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Überschrift Musikverein – Musikschule – Konservatorium

Musikverein – Musikschule – Konservatorium

Zur Geschichte

Nach dem Vorbild des Grazer Musikvereines suchten am 26. Juli 1817 Innsbrucker Akademiker, unterstützt von Polizeidirektor Alois Freiherr von Kübeck, um Gründung eines Musikvereines an.

Dem Ansuchen wurde im April des darauffolgenden Jahres zugestimmt, und am 2. Juni 1818 fand die Konstituierung des „Vereins zur Beförderung der Tonkunst“ mit angeschlossener Musikschule statt. Musikdirektor wurde Propst Franz Craffonara, als Lehrer wurden Pater Martin Goller und Johann Herzog bestellt.

Bereits am 19. August 1818 fand das erste Konzert des Musikvereins unter der Leitung von Musikdirektor Craffonara statt. Auf dem Programm standen Werke von Mozart, Haydn und Abbé Vogler.

Am 23. November 1823 wurde Johann Baptist Gänsbacher zum neuen Musikdirektor gewählt. Doch schon ein Jahr darauf wurde er als Domkapellmeister und Chordirektor von St. Stephan nach Wien berufen.

In den Jahren 1824 bis 1866 lösten folgende Musikdirektoren einander ab: Prof. Ferdinand Neupauer, Joseph Miksch, Johann Herzog, Dr. Josef Wessely, Karl Mayr, Franz Seraphim Hölzl, Josef Alliani, Alois Teuchner, Dr. Anton Gröber, Josef Lutz und Franz Skuhersky.

Aus den Rechenschaftsberichten, die im Abstand von drei Jahren im „Bothen für Tirol und Vorarlberg“ publik gemacht wurden, wird auch über die Entwicklung der Musikschule berichtet. Die Schülerzahl war demnach leicht im Steigen begriffen, und im Schuljahr 1843/1844 waren bereits 166 Musikschüler inskribiert. Unterrichtet wurden die Fächer Generalbaß, Gesang, Violine, Violoncello, Kontrabaß, Klarinette, Flöte und Klavier. Angeboten wurden auch Horn, Trompete und andere Blasinstrumente, doch wie schon ein Jahr zuvor konnten auch im Schuljahr 1843/44 keine Interessenten dafür gefunden werden.

Von 1867 bis 1874 war Matthias Nagiller Innsbrucker Musikdirektor, in dessen Amtszeit großartige Oratorienaufführungen fallen.

Nach Nagillers Tod am 8. Juli 1874 übernahm Josef Pembaur d. Ä. bis 1918 die Direktion. Ihm gelang der Ausbau der Musikschule nicht nur in künstlerischer und pädagogischer, sondern auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Subventionen hatte der Verein für seine Schule bis dahin nur von der „Tiroler Landschaft“ erhalten. Nun flossen zusätzliche Geldmittel auch von der Stadtgemeinde Innsbruck, der Sparkasse der Stadt Innsbruck und dem Staat.

Der Musikunterricht wurde dahingehend neu gestaltet, als ab dem Herbst 1875, in Anlehnung an die Statuten der Münchner Musikschule und des Wiener Konservatoriums, nach einem neuen Lehrplan unterrichtet wurde. Ziel war eine gründliche allgemeine Musikausbildung und darüber hinaus eine fundierte Ausbildung in den verschiedenen Bereichen der Tonkunst, etwa im Gesang und Instrumentenspiel. So wurden Violine und Violoncello in vier Klassen, Klavier sogar in fünf Klassen gegliedert, während für die anderen Instrumente wie Kontrabaß, Flöte, Oboe, Klarinette und Horn wegen Mangels an Schülerinnen und Schülern noch keine Klasseneinteilung vorgesehen war.

Wichtige Eckpunkte während Pembaurs Amtszeit waren der Abbruch der Redoutensäle im Jahre 1885, wo bis dahin Symphoniekonzerte und Oratorienaufführungen stattgefunden hatten. An ihrer Stelle wurden am 6. November 1890 mit Haydns „Schöpfung“ die neu erbauten Stadtsäle eingeweiht. Außerdem wurde unter Martin Spörr 1893 das Innsbrucker Städtische Orchester begründet.

Ein wichtiges Jahr für den Musikunterricht war 1910. Im Oktober wurde mit dem Bau des Musikvereinsgebäudes in der Museumsstraße (heute: Tiroler Landeskonservatorium in der Hofhaimergasse) begonnen. Mit Beethovens „Weihe des Hauses“ wurde die neue Heimstädte der Vereinsschule in Anwesenheit von Erzherzog Eugen eingeweiht.

1918 wurden zwei Jubiläen gefeiert: Josef Pembauers 70. Geburtstag am 23. Mai und das 100-jährige Stiftungsfest des Vereins am 29. Juni. Mit diesem Fest verabschiedete sich Josef Pembaur nach 44 Jahren als Direktor des Innsbrucker Musikvereins vom Konzertpublikum.

Sein Nachfolger wurde der Tiroler Pianist und Dirigent Emil Schennich, dessen Intention es war, den Musikunterricht zu erweitern: So wurden Kurse für Rhythmische Gymnastik, das Fach Rhetorik, eine Opernschule und ein Jugendchor neu eingeführt. Ein Hauptziel war auch die Förderung der Bläser, um endlich das Orchester mit eigenen Kräften besser ausstatten zu können.

Allerdings hatte man in dieser Zeit mit Geldproblemen zu kämpfen, die sich ab 1925 insofern zuspitzten, als die bereits zugesicherten Subventionen ausblieben. Sogar die Einstellung des Schulbetriebes mußte in Erwägung gezogen werden, was allerdings dazu führte, dass die Stadt Innsbruck wieder bereit war dem Verein finanziell unter die Arme zu greifen, sodaß der Musikunterricht für die 539 SchülerInnen gesichert war.

Mit Gitarre wurde im Herbst 1927 ein neues Fach eingeführt. 32 Schüler meldeten sich gleich zu Beginn an.

Am 12. April 1928 verstarb Emil Schennich überraschend nach einer Darmoperation.

Bis 1934 übernahm Rudolf Kattnigg die Direktion und auch er hatte, wie schon Schennich zuvor, mit rigorosen Sparmaßnahmen zu kämpfen. Trotzdem gelang ihm, dass mit Erlass des Bundesministeriums für Unterricht vom 28. Juni 1934 der Musikschule des Innsbrucker Musikvereins die Bezeichnung „Konservatorium“ zuerkannt wurde.

Nach dem Rücktritt Kattniggs mit Ende des Schuljahres 1933/34 übernahm Dr. Richard Mahl-Schedl von Alpenburg für ein Jahr die Geschäfte.

Der Musikverein suchte schon bald nach einer neuen Führung, und nach einem Probespiel am 30. Juni 1935 erhielt Fritz Weidlich die Stelle.

Weidlich gelang es als Solist wie Dirigent das Publikum wieder in die Konzertsäle zu locken. Das städtische Orchester erhielt unter seiner Stabführung wieder einen höheren Stellenwert und wird nun offiziell als „Musikvereinsorchester“ bezeichnet.

Auch der Lehrbetrieb änderte sich. Mit der Bezeichnung „Konservatorium“ war es notwendig geworden, neue Fächer wie Dirigieren, Partiturspielen, Harmonielehre, Kontrapunkt usw. in den Lehrplan aufzunehmen. Der Unterricht in der Musikschule entwickelte sich mehr und mehr zu einer fundierten Berufsausbildung. Gleichzeitig wollte man aber auch den ursprünglichen Schulbetrieb aufrechterhalten und eine Musikausbildung für den Privatgebrauch weiterhin ermöglichen. Damit war erstmals eine Trennung von Konservatorium und Musikschule angedacht.

Am 12. März 1938 übernahmen die Nationalsozialisten in Innsbruck die Macht. Die Tätigkeiten des Musikvereins wurden nach und nach beschnitten, der Verein bereits im Herbst 1939 praktisch und am 15. Jänner 1941 durch eine Verordnung des Reichsstatthalters Hofer auch formell aufgelöst. Die Musikschule wurde in die „Musikschule der Gauhauptstadt Innsbruck“ umbenannt.

Weidlich löste mit 31. August 1942 den Direktorenvertrag in Innsbruck auf und nahm die Stelle als Dirigent in Lemberg und später in Preßburg an. Als Leiter der Gaumusikschule fungierten nacheinander Otto Engelmaier und Anton Grad.

Durch den Krieg kam es immer wieder zu Beeinträchtigungen im Schulbetrieb, ein geregelter Unterricht konnte bis Kriegsende nicht mehr geführt werden.

Am 1. Mai 1945 kam Fritz Weidlich wieder als städtischer Musikdirektor und Leiter der Musikschule der Stadt Innsbruck zurück.

Die Verwaltung der Musikschule erfolgte nun durch die Stadtgemeinde, auch das Orchester wurde im Jahre 1946 durch die Stadt Innsbruck definitiv übernommen.

Die Lehranstalt hatte zwar ihren Rang als Konservatorium eingebüßt, es konnte aber wieder im Musikvereinshaus unterrichtet und das Lehrangebot allmählich erweitert werden.

Fritz Weidlich starb am 16. August 1952 an den Folgen eines Herzinfarktes.

Zwei wichtige Ereignisse fielen in die Amtszeit von Kurt Rapf, der von 1953 bis 1960 Musikdirektor war: Der im Krieg zerstörte Stadtsaal, wo die Abonnementkonzerte der Stadt Innsbruck zur Aufführung kamen, wurde 1956 wieder aufgebaut, und die Städtische Musikschule durch Erlaß des Bundesministeriums für Unterricht vom 20. Februar 1957 in den Rang eines Konservatoriums mit Öffentlichkeitsrecht erhoben.

Da Kurt Rapf anderweitige künstlerische Interessen hatte, wurde die Direktorenstelle wieder vakant, und am 1. September 1960 trat Dr. Robert Wagner die Nachfolge als Musikdirektor an. Ihm gelang im Jahre 1961 die Einführung eines Seminars für Musikerziehung und einer Abteilung für Schulmusik. Letztere diente der Heranbildung künftiger ProfessorInnen für Musik in allgemeinbildenden höheren Lehranstalten und stellte einen Teil der Hochschulausbildung dar. Mit der Berufung zum Präsidenten der Salzburger Akademie Mozarteum beendete Wagner seine Tätigkeit 1966 in Innsbruck.

Nachfolger wurde Karl Randolf. Sein Stellvertreter wurde Prof. Walter Kurz, der die dem Konservatorium angeschlossene Musikschule, das Seminar für Musikerziehung und das Schülerorchester leitete.

Die Musikschule stellte sozusagen eine Vorstufe der Ausbildung dar. Für die Aufnahme mußte man eine Prüfung ablegen, in der vor allem Gehör und Rhythmusgefühl getestet wurden. Mit der Übertrittsprüfung war die Aufnahme in das Konservatorium verbunden.

Randolf schied mit der Saison 1971/72 aus seinem Dienst in Innsbruck aus.

Am 17. November 1971 beschloss der Stadtsenat einen Antrag des Kulturausschusses, der eine Neuordnung in der Leitung des städtischen Orchesters und des Konservatoriums vorsah. Für das Orchester wurde Edgar Seipenbusch verpflichtet, den Posten für das Direktorium der Musikschule und des Konservatoriums erhielt Dr. Bruno Wind.

Lehrer-, Geld- und Platzmangel waren das zentrale Problem zu Beginn seiner Amtszeit. Durch die Schaffung von Außenstellen gelang es Dr. Bruno Wind in kurzer Zeit die Schülerzahlen von 800 auf 2500 zu steigern.

Um der Raumnot entgegen zu wirken, wurden durch einen Beschluß des Innsbrucker Stadtsenates vom 4. August 1980 Räumlichkeiten im Gebäude des ehemaligen Ursulinenklosters angemietet. Diese mussten noch für die jeweiligen Unterrichtszwecke entsprechend umgebaut werden. Bereits am 5. Oktober 1981 wurde der Schulbetrieb aufgenommen, die offizielle Übergabe erfolgte am 23. März 1982.

Die finanzielle Hauptlast bezüglich Subventionen lag bis dato bei der Stadt Innsbruck, obwohl viele SchülerInnen nicht von Innsbruck stammten. Durch Übernahme des Konservatoriums durch das Land Tirol konnten die Kosten entsprechend aufgeteilt werden. Die verwaltungsmäßige Trennung von Musikschule und Konservatorium erfolgte mit 1. September 1987. Direktor der Musikschule wurde Prof. Walter Kefer.

Nach dessen Pensionierung am 1. April 1995 übernahm Walter Schneiderbauer für 2 Jahre die interimistische Leitung der Musikschule.

Seit September 1997 ist MMag. Dr. Wolfram Rosenberger Direktor der Musikschule.

 

Literaturangabe:

150 Jahre Musik 1818-1968. Festschrift anlässlich der 150-Jahr-Feier, Innsbruck 1968. Wolfgang Steiner (Hrsg.), 175 Jahre Musikverein – Musikschule – Konservatorium in Innsbruck, Innsbruck 1993.