommene Weihnachtsbaumfarm in der kleinen Küstenstadt Dream Harbour und möchte ein nachhaltiges Selbstversorgerinnenleben führen. Und so sieht sie das nämlich immer auf Social Media. Man kennt das ja. Die so auf ihren Cottages leben Cottage Core-Lifestyle. Wir produzieren alles selber. Wir sind unabhängig von der Gesellschaft. Wir sind aus dem System ausgestiegen. So, so, in die Richtung wäre das gegangen. Sie möchte unabhängig von ihrer Familie sein, weil sie hat das Gefühl, dass sie noch nie etwas für sich selbst geschaffen hat. Ihre Eltern sind sehr wohlhabend. Sie hat eine Zwillingsschwester. Und die Zwillingsschwester, die hat immer alles für sie geregelt, weil die Kira war mehr so rebellisch und ihre Schwester hat sie immer so ein bisschen geerdet und hat sie Schwierigkeiten herausgezogen. Und genau diese Schwester, diese Verräterin, hat jetzt geheiratet. Wie kann sie nur? Und ist nach Dänemark gezogen. Und das trifft die Kira sehr. Aber sie möchte natürlich nicht, dass ihre Schwester das weiß, weil sie wünscht dir nur das Beste und versteckt es dann, bis sie das ihr ziemlich schlecht geht und dass sie ziemlich struggelt. Denn obwohl sie jetzt diese Farm gekauft hat, hat sie jetzt nicht wirklich eine Lebensgrundlage, weil dieses Haus ist uralt und sie hat jetzt all das Geld, was sie gehabt hat aus ihrem Trust Fund hat sie ausgegeben und jetzt steckt sie in Schwierigkeiten. Sie muss jetzt diese Weihnachtsbaumfarm, die sie gekauft hat, auch wieder betreiben, obwohl sie das nicht wollte. Sie ist nämlich der totale Weihnachts-Grinch. Also, sie hasst alles, was mit Weihnachten zu tun hat. Aber irgendwie muss sie an Geld kommen. Und hinzu kommt, dass das Haus, in dem sie wohnt, sehr alt ist und renovierungsbedürftig ist. Sie trifft dann auf Bennett, das ist der Bruder der lokalen Coffeeshopbesitzerin, die wir aus Band eins schon kennen. [beide lachen] Das ist genau der Ben, und der ist auf Besuch. Das ganze Monat über bei seiner Schwester und der hat einen sehr ausgeprägten Helferkomplex. Und der muss immer jedem helfen. Dem gefällt das. Und die Kira ist so das perfekte Opfer für ihn quasi. [lacht] Er kommt immer, er kommt immer vorbei und versucht seine Hilfe ihr aufzuzwingen. Und erst ist es ihr überhaupt nicht recht. Sie will ja selbstständig sein, aber der lässt einfach nicht nach. Und genau sie nimmt dann gezwungenermaßen die Hilfe an und da kommen sich die beiden dann immer näher. Die beiden beginnen sich einander zu. Also sie verstehen einander langsam. Sie sind beide auf ihre eigene Weise einsam. Und dann? Ja, wer wissen möchte, wie es ausgeht, muss es selber lesen. Ich bin gerade dabei, deshalb verrate ich jetzt nicht mehr. Aber es ist. Es ist sehr toll. Es ist sehr weihnachtlich und sehr harmonisch.

 

Jaci: #00:21:00‑3# Klingt auch wie ein Walmart Movie. [lacht] [Shelly: Ja, volle.] Walmart? Hallmark.

 

Shelly: #00:21:05‑5# Walmart Movie. [beide lachen] Okay, das waren meine.

 

Jaci: #00:21:14‑5# Danke Michelle. Sehr schön. Ich möchte mich noch bei allen Swifties entschuldigen, dass ich den Song nicht erkannt haben. Ich bin sehr enttäuscht von mir. Ich werde mir demnächst aus dem Swifty-Dasein zurückziehen. [beide lachen] Na, alles okay. Alles okay. Gut, dann komme ich mit meinem letzten jetzt. Oder mein letztes, was mit Michelle erlaubt hat. Ich habe noch drei andere vorbereitet. Je nach Zeit können wir da vielleicht noch reinhören. Oder vielleicht kann man noch eins machen. Ich habe mir echt viel Mühe gegeben. [Shelly: Ja, passt.] Okay. Also, mein Drittes wäre: „The moon and the stars seem aweful cold and bright. Let's hope the snow will make this Christmas right.“

 

Shelly. #00:21:56‑9# Boah.

 

Jaci: #00:21:58‑7# Jawoll! [lacht]

 

Shelly: #00:22:00‑1# Da bin selbst ich jetzt überfragt.

 

Jaci: #00:22:02‑4# Also wenn ich es melodischer sagen würde, würdest du glaub ich gleich mal drauf kommen. Meine Empfehlung dazu wäre „A Court of Frost in Starlight“ von Sarah J. Maas. [Shelly, lachend: Oh, toll!] Ja, also das ist die Novella, also Band vier von der „A Court of Thornes and Roses“-Reihe. Und jeder, der mich kennt, weiß, ich liebe sie und deswegen darf sie natürlich an Weihnachten auch nicht fehlen.

 

Shelly: #00:22:25‑4# Wir verweisen an dieser Stelle auf unser ACOTAR-Special, was man im Sommer abgedreht haben.

 

Jaci: #00:22:30‑0# Genau. Genau. Und dieses Lied. Also wenn ihr dann den Titel sag, wenn man das Lied kennt, finde ich einfach total, dass es zum Rhys passt in dieser Novella. Weil das ist ein sehr erleichtertes Lied. Es ist so: Hach, endlich ist Weihnachten und. Und er kann es mit seinen Lieben und seinen Freunden feiern. Also.

 

Shelly: #00:22:56‑2# Ich weiß immer noch nicht, was das für ein Lied ist.

 

Jaci: #00:22:59‑0# Er denkt sich „Gott sei Dank ist Weihnachten“.

 

Shelly: #00:23:01‑6# „Thank God it’s Christmas!“

 

Jaci: #00:23:02‑8# „Thank God it's Christmas“ von Queen!

 

Shelly: #00:23:05‑3# [gleichzeitig] Ist das von John Lennon?

 

Jaci: #00:23:06‑8# Nein das ist Queen!

 

Shelly: #00:23:07‑7# Queen?

 

Jaci: #00:23:08‑5# John Lennon ist „War is Over“.

 

Shelly: #00:23:10‑1# Ja, das hab ich die ganze Zeit gedacht.

 

Jaci: #00:23:12‑0# Es ist nicht alles John Lennon. [Shelly: Entschuldigung.] Aber eben auch dieses „thank God it's Christmas“. Es könnte so Rhys sein, wie er in Valerys ist. Und es ist dieses Weihnachts/Winterfest, was sie eben auch feiern. Da ist also Gott sei Dank ist Weihnachten. Ich finde das ganz toll. Da hab ich mir gedacht, das wär genau das, was was passen würde.

 

Shelly: #00:23:32‑1# So eines hab ich jetzt noch erlaubt. [Jaci: Yay!] Eines darf die Jaci noch machen, sonst kommen wir über die Zeit. [beide lachen]

 

Jaci: #00:23:38‑6# Okay, das sind wieder vier Zeilen und da lasse ich jetzt auch gesangstechnisch was weg. Weil sonst erkennt man das glaube ich gleich. [Shelly, lachend: Okay.] Okay. [räuspert sich]: „I found what I was looking for, a love that is meant for me, a heart that is mine completely, knocked me right o,f my feet. Und dann kommt, glaube ich, „right here it‘s Christmas“ oder sowas. Also das ist ein Weihnachtslied, aber.

 

Shelly: #00:24:06‑2# Ja, ich kenne es.

 

Jaci: #00:24:08‑9# Meine Buchempfehlung dazu wäre „Red, White und Royal Blue“ von Casey McQuisten, weil es eben auch eine ganz große und unerwartete Romanze ist. Und dieses „I found what I was looking for, a love that’s mine for me“ Und eben dieses „knocked me right off my feet“.

 

Shelly: #00:24:26‑2# Kelly Clarkson?

 

Jaci: #00:24:28‑7# [begeistert] Ja! Oh, mein Gott. Michelle, du bist.

 

Shelly: #00:24:30‑4# Ich bin so gut.

 

Jaci: #00:24:31‑4# Die Königin der Weihnachtslieder. [singt die Strophe]

 

Shelly: #00:24:43‑1# Ich weiß aber nicht, wie es heißt.

 

Jaci: #00:24:44‑8# „Underneath the Christmas tree“.

 

Shelly: #00:24:46‑1# „Underneath the Christmas tree“!

 

Person 5: #00:24:47‑3# [singt] Right here, beautiful sea, sun is shining at the capital city.

 

Shelly: #00:24:53‑5# Ich hoffe, irgendwer hört zu und gibt dir einen Plattenvertrag. [Jaci lacht]

 

Jaci: #00:24:58‑7# Es ist sehr schwer für mich, dass sie die Lieder nicht mitsingen darf. Das ist mir jetzt erlaubt worden. Michelle, ich ziehe meinen Hut vor dir. Du hast mit oder ohne wenig Hilfe - das macht Sinn, denk drüber nach, mit wenig ohne Hilfe - es geschafft, alle meine Lieder zu erraten. Chapeau!

 

Shelly: #00:25:15‑0# Danke. Wie gesagt, ich habe seit Juli….

 

Jaci: #00:25:18‑5# Ja, genau. Die Michelle übt schon lange. Genau, mit diesen Inspirationen für Leselektüre. Weihnachtlich und unweihnachtliche Leselektüre und auch Weihnachtsliedern, in die man jetzt vielleicht reinhören möchte oder muss, weil man sie nicht erkannt hat an meinem Gesang [lacht] entlassen wir euch jetzt in die Weihnachtszeit.

 

Shelly: #00:25:39‑4# Genau. Jetzt würde es uns natürlich brennend interessieren, welche Weihnachtslieder ihr gern hört oder welche weihnachtlichen Bücher ihr gerne lest. Also gerade ich bin da sehr offen für Empfehlungen [beide lachen] und das könnt ihr uns gerne entweder unter post.stadtbibliothek@innsbruck.gv.at schreiben oder ihr haltet die Augen ein bisschen offen wenn die Podcastfolge online geht und schaut's auf unseren Instagram-Account, der heißt stadtbibliothek.innsbruck. Vielleicht findet ihr da eine kleine Umfrage und da seid ihr herzlich eingeladen mitzumachen.

 

Jaci: #00:26:17‑5# Wir wünschen Frohe Weihnachten.

 

Shelly: #00:26:19‑4# Und Merry Crisis.

 

Jaci: #00:26:20‑5# Merry Crisis und wir hören uns im nächsten Jahr. Vielen Dank fürs Zuhören.

[Soundbite: weihnachtliches Schlittengeräusch]

[Outro-Musik]

Christina: #00:26:54‑9# S‘Vorwort ist eine Produktion der Stadtbibliothek Innsbruck und Teil der Stadtstimmen, dem Audiokanal der Stadt Innsbruck. #00:27:02‑1#

Weitere Infos

Was darf über die Feiertage auf keinen Fall fehlen? Richtig! Gute Musik und gute Bücher. Und deshalb haben sich unsere Hosts Shelly und Jaci für die heutige Folge etwas ganz Besonderes ausgedacht: Weihnachtslieder-Raten!

Wie bitte, was?

Also: Shelly und Jaci zitieren eine Zeile aus einem bekannten Weihnachtslied und lassen die andere raten, um welchen Song es sich handelt. Und damit das ein bisschen besser klappt, helfen sie sich mit jeweils einem passenden Roman zum Lied auf die Sprünge. Die Vibes viben, wie man so schön sagt.

Sind Sie vielleicht sogar schneller im Erraten der Songs als unsere Hosts? Egal ob Sie mitraten oder einfach nur entspannt die Folge genießen: heute wird’s festlich, und neben lustigem Ratespaß gibt’s einen Haufen Buchempfehlungen, mit denen Sie es sich daheim gemütlich machen können. Da ist für jedeN was dabei. Shelly, Jaci und das restliche Team der Stadtbibliothek Innsbruck wünschen ein besinnliches Jahresende und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Sie haben weihnachtliche Lesetipps für Shelly oder einen Plattenvertrag für Jaci? Schreiben Sie uns auf Instagram (stadtbibliothek.innsbruck) oder post.stadtbibliothek@innsbruck.gv.at.

Viele der besprochenen Bücher gibt’s auch in der Stadtbibliothek.

Jetzt nachhören: Teatime Das große ACOTAR-Special!

Sound Effect by Krzysztof Szymanski from Pixabay

Winter Wonder Special-Playlist:

  • You’re A Mean One, Mr. Grinch von Tyler, the Creator
  • Jingle Bells
  • Bah Humbug von Pentatonix
  • Christmas Time von Bryan Adams
  • Christmas Tree Farm von Taylor Swift
  • Thank God It’s Christmas von Queen
  • Underneath the Christmas Tree von Kelly Clarkson
Literarische Entstehungsgeschichten: Elena Ferrante vs. Mopsa Sternheim

Literarische Entstehungsgeschichten: Elena Ferrante vs. Mopsa Sternheim

Stadtbibliothek Innsbruck

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Transkript

[modulierte Stimme] Vorsicht! Der Genuss dieses Podcasts kann zu vermehrten Bibliotheksbesuchen führen.

[Intro-Musik]

Christina: #00:00:21‑8# (...) Fängst du jetzt an, oder.- Pia [lacht]: Ja, ich fange an! - Hallo und herzlich willkommen zurück zum Vorwort, dem Podcast der Stadtbibliothek Innsbruck. Mein Name ist Christina – Pia: und ich bin die Pia - und wir sind heute wieder für euch da mit den Literarische Entstehungsgeschichten, wo die Pia und ich uns gegenseitig und euch eine spannende, interessante, lehrreiche literarische Entstehungsgeschichte erzählen, wie der Name sagt. Das heißt, wir schauen uns Autor*innen von verschiedenen Jahrhunderten an, das können ganz moderne sein oder auch welche, die schon viele hunderte Jahre alt sind und erzählen ein bisschen über deren Leben oder auch wie ein spezielles Werk oder Oeuvre entstanden ist - und ihr könnt am Ende abstimmen, jeder Folge, auf Instagram, welche Entstehungsgeschichte euch besser gefallen hat. Jetzt muss ich leider eine Richtigstellung am Anfang machen, nämlich hat, ich glaube, dass ich letzte Folge behauptet habe, dass ich gewonnen hätte mit der Entstehungsgeschichte. Das war aber …

 

Pia: #00:01:32‑4# Ach ja, stimmt ja. Fake News.

 

Christina: #00:01:35‑9# Extrem Fake News. Ich weiß nicht, wie ich zu der Annahme gelangt bin. Wenn ich mich recht erinnere, hat es mir irgendjemand so zugeschossen. Aber es hat nie gestimmt. [beide lachen]

 

Pia: #00:01:47‑9# [lachend] Weil es wahrscheinlich zu 99,999 % in allen anderen Fällen so war, dass du gewonnen hast.

 

Christina: #00:01:53‑3# Stimmt gar nicht. Die davon hast auch du gewonnen.

 

Pia: #00:01:55‑1# Ah, echt? Ok.

 

Christina: #00:01:55‑8# Wir müssen die Ergebnisse nochmal zusammentragen und dann werden wir in der nächsten Entstehungsgeschichten-Folgen so ein finales Aufrechnen machen, weil die Gewinnerin, so haben wir das vereinbart wird der Verliererin einen Tee schenken [zögert], nein, du wolltest …

 

Pia: #00:02:10‑9# [lachend] Nein, die Verliererin, die Verliererin muss ja einen Tee schenken. Das macht ja keinen Sinn.

 

Christina: #00:02:15‑9# Schreibt uns doch bitte auf post.tadtbibliothek@innsbruck .gv.at. Wie herum wir das machen sollen. Weil ich bin der Ansicht, das hat auch ein lieber Kollege von uns immer so gemacht. Wenn man eine Wette verliert, muss der Gewinner dem Verlierer den Wetteinsatz zahlen.

 

Pia: #00:02:36‑2# Das finde ich, macht keinen Sinn. [lacht] Aber ihr dürft entscheiden. Ihr dürft entscheiden.

 

Christina: #00:02:41‑4# Und jedenfalls in der Folge passiert dann die Preisverleihung. [lacht] Genau. Und du hast also die Jane Austen gemacht?

 

Pia: #00:02:49‑8# Genau.

 

Christina: #00:02:50‑2# Ja, Und ich habe die Geschwister Bronte erzählt. Die Brontes haben 24 % der Stimmen erhalten, und Applaus, 76 % der Stimmen und damit der Sieg der letzten Folge geht an dich, liebe Pia.

 

Pia: #00:03:03‑8# Ganz bestimmt, weil sie Jubiläumsjahr gehabt hat.

 

Christina: #00:03:06‑3# Wahrscheinlich ja. Und dann war ja auch die Elsemarie Maletzke bei uns zu Gast, sowohl in der Stadtbibliothek als auch in einem Kurz und Schmerzlos-Interview. Also vielleicht hast du da einen Rückenwind gehabt. Gratuliere.

 

Pia: #00:03:18‑4# Juhu! Endlich! [beide lachen]

 

Christina: #00:03:21‑7# Genau. Und jetzt fängst du an und beehrst uns mit deiner nächsten Geschichte.

 

Pia: #00:03:27‑3# Genau. Unsere Geschichte nimmt ihren Anfang in den 1990er Jahren in Italien. Neapels Straßen summen vom Motorroller zwischen alten Palazzi und bunten Wäscheleinen mischt sich der Duft von frischem Brot und Rauch aus Pizzerien. Politische Skandale erschüttern Rom, Während junge Menschen zwischen Aufbruch, neuer Musik und alten Traditionen ihren Weg suchen. Also ich glaube, das kann man sich so richtig gut vorstellen.

 

Christina: #00:03:52‑6# Sehr atmosphärisch.

 

Pia: #00:03:53‑7# Ja [lacht]. In diese Stimmung taucht eines Tages ein Manuskript auf von einer literarischen Stimme, die sofort fesselt, aber niemand weiß, wer es verfasst hat. Das Buch erscheint anonym unter einem inzwischen weltweit bekannten Pseudonym: Elena Ferrante. Von der hat bestimmt jeder schon mal gehört, wenn man auch noch nie etwas von ihr gelesen hat. Aber den Namen kennt man. Leser*innen weltweit sind fasziniert und irritiert. Es gibt keine Lesungen, keine Fotos, nur Briefe und schriftliche Interviews. „Bücher brauchen keine Autoren, um zu leben“, schreibt Ferrante einmal. Mit jedem neuen Roman wächst das Rätsel. Die neapolitanische Saga, die Geschichte von Lila und Elena, erobert die Welt. Das ist eigentlich das Bekannteste, was sie geschrieben hat.

 

Christina: #00:04:48‑2# Das ist der erste Roman, „Meine geniale Freundin“, oder?

 

Pia: #00:04:51‑7# Ja, genau das ist diese Reihe für die, die es noch nicht wissen: Die Reihe handelt von zwei Mädchen aus einem ärmeren Viertel in Neapel in den 50er Jahren. Von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter begleiten wir ihre Freundschaft, Loyalität und das Ringen um Bildung, Liebe und Selbstbestimmung. Die Bücher spiegeln nicht nur ihre persönlichen Schicksale wider, sondern auch den sozialen und politischen Wandel in Neapel und in Italien über mehrere Jahrzehnte. Millionen Leserinnen verschlingen diese Bände. Doch während die Figuren immer lebendiger werden, bleibt die Autorin selbst im Schatten. Wer ist also Elena Ferrante? Also da gibt es sehr viele Spekulationen. Einige vermuten, dass sich Marcella Marmo, eine Professorin an der Universität Neapel, hinter dem Pseudonym verbirgt, ist allerdings inzwischen verstorben. Das heißt, dadurch, dass noch weiter geschrieben wird, ist es wahrscheinlich eher nicht der Fall. Eine weitere Theorie wurde 2016 von dem Journalisten Claudio Gatti aufgestellt, der Finanztransaktionen und Grundbucheinträge analysiert hat und dann zum Schluss gekommen ist, dass es sich um Anita Raja, eine Übersetzerin, handeln muss. Der Journalist wurde übrigens dann sehr kritisiert für seine, für seine Verletzung der Privatsphäre.

 

Christina: #00:06:11‑1# Ich wollte gerade sagen, das ist schon ziemlich weit. Dafür, dass …  Ich mein, die will ja anonym bleiben.

 

Pia: #00:06:17‑1# Ja, eben. Das ist der Sinn des Ganzen, oder? Aber auch aus der Enthüllungsmethode ist dann nicht wirklich was geworden, weil man ist nicht wirklich schlauer draus geworden, ob sie ist oder nicht. Und man hat auch wirklich alles probiert. Computerlinguistik, Linguist*innen haben sogar den Sprachstil von Ferrante analysiert. Dadurch gerät dann zum Beispiel auch der Schriftsteller Domenico Starnone, das ist der Mann von dieser Übersetzerin, ins Visier der Forschung, weil anscheinend haben seine Texte eine große Ähnlichkeit mit Ferrante. Aber bis jetzt ist die Identität der Autorin immer noch ein Rätsel. Die Öffentlichkeit hat sehr viele Vermutungen angestellt. Vielleicht ist es ein Kollektiv, das da zusammenschreibt. Vielleicht ist es eine Frau, die für einen Verlag arbeitet und deswegen vielleicht die Identität schützen will. Oder auch eben ein Mann, der keine öffentliche Aufmerksamkeit haben will. Jede Theorie entfacht neue Debatten. Doch der Vorhang bleibt bis jetzt zumindest, Stand heute [lacht], geschlossen. Vielleicht findet man mehr raus. Irgendwann. Aber vielleicht liegt genau darin auch das Geheimnis. Elena Ferrante ist nicht nur eine Person, sie ist eine literarische Idee. Wir wissen nur zwei Dinge über sie: dass sie aus Neapel stammt, was ja Sinn macht, wenn sie über Neapel schreibt. Und dass sie nicht hauptberuflich Schriftstellerin ist. Am Ende wissen wir immer noch nicht, wer sie ist. Trotz zahlreicher Theorien bleibt ihre wahre Identität unklar. Die Autorin selbst hat mehrfach gesagt, dass ihre Anonymität ein bewusster Teil ihres künstlerischen Schaffens ist und dass die Identität der Autorin für das Verständnis vom Werk eigentlich nicht entscheidend und wichtig ist.

 

Christina: #00:08:00‑9# Interessant mit dem Autor*innen-Kult, der ja da auch gern …

 

Pia: #00:08:05‑6# Betrieben wird.

 

Christina: #00:08:06‑4# … von den Verlagen auch betrieben wird, um Exemplare zu verkaufen und sie entzieht sich dem.

 

Pia: #00:08:13‑4# Komplett. Aber wer weiß, vielleicht sitzt sie jetzt gerade irgendwo in Neapel, schreibt am nächsten Roman und trinkt einen guten italienischen Kaffee.

 

Christina: #00:08:20‑9# Liebe Grüße aus Innsbruck. [beide lachen]

 

Pia: #00:08:25‑7# Ja, genau das ist meine Geschichte, eigentlich über eine Person, von der wir nichts wissen. [beide lachen]

 

Christina: #00:08:31‑9# Sehr gut ausgesucht. Also, danke. Das war eine spannende Geschichte. Also, ich muss sagen, dass ich hoffe, dass wir nie erfahren, wer sie ist. Oder er. Aber ehrlich, ich sage jetzt, ich bleibe jetzt bei der sie. Ähm. Ich feier sie da eher voll, dass sie dass sie sich dem einfach entzieht, weil Recht hat sie. Es täte nicht jedem Werk ungut, wenn man es besser von seinem Schaffter [beide lachen] – [Christina hüstelt: J.K. Rowling] trennen könnte. [beide lachen] Aber das ist jetzt gar nicht so gemeint. Ich finde es einfach cool, dass sie da so beharrt. Und ich finde es eher ein bisschen übergriffig, dass nicht nur die Leute, dass man, dass man das ein bisschen an detektivischen Spürsinn das ausleben muss. Das kann ich schon irgendwie nachvollziehen. Aber dass man das dann auch mit Namen, mit Namen um sich wirft und das öffentlich macht für die eigene Aufmerksamkeit, finde ich schon eher problematisch, weil die Frau will ja offensichtlich nicht bekannt werden. Dafür gibt’s ja Pseudonyme.

 

Pia: #00:09:37‑8# Ja und dann auch und dann vor allem auch wirklich, also die Privatsphäre komplett missachtet und dann eben Transaktionen analysiert. Also das ist dann natürlich schon sehr übergriffig. Aber es ist faszinierend, dass gerade in der heutigen Zeit eigentlich so ein Geheimnis noch gewahrt werden kann. Weil gerade heutzutage mit Social Media und alles ist online und digital, dass das der Verlag und die Autorin oder die Autorinnen oder was nicht. Ich weiß nicht, wer es ist. [lacht] Das immer noch schaffen im Geheimen zu bleiben ist faszinierend.

 

Christina: #00:10:10‑8# Und irgendwie eine Ausnahme. Also ja, zeichnet sich ja dadurch aus, dass es so eine Ausnahme-Sache ist, dass es fast nicht mehr gibt, weil es diese viele Verlage hängen es ja an den Leuten auf.

 

Pia: #00:10:23‑6# Pseudonyme gibt es schon, aber oft weiß man dann, das ist dann oft eh schon ein Bestsellerautor, Bestsellerautorin, aber nimmt dann halt einfach einen anderen Namen her. Oft bei den Krimis ist es irgendwie so, das ist dann ein bisschen spannenderer  Name ist.

 

Christina: #00:10:35‑5# Das machen ja Autor*innen bewusst, weil so diese Genrewechsel sind ja sehr schwierig in der Literaturlandschaft und da hilft es, wenn der eine Name nicht mit dem anderen verknüpft ist. Jetzt, da, hier, Wer hat es? Der Der Sebastian Fitzek zum Beispiel.

 

Pia: #00:10:52‑9# Ja genau.

 

Christina: #00:10:53‑4# Hat das bewusst nicht gemacht.  Er schreibt ja ganz berühmterweise Thriller, schreibt aber auch … [zögert] Ist schon der Fitzek, oder?

 

Pia: #00:11:01‑0# Ja, genau.

 

Christina: #00:11:01‑7# Dieser ist „kein Krimi“ oder „kein Thriller“, schreibt er dann auf, auf dem Buchumschlag.

 

Pia: #00:11:07‑0# Dann ein bisschen damit gespielt wird.

 

Pia: #00:11:09‑3# Eben ganz klassisch J.K. Rowling erwähnt. Die hat ja auch dann das Pseudonym Robert … hilft mir [lacht].

 

Christina: #00:11:17‑1# Galbraith. Ich weiß nicht, wie man es ausspricht.

 

Pia: #00:11:18‑3# Aber das ist ja auch und sie war ja schon bekannt. So ist es ja nicht. Aber da wird ja dezidiert damit gespielt, dass man sagt okay, ich will für meine Erwachsenenkrimis einen anderen Namen haben, weil sonst denken die Leute Ah, das ist für Kinder.

 

Christina: #00:11:30‑8# Ja, genau. Aber da ist man relativ schnell drauf gekommen und offensichtlich hat sie es nicht so gut versteckt wie wie die Elena Ferrante. Beim Stephen King, der hat eine Weile unter dem Pseudonym Richard Stark geschrieben. Einige Romane, und da hat man eigentlich fast von Anfang an gewusst, dass es er ist, weil es da sehr … auch durch so ein Sprachmodul vielleicht gejagt geworden ist. Das ist jetzt aber schon sehr viel länger her. Ich weiß nicht, ob es das schon in den 90er und davor gegeben hat. Und ja. Interessant. [lacht leise] Also ich habe eine Autorin mitgenommen mitgebracht, die man vorher noch nicht gekannt hat. Also man kannte die Person, aber dass sie ein … sie hatte noch kein Buch veröffentlicht und ist also sozusagen eine Person, die aus der Anonymität hervortreten konnte, dank den Bemühungen eines [Pause] Bibliothekars. [Pia: Uhhh.] Ich muss euch warnen, mein die Recherchepferde sind heute ein bisschen mit mir durchgegangen. [beide lachen] Die Entstehungsgeschichte könnte auf der etwas längeren Seite sein, aber ich verspreche, sie ist extrem spannend. Und wenn es zu lang wird, dann mache ich im Schnitt [schnalzt mit der Zunge] das raus. [beide lachen] Also es geht um die Entstehungsgeschichte von Mopsa Sternheims „Im Zeichen der Spinne“. In der Landesbibliothek Oldenburg steht ein unscheinbarer Koffer. Der gehört zum Nachlass des Kunsthistorikers Gert Schiff, der über Umwege über New York nach dessen Tod wieder in Oldenburg und schließlich dann eben in der Landesbibliothek gelandet ist. In dem Koffer liegen ganze Packen aus Papier, nämlich voller klein beschriebener loser Blätter, [im Dialekt] die so zsammenpacktelt worden sein. Das Ganze wirkt so chaotisch, dass der Koffer, so erzählt die damalige Bibliotheksleiterin Corinna Roeder - vielleicht ist sie auch im Moment noch Bibliotheksleiterin, das weiß ich jetzt gerade leider nicht -so wurde der Koffer erst einmal wieder zugemacht. [lacht]

 

Pia: #00:13:48‑1# Okay.

 

Christina: #00:13:49‑8# Aber erst Jahre später, da war er schon in der Pension, nimmt sich der damalige stellvertretende Bibliotheksleiter Rudolf Fietz dieser Hinterlassenschaft an, nämlich gemeinsam mit seiner Ehefrau, der Geisteswissenschafterin Gisela Niemöller. Beginnt er, diese Blätter in mühsamer Kleinarbeit zu sichten. Und was auf den ersten Blick wie ein Papierchaos aussieht, entpuppt sich als das, was man literarisch ohne Übertreibung eine Sensation nennen kann. Es ist das Manuskript des einzigen Romans von Mopsa Sternheim, das jahrelang als verschollen galt. Und da die ganze Zeit in diesem Koffer in der Oldenburger …

 

Pia: #00:14:30‑8# Den einfach niemand aufgemacht hat.

 

Christina: #00:14:32‑6# Aufgemacht haben se ihn ja schon. [Pia lacht]

 

Pia: #00:14:33‑9# Aber einfach liegen lassen.

 

Christina: #00:14:35‑8# Aber ich meine, das kennt man ja von daheim. Wenn man die Sachen nicht gleich einordnet, die Rechnungen. [beide lachen]

 

Pia: #00:14:41‑5# Dann bleibt halt einfach mal stehen. Okay.

 

Christina: #00:14:44‑6# Mach ich morgen. [beide lachen] Fietz und Niemöller beschließen, das Werk zu retten. Sie rekonstruieren den Text über zwei Jahre hinweg, wirklich Satz für Satz, müssen die Papiere auch wirklich in die Reihenfolge bringen und ordnen. Und aus all diesen verschiedenen Versionen, die es da gab, und den Notizen, denen die Mopsa Sternheim dazu geschrieben hat. Im Oktober 2025, also wirklich erst vor kurzem, war es dann endlich soweit. Die Landesbibliothek Oldenburg stellt den Roman „Im Zeichen der Spinne“ erstmals der Öffentlichkeit vor. An dem Buch hat das hat an dem hat das wurde von der Mopsa Sternheim quasi fertig geschrieben vor fast 70 Jahren und zu ihren Lebzeiten konnte das eben dann nicht erscheinen. Wer war jetzt aber diese Mopsa Sternheim? Die heißt den bürgerlichen Namen - Mopsa ist natürlich ein Kosename - im bürgerlichen Namen heißt die Dorothea Elisabeth Sternheim, wurde 1905 in Oberkassel bei Düsseldorf geboren. Ihre Mutter war Thea Sternheim. Die war eine deutsche Autorin, deren Tagebücher, die sie über 70 Jahre lang geführt hat, heute als Zeitdokument gelten und im Deutschen Literaturarchiv in Marbach vorliegen. Der Vater, das war Carl Sternheim, der gilt als einer der wichtigsten Bühnenautoren der 20er -Jahre. Den Carl mögen wir nicht so sehr.

 

Pia: #00:16:11‑9# Okay.

 

Christina: #00:16:14‑5# Die Mopsa und ihre ganze Family - also die Eltern waren auch relativ bekannt, auch da zu Lebzeiten. Die haben ziemlich interessante und ziemlich turbulentes und exzessives Leben. Lebensgeschichte ist super interessant. Das habe ich natürlich jetzt alles nicht dabei, aber das war wahnsinnig faszinierend. Sie wächst jedenfalls in einem hochkulturellen Milieu auf. In ihrem Elternhaus hängen Gemälde von van Gogh und Renoir. Künstler*innen und Politiker*innen gehen ein und aus. Schon früh ist sie umgeben von Kunst und Literatur. Sie ist laut einem ihrer Hauslehrer hochbegabt. Trotz diesem auch des großbürgerlichen Luxus, in dem sie aufwächst, fehlt es dem Haushalt aber an Geborgenheit und Kontinuität. Sie war Opfer sexualisierter Gewalt von Seiten ihres Vaters. Genau ein Umstand, den sie auch im Roman, wenn nicht verarbeitet, auf jeden Fall anschneidet. In den 1920er-Jahren arbeitete sie als Bühnen-und Kostümbildnerin. Auch sehr cool. Unter anderem für die Stücke ihres Vaters und für die jungen Autor*innen Klaus und Erika Mann.

 

Pia: #00:17:26‑7# Ah.

 

Christina: #00:17:27‑3# Weil. Mit denen war sie eng befreundet.

 

Pia: #00:17:29‑9# Ah, cool.

 

Christina: #00:17:30‑5# Ja, schon, gell? [beide lachen, Pia: Nicht schlecht.] Es geht weiter: Mit 21 Jahren hat sie eine sehr intensive, aber leider unglücklich endende Affäre mit dem - der nächste problematische Mann in dieser Erzählung - 19 Jahre älteren und damals bereits berühmten Dichter Gottfried Benn.

 

Pia: #00:17:50‑3# Ah ja.

 

Christina: #00:17:51‑4# Sagt der dir was? Ich hab den noch nie ... Ich habe den. Vielleicht bin ich zu ungebildet, aber mir sagt er nichts.

 

Pia: #00:17:56‑2# Doch, der sagt mir was. 19 Jahre älter. Okay, das ist ein Unterschied.

 

Christina: #00:17:59‑7# Und zwar war er für sie die große Liebe. Sie war sehr beeindruckt von seinem Schreiben. Von seinem Intellekt. Aber sie für ihn nur eine unter vielen.

 

Pia: #00:18:10‑2# Okay.

 

Christina: #00:18:11‑4# Und diese Affäre war wirklich ein prägendes – und ich würde jetzt mal meine subjektive Einschätzung - traumatisierendes Erlebnis für sie, dieses Enden auch der Affäre. Es gibt auch einen nachgewiesenen Suizidversuch, der glücklicherweise nicht erfolgreich war. Auch das ist in diesem Roman, der ist stark autofiktional geprägt, ein Thema. Als dann 1933 die Nationalsozialisten an die Macht gekommen sind, geht die Mopsa ins Exil nach Paris. Dort schließt sie sich der Resistance an, schreibt antifaschistische Texte und arbeitet in Exilnetzwerken und ein kleines Tidbit, das ich sehr spannend gefunden habe: Sie wurde wohl auch unter Anwendung von Gewalt um die Herausgabe von Informationen versucht, dass man Informationen aus ihr herausbringt. Aber das ist nicht gelungen. Das steht. Das stand auf Wikipedia dabei und ich hab mir gedacht Boah, also das ist so ein trockener Wikipedia-Artikel, aber dahinter steht schon interessantes Leben. 1943 wird sie dann auch verhaftet, von der Gestapo gefoltert. Das würde dann das wäre dann auch das und sie wird dann wurde dann auch in mehrere Lager gebracht, unter anderem ins Konzentrationslager Ravensbrück. Das hat sie überlebt, war aber dann Zeit ihres restlichen Lebens schwer traumatisiert davon.

 

Pia: #00:19:36‑6# Verständlicherweise.

 

Christina: #00:19:37‑7# Nach dem Krieg lebt sie wieder in Paris, kämpft um Entschädigungszahlungen und beginnt mit der Arbeit an „Im Zeichen der Spinne“. Kurzes Aside: Das Zeichen, damit ist das Hakenkreuz gemeint. Das Zeichen der Spinne steht fürs Hakenkreuz. Sie arbeitet fast zwei Jahrzehnte an diesem Roman, erkrankt aber im Winter 1953 an Krebs und stirbt dann im Jahr darauf mit nur 49 Jahren. Ihr Freund, der Kunsthistoriker Gert Schiff, von dem haben wir ganz am Anfang schon gehört, bot das Manuskript dem Rowohlt Verlag an, der den Text aber ablehnte mit der Begründung, dass es zu fragmentarisch sei. Das Manuskript verschwindet dann in seinem Nachlass. Das habe ich auch schon erzählt. Der zieht dann nach New York, und dann ist es da mal eine Weile in New York, für ein paar Jahre, und dann stirbt er. Sein Nachlass kommt wieder nach Oldenburg zu seiner Familie, und irgendwann taucht es dann dort auf und dann bringen die das in die Landesbibliothek nach Oldenburg.

 

Pia: #00:20:44‑2# Interessant.

 

Christina: #00:20:44‑7# Wahnsinn, oder?

 

Pia: #00:20:45‑6# Es hat eine ziemliche Reise hinter sich.

 

Christina: #00:20:47‑4# Aber wie! Und es war. Das ist ja nicht wie heute, wo das auf der Cloud liegt und passt [Pia lacht], sondern das war das einzige Manuskript.

 

Pia: #00:20:54‑0# Es ist faszinierend, dass das überdauert hat. Eigentlich, ohne dass das jetzt noch mal ins Wasser gefallen ist oder so, also bei unseren Wasserschäden, die man teilweise haben, dann deshalb. [beide lachen]

 

Christina: #00:21:09‑3# Bei uns in der Bibliothek hätt’s nicht so lang gehalten. [beide lachen] Wer es nicht weiß, wir haben schon, wir haben schon einen größeren Wasserschaden gehabt vor ein paar Jahren und hoffen, dass das nie wieder passiert. Im Wallstein Verlag ist es dann eben 2025 erschienen. Damit sind wir wieder im Heute angelangt und eben in der kommentierten und mit einem ausführlichen Nachwort versehenen Version, die auch diese Überlieferungsgeschichte beinhaltet. Worum geht es „Im Zeichen der Spinne“? Ich würde euch jetzt einfach, damit man auch weiß was ist das Buch, einfach nur den Verlagstext kurz vorlesen. Und zwar: [liest] „Vivian liebt das Nachtleben, die Kunst und ihre Freiheit. Die Nächte verbringt sie in den queeren Künstlerkreisen in Berlin. Während draußen die Weltwirtschaftskrise tobt“, - also zwanziger und dreißiger Jahre. – „Sie verliebt sich unglücklich in einen wesentlich älteren Dichter. Die Affäre endet und Vivian versucht, sich das Leben zu nehmen.“ - Man sieht autofiktionale Übereinstimmungen. – „Sie überlebt knapp und trifft die Entscheidung für ein emanzipiertes Leben. Doch dann geht sie ein Verhältnis mit Michael ein. Ein Künstler, der wie sie auf der Suche nach seinem Platz in der Welt ist. Als Vivian schwanger wird, muss sie neue Pläne für ihr Leben fassen. Zeitgleich übernehmen die Nationalsozialisten die Macht.“ - Und dann geht es weiter mit dem Verlagstext: „Mopsa Sternheim erzählt, was es für eine Frau der 1920er und 30er Jahre bedeutet, wenn sich einer traumatisierten und desillusionierten Gesellschaft ein männlicher Gewaltkult erneut Bahn bricht.“ - Und hier hab ich mir nur gedacht: Hm, sounds familiar. – „In expressionistischer, reduzierter Sprache schildert die Autorin anhand der Biografien von Vivian und Michael die verheerenden machtpolitischen und gesellschaftspolitischen Dynamiken am Anfang des 20. Jahrhunderts.“ - Und der Verlag wirbt auch damit, wie hochaktuell das Thema nach wie vor ist. Und ich finde, es gibt durchaus erschreckende Parallelen zur heutigen Zeit, wenn man sich das mal anschaut. Für alle, die sich jetzt fragen: Was heißt denn jetzt expressionistisch? Das ist eine Strömung in der Literatur. Jetzt ganz grob gesagt zwischen 1905 und 1925 war sie am stärksten vertreten. Es geht dabei um neue Darstellungsformen in der Literatur, die dann stark von Emotionen und dem Ausdruck subjektiver Wahrnehmung geprägt sind, auch Großstadt und das Individuum in der Großstadt. Solche Motive werden auch behandelt. Jetzt mal ganz grob. Natürlich ging es dann auch viel um den Ersten Weltkrieg. Grundsätzlich ist das Buch die Sensation, war mehr der Fund. Das Buch wurde somit mit durchwachsenen Rezensionen begrüßt. Also es ist. Die Süddeutsche schreibt zum Beispiel, dass die Mopsa Sternheim endlich aus dem Schatten ihrer berühmten Eltern treten kann. Die taz sagt, wie kompromisslos und schwer der Text auch ist. Also das ist auch wirklich keine leichte Lektüre. Sehr stilistisch. Andere finden es zu … theatralisch, mit viel zu viel Pathos und sehr, sehr pathetisch und sehr zugespitzt. Die Mopsa selber war übrigens eine sehr selbstkritische und analytische Person und Denkerin. Die hat ja auch an dem Roman quasi 20 Jahre herumgewerkelt und ihn dann immer noch nicht so richtig zusammengefasst gehabt. Sie war sich also auch der Schwächen vom Roman durchaus bewusst. Zitat aus dem taz Artikel, aus dem ich vorhin zitiert habe. „Mein Buch ist zu konstruiert, zu gewusst und kitschig. Pathetisch immer, oft solennel.“ Das habe ich nicht gewusst, was das Wort heißt, das habe ich nachschauen müssen. Das heißt „feierlich“, „ernst“, „würdevoll“. Also ich nehme an, sie kritisiert es ist zu ernst, nimmt sich selber zu ernst, das Buch. War ihre eigene Kritik.

 

Pia: #00:25:22‑7# Aber interessant, dass sie sich selber dann auch so eingeschätzt hat. Weil wenn dann wirklich die Rezensionen waren, es ist zu pathetisch und sie sagt Ja, es ist zu pathetisch. Es ist schon interessant.

 

Christina: #00:25:31‑6# Es beginnt mit dem Jahr 1914, mit einer Beschreibung von einer Kriegsgesellschaft. Stimmt, es ist diese Beschreibung, grad die kursiven sind sehr pathetisch, aber auf der anderen Seite war das ja dieser Expressionismus auch. Und es ist sehr eindrücklich.

 

Pia: #00:25:50‑2# Ja, und mit ihrer Vorgeschichte kann man verstehen, warum sie es so geschrieben hat, woher es kommt.

 

Christina: #00:25:58‑7# Weil sie hat es ja nach ihren ganzen Erlebnissen auch nach Ravensbrück immer wieder umgeschrieben. Genau. Trotz der gemischten Rezensionen eben, die sagen, es könnte ein bisschen schwer zugänglich sein, ist sicher nicht mehr so im Stil der heutigen Zeit auch geschrieben, wird das Buch durch die Bank weg als lesenswerter Roman bezeichnet. Es ist auch einfach wieder so ein Lautwerden einer Stimme. Das ist eine jüdische Frau im frühen 20. Jahrhundert. Die, die die KZs überlebt hat und künstlerisch war und queer. Sie hatte auch Verhältnisse mit Frauen. Sie war auch drogenabhängig. Das habe ich gar nicht erwähnen können, weil das so – also schmerztablettenabhängig - weil es so eine interessante Lebensgeschichte ist. Und die Stimme wird halt gehört und solche Umstände. [seufzt] Deswegen Entschuldigung, dass das jetzt so lang geworden ist. Das war jetzt die Entstehungsgeschichte aus einem Koffer in der Oldenburger Landesbibliothek. Ich bin froh, dass es den Roman gibt und ich bin noch froher, dass wir den natürlich in der Stadtbibliothek Innsbruck zur Ausleihe haben und wenn es nach mir geht, auch immer haben werden. [beide lachen]

 

Pia: #00:27:09‑5# Das ist sehr spannend. Danke für die für die Entstehungsgeschichte. Sehr interessant. Noch nie von der Frau gehört. Wieder was Neues gelernt.

 

Christina: #00:27:17‑3# Absolut ja. Ich habe erst von ihr gehört, weil, als ich den Roman bestellt habe, in der Verlagsvorschau, habe ich das gelesen. Dann kam er auf unsere Liste. Und dann habe ich den bestellt und dachte Wow, okay, das ist schon irgendwie cool. Das muss ich euch allen erzählen. [lacht]

 

Pia: #00:27:35‑9# Da ist auch die Geschichte dahinter ist ja auch so interessant. Nicht nur wie sie es geschrieben hat, sondern wie lange es gedauert hat, bis es zur Veröffentlichung kommt. Also es ist spannend, und Bibliothekar*innen waren involviert.

 

Christina: #00:27:47‑1# Ja also er ist Bibliothekar, und die Frau ist Geisteswissenschafterin. [Pause] Ja. [unentschlossene Pause]

 

Pia: #00:27:54‑4# Was machen wir jetzt? [beide lachen] Ja, dann sagt es uns, wie es euch gefallen hat. Welche hat euch vor allem besser gefallen? – Meine ist natürlich viel besser, muss ich jetzt mal sagen. [lacht]

 

Christina: #00:28:09‑0# Ich habe Bedenken, dass meine zu lang war, aber ich habe mich nicht beherrschen können.

 

Pia: #00:28:12‑1# Nein, das verstehe ich. Da war ja auch viel mehr Lebensgeschichte dahinter, muss man sagen. Bei der Ferrante kann man ja eigentlich nur sagen: Wir wissen nichts. [beide lachen]

 

Christina: #00:28:20‑7# Hallo. Meine Entstehungsgeschichte ist: wir wissen nichts. [lacht]

 

Pia: #00:28:25‑6# Genau. Ja, aber sagt uns eure Meinung gern per Email über post.stadtbibliothek@innsbruck.gv.at oder auf Instagram.

 

Christina: #00:28:37‑4# Mit dem Handle stadtbibliothek.innsbruck. Da wird es dann auch wie immer eine Abstimmung geben und ihr könnt natürlich aber auch per E-Mail abstimmen. Wir berücksichtigen alle Stimmen, die eintreffen bis zur nächsten Aufnahme.

 

Pia: #00:28:50‑5# Genau. Und wir hoffen, es hat euch gefallen. Es war was Interessantes dabei und wir hören euch beim nächsten Mal.

 

Christina: #00:28:57‑7# Genau. Schönes Lesen.

[Outro-Musik]

Pia: #00:29:25‑7# S'Vorwort ist eine Produktion der Stadtbibliothek Innsbruck und Teil der Stadtstimmen, die im Audiokanal der Stadt Innsbruck. #00:29:32‑6#

Weitere Infos

Vom sonnigen Neapel und der Suche nach der wahren Identität der Bestsellerautorin Elena Ferrante, bis hin zum Manuskript des einzigen Romans der Bühnenbildnerin Mopsa Sternheim, das viele Jahrzehnte in einem einfachen Koffer überdauert hat, um schließlich von einem pensionierten Bibliothekar gefunden und zur Veröffentlichung gebracht zu werden: auch in dieser Folge gibt es wieder zwei faszinierenden Geschichten aus der Welt der Literatur!

Viele der besprochenen Bücher gibt’s auch in der Stadtbibliothek.

Kurz und Schmerzlos mit … Rebekka Endler

Kurz und Schmerzlos mit … Rebekka Endler

Stadtbibliothek Innsbruck

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Transkript

[00:00:07] [modulierte Stimme] Vorsicht, der Genuss dieses Podcasts kann zu vermehrten Bibliotheksbesuchen führen. 

[00:00:07] Boris liest: Rebekka Endler,

[00:00:08] "Witches, Bitches, It-Girls:

[00:00:12] Wie patriarchale Mythen uns bis heute prägen".

[00:00:15] Rowohlt 2025.

[00:00:20] Das Patriarchat ist kein Mythos.

[00:00:23] Bestsellerautorin Rebekka Endler macht sich in ihrem neuen Buch auf die Suche nach den Ursachen des Patriarchats

[00:00:29] und geht der Frage nach, welche misogynen Mythen bis heute unser Denken und Handeln bestimmen.

[00:00:37] "Witches, Bitches, It-Girls" ist eine anekdotische Spurensuche, die durch die lange Menschheitsgeschichte führt.

[00:00:44] Rebekka Endler blickt dabei in den Maschinenraum des Patriarchats, beschäftigt sich mit der Kanonisierung in der Kunst, mit der Epoche der Romantik, mit der sogenannten "Normalität" und mit feministischen Wellen, mit Cancel Culture und Transfeindlichkeit und fragt, was bringt so viele Frauen heute noch dazu, von einem rettenden Märchenprinzen zu träumen?

[00:01:08] Warum werben sogenannte Trad Wives für ein Leben als Hausfrau und Mutter?

[00:01:14] Was steckt hinter der Mami-Bloggerwelle und welche Funktion haben Frauenbilder wie Witches, Bitches und It-Girls?

[00:01:24] Humorvoll, schlagfertig und kämpferisch

[00:01:28] zeigt Rebekka Endler, wie wir alle das Patriarchat Tag für Tag am Laufen halten und wie wir es dennoch verändern können, wenn wir das System dahinter verstehen und angreifen.

[00:01:54] [Intro-Musik] Boris: Hallo und herzlich willkommen zurück beim "Vorwort: Kurz und Schmerzlos", heute mit Rebekka Endler und mein Name ist Boris Schön.

[00:02:04] Ja Rebecca, schön, dass du da bist.

[00:02:06] Rebekka Endler: Ja, danke für die Einladung.

[00:02:09] Boris: Wie immer würde ich dich bitten, als erstes dich kurz vorzustellen.

[00:02:13] Rebekka Endler: Ja, ich heiße Rebekka.

[00:02:16] Ich bin von Haus aus Journalistin, eigentlich ursprünglich Sozialwissenschaftlerin, schreibe inzwischen Bücher und mache einen Podcast zusammen mit meiner Freundin und Kollegin Annika Brockschmidt.

[00:02:30] Ich könnte jetzt eigentlich noch sagen, wie der heißt.

[00:02:32] Das wäre ja noch besser. [lacht]

[00:02:33] Also der heißt "Feminist Shelf Control".

[00:02:37] Und darin sezieren wir unsere Gegenwart auf patriarchale Muster, insbesondere in Bezug auf die Liebe und die Romantik.

[00:02:52] Allerdings besprechen wir auch seit geraumer Zeit ... Artikel, Podcasts, die uns aufregen, gerade in diesem Bezug.

[00:03:02] Ja.

[00:03:02] Boris: Jetzt hast du als Erstes gesagt, Journalistin oder journalistische Arbeit.

[00:03:07] Ich habe auf deiner Website gefunden, aber ich weiß nicht, wer aktuell dieser Satz ist.

[00:03:11] Rebekka Endler: Die ist sehr veraltet, die Website. [lacht]

[00:03:12] Boris: Ja, ich habe mir das ein bisschen gedacht, weil dein aktuelles Buch, glaube ich, gar nicht so wirklich auftaucht.

[00:03:16] Rebekka Endler: Die ist extrem

[00:03:16] stiefmütterlich von mir behandelt.

[00:03:18] Ja, das stimmt.

[00:03:19] Was steht denn da?

[00:03:20] Boris: Da steht "Rebekka Endler, Journalistin und so".

[00:03:24] Rebekka Endler: Ja. [lacht]

[00:03:26] Ja, weil ich tatsächlich, wenn ich sage, ich bin Journalistin, dann ist es was, woran ich lange gearbeitet habe.

[00:03:31] Allerdings habe ich jetzt keine klassische journalistische Ausbildung oder ein Volo, sondern ich bin Quereinsteigerin aus der Wissenschaft, dann so langsam Stück für Stück in den Journalismus gewechselt, weil mir das ein großes Anliegen war bzw.

[00:03:46] ich als Wissenschaftlerin gemerkt habe, dass die Kommunikation von Forschungsergebnissen, so das ein Großteil der Gesellschaft sie nicht nur verstehen kann, sondern auch was damit anfangen kann,

[00:04:03] etwas ist, wo wir... Verbesserungsbedarf haben.

[00:04:07] Deshalb würde ich auch sagen, schreibe ich, in Deutschland klingt das immer so sehr abwertend, aber tatsächlich stehe ich komplett dahinter, populärwissenschaftliche Bücher, weil ich glaube, dass Wissenschaftskommunikation etwas enorm Wichtiges ist, gerade in Zeiten von Desinformation.

[00:04:24] Und die Aufgabe, ja, teilweise dann doch recht... dröge akademische Studien so aufzuarbeiten, dass wir sie verstehen und dass wir auch daraus eine politische Meinung gewinnen können, finde ich extrem wichtig.

[00:04:45] Und das ist etwas, wo ich denke, das kann ich und deswegen mache

[00:04:49] ich das. [lacht]

[00:04:51] Boris: Auch als Podcast.

[00:04:52] Rebekka Endler: Genau, also, ja, ja.

[00:04:53] Ich würde gar nicht so sehr, also für mich unterscheidet sich Bücher schreiben oder Podcast machen

[00:04:59] nicht sehr, weil es erst mal an erster Stelle steht, die Recherche, die wissenschaftliche Auseinandersetzung damit und dann daraus quasi, ja, meine Metapher ist ein bisschen vielleicht ekelerregend, aber ich sehe mich dann eher wie so eine Vogelmutter, die dann daraus verdauliche Kleie

[00:05:20] macht. [beide lachen] 

[00:05:22] Die Nährstoffe so aufarbeitet, dass möglichst viele, denn das ist das Ziel, etwas damit anfangen können.

[00:05:30] Boris: Jetzt

[00:05:31] habe ich eine Frage, die eigentlich eher so eine Meta-Ebene zu dem Podcast darstellt.

[00:05:36] Erstens, du bist ja nicht nur, du machst ja nicht nur den Podcast, du bist ja auch sehr oft zu Gast in Podcasts, so wie jetzt auch hier gerade.

[00:05:45] Was mich interessieren würde, wie du das siehst, es ist ja so, also diese Podcast gibt es ja eigentlich schon ziemlich lange und wir sind auch ungefähr gleich alt, aber mir kommt vor, die hats schon ganz lange gegeben, so seit den 2000ern oder Mitte 2000 auf jeden Fall, aber die haben jetzt so einen totalen Durchbruch.

[00:06:01] Oder kommt das nur mir so vor?

[00:06:03] Oder wie siehst du das?

[00:06:04] Rebekka Endler: Ja, was wir sehr, sehr lange hatten, ist diese Podcasts, die aufwendig produziert waren.

[00:06:12] Als ich angefangen habe, Radio zu machen, da war unser Traum...

[00:06:15] Wir wollten alle entweder "Radio Lab" oder "This American Life" machen, was produzierte, gebaute Beiträge sind, die enorm aufwendig sind und Geld und Zeit und auch sehr viel Know-how kosten.

[00:06:28] Und die sind so ein bisschen aus der Mode, sag ich mal, geraten.

[00:06:32] Wir haben das immer noch.

[00:06:33] Boris: Entschuldigung, aber das ist

[00:06:33] ein bisschen featureartig dann?

[00:06:35] Rebekka Endler: Genau.

[00:06:36] Wir haben in Deutschland dann halt so Feature.

[00:06:39] Also, man geht raus, als Reporterin, Reporter zeichnet seine O-Töne auf, zeichnet seine Atmo auf und dann kommt das Storytelling oben drüber.

[00:06:47] Das sind Geschichten, die wirklich durch mehrere Redaktionsschleifen laufen.

[00:06:52] Das weiß ich, weil ich da auch herkomme.

[00:06:54] Also, das ist ursprünglich das, wie ich in den Journalismus gekommen bin, ist über Produktion von Hörstücken, die fast schon Hörspiele sind, nicht?

[00:07:06] Und ich glaube, dass dann durch tatsächlich die Allgegenwart von nicht nur Podcast, sondern Podcast-Equipment, Mikrofone, die in guter Qualität sehr, sehr erschwinglich geworden ist, dann, was wir auch wieder so abwertig so Laber-Podcasts nennen, dann so langsam Einzug erhalten haben und dass viele dann gemerkt haben, dass das auch ein guter Weg ist, der einfach weniger Zeit kostet, also wirklich nicht in der Recherche, sondern in der Produktion, um Wissen zu vermitteln.

[00:07:34] Und da viele von uns besser... Dinge verstehen oder leichter konsumieren können, wenn wir sie hören, weil auch die Kunst oder die Fertigkeiten Bücher zu lesen, die anspruchsvoll sind,

[00:07:49] das ist nicht was, was allen Menschen gegeben ist, was auch sehr viel Übung erfordert.

[00:07:54] Und dass deswegen das Podcast als Medium der Wissensvermittlung über das Gespräch auch was ist, was deswegen zunehmend an Wert gewonnen hat.

[00:08:04] Aber ich sehe das auch positiv, weil das schließt einander ja nicht aus.

[00:08:10] Boris:Es ist nur so viel, dass man ... suchen muss, was man quasi haben

[00:08:13] will.

[00:08:13] Rebekka Endler: Ja, es ist auch sehr, sehr viel Müll.

[00:08:15] Auf jeden

[00:08:15] Fall.

[00:08:16] Also das ist ja das: Die Tatsache, dass jeder Hinz und Kunz sich ein Mikro kaufen kann, heißt natürlich auch, dass jeder sich bemüßigt fühlt, dann irgendwelche Unwahrheiten in den Äther zu ballern, ohne dass dem von irgendeiner redaktionellen Sicht Einhalt irgendwie geboten wird.

[00:08:32] Das ist gleichzeitig natürlich auch ein großes Problem.

[00:08:35] Aber da wir im Journalismus auch eine sehr hohe Eintrittshürde haben,

[00:08:40] also es ist nicht so, dass in Volos die Gesellschaft irgendwie abgebildet wird, sondern es ist ein großes Privileg überhaupt, das machen zu können, was nicht allen Personen gegeben ist,

[00:08:51] begrüße ich das erst mal, dass durch diese neue Technik so eine Demokratisierung von Reichweite stattgefunden hat und dass da sehr viel Mist dabei ist, das ist irgendwie ein Problem.

[00:09:04] Aber auch da, es gibt halt auch sehr, sehr viele Leute, die eben keine klassische Ausbildung haben, die sehr gutes Programm, um jetzt mal so ein älteres Wort zu nennen, machen.

[00:09:13] Und das finde ich super.

[00:09:14] Boris: Während du gesprochen hast, ist mir gerade eingefallen, würdest du das eigentlich ein bisschen gleichsetzen mit dem, was Blogs waren oder sind?

[00:09:21] Rebekka Endler: Ja, ich glaube, ja genau.

[00:09:22] Also das sind ja Demokratisierungen von... von wegen Reichweite und Menschen zu erreichen, hat natürlich dazu, also es fing mit den Blogs an und parallel dazu haben wir eben auch im Audio und auch im Video, weil es gibt ja auch über eben Plattformen wie YouTube und Co.

[00:09:40] Video-Essays, die teilweise auch extrem gut sind und ein sehr hohes akademisches Level haben, aber in der Aufarbeitung sich eben an ein sehr junges Publikum richten.

[00:09:50] Das sind auch Leute, die früher niemals so viele Leute erreicht hätten, ohne diese Wege, genau.

[00:09:57] Boris: Jetzt vom Blog sozusagen rüber zu deiner schreibenden Tätigkeit, du hast ja als erstes... ist es dein erstes Buch gewesen, also außerhalb des wissenschaftlichen Bereichs, "Das Patriarchat der Dinge"?

[00:10:11] Rebekka Endler: Ja.

[00:10:11] Boris: Und das war ja ein großer Erfolg, war ja so ein Bestseller, oder ist das...

[00:10:15] Rebekka Endler: Es ist... das geworden. Es erschien in der Pandemie.

[00:10:20] Was für viele Autor*innen

[00:10:23] ein großes Unglück ist, dass die Bücher in der Pandemie erschienen. Bei mir,

[00:10:28] dadurch, dass mich ohnehin niemand kannte, waren die Erwartungen auch sehr gering an dieses Buch. [beide lachen]

[00:10:33] Allerdings war es thematisch, hat das so komplett den Nerv der Zeit getroffen, da in der Pandemie eben Geschlechterungerechtigkeiten, gerade in der Berufswelt, aber auch in der ... Familien und Aufteilungen im Privatleben, so dermaßen eklatant geworden sind, dass in der Gesellschaft schon, also ich habe quasi mit dem Buch von einer Sensibilisierung profitiert, die sich in den Monaten davor dann angebahnt hat. 

[00:11:04] Oder anders formuliert, die Tatsache, dass wir uns... in der Pandemie schon gefühlt in ein Backlash bewegt haben, was Geschlechtergerechtigkeit angeht, hat dazu geführt, dass mein Buch besseren Absatz gefunden hat, als das ursprünglich von uns irgendwie angedacht war.

[00:11:25] Ich meine, das war sehr schön für mich.

[00:11:27] Aber das ist halt wie mit dem Buch jetzt auch.

[00:11:29] Ich schwimme auf einer Erfolgswelle, die aber dem geschuldet ist, dass es immer schlimmer wird.

[00:11:37] [lachend] Und ich somit eine der wenigen quasi linken Feministinnen bin, die davon zumindest beruflich profitiert.

[00:11:48] Absurd, aber das ist so.

[00:11:50] Boris: Die Frage, die sich da auch für mich stellt, ist man das erste Buch, war ja sozusagen so ein bisschen Überraschung, wie du gerade das dargestellt hast.

[00:11:57] Wie war das dann für dich im Prozess, wie du das zweite Buch geschrieben hast?

[00:12:01] Ich meine, du hast den Verlag gewechselt.

[00:12:04] Rebekka Endler: Das lag

[00:12:04] darin, dass ich weiter mit meiner Lektorin arbeiten wollte.

[00:12:07] Boris: Und die hat den Verlag gewechselt?

[00:12:08] Rebekka Endler: Die war freie Lektorin.

[00:12:10] Also auch das ist so ein Pandemie-Ding.

[00:12:12] Ich wollte zu Dumont gehen.

[00:12:15] Und dann war das aber so, dass in der Pandemie meine eigentliche Lekturen viel zu viel zu tun hatte und mit dem Projekt dann einfach aus Zeitgründen nicht konnte und sie dann eine freie Lektorin damit beauftragt hat.

[00:12:26] Diese Zusammenarbeit war für mich so ein absoluter Glücksgriff.

[00:12:31] Ulrike Ostermeyer ist eine Frau, die dadurch, dass sie einer anderer Generation angehört hat als ich,

[00:12:38] also älter ist und so ein fundiertes Wissen über alles hat,

[00:12:42] eine Person, mit der ich mich auch viel gerieben hatte, aber die mir wie keine andere dann auch gesagt hat, wenn ich mich verrannt hatte.

[00:12:48] Und diese Zusammenarbeit, die war für mich auch einer der Gründe, warum das Buch das geworden ist, was es geworden ist.

[00:12:56] Und deswegen wollte ich unbedingt das zweite, also es ist ja wie ... eigentlich bei einer Band.

[00:13:00] Wenn eine Band ein erstes Album rausbringt und es ein Erfolg ist, dann hat man so "curse of the second album", das dauert dann meistens.

[00:13:07] Und die Leute müssen sich irgendwie, weil man kann ja nicht das gleiche nochmal neu machen, aber andererseits darf man jetzt auch nicht das Rad komplett neu erfinden, denn dann will es auch niemand mehr haben.

[00:13:15] Und deswegen hat das auch so lange gedauert.

[00:13:18] Das waren drei Jahre und eigentlich war ein anderthalb geplant.

[00:13:21] Aber die Zeit, die dazwischen vergangen ist, die war auch ganz wichtig.

[00:13:26] um eben, weil ich mir dann überlegte hatte, von dem Alltagdesign, also das erste Buch drehte sich um so hauptsächlich - nicht nur - aber so haptische Dinge wollte ich eigentlich erklären, warum ist das eigentlich so?

[00:13:36] Und deswegen dieser Storytelling-Angle.

[00:13:39] Und gleichzeitig ist aber in den drei Jahren so viel passiert, auch so viel Schlimmes.

[00:13:43] Und deswegen hat das lange gedauert.

[00:13:44] Aber ich war bei Dumont hochzufrieden und das war dann eher der Zufall, dass Ulrike dann bei Rohwolt eine Anstellung gefunden hat und ich deswegen mitgewechselt bin.

[00:13:55] Das ist der einzige Grund.

[00:13:57] Boris: Ist, glaub ich, das allererste Mal, dass ich diese Variante oder diesen Grund für einen Verlagswechsel gehört habe.

[00:14:04] Rebekka Endler: Das

[00:14:04] ist gar nicht so unüblich.

[00:14:05] Boris: [lacht] Ja, ich denke mir gerade, aber es ist irgendwie, es werden immer andere Geschichten erzählt kommt mir vor.

[00:14:09] Rebekka Endler: Ich glaube, wenn man eine Person gefunden hat, der man so wirklich vertraut und wo man sich auch verstanden fühlt und mit der man gut arbeiten kann und die auch wirklich, die schleift mich auch, also die ist jetzt nicht großzügig bei allem, was ich mache, sondern die schenkt mir ganz unverblümt auch reinen Wein ein, wenn ich Quatsch geschrieben habe und teilweise beispielsweise wenn über ältere Frauen ihrer Generation geschrieben hab, dann hat sie mir gesagt, du scherst du alle über einen Kamm.

[00:14:34] Wenn ich das mit deiner Generation machen würde, würdest du ausrasten.

[00:14:37] Recht hatte sie.

[00:14:38] Also wenn man so eine Person gefunden hat, dann lässt man die ja nicht mehr gehen.

[00:14:42] Das ist ja auch klar.

[00:14:44] Boris: Na klar, super.

[00:14:45] "Witches, Bitches, It-Girls", es liegt da vor mir.

[00:14:48] Und das ist auch der Grund, warum du heute Abend in einer Stadtbibliothek auf die Bühne steigen wirst und mit Laura Volker,

[00:14:55] die ein Teil des CGI ist, mit dem wir kooperieren, die Moderation übernehmen wird.

[00:15:00] Also seit einiger Zeit stelle ich ja allen meinen Gästen immer die Frage, wie sie den Zusammenhang von KI als Chance und Risiko für ihre berufliche Tätigkeit so einschätzen.

[00:15:13] Hab da inzwischen, muss ich dazu sagen, auch schon ein sehr breites Spektrum an Antworten bekommen.

[00:15:18] Aber bitte, was ist deine Einstellung zu dem Ganzen,

[00:15:23] deine Hoffnungen und deine Sorgen?

[00:15:25] Rebekka Endler: Also ich sehe das sehr kritisch gerade was den Einsatz von KI in Bereich von sowohl Bücherschreiben als auch Podcast angeht.

[00:15:37] Bei vielen Dingen, also gerade bei Podcast,

[00:15:40] erleichtert es vieles, weil diese automatischen Transcripts, also quasi Verschriftlichung des Podcasts, ist wichtig für die Barrierefreiheit, macht es sehr viel einfacher zu zitieren.

[00:15:51] Also da bin ich Freundin von, das finde ich gut.

[00:15:55] Aber gerade bei Büchern, also was die KI beispielsweise, wenn ich meinen Namen eingebe, dann teilweise ausgespuckt hat, was die Anzahl meiner Kinder und Partnerschaften angeht.

[00:16:07] Also das ist so hahnebüchen, das es,

[00:16:10] ja ärgerlich ist.

[00:16:11] Und was ich auch problematisch finde ist, dass sich viele auch tatsächlich Journalist*innen relativ wenig Gedanken machen

[00:16:21] in meiner Zunft über die ethischen Gesichtspunkte von KI und wem die eigentlich gehören und was auch für eine riesen Umweltverschmutzung und Verschleudung ist und die Inhalte ja nun auch wirklich fehlerhaft sind, weil die Sachen, die eingespeist werden, auch äußerst fehlerhaft sind.

[00:16:39] Also ich glaube... Man könnte KI für sehr viele sehr gute Dinge nutzen, die unser aller Leben und ich meine wirklich das Allgemeinwohl besser machen würden, aber das sind nicht die Bereiche, in denen KI im Moment eingesetzt wird.

[00:16:53] Und gerade, auch gerade was Covergestaltung angeht, arbeiten ja auch die ersten Verlage mit Agenturen zusammen, die KI-generierte Cover machen.

[00:17:02] Also warum lassen wir KI Jobs machen, die begehrt sind, die Menschen, kreativ sich ausleben können und die wahnsinnig gerne von Menschen erledigt werden.

[00:17:13] Wenn wir KI auch Dinge erledigen lassen könnten, die niemand von uns gerne macht.

[00:17:18] Also ich rede da beispielsweise vom Gesundheitssystem.

[00:17:23] Da gibt es schwierige logistische Sachen, die mit Planungen und Modellen zu tun haben.

[00:17:27] Das könnte man alles auf KI auslagern, um eine bessere Versorgungssicherheit in Krankenhäusern zu garantieren.

[00:17:34] Aber stattdessen lassen wir Covergestaltung von KI machen.

[00:17:37] Ich verstehe das nicht, das finde ich fürchterlich.

[00:17:40] Boris: Vollkommen, ja.

[00:17:40] Rebekka Endler: Das war

[00:17:41] jetzt nur ein kleiner Rundumschlag.

[00:17:42] Ich könnte jetzt auch anderthalb Stunden ... Ich verteufle nicht die Technik an sich, aber ich bin auch keine Freundin davon.

[00:17:51] Und gerade, ich spreche zum Beispiel auch meine eigenen Hörbücher.

[00:17:55] Und ich weiß, dass meine Stimme schon geklont wurde.

[00:17:57] Und dann ist das die Frage, ob ich beim nächsten Buch das noch selber sprechen darf.

[00:18:01] Oder ob man einfach meine geklonte Stimme nehmen darf.

[00:18:04] Ja, also ... Dieser ganze juristische Rattenschwanz, der da auch noch dran hängt und für den es keine ausreichende Regulierungen gibt, das ist ja noch mal ein ganz anderes Fass, was da aufgemacht wird.

[00:18:14] Boris: Ja.

[00:18:16] Die allerletzte Frage, wie immer, hast du einen Buchtipp für unsere Zuhörer*innen?

[00:18:22] Rebekka Endler: Also ich lese jetzt gerade von Fikri Anil Altintas "Zwischen uns liegt August".

[00:18:29] Und finde es ein sehr, sehr schön, sehr berührend erzähltes Buch über eine Frau, seine Mutter, die ihrer Familie langsam entschwindet und der Sohn, wie er quasi ihren Werdegang nacherzählt und das Familienleben und so.

[00:18:46] Das ist ein Buch, was ich jetzt gerade lese und was mich sehr berührt.

[00:18:50] Boris: Vielen herzlichen Dank.

[00:18:52] Rebekka Endler: Sehr gern.

[00:19:18] [Outro-Musik] Boris: S'Vorwort ist eine Produktion der Stadtbibliothek Innsbruck und Teil der Stadtstimmen, dem Audiokanal der Stadt Innsbruck.

Weitere Infos

Wissenschaftskommunikation ist der Soziologin Rebekka Endler ein großes Anliegen. Und zwar verständlich für alle. Sie sieht viele Vorteile von Podcasts in der Wissensvermittlung. Mit Boris unterhält sie sich übers Podcasten (Rebekka hat darin viel Erfahrung, denn sie selbst betreibt den Podcast „Feminist Shelf Control“ mit ihrer Freundin und Kollegin Annika Brockschmidt).  

In ihrem Buch „Witches, Bitches, It-Girls“ beschäftigt Rebekka sich mit Geschlechtergerechtigkeit. Sie spricht mit Boris über den Backlash, der seit der Corona-Pandemie stattgefunden hat. Und sie teilt ihre Ansichten über Künstliche Intelligenz: Warum lassen wir die KI Jobs machen, die Menschen gerne machen – und nicht welche, die niemand gern macht?

„Witches, Bitches, It-Girls“ von Rebekka Endler (Rowohlt 2025) finden Sie hier.

Rebekkas Buchtipp: „Zwischen uns liegt August“ von Fikri Anil Altintas (C.H. Beck) gibt's hier.

Feminist Shelf Control – den Podcast finden Sie hier.

Viele der besprochenen Bücher gibt’s auch in der Stadtbibliothek.

Teatime Tropes: Dark Academia

Teatime Tropes: Dark Academia

Stadtbibliothek Innsbruck

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Transkript

[Stimme moduliert] Vorsicht! Der Genuss dieses Podcasts kann zu vermehrten Bibliotheksbesuchen führen.

[Intro-Musik]

Jaci: #00:00:21‑6# (...) Hallo und herzlich willkommen zum Vorwort, dem Podcast der Stadtbibliothek Innsbruck und zu unserem monatlichen Format Teatime. Mein Name ist Jaci und neben mir sitzt meine bezaubernde Kollegin, die Shelly. Und weil es heute wirklich kalt ist, ich finde heute ist da wirklich erste eis-eiskalte Tag.

 

Shelly: #00:00:39‑4# Voll. Wie ich gekommen bin, waren die Scheiben von den Autos eingefroren.

 

Jaci: #00:00:42‑3# Also mein Papa hat heute in der Früh eiskratzen müssen und ich habe sowohl Mütze als auch Handschuhe schon beim Radlfahren gebraucht und dann liegen so Blätter am Boden und es ist so mystisch in der Früh, wenn es noch dunkel ist und man freut sich schon auf den Tee, den man sich dann zur Tea Time macht. Und deswegen haben wir ein sehr passendes Thema heute, finde ich. Und zwar Dark Academia. Und wir reden gerade vom Tee. Shelly, was hast du heute für einen Tee dabei?

 

Shelly: #00:01:11‑7# Meinen classic and sophisticated cup of black tea. [schmunzelnd]

 

Jaci: #00:01:15‑8# Very nice. Mit Zitrone oder Milch? – Shelly: Ohne alles.  – Jaci: Ohne alles? Respekt. [Shelly lacht]

 

Shelly: #00:01:21‑0# Was trinkst du?

 

Jaci: #00:01:26‑2# Ich habe mir heute, weil es eben so kalt ist und ich den Winter nicht mag, einen Gute Laune-Tee gemacht. Ein Früchtetee.

 

Shelly: #00:01:32‑2# Ah ja. Schön.

[Soundbite: Tee einschenken, Tasse klirren, genüssliches Trinken]

 

Shelly: #00:01:41‑0# Also, ihr habt euch schon lange gewünscht, dass wir die Dark Academia-Folge abdrehen. Und heute ist es soweit. Heute kommen wir dazu. Und heute ist der Vibe auch da. [lacht]

 

Jaci: #00:01:51‑3# Yaaay.

 

Shelly: #00:01:52‑7# Genau. Und für diejenigen, die sich noch nie mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Was ist Dark Academia? Ich habe mal einen Artikel der Vogue durchgelesen, die das ganz gut auf den Punkt bringt. Und zwar ist Dark Academia „die Ästhetik, die sich an der intellektuellen Elite zur Jahrhundertwende orientiert.“ Und weil mich die Jaci vorher schon gefragt hat, was für eine Jahrhundertwende [Jaci lachend: Es gibt viele!], die vom 19. auf das 20. Jahrhundert. Genau. Es enthält romantische und viktorianische Einflüsse und auch Gothic-Elemente, weil sonst wäre es ja nicht „dark“. [beide lachen] Gibt ja auch die Light Version mittlerweile, „Light Academia“ und die ist halt viel weniger dunkel. [lacht]

 

Jaci: #00:02:42‑8# Es gibt auch Green Academia.

 

Shelly: #00:02:44‑6# Ach schon?

 

Jaci: #00:02:45‑2# Ja.

 

Shelly: #00:02:46‑8# Die ist dann grün? [kurze Pause] Okay, wir haben gerade noch mal nachgeschaut, was Green Academia ist [lacht].

 

Jaci: #00:02:54‑8# Genau Green Academia ist mehr eben so naturverbunden wie schon das „green“ weg gibt und mehr so auf Natur Studies [sic] und Botanik und sowas und mehr „whimsical“ auch irgendwie so ein bisschen mehr so Hexen ,Cottage Core hexenmäßig.

 

Shelly: #00:03:13‑7# Oh cool, okay. Aber zurück zu Dark Academia. Und zwar ist es eben nicht nur. Eine Lebensweise oder ein Lifestyle, der sich in der Mode oder so niederschlägt, sondern eben auch in der Literatur. Und gerade in der Literatur gibt es viele Autor*innen, die sie dem quasi verschreiben. Und es kommen immer wieder ganz tolle Dark Academia-Bücher raus, Serien raus. Und jetzt gibt es sogar in manchen Buchhandlungen schon eigene Kategorien für Dark Academia. Wir könnten uns eigentlich auch überlegen, ob man das nicht verschlagworten. Oder vielleicht ist es sogar schon so, müsste man mal mit der Lektoratsleitung reden.

 

Jaci: #00:04:02‑3# Ich glaube, das haben wir ehrlich gesagt schon, weil es eben schon ein sehr langer Trend ist. Es ist jetzt auch nichts, was in den letzten Jahren erst entstanden ist. Es gibt natürlich immer wieder Phasen, wo mehr publiziert wird von solchen Genres oder solchen Richtungen. Also seit 2018/19 poppen wieder mehr Bücher auf, aber es war nie ganz weg und es ist eben ein Trend, der sich schon seit Jahrzehnten eigentlich irgendwie durchschlägt.

 

Shelly: #00:04:29‑8# Das hat etwas sehr Nostalgisches. Ein bisschen retro. [lacht]

 

Jaci: #00:04:34‑0# Genau. Es ist ein sehr gemütliches Genre, oder man liest es irgendwie gern. Und deswegen, weil es eben so ein gemütliches Ding hat, passt es aber auch so gut zum Herbst. Und deswegen kommt es ja auch irgendwie. Jedes Jahr im Herbst kommt sie, dann kommt die Ästhetik. Also dieses Ausleben quasi dieser dieses Lifestyles kommt dann im Herbst wieder. Eben mit der Mode und so was. Und dann sieht man es auch mal wieder auf Instagram, weil dann eben mehr wieder die Karohosen rausgeholt werden und die Röckchen und die Pulloverchen und die süßen Schals und Mützchen. Und dann wieder. Und auch mit diesem: das College fängt an, die Uni fängt an, dann geht es wieder mehr in diese Richtung Dark Academia finde ich von der Stimmung her.

 

Shelly: #00:05:17‑6# Also die typischen Motive von Dark Academia Literatur sind ja zum einen Bildung und Wissensdrang, also diese gewisse Obsession mit Anhäufung von Wissen in Philosophie, Kunst, Sprache. Der Bezug auf Klassik passt auch zur letzten Folge, die man aufgenommen haben zu den Klassikern. Dass die auch im Herbst wieder so boomen, greift, glaube ich ineinander. Wer Klassik liest, liest wahrscheinlich auch Dark Academia. Oder wer Dark Academia liest, liest wahrscheinlich auch Klassik. Ich glaube, das ist so eine Wechselwirkung. Man hat in den Büchern immer dieses Streben nach intellektueller Erleuchtung und die Universität ist immer sehr romantisiert, finde ich. Der Tempel des Geistes und auch gleichzeitig aber auch manchmal der Ort des Verderbens. Also diese gewisse Ambivalenz, die es da gibt, auch moralische Ambivalenz und Schuld. Also Figuren überschreiten ganz oft ethische Grenzen, und das auch oft im Namen der Kunst, der Wahrheit, der Wissenschaft. Genau. Es geht da ganz viel um Tod, Verfall und Dekadenz. Also es gibt so eine gewisse Faszination für den Tod, für das Morbide, für die Vergänglichkeit, so ein bisschen ein Vantias-Motiv. Und das wird aber alles irgendwie sehr ästhetisiert. Dieses Leid, diese Melancholie, diese das Schöne im Untergang. Und da gibt es auch oft so Parallelen zur Romantik und zum fin de siècle.

 

Jaci: #00:06:48‑3# Was ist denn das für ein tolles Wort?

 

Shelly: #00:06:52‑2# Fin de siècle? Das ist das Ende des Jahrhunderts, also ein Jahrhundert geht zu Ende und ein neues beginnt. Dieser diese quasi. Zum einen voll traurig, weil es zu Ende geht und zum anderen voll excited, dass was neues beginnt.

 

Jaci: #00:07:11‑9# Sehr toll. Kannte ich nicht. Schön.

 

Shelly: #00:07:15‑0# Habe ich an der Uni gelernt. [beide lachen] – Jaci: Academia - Genau. Und eben diese typischen klassischen Bezüge. Die antike Mythologie, die Sprachen, die alten toten Sprachen, Latein, Altgriechisch, die Philosophie. Es wird oft zitiert, aus klassischen Texten oder Symbole übernommen.

 

Jaci: #00:07:38‑6# Genau. Und ich finde, dass die Uni da eben so gut reinpasst, weil die Uni ja eben einerseits natürlich dieser Ort des Wissens ist, wo das vermittelt wird, diese Academia Teil quasi und andererseits. Es werden aber meistens eben bekannte Unis verwendet oder sind oft das Setting oder eben fantastische Orte, die aber an diese alten Unis angelegt sind, also Oxford, Cambridge, Harvard usw., wo einfach so viel Geschichte schon in diesen Orten selbst ist, wo eben schon große Denker auch in diesen Wänden gelebt und gelehrt und gelernt haben und wo aber eben einfach dieser Ort des Wissens schon so tragend und so markant ist, dass man schon allein, wenn man da reingeht, auch als Leser, wenn man reingeht, schon Wissen darüber hat und Erwartungen hat und einfach schon das Setting einfach quasi stimmt. Und was mir auch aufgefallen ist bei ganz vielen Büchern, dass es zeitlos irgendwie ist, dass bei vielen Werken nicht erwähnt wird, wann sind die eingeordnet? Quasi die könnten in der Jetztzeit quasi spielen und es hat einfach niemand quasi ein Handy, weil es nicht viel am Handy sind oder sowas. Es könnte aber auch in die 1950er irgendwie oft sein, weil du einfach nicht viel Eckpunkte manchmal kriegst. Wann ist es was passiert? Welche Medien und sowas gibt es, weil es eben so oft auf dieses Setting von der Uni begrenzt ist, dass man von der Außenwelt irgendwie oft gar nicht so viel mitkriegt.

 

Shelly: #00:09:08‑8# Ja, voll der Mikrokosmos, oder?

 

Jaci: #00:09:10‑4# Genau. Genau das eben. Die eigene Welt der Uni und Academia schon ist. Was natürlich dann auch dieses Gefühl von Obsession oder so was und dass es Wissen ist Wichtigste ist quasi. Und dieses Streben danach, dass das so das Wichtigste ist und was in der Welt so passiert, ist eigentlich nicht so wichtig. Das ist so das, was ich dann oft für Eindrücke dann habe von den Büchern. Positiv eigentlich, weil ich finde es immer ganz spannend eben. Und wie bei vielen anderen Genres oder Tropes gibt es natürlich aber auch Momente, in denen Dark Academia nicht alleine steht, wo es eben mit anderen Formen vermischt, wo es eben so Mischformen von Genres gibt. Gerade zum Beispiel mit Dark Fantasy haben wir auch gerade gemeint, es gibt ganz viele Fantasybücher, die an einer Universität oder Akademie oder sowas spielen, wo dann aber eben zum Beispiel der Fantasyanteil einfach überwiegt und dann so das Dark Academia einfach so ein bisschen in den Hintergrund rückt. Also zum Beispiel mir fällt da „Fourth Wing“ ein, einfach das ja okay spielt an einer Akademie. Es geht auch ums Lernen. Sie sind zusammengepfercht, aber sie reiten dann halt Drachen. Also das ist dann halt, das überwiegt dann halt einfach irgendwie dieser Fantasyanteil und zum Beispiel auch beim neuen „Alchemised“ von SenYinLu, das ist auch es geht irgendwie um Bildung und um die Alchemisten, die gelehrt und gelernt haben. Aber es ist irgendwie doch zu fantasymäßig, als dass man es als reines Dark Academia ansehen könnte.

 

Shelly: #00:10:42‑7# Ja, und gerade „Alchemised“ war ja, bevor es jetzt als „Alchemised“ erschienen ist, eine Fanfiction von Harry Potter. Also da geht es ja in der Vorlage um Hermine und um Draco, wo sich da dann eine Liebesgeschichte entwickelt zwischen ihnen. Und da ist ja Harry Potter nicht so ausgegangen, wie es in den originalen Büchern war, sondern da hat Voldemort quasi gewonnen und dann ist ein sehr dunkles Zeitalter angebrochen. Ja genau. Und Harry Potter würde ich auch schon. Also ganz klar Fantasy, aber auch mit Dark Academia Elementen.

 

Jaci: #00:11:26‑9# Auf jeden Fall.

 

Shelly: #00:11:27‑9# Würde ich das so einordnen, auch wenn ich sagen muss, gerade die ersten Bücher sind überhaupt nicht Dark Academia Da ist halt Wow. Kinder kommen an der Schule für Zauberei und je weiter man liest, desto dunkler wird es dann.

 

Jaci: #00:11:43‑9# Finde ich eben auch. Und ich habe auch bei manchen Reviews und bei manchen Blogs und sowas online gelesen, dass gerade viele sagen, wenn man mit Harry Potter angefangen hat und mit dem aufgewachsen ist, dass man jetzt eben sehr gerne Dark Academia liest, dass das so quasi die Anfangsdroge irgendwie war für dieses Genre [Shelly lacht], dass wenn man mit dem angefangen hat, immer irgendwie nett gefunden hat, wenn sie eben in der in der in der Schule sitzen und lernen müssen und dann Hausübungen machen vorm Kamin und sowas. Dass, wenn man das eben so gern gemacht hat, dass man jetzt eben dann gern Dark Academia liest.

 

Shelly: #00:12:16‑2# War das für dich so? War Harry Potter dein Einstieg in die Dark Academia Welt?

 

Jaci: #00:12:21‑1# Ich glaube tatsächlich nicht. Weil Harry Potter aber auch erst mit 16 gelesen habe, glaube ich. Ich kann meinen Einstieg ins Dark Academia auch gar nicht wirklich festmachen. Ich glaube, es sind einfach immer einzelne Elemente, die dann irgendwo durchkommen, wo eben manche Bücher nicht rein Dark Academia sind, aber man dann halt merkt, okay, mich interessiert aber genau dieser Aspekt von der Geschichte, so dieses Lernen und diese moralischen Fragen eben auch. Und ich glaub so das erste Mal, wo mir das so richtig aufgefallen ist, dass mir das Spaß macht, ist „The Picture of Dorian Gray“ von Oscar Wilde. [Shelly: Oh ja.] das habe ich ganz, ganz toll gefunden und das hat mich auch sehr früh geprägt in meinem Lesen und würde ich auch. Ich glaube nicht, dass es rein Dark Academia ist, aber ich glaube, es ist ein sehr großer Vertreter und auch einer der Klassiker, der das für mich repräsentiert.

 

Shelly: #00:13:17‑5# Ja, aber gerade auch ich glaube, dann wird. Also wenn Oscar Wildes „Dorian Gray“ reinfällt, dann würde ich auch sagen „Frankenstein“. [Jaci: Ja, doch.] mit dieser Exzentrik und diesen Professor, der so obsessiv ist und diese, dieses Monster da erschafft vor lauter Wissbegierigkeit und.

 

Jaci: #00:13:41‑6# Auf jeden Fall das Wissen, was er gehabt hat, noch nicht gereicht hat und er über die Grenzen des Leben und Tod, also über diese Grenze sogar überschritten hat.

 

Shelly: #00:13:50‑8# Moralisch verwerflich?

 

Jaci: #00:13:51‑9# Moralisch sehr verwerflich. Sehr viel Tod auch und sehr viel Leid und finde ich schon auch eine Form der Dark Academia, würde ich sagen. Und wenn man dann bei Klassikern gerade auch sind, finde ich „Sherlock Holmes“ ist schon auch. Ist zwar nicht wirklich in einem akademischen Setting per se, aber dadurch, dass er so viel Wissen hat und so viel ähm Weisheit irgendwie auch schon teilweise, dass er schon diese Akademiker irgendwie ist, ohne jemals wirklich akademisch sein zu müssen. Aber ich finde schon, dass es auch diesen Vibe gibt und auch mit dem Moralischen, dass er sein Wissen oder seine Fälle dann oft über das Wohl von anderen Menschen stellt und fragwürdige Entscheidungen trifft. Das finde ich schon auch, dass das reinpasst.

 

Shelly: #00:14:40‑5# Ja, stimmt, aber es nehmen ja dann die Dark Academia Bücher, die jetzt rauskommen, ja ganz oft Bezug auf die Klassiker.

 

Jaci: #00:14:47‑7# Auf jeden Fall.

 

Shelly: #00:14:48‑4# Ja, also ich denke mal, das sind so diese Urwerke, die irgendwie den Grundstein legen für diese Ästhetik in der Literatur. Jetzt bin ich mir nicht ganz sicher. Kann ich es darin einordnen oder sehe ich es als Vorwerk oder als Vorlage?

 

Jaci: #00:15:03‑2# Ja, also das kann man glaube ich oft einfach an bei vielen Sachen nicht festmachen. Es ist so wie „Herr der Ringe“ eindeutig für uns Fantasy ist, aber eigentlich so die Mutter aller Fantasybücher war und so immer noch Elemente davon zu finden sind. Ich weiß jetzt nicht, ob es so ein krasses Vorbild wirklich in Dark Academia gibt, aber eben wie du sagst, einzelne Werke, die einfach den Grundstein gelegt haben. Einfach so? Ja, genau. Und wo ich auch sagen muss, das ist mir bei der Vorbereitung aufgefallen ein Klassiker, bei dem ich schon sagen würde, er wäre Dark Academia ist „Faust“ von Goethe. „Faust, der Tragödie erster Teil“ finde ich schon sehr Academia. Er strebt so sehr nach Wissen, dass er sogar einen Pakt mit dem Teufel eingeht, um mehr zu erfahren und in die Hölle zu reisen und in den Himmel. Und das finde ich. Und dadurch eben so viele Menschen dann leiden. Weil er Wissen haben will und moralisch ganz viel falsch läuft. [lacht] Ich finde schon, dass - hot take - aber „Faust“ ist Dark Academia.

 

Shelly: #00:16:09‑5# She said what she.

 

Jaci: #00:16:10‑3# Aber natürlich gibt es neben dem „Faust“ und auch noch modernere Bücher, die wir als Dark Academia sehen. Und wir haben zwar vorher gesagt, es ist kein neuer Trend, aber wir finden jetzt gerade sind wir gerade wieder in einer höheren oder in einer Zeit, wo wieder mehr produziert wird in dem Thema, in dem Genre. Und da haben wir uns natürlich gefragt: Woher kommt es, dass es jetzt gerade wieder beliebter ist? Und mein meine Einsicht ist, dass es eine gewisse so wie viele Bücher man liest, die um dem Alltag zu entfliehen. Und ich finde Dark Academia macht es eben so, dass das moderne Leben nicht wirklich eine Rolle hat. Also eben wie vorher gesagt, es ist irgendwie zeitloser. Es gibt kein Social Media, es ist kein Hustle und Bustle. Es ist irgendwie ruhiger, die Außenwelt spielt weniger eine Rolle. Alle sind irgendwie entspannter und es geht wirklich nur um das Wissen, um das Sein, was man auf diesem Campus irgendwie hat. Aber es ist trotzdem noch real oder realistischer, als wie jetzt Fantasy. Weil Fantasy, da ist klar, dass man dem Leben entkommt, weil man nicht so wirklich auf einen Drachen treffen wird in Tirol aber eben Dark Academia. Also das könnte man sehr bald auch leben, weswegen die Ästhetik zum Lifestyle glaube auch so beliebt ist, weil man es leicht adaptieren kann. Also es ist eher akzeptiert, wenn ich mit meinem Caro Rock rumlaufe, als wie das Schwert auf dem Rücken geschnallt habe.

 

Shelly: #00:17:36‑2# Ja, stimmt, das ist so semi Eskapismus. [beide lachen]

 

Jaci: #00:17:39‑1# Genau. Und ihr habt auch ein Zitat in einem Blogbeitrag der von Wallflower Journal. Die hat geschrieben: „Dark Academia isn‘t a fastfood burger. It's a four course meal.“ Also eben Dark Academia braucht Zeit. Es ist jetzt nicht dieses dieser 200 Seiten Roman, den man im Sommer gerne an einem Tag liest. Man muss sich wirklich oft die Zeit für das nehmen, weil es auch eben oft dicke Bücher sind. Es sind schwere Themen, es sind eben oft moralische Sachen, die man dann selber auch überdenken muss oder sowas.

 

Shelly: #00:18:13‑0# Eben diese ganzen komplexen Einflüsse von von der Klassik. Zitate. Oft sind in anderen Sprachen Zitate drin, Latein und Altgriechisch eben. Und wenn du es wirklich gewissenhaft liest, dann googelst du das nach, was das jetzt heißt. Ja und klar, man liest da teilweise drüber, aber wenn man sich die Zeit nimmt, dann hat man mehr vom Buch.

 

Jaci: #00:18:38‑5# Ja, da gebe ich dir tausend prozentig recht und gleichzeitig eben viele Sachen muss man googeln. Aber ich finde es auch das Tolle an Dark Academia oft. Man liest es ja auch oft, wenn man entweder selber diesen Campusflair erleben möchte oder schon erlebt hat. Und wenn man dann eben oft Sachen, die man selber in der Uni gelernt hat, dann in so einem Buch liest oder Autoren wiedererkennt, Zitate erkennt, Anspielungen versteht, das ist so eine Belohnung, also ein rewarding thing, wenn man das dann versteht, so ein gutes Gefühl, dass man sich denkt, ich bin auch Teil der Academia Bubble [lacht], so irgendwie. Und dennoch ist es aber eben anstrengend zu lesen, weil man eben alles verstehen muss, weil man auch alles verstehen möchte. Und ja, das sind ganz viele Ebenen in diesen Büchern, die es so spannend macht, die zu lesen.

 

Shelly: #00:19:28‑7# Ja, aber ich muss ganz ehrlich sagen jetzt eine kleine Kritik am Genre [lacht, Jaci: Uhhh.] Ich habe eine Phase gehabt nach der Matura, da habe ich, da habe ich von Dark Academia gelebt. Alles, was ich geschaut habe, war Dark Academia. Mein ganzes Pinterest Board war nur Dark Academia. Mein Kleiderkasten habe ich versucht auf Dark Academia umzuräumen, ist aber auch mit Geld verbunden und das hatte ich damals nicht und in this economy sowieso nicht [beide lachen]. Und eben ganz viel Dark Academia gelesen. Und mein Wunsch war so groß, an die Uni zu gehen. Ich wollte das Leben, ich wollte, ich wollte dieses Girl sein, das sie mit ihrer Ledertasche und ihren ihren da so Tweedröcken und den tollen Mänteln so im Herbst ganz romantisch durchs Laub geht, an die Uni und brilliert. [Jaci: Ja?] Und ich bin so desillusioniert worden [lachend], wie ich angefangen habe zu studieren. Es ist nicht alles immer so, wie es in den Büchern steht. Das müssen wir, müssen wir vielleicht an der Stelle anmerken. Aber das ist auch nicht die Funktion von diesem Genre.

 

Jaci: #00:20:42‑2# Genau. Und man muss halt auch dazu sagen, es sind meistens amerikanische oder englischsprachige Werke. Und da ist das Schulsystem auch anders. Ich glaube schon, dass die Uni drüben auch viel anders da funktioniert als sie bei uns.

 

Shelly: #00:20:54‑2# Also sie haben viel schönere Gebäude, gerade in England und so. Ich mein … Geiwi-Turm?. Wow.

 

Jaci: #00:21:02‑9# Ach, ein bisschen lokaler Humor. [lacht] So, wir spannen den Bogen wieder zurück zum Literarischen. Wir haben vorher über die Klassiker geredet und auch schon Anfangswerke quasi, die wir als Dark Academia sehen. Aber Shelly, was ist ein neuerer Titel, den du als Dark Academia sehen würdest oder der du sagst, wie die das Genre einfach gut repräsentiert?

 

Shelly: #00:21:30‑7# „Neuerer“? Muss es in den 2000ern sein?

 

Jaci: #00:21:34‑5# Nein, genau deswegen. Ich weiß genau, was für ein Buch jetzt kommt. Deswegen „neuerer“.

 

Shelly: #00:21:40‑1# [lacht] 1989 „Der Club der toten Dichter“. Also „Dead Poets Society“ von Nancy H. Kleinbaum war für mich eines der Werke, wo ich mich in das Genre verliebt habe. Und ja, was soll ich sagen? Die meisten kennen es. „Club der toten Dichter“ repräsentiert in gewisser Form auch dieses Genre und es ist einfach herrlich. [lacht]

 

Jaci: #00:22:10‑4# Das passt. Das ist genug. Mehr müssen wir nicht wissen. [beide lachen] Die meisten kennen es wahrscheinlich durch die Verfilmung mit Robbie Williams.

 

Shelly: #00:22:18‑7# Robin Williams. [Jaci: Ups. Hoppala.] [beide lachen]

 

Jaci: #00:22:24‑6# Die meisten kennen es wahrscheinlich durch die Verfilmung mit Robin Williams. Einfach ein super Film Und ich brauche danach immer zwei, drei Werktage, um mich wieder von dem zu erholen.  

 

Shelly: #00:22:34‑0# Mich macht das so fertig, ja.

 

Jaci: #00:22:34‑8# Ja, also deswegen auch wieder. Es ist kein Fastfood Burger. Es ist ein „four course meal“ mehr, weil man danach auch tagelang danach noch an die Geschehnisse der Werke denkt.

 

Shelly: #00:22:45‑4# Für dich? Was ist ein moderneres, was dir …?

 

Jaci: #00:22:49‑9# Ich bin ein bisschen besser von der, von der Zeit. Ich bin 1992 „The Secret History“ von Donna Tartt.

 

Shelly: #00:22:56‑3# Ganze drei Jahre jünger, ha. [lacht]

 

Jaci: #00:22:58‑3# Ja, also, das Buch habe ich, muss ich gestehen. Jetzt zur Vorbereitung für den Podcast gelesen. Einfach, weil es für viele eben als das Werk für das moderne Dark Academia-Genre quasi gesehen wird. Und ich war begeistert. Es hat ja auch 560 Seiten. Also man ist dann auch ein Zeitchen dran und es sind auch so ganz bibeldünne Seiten in der Ausgabe, die ich gelesen habe und ich war einfach verzaubert. Es ist eben genau dieses Setting, es ist eine amerikanische Uni und es ist irgendwie immer Herbst oder Winter. Es wird irgendwie nie warm und [Shelly lacht] und alle haben irgendwie hübsche Brillen und lange dramatische Mäntel und das Setting wird einfach 1A geschaffen. Und was da halt auch ganz wichtig ist, ist, was im Academy Setting natürlich oft der Fall ist, was auch bei „Dead Poets Society“ der Fall ist. Diese Figur des Professors ist auch ganz wichtig, der eben Einfluss auf seine Schüler auch hat und der als wichtige Figur dann oft im Vordergrund steht. Und „The Secret History“ von Donna Tartt hat es da einfach für mich geschafft diese Balance zwischen Wissen und „Wissen ist Macht“ darzustellen, aber auch gleichzeitig eben zu zeigen an der ganzen anderen Uni sind diese Leute in dieser Gruppe absolut absurd, weil sie eben so realitätsfern sind. Und es ist dieser Gruppe schon auch irgendwie klar. Oder einem der der der Hauptfigur in der Gruppe schon klar. Mit diesem Abschluss wird sie nicht viel oder wird er nicht viel erreichen irgendwie danach. Also er reflektiert schon darüber so er macht es jetzt, weil es ihn interessiert und er in diesen circle hineingezogen wurde. Aber danach weiß er nicht, ob er wirklich einen Job hat und was er danach wirklich macht. [lacht] Und das finde ich auch ganz witzig, dass sie das dann selber wieder so bis sie reflektiert hat. So ja, Dark Academia ist toll, Wissen ist toll, aber was macht man danach eigentlich damit? [lacht] Und das war ja und die moralischen Dinge, was da passieren, möchte ich nicht genau näher sagen, weil das ist ein bisschen ein Spoiler. Aber es geht auch viel um Tod, Verderben, Sucht auch usw. Es ist ein grandioses Buch, habe ich gefunden und für mich auch sehr ein Grundstein für das Genre.

 

Shelly: #00:25:19‑3# Mir hat es auch gut gefallen, aber ich habe das schon vor ein paar Jahren gelesen, wie es ganz groß auf Tiktok war. Ich war jetzt gerade etwas erstaunt, dass es schon 1992 released worden ist, weil ich dachte, das wäre jünger.

 

Jaci: #00:25:34‑4# Ja, aber es ist auch eines der Werke, an dem ich jetzt auch gemerkt habe, dass es zeitlos ist, weil es könnte in den Neunzigern spielen, weil es gibt eben kein Social Media, es gibt Radios, es gibt Fernseher, aber es könnte auch genauso gut jetzt spielen einfach in einer Gruppe Jugendlicher, die einfach kein Handy haben, weil man auch vor der Außenwelt einfach so wenig mitbekommt und nicht weiß, haben die anderen Handy? Das interessiert uns nicht. Es geht nur um unsere Gruppe und die können so gut auch im Jetzt leben. [Shelly: Stimmt.] Deswegen ist es ein zeitloses Buch.

 

Shelly: #00:26:02‑8# Ein zeitloses Genre. Natürlich gibt es jetzt noch Unmengen an Titel, die man euch jetzt runterrattern könnten, aber ich würde vorschlagen, wir schreiben das einfach zusammen, schauen was man in der Bibliothek haben und würden das euch dann runter in die Shownotes schreiben, dann könnt ihr da nachschauen. [Jaci: Genau.] So und dann würde ich sagen, das war die Dark Academia-Folge.

 

Jaci: #00:26:29‑4# Schön war's.

 

Shelly: #00:26:30‑2# Schön war's. Ja, wir haben uns sehr gefreut. [lacht]

 

Jaci: #00:26:34‑3# Ich glaube, man hat gemerkt, das Thema liegt uns am Herzen. Es ist ein Genre, in dem wir uns auch beide wohlfühlen. Und wir sind gespannt auf eure Eindrücke.

 

Shelly: #00:26:41‑8# Genau! Schreibt uns doch unter post.stadtbibliothek@innsbruck.gv.at. eure Meinung zum Podcast, zu Dark Academia, was für Dark Academia-Bücher würdet ihr uns empfehlen zu lesen? Und genau, wir melden uns dann bald wieder mit einer neuen Folge der Teatime und wünschen bis dahin schönes Lesen.

 

Jaci: #00:27:07‑1# Viel Spaß!

[Outro-Musik]

[Christina] #00:27:34‑6# S‘Vorwort ist eine Produktion der Stadtbibliothek Innsbruck und Teil der Stadtstimmen, dem Audiokanal der Stadt Innsbruck. #00:27:41‑8#

 

Weitere Infos

Shelly und Jaci schauen sich die Ursprünge des beliebten Subgenre Dark Academia an, sprechen darüber, warum jahrhundertealte Lesesäle und dunkle Universitätshallen so beliebt sind, und geben unzählige Leseempfehlungen – da ist selbst für alteingesessene Dark Academia-Fans noch was Neues dabei. Leisten Sie unseren Hosts Gesellschaft bei ihrer Reise durch das Genre. Leseinspiration garantiert.

Viele der besprochenen Bücher gibt’s auch in der Stadtbibliothek.

Kurz und Schmerzlos mit … Elsemarie Maletzke

Kurz und Schmerzlos mit … Elsemarie Maletzke

Stadtbibliothek Innsbruck

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Transkript

[00:00:07] [Boris liest] Elsemarie Maletzke: "Jane Austen: Eine Biografie" (Schöffling, 2025). Jane Austen: Die Stille? Die Heitere? Als Autorin hat sie sich stets bedeckt gehalten, "by a lady" stand auf den Büchern und tatsächlich - schreibt ihre Biografin

[00:00:31] Elsemarie Maletzke - trat sie eher als Tante, denn als Schriftstellerin in Erscheinung und man wünschte, es wären in ihrem Leben ein paar Neffen und Nichten weniger und ein paar Romane mehr erschienen.

[00:00:47] Ihre Familie überlieferte sie uns als friedfertige Jungfer und schnitt alles aus ihren Briefen heraus, was auf das Gegenteil verwiesen hätte.

[00:00:56] So wurde auch ihr Werk als ungefährlich und von kultiviertem Witz geschätzt.

[00:01:02] Aber Austen war kein zahmes Huhn, das in seinem literarischen Vorgärtchen pickte, sondern das eleganteste satirische Talent des ausgehenden achtzehnten Jahrhunderts.

[00:01:15] Zweihundertfünfzig Jahre nach ihrer Geburt ist sie populärer denn je.

[00:01:19] Weltweit erleben "Pride and Prejudice", "Sense and Sensibility" oder "Emma" Millionenauflagen,

[00:01:28] werden für Kino und TV-Serien adaptiert und erleben neue mediale Blüten.

[00:01:34] Mit Feingefühl und Humor zeichnet Maletzke das Bild einer Autorin, die mit leichter Hand das scheinbar widersprüchliche verband: Scharfe Beobachtung und zartes Verstehen, Komödie und Drama, Wortwitz und Moral.

[00:02:08] [Intro-Musik] Boris: Hallo und herzlich willkommen zurück beim "Vorwort:

[00:02:11] Kurz und Schmerzlos".

[00:02:13] Heute mit Elsiemarie Maletzke und mein Name ist Boris Schön.

[00:02:19] Ja, Frau Maletzke, schön, dass Sie hier sind.

[00:02:22] Wie alle unsere Gäste, würde ich Sie bitten, sich zuerst kurz vorzustellen.

[00:02:29] Elsemarie Maletzke: Mein Name ist Elsiemarie Maletzke.

[00:02:30] Ich bin Journalistin und Autorin.

[00:02:33] Ich schreibe viel über Reise.

[00:02:37] In letzter Zeit schreibe ich auch Gartenkrimis.

[00:02:40] In den letzten zehn Jahren sind drei erschienen.

[00:02:45] Mein Hauptwerk sind eigentlich Biografien.

[00:02:48] Ich habe über die Schwestern Bronte geschrieben, über Jane Austen, über Maude Gonne, über Elizabeth Bowen und noch einige mehr.

[00:02:57] Das ist so mein Gebiet.

[00:02:59] Boris: Ich würde ganz gerne als erstes vielleicht ein bisschen so auf die persönliche Berufsgeschichte von Ihnen eingehen.

[00:03:07] Sie haben ja quasi Ihr Leben lang eigentlich mit Schreiben oder durchs Schreiben gelebt, haben ja journalistisch, glaube ich, geschrieben, dann auch Reiseführer.

[00:03:17] Elsemarie Maletzke: Es sind keine Reiseführer, es sind Reisebücher eigentlich mit Essays über das Land, also meistens viel über Irland, England.

[00:03:28] Aber es sind keine Bücher, nach denen man Sehenswürdigkeiten angucken kann.

[00:03:34] Boris: Oder den Restaurant-Tipp bekommt.

[00:03:35] Elsemarie Maletzke: Nein, gar nicht.

[00:03:36] Das überlebt sich so schnell. [lacht leise]

[00:03:38] Boris: Und jetzt wollte ich einfach mal fragen, wie kam es dazu, dass Sie sagen, schreiben, das ist mein Beruf?

[00:03:46] Elsemarie Maletzke: Ich bin einfach von der Schule abgegangen und habe ein Volontariat bei einer deutschen Lokalzeitung angefangen.

[00:03:52] Ein Kopfblatt der Rheinzeitung.

[00:03:57] Als ich Redakteurin war, war mir das nicht mehr so ganz recht

[00:04:01] und dann habe ich bei der satirischen Zeitschrift "pardon" damals, das war die erste satirische Zeitschrift nach dem Krieg, wurde ich angestellt und habe dort gearbeitet.

[00:04:14] Ich bin kein großes satirisches Talent, ich habe als Text-Redakteurin gearbeitet und das war der Sprung von der Provinz nach Frankfurt. '68.

[00:04:27] Das war schon ein guter Move.

[00:04:30] Boris: Okay. [beide lachen leise]

[00:04:32] Und das heißt, die haben auch einfach einen Talent mitgebracht und es hat ihnen Spaß gemacht.

[00:04:38] Elsemarie Maletzke: Ja, ich habe eben in der Lokalredaktion, muss man ja nun über alles schreiben. [Boris lacht]

[00:04:43] Und als ich dann zu "pardon" gegangen bin, da wurde es dann doch ein bisschen spezieller ... Reportagen.

[00:04:49] Und ich hatte einen sehr guten Chef vom Dienst, der mir noch sehr viel beigebracht hat.

[00:04:58] Also in der Lokalredaktion wird man eigentlich ins kalte Wasser geworfen und es wird eigentlich nur darauf geachtet, ist es richtig, was die Frau schreibt.

[00:05:08] Und bei "pardon" habe ich dann doch ein bisschen mehr die Feinheiten des Gewerbes kennengelernt.

[00:05:13] Boris: Sie haben ja jetzt "pardon" erwähnt, aber Sie haben ja auch für die "Titanic" geschrieben, habe ich zumindest gelesen, "das endgültige Satire-Magazin".

[00:05:23] Ich war ja da früher mal selber Abonnent.

[00:05:25] Jetzt habe ich einfach die Frage, wie war das?

[00:05:27] Die "Titanic", ist das lustig, dann dort zu arbeiten? [lachend]

[00:05:33] Elsemarie Maletzke: Das ist inzwischen eine ganz andere Generation, die das macht.

[00:05:37] Aber es war sehr gut.

[00:05:39] Und all die Freunde, die ich heute noch in Frankfurt habe, die habe ich eigentlich bei "Titanic" kennengelernt.

[00:05:44] Und das sind Beziehungen, die gut gehalten haben.

[00:05:49] Und es waren gute Jahre.

[00:05:56] Boirs: Jetzt noch eine Frage.

[00:05:57] Ich weiß nicht, ob Sie die beantworten können oder wollen.

[00:06:00] Die "Titanic" war ja auch immer berühmt für ihre Cover-Stories sozusagen.

[00:06:06] Können Sie sich erinnern, gab es da ein besonderes Cover, eine besondere Headline, die Sie in Ihrer Zeit, wo Sie für die "Titanic" gearbeitet haben, an das Sie sich noch erinnern können?

[00:06:18] Elsemarie Maletzke:  Da fällt mir als erstes ein Titelblatt von F.K.

[00:06:21] Wächter ein: "Der Papst

[00:06:24] und ein Schaf". [beide lachen]

[00:06:26] Dafür gab es auch heftigen Gegenwind und auch eine Anzeige.

[00:06:31] Ich will da jetzt nicht ins Detail gehen ... [beide lachen lauter]

[00:06:36] Das war eben auch das Gute an "Titanic".

[00:06:40] Man war einfach unverschämt.

[00:06:41] Man hat sich alles getraut.

[00:06:43] Was man sich heute wahrscheinlich ... Nein, die jungen Leute machen das natürlich anders wieder.

[00:06:48] Aber es sind wirklich sehr heftige

[00:06:52] Titel dabei gewesen.

[00:06:53] Sexistisch, rassistisch.

[00:06:55] You name it.

[00:06:56] Sie haben es gemacht. [lachend]

[00:06:57] Ja.

[00:06:59] Boris: Und dann sind Sie ja irgendwie, so wie ich das jetzt interpretieren würde, müssen Sie sich irgendwie in Großbritannien verliebt haben.

[00:07:10] England, Irland.

[00:07:11] Elsemarie Maletzke: Es war

[00:07:11] Irland.

[00:07:12] Ich habe ein Jahr in Dublin gelebt und habe Sprachunterricht gegeben, weil ... Weil ich als Journalistin da natürlich keinen Fuß in die Tür gekriegt habe, als Korrespondentin oder so.

[00:07:26] Und ja, dieses Jahr war, das war '74, war auch ein gutes Jahr.

[00:07:32] Ja.

[00:07:32] Boris: Und prägend dann.

[00:07:33] Elsemarie Maletzke: Ja, ja.

[00:07:34] Auch, ja, was die Sprache angeht, fand ich immer großartig.

[00:07:39] Boris: Sie haben 1989 eine Biografie zu den Bronte-Schwestern veröffentlicht und 1997 zu George Eliot und

[00:07:41] sind heute hier zu Gast in der Stadtbibliothek anlässlich des 250. Geburtstags von Jane Austen mit der Biografie, die Sie über Sie geschrieben haben.

[00:08:00] Was fasziniert Sie an diesen Autorinnen?

[00:08:04] Elsemarie Maletzke: Mich hat in erster Linie erst mal das neunzehnte Jahrhundert interessiert, weil das war ein... Ein Umbruch, wie  er Jahrhunderte vorher nicht geschehen ist, sind die großen Erfindungen gemacht worden, allein die Dampfmaschine.

[00:08:20] Es sind große industrielle Umwälzungen passiert.

[00:08:26] Und Männer haben damals ein hochinteressantes Leben geführt und Frauen weniger.

[00:08:32] Und das hat mich nun besonders gereizt, denn Frauen wurden immer ... Also im neunzehn Jahrhundert natürlich,

[00:08:40] achzehnten, Jane Austen noch viel mehr,

[00:08:43] waren sehr, sehr eingeschränkt.

[00:08:45] Und Frauen, die so klug und tapfer und resilient waren wie die Brontes, Austen, George Eliot später.

[00:08:56] Dieses Leben hat mich mehr interessiert, als das, was Männer damals geschaffen haben. [lacht]

[00:09:02] Boris: Also sozusagen auch ein politisches Interesse an der Zeit.

[00:09:06] Ein Gesellschafts...

[00:09:07] Elsemarie Maletzke: Ja, ein gesellschaftspolitisches Interesse.

[00:09:11] Boris: Jetzt hat meine Kollegin mir gesagt, dass Jane Austen, ich verfolge das ja gar nicht so, anscheinend derzeit auf Booktok ein großes Comeback feiert.

[00:09:22] Ohne dass wir jetzt weiter auf Booktok eingehen, aber die Frage, die ich mir stelle und die ich auch Ihnen stelle, was macht denn die Jane Austen so zeitlos?

[00:09:30] Haben Sie da eine Idee?

[00:09:33] Elsemarie Maletzke: Das kann ich

[00:09:33] für junge

[00:09:35] Menschen, kann ich das... kaum beantworten.

[00:09:37] Ich kann es nur von mir aus sagen, das ist vielleicht eine Sehnsucht, dass in diesen rüpelhaften Zeiten, dass man sich doch ein bisschen nach Anstand, nach Diskretion zurücksehnt, nicht unbedingt nach Nachtöpfen und Kutschfahrten. [Boris lacht]

[00:09:53] Das sind alle solche ... so Beiwerk.

[00:09:57] Aber so wie Menschen damals miteinander umgegangen sind, das ist ein... Ton und ein... sind Umgangsformen, die wir uns heute kaum noch vorstellen können.

[00:10:07] Aber diese... diese Zugewandtheit und diese Aufmerksamkeit und diese Rücksicht, die gerade Jane Austen in ihren Romanen feiert. [lacht kurz]

[00:10:21] Ich glaube, das ist eine zeitlose... eine zeitlose Tugend, die heute auch gerne noch angenommen wird.

[00:10:30] Boris: Jetzt haben Sie ja... sehr intensiv mit denen auseinandergesetzt, aus dem vorher genannten Interesse an den Frauen dieser Zeit, hat sich da durch diese Auseinandersetzung dann eigentlich ihr Blick auf sie verändert, ihre Wahrnehmung oder, wissen Sie, wie ich meine, wenn man sich lange mit einem Thema auseinandersetzt oder mit einer Person... ?

[00:10:48] Elsemarie Maletzke:  Auf Jane Austen jetzt speziell? Nein, kaum.

[00:10:54] Man weiß nicht... so furchtbar viel über sie.

[00:10:57] Man mutmaßt eine Menge.

[00:10:59] Man weiß nicht, war sie glücklich, war sie unglücklich.

[00:11:02] Ich denke, sie war glücklich im Schreiben.

[00:11:04] Ihre Familienverhältnisse können wir uns heute kaum noch vorstellen, wie sie ... Sie war in erster Linie Tochter, Schwester, Tante, Haushaltsvorstand.

[00:11:17] Und das sind Sachen, die wir heute kaum noch nachfühlen können.

[00:11:23] Und wie sie... trotzdem dieses Talent entfaltet hat und trotz aller möglichen Einwände und Einsprüche und dauerndem Umziehen, wie sie ihr Talent entfaltet hat und wie großartig sie ist.

[00:11:40] Das ist mir im Laufe der Zeit dann schon aufgegangen.

[00:11:45] Boris: Jetzt, wenn man nochmal zu diesem Aspekt kommt, dass junge Frauen auch so begeistert sind und immer noch Jane Austen lesen oder

[00:11:53] entdecken ...

[00:11:56] Ist es die Romantik bei ihr?

[00:11:57] Ist das ein Thema, das da mitschwingt oder was könnte da noch so ein Grund sein?

[00:12:05] Elsemarie Maletzke: Ich glaube nicht, dass Jane Austen eine Romantikerin ist.

[00:12:08] Sie hat einen sehr kühlen, rationalen Blick auf ihre Mitmenschen gehabt und auch auf ihre Romanfiguren.

[00:12:16] Und sie ist eine große Moralistin.

[00:12:20] In ihren Romanen bekommt jede Frau den Mann, den sie verdient.

[00:12:25] Also Elizabeth Bennet bekommt Mr.

[00:12:27] Darcy natürlich.

[00:12:29] Aber ihre Schwester Lydia, die schreckliche Fehler begeht und sich wirklich an einen Hochstapler, einen Schwindler wegwirft, die bekommt ihn am Ende auch und man weiß, dass das eine furchtbare Ehe werden wird.

[00:12:44] Und auch die Paare,

[00:12:47] die älteren Paare in ihren Romanen, da gibt es sehr unglückliche Verbindungen.

[00:12:55] Es sind schauerliche Eltern dabei, es sind unglückliche Frauen dabei.

[00:13:00] Man muss aber auch bedenken, dass Frauen damals überhaupt keine Wahl hatten.

[00:13:06] Sie konnten kaum ihr eigenes Geld verdienen, es sei, wenn sie waren eine bekannte Autorin.

[00:13:12] Sie konnten nicht allein verreisen, sie konnten keine Wohnung nehmen, sie konnten nicht mal allein zum Friseur gehen.

[00:13:20] Ja, sie waren eigentlich darauf angewiesen, sich zu verheiraten.

[00:13:25] Und wenn man also in Stolz und Vorurteil eine Mrs.

[00:13:28] Bennet, die eine sehr komische und groteske Figur ist, wenn man versteht, dass die Frau fünf ihrer Töchter unter die Haube bringen muss,

[00:13:38] weil sonst, also es kommt Mr.

[00:13:40] Collins, der wahre Erbe, und wird diese Frauen irgendwann auf die Straße werfen, wenn der Vater gestorben ist.

[00:13:47] Und dann versteht man auch, dass diese bizarre Figur eigentlich auch eine tragische Figur ist.

[00:13:55] Und da gibt es sehr viele Anspielungen und Verbindungen, die Austen in ihren Romanen so gesponnen hat.

[00:14:03] Boris: Also auch die volle Härte der damaligen Zeit schwingt mit.

[00:14:07] Elsemarie Maletzke: Sie wird das nicht als Härte verstanden haben, denn es gab für Frauen keine Alternative.

[00:14:12] Entweder sie blieben unverheiratet zu Hause und haben den alten Vater oder die alte Mutter versorgt.

[00:14:20] Oder sie haben endlich, endlich eine gute, hoffentlich eine gute Partie gemacht.

[00:14:26] Und Austen, die ohne Vermögen war, ebenso wie ihre Schwester, hatte keine guten Karten.

[00:14:34] Boris: Mhm. Ohne gute Mitgift.

[00:14:36] Elsemarie Maletzke: War nicht viel zu holen.

[00:14:39] Boris: [schmunzelnd] Also keine Schmonzetten, die die Frau Austen geschrieben hat.

[00:14:42] Elsemarie Maletzke: Ganz und gar nicht.

[00:14:47] Boris: Gut, ich bin schon sehr gespannt auf den heutigen Abend und stelle Ihnen jetzt noch zwei kurze Fragen.

[00:14:54] Und zwar die eine Frage, wie sieht es denn mit weiteren Buchprojekten bei Ihnen aus?

[00:14:59] Elsemarie Maletzke: Im Frühjahr kommt ein neues Buch. [lacht]

[00:15:02] Es ist ein Gartenkrimi, aber es ist... nicht von der harten Sorte.

[00:15:08] Das heißt "Das Haus mit den sieben Gärten", soll im Februar erscheinen.

[00:15:14] Boris: Und der Täter ist aber nicht der Gärtner. [Pause]

[00:15:18] [lacht] Sie verraten nichts. - Elsemarie Maletzke: [lacht] Es wird nichts verraten.

[00:15:23] Boris: Ja und dann, wie bei allen unseren Gästen, würde ich Sie gerne zum Abschluss noch um eine Leseempfehlung für unsere Zuhörer*innen bitten.

[00:15:32] Elsemarie Maletzke: Ich bin heute durch Innsbruck gelaufen und bin in der Wagnerschen Buchhandlung gelandet.

[00:15:38] Und die haben eine große Auswahl an schönen Krimis.

[00:15:42] Und ich bin ein großer Fan von Fred Vargas, der französischen Autorin.

[00:15:47] Und da habe ich mir "Jenseits des Grabes" gekauft und hab an Inn gesessen und habe gelesen in der Sonne.

[00:15:56] War sehr schön.

[00:15:57] Boris: Ja,

[00:15:57] klingt toll. [beide lachen]

[00:15:59] Danke Ihnen vielmals für das Gespräch und ich freue mich auf den Abend.

[00:16:37] Elsemarie Maletzke: Danke. [Outro-Musik] [Boris: S'Vorwort ist eine Produktion der Stadtbibliothek Innsbruck und Teil der Stadtstimmen, dem Audiokanal der Stadt Innsbruck.]

Weitere Infos

Jane Austen würde dieses Jahr ihren 250. Geburtstag feiern. Zu diesem Anlass lädt die Stadtbibliothek Innsbruck ihre Biografin Elsemarie Maletzke ein, um ihr Buch „Jane Austen: Die Biografie“ (Schöffling & Co.) vorzustellen.

Frau Maletzke arbeitet neben dem Verfassen zahlreicher Biografien (unter anderem auch über die Brontë-Schwestern) auch als Reisejournalistin und war unter anderem für die Satirezeitschriften „pardon“ und „Titanic“ tätig. Mit Boris spricht sie über ihr Interesse am England des 19. Jahrhunderts und darüber, warum Jane Austen auch heute noch so viele LeserInnen findet.

„Jane Austen“ von Elsemarie Maletzke bei Schöffling & Co. finden Sie hier.

Viele der besprochenen Bücher gibt’s auch in der Stadtbibliothek.

Kurz und Schmerzlos mit … Isabella Straub

Kurz und Schmerzlos mit … Isabella Straub

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Weitere Infos

Schon seit jungen Jahren weiß Isabella Straub um die Kraft der Literatur. Trotzdem war es für sie viele Jahre lang unvorstellbar, einen Roman zu schreiben. Spontan nimmt sie dennoch an einem Kurzgeschichtenwettbewerb teil und wird in einem von Sibylle Berg herausgegeben Sammelband veröffentlicht. Seither ist die österreichische Autorin mit vielen Ehrungen und Preisen für ihr literarischen Schaffen ausgezeichnet worden, unter anderem war sie 2024 Stadtschreiberin von Hamburg.

In ihrem Gespräch mit Boris geht sie auf ihren Werdegang ein, spricht über den Vorteil von Pseudonymen in einem Literaturbetrieb, in dem Unterhaltungs- und Hochliteratur oft Hand in Hand gehen. Außerdem teilt sie ihre Meinung dazu, wie Künstliche Intelligenz schon jetzt auf Teile des Buchmarktes wirkt und wie sie das Thema KI in ihrem neuen Roman (da heißt das Modell „Mandy“) selbst bearbeitet hat.

„Nullzone“ von Isabella Straub bei Elster & Salis finden Sie hier.

Viele der besprochenen Bücher gibt’s auch in der Stadtbibliothek.

Literarische Entstehungsgeschichten: Jane Austen vs. die Geschwister Brontë

Literarische Entstehungsgeschichten: Jane Austen vs. die Geschwister Brontë

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Transkript

[00:00:21] [moduliert] Vorsicht, der Genuss dieses Podcasts kann zu vermehrten Bibliotheksbesuchen führen.[moduliert]

[00:00:22] [Intro-Musik] Christina: Hallo und herzlich Willkommen zurück zum Vorwort, dem Podcast der Stadtbibliothek Innsbruck.

[00:00:27] Mein Name ist Christina

[00:00:29] Pia: Und ich bin die Pia

[00:00:30] Christina: Und heute sind wir wieder zurück mit den literarischen Entstehungsgeschichten.

[00:00:34] Und wie immer möchten wir uns am Anfang der Folge bei euch bedanken, dass ihr abgestimmt habt, weil es ist ja ein Versus-Format, das heißt die Pia und ich haben jetzt auch beschlossen, dass wir uns um den Sieg batteln.

[00:00:53] Wer am Ende des Jahres mehr Stimmen hat, ja Pia, haben wir eigentlich schon einen Wetteinsatz ausgemacht.

[00:01:02] Pia: Also ich bin dafür, dass der Wetteinsatz sehr niedrig ist.

[00:01:06] Aus überhaupt nicht eigennützigen Gründen.

[00:01:09] Ja sicher Tee.

[00:01:10] Christina: Ich glaube Tee haben wir gesagt.

[00:01:11] Eine Packung Tee.

[00:01:13] Passend dann zur Tea-Time in Ehren.

[00:01:16] Zu Ehren von der Tea-Time mit der Shelly der Jacqueline.

[00:01:19] Ja, weil der Zwischenstand, ich trau's mich gar nicht sagen, ich weiß nicht, ob ich in der Lage bin, bescheiden dabei zu bleiben.

[00:01:27] Magst du vielleicht sagen, in unserer letzten Folge, das waren die literarischen Entstehungsgeschichten, Gregory Maguire versus Elizabeth Barrett Browning, welche der Geschichten da gewonnen hat.

[00:01:39] Pia: Ja, natürlich wieder deine. [Lachen]

[00:01:42] Ich bin ja immer noch der Meinung, dass du irgendwas nicht ganz ...

[00:01:44] stimmt,

[00:01:45] mit rechten Dingen zugeht. Christina: Fake-News Fake-News.

[00:01:47] Pia: Aber sie hat schon wieder gewonnen, die Christina mit der Elizabeth Barrett Browning.

[00:01:50] Es war aber auch eine sehr interessante Geschichte, muss man sagen.

[00:01:53] Christina: Danke, du hast mich nämlich auf die Geschichte gebracht, also ...

[00:01:56] Pia: Ja, ich hab sie, aber ich hab sie nicht vorgetragen.

[00:01:59] Das ist der wichtigste Teil.

[00:02:02] Das ... Ja.

[00:02:04] Das heißt du auch schon wieder gewonnen, Frechheit.

[00:02:06] Christina: Jetzt bin ich schon Führung, gell?

[00:02:07] Pia: Ja,

[00:02:08] eben, extrem.

[00:02:09] Also, ich muss irgendwann jetzt einmal aufholen.

[00:02:11] Christina: In kürze werden wir das dann hoffentlich auch festhalten mit den Zahlen, damit wir genau wissen, wie es steht immer.

[00:02:18] Wie bei Sport ist es dann, habe ich gehört.

[00:02:21] Und dann sehen wir dann am Ende des Jahres, wer die Gewinnerin ist.

[00:02:25] Und deswegen auch müsst ihr wieder in dieser Folge abstimmen.

[00:02:30] Pia: Genau.

[00:02:30] Wir wissen ja schon, für wen ihr wählts.

[00:02:32] Pia: Oh je.

[00:02:34] Ja dann, Christina, fang du mal an.

[00:02:38] Leg los.

[00:02:38] Christina: Alles klar.

[00:02:40] Die heutige Folge für die literarischen Entstehungsgeschichten ist... für die gibt es einen ganz besonderen Anlass übrigens.

[00:02:46] Wir haben am 21.10. die Elsemarie Maletzke mit ihrer Jane Austen Biografie zu Gast.

[00:02:57] Deswegen wissen wir heute schon, was wir gegenseitig präsentieren, nämlich Wir sprechen heute über die wohl beliebtesten englischen Schriftstellerinnen des neunzehnten Jahrhunderts.

[00:03:11] Das sind Trommelwirbel, [Trommelwirbel]

[00:03:17] Pia: Jane Austen und

[00:03:19] Christina: die Geschwister Bronte.

[00:03:22] Übrigens, wer Pia und mich kennt und uns auch schon ein bisschen länger hört, weiß, wo unsere Vorlieben liegen, gell, Pia?

[00:03:30] Pia: Ja, ich mag beide, also alle, in dem Fall sind ja nicht nur zwei, aber ich mag alle.

[00:03:35] Christina: Den Branwell auch.

[00:03:38] Aha!

[00:03:38] Pia: Na, den kenn ich noch nicht.

[00:03:41] Christina: Genau.

[00:03:42] Auch heute möchte ich euch wieder die literarische Entstehungsgeschichte angenehm mit Ambiente präsentieren.

[00:03:50] Ihr wisst, in meiner Geschichte, nachdem ihr auch immer für mich stimmt, vielen Dank, dürft ihr euch zurücklehnen, euch ein Heißgetränk eurer Wahl holen.

[00:03:59] Das geht jetzt im Herbst sowieso besonders gut.

[00:04:04] Wir befinden uns in einem abgelegenen Dorf im Norden Englands Anfang des neunzehnten Jahrhunderts.

[00:04:14] Der Ort heißt Hayworth.

[00:04:18] In Hayworth steht nämlich ein Pfarrhaus am Rand der Willen und der Windumtosten Moore von Yorkshire, in dem vier Geschwister zusammen aufwachsen.

[00:04:29] Charlotte, Branwell, Emily und Anne Bronte.

[00:04:34] Charlotte ist 1816 geboren. Im Ein-Jahres-Rhythmus folgen Branwell und Emily.

[00:04:43] 1820 kommt Anne zur Welt.

[00:04:47] Ihre Mutter und die zwei ältesten Schwestern sind früh gestorben.

[00:04:52] Der Vater, ein Pfarrer, ist viel beschäftigt.

[00:04:55] Aufgezogen werden die Kinder von ihrer Tante Elizabeth Branwell.

[00:05:01] Es ist die Schwester der verstorbenen Mutter und die fördert die Kinder auch.

[00:05:08] Ganz viel.

[00:05:10] Charlotte und Emily beispielsweise ermöglicht sie längere Aufenthalte in Brüssel.

[00:05:16] Was für die Zeit.

[00:05:18] Pia: Sicher teuer war wahrscheinlich,

[00:05:20] oder?

[00:05:21] Christina: Fand ich irgendwie bemerkenswert.

[00:05:23] Im Haushalt der Brontes brodelt es vor Fantasie.

[00:05:28] Der Funke kam 1826 als der Vater Patrick Bronte seinem Sohn Branwell ein set winziger hölzerner Soldaten schenkte.

[00:05:39] Keiner konnte ahnen, dass diese kleinen Figuren der Beginn mehrerer literarischer Karrieren einleiten würde, die die Weltliteratur verändern sollten.

[00:05:49] Die Geschwister gaben den Soldaten Namen, machten sie zu Helden und Schurken, verliehen ihnen Stimmen.

[00:05:56] Bald entstanden ganze Reiche, angeführt von Königen, voller Intrigen waren sie, voller Kriege und Liebesdramen.

[00:06:04] Das Besondere daran, die Geschwister entwickelten diese Welten über Jahrzehnte weiter.

[00:06:11] So schrieben sie zum Beispiel Geschichten, Gedichte und fiktive Zeitungsberichte in winzigen selbstgebastelten Büchern, die so klein sind, dass man sie nur mit einer Lupe lesen kann.

[00:06:23] Diese Miniaturbücher oder Little Books sind etwa drei bis fünf Zentimeter groß und inzwischen berühmt.

[00:06:32] Man kann sie sich zum Beispiel im Bronte Parsonage Museum Hayworth heute noch anschauen.

[00:06:40] Sie enthalten Geschichten wie The History of the Young Man, eine frühe Erzählung über die Spielzeugsoldaten oder auch Branwells Blackwood Magazine, eine erfundene Zeitschrift voller Rezensionen und Nachrichten aus einer der Fantasiewelten, die die Geschwister erschaffen haben.

[00:06:58] Oder The search after happiness, geschrieben nur mit einem P, also mit einem P zu wenig Hapiness, von der Charlotte Bronte.

[00:07:08] Und im Impressum steht, hat sie geschrieben mit der Hand, "printed by herself and sold by nobody".

[00:07:18] [Lachen] Pia: Also schon sehr Selfaware, das Ganze.

[00:07:21] Christina: Ja

[00:07:21] schon.

[00:07:22] Und von denen gibt es auch Bilder im Internet.

[00:07:28] Ich werd in den Show Notes auf die Seite vom Bronte Parsonage Museum verlinken, dann kann man sie sich selber mal zumindest auf den Bildern anschauen.

[00:07:43] Warum die Bücher jetzt so klein waren, das kann heute nur noch gemutmaßt werden.

[00:07:48] Literaturwissenschaftlerinnen gehen davon aus, dass es zum einen an der Papierknappheit lag, denn Papier war teuer und die Brontes waren ja keine reiche Familie.

[00:08:00] Außerdem gibt es Hinweise in Charlottes Briefen, in denen sie andeutet, dass die Büchlein nicht an die Öffentlichkeit gelangen sollen, als also Teil dieser Spiel- und Fantasiewelt zwischen ihren Geschwistern war, die sie nur für sich behalten wollten.

[00:08:18] Diese Fantasiewelt bestand aus den beiden fiktiven Reichen, Angria oder Angria und Gondal.

[00:08:26] Die Geschwisterpaare Charlotte und Branwell haben zusammen an Angria fabuliert, eine Welt wie ein Abenteuer-Roman voller exotischer Landschaften, Soldaten und einer gehörigen Portion Drama.

[00:08:40] Emily und Anne dagegen schufen Gondel, eine nordische, melancholische Welt geprägt von ungestümen Heldinnen und tragischen Schicksalen.

[00:08:50] Angria entstand zuerst.

[00:08:52] Charlotte und Branwell waren unzertrennlich und fütterten einander mit Ideen.

[00:08:57] Ihr Angria war inspiriert von wahren Begebenheiten, die sie aus der Zeitung entnahmen, aber eben auch von Abenteuer, Romanien und großen Heldenfiguren der Zeit.

[00:09:06] Eine Hauptfigur war etwa Arthur Wellesley, das ist der Herzog von Wellington gewesen, der im echten Leben in Waterloo zum Beispiel über Napoleon gesiegt hat.

[00:09:18] Im Reich von Angria wurde er zum unsterblichen Helden und Herrscher Achtung über die Kolonie in Afrika.

[00:09:28] Nach heutigen Begriffen wäre dieser fiktiver Wellsley wohl eher der Schurke der Geschichte.

[00:09:37] Aber Charlotte und Branwell sind im England des neunzehnten Jahrhunderts aufgewachsen.

[00:09:44] Das war die Hochzeit des englischen Kolonialismus und Großmachtstreben.

[00:09:51] Daher diese Art von... war das ein Held für sie.

[00:09:56] Die Charlotte jedenfalls schrieb später fast wehmütig über Angria, dass sie in einer Welt lebte, die so real war, wie das tägliche Leben, nur schöner.

[00:10:09] Emily und Anne dagegen schufen Gondal.

[00:10:12] Während Angria an Kolonialfantasien und Zeitungsromanen hing, war Gondal wilder und persönlicher.

[00:10:20] Es war ein Reich von Inseln im Raum Norden mit einem Klima so stürmisch.

[00:10:24] wie die Herzen seiner Bewohner. [Lachen]

[00:10:29] Hier regierten stolze Königinnen.

[00:10:32] Unbezähmbar und leidenschaftlich.

[00:10:34] Eine von Emilys Hauptfiguren war die Königin Augusta Geraldine Almeda, eine Frau, die Intrigen schmiedete, Kriege führte, Gefangenschaft erlitt, doch nie ihren Stolz verlor.

[00:10:46] Anne dichtete von tragischen Liebesgeschichten und vom unausweichlichen Schicksal.

[00:10:51] Und meiner Meinung nach... würden Anne und Emily heute als Vorreiterinnen der Romantasy.

[00:10:58] Des Romantasygenres gelten.

[00:11:00] Pia: Das

[00:11:00] klingt schon sehr danach.

[00:11:04] Christina: Schade ist, dass die Prosa-Texte von Gondal fast vollständig verloren gegangen sind.

[00:11:10] Was erhalten geblieben ist, sind vor allem die Gedichte, die sie geschrieben haben.

[00:11:16] Ich meine vor allen Dingen Emily, die zeigen die Intensität.

[00:11:21] dieser Welt, das wie düster und stürmisch und emotionsgeladen das war.

[00:11:26] Und ein Kritiker hat einmal geschrieben, dass Gondal die Keimzelle von "Wuthering Heights" war und dass man darin schon ganz viel von was Emily Bronte von der Stimmung den Ursprung finden kann.

[00:11:43] Und daran sieht man schon, dass diese Fantasiewelten kein bloßes Kinderspiel waren.

[00:11:47] Sie waren für die Vier eine literarische Werkstatt, ein Übungsfeld, in dem die Bronte Geschwister Figur und Psychologie Dramatik und Stil ausprobieren konnten.

[00:11:57] Charlotte übt hier ihre komplexen Heldinnen, die später in "Jane Eyre" auftauchen.

[00:12:03] Emily entwickelt in Gondal die dunkle, leidenschaftliche Atmosphäre von "Wuthering Heights", Anne fand in ihren Gondal Gedichten die Stimmen von Frauen, die sich gegen gesellschaftliche Zwänge auflehnten.

[00:12:14] Ganz wie in "The Tenant of Wildfell Hall" oder "Agnes Gray".

[00:12:18] Und auch der Branwell, der sich selber als Schriftsteller und Künstler verstanden hat, der aber nie den Bekanntheitsgrad  seiner Schwestern erreicht hat, war, wie man auch an diesen Miniaturbüchern merkt, ein ganz wichtiger Mitgestalter dieser Welten.

[00:12:36] und seine frühen Texte zeugen davon, wie ernst die Geschwister diese eigene Welt nehmen.

[00:12:42] Die vier Geschwister sind leider relativ früh gestorben, anders als lange behauptet allerdings nicht alle an Tuberkulose, das war nachweislich Anne, sondern an Nierenversagen, Branwell, der starker Alkoholiker war, Pneumonie, die Emily, die unbehandelt geblieben ist und die Unfähigkeit, Nahrung zu sich zu nehmen und bei sich zu behalten, der Charlotte.

[00:13:11] Die drei Schwestern haben Zeitlebens unter Pseudonymen veröffentlicht und im Eigenverlag.

[00:13:19] Pia: Im Eigenverlag, das hab ich gar nicht gewusst, das finde ich cool.

[00:13:22] Nämlich Cura, Alice und Acton Bell.

[00:13:26] Und noch einmal, ich hab die Romane schon erwähnt, aber damit man sie noch mal zuordnen kann, weil man das manchmal ganz gern verwechselt.

[00:13:33] Und die Anne auch nicht so bekannt ist wie Charlotte und Emily.

[00:13:39] "Jane Eyre" von der Charlotte, "Wuthering Heights" oder auf Deutsch, "Sturmhöhe" von der Emily und "Agnes Gray" und "The Tenant of Wildfell Hall", zu Deutsch "Die Herrin von Wildfell Hall" von Anne.

[00:13:54] die sich auch zu lesen lohnt.

[00:13:58] Und erst fünfzig Jahre nach ihrem Tod, 1899, erschien die Werkausgabe der drei Schwesten unter ihrem bürgerlichen Namen.

[00:14:10] Das war dann in dem Verlag in New York.

[00:14:12] Pia: Das heißt aber von Branwell ist nie was veröffentlicht worden?

[00:14:16] Okay.

[00:14:17] Christina: Branwell hat ein relativ bekanntes Porträt.

[00:14:21] von sich und seinen Schwestern gemalt.

[00:14:24] Wenn man auf Wikipedia geht, ist es das Bild, das da drinnen ist.

[00:14:28] Und zwar, das hat er 1834 fertig gestellt. Ursprünglich sah man die Geschwister von Links nach Rechts Anne, Emily, Branwell und Charlotte. Er hat sich dann später übermalt und jetzt ist da nur noch so zwischen den Schwestern eine Säule zu sehen.

[00:14:44] Pia: Ah und das war er?

[00:14:45] Christina: Ja das war er. Da war er.

[00:14:48] Pia: Ist auch irgendwie interessant, oder?

[00:14:50] Christina: Ja, total.

[00:14:51] Pia: Gerade die Person, die weniger bekannt ist, dann gedacht hat, na jetzt mal ich mir raus.

[00:14:54] Christina: Und das habe ich angenommen.

[00:14:56] Ich habe dann gelesen, dass er es gemacht hat, weil er sich hässlich gefunden hat auf den Bild.

[00:15:00] Pia: Ah, okay.

[00:15:01] Christina: Ja.

[00:15:02] Aber ich hätte erst das angenommen, dass er vielleicht gemerkt hat, dass er nicht so erfolgreich ist wie sie.

[00:15:07] Also, zurück zu dem Bild von den vier Kindern im Pfarrerhaus in Hayworth, draußen der Wind, das Moor, drinnen sitzen sie über diesem winzigen Büchlein.

[00:15:19] Sie flüstern sich Intrigen zu, entwerfen Königinnen und Schlachten und Liebesdramen.

[00:15:24] Und was als so ein Kinderspiel begann, war der Ursprung von einer ganz großen Literatur, über die wir heute noch reden, die wir heute noch lesen, die in den Kanon-Einzug gefunden hat.

[00:15:35] Und ohne diese hölzernen Soldaten kann man vielleicht sagen, die der Vater, 1826 den Kindern geschenkt hat, gäbs vielleicht kein Jane Eyre und keine Sturmhöhe und keine Agnes Gray und was auch... und alle anderen Romane.

[00:15:50] Und ... ich finde das ist richtig, richtig schön was man machen kann aus quasi nichts.

[00:15:58] Also du hast ... sie haben nur Zeit gebraucht und Fantasie und wahrscheinlich ein bisschen Förderung und diesen Willen ganz tief in die eigene Welt einzutauchen.

[00:16:08] Und das hat mich sehr schwer beeindruckt.

[00:16:10] Und das ist das Ende meiner Geschichte.

[00:16:14] Pia: Applaus, Applaus!

[00:16:15] Ich finde, das ist interessant.

[00:16:17] Die habt eben noch nie was von Branwell gehört gehabt.

[00:16:18] Deswegen, das war sehr interessant.

[00:16:19] Christina: Gell,

[00:16:20] ich auch nicht, bevor ich angefangen habe, weil ich wusste, dass du über Jane Austen redest ...und ich hab aber gedacht, aber wen nehm ich von die Bronte Schwestern?

[00:16:29] Es ist sehr unmöglich, die Entscheidung zu treffen.

[00:16:31] Und dann haben wir ... Ich

[00:16:32] Pia: Weil sie ja auch als eine Einheit wahrgenommen werden. Eben man sagt auch immer immer die Bronte Schwestern.

[00:16:35] Christina: Genau.

[00:16:37] Ja, total, hat mich hat total fasziniert.

[00:16:39] Ich verlinke auch gerne diesen Wikipedia-Eintrag mit dem Bild, weil es sich so ein bisschen volle spannend, dass er sich da wieder raussagemalt

[00:16:45] hat.

[00:16:46] Pia: Ja.

[00:16:47] Christina: Okay, Pia, jetzt bin ich sehr gespannt auf deine Geschichte.

[00:16:49] Ich freue mich sehr.

[00:16:51] Pia: Das heißt, wir wissen nicht schon, worum es bei mir geht.

[00:16:54] Jane Austen.

[00:16:57] Stellt euch England Ende des achtzehnten Jahrhunderts vor.

[00:17:00] Große Landhäuser, feine Bälle.

[00:17:03] Endlose Gespräche, über Stand und Vermögen und natürlich Heiratsaussichten.

[00:17:10] Und mitten in dieser Welt kommt 1775 in einem kleinen Dorf ein Mädchen zur Welt, Jane Austen.

[00:17:17] Jane wächst in einer sehr großen Familie auf, acht Kinder und ein Vater, der übrigens auch Pfarrer ist.

[00:17:22] Also irgendwie lustig, dass gerade die Pfarrers Kinder da so literarisch in diese Richtung gehen.

[00:17:28] Christina: Aber meinst du, das ist weil die... wahrscheinlich viel schreiben und lesen so frühes Bildungsbürgertum.

[00:17:34] Pia: Ja, und ich glaube auch, dass halt einfach viele Bücher in dem Fall im Haus sind.

[00:17:38] Und ich glaube, das macht halt schon einen Unterschied, wenn man den Zugang zu der Literatur hat oder vielleicht will man dann auch selber produzieren und was draußen machen.

[00:17:46] Jane Austen's Schwester Cassandra wird die engste Freundin fürs Leben.

[00:17:50] Schon als Teenager schreibt Jane kleine Theaterstücke und Geschichten, also auch sehr ähnlich wie bei dem Brontes.

[00:17:56] Christina: Es gibt diese Kurzgeschichte mit Elf, richtig?

[00:17:58] Die kannst du heute noch lesen.

[00:17:59] Pia: Ja,

[00:17:59] genau, da gibt es aber einige.

[00:18:00] Also die Juvenelia, Juvenelia, ich weiß nicht, wie man es genau ausspricht, aber da gibt es ein paar Frühwerke.

[00:18:06] Aber nicht etwa rührselige Romane schreibt sie, sondern bissige Parodien.

[00:18:10] Sie macht sich über die großen Roman-Heldinnen ihrer Zeit lustig.

[00:18:14] Ihr Witz ist also schon damals spürbar und Jane beobachtet.

[00:18:19] Auf Bällen!

[00:18:20] Beim Tee trinken, mit Nachbarn oder auf Reisen nach Bath.

[00:18:24] Überall schaut sie den Leuten genau zu.

[00:18:26] Diese Beobachtungen fließen später in die Romane ein.

[00:18:30] Ihre Figuren, stolze Gentleman, lebhafte Heldinnen, berechnende Mütter, wirken so echt, weil sie direkt aus dem Leben gegriffen sind.

[00:18:40] Anfangs schreibt sie nur für den privaten Kreis, oft auf kleinen Zetteln, die sie anscheinend sehr schnell beiseite gelegt hat, wenn jemand den Raum betreten hat.

[00:18:49] Nicht mögen, wenn Leute sie dabei erwischt haben.

[00:18:52] Christina: Aber ja, eigentlich wieder wie die Charlotte mit ihren Miniaturbüchern, wo sie eigentlich gar nicht wollte, dass die Öffentlichkeit davon erfährt.

[00:18:58] Pia: Ja.

[00:18:59] Aber veröffentlichten, das ist für die Frauen damals natürlich unvorstellbar.

[00:19:04] Doch 1811 wagt sie dann mit Hilfe des Bruders, also auch wieder ein Bruder, der da involviert ist, mit ihres Bruders Henry den Schritt.

[00:19:12] "Sense and Sensibility" auf Deutsch, "Verstand und Gefühl".

[00:19:16] Auf dem Titelblatt steht allerdings nur "by a lady".

[00:19:21] Kein Name, keine Aufmerksamkeit, aber der Roman findet LeserInnern.

[00:19:26] Zwei Jahre später kommt dann der große Durchbruch mit, Trommelwirbel, "Pride and Prejudice" natürlich.

[00:19:33] "Stolz und Vorurteil".

[00:19:34] Die Geschichte von Elizabeth Bennet und Mr.

[00:19:37] Darcy, wie alle kennen sie, ein Liebesroman natürlich, aber auch eine spitze Satire auf Stand und Vorurteile der Gesellschaft.

[00:19:46] Das Tragische daran, Jane verdient eigentlich fast nichts.

[00:19:50] Sie verkauft die Rechte für grad mal hundertzehn Pfund.

[00:19:54] Heute wären es ungerechnet ungefähr neuntausend siebenhundert Pfund.

[00:19:58] Ihr Verleger hat stattdessen fast vierzigtausend Pfund in heutigen Geld gemacht.

[00:20:03] Also ein klassisches Beispiel.

[00:20:06] Der Autor liefert und der Verlag verdient.

[00:20:10] Weitere Romane folgen, "Mansfield Park", "Emma" und nach ihrem Tod dann "Northanger Abbey" und "Persuasion".

[00:20:17] Keine Kriege, keine politischen Intrigen, sondern das tägliche Drama von Liebe, Ehe, Moral und menschlichen Schwächen.

[00:20:25] Und genau das macht die Bücher eben so stark.

[00:20:28] Sie zeigen, dass die kleinen Entscheidungen genauso spannend sein können wie die großen bombastischen Schlachten.

[00:20:35] Leider bleibt ihr wenig Zeit.

[00:20:38] 1817 mit nur 41 Jahren stirbt Jane Austen.

[00:20:42] Auf ihrem Grabstein wird sie vor allem als tugendhafte Tochter und Schwester geerrt.

[00:20:47] Von ihrer literarischen Größe und Schaffen steht damals gar nix.

[00:20:51] Als sie starb wusste kaum jemand, wer die Lady hinter den Romanen überhaupt war.

[00:20:57] Erst ihr Bruder Henry macht die Autorinnenschaft öffentlich, als er die Post-Homme Veröffentlichung von Northanger Abbey und Persuasion betreut.

[00:21:06] Die Gesellschaft der Regency Area hat nicht wirklich erkannt, welchen Schatz sie da verloren haben.

[00:21:11] Man sah in Austen nur eine Autorin kleiner häuslicher Geschichten, aber nicht die scharfe Analytikerin einer ganzen Epoche.

[00:21:19] Zu Lebzeiten bekam sie also nicht wirklich sehr viel Lob, aber ein Lob hat sie willkommen von Sir Walter Scott.

[00:21:25] Der schrieb damals im Quarterly Review über Emma und pries diese namenlose Autorin als Meisterin des modernen Realistischen Romans.

[00:21:33] Später erkennt die Welt, dass hinter den anonymen Romanen einer der größten Erzählerinnen England steckt.

[00:21:39] Heute mehr als zweihundert Jahre später sind die Geschichten lebendig wie eh und je.

[00:21:44] Sie werden ja auch immer wieder verarbeitet.

[00:21:46] Da haben wir euch schon mal drüber geredet.

[00:21:48] Ob als großer Kinofilm, gerade gibt es zum Beispiel wieder eine Neuverfilmung von Verstand und Gefühl, die wird gerade neu verfilmt.

[00:21:55] Christina: Schon wieder?

[00:21:55] Pia: Ja, schon wieder.

[00:21:58] Oder es gibt auch Serien, zum Beispiel.

[00:22:00] Kommt auch wieder eine neue Netflix-Verfilmung von Stolz und Vorurteil raus.

[00:22:04] Oder sogar, es gibt ja auch moderne Varianten.

[00:22:06] Zum Beispiel Bridget Jones ist ja auch eine moderne Variation von Stolz und Vorurteil.

[00:22:12] Christina: Stimmt.

[00:22:13] Pia: Genau, das heißt, die bleibt eigentlich zeitlos.

[00:22:15] Heute feiern wir eben den zweihundertfünfzigsten Geburtstag von Jane Austen.

[00:22:20] Christina: Nicht heute.

[00:22:21] Pia: nicht heute aber heuer.

[00:22:22] Christina: Heuer.

[00:22:24] Pia: Heuer feiern wir den zweihundertfünfzigsten Geburtstag von Jane Austen eben auch in der Stadtbibliothek mit der Veranstaltung am 21.Oktober.

[00:22:33] Christina: Auf die freue ich mich auch schon sehr, weil ich glaube nämlich, dass die Frau Maletzke, da die totale Expertin ist, sie hat nämlich auch über die Brontes, ist schon Biografien geschrieben.

[00:22:42] Pia: Ja.

[00:22:43] Also ich bin schon sehr gespannt und freue mich da schon auf.

[00:22:46] Genau.

[00:22:47] Das war die Geschichte von Jane Austen.

[00:22:49] Und lustig, weil es gibt sehr viele Parallellen zu den Brontes-Schwester.

[00:22:52] Christina: Absolut, mit dem Pfarrersvater.

[00:22:54] Pia: Ja, dass sie so früh angefangen hat.

[00:22:58] Auch dieses Okay, ja, ich kann nicht veröffentlichen, weil ich bin eine Frau, oder?

[00:23:02] Das ist ja bei beiden gleich.

[00:23:03] Christina: Typisch

[00:23:04] auch für die Zeit.

[00:23:06] Danke, liebe Pia, für die spannende Geschichte.

[00:23:09] Und ich finde auch, dass die Brontes ganz anders sind, ganz anders schreiben, als jetzt die Jane Austen.

[00:23:20] Pia: Ich finde Romantik

[00:23:21] ist sicher bei beiden vorhanden.

[00:23:24] Christina: Ja, das satirische, hätte jetzt Sturmhöhe, denke ich drüber, Jane Eyre.

[00:23:30] Pia: Das ist

[00:23:30] eine andere Richtung, aber die Romantik schon für die Landschaftsbeschreibungen, so hat man schon auch ein bisschen dabei bei beiden.

[00:23:37] Also man merkt, dass es in der gleichen Zeit, aber um die gleiche Zeit

[00:23:42] auch.

[00:23:42] Christina: Literarische Epoche auch, ja ja, logisch.

[00:23:45] Pia: Aber jetzt nicht unbedingt genau die gleiche Richtung.

[00:23:48] Christina: Und beide jung angefangen einfach so in ihrer Fantasie, also beide Gruppen bei.

[00:23:53] Pia: Ich sag

[00:23:54] sogar schon die ganze Zeit beide, obwohl es mehrere Leute sind, die da gleichzeitig produziert haben.

[00:23:58] Christina: Ja.

[00:23:59] Und das muss dann halt auch ein sehr kreativ für Umgebung gewesen sein für die Kinder, dass sie sich das so ausleben haben dürfen.

[00:24:06] Das ist schon toll.

[00:24:07] Pia: Ja, und eben vor allem auch Frauen, oder?

[00:24:08] Weil das ja in der damaligen Zeit wirklich nicht Gang und Gebe war.

[00:24:11] Christina: Jane Austen ist ja unverheiratet geblieben, gell?

[00:24:14] Ja.

[00:24:17] Dann sagen wir danke für die Aufmerksamkeit, danke fürs Zuhören.

[00:24:20] Ihr könnt wie immer abstimmen auf Instagram unter stabibliothek.innsbruck, welche der beiden Entstehungsgeschichten euch besser gefällt.

[00:24:29] Wenn die...

[00:24:30] Pia: Jane Austen

[00:24:32] Christina: Schnitt, Cut raus. [Lachen]

[00:24:35] Wenn die... Abstimmung nicht mehr online sein sollte, dann könnt ihr uns auch gerne auch nachträglich noch eine E-Mail schreiben auf post.stadtbibliothek@innsbruck.gv.at.

[00:24:48] Auch das berücksichtigen wir natürlich.

[00:24:51] Und ihr könnt uns darüber auch gerne schreiben, wenn ihr euch besonders für eine Autorin, einen Autor interessiert oder euch fragt, wie ein Buch eigentlich zustande gekommen ist, dass wir gerne das für euch präsentieren sollen.

[00:25:04] Das machen wir sehr gerne.

[00:25:07] In dem Fall wünschen wir euch ein schönes Lesen.

[00:25:11] Und wir hören uns das nächste Mal.

[00:25:46] Pia: Tschüss! [Outro-Musik]

Weitere Infos

Pia und Christina haben wieder eure Lieblingsrubrik mitgebracht: Die Literarischen Entstehungsgeschichten.

In Vorbereitung auf die Lesung von Elsemarie Maletzke, die am 21. Oktober 2025 mit ihrer Jane-Austen-Biografie in der Stadtbibliothek zu Gast ist, steht die heutige Folge ganz im Zeichen großer englischer Schriftstellerinnen des 19. Jahrhunderts. Christina beschreibt die kreative Kindheit der Brontë-Geschwister und gibt Einblicke in deren frühes literarisches Schaffen. Pia dagegen widmet sich Jane Austens Leben und Werk.

Sie können abstimmen, welche Geschichte Ihnen besser gefallen hat. Oder vielleicht interessieren Sie sich für eine Entstehungsgeschichte und Christina oder Pia sollen sie recherchieren und erzählen: Schreiben Sie uns auf Instagram (stadtbibliothek.innsbruck) oder post.stadtbibliothek@innsbruck.gv.at.

  • die „Little Books“ der Geschwister finden Sie hier
  • zur Website des Bronte Parsonage Museum geht's hier
  • Wikipedia-Artikel mit Branwell’s Portrait und (gelöschtem) Selbstporträt gibt's hier

Viele der besprochenen Bücher gibt’s auch in der Stadtbibliothek.

Teatime: Kanon versus Content

Teatime: Kanon versus Content

Stadtbibliothek Innsbruck

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Transkript

[00:00:21] [Stimme moduliert] Vorsicht, der Genuss dieses Podcasts kann zu vermerhten Bibliotheksbesuchen führen. [Intro-Musik]

[00:00:22] Shelly: Boah, hast du schon gesehen, wie viele Neuverfilmungen von Klassiker in der Weltliteratur jetzt bald herauskommen?

[00:00:28] Also teilweise sind die wirklich, wirklich hochkarätig besetzt.

[00:00:32] Ich sag nur, Tom Holland, Zendaya, Margot Robbie etc. [Jaci klatscht im Hintergrund]

[00:00:36] Die Klassiker scheinen wieder voll im Hype zum sein.

[00:00:39] Jaci:Ja, das ist voll cool, voll krass.

[00:00:41] Ich freu mich extrem.

[00:00:42] Und die meine Tom Holland und Zendaya in einem Film.

[00:00:46] I mean ... Come on. [klatscht einmal in die Hände]

[00:00:47] Shelly: Kann nur gut werden. [lacht]

[00:00:50] So, und was hast du dir heute wieder für einen Tee gemacht?

[00:00:53] Jaci: Passend zur heutigen Podcast-Folge habe ich mal einen wahren Klassiker [übertrieben betont] aus dem Tee Regal geholt. [Shelly: imitiert Paukenschlag]

[00:01:02] Es gibt heute englisch Breakfast-Tee bei mir.

[00:01:06] Bei dir?

[00:01:07] Shelly: Ich bin heut ganz crazy am Weg.

[00:01:10] Jaci: Sag nicht Kamille.

[00:01:11] Shelly: Nein, nicht Kamille.

[00:01:12] Es ist ...

[00:01:14] Bio-Früchte-Punsch. [lacht]

[00:01:16] Weil ... es ist September.

[00:01:18] Jaci: Punsch? Aha.

[00:01:18] Shelly: Also, I don't want to overreact, but: Merry Christmas. [beide lachen, Soundbite: Tee einschenken, umrühren, genüsslich trinken]

[00:01:31] Jaci: Hallo und herzlich willkommen zum Vorwort, dem Podcast der Stadtbibliothek Innsbruck und zu unserem monatlichen Format Teatime mit Shelly und Jaci.

[00:01:39] Bei uns dreht sich alles um Popkultur, Literatur und vor allem auch Trends

[00:01:43] die gerade auf Bookstergram und Booktok kursieren.

[00:01:47] Und heute haben wir uns ein Thema rausgesucht, das jedes Jahr im Herbst einfach wieder aktuell wird, und zwar das Thema "Klassiker".

[00:01:54] Also Klassiker der Weltliteratur.

[00:01:56] Und wir stellen uns heute die Frage, was Klassiker zu Klassikern macht, warum sie noch immer so beliebt sind und wieso sie eben auf Instagram in unserer Bubble immer wieder neu auftauchen.

[00:02:08] Und deswegen unser catchy Titel heute.

[00:02:11] Und weil das aber ein sehr kompliziertes Thema sein kann mit den ganzen Begriffen, die wir heute einführen, hat die Queen der Definitionen Shelly uns einige Erklärungen rausgesucht und erklärt uns jetzt mal Begriffe.

[00:02:24] Shelly: Exakt.

[00:02:25] Also, wir müssen uns jetzt mal überlegen, wovon reden wir, wenn wir von Klassikern bzw.

[00:02:32] Klassiker der Welt Literatur reden.

[00:02:35] Und ich hab mir mal da jetzt drei Begriffe ausgesucht aus dem World Wide Web.

[00:02:40] Und zwar starten wir mit dem Begriff "klassische Literatur":

[00:02:46] Das war ein bisschen magere Ausführung, aber sie haben geschrieben: "Buch, das als vorbildlich oder besonders bemerkenswert gilt."

[00:02:53] Jaci: Genau, und also diesen Begriff "klassische Literatur" kürzen wir ab und sagen doch nur Klassiker.

[00:02:58] Shelly: Genau, wenn wir von Klassiker reden.

[00:03:00] Genau.

[00:03:01] Dann "Weltliteratur" und dann muss ich jetzt ein bisschen weiter ausholen:

[00:03:05] " [...] sind Werke, die über nationale und regionale Grenzen hinweg große Verbreitung gefunden haben und die gleichzeitig als für die Weltbevölkerung bedeutsam erachtet werden."

[00:03:17] Martin Wieland verwendet den Begriff erstmals, versteht darunter allerdings die Literatur für den "homme du mond", also den "Mann von Welt".

[00:03:28] Ich glaub da sind wir uns alle einig, dass es nicht mehr ganz zeitgemäß ist?

[00:03:34] Goethe greift an den Begriff auf und versteht darunter "die Literatur der Franzosen, Italiener, Deutschen, Engländer und Schotten, die aus einem übernationalen kosmopolitischen Geist heraus geschaffen wurde."

[00:03:48] Genau.

[00:03:49] Auf jeden Fall sehr westlich geprägt das Ganze.

[00:03:54] Jetzt kann man überlegen, ist "Weltliteratur" kann man den Begriff "Welt" verwenden, weil die Welt besteht aus mehr als dem Westen.

[00:04:03] Genau, und dann habe ich nur rausgesucht den "Kanon der Literatur" aus dem griechischen Kanon für "Regel, Maßstab, Richtschnur", eine Zusammenstellung derjenigen Werke in der Literatur, die einen herausgehobenen Wert haben, beziehungsweise "eine wesentliche Norm setzende und zeitüberdauernde Stellung haben," die denen zugeschrieben wird.

[00:04:26] Also Jackie, wie siehst du das Ganze?

[00:04:31] Wie nimmst du

[00:04:32] die Darstellung auf Social Media war, was verändert sie da für dich?

[00:04:36] Weil du bist ja Profi, du hast Literatur studiert.

[00:04:40] Ist es dasselbe, was in deinem Studium vorkommen ist, was du jetzt auf Instagram siehst oder?

[00:04:47] Jaci: Ja, ich mein, also was man sagen kann, was sich natürlich verändert hat, ist eben die Rezeption der Werke, da sie eben auf Instagram, Bookstagram, was auch immer ganz anders eben rezipiert werden.

[00:04:58] Weil der Text an sich, also dieses ... der physische Text und was geschrieben ist, der verändert sich ja nicht, aber alles drumherum dann eben.

[00:05:07] Also die Bücher bekommen ja die neuen Cover, dass sie hübsch ausschauen.

[00:05:11] Sie werden dadurch ästhetischer gemacht und bekommen eben ganz andere Wahrnehmung, weil sie ja vor allem anders ausschauen.

[00:05:17] Sie bekommen auch eben neue Paratexte, das heißt eben die Vorwörter, werden anders.

[00:05:22] Die Leute verbinden viel mehr, vielleicht damit, weil es einfach neuere Autor*innen oder wichtige Personen sind, die die Vorwörter schreiben und es dadurch ganz anders dann eingeführt wird in diese Texte.

[00:05:35] Und dadurch werden sie eben in einen ganz neuen Kontext gerückt finde ich, wenn das eben ganz anders erklärt wird.

[00:05:41] Aber ich finde jetzt der Begriff der Klassiker, also der Texte selber und das auch eben die Bücher, wie du vorhin gesagt hast, was besonderes Bemerkenswerte sind, das verändert sich nicht.

[00:05:53] Aber eben vielleicht kann man einfach so sagen, dass durch diese ganzen anderen Darstellungen und Auffassungen von den Texten sich so eigener, kleiner Kanon dann eben bildet, dass man, dass man den Begriff dann auch wieder aufnehmen eben.

[00:06:06] Und das dann einfach die ganze Zusammenstellung vielleicht von den Klassikern ändert, aber nicht die Texte an sich.

[00:06:12] Shelly: Also, dass du meinst, dass auf Instagram und Co.

[00:06:15] nicht der Kanon der klassischen Weltliteratur quasi... promotet wird oder dargestellt wird, sondern dass sich da in der Bubble in dieser Booktok und Bookstagram-Bubble

[00:06:28] ein eigener Social Media-Klassiker-Kanon bildet.

[00:06:33] Jaci: Ein bisschen, ja.

[00:06:34] Also gerade so irgendwie, es geht auch sehr viel um Ästhetik und hat die Geschichte, Text, was Ästhetisches? Sind, die Cover ästhetisch? Und so was.

[00:06:44] Und kann man das irgendwie nachleben, passt das so in das ... romantische Schema oder das Academia-Schema, was man selber ausleben möchte.

[00:06:53] Shelly: Also man pickt sich quasi raus, was gerade zum Vibe passt.

[00:06:56] Jaci: Ja, so ungefähr, ja.

[00:06:58] Und ich glaube, dass es da immer auch in jeder Insta-Bubble eigene Kanon gibt.

[00:07:03] Shelly: Es gibt nicht

[00:07:03] die eine.

[00:07:05] Jaci: Genau, es gibt diesen romantischen Klassiker-Kanon irgendwie.

[00:07:08] Es gibt diesen Dark Academia-Kanon.

[00:07:11] Es gibt den... Cozy-Kanon, wo dann eben Werke drinnen sind wie "Little Women" und "Anne of Green Gables" und sowas, wo es dann wirklich um die, um das romantisierte Landleben, da auch irgendwie geht.

[00:07:22] Also ich glaube, dass da jede Bubble eben sich das selber zusammensucht, was sie dann irgendwie präsentiert wird.

[00:07:29] Shelly: Ich habe da letztens auf TikTok Buchempfehlungen bekommen, aber ganz spezifisch eine TBR, wir wissen ja alle, was eine TBR ist mittlerweile. [beide schmunzeln]

[00:07:38] Das ist der "Hot Girl Intellectual Horror-TBR". [lacht]

[00:07:42] Jaci: Oh mein Gott.

[00:07:43] Okay, da haben sie alles reingepackt. [lacht]

[00:07:45] Also da wirst du Jane Austen zum Beispiel nicht finden.

[00:07:47] Jaci:Na eben,

[00:07:47] eben.

[00:07:47] Shelly: Aber es

[00:07:48] ist sehr von Klassikern geprägt.

[00:07:49] Also "Dracula", was haben wir da noch?

[00:07:51] Jaci: Oscar Wilde.

[00:07:52] Shelly: Oscar Wilde, genau.

[00:07:54] "The Picture Dorian Gray."

[00:07:55] Jaci: Brontë.

[00:07:57] Shelly: "Wuthering Heights".

[00:07:58] Jaci:Obviously.

[00:08:00] Shelly: Also diese ganzen Klassiker haben bestimmte "feels", die sie vermitteln

[00:08:07] oder die wir da raus lesen.

[00:08:10] Und es wird mehr nach dem kategorisiert als nach, "du bist ein Klassiker der Weltliteratur und du nicht".

[00:08:18] Jaci: Ich glaube ja, ich glaube eben genau, vielleicht ist das auch wichtig, was du das sagst, dass es weniger darum geht, was für ein ... Wert das Buch in der Gesellschaft bisher gehabt hat irgendwie ...

[00:08:29] Ich mein, dadurch sind sie natürlich bekannt geworden.

[00:08:31] Aber ich glaube, auf Bookstagram geht es dann weniger darum:

[00:08:34] Oh, das ist ein Klassiker und das musst du deshalb lesen.

[00:08:39] Weil es ein Klassiker ist, also mit diesem Titel als "Klassiker" irgendwie betitelt worden ist und mehr eben darum, hey, das ist also ganz banal

[00:08:46] daher gesagt, das ist ein gutes Buch, es hat Ästhetik, es passt zu unserem Vibe und deswegen müssen wir es lesen.

[00:08:52] Shelly: Ja, bin ich d'accord damit, so nimm ich es auch wahr. [beide lachen]

[00:08:56] Jaci: Ja,

[00:08:56] fix.

[00:08:57] Shelly: Ist eben aber ganz was anderes, als wenn ich jetzt... In der Schule von der Leseliste, "Die leidendes jungen Werthers" hingepfeffert krieg und da ein Portfolio schreiben muss und da ein Referat halten muss, als wenn ich eben auf Booktok durchscrolle und dann eben diese Empfehlung bekomme und da die ganze Meme-Kultur drum herum.

[00:09:17] Es ist ja Wahnsinn, was teilweise Memes aus diesen Klassikern entstehen.

[00:09:23] Und das ist sicher ganz eine andere Rezeption als damals.

[00:09:27] Als es erschienen ist.

[00:09:28] Jaci: Es ist viel weniger streng, es ist freier und jeder kann sich irgendwie ein bisschen selber rauspicken auch, was man aus dem Klassiker mitnimmt, weil in der Schule ist einfach ganz klar vorgegeben, was man liest und was man dabei empfinden soll irgendwie.

[00:09:41] Und da gibt es ja schon die vorgefertigten Leselisten mit Anhang, was man sagen darf und was nicht.

[00:09:46] Shelly: Mit

[00:09:46] Arbeitsblättern und Fragen, die du beantworten musst.

[00:09:49] Jaci: Genau.

[00:09:50] Shelly: Nur diese Antwort ist richtig, nur wenn du das mit einbringst.

[00:09:53] Und auf Social Media ist es viel zwangloser.

[00:09:55] Und in den Kommentarspalten ist so doll zum Anschauen, wie diesen Menschen dann über dieses Buch kommunizieren und zueinander finden.

[00:10:04] Aber es hat sicher nichts Wissenschaftliches an sich, keine Analyse, keine Wissenschaftliche.

[00:10:09] Jaci: Nein, es ist eben ungezwungen einfach alles.

[00:10:11] Und ich meine, was da halt auch reinspielt, ist, dass es mittlerweile nicht nur Bücher sind.

[00:10:18] Sondern dass es ja der ganze Franchises schon irgendwie gibt.

[00:10:21] Also nehmen wir wieder Jane Austen.

[00:10:22] Das ist nicht nur mehr ein Buch, ein Werk.

[00:10:26] Das ist ja ein ganzes Imperium an Büchern, Serien, Filmen, eben wie du gesagt hast, Memes.

[00:10:32] Also der Handflex oder sowas. [Shelly lacht leise]

[00:10:34] Das ist jeder Jane Austen Fan weiß, was mit dem Handflex gemeint ist.

[00:10:37] Und das ist ein ganzes Vorbild eigentlich schon an... Weiß nicht, an Lebensstilen, keine Ahnung, wie das genau sagen soll.

[00:10:49] Und das ist einfach auch das, was dann Social Media halt einfach gut macht, dass man sich da freier austauschen kann, dass man alles mit einbeziehen kann und dass es eben nicht nur um diese ... wie Goethe das gesehen hat mit Weltliteratur und nicht nur mit diesem staubigen alten Schema quasi, was man auch noch in der Schule oft mitbekommt, anschauen kann, sondern eben großflächiger, freier und ... damit auch finde ich ein bisschen ... ... intimer mit dem Werk dann auch.

[00:11:17] Shelly: Ja, in gewisse Aspekte ... ... lebst du sicher mehr hinein.

[00:11:22] Jaci: Ja, ich meine ... wir dürfen natürlich jetzt auch nicht ... Social Media da nur in den Himmel loben, weil ich glaube, ganz oft geht es auch wirklich nur um die ästhetischen Buchcover und dass viele Bookstagrammer und Booktoker*innen  die Bücher präsentieren, weil sie hünsch ausschauen.

[00:11:37] Und man weiß ja auch nie haben die Personen das gelesen, haben sie es nicht gelesen.

[00:11:41] Shelly: Ja.

[00:11:42] Jaci: Diese Seite gibt's natürlich auch auf Social Media.

[00:11:45] Shelly: Sie lassen sich wahnsinnig gut ins Szene setzen.

[00:11:48] Also sie passen eben genau zu diesem ... "Oh, das Wetter wird jetzt kälter, wir haben Herbst."

[00:11:54] Dark Academia-Zeit.

[00:11:56] Ich geh in die Stadt mit meinem tollen Trenchcoat, meinen tollen Schuhen und meiner tollen Tasche, wo ich meinen Klassiker natürlich dabei habe.

[00:12:04] Und dann geh ich ins Café, bestellen wir meinen Pumpkin Spice Latte.

[00:12:07] Und dann lese ich da meinen Klassiker

[00:12:09] und oh, dann mache ich aber nur Instagram Story, weil's grad passt.

[00:12:12] Jaci:Genau, weil bei allen tollen Seiten, die wir jetzt aufgezählt haben und wie wir sagen, es ist weniger elitär fast.

[00:12:19] Also das hat jetzt auch wieder ein sehr aufgeladener Begriff.

[00:12:22] Shelly: Ja,

[00:12:23] aber ich geb dir recht.

[00:12:24] Jaci: Genau, und das ist halt das, was ich an Bookstagram so schätze.

[00:12:27] Aber genau so gibt es natürlich die Seite, die sich als sehr intellektuell dann plakatiert quasi, weil sie eben Klassiker lesen.

[00:12:34] Shelly:Ja.

[00:12:35] Jaci: Die dann eben sagen, ja, aber die Romance-Bubble quasi, also alle Bücher, die ... Die "anderen" lesen also ganz viel Anführungszeichen

[00:12:42] mache der grad weil das ist ja "mindere" Literatur die gibt's dann genauso auf Bookstagramm und so

[00:12:47] was die eben sagen "ja aber ich lese jedes Jahr wieder Oscar Wilde weil ich bin intellektuell."

[00:12:52] Das gibt's natürlich auch.

[00:12:53] aber wir zwei habe ich das Gefühl wir sind mehr in der positiven Bubble wo alle offen sind und wir alle einfach offen über das reden können weil es eben wichtig ist dass die Bücher Spaß machen.

[00:13:10] Shelly: Die Hemmschwelle ist, finde ich, durch Social Media viel geringer geworden.

[00:13:13] Man traut sich eher, jetzt einen Klassiker zu lesen, als wenn das immer so das riesen Ding vor dir steht im Regal der Oscar Wild zum Beispiel.

[00:13:24] Oder was wollte ich schon lang lesen?

[00:13:26] "Moby Dick" und ich trau mich nicht drüber.

[00:13:28] Jaci: Ja, ja.

[00:13:28] Shelly: So.

[00:13:29] Jaci: Das stimmt.

[00:13:30] Die Hemmschwelle wird auf jeden Fall geringer gemacht und es ist zwangloser und man hat einen an schwellenfreieren Zugang irgendwie zu dem.

[00:13:39] Dadurch, dass es halt irgendwie gleichaltrige Menschen auch lesen.

[00:13:43] Shelly: Ja,

[00:13:46] genau.

[00:13:47] Jaci:Die Frage ist jetzt aber eben, warum funktioniert das Ganze auf Instagram so gut?

[00:13:51] Also warum wollen Leute die Bücher lesen?

[00:13:54] Warum ist es immer noch so aktuell und die Klassiker noch immer so tief verbreitet in der Bubble?

[00:14:02] Shelly: Ich glaube, es hängt vor allem auf Social Media mit diesem gewissen People Cult zusammen.

[00:14:07] Also... Ich folge einer Booktokerin, Bookstagrammerin, die ich sympathisch finde, die ich gerne schaue, von denen ich schon viele Rezensionen mir angeschaut habe und bin doch eher bereit, da eine Empfehlung von ihr zu lesen oder von ihm zu lesen, als wenn es jetzt irgendeine fremde Person zu mir sagt und sagt, "das müssen Sie lesen."

[00:14:31] Und es ist auch, hat viel damit, glaube ich, zum tun mit der Community in dieser Bubble.

[00:14:37] Also... Die Gespräche rund um die Werke in den Kommentarspalten ist ein recht angenehmes Gesprächsklima.

[00:14:47] Und natürlich möchte ich auch die Memes rund um diese netten Klassiker verstehen. [Jaci lacht]

[00:14:55] Trotz der ganzen Meme-Kultur, die wirklich sehr, sehr lustig und toll ist meiner Meinung nach, geht es ja vor allem doch um das Buch, um den Inhalt und diese Bücher,

[00:15:08] diese Klassiker, sind ja wirklich lesenswert.

[00:15:11] Sie bieten ja einen Mehrwert.

[00:15:13] Was ist in deiner Meinung nach dieser Mehrwert, woraus besteht der?

[00:15:17] Jaci:Genau.

[00:15:17] Und ich meine, der Mehrwert ist ja auch der Grund, wieso sie immer noch auch im Schulsystem noch so verankert sind.

[00:15:23] Also das hat ja absolut alles seine Berechtigung, dass man sie immer noch lesen kann, soll, muss, darf.

[00:15:30] Und ich finde es einfach total faszinierend

[00:15:31] immer, also der Mehrwert, den ich immer daraus ziehe, ist das man gewisse Motive oder eben wie wir es auch nennen die Tropes und die Handlungsmuster,

[00:15:40] immer wieder in diesen Klassikern findet und dann lernt eben quasi wo kommen diese ganzen Muster her die man beim Lesen

[00:15:47] meistens gar nicht mehr so wahrnimmt weil man sich schon so gewöhnt ist.

[00:15:50] aber irgendwo in einem Werk hat das ja ein Ursprung.

[00:15:53] Gehen wir wieder zu Jane Austen wenn wir sagen "Pride and Prejudice" [dt. "Stolz und Vorurteil"] mit Mr Darcy und Elizabeth ist ja die enemies-to-lover story schlechthin, da hat es quasi

[00:16:03] für viele angefangen.

[00:16:05] Daher nehmen ja viele romance novels noch immer

[00:16:08] die Vorbildfunktion auf und greifen diese diesen Trope eben auf.

[00:16:14] Und neben diesen ganzen Tropes werden so viele gesellschaftliche Themen, die einfach immer noch relevant sind und die jeder Mensch durchlebt aufgegriffen.

[00:16:23] Also sei es:

[00:16:24] Liebe, Tod, Hass, Verzweiflung und einfach eben auch Unterdrückung oder sowas.

[00:16:30] Was jeder auch heute noch durchleben kann oder manchmal auch muss, wird dann auch dort ein Stück weit verarbeitet und das zeigt aber eben auch, wie sich die Gesellschaft vielleicht entwickelt hat oder auch eben nicht entwickelt hat.

[00:16:44] Man lernt dann einfach ganz viel über den Verlauf von gesellschaftlichen Problemen vielleicht und auch vom Kontext, in dem das Buch geschrieben wurde.

[00:16:54] Was einfach total spannend ist, dann eben zu sehen, okay, wie lese ich das jetzt?

[00:16:59] Wie war das damals verankert?

[00:17:01] Und ich finde, dass da einfach ganz viel Mehrwert ist bei Klassikern.

[00:17:06] Und was ich persönlich auch oft finde, ist, dass wenn ich einen Klassiker lese, dann fällt mir ganz oft auf, wie schön er geschrieben ist und wie viel mir Sprache da oft früher noch mehr gespielt worden ist.

[00:17:17] Das passiert heute in vielen Werken noch immer.

[00:17:19] Don't get me wrong.

[00:17:20] Aber in vielen, das haben wir in unserer Trope-Folge ja gesagt, in vielen Büchern, gerade eben so Romance-Büchern oder sowas, geht es nur darum, welchen Trope kann ich aufnehmen und weniger um die schöne Sprachmelodie oder sowas.

[00:17:33] Und das finde ich, merke ich persönlich beim Lesen von Klassikern auch viel.

[00:17:38] Shelly: Weil wir vorher gerade gesagt haben, es gibt quasi diesen eigenen Social-Media-Kanon an klassischer Literatur, welche Titel würdest du sagen

[00:17:50] gehören da rein oder was

[00:17:51] in welcher Bubble befindest du dich?

[00:17:54] Was wird dir reingespielt in den Feed?

[00:17:57] Jaci: Ich meine, wir haben sie jetzt schon mehrmals erwähnt in dem Podcast, aber The Queen of Classics herself, Jane Austen ist halt überall.

[00:18:05] Shelly: Allgegenwärtig. [beide schmunzeln]

[00:18:06] Jaci: Sie ist wirklich überall.

[00:18:09] Oscar Wilde ist ganz groß, finde ich auch, und sein bekanntestes Werk eben "The Picture of Dorian Gray."

[00:18:16] Die Bronte-Sisters mit "Jane Eyre" oder "The Wuthering Heights" sind einfach auch allgegenwärtig.

[00:18:23] Im Herbst jetzt eben auch mehr wieder mit dem Gruseln und sowas kommt "Frankenstein" wieder sehr oft von Mary Shelley oder "Nineteen Eighty-Four" von George Orwell.

[00:18:32] Und dann gibt es natürlich auch solche Klassiker, die es ganze Jahr bekannt sind und die einfach immer gut sind, so "The Great Gatsby" von F. Scott Fitzgerald, "Orlando" von Virginia Woolf.

[00:18:46] Oder auch eben die "schweren" Klassiker quasi eigentlich, wo wir eben gesagt haben, wo der Zugang erleichtert wird zu Dostojewski, "White Nights" [dt. "Weiße Nächte"] oder Crime and Punishment [dt. "Verbrechen und Strafe"].

[00:18:57] Und

[00:18:59] das ist eben meine Bubble.

[00:19:01] Und was ich aber dann schon auch oft seh, was aber eben grad nicht so mein Vibe dann oft ist, ist eben Charles Dickens, Shakespeare, Sylvia Plath oder Flaubert oder Dumas, die kommen alle vor.

[00:19:12] Also das ist eben... Sehr groß eigentlich der Kanon.

[00:19:16] Shelly: Ja, dein Feed ist ja total personalisiert.

[00:19:19] Also der Algorithmus, der spielt ja genau das rein, was du gerne magst.

[00:19:22] Aber so grundsätzlich kann man sagen, das sind schon die großen Vertreter auf Social Media.

[00:19:30] Jaci: Genau,

[00:19:32] genau.

[00:19:33] Shelly: Ja, voll interessant.

[00:19:34] Und ganz viele von denen, die du jetzt erwähnt hast, wie wir am Anfang schon gesagt haben, neue Literaturverfilmungen, sind einige Titel dabei.

[00:19:44] Also, zum Beispiel, hast du jetzt gerade nicht gesagt, aber ein Klassiker, den jeder kennt von Homer, die "Odyssee".

[00:19:53] Wird neu verfilmt.

[00:19:55] Regie führt Christopher Nolan.

[00:19:58] Jaci: Crazy

[00:19:58] einfach.

[00:19:59] Shelly: Einfach Batman-Trilogie [Jaci lacht]

[00:20:01] Und jetzt Odyssee.

[00:20:04] Genau, der Cast.

[00:20:05] Jaci: Der Odysseus im Cape. [beide lachen]

[00:20:06] Shelly: Geil.

[00:20:08] Der Cast, beeindruckend: Robert Pattinson, Matt Damon, Tom Holland, Zendaya, Anne Hathaway und weitere.

[00:20:16] Und der Release ist angesetzt, jetzt habe ich nur für Deutschland herausgefunden, im Juli 2026.

[00:20:23] Dann Emily Bronte "Wuthering Heights", also "Sturmhöhe".

[00:20:28] Regie für Emerald Fannell.

[00:20:31] Das Cast ist unter anderem Margot Robbie und Jacob Elordi.

[00:20:35] Und Release ist angesetzt für Februar 2026 in den US, keine Ahnung, ob es da dann eine Verschiebung gibt in Europa.

[00:20:43] Jaci: Auf den Film bin ich so gespannt, da ist jetzt gerade der Trailer rausgekommen. - Shelly: Schrecklich!

[00:20:48] Jaci: Ich bin positiv gestimmt.

[00:20:50] Ich weiß, du bist da ganz anders.

[00:20:52] Aber

[00:20:53] das wird spannend, glaube

[00:20:54] ich.

[00:20:54] Shelly: Wir gehen den gemeinsam und dann werden wir diskutieren drüber.

[00:20:57] Jaci: Wir werden berichten.

[00:20:59] Shelly: Dann weiter.

[00:21:01] Ich hoffe, es bricht mir nicht

[00:21:02] mein Herz, ich bin Jane Austen Number One Fan überhaupt. [lacht]

[00:21:06] Und "Pride and Prejudice" wird neu aufgelegt als Serie auf Netflix.

[00:21:12] Mit dem Cast, der mir eigentlich ganz gut gefällt.

[00:21:14] Olivia Coleman als Mrs.

[00:21:17] Bennett. [lacht ungläubig]

[00:21:19] Jaci: So cool.

[00:21:19] Shelly: Bin gespannt.

[00:21:21] Emma Corrin kennt man auch von "The Crown", hat die Diana verkörpert, als Elizabeth.

[00:21:26] Und da ist aber der Release noch nicht bekannt.

[00:21:29] "Sense and Sensibility" auch von Jane Austen.

[00:21:31] Release Ende 2026.

[00:21:35] "Frankenstein" von Mary Shelley, von Guillermo del Toro, der Regie führt, der Cast ist wieder, Jacob Elordi, Mia Goth, Christoph [englische Aussprache], also Christoph Waltz [deutsche Aussprache], Entschuldigung, ist ja, Oscar Isaac, der hat bei "Dune" mitgespielt, David Bradley, der hat den Finch bei Harry Potter gespielt, den Hausmeister, [Jaci: Oh!] und Charles Dance, der hat den... Vater von den Lannister-Geschwistern bei "Game of Thrones" gespielt.

[00:22:06] Releases für den 7.11.25 auf Netflix

[00:22:10] angesetzt.

[00:22:10] Also doch bald. [lacht]

[00:22:14] Genau.

[00:22:14] Jaci: Ja, also wie man vielleicht auch bei meinen Reactions merkt, ich bin ein großer Fan von Buchverfilmungen.

[00:22:21] Vor allem seit ich gelernt habe, die Bücher dann von den Filmen ein bisschen zu trennen und dass man eben nicht alles ganz getreu verfilmen kann.

[00:22:28] Was du glaubst noch alleine musst bei "Wuthering Heights". [lacht]

[00:22:30] Shelly: Excuse

[00:22:31] you. [beide lachen]

[00:22:33] Aber eben, ich freu mich einfach sehr.

[00:22:35] Und ich hab einfach in den letzten Jahren so viele gute Buchverfilmungen gesehen.

[00:22:40] Also, "Little Women" von 2019  jetzt mit Florence Pugh und Timothee Chalamet - Shelly: Emma Watson. - Jaci:

[00:22:46] Yeah, genau, Saoirse Ronan.

[00:22:49] Absolut guter Film.

[00:22:50] Oder auch letztes Jahr "Der Graf von Monte Christo" in den Kinos.

[00:22:55] Und eine meiner absoluten Lieblingsfilme in meiner Jugend waren "Die drei Musketiere."

[00:23:01] Der Film, der es mit Orlando Bloom, Christoph Waltz und Luke Evans verfilmt worden ist, der war ja auch legendär.

[00:23:07] Also ich freue mich drauf.

[00:23:09] Shelly: Wir freuen uns.

[00:23:10] Jaci: Schauen wir mal, was wird.

[00:23:11] Shelly: Was wird.

[00:23:12] Und vor allem motiviert es mich auch, endlich bei meiner TBR weiterzulesen, da wir ja auch ein paar Klassiker draufstehen.

[00:23:19] Zum Beispiel eben "Wuthering Heights" von Emily Bronte, wo jetzt dann der Film rauskommt.

[00:23:23] Und ich glaub, bis dahin sollte ich es schaffen.

[00:23:26] Jaci: Auf jeden Fall.

[00:23:27] Vor allem, wenn ich dir so im Nacken sitz.

[00:23:30] Und mein TBR-Buch, was noch offen ist, mein Klassiker, ist "Little Man" von Louisa May Alcott.

[00:23:37] Also das Sequel quasi zu "Little Women".

[00:23:41] Wird leider nicht verfilmt, aber vielleicht kann ich das ja in die Wege leiten, wenn es mir gut gefällt.

[00:23:45] Und

[00:23:46] damit wollen wir uns fürs Zuhören ganz recht herzlich bei euch bedanken.

[00:23:51] Und euch motivieren uns euer Feedback auf Instagram oder auch bei E-Mail zukommen zu lassen. - Shelly: post.stadtbibliothek@innsbruck.gv.at - Jaci: Danke Michelle.  

[00:24:02] Und wir freuen uns, wenn ihr das nächste Mal wieder dabei seid.

[00:24:40] Shelly: Tschüss! [Outro Musik] [Christina: S'Vorwort ist eine Produktion der Stadtbibliothek Innsbruck und Teil der Stadtstimmen, dem Audiokanal der Stadt Innsbruck.]

 

Weitere Infos

Faszination klassische Literatur: Bookstagram und Booktok sind voll davon. Warum ist das eigentlich so? Unter welchen Kriterien wählen die Mitglieder der Communities die Klassiker-Lektüren? Welche Klassiker haben das Potential, viral zu gehen und warum? Und was haben all die Memes damit zu tun? In der heutigen Folge der Teatime beschäftigen sich Jaci und Shelly mit diesen Fragen und mehr. Außerdem empfehlen die beiden ein Starterpaket mit niederschwelligen Klassikern für alle, die nach der nächsten Leseempfehlung suchen.

Außerdem: Kommende Literaturverfilmungen, die Sie auf keinen Fall verpassen sollten.

Das Teatime-Klassiker-Starterpaket für Bibliophile und alle, die’s werden wollen:

  • Verstand und Gefühl, Jane Austen
  • Das Bildnis des Dorian Gray, Oscar Wilde
  • Jane Eyre, Charlotte Brontë
  • Wuthering Heights, Emily Brontë
  • Frankenstein, Mary Shelley
  • 1984, George Orwell
  • Der große Gatsby, F. Scott Fitzgerald
  • Orlando, Virginia Woolf
  • Weiße Nächte, Fjodor Dostojewski

Viele der besprochenen Bücher gibt’s auch in der Stadtbibliothek.

Literarische Entstehungsgeschichten: Gregory Maguire vs. Elizabeth Barrett Browning

Literarische Entstehungsgeschichten: Gregory Maguire vs. Elizabeth Barrett Browning

Stadtbibliothek Innsbruck

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Transkript

[00:00:00] [moduliert] Vorsicht, der Genuss dieses Podcasts kann zu vermehrten Bibliotheksbesuchen führen. [moduliert

[00:00:06] Pia: [lachend] Die gefälschten Umfragen.

[00:00:09] Christina: Wie bitte was?

[00:00:10]  Hallo ...

[00:00:11] Pia: Fake News.

[00:00:12] Christina: Tsch.

[00:00:13] Pia: Ja. [Intro-Musik]

[00:00:14] Christna: Hallo und herzlich willkommen zurück zum Vorwort, dem Podcast der Stadtbibliothek Innsbruck.

[00:00:34]  Mein Name ist Christina - Pia: und ich bin die Pia - und heute haben wir wieder zwei literarische

[00:00:38]  Entstehungsgeschichten für euch, wo der Clou ist, das Pia und ich, weil ich jeweils

[00:00:43]  eine Entstehungsgeschichte eines berühmten literarischen Werkes oder Oevres vorstellen,

[00:00:48]  euch und uns gegenseitig, aber normalerweise nicht wissen, was die andere Person hat.

[00:00:56]  Die Pia weiß diesmal aus verschiedenen organisatorischen Gründen [beide lachen, wen ich habe.

[00:01:03]  Genau, aber ich weiß nicht, wenn du ausgewählt hast, Pia.

[00:01:06] Bin schon sehr gespannt.

[00:01:07] Pia: Schauen wir mal.

[00:01:08] Christina: Bevor Pia mit ihrer Geschichte anfängt, darf ich noch das Ergebnis der letzten Abstimmung

[00:01:14]  verkünden.

[00:01:15]  Erstens einmal vielen herzlichen Dank an alle Zuhörerinnen und Zuhörer da draußen, die

[00:01:20]  mit solchen geschmacklichen Feinsinn abgestimmt haben.

[00:01:25]  Und Stephen King mit "Carrie" hat 70% der Stimmen erhalten und "The Vampyr" von John Polidori

[00:01:33]  hat 30% der Stimmen erhalten und damit möchte ich sagen, gehe ich [lacht, Pia stimmt ein] in Führung.

[00:01:42] Pia: Frechheit.

[00:01:43]  Schau wie sie sich einschleimt bei den Leuten und sich auch noch bedankt dafür, dass alle

[00:01:47]  sie wählen. [lacht]

[00:01:48] Christina: Ja, ich rede mit euch direkt und die Pia redet über euch.

[00:01:51] Pia: [lacht] Ja, genau.

[00:01:52] Christna: Das ist schon der Unterschied.

[00:01:53] Pia: Ja, das ist der Unterschied.

[00:01:54]  Ja, das stimmt.

[00:01:55] Christina: [lacht leise] Ja, also, mal schauen, ob du aufholst, dann lassen wir dich einmal anfangen.

[00:02:00] Pia: Also…

[00:02:01] Christina: Wobei, Entschuldigung, ich muss noch, was ich dazu sagen will, zu unseren Abst--, ich

[00:02:08]  hätte nicht gedacht, dass ich gewinne, hätte gedacht, dass fix die John Polidori-Geschichte

[00:02:14]  gewinnt.

[00:02:15]  Die hat mir nämlich von unseren beiden, mir persönlich hat die John Polidori besser

[00:02:18]  gefallen.

[00:02:19] Pia: Ja, aber "Carrie" ist viel bekannter.

[00:02:20] Christina: Ist es nur das? Weil gerade das Unbekannte ist das Interessante.

[00:02:24] Warum?

[00:02:25] Pia: Ja, wir haben vielleicht beim Abstimmen denken sich die Leute, denn Stephen King ist so cool.

[00:02:29]  Von Polidori hat noch keiner was gehört.

[00:02:31] Christina: Dann mach ich jetzt nur noch Stephen King, glaube ich.

[00:02:34] Pia: Genau. [beide lachen]

[00:02:35] Christina: Okay, schieß los.

[00:02:36] Pia: Meine Entstehungsgeschichte, da geht es um "Wicked" von Gregory Maguire.

[00:02:40]  Die Welt von der Zauberer von Oz faszinierte Leser*innen und Zuschauer*innen seit der

[00:02:45]  Veröffentlichung von L. Frank Baums Roman im Jahr 1900 und natürlich der berühmte Verfilmung

[00:02:51]  von 1939.

[00:02:52]  Doch während die Geschichte von Dorothy und ihren Gefährten Generationen verzauberte,

[00:02:57]  fragte sich ein Mann, ob es nicht doch eine andere tiefere Wahrheit hinter den Märchen

[00:03:02]  gab.

[00:03:03]  Dieser Mann war Gregory Maguire.

[00:03:05]  Es begann mit einer Frage: Was, wenn die böse Hexe des Westens gar nicht böse war.

[00:03:10]  Seit Kindheitstagen hatte Maguire "Der Zauberer von Oz" gekannt, das Leuchten der smaragdgrünen

[00:03:15]  Stadt, den goldenen Glanz des Weges, die klare Trennung zwischen Gut und Böse, Dorothy

[00:03:20]  die Heldin, der Zauberer ein Schwindler, die Hexen, eine von ihnen lieblich, die andere

[00:03:26]  eine schreckliche gefürchtete Kreatur, aber was, wenn die Geschichte falsch erzählt worden

[00:03:31]  war?

[00:03:32]  In den frühen 1990er Jahren, in einer Welt, die sich mit neuen Fragen über Identität

[00:03:37]  und Gerechtigkeit und Moral auseinandersetzte, begann Maguire tiefer zu graben.

[00:03:42]  Er durchsuchte alte Märchen, Mythen und Legenden und immer wieder begegnete ihm dasselbe Motiv.

[00:03:48]  Die Geschichte wird von den Siegern geschrieben.

[00:03:51]  So fragte er sich, ob es auch ausreichen könnte, eine Person als Böse zu bezeichnen, um eine

[00:03:56]  selbst erfüllende Prophezeiung auszulösen.

[00:03:59]  Während Maguire zu Beginn des Golfkriegs in London arbeitete, war er von seiner eigenen

[00:04:03]  Reaktion auf eine Zeitungsüberschrift überrascht,

[00:04:06] die Saddam Hussein mit Adolf Hitler verglich.

[00:04:08]  In einem Interview sagte er: Ich hatte eine instinktive Reaktion, allein aufgrund des Wortes

[00:04:13] 'Hitler'.

[00:04:14]  Mein Verstand wurde für einen Moment für eine Welle der Panik überrollt, ausgelöst durch

[00:04:19]  ein einziges Wort.

[00:04:20]  Ich begann mich dafür zu interessieren, wie wir Worte benutzen, um unsere Kräfte für

[00:04:24]  den Kampf zu mobilisieren."

[00:04:26]  Maguire, der bis dahin ausschließlich Kinderbücher geschrieben hat, wollte diesen Gedanken

[00:04:30]  ausarbeiten.

[00:04:31]  Zuerst wollte er ein Buch über Hitler schreiben, er fühlte sich aber nicht wohl dabei und

[00:04:35]  entschloss sich für eine Figur, die ihm bereits in seiner Kindheit Angst gemacht hatte.

[00:04:39]  Er fragte sich, wie entsteht eine Böse in einer Welt, die Helden und Schurken klar trennt?

[00:04:45]  Und so begann er, eine alternative Version der bekannten Geschichte zu entwerfen.

[00:04:49] Christina: Eine Villain-Origin-Story.

[00:04:51] Pia: Genau. Aus der Sicht derjenigen, die in "Der Zauberer von Oz" zu Antagonistin erklärt wurde, die

[00:04:56]  böse Hexe des Westens.

[00:04:58]  So entstand in seinem Kopf eine neue Figur, eine junge Frau mit grüner Haut, die sich

[00:05:02]  nirgends einfügen konnte, eine Frau, die nicht in schwarz und weiß dachte, eine Frau, die

[00:05:07]  ihre Stimme erhob und dafür von der Welt verstoßen wurde.

[00:05:10]  Ihr Name war Elphaba.

[00:05:12] Christina: ... Alfafa?

[00:05:13] Pia:El-pha-ba.

[00:05:14] Christina. Elphaba.

[00:05:17]  Warte, dazu komme ich noch.

[00:05:19]  Was also, wenn die böse Hexe des Westens gar nicht böse war?

[00:05:22]  Was, wenn sie in Wahrheit eine missverstandene Figur war, deren Geschichte nie erzählt wurde?

[00:05:27]  Maguire wollte eine vielschichtige Figur schaffen, die mehr als nur eine eindimensionale Gegenspielerin

[00:05:32]  ist.

[00:05:33]  Er gab ihr eine Hintergrundgeschichte, Emotionen, Motive und einen Namen.

[00:05:38]  Inspiriert von L. Frank Baum, dessen Initialen LFB - Christina: Ohhhhh .... - sich zu Elphaba umformen ließen, gab

[00:05:48]  ihr eine Identität, jenseits des Schreckensbildes, das die ursprüngliche Geschichte gezeichnet

[00:05:53]  hatte.

[00:05:54]  Seine Version von Oz wurde düsterer, komplexer und politischer.

[00:05:59]  Der Zauberer war zum Beispiel auch inspiriert von Richard Nixon. [Christina lacht überrascht auf.]

[00:06:02]  Oder? - Christna: Das ist gut.

[00:06:06] Pia: Statt einer simplen Gut gegen Böse-Erzählung entfaltet es sich eine Geschichte über Vorurteile,

[00:06:12]  Macht, Moral und den Wunsch nach Akzeptanz.

[00:06:15] Elphaba wurde nicht als Böse geboren, sie wurde von einer Gesellschaft, die sie nicht

[00:06:19]  verstand, dazu gemacht.

[00:06:20]  1995 veröffentlichte Maguire dann "Wicked: The Life and Times of the Wicked Witch of the

[00:06:25]  West".

[00:06:26] Christina: Übrigens, kann man ganz kurz darauf eingehen, wie "Wicked Witch of the West", wie gut diese

[00:06:32]  Alliteration einfach ist.

[00:06:33] Pia: Genial, oder?

[00:06:34] Christina: Ja.

[00:06:35] Pia: Der Roman fand eine treue Leserschaft, besonders unter Erwachsenen, die mit "Der Zauberer von

[00:06:39]  Oz" erwachsen geworden ... äh ... die mit "Der Zauberer von Oz" aufgewachsen waren.

[00:06:44]  Nun aber eine reifere und tiefgründigere Perspektive auf die Geschichte suchten.

[00:06:48] "Wicked" wurde zu einem Bestseller und begründete eine ganze Buchreihe "The Wicked Years", die

[00:06:54]  die Welt von Oz aus neuen Blickwinkeln erforschte.

[00:06:57]  Doch der eigentliche Durchbruch kam als das Buch für die Bühne adaptiert wurde.

[00:07:02]  Stephen Schwartz, ein Komponist sah in Maguires Werk einer anderen Art von Musik.

[00:07:07]  2003 erhob sich die Hexe auf einer Bühne am Broadway in die Lüfte und wurde zu einem

[00:07:11]  der größten Musical-Erfolge aller Zeiten.

[00:07:14]  Die Geschichte von Elphaba und Glinda, ihren gegensätzlichen Persönlichkeiten, ihrer

[00:07:18]  Freundschaft und ihrem Schicksal bewegten Millionen von Menschen.

[00:07:21] Christina: Wer ist jetzt Glinda?

[00:07:22] Pia: Das ist die gute Hexe.

[00:07:24] Christina: Ah, danke.

[00:07:25]  Ich hab das schon lange nicht mehr gelesen, deswegen.

[00:07:28] Pia: "Wicked" war kein einfacher Roman mehr, es war ein Phänomen, eine neue Legende und vielleicht

[00:07:32]  sogar die richtige Geschichte von Oz.

[00:07:34]  Gregory Maguires "Wicked" ist mehr als nur eine Nacherzählung, es ist eine Geschichte über

[00:07:38]  Außenseiter, über die Frage, wer entscheidet, was gut und böse ist und darüber, wie sich

[00:07:43]  Legenden von der Realität unterscheiden können.

[00:07:46]  Maguires verwandelte eine alte Geschichte in etwas völlig Neues und schuf damit eine

[00:07:50]  moderne Ikone der Fantasy-Literatur: Elphaba, die grüne Hexe.

[00:07:54]  Genau.

[00:07:55]  Und zur Feier des Tages singt uns jetzt die Cristina noch "Defying Gravity", oder? [Christina räuspert sich theatralisch, Pia lacht]

[00:08:01] Christina: Ja, und es war natürlich auch der Moment für Ariana Grande endlich als Schauspielerin

[00:08:11]  durchzubrechen.

[00:08:12] Pia: Ja.

[00:08:13] Christina: Coole Entstehungsgeschichte.

[00:08:14]  Applaus, Applaus. [Soundbite: großer Applaus]

[00:08:17] Pia: Dankeschön.

[00:08:19]  Dankeschön.

[00:08:21] Christina: Sehr interessant. Pia: Und jetzt ist die Christina dran und ich muss jetzt schon mal vorschicken, also natürlich

[00:08:30]  jetzt nicht für die nächste Geschichte wählen, gell Leute, also es müsste auch ein bisschen

[00:08:34]  auf meiner Seite stehen, Dankeschön. [Soundbite: Booh]

[00:08:36]  Und mit diesen, mit diesen aufwundernden Worten ... [lacht]

[00:08:42] Christina: Ich möchte noch sagen, dass in der Postproduktion letztes Mal deine Geschichte als einzige Geschichte

[00:08:49]  Soundeffekte hatte.

[00:08:50] Pia: Oh ja. Also das muss jetzt auch positiv loben, die Christina hat sich das sehr ins Zeug gelegt. [Soundbite: vereinzeltes Klatschen]

[00:08:54] Christina: Hast du dir die angehört?

[00:08:56] Pia: Ja habe ich ja.

[00:08:57]  Also super Effekte.

[00:08:58] Christina: Wie waren die Effekte?

[00:08:59]  Genial.

[00:09:00]  Danke.

[00:09:01]  Hat wunderbar gepasst. [beide lachen]

[00:09:02] Christina: Da bin ich echt über mich hinausgewachsen.

[00:09:07] Pia: Ja wirklich.

[00:09:08] Christina: Okay, ich bringe mit die Entstehungsgeschichte von den Gedichten, also eigentlich ist es

[00:09:15]  ein Oeuvre von der englischsprachigen Dichterin Elizabeth Barrett Browning und falls ihr jetzt

[00:09:26]  denkt, wer ist das? Genau.

[00:09:28]  Das ist der Punkt dieser ganzen Geschichte.

[00:09:30]  Stellt euch Folgendes vor: Eine Frau, gefeiert, verehrt, aber eingesperrt.

[00:09:38]  Elizabeth Barrett Browning ist 1806 geboren und war eine der bekanntesten Dichterinnen

[00:09:47]  des viktorianischen Zeitalters.

[00:09:49]  Ihre Gedichte sprechen von Liebe, Schmerz und der Sehnsucht nach Gerechtigkeit. Also dein

[00:09:58]  üblicher Taylor-Swift-Song. [Pia lacht leise]

[00:10:00]  Ihr Alltag spielt sich in einem abgedunkelten Londoner Zimmer ab. Sie ist krank, kontrolliert

[00:10:09]  vom Vater und abgeschnitten von der Welt, wie es leider und sicherlich sehr, sehr vielen

[00:10:15]  Frauen in dieser Zeit gegangen ist.

[00:10:18]  Sie war zwar körperlich geschwächt, aber ihr Geist, ihr Denken und ihre Stimme waren

[00:10:25]  ungebrochen.

[00:10:26]  Eines Tages erhält sie dann einen Brief, und zwar von dem jungen Dichter Robert [betont] Browning. Ooooh. [Pia lacht]

[00:10:33]  Und falls ihr jetzt denkt, hm, dieser Nachname ist ja der gleiche Nachname, den die Elizabeth

[00:10:39]  Barrett hat, richtig, es ist dahin läuft die Geschichte.

[00:10:44]  Dieser Brief war ein Fan-Brief, der war voller Bewunderung und, vielleicht, Liebe ... Fragezeichen.

[00:10:52]  Er schreibt ihr: "Ich liebe Ihre Ferse von ganzem Herzen, liebe Miss Barrett."

[00:10:58]  Was dann folgt, ist mehr als nur ein literarischer Austausch. [Christina: Wohoo!, beide lachen]

[00:11:02] Pia: Und da jetzt auch den Soundeffekt reinhauen ... Christina: Wenn ich ihn finde. [Soundbite: Pfeifen]

[00:11:10] Zwischen den beiden beginnt ein Dialog, wie es ihn nur selten gegeben hat bzw. der reiht sich in die großen Liebesbriefe aller

[00:11:17]  Zeiten ein. Es ist leidenschaftlich, intellektuell und voller Achtung. Über 570 Briefe schreiben

[00:11:25]  sie füreinander. Und das Beste, diese Briefe wurden digitalisiert. Das heißt, die kann man auch

[00:11:31]  heute noch nachlesen und zwar alle davon. Es ist schon ziemlich cool, man kann also richtig die

[00:11:37]  die ganze Beziehung nachverfolgen, wie sie so sich ergeben hat. Die Elizabeth und der Robert,

[00:11:45]  die heiraten dann heimlich. Und zwar gegen den Willen der Familie, sehr Romeo und Julia. Auch

[00:11:51] ein bisschen gegen die Konvention, weil eigentlich gibt es ja Absprachen und das Liebesheiraten

[00:11:57]  sind die viktorianischen Zeitalter meines Wissens nach noch komplett unüblich. Richtig, Pia?  

[00:12:01] Pia: Da wird eher "eloped". Da haut man dann ab und heiratet. - Christina: Genau, so wie in Jane Austen. - Pia: Genau.  

[00:12:11] Christina: Und das ist aber immer schlecht. - Pia: Also finanziell zumindest oft schlecht auch. - Christina: Ja, genau. Deswegen ist

[00:12:16]  es sehr unkonventionell, was die beiden da gemacht haben. Sie fliehen nach Italien, wie viele große

[00:12:21]  Dichter und Dichterinnen dieser Zeit und damit auch in ein neues Leben. Und diese Geschichte

[00:12:28]  wirkt ja schon wie der Beginn eines großen Romans, finde ich. In Italien schreibt Elizabeth dann ihr

[00:12:33]  berühmtestes Werk und das wäre nämlich "Sonnets from the Portuguese". Das ist ein Zyklus von

[00:12:40]  44 Liebessonetten, die bis heute zu den Bewegensten der Weltliteratur zählen. Berühmt ist vor allen

[00:12:49]  Dingen und davon hast du mir erzählt, Pia, das Sonnet 43, dass ich bis dahin nämlich auch nicht

[00:12:55]  gekannt habe. Ich darf zitieren: "How do I love thee? Let me count the ways I love thee to the depth

[00:13:03]  and breath and height my soul can reach." Habe ich alle "th" hingekriegt? - Pia: Ja. [beide lachen] Christina: Das Gedicht geht

[00:13:12]  weiter und endet dann mit einem Vers, der über den Tod hinaus reicht: "And if God choose I shall

[00:13:18]  but love thee better after death." Elizabeth starb 1861 in den Armen ihres Ehemannes,

[00:13:26]  während der Jahre ihrer Ehe übertraf ihr literarischer Ruf den ihres Dichter Ehemanns

[00:13:33]  auch bei weitem. Als sie Anfang 30 war, wurde sie bereits viel gelesen und rezensiert. Ab Mitte

[00:13:43]  40 war sie sogar international bekannt. Sie war zum Beispiel einer der ersten weiblichen Nominierten

[00:13:49]  für Großbritanniens Poet Laureat, eine große Ehre für jeden Literaturschaffenden. Aber nominiert

[00:13:57]  ist nicht gewonnen und es sollte dann noch 159 Jahre dauern, bis die erste Frau wirklich Poet Laureat,

[00:14:03]  Großbritanniens geworden ist das erste Mal. Eine totale Vorreiterin. [Pia: Ja.] Sie hat sich auch

[00:14:10]  eine sehr engagierten Schriftstellerin entwickelt, die durch ihre Werke das britische Bewusstsein für

[00:14:16]  soziale Themen wie Kinderarbeit, Vergewaltigung und die amerikanische Abschaffung der Sklaverei

[00:14:22]  veränderte. Zu den Schriftsteller*innen, die sie beeinflusste, gehörten Emily Dickinson,

[00:14:28]  Thomas Carlisle, Christina Rossetti, Rudyard Kipling, Oscar Wilde und Virginia Woolf. Aber es ist

[00:14:36]  leider bittere Ironie, dass Elizabeth Barrett Browning später fast vergessen worden ist. Mit

[00:14:42]  40 Jahren hat Elizabeth den jüngeren und weniger etablierten Dichter Robert dann geheiratet,

[00:14:47]  also wo sie zusammen abgehauen sind. Sie war dann schon 40. Nach und nach stellte dessen Ruf ihren

[00:14:53]  eigenen aber bald in den Schatten und dann etwa 70 Jahre nach ihrem Tod, wurde ihr Werk weitgehend

[00:14:59]  aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt, trotz ihres großen Erfolges davor. Der Broadway-Erfolg

[00:15:06]  "The Barretts of Wimpole Street" von 1931 und dessen Film- und Fernsehadaption prägten das Bild der

[00:15:12]  romantisch verliebten Dichterin, also so quasi "die Frau an seiner Seite". - Pia: Genau, ja. - Christina: [stöhnt genervt] I hate how this goes. [beide lachen] Unter

[00:15:22]  anderem durch dieses Bild von Barrett Browning, schrieben 1973 die Kritikerredakteure der Oxford

[00:15:28]  Anthology auf Englisch Literature -übrigens allesamt Männer - [Pia: Natürlich] - und ich zitiere: [sarkastisch] "Ms. Barrett war

[00:15:35]  mit dem besten Dichter ihrer Zeit durchgebrannt. Ihr langes Gedicht 'Aurora Leigh'" - das ist übrigens

[00:15:42]  1856 erschienen und im Gegensatz zu dem, was dieser Kritikerschnösel da sagt, extrem empfehlenswert, -

[00:15:49] "wurde zwar sogar von Ruskin bewundert, ist aber sehr schlecht. Auch die berühmten 'Sonetts from the

[00:16:00] Portuguese' sind ziemlich schlecht. Mrs. Brownings Begeisterungen bereiten ihrem Mann viel Ärger."

[00:16:08]  Zitat Ende. Pia: Frechheit. - Christina: Ein, möchte man sagen, harsches Urteil. Ich meine, Geschmack ist

[00:16:16] subjektiv. Aber ein klares Beispiel dafür, dass die von Frauen verfasste Literatur sehr oft und auch

[00:16:23]  auf sehr subjektive Weise klein gemacht worden ist. Elisabeth rückte dann leider immer mehr

[00:16:32]  in den Hintergrund und wurde dann immer nur noch als Randfigur im Erfolg ihres Mannes wahrgenommen,

[00:16:39]  der, by the way, mir aber auch nichts gesagt hat. [beide lachen] - Pia: Gerechtigkeit, zumindest da. - Christina: Aber ihre

[00:16:49]  Geschichte, zum Glück, endet hier nicht. Denn durch die feministische Literaturwissenschaft der

[00:16:54]  1960er und 70er wurde sie wiederentdeckt und ihr literarische Schaffen neu bewertet. Und dieser

[00:17:01]  Bewegung haben wir es auch zu verdanken, dass jetzt auch wieder eine neue Strömung von Literatur von

[00:17:07]  Frauen verlegt wird, wiederentdeckt und verlegt wird. Und wir wissen heute, Elisabeth war sicherlich

[00:17:14] nie nur die Frau von Robert Browning. Er war ihr Fan, also ist eine große Dichterin und das war

[00:17:22]  meine Geschichte. Ich finde ... Also mich regt die Geschichte mehr auf als alles andere. Ich weiß

[00:17:28]  nicht, wie es euch geht, aber das ist für mich so eine Entstehungsgeschichte, die ja fast schon irgendwie

[00:17:33]  so als ob so ein Deckel drauf gemacht wird über diese Stimmen. - Pia: Ich kann es nachvollziehen. Es ist vor allem

[00:17:42]  frustrierend, weil sie damals eigentlich so im Vordergrund stand und so bekannt war und so

[00:17:47]  berühmt und so viel Anerkennung genossen hat und dann immer wieder, also mit der Zeit immer wieder

[00:17:53] verloren gegangen ist, dieses Wissen. Und man sich im Grunde auch ein bisschen so über sie

[00:17:58]  lächerlich gemacht hat, über diese "amortisierte Dichterin, die ja eh nur Liebesgedichte schreibt".

[00:18:04]  Es ist dann ja gut, dass man eben in den 60er und 70er Jahren nachher dann ein bisschen

[00:18:07] Gegenbewegung entstanden ist und auch diese Texte wieder in den Vordergrund gerückt sind.

[00:18:12] Christina: Absolut. Wobei, man muss auch dazu sagen, dass es auch äußerst mühsam ist, dass jede Generation von Frauen,

[00:18:18]  die weibliche Literatur neu entdecken muss. Das passiert ja immer wieder. Ich habe zwar gesagt,

[00:18:26]  die haben den Weg bereitet, aber gleichzeitig entdecken wir jetzt auch wieder Literatur von Frauen,

[00:18:32]  die in den 60er und 70er Jahren wieder entdeckt worden ist, die es aber nie in den Kanon schafft.

[00:18:36]  Und das ist so... [Pia: Frustrierend.] Ja, man arbeitet, wie Sysyphos sich den Berg hoch und wird dann halt immer

[00:18:44]  wieder von ... zurück gedrückt. - Pia: Aber das ist ja auch gut: Wir haben ja auch eine Klassikabteilung und da

[00:18:50]  haben wir jetzt auch wieder neuere ... äh, ältere Texte, aber neu aufgelegt und das sind die Klassikerinnen,

[00:18:57]  wie wir sie immer nennen. Also das ist auch super. Und da ist auch viel ... - Christina: Das hat in der anglophonen Welt

[00:19:03]  angefangen, dass da wieder viel neu verlegt wird und es geht jetzt richtig auch in der

[00:19:08]  deutschsprachigen Verlagslandschaft ... Haymon, der in Innsbruck ansässige Verlag hat

[00:19:15]  jetzt auch, ich glaube, Haymon Herstory, das ist auch in Bezug auf diesen Begriff "history"

[00:19:24]  als "his story", "seine Geschichte" und "her story", also im Sinne von wer macht die Geschichtsschreibung,

[00:19:29]  wer beschließt, was kanonisiert wird und so weiter. Und die bringen jetzt eben... Die haben

[00:19:35]  dieses Jahr auch einen ersten Text wieder neu aufgelegt und das ist einfach toll, auch wenn es

[00:19:40]  so ein ansässiger Verlag sich da diesen Raum nimmt und es macht. Zum Glück. - Pia: Zum Glück, ja. Aber es

[00:19:48]  waren zwei tolle Geschichten, sehr interessant, etwas Älteres und etwas Neueres. - Christina: Ja, sehr aktuell

[00:19:54]  deines, gell? Mit der Alfafa. - Pia: Elphaba [Pia lacht] - Christina: Elphaba. Und der Glenda. - Pia: Glinda. - Christina: Wenn wir alle Bücher lesen

[00:20:05]  oder alle Werke über die wir gegenseitig reden, dann wissen wir viel mehr danach, weil ich habe

[00:20:11]  das nie gelesen. "Zauberer von Oz" schon, also den ersten Band, aber jetzt nicht die neue... - Pia: Aber ich

[00:20:18]  glaube, dass die Romanvorlage sehr wenige gelesen haben. Ich glaube, die meisten kennen es

[00:20:22]  wirklich übers Musical und die wenigsten wissen überhaupt, dass es eine Romanvorlage gibt.

[00:20:25] Christina: Ist sehr jetzt dann neu herausgekommen, weil eben Ariana Grande mitgespielt hat in diesem großen

[00:20:31]  Film. - Pia: Ja. Wir hoffen, dass euch unsere Geschichten gefallen haben. Natürlich hoffe, dass meine

[00:20:38]  euch ein bisschen mehr gefallen hat, aber das schauen wir dann noch. [lacht] Diesbezüglich könnt

[00:20:43] ihr natürlich gerne abstimmen online, wieder auf Instagram auf stadtbibliothek.innsbruck. Aber

[00:20:49]  natürlich möchten wir auch gerne eure Empfehlungen hören. Vielleicht habt ihr eine tolle Entstehungsgeschichte

[00:20:53]  für uns. Die könnt ihr uns natürlich auch schicken auf post.stadtbibliothek@innsbruck.gv.at und wir hören

[00:21:00]  uns dann wieder beim nächsten Mal. - Christina: Und erfahren, für wen ihr abgestimmt habt. Bis dahin, schönes Lesen. Pia: Tschüss! [Outro-Musik]

[00:21:31] [Pia spricht] S'Vorwort ist eine Produktion der Stadtbibliothek Innsbruck und Teil der Stadtstimmen, dem

[00:21:38]  Audiokanal der Stadt Innsbruck. Outtakes: Christina: [bemüht] "If God chose, and if God chose, I shall, I shall, I shall, and if God

[00:21:56]  chose, I shall, but love thee better than death."

 

Weitere Infos

Pia und Christina haben wieder eine Lieblingsrubrik mitgebracht: Die Literarischen Entstehungsgeschichten.

In der heutigen Folge überraschen sich die beiden wieder mit einer jeweils vorbereiteten Entstehungsgeschichte eines Romans beziehungsweise Oeuvres. Der Clou: Die beiden wissen nicht, welche Geschichte die andere vorbereitet hat.

Während Pia diesmal in die Welt von Oz und der nicht-so-bösen Hexe des Westens entführt, stellt Christina die (beinahe) in Vergessenheit geratene englische Dichterin Elizabeth Barrett Browning vor. Tauchen Sie ein hinter die Kulissen großer Literatur.

Sie können abstimmen, welche Geschichte Ihnen besser gefallen hat. Oder vielleicht interessieren Sie sich für eine Entstehungsgeschichte und Christina oder Pia sollen sie vortragen: Schreiben Sie uns auf Instagram (stadtbibliothek.innsbruck) oder post.stadtbibliothek@innsbruck.gv.at.

Briefe von Elizabeth Barrett Browning (Gutenberg-Project) finden Sie hier.

Viele der besprochenen Bücher gibt’s auch in der Stadtbibliothek.

Kurz und Schmerzlos mit … Hans Platzgumer („What Goes Up Must Come Down“)

Kurz und Schmerzlos mit … Hans Platzgumer („What Goes Up Must Come Down“)

Stadtbibliothek Innsbruck